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Müller, Andreas W.

Die Magie der Inhaltsanalyse. Entwurf einer Inhaltsanalyse für den Vergleich von Hexenprozessakten aus Rostock 1584 und Hainburg 1617/18

Die vorliegende Masterarbeit verfolgt zwei Ziele: Erstens soll der (fünfgliedrige) „elaborierten Hexereibegriff“ als Ordnungskonzept der Forschung überprüft und als Vergleichsmittel für zwei Textkorpora eingesetzt werden. Zweitens wird auf der Basis einer sozialwissenschaftlichen Methode ein Werkzeug für dieses Unterfangen entworfen. ...

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Hannes Krause

Wege nach Deutschland - Das Ausgreifen der Hexenverfolgung aus ihrem Ursprungsgebiet um 1440-1500

Wissenschaftliche Hausarbeit zur Ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien

Halle/Saale 2008

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Entstehung des Hexereideliktes, erste Prozesse und gelehrte Diskussion

    A.    Die Entstehung des Hexereideliktes
        1.     Magie, Zauberei und Hexerei
        2.     Dämonologie
        3.     Die Ketzerverfolgung
        4.     Zusammenfassung der bisherigen Entwicklung

    B.    Verbreitung des kumulativen Hexenglaubens und erste Verfolgungen

    C.    Der Prozess der Ausformulierung des elaborierten Hexenglaubens
        1.     Die Traktate
        2.     Der Formicarius des Johannes Nider
        3.     Das Baseler Konzil
        4.     Die Universitäten

III.   Die Ausbreitung der Hexenverfolgung im deutschsprachigen Teil des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation

    A.    Die Ausbreitung der Verfolgungen entlang des Rheins
        1.     Luzern
        2.     Basel
        3.     Zwischen Bodensee und Basel
        4.     Heidelberg
        5.     Elsaß, Lothringen und Luxemburg
        6.     Niederrhein
        7.     Resümee

    B.    Die Verfolgungswelle im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts in
     Süddeutschland
        1.     Die Hexenverfolgung in Süddeutschland unter besonderer
         Berücksichtigung Heinrich Kramers als Inquisitor
        2.     Heinrich Kramers Malleus Maleficarum
        3.     Resümee

    C.    Österreich
        1.     Tirol
        2.     Südtirol
        3.     Kärnten
        4.     Resümee

IV.   Zusammenfassung

V.    Quellen- und Literaturverzeichnis
    A.    Quellen
    B.    Literatur
    C.    Internet

<1>

I. Einleitung

In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die Hexenforschung stark ausdifferenziert und zu einem wichtigen Thema innerhalb der frühneuzeitlichen Geschichte entwickelt. Aufgrund der Komplexität des Themas gibt es unterschiedlichste Forschungsrichtungen, die zur Erklärung des „Phänomens“ Hexenverfolgung beitragen sollen. [1] Besonders an den Anfängen der Hexenverfolgungen hat sich in den letzten Jahren ein stärkeres Interesse herausgebildet. So wurden 1999 die frühesten Traktate, die Hexerei behandeln, einer kritischen Edition unterzogen und ins Französische übersetzt. Verschiedene Forscher beschäftigten sich mit der Dämonologie und der Veränderung des Weltbildes im ausgehenden Mittelalter. Zuletzt wurde der Hexenhammer in einer kommentierten Neuübersetzung ins Deutsche herausgegeben. Diese Arbeiten haben vor allem zum Verständnis der geistigen Entwicklungen beigetragen, die zur Herausbildung des Hexereideliktes führten. Durch die Schwerpunktverlagerung der Forschung von allgemeinen Erklärungsversuchen hin zu kleinen Lokalstudien, die die Verfolgungen innerhalb eines Ortes oder einer begrenzten Region möglichst genau nachvollziehen und erklären wollen, sind in den letzten Jahren viele neue Hexenprozesse auch für das 15. Jahrhundert entdeckt worden. [2] Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass man heute wesentlich mehr über die Frühphase der Hexenverfolgung weiß, als dies noch vor zwanzig Jahren der Fall war.

In dieser Arbeit möchte ich auf der Grundlage dieser neuen Erkenntnisse nachvollziehen, wie die Hexenverfolgung, nachdem sie in den Westalpen entstand, nach Deutschland gelangte. Der Begriff Deutschland ist für diese Zeit, als das Heilige Römische Reich deutscher Nation noch Territorien umfasste, die auf italienischem und französischem Boden lagen, etwas irreführend und bedarf näherer Erklärung: Gemeint ist nur der deutschsprachige Teil des Reiches ohne die nachmalige Schweiz.

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Ich habe diese Arbeit in zwei Hauptteile untergliedert. Im ersten Teil werde ich, um mich dem eigentlichen Gegenstand meiner Untersuchungen zu nähern, im ersten Kapitel zunächst die Ursprünge und die Entstehungsphase der Hexenverfolgung beschreiben. Das scheint mir wichtig zu sein, weil die Entwicklungen, die zur Herausbildung des Hexenglaubens und zur Verfolgung geführt haben, nicht nur im Entstehungsgebiet wirksam waren, sondern letztlich das gesamte westliche Europa betrafen. Zunächst, soviel soll hier schon gesagt sein, breitete sich lediglich der Hexenglauben bzw. das Wissen über die Hexen aus und zwar nur in gelehrten Kreisen. Die gelehrte Diskussion über Hexerei und die darauf folgende Ausbreitung des Hexenglaubens werde ich im zweiten Kapitel darstellen.

Im zweiten Teil werde ich anhand von Regionalstudien und Überblicksdarstellungen die Ausbreitung und den Verlauf – die Wege - der Hexenverfolgungen im Untersuchungsgebiet nachzeichnen. Dabei habe ich eine zeitliche und räumliche Untergliederung vorgenommen, da sich die Verfolgungen nicht überall gleichzeitig und auf die gleiche Weise vollzogen haben. In diesem Zusammenhang möchte ich herausfinden, ob innerhalb des Untersuchungsgebietes abgrenzbare Prozessregionen entstanden und ob sich bestimmte Prozesstraditionen herausbildeten. Ich möchte feststellen, ob es bestimmte Ausstrahlungsherde gab, von denen die Hexenverfolgungen einer ganzen Region beeinflusst wurden. Auch werde ich mich mit einzelnen Personen beschäftigen, besonders mit dem Inquisitor Heinrich Kramer, der für die Hexenverfolgung in Südwestdeutschland eine tragende Rolle gespielt hat. Schließlich werde ich darauf eingehen, ob und wie sich die Hexenverfolgung innerhalb des Untersuchungszeitraumes auf die Berücksichtigung des Hexereiverbrechens im Rechtswesen auswirkte.

Die Hexenforschung geht heute davon aus, dass die Vorstellung von einer neuen teuflischen Hexensekte etwa um die Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert entstand. Dies lässt sich aus verschiedenen Quellen der päpstlichen Kurie und überlieferten Inquisitionsprozessen schließen, auf die ich später näher eingehen werde. Zunächst werde ich der Frage nachgehen, weshalb es überhaupt zur Herausbildung dieses neuen Hexereideliktes kam. Deshalb werde ich zu Beginn dieser Arbeit die magischen Vorstellungen der spätmittelalterlichen Gesellschaft untersuchen. Die Erkenntnisse über diese Vorstellungen werden auch für den Hauptteil dieser Arbeit, die Untersuchung der Ausbreitung des Hexenglaubens, eine Rolle spielen, da, wie wir sehen werden, die Übernahme dieser neuen Vorstellungen nur in einer Gesellschaft möglich war, in der bereits magische Vorstellungen
existierten.

II. Entstehung des Hexereideliktes, erste Prozesse und gelehrte Diskussion

A. Die Entstehung des Hexereideliktes

1. Magie, Zauberei und Hexerei

Den Glauben an die Wirksamkeit von übernatürlichen Kräften und an die Möglichkeit, sich diese nutzbar zu machen, gab es zu allen Zeiten überall auf der Welt. Niklaus Schatzmann unterscheidet dabei drei Ebenen: Magie, Zauberei und Hexerei. Unter Magie versteht er die Beeinflussung der Umwelt durch schützende Amulette, Glück bringende Beschwörungen oder Rituale und eine mit magischen Formeln versetzte Kräuter- und Heilkunde. Die Magie, so Schatzmann, diente den Menschen in einer Umwelt, deren unerklärlichen Einflüssen sie sich oft hilflos ausgeliefert sahen, Ängste und psychische Spannungen auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Magische Praktiken konnten von jedermann (und -frau) ausgeführt werden. Es handelte sich dabei vor allem um weiße, also Heil bringende Magie, im Gegensatz zur schwarzen Magie, die in der Vorstellung der spätmittelalterlichen Gesellschaft unterschiedlichste Arten von Unheil hervorrufen konnte. [3] Heide Dienst bemerkt zum Schluss ihrer Untersuchung über die magischen Praktiken von Angeklagten eines vom Inquisitor und Autor des berüchtigten Hexenhammers Heinrich Kramer (Institoris) in Innsbruck angestrengten Hexenprozesses, dass Magie im spätmittelalterlichen Innsbruck zum Alltag gehörte. Mit Magie habe jeder zu tun gehabt, vom Erzherzog angefangen bis zum letzten Tagelöhner. [4]

