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Glossar P / Q

 

Packsche Händel

Mit dem Juristen Otto von Pack verbindet sich die erste große reichspolitische Krise im Zeichen der Konfessionsspaltung, die sog. „Packschen Händel“ (1528): Im Dienste des Landgrafen Philipp von Hessen stehend, erklärte Pack um ein im Mai 1527 in Breslau geschlossenes Bündnis katholischer Fürsten zu wissen, das sich u.a. zum Ziel gesetzt hätte, Kf. Johann von Sachsen und Lgf. Philipp v. Hessen ihrer Herrschaft zu entheben, da diese in ihren Ländern die „lutherische Ketzerei“ duldeten. Als Pack dem Landgrafen im Februar eine besiegelte Abschrift der Bündnisurkunde vorlegte, reagierte dieser mit einer diplomatischen und militärischen Offensive. Ende Mai 1528 standen hessische Truppen an den Grenzen der fränkischen Bistümer Würzburg und Bamberg. Lgf. Philipp konnte die Existenz des Bündnisses jedoch nicht beweisen, da Pack kein Original der Urkunde beschaffen konnte. Somit war es dem Landgrafen nicht möglich, das hessische Vorgehen als Akt der Notwehr zu rechtfertigen. Als die fränkischen Bischöfe und der Mainzer Erzbischof sich bereit erklärten, die Kosten der hessischen Aufrüstung zu tragen und Albrecht von Mainz auf die geistliche Jurisdiktion in der Landgrafschaft und im Kurfürstentum Sachsen zu verzichten versprach, konnte dieser Konflikt jedoch noch vor der militärischen Eskalation Mitte Juni 1528 unblutig beendet werden.
Thema: Reformation politikgeschichtlich, 2b Konfessionelle Bündnisse und militärische Exekution

Passauer Vertrag

Nach längeren Verhandlungen, in denen einmal mehr die divergierenden Vorstellungen des Kaisers und seines Bruders und designierten Nachfolgers, Kg Ferdinands, über die Reichspolitik deutlich wurden, kam es am 2. August 1552 zum Abschluß des Passauer Vertrages. Karl V. ratifizierte ihn am 15. August. Im Gefolge des Vertragsabschlusses kamen nicht nur der gefangene sächsische Kf Johann Friedrich und Ldgf Philipp frei, sondern es wurde auch durch das Zugeständnis an die Kriegsfürsten, ihre Beschwerden auf einem Reichstag zu erledigen, die Weichen für den schließlich in Augsburg im Jahre 1555 realisierten Reichstag gestellt.
Thema: Reformation politikgeschichtlich, 2c Interim und Fürstenaufstand

Pragmatische Sanktion

Unter einer Pragmatischen Sanktion (lat. sanctio pragmatica) versteht man seit dem 5. Jahrhundert n. Chr. eine Kategorie kaiserlicher oder königlicher Gesetze beziehungsweise Erlässe. Im spätrömischen Kaiserrecht betreffen Pragmatische Sanktionen Angelegenheiten des Privat- wie auch des öffentlichen Rechts; eindeutige Abgrenzungen aufgrund von Form und Inhalt lassen sich nicht erkennen. Die Pragmatische Sanktion entwickelte sich von einem Antwortschreiben der kaiser- oder königlichen Kanzlei zu einer eigenständigen Form monarchischer Gesetzgebung, in welcher eine Angelegenheit unmittelbar und endgültig vom Monarchen entschieden wurde. Die bekanntesten Pragmatischen Sanktionen sind jene Kaiser Justinians zur Verkündigung der Gültigkeit seiner Gesetzessammlung in Italien (554), die Pragmatische Sanktion von Bourges (1438) und jene des Habsburgers Karls VI. (1713), um die Primogenitur im männlichen und weiblichen Stamm zu ermöglichen. Thema: Reformation im Kontext, 1a2 Pragmatische Sanktion von Bourges, 1a3 Konkordat von Bologna

Priesterschaft aller

Durch die Taufe und das Geschenk des Heiligen Geistes sind die Christgläubigen selbst zum priesterlichen Dienst berufen und somit Geistliche. Ihr geistiges Priestertum erfüllen sie durch Verkündigung des Evangeliums in der Fürbitte, in geistiger Ermahnung und Stärkung und in Werken der Liebe. Solcherart bringen sie ihr Opfer dar. Weder Kult noch Amt begründet die Gemeinde Christi, sonder sein Wort sind Gaben, die gleichermaßen allen Christen zugesprochen werden. Martin Luther legt dies in seiner reformatorischen Hauptschriften von 1520 dar. Er entwickelt hierbei zwei Richtungen, einerseits Kirchenkritik, andererseits Kirchenreform.
Die Priesterschaft aller Gläubigen ist antihierarchisch und stellt die Trennung zwischen geistlich und weltlich in Frage. Sie wendet sich gegen das Primat des Papstes und die Überordnung des Klerus. Die Laien bekommen dadurch eine neue Bedeutung in der Kirche.
Es gibt sieben priesterliche Funktionen, die er erfüllen kann- Verkündung des Wort Gottes, Spenden der Tauf, Segnung und Austeilen des Abendmahls, Erteilung (Verweigerung) der Absolution, Vollzug von Lob- und Dankopfern, Fürbitte und Urteil über die Lehre.
Der Ort und das Wirkungsfeld liegen in allen Ständen, aber vor allem der Hausgemeinschaft (oikos) wird in dieser Hinsicht ein spezieller Status zugewiesen. Vater und Mutter verkünden gleichermaßen das Evangelium.
Literatur: Leonore Siegele- Wenschkewitz, Priesterschaft aller Gläubigen. In: Erwin Feldbusch et al. [Hg.], Evangelisches Kirchenlexikon. Internationale theologische Enzyklopädie, Göttingen 1992, Bd. 3, Sp. 1326-1328.
Siehe auch SFN: http://www.uni-muenster.de/FNZ-Online/expansion/europ_expansion/glossar_gesamt.htm#priestertum
Reformation sozialgeschichtlich 4 Geschlechtergeschichte



Erstellt: 13.06.2006

Zuletzt geändert: 05.06.2012

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