1g-Hanse

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Kommunikationsraum „Hanse“

 

Die frühneuzeitliche Geschichte der Hanse wurde lange Zeit als eine Geschichte des Niedergangs vorgestellt. Die neuere Forschung erkennt jedoch sowohl die vielgestaltige Struktur hansischer Organisationsformen als auch den Stellenwert der Hanse für die politische Kommunikation (1) der hansischen Städte. Die Hanse, über deren föderativen Charakter bis heute diskutiert wird, war seit der Zeit um 1500 in „Drittel“ unterteilt: das lübische Drittel mit dem Hauptort Lübeck, das westfälische Drittel mit dem Hauptort Köln und das sächsische Drittel, zu dem auch die preußischen und livländischen Städte gehörten, mit Braunschweig an der Spitze (in Konkurrenz mit Danzig). Regionaltage, d.h. Treffen einzelner hansischer Städtegruppen, waren integrale Bestandteile hansischer Organisation.

Flankiert wurde die lose hansische Konföderation durch regionale Städtebündnisse. Diese Städtebündnisse gewannen, insbesondere im Raum der sächsischen Hansestädte, seit den 1470er Jahren an Intensität, d.h., wie auch in anderen Regionen des Reiches begann sich in dieser Zeit die Kommunikation zwischen den Herrschaftsträgern zu verdichten.

1. Sächsischer Städtebund

Folgende sächsische Städte, allesamt im Raum zwischen Weser und Elbe gelegen, kooperierten nach 1471 relativ kontinuierlich im sächsischen Städtebund: Braunschweig, Magdeburg, Hannover, Hildesheim, Goslar, Göttingen, Einbeck, Northeim, Halberstadt (bis 1518), Halle (bis 1518), Quedlinburg (bis 1518), Aschersleben (bis 1518), Helmstedt (bis 1518) und Uelzen (bis 1518).

2. Reformationen und reformatorische Bewegungen der hansischen Städte

Cameron (217) (2) listet reformatorische Bewegungen und Reformationen zw. 1524 und 1535 in folgenden Hansestädten auf, Teilnehmer des sächsischen Städtebundes sind im Folgenden kursiviert:

a) sächsische Hansestädte: Braunschweig, Celle, Einbeck, Göttingen, Goslar, Hannover, Magdeburg, Northeim, Lüneburg, Bremen (Mittelstellung zw. sächsischer und wendischer Städtegruppe);

b) wendische und pommersche Hansestädte: Rostock, Stralsund, Wismar, Hamburg, Lübeck; Greifswald, Stettin

3. Hansestädte und Schmalkaldischer Bund – Reformation in der Region

In welch hohem Maß politische Raum- und das sind immer auch Kommunikationsstrukturen prägend für die Ausbreitung des „wahren Wortes Gottes“ waren, zeigt sich zu Beginn der 1530er Jahre bei der Gründung des Schmalkaldischen Bundes eindrücklich. Neben dem hansischen Kommunikationsraum erweist sich die Tatsache, daß Teile der wettinischen und welfischen Dynastie als (wenn auch untereinander konkurrierende und nicht unangefochtene) Hegemonialmächte sehr früh offen zu einer reformatorischen Politik übergingen, als weiterer wichtiger Faktor den Gang der Reformationsgeschichte in (Nieder-)Sachsen zu verstehen, die in hohem Maß von regionalen Konstellationen geprägt ist.

Die folgende Zusammenstellung dokumentiert Werbungen um den Bündnisbeitritt zum Schmalkaldischen Bund ebenso wie die tatsächliche Teilnahme. Umworbene Hansestädte, die sich zum Bündnisbeitritt entschließen konnten, sind fett gesetzt, solche, die dem städtischen Städtebund angehörten zudem kursiviert.

a) sächsische Hansestädte: Braunschweig, Einbeck, Göttingen, Goslar, Hannover, Magdeburg, Hildesheim; Halberstadt, Northeim; Bremen, Lüneburg (Mittelstellung zw. sächsischer und wendischer Städtegruppe);

b) wendische und pommersche Hansestädte: Stettin, Stralsund, Rostock, Wismar, Hamburg, Lübeck (bis 1536); Stade, Buxtehude

c) westfälische Hansestädte: Minden (Mittelstellung zw. sächsischer und wendischer Städtegruppe)

 

(1) Zuletzt: Johannes Ludwig Schipmann, Politische Kommunikation in der Hanse (1550 – 1621). Hansetage und westfälische Städte, Köln u.a. 2004.

(2) Euan Cameron, The European Reformation, Oxford 1991.

 

Literatur:

Philippe Dollinger, Die Hanse, Stuttgart 1989, 4. Auflage.

Matthias Puhle (Hg.), Hanse – Städte – Bünde. Die sächsischen Städte zwischen Elbe und Weser um 1500, Bd. 1: Aufsätze, Magdeburg 1996 (Ausstellungskatalog).

 

Haug-Moritz 

 



Erstellt: 12.05.2006

Zuletzt geändert: 13.06.2006


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