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Heide Dienst unterscheidet jedoch nicht zwischen Magie, die von jedermann betrieben werden konnte und Zauberei, die laut Schatzmann eine andere Qualität habe als die „Allerweltsmagie“. Anders als die Magie setze die Zauberei eine zu ihr befähigende Begabung voraus. [5] Die traditionelle Zauberei ergebe sich aus der Möglichkeit der Hinzuziehung außerweltlicher Kräfte. Dies könne sowohl zum Guten (Wahrsagerei, Heilkunde, Traumdeutung) geschehen, als auch zum Bewirken von Krankheiten, Tod, Unwettern und anderen Schäden. Diese schlechten Wirkungen, die allgemein mit dem Wort Schadenzauber (lateinisch: maleficium) beschrieben werden, bilden das wichtigste Element im Hexenstereotyp. Bevor dieses sich herausbildet hatte, wurde Schadenzauber durch die mittelalterlichen Gerichte zumeist wie ein weltliches Verbrechen geahndet. Bestraft wurde nicht das Mittel (die Zauberei), sondern die angebliche Verursachung des Schadens durch die Zauberei. [6]

Frauen sind eher mit zauberischen Fähigkeiten in Verbindung gebracht worden als Männer. Heide Dienst bemerkt bei ihren Untersuchungen zu den Innsbrucker Prozessen, dass die Kunst der Magie eine Domäne der Frau gewesen zu sein scheint. [7] Die Lokalisierung zauberischer Fähigkeiten bei Frauen wird als eine Ursache für den überproportionalen Anteil von Frauen unter den Opfern der Hexenverfolgung betrachtet. Die These, die Hexenverfolgung sei eine gezielte, durch die Kirche und andere herrschende Eliten inszenierte Frauenverfolgung insbesondere Hebammenverfolgung gewesen, wurde von der seriösen Hexenforschung nie geteilt und seit ihrer Publizierung schon häufig widerlegt. [8] Man kann aber für das späte Mittelalter von einer allgemeinen Geringschätzung bzw. Verachtung der Frau sprechen. In der Gesellschaft hatten Frauen einen schlechten sozialen Status [9], und in der gebildeten (geistlichen) Elite wurden Frauen überwiegend als einfältig, leichtgläubig und habgierig betrachtet, was sie in deren Augen besonders anfällig gegenüber den Verführungskünsten des Teufels machte. Zwei Beispiele für dieses Frauenbild der geistlichen Elite sind die Ausführungen im Formicarius des Johannes Nider und im Malleus Maleficarum von Heinrich Kramer. Letzterer spiegelt eine extreme Form des Frauenhasses seines Autors wider. [10] Mit dem schlechten sozialen Stand und der verbreiteten Misogynie sind hier zwei weitere Faktoren für den hohen Frauenanteil bei den Opfern der Hexenverfolgung genannt.

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Die Herausbildung des dritten Begriffs der von Schatzmann verwendeten Dreigliederung, der Hexerei, erfolgte in einem sich insgesamt über mehrere Jahrhunderte erstreckenden Prozess. Am Ende dieses Prozesses stand der so genannte kumulative Hexenbegriff. Demnach war die Hexe vornehmlich durch fünf Elemente charakterisiert: Durch einen Pakt mit dem Teufel (1.), der durch die Buhlschaft mit dem Teufel (2.) besiegelt wurde, diese fand in der Regel auf dem Hexensabbat (3.) statt, zu dem die Hexe durch den Flug durch die Luft (4.) gelangte. Dies alles tat die Hexe vor allem, um durch den Teufel die Befähigung zum Schadenzauber (5.) zu erlangen. [11] Der wesentliche Unterschied zwischen Hexerei und traditioneller Zauberei ist also das Hinzutreten des Teufels. Zudem wurden Hexen nicht als Einzeltäter betrachtet, sondern als Mitglieder einer Sekte, die sich auf den erwähnten Sabbaten traf, und die sich zum Ziel gesetzt hat, unter der Führung des Teufels das Christentum zu zerstören. Außer diesen fünf wichtigsten Merkmalen der Hexerei gab es noch zahlreiche andere Vergehen, die den Hexen zur Last gelegt wurden. Dazu gehörten: Ritueller Kindsmord, häufig mit anschließendem Kannibalismus, Herstellung von zum Fliegen befähigenden Salben, Giften und anderen Zaubermitteln aus dem Fett und der Asche der Kinder, sexuelle Unzucht nicht nur mit dem Teufel oder Dämonen, sondern auch untereinander und mit Tieren. Diese Aufzählung ließe sich noch fortsetzen durch verschiedenste abscheuliche Verbrechen, die die Hexen angeblich begangen haben sollen und die die Angeklagten unter der Folter in der Regel auch gestanden.

Die den angeblichen Hexen in den Prozessen zur Last gelegten Verbrechen gleichen bis auf den Schadenzauber in vielen Details denen in Ketzerprozessen. Auch diesen Anhängern verschiedener von der Orthodoxie der Katholischen Kirche abweichender christlicher Gruppierungen wurde Teufelsanbetung, in dunklen Kellern veranstaltete Orgien, Kannibalismus, Hostienschändung etc. vorgeworfen. [12] Man weiß heute, dass das kein Zufall ist. Vielmehr ist der Hexenprozess aus einer Verschmelzung von Ketzerprozessen mit Zaubereiprozessen hervorgegangen. Die Ketzerverfolgung unterstand von Anfang an ausschließlich der Inquisition der Katholischen Kirche. Schadenzaubereidelikte wurden, wie oben bereits erwähnt, vor allem durch weltliche Gerichte verfolgt. Dennoch setzten sich die christlichen Gelehrten schon lange mit Zauberei auseinander, und zwar im Zusammenhang mit der Dämonologie.

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2. Dämonologie

Die christliche Beschäftigung mit Dämonen baut auf der spätantik-neuplatonischen Kosmologie auf. Diese besagt hinsichtlich der Dämonologie sehr verkürzt dargestellt Folgendes: Alle ähnlichen Dinge und Verhältnisse hätten Wirkungen aufeinander, sie seien sympathetisch. Alles Dingliche habe einen sympathetischen Gegenpart in den Engeln, Dämonen und Heroen, die als Dreiheit zwischen den Göttern und den Menschen stünden und als Verbindungsglieder zwischen dem Göttlichen und dem Irdischen dienten. Wer Kenntnisse darüber habe, welchen Engeln, Dämonen und Heroen die irdischen Dinge und Lebewesen jeweils sympathisch oder antipathisch seien, und wer die wahren Namen dieser Zwischenwesen kenne, der könne sie in seine Dienste zwingen und somit, in neuplatonischem Sinne, zaubern. [13]

Die frühchristliche Modifikation dieser Kosmologie wurde durch den Kirchenvater Augustinus (354-430) vorgenommen. Für ihn waren die Dämonen gefallene Engel. Diese versuchten die Menschen zu täuschen, um von ihnen wie Götter verehrt zu werden. Sie hausten, so Augustinus, in der Luft. Dadurch könnten sie sehr schnell den Ort wechseln und auch in Menschen eindringen, um sie zu quälen und ihnen Trugbilder vorzugaukeln. Sie hätten größere Kenntnisse und schärfere Sinne als die Menschen, was sie dazu befähige, diese zu täuschen. Sie hätten die Zauberei erfunden. Dabei sei einiges bloße Täuschung, da die Dämonen aufgrund ihrer schärferen Sinne gewisse Dinge früher wahrnähmen als die Menschen. So könnten sie das, was sie schon voraussähen, als von ihnen selbst bewirkt darstellen. Teilweise war sich Augustinus aber nicht sicher, ob Wunder von den Dämonen bloß vorgetäuscht oder tatsächlich bewirkt würden. Insgesamt wurden die Dämonen in der christlichen Tradition negativ umgedeutet, ihre Macht aber nicht bezweifelt. [14]

Um sich mit den Dämonen zu verständigen, müsse man, laut Augustinus, mit diesen einen „Kommunikationsvertrag“ abschließen. Mit Dämonen Verträge abzuschließen, sei aber nichts anderes als Dämonenkult und Götzendienst. Hier wird Zauberei als „Sprechen“ mit den Dämonen bereits als unchristliche Handlung gebrandmarkt. Augustinus bezog sich dabei unter anderem auf abergläubische Bräuche und die Verwendung von Amuletten. Auf jeden Fall setzte er einen bewussten Vertrag zwischen Mensch und Dämon voraus. [15]

Der in der Scholastik wie Augustinus ebenfalls als Autorität geltende dominikanische Philosoph Thomas von Aquin (1224/25-1274) legte Augustinus’ Dämonologie strenger aus. Er sagte, jeder Superstitiose könne mit den Dämonen kommunizieren (also Zauberei betreiben), ohne einen bewussten Vertrag mit diesen einzugehen. Indem dieser davon ausgehe, dass seine abergläubischen Handlungen wirkten, also von den Dämonen verstanden würden, gehe er bereits einen, wenn auch unbewussten, Vertrag mit den Dämonen ein. Ein Pakt mit den Dämonen bestehe, egal ob man zauberische Handlungen bewusst oder unbewusst durchführe. Diese strenge Auslegung führte dazu, dass Aberglauben und der Gebrauch abergläubischer Mittel für die Gelehrten des späten Mittelalters zu einer unheimlichen Bedrohung wurden.

