4. Geschlechtergeschichte

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Frauen in der Reformation

 

Eine Vielzahl von Quellen lassen vermuten, dass Frauen unterschiedlichen Standes an den konfessionellen Auseinandersetzungen teilhatten. Entscheidende Impulse zur Fragestellung nach dem Beitrag von Frauen an den religiösen Umbrüchen des 16. Jahrhunderts sind dabei naturgemäß von der Frauen- und Geschlechtergeschichte, insbesondere in den vergangenen beiden Dezennien ausgegangen.

Unter Verweis auf die Heilige Schrift wurde sowohl das Lehrverbot und das Schweigegebot als auch das Gleichheitsprinzip und die gleiche geistige Begabung beider Geschlechter zu legitimieren versucht. Auffallend ist, dass Frauen nur zu Beginn der reformatorischen Bewegung in Erscheinung getreten sind; mit Zunahme der Institutionalisierung (Klerikalisierung) rasch an Bedeutung verloren, da ihnen der Zugang zu kirchlichen Ämtern verwehrt wurde, und sie in ihrem Tun zurückgedrängt wurden. Diese anfänglich rege Teilnahme von Frauen, ist im Kontext eines gestärkten religiösen Selbstbewusstseins der Laien in ihrer Kritik an den Missständen in der Kirche zu sehen. Diese Laienspiritualität war gekennzeichnet von einer individuellen Frömmigkeit, der Idee der Priesterschaft aller und der Berufung auf das persönliche Gewissen als alleinige Instanz auch in religiösen Belangen. In den kirchenreformerischen Bewegungen des frühen 16. Jahrhunderts waren Laien führend tätig. Dieses Engagement äußerte sich in reichhaltigem, publizistischem Schaffen von Männern und Frauen.

Exemplarisch soll hier Argula von Grumbach (* 1492, + 1554?) an Hand einer ihrer Flugschriften „Wie eyn Erbare Christliche Fraw [...]“ vorgestellt werden. Insgesamt verfasste Argula in den Jahren 1523/24 acht Flugschriften, die ungefähr 30.000 Leser erreichten.

Ausführliche Bibliographie und drei digitalisierte Flugschriften von A.v.G. unter: http://sophie.byu.edu/sections/grumbach-bibliography

Die Homepage wird vom Department of Humanities und des Women Research Institute der Brigham Young University in Utah betrieben. Es handelt sich dabei um ein mit Drittmitteln finanziertes Projekt, dass es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Erforschung früher deutscher Frauenliteratur u.a. durch Digitalisierung zu betreiben. Es findet sich lediglich ein Copyright-Hinweis aus dem Jahr 2006 auf der „About us Seite“.

Verfasser: Michael Culk / Birgit Knauf 

 

Literaturhinweise:

Conrad, Anne, In Christo ist weder Man noch Weyb. Frauen in der Zeit der Reformation und der katholischen Reform, Münster 1999.

Halbach, Silke, Argula von Grumbach als Verfasserin reformatorischer Flugschriften., Frankfurt a. M. u.a. 1992.

Allgemein zu Frauen in der Reformation:

Bainton, Roland Herbert, Frauen der Reformation. Von Katharina von Bora bis Anna Zwingli, Gütersloh 1996.

Becker-Cantarino, Barbara, Frauen in den Glaubenskämpfen. In: G. Brinkler-Gabler (Hg.), Deutsche Literatur von Frauen, Bd. 1, München 1988, S. 149 – 172.

Russell, Paul Albert, Lay Theology in the Reformation. Popular pamphleteers in Southwest Germany 1521 – 1525, Cambridge 1986.

Roper, Lyndal, The Holy Household. Women and Morals in Reformation. Augsburg 1989.

Schorn-Schütte, Luise, Evangelisches Kirchenrecht. Auswirkungen der Reformation auf die Rechtsstellung der Frau. In: U. Gerhard (Hg.), Frauenrechtsgeschichte, München 1997, S. 94 - 104.

Stupperich, Robert, Die Frauen in der Publizistik der Reformation. In: Archiv für für Kulturgeschichte 37 (1955), S. 204 – 233.

Zimmerli-Witschi, Alice, Frauen in der Reformationszeit, Zürich 1981.



Erstellt: 30.10.2008

Zuletzt geändert: 14.01.2009


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