Handbuch der Geschichte der Intern. Beziehungen

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Handbuch der Geschichte der Internationalen Beziehungen

 

Bisher erschienen:


Winfried Baumgart:
Europäisches Konzert und nationale Bewegung. Internationale Beziehungen 1830-1878 (Band 6)
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Michael Erbe:
Revolutionäre Erschütterung und erneuertes Gleichgewicht. Internationale Beziehungen 1785-1830 (Band 5)
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Heinz Duchhardt:
Balance of Power und Pentarchie. Internationale Beziehungen 1700-1785 (Band 4)
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In Vorbereitung:


Franz Knipping:
Die Welt im Kalten Krieg. Internationale Beziehungen 1945-1990 (Band 9)
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Hans-Jürgen Schröder:
Demokratie und Diktatur im Weltkonflikt. Internationale Beziehungen 1919-1945 (Band 8)
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Jost Dülffer:
Imperialismus und Weltkrieg. Internationale Beziehungen 1878-1918 (Band 7)
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Klaus Malettke:
Hegemonie-multipolares System-Gleichgewicht. Internationale Beziehungen 1648/1959-1713 (Band 3)
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Hein Schilling:
Konfessionalisierung und Staatsinteressen. Internationale Beziehungen 1559-1659 (Band 2)
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Alfred Kohler:
Die spätmittelalterliche Res publica christiana und ihr Zerfall. Internationale Beziehungen 1450-1559 (Band 1)
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Über die Reihe:


Das in neun Bänden erscheinende "Handbuch der Geschichte der Internationalen Beziehungen" verfolgt das Ziel, Gang und Entwicklung der zwischenstaatlichen Beziehungen der Neuzeit im Zusammenhang darzubieten. Es koordiniert die reiche internationale Spezialforschung zu den verschiedenen Aspekten der Staatenbeziehungen und Epochen und bündelt sie zu einem Gesamtbild. Auf einem dem umfangreichen Thema angemessenen, aber doch abgemessenen Raum soll das Handbuch Überblick und Orientierung über die Gesamtheit der Entwicklung der internationalen Beziehungen von 1450 bis 1990 herstellen.

Die Geschichtsschreibung bietet bisher nur wenige Möglichkeiten derart umfassender Information, die es auch erlaubt, den einzelnen Vorgang aus dem Geflecht der Staatenbeziehungen systematisch in seinen vielfältigen historischen Bezügen zu verorten. Im deutschen Sprachraum muß auf die in den Jahren um den Ersten Weltkrieg veröffentlichten Bände des BelowMeineckeschen Handbuchs von Fueter, Platzhoff, Immich und Wahl zurückgegriffen werden, die den Zeitraum von 1492 bis 1815 behandeln; diese Bände sind indessen nicht mehr allgemein greifbar und müssen angesichts des Fortgangs der Forschung wohl, bei all ihren Verdiensten, als überholt gelten. Die von Pierre Renouvin in acht Bänden herausgegebene "Histoire des Relations Internationales", die nur in französischer Sprache vorliegt, datiert ebenfalls bereits aus den 1950er Jahren. Eine 1983 in englischer Sprache von MacKay/Scott, Bridge/Bullen und Ross vorgelegte dreibändige Darstellung, die den Zeitraum 1648 bis 1945 umfaßt, ist viel knapper angelegt. Es fehlt eine wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Gesamtdarstellung in deutscher Sprache.

Die Herausgeber und Autoren reagieren mit dem hier vorgestellten Werk jedoch nicht nur auf dieses Defizit; sie wollen auch dem seit einiger Zeit neu erwachten Interesse an der geschichtlichen Dimension der internationalen Beziehungen Rechnung tragen, das sich mit der 1989/90 ausgelösten Neukonturierung des internationalen Systems noch verstärkt hat. Die allgemein herrschende Unsicherheit über Gegenwart und Zukunft der internationalen Beziehungen bedarf offenkundig der zuverlässigen Vergegenwärtigung des in näherer und fernerer Vergangenheit in der internationalen Politik zurückgelegten Weges. Dies gilt im übrigen nicht nur für den deutschen Sprachraum, wo außenpolitische Kultur traditionell unterentwickelt ist.

Die einzelnen Bände des Handbuchs tragen naturgemäß die persönliche Handschrift des jeweiligen Verfassers. Sie treffen sich jedoch in einem von Herausgebern und Autoren übereinstimmend geteilten Grundverständnis darüber, was eine moderne Geschichte der Internationalen Beziehungen leisten soll.
Einige Gesichtspunkte der "Philosophie", die dem gesamten Werk zugrunde liegt, seien im folgenden genannt.

