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«Uns aus Notdurft in die Gegenwehr schicken»

Winterthur, das Weinland und die angrenzenden Gebiete im Schwabenkrieg von 1499

Von Peter Niederhäuser

Manuskript für Zürcher Taschenbuch auf das Jahr 2001

(erscheint Ende 2000)

 

«Es ist angesehen, zu Lob Gotes, och zu Trost der Selen, so jn unsern Nöten ietz vergangens Kriegs gegen Schwabschen Pund verloren hand, uff die erlichen Sig, Gluk und Heil, so Got der almechtig uns gegen die unsern Finden verlihen hat, das jn der dry Lutkilchen Zürich [...] jerlichs [...] ein Ampt von der heiligen Drufaltig, darnach ein Selampt und am dritten ein Ampt von unser lieben Frowen gehept und dz die Untertanen von Lutpriestern underwisd werden, zepiten fur die Selen, und so dabj ze underrichten, us wz Ursach die ufgesetzt sig, darzu vor gemeiner Stat eine spend ze geben armen Luten, und dz och zu solchen Emptern all Undertenen kemen und bis zu End dabj sigen.»[1]

Genau ein Jahr nach der Schlacht bei Schwaderloh oder Ermatingen, am 11. April 1500, beschlossen Bürgermeister, Kleiner und Grosser Rat der Stadt Zürich, die Erinnerung an den bereits kurze Zeit später als «Schwabenkrieg» bezeichneten Konflikt mit Hilfe einer umfassenden Jahrzeit, Spenden, Unterweisungen und Teilnahmepflicht festzuschreiben. Schon vorher hängte der Rat die erbeuteten Fahnen als Siegeszeichen in der Wasserkirche auf, ein auch in anderen Orten beliebtes Vorgehen, um die eigene Überlegenheit in geweihtem Rahmen zeichenhaft zu inszenieren und im Gedächtnis der Nachwelt festzuschreiben.[2] Kein Wunder also, dass die blutigen Ereignisse von 1499 im Selbstverständnis Zürichs eine wichtige Rolle spielten und spielen. Vor allem auf die breit ausgeschmückten Schilderungen des Chronisten und Chorherrn Heinrich Brennwald abstützend, haben zahlreiche Historiker die städtisch-obrigkeitliche Sichtweise zu vertiefen und auf das gesamtschweizerische Geschichtsbild abzustimmen versucht - mit dem Resultat allerdings, dass sich die Gewichtung immer stärker auf ein übergeordnetes nationalstaatliches Feld verlagerte. Zürichs Leistungen fanden zwar durchaus einige anerkennende Worte, blieben jedoch im Schatten der von einer ereignisorientierten Kriegsgeschichte ausführlichst geschilderten eidgenössischen Erfolge, die seit dem 19. Jahrhundert im Geist des jungen Bundesstaates als glanzvolle Verteidigung der Unabhängigkeit gegenüber dem Reich und Österreich gefeiert wurden.[3]

Die je nach Standpunkt als «Schwaben-», «Schweizer-», «Tiroler-» oder «Engadinerkrieg» bezeichnete Auseinandersetzung spielte sich aber nicht nur auf einer übergeordneten Ebene ab; zahlreiche kleinere und grössere Konflikte trugen ebenfalls zur Eskalation der zum Teil schon länger schwelenden Gegensätze bei. Als stolze Reichsstadt wie als nördlichster, direkt an schwäbisches Gebiet angrenzender Ort der Eidgenossenschaft schien Zürich ganz besonders betroffen. Obwohl anfänglich eher widerwillig in den Krieg hineingezogen, entwickelte sich die Limmatstadt zunehmend zum «Motor» der eidgenössischen Politik und vertrat gleichzeitig eine immer eigenständigere Haltung. Hoffnungen auf Gebietserweiterungen - im Vordergrund stand der Klettgau - zerschlugen sich jedoch an der wenig nachgiebigen Haltung der anderen Orte, die wie etwa Luzern kaum zu einseitigen Zugeständnissen an Zürich bereit waren.[4] Auch wenn im Hegau und Klettgau verschiedene Kämpfe und Plünderungszüge stattfanden, blieb der Krieg von 1499 zum Leidwesen des Rats ohne nachhaltige Auswirkungen auf die Nordgrenze des zürcherischen Stadtstaates.

Mit der Frage der Grenzziehung rückt aber ein anderer Aspekt ins Bild des Schwabenkriegs. Die Geschichtsschreibung hat sich bis anhin beinahe ausschliesslich für eine Sichtweise vom Zentrum her interessiert, was zwar den Entscheidungsstrukturen, nicht aber dem Grad der Betroffenheit entsprach. Die Last der Kriegsführung wie Grenzverteidigung ruhte mehrheitlich auf den Schultern der Landbevölkerung, die überdies - zumindest entlang des Rheins - unmittelbar von Verheerungen bedroht war. Der einseitige Blick auf die Bedeutung des Schwabenkriegs für Stadt und Landschaft Zürich mag zwar auch mit der obrigkeitlichen Überlieferung zusammenhängen, wurde aber hauptsächlich von der Vorliebe vieler Historiker für die «grossen» Ereignisse diktiert. Diese Diskrepanz zwischen lokalem «Non-lieu» und nationalgeschichtlichem Glanz bedarf nicht nur im Falle des Schwabenkriegs dringend einer Korrektur, präsentiert sich doch die Geschichte «von unten» oder vom Rand her oft in einem anderen Licht.

Die Frage nach dem Kriegsalltag in einer bestimmten Grenzregion bildet den Ausgangspunkt der folgenden Ausführungen. Im Zentrum stehen die nördlichen Gebiete des Zürcher «Stadtstaats» mit Winterthur, Stein am Rhein und dem Weinland. Da die Quellenlage für die lokale Wahrnehmung des in unmittelbarer Nähe drohenden Kriegs recht dürftig ist, müssen die benachbarten Regionen - vor allem der Thurgau und Hegau - miteinbezogen werden, was auch der Realität des sich auf einer breiten Front abspielenden Konflikts entspricht. Im Rahmen einer dichten Beschreibung werden Sorgen und Ängste wie Beuterausch und Rücksichtslosigkeit ausführlicher vorgestellt und auf ihre Bedeutung für das Kriegsgeschehen untersucht. Militärischer «Höhepunkt» ist zweifellos der 1. Hegauerzug, der als typisches Beispiel für die zahlreichen Plünderungszüge grössere Aufmerksamkeit verdient, ehe die mehr strukturellen Bedingungen und Auswirkungen des Kleinkriegs ins Blickfeld rücken. Das Interesse gilt damit weniger den im nachhinein zu glorreichen Schlachten verklärten Gefechten als dem oft ernüchternden Alltag und dem schwer fassbaren Verhältnis zum «schwäbischen» Nachbarn. Am Beispiel von Winterthur und dem Adel der Region Winterthur soll schliesslich die Frage nach den Folgen der blutigen Auseinandersetzungen aufgeworfen werden. Ziel dieses Vorgehens ist, die tatsächlichen Aus- und Nachwirkungen des Konflikts am Rhein zwischen Stein und Eglisau besser zu erkennen. Welche Bedeutung gewinnt der Schwaben- oder - aus süddeutscher Optik - Schweizerkrieg für das Zusammenleben von «Schwaben» und «Schweizern»? Stellte der Konflikt in einer lokalen Perspektive überhaupt einen tieferen Einschnitt dar? Und decken sich die Beobachtungen mit der bis heute vertretenen Aussage zahlreicher populärwissenschaftlicher Werke, dass der Krieg zur Festschreibung einer «Rheingrenze» und zur Loslösung vom Reich und damit vom süddeutschen Raum geführt hat?[5]

 

Lokale Geschichtstraditionen und zentrale Archive

Wer in Winterthur nach den Spuren des für das nationale Selbstverständnis der modernen Schweiz so zentralen Schwabenkriegs forscht, stösst auf ein hartnäckiges Schweigen. Im Stadtarchiv werden nur gerade ein Dutzend Briefe aufbewahrt, die sich äusserst knapp auf die kriegerischen Ereignisse beziehen und vor allem Instruktionen Zürichs für die Stellung von gerüsteten Knechten beinhalten. Auch die für die spätmittelalterliche Geschichte Winterthurs zentrale, um 1530 verfasste Chronik des Chorherrn Laurentius Bosshart bleibt auffallend stumm. Zum Jahr 1499 führt Bosshart ein zeitgenössisches Spottlied des Rapperswilers Peter Müller an, das durch seinen Umfang den Rahmen der knappen, annalistisch geprägten Einträge zwar deutlich sprengt, aber ohne jeden Bezug zur Eulachstadt steht und deshalb in der Edition Kaspar Hausers kommentarlos weggelassen wurde.[6] Am ausführlichsten behandelt Rektor Troll in seiner 1840 erschienenen Abhandlung über die Kriegsgeschichte den Schwabenkrieg. Er schreibt - fälschlicherweise - den Winterthurern einen gewichtigen Anteil an der Schlacht bei Schwaderloh zu und schliesst sein Kapitel mit einer fantasievollen Verknüpfung von «Heldentaten» mit Redensarten. «Weil in der Schlacht bei Hard am Bodensee anno 1499 einzig von Ulm fünf hundert Bürger [...] unter den Streichen der Eidgenossen in einem Graben todt über einander liegend gefunden worden, so blieb in dem Munde unserer zankenden oder prügelsüchtigen Bürger lange das geringschätzig reizende Wort: Gib ihm Eins! Er ist von Ulm.»[7] Das bis heute massgeblichste Buch über das mittelalterliche Winterthur von Werner Ganz behandelt schliesslich den Krieg, in Anlehnung an Urkundenregesten, auf wenigen Zeilen als Teil der eidgenössisch-zürcherischen Politik.[8] Der Schwabenkrieg, so das Fazit dieses kurzen Überblicks, schien weder für die Chronistik noch die Historiografie Winterthurs ein vordringliches Thema. Verlor die Eulachstadt nach der Einverleibung in den zürcherischen Stadtstaat 1467 mit der Eigenständigkeit jedes politische Profil?

Ähnlich schwierig gestaltet sich die Suche nach den Auswirkungen des Schwabenkriegs in der Landschaft. Der von der Forschung bisher kaum beachtete rege Briefwechsel der Zürcher Obrigkeit mit Hauptleuten und Vögten erlaubt jedoch einen wertvollen Einblick in die alltäglichen Probleme und findet in einzelnen Regestenwerken eine aufschlussreiche Ergänzung.[9] Das traditionelle Bild eines Konflikts, der vor allem von den schwäbischen Truppen einen hohen Blutzoll forderte und die nachhaltige Auseinanderentwicklung von «Schweizern» und «Schwaben» zementierte, findet in der regionalen Überlieferung aber kaum eine Entsprechung.[10] Schon bald nach Kriegsende schien sich auf beiden Seiten des Rheins der Vorkriegszustand mit seinen alltäglichen kleinen Geschichten einzupendeln. Die 1499 so heftigen Auseinandersetzungen waren plötzlich vergessen - oder tauchten sie einfach in der lokalen Schriftstücken nicht mehr auf? Auf der diplomatischen Ebene ging das Ringen um die Spätfolgen des Kriegs durchaus weiter. Schon während der Friedensverhandlungen in Basel zeichnete sich ab, dass die Kriegsparteien nach einem rund achtmonatigem Ringen kaum wussten, weshalb dieser so verheerende Streit überhaupt ausgebrochen war; jeder fühlte sich als wahrer Sieger, jeder schob dem anderen die Schuld am Konflikt zu. Trotz einer unterschiedlichen Auslegung des Friedensvertrags verzichteten beide Parteien künftig auf den gefährlichen Griff zu den Waffen.

 

Sturmgeläut und Vorsichtsmassnahmen

Obwohl die Beziehungen zwischen eidgenössischen Orten und Schwäbischem Bund seit langem gespannt waren, eskalierte der Konflikt nicht am Rhein, sondern im fernen Münstertal. Angesichts der auf beiden Seiten spürbaren Kriegsbereitschaft mussten Friedensbemühungen zum Scheitern verurteilt bleiben: Die zusammengetrommelten Truppen waren nicht bereit, vorschnell auf Beute und Ruhm zu verzichten, und reizten einander nur allzu bereitwillig mit Schimpfworten. Als im Rheintal ein neuer Brandherd entstand, überrollte die Entwicklung bald alle Vorstellungen eines kleinen, kontrollierten Schlagabtausches. Noch am 3. Februar 1499 forderte König Maximilian den Zürcher Rat auf, die Bündner nicht zu unterstützen, und versprach «sonnder guet Wolgefallen genedigelich gegen ewch unnd gemainer Aidgenosschafft», während Bern Zürich gegenüber sein Bedauern über «soliche Wyderwärttikeit» mitteilte und eine Woche später unterstrich, dass diese Aufruhr «unns als Furdrern Frids unnd Ruwen nitt clein bedurett ...».[11] Doch die Pflicht der Bündnistreue fiel schliesslich stärker ins Gewicht als vorsichtiges Abwarten und das Hoffen auf eine Beruhigung der Lage. Innert kürzester Zeit mobilisierten die eidgenössischen Orte ihre Knechte und überzogen das Rheintal mit Krieg, um sich für die herausfordernden Spottreden zu rächen und gegen tatsächliche oder vermeintliche Rüstungsbemühungen des Schwäbischen Bundes zur Wehr zu setzen.

Schon vor Ausbruch der eigentlichen Kriegshandlungen beeinflussten die Spannungen mit dem Bund und der nur vordergründig geschlichtete Streit im Münstertal Wahrnehmungen und Ängste der Leute. Ende Januar berichtete ein Hensli Ziegler aus Villingen dem Rat von Luzern, dass «man die Eignossen an 4 Enden wil angriffen» und «das all Lantsherren hand zusamen gesworen und ein Bunt gemacht», während der Landvogt im Thurgau von Junker Hans von Landenberg-Altenklingen erfahren haben wollte, dass «etlich gross Ufrur ennethalb Sees sige und sich ain Folck gen Costentz versamlen werde».[12] Konstanz hingegen sah sich bereits als Ziel eines Anschlags der eidgenössischen Orte und erwägte ein Warnläuten.[13] Gerüchte zogen durchs Land und liessen die Angst vor dem scheinbar vor der Türe stehenden Feind greifbar werden. Ein erstes Sturmgeläut weckte in der Nacht vom 29. Januar den Thurgau: «Iederman was allenthalb in grossen Unruwen und wusst niemand, wo man zukeren solt ald waher sich der Sturm am ersten erhaben hett», berichtete die Wiler Chronik.[14] Auch in den folgenden Tagen dauerte die Ungewissheit im Thurgau an: Jakob Mötteli, Schlossherr in Pfyn, führte seine Korn- und Weinvorräte nach Wil und zog selber mit Gesinde und Geschütz nach Winterthur - «niemand wüsst, wes man sich halten sölt, so doch von unsern Hern den Aidgnossen gar nützig ze wissent getan wurd.»[15] Bereits am 30. Januar standen rund 800 Männer unter ihrem Hauptmann Hans von Landenberg, einem Einwohner Winterthurs, im Thurgau bereit, während 40 Leute aus Stammheim die Besatzung in Stein am Rhein verstärkten.[16] Furcht und Misstrauen bestimmte auch das Denken der Landadligen. Melchior von Hohenlandenberg beispielsweise, ein Vetter des Bischofs von Konstanz und des Burgherrn von Hegi, informierte Zürich, dass er sein Schloss Neuburg bei Mammern «zu uwern und anderer miner Herren gemainer Aidgnossenschaft handen bewaren» wollte.[17] Michael Happ von Honeck, Besitzer des Schlosses Widen bei Ossingen, ging einen Schritt weiter und bat Zürich um die Entsendung einer kleinen Besatzung, da gar «schnell schwer Löff sich zu Unfrid erhebt haben», ebenso wie der Burgvogt in Bürglen, Konrad Mötteli, der Knechte und Geschütze anforderte, um das Schloss zu halten, weil «die Pursame mercklich Erschreckny darab hatt, dz sy kain Wer zu dem Schloss sechind», so dass der Vogt «mit der Pursame [...] kainss Legers vor dem Schloss zu erwarten» wagte.[18]

Am 31. Januar erreichten die Kriegswirren mit dem ersten Schreiben Zürichs auch Winterthur. «Uff die Rustungen och kriegliche Furnemen des Schwäbischen Punds», so mahnte der Rat der Limmatstadt, «erfordert unser Notturft, uns, och die unsern deshalb zu versehen und uns jn die Gegenwer zeschicken.»[19] Winterthur musste 70 gute Männer mit Harnisch und Waffen auf Abruf stellen. Am gleichen Tag trafen zudem durch das Sturmgeläut im Thurgau alarmierte Truppen aus Greifensee in Winterthur ein, die aber vom Schultheiss wieder nach Hause geschickt wurden.[20] Blutige Scharmützel blieben vorerst in beruhigender Ferne, die Aufmerksamkeit der Obrigkeit galt dem Schutz der exponierten Grenzorte, die als Brückenstädtchen entlang des Rheins eigentliche Schlüsselstellen für Angriff und Abwehr bildeten. Bereits am 29. Januar beschäftigte sich die Tagsatzung in Luzern mit dieser Frage und wollte alle «an das Land unserer Widerpart» anstossenden Städte, Schlösser und Vogteien ermahnen, sich gerüstet zu halten.[21] Weitere Massnahmen folgten bald. Auf den 2. Februar «schicktend die von Zurich etliche Stuck Büchsen und 20 Schützen gen Stein hinuss an den Ryhn, die Stadt daselbs sambt dem Schloss Hohenklingen zubewahren, beschidend ihre Lüth von Andelfingen, Stambhaim und Ossingen, Acht uff sy zuhaben und ihnen, wo es Noth syn wurde, zuzuziehen.» Weitere eidgenössische Truppenkontingente wurden nach Schaffhausen, Kaiserstuhl, Diessenhofen, Schwaderloh ob Konstanz, Zurzach, Koblenz, Rorschach und ins Rheintal gesandt.[22]