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Neben dieser in der Zauberei begründeten Teufelspakttheorie entwarf Augustinus auch die Grundvoraussetzungen für die Annahme eines Teufelskults. Als zeichenhaftes Tun zwischen Mensch und Dämon sei Zauberei einem Sakrament vergleichbar. Somit könnten Zaubermittel als Sakramente der Dämonenverehrung aufgefasst werden. Habe das Sakrament Kirchen bildende Kraft, so gelte dies auch für abergläubische Zeichen oder Zaubermittel: Der praktizierende Superstitiose oder Zauberer konstituiere sich durch seine magischen Handlungen als Mitglied in einer dämonischen Kirche. [16]

Trotz dieser recht bedrohlich klingenden Auslegung von Zauberei und superstitiosem Handeln ging die Kirche mit Personen, die sich dieser Vergehen schuldig machten, vergleichsweise milde um. Der Grund hierfür ist der Canon Episcopi. Ursprünglich ein Kapitel in einem Handbuch für kanonisches Recht, das 906 von Regino von Prüm für das Erzbistum Trier verfasst wurde, gelangte er über mehrere andere Kirchenrechtssammlungen in Gratians Decretum und wurde so Bestandteil des allgemeinen Kirchenrechts. Man geht heute davon aus, dass Regino im Canon Episcopi zwei Texte zusammengefasst hat. [17]

Der erste Abschnitt behandelt die Kunst der Wahrsagerei und Zauberei, die als eine teuflische Erfindung sowohl von Männern als auch von Frauen ausgeführt werden könne. Solche Männer und Frauen solle man „schändlich entehrt aus [den] Pfarreien vertreiben“. Dieser Teil stammt vermutlich aus einem fränkischen Kapitularium des 9. Jahrhunderts. [18] Im zweiten Abschnitt des Kapitels, der vermutlich von Regino selbst stammt, geht dieser (ausschließlich) auf Frauen ein, die verführt und verblendet durch den Teufel meinen, sie würden in manchen Nächten unter der Führung der heidnischen Göttin Diana gespensterhafte Flüge auf „irgendwelchen Tieren“ unternehmen. Er bezeichnet diese Flüge ausdrücklich als nicht real und als Wahnvorstellungen der betreffenden Frauen. Wer daran glaube, der habe den rechten Glauben an Gott verloren und gehöre nicht zu ihm, „sondern zu dem, an den er glaubt, das heißt zum Teufel“. Wer glaube, dass etwas geschaffen werden könne, „oder daß ein Geschöpf zum Besseren oder zum Schlechteren verändert oder in eine andere Gestalt oder Erscheinung umgewandelt werden kann, außer vom Schöpfer selbst, […], der ist ohne Zweifel ein Ungläubiger.“ [19]

Der Canon Episcopi regelt hier drei Dinge, die der Entwicklung des kumulativen Hexenbegriffs und der Hexenverfolgung zunächst im Wege standen: 1. Frauen und Männer, die Wahrsagerei und Zauberei betreiben, sollten lediglich entehrt und aus den Pfarreien vertrieben werden; von Verbrennung ist hier nicht die Rede. 2. Es wird die Realität des nächtlichen (Hexen-)Flugs geleugnet, und 3. Es wird dem Teufel jegliche reale Macht abgesprochen. Aufgrund des Canon Episcopi wurden also nicht diejenigen bestraft, die den (Hexen-)Flug angeblich begangen haben, sondern diejenigen, die an dessen Realität glaubten.

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Auch als der Hexenglaube sich im 15. Jahrhundert durchzusetzen begann, gab es noch viele Kritiker, die oftmals zwar die Verfolgung von Hexen befürworteten, aber die Realität des Hexenflugs und die Macht des Teufels mit Verweis auf den Canon Episcopi bestritten. So forderte Ulrich Molitoris in seinem 1489 beendeten Tractatus…de lamiis et phitonicis mulieribus zwar die Todesstrafe für Hexen. Allerdings nicht wegen des Schadenzaubers, den er ebenso wie den Hexenflug für eine Einbildung der Hexen hielt, sondern für den Teufelspakt, den diese Frauen eingingen, im Glauben dadurch zu Zauberei und Flug befähigt zu werden. [20]

Auch wenn Molitoris noch an der Auffassung festhielt, wie sie im Canon Episcopi formuliert ist, zeigt sich in seiner Forderung der Todesstrafe dennoch ein strengerer Umgang mit dem Delikt des Glaubensirrtums (denn das waren die abergläubischen Handlungen der angeblichen Hexen eigentlich). Schließlich forderte der Canon Episcopi lediglich Kirchenbuße und Ausweisung zur Bestrafung solcher Delinquenten.

3. Die Ketzerverfolgung

Der Umgang der Kirche mit Häretikern änderte sich ab der Mitte des 13. Jahrhunderts. Während die Kirche bis dahin versucht hatte, Andersdenkende zu widerlegen, sind für die folgende Zeit kaum noch polemisierende Traktate nachweisbar, sondern zunehmend die Glaubensgegner etikettierende und ihre Irrtümer katalogisierende inquisitorische Handbücher. Zu dieser Zeit kam es im Reich immer häufiger zu Ketzerprozessen. Die Opfer dieser Prozesse können aus heutiger Sicht unterschiedlichen häretischen Gruppen zugeordnet werden, von der zeitgenössischen Kirche wurden aber alle einem Luziferkult zugerechnet [21].

Ein wichtiger Grund für diese Zuspitzung ist die Einführung des Inquisitionsverfahrens. Diese aus dem römischen Recht stammende und von der Kirche Anfang des 13. Jahrhunderts wieder eingeführte Prozessform diente zunächst der Verfolgung und Überführung von Häretikern. Zentrale Unterschiede zum bis dahin gängigen Akkusationsverfahren waren die Vereinigung der Funktionen von Ankläger, Untersuchungsrichter und Richter in einer Hand, die Klärung des Sachverhalts durch Zeugenbefragung (inquisitio) und die Würdigung des Indizienbeweises, außerdem die Schriftlichkeit und Nichtöffentlichkeit des Verfahrens. Was zunächst nach einer Verbesserung der Prozesspraxis klingt, hatte für die Ketzer- und später die Hexenverfolgung jedoch dramatische Folgen. Der durch Papst Gregor IX. als processus extraordinarius festgeschriebene Inquisitionsprozess sollte den Verfolgern als Instrument zur Bekämpfung des Ausnahmeverbrechens (crimen exceptum) der Ketzerei weitreichende Möglichkeiten zu deren Aufdeckung geben. Der Ankläger des Akkusationsverfahrens wurde zum Denunzianten, der keine Risiken mehr trug, da seine Klage vom Gericht übernommen wurde. Im Akkusationsprozess konnte der Kläger noch selbst bestraft werden, wenn sich herausstellte, dass der Angeklagte unschuldig war. In Bezug auf Hexenprozesse heißt das, dass Denunziationen viel häufiger und leichtfertiger begangen wurden, als dies beim Akkusationsprozess der Fall gewesen ist. Außerdem sah das Inquisitionsverfahren für den Fall, dass die Angeklagten trotz belastender Zeugenaussagen nicht geständig waren, die Folter vor. [22] Dies führte zu einem verhängnisvollen Teufelskreis: Die den Häretikern typischerweise unterstellten Verbrechen wurden unter der Folter irgendwann von fast jedem Angeklagten „gestanden“. Durch die Schriftlichkeit der Verfahren erhielten die Geständnisse vom Teufelspakt und den anderen ketzertypischen Verbrechen den Rang von Tatsachen. [23] Nach dem kirchlichen Vorbild fand das Inquisitionsverfahren unter Kaiser Friedrich II. (1212-1250) kurz darauf Eingang in das weltliche Recht, so dass im Laufe des 13. Jahrhunderts die Tortur auch im weltlichen Strafprozess immer häufiger zum Einsatz kam. [24]

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Mit der Bulle Vox in rama Papst Gregors IX. von 1233 habe, so Tschacher, der Typus des unzüchtigen, idolatrischen Häretikers als festem Stereotyp der inquisitorischen Ketzerverfolgung seinen Anfang genommen. Größere Ketzergruppen seien fortan nicht mehr allein als religiöse Abweichler, sondern vorrangig als eine Sekte ruchloser Teufelsdiener betrachtet worden, die sich gegen Gott, Kirche und Gesellschaft verschworen hätten, um die Christenheit zu unterwandern und zu vernichten. Daher rühre auch der veränderte Umgang mit den Häretikern, denn indem in ihnen Satansdiener gesehen wurden, habe es sich erübrigt, mit ihnen zu streiten. [25]

