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René Wetzel

Man sölts all zu ritter schlagen! Die Freiburger Reimchronik des Hans Lenz zum Schwabenkrieg (1499).

Deutung und Verklärung von Zeitgeschichte und Gesellschaft durch Literatur

Vom Autor erstellte Internetfassung von: René Wetzel, Man sölts all zu ritter schlagen! Die Freiburger Reimchronik des Hans Lenz zum Schwabenkrieg (1499). Deutung und Verklärung von Zeitgeschichte und Gesellschaft durch Literatur. In: Text im Kontext. Anleitung zur Lektüre deutscher Texte 1450-1620. Hg. v. Alexander Schwarz u. Laure Abplanalp (Tausch 9). Bern, Berlin, Frankfurt a.M., New York, Paris: Peter Lang, 1997, S. 319-332.

Von der welt louff vnd gestallt (3b) [Anm. 1] - vom Lauf der Welt und ihrem Zustand - handelt ein Werk, das im Zentrum der nachfolgenden Überlegungen stehen soll: die Reimchronik zum Schwaben- bzw. Schweizerkrieg des Hans Lenz vom Jahr 1499. In Form eines fiktiven Gesprächs, einer disputatz (62b) zwischen dem Autor und einem Waldbruder, werden die historische Zeitgeschichte und die damalige politisch-gesellschaftliche Situation gesichtet, geordnet, diskutiert, gedeutet und in größere, insbesondere heilsgeschichtliche Zusammenhänge gebracht. Text und Kontext stehen in diesem Beispiel (wie in der Historiographie ganz allgemein) in besonders offensichtlicher Beziehung zueinander - es leuchtet unmittelbar ein, daß ein solcher Text ohne den geschichtlichen Hintergrund nicht angemessen beurteilt werden kann. Dabei darf allerdings nicht allein danach gefragt werden, wie der Historiograph mit den geschichtlichen Fakten (soweit diese überhaupt objektiv rekonstruiert werden können!) umgeht, es muß auch dem Umfeld des Verfassers selbst und seiner Rezipienten sowie dem Zweck und der Funktion seiner Dichtung Rechnung getragen werden, den literarischen und außerliterarischen Einflüssen und Vorbildern, den Denk- und Argumentationsmustern, kurz: die "Lebenswelt" [Anm. 2] des Textes sollte zu seinem Verständnis im gesellschaftlich-kulturellen Kontext soweit als möglich erschlossen werden.

Daß dies im Rahmen dieses Beitrages nur andeutungsweise geschehen kann, versteht sich von selbst. Ich möchte deshalb in aller Kürze erst Autor, Rezipientenkreis und Text vorstellen, um dann anhand der Einleitungskapitel und des zentralen fünften Buches etwas ausführlicher die von Lenz betriebene Deutung, Verklärung und Nutzbarmachung von Geschichte durch Einsatz literarischer Mittel und Muster aufzuzeigen.

Hans Lenz [Anm. 3] stammt aus der reichsfreien, mit der Eidgenossenschaft verbündeten Stadt Rottweil. 1494 wird er von der Stadt Freiburg i.Ue. als Schulmeister angestellt, unterrichtet 1496-1498 als Privatlehrer der Patrizierfamilie Perroman (Praroman) die Junker Seebold und Rudolf, wechselt 1499, als seine Schüler zwecks weiterer Bildung nach Schlettstadt ziehen, als Schulmeister in das mit Bern verbündete Saanen und ist 1500-1502 als Stadtschreiber im bernischen Brugg wiederzufinden. Danach hat er vermutlich seine Lehrertätigkeit wiederaufgenommen. Für 1541 ist in Brugg der Tod eines Hans Lenz bezeugt.

Die Abfassung seiner rund 12'000 Verse starken Reimchronik muß Lenz in Saanen noch im Kriegsjahr 1499 im Auftrag des Freiburger Rates angefangen und spätestens im folgenden Jahr ebendort vollendet haben, wofür er von der Freiburger Regierung gegen Ende des Jahres 1500 14 Pfund und 10 Schilling erhält. Eine engere Zusammenarbeit mit dem Freiburger Notar, Bieler Stadtschreiber und Kriegsteilnehmer Ludwig Sterner, auf dessen Augenzeugenberichten sich Lenz mehrfach stützt, ist anzunehmen, was für Ursula Peters "die Existenz einer kontingenten städtischen Bildungsschicht der Notare, Stadtschreiber und Lehrer unterstreicht". [Anm. 4] Dem Berner Rat schenkt Lenz ein Exemplar seiner Chronik, wofür er im ersten Halbjahr 1501 mit 12 Pfund belohnt wird. Aus seiner Saaner Zeit sind ferner ein als Flugschrift gedrucktes Lied gegen den Schwäbischen Bund in 31 Strophen überliefert sowie unvollständig ein weiteres, in die Chronik selbst eingebundenes Lied zur kriegsentscheidenden Schlacht von Dornach (22.7. 1499), wovon noch 57 Strophen erhalten sind. [Anm. 5]

