Hille

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Topalović, Elvira/Hille, Iris

Perspektivierung von Wirklichkeit(en) im Hexenprozess.

Geheimbriefe und Verhörprotokolle im Vergleich. Quellen, Transkriptionen, Übertragungen.

Dieser Beitrag steht inhaltlich in einem engen Verhältnis zu dem Aufsatz von Elvira Topalović (2007), der in der Fachzeitschrift „Der Deutschunterricht“ erschienen ist und sich vor allem an Lehrerinnen und Lehrer wendet.

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geheimbriefe und Verhörprotokolle

2.1 Die Schreiberinnen und Schreiber

2.2 Herkunftsorte und Dialektgebiete

3. Anmerkungen

3.1 Quellen

3.2 Transkriptionen

3.3 Übertragungen

4. Literaturverzeichnis

4.1 Sekundärliteratur zu den Korpusorten

4.2 Zitierte Literatur

1.    Einleitung

Unschuldig oder schuldig, Schmerz oder kein Schmerz, Märtyrer oder Hexer? Der Geheimbrief (Kassiber) und das Verhörprotokoll aus dem Prozess gegen den Bamberger Bürgermeister Johannes Junius zeigen es am eindringlichsten: Es sind zwei verschiedene Sichten, zwei verschiedene Perspektiven auf ein und dieselben Ereignisse in der Realität. Mit Realität ist die objektive Wirklichkeit gemeint, die nur losgelöst vom jeweiligen Betrachter, dem Subjekt, existiert (vgl. Weidacher 2003, 425). Jegliche Versprachlichung ein und desselben Geschehens „führt [eben] nicht zu seiner spiegelbildlichen Abbildung in der Sprache, sondern zur Konstitution eines nach bestimmten Wahrnehmungsinteressen perspektivisch geordneten Vorstellungsbildes.“ (Köller 1997, 108) Dieses je individuell geprägte Vorstellungsbild ist zum einen das Ergebnis eines sensorisch- und emotional-kognitiven Geflechts, in das Einstellungen, Bewertungen und Erwartungen einfließen, zum anderen wird es von sprachlich-kommunikativen Faktoren wie der sozialen Rolle oder dem kommunikativen Zweck beeinflusst. Da es nicht nur um die Wahrnehmung an sich, sondern auch um „Wahrnehmungsinteressen“ geht, kann die Versprachlichung unserer Wirklichkeit im Hinblick auf diese Interessen und Absichten angepasst werden und letztlich eine Inszenierung oder Konstruktion sein. Nur so lassen sich die teils gravierenden Unterschiede in den Kassibern und Protokollen erklären.

Selbst der Sachlichkeit und Objektivität verpflichtete WissenschaftlerInnen neigen dazu, den Opfern der Hexenprozesse – die imaginäre Straftat Hexerei mag hier entscheidend sein – mehr (um nicht zu sagen ausschließlich) zu glauben als den institutionellen Vertretern, den Tätern. Im Gebrauch des Gegensatzpaares Opfer versus Täter – ein Opfer ist unter anderem auch jemand, der durch einen anderen, eben den Täter, Schaden erlitten hat – positionieren auch wir uns, auch wir haben also eine Vorstellung, eine Interpretation der damaligen Ereignisse. Die in der Erforschung institutioneller Kommunikation geprägten Begriffe Klient versus Agent dürften trotz ihrer neutralen Bedeutung in der Hexenforschung obsolet sein.

Die Kassiber und Verhörprotokolle, die hier als Transkriptionen und moderne Übertragungen zur Verfügung gestellt werden, sprechen für sich: Sie sind Zeugen entgegengesetzter Wirklichkeiten, die sich auch in der unterschiedlichen sprachlichen Perspektivierung offenbaren. Im Folgenden wollen wir die Texte einführen und exemplarisch einige unterschiedliche Sichten kurz vorstellen.

2.    Geheimbriefe und Verhörprotokolle

2.1     Die Schreiberinnen und Schreiber

Johannes Junius ist 55 Jahre alt, als er im Sommer 1628 wegen Hexerei verhaftet wird. Am 30. Juni, einem Freitag, wird er erstmals gefoltert, „[w]eil er nun nichts hat bekennen wollen“. Um nach damaligem Recht das Geständnis zu erzwingen, beginnt der Henker mit der Folter, zuerst mit dem Daumenstock. Der Gerichtsschreiber, der wie üblich namentlich nicht genannt wird, protokolliert kurze Zeit später (Bamberg Protokoll, Zeile 62ff.):

„Er empfindet keine Schmerzen im Daumenstock.“

Nach den Beinschrauben verzeichnet der Schreiber:

„Er empfindet gleichermaßen keine Schmerzen.“

Schließlich wird Junius „ausgezogen und besichtigt“ (wer dies tut, erfahren wir aufgrund der Passivkonstruktion nicht), ein bläuliches, kleeblattförmiges Mal wird gefunden, und es heißt:

„Es ist dreimal hineingestochen worden, aber er hat keine Schmerzen empfunden, und es ist kein Blut herausgelaufen.“

Dass die Angeklagten in der Folter keine Schmerzen empfinden, taucht in Hexenverhörprotokollen immer wieder auf und dürfte in den meisten Fällen als konstruiert gelten (vgl. Macha/Topalović/Hille/Nolting/Wilke 2005). Auch die Geheimbriefe eröffnen uns einen anderen Blickwinkel: Von Junius erfahren wir, dass ihm im Daumenstock „das Blut zu den Nägeln und überall sonst herausdrang“ (Bamberg-Kassiber-Übertragung, Zeile 36ff.). Und als er mit dem Zug gefoltert wurde:

„Da dachte ich, Himmel und Erde gingen unter. Sie haben mich auf diese Weise sechs Mal aufgezogen und wieder fallen lassen, so dass ich einen unseligen Schmerz empfand.“

Wiederholt spricht Junius in seinem Brief an eine seiner Töchter [1] von langer, von großer, von scharfer Marter. Im Nördlinger Protokoll (Nördlingen-Protokoll) werden die Wörter “Schmerz”, “Pein”, “Marter” oder “Folter” aus Sicht des Gerichts bezeichnenderweise kein einziges Mal gebraucht (es titelt nur, dass es sich um eine güt- und peinliche Aussage handelt) – sie werden gleichsam verschwiegen. Lediglich die Angeklagte Rebecca Lemp fragt sich an einer Stelle, “wie man sie denn unschuldig so foltern könne”. Ihren Tod und damit das Waisentum ihrer sechs Kinder vor Augen, klagt sie in ihrem zweiten Kassiber (Nördlingen-Kassiber, B-9ff.) verzweifelt:

„O weh, o weh, meine armen Waisen! Vater, schick mir etwas, dass ich sterbe, ich muss sonst an der Marter verzagen. Kannst du es heute nicht, so tu es morgen.“

Die Schwere der Folter, die sie erleiden musste, wird ersichtlich, wenn wir uns ihren ersten Kassiber anschauen:

„Und sollte man mich auch unter Folter befragen, so könnte ich nichts bekennen, selbst wenn man mich in 1000 Stücke zerrisse. Sei nur ohne Sorge, ich bin bei meiner Seele unschuldig.“

Rebecca Lemp, die am 29. und 30. Juli 1590 tatsächlich trotz zweier Folterungen mit Daumenstock und Stiefeln nicht gesteht, jedoch ahnt, dass sie diese nicht mehr lange durchstehen wird, war anfangs also noch zuversichtlich, weil sie natürlich wusste, dass sie unschuldig war.

Und damit sind wir bei dem zweiten Beispiel: Die Wörter “unschuldig” und “Unschuld” sind die meist genannten Wörter in den Kassibern, die im Schnitt verglichen mit den Protokollen sehr kurz sind. Sie markieren damit auch die Wichtigkeit, die die Angeklagten gerade diesem Umstand beimessen – obwohl unschuldig, gefoltert, obwohl unschuldig, zum Tode verurteilt. Junius erster viel zitierter Satz enthält es gleich dreifach:

„Unschuldig bin ich in das Gefängnis gekommen, unschuldig bin ich gefoltert worden, unschuldig muss ich sterben.“

Eindringlich schreibt auch Sara Baumeister an ihren Mann (Osnabrück-Kassiber, Zeile 34ff.):

„Nun, mein Testament ist nichts anderes denn lauter Unschuld, Unschuld, Unschuld.“

Ihr Kassiber ist nur als Transkription aus dem 19. Jahrhundert erhalten geblieben. Dass er sogar ihren Beichtvätern vorlag, beweist eine Handschrift, zeitnah nach ihrer Hinrichtung geschrieben, in der sie auf die Inhalte ihrer Beichte und ihres Briefes eingehen. Von den Pastoren erfahren wir, dass Sara Baumeister „viermahl gepeiniget theils an fußen und handen, [und] funffmal auff den Peinböhnen gefuhret“ und entblößt worden ist und dass „ihr letztes testament ander nicht den lauter unschult, unschuldt, unschult (welches dreymahl repetirt wirdt)“ ist (vgl. Topalović 2003, 78f.).