Angesichts der zunehmenden Bedrohung durch neue Ketzerbewegungen verschärfte die Kirche ihre Verordnungen und wurde dabei auch durch Landesfürsten unterstützt. In der Folge wurde auch Zauberei zunehmend als ein streng zu bestrafendes Ketzereidelikt betrachtet. Die Treuga Henrici von 1224 sei, so Claude Lecouteux, das erste deutsche Gesetz gewesen, das jeden Zauber unter Strafe gestellt habe und Zauberei grundsätzlich für Ketzerei gehalten habe. [26] Aufgrund der Verschärfung der Zaubereigesetze kam es im 13. und 14. Jahrhundert schon vereinzelt zu Hinrichtungen von angeklagten Zauberern. Dabei handelte es sich zwar noch nicht um echte Hexenprozesse, durch die Verbindung zur Ketzerei erhielten diese aber schon eine andere Qualität. [27]

Seit Beginn des 15. Jahrhunderts ließen sich, so Tschacher, solche Feindbildkonstruktionen und Verschwörungstheorien wie die der Luzifersekte in nochmals gesteigerter Qualität nachweisen. Dabei seien bislang getrennte Feindbilder zu ganzen Ketten von Verschwörergruppen miteinander verbunden worden, besonders auch von Universitätstheologen und gelehrten Mönchen. So stellt Tschacher für große Teile der geistigen Elite des ausgehenden Mittelalters eine regelrechte „Belagerungsmentalität“ fest. [28]

Diese Verkettung verschiedener Feindbilder zu einem neuen lässt sich auch bei der Bulle Alexander V. von 1409 an den franziskanischen Inquisitor für Savoyen Ponce Feugeyron [29] erkennen. In ihr wird vom Auftreten christlicher und jüdischer Wahrsager, Dämonenbeschwörer und Zauberer berichtet, außerdem von neuen Sekten und verbotenen Riten, die von einigen Christen und ungläubigen Juden erfunden worden seien. Worum es sich dabei genau handelt, bleibt im Dunkeln. In der Forschung wird jedoch angenommen, dass es sich um die erste Erwähnung der neuen Hexensekte in den überlieferten Quellen handelt. [30]

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4. Zusammenfassung der bisherigen Entwicklung

Zur Zeit der Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert herrschte innerhalb der kirchlichen Eliten ein sehr düsteres Weltbild vor. Man fühlte sich von Ketzersekten bedroht, die nur vordergründig eine von der katholischen Lehre abweichende Meinung verträten, in Wirklichkeit jedoch den Teufel verehrende, die christliche Gemeinschaft zerstörende Luzifersekten seien. Zu diesen Teufelsbündlern wurden zunehmend auch Menschen gerechnet, die sich der Zauberei schuldig machten. Die Kirche trennte dabei grundsätzlich weder zwischen schwarzer und weißer Magie, noch zwischen einfachen abergläubischen Handlungen und bewusster Zauberei. Letztendlich sei alles auf einen Teufelspakt zurückzuführen. Dennoch wurden bis zu dieser Zeit kaum Menschen wegen Zaubereidelikten hingerichtet. Ein wichtiger Grund dafür ist der Canon Episcopi, der als Teil des allgemeinen Kirchenrechts Zauberei relativ milde mit Kirchenbuße und Ausweisung bestrafte und den Flug durch die Luft als Phantasie verblendeter Menschen betrachtete. Dies änderte sich, als der Zaubereiprozess mit dem Ketzerprozess verschmolzen wurde. Mit diesem Entwicklungsschritt werde ich mich im nächsten Kapitel beschäftigen.

B. Verbreitung des kumulativen Hexenglaubens und erste Verfolgungen

Die Zeugnisse über die ersten Prozesse gegen die Hexensekte gelten als verloren, weshalb die Ursprünge nach wie vor unbekannt bleiben. [31] Dennoch lässt sich anhand des bekannten Materials recht gut die Entwicklung zum Hexenprozess nachvollziehen. Nachdem Andreas Blauert 1989 mit seiner Dissertation zu den ersten Hexenverfolgungen in der nachmaligen Schweiz der regionalen schweizerischen Forschung zu diesem Thema neuen Schwung verliehen hatte, gelangte diese zu zahlreichen neuen Erkenntnissen. Blauert ging noch davon aus, dass es in der ersten Hälfte des 15. Jahrhundert zwei Prozesslandschaften gegeben hat.

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In der einen sei das „französische Konzept“ der Hexenverfolgung vertreten worden, das aus der gelehrten Hexenlehre erwachsen sei, die aufgrund der scholastischen Dämonologie die Verfolgung von Zaubereidelikten mit der Ketzerverfolgung verband und den Teufelspakt ins Zentrum der Anklage stellte. Diese Prozesslandschaft umfasse die Dauphiné, Savoyen und die spätere französischsprachige Schweiz. [32] Die andere Prozesslandschaft sei in der Zentralschweiz, in der Gegend um Luzern zu lokalisieren. Hier seien die Hexenprozesse aus Zaubereiprozessen entstanden und wenig durch die gelehrte Hexenlehre des französischen Konzepts beeinflusst gewesen. So sei dort der Vorwurf der Hexerei zunächst inhaltlich auch nicht weiter definiert gewesen. [33] Der Begriff Hexe hatte im alemannisch-süddeutschen Raum seinen Ursprung. Mit Beginn des 14. Jahrhunderts setzte er sich hier langsam durch. [34] Die Hexenprozesse in der Region zwischen Basel und Luzern zeichneten sich dadurch aus, dass die Angeklagten nicht mehr als Zauberinnen oder ähnliches bezeichnet wurden, sondern als Hexen und dass ihre Verbrechen nun häufig mit dem Tod durch Verbrennen bestraft wurden. Der Vorwurf des Teufelspaktes taucht in den Prozessakten in dieser Region seit der Mitte des 15. Jahrhunderts immer häufiger auf. Blauert nahm an, dass die beiden Prozesslandschaften um die Mitte des 15. Jahrhunderts aufgrund der Rezeption des französischen Konzepts in der östlichen Prozesslandschaft zusammenwuchsen. [35]

Weitere Forschungen sind zu dem Schluss gekommen, dass unter anderem aufgrund der deutsch-romanischen Sprachgrenze die Rezeption des gelehrten Konzeptes noch nicht so früh bzw. gar nicht erfolgte, sondern zumindest während des Mittelalters die unterschiedlichen Prozesstraditionen nebeneinander existierten. Außerdem ist durch die Arbeiten von Niklaus Schatzmann eine weitere eigenständige frühe Prozesslandschaft in der Leventina „entdeckt“ worden. Deshalb halten Modestin und Utz-Tremp es für sinnvoll, für das Gebiet der heutigen Schweiz von drei verschiedenen Prozesslandschaften auszugehen: einer östlichen (Gebiet um Luzern), einer südlichen (Leventina) und einer westlichen (Gebiet am Genfer See und der nördlich daran anschließenden Region) [36]

Für diese Arbeit ist zunächst die westliche Prozesslandschaft interessant, da dort der elaborierte Hexenbegriff entstand. Zu dieser gehörte neben der nachmaligen französischen Schweiz das gesamte Herzogtum Savoyen, das die südwestalpinen Gebiete zwischen Rhônetal, Genfer See und der Poebene umfasste, und die Dauphiné im heutigen Südwestfrankreich. Diese Region war im ausgehenden 14. Jahrhundert ein Rückzugsgebiet verschiedener durch die Inquisition verfolgter Gruppen. Hier lebten sowohl Anhänger verschiedener häretischer Sekten, wie die der Waldenser und der Katharer, als auch seit den Vertreibungen aus Frankreich 1322/23 viele Juden. [37] Bereits Hansen hat auf einen Prozess aufmerksam gemacht, der 1387/88 in Pinerolo stattgefunden hat. Dieser habe in synkretistischer Weise katharische und waldensische Glaubensvorstellungen bzw. gegen diese Glaubensgruppen erhobene Vorwürfe miteinander vermischt. Er habe sich durch Vorstellungen vom Synagogenbesuch [38] und von dort stattfindenden Orgien ausgezeichnet, die für den Hexenglauben konstitutiv werden sollten. [39] Es gilt heute als erwiesen, dass vor allem die Tradition der Waldenserverfolgung dieses Gebiet zu einer einheitlichen Prozesslandschaft mit vergleichbaren Konzepten des Hexenglaubens zusammenwachsen lassen hat.

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Sehr gut erkennbar ist die Vermischung von Ketzer- und Zaubereiprozessen bei dem dominikanischen Inquisitor Ulric de Torrenté. 1429 führte er in Fribourg Prozesse gegen Personen aus dem Umland der Stadt, die zwar als Waldenser bezeichnet wurden, tatsächlich aber wegen eher diffuser Anklagepunkte vor Gericht gestellt wurden, in denen auch Malefizien eine Rolle spielten. Während des Folgeprozesses 1430 wurden Waldenser erstmals mit einem Teufelspakt in Verbindung gebracht. 1438 führte Torrenté in Dommartin und 1439 in Neuchâtel (beides nördlich von Lausanne) Prozesse, in welchen Teufelspakt, Sabbat, Kannibalismus und Schadenzauber miteinander verknüpft wurden. [40] Bis auf den Hexenflug ist damit um 1440 in der Gegend um den Genfer See ein fast vollständiges Hexenbild fassbar. Das Verbrechen wurde nach wie vor Waldenserei (vouderie) und die Angeklagten Waldenser (voudesies) genannt. Dies zeigt, dass der Hexenprozess nicht als eine neue Form des Inquisitionsprozesses geschaffen wurde, sondern gleichsam schleichend aus den Waldenserprozessen entstand.