Sowohl das Auftragsverhältnis und die Auftraggeber als auch die berufliche und soziale Stellung des Chronisten sind nun für die Ausgestaltung des Werkes von entscheidender Bedeutung: Der Auftrag des Freiburger Rates macht die Chronik zu einem Stück offizieller Geschichtsschreibung, was durch die Schenkung an den Berner Rat noch unterstrichen wird. Adressaten sind somit die städtischen, patrizisch-bürgerlichen Führungsschichten, für die Lenz ja auch in seiner Stellung als Schulmeister und Privatlehrer im Dienst stand. [Anm. 6] Doch erstaunt, daß ein solcher Auftrag nicht wie sonst allgemein üblich an den Stadtschreiber erging, sondern an einen Lehrer mit seiner spezifischen Schulbildung. Es kann nur vermutet werden, daß unter dem noch frischen Eindruck des überwältigenden und wohl auch unerwarteten Sieges der Eidgenossenschaft in dem vom Kaiser als Reichskrieg und eigentlichen Kreuzzug deklarierten Konflikt eine bewußt literarische Bearbeitung und damit Überhöhung dieses Ereignisses gewünscht wurde.

Der Text selbst ist im Original nicht überliefert, vom Freiburger wie vom Berner Exemplar fehlt jede Spur. Erhalten hat sich einzig ein Handschriftenabdruck des 19. Jahrhunderts, [Anm. 7] basierend auf einer um 1524 erfolgten Abschrift eines im Jahre 1501 zusammengestellten Sammelbandes, der auf den bereits erwähnten Ludwig Sterner zurückgeht und auch dessen Bearbeitung und Ergänzung von Diebold Schillings Burgunderchronik sowie vier sogenannte "historische Volkslieder" enthielt. [Anm. 8] Die Abschrift von 1524 läßt großzügig Platz frei für - allerdings nicht mehr ausgeführte - ganzseitige Illustrationen und gibt beschreibende Anweisungen für den Illustrator. Ob bereits die Lenzschen Exemplare und die Sterner-Handschrift von 1501 Illustrationen aufgewiesen haben, ist zu vermuten, aber nicht nachzuweisen.

Nach einer Anrufung Gottes und Marias um Inspiration sowie der Dedikation des Werkes zu deren und der Auftraggeber von Freiburg Lob und Ehre berichtet der Chronist im Prologteil von einem angeblich 1499 erfolgten, aber leicht als Fiktion zu durchschauenden Spaziergang in einen Wald, in welchem er sich heillos verirrt. Er findet sich schließlich an einem klaren Bergbach wieder, wo in topischer Anhäufung die sattsam bekannten Elemente des locus amoenus ausnahmslos zitiert und die kunstvoll musizierenden Vögel gar einzeln vorgestellt werden. Er folgt dem Wildbach bis zu einem hohen Felsen im Gebirge, wo er Wildtiere beobachtet - jeglichs fry nach siner art (2b) - und eine Höhle findet. Auf sein Rufen erscheint ein alter Waldbruder, der seit über 60 Jahren von der Außenwelt völlig abgeschnitten lebt. Beide, Erzähler und Eremit, sind in gewisser Weise aufeinander angewiesen: Der Eremit, der aus den Naturzeichen (z.B. Erdbeben) erschlossen hat, daß die Welt in komber mag stan (3b) und deshalb von der welt louff (3b) erfahren möchte; der Erzähler, der - und wir können das im übertragenen Sinn lesen - die Orientierung im Wald und in der Welt verloren hat (Jch bin ein gutt christen man / Und bin verjrrt jn mynem synn / Das ich nit weiß wa ich bin [3a]) und vom Bruder wissen will, wa ich jn der welt sy (2b). Orientierung und Halt in einer gestörten Weltordnung zu geben, das ist denn auch die Funktion des Eremiten, der im darauf folgenden Gespräch die vom Erzähler gelieferten Fakten der Geschichte von der Warte der außen- und darüberstehenden und deshalb objektiven, aber auch moralischen und geistlichen Autorität interpretiert und das Gespräch mit seinen Fragen lenkt und vorantreibt. Man mag bei diesem Prolog an "die aus den Minnereden bekannten Erzählmodelle der Spaziergangseinleitung mit anschließender Diskussion der Ich-Person mit einem Eremiten" [Anm. 9] denken und damit an die Tradition der mittelalterlichen Lehrgespräche, doch sicher auch an Dantes "Comedia" erinnert werden, bei der das Abkommen vom Weg und das Herumirren im Wald für das sündhafte Leben stehen und der Ich-Erzähler ebenfalls geleitet werden muß. Vergleichbar mit Dantes 3 x 33 = 99 Gesängen ( Prolog) entwickelt sich das Geschehen des auf den Prolog folgenden Hauptteils - die eigentliche Chronik in der unorthodoxen Dialogform [Anm. 10] - bei Lenz in (zahlensymbolisch evidenten) neun Büchern, die ihrerseits wieder in je drei Unterteile zerfallen.

Es ist tatsächlich eine aus den Fugen geratene, ja "verkehrte" und heillose Welt, die sich da präsentiert, und der nur mit den vertrauten Denk- und Deutungsmustern aus der heilsgeschichtlich ausgerichteten Historiographie und der Literatur noch beizukommen ist. In bester mittelalterlicher Tradition wird versucht, Gottes Walten in der Geschichte aus der Beobachtung der Natur, der Welt und dem Verhalten der Menschen zu erkennen und Schlüsse daraus für den einzelnen wie für die Menschheit insgesamt zu ziehen.