Die Kölnerin Katharina Henot, deren Schicksal nicht nur in Romanen thematisiert wurde, sondern auch zu wissenschaftlichen Kontroversen, vor allem im Hinblick auf die Frage, wer (Mit)schuld an den Kölner Hexenprozessen im Allgemeinen und an ihrem Tod im Besonderen hatte, schreibt in ihrem zweiten Kassiber (Köln-Kassiber, B-67ff.):

„Sagt Ihrer kurfürstlichen Durchlaucht, dass Sie bedenken sollen, dass Sie von einem frommen bayrischen Geblüt sind, und Sie sollen doch ihre Hände nicht in dem unschuldigen Witwenblut waschen, damit das unschuldige Blut im Himmel nicht über Sie klage. Ach, mein frommer Herr Bruder, helft mir!“

Doch auch in den Protokollen (diese fehlen bei Katharina Henot) tauchen die Wörter „unschuldig“ und „Unschuld“ auf, allerdings fast ausnahmslos in der Aussage der Angeklagten – gut zu sehen etwa in den beiden Nördlinger Texten. Gerade die sprachlichen Wiederholungen kennzeichnen den Abschnitt als Wiedergabe von Rebecca Lemps Worten (vgl. 1000, Gott im Himmel und eben unschuldig):

Protokoll

Kassiber A

 

„sie sei so vnschuldig, alß Gott Im Himelreich lebe, ob man solchen losen leutten mehr glaubenn solt, alß Christenn, vnnd wannß 1000 solten etwas von Ir sagenn, so sey sie so wahr gott Im Himel leb, vnschuldig“

(Zeile 7ff.)

 

„wan ire 1000 auf mich bekenten so bin ich vnschuldig oder es komen alle deufel vnd zerreisen mich vnd ob man mich solt strenckhlich fragen so kent ich nix bekenen wan man mich zu 1000 stuckhen zerriße sey nur on sorg ich bin auf mein sel vnschuldig

(Zeile 1ff.)

 

Und in Kassiber B:

„ich bin so vnschuldig als got im himel“

(Zeile 4f.)

 

Ein Grund, warum aus der Perspektive des Gerichts „unschuldig“ oder „Unschuld“ kaum gebraucht wird, ist, dass die Schuld der Angeklagten i.d.R. bereits beim ersten Verhör feststeht. Es geht also nicht um die Wahrheitsfindung, um schuldig oder unschuldig, sondern um das strafrechtlich notwendige Geständnis. Geradezu prototypisch sind die ersten Zeilen in den Protokollen von Bamberg und Osnabrück (Osnabrück-Protokoll):

Osnabrück

Bamberg

 

„Nachdem Johann Baumeisters Hausfrau und die alte Speckmeyersche auf Beschluss eines ehrbaren Rates verhaftet und in den Kumpersturm gebracht worden sind, so ist dieselbe mit allem Fleiß ermahnt worden, ohne Folter zu bekennen, weil sie von so vielen Hexen besagt worden ist.“

(Zeile 6ff.)

 

 

„Mittwoch, den 28. Juni 1628,

ist Johannes Junius, Bürgermeister zu Bamberg, wegen des Verdachts der Hexerei, wie und auf welche Weise er leider in dieses Laster geraten ist, ohne Folter befragt worden.“

(Zeile 2ff.)

 

Vor allem das „fleißige Ermahnen“, doch ein Geständnis abzulegen, findet sich häufig in den Verhörprotokollen. Eine aus Sicht der Angeklagten ungemein wichtige – wohl die wichtigste – Tatsache, nämlich ihre Unschuld, wird von den institutionellen Vertretern gar nicht erst diskutiert oder in Betracht gezogen, entscheidend für sie war, dass jemand als Hexe besagt bzw. denunziert wurde (siehe auch unten).

Das Mergentheimer Protokoll, geschrieben von Johan Buechners, weicht wie auch der Kassiber von Anna Matzet gleich in mehreren Punkten von den anderen Texten ab. Hier erfahren wir nicht nur den Namen des Gerichtsschreibers, er protokolliert auch eher unüblich: So beginnt er das Verhörprotokoll nicht mit einer Ermahnung an die Angeklagte, sondern hält fest, dass Anna Matzet „hell gelacht“ hat, als sie vor den Ermittlern stand. (Mergentheim-Protokoll, Zeile 6). Er protokolliert auch zahlreiche Fragen, die Anna Matzet den Richtern stellt, ihre Emotionalität und ihre geradezu aufgeklärt anmutenden Eingaben. Es folgt ein Ausschnitt, in dem die Beiträge von uns eigens markiert wurden:

Protokoll

Anna:

Sie habe vermeint, sie müsse aus anderweitigem Anlass vor die Herrn hinauf und habe dieser Hexereisache wegen gar keine Skrupel gehabt und sich keine Gedanken gemacht. Sie fragt Herrn Georg Schneider [= einen der anwesenden Schöffen], was er denn über seine verbrannte Frau denke.