1. Es ist selbstverständlich, daß eine geschichtswissenschaftlich fundierte Zusammenschau des Ganges der internationalen Beziehungen der Neuzeit nur aus der Zusammenführung der vielfältigen empirischen Einzelforschungen erwachsen, nicht aber aus einer vorgangigen Theorie abgeleitet werden kann. Anders als die politikwissenschaftliche Analyse der "Internationalen Beziehungen" bemüht sich die "Geschichte der Internationalen Beziehungen" um die systematische Behandlung der Vergangenheit nach den je zeitgenössischen Kriterien und Begriffen, um die genaue Erforschung und abgewogene Synthese internationaler Fakten und Zusammenhänge, die prinzipiell keinen anderen Bezug der Vergangenheit zur Gegenwart herstellt als denjenigen, der dem regelnden Zugriff der historischen Methode unterliegt. Erkenntnisfördernde theoretische Ansätze können dementsprechend nur in engem Austausch mit der Auswertung der historischen Quellen und den darauf differenziert aufbauenden Forschungsbefunden gewonnen werden.

2. Gegenstand der Geschichte der internationalen Beziehungen der Neuzeit sind vor allem die Beziehungen zwischen Staaten, oder allgemeiner: zwischen herrschaftlich geordneten Gemeinwesen, die auf einem abgegrenzten Territorium bestehen. Der Staat, mit mehr oder weniger "national" bestimmten Grenzen versehen, souverän, mit dem Monopol legitimer Gewaltanwendung ausgestattet und keiner übergeordneten Gewalt unterworfen, ist der Hauptakteur des internationalen Kräftespiels. In seinen grenzüberschreitenden Aktionen spielen die Staatsführungen, häufig repräsentiert durch Persönlichkeiten mit ausgeprägten und prägenden Konzepten und Intentionen, und die über die Jahrhunderte zunehmend spezialisierten Regierungsbehörden eine Hauptrolle. Jedoch sind sie nicht die ausschließlichen Träger grenzüberschreitender Beziehungen: zwischen den Staaten bewegen sich - mit Ideen, mit Waren, mit Pressionen - auch nicht- oder sub-gouvernementale Organisationen, private Gruppen und Individuen, die sich bei ihrem Tun der Kontrolle der politischen Führung durchaus entziehen können (wenngleich diese, wenn sie es für erforderlich erachtet, in der Regel eine Anregungs oder Verhinderungsmacht zur Geltung bringen kann).

3. Die internationalen Beziehungen entwickeln sich in vielfältigen Formen und unterschiedlichen Bereichen. Neben den diplomatischen Beziehungen steht der Austausch im Bereich der Wirtschaft, der Finanzen, der Dienstleistungen und der Kultur, gefördert von staatlichen, halbstaatlichen oder privaten Trägern. Grenzüberschreitend wirken transnationale Religionsgemeinschaften, Ideologien, in bestimmten Epochen der Militärdienst usw., auch die wenig greifbaren, aber um so wirkungsmächtigeren Tiefenkräfte (forces profondes) geographischer, demographischer, ökonomischer, kultureller und mentaler Natur. Dementsprechend muß der Historiker der internationalen Beziehungen mit - je nach Themenstellung - verschiedenen Quellen und Methoden arbeiten, wirtschaftliche und kulturelle ebenso wie politische Fragestellungen aufgreifen, auch struktur und mentalitätsgeschichtlichen Ansätzen nachgehen. Eine abgewogene Darstellung der Geschichte der internationalen Beziehungen muß mithin einseitige Betrachtungen oder monokausale Schlußfolgerungen meiden und das zu Erklärende durch Untersuchungen nach vielen Richtungen hin absichern.

4. Die Interpretation internationaler Beziehungen muß die inneren Dispositionen der beteiligten Staaten berücksichtigen. Von den vielfältigen innerstaatlichen Bedingungen und Vorgängen sind für den Gang der zwischenstaatlichen Beziehungen diejenigen relevant, die von der Außenpolitik des jeweiligen Staates oder dem nach außen gerichteten Verhalten nichtgouvernementaler Gruppen, Institutionen oder Individuen auf die Ebene der internationalen Beziehungen vermittelt werden. Die Verschränkung von Innen- und Außenpolitik kann, den jeweiligen Umständen entsprechend, wirksam werden als Ausdruck der Grundgegebenheiten der Staaten wie geographische Lage, Verfügung über Rohstoffe, industrielle Kapazität, militärisches Potential, Stärke der Bevölkerung usw.; als Rückwirkung der verfassungsmäßigen Ordnung (Monarchie, Republik) und der politischen Kultur eines Landes; als Ergebnis von Triebkräften, die aus dem nationalen Selbstverständnis, geistigen und konfessionellen Überzeugungen oder soziologischen und wirtschaftlichen Prozessen erwachsen; als Folge außenpolitischer Perzeptionen bei Eliten und in der öffentlichen Meinung; als Ausfluß auflenpolitischer Strategien und Entscheidungsprozesse der Regierungen. Dabei hängt es naturgemäß von den jeweils genau zu eruierenden Umständen des Einzelfalles ab, inwieweit solchen Faktoren aus dem innenpolitischen Bereich internationale Folgewirkungen zuwachsen.