Ganz in diesem Sinne beginnt denn der Hauptteil auch mit Berichten von Erdbeben, Naturkatastrophen, einer aus der Heidenschaft importierten Seuche und vor allem den als "Wunder" dargestellten tierischen und menschlichen Mißgeburten, die im letzten Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts die Menschen im deutschen Reich - worunter ja auch noch die Eidgenossenschaft zu zählen ist - beunruhigten (Buch I,1). Während die Naturkatastrophen ganz allgemein und immer wieder als plag, als Strafe Gottes interpretiert und auf den allgemeinen Verfall der Sitten und die Unordnung in der Welt bezogen werden, lassen die Mißgeburten, von welchen man aus Flugblättern [Anm. 11] oder Augenzeugenberichten Kenntnis hatte, zumindest im Rückblick - denn immer wieder im Verlauf der Chronik wird auf diese monstra Bezug genommen - ganz genaue Deutungen zu: So steht die mit dem Wormser Reichstag von 1495 koinzidierende Geburt eines am Kopf zusammengewachsenen siamesischen Zwillingspaares in dieser Stadt einerseits durchaus im positiven Sinn und übereinstimmend mit dem bekannten Flugblatt von Sebastian Brant [Anm. 12] als Symbol für das Zusammenwachsen von Reich und Reichsständen im 1487/88 gegründeten Schwäbischen Bund unter einem Hirn (Maximilian I.); dann aber auch negativ für die Pervertierung der ursprünglichen Ziele und den Mißbrauch des Bundes für die Machenschaften eines der invidia und superbia verfallenen Adels. Das Basler achtfüßige Schwein mit seinen vier Ohren und zwei Zungen von 1496 sowie der Freiburger Wurf von drei mißgestalteten Hunden desselben Jahres deuten auf die durch und durch pervertierten und für ihre Schmählieder berüchtigten Landsknechte voraus, welchen eine Hauptschuld am Krieg zur Last gelegt wird.

Insgesamt werden die Umstände der Gründung des Schwäbischen Bundes und die Ursachen für den Krieg gegen die Eidgenossen, wenn auch perspektivisch auf den eidgenössischen Konflikt verengt, so im allgemeinen doch durchaus korrekt und mit der heutigen Forschung übereinstimmend [Anm. 13] gesehen und bewertet (Bücher I-III): Der Bund wird als ständeübergreifende Vereinigung begriffen, mittels welcher der König/Kaiser legitime Ziele gegen innen (Landfrieden) und außen (Frankreich, Türkengefahr) durchzusetzen versuchte. Doch sieht die Eidgenossenschaft, die (bei prinzipieller und immer wieder beteuerter Reichs- und Kaisertreue) einen eigenen Bund mit eigener Landfriedensordnung besitzt, auch nach mehrfacher Aufforderung keinen Grund beizutreten. Der Kaiser spielt bei Lenz eher eine Opferrolle, indem seine edlen Ziele durch Neid und Haß des alten, von den Eidgenossen verjagten Adels mißbraucht und als Kampfmittel gegen die Eidgenossen eingesetzt werden: Immer und immer wieder wird stereoptyp als die dominierende Parole des Schwäbischen Bundes eingehämmert, daß sy den Swytzern einen herren / Mochten geben mitt gewallt (19b und ähnlich öfters). Als Sprachrohr dieses Adels fungieren die Landsknechte (traditionell die schärfsten Konkurrenten der Schweizer Reisläufer!), die mit ihrem lästerlichen Spott (etwa dem Kuh- und Bauernspott) und ihren Liedern antieidgenössische Propaganda und Hetze betreiben sowie durch ihre Provokationen den Krieg überhaupt erst auslösen. Dieser wird im Hauptteil der Chronik (Bücher IV-IX) zu Recht als eine Reihe von wechselseitigen Beute- und Rachezügen beschrieben, unterbrochen durch einzelne große Schlachten, worunter diejenige bei Dornach vom 22. Juli 1499 die Entscheidung brachte und zum Frieden von Basel führte. [Anm. 14]

Das fünfte Buch der Chronik, das nun hier als Beispiel herausgegriffen werden soll, ist - als genaue Werkmitte und zugleich dramatischer Höhepunkt des Geschehens - in zweifacher Hinsicht zentral und bedeutend. Es bildet zudem eine in sich abgeschlossene, ja selbständige Episode rund um die Schlacht von Schwaderloh, die in den symbolisch hochträchtigen osterlichenn Zyttenn (69a) des Jahres 1499 nach einem Teilerfolg des Schwäbischen Bundes einen glänzenden Sieg des kleinen Heeres der Eidgenossen über die zahlenmäßig weit überlegenen Schwaben und damit im österlichen Sinn den Triumph des Guten über die Mächte des Bösen brachte. Auch dieses fünfte Buch zerfällt in drei Teile, wobei das eigentliche Schlachtgeschehen wiederum in die Mitte zu stehen kommt und so das eigentliche Zentrum des Werkganzen bildet.