Gericht:

Darauf hat man ihr gesagt, es werde ihr so ergehen wie ihrer Schwester [= ebenfalls verbrannt], für den Fall, dass sie sich nicht gütlich vor Gericht zeigen werde.

Anna:

Man solle sie, beim Sakrament, zerreißen und zermartern lassen! Wenn man es dem Herrn Doktor so antäte, ob es dann recht wäre?

Gericht:

Nein, es wäre nicht recht, da er nicht derartig denunziert sei.

Anna:

So wenig es bei ihm recht wäre, so wenig sei es auch bei ihr recht! Es sei und es könne nicht möglich sein, dass der Teufel so viel Gewalt haben soll!

 

(Zeile 141ff.)

 

Wenn in dem Protokoll die Folter thematisiert wird, dann von der Angeklagten selbst. „Man wolle sie zerreißen, zerzerren und zermartern lassen“, wirft Anna Matzet den Verhörenden vor (Zeile 62ff.). Ihre Erregtheit über die Ungerechtigkeit wird durch die Wiederholung des Präfixes zer- noch intensiviert. Als Anna Matzet nicht gestehen will, protokolliert der Gerichtsschreiber folgende Sequenz (Zeile 171ff.):

Sie ist an den Zug gestellt und

Hierauf ist sie dem Scharfrichter

festgebunden worden.

übergeben worden.

 

Sie könne und wisse nichts,

Sie ist sehr hart aufgezogen

man solle sie herunterlassen, sie wolle

worden.

sagen, sie sei eine Hexe, auch wenn sie

 

es nicht wäre.

 

Mit Beginn der Folter zerbricht auch die Verteidigungshaltung der Angeklagten und sie gibt eins der üblichen Geständnisse ab. Der Kassiber von Anna Matzet (Mergentheim-Kassiber) zeichnet uns hingegen das Bild einer eher stillen, gottesfürchtigen, sich um ihre Kinder sorgenden Frau, die letzte Anweisungen für ihre Lieben trifft. Während sie im Protokoll noch das ihr widerfahrende Unrecht, die Inkompetenz der Richter und selbst die Straftat „Hexerei“ an sich mit starker Stimme, fluchend und argumentierend anprangert (vgl. etwa Zeile 31ff.), erwähnt sie in ihrem Brief weder ihre Unschuld, noch die Folter, noch das Unrecht – im Gegensatz zu den übrigen Kassibern. Dass sie aus dem Gefängnis schreibt, steht am Ende ihres Briefes, sie erwähnt das „neue Haus“. Und während in allen Protokollen, nicht zuletzt aufgrund der juristischen Textsorte, deren Kennzeichen auch der fachsprachliche, vor allem lateinische, Gebrauch ist, der Eindruck eines nüchternen, institutionellen ordnungsgemäßen Verfahrens vermittelt wird (schließlich stehen Gerichtsordnungen dahinter, die ermittelnden Richter werden kommissarisch gewählt, es ist ein gerichtliches Verfahren etc.), stehen die Gerichtsräume/-häuser aus Sicht der damaligen Angeklagten für das Todesurteil selbst. Anna Matzet sagt im Protokoll aus (Zeile 62ff.)

„Und es sei ihr gesagt worden, wenn ein Mensch hierher an diesen Ort komme, sei es mit ihm aus. Gotts Sakrament! So sei es eben so!“

Ähnlich auch bei Junius (Zeile 4f.), der an seine Tochter schreibt:

„Denn wer in dieses Haus kommt, der muss ein Hexer werden, oder er wird so lange gefoltert, bis er etwas erdichten muss und sich erst, Gott erbarme es, etwas ausdenken muss.“

Die von uns ausgewählten Beispiele geben einen ersten Einblick. Es sind weitere Gegensätze greifbar: etwa die Perspektivierung von Lüge oder Wahrheit (siehe etwa die Kölner Kassiber und die Osnabrücker Texte), von Recht oder Unrecht, von Gott oder Teufel u.a.m.

