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Doctor Martini Luthers offentliche//verher zu worms im Reichstag

 


Abb. 1-8

 








 

 

 

 

 

I. Formale Analyse

 

Titel

Doctor Martini Luthers offentliche//verher zu worms im Reichstag//vor Kai. Ma. Red vnd wider//red/am 17. tag Aprilis/im Tausent//Fünffhundert vnd ainundzwain=//tzigisten Jar.

 

Verfasser

[Luther, Martin, übers. u. bearbeitet von Spalatin, Georg

 

Druckjahr

[1521]

 

Druckort

[Augsburg]

 

Drucker

[Nadler, Jörg]

 

Umfang

Foliierung: Aii-Aiii

Eigene Paginierung: [S. 1-8]

Zählung lt. VD 16: [4] Bl.

 

Provenienz

Bayerische Staatsbibliothek München (Sigel: 12), Rar. 1526

 

Nachweise in VD 16

a.) verwendete Ausgabe: L 3654, [Augsburg : Nadler, Jörg]

b.) weitere Ausgaben:    

L 3653, [Augsburg : Grimm, Sigmund u. Wirsung, Marx, 1521]

L 3655, [Augsburg : Ramminger, Melchior, 1521]

 

Titelillustration

Ja

 

Illustration im Text

Nein

 

II. Inhaltliche Analyse

 

Sprachliche Form

Prosa

 

Entstehungskontext

Nachdem Luther von Papst Leo X. mit der Bulle „Decet Romanum Pontificem“ am 3. Jänner 1521 gebannt worden war, sollte nunmehr seine Ächtung seitens Kaiser Karls V. folgen. Auf Betreiben der Reichsstände wurde dem Reformator eine Anhörung auf dem Reichstag zu Worms ermöglicht, die ihm eine letzte Gelegenheit geben sollte, seine umstrittenen Lehren zu widerrufen.

 

Inhaltsangabe und Struktur

Diese an unverhohlener Polemik vergleichsweise arme Flugschrift informiert den Leser über Luthers Aufenthalt in Worms vom 16. bis 26. April 1521, speziell über seine Auftritte vor dem Reichstag am 17. und 18. April 1521.

Der Text ist folgendermaßen gegliedert: Auf eine kurze Einleitung (ohne Foliierung, [S. 2]), in welcher auf die schädliche Wirkung der menschlichen Hoffart hingewiesen wird, und eine Liste der wichtigsten beim Reichstag Anwesenden (Kaiser, Kurfürsten) (ohne Foliierung, [S. 2]) gegeben wird, folgt die Schilderung von Luthers Verhör:

Erster Tag, 17. April 1521 (ohne Foliierung, Aii v, [S. 2f]):

Martin Luther wird in Begleitung von sechs Doktoren der Universität Wittenberg durch Reichsmarschall Ulrich von Pappenheim und den Reichsherold Caspar Sturm vor den Reichstag gebracht. Die Befragung führt der Offizial des Erzbischofs von Trier Johann von Eck durch.

Man will zunächst erfahren, ob Luther sich zu einigen in der Flugschrift aufgezählten Schriften und Büchern als Verfasser bekennt. In weiterer Folge wird der Mönch aufgefordert, deren Inhalt zu widerrufen. In diesem Falle wollen Kaiser und Reichsstände hinsichtlich seiner übrigen Lehren Nachsicht walten lassen. In seiner Antwort bekennt sich Luther als Verfasser der umstrittenen Werke und erbittet hinsichtlich ihres Widerrufs vom Kaiser eine Bedenkzeit. Tatsächlich wird ihm eine 24-stündige Frist von Seiten Karls gewährt. Luther soll also am nächsten Tag um 4 Uhr nachmittags nochmals am Reichstag erscheinen.

Zweiter Tag, 18. April 1521 (ohne Foliierung, Aiii v, [S. 4-7])

Die Beschreibung dieses Tages beginnt mit der ausführlichen Antwortrede des Reformators. Einleitend bittet er die Anwesenden um Nachsicht wegen seines gegebenenfalls ungebührlichen Verhaltens bei Hofe. Anschließend bekennt sich Luther nochmals nachdrücklich zu seinen Lehren, sofern sie nicht durch Fehlinterpretationen aus Missgunst oder schlichter Unkenntnis entstellt sind. Den geforderten Widerruf seiner Schriften verweigert der Augustinermönch allerdings. Er argumentiert seine Weigerung, indem er sein Werk in drei Arten unterteilt:

a) Im ersten Fall handle es sich um Schriften, die ganz im Sinne des Evangeliums Glaube und Sitten behandeln. Selbst Luthers Gegner hätten diese als unbedenklich, ja für Christen als lesenswert erachtet. Wie könnte es sich nun Luther anmaßen, sich allein gegen ein solch einträchtiges Urteil sowohl seiner Feinde als auch seiner Freunde zu stellen?