Berichtet wird im ersten Teil vom Zusammenziehen der Truppen des Schwäbischen Bundes in Konstanz (in erster Linie fursten vnd herren (63a), der adel (64b), welcher die Landsknechte anführt) und vom Stellungsbezug der eidgenössischen Zusätze im Thurgau (alle Orte, mit Ausnahme von Glarus und Solothurn, haben dem Thurgauer Vogt Hilfstruppen gesandt). Der Ausfall der Schwäbischen erfolgt am 18. April [Anm. 15] und richtet sich gegen Ermatingen, wo die Truppen des Thurgaus mit den Zusätzen von Bern und Freiburg liegen. Obwohl die dry Houptlut vsserwellt / Waren Jrs gmutz wol Heldt (65b), müssen sie vor der Übermacht der Schwaben weichen und 100 der insgesamt 400 Eidgenossen - darunter den Thurgauer Vogt - tot zurücklassen. In Ermatingen, dessen Zivilbevölkerung schutzlos zurückbleibt, beginnt ein blindwütiges Morden und Rauben der Landsknechte und anführenden Adligen unter den armen luten (66a), das keine Grenzen kennt und selbst vor dem Heiligsten nicht haltmacht. Nach dem bekannten Schema der Märtyrerlegenden wird detailgenau beschrieben, was die Ermatinger, welche in der Kirche Zuflucht suchen, aber auch der Kirchenpatron Albin, zu erleiden haben: Sie

Vermeinten do sicher zu sin
Nach cristen ordnung an gwichten statt
Das sy leyder nut geholffen hatt
Dry vnd Sibentzig wurde erschlagen
Kelch monstrantzen tettens tragenn
Vnd was sy funden rouplich darvon
Kein laster tettens vnderwegen lan
Turkischer werck tetten sich flissen
Mesßgewand leviten röck bschissen
Mitt öl verwüsten vnd schenden
Zerbrachen die bild an die wenden
Zu sant albin tettens schiessenn
Gott den synen trugends Haß (66a)

 

Auf Fürbitte des Kirchenpatrons St. Albin und der Jungfrau Maria verhindert Gott wenigstens eine Brandstiftung an der Kirche. Im Dorf aber werden Kindbetterinnen und Säuglinge ermordet, Mädchen und Frauen brutal vergewaltigt, der erbeutete Wein gesoffen und schließlich die Häuser geschleift und verbrannt. Diese für Christen unglaubliche Schandtaten - zweimal wird betont, daß selbst Heiden (66b) und Türken (67a) nie soweit gegangen wären - sind Lenz durch einen Priester glaubwürdig bezeugt worden, der by Jn hatt geliten not vnd leid (67a): Für war mirs der priester seit / Grösser laster tribens vil / Vber alle maß vnd Zil (ebd.).

Unter diesem Vorzeichen ist es logisch, daß im zweiten Teil des fünften Buches der Kampf der Eidgenossen gegen die schwäbischen Truppen den Charakter von Heidenkämpfen erhält. Der Krieg gegen den Schwäbischen Bund wird zum Kreuzzug gegen die, die eigentlich gemäß der göttlichen Ordnung dazu berufen gewesen wären, den christlichen Glauben zu verteidigen: den Adel. Die Eidgenossen handeln als Werkzeug für die Rache Gottes (Gott sant übert schwaben rach [67b]), der durch die eindringliche Fürbitte St. Albins und der Jungfrau Maria zum aktiven Eingreifen bewegt wird. Heldenepisches Vokabular, Stimmung und Geschehen erinnern an das Rolandslied. [Anm. 16] So spricht etwa der Unterwaldner Hauptmann Oswald von Rotz den bei Schwaderloh versammelten Eidgenossen in einer feurigen Rede Mut zu (Mir ist, gott werd vns bystan / Vnd maria die mutter sin [67b]) und bittet ähnlich wie Karls Fürsten in bezug auf ihre Leute jeden, welcher nit hatt ein mans hertz / Vnd fürichten will disen schertz / Sich die schwaben will lan erschrecken / Vnd nit bestan als die Recken / Beliben by vns bis Jn tod (68a), die Reihen zu verlassen. Und wie im Rolandslied gibt es niemanden, der dieser Aufforderung Folge leistet, alle wollen Ritterlich bstan bis Jn dem tod (68a). Nachdem die Kampfeslust - insbesondere auch die Freiburgs und Berns - angestachelt ist, knien alle zum Gebet nieder, Als der eydgenossen gewonheit ist (68b). [Anm. 17] Fünffzechen Hundert Heldt (68a) stehen 18'000 Feinden gegenüber. Das entscheidende Schlachtgeschehen wird in heldenepischer Manier überzeichnet:

Sy früschlich griffen die vygend an
Da sach man kein verzagten man
Wie mechtig do was ir gewalt
So greiffs man an Jn solcher gestallt
Mitt schlachen und mitt stechenn
Schiessen werffen brechenn
Das es Jn dem lufft har toß
Das blut durch den harnesch goß
Die eydgenossen manlich fachten
Jr spieß Jn schwaben erkrachtenn
Jr Hellibarten do erclingenn
Domitt sy dlansknecht erswungen
Das Jn gelag Jr spott vnd lachen
Büchsen armbrost tetten krachenn
Das es Jn dem feld erhal
Gott sach har ab zu tal
Halff den eydgenossen strytten
Zu den osterlichenn Zyttenn
(68b/69a)

