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Glossar H

 

Habsburgisch-Valoisscher Antagonismus

Nachdem sich Kaiser Karl V. bei der Kaiserwahl in Frankfurt am Main am 28. Juni 1519, dank finanzieller Unterstützung durch die Fugger (für Zahlungen an die stimmberechtigten Kurfürsten), einstimmig gegen den französischen König Franz I. durchgesetzt hatte, sah sich Frankreich durch Habsburg von mehreren Seiten bedroht (Spanien, Niederlande, Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation). Der Machtgegensatz der beiden Dynastien bekam nun eine neue Dimension. Für Karl V. spielte in seiner Politik vor allem Italien und hier das sich in französischen Besitz befindliche Mailand eine zentrale Rolle. Italien sollte nicht nur befriedet, sondern auch zum Zentrum kaiserlicher Herrschaft werden. Frankreich befürchtete zu stark in die Abhängigkeit des Habsburgs zu geraten, weshalb das Ausbrechen eines militärischen Konfliktes nur eine Frage der Zeit war. Thema: Reformation politikgeschichtlich, 1b habsburgisch-valoischer Machtgegensatz

Heilige Liga von Cognac

Nach seiner Freilassung erklärte Franz I. den Frieden von Madrid für erpresst und nichtig und schloss am 22. Mai 1526 mit Papst Clemens VII., dem von Kaiser Karl V. eingesetzten und abhängigen Herzog von Mailand, Francesco Sforza, sowie mit Florenz und Venedig die „Heilige Liga“ von Cognac. In der italienischen Öffentlichkeit war der steigende Einfluss Karls V. in Italien mit Sorge beobachtet worden, sodass in Franz I. ein Garant und Verteidiger Europas und besonders Italiens angesehen wurde. Ziel dieses Bündnisses war es daher die Spanier aus Neapel zu vertreiben, Francesco Sforza den freien Besitz Mailands zu gewährleisten und die in Spanien in Geiselhaft befindlichen Söhne Franz I. zu befreien. Die unmittelbare Folge dieser „Heiligen Liga“ sollte der Ausbruch des zweiten Krieges zwischen Karl V. und Franz I. Sein. Thema: Reformation politikgeschichtlich, 1b habsburgisch-valoischer Machtgegensatz

Heiligenschein (lat. Nimbus)

Der als schimmernder Kreis oder leuchtende Scheibe das Haupt heiliger Personen umgebende N. (wörtl. Wolke) ist außerchristl. Ursprungs. Aus Asien stammend repräsentiert er seinem Wesen nach die Sonne, sowie die Königskrone und erscheint in hellenistischer Kunst als deren Abglanz auf Bildern von Göttern des Olymps. Nach dem Vorbild der vorderasiatischen Großkönige, deren Bild mit dem Nimbus als Symbol ihres Herrschertums geschmückt war, wurden in Kleinasien auch Bilder römischer Kaiser mit dem N. versehen. Ab dem Ende des 2 Jh. taucht der N. um das Haupt Christi auf, der dann zur Regel wird. Etwa ab dem 5. Jh. erhalten ihn auch Engel, Maria und die Apostel, das ihre Zugehörigkeit zu Christus ausdrückt. Im 5. Jh. beginnende Darstellungen von Propheten, Patriarchen und anderen Personen des AT ist ab dem 6. Jh. die Regel. Der N. Christi hebt sich ab dem 5. Jh. deutlich durch ein Kreuz, oft in blutroter Farbe, ab. An die Stelle der Christusgestalt kann ab dem 4. Jh. ein Lamm mit Kreuznimbus treten, aber auch Darstellungen von Gottvater und dem heiligen Geist (als Taube) werden mit einem Kreuznimbus versehen, um die Einheit des trinitarischen Gottes zu betonen. In der byz. Kunst bildet sich der Brauch heraus, in die drei Kreuzbalken die Buchstaben OΩH einzutragen, die griechische Übersetzung des hebräischen Gottesnamen Jahwe (der Sehende). Der N. findet sich verhältnismäßig früh (2. Hälfte 4. Jh.) auf den Evangelistensymbolen. Der rechteckige N. (ab dem 3. Jh.) weist darauf hin, dass die dargestellte Person noch lebt. Im frühen Mittelalter wird der N. teils ergänzt durch die Glorie, einen seine ganze Gestalt umgebenden Lichtschein, der meist mandelförmige Gestalt (Mandorla) annimmt.

