Quellen

  / historicum.net / Themen / Schwabenkrieg / Quellen

Götz von Berlichingen erinnert sich um 1560 an den Schweizerkrieg

 

Zum andernn alls ich, wie gemelt, denn wintter biß vff die fashnacht bey meiner mutter, bruder vnnd schwester selligen wahr, da fing sich der Schweitzer krieg ungeuerlich vinb faßnachtt ann, vnnd hett der marggraff schonn zwen zeug nacheinander hinweg geschicht. Do ich nun dasselbig hortt, gedacht ich, was soll ich da ligenn, dann ich hett Jagsthausenn schon genug, vnnd reidtt hienauff ghenn Onoltzbach, vnnd wollt horenn, was es fur ein geschray do wehr. Vnnd alßbaldt ich gehnn hoff kham, ersahe mich mein gnediger herr marggraue Friderich etc. Da rufft er einem [fol. 11v] seiner dhienner zu ime, mit beuelch, er solt den gewant Schneider khomen laßenn, wie dann beschach. Vnd so bald der schneider kham, spricht der marggraff zu im: "Nim denn Berlichinger vnd mieß im kleider an, er muß vff mich warttenn", dan er der marggraue wollt gleich alßbaldt auch vff sein. Aber es kham pfaltzgraue Philips löblicher gedechtnus, des andernn tags auch dahin, also das er noch zwenn tag aldo mußt verziehenn, vnd wolt pfaltzgraff Philips die Neuen Marck, vnd die Obernn Pfaltz einnemmen, dann hertzog Otto vonn Beyern wahr gestorbenn. Da wurdt ich alls ein knab fur ein verorttnet inn des pfaltzgrauen gemach vff zuwarttenn, wie ich auch thett.

Vnnd wie der pfaltzgraff hinweg zeucht, so war der marggraff des andernn tags selbs personnlich mit dem drittenn zeug auch vff, dann er hett schonn, wie gemeltt, zwenn zeug hinweg geschickht. Vnd wie wir hinauff khammen ghenn Vberlingen, da hetten die Schweitzer schonn ein hauffen ge[12r]schlagenn. Vnnd lagenn wir ein zeittlanng zu Vberlingenn still, darnach samelten sich die kaiserischenn vnd die reichsstendt wider, vnd zogenn mit der macht hinein ghen Costentz, vnd stieß der keiser inn der nachtt auch zu vnns, der hett ein kleins alts groß rocklin ann, vnnd ein groeß stutz kepplin, vnd ein grohenn hutt daruber, das inn kheiner fur ein keiser gefanngenn oder angesehenn hett. Ich aber alls ein junger kandt inn bey der nassenn, das ers wahr, dann ich hett inenn darfor wie gemelt, vff ettlichenn reichstegen, da ich bey meinem vettern seligen wahr, gesehenn.

Vnnd hett der kaiser Maxirnillian ein guttenn anschlag vor im, dan wir khamen wie gemeltt bey der nacht, vnd inn der stille dohin ghenn Costenntz mit allen hauffenn zu roß vnnd zu fueß, welche auch des morgens alle zusamen gefurtt wurdenn, vnd wahrenn alle  schlacht ordnung zu roß vnd zu fueß, wie sich geburtt, gemacht. In dem aber so helltt der kaiser Maximillian, vnnd marggraff Friderich loblicher gedechtnus [12v] sambt ettlichenn kriegs rethenn vnd haubtleutten beyeinannder, vnd furtt ich meinem herrn dem marggraffenn etc. ein grossenn spieß, sambtt einem großenn fanen daran, nach, vnd wahr der spieß weiß vnd schwartz gemallt, der fannenn auch weiß vnnd schwartz, vnd hett ich vff dem helmlin ein große feder die wahr auch weiß vnnd schwartz, die standt strackhs vbersich.

Wie mich nun der kaiser ersieht, so ritt er vonn dem marggrauen zue mir, vnnd spricht, wem ich zustehe. Da sagtt ich: "Meinem gnedigen furstenn vnnd herrnn dem marggraff Friderichenn." Da hebtt er ann vnnd spricht: "Du hast ein langenn spieß, vnnd ein grossenn fahnenn darann, reitt mit dorthin zu jhenem hauffenn, bis daz des reichs fannen der adler vonn Kostentz herrauß khombtt!" Das thett ich nun, die weill ich denn kaiser kanth, vnd wust das ers wahr, fragtt derhalbenn niemandts, vnd kham also [13r] nebenn schennck Christoffen vonn Limpurg, der hett der zeitt Nellennburg im Hegew innen pfanndtsweiß, vnd hildt mit einem fannen nebenn im, das wertt irgenndt vf ein halbe stundt, vnngeuerlich mehr oder weniger. Da gab man schennck Christoffen den adler des reichs fannen, inn sein hanndt, das ist das erst vnd letst mall, das ich im feldt des reichs adler fliegenn sehenn. Darnach zog ich wider zu meinem herrnn, vnnd wartt was ich zuschaffenn hett.

Vnd souill ich vonn meinem gnedigenn furstenn vnnd herrnn dem marggrauen, vnnd andernn alls ein junger vmb die sibenn zehenn oder acht zehenn Jar verstanndenn habe, wo man dennselbigenn tag furt gezogenn wehr, so woltenn wir die Schweitzer im Schwaderloch vbereillt vnnd geschlagenn habenn. Denn andem tag schickht man sich wider, das alle hauffenn zusamen verordnett wurdenn, der meinung anzuziehen. Do kham aber kuntschafft, das die Schweitzer [13v] sich allso gesterckht hettenn, vnnd darzu irenn vortheill eingenomen, das dardurch derselbig zug vnnderlassenn wardt. Wehr man aber denn erstenn tag wie es der kaiser fur hett anngezogenn, so glaub ich, es sollt vf vnser seittenn, souill ich gehortt, recht vnnd woll zu sein ganngenn. Wa man aber viell retth vnd viel kopff hatt,da geht es gern also zu, denn es ist mir selbs woll in meinen aigen hendelnn also ergangen.