Die beiden Zürcher Ratsherren Lazarus Göldli und Heinrich Röichli, zuständig für Stein am Rhein, schilderten die Situation in düsteren Farben. Während Geschütze und Pulver fehlten, waren die Wehranlagen «eben bloss und nit zum besten versorgt», die Einwohner Steins aber bereit, die erkannten Schwachstellen auszubessern. Von den für die Verteidigung eigentlich notwendigen 1000 Personen aus Stammheim, Andelfingen, Ossingen und anderen Orten waren gerade 220 eingetroffen, die jedoch heimkehren wollten, obwohl der Feind innert einer Stunde das Städtchen anzugreifen drohte.[23] Eine knappe Woche später hatte sich das Truppenproblem akut verschärft: «Fil güter Knechte» aus den erwähnten Ortschaften waren «nu all heim gezogen und hond nit lenger wellen beliben, als sy vermeinten, es wer jnen zu schwer und musten dez ein grossen Costen erliden, wiewol die von Stein jnen acht Tag die Lifferung geben habent.» Eigennutz und die Angst vor den unabsehbaren Kosten überwogen nachbarschaftliche Solidarität und den Gehorsam gegenüber der Obrigkeit. Dank der Fürsprache der beiden Räte schickte Stammheim immerhin wieder 50 Knechte, die jedoch am nächsten Tag bereits wieder verschwanden. Die Last der Verteidigung lag nun ganz auf den Schultern der Einwohnerinnen und Einwohner von Stein. Diese «erzeigent sich als from biderb Lut [...], daz warlich jn fil zu schwer wil sin, besünder der grossen Unru halb den gantzen Tag werchen und die Nacht darzu wachen.»[24] Inzwischen waren immerhin Geschütze angekommen. Als der Büchsenmeister Bilgeri Grossmann aber von der Burg Hohenklingen aus mit der halben Schlange einen Schuss abgab, um die Büchse zu testen, zerbrach das Geschütz «zu fil Stucken» und verwundete einen Knecht von Andelfingen. Grossmann wies jede Schuld von sich und ortete die Ursache in dem von Zürich hergeschickten Pulver.[25] Die Besatzung liess sich von solchem Missgeschick nicht entmutigen und konnte nur mit grösster Mühe von einem Plünderungszug in den nahen Hegau abgehalten werden. Ihr Eifer stiess durchaus auf das Verständnis der Hauptleute, die Zürich gegenüber anfügten, «die Gesellen vermeinent, sy syent arm und wölltend gern underston, etwas zu gewinnen ...».[26]

Unter diesen Umständen musste das Vertrauen in die Grenzsicherung bescheiden bleiben, zumal sich die Tagsatzung wiederholt gezwungen sah, eidgenössische Orte zur Entsendung ihrer Zusätze aufzufordern.[27] Das äbtische Wil deponierte sechs wichtige Freiheitsbriefe in Winterthur, das diese Urkunden zu den eigenen Schriftstücken in die Ratstruhe legte, aber jede Verantwortung ablehnte, wenn «die daruber verletzt oder gewüscht würdid, es wer von Wasser, von Fur oder anderem.»[28] Wesentlich willkommener war der Thurgauer Gerichtsherr Jakob Mötteli, der mit Hausrat und Geschütz in Winterthur eintraf. Kaum hatten Schultheiss und Rat die Büchse entdeckt, baten sie den Junker «ernstlich umb [...] ir Statt Noturft», diese «by jnen zewarten lassen und usser der Statt nit mer zeendern.»[29] Damit war nun aber der Zürcher Rat gar nicht einverstanden, der das Geschütz bereits dem Vogt von Bürglen und Bruder Jakobs, Konrad Mötteli, versprochen hatte. Im Notfall seien genug Büchsen in Zürich, um auch Winterthur zu beschützen. Aus der festen Überzeugung heraus, dass die Eulachstadt nie so heftig bedrängt werde, schloss der Rat von Zürich seinen Brief mit der tröstlichen Versicherung, «wils Got, der uch lang zit säligklich bewar.»[30] Überhaupt schmiedete Zürich andere Pläne, als hinter den Stadtmauern ängstlich den Feind zu erwarten. Noch bevor die Truppen des Schwäbischen Bundes in der Lage waren, eidgenössisches Gebiet ernsthaft zu bedrohen, planten eidgenössische Orte einen Angriff und lehnten Friedensbemühungen des Bischofs von Konstanz kurzerhand ab.[31]

 

Eine zerstörte Winterlandschaft

Am 18. Februar rückten rund 2000 Zürcher - unter ihnen der hegauische Junker Eberli von Reischach, gegen 30 zürcherische Landadlige und die 70 erwähnten Winterthurer, verstärkt durch Ulrich von Landenberg[32] - von Diessenhofen und Stein am Rhein aus in den Hegau, während Berner, Freiburger und Solothurner Truppen über Schaffhausen nach Norden vordrangen. Der als 1. Hegauerzug bekannt gewordene Vorstoss, die erste grössere Kriegshandlung unterhalb des Bodensees, verfolgte keine strategischen Ziele, sondern diente in offensichtlicher Weise der Rache, der Beute und dem demonstrativen Nachweis der eigenen militärischen Überlegenheit.[33] Der Zug zielte vor allem auf Dörfer und Adlige, die für tatsächliche oder vermeintliche Schmähreden gegen «Kuhschweizer» bekannt geworden waren, die als Mitglieder des Schwäbischen Bundes von den eidgenössischen Orten als treulose Verräter empfunden wurden oder sich in den täglichen Reibereien besonders hervortaten.[34] Was sich genau in den Vorkriegstagen an den «Grenzen» abspielte, muss im dunkeln bleiben. Im Unterschied zum oberen Rheintal, wo die Provokationen dank dem obrigkeitlichen Briefwechsel recht gut belegt sind, fehlen für den an zürcherisches Gebiet anstossenden Hegau klare Hinweise auf eine Eskalation. Erst Brennwald erwähnt den täglichen Spott vor Konstanz und bringt den Hegaufeldzug mit Dörfern wie Steisslingen und Hilzingen in Verbindung, die «gar vil Hochmutes vor har mit iren Nachpuren Diessenhofen, Stein, Schafhusen und anderen getriben hatend», während Anshelm zusätzlich einen Wirt in Hilzingen anführt, der «an sin nuw Hus einen Swytzer mit einer Ku und schantlichen Rimen gemalet hat.» Zeitgenössische Briefe sprechen hingegen allgemeiner von der Bestrafung jener Dörfer, «die den Vorzug an uns Eydtgnossen wölltend koufen.»[35]

Der erste Angriff galt Gailingen, dessen Vogt Burkhard von Randegg seine Untertanen bewaffnet hatte, mit diesen provokativ vor die Mauern Diessenhofens gezogen war und die üblichen Spottreden gehalten sowie ein totes Kalb in die städtische Brunnenstube gelegt hatte. Noch bevor die Bauern von Gailingen ihr Vieh wegtreiben konnten, plünderten zürcherische Knechte das Dorf und legten Feuer.[36] In den folgenden zehn Tagen verheerten die eidgenössischen Truppen ungehindert Dörfer und Burgen im Hegau bis vor Engen und Radolfzell. Voller Stolz berichtete der Freiburger Hauptmann über die Bestrafung der frechen Dorfbewohner. Das Niederbrennen von Ortschaften war zwar den Hauptleuten leid, wollten sie doch lieber Brandschatzungsgeld erpressen. Besonders bedauerten sie aber das Fehlen des Feindes, warteten doch alle gierig auf eine Schlacht. Aber «alle Welt flücht und förchtet uns, Gott sy des gelopt.» Gleichzeitig wunderte er sich über die Machtlosigkeit des Gegners, der sich zurückziehen und seine Burgen, meist wenig wehrhafte Landsitze, von Bauern verteidigen lassen musste. Sogar der oberste schwäbische Hauptmann, Hans Jakob von Bodman, sah sich gezwungen, sein Schloss hilflos preiszugeben. Selbstzufrieden schloss der Freiburger seinen Brief mit der Beteuerung, «das es uns wol und vor Gots Gnaden glücklich gat. Wir sind guter Dingen.»[37]

Ganz anders präsentierte sich die Lage für den Adel des Hegaus, der angesichts der feindlichen Übermacht hilflos den umherziehenden Eidgenossen zusehen musste und dem nichts anderes übrigblieb, als sich in die wenigen sicheren Plätze wie Engen oder den Hohentwiel zu retten. Die Wut der Adligen richtete sich gegen die Bauern, die zur Verteidigung der Burgen abkommandiert wurden, bei Gefahr allerdings lieber ihren Kopf als das Gut ihres Herrn retteten und deshalb beim ersten Schuss kapitulierten, aber auch gegen die Verbündeten, deren nur zögerlich rekrutierte Truppen oft genug bei der erstbesten Gelegenheit das Weite suchten und wenig Kampfeseifer an den Tag legten. Einer der Hauptleute, Konrad von Schellenberg, warnte die habsburgischen Räte, es sei zu befürchten, «als dann die Edellut im Hegow ire Vestinen und Schlösser mit iren Buren besetzt haben, das sye von iren Buren ussgetryben und die Aidgenossen die innemen und besetzen werden und darnach das gantz Wirtembergisch Land ab und abhin verlorn und wir allesamt Aidgenossen werden müssen [...]. So werden die Aidgenossen herrschen ob dem Römischen Kung und allem Stadt des Adels, das doch nie erhört und erbermcklich» sei.[38] Ein anderer führender Adliger, Graf Wolfgang von Fürstenberg, befürchtete sogar, die Feinde werden «bis vor Ulm ziehen».[39] Die mahnenden Appelle fruchteten jedoch nichts; die einzigen Erfolgserlebnisse bescherten bestenfalls Angriffe auf frei umherziehende eidgenössische Knechte, dem sogenannten Blutharsch, der, den (offiziellen) Truppen nachziehend, in eigener Regie kämpfte und vor allem plünderte.

Auseinandersetzungen unter den Eidgenossen über die weiteren Kriegsziele retteten den restlichen Hegau vor den drohenden Verheerungen. Während Zürich gegen Überlingen ziehen wollte und Solothurn die Belagerung Engens plante, lehnten Bern und Freiburg Massnahmen gegen Reichsstädte ausdrücklich ab.[40] Schon zu Beginn des Hegauerzuges beklagte sich der Berner Rat wortreich über die Absicht der Tagsatzung, den Hegau zu verwüsten; das Rauben und Brennen sei keine Gewohnheit ihrer Vorfahren.[41] Mit ihrer Haltung stand die Berner Obrigkeit aber weitgehend allein. Die eidgenössischen und mit ihnen auch die bernischen Truppen steigerten sich vielmehr in einen wahren Beuterausch und führten noch während des Kriegszuges das geplünderte Gut nach Hause. Das unerlaubte Entfernen aus dem Feld und die frei umherziehenden Knechte blieben während des ganzen Schwabenkriegs ein ungelöstes Problem. Mitte März 1499 verbot die Tagsatzung erfolglos den Blutharsch als ein «unzimlich Wesen, so unser Vordern nie beschechen ist [...], dadurch wir gross Unlob gegen Gott dem Allmächtigen erholen, uns dadurch auch gross Smach und Schand zugefügt möcht werden.»[42] Die Gier auf Beute war jedoch stärker als jedes Verbot. Kaum vernahm die Besatzung von Stein am Rhein die ersten eidgenössischen Erfolge, zog sie vor das Schloss Rosenegg, das geplündert und niedergebrannt wurde - «desglich tatend si etlichen Dörferen, so inen am Weg lagend.»[43] Sogar Dorfleute und Stadtbewohner zogen im April 1499 beim 2. Hegauerzug den eidgenössischen Truppen nach und plünderten die Landschaft. Hilflos musste der Zürcher Landvogt von Eglisau Personen mit Wagen und leeren Fässern oder mit Pferden und leeren Säcken durchziehen lassen, die frech behaupteten, dem Heer Nahrungsmittel zu bringen, in Tat und Wahrheit aber sich auf eigene Faust bereichern wollten.[44]

Als sich Ende Februar die Eidgenossen vollbepackt nach Schaffhausen und Stein zurückzogen, hinterliessen sie eine verwüstete Winterlandschaft — der Kleinkrieg hatte vor allem auf Kosten der Bevölkerung stattgefunden. Dem durchschlagenden Erfolg zum Trotz liessen sich auch auf eidgenössischer Seite einzelne Stimmen der Kritik vernehmen. Der Freiburger Chronist sah die Wirkung des überraschenden Vorstosses in den Hegau vor allem darin, dass «Schlöss und Dörfer in merklicher Zal verbrannt und armer Lüt vil gemacht» wurden.[45] Der Berner Chronist Anshelm begrüsste zwar die Bestrafung der Spötter, empfand aber ein «Grusen ab der grossen Anzal Kinden, Wiben, Kintbetterin, Alten, Kranken, siglosen Lüten, so da vom Fyr kum nackend im Schne entfliehen oder entflöcht mochtend werden, und vil, vom Fyr entrunnen, in der Kälte mustend verderben.»[46] Leidtragende waren aber nicht nur angeblich freche Bauern und hochmütige Adlige, die anschliessend gemeinsam die Last der Plünderungen und Brandschatzungen zu tragen hatten[47], sondern auch Klöster des eidgenössischen Gebietes, deren Grundbesitz jenseits des Rheins von den wahllos plündernden Knechten ebenfalls bedroht war. Nur dank der Fürbitte des Abtes von Stein und gegen ein beträchtliches Brandschatzungsgeld blieb Hilzingen verschont, hatte doch der Abt eindringlich die Eidgenossen ermahnt, dass er selber den Zehnt, das Kloster die besten Höfe und Gülten im Dorf besassen; bei einem Brand wäre das Kloster «verderbt». Gailingen hingegen erkaufte sich mit 150 Gulden den Schutz der eidgenössischen Hauptleute in Diessenhofen, die eine Rückgabe des Geldes zusicherten, falls das Dorf trotzdem von eidgenössischen Truppen zerstört würde.[48] Angst und Misstrauen zwischen Nachbardörfern ging übrigens soweit, dass einzelne Orte Abkommen trafen, um sich vor gegenseitigen Racheakten zu schützen, was sogar Eingang in die Tagsatzungsprotokolle fand: «Randeck, das Dorf im Hegau, welches unsern Feinden gehört und von den Unsern gebrandschatzt ist, und Dörflingen, das denen von Zürich gehört und von den Feinden verbrannt worden ist, haben sich unter beidseitiger Zustimmung vereint, dass sie gegenseitig sicher wohnen und ihre Felder bebauen mögen».[49] Unnötig anzufügen, dass sich die Eidgenossen mit ihrem Vorgehen im Hegau gerade unter den Bauern kaum Freunde schufen. Während die Tagsatzung die Haltung der eigenen Truppen als «ritterlich» lobte, befürchtete Luzern einige Wochen später, dass die Zügellosigkeit der eigenen Knechte beim 2. Hegauerzug «uns Eidtgnossen Unlob und mergklich Nachred geberen» werde.[50] Von nun an markierte der Rhein tatsächlich die Grenze der zürcherischen Landschaft, nämlich eine Grenze zu verwüstetem Gebiet - für die nachbarschaftlichen Beziehungen nicht gerade vielversprechende Grundlagen.

Auch Truppen aus Winterthur beteiligten sich wacker an der Plünderung des Hegaus, nachdem sie bei einem Alarm zusammen mit Leuten der Grafschaft Kyburg den Auszug Solothurns verstärkt hatten.[51] Jakob Mötteli, der anfangs Februar sein Gut nach Winterthur in Sicherheit gebracht hatte, benützte den Krieg zu einer persönlichen Abrechnung. Von ihm bezahlte Knechte brannten das Schloss (Neu-)Hausen nieder, das Peter Anderes gehörte, einem Gegner Möttelis in einem langen Rechtsstreit.[52] Ein besonderer Fang gelang dem Winterthurer Hauptmann und Ratsherrn Ulrich Stutz. Er nahm nördlich von Radolfzell den Konstanzer Dompropst Sigmund Kreuzer, dessen Bruder Oswald und Hans von Knöringen gefangen und führte diese, wohl in der Hoffnung auf ein fettes Lösegeld, nach Winterthur. Die Inhaftierung des Geistlichen, der möglicherweise als Unterhändler Habsburgs unterwegs war[53], erschien um so Aufsehen erregender, als der Bischof und das Domstift von Konstanz offiziell keiner Kriegspartei angehörten. Bischof Hugo von Hohenlandenberg, geboren angeblich im Schloss Hegi bei Winterthur, unterhielt zeitlebens enge Beziehungen zur Eulachstadt und zu den eidgenössischen Orten; gelegentlich wurde er gar - nicht immer wohlwollend - als «geborener Eidgenosse» bezeichnet.[54] Sein Bruder Ulrich von Hohenlandenberg, Schlossherr von Hegi, zog überdies unter Winterthurer Fahne in den Hegau. Trotz diesem Kontaktnetz und den angestrengten Bemühungen, sich aus dem Konflikt herauszuhalten, bekam das Bistum Konstanz den Schwaben- oder Schweizerkrieg unmittelbar zu spüren, zog sich doch sein Herrschaftsgebiet zwischen den verfeindeten Parteien dem Rhein und Bodensee entlang und war allzu buntscheckig, um als Territorium wirklich "neutral" bleiben zu können. Eidgenossen wie Schwaben warfen dem Bischof einseitige Stellungnahmen vor, besetzen strategisch wichtige Städtchen und Burgen oder plünderten konstanzische Dörfer - wer sich nicht ausdrücklich einer Partei anschloss, galt schnell als Feind.[55] Ein ähnliches Schicksal ereilte die Herren von Sulz als Landgrafen im Klettgau, die ebenfalls zwischen die Fronten gerieten und die, obwohl mit Zürich verburgrechtet, wohl mehr gezwungenermassen als freiwillig einer Besetzung ihrer Stützpunkte durch österreichische Knechte zustimmen mussten. Zürich nahm diesen «Verrat» zum Vorwand, sich im 2. Hegauerzug ab Mitte April 1499 mit einem verheerenden Plünderungszug an den Grafen zu rächen.