2.2     Herkunftsorte und Dialektgebiete

Die folgende Karte zeigt die Herkunftsorte der Geheimbriefe und Verhörprotokolle und ordnet sie den jeweiligen Dialektgebieten zu. Allerdings ist zu bedenken, dass die Schreiberinnen und Schreiber – sowohl der Geheimbriefe als auch der Verhörprotokolle – nicht alle gebürtig aus diesen Gebieten stammen und dass ihre Schreibsprache entsprechend dialektale Abweichungen zeigen kann. So stammt etwa Johannes Junius aus dem Hessischen, und Anna Matzet ist mit dem „welschen“ Peter verheiratet, d.h. dass ihr Sprachgebrauch auch andere Merkmale aufweisen könnte als ostfränkische. Dennoch bieten die Texte die Möglichkeit, sich auch mit Aspekten heutiger innerer Mehrsprachigkeit zu befassen, d.h. mit den verschiedenen Varietäten (verstanden als Sprachformen oder -ausprägungen) des Deutschen, z.B. eben mit Dialekten, ihren typischen Merkmalen, ihrem Prestige, ihrer Beliebtheit etc., aber auch mit der Frage, welche Funktion die deutsche Standardsprache hat, die in der Frühen Neuzeit erst in ihren Anfängen steckte.

 

    

 

Eine gut gestaltete Dialektkarte findet sich auch auf der Internetseite des „Ostfränkischen Wörterbuchs“. (http://www.fraenkisches-woerterbuch.phil.fau.de/)

3.    Anmerkungen

Die folgenden Unterkapitel enthalten wichtige Informationen für die Nutzung des Korpus.

3.1     Quellen

Es konnten uns leider nicht alle Archive eine vollständige Abbildgenehmigung erteilen. Das bedeutet für die LehrerInnen und andere Interessierte, dass Sie Kopien der Handschriften bei den jeweiligen Archiven anfordern sollten oder aber Sie planen, falls möglich, einen gemeinsamen Archivbesuch mit Ihren SchülerInnen ein. Da Letzteres sich auch generell anbietet, folgen zum einen die Signaturen, unter denen sich die Kassiber und Protokolle befinden, zum anderen die Adressen der Archive.

Bamberg

Staatsbibliothek Bamberg: R.B. Msc. 148, Nr. 299, 1r–5v (Protokoll), R.B. Msc. 148, Nr. 300, 1r–2v (Kassiber).


Adresse:

Neue Residenz, Domplatz 8

D-96049 Bamberg

Internet: www.staatsbibliothek-bamberg.de

E-Mail: info(at)staatsbibliothek-bamberg.de

Köln

Historisches Stadtarchiv der Stadt Köln: Mikrofilm Kö.S. II 1685 (G 187*) (1. Kassiber) und Bestand 125 Nr. 138, S. 4–6 (2. Kassiber).


Adresse:

Severinstr. 222–228

50676 Köln

Internet: www.archive.nrw.de/Kommunalarchive

E-Mail: HistorischesArchiv(at)stadt-koeln.de

Mergentheim

Staatsarchiv Ludwigsburg, Bestand B 262 Bu 98 (ohne Folioangabe) (Urgicht und Kassiber Anna Matzet)


Adresse:

Arsenalplatz 3

D-71638 Ludwigsburg

Internet: www.landesarchiv-bw.de

E-Mail: staludwigsburg(at)la-bw.de

Nördlingen

Stadtarchiv Nördlingen, Kriminalakten 1590 (ohne Folioangabe) (Kriminalakten Rebecca Lemp)


Adresse:

Marktplatz 1

86720 Nördlingen

E-Mail: stadtarchiv(at)noerdlingen.de

Osnabrück

 

Niedersächsisches Staatsarchiv Osnabrück, Dep. 3b IV Nr. 3488 fol. 205v-210v.


Adresse:

Schloßstr. 29

49074 Osnabrück

Internet: www.staatsarchive.niedersachsen.de

E-Mail: Osnabrueck(at)nla.niedersachsen.de

 

3.2    Transkriptionen

Den Transkriptionen liegen mehrheitlich Richtlinien zugrunde, die in Macha/Topalović/Hille/Nolting/Wilke 2005 entwickelt wurden. Die wichtigsten seien hier im Überblick angeführt:

  • Die Seiten werden zeilen-, jedoch nicht seitengetreu abgebildet. Seitenwechsel in der Vorlage werden durch die Angabe der Folio- oder Seitenzahl in eckigen Klammern gekennzeichnet. Im Original überlange Zeilen sind linksseitig eingerückt.

  • Die Zeilenzählung dient in erster Linie als Orientierungshilfe, insbesondere für das schnelle Auffinden der Endnoten. Leerzeilen und überlange Zeilen werden daher mitgezählt.