Aus der Region sind zahlreiche Akten von frühen Hexenprozessen erhalten. Durchgeführt wurden diese nicht nur von der kirchlichen Inquisition, die in Savoyen neben den Dominikanern auch von den Franziskanern ausgeübt wurde. Von Anfang an wurden Hexenprozesse auch von weltlichen Gerichten geführt. Der Grund für das Interesse der weltlichen Gerichte an der neuen Hexensekte scheint darin gelegen zu haben, dass mit der Durchführung der in die Blutgerichtsbarkeit fallenden Hexenprozesse der Herrschafts- bzw. Besitzanspruch der das Gericht stellenden Institution untermauert werden konnte. [41] So habe der Oberrichter der Dauphiné die Führung von Hexenprozessen an sich gerissen, um die Zentralgewalt des Dauphins zu stärken, dem er direkt unterstand. [42] In Fribourg führte die Stadt 1437-1442 selbständig Inquisitionsprozesse gegen Hexen durch, nachdem die vorhergehenden Waldenser- (1399) bzw. Hexenprozesse (1429/30) noch unter Leitung von kirchlichen Inquisitoren stattgefunden hatten. Die Stadtväter hatten offenbar erkannt, dass sich Inquisitionsprozesse gut dafür eignen, die territorialen Expansionsansprüche zu untermauern. [43] Auch in Savoyen (seit 1416 Herzogtum) sollen die Hexenprozesse der Stärkung der zentralistischen Staatsgewalt gedient haben. So soll Herzog Amadeus VIII. die Angst vor Hexen bewusst geschürt haben, während er gleichzeitig die Hexenverfolgung in seinen Kompetenzbereich überführt habe. [44]

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Diese sehr frühe Instrumentalisierung trug stark zur Verbreitung des Hexenglaubens bei. Wie in Bezug auf Savoyen gerade erwähnt, wurde die Angst vor der neuen Hexensekte in der Bevölkerung zunächst geweckt. Dies geschah durch Predigten, die auf die angebliche neue Gefahr hinwiesen. Zu unterstellen, die neue Hexensekte sei lediglich als Instrument zur Stärkung obrigkeitlicher Herrschaftsansprüche erfunden worden, ginge jedoch zu weit. Wie ich bereits weiter oben festgestellt habe, wurde die Ketzerei der Hexen nicht neu erfunden, sondern hat sich in einem lange währenden Prozess nach und nach herausgebildet. Die Hexenforschung ist sich in den letzten Jahren immer mehr darüber einig geworden, dass man zur Erklärung von Hexenverfolgungen immer von einem ganzen Bündel von Ursachen ausgehen muss. Einzelne Faktoren, wie z.B. Missernten und Hungerkrisen als Folge der „Kleinen Eiszeit“, die Wolfgang Behringer als Grund für die Hexenverfolgungen ins Feld geführt hat, reichen allein nicht aus. So kam es zum Beispiel im Verbreitungsgebiet des orthodoxen Christentums nicht zu Hexenverfolgungen, obwohl die Klimaveränderung dort ebensolche Auswirkungen hatte. [45]

Das Faktorenbündel, auf das sich die Trierer Hexenforschung um Rita Voltmer geeinigt hat, und das von Schatzmann als die „Trierer Bedingungen“ bezeichnet wird, nennt folgende Grundvoraussetzungen, damit es zu Hexenverfolgungen kommen konnte:

  • Hexentheorien und das Wissen um die Möglichkeit, Hexen vor Gericht anzeigen zu können, sind in der Bevölkerung verbreitet.

  • Es ist eine Bereitschaft oder sogar ein Verlangen „von oben“, also durch die Obrigkeit, vorhanden, die Prozesse durchzuführen, eventuell sogar zu fördern, zumindest zu dulden.

  • Eine Krisensituation (welcher Art auch immer) erschüttert die Region.

  • In den beteiligten Zwischeninstanzen (Amtleute, Richter, Schöffen, Juristen, Notare) ist ein Karriere-, Profilierungs- oder Bereicherungswille vorhanden.

  • Es ist ein Verlangen „von unten“, also aus der Bevölkerung, vorhanden, Menschen wegen Hexerei zu verfolgen und zu verurteilen. [46]

Die Angst vor Zauberei, vor Ketzern, die die christliche Gesellschaft zerstören wollten, und vor dem Teufel war im späten Mittelalter, wie erwähnt, ohnehin schon vorhanden. Die Pest hatte während der Epidemien des 14. Jahrhunderts Massen an Menschen dahingerafft. Die Waldenserverfolgung, die sich in der Dauphiné 1384 zu einem regelrechten Kreuzzug auswuchs, veranlasste viele zur Flucht. Deshalb waren große Teile der Region zur Jahrhundertwende verwüstet und entvölkert. Die aufgrund dieser Krise herrschende Verunsicherung der Bevölkerung wurde durch die „seelsorgerischen“ Maßnahmen von Predigern noch verstärkt. Sie verteufelten den verbreiteten Aberglauben und schürten die Angst vor der Hölle und dem Satan. Dadurch hatte sich bei den Menschen ein Bewusstsein der Verfehlung und der unbestimmten allgegenwärtigen Sünde durchgesetzt. [47]

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Die Voraussetzungen für die Entstehung des Hexenglaubens und die ersten Hexenverfolgungen waren also günstig: Es gab eine an der Führung von Hexenprozessen interessierte Obrigkeit. Es bestand eine Krisensituation, hervorgerufen durch Pest und Waldenserverfolgung und die daraus resultierende Entvölkerung. Die Bevölkerung wurde durch Predigten über die Schlechtigkeit von Aberglauben und Ketzertum im Allgemeinen und über die neue Hexerei im Besonderen informiert. Und die Leute glaubten an das, was ihnen über die neue Hexensekte erzählt wurde. Die Tatsache, dass die Hexenverfolgung häufig instrumentalisiert wurde, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch - gerade unter den Verfolgern - eine geradezu panische Angst vor der Bedrohung gab, die die neue Hexensekte darstellte. [48]

C. Der Prozess der Ausformulierung des elaborierten Hexenglaubens

1. Die Traktate

Neben den Prozessakten als Zeugnisse dieser Entwicklung sind aus der Ursprungszeit der Hexenverfolgung verschiedene Traktate erhalten, die uns einen sehr guten Einblick in die damaligen Vorstellungen geben und darüber hinaus für die Erforschung der Ursprünge der Hexenverfolgung von herausragender Bedeutung sind. Es handelt sich dabei um fünf Traktate unterschiedlicher Herkunft: der auf Deutsch verfasste Bericht des Luzerner Geschichtsschreibers Hans Fründ, zwischen 1428 und 1430 entstanden, der 1435-37 entstandene Formicarius des dominikanischen Theologen Johannes Nider, der Traktat Errores Gazariorum seu illorum qui scobam seu baculam equitare probantur, ebenfalls 1436/37 möglicherweise von dem bereits erwähnten Inquisitor Ponce de Feugeyron verfasst, der Traktat Ut magorum et maleficorum errores aus dem Jahr 1436 von Claude Tholosan, einem Oberrichter aus der Dauphiné und das literarische Werk Champion des Dames von Martin Le Franc um 1440-42 verfasst. [49]

Die unterschiedliche Stellung der Autoren gibt darüber Auskunft, wer sich zu dieser Zeit mit der Hexerei auseinandergesetzt hat: ein weltlicher Richter, ein Inquisitor der katholischen Kirche, ein Geschichtsschreiber und zwei Theologen, wobei der eine, Martin Le Franc, das Thema literarisch bearbeitet, der andere, Johannes Nider, die Hexerei in einen moraltheologischen Kontext einbettet.

In jedem Fall erkennt man, dass die Theorie der Praxis folgte. Claude Tholosan beschreibt und rechtfertigt in seinem Traktat die von ihm selbst durchgeführten Hexenprozesse. Ponce de Feugeyron konnte, wenn er tatsächlich der Verfasser gewesen ist, für seine teilweise abscheulichen Beschreibungen der angeblichen Verbrechen der Hexen ebenfalls auf eigene Prozesserfahrungen zurückgreifen. Hans Fründ beschreibt Prozesse, die nach seiner Angabe 1428 im Wallis stattgefunden haben. Johannes Nider greift unter anderem auf den Bericht des Richters Peter von Bern zurück, der Prozesse im schweizerischen Simmental geführt hat. Und Martin Le Franc stellt in literarischer Weise verschiedene Positionen zur Hexenfrage gegenüber.