b) Die zweite Werkgattung, mit der sich Luther am ausführlichsten beschäftigt, richtet sich gegen den Papst und seine Anhänger. Sie seien es gewesen, die „die Christlich welt […] // verhoert / verderbt / vnd verwuest“ (Aiii r, [S. 5]), und weiters mittels ihrer Gesetze und Lehren „die gewissen der Christglaubigen […] // gedrungen / beschwert / gemartert vnd gepeyniget (Aiii r, [S. 5]) hätten. Damit nicht genug sei die deutsche Nation aufgrund dieser Tyrannei an Hab und Gut geschädigt worden. Wenn er nun seine diesbezüglichen Ansichten widerriefe, würde er damit der Fortsetzung, ja der Ausweitung der Willkürherrschaft „nicht allain die fenster / sonder auch die thürn // auffthuen (Aiii r, [S. 5]).

c) Die dritte Unterscheidung bezieht sich schließlich auf Schriften wider die Verteidiger der Römischen Tyrannei. Dabei räumt Luther ein, bisweilen heftiger vorgegangen zu sein, als es sich für ihn gezieme. Dennoch betrachte er es als unmöglich, in diesem Punkte nachzugeben, denn auch hier bestehe die Gefahr, dass sich so mancher in seinem Handeln gegen das Volk bestärkt fühlen könnte.

Nach dieser abschlägigen Antwort fordert Luther seine Widersacher auf, sie mögen doch versuchen, ihn mit seinen eigenen Mitteln, also unter Berufung auf die Heilige Schrift, zu widerlegen. Wenn ihm auf solche Art ein Irrtum nachgewiesen werden könne, würde er nicht zögern seine buecher // in das feür zue werffen (Aiii v, [S. 6]).

Danach geht der Reformator in seiner Rede auf den Aufruhr und die Auseinandersetzungen ein, die seine Lehren ausgelöst haben. Es erfülle ihn mit einer gewissen Genugtuung, dass das Wort Gottes zu Zwietracht führe, denn dies sei offenbar der göttliche Wille. Und Luther zitiert dazu Jesus Christus: „Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert“ (Mt 10,34). Dem Menschen, selbst wenn er Kaiser oder König ist, steht es nicht zu, über diese göttlichen Ratschlüsse zu urteilen. Luther wolle mit seinen Ausführungen nicht die Herrschenden belehren, sondern „meinem haymat Teutschen landen meinen dienst damit erzaygen(ohne Foliierung, [S. 7]). Am Ende seiner Rede bittet der Augustinermönch den Kaiser, sich seiner Sache anzunehmen.

In weiterer Folge wird Luther vom Offizial Johann von Eck ermahnt, eine klare Antwort auf die Frage zu geben, ob er bereit sei zu widerrufen oder nicht; denn es sei hier nicht der Ort, um über Dinge zu disputieren, die von Seiten der Kirche längst verworfen worden wären. Man gibt Luther überdies zu bedenken, dass mit der Verweigerung des Widerrufes, sämtliche seiner Lehren, auch jene die bislang durchaus wohlwollende Beachtung fanden, der Verdammung anheim fielen. Luther beharrt jedoch standhaft auf seinen Meinungen. Er gibt an, weder dem Urteil des Papstes noch dem der Konzilien zu trauen, sondern er würde sich lieber auf sein Gewissen verlassen – „so mag ich/ noch will// kain wort nit Corrigiern oder widerruffen/ dieweyl wider das gewissen// beschwärlich und unhaylsam zuhandlen/ auch geferlich ist“ (ohne Foliierung, [S. 7]). Selbst eine in der Flugschrift genannte, seitens des Offizials ausgesprochene Drohung mit dem Schicksal Jan Hus’ scheint ihn unbeeindruckt zu lassen Got kum mir zühülff // Amen. Da bin ich“ (ohne Foliierung, [S. 7]). Schlussendlich erfahren wir aus der Flugschrift über das turbulente Ende dieses Verhörtages nur noch, dass die Sitzung nach Abgang Luthers und seines Anhanges aufgelöst wird.

Die übrigen Tage Luthers in Worms ( ohne Foliierung, [S. 8])

Über die restlichen Tage von Luthers Aufenthalt in Worms berichtet die Flugschrift nicht viel mehr, als dass hinter verschlossenen Türen weiterverhandelt wurde, dann einige Namen weiterer Anwesender und dass Luther letztlich, ohne widerrufen zu haben, mit Begleitung Worms Richtung Wittenberg verlassen habe.

 

Literaturhinweise

Reuter, Fritz (Hg.), Der Reichstag zu Worms von 1521. Reichspolitik und Luthersache, Worms 1971.

Lutz, Heinrich, Reformation und Gegenreformation, 5. Auflage, München 2002 (=Oldenbourg Grundriss der Geschichte 10).

 

Juranitsch, Michael 

 



Erstellt: 15.08.2007

Zuletzt geändert: 15.08.2007


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