  • Wörter, die in der Vorlage abweichend zur Normalschrift (Kanzleikursive) in Antiqua geschrieben sind, werden kursiv wiedergegeben, Wörter in Frakturschrift werden durch Sperrung markiert.

  • In Interpunktion und Orthographie der Vorlage wird – soweit möglich – nicht eingegriffen. Ausnahme: Im Original nicht unterscheidbare Graphien für <I> und <J> werden nach heutiger Konvention wiedergegeben. Gleiches gilt für nicht unterscheidbare Groß- und Kleinschreibungen, und zwar insbesondere bei <Z/z> und <H/h>.

  • Abkürzungen werden in eckigen Klammern aufgelöst.

  • Zeitgenössische Klammern, Trenn- und Bindestriche werden zur heutigen Form vereinheitlicht.

  • Marginalien werden nicht zeilengetreu wiedergegeben.

Innerhalb der Texte gelten folgende editorische Kennzeichnungen:

[2r], [7]

Folio- oder Seitenangaben

[?]

unsichere Lesart

[!]

„Versehen“ in der Vorlage

[xxx]

Auflösung von Abkürzungen

[...]

Auslassung

<...>

unlesbare Stelle

⌈xxx⌉

marginale Ergänzung (an vorgesehener Stelle im Text eingefügt)

[INT] ⌈xxx⌉

Interlineare Einfügung

xxx

Streichung

<…>

unlesbare Streichung

 

Die Transkriptionen der Protokolle Bamberg und Mergentheim sind mit leichten Veränderungen aus Macha/Topalović/Hille/Nolting/Wilke 2005 entnommen.

3.3     Übertragungen

Bei den Übertragungen haben wir uns eng an der jeweiligen Vorlage orientiert. Angestrebt wurde eine behutsame Anpassung der Texte an das Neuhochdeutsche, die das Leseverständnis erleichtert, ohne jedoch den Charakter der Originale vollkommen aufzugeben. Es gelten folgende Richtlinien:

  • Die Übertragung erfolgt weitgehend zeilen-, jedoch nicht seitengetreu. Seitenwechsel in der Vorlage werden durch die Angabe der Folio- oder Seitenzahl in eckigen Klammern gekennzeichnet. Im Original überlange Zeilen sind auch in der Übertragung linksseitig eingerückt.

  • Hinsichtlich Orthographie und Zeichensetzung wurden die Texte den heutigen Konventionen angepasst.

  • Auch der Wortschatz ist mehrheitlich angepasst, es finden sich jedoch wenige „veraltende“ Wörter mit entsprechender Erklärung.

  • Der oft komplizierte, teils unklare Satzbau wird in vielen Fällen zugunsten eines leichteren Verständnisses vereinfacht.

  • Streichungen im Original werden bei der Übertragung ausgelassen.

  • Marginale oder interlineare Einfügungen im Original werden in der Übertragung nicht explizit kenntlich gemacht.

  • Aus heutiger Sicht elliptische Konstruktionen werden vervollständigt. Insbesondere die häufig fehlenden finiten Verbformen von haben und sein, die Form worden sowie fehlende Pronomen werden stillschweigend ergänzt. Siehe die folgenden zwei Beispiele aus dem Osnabrücker Protokoll:

 

So ist dieselbe mit allem fleiße
ver ermahnett

9

so ist dieselbe mit allem Fleiß
ermahnt worden,

in guette zubekennen weilen
Sie von so vielen

10

ohne Folter zu bekennen, weil
sie von so vielen

hexen besagett,

11

Hexen besagt worden ist.

 

 

 

[…] gibtt darauff

138

[…] Sie gibt darauf

zur andttwortt daß sie gestern
geredet, daß

139

zur Antwort, was sie gestern
geredet hätte, das

hette Sie auß großer pein
gethan

140

hätte sie aus großer Pein
getan,


Alle weiteren, das Textverständnis erleichternden Ergänzungen werden als Hinzufügungen der Herausgeberinnen durch eckige Klammern gekennzeichnet ([…]).

4.    Literaturverzeichnis

Das Verzeichnis enthält im ersten Unterkapitel eine kleine Auswahl an Sekundärliteratur, in der die historischen Hintergründe zum Teil sehr detailliert beschrieben sind und die weitergehende Recherchemöglichkeiten bietet (für die regionale Hexenforschung sei auch auf die kommentierte Bibliographie von Macha u.a. 2005 verwiesen). Mit Sternchen markierte Literaturhinweise enthalten auch Transkriptionen und/oder Übertragungen einzelner Protokolle und Kassiber aus dem hier vorgestellten Korpus. Im zweiten Unterkapitel befindet sich die in diesem Beitrag zitierte Literatur.

4.1    Sekundärliteratur zu den Korpusorten

– Bamberg –

*Behringer, Wolfgang (Hrsg.) (2001): Hexen und Hexenprozesse in Deutschland. 5. Aufl. München.

Gehm, Britta (2000): Die Hexenverfolgung im Hochstift Bamberg und das Eingreifen des Reichshofrates zu ihrer Beendigung. Hildesheim, Zürich, New York (= Rechtsgeschichte und Zivilisationsprozeß 3).

Leitschuh, Friedrich (1883): Beiträge zur Geschichte des Hexenwahns in Franken. Bamberg.

*Macha, Jürgen/Elvira Topalović/Iris Hille/Uta Nolting/Anja Wilke (Hrsg.) (2005): Deutsche Kanzleisprache in Hexenverhörprotokollen der Frühen Neuzeit. Band 1: Auswahledition. Berlin, New York.

*Parriger, Harald: Ich sterbe als ein rechter Märtyrer. Der Brief des Bamberger Bürgermeisters Johannes Junius aus dem Hexengefängnis vom 24. Juli 1628. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 1990/1: 17–34.

Renczes, Andrea (1990): Wie löscht man eine Familie aus? Eine Analyse der Bamberger Hexenprozesse. Pfaffenweiler (= Forum Sozialgeschichte 1).

Sebald, Hans (2000): Himmlers Sammlung von Hexenprozessen der frühen Neuzeit. Der Fall des Fürstbistums Bamberg. In: Sönke Lorenz u.a. (Hrsg.): Himmlers Hexenkartothek. Das Interesse des Nationalsozialismus an der Hexenverfolgung. Bielefeld. S. 177–190.

– Köln –

*Becker, Thomas Paul (1999): Henot, Katharina. Aus: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung. Hrsg. von Gudrun Gersmann, Katrin Moeller u. Jürgen-Michael Schmidt. In: historicum.net. URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/1606/ (10.07.2006)

Becker, Thomas Paul (1996): Hexenverfolgung im Erzstift Köln. In: Hexenverfolgung im Rheinland. Ergebnisse neuerer Lokal- und Regionalstudien. Bergisch Gladbach (= Bensberger Protokolle 85). S. 89–136.

*Behringer, Wolfgang (Hrsg.) (2001): Hexen und Hexenprozesse in Deutschland. 5. Aufl. München.

*Franken, Irene/Hoerner, Ina (2000): Hexen. Verfolgung in Köln. Köln.

Irsigler, Franz (1996): Zauberei und Hexenprozesse in Köln, 15.–17. Jahrhundert. In: Gunther Franz, Franz Irsigler (Hrsg): Hexenglaube und Hexenprozesse im Raum Rhein-Mosel-Saar. 2. Aufl. Trier. S. 169–179.

Kemmerich, Hetty (2003): Sagt, was ich gestehen soll. Hexenprozesse. Entstehung – Schicksale – Chronik. Dortmund.

Schwerhoff, Gerd (1996): Hexenverfolgung in einer frühneuzeitlichen Großstadt – das Beispiel der Reichsstadt Köln. In: Hexenverfolgung im Rheinland. Ergebnisse neuerer Lokal- und Regionalstudien. Bergisch Gladbach (= Bensberger Protokolle 85). S. 13–56.

Schwerhoff, Gerd (2000): Köln – Hexenverfolgungen. Aus: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung. Hrsg. von Gudrun Gersmann, Katrin Moeller u. Jürgen-Michael Schmidt. In: historicum.net. URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/1638/ (10.07.2006)

– Mergentheim –

Hexenverfolgung in Franken (2003): Hexenverfolgung in Franken: 16.–17. Jahrhundert. Quellen aus den Staatsarchiven Ludwigsburg und Wertheim, herausgegeben von den Staatsarchiven Ludwigsburg und Wertheim. Ludwigsburg.

*Macha, Jürgen/Elvira Topalović/Iris Hille/Uta Nolting/Anja Wilke (Hrsg.) (2005): Deutsche Kanzleisprache in Hexenverhörprotokollen der Frühen Neuzeit. Band 1: Auswahledition. Berlin, New York.

Wohlschlegel, Karin (2004): Deutschordenskommende Mergentheim. In: Sönke Lorenz, Jürgen Michael Schmidt (Hrsg.): Wider alle Hexerei und Teufelswerk: Die europäische Hexenverfolgung und ihre Auswirkungen auf Südwestdeutschland. Ostfildern/Stuttgart. S. 387–402.