 

Die edlen Eydgenossen (69a) - es zeigt sich hier nur angedeutet, was sonst auch schon offen ausgesprochen wird, daß nämlich der wahre Adel bei den angeblich herrenlosen Schweizern wohnt - treiben die Schwaben in diesem erlich loblich strit (69a) schmählich in die Flucht, 1300 Feinde bleiben erschlagen zurück, darunter der adlige Albin-Schütze Burkart von Randeg, eine unbestimmte Zahl ertrinkt auf der Flucht im Bodensee: Gotz rach ward vber sy gesant / Mitt solcher flucht geschannt / Vnd also geslagen zu tod (69b). Dankgebet der Eidgenossen und Bestattung der Gefallenen schließen das eigentliche Schlachtgeschehen ab. Der Kommentar des Berichterstatters Lenz läßt keinen Zweifel an der Beurteilung der Situation:

All so Jm swaderloch sind gesin
Groß lob hand sy geleit Jn
Das tut man Jn für war nach sagen
Man sölts all zu ritter schlagen
Das allein xv hundert man
xviij tusent hand griffen an
Mitt sighaffter stund
Das feld behalten ist war vn kund
Durch gotz hilff vnd mechtigkeit
Vnd fürbittung maria der meyt
Vnd des himelfursten sant albin
Als genome hett zur zit
Diser erlich löblich stryt
Vnd gott sin gnad hett erzeigt
(70ab)

 

Ähnlich wie schon 1420 Konrad Justinger in seiner amtlichen Berner Chronik [Anm. 18] greift auch Lenz bisweilen zum Mittel des Einschubs sogenannter "historischer Volkslieder", um die Glaubwürdigkeit seiner historia zu erhöhen. [Anm. 19] Hier ist es das Lied des aus Luzern gebürtigen Kriegsteilnehmers Hans Wick [Anm. 20], der als Augenzeuge in 19 Strophen die einzelnen eidgenössischen Orte und deren Taten im Schwaderloh verherrlicht (70b-72b).

Der dritte Teil des Buches geht auf die direkten Folgen der schwäbischen Niederlage ein und bringt das Kriegsgeschehen an der Konstanzer Front zu einem überraschend friedlichen Ende. Maximilian, der bisher stark im Hintergrund gestanden hatte, wird durch die Klagen des Adels irregeführt und zur Ausrufung des Reichskriegs gegen die Eidgenossen bewegt. Die Empörung des Chronisten richtet sich jedoch wiederum nicht gegen ihn, sondern sein Zorn entlädt sich über den Erzbischof von Mainz, der den Ablaß für den Kampf, ja den Kreuzzug gegen die Eidgenossen verkündet - verkehrte Welt!

Der byschoff von mentz ablaß gab
Vber die Eydgenossen Jch hab
Das vernomen one spott
Das doch ist wider gott
Vnd ein uncristens lebenn
Das man sol eim sin sünd vergeben
Welcher vertribt dz cristen blut
Kein turck, Jud, heyd dz tut
Jst es nit ein Jämerlichs mort
Jn der cristenheit ist es nye ghört
(73b)

 

Die belagerte und von der Lebensmittelzufuhr abgeschnittene Stadt Konstanz, wohin sich die schwäbischen Truppenreste zurückgezogen hatten, muß nach verschiedenen Ausbruchsversuchen und Scharmützeln kapitulieren und bittet um Friedensverhandlungen. Und hier ändert sich wiederum die Stillage des fünften Buches nach dem legendenhaften ersten und heldenepischen zweiten Teil ganz unvermittelt. Der Auszug der unbewaffneten Schwaben aus der Stadt (Als ob sy spatieren wolten gan [76a]) und ihre Aufstellung zur Musterung (Zuchtigklich als die Jungfrowen [76b] stehen die Landsknechte in der Reihe) sowie die burlesken Umstände eines Weingeschenks an den Zürcher Hauptmann werden schwankartig erzählt (nicht von ungefähr heißt es bei der Weinepisode: Domitt so treyb er sin schwanck [76b]). Die eigentlichen Friedensverhandlungen rücken in den Hintergrund (Lenz vermag nur von einem Gefangenenaustausch zu berichten), das Volksfest mit gemeinsamem fröhlichen Versöhnungsmahl wird dagegen umso farbiger ausgemalt und erinnert an die abschließenden Feste am Hofe König Artus' in den klassischen höfischen Epen. Diese Komponente wird durch den Schlußkommentar des Chronisten nur noch unterstrichen, der die höfisch-ritterlichen Werte der eidgenössischen Kämpfer betont: [Anm. 21]

Dann alle die do sind gelegenn
Jm swaderloch, die hand pflegen
Grossen eren vnd manheyt
Darumb Jn billich wurd geseit
Jnen zucht, ere, lob, von aller welt
Ritterlich tat sol Jn zugezellt
Werden ewigklich mitt gewalt
Von man, wib, Jung vnd alt
Si hand sich ritterlich gehalten
Gott well Jro ewigklich walten
Vnd Jn behuttenn Jr lebenn
Das sy gott lob vnd ere geben
Und maria der reyne meyt
Die Jn zu hillff ist gesin bereit.
(77b)

