Kirchenorganisation

1.a Dezentralisierung der spätmittelalterlichen Papstkirche (Konkordate)

 

Anfang des 15. Jahrhunderts war es der Kirche zwar gelungen, ihre äußere Einheit nach dem Großen Abendländischen Schisma (1378-1417) wiederherzustellen und mit dem Ende der Hussitenkriege auch die häretischen Lehren zu beseitigen, allein der Punkt der allgemeinen Reform konnte nur unzureichend verwirklicht werden. Zahlreiche Missstände, insbesondere an der päpstlichen Kurie selbst, konnten nicht ausgeräumt werden. Teilreformationen hatten dazu geführt, dass die Kirche sich zunehmend dezentralisierte und sich den weltlichen Machtbereichen anglich. Nicht nur im Laufe des Schismas, sondern auch aufgrund der Opposition von Konzil und Papst, war es den Obrigkeiten verstärkt gelungen, Einfluss auf die Kirche zu gewinnen und für ihre jeweiligen „Landeskirchen“ Sonderregelungen zu erreichen. Schon vor der Reformation des 16. Jahrhunderts war die Kirche „nur noch der Idee nach eine Einheit“. Die von Land zu Land differierende Verschränkung kirchlicher und weltlicher Macht, die sich seit dem Spätmittelalter auszuformen begann, sollte die (früh-)neuzeitliche europäische Geschichte prägen.

Moritz Lenglachner 

Empfohlene Zitierweise

Lenglachner, Moritz: Kirchenorganisation, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/2uo/

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Erstellt: 30.05.2012

Zuletzt geändert: 30.05.2012


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