3d-buechlin

Ain fast nutzlich buechlin zue diser zeit // zuolesen / Von dem Sindtfluß od[er] grossen wasser

 

Abbildungen

http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00029061/image_1

 

I. Formale Analyse

 

Titel

Ain fast nutzlich buechlin zue diser zeit // zuolesen / Von dem Sindtfluß od[er] grossen wasser / das solchs // durch den einfluß des hymels nit betzaichent / wie et= // lich Astrologi vngeschicklich dauon geschribe[n] / // auch sich niemant des besorgen soll / durch // den hochberuemten / fuertrefliche[n] / E.va // ter Paulum Bischoffen Forosem= // pronien. an bapst Clemente[m] // den sibenden außgang // en / un[d] zuo trost den // foerchtigen zuo // teütschem // bracht.

 

Verfasser

[Paulus aus Middelburg]; Bearbeiter Othmar Nachtigall

 

Druckjahr

1524

 

Druckort

[Augsburg]

 

Drucker

[Ruff, Simprecht]

 

Umfang

Foliierung: Aii, B, Bii

Eigene Paginierung: [S. 1-12]

Zählung lt. VD 16:[6 Bl.]

 

Provenienz

Bayerische Staatsbibliothek München (Sigel: 12); Signatur: 4 Astr.p. 511-2

 

Nachweise VD 16

a.) verwendete Ausgabe: P 1064

b.) keine weiteren Ausgaben nachweisbar

 

Titelillustration

nein

 

Illustration im Text

nein

 

 

II. Inhaltliche Analyse

 

Sprachliche Form

Prosa

 

Entstehungskontext

Zu Beginn der Frühen Neuzeit hatten Astrologen Themen spätmittelalterlicher Prophetie aufgenommen und in ihren Schriften Weltuntergangsängste oder Hoffnungen artikuliert oder zur moralischen Besserung aufgerufen. Zwischen 1521 und 1524 wurde der Markt der astronomischen Flugschrift von der Frage dominiert, ob es aufgrund von 16 Planetenkonjunktionen im Zeichen der Fische im Jahre 1524 zu einer Sintflut kommen werde. Diese Diskussion entwickelte sich zu einer heftigen Debatte. Im europäischen Raum veröffentlichten in diesem Zeitraum mindestens 59 Autoren 69 Schriften zur Sintflutdebatte in mehreren Auflagen, so dass man von einer Gesamtzahl von etwa 150 erschienenen Drucken ausgehen kann. Zunächst in lateinischer Sprache abgefasst, wurden diese Schriften bald auch in die Volkssprache übersetzt. [1]

 

Inhaltsangabe und Struktur

Schon aus dem Titel geht hervor, dass es sich bei dieser Flugschrift um eine Abhandlung gegen die Prophetien einer bevorstehenden Sintflut handelt. Der Text ist in zwei Teile gegliedert. Die Flugschrift beginnt mit der Vorrede des Othmar Nachtigall, in der er seine Intention für diese Schrift erläutert. Der zweite Teil enthält die von Othmar Nachtigall aus dem Latein ins Deutsche übersetzte Abhandlung des Paulus aus Middelburg, dem Bischof von Forosempronien (Fossombrone, Italien) an Papst Clemens VII.

 

Vorrede Othmar Nachtigalls (ohne Foliierung bis Aii v, [S. 2-4]):

Der Autor beginnt mit einer Widmung an Anton Fugger. Aus dieser geht hervor, dass jener Othmar Nachtigall die Abhandlung des Bischof von Fossombrone zur Verfügung gestellt habe. (ohne Foliierung, [S. 2])

Als Anlass für die Übersetzung gibt der Autor an: „… so das gemain volck in grosser ir= // rung und forcht gefiert ist…“ und weiters: „…die sich fuer Astrolo= // gos austhuond / und sagen es werd im Hornung (Februar) des yetzige[n] // tausent fuenfhundert vier un[d]zwaintzigsten iars komen ain // Sintfluß…“. (ohne Foliierung, [S. 2])

Diese Prophetien werden vom Autor als Betrug bezeichnet. Deren Aussagen konnten nach Auffassung des Autors vom Bischof von Fossombrone aufgrund seiner Kenntnisse in Astronomie widerlegt werden: „…unser hochgelerter Bischoff aus d[er] Astronomey mit irem aig // nen schwerdt die feind der warhait uberwindt /“. (Aii v, [S. 4])

Damit diese an Papst Clemens VII. gerichtete lateinische Schrift von vielen zu ihrem Trost gelesen werden könne, so gibt der Autor an, habe er diese Schrift in die deutsche Sprache übersetzt. (Aii v, [S. 4])

 

Schrift des Paulus von Middelburg, Bischof von Fossombrone an Papst Clemens VII. – von Othmar Nachtigall aus dem Latein in die deutsche Sprache übertragen (ohne Foliierung bis Bii v, [S. 5-12])

Zunächst legt der Autor seine Intention dar: „Dieweil aber zuo diser zeyt auß ver= // kündung deren so Astrologi genennet werden / die ain ver= // stand haben in der bewegung und lauff des hymels / ist ain // geschray erschollen…“. „…wie es der gemain man nennet ain Sindtfluß kommen soll…“. „Darumb vil volcks in grosse forcht gefallen…“. „Auß sol // lichen ursachen hab ich mir fürgenommen zuo trost aller // Christenhait ain wenig daruon zuo schreyben / das durch be= // melten einfluß des hymels oder zuosamenfuegung aller pla = // neten in dem zaichen der visch / kain guß oder Sindtfluß… …will anzaigen/“ (ohne Foliierung, [S. 5]) .

 

Astrologische Abhandlung (ohne Foliierung, [S. 6-12])

Paulus argumentative Vorgehensweise besteht darin, sich selbst der Astrologie zu bedienen und aufzuzeigen, dass die vorherrschenden Planetenkonjunktionen nicht eine bevorstehende Sintflut anzeigen: „…die zuosamenfiegung des Mars mit Saturno und dem Ju // piter / die an dem finften tag des Hornu[n]gs beschehen wirt / mag kain gemain od[er] sond[er]lich groß gewaesser machen…“. (ohne Foliierung, [S. 6])

Der Autor sucht die Behauptung einer bevorstehenden Sintflut weiter zu entkräften, indem er ähnlich verlaufene Planetenkonjunktionen aufführt, auf die auch keine Sintflut folgte und somit auch diese Konjunktionen keine voraussagen. Weiters nimmt er Bezug auf die Geschichtsschreibung, welche ebenfalls von keiner weiteren Sintflut berichtet. Zudem beruft er sich auf arabische Astrologen und antike Autoren.

 

Literaturhinweise

Heike Talkenberger, Sintflut. Prophetie und Zeitgeschehen in Texten und Holzschnitten astrologischer Flugschriften 1488-1528. Studien und Texte zur Sozialgeschichte der Literatur. Bd. 26. Hrsg. von Wolfgang Frühwald [u.a.]. Tübingen: Max Niemeyer Verlag, 1990.

 

Schreiber, Thomas 

 

Anmerkungen

  • [1]

    Heike Talkenberger, Sintflut. Prophetie und Zeitgeschehen in Texten und Holzschnitten astrologischer Flugschriften 1488-1528. Studien und Texte zur Sozialgeschichte der Literatur. Bd. 26. Hrsg. von Wolfgang Frühwald [u.a.]. Tübingen: Max Niemeyer Verlag, 1990. S. 154ff.



Erstellt: 15.08.2007

Zuletzt geändert: 05.05.2010


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