 

Die Eidgenossen, die von ihren adligen Gegnern als "Bauern" beschimpft werden, entpuppen sich als die wahren Ritter. Der alte Adel hat sich durch invidia und superbia diskreditiert und von Gott entfernt. Lenz zeigt anhand der diversen Einfälle der Eidgenossen in den Hegau auch, daß der schwäbische Adel nicht mehr in der Lage ist, Land und Leute zu beschützen, also seine adligen Pflichten wahrzunehmen. Die Eidgenossenschaft erhält durch ihren Kampf gegen diese Heiden im christlichen Pelz somit eine zutiefst heilsgeschichtliche Funktion: Sie stellt die göttliche ordo wieder her, besetzt die leergewordene Stelle im Ständesystem. Dabei ist jedoch in der Lenzschen Chronik keine Spur von Bauern- oder Bauernstaatsideologie zu spüren, auch nichts von einem Schweizer Nationalbewußtsein. [Anm. 22] Die diesbezügliche Argumentation gehört in den Bereich des propagandistischen Kampfes, der Verteidigung der eidgenössischen Stellung nach außen (Pamphlete, Lieder, Verteidigungsschriften). Unsere Chronik jedoch ist gewissermaßen für den "internen" Gebrauch bestimmt und bietet insofern, wenn auch ein verklärtes, so doch in diesem Punkt ein realistischeres Bild: Von einem Staatsgebilde und einem mehr oder weniger homogenen Volk der Schweizer kann nicht die Rede sein. Von Swytzern ist bei Lenz terminologisch zumeist nur aus der Perspektive des Schwäbischen Bundes die Rede. Er gibt dadurch das herrschende Fremdbild wieder, das in der feindlichen Eidgenossenschaft ein einheitliches Volk und Land sieht. Die Innenperspektive dagegen streicht durch die fast durchwegs verwendete Selbstbezeichnung als Eydgenossen den Charakter eines heterogenen Bundes bzw. einer Kampf- und Schwurgemeinschaft heraus. [Anm. 23] Und als Bauern fühlen sich die Lenzschen Eidgenossen schon gar nicht, nicht einmal als "frume edle puren": [Anm. 24] Das wichtige antieidgenössische Argument, daß die Schweizer hand selber Ritter gemacht (137b), entkräften Lenz bzw. sein Waldbruder mit dem Hinweis auf vil alter edler geschlecht (138a), die durch Jerusalemfahrten und Pagendienst am französischen Königshof zu Ritterschlag und legitimem Adel gekommen seien. Das entspricht nun gerade auch der patrizischen Erziehungspraxis in Freiburg und Bern. [Anm. 25] Die politische Elite, für die Lenz schrieb, war überhaupt nicht an einer Bauernideologie interessiert, stellte sie doch oft genug die Zinsherrschaft über die umliegenden Ländereien. So standen in (dem erst seit 1481 eidgenössischen) Freiburg das ganze 15. Jh. hindurch den probernisch und prosavoyischen Freiburger Zinsherren die - ausgerechnet! - habsburgerfreundlichen Bauern gegenüber. [Anm. 26]

Die Welt des Hans Lenz ist eine zutiefst christlich und adlig geprägte. Halt und Orientierung in einer zugleich bedrohenden und bedrohten Welt sowie Bestätigung des eigenen politischen Handelns und des Gesellschaftssystems finden Lenz und seine Freiburger bzw. Berner Patrizier-Rezipienten und aufstrebenden Bürger in der jüngsten Zeitgeschichte: Die Chronik als klassische Präsentation der historia bringt Fakten, die als Wahrheit angesehen werden. Die Einbettung in ein Lehrgespräch bietet die Möglichkeit zur heilsgeschichtlichen und typologischen Interpretation des historischen Geschehens, zur Bestimmung von Gut und Böse. Die unglaublichen eidgenössischen Siege werden so zum Gottesurteil. Die literarischen Vorbilder und Muster der christlich geprägten Ritterideologie (Kreuzzugsdichtung, Legenden- und Heldenepik, höfische Dichtung) schließlich sind der Selbstdeutung und Identifikation der Rezipienten dienlich, aber auch der Selbstfeier und Verklärung der Eidgenossen bzw. Freiburger und Berner als vorbildliche milites christiani, die inmitten einer pervertierten und gottlosen Welt die alten, gottgewollten Werte hochhalten und erfolgreich verteidigen. Der alte Reichsadel aber muß nicht nur für immer auf seine verlorenen eidgenössischen Territorien verzichten, sondern auch zusehen, wie der neue, "einheimische" Adel seine höfisch-ritterlichen Werte übernimmt und sich dadurch auch ideologisch nach innen und außen festigt.

Anmerkungen

[Anm. 1] Alle Textzitate aus: Der Schwabenkrieg besungen von einem Zeitgenossen Johann Lenz, Bürger von Freiburg, hg. v. Henri von Dießbach (Zürich: Orell, Füßli u. Comp., 1849).

