I. Höfische Musik

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I. Höfische Musik - Michael Trinks

1. Die Rolle der Musik am Hof von Versailles

Die Musik am Hof Ludwigs XV. nahm - wie bereits unter seinem Urgroßvater Ludwig XIV., dessen Nachfolger er war - eine entscheidende Stellung ein. Sie war nicht einfach nur Klangkulisse bei Festen und feierlichen Banketten, sondern sie diente einem ganz bestimmten Zweck, nämlich der Repräsentation und Darstellung des Königs.

Die Musik wurde also zu einem wichtigen Bestandteil am höfischen Zeremoniell - was eine Neuerung für die Rolle der Musik darstellte.

Besonders Ludwig XIV., aber auch noch Ludwig XV., sahen in der Musik eine Möglichkeit der Machtrepräsentation. So zeichnete sich die Musik am französischen Hof durch die Qualität der Musiker aus, die sich in einem aufwendigen Vorspiel und Wettstreit gegen andere Bewerber qualifizieren und den König von ihrem Können überzeugen mussten. Der König selbst traf schießlich die Auswahl.

Aber auch in Bezug auf die Anzahl der Musiker hob sich der französische Hof von anderen großen Höfen seiner Zeit ab. So leistete sich Ludwig XIV. neben einem "Oboenkorps" (bestehend aus 12 Oboen), seinem "Stammensemble", den "24 violons du roi" (typisch dabei war, dass Ober- und Bassstimme ausgeschrieben und mit jeweils sechs Instrumenten stark besetzt war, während die drei Mittelstimmen von jeweils nur vier Musikern gespielt und auch nur angedeutet bzw. von den Gehilfen ausgeführt wurden) und seinem Eliteorchester, den "petits violons" (die 12 besten Violonisten aus seinem Stammensemble), noch eine Vielzahl anderer Musiker - darunter allein drei Organisten für die königliche Kapelle; denn auch die geistliche Musik spielte eine wichtige Rolle.

Neben dieser handfesten Machtrepräsentation durch die Qualität und Quantität der Musiker diente die Musik aber auch durch ihren besonderen Stil dazu, das absolutistische Herrscherverständnis des Sonnenkönigs und seines Nachfolgers auszudrücken.

So wurde die Position des Königs und sein Herrschaftsverständnis durch die unter Ludwig XIV. neu aufgekommenen königlichen Ballette dargestellt, in denen mythische Gestalten, Götter und Helden auftraten, als Symbole für den König und seine Machtstellung. Anfangs tanzte Ludwig XIV. noch selbst mit, um die Absicht, welche er damit verfolgte - beispielsweise sich als Sonne, als Mittelpunkt darzustellen, um den alles kreist und dem sich alles unterordnet - zu verdeutlichen.

Neben der weltlichen Musik, zu der diese königlichen Ballette gehören, spielte aber auch die geistliche Musik eine entscheidende Rolle, mit der ähnliche Ziele verfolgt wurden. Sie sollte dazu beitragen, das "Gottesgnadentum", das ein entscheidendes Element der absolutistischen Herrscher war, für jeden sichtbar und erfahrbar werden zu lassen.


Abb. 1

So legte Ludwig XIV. unter anderem großen Wert darauf, dass in der Messe, die er täglich um 10.00 Uhr in der königlichen Kapelle besuchte, nie die gleichen Stücke erklangen, was zu einer regelrechten Massenproduktion von überwiegend dreistimmigen Chorälen, Motetten und Psalmen (ein oder zwei Sänger, begleitet von der Orgel oder dem Cembalo und einer Bassvioline, dem basso continuo) führte, wie es in dieser Zeit Mode war.

Jedoch kann man durchaus nicht von einem einzigen Musikgeschmack jener Zeit sprechen, sondern es entwickelte sich eine Vielzahl von unterschiedlichen Musikrichtungen, Musikstilen und Aufführungsarten.

 

Empfohlene Zitierweise

Trinks, Michael: 1. Die Rolle der Musik am französischen Hof von Versailles. Aus: Madame de Pompadour - Höfische Musik, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/5s/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 10.01.2006

Zuletzt geändert: 10.01.2006


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