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Man könnte sagen, die Theorie entstand aus der Praxis, denn das, was die Autoren in ihren Traktaten über die Hexen wiedergeben haben, haben die Angeklagten in der Regel auch gestanden. Das bedeutet nicht, dass die angeblichen Hexen tatsächlich von sich geglaubt haben, diese Verbrechen begangen zu haben. Es zeigt vielmehr, dass die Hexenverfolgung, ja die Entstehung des Hexenglaubens, nicht ohne die Etablierung des Inquisitionsprozesses möglich gewesen wäre. Was ich schon für den Ketzerprozess beschrieben habe, galt in gesteigerter Form auch für den Hexenprozess: Die den Ketzern gemachten Vorwürfe paarten sich hier mit denen der Zauberei. Die Angeklagten „gestanden“ unter der Folter sämtliche Verbrechen, was die Richter als Beweis für die Realität der Hexensekte und ihrer Untaten ansahen. Auf diese Weise entstand nach und nach das stereotype Hexereidelikt mit seinen bereits erwähnten Bestandteilen. Die Traktate gaben also das wieder, was in den Prozessen scheinbar zu Tage getreten war. In Wirklichkeit beschrieben die Autoren der Traktate aber das, was die Richter aus den schriftlich fixierten Geständnissen früherer Ketzerprozesse übernommen hatten oder deren eigene Vorstellungen von den Verbrechen der Hexensekte.

Deshalb glichen sich die Traktate in ihren Beschreibungen auch nicht völlig. Der Teufelspakt ist zwar in allen Traktaten beschrieben worden, aber durch das dämonologische Weltbild war er bereits vorher etabliert. Den Hexenflug und die Tierverwandlung jedoch beschrieben nicht alle Traktate. Nider, Tholosan und Le Franc verwarfen den Hexenflug mit Verweis auf den Canon Episcopi als von Dämonen erzeugte Illusion. Die Errores Gazariorum und der Bericht von Hans Fründ hingegen enthalten Beschreibungen darüber, wie der Teufel seine Anhänger lehrt, eine Salbe herzustellen, mit der sie ihre Stühle einsalben konnten, um damit von einem Dorf zum anderen zu reiten oder zu den Sabbaten zu gelangen. [50] Zwar wird der Begriff des Fliegens hier noch vorsichtig vermieden, aber diese beiden Traktate stehen am Anfang eines „Sturm[s] auf die Kanon-Episcopi-Tradition“, an deren Ende sich die gelehrte Hexenlehre einschließlich der Realität des Hexenfluges weitgehend durchsetzte. [51] Der Widerspruch zum Canon Episcopi, der sich im Glauben an die Wirksamkeit der Zauberei und die Realität des Hexenflugs manifestiert, wurde damit erklärt, dass es sich um eine völlig neue Sekte handle, auf die der Canon Episcopi nicht zutreffe. [52] Es entstand das theologische Problem, dem Teufel mehr Macht zuzugestehen als Gott selbst. Dieses Dilemma löste man durch die Erklärung, die Zauberei der Hexen erfolge im Namen des Teufels mit der Zulassung Gottes, der dadurch die Betroffenen bestrafen oder ihren Glauben prüfen wolle. [53]

2. Der Formicarius des Johannes Nider

Von den fünf frühen Traktaten hat der Formicarius im deutschen Sprachraum vermutlich den größten Einfluss gehabt. Daher widme ich ihm hier ein eigenes Kapitel. Der Formicarius behandelt nicht vorrangig die Hexerei. Eigentliches Anliegen Niders als einem führenden Anhänger der Observanz-Bewegung der Dominikaner war die Stärkung des christlichen Glaubens. Zu diesem Zweck verfasste er ein didaktisch angelegtes Predigerhandbuch, das eine Fülle von Beispielgeschichten enthält, anhand derer die Menschen belehrt und auf den richtigen Weg des Glaubens geführt werden sollten. Im fünften Buch mit dem Titel „Von den Zauberern und ihren Täuschungen“ beschreibt er die Verbrechen der neuen Hexensekte. Informationen über diese neue Bedrohung der christlichen Gemeinschaft erhielt er von dem Richter Peter von Bern, der Prozesse im Obersimmental bei Bern durchgeführt hatte (1400/1417) und von einem nicht näher bekannten Inquisitor aus Autun, der ihm über Hexenprozesse in der Diözese Lausanne (um 1437) berichtete. Jüngere Forschungen zu den Prozessen im Berner Land haben jedoch ergeben, dass es sich dabei noch um traditionelle Zaubereiprozesse gehandelt hat, die durch Peter von Bern und Nider mit dem neuen Hexenstereotyp überformt wurden. [54]

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Nider war der erste universitär gebildete Theologe, der die frühen Verfolgungen und die sich herausbildende dämonologische Hexenlehre kommentierte. Den Hexenflug tat er noch mit Hinweis auf den Canon Episcopi als durch den Teufel hervorgerufene Illusion ab. Ansonsten enthalten seine Beschreibungen die typischen Merkmale von Hexerei: Dämonendienst, Sabbat, Kannibalismus, Herstellung von Zaubersalben aus getöteten Kindern, Malefizien und der Sektencharakter der Gruppe werden beschrieben.

Die Schilderungen dieser Verbrechen in Niders Formicarius sollten Angst vor dem Teufel schüren und die Menschen zu einer christlichen Lebensführung bewegen. Es geht Nider also nicht um die Verfolgung der Hexen, - er warnt sogar davor, unschuldige Geisteskranke vorschnell zu verurteilen - sondern eigentlich um die Verbesserung der christlichen Gesellschaft. [55] Dennoch hat sein Werk stark zur Ausbreitung des Hexenglaubens beigetragen. Nider war ein einflussreicher Theologe. Er war Professor an der theologischen Fakultät Wien und gilt als einer der aktivsten und wichtigsten Männer des Baseler Konzils, das häufig im reformierten Baseler Dominikanerkloster tagte, dem er vorstand. Zudem war er seit 1426 Generalvikar aller reformierten Klöster der dominikanischen Ordensprovinz Teutonia. Nach seiner Auffassung war nicht nur die Kirche von innen zu reformieren, sondern die gesamte christliche Gesellschaft. Zu diesem Zweck hielt er ständig Predigten und war seelsorgerisch tätig. [56]

Sein Formicarius wurde offenbar häufig rezipiert. Es sind heute noch mindestens 26 Handschriften oder Exzerpte daraus erhalten. Davon stammen 24 Handschriften aus dem 15. Jahrhundert, zwei wurden um die Wende zum 16. Jahrhundert geschrieben. Tschacher geht davon aus, dass eine erhebliche Zahl von Handschriften verloren ging, es also vermutlich noch weitere Exemplare gegeben hat. Erhalten blieben die Texte vor allem in Klöstern. Da Nider als Autor innerhalb der klösterlichen Reformbewegung ordensübergreifend beliebt war, sind dies nicht nur Dominikanerklöster. Hauptverbreitungsgebiete der frühen Handschriften waren Österreich, Bayern und Schwaben. Dies lasse sich auf den geistigen Einfluss der Wiener Universität auf die Klöster Süddeutschlands zurückführen. Einzelne Exemplare seien noch weiter nördlich ins Rheinland, nach Flandern und nach Niedersachsen gelangt. Ob die Handschriften auch von einem gebildeten städtischen Laienpublikum gelesen worden seien, könne nicht nachvollzogen werden. [57]

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1470/73, 1480 und 1484 erschienen drei Inkunabelausgaben des Formicarius, wobei Tschacher von einer Auflagenzahl von jeweils 300 bis 400 Exemplaren ausgeht. [58] Das bedeutet, dass im Untersuchungszeitraum neben den Handschriften etwa 900 bis 1200 gedruckte Exemplare im Umlauf waren, die rezipiert werden und auf diese Weise das Wissen über die angeblich von der neuen Hexensekte ausgehende Gefahr verbreiten konnten.

Laut Tschacher wurden Niders Formicarius und seine Abhandlung über die Zehn Gebote, das Praeceptorium divinae legis, in der er ebenfalls auf Hexerei eingeht, in der dämonologischen Literatur des 15. bis 17. Jahrhunderts umfassend rezipiert. [59] Für den hier interessierenden Zeitraum sind mir sechs direkte Zeugnisse zur Rezeption von Niders Schriften bekannt: Um 1457 setzte Nikolaus von Kues als Bischof von Brixen (Tirol) in seiner Hexenpredigt (auf die ich später noch kommen werde) die Lektüre des Formicarius nachweislich voraus. [60] Paul Wann, Wiener Theologieprofessor und Abgesandter des Bischofs von Brixen im Innsbrucker Hexenprozess von 1485, besaß eine Handschrift des Formicarius. [61] Im Hexenhammer von Heinrich Kramer (Erstausgabe 1486) zählt der Formicarius zu den am häufigsten zitierten Schriften, außerdem wurde der Formicarius häufig mit dem Hexenhammer zusammen herausgegeben. [62] Darüber wie die Lektüre des Formicarius und des Hexenhammers auf den Kanoniker Bernhard von Eberhardsklausen wirkte, und wie dieser sein Wissen über die Hexerei sogleich anwendete, geben dessen Kommentare in den Mirakelbüchern von Eberhardsklausen Auskunft. [63] Johannes Trithemius erwähnt Nider in seinem Kirchenschriftstellerkatalog De scriptoribus ecclesiasticis von 1494, wobei er die Legende von einer Tätigkeit Niders als Hexeninquisitor in die Welt setzte. [64] Außerdem verwendete der Straßburger Münsterprediger Geiler von Kaysersberg den Formicarius und das Praeceptorium als Quellen für seine 1509 gehaltenen Fastenpredigten, in denen er das Thema Hexerei behandelte. [65]

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Während Nikolaus von Kues, Paul Wann und Geiler von Kayserberg den Formicarius als Autorität für die Auffassung anführten, der Hexenflug sei eine vom Teufel verursachte Illusion, diente er Heinrich Kramer und dem Kanoniker Bernhard von Eberhardsklausen als Beleg für die Realität der Hexensekte. [66] Trithemius wollte in Nider gar einen Hexeninquisitor sehen.