Als Mandorla (ital. „mandelförmige Aureole“) findet d. H. sich nur bei Christus u. Maria. Der mandelförmige Lichtschein, der auf ma. Kunstwerken, den Christus in Majestät oder Maria umgibt, ist Emanation des göttlichen Lichtes in der Gegenwart Gottes und zugleich Verschleierung der Sicht auf dieses Licht. Sie ist mit der Symbolik der Mandel verbunden; die Mandel stellt das Sinnbild des verborgenen wesentlichen Inneren dar und birgt das Geheimnis der inneren Erleuchtung, das Mysterium des Lichts; in diesem Sinne ist sie Gegenstand der Mediation. Auch Christus kann, da seine göttliche Natur in seiner menschlichen Natur verborgen war, durch die Mandel symbolisiert werden. Im MA. sieht man in der Mandel außerdem die Jungfräulichkeit Marias versinnbildlicht. Hierauf bezieht sich ebenfalls die ihr und Christus beigegebene M. Thema: Reformation im Kontext, 3b Wallfahrt

Heiltumsbuch

Gemeint sind Dokumente, in denen Serien von Reliquien dargestellt und schriftlich identifiziert sind. Aus dem Zeitraum zwischen 1460 und 1520 sind im Heiligen Römischen Reich 22 Drucke und 7 gezeichnete oder gemalte Werke überliefert. Die meisten dieser Dokumente sind unter den Namen Heiltum(s)bücher- oder blätter bekannt. Sie bilden keine homogene oder klar definierte Gruppe. Die bildlichen Darstellungen fanden wenig Beachtung, daher verwendete der Kunsthistoriker Philippe Cordez für ein besseres Verständnis dieser Dokumente, unter anderem, die Bezeichnung Heiltumsverzeichnisse mit Reliquienbildern oder illustrierte Reliquienverzeichnisse. Thema: Reformation im Kontext, 3 Spätmittelalterliche Frömmigkeit

Heinrich II.

wurde als zweiter Sohn von Franz I. am 31. März 1519 in Saint-Germain-en-Laye geboren. Nach dem Tod seines Vaters folgte er ihm 1547 als französischer König auf den Thron. Er setzte die Kriege, die sein Vater gegen Kaiser Karl V. begonnen hatte, fort, indem er die reichische Opposition gegen die kaiserliche Herrschaft („Fürstenaufstand“) unterstützte, und eroberte 1552 die Bistümer Metz, Toul und Verdun. Von 1556 bis 1559 lag er im Krieg mit dem Sohn Karls V., Philipp II. von Spanien. Im Frieden von Cateau-Cambrésis, den Heinrich 1559 mit Philipp schloss, musste er auf alle französischen Ansprüche auf Mailand verzichten. Als strenger Katholik verschärfte Heinrich von Beginn an die Verfolgung der Hugenotten. Heinrich starb an den Folgen eines Unfalls bei einem Turnier am 10. Juli 1559 in Paris. Thema: Reformation politikgeschichtlich, 1b habsburgisch-valoischer Machtgegensatz

Heinrich VIII, Scheidung

Der Erzbischof von Canterbury führte, nun kirchenrechtlich nicht mehr an Rom gebunden, die Scheidung des Königs in kürzester Zeit durch. Die Ehe mit Katharina von Aragon wurde vorher für ungültig erklärt und er heiratete eiligst die mittlerweile schwanger gewordene Anne Boleyn. 7. September: Geburt Elisabeth Tudors, der späteren Kgin Elisabeth I. Thema: Reformation politikgeschichtlich, 4a England

Heinrich VIII., defensor fidei

Heinrichs Werk gegen Luthers Schriften hatte den Titel „Verteidigung der sieben Sakramente“. Es war in lateinischer Sprache verfaßt. Vom Papst erhielt er für das Bekenntnis zur röm. Kirche und ihrer Lehre den Titel „Verteidiger des Glaubens“ (defensor fidei).
Thema: Reformation politikgeschichtlich, 4a England

Helvetisches Bekenntnis, erstes

Das Erste Helvetische Bekenntnis, Confessio helvetica prior, unter maßgeblicher Beteiligung Heinrich Bullingers entstanden, wird 1536von Zürich, Bern, Basel, Schaffhausen, St. Gallen, Biel und Mühlhausen unterzeichnet. Dies bildete den ersten Versuch, für die reformierten Kirchen in der Schweiz eine einheitliche Glaubensgrundlage zu formulieren. Thema: Reformation politikgeschichtlich, 3a Schweizer Eidgenossenschaft – Bündnissystem und 2. Kappeler Krieg

Helvetisches Bekenntnis, zweites

Confessio helvetica posterior, mit Bullingers Darlegung reformierten Bekennens in 30 Kapiteln sollte Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz auf dem Augsburger Reichstag 1566 die reformierte Glaubensposition verteidigen und deren Kompatibilität mit dem Augsburger Religionsfrieden nachweisen. Die (nicht zustande gekommenen) Unterschriften beider reformierten Kirchen sollte deren Einigkeit nachweisen. Das Bekenntnis wurde breit rezipiert und zu einer der wichtigsten Bekenntnisschriften der reformierten Kirche. Thema: Reformation politikgeschichtlich, 3a Schweizer Eidgenossenschaft – Bündnissystem und 2. Kappeler Krieg

Hirte (ikonograph.)

Da im ntl. Gleichnis das Heimtragen des verlorenen Schafes beschrieben wird und Christus sich selbst als den „Guten Hirten“ bezeichnet, außerdem Tertulian und Eusebius Hinweise auf entsprechende Darstellungen gaben, werden seit 1588 frühchr. Schafträgerbilder als Darstellungen des Guten Hirten angesehen. Ursprung und Bedeutung des Schafträgers gehören seit längerer Zeit zu den meistdiskutierten Themen der christl. Ikonograhpie. In Entsprechung zur röm. bukol. Dichtung galten Hirtendarstellungen als Bilder für ein erwünschtes, glückliches Leben in friedvoller Landschaft. Ab dem 2. Viertel des 3. Jh. wurden die Darstellungen des H. immer häufiger in Malerei und Sarkophagplastik dargestellt, als sinnbildlicher Hinweis auf das Wunschbild eines im Jenseits glücklichen Zustandes. Wenn in christlichen Darstellungen der G. H. über die Bedeutung als Allegorie glücklichen Weiterlebens hinaus ein Symbol sein sollte, lässt sich nur aus dem Kontext entscheiden. Bildliche Darstellungen von Maria als „G. H.“ entstanden vornehmlich im 17. Jh. in Spanien im Bereich der Frauenklöster. Des weiteren tritt der Hirte als Personifikation von Jahreszeiten auf, in Monatsdarstellung vertritt er häufig den April. Thema: Reformation im Kontext, 3b Wallfahrt

Historismus

„Historismus [...] ist [...] [1] sowohl eine Methode verwissenschaftlichter Erkenntnis der Vergangenheit, die der durchgehenden Historisierung der Wirklichkeit gerecht werden will, als auch [2] eine Methode, die Voraussetzungen für praktisches gesellschaftlich-politisches Handeln zu klären und insofern auch zu dessen Orientierung beizutragen.“ (Hardtwig, Wolfgang, Geschichtsstudium, Geschichtswissenschaft und Geschichtstheorie in Deutschland von der Aufklärung bis zur Gegenwart, in: ders., Geschichtskultur und Wissenschaft, München 1990, 13-57, hier: S. 34) Thema: Mythos Reformation, 1b) Luther in der deutschen Geschichtsschreibung 1870- 1960

Holstein, Herzogtum

Holstein ist ein Herzogtum im heutigen Norddeutschland. Es lag im Laufe der Geschichte mehrmals im Interessensgebiet verschiedener Mächte, weshalb es mehrfach geteilt war. 1386 wurde Holstein mit Schleswig vereinigt. 1459 fielen dann beide an des Haus Oldenburg. 1474 wurde Holstein zum Herzogtum erhoben. Thema: Reformation politikgeschichtlich, 4b Dänemark-Norwegen

Homilie

In der patristischen Periode waren die Begriffe für die Predigt noch nicht festgelegt. Όμιλία bezeichnet bei den griechischen Kirchenvätern ein spirituelles Gespräch (lat. tractatus). Die latinisierte Form Homilia findet durch die Schriften von Hieronymus und Rufinus im Westen Verbreitung. Ab dem 4. Jh. wird der Begriff Homilie synonym zu sermo verwendet, doch ein wesentlicher Unterschied zwischen beiden besteht darin, dass sich die Homilie auf ein bibl. Buch, das fortlaufend gelesen wird, oder auf einen in sich abgeschlossenen Textabschnitt (Wunderbericht, Gleichnis) bezieht als Gegenstand einer liturgischen Lesung. [1] Thema: Reformation im Kontext, 3b Wallfahrt

Horn (ikonograph.)

Das H. ist Symbol des Hervorragenden, der Erhebung, der Macht. Die Bibel spricht vom „Horn des Heils“ und kennt die Königssalbung aus dem Horn. Die Vorstellung von den Hörnern, die Mose trug, als er von der Begegnung mit Jahwe auf dem Sinai zum Volk zurückkehrte und eine fast erschreckende geistliche Gewalt ausstrahlte, gehört ebenfalls in die Symbolik. Hier lediglich eine falsche Lesart des lateinischen Bibeltextes zugrunde liegt (der Text spricht von Lichtstrahlen, die fälschlich als Hörner übersetzt wurden), ein Fehler, der mit dem Trienter Konzil korrigiert wurde und bis dahin die Darstellungen von Moses prägte. Hörnertragende Tiere sind außerdem Symbole der Fruchtbarkeit, das Horn ist hier auch Zeichen des Überflusses (Füllhorn), der Gastfreundschaft, der Freigiebigkeit, der Hoffnung. Auf Darstellungen der Weltteile ist es Symbol für Europa bzw. Afrika, außerdem Attribut des Propheten Jona und der delphinischen Sibylle. Als Blasinstrument begegnet das H. bei Engeln des Endgerichts u. als Attribut des Hl. Blasius und Cornelius. Das Jagdhorn tragen die Heiligen Eustachius, Hubertus und Oswald. Thema: Reformation im Kontext, 3b Wallfahrt

Anmerkungen

  • [1]

    Vgl. Lexikon des Mittelalters. Bd. VII. Stuttgart/Weimar: Metzler 1999. S. 171.



Erstellt: 13.06.2006

Zuletzt geändert: 05.06.2012

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