Biographien

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Jean le Rond d'Alembert

 

Der französische Mathematiker, Literat und Philosoph kam am 16. November 1717 als Sohn der Marquise de Tencin zur Welt. Kurz nach der Geburt wurde er von seiner Mutter auf den Stufen einer Kirche ausgesetzt. Zur damaligen Zeit war es üblich, Findlingskinder nach ihrem Fundort zu benennen. Daher taufte man den Säugling auf Jean le Rond. Er wuchs als Adoptivsohn einer armen Glaserfamilie auf.

Sein leiblicher Vater, der Offizier Destouches, erkannte seinen Sohn niemals offiziell an. Dennoch ermöglichte er ihm durch seine großzügige finanzielle Unterstützung die beste Ausbildung. D'Alembert, wie er sich mit zwölf Jahren nannte, besuchte ein jansenistisches Collège. Danach begann er zunächst das Theologiestudium, begeisterte sich jedoch bald für die Fächer Mathematik, Medizin und Jura.

Bereits als 24-Jähriger wurde der talentierte Schriftsteller und Wissenschaftler in die Académie Royal des Sciences aufgenommen. Drei Jahre danach berief ihn auch der preußische König Friedrich der Große an die Akademie in Berlin, d'Alembert lehnte jedoch ab. Ebenso wenig wollte er der Bitte der Zarin Katharina II., als Hauslehrer ihres Sohnes in Rußland zu arbeiten, nachkommen.

Statt dessen übernahm er ab 1748 gemeinsam mit Denis Diderot die Herausgabe der Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des Sciences, des Arts et des Métiers par une société de Gens de Lettres. Hierfür verfasste er 1751 die Einleitung Discours préliminaire des ersten Bands. Als Fachmann auf naturwissenschaftlichem Gebiet bevorzugte d'Alembert im Rahmen der Encyclopédie Themen aus den Bereichen Physik, Mathematik, aber auch aus der Philosophie.

1754 wurde er in die Académie francaise aufgenommen und übernahm 18 Jahre später das Amt des ständigen Sekretärs. Im Kreis der Akademiker konnte d'Alembert seine Kollegen mit aufgeklärter Literatur konfrontieren und im Sinne seiner Ideen beeinflussen.

Als sein Artikel Genève, den er für den 7. Band der Encyclopédie verfasst hatte, eine Lawine des Protests nach sich zog, entschied d'Alembert 1759, sich aus der Redaktion der Enzyklopädisten zurückzuziehen. Vor allem die Kritik in Jean-Jacques Rousseaus Lettre à d'Alembert sur les spectacles trieb ihn zu seinem entgültigen Entschluss, den er in einem Brief an Voltaire 1758 dokumentierte: "Ich weiß nicht, ob die Enzyklopedie fortgesetzt werden wird; sicher ist, dass es nicht durch mich geschehen wird. Ich habe soeben Herrn von Malesherbes und den Verlegern klargemacht, dass sie einen Nachfolger für mich suchen können. Ich bin der Beschimpfungen und der Plagen aller Art endgültig müde, welche uns dieses Werk verursacht." [1] Durch seinen Rücktritt versuchte er, den Ruf als herausragender Wissenschaftler und Mathematiker, den er bereits 1743 durch sein Traité de dynamique erlangt hatte, zu wahren.

Der Philosoph d'Alembert gilt als einer der wichtigsten Vertreter der französischen Aufklärung. In seinem Discours prélminaire bezieht er sich auf den englischen Philosophen John Locke, den er als Begründer der wissenschaftlichen Philosophie nennt. Er selbst vertrat die Erkenntnistheorie, wonach alle Erfahrungen auf Verstand und Empfindung beruhen.

 

Anmerkungen

[1] Köhler, E.: D'Alembert: Eine Einleitung zur Enzyklopädie von 1751, Hamburg: 1955.

Empfohlene Zitierweise

Alembert, Jean le Rond de. Aus: Madame de Pompadour, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/5j/

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Erstellt: 17.01.2006

Zuletzt geändert: 17.01.2006


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