3b-anzaigung

Ain anzaigung wie D.//Martinus Luther zuo Wurms

 


Abb. 1-6






 

I. Formale Analyse

 

Titel

Ain anzaigung wie D.//Martinus Luther zuo Wurms auff//dem Reichstag eingefaren durch K.M. Jn//aygner person verhoert vnd mit jm da-//rauff gehandelt

 

Verfasser

Anonym

 

Druckjahr

[1521]

 

Druckort

[Augsburg]

 

Drucker

[Ramminger, Melchior]

 

Umfang

Foliierung: Aii

Eigene Paginierung: [S. 1-6]

Zählung lt. VD 16: [4] Bl.

 

Provenienz

Bayerische Staatsbibliothek München (Sigel: 12), 4 H.ref. 56 und 4 H.ref. 801-6

 

Nachweise in VD 16

a.) verwendete Ausgabe: A 3024 [Augsburg : Ramminger, Melchior]

b.) weitere Ausgaben: A 3025 [Landshut : Weißenburger, Johann, 1521]

 

Titelillustration

Ja

 

Illustration im Text

Nein

 

 

II. Inhaltliche Analyse

 

Sprachliche Form

Prosa

 

Entstehungskontext

Nachdem Luther von Papst Leo X. mit der Bulle „Decet Romanum Pontificem“ am 3. Jänner 1521 gebannt worden war, sollte nunmehr seine Ächtung seitens Kaiser Karls V. folgen. Auf Betreiben der Reichsstände wurde dem Reformator eine Anhörung auf dem Reichstag zu Worms ermöglicht, die ihm eine letzte Gelegenheit geben sollte, seine umstrittenen Lehren zu widerrufen.

 

Inhaltsangabe und Struktur des Textes

Der chronologische aufgebaute Bericht über Luthers Auftritt vor dem Reichstag zu Worms beginnt mit dessen Ankunft am Dienstag, den 16. April 1521 (Aii r, [S. 2]). Der Leser/Hörer erfährt, dass sich der Reformator auf einem Wagen in Begleitung zweier Brüder seines Ordens befindet. In seinem Gefolge sind überdies elf Berittene.

Am Mittwoch, den 17. April 1521 (Aii r/v, [S. 2f.]) vormittags, nimmt Luther einem erkrankten Ritter die Beichte ab und versieht ihn mit den Sakramenten. Erst am Nachmittag, um 16 Uhr, erscheint er vor dem Reichstag, wo ihn der Offizial des Erzbischofs von Trier im Auftrag des Kaisers befragt.

Der umstrittene Reformator soll vor den erschienenen geistlichen und weltlichen Fürsten sowie dem Kaiser zu zwei Fragen Stellung nehmen: Nämlich, ob er der Verfasser einer ihm vorgelesenen Liste von Büchern ist; und falls er sich zu seiner Urheberschaft bekenne, ob er bereit sei, diese Schriften als ketzerisch zu verwerfen. Luther antwortet „mit schlechten worten Teütsch und Lateinisch“ (Aii r, [S. 2]): Er bekennt sich als Autor der genannten Schriften, sofern sie nicht von fremder Hand im Sinn verändert worden sind. Zur zweiten Frage, dem Widerruf seiner Lehre, erbittet sich Luther eine Bedenkzeit vom Kaiser, die ihm dieser auch gewährt, obwohl, wie der Verfasser der Flugschrift festhält, dies nicht nötig gewesen wäre, denn Luther hätte sich doch schließlich schon bei seiner Ladung zum Reichstag denken können, was ihn erwartet.

Die Schilderung der Ereignisse des darauf folgenden Donnerstag, den 18. April (Aii v, ohne Foliierung, [S. 3-6]) nimmt den Rest der vorliegenden Flugschrift ein. Luther tritt um 17 Uhr vor die Versammlung. Abermals wird er durch den Offizial des Erzbischofs von Trier zu den bereits bekannten Punkten befragt, und zwar in Deutsch und Latein. Und der Augustinermönch antwortet der Versammlung in ebendiesen Sprachen Folgendes:

Abermals bekennt er sich als Autor der genannten Bücher und Schriften. Weiters entschuldigt sich Luther für sein möglicherweise ungebührendes Verhalten bei Hof, er sei schließlich nur ein einfacher Mönch. Dann geht Luther auf sein Werk näher ein, in dem er zunächst festhält, dass dieses aufgrund seiner Vielfalt einer gewissen Differenzierung bedürfe: Als erstes sind da jene Bücher, die die Christen auf den rechten Weg zur Seeligkeit weisen wollen. Diese seien selbst von seinen Feinden nicht verurteilt worden. Luther hält es daher für unnötig, diese zu widerrufen.

Die zweite Art Bücher seien jene, in denen er sich gegen den Klerus, besonders den römischen, gerichtet habe. Dieser habe durch seine Missbräuche zur verderbung Teütscher Nation“ (ohne Foliierung, [S. 4]) beigetragen. Luther meint, er sei es Kaiser und Vaterland schuldig mitzuteilen, wie dieser Tyrannei beizukommen sei.

Weiters sei es Luther stets darum gegangen die Wahrheit und die christliche Lehre zu verbreiten, nicht darum yrrung / mißglauben / oder ketzerey (ohne Foliierung, [S. 4]) unter der Christenheit zu verbreiten. Sollte er sich doch in einzelnen Punkten geirrt haben, fordert er seine Gegner auf, ihm dies mittels Evangelium und Heiliger Schrift nachzuweisen, so wie er selbst seine Ansichten aus diesen Quellen schöpft. Sollte es gelingen, ihn auf diese Weise zu widerlegen, sei er gerne bereit nachzugeben und zu widerrufen, sunst will noch kan ich es nit thuon (ohne Foliierung, [S. 5]).

Im Anschluss an diese Antwortrede lässt der Kaiser Luther durch den Offizial mitteilen, er solle ohne Umschweife auf die gestellte Frage Antwort geben. Es bestehe keine Notwendigkeit, am Reichstag über Dinge zu disputieren, die längst durch das Konzil von Konstanz als ketzerisch verworfen worden seien. Luther solle dabei bedenken, dass er nichts Anderes geschrieben habe, als die beiden beim Konzil verurteilten Jan Hus und Hieronymus von Prag.

Darauf antwortet Luther nochmals, er wolle seine auf Evangelium und christlicher Lehre beruhenden Werke nicht zurücknehmen, es sei denn er werde mittels „der goetlichen geschryfft (ohne Foliierung, [S. 6]) widerlegt. Zu den Konzilien hält der Reformator fest, diese hätten des Öfteren geirrt und wider das göttliche Gesetz gehandelt, und er, Luther, wolle das beweisen. Dies gelingt ihm allerdings nicht mehr, denn hinsichtlich des folgenden Tumultes, löst der Kaiser die Sitzung für diesen Tag auf.

Die Flugschrift endet u. a. mit der Bemerkung, Jm beschluß sprach er die wort Got kumm mir zehülff (ohne Foliierung, [S. 6]) sowie dass „Luther guotter ding“ sei (ohne Foliierung, [S. 6]) und die weitere Entwicklung der Dinge abzuwarten bleibe.

 

Literaturhinweise

Reuter, Fritz (Hg.), Der Reichstag zu Worms von 1521. Reichspolitik und Luthersache, Worms 1971.

Lutz, Heinrich, Reformation und Gegenreformation, 5. Auflage, München 2002 (=Oldenbourg Grundriss der Geschichte 10).

 

Juranitsch, Michael 

 



Erstellt: 15.08.2007

Zuletzt geändert: 15.08.2007


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