[Anm. 2] Begriff der Lebenswelt von Texten und grundsätzliche Überlegungen zur mittelalterlichen Literatur im Lebenszusammenhang vgl. die Einleitung von Eckart C. Lutz zu: Mittelalterliche Literatur im Lebenszusammenhang, Ergebnisse des 3e Cycle Romand 1994, hg. v. E. C. L. (Scrinium Friburgense 8, Freiburg Schweiz: Universitätsverlag, 1997), 4-9.

[Anm. 3] Vgl. Hans Trümpy, Art. "Lenz, Hans (Johannes)", in: 2VL 5 (1985), 709-712. Hier, 711f., auch weitere Lit. Das urkundl. Material bis 1501 ist zusammengestellt von Albert Büchi, "Der Chronist Lenz als Schulmeister in Freiburg", in: Freiburger Geschichtsblätter 3(1896), 112-116.

[Anm. 4] Ursula Peters, Literatur in der Stadt. Studien zu den sozialen Voraussetzungen und kulturellen Organisationsformen städtischer Literatur im 13. und 14. Jahrhundert (Tübingen: Max Niemeyer, 1983), 283.

[Anm. 5] Die beiden Lieder abgedr. bei Rochus v. Liliencron, Die historischen Volkslieder der Deutschen vom 13. bis 16. Jahrhundert. Bd. 2 (Leipzig: F.C.W. Vogel, 1866), Nr. 197 u. 207; Thomas Cramer, Die kleineren Liederdichter des 14. und 15. Jahrhunderts. Bd. 2 (München: Wilhelm Fink, 1979), 162-168 u. 169-177. Das 2. Lied in: Der Schwabenkrieg, 148-153.

[Anm. 6] Zu den Freiburger innenpolitischen und gesellschaftlichen Aspekten vgl. Pascal Ladner, "Politische Geschichte und Verfassungsentwicklung Freiburgs bis zum Ausgang des Mittelalters", in: Geschichte des Kantons Freiburg, Bd. 1 (Freiburg: Paulusdruckerei, 1981), 167-205, hier 190-195.

[Anm. 7] Vgl. Anm.1

[Anm. 8] Vgl. Frieder Schanze, Art. "Sterner, Ludwig", in: 2VL 9 (1995), 308-310. Ausführlichste Beschreibung der noch um 1948 von Max Wehrli eingesehenen, später dann verschollenen Kopie von 1524 (Privatbesitz Fam. de Diesbach, Balterswil bei Freiburg) bei Albert Büchi, "Die Chroniken und Chronisten von Freiburg im Uechtland", in: Jb für Schweizer. Gesch. 30(1905), 197-326, hier 243ff.

[Anm. 9] Ursula Peters, Literatur in der Stadt, 283.

[Anm. 10] Wie man denn überhaupt zögert, von einer eigentlichen Chronik zu sprechen. Durch die Kombination verschiedener literarischer Gattungen, Techniken und Stilmittel entsteht etwas Neues, das sich der herkömmlichen Klassifizierung entzieht.

[Anm. 11] Vgl. jetzt dazu Irene Ewinkel, De monstris. Deutung und Funktion von Wundergeburten auf Flugblättern im Deutschland des 16. Jahrhunderts (Frühe Neuzeit 23, Tübingen: Niemeyer, 1995). Hier auch die theologischen und naturkundlichen mittelalterlichen Grundlagen der Deutung.

[Anm. 12] Augsburg: Froschauer, 1495 (München, SB, GW 5030), vgl. Ewinkel, De monstris, 108ff. u. Abb. 81.

[Anm. 13] Vgl. insbesondere Horst Carl, "Eidgenossen und Schwäbischer Bund - feindliche Nachbarn?", in: Die Eidgenossen und ihre Nachbarn im Deutschen Reich des Mittelalters, hg. v. Peter Rück unter Mitwirkung v. Heinrich Koller (Marburg a.d. Lahn: Basilisken-Presse, 1991), 215-265 u. Paul-Joachim Heinig, "Friedrich III., Maximilian I. und die Eidgenossen", ebd., 267-293. Dort auch ältere Lit.

[Anm. 14] Ursache, Verlauf und Bedeutung des Schwabenkrieges mit ausführlichen Literaturhinweisen kurz zusammengefaßt bei: Walter Schaufelberger, "Spätmittelalter", in: Handbuch der Schweizer Geschichte, Bd. 1 (Zürich: Buchverlag Berichthaus, 1980), 239-388, hier 338-348. Der Schluß des 9. Buches in der Sterner-Hs. (Beginn des Lombardischen Krieges und Abschied vom Eremiten) verloren.

[Anm. 15] Historisch korrekt wäre der 11. April 1499.

[Anm. 16] Vgl. zum Folgenden etwa die in der Vorgeschichte des Rolandsliedes erzählte Episode der Vorbereitung und Durchführung der Eroberung Spaniens durch Karl den Großen, V. 65-360.

[Anm. 17] Gemeint ist wohl das den Eidgenossen eigentümliche, traditionelle Gebet mit zertanen armen, welches den eidgenössischen Auserwähltheitsgedanken wesentlich mitprägte. Vgl. Peter Ochsenbein, Das grosse Gebet der Eidgenossen. Überlieferung - Text - Form und Gehalt (Bibliotheca Germanica 29, Bern: Francke, 1989).