Nider war, anders als Heinrich Institoris, der alle Feinde der Papstkirche mit Feuer und Schwert ausrotten wollte, kein Fanatiker. Todesstrafen befürwortete er lediglich als exemplarische Bestrafung böser Menschen. Er wollte die im Glauben irrenden Menschen möglichst durch Überzeugung und durch die Angst vor dem Teufel zurück in den Schoß der Kirche führen. [67] Diese Angst wollte er unter anderem durch seine Berichte über Hexerei hervorrufen, an die er persönlich auch glaubte. Nider übernahm wie die meisten Gelehrten seiner Zeit unkritisch die Dämonologie der Autoritäten und der monastischen Erbauungsliteratur. Durch den Versuch, die traditionellen Magievorstellungen innerhalb dieser dämonologischen Weltanschauung zu erklären, schufen er und seine gelehrten Kollegen, so Michael Bailey, erst das Verbrechen der Hexerei. Nider könne als typisches Mitglied der Klerikerelite gesehen werden. Seine Schriften seien seinen gebildeten Lesern nachvollziehbar erschienen. Hexerei habe gut in die Vorstellungswelt der Zeit gepasst. [68]

Auch wenn Niders Werk nicht als Propagandaschrift gegen die Hexerei konzipiert war, und er in Bezug auf den Hexenflug sogar eine kritische Meinung vertreten hat, trug er mit seinen Schriften und seinem Sendungsbewusstsein zur Ausbreitung des Wissens über die Hexerei bei, denn Hexerei gab es nur da, wo sie bekannt war. Der spanische Inquisitor Salazar riet noch Anfang des 17. Jahrhunderts davon ab, die üblichen „Aufklärungskampagnen“ über Hexerei durchzuführen, nachdem er bemerkt hatte, dass es (fast) keine Hexen gab, solange man nicht von ihnen sprach. [69]

3. Das Baseler Konzil

Die vermutlich wichtigste Station des Hexenglaubens auf dem Weg seiner Ausbreitung war das Baseler Konzil (1431-1449). Es stellte den Endpunkt der konziliaren Bewegung dar, die die Superiorität des Konzils über den Papst vertrat. Zur Zeit des Konzils bildete Basel das Zentrum des europäischen Christentums. In Basel traf sich seit 1431 die gesamte geistige und geistliche Elite des Spätmittelalters. Das Konzil hatte 3500 offizielle Mitglieder, etwa 500 waren ständig anwesend. Die Besucherzahl hat man für den gesamten Zeitraum auf etwa 150.000 geschätzt. [70] Obwohl die Hexenforschung seit Blauerts Dissertation davon ausgeht, dass dem Baseler Konzil bei der Ausbreitung des Hexenglaubens eine große Bedeutung zukommt, gibt es keine eindeutigen Beweise, dass die Hexenlehre Thema des Konzils war. Es existieren lediglich Indizien dafür, dass sich die Konzilsteilnehmer damit auseinandergesetzt haben. Anscheinend ist das Thema nicht auf der offiziellen Tagesordnung zur Diskussion gestellt worden. Einzelne Teilnehmer haben vermutlich am Rande des Konzils darüber gesprochen. [71]

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Die These über die Bedeutung des Konzils geht auf eine Analyse der Netzwerke der für das Konzil und die Hexenlehre relevanten Personen zurück. So begegnen uns auf dem Konzil mehrere Personen, die bereits in der Entstehungsphase des Hexenglaubens eine zentrale Rolle gespielt haben: Amadeus VIII., Herzog von Savoyen, der, wie ich bereits erwähnt habe, die Hexenverfolgung in seinem Herrschaftsbereich gefördert und unter seine Kontrolle gestellt hatte, wurde auf dem Konzil 1439 zum Gegenpapst Felix V. gewählt.

Zur savoyischen Vertretung auf dem Konzil gehörten noch weitere Personen, die wir zum Teil bereits kennen und die im Zusammenhang mit Hexenverfolgungen aufgetreten sind: Ponce de Feugeyron weilte als savoyischer Vertreter von 1433-37 auf dem Konzil. Die zwei Exemplare der vermutlich von ihm verfassten Errores Gazariorum, die in Basel und in der Vatikanischen Bibliothek entdeckt wurden, weisen durch ihre Verbindung mit Konzilstexten auf einen direkten Zusammenhang mit dem Konzil in Basel hin. [72] Martin Le Franc war zunächst Sekretär Felix V. auf dem Konzil und verfasste dort 1440-42 seinen Champion des Dames. 1443 wurde Le Franc von Felix V. zum Probst des Lausanner Domkapitels ernannt. [73] Georg di Saluzzo, zunächst Bischof von Aosta, gelangte im Zuge der Personalpolitik Felix V. auf den Lausanner Bischofsstuhl, wo er während seiner Amtszeit 1440-1461 mehrere Hexenjagden durchführte. [74] Der savoyische Inquisitor Ulric de Torrenté tritt in den Jahren 1431-1437 in seinen Diözesen kaum in Erscheinung. Andenmatten und Utz vermuten daher, dass auch er sich auf dem Konzil aufgehalten hat. [75]

Während Bailey noch angab, Nider habe viele, wenn nicht sogar alle Informationen über Hexerei für seinen Formicarius auf dem Konzil erhalten [76], schränkte Tschacher diese Aussage stark ein. Nider habe zwar viele Informationen zu seinem Formicarius über das Konzil bezogen, gerade zum Thema Hexerei habe er aber nur zwei Gewährsleute gehabt, die beide nicht auf dem Konzil nachgewiesen sind: Peter von Bern und den Inquisitor von Autun. „Hexenfachleute“ wie Martin Le Franc oder Ulric de Torrenté habe Nider nicht gekannt. [77] Dennoch scheint Nider auf dem Konzil über das Thema Hexerei geredet zu haben. Er soll bei seinem letzten Aufenthalt auf dem Konzil 1438 den Konzilsvätern sogar aus dem Formicarius vorgelesen haben. [78]

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Sudmann erwähnt noch weitere Schriften, die das Thema Hexerei aufgreifen und die in Verbindung zum Baseler Konzil stehen: Die katechetische Schrift Tafel der christlichen Weisheit von 1439 verweise auf Erkennungsmerkmale von Hexen. Der Synodale Thomas Ebendorfer setze sich in seinen Ausführungen zum 1. Gebot in dem Werk De decem praeceptis mit Hexerei auseinander. Der erste Artikel der Denkschrift zur Kirchenreform von Guillaume Maurel aus Nîmes aus dem Jahre 1435 lasse eine Klage gegen Magie anklingen. [79]

Die unter Einfluss des Konzils entstandenen Schriften über Hexerei seien in den folgenden Jahrzehnten intensiv rezipiert worden. Dabei seien diese aber nicht als Äußerungen des Konzils wahrgenommen worden, wie dies z.B. beim Thema Marienverehrung der Fall gewesen sei, sondern als Werke der einzelnen Autoren. „Die maßgebliche Autorität für spätere Hexentheoretiker sind demnach einzelne Konzilsväter, nicht das Basler Konzil als Instanz.“ [80]

Zwar ist Basel zu Konzilszeiten der wichtigste Handschriftenmarkt gewesen und es ist möglich, dass die frühen Hexenschriften dort kopiert und verbreitet wurden, aber als
Ideenumschlagplatz und Kontaktbörse für Theologen, Juristen und Bischöfe wird die mündliche Verbreitung und Diskussion der dämonologischen Ideen als wichtiger erachtet als die Traktate. Innerhalb der Gremien ist die Disputation der zur Diskussion gestellten Themen zwar rigide kanalisiert worden, daneben hat die Geschäftsordnung des Konzils aber ausdrücklich die freie Diskussion aller Themen außerhalb der offiziellen Gremien vorgesehen. An dieser in der Forschungsliteratur teilweise als modern und demokratisch gelobten Redefreiheit werde deutlich, so Sudmann, auf welche Weise ein Thema wie die neue Hexenlehre, das nicht auf der Tagesordnung gestanden habe, so ausführlich von den Konzilsvätern diskutiert werden konnte, und weshalb dem Konzil zwar eine hohe Bedeutung zugeschrieben werde, sich die Quellenlage gleichzeitig aber als äußerst dürftig erweise. [81]