5. Umgekehrt kann der Gang der internationalen Beziehungen, das Neben, Mit- und Gegeneinander der Staaten, vielfältig auf die Außenpolitik der Einzelstaaten und sogar auf innerstaatliche Vorgänge zurückwirken. Jedoch haben die Beziehungen zwischen den Staaten und das von ihnen gebildete System in seinen wechselnden Konfigurationen ihre spezifische, eigenen Gesetzen folgende Bewegung und Regelhaftigkeit. Die Staatenbeziehungen sind wesentlich gekennzeichnet durch das ständige Bemühen eines jeden Staates um Existenzsicherung oder Ausdehnung in Konkurrenz mit anderen, mittels des Einsatzes der verfügbaren Macht mit den wirksamsten Mitteln; durch eine im Vergleich damit geringe, wenngleich durch die Jahrhunderte tendenziell zunehmende Beachtung völkerrechtlicher Bindungen; durch das Bemühen, mit Hilfe vorteilhafter Koalitionen und Zusammenarbeit in internationalen Organisationen die einzelstaatlichen Möglichkeiten auf politischem, militärischem, wirtschaftlichem, auch ideologischem Gebiet zu erweitern; durch die Ausbildung von systembildenden Ordnungsparametern wie Hierarchie, Hegemonie Gleichgewicht, die freilich selten von Dauer sind, hinter denen sich allerdings durch allmähliche, bisweilen unmerkliche Verschiebungen im Verhältnis zwischen den Staaten in vordergründig ereignisarmen Zeiten internationale Systemkrisen und revolutionäre Umwälzungen vorbereiten können.

Die Behandlung der internationalen Beziehungen und ihrer Geschichte erlaubt es nicht, von einem einzelstaatlichen Standpunkt auszugehen und die Interpretationen aus der Perspektive des Interesses eines bestimmten Staates vorzunehmen; vielmehr muß der Historiker der internationalen Beziehungen von einem strikt übernationalen Standpunkt aus die "Pluralität autonomer Entscheidungszentren" (Aron) respektieren, ein hohes Postulat, das wegen der Vorprägung eines jeden Forschers mit nationalen Bewußtseinsinhalten nicht immer in vollem Umfang eingelöst werden kann. Die Herausgeber und Autoren des Handbuches haben den Ehrgeiz, diese Forderung so weit wie möglich zu erfüllen und aus solchem Verständnis heraus die langen Wellen des Staatensystems, zunächst des europäischen, dann des globalen, durch die vergangenen fünf Jahrhunderte, seine Kontinuitäten und Brüche auf der Grundlage der vorliegenden empirischen Einzelforschungen herauszuarbeiten; letztlich, die Großbereiche der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen den Mächten auf gesicherter Grundlage zu einem Gesamtbild zu verschmelzen.

Um den Stoff durchgängig vergleichbar zu präsentieren, wird in jedem Band die Darstellung nach zwei deutlich voneinander unterschiedenen Hauptabschnitten gegliedert.
In einem ersten Teil werden zunächst die allgemeinen Züge des behandelten Zeitalters, die strukturellen Gegebenheiten und Rahmenbedingungen der internationalen Beziehungen vorgestellt, zu denen etwa die Systemsignatur, die völkerrechtlichen Grundlagen, das diplomatische und wirtschaftliche Geflecht usw. gehören, und sodann die Hauptakteure, also die Staaten, ihre Regenten und zuständigen Minister samt ihrem "Apparat", und die politischen, ideologischen, wirtschaftlichen, militärischen und kulturellen Faktoren.
Dieser erste Teil bildet eine ausführliche einleitende Analyse, die mit den Stärkeverhältnissen, den außenpolitischen Prioritäten, der Wertigkeit der Einzelelemente des Staatensystems vertraut macht, bevor in dem beschreibenden zweiten Teil gezeigt wird, wie diese Elemente miteinander in den verschiedenen Konstellationen der Mächtepolitik in Erscheinung getreten sind.
Dieser zweite, die historische Entwicklung in der chronologischen Dynamik darstellende Hauptabschnitt entspricht den beiden Anforderungen, erstens ein Kompendium zu bieten, also alle wissensnotwendigen Fakten und Faktoren möglichst erschöpfend zu berücksichtigen, und zweitens die Fakten zu "hierarchisieren", d.h. Orientierung an zentralen Vorgängen und Kräften zu bieten, die für die Gesamtentwicklung des Staatensystems wichtig waren. Die Darstellung folgt hier, den Eigenheiten des Stoffes entsprechend, chronologischen, aber auch regionalen und systematischen Gesichtspunkten, wobei die Schwerpunkte der mächtepolitischen Entwicklung hervorgehoben werden und die Grundlage der Interpretation bilden.

Jedem Band sind ausführliche Literaturhinweise sowie in angemessenem Umfang Karten, Abbildungen und Graphiken eingefügt.

 


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