Bischof Hugo von Konstanz reagierte überaus schnell auf die Gefangennahme des Dompropstes. In einem Brief machte er die Hauptleute der eidgenössischen Truppen darauf aufmerksam, dass der Geistliche als bischöflicher und damit "neutraler" Vertreter unterwegs war. In einem Schreiben forderte er die Tagsatzung auf, Kreuzer als geistliche Person freizulassen, und aus «sonder gut Vertruwen» erinnerte er schliesslich auch Winterthur an sein Bündnis «mit gemain Aidgnossen», durch das er, das Stift und die Geistlichen «onbelaidigt, geschirmpt unnd gehanthabt werden» sollten.[56] Noch ehe sich die Tagsatzung zu einer Entscheidung durchringen konnte, schenkten Schultheiss und Rat von Winterthur dem Dompropst zur grossen Überraschung der eidgenössischen Orten die Freiheit. Sich offensichtlich die bischöfliche Ermahnung zu Herzen nehmend, liess Winterthur die drei Gefangenen eine Urfehde schwören und sprach sie «on alle Engeltnuss [...] aller pflichten ledig»; Kreuzer sicherte der Stadt eine Entschädigung zu, falls sie wegen der Freilassung zu Kosten und Nachteilen käme.[57] Während der Bischof und das Stift die «wysen sonnder lieben Frunnden» für ihren «guten Willen und Fruntschafft» nicht genug loben konnten, drückte die Tagsatzung ihr Befremden über dieses eigenmächtige Handeln aus und versuchte durch Zürich Druck auszuüben, damit die Gefangenen sich wieder nach Winterthur «zu gemeiner Eidgenossen Handen stellen» würden - allerdings vergeblich.[58] Die Furcht der Kleinstadt vor Bann und Interdikt war zweifellos stärker als der Respekt vor der Obrigkeit, zumal Bischof Hugo zusicherte, er und der Dompropst würden die Tat «nimmer vergessen».[59] An einer passenden Gelegenheit, sich erkenntlich zu zeigen, fehlte es nach Kriegsende tatsächlich nicht.

 

Zwischen Siegestaumel und Angst

Der Hegauerzug endete nicht nur mit einer reichen Beute und der Freilassung des Dompropsts Kreuzer, sondern wirkte sich auch im Winterthurer Justizalltag aus. Auf Bitte von «Fellix Keller, Hoptman, und Meister Werdmuller, Fanrich Zurich, und gmeine Graufschaft Kiburg durch iren Vogt Hansen Waser, als sy mit der statt Zurich Baner widerumb usser dem Veld im Hegow abgezogen sind», begnadigten Schultheiss und Rat von Winterthur den aufmüpfigen Weber und Tuchhändler Jakob Napfer, dank der Fürsprache «gmeiner Reissgesellen wegen, so im Veld im Hegow gewesen sind», den betrügerischen Marti Schnider.[60] Mit dem triumphalen Einzug der zürcherischen Truppen und der damit verbundenen Amnestie hinterliess die militärische Machtdemonstration im Hegau auch auf dem Feld der Rechtsprechung ihre Spuren - an den verworrenen Verhältnisse beidseits des Rheins vermochte sie allerdings nur wenig zu ändern. Während das eidgenössische Aufgebot schwäbisches Grenzgebiet verwüstete, besetzten habsburgische Knechte den Klettgau, verunsicherten von den Waldstätten aus das untere Aaretal und die Juraausläufer und rückten nach dem Abzug der Eidgenossen in den Hegau: «Nützdestminder, sobald unser Herren die Aidgnossen abzugent und den Rin allenthalben mit Lüten besatzten, so mochtent doch unser Widerwertigen ennethalb Rins nit ir Hochmut und Boshait laussen und besonder da obnen am Rin. Si schrüwen darüber mit vil unzüchtiger Gebärden und Worden ...».[61] Der Vorstoss in Richtung Engen und Radolfzell brachte zwar den eidgenössischen Truppen reichlich Gelegenheit zu Rache und Bereicherung, von einem nachhaltigeren Schutz der exponierten Grenzorte konnte jedoch keine Rede sein. Bevor der erste Siegestaumel verebbt war, forderte Zürich Winterthur auf, unverzüglich elf Personen nach Stein am Rhein zu schicken.[62] Der brutale Einmarsch in den Hegau schien nun auf Zürich zurückzufallen, bedrohten doch schwäbisch-habsburgische Truppen von Konstanz aus den Thurgau und vom Klettgau aus das Weinland.

«Mit grossem Ärnst» baten Schultheiss und Rat von Rheinau am 12. März Zürich um Truppen und Geschütze, könnten sie doch «weder Tag noch Nacht kein Ruw nicht mehr haben» und müssten befürchten, den Eidgenossen gar Schmach zu verursachen. Ihnen als «verlassenen armen Leuten» verspreche nur noch die Limmatstadt Trost, weshalb sie «zu ewigen Zitten uwer Wisshaitt loben wöllend, dz jr unser nitt vergässend.»[63] Rheinau kam aber kaum zur Ruhe: Die Tagsatzung hatte zwar schon am 25. Februar entschieden, 20 Schwyzer mit zwei Büchsen, deren eine «Stein schiesset wie Eyger», ins Klosterstädtchen zu entsenden, musste aber innert Wochenfrist die Aufforderung wiederholen und erhielt praktisch am gleichen Tag wie Zürich den mahnenden Brief des Rheinstädtchens, das ohne Zusatz, Geschütz, Pulver und Steine keinen Widerstand leisten zu können glaubte. Auch der neuerliche Entscheid, dass Glarus Knechte, Zug und Uri die Artillerie stellen sollten, blieb vermutlich eine Absichtserklärung, wiesen doch die eidgenössischen Orte Rheinau wenig später an, für die Verteidigung die Inhaber der vier «freien» Ritterhäuser, Angehörige des äbtischen Ministerialadels, herbeizuziehen.[64] Rheinau war allerdings nicht nur Opfer, sondern hielt sich gleichzeitig an Dritten schadlos. Mitte März bat nämlich der Vogt von Neunkirch Zürich um Unterstützung für einen Mann aus Hallau, dem in der Stadt Rheinau Vieh weggenommen worden war.[65]

Die Situation am Rhein entspannte sich erst mit dem Vorstoss Zürichs und Schaffhausens in den Klettgau. Die dem Bischof von Konstanz gehörenden Orte Neunkirch und Hallau wurden kurzerhand als vorgeschobene militärische Stützpunkte okkupiert, der bischöfliche Vogt abgesetzt. Im 2. Hegauerzug ab Mitte April klärten sich die Machtverhältnisse endgültig zugunsten der eidgenössischen Orte. Die festen Plätze im Klettgau und dem nördlich angrenzenden Gebiet wurden in kürzester Zeit eingenommen und anschliessend verwüstet - unter Beteiligung von beinahe 90 Winterthurern, 5 Leuten aus Pfungen, 19 aus der Herrschaft Wülflingen und 500 aus der Grafschaft Kyburg.[66] Der eindrückliche Erfolg setzte nicht nur in bezug auf das militärische Überlegenheitsgefühl neue Massstäbe, sondern auch auf den Beuterausch: Ganz Eglisau beispielsweise verliess das Städtchen und zog «dem Gewin und Roub nach» in den Klettgau, um mit vollbepackten Wagen heimzukehren.[67] Angesichts der sich jeder Kontrolle entziehenden marodierenden eidgenössischen Knechte (und Grenzbewohner) blieb den Zürcher Hauptleuten vor Stühlingen nur noch die mutlose Hoffnung, «wie glückhafft wir sind zu gewinnen, so unzimlich sind wir zu teilen. Gott well, das wir unnsern Val nit verhönent.»[68]

Während die meisten Orte in Flammen aufgingen, residierte auf der Küssaburg fortan ein Zürcher Landvogt als eidgenössischer Vertreter. Unterhalb von Schaffhausen wurde der Rhein vorerst zu einem eidgenössischen Fluss, Rafzerfeld und Weinland lagen endgültig ausserhalb der Reichweite eines feindlichen Überfalls. Rheinau quälten nun andere Sorgen. Ende April nahmen sie ihren Mitbewohner Peter Birer gefangen, der behauptete, «die Eidgenossen habend zu Thüngen [Thiengen] dz Musterantz zerschlagen und den Stocken [Opferstock] uffbrochen und den Pfaffen ob dem Altar wöllen erstechen ...». Rheinau, das hohe Kosten befürchtete und kein eigenes Gefängnis besass, überstellte den Mann schliesslich nach Zürich, wo er sich wegen seiner diffamierenden, aber wohl nicht ganz aus der Luft gegriffenen Rede verantworten musste.[69] Kaum lag die Gefahr in weiter Distanz, lockerte sich auch das Verhältnis zu Zürich: Wie der Junker Hans von Seengen jagte der Rheinauer Hans Schwend in den Wäldern der Landgrafschaft und verbat sich in bewusster Anspielung auf das rechtliche Chaos jede zürcherische Vorschrift, «meinend, das die Vörst und ander Gewaltsam nit üch, sunder gemeinen Eidgnosen zustand.»[70]

Weit unsicherer blieb die Lage bei Konstanz, wo eine ständige, unter anderem aus rund 400 Zürchern bestehende Mannschaft allfällige Angriffe abzuwehren hatte.[71] Von Schwaderloh, der Hauptstellung oberhalb der Bischofsstadt, gelangten ständige Klagen an die Tagsatzung und an Zürich. Einmal fehlten Truppen, dann stockte die Ablösung und der Nachschub, oder es mangelte an Priestern, Spielleuten oder Fahnen. Banner waren nicht nur Fixpunkte zum Sammeln der Leute, sondern auch Symbole gegenüber Freund und Feind - entsprechend heikel war der Umgang. Anfangs März verweigerte beispielsweise der Kyburger Landvogt die Aushändigung der Grafschaftsfahne an die vor Konstanz wachenden Knechte seiner Vogtei, weil er sonst «die Grafschaft nüt besamlen kan, dan sy hand nun ein Fenly, das gib ich nut anweg ...».[72] Die unsichere Lage am Bodensee erforderte ständige Wachsamkeit und Abmarschbereitschaft, weshalb der Mobilisierung der Knechte grosse Bedeutung zukam. Das zeigte sich etwa um den 10. März herum, als es vor Gottlieben zu Auseinandersetzungen kam und ein Klaus Hertenstein von Pfungen erstochen wurde. Die Kirchenglocken im Thurgau läuteten Sturm und alarmierten auch rund 500 Männer der Grafschaft Kyburg, die unter dem Untervogt Klug von Wiesendangen augenblicklich losmarschierten, vor Konstanz aber nicht mehr benötigt wurden. Der Zürcher Hauptmann in Schwaderloh ermahnte deshalb Klug, «er solle sich hinfur an keinen Sturm mer kerren, jch schicke jm dann ein Botten uss der Graffschafft.»[73] Tatsächlich sandten die Hauptleute Ende Mai, als sie von einem Konstanzer Knaben die Warnung vor einem angeblich bevorstehenden Angriff erhielten, ihren Boten zum Vogt von Kyburg und nach Winterthur und forderten diese auf, sie mit Truppen zu verstärken.[74]

 

Freund und Feind

Der glückhafte Sieg über plündernde schwäbische Knechte bei Ermatingen am 11. April vermochte die gespannte Situation kaum zu entschärfen. Weiterhin konzentrierten sich in Konstanz Kontingente des Schwäbischen Bundes und Habsburgs, weshalb die eidgenössische Besatzung den Plünderungszügen anderer eidgenössischer Truppen in den Hegau und Klettgau unwillig zusah und als Missachtung der ihnen auferlegten Last verstand. Besonders heikel war die Lage nach dem Überfall auf Ermatingen, der ausgerechnet dann stattfand, als Zürcher, Luzerner, Zuger, Berner und Freiburger von Eglisau und Kaiserstuhl aus in den Klettgau vorrücken wollten. Auf reiche Beute hoffend, reagierten die abmarschbereiten Knechte höchst unwillig auf Hilfeschreiben der vor Konstanz bedrängten Miteidgenossen. Vom Schultheiss von Winterthur informiert, zogen sie es vor, die Obrigkeit entscheiden zu lassen und vertraten wenig später - mit bedauerndem Unterton - gar die Meinung, ein allfälliger Zug nach Konstanz bedeute das vorzeitige Ende des Vorstosses in den Klettgau. Angesichts dieser wenig solidarischen Haltung platzte der Besatzung in Schwaderloh der Kragen: «Wo man sy nit wyter ylends versechen, so werde der Zusatz abziechen und das Thurgow lassen undergan [...], und bedunckt unns, das sy [die zögernden Miteidgenossen] vast unlustig syen uber das Gluck und den Syg [vor Ermatingen], so sy erobert, und achten, das vast Not sye zem Swaderloch zu sechen und das annders zu versorgen dann mit Thurgower Knechten, dann sy truwent jnen nit allen ...».[75] Diese Argumente, besonders auch der freundeidgenössische Hinweis auf die «unzuverlässigen» Thurgauer, vermochten aber den 2. Hegauerzug nicht mehr zu verhindern.

Die ständige Unsicherheit und das wiederholte Sturmläuten belastete nicht nur die aufgebotenen Truppen, sondern auch die Obrigkeit und ihre Vertreter. Der Kyburger Vogt Hans Waser berichtete nach Zürich, wie die Untertanen der Grafschaft über die Mobilisierung von weiteren 200 Knechten murrten. 500 Knechte standen auf Abruf bereit, wohl für den Zug ins Klettgau, 43 lagerten in Schwaderloh, 10 in Stein, «das sy zu fil beducht».[76] Die Männer sollten von ihren Dörfern gestellt, verpflegt, besoldet und abgelöst werden, was immer wieder zu Reibereien und zu steigender Verschuldung der Orte führte. Oft genug wurden die Mannschaften wenig demokratisch zusammengestellt, längst nicht alle Knechte waren freiwillig im Feld. Klarsichtig erkannte der mailändische Gesandte die zunehmenden Probleme bei der Auszahlung eines täglichen Soldes von 10 Schilling, da die Dörfer recht arm waren und Vermögende sich vor zusätzlichen Kosten drückten. Geldknappheit und Teuerung drohten den Alltag zunehmend zu belasten.[77]

Mit den schwindenden Vorräten im Frühling wurde die Versorgung ein immer drückenderes Problem, sah sich doch die Ostschweiz durch die Kriegswirren vom süddeutschen Kornhandel und tirolischen Salz abgeschnitten. Besonders betroffen war der auf den Konstanzer Markt ausgerichtete Thurgau. Schon Mitte März baten Vogt und Dorfleute von Ermatingen Zürich um Korn oder Geld, nachdem Stein am Rhein ihr Hilfsgesuch abschlagen musste, obwohl der Junker Jakob Muntprat seine Bürgschaft angeboten hatte. «Wo uns nit geholffen werd», müssten sie «Hungers halb von dem Unser wichen, das doch uns nach Gstalt der Hendel, yetz umb uns swebend, ser zu Hertzen gon wurde».[78] Wenig später suchte das mit Zürich verburgrechtete Bürglen um Salz nach, während die in Berlingen stationierten Knechte, mit dem Abzug drohend, kurzerhand einen Wagen an die Limmat schickten und forderten, diesen «mit Brot wider zuschicken, und dz Brot glich zestund bachen lasen, damit es uf jetz Fritag ze Nacht wider geladen werde und dz Brot erkalte, vor und e es geladen werde; och schicken uns 1 Fiertel Gärsten und vier Käs.»[79] Kein Wunder, dass die Eidgenossen Mitte Juli ausdrücklich einen dritten Zug ins Hegau unternahmen, um das reife Korn zu schneiden, während der Zusatz in Schaffhausen unter dem Embracher Hans Huber bei Engen Vieh raubte. Huber hatte schon früher, als freier Knecht des Blutharschs, einschlägige Erfahrungen gesammelt und im Hegau ein Pferd gewonnen, das jedoch vom Zürcher Ratsherr Ulrich Zurkinden beansprucht wurde.[80]