Wohlschlegel, Karin (1995): Die letzten Hexen von Mergentheim. Auswertung der Verhörprotokolle aus den Jahren 1628 bis 1638. In: Württembergisch Franken 79, S. 41–115.

– Nördlingen –

*Behringer, Wolfgang (Hrsg.) (2001): Hexen und Hexenprozesse in Deutschland. 5. Aufl. München.

Kinzelbach, Annemarie (1999): Konstruktion und konkretes Handeln. Heilkundige Frauen im oberdeutschen Raum, 1450–1700. In: Historische Anthropologie 7, S. 165–190.

Kinzler, Sonja (2006): Hexenprozesse in Nördlingen. Aus: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung. Hrsg. von Gudrun Gersmann, Katrin Moeller und Jürgen-Michael Schmidt. In: historicum.net. URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/1641/ (10.07.2006)

Kinzler, Sonja (2003): Hexenverfolgung in Nördlingen: Strukturen und Tendenzen der wissenschaftlichen, literarischen und lokalen Rezeption (19./20. Jahrhundert). Hamburg.

*Lienert, Eva Maria/Wilhelm Lienert (1991): Die geschändete Ehre der Rebekka L. Oder: Ein ganz normaler Hexenprozeß. In: Praxis Geschichte 4, 1991, 32–37. [Als pdf-Datei unter http://www.historicum.net/themen/hexenforschung/thementexte/unterrichtsmaterialien/]

*Voges, Dietmar-Henning (1998): Nördlingen seit der Reformation. Aus dem Leben einer Stadt. München.

– Osnabrück –

Bruns, Otto (1917): Die Wirksamkeit des Bürgermeisters Dr. Wilhelm Pelzer von Osnabrück. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück 40, S. 153–280.

*Lodtmann, Friedrich (1875): Die letzten Hexen von Osnabrück. In: Mittheilungen des Vereins für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück 10, S. 97–200.

Stebel, Heinz-Jürgen (1968): Die Osnabrücker Hexenprozesse. Osnabrück. [2., unveränderte Aufl. 1997; 3., unveränderte Aufl. ohne Anmerkungen und mit ergänzten Abbildungen 2003]

*Topalović, Elvira (2003): Sprachwahl – Textsorte – Dialogstruktur. Zu Verhörprotokollen aus Hexenprozessen des 17. Jahrhunderts. Trier.

4.2    Zitierte Literatur

Köller, Wilhelm (1997): Funktionaler Grammatikunterricht. Tempus, Genus, Modus: Wozu wurde das erfunden? Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren.

Macha, Jürgen/Elvira Topalović/Iris Hille/Uta Nolting/Anja Wilke (Hrsg.) (2005): Deutsche Kanzleisprache in Hexenverhörprotokollen der Frühen Neuzeit. Band 1: Auswahledition. Berlin, New York.

Macha, Jürgen und Forschungsgruppe (Hrsg.) (2005): Deutsche Kanzleisprache in Hexenverhörprotokollen der Frühen Neuzeit. Band 2: Kommentierte Bibliographie zur regionalen Hexenforschung. Berlin, New York.

Topalović, Elvira (2007): "O du herzlieber schaz wie geschicht meinem herz". Mündlichkeit und Schriftlichkeit in historischen Geheimbriefen und Verhörprotokollen. In: Elspaß, Stephan (Hrsg.): Neue Sprachgeschichte(n). Themenheft der Zeitschrift Der Deutschunterricht.

Topalović, Elvira (2003): Zwischen Nähe und Distanz. Vertextungstraditionen im Osnabrück der frühen Neuzeit. In: Niederdeutsches Jahrbuch 126. 53–83.

Weidacher, Georg (2003): Referentielle Modalität und Perspektivierung, oder: Sollen wir uns vor Frankenstein fürchten? In: Zybatow, Lew (Hrsg.): Europa der Sprachen: Sprachkompetenz – Mehrsprachigkeit – Translation. Akten des 35. Linguistischen Kolloquiums in Innsbruck 2000. Teil I: Sprache und Gesellschaft. Frankfurt a. M. u.a.: Lang. S. 419–432.

Anmerkungen

  • [1]

    In Abb. 1 sind in Topalović (2007) bei Johannes Junius versehentlich nur die Töchter angegeben. Er hatte auch jüngere Söhne, vgl. dazu das Bamberger Protokoll (Zeile 270f.) und den Bamberger Kassiber (Zeile 155f., Marginalspalte).

Empfohlene Zitierweise

Topalovic, Elvira/Hille, Iris: Perspektivierung von Wirklichkeit(en) im Hexenprozess, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/11j/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 02.08.2007

Zuletzt geändert: 10.12.2007


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