Besserer, Bernhard (Ulm)

Bernhard Besserer (Ulm)

 

Die Reichsstadt Ulm baute sich im 14. und 15. Jahrhundert nach Nürnberg das größte städtische Territorialgebiet im oberdeutschen Raum auf. Die geographisch günstige Lage der Stadt am oberen Donaulauf, einer Straße, die eine der wichtigsten Wirtschaftsverbindungen des späten Mittelalters war und von den Niederlanden über Tirol nach Oberitalien führte, hatte zur Folge, dass sich Ulm zu einem bedeutenden Handelsplatz und Textilindustriezentrum entwickelte. Auch regional nahm der politische Einfluss der Reichsstadt zu, denn der Ulmer Bürgermeister war neben seinem Augsburger Amtskollegen in der Regel auch Städtehauptmann des im Jahr 1488 gegründeten Schwäbischen Bundes. Ulm war auch der traditionelle Versammlungsort der Stände aus dem Schwäbischen Kreis. Die Reformationsfrage spaltete nach 1523 den Stadtrat, der sich am Anfang gegenüber den reformatorischen Predigten ablehnend und distanziert verhielt, in zwei Gruppen. Während eine Gruppe, zu deren wichtigsten Persönlichkeiten der Bürgermeister gehörte, für das Verbleiben beim katholischen Glauben war, trat die Gruppe um Bernhard Besserer für eine reformatorischen Tendenzen gegenüber aufgeschlossene Politik ein. Die Rolle Besserers, der die Stadt Ulm seit 1521 nach außen hin vertrat und auch ihre Außenpolitik beeinflusste, war für die Wendung zur Reformation entscheidend.

1471

Bernhard Besserer wurde im Jahr 1471 in einer der führenden Patrizierfamilien in Ulm geboren. Die Familie Besserer war hier seit 1264 ansässig und ihre Mitglieder bekleideten während dieser Zeit wichtige politische und militärische Ämter in Ulm. Über das Studium Bernhard Besserers ist nichts bekannt. Aus den Matrikeln der wahrscheinlichsten Studienorte Tübingen, Freiburg, Heidelberg und Bologna geht nicht hervor, dass er dort studiert hätte.

In den Jahren 1513/14 heiratete Besserer Barbara Ungelter. Seine soziale und materielle Position sowie sein Ansehen stiegen auch durch seine weiteren Heiratsverbindungen mit drei Frauen, die aus Ulmer Patrizier- und Kaufleutezunftfamilien stammten. Im Laufe seiner Ehen bekam er vier Kinder, zwei Söhne und zwei Töchter. Ein Sohn, Georg (Jörg) Besserer, spielte später, genau wie sein Vater, eine wichtige Rolle in den Führungspositionen der Stadt Ulm.

Als Patrizier verfügte Besserer über Landbesitzungen in der Markgrafschaft Burgau und in der Umgebung von Heidenheimer. Im Ulm besaß er ein Haus, den grünen Hof. Er war als stiller Teilhaber der Memminger Besserer Handelsgesellschaft aktiv, die auch enge wirtschaftliche Beziehungen mit dem Herzogtum Württemberg unterhielt. Der Patrizierursprung, die Kreise, in die er eingeheiratet hatte, sein Vermögen und nicht zuletzt seine wirtschaftlichen Beziehungen waren Elemente, die den Weg Besserers in den Magistrat der Stadt Ulm ermöglichten und öffneten.

1505-1539

Seine politische Karriere in Ulm startete 1505 als Mitglied des Kleinen Rates, ein Amt, das er auch im Jahr 1512 bekleidete. Sein eigentlicher politischer Aufstieg begann aber erst 1515, als er zum Ulmer Bürgermeister gewählt wurde. Dieses Amt bekleidete Besserer auch in den Jahren 1518, 1521, 1524, 1527, 1530, 1533, 1536 und 1539. In den Jahren 1515/16 finden wir Besserer als Fünften in den Geheimen Räten des Magistrats der Reichsstadt Ulm. Auch von 1518 bis 1522, 1524/25, 1527/28, 1531, 1533 und 1539 hatte er dieses Amt inne. 1519 stoßen wir auf Besserer zudem als „Kriegsverordneten“ im Zug des Schwäbischen Bundes gegen Herzog Ulrich.

Die fast ununterbrochene Tätigkeit von Bernhard Besserer in hohen Positionen des Magistrates der Reichsstadt zwischen 1515 und 1539 erklärt auch seine wesentliche Rolle in der Gestaltung der Ulmer Außen- und Religionspolitik zu dieser Zeit. Sein Einfluss wurde in dieser Periode auch durch die Position seines Sohnes, Georg Besserer, im Magistrat von Ulm gestärkt: 1532, 1535, 1538 Bürgermeister; 1529, 1532, 1535, 1536, 1538 Fünfter in den Geheimen Räten des Magistrates der Reichsstadt Ulm.

In der Periode von 1526-1530

bemühte sich Besserer, ein Religionsbündnis der protestantischen Reichsstädte zu schaffen. Im Jahr 1529 lud er zu diesem Zwecke mehrere Städte zu einem Tag ein. Besserer unterhielt auch enge Kontakte zum Landgrafen. In der Frage des Religionsdissenses stand er wie Jacob Sturms für eine Kooperation der „reichischen“ Obrigkeiten. Bernhard Besserer war auch durch seinen Sohn Georg im Hintergrund des schmalkaldischen Geschehens präsent, da dieser zum engen Kreis der sieben Personen gehörte, die kontinuierlich und umfassend von der Gründung des Schmalkadischen Bundes 1531, bis zum Speyrer Reichstag von 1542 an den Beschlüssen des Bündnisses teilgenommen hatten. Ein Hinweis in diese Richtung ist auch die Korrespondenz Georg Besserers mit dem Landgrafen Philipp. Die meisten „Privatbriefe“ dieser Korrespondenz wurden von Georg zusammen mit seinem Vater verfasst. Bernhard Besserer besuchte aber zwischen 1532 und 1540 auch sieben Tagungen der oberländischen Städte des Schmalkaldischen Bundes persönlich, wobei fünf von diesen in Ulm stattfanden.

Durch die politische und diplomatische Tätigkeit Bernhard Besserers und seines Sohnes Georg gelangte die Reichsstadt Ulm im Schmalkaldischen Bund in eine wichtige Position. Sie bestimmte im Mit- und Nebeneinander mit der Stadt Straßburg, die in der Person von Jacob Sturms über die reichsstädtische Meinungsführerschaft verfügte, die schmalkaldische Bundespolitik maßgeblich.

Über das Sterbejahr von Bernhard Besserer ist sich die historische Literatur nicht einig. Genannt werden sowohl 1542 als auch 1544.

Verfasser: Marinel Ovidiu Koch-Tufis 

 

Literaturhinweise:

Haug-Moritz, Gabriele, Der Schmalkadische Bund 1530-1541/42. Eine Studie zu den genossenschaftlichen Strukturelementen der politischen Ordnung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, Tübingen 2002, S. 671 f. u.ö.

Schindling, Anton / Walter Ziegler (Hrsg.), Die Territorien des Reiches im Zeitalter der Reformation und Konfessionalisierung. Land und Konfession 1500-1650. Band 5: Der Südwesten, Münster 1993, S. 195-214.

Empfohlene Zitierweise

1 Gesellschaft Partizipation 1a3-Besserer, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/1kt/

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Erstellt: 28.01.2009

Zuletzt geändert: 28.01.2009


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