[Anm. 18] Die Berner-Chronik des Conrad Justinger, hg. v. Gottlieb Studer (Bern: K.J. Wyss, 1871).

[Anm. 19] Auch diese Lieder sind vom heldenepischen Vokabular und Stil durchsetzt, vgl. Viktor Schlumpf, Die frumen edlen puren. Untersuchung zum Stilzusammenhang zwischen den historischen Volksliedern der Alten Eidgenossenschaft und der deutschen Heldenepik. Diss. (Zürich: Fretz und Wasmuth, 1969). Kritisch erörternd und mentalitätsgeschichtlich weiterführend Matthias Weishaupt, Bauern, Hirten und "frume edle puren". Bauern- und Bauernstaatsideologie in der spätmittelalterlichen Eidgenossenschaft und der nationalen Geschichtsschreibung der Schweiz. Diss. (Zürich 1990) Basel, Frankfurt/M.: Helbing & Lichtenhahn, 1992).

[Anm. 20] Abgedr. auch bei Liliencron, Die historischen Volkslieder, Nr. 203 u. bei Cramer, Die kleineren Liederdichter, Bd. 3 (1983), 461-465.

[Anm. 21] Der Kommentar des Eremiten, der zu Beginn des 6. Buches steht und zur Erzählung der Fortsetzung des Krieges hinführt, bestätigt die Sichtweise des Chronisten und unterstreicht noch einmal den zutiefst unchristlichen und pervertierten Charakter des Schwäbischen Bundes, indem die Taten in Ermatingen sowie der Mainzer Ablaß als unerhörte Tatsachen angeprangert werden. Wie auch sonst häufig bringt der Einsiedler sein Urteil auf einen sprichwortartigen, prägnanten Nenner: Der sin sach vs vbermut / On forcht gott verachten tutt / Maria ouch die Heylgenn sin / Der kompt lichtlich offt Jn pin (77b).

[Anm. 22] Dieser Frage ging mein Referat am IVG-Kongreß 1995 in Vancouver genauer nach, vgl. René Wetzel, "Die Alte Eidgenossenschaft im ausgehenden Mittelalter als Bauernstaat im Selbst- und Fremdbild". In: Alte Welten - neue Welten. Akten des IX. Kongresses der Internationalen Vereinigung für germanische Sprach- und Literaturwissenschaft (IVG), hg. v. Michael S. Batts. Bd. 2 (Abstracts) (Tübingen: Max Niemeyer, 1996), 81.

Zur aktuellen Kontroverse in der Schweizer Geschichtsschreibung vgl. insbesondere die Arbeiten von Guy P. Marchal, zitiert und kritisch beleuchtet von Weishaupt, Bauern, Hirten und "frume edle puren" (dort auch ältere Lit.). Gegen Weishaupts Thesen wiederum Claudius Sieber-Lehmann, Spätmittelalterlicher Nationalismus. Die Burgunderkriege am Oberrhein und in der Eidgenossenschaft. Diss. (Veröff. d. Max-Planck-Inst. f. Gesch. 116, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1995), 204-234. Vgl. auch die Forschungsberichte zur mittelalterlichen Geschichte in: Geschichtsforschung in der Schweiz. Bilanz und Perspektiven - 1991, hg. v. d. Allg. Geschichtsforschenden Ges. d. Schweiz (Basel: Schwabe & Co., 1992).

[Anm. 23] Entsprechende Unterschiede in der Fremd- und Eigenbezeichnung stellt neuerdings auch Sieber-Lehmann, Spätmittelalterlicher Nationalismus, 204ff., für die Zeit der Burgunderkriege fest. Wenn er aber behauptet, die zuvor verabscheuten Ausdrücke "Schweiz" und "Schweizer" seien Ende des 15. Jhs. auch in der Eidgenossenschaft durchgedrungen, so wird das zumindest durch die Lenzsche Chronik nicht bestätigt.

[Anm. 24] Vgl. Schlumpf, Die frumen edlen puren und Weishaupt, Bauern, Hirten und "frume edle puren. Die Lenzsche Chronik stützt insgesamt die These Weishaupts, daß die Bauernfigur in erster Linie eine Kampffigur in der pro- und antieidgenössischen Propaganda darstellte, die jedoch mit der gesellschaftlichen Realität kaum etwas gemein hatte.

[Anm. 25] Zur Berner Praxis von Pagendienst und Heiliglandfahrten vgl. etwa Urs Martin Zahnd, "Laienbildung und Literatur im spätmittelalterlichen Bern", in: Die Schweiz im Mittelalter in Diebold Schillings Spiezer Bilderchronik, hg. v. Hans Haeberli u. Christoph von Steiger (Luzern: Faksimile-Verlag, 1991), 151-160, hier 155.

[Anm. 26] Vgl. Ladner, "Politische Geschichte und Verfassungsentwicklung Freiburgs", 195.

Empfohlene Zitierweise

Wetzel, René: Man sölts all zu ritter schlagen! Die Freiburger Reimchronik des Hans Lenz zum Schwabenkrieg (1499). Deutung und Verklärung von Zeitgeschichte und Gesellschaft durch Literatur, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/6lz6g/

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Erstellt: 31.01.2006

Zuletzt geändert: 31.01.2006


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