3c-passional

Passional Christi vnd // Antichristi

 





























 

 

 

 

I. Formale Analyse

 

Titel

Passional Christi vnd // Antichristi

 

Autor

[Luther, Martin]

 

Druckjahr

[1521]

 

Druckort

[Wittenberg]

 

Drucker

[Rhau-Grunenberg, Johann]

 

Umfang

Foliierung: Aii - Ciii

Eigene Paginierung: [S. 1-28]

Zählung lt. VD 16: [14] BI

 

Provenienz

Bayerische Staatsbibliothek München (Sigel: 12), 4 H.eccl. 870-10, 4 Polem. 1867 #Beibd.12

 

Nachweise in VD 16

a.) verwendete Ausgabe: L 5586 [Wittenberg : Rhau-Grunenberg, Johann, 1521]

b.) weitere Ausgaben:

L 5582 [Straßburg: Knobloch d.Ä., Johann, 1521]

L 5583 [Straßburg: Prüß d.J., Johann, 1521]

L 5585 [Wittenberg: Rhau-Grunenberg, Johann, 1521]

L 5579 [Erfurt: Maler, Matthes, 1521]

L 5584 [Wittenberg : Rhau-Grunenberg, Johann, 1521]

L 5587 [Wittenberg : Rhau-Grunenberg, Johann, 1521]

L 5589 [Wittenberg : Rhau-Grunenberg, Johann, 1521] (lat. Ausgabe: Antithesis Figurata Vitae Christi Et Antichristi)

 

Ausgaben des 19. und 20. Jahrhunderts

[Leipzig : Mohr, 1880 ca.] (Passional Christi und Antichristi auf's Neue aufgelegt mit d. Briefe d. Papstes Pius IX. u. d. Antwort Sr. Majestät Kaisers Wilhelm vermehrt)

[Berlin : Grote, 1885]

[Berlin : Union Verl., 1972]

[Wittenberg : Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, 1998]

 

Titelillustration

ja

 

Textillustrationen

ja / 26 [von Lucas Cranach d.Ä. / Holzschnitte]

 

 

II. Inhaltliche Analyse

 

Sprachliche Form

Prosa

 

Entstehungskontext

Abgesehen vom vermeintlichen Autor haben auch noch andere bei der Entstehung der Schrift „Passional Christi vnd Antichristi“ mitgearbeitet: Der Maler Lucas Cranach der Ältere entwarf sämtliche Illustrationen, Philipp Melanchthon war für die Auswahl der Bibelstellen zuständig und der Jurist Johann Schwertfeger für die Zitate aus dem kanonischen Recht. Dass man dennoch Martin Luther zum Autor erklärt hat, lässt sich auf eine frühere Kampfschrift Luthers zurückführen („Offinbarung des Endchrists aus dem Propheten Daniel wydder Catharinum“), in der die gleichen Bibelstellen, die auch Melanchthon in Anlehnung daran auswählte, zitiert wurden. Inspiration scheint auch eine Schrift von dem englischen Priester John Wyclif gewesen zu sein, der im 14. Jahrhundert das Traktat „De Christo et suo adversario Antichristo“ verfasst hatte. Ebenso diente Jan Hus im Bezug auf das Passional als Vorbild – er versah die Schrift Wyclifs mit Bildern.

Nach der Erstausgabe im Feber 1521 wurde das Werk noch geringfügig geändert (ein Bild wurde ersetzt und Reime gestrichen). Die Wichtigkeit dieser Schrift ist unbestritten. Sie gilt als erste und schärfste Kampfschrift der lutherschen Reformation gegen den Papst und zahlreiche Nachdrucke und Faksimileausgaben im späten 19. Jahrhundert zeugen von dem starken Eindruck, den das Werk hinterlassen hat.

Aus dem ereignisgeschichtlichen Kontext heraus betrachtet, lässt sich die Kampfschrift in eine für die Reformation ziemlich bewegte Zeit einordnen: Am 10 Dezember 1520 verbrannte Luther die „Bulla contra errores Martini Lutheri & sequacium“ vor dem Stadttor von Wittenberg, im April 1521 weigerte sich Luther am Reichstag zu Worms seine Lehre zu widerrufen. [1]

 

Inhaltsangabe und Struktur

„Jam paratur Anthesis figurata Christi et Papae, bonus et pro laicis liber“(Martin Luther) [2]

Der Schwerpunkt dieser Schrift liegt auf der Bebilderung, die sie zu einem „auch für Laien gute[n] Buch“ macht. [3] Das Bild wird als Waffe eingesetzt. [4] So steht sich jeweils ein Bildpaar gegenüber, auf der einen Seite die Darstellung der Demut, Bescheidenheit und Armut Jesu, auf der anderen das sündhafte Leben des Papstes und dessen „Unchristlichkeit“. Erklärt werden die Illustrationen fast ausschließlich durch Zitate, entweder aus der Bibel (meist Neues Testament) oder auf Seiten des Antichristen durch Zitate aus den Dekretalen des kanonischen Kirchenrechts. Selten werden Kommentare der Autoren hinzugefügt.

„Anknüpfend an Gedanken Johann Wyclifs und der Hussiten, brandmarkt sie das Haupt der katholischen Kirche als den End. Oder Widerchrist.“ [5]

 

Bildbeschreibungen

In der ersten Ausgabe im Februar 1521 wurden die Bilder durch zweizeilige Reime, die sich am oberen Rand der Illustration befanden, erläutert. [6]

1. Bildpaar (ohne Foliierung, Aii r, [S. 2, 3]): Christus flieht vor jenen, die ihn zum König machen wollen/ Der Papst steht an der Spitze eines bewaffneten Heeres (Zitat aus der ersten Ausgabe: „Christus floh das irdisch Rich – nun zeicht’s der Papst mit Gewalt an sich.“)

2. Bildpaar (Aii v, Aiii r, [S. 4, 5]): Christus wird die Dornenkrone als Folter aufgesetzt/ Der Papst wird feierlich mit einer wertvollen Krone gekrönt. (Zitat: „Christo eine Dornen=Krone man bereyt – Von Gold der Papst drey Kronen treyt.“)

3. Bildpaar (ohne Foliierung, [S. 6, 7]): Christus wäscht und küsst den Jüngern die Füße/ Der Papst lässt sich seine Füße von den weltlichen Herrschern küssen (Zitat: „Der Herr ihre Füß den Jüngern wusch – Dem Papst sein Füß man küssen muß.“)

4. Bildpaar (ohne Foliierung, B r, [S. 8, 9]): Christus leistet Zinsabgabe an die weltliche Macht/ Der Papst verbannt den Kaiser, weil er von der Geistlichkeit Steuern verlangt. (Zitat: „Selbst Zins und Zoll der Herr hat geben – Des will ganz frey der Papst jetzt leben.“)

5. Bildpaar (B v, Biir, [S. 10, 11]): Christus leistet bei den Armen und Kranken Seelsorge/ Der Papst vernachlässigt seine Aufgaben und erhöht sich über die anderen. (Zitat: „Christus in Demut wohnet bey den Armen – Des schampt sich der Papst, das ist zum Erbarmen“)

6. Bildpaar (Bii v, ohne Foliierung, [S. 12,13]): in der vorliegenden Schrift handelt es sich mindestens um die zweite Ausgabe, da nicht ein barfuss wandernder Christus (wie in der ersten Ausgabe), sondern die Kreuztragung dargestellt wird. Christus trägt sein Kreuz/ Der Papst wird in einer Sänfte getragen (Zitat: „Oft Christum das Kreuz zur Erden truckt – Hie lasst sich tragen der Papst geschmuckt.“)

7. Bildpaar (ohne Foliierung, [S. 14,15]): Christus predigt in der Natur Zuhörenden/ der Papst gibt sich der Völlerei hin (Zitat: „Christus hat selbst seyn Schäfflein geweydt – In Wollust lebt Diesser und Uippigkeyt)

8. Bildpaar (ohne Foliierung, C r, [S. 16,17]): Christus wird in einem Stall geboren als Ausdruck von Armut, Demut und Bescheidenheit/ der Papst wird als Kriegsherr dargestellt und somit vom Friedensreich distanziert (Zitat: „In Armut und Eryd ward Christus geboren – Zu Krieg und Hoffart der Papst erkoren.“)

9. Bildpaar (C v, Cii r, [S. 18,19]): Einzug Christi in Jerusalem, das Friedliche wird durch den Heiligenschein hervorgehoben/ Einzug des Papstes in die Hölle (Zitat: Sanfftmütig der Herr kam geritten – Der Papst in Hoffart und stolzen Sytten“)

10. Bildpaar (Cii v, Ciii r, [S. 20, 21]): Christus bekennt sich zur Armut/ Der Papst verweist auf seinen Landbesitz (Zitat: „Christus kei Eygens noch Golds bedurfft – Alle Land der Papst sich underwurfft.“)

11. Bildpaar (Ciii v, ohne Foliierung, [S. 22, 23]): Christus legt keinen Wert auf oberflächliche Zeremonien/ Der Papst lässt die übrigen Geistlichen vor sich knien und drückt damit seinen Hang zum Zeremoniellen aus. (Zitat: „Christus nicht hielt uff äusserliche Berden – Hat gantz umgewandt der Papst uff Erden.“)

12. Bildpaar (ohne Foliierung, [S. 24, 25]): Christus vertreibt die Wechsler (Anlehnung an das Bild „die Austreibung der Wechsler“ in Dresden, entstanden um 1509)/ Der Papst betreibt Ablasshandel (Zitat: „Die Wucherer Christus utztreibt von Tempel sein – Mit Bullen, Bannbrieffen zwingt sy der Papst wied – hinein.“)

13. Bildpaar (ohne Foliierung, [S. 26, 27]): Auferstehung Christi/ Der Fall des Papstes mit allen heiligen Insignien in das Höllenfeuer (Zitat: „Christus uffsteigt utz diesser Welt – In Abgrunt hinab der Papst fellt.“)

 

Literaturhinweise

Heiz Lüdecke, Lucas Cranach der Ältere: der Künstler und seine Zeit, Berlin 1953.

Johannes Jahn, 1472 – 1553 Lucas Cranach d. Ä. Das gesamte graphische Werk, München 1972.

Armin Kunz, Papstspott und Gotteswort. Cranachs Buchgraphik im ersten Jahrzehnt der Reformation. In: Jutta Strehle, Armin Kunz, Druckgraphiken Lucas Cranachs d. Ä.. Im Dienst von Macht und Glauben, Wittenberg 1998.

Werner Schade, Die Malerfamilie CRANACH, Dresden 1974.

 

Kager, Bettina

 

Anmerkungen

  • [1]

    Johannes Jahn, 1472 – 1553 Lucas Cranach d. Ä.. Das gesamte graphische Werk, München 1972, S. 555 – 583; Armin Kunz, Papstspott und Gotteswort. Cranachs Buchgraphik im ersten Jahrzehnt der Reformation. In: Jutta Strehle, Armin Kunz, Druckgraphiken Lucas Cranachs d. Ä.. Im Dienst von Macht und Glauben, Wittenberg 1998, S. 157 – 256.

  • [2]

    Johannes Jahn, 1472 – 1553 Lucas Cranach d. Ä. Das gesamte graphische Werk, München 1972, S. 556; Anmerkung: Zitat aus einem Brief, den Martin Luther an Georg Spalatin schrieb, in dem er die Schrift „Passional Christi vnd Antichristi“ bewertete und diesbezüglich den Vorteil, dass die Schrift auch für Laien verständlich ist, hervorhebt

  • [3]

    Curt Glaser, Lukas Cranach, Leipzig 1921, S. 158.

  • [4]

    Werner Schade, Die Malerfamilie CRANACH, Dresden 1974, S. 71 – 77.

  • [5]

    Zitat Lüdecke; In: Johannes Jahn, 1472 – 1553 Lucas Cranach d. Ä.. Das gesamte graphische Werk, München 1972, S. 556.

  • [6]

    Johannes Jahn, 1472 – 1553 Lucas Cranach d. Ä.. Das gesamte graphische Werk, München 1972, S. 555 – 583.



Erstellt: 15.08.2007

Zuletzt geändert: 15.08.2007


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