Die Bedeutung des Konzils ergibt sich letztlich aus verschiedenen Faktoren. Zunächst war es aufgrund der großen Zahl gelehrter Teilnehmer und der ausdrücklich erwünschten Diskussion aller Themen der ideale Ort, um ein so brisantes Thema wie die Hexerei zu diskutieren. So hat sich auf mündlichem Wege die Kunde von der Existenz der neuen Hexensekte möglicherweise stark verbreiten können. Die Traktate, die unter dem Eindruck der Hexereidiskussion im Umfeld des Konzils entstanden, sind dort rezipiert und vermutlich auch vervielfältigt worden. Die dominante Rolle Savoyens auf dem Konzil - in den letzten Jahren habe es fast Züge einer „savoyischen Landessynode“ angenommen [82] - hat für die Thematisierung der Hexerei dort sicher eine wichtige Rolle gespielt, hatten doch zahlreiche Vertreter Savoyens bereits Erfahrung damit gesammelt. Die Ausbreitung der Hexenverfolgung im savoyischen Einflussgebiet ist auf jeden Fall auf die Personalpolitik Amadeus VIII./Felix V. zurückzuführen. Schatzmann hat darauf hingewiesen, dass die Bearbeitung der Korrespondenz des Konzils noch Aufschlüsse über die Thematisierung der Hexerei geben könnte. Es habe einen intensiven Schriftwechsel mit den europäischen Universitäten gegeben, der aber bislang nur partiell erschlossen sei. Das Konzil habe die Universitäten so wie andere Institutionen und die Fürsten hartnäckig mit Einladungsschreiben, Propagandaschriften, Solidaritätsappellen, Kopien von Konzilsdekreten usw. überschwemmt. [83] Wenn unter diesen Schriften tatsächlich auch etwas zum Thema Hexerei gefunden würde, wäre dies zum einen ein Beweis für die These von der Bedeutung des Baseler Konzils für die Ausbreitung des Hexenwahns, zum anderen wäre es auch ein Zeugnis dafür, wie die neue Hexenlehre die Universitäten Europas erreichte.

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4. Die Universitäten

Das Konzil von Basel belegt die gewachsene Bedeutung der Theologen bei den kirchlichen Reformen und der Glaubensbewahrung im 15. Jahrhundert. Die Theologen gingen diesen Aufgaben nicht nur am Baseler Konzil nach, sondern vor allem auch an den Universitäten, deren theologische Fakultäten ihrer Gründungsidee nach die „Hüterin[nen] der kirchlichen Lehrmeinung“ [84] waren. Die Beschäftigung mit der Dämonologie erhielt an den theologischen Fakultäten des 15. Jahrhunderts eine wachsende Bedeutung, auch an deutschen Universitäten.

Der Tractatus de daemonibus entstand um 1415 aller Wahrscheinlichkeit nach an der theologischen Fakultät in Köln. Darin wird Dämonen die Macht zugesprochen, Menschen zu heilen oder ihnen Krankheiten zuzufügen. Der Glaube an die nachtfahrenden Frauen in der Gefolgschaft der Diana wird indes als eine teuflische Illusion betrachtet. Von Hexen ist in diesem Traktat noch nicht die Rede. Gleiches gilt für den Tractatus de superstitiosis quibusdam casibus des Kölner Thomisten Heinrich von Gorkum (um 1425). Zwar wird die Anwendung von Amuletten, Zaubersprüchen und magischen Zetteln zur Verhütung von Bränden und die Wahrsagerei als verboten und abergläubisch abgelehnt, von Schadenzauberei und Hexerei weiß Gorkum aber nichts zu berichten. [85]

An der theologischen Fakultät Wien beschäftigte man sich schon länger mit Dämonologie. So führte Langenstein (gestorben 1397) nicht natürlich zu erklärende Wirkungen auf Engel (Gutes) bzw. Dämonen (Böses) zurück. Vor allem durch die Initiative des Baseler Konzils wurde die theologische Fakultät Wien in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts quasi zu einem Inquisitionstribunal, das Prozesse gegen Häretiker durchführte. Es existierten regelrechte Verschwörungstheorien gegen Juden, Waldenser und Hussiten. Am 10. November 1421 leistete die gesamte Universität einen Eid auf die Eindämmung der Häresie. Man hatte einerseits Angst vor einer äußeren militärischen Bedrohung durch die hussitischen Heere, andererseits vor einer geheimen inneren Verschwörung von Juden und Hussiten. Diese allgemeine Paranoia habe dazu geführt, „’hinter jedem Busch’ nach Häretikern und bösen Feinden der Kirche zu suchen.“ [86]

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An der theologischen Fakultät von Heidelberg beschäftigte sich Nikolaus von Jauer 1405 in seinem Tractatus de superstitionibus mit der Macht der Dämonen. Dabei bezeichnet er die Vorstellung von sexuellem Verkehr mit Succubus- oder Incubus-Dämonen und daraus entstehende Teufelskinder als Volksglauben. Den Dämonen gesteht er vor allem manipulative Macht zu, sie könnten aber in der Realität nichts bewirken. Er fordert dazu auf, den Aberglauben als Götzendienst zu bekämpfen. Für die Verbreitung des Aberglaubens macht er vor allem alte Frauen verantwortlich. 1412 schrieb Jauers Heidelberger Kollege Johannes von Frankfurt über Dämonologie. Auch er lokalisiert den Aberglauben bei den „alten Weibern“. [87]

Laut Tschacher machte die universitäre Dämonologie in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts einen Mentalitätswandel durch. Die Kritik am Aberglauben sei immer lauter geworden, und die Maßnahmen zu seiner Bekämpfung hätten bis zur Forderung der Todesstrafe gereicht. Der nächtliche Flug sei zwar noch mit dem Canon Episcopi als Illusion abgetan und die Teufelsbuhlschaft als Volksglaube abgelehnt, die Macht des Teufels aber aufgewertet worden. Abergläubige seien von nun an als Sünder und Verbrecher verdammt worden. Deren Lasterhaftigkeit sei die Voraussetzung für den Teufelspakt und die Verschwörung gegen die menschliche Gemeinschaft gewesen. [88] Die Voraussetzungen für die Übernahme des Hexenglaubens und damit die Grundlage der Hexenverfolgung waren innerhalb der deutschen Gelehrtenschicht in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts also gegeben.

Blauert geht davon aus, dass die universitäre Diskussion über Dämonologie die in Europa ständig wachsende Zahl von Zaubereiprozessen weltlicher Gerichte direkt beeinflusst hat. Deshalb hätten sich die Zaubereiprozesse auch schon vor dem Einfluss des elaborierten Hexereikonzeptes langsam zu wandeln begonnen. Als Schaltstellen der Verbreitung der Dämonologie betrachtet er vor allem die Universitäts- und Bischofsstädte. [89]

III. Die Ausbreitung der Hexenverfolgung im deutschsprachigen Teil des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation

Die Hexenverfolgung im 15. Jahrhundert betraf nur den südlichen Teil des Reiches. Für Regionen wie Mecklenburg [90], Holstein, die Hansestädte, das heutige Niedersachsen, Sachsen und Thüringen [91] sind für den Untersuchungszeitraum keine Hexenprozesse mit dem elaborierten Hexereikonzept nachweisbar. In vielen Regionen des Reiches sind Hexenprozesse erst ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts belegt, als es im ganzen Reich zu ersten großen Verfolgungswellen kam. Da nur die südliche Hälfte des Reiches in meinem Untersuchungszeitraum von Hexenverfolgungen betroffen war, werde ich in dieser Arbeit auch nur auf dieses Gebiet eingehen.

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Auch in den Regionen, in denen es zu Hexenverfolgungen vor 1500 kam, gab es insgesamt im Vergleich zu den Zahlen der Frühen Neuzeit nicht viele Prozesse. Joseph Hansen nennt in seinen Quellen neben den Prozessen, die Kramer im Hexenhammer beschreibt, nur wenige kirchlich geführte Hexenprozesse und etwa 20 Prozesse vor weltlichen Gerichten. [92] Davon sind jedoch viele vermutlich noch traditionelle Zaubereiprozesse gewesen. Seit Hansen sind durch die vielen in den letzten beiden Jahrzehnten entstandenen Regionalstudien noch zahlreiche weitere Hexenprozesse entdeckt worden. Anhand dieser bisher bekannten Prozesse werde ich versuchen, die Wege der Ausbreitung nachzuvollziehen. Ich werde die Untersuchung chronologisch und regional gliedern. Außerdem werde ich auf das Wirken einzelner für die Verbreitung der Hexenverfolgung wichtiger Personen eingehen, insbesondere auf Heinrich Kramer (Institoris).

A. Die Ausbreitung der Verfolgungen entlang des Rheins

Der im ersten Teil dieser Arbeit beschriebenen ersten Phase der Hexenverfolgung im Gebiet der Westschweiz, Savoyen und der Dauphiné folgte, laut Blauert, die Ausbreitung in die Deutschschweiz, das Bodenseegebiet (Konstanz) und entlang des Oberrheins bis zum Elsaß. In dieser Prozessregion seien um 1450 Hexenprozesse geführt worden, die in vielfacher motivischer Abhängigkeit stünden. Dieses Gebiet empfanden bereits die Zeitgenossen als einen zusammenhängenden Raum, in dem die neue Hexensekte ihr Unwