3b-fundling

Anzaigung zwayer // falschen zungen des Luthers

 


Abb. 1-56
























































I. Formale Analyse

 

Titel

Johann Fundling, Anzaigung zwayer // falschen zungen des Luthers wie // er mit der ainen die paurn ver = fueret / mit der andern sy verdammet hat / // durch Admiratu den Wunnderer. // genant Johann Fundling. // 1525. // // Der ornplaser un der zwayzungig ist verflucht / dann vill die friden // gehabt haben hat er betrubt und verwirret. Eccle.28. //

 

Autor

Fundling, Johannes [=Findling, Johannes]

 

Druckjahr

1526

 

Druckort

Landshut

 

Drucker

Weissenburger, Johann

 

Umfang

Foliierung: Aii – Giii

Eigene Paginierung: [S. 1-54]

Zählung lt. VD 16: [29] BI

 

Provenienz

Bayerische Staatsbibliothek München ( Siegel:12), Res/4 P.o.lat. 671 # Beibd.11

 

Nachweise in VD 16

a.) verwendete Ausgabe: F 1087 [Landshut: Findling, Johannes, 1526]

b.) weitere Ausgaben: F 1088 [Landshut: Findling, Johannes, 1526]

 

Titelillustration

Ja

 

Textillustrationen

Nein

 

II. Inhaltliche Analyse

 

Sprachliche Form

Prosa

 

Entstehungskontext

Im historischen Kontext, ist die Flugschrift zur Zeit des großen deutschen Bauernkrieges einzureihen. Dieser tobte zwischen 1524 und 1526 in weiten Teilen des Reiches und fand seinen Höhepunkt in den Erhebungen des Jahres 1525.

 

Inhaltsangabe und Struktur

Der Inhalt gliedert sich, abgesehen vom Titel, in zwei Teile, wovon der erste Teil sehr kurz gehalten ist. In keinem der zwei Teile werden Illustrationen verwendet. Gedichte oder Stellen in Reimform kommen im Text ebenfalls nicht vor, er ist durchgehend in Prosa verfasst. Auffällig ist, dass der Verfasser sehr oft auf Stellen in der Bibel verweist, offensichtlich um seine Anschuldigungen und Argumentationen zu untermauern, wobei diese Verweise immer neben dem Text stehen, was dem Lesefluss sehr zuträglich ist. Weiters fällt auf, dass der Hauptteil des Textes in der Art eines Gespräches verfasst ist.

 

Titelillustrationen

Der Titel, welcher aus zwei Seiten besteht, enthält zwei Illustrationen. In der ersten ist Martin Luther zu sehen, wie er mit einem Bauern spricht und diesen scheinbar gegen die Obrigkeit aufzuwiegeln versucht. Auffällig hierbei ist die ausgesprochen gute Kleidung und Bewaffnung des Bauern. Die zweite Illustration zeigt eine Hinrichtungsszene aus den Bauernkriegen. Im Hintergrund ist eine Schlacht zwischen zwei Landsknechtsheeren zu erkennen, davor steht ein Richter, der der Vierteilung eines Bauern durch seine beiden Büttel beiwohnt. Diese beiden Bilder sind sinnbildlich für den gesamten Inhalt der Flugschrift, da sie das in der Flugschrift beschriebene Verhalten zeigen und die Folgen, welche sich daraus ergeben, darstellen.

 

Einleitung (Aii – Aiii, [S. 3–5] )

Fundling versucht in seiner Einleitung dem Leser zu vermitteln, dass Luther mit dem Horn des apokalyptischen Tieres aus Daniel 7,7 – 11 gleich zu setzen sei, welches diesem zwischen den zehn anderen Hörnern wachseund „groesse und wunderliche ding redt“ ( Aii, [S. 3]). Er versucht den Eindruck zu erwecken, dass Luther eine Missbildung ähnlich diesem Horn sei, welche dem Orden der Augustinereremiten entwachsen sei und nun seine Boshaftigkeit über die Welt verstreue. Dies mache Luther mittels seiner Schriften und Bücher. So habe Luther in seinen ersten Schriften die Bauern dazu ermutigt, gegen die Obrigkeit vorzugehen. In seinen späteren Werken räume Luther hingegen dem Adel das Recht ein, die Aufstände der Bauern blutig niederzuschlagen.

 

Hauptteil (Aiii – Hii v, [S. 5–54])

Diesen Teil gestaltet Apobolymäus, so die gräzisierte Form des Autorennamens, in Form einer Diskussion, in welcher er die Aussagen, die Luther in drei seiner Schriften getätigt hatte, zu widerlegen versucht. Bei den drei Schriften handelt es sich um: a) „ain ermanung zum fridenn“ (Aiii, [S. 5]), b) „wider die mörderischen raubischenn rotten der paurn“ (Cii v, [S. 20]) und c) Sendbrieffs [von dem harten Büchlein wider die Bauern]“ (Eii v, [S. 38]). Dies geschieht mittels 55 „Verwunderungen“.

Fundling beginnt jede dieser Verwunderungen mit einer Einleitung und einer Passage aus Luthers Schriften, um diese sogleich zu widerlegen. Beispielhaft sei die ‚dritte Verwunderung’ angeführt:

Die Dritt Verwunderung.
Das Luther alle die / wellich wider sein falschlich truglich leer unn // verkerte auslegung der gschrift / streben / schilt als tobend und wü = // tend wider das Evangelium / so er spricht.

Luther.
Die ir noch heutigs tags verstockt nit aufhören zu toben und wü= // ten wider das heylig Evangelium.

Wunderer:
Bedenck dich daß liber man / was du redst / des man dich // nit umm ain lügen pfend / Sie toben nit wider das Evangelium / sonder allen // möglichen fleyß keren sy an / unn widerstan / das du dein ketzerey / unn // falsche leer / nit under dem namen des Evanngely verkaufest / wie meüßdreck fur pfeffer.“ (Aiii v, ohne Foliierung, [S. 8])

 

Das hier gezeigte Schema zieht sich durch den gesamten Hauptteil der Flugschrift. Die Gegenüberstellung sollte wahrscheinlich zeigen, dass Luther in nur kurzer Zeit seine Position geändert habe und eine unchristliche Argumentation an den Tag lege, da er beide Seiten, Bauern wie Adelige, zur Gewalt aufrufe.

 

Lecaks, Gernot/ Sauerbrey, Martin 

 



Erstellt: 15.08.2007

Zuletzt geändert: 21.08.2007


Lesezeichen / Weitersagen

FacebookTwitterGoogle+XingLinkedInDeliciousDiggPinterestE-Mail