Kurtz nach demselbigenn, hettenn die wurttembergischenn vnnd marggreuischenn verwalter auch ein annschlag fur Schaffhausenn, mit irem reissigenn vnnd fußuolck, also das wir bey der nacht fur ein fleckhenn khamen, der heist Taingen, leidt nit weit vonn  Schaffhausenn. Nun warenn ettliche Schweitzer von Schaffhausen herrauß khommen, inn dennselbigenn kirchthurnn, die wertten sich vnd woltenn sich nit gefangenn gebenn, sunder sagtenn sie wolltenn [14r] sterbenn, alls wie fromme aidtsgenossenn. Inn summa  herr Melchior Sutzel selig der hildtt zwischenn Schaffhausenn vnd Taingen, da triebenn inn die Schweitzer vonn der wartt ab, vnnd wurff inn ein Schweitzer mit einem stain inn das anngesicht, vnd wertten sich die inn der kirchenn dermassenn, das sie vill vonn adell vnd vnedel zu roß vnnd zu fueß erwurffen vnnd erschossenn. Vnnd nachdem mir mein gaull darauff ich vf den marggrauen wart, gestorbenn wahr, lieff ich alls ein boser bub zu fueß mit denn knechten hinein zu der kirchenn, erwischett ein allts scheffellin, vnnd hett mein tegenn, auch vff denn bordt gebundenn, vnnd die hossenn abgeschnittenn. Da wurt maister Jacob ein buchsenmaister, ain kleins durs mendlin, der mir hartt ann der seittenn stundt geschossenn, vnd ging der schuß durch inn hinauß, vnnd draff ein knecht, der hortt zum wurttennbergischenn hauffenn, hett ein blohes kleidt ann, der blieb thodt, aber der buchssenmaister lebendig. Vnd vff die letzt brachtt herr Debalt Spett vnd anndere pulffer, vnnd thettenn es vnndenn zu denn thurn [14v] hinein inn die kirchenn vnnd stießenn es ann, da mustenn die so darinnen warenn verbrennen. Aber ein Schweitzer der fiell obenn herrauß, vnd hett ein jungen bubenn vf dem arm, vnnd wie er herrab feldt, da lieff der bub von im vnd schide ime nichts, aber der Schweitzer blieb thodt, vnd nam das bublein ein marggreuischer reutter, nit weiß ich, wo er mit hin ist khommen, ich hab es auch seidthero nit gesehenn.

Nun hetten sich ettlich knecht inn der kirchenn verseumbt, do man das pulffer ann zundt, khann gedenckhenn sie habenn irgendt wollenn maussenn, vnd hett sie das pulffer auch ereilt, die mustenn sich auch jemerlich im feur leidenn, nit wais ich, ob sie thodt oder lebenndig sein bliebenn, dann sie lieffenn nit herrauß. Vnnd alls wir wider vonn der kirchenn hinweg khammen, hilt vnßer hauff inn der schlachtt ordnung, zu roß vnnd zue fueß, vnnd meinttenn die Schweitzer wurden zu inen hinauß fallenn. Aber da niemandts kham, zogenn wir wider ab. Bey diser thatten wie gemelt, bin ich gewest, vnd sonnst bey keinem ernstlichen handel, do man also inn gemeltem krieg mit der thadt angrieffenn hett.

[15r] Sonnst waiß ich nichts sonnderlichs von dem Schweitzer krieg, dann das die Schweitzer vill hauffenn geschlagenn, alls dieselbigenn nit beyeinannder warenn. Aber mein herr der marggraff ist bey derselbigenn hauffenn kheinem gewest. Es wurtt auch  graue Heinrich von Furstenberg im Sunckaw in seinem leger von denn Schweitzern inn der nacht vberfallenn vnnd geschlagenn, gienng auch sambt denn seinen dardurch zu grundt, vnnd blieb thodt, aber zwenn herrn khamen daruon, die auch bey seiner gnadenn gewesenn, welche sich zum marggrauen in sein leger thettenn, von denen ich selbs gehortt, wie die sachenn bey inenn zu sey ganngenn. Do ich dann souill vernommen, das es durch varlessigkeitt, verachtung vnd liederlicheit verseumbt sey wordenn, dann ich bin darbey gestandenn, da es die herrn dem marggrauen anzaigtenn, vnnd wahr darzu gegen dem abennt, inn der nacht, da sie zum marggrauen khammen, vnd iren fn. gn. solche bose zeittung, wie gemelt, annbrachten.

 

Vorlage:

Helgard Ulmschneider, Götz von Berlichingen: Mein Fehd und Handlungen, Sigmaringen 1981, S. 60-63 Kapitel 2 nach der sog. Rossacher Handschrift im Freiherrlich von Berlichingenschen Archiv Jagsthausen.

Bearbeitung: Klaus Graf 

 

Empfohlene Zitierweise

Berlichingen, Götz von: Götz von Berlichingen erinnert sich um 1560 an den Schweizerkrieg, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/6kz62/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 24.03.2006

Zuletzt geändert: 24.03.2006


Lesezeichen / Weitersagen

FacebookTwitterGoogle+XingLinkedInDeliciousDiggPinterestE-Mail