Während die einen Knechte murrend auf den ausbleibenden Nachschub warteten, hielten sich andere am Nachbar schadlos und plünderten Güter im Thurgau oder am Untersee. Die Besatzung von Schwaderloh etwa plante aus Unmut über ausbleibendes Geld, Essen und Ablösung einen Angriff auf Landsässen, nachdem sie bereits den Junker Jakob von Helmsdorf geschädigt hatte. Schon im März beklagte sich der Hauptmann des Klosters St. Gallen, der Luzerner Heinrich von Allikon, über gezielte Anschläge eidgenössischer Knechte auf äbtisches Gut, während Thurgauer und Berner den Landsitz und Fischweiher des Ritters Hans Giel - später bei einem schwäbischen Überfall umgekommener Hauptmann der Gotteshausleute in Rorschach - in Wängi heimsuchten.[81] Immer weniger kümmerten sich die in den Grenzorten stationierten Mannschaften um die Befehle ihrer Hauptleute, immer häufiger führten sie auf eigene Faust Krieg und und bedienten sich bei Gelegenheit am Gut der Verbündeten und Miteidgenossen. Die Situation entglitt zusehends der Kontrolle der Obrigkeit und näherte sich ländlichen Unruhen. Die Untertanen nutzten das Machtvakuum, um sich auf Kosten ihrer Herren zu bereichern und gegen die traditionellen Herrschaftsverhältnisse zu protestieren, wie die Wiler Chronik schon im Frühling 1499 eindrücklich schilderte: «Es war ain semlicher erschrocklicher Lof worfen, das es ze Sorgen gewesen wär, wir wärint hie in disem Land ainer vor dem andern selbs nit sicher. [...] Der Adel was ganz im Unfall hie umb. Wiewol si gut Fründ, Bundgnossen und Burger in der Aidgnosschaft warent, so trowt man, hüt disem, mornent aim andern durch die hüser ze loffen. Das geschach als nun durch bös, unglickhaft Bubenfolk.»[82]

Besonders dramatisch spitzte sich die Lage in Stein am Rhein und am Untersee zu. Melchior von Hohenlandenberg, bischöflicher Vogt in Gaienhofen, unterstellte sich Mitte März dem Schutz der Eidgenossen, wurde aber schon wenige Tage später, obwohl «gehorsamer und getruwer Burger und Aidgenosse», von Knechten verunglimpft, er habe «ain Rossschwantz im Busen, ich sye ain Rossgeschnyer».[83] Besonders schlimm trieb es die Besatzung Steins im benachbarten Öningen. Obwohl der Propst ihnen Wein übergab, hatten sie selber andere «Vass angestochen und im den Wi mit Kublen, Gelten, Aimern und Vessli hinweg getragen und gefüert und im ob vier Fuder hinweggenommen, darzu vast vil Brot, desglich Haber, Korn, Saltz, How und was sy noturftig sind gewesen. So sind och die Knecht, so uff [Hohen-] Klingen ligent, komen in das Gotshus [Propstei Öningen] und hand nit daruss wellen, man gebe inen dann ain Essflaisch, das man ine och gegeben hat, ainen guten Stier, daran sy nit ain Benügen gehept hand, sy hand im darzu ain Kalb och genomen. [...] Es loffent och die Knecht, so zu Stein ligent, gen Öningen in die Huser und understond, die armen Lüt zu erstechen und inen das Ir zu nemen. [...] Item zwen Vischer von Stigen hand Visch in der Herrschaft kouft und die wellen füren gen Schauffhusen den Aidgenosen und den unsern zu. Sind etlich knecht uss Steckborn gefaren und inen die Visch sampt dem Schiff, och Hellenparten und Tegen genomen, den ainen übel geschlagen und gewundt, sölichs gen Steckborn gefürt und das verkouft. Etlich von Bernang [Berlingen] sind gefarn gen Horn und sich understanden, ainen da ze beroben.» Obwohl das Rechtfertigungsschreiben der Zürcher Besatzung mehr als dürftig ausfiel, hatten die Vorfälle keine Auswirkungen. Der ebenfalls betroffene Abt von Stein wandte sich in seiner Machtlosigkeit an die Tagsatzung, nur um eine schriftliche Ermahnung der Plünderer zu erwirken.[84] Melchior von Hohenlandenberg konnte und wollte sich allerdings damit nicht begnügen. Nachdem einer seiner Vogtleute von Eidgenossen gefangen und nur gegen ein horrendes Lösegeld von 800 Gulden freigelassen wurde, drohten seine Untertanen mit offener Aufruhr, weshalb der Vogt sicherheitshalber eidgenössische Knechte im Schloss Gaienhofen einquartierte und sich mit Brief und Siegel Schutz vor weiteren Übergriffen zusichern liess; bei einem Bruch dieses Abkommens drohte er mit Rache.[85]

Nicht nur die Ausschreitungen der eigenen Knechte gefährdeten Politik und Ansehen der eidgenössischen Orte. Viele unzufriedene Bauern, der langweiligen Grenzbewachung überdrüssig, mochten die monatliche Ablösung nicht mehr erwarten und zogen einfach nach Hause, um dringende Feldarbeiten zu erledigen, gleichzeitig erfüllten verschiedene Dörfer ihre Kontingentspflichten nur mangelhaft.[86] Die Obrigkeit stand den eigenmächtigen Untertanen weitgehend machtlos gegenüber: Mitte Juni ermahnte zwar Zürich den Landvogt von Kyburg, dafür zu sorgen, dass Oberwinterthur, Wiesendangen und Pfungen tatsächlich ihre Zusätze, andere Gemeinden den nötigen Nachschub nach Schwaderloh schickten. Wer ohne Erlaubnis heimkehrte, sollte gefangen nach Zürich geschickt werden. Wie sollte aber der Landvogt in einer Zeit fehlender Urlaubspässe Urlaubsbewilligungen kontrollieren?

 

Krieg und Frieden

Die Ausschreitungen und Disziplinarprobleme im eidgenössischen Grenzgebiet lassen beinahe vergessen, dass der Krieg bis anfangs September fortdauerte. In ständiger Gefahr lebte vor allem der Thurgau, der wiederholt einen Angriff schwäbischer Truppen von Konstanz her befürchten musste. Bereits wenige Tage nach dem Sieg vor Ermatingen drohten neue Überfälle. Am 22. April beispielsweise zogen 1000 alarmierte Zürcher über Winterthur nach Schwaderloh, obwohl der Kyburger Landvogt sie vergebens daran erinnerte, dass genug Leute aus dem Toggenburg, Thurgau und der Grafschaft Kyburg - unter dem Kommando eines Bertschi Seiler - vor Konstanz lagerten.[87] Die Ankunft Maximilians in der Bischofsstadt verschärfte die Spannungen, ohne aber an der gegenseitigen Blockierung viel ändern zu können. Der König versuchte vergeblich seine Hauptleute zu einem Angriff auf eidgenössisches Gebiet zu überzeugen und zog schliesslich enttäuscht weg - die Kriegsbegeisterung hielt sich nicht nur in Konstanz zunehmend in Grenzen, «es war kain Hertz da.»[88] Noch im Juli bot Zürich allerdings Winterthur zur Stellung von 18 «redlichen wolgerüsten Lüten» für Schwaderloh auf.[89] Die manchmal beinahe panische Furcht blieb über die eigentlichen Kriegszüge hinaus präsent: Am 13. Mai gestand der Aussätzige Hans Ömli aus Stein am Rhein vor Bürgermeister und Rat in Radolfzell, auf Befehl der Zürcher im Hegau spioniert zu haben. Nachdem er mit Spiessgesellen angeblich in Ramsen Feuer gelegt hatte, versprach ihm der Zürcher Hauptmann Göldli für weitere Brandstiftungen in Radolfzell, Überlingen und Waldshut 4 Gulden. Bereits im Februar liessen Schultheiss und Rat von Wil einen Hans Hämmerli aus Überlingen mit dem Rad hinrichten, weil er die Eidgenossenschaft mit Brand schädigen wollte, und noch 1509 liess die Zürcher Obrigkeit einen Bettler köpfen, der vom Grafen von Lupfen nach dem 2. Hegauerzug, in welchem der Stammsitz des Grafen in Flammen aufging, den Auftrag erhielt, Zürich und Solothurn anzuzünden - reale Gefahren und latente Ängste führten mitunter für fremde, als Angehörige von Randgruppen sowieso von Argwohn begleitete Personen zu einer explosiven Situation.[90]

Bis in den Herbst hielt damit das blutige Geschehen Winterthur in Atem, stand doch ein beträchtlicher Teil der Männer ständig oder vorübergehend im Feld. Die meisten grossen Schlachten fanden allerdings ohne Beteiligung des Winterthurer Auszugs - und damit auch ohne nennenswerte Opfer - statt. Die «Heldentaten» ereigneten sich vor allem in den drei Plünderungszügen in den Hegau. Nur wenige mochten deshalb über die Nachricht des in Basel abgeschlossenen Friedens traurig sein. Der Winterthurer Bürger Jakob Napfer, der anfangs März aus dem Gefängnis entlassen worden war, unterrichtete seine Heimatstadt schon vor Abschluss der Verhandlungen, dass «ein gutter erlicher Friden von Gott dem Allmechtigen erlanngt» worden sei.[91] Nicht alle dürften allerdings diese Meinung vertreten haben. Verschiedene eidgenössische Orte taten sich schwer, auf Eroberungen zu verzichten, auch kleinere Städtchen hofften auf eine Entschädigung für das lange Leiden. Diessenhofen zum Beispiel beanspruchte schon anfangs August die Vogtei Burkhards von Randegg mit Gailingen als Brückenkopf, während Zürich und Schaffhausen nur widerwillig und gegen eine hohe Entschädigung Hallau und Neunkirch dem Bischof von Konstanz zurückgaben. Die Grafen von Sulz mussten persönlich an der Limmat ihre Treue beschwören, ehe sie wieder in den Besitz der Grafschaft Klettgau gelangen konnten.[92] Aber auch die schwäbisch-habsburgische Partei vermochte kaum auf liebgewordene Forderungen zu verzichten. Obwohl die militärischen Ereignisse wenig Anlass für überbordenen Siegestaumel boten, forderten die königlichen Räte «bescheiden» die Brückenstädtchen Eglisau, Stein und Diessenhofen sowie die Grafschaften Toggenburg, Kyburg und Habsburg als ehemalige österreichischen Gebiete.[93] Wunsch und Realität klafften auf beiden Seiten weit auseinander. Bald war Maximilian bereit zu einem Frieden, «der ohne gegenseitigen Schadenersatz den früheren Zustand» wiederherzustellen hatte. Verliererin blieb letztlich vor allem die Bodenseestadt Konstanz, die gegen ihren Willen das Thurgauer Landgericht abtreten musste, ihre Ansprüche aber bis zum Untergang des Reiches aufrechterhielt.[94] Welche Bedeutung gewann aber der Krieg abgesehen vom Landgericht?

Über Monate verwüsteten im Frühjahr und Sommer 1499 Plünderungszüge die Gebiete beidseits von Rhein und Untersee. Neben der Forderung nach Rache und der Absicht auf Beute liessen sich kaum strategische Überlegungen und schon gar nicht der Wunsch nach Unabhängigkeit und Freiheit erkennen. Hoffte Zürich noch im Februar, mit einer Strafexpedition in den Hegau die eigene Ehre wiederherzustellen und mit einem schnellen Vorstoss auf Konstanz den Gegner zu einer Kapitulation zu zwingen[95], musste es bald erkennen, dass ihm die Kontrolle über den Kriegsverlauf und die Kriegsknechte zusehends entglitt und die eigene Herrschaft zu untergraben drohte - kein Wunder, dass laut dem Chronisten Brennwald «die Erberkeit ein gross Wolgefallen daran [über den Frieden] hat, won si diser Unrüw ganz zu beder sit müd warend.»[96] Freischaren und Zivilpersonen strömten auf der Suche nach Beute durch die Landschaft; Nachbarn schienen sich über Nacht hoffnungslos zu entzweien. Leidtragende waren in erster Linie Bauern, aber auch Klöster und Adlige, deren Burgen, wohin übrigens viele Bauern ihr Gut zu retten versucht hatten, gezielt geplündert und verbrannt wurden. Es wäre deshalb falsch, den Konflikt auf den Gegensatz von Adel und Bauern zuzuspitzen. Die Fronten waren keineswegs so klar und eindeutig, wie die populären Geschichtsbilder der Neuzeit weismachen wollen. Während im Hegau meist Bauern die Burgen verteidigten und das von österreichischen Truppen besetzte Tiengen gar eidgenössische Söldner engagiert hatte, kämpften auf Seiten der Eidgenossen zahlreiche Adlige mit. Allein Zürich bot für den 1. Hegauerzug rund 30 Landadlige auf.[97] Die Eigendynamik des Konflikts forderte überdies unvorhersehbare Opfer. Der Kleinkrieg entlang des Rheins folgte seiner eigenen Logik und zog weniger das Gebiet der kriegführenden Parteien als kaum verteidigte "Zwischenregionen" in Mitleidenschaft. Der Bischof von Konstanz, aber auch einzelne Adlige versuchten sich vergeblich aus den Wirren herauszuhalten und mussten schliesslich die Hauptlast der Verwüstungen tragen.

Weder der Schwäbische Bund noch Habsburg oder die eidgenössischen Orte bildeten homogene Einheiten, die für bestimmte Ziele einstanden. Treibende Kraft in der untersuchten Region war vor allem Zürich, das auf territorialen Zuwachs hoffte und seine Vormachtstellung zu konsolidieren hoffte. Die Interessen des Rats der Limmatstadt waren stärker auf den Klettgau als auf den Hegau ausgerichtet, der deshalb verwüstet, nicht aber besetzt wurde. Stein am Rhein blieb ein vorgeschobener Stützpunkt, der wie Winterthur innerhalb der Zürcher Herrschaft eine weitgehend autonome Sonderstellung einnahm. Dank verburgrechteten Adligen und wirtschaftlichen Kontakten bestand ein traditioneller enger Kontakt über den Rhein, der keinen tiefen Grenzgraben markierte, sondern vielmehr eine bedeutende Handelsstrasse darstellte. Im Unterschied etwa zu den Innerschweizer Orten dürfte die Entfremdung zu «Schwaben» im Denken Zürichs keine grosse Rolle gespielt haben. Es ist kaum ein Zufall, dass die berüchtigten Freischarenzüge vor allem von Uri, Schwyz und Luzern ausgingen, die angebliche Spottrede zum Vorwand nahmen, Geld zu erpressen.[98] Entlang des Rheins waren die «Kuhschweizer»-Topoi bis 1499 kaum zu spüren und fanden erst mit der um 1513 vollendeten Chronik Brennwalds ihre bildhafte Ausschmückung - ein Hinweis, dass Zürich weniger als Zielscheibe von Spott herhalten musste oder ganz einfach lockerer reagierte? Einen wichtigen Platz in den Ausführungen Brennwalds gewinnt überdies der Gegensatz zum Adel, ein für die Innerschweiz durchaus plausibles Motiv. Vergessen geht aber, dass nicht nur in den Städteorten eine patrizisch-adlige Führungsschicht die Zügel in den Händen hielt, gerade in Zürich und vor allem Bern alte Adelsfamilien zahlreiche Gerichtsherrschaften besassen und dass auch eidgenössische Gebiete von ländlichen Unruhen erschüttert wurden.[99] Der tatsächliche oder vermeintliche soziale Gegensatz mochte allerdings das Handeln der Knechte durchaus beflügeln, zumal Burgen und Landsitze eine attraktivere Beute als ärmliche Bauernhöfe boten. Viele Ausschreitungen waren zudem das Werk «fremder» Besatzungstruppen, die sich wenig um die Unterscheidung von Freund und Feind kümmerten. Es wäre aber trügerisch, den Krieg auf machtlose einheimische Opfer und gierige fremde Knechte zu reduzieren. Oft genug nützte die lokale Bevölkerung eine günstige Gelegenheit zu schneller Bereicherung oder zur Abrechnung mit dem unliebsamen Nachbarn aus, drohten die Wirren die sozialen Bindungen nachhaltig zu schwächen.

Mit zunehmender Dauer des Krieges nahmen aber die Plünderungszüge immer gefährlichere Züge an, beschränkten sie sich doch nicht mehr auf feindliches Gebiet. Umherziehende freie Knechte, ständige Besatzungen, alarmierte Aufgebote oder ablösende Truppen führten in den betroffenen Regionen zu ständigen Unruhen. Die unübersichtlichen Machtstrukturen erschwerten eine kontinuierliche Herrschaftsausübung. Betroffen waren in erster Linie Adlige und Klöster, die nicht nur den Neid, Hass und die Beutegier der Besatzungen zu spüren bekamen, sondern plötzlich auch mit dem Missmut der eigenen Untertanen zu kämpfen hatten. Der Krieg zog immer weitere Kreise und drohte die Landschaft nachhaltig zu destabilisieren. Diese Entwicklung musste die eidgenössischen Städteorte zutiefst beunruhigen, sahen sie sich doch oft genug mit solchen Herausforderungen konfrontiert, weshalb sie in eigenem Interesse dem unkontrollierten Kleinkrieg ein Ende setzten wollten: «Aber was dennocht der Vernunft in der Aidgnosschaft lebt, die hatten grossen Missfal daran, mainten, semlich Übel und Bosterkait zu siner Zit nit ungestraft zu laussen, denn si musten in Lendern und in Stetten der Aidgnosschaft och übel sorgen, das inen söllichs under inen och erwachsen wurd.»[100]

Nicht alle Orte waren jedoch an einem baldigen Kriegsende interessiert. Je weiter vom Geschehen entfernt, desto attraktiver erschien ein Fortdauern der Plünderungen. Uri, Schwyz, Unterwalden, Zug, Glarus und - aus territorialen Absichten - Solothurn lehnten den Frieden lange ab, verweigerten die Besieglung und hofften auf zusätzliche Entschädigungsgelder.[101] Umgekehrt wünschten die vom Krieg unmittelbar betroffenen Städte und Landschaften nichts dringlicheres als einen Waffenstillstand. Ein Jahr nach den Verhandlungen von Basel forderten der Bischof von Konstanz, der Abt von St. Gallen, Schaffhausen, St. Gallen, Appenzell und Adlige aus dem Thurgau die Tagsatzung auf, endlich mit Maximilian einen Vertrag abzuschliessen, um nach den grossen Kriegsschäden Ruhe und Friede geniessen zu können. Jahre später ermahnten Prälaten und Adlige des Thurgaus überdies die Tagsatzung, keinen Konflikt vom Zaun zu brechen, der nach den Verheerungen des Schwabenkriegs ihr völliges Verderben bedeuten würde.[102] Die Wahrnehmung hing offensichtlich mit der Nähe zur Front zusammen. Besonders in beruhigender Distanz liegende Orte billigten oder unterstützten die oft eigenmächtigen Züge ihrer Knechte. Erst die Sogwirkung des oberitalienischen Kriegsschauplatzes verlagerte mit den in den Süden eilenden Knechten das Konfliktpotential.

Am Rhein kehrte mit dem Frieden langsam der Alltag zurück. Einen ersten Höhepunkt der «Versöhnung» stellte das Zürcher Schützenfest von 1504 dar - zahlreiche Preisträger stammten aus dem süddeutschen Raum.[103] Die Zerstörungen, an denen sich auch die Nachbarn beteiligt hatten, hinterliessen wenig Spuren, die Spätfolgen der blutigen Auseinandersetzungen belasteten nur punktuell die Beziehungen. Einzelne eidgenössische Orte suchten nach 1499 Konstanz in ein Bündnis einzubinden, andere hofften ausgerechnet auf ein Abkommen mit der Adelsgesellschaft St. Jörgenschild - die angeblich sich verfestigende Rheingrenze schlug sich in den Quellen nicht nieder.[104] Noch lange überlappten sich Herrschaftsgebiete auf beiden Seiten des Flusses. Thurgau, Hegau, Klettgau und auch Teile des Weinlandes blieben zerstückelte kleinräumige Landschaften, die sich zum Teil bis weit in die Frühe Neuzeit hinein einer Territorialisierung entzogen und diffuse Gebilde blieben.[105] Auch wenn der Frieden von Basel den Vorkriegszustand wiederherstellte, wahrte gerade Zürich als stärkste Regionalmacht seinen Einfluss auf die angrenzenden Gebiete, nicht zuletzt dank seiner Position im Schwabenkrieg. Während die Limmatstadt sich als Siegerin fühlen konnte, die Untertanen erfolgreich zu beruhigen vermochte und der Besatzung in Schwaderloh als Dank Kleider oder das Burgrecht schenkte, kämpfte das Bistum Konstanz oder die Grafen von Sulz als Herren des Klettgaus entschieden härter um die Wiederherstellung des Vorkriegszustands. Nicht nur mussten sie ihre Herrschaft neu legitimieren und durchsetzen, sondern zudem den Eidgenossen Kriegskosten abtragen und zerstörte Burgen und Städtchen aufbauen.[106] Besonders delikat war der Umgang mit Verkäufen, die 1499 unter «Kriegsrecht» getätigt worden waren. So erwarb beispielsweise Melchior von Landenberg von den Hauptleuten in Schwaderloh den Zehnt in Gaienhofen, der eigentlich dem Konstanzer Domherr Jörg Winterstetter gehörte. Das eidgenössische Schiedsgericht anerkannte zwar, dass «jn der verganngen kriecklichen Uffrur die hurigen Frucht und Nutzungen von jrn [Domherren] Zechennden angenommen, verkoufft oder hingeben werden umb kleinfüge Bezahlung, minder dan sy wol ertragen mochten», erlaubte aber den Geistlichen nur einen Rückkauf um die gleiche Summe.[107] Die Schäden in den Dörfern des Kriegsgebiets sind über die Brandschatzung hinaus kaum bekannt. Der Hegau kämpfte über Jahre - wohl vergeblich - um eine Entschädigung durch den Schwäbischen Bund. Der Neubau des zerstörten Klosters Kreuzlingen belastete hartnäckig die Beziehungen zwischen Eidgenossen und Maximilian, während das Bistum Konstanz der Kirche Ermatingen einen Ablass gewährte, weil nach der Zerstörung des Dorfes und dem Tod vieler Bewohner im vergangenen Krieg der Neubau sonst zum Scheitern verurteilt gewesen wäre.[108]

 

Das Fortleben einer Adelslandschaft

Von den Wirren, den folgenden Verhandlungen und dem Wiederaufbau blieb Winterthur auf den ersten Blick merkwürdig unberührt. Über das Truppenaufgebot hinaus tauchen die blutigen Auseinandersetzungen in den schriftlichen Quellen kaum auf - hatte der Krieg tatsächlich im städtischen Alltag keine Spuren hinterlassen? Bereits im Dezember 1499 tätigte der Winterthurer Erhart Reinbolt ein Zinsgeschäft in Konstanz, während anfangs Mai 1500 ein Melchior Vässler aus Villingen Stadtarzt wurde.[109] Aus heutiger Sicht vielleicht eigenartig oder befremdlich, schienen die Ereignisse von 1499 die traditionell engen Beziehungen zum süddeutsch-vorarlbergischen Raum weder zu berühren noch zu belasten. Das Fortdauern tief verankerter Strukturen und Abhängigkeiten hing zweifellos mit der eigenartigen Stellung Winterthurs zwischen Zürich und Habsburg zusammen, aber auch mit der engen Verflechtung mit dem Landadel und dem Bistum Konstanz.[110] Der Krieg gegen Maximilian und Schwaben kommt als mentaler und politischer Einschnitt in der Überlieferung der Kleinstadt schlichtweg nicht vor, die greifbaren personellen Verflechtungen und Beziehungsnetze betonen vielmehr die Kontinuität. Das Gewicht, das dem Schwabenkrieg in der nationalistisch denkenden Moderne zugemessen wurde, stand und steht wohl in keinem Verhältnis zur Bedeutung in seiner Zeit.

Die Region Winterthur und das Weinland, aber auch der Thurgau bildeten bis weit über das Mittelalter hinaus eine ausgeprägte Adelslandschaft.[111] Mit der Verdrängung Habsburgs änderte sich aber die Stellung des Adels grundlegend. Die eigentliche Landesherrschaft lag seit dem 15. Jahrhundert in den Händen der eidgenössischen Orte, deren Führungsschicht die attraktiven Verwaltungsämter ausschliesslich für sich beanspruchte. Der Adel sah sich deshalb auf Dorfvogteien oder Gerichtsherrschaften zurückgedrängt, die jedoch allzu bescheiden waren, um ein repräsentatives Leben zu ermöglichen. Ohne zusätzliche Aufgaben in fürstlichem oder geistlichem Dienst und ohne das Soldwesen musste das Dasein als Junker Wunschbild bleiben. Beinahe alle in Winterthur und dem Weinland domizilierten Adligen pflegten deshalb ein weitgespanntes Beziehungsnetz. Ihre verwandtschaftlichen, wirtschaftlichen oder politischen Kontakte orientierten sich weiterhin nach Württemberg, Schwaben und Vorderösterreich, die allen kriegerischen Handlungen zum Trotz Nachbarregionen blieben; von einer Rheingrenze auch hier keine Spur. Während der weltliche Teil des Bistums Konstanz um 1500 einem erweiterten Familienbetrieb der Landenberger glich, traten andere Adlige in den Dienst des Abtes von St. Gallen; die meisten standen überdies - weiterhin - in österreichischem Dienst.

Da weder die Alte Eidgenossenschaft noch das Römische Reich moderne staatliche Gebilde mit "loyalen Bürgern" darstellten, muss zudem jede Zuweisung von Identitäten problematisch ausfallen. Wer als «Kuhschweizer» bezeichnet wurde und auf Seiten der eidgenössischen Orte 1499 mitkämpfte, musste sich keineswegs als «Bauer» empfinden. Nicht nur Adlige betrachteten den Dienst bei verschiedenen Herren durchaus als normal; Geld allein sicherte Loyalität, rasche Parteiwechsel waren je nach Interessen nicht ausgeschlossen. Hans Conrad von Rümlang - Schlossherr auf Alt-Wülflingen, Bürger von Winterthur und verheiratet mit einer unehelichen Tochter Erzherzog Sigmunds von Österreich - rekrutierte noch im Herbst 1498 Söldner für einen Krieg Maximilians gegen Frankreich im Burgund. Schon wenige Wochen später zog er mit Zürich in den Hegau und beteiligte sich an der Zerstörung von Burgen, während seine Verwandten die Burg Gutenberg bei Waldshut, ein langjähriges habsburgisches Lehen der Rümlanger, vor Zerstörungen zu retten versuchten. Die Ausrichtung auf Soldunternehmertum, zürcherische Gerichtsherrschaft und österreichische Güter im Schwarzwald bestimmte noch Jahre nach dem Krieg die Familienpolitik.[112]

Ähnliche Verbindungen zum süddeutsch-tirolischen Raum tauchen bei den meisten in der Region verwurzelten Adelsgeschlechtern auf. Ulrich von Hohenlandenberg, Bruder des Bischofs von Konstanz und Schlossherr in Hegi, verfügte über ein beträchtliches Guthaben auf dem Pfandhaus in Hall im Tirol und trat 1503 mit vier gerüsteten Pferden in den Dienst Maximilians.[113] Schon wenige Wochen nach Kriegsende ersuchte Hans Jakob von Heidegg, dessen solothurnische Herrschaft Kienberg 1499 von habsburgischen Knechten geplündert wurde, den König ausgerechnet um die Bestätigung von Lehen, die wie Kienberg oder die umfangreichen Güter bei Embrach auf eidgenössischem Gebiet lagen. Wohl nicht ganz zufällig wurde er wenig später Vogt Graf Rudolfs von Sulz im Klettgau.[114] Die Offenheit in mehrere Richtungen zeigt sich auch bei den Herren von Gachnang, die das Schloss Goldenberg besassen, gleichzeitig aber auch über habsburgische Lehen im Oberelsass verfügten, bei den Happ auf Schloss Widen oder bei Jörg von Hinwil, der als Gerichtsherr von Elgg 1528 über seine Frau die Herrschaft Humbrechtsried in Schwaben erbte und dessen Enkel in den Dienst der Grafen von Hohenzollern trat. Und Hans von Goldenberg, Besitzer der Mörsburg, liess sich am 2. Juni 1500 von niemand geringerem als Graf Wolfgang von Fürstenberg, Oberbefehlshaber der schwäbischen Truppen und Bruder des bei Dornach gefallenen Heinrich von Fürstenberg, Vogtei und Gericht Oberwinterthur als fürstenbergisches Lehen bestätigen.[115]

Es ist auffallend, dass gerade einige der angeblich eingefleischtesten Protagonisten der schwäbisch-habsburgischen Partei über 1499 hinaus Beziehungen mit der Region Winterthur pflegten. Während die Grafen von Fürstenberg als massgebliche Vertreter Österreichs in den Vorlanden ihre Lehenshoheit über die Vogteien Oberwinterthur und Wiesendangen bis weit in die Frühe Neuzeit zu behaupten vermochten, suchte Konrad von Schellenberg, Hauptmann der schwäbischen Truppen, das Andenken an seine Familie mit einer aufwendigen Stiftungen im Stift Embrach zu sichern. Er schenkte dem Gotteshaus 1521 die Patronatsrechte an der Kirche Rickenbach im Wert von 700 Gulden gegen die Verpflichtung, zwei Jahrzeiten zu begehen - ein Seelgerät, das mit der Reformation kurze Zeit später hinfällig wurde.[116] Zahlreiche Gotteshäuser blieben bis zu ihrer Auflösung der adlig-herrschaftlichen Memoria verpflichtet. Eindrücklichstes, wenn auch mittlerweile zerstörtes Denkmal der bis weit in den süddeutschen Raum reichenden Kontakte stellte der spätmittelalterliche Kreuzgang des Dominikanerinnenklosters Töss mit seinen Stifterwappen dar.[117] Obwohl Töss der Zürcher Landesherrschaft eingegliedert war, nahm Maximilian 1507 Einfluss auf die inneren Verhältnisse und erneuerte 1510 einen Freiheitsbrief seines Vaters. Als «besonnder von den durchluchtigen Fursten zu Osterich loblicher Gedechtnuss Fursechen gefrygt und begabet», liess sich übrigens auch das Augustinerchorherrenstift Mariazell auf dem Beerenberg bei Wülflingen Ende 1500 von Zürich seine Freiheiten bestätigen - ausdrücklich auf seine besondere Stellung als habsburgischer Gedächtnisort verweisend.[118]

 

Eine «königliche» Stadtkirche

Noch verblüffender präsentiert sich die Lage in Winterthur, wo bei genauerem Hinsehen die Trennlinie zwischen Eidgenossenschaft, Habsburg und Reich zunehmend verschwindet und von einschneidenden Auswirkungen des Schwabenkriegs keine Spur zu finden ist - ganz im Gegenteil. Schultheiss der Stadt war im Frühjahr 1499 der Adlige Hans von Sal, der am habsburgischen Hof in Innsbruck aufgewachsen war. Sein Onkel Konrad von Sal stand über Jahre hinweg in österreichischen Diensten, kämpfte 1499 vermutlich gegen die Eidgenossen, wurde 1502 Pfleger und Zolleinnehmer der tirolischen Grenzburg Finstermünz und verfügte noch 1520 im Schwarzwald über habsburgische Güter.[119] Während Schultheiss Hans von Sal 1507 die ausdrückliche Erlaubnis erhielt, fremde Dienste anzunehmen, nicht aber gegen - in dieser Reihenfolge! - den Römischen König, Zürich und die Eidgenossen, suchten auch seine Söhne die Nähe des Habsburgers. Auf Bitte Winterthurs konnte ein Sohn anfangs 1502 in den Dienst Maximilians treten, zwei andere studierten in Freiburg im Breisgau und bewarben sich 1508, gestützt auf die Erste Bitte des Römischen Königs, für eine Pfrund im Gross- und Fraumünster Zürich. Ein vierter heiratete um 1509 eine Dame aus dem Gefolge des Kaisers. Ausgerechnet Bürgermeister und Rat von Zürich forderten die Räte Maximilians auf, dem Paar die «Hofgab, wie das der gewont Bruch vorhar und noch ist» zu geben - «jn Ansechung unser, och des wolharkommen Geschlechtz dero von Sal, die doch allweg am Hus Österrich wol getan hand.»[120]

Trotz ihrer privilegierten Stellung waren die Herren von Sal keineswegs die einzigen Bürger mit engeren Kontakten zu Habsburg. Ulrich von Hohenlandenberg, der bereits mehrfach erwähnte Bruder des Bischofs von Konstanz, der 1499 mit dem Winterthurer Aufgebot ins Hegau zog und 1503 Dienstmann Maximilians wurde, erwarb 1491 das Burgrecht und baute den ehemaligen Sitz der Freiherren von Klingenberg zu einem repräsentativen Stadthaus um.[121] Ende 1500 erwarb Heinrich Lanz das Winterthurer Burgrecht, behielt sich aber den Eid vor, den er den Eidgenossen, Luzern, Zug und seinen Lehensherren geschworen hatte.[122] Mit Lanz betrat eine schillernde Figur die kleinstädtische Bühne. Sein Vater Hans Lanz von Liebenfels zählte zu den einflussreichsten habsburgischen Interessenvertretern des ausgehenden 15. Jahrhunderts, der die Beziehungen zwischen Erzherzog Sigmund sowie - anfänglich - Maximilian und den eidgenössischen Orten massgeblich prägte. Obwohl er sich mit Burgrechten in Zug und Luzern abzusichern suchte, blieb seine Stellung als Bürger von Konstanz, Gerichtsherr im Thurgau und österreichischer Rat immer heikel; der Balanceakt musste schliesslich an den Spannungen im Umfeld des Schwabenkriegs scheitern. Bei seinem Tod 1502 hinterliess er dem Sohn zahlreiche Guthaben, da die tirolische Kammer unter dem Druck der ambitiösen Politik Maximilians zusehends in einem finanziellen Engpass steckte. Heinrich sah sich deshalb zu einem mehrjährigen Kampf gezwungen und erwirkte schliesslich mit «vil Geschray» und mit ausdrücklicher Bezugnahme auf den Friedensvertrag von Basel eine Auszahlung von rund 2500 Gulden. Wie sein Vater stützte er sich auf Burgrechte mit eidgenössischen Orten, um sich Rückhalt zu verschaffen, was ihm zweifellos die Aufmerksamkeit, nicht aber die Sympathie Österreichs verschaffte. Die Lanz blieben fortan Gerichtsherren im Thurgau, ohne in Winterthur nachhaltig in Erscheinung zu treten.[123]

Die hier skizzierten Beziehungsnetze waren nicht einfach totes Kapital und Relikt längst vergangener Zeiten. Das Reich und vor allem Habsburg blieben in Winterthur, das 1467 an Zürich verpfändet wurde, bis in die Frühe Neuzeit ein massgeblicher Bezugspunkt. Als Symbol diente die Stadtkirche, wo verschiedene Jahrzeiten für die Herzöge von Österreich und zahlreiche Adelsfamilien begangen wurden.[124] Im ausgehenden Spätmittelalter planten Schultheiss und Rat einen Kirchenneubau, der die Dimension einer normalen Stadtkirche, aber auch die Finanzmittel sprengte. 1490 richtete Winterthur an Erzherzog Sigmund die Bitte um einen Beitrag an die neue Glocke im repräsentativen Südturm, der wenig später fertiggestellt wurde.[125] Zum gleichen Zeitpunkt begannen Einzelpersonen Geld für den geplanten Neubau zu stiften. 1494 verkauften zum Beispiel die Herren von Randegg der Stadt Winterthur den Kirchensatz in Seuzach mit Kelnhof und Widem und verzichteten zugunsten «unser Pfarkilchen Buw» auf 30 Gulden, dafür sollten sie «furohin an ewigen Ziten als Guttäter der Kilchen jerlichs verkundt werden.»[126] Ausgerechnet die Herren von Randegg galten, zumindest in der chronikalischen Überlieferung, als eingefleischte «Schweizerfeinde». Ritter Burkhard von Randegg, als Patron Seuzachs Hauptverantwortlicher für den Verkauf, war jener Vogt von Gailingen, der sich angeblich vor Diessenhofen mit Schmähreden hervortat. Zusammen mit Familienangehörigen versuchte er vergeblich die Verteidigung des Hegaus zu organisieren und fiel mit seinem Vetter Heinrich von Randegg in der Schlacht bei Schwaderloh - zur grossen Freude Brennwalds: «Diser Her Burkhart von Randegg hat hie vor gar vil unüzer wort getriben und wot allweg der erst an die Eignossen sin, und wen er im förchte, so wölt er die Stirnen mit Kutrek bestrichen und ein Kuschwanz under die Gürtel stossen [...]. Also endeet sich sin Hofart und Übermut uff die stund.»[127] Davon war allerdings wenige Jahre später in Winterthur keine Rede. Vom Kirchenneubau in Beschlag genommen, schien man die Herren von Randegg und ihre Jahrzeit vollständig vergessen zu haben. Hans von Schellenberg, Sohn des Embracher Wohltäters und Erbe der Randegger, erinnerte im Frühjahr 1520 die «guten Frunden unnd Nachpuren» in Winterthur an die mit dem Verkauf des Kirchensatzes in Seuzach verknüpften Bedingungen und wunderte sich, «das solich Jarzit nochmals nit uffgericht syge. [...] Us Ansehung des wolfeilen Kouff, Nachlassung ettlichs Geltz und der Fruntschafft zu uch» sollte die Stiftung doch endlich aufgesetzt werden, «alsdann werden wir uch Herren Burghartz Ritter seligen und ander mer us dem Geschlecht verschaiden schriftlich anzaigen, damit die jngeschriben und jarlichen verkundt werden mögen».[128] Die Sorge um die Memoria brauchte sich nicht um vergangene Kriege zu kümmern und schuf neue verpflichtende familiäre Kontinuitäten, endete aber zumindest im zürcherischen Gebiet schon kurze Zeit später mit der Reformation.

1501 begannen die ersten Arbeiten am Kirchenschiff. 1501 war gleichzeitig Jubeljahr mit einem besonderen päpstlichen Ablass. Wie andere Zeitgenossen - aber angeblich nur wenige Eidgenossen - stifteten auch Winterthurer reichlich Geld.[129] Die beträchtliche Summe vor Augen, hofften sie den Ablass für ihren Kirchenneubau verwenden zu können und baten anfangs 1502 König Maximilian um Mithilfe. Obwohl die Stadt seit 1467 an Zürich verpfändet war, sicherte er ihr als «ewr naturlicher Herr und Lanndffurst» grossmütig seine Unterstützung zu. Ein reger diplomatischer Verkehr begann. Der Stadtschreiber, der Knecht des Junkers von Rümlang und Hans Altorf ritten nach Konstanz und Innsbruck, königliche Räte oder Vertreter des Bischofs von Konstanz weilten in Winterthur.[130] Schultheiss und Räte der Eulachstadt nahmen überdies Sigmund Kreuzer in seine Pflicht, ehemaliger Kriegsgefangener, Dompropst und mittlerweile königlicher Rat. Tatsächlich ersuchte dieser Maximilian - vorerst vergeblich - um «gnedig Hilff unnd Furderung». Erst die Abreise des päpstlichen Legaten und die Einwilligung Bischof Hugos von Konstanz führten schliesslich ans Ziel. Im März 1505 informierte Maximilian Winterthur, nachdem «die Kirch bey euch in mergklich Abnemmen komen sey und nach dem aber in dem nechst vergangen Jubilaum etwas Gelt by euch gefallen und unns sölhs durch unseren Hailigen Vater den Bapst zuhaben zugelassen und verwilliget ist», wolle er «sölh Jubelgelt, sovil das bey euch ligt, zu dem Paw der gemelten ewr Kirchen gnediglich gegeben und geschenkt haben» - angeblich rund 500 Gulden, eine stattliche Summe, die zweifellos die ersten Finanzierungsprobleme lösen half.[131] Einen Tag später gewährte der König Winterthur zudem das Privileg, sich von Zürich auszulösen zu können, damit «wir die gemelt unser Statt Wintherthawr bey uns und unserm Hauss Osterreich ewigklichen behalten und die niemands anderm zuaignen noch die davon verendern sollen noch wellen ...».[132] Auch wenn die Loslösung von Zürich nie in die Wege geleitet wurde, verstärkte sich damit der eigenartige Charakter Winterthurs als österreichisch-zürcherische «Doppelstadt». Bis ins 17. Jahrhundert signalisierte angeblich ein am nördlichen Kirchenturm prangendes österreichisches Wappen das «königlich-habsburgische» Wesen der Stadtkirche.[133]

*

Adlige, die als heftige Feinde der Eidgenossen gelten, tauchen als kirchliche Wohltäter auf, ein auf einem Plünderungszug gefangen genommener Geistlicher vertritt die Interessen des ehemaligen Kriegsgegners, und ein Reichsoberhaupt, das zum Kampf gegen die schnöden, bösen und groben Bauern aufruft, erweist sich seinen rebellischen Untertanen gegenüber als grosszügiger Herrscher - wo blieb der unerbittliche Hass, der zum verheerenden Schwabenkrieg führte? Fronten und Grenzen scheinen sich aufzulösen, die Hintergründe des blutigen Konflikts verschwinden in einem Dunstschleier. Kein Wunder, dass sich der Blick auf den Schwabenkrieg in letzter Zeit nachhaltig verlagert hat. Während noch Wilhelm Oechsli 1890 die Meinung vertrat, «dass mit dem Schwabenkrieg eine Trennung zwischen beiden [der Schweiz und Deutschland!] vollzogen sei»[134], zeigen die überlieferten Quellen vielmehr fortlaufende nachbarschaftliche, politische wie wirtschaftliche Beziehungen zwischen Süddeutschland und den eidgenössischen Orten. Eine Grenze zeichnete sich erst im Verlauf der Frühen Neuzeit ab und wurde weniger vom Wunsch nach Unabhängigkeit als von der europäischen Grosswetterlage diktiert. Welcher Zürcher hätte 1500 bei der Errichtung einer Jahrzeit für die Opfer des Schwabenkriegs vermutet, dass 1519 der Tod Maximilians aus «sunder gross Mitleiden» in Zürich mit zahlreichen Messen begangen, 1521 der Stadt von Karl V. zahlreiche Privilegien verliehen, 1525 die in der Wasserkirche als Siegestrophäen aufgehängten Banner zur Vermeidung von Unwillen und aus freundschaftlich-nachbarschaftlichem Sinn entfernt und 1527 gegen die katholischen Innerschweizer Orte das «Christliche Burgrecht» mit der evangelischen Reichsstadt Konstanz abgeschlossen würde?[135] Und welcher Winterthurer, den leergeplünderten Hegau im Februar 1499 vor Augen, hätte geahnt, dass mit dem Neubau der Stadtkirche - stolzer Mittelpunkt der bürgerlichen Identität - ein Symbol des nachbarlichen Friedens im Entstehen war?

 

Anmerkungen

[*] Stark überarbeitete Fassung eines Referats, das am 7. Dezember 1999 vor dem Historischen Verein Winterthur gehalten wurde. Für Anregungen und Kritik danke ich Klaus Graf und Andreas Meyerhans.

[1] Staatsarchiv Zürich (StAZ) B II 40, Bl. 20.

[2] Heinrich Brennwald, Schweizerchronik, hg. von Rudolf Luginbühl (Quellen zur Schweizer Geschichte N. F. I.I), Bd. 2, Basel 1910, S. 411. Allgemein: Regula Schmid, Fahnengeschichten. Erinnern in der spätmittelalterlichen Gemeinde, in: Traverse 1 (1999), S. 39-48, und Klaus Graf, Schlachtengedenken in der Stadt, in: Die Stadt im Krieg (Die Stadt in der Geschichte 15), Sigmaringen 1989, S. 83-104. Zu den Jahrzeiten auch: Rudolf Henggeler, Das Schlachtenjahrzeit der Eidgenossen nach den innerschweizerischen Jahrzeitbücher (Quellen zur Schweizer Geschichte N. F. II.III), Basel 1940.

[3] Der historiografische Rahmen wird skizziert bei Peter Niederhäuser, «Kriegs»-Geschichte im Wandel, in: Ders. und Werner Fischer (Hg.), Vom «Freiheitskrieg» zum Geschichtsmythos. 500 Jahre Schweizer- oder Schwabenkrieg, Zürich 2000, S. 155-179, v. a. S. 160ff. Einen knappen Überblick über Zürich bieten Guido Stucki, Zürichs Stellung in der Eidgenossenschaft vor der Reformation (Diss. Zürich), Aarau 1970, S. 26ff., sowie Karl Dändliker, Geschichte der Stadt und des Kantons Zürich, Bd. 2, Zürich 1910, S. 260ff.

[4] Wortreich beklagte sich am 14. September 1499 der Bote Zürichs an den Friedensverhandlungen in Basel, «zu Lutzerrnn haben sy gemeint, das Kleckow ouch ze behalten, und so vil wir mercken, so sölte ein statt von Zurich kein Rechtung oder Vorteil me dann annder daran haben ...» (StAZ A 159 Nr. 247). Bereits am 9. Juli lehnte die Tagsatzung Ansprüche Zürichs auf den Klettgau ab: Die Eidgenössischen Abschiede aus dem Zeitraum von 1478 bis 1499 (EA), bearb. von Anton Philipp Segesser, Bd. 3.1, Zürich 1858, S. 621. Noch 1500 wurde in Zürich über die Verwaltung der Vogtei Klettgau diskutiert: Eintrag im Ratsmanual StAZ B II 40, S. 0 (!), abgebildet bei Erwin Eugster, Die Entwicklung zum kommunalen Territorialstaat, in: Geschichte des Kantons Zürich, B. 1: Frühzeit bis Spätmittelalter, hg. von Niklaus Flüeler ( ) und Marianne Flüeler-Grauwiler, Zürich 1995, S. 299-335, hier S. 318.

[5] Für die Diskussion des Schwabenkriegs sei auf die einschlägigen Neuerscheinungen des Jubiläumsjahrs verwiesen: Freiheit einst und heute. Gedenkschrift zum Calvengeschehen 1499-1999, Chur 1999; «An sant maria magtalena tag geschach ein grose schlacht». Gedenkschrift 500 Jahre Schlacht bei Dornach 1499-1999, hg. vom Regierungsrat des Kantons Solothurn und redigiert von Andreas Fankhauser (Jahrbuch für solothurnische Geschichte 72), Solothurn 1999; Niederhäuser und Fischer (wie Anm. 3).

[6] Das Manuskript der Chronik befindet sich in der Zentralbibliothek Zürich, Handschriften J 86, das Lied auf F. 36ff. Die (unvollständige) Edition Bossharts: Die Chronik des Laurencius Bosshart von Winterthur 1185-1532, hg. von Kaspar Hauser (Quellen zur Schweizerischen Reformationsgeschichte III), Basel 1905. Das Spottlied ist in leicht anderer Fassung abgedruckt in: Valerius Anshelm, Berner Chronik, hg. vom Historischen Verein des Kantons Bern, Bd. 2, Bern 1886, S. 256ff., und in: Die historischen Volkslieder der Deutschen vom 13. bis 16. Jahrhundert, gesammelt und erläutert von R. von Liliencron, Bd. 2, Leipzig 1866, S. 420-427. Weiterführende Hinweise: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon Bd. 6, Berlin 1987, S. 747ff.

[7] Johann Conrad Troll, Geschichte der Stadt Winterthur nach Urkunden bearbeitet, Bd. 1: Kriegsgeschichte, Winterthur 1840, S. 49; aus zeitgenössischen Quellen geht hervor, dass die Ulmer bei Hard ihre Fahne verloren. Die Winterthur zugeschriebene Beteiligung an der Schlacht bei Schwaderloh beruht wahrscheinlich auf einer allzu oberflächlichen Lesart eines Briefes von Zürich, das Winterthur zur Stellung von 18 Leuten für Schwaderloh aufforderte - allerdings drei Monate nach dem Kampf; Stadtarchiv Winterthur (StAW) Urkunde Nr. 1830.

[8] Werner Ganz, Winterthur. Einführung in seine Geschichte von den Anfängen bis 1798 (292. Neujahrsblatt der Stadtbibliothek Winterthur), Winterthur 1960, S. 92.

[9] Die Materialien zum Schwabenkrieg sind hauptsächlich bei den Akten (StAZ A 159) zusammengestellt. Als Regestensammlungen unentbehrlich: Christian Roder, Regesten und Akten zur Geschichte des Schwabenkriegs 1499, in: Schriften des Vereins für die Geschichte des Bodensees, Bd. 29 (1900), sowie Albert Büchi (Hg.), Aktenstücke zur Geschichte des Schwabenkrieges nebst einer Freiburger Chronik über die Ereignisse von 1499 (Quellen zur Schweizer Geschichte 20), Basel 1901.

[10] Grundlegend: Helmut Maurer, Schweizer und Schwaben. Ihre Begegnung und ihr Auseinanderleben am Bodensee im Spätmittelalter, Konstanz 1983. Zahlreiche Quellen dieses Aufsatzes finden sich auch in diesem Buch.

[11] StAZ A 159 Nr. 16 (Brief Maximilians), 17 (1. Schreiben Berns vom 5. Februar) und 27 (2. Schreiben Berns vom 10. Februar); auch: Regesta Imperii XIV. Ausgewählte Regesten des Kaiserreiches unter Maximilian I. 1493-1519, Bd. 3.1, bearb. von Hermann Wiesflecker, Wien u. a. 1996, S. 10 (als Verweis angeführt). Zur friedfertigen Haltung Maximilians passt zudem, dass er noch Mitte Januar den Bernern, Schwyzern und Unterwaldnern die Pensionen zukommen lassen wollte und am 23. Februar Bern zu Hilfe bei der Konfliktbeilegung aufforderte: Regesta Imperii XIV, S. 6 und 16.

[12] Bericht aus Villingen: Roder (wie Anm. 9), S. 75; Schreiben des Landvogts: StAZ A 159 Nr. 5.

[13] Roder (wie Anm. 9), S. 76.

[14] Wiler Chronik des Schwabenkriegs, bearb. und hg. von Placid Bütler (Mitteilungen zur vaterländischen Geschichte 34), St. Gallen 1914, S. 149.

[15] Wiler Chronik (wie Anm. 14), S. 153.

[16] StAZ A 159 Nr. 8. Aufgrund des in Grandson verdienten Rittertitels muss Hans von Landenberg mit dem in Winterthur sesshaften (Frisch-)Hans von Breitenlandenberg, Vogt in Neftenbach und Gerichtsherr von Turbenthal, identisch sein. Als Vogt in Arbon befehligte er wohl das bischöfliche Aufgebot im Thurgau.

[17] Roder (wie Anm. 9), S. 78.

[18] StAZ A 159 Nr. 10 (Happ) und Nr. 22 (Mötteli). Das Hilfsgesuch Happs ist umso bemerkenswerter, als der Adlige und vor allem sein Bruder einflussreiche Positionen in Innsbruck einnahmen und sich nach 1500 wieder im Tirol niederliessen, aber sich mit dem Innsbrucker Regiment zerstritten; Emil Stauber, Schloss Widen (245. Neujahrsblatt der Stadtbibliothek Winterthur), Winterthur 1909, S. 66ff., zum Streit mit Maximilian: u. a. Tiroler Landesarchiv Innsbruck (TLA), Kammerkopialbücher 1501, S. 12v.

[19] StAW Urkunden Nr. 1819.

[20] StAZ A 159 Nr. 11.

[21] EA (wie Anm. 4), S. 591.

[22] StAZ A 159 Nr. 12. Auch Brennwald (wie Anm. 2), S. 347ff.

[23] StAZ A 159 Nr. 13 (Brief vom 3. Februar).

[24] StAZ A 159 Nr. 26 (Brief vom 9. Februar).

[25] StAZ A 159 Nr. 39 (Brief vom 20. Februar).

[26] StAZ A 159 Nr. 26.

[27] EA (wie Anm. 4), S. 592, S. 594 oder S. 595. Auch StAZ A 159 Nr. 30 (Klage Diessenhofens).

[28] StAW Urkunden Nr. 1820 (9. Februar). Diese sechs Briefe blieben übrigens für lange Zeit in Winterthur. Erst 1530 quittierten Schultheiss und Rat von Wil Winterthur für die Rückgabe der Schriftstücke, die «erlich und wol bewartt» waren, die sie aber «ietz wol bedörpfend» (StAW Urkunden Nr. 2213).

[29] StAZ A 159 Nr. 35 (Brief vom 15. Februar).

[30] StAW Urkunden Nr. 1821 (Schreiben vom 12. Februar).

[31] EA (wie Anm. 4), S. 592.

[32] StAZ A 159 nach Nr. 139: Reisrödel «uff das kriecklich Furnemen des Swäbischen Punds». Besonders aufschlussreich das Verzeichnis der Landadligen, die trotz ihrer zum Teil engen Bindung an die Herrschaft Österreich anstandslos auf Seiten Zürichs kämpften. Nur gerade Hans Reigel von Hettlingen weilte ausser Land, andere, wie einzelne Landenberger, standen im Dienst des Bischofs von Konstanz oder des Abtes von St. Gallen. Kaum anwesend war auch der Winterthurer Konrad von Sal, der als Dienstmann Maximilians möglicherweise auf österreichischer Seite am Krieg beteiligt war: TLA Kammerkopialbücher Bd. 18 (1502), Bl. 10. Zu Ulrich von Landenberg: StAW Urkunden Nr. 1821. Eberhard von Reischach zu Alt Hewen erhielt anfangs 1500 das Zürcher Burgrecht geschenkt, «als er mit der Stat Paner in das Hegow gezogen ist, als Honburg und andre Schlösser erobert sind» (Bürgerbuch von Zürich, Abschrift: StAZ X 172/1, Nr. 887); zu Reischach neuerdings: Roswith Günter, Das Leben als Bürgerin, in: Irene Gysel und Barbara Helbling (Hg.), Zürichs letzte Äbtissin Katharina von Zimmern 1478-1547, Zürich 1999, S. 67-96, dort fälschlicherweise als Befehlshaber bezeichnet (S. 69).

[33] Militärgeschichtlicher Überblick bei: Rudolf von Fischer, Die Feldzüge der Eidgenossen diesseits der Alpen vom Laupenstreit bis zum Schwabenkrieg, in: Schweizer Kriegsgeschichte, Heft 2, Bern 1935; Walter Schaufelberger, Spätmittelalter, in: Handbuch der Schweizer Geschichte Bd. 1, Zürich 1972, S. 338ff; allgemein: Ders., Der Alte Schweizer und sein Krieg. Studien zur Kriegführung vornehmlich im 15. Jahrhundert, Zürich 1952.

[34] Den Einfluss der Schmähworte auf den Kriegsausbruch betonten nicht nur alle zeitgenössischen eidgenössischen Chronisten, sondern auch Vertreter des Schwäbischen Bundes wie der Esslinger Hauptmann Heinrich Ungelter, der noch vor dem eigentlichen Kriegsbeginn am 10. Februar die Meinung vertrat, «der Obrigkeit in den Eidgenossen thue dieser Handel leid, allein die unchristlichen Worte der Unsrigen gegen die Ihrigen erzürnen den gemeinen Mann ...», und hellsichtig den Mechanismus der Eskalation (Rache - Plünderung - neue Rache) durchschaute, abgedruckt in: K. Klüpfel, Urkunden zur Geschichte des Schwäbischen Bundes (1468-1533), Bd. 1, Stuttgart 1846, S. 284. Aufschlussreich der Brief Zürichs an seine Hauptleute im Rheintal vom 26. Februar, abgedruckt bei Roder (wie Anm. 9), S. 102: Die Knechte sollen gegen Waldshut und Tiengen vorgehen, deren Besatzung «sich gebruchent alles Mutwillens und Schmacheit und Bläggen und schantlichen Geberden» - damit «solichs gerochen und ir Ubermut nidergeleit wurde.» Zum stark von Ehre geprägten Selbstverständnis: Schaufelberger (wie Anm. 33) und neuerdings Werner Meyer, Krisen, Korruption und Kampfbegierde. Der politische, ideologische und emotionale Konfliktrahmen des Schwabenkrieges von 1499, in: Gedenkschrift Solothurn (wie Anm. 5), S. 9-52.

[35] Brennwald (wie Anm. 2), S. 362; Anshelm (wie Anm. 6), S. 128; Brief: Büchi (wie Anm.9), S. 79.

[36] Zu Brennwald (wie Anm. 2), S. 362ff.; seine gelegentlich polemischen Äusserungen sind mit Vorsicht zu geniessen, zumal eine eingehende historiografische Auseinandersetzung mit seiner Chronik bis heute fehlt.

[37] Der Bericht vom 25. Februar ist abgedruckt in: Fürstenbergisches Urkundenbuch (FUB). Sammlung der Quellen zur Geschichte des Hauses Fürstenberg und seiner Lande in Schwaben, Tübingen 1877-91, Bd. IV, S. 227f.

[38] Roder (wie Anm. 9), S. 95.

[39] Büchi (wie Anm. 9), S. 60.

[40] Zur Diskussion über Kriegsziele: Büchi (wie Anm. 9), S. 61f. und 72ff., oder Stucki (wie Anm. 3), S. 40f.

[41] Büchi (wie Anm. 9), S. 52.

[42] EA (wie Anm. 4), S. 599.

[43] Brennwald (wie Anm. 2), S. 364f.

[44] StAZ A 159 Nr. 138 und 205.

[45] Büchi (wie Anm. 9), S. 576.

[46] Anshelm (wie Anm. 6), S. 129.

[47] Kaspar von Randegg beispielsweise bat Mitte März Überlingen um die Teilablösung seines städtischen Darlehens, um mit diesem Geld den Bauern von Riedheim bei Hilzingen auszuhelfen, die eine Brandschatzung von 1500 Gulden aufbringen mussten; Roder (wie Anm. 9), S. 113.

[48] Hilzingen: Brennwald (wie Anm. 2), S. 372; zu Gailingen: StAZ A 159 Nr. 55 (11. März), auch Roder (wie Anm. 9), S. 110. Das Brandschatzungsgeld von Hilzingen wurde tatsächlich Mitte Mai nach Stein am Rhein überbracht: Büchi (wie Anm. 9), S. 218f.

[49] EA (wie Anm. 4), S. 606, auch Roder (wie Anm. 9), S. 147. In Dörflingen besassen neben Zürich auch die in Winterhur resp. Zürich verburgrechteten Hohenlandenberger und Fulacher Einkünfte: TLA lib. fragm. Bd. VI, F. 430v, sowie Bd. V, F. 177; Rudolf Thommen (Hg.), Urkunden zur Schweizerischen Geschichte aus österreichischen Archiven, Bd. V, Basel 1932, S. 220.

[50] EA (wie Anm. 4), S. 594; StAZ A 159 Nr. 160, und Roder (wie Anm. 9), S. 142. Mit säuerlichem Unterton beklagte sich auch der Basler Ratsschreiber bei Solothurn, der von Solothurnern überfallen und dessen Magd misshandelt wurde: «Der Ruf der Eidgenossen wird durch solche licht frig Lut geschädigt, sodass man sagt: das thun die Eidgenossen»; Heinrich Witte, Urkundenauszüge zur Geschichte des Schwabenkriegs, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins XIV und XV (1899/1900), S. m21.

[51] Brennwald (wie Anm. 2), S. 364.

[52] Brennwald (wie Anm. 2), S. 376; Beschreibung des Zürchers Felix Meiss, in: FUB (wie Anm. 37), S. 333 (der Widersacher wird als Redner am Kammergericht geschildert). Auch Robert Durrer, Die Familie vom Rappenstein genannt Mötteli und ihre Beziehungen zur Schweiz (Der Geschichtsfreund 48), 1893, S. 81-275, S. 200.

[53] Hinweis auf eine politische Aufgabe im Dienst der Königin Bianca Maria: Heinrich Witte (wie Anm. 50), S. m80 und m72 (Nachtrag). Die Parteinahme Kreuzers für die habsburgisch-schwäbische Seite ist plausibel, zählte doch sein Vetter Dr. Konrad Stürzel als Kanzler Maximilians zu den einflussreichsten Männern des Innsbrucker Regiments. Zur Gefangennahme auch Witte, S. m88, und Büchi (wie Anm. 9), S. 66. Obwohl die Eidgenossen zumindest im Kampf alle Gegner töten sollten - EA (wie Anm. 4), S. 600 -, waren Gefangene häufig; dazu: Otto Feger, Probleme der Kriegsgefangenschaft im Schwabenkrieg (SZG 30), 1950, S. 595-601.

[54] Melchior von Hohenlandenberg machte Zürich auf die Lage des Bischofs aufmerksam, der doch «von Purt ain Aidgnoss und uss den Aidgenossen ist» (StAZ A 159 Nr. 64); vergleichbare Wertungen tauchen schon früher auf: Guy P. Marchal, Die Eidgenossen, das Bistum Konstanz und die Rheingrenze im 15. Jahrhundert. Einladung zu einem Perspektivenwechsel (Itinera 16), 1994, S. 74-89, hier S. 84; auch Maurer (wie Anm. 10), S. 62f.

[55] Das Misstrauen beider Parteien wird zum Beispiel greifbar in: StAZ A 159 Nr. 18 (Rechtfertigung Bischof Hugos); Roder (wie Anm. 9), S. 78 (Gaienhofen), 111f. (Klage über die Besetzung seiner Burgen) und 112f. (Schaffhausen misstraut dem Bischof); EA (wie Anm. 4), S. 593 (Einigung mit den Eidgenossen); Klüpfel (wie Anm. 34), S. 293 (Stillhalteabkommen mit dem Schwäbischen Bund) sowie: Eine zürcherische Chronik der Schwaben- und Mailänderkriege 1499-1516 (Anzeiger für Schweizer Geschichte 22), 1891, S. 285 (Untreue).

[56] Brief vom 26. Februar: StAZ A 159 Nr. 43; Bischof Hugo argumentierte mit der Bedeutung des Dompropsts als bischöflicher Ratgeber und wies die Hauptleute nicht ohne Hintergedanken darauf hin, dass der Grossteil der Pfrundeinkünfte Kreuzers auf eidgenössischem Gebiet lägen. Am 1. März besprach die Tagsatzung ein Schreiben Hugos: EA (wie Anm. 4), S. 596. Das Schreiben an Winterthur vom 3. März: StAW Urkunden Nr. 1823a.

[57] StAW B 2/6, F. 57 (Ratsprotokolle vom 3. März 1499).

[58] StAW Urkunden Nr. 1823b und c (5. März), EA (wie Anm. 4), S. 598, und StAZ B II 30, S. 31 (Eintrag im Ratsmanual vom 30. März).

[59] Die Angst vor bischöflichen Sanktionen erscheint bei Anshelm (wie Anm. 6), S. 131, die Versprechungen in StAW Urkunden Nr. 1823b.

[60] StAW B 2/6, F. 57f. (Ratsprotokolleinträge vom 1. und 4. März). Napfer gehörte zu den notorischen Unruhestiftern Winterthurs und wurde wegen Beleidigung inhaftiert, während Schnider Geld unterschlagen hatte.

[61] Wiler Chronik (wie Anm. 14), S. 213.

[62] StAW Urkunden Nr. 1824a (Brief vom 5. März). Am 17. März erfolgte dann die Aufforderung, weitere 3 Knechte nach Stein zu delegieren (StAW Urkunden Nr. 1824b).

[63] StAZ A 159 Nr. 59.

[64] EA (wie Anm. 4), S. 594 (25. Februar), 595 (1. März) und 603 (1. April). Zu den Ritterhäusern: Patrick Nagy und Andrea Tiziani, Rheinau - eine Stadt zwischen Abt und Adel (Mittelalter 4), 1999, S. 65-90.

[65] StAZ A 159 Nr. 66 (15. März).

[66] StAZ A 159: Reisrödel, nach der Nr. 139.

[67] StAZ A 159 Nr. 138 (Schreiben des Eglisauer Landvogts vom 21. April).

[68] StAZ A 159 Nr. 146 (Schreiben vom 42. April).

[69] StAZ A 159 Nr. 156 (Zitat), 172 und 173.

[70] StAZ A 159 Nr. 271 (undatiert); Zürich hoffte das verburgrechtete Klettgau in sein Gebiet einzuverleiben, stiess aber auf den entschiedenen Widerstand der Miteidgenossen - darauf spielte der Rheinauer an (siehe Anm. 4).

[71] Die Zahl stammt von Brennwald (wie Anm. 2), S. 409.

[72] StAZ A 159 Nr. 48 (3. März).

[73] StAZ A 159 Nr. 56 (12. März).

[74] StAZ A 159 Nr. 212 (27. Mai).

[75] StAZ A 159 Nr. 125 (Mahnung des Schultheissen von Winterthur vom 11. April), 128 (Bedauern über einen vorzeitigen Abbruch vom 14. April) und 130 (Schreiben von Schwaderloh vom 14. April).

[76] StAZ A 159 Nr. 98 (Brief vom 31. März).

[77] Büchi (wie Anm. 9), S. 545.

[78] StAZ A 159 Nr. 71 (Brief vom 20. März). Der ausdrücklich auch an Winterthur gerichtete Beschluss der Tagsatzung, Konstanz vom Nachschub abzuschneiden, muss unter diesen Umständen eher befremden; EA (wie Anm. 4), S. 598. Kontrollversuche des Kornhandels in: Wiler Chronik (wie Anm. 14), S. 204f. Zu den Merkwürdigkeiten des Krieges von 1499 zählte, dass das lebensnotwendige Salz aus dem habsburgischen Salins in der Freigrafschaft Burgund stammte, siehe Witte (wie Anm. 50), S. m89, und Büchi (wie Anm. 9), S. 127 und 544. Auch Horst Carl, Eidgenossen und Schwäbischer Bund - feindliche Nachbarn?, in: Peter Rück, Die Eidgenossen und ihre Nachbarn im Deutschen Reich des Mittelalters, Marburg 1991, S. 215-265, v. a. 232f.

[79] StAZ A 159 Nr. 93 (Schreiben vom 30. März) und 197 (Berlingen; besonders die aus Turbenthal und Wila stammenden Knechte beklagten sich über fehlenden Nachschub und Sold und drohten, wegzuziehen; 15. Mai).

[80] Ernte: EA (wie Anm. 4), S. 618, und StAZ A 159, Reisrodel nach Nr. 139. Viehraub: Brennwald (wie Anm. 2), S. 455 und Meiss (wie Anm. 52), S. 337; Pferd: StAZ A 159 Nr. 226 (1. Juni). Huber wurde schon 1484 von Zürich wegen unerlaubter Reislauftätigkeit verurteilt: StAZ C I Nr. 1068.

[81] Helmsdorf: StAZ A 159 Nr. 118; Wiler Chronik (wie Anm. 14), S. 227ff; Allikon (oder Altikon): EA (wie Anm. 4), Nachträge zu S. 603 (Sonderband), 26. März 1499; Wängi: Wiler Chronik (wie Anm. 14), S. 226f. Plünderungen in Eglisau: StAZ A 159 Nr. 111; in Rheineck: EA (wie Anm. 4), S. 618 und 634.

[82] Wiler Chronik (wie Anm. 14), S. 228f. Besonders betroffen vom Misstrauen und den Ausschreitungen waren Adelsfamilien wie die Helmsdorf, die auf beiden Seiten kämpften. Weitere Hinweise auf die um sich greifende Unsicherheit: S. 228f., 230, 233f. und 242.

[83] Während die Schwaben über die «Kuhschweizer» spotteten, die mit ihrem Vieh Unzucht trieben, scheinen sich die Eidgenossen selten über die schwäbischen «Rossghyer», die mit Pferden unnatürlichen Umgang pflegten - wohl eine Anspielung auf das Pferd als Adelssymbol -, revanchiert zu haben. Der Brief Melchiors an Zürich - auch folgende Zeilen - vom 30. März: StAZ A 159 Nr. 103; umfangreich bei Roder (wie Anm. 9), S. 119f.

[84] Antwort: StAZ A 159 Nr. 107; Abt von Stein: EA (wie Anm. 4), S. 612, und StAZ A 159 Nr. 155.

[85] Büchi (wie Anm. 9), S. 535f.; die Lösegeldsumme scheint aber dermassen überrissen, dass sie wohl weniger der Realität als der Absicht des Junkers entsprach, die gierigen Eidgenossen zu denunzieren. Melchior informierte nämlich ausgerechnet den königlichen Kanzler Zyprian von Serntein, verbunden mit der Bitte, bei Maximilian ein gutes Wort einzulegen - ein klarer Hinweis auf die Gratwanderung vieler Adligen, die mit beiden kriegführenden Parteien eng verbunden waren und ihr Beziehungsnetz abedroht sahen. Melchior stand seit mindestens 1479 im Dienst Erzherzog Sigismunds, kämpfte 1487 bei Rovereto gegen Venedig und trat 1496 in den Dienst Maximilians; um 1500 ist er aber nicht mehr in den Innsbrucker Abrechnungen verzeichnet; TLA Raitbücher Bd. 14, F. 215v (1479), Bd. 121, F. 169v (1487), Urkunde I Nr. 5140 sowie Alte Bekennen Bd. 2, S. 277 (1496).

[86] Dazu u. a. StAZ A 159 Nr. 111, 118, 130, 163, 197, 233; auch Büchi (wie Anm. 9), S. 183.

[87] Brennwald (wie Anm. 2), S. 408f.

[88] Christian Roder (Hg.), Heinrich Hugs Villinger Chronik von 1495 bis 1533 (164. Publication des literarischen Vereins in Stuttgart), Tübingen 1883, S. 15. Berühmt auch der weiter nicht belegte Anekdote Anshelms, dass Maximilian aus Zorn über seine ängstlichen Hauptleute die Blechhandschuhe auf den Boden warf und klagte: «Es wäre nit gut, Switzer mit Switzeren zu schlahen», Anshelm (wie Anm. 6), S. 221.

[89] StAW Urkunden Nr. 1830, 12. Juli. Weitere Schreiben forderten Zuzug ins Engadin (Nr. 1829, 13. Juni) oder verlangten schnelle Bereitschaft bei einem Alarm (Nr. 1827, 28. Mai).

[90] Radolfzell: Roder (wie Anm. 9), S. 152f.; Wil: FUB (wie Anm. 37), S. 331; Lupfen: StAZ A 196/1 Nr. 11.

[91] StAW Urkunden Nr. 1835 (Schreiben vom 21. September).

[92] Diessenhofen: EA (wie Anm. 4), S. 627; Hallau und Neunkirch: EA (wie Anm. 4), S. 633; Klettgau: StAZ B II 30, S. 22 (Eintrag im Ratsmanual vom 26. Oktober).

[93] Regesta Imperii (wie Anm. 11), S. 80, und EA (wie Anm. 4), S. 630.

[94] Regesta Imperii (wie Anm. 11), S. 93. Konstanz: Helmut Maurer, Die Entstehung der deutsch-schweizerischen Grenze und das Problem der Extradition von Archivalien, in: Helmut Maurer und Hans Patze, Festschrift Berent Schwineköper, Sigmaringen 1982, S. 489-500. Schon Ende Februar beabsichtigten übrigens die eidgenössischen Orte, das Landgericht unter ihre Kontrolle zu bringen: Büchi (wie Anm. 9), S. 77.

[95] Büchi (wie Anm. 9), S. 72f.

[96] Brennwald (wie Anm. 2), S. 465.

[97] Auch im Hegau gingen die Sympathien des Adels auseinander. Berühmt ist der sagenhafte Ritter Hans Speet, der die Schweizer als «handvest, redlich Lüt» bezeichnete und der gerne zu ihnen stehen würde: Anshelm (wie Anm. 6), S. 204. Eberhard von Rischach unterstützte Zürich (siehe Anm. 32); seine Mutter lebte in Zürich, ihr Gut wurde im Krieg vom Grafen von Lupfen beschlagnahmt: Die Eidgenössischen Abschiede aus dem Zeitraum von 1500 bis 1520 (EA), bearb. von Anton Philipp Segesser, Bd. 3.2, Zürich 1869, S. 92 und 107.

[98] Über die Verknüpfung von Freischarenzug mit Schmähungen, Ehrgefühl und bewusster Kalkulation: Thomas Maissen, Worum ging es im Schwabenkrieg? Zum 500. Jahrestag des Friedens von Basel (22. September 1499), in: Neue Zürcher Zeitung Nr. 217 (18. September 1999), S. 83f.

[99] Carl (wie Anm. 78), S. 256f. Über die problematische Begrifflichkeit neuerdings auch: Horst Carl, «Schwabenkrieg» oder «Schweizerkrieg»? - Der Schwäbische Bund als Gegner der Eidgenossenschaft, in: Gedenkschrift Solothurn (wie Anm. 5), S. 97-130. Die Ambivalenz zeigt sich etwa bei Schradin, der ausdrücklich den Hass zwischen Adel und Bauern thematisiert, gleichzeitig aber festhält, wie tapfer der Adel im Thurgau die Eidgenossen unterstützt habe: Niklaus Schradin, Schweizer Chronik, Sursee 1500 (Faksimile-Neudruck, München 1927).

[100] Wiler Chronik (wie Anm. 14), S. 228f.

[101] Büchi (wie Anm. 9), S. 455 und 461; EA (wie Anm. 97), S. 12f., 19 oder 73f.

[102] EA (wie Anm. 97), S. 66f (2. September 1500) und 404 (24. Oktober 1507).

[103] Glückshafenrodel des Freischiessens zu Zürich 1504, hg. von Friedrich Hegi, Zürich 1942.

[104] Grundlegend zu den Beziehungen zwischen Eidgenossenschaft und süddeutschem Raum: Thomas A. Brady jr., Turning Swiss. Cities and Empire 1450-1550, Cambridge 1985; Paul-Joachim Heinig, Friedrich III., Maximilian I. und die Eidgenossen, in: Rück (wie Anm. 78), S. 267-293; Carl (wie Anm. 78); neuerdings Peter Niederhäuser und Raphael Sennhauser, Kaiser Maximilian I. und die Eidgenossen. Kunst und Propaganda des «letzten Ritters», in: Niederhäuser und Fischer (wie Anm. 3), S. 73-102, v. a. S. 94ff.

[105] Zur Rheingrenze: Marchal (wie Anm. 54) und Walter Schaufelberger, La frontière du Rhin pendant les guerres de Souabe (1499), in: Frontières et contacts de Civilisation (Le passé présent. Etudes et documents d'histoire), Neuchâtel 1979, S. 65-73. Fragmentierte Macht: Bruno Giger, Gerichtsherren, Gerichtsherrschaften, Gerichtsherrenstand vom Ausgang des Spätmittelalters bis in die frühe Neuzeit (Thurgauer Beiträge zur Geschichte 130), 1993, S. 5-216, und Peter Niederhäuser, Adel, Dorfgemeinden und Herrschaftsstrukturen im Zürcher Weinland im Übergang zur Frühen Neuzeit, in: Thomas Meier und Roger Sablonier (Hg.), Wirtschaft und Herrschaft. Beiträge zur ländlichen Gesellschaft in der östlichen Schweiz (1200-1800), Zürich 1999, S. 203-244.

[106] Schwaderloh: StAZ B II 30, S. 19 (Ratsmanual vom 30. September); Grafen von Sulz: ebd., S. 22 (Eintrag vom 26. Oktober) und StAZ A 192/2 Nr. 60f. (Ausgleich zwischen Graf und Untertanen, 4. November) sowie Nr. 68 (Vertrag über den Wiederaufbau Tiengens von 1512). Konstanz: StAZ 199/1 Nr. 88 (Bischof Hugo bittet im Sommer 1500 um Fristerstreckung bei der Schuldentilgung). Neuer Streit 1504: EA (wie Anm. 97), S. 277.

[107] StAZ A 200/1 Nr. 12 und 13 (Briefwechsel vom Januar 1500).

[108] Hegau: Klüpfel (wie Anm. 34), S. 480 (17. November 1502); Kreuzlingen: z. B. EA (wie Anm. 97), S. 287 (1504), oder TLA Raitbücher Bd. 50 (1506), F. 178 (2000 Gulden für den Abt von Kreuzlingen) und F. 232v (Zusicherung von insgesamt 5000 Gulden); Ermatingen: Repertorium schweizergeschichtlicher Quellen im Generallandesarchiv Karlsruhe (GLA), hg. von der Rechtsquellenkommission des Schweizerischen Juristenvereins, Bd. I, Zürich 1982, S. 333f.

[109] StAW Urkunden Nr. 1838 (5. Dezember); StAW B 2/6, S. 77 (Ratsprotokoll).

[110] Peter Niederhäuser, Zweien «gnädigen Herren» untertan: Das spätmittelalterliche Winterthur zwischen Österreich und Zürich (Zürcher Taschenbuch 1996), S. 135-175.

[111] Giger (wie Anm. 105) und Niederhäuser (wie Anm. 105).

[112] Zu den Rümlangern: Niederhäuser (wie Anm. 110), S. 152f. (dort wird die Burg Gutenberg fälschlicherweise mit der gleichnamigen Festung bei Balzers gleichgesetzt); Soldwesen 1498: StAZ B II 29, S. 54 (Ratsmanual vom 9. Juli); Gutenberg: Büchi (wie Anm. 9), S. 549f.; Lehen im Schwarzwald: TLA lib. fragm. VIII, F. 203ff.

[113] Das Guthaben in Hall dürfte sich auf 1100 Gulden belaufen: TLA Raitbücher Bd. 43, F. 23v (1501) oder Bd. 40, F. 188r (1506); Dienstverhältnis: TLA Kammer-Kopialbücher Bd. 19, F. 162 (25. Juni 1503), Bestätigung Bd. 22, F. 5v (18. Januar 1505); ausgenommen bleibt jedoch ein Dienst gegen die Eidgenossen.

[114] Kienberg: Witte (wie Anm. 50), S. m86, und Büchi (wie Anm. 9), S. 75f. und 95f.; Lehensbestätigung: TLA lib. fragm. VII, F. 217 (24. November 1499); erwähnt werden als Lehen der Grafschaft Habsburg u. a. die Burg Wagenburg mit Gütern in Oberembrach, die Vogtei Lufingen und die Taverne Embrach - Lehen also, die sich zum Teil schon seit längerem in anderer Hand befanden und von Zürich verliehen wurden (StAZ C II 7 Nr. 151). Versuchte der Adlige mit dieser die tatsächlichen Herrschaftsverhältnisse negierenden Lehensbestätigung die Gunst Maximilians zu erringen? Weniger später verfügte er als Vogt im Klettgau tatsächlich über ein attraktives Amt bei einem österreichischen Parteigänger: StAZ C I 1010 oder StAZ A 192/1 Nr. 67ff.

[115] Gachnang: TLA libr. fragm. VII, F. 239f. und 284 (Dorf Hüningen); Happ (siehe Anm. 18); Hinwil: Abriss bei Kaspar Hauser, Jörg von Hinweil, in: Die Sonntagspost. Wochenbeigabe des «Landboten» Nr. 33 und 34 (1894); Goldenberg: StAZ W 1 Nr. 2515. Dienst bei Hohenzollern: StAZ F II c 7.

[116] Hans Bär, Geschichte der Gemeinde Embrach, Bd. 1, Embrach 1994, S. 105; Béatrice Wiggenhauser, Klerikale Karrieren. Das ländliche Chorherrenstift Embrach und seine Mitglieder im Mittelalter, Zürich 1997, S. 96f., und Alice Denzler, Geschichte der Gemeinde Rickenbach (Kanton Zürich), Andelfingen 1961, S. 69f.

[117] 1525 beherbergte das Kloster Angehörige der Adelsfamilien von Helmsdorf, Blarer, von Ulm, von Landenberg, von Castelmur, von Ampfelbrunn, von Mandach, von Schellenberg oder von Goldenberg; Hauser (wie Anm. 6), S. 319f. Wappen im Kreuzgang: J. R. Rahn, Das Dominikanerinnenkloster Töss, Bd. II: Seine Bauten und Wandgemälde (Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich 68), 1904. Grundsätzliche Würdigung bei: Martina Wehrli-Johns, Töss, in: Helvetia Sacra Bd. IV.5., Die Dominikaner und Dominikanerinnen in der Schweiz, Basel 1999, S. 901-934. Einer der Stifter war übrigens der im Frühjahr 1499 gefangen genommene Dompropst Sigmund Kreuzer (Rahn, S. 150).

[118] StAZ A 176/1 Nr. 183 (26. Dezember 1507) und Wehrli-Johns (wie Anm. 117), S. 919f. Beerenberg: StAZ C IV 2 Nr. 4 (16. Dezember 1500).

[119] Zu den Herren von Sal: Niederhäuser (wie Anm. 110), S. 157ff. Zu Konrad von Sal auch Anm. 32.

[120] Dienst: StAW AM 188 Nr. 1 (Brief Maximilians vom 14. April 1502). Im Innsbrucker Archiv sind allerdings keine Hinweise auf ein Dienstverhältnis überliefert; möglicherweise war der Sohn ein Knappe oder er bezog den Sold über die Reichskammer; Pfrundbewerbungen: Andreas Meyer, Zürich und Rom. Ordentliche Kollatur und päpstliche Provisionen am Frau- und Grossmünster (Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Rom 64), Tübingen 1986, S. 400 (Johann Jakob von Sal) und S. 427 (Laurenz von Sal); Schreiben Zürichs: StAZ B IV.2 Nr. 133 (19. März 1509).

[121] Burgrecht: StAW B 2/5, S. 460 (1491); Erneuerung mit Erwähnung des Baus: StAW AB 16 Nr. 6 (1502).

[122] StAW Urkunden Nr. 1850 (4. Dezember 1500).

[123] Eine (lückenhafte) Biografie bei Ralph Bosshard, Militärunternehmer aus dem Thurgau gegen Ende des 15. Jahrhunderts (Thurgauer Beiträge zur Geschichte 134), 1997, S. 7-116, v. a. S. 75ff., oder Peter F. Kramml, Kaiser Friedrich III. und die Reichsstadt Konstanz (1440-1493). Die Bodenseemetropole am Ausgang des Mittelalters (Konstanzer Geschichts- und Rechtsquellen XXIX), Sigmaringen 1985, S. 337ff.; zum Verkehr mit der Kammer in Innsbruck: TLA Kammer-Kopialbücher Bd. 17, F. 117f. (mit Verweis auf sein Geschrei und das Interesse der Eidgenossenschaft), oder Bd. 18, F. 197v. Schlussabrechnung: TLA Urkunden I 2223b und c sowie 2260, Die Lanz erscheinen überdies in der Chronik Bossharts: Hauser (wie Anm. 6), S. 139f.

[124] Das Jahrzeitenbuch (StAW Ki 50) auszugsweise erschlossen bei: J. Schneller, Jahrzeitenbücher des Mittelalters der St. Laurenzen-Kirche in Winterthur (Der Geschichtsfreund), 1858, S. 193-217.

[125] TLA, Schatzarchiv Repertorium VI, F. 127; falscher Quellenverweis bei Martin Illi, Die Geschichte der Stadtkirche anhand der hoch- und spätmittelalterlichen Schriftquellen, in: C. Jäggi, H.-R. Meier, R. Windler und M. Illi, Die Stadtkirche St. Laurentius in Winterthur. Ergebnisse der archäologischen und historischen Forschungen (Zürcher Denkmalpflege. Archäologische Monographie 14), Zürich 1993, S. 119-145, S. 135.

[126] StAW Ki 50, S. 112 (Jahrzeitenbuch); Verkauf: StAW Urkunden Nr. 1753 (1494).

[127] Brennwald (wie Anm. 2), S. 362 (Gailingen) und S. 402 (Tod vor Konstanz). Zur Rolle im Hegau: Roder (wie Anm. 9), S. 82ff.; die Grablege befand sich im Münster von Konstanz: Roder, S. 126 und GLA (wie Anm. 108), S. 333. In schwäbischer Überlieferung werden die Randegger als einige der wenigen tapferen Kämpfer bei Ermatingen weit ehrenvoller wahrgenommen: Roder (wie Anm. 88), S. 10.

[128] StAW AM 189 Nr. 4 (Brief vom 19. April 1520).

[129] Brennwald (wie Anm. 2), S. 500.

[130] StAW Se 25, Rechungsrödel von 1502 und 1505. Hans Altorf war übrigens auch jener Vertrauensmann, der wiederholt für Ulrich von Landenberg den habsburgischen Zins in Hall abholte (siehe Anm. 113), siehe TLA Raitbuch Bd. 46, F. 218v; Bd. 48, F. 126v; Bd. 49, F. 137v oder Bd. 50, F. 188r.

[131] Der Betrag von 550 Gulden stammt von Bosshart, siehe Hauser (wie Anm. 8), S. 74 (mit ausführlicher Fussnote über die Hintergründe). Die Baukosten von Kirchen sind in der Regel kaum bekannt. Als prominente Ausnahme weist die (kleinere) Oswaldskirche in Zug auf die recht bescheidenen Kosten des Rohbaus und das finanzielle Gewicht der Innenausstattung hin. Der Aufwand für den Rohbau betrug in Zug knapp 1400 Gulden; Auswertung bei: Roland Gerber, Finanzierung und Bauaufwand der ersten St. Oswaldskirche in Zug (1478-1486). Der Einfluss der Baufinanzierung auf die gebaute Architektur (Unsere Kunstdenkmäler 1/1999), S. 51-66.

[132] Der Briefwechsel um das Jubelgeld in StAW AM 188 Nr. 1 (Schreiben Maximilians vom 14. April 1502), Nr. 2 (Legat, 21. November 1502), Nr. 3 (Bischof Hugo, 6. Dezember 1502) und Nr. 4 (Einwilligung Maximilians vom 8. März 1505). Erwähnung der Tätigkeit Kreuzers: StAW Urkunden Nr. 1866 (20. November 1502). Privileg: StAW Urkunden Nr. 1884 (9. März 1505).

[133] Niederhäuser (wie Anm. 110), S. 169ff.; Wappen: nach Illi (wie Anm. 125), S. 133.

[134] Wilhelm Oechsli, Die Beziehungen der schweizerischen Eidgenossenschaft zum Reiche bis zum Schwabenkrieg (Politisches Jahrbuch der schweizerischen Eidgenossenschaft 5), 1890, S. 616.

[135] Tod Maximilians: Stucki (wie Anm. 3), S. 104; Wasserkirche (nach Bullinger): Salomon Vögelin, Das alte Zürich, historisch und antiquarisch, Zürich 1878 (2. Aufl.), S. 227.

Empfohlene Zitierweise

Niederhäuser, Peter: «Uns aus Notdurft in die Gegenwehr schicken». Winterthur, das Weinland und die angrenzenden Gebiete im Schwabenkrieg von 1499, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/6lz6f/

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Erstellt: 02.02.2006

Zuletzt geändert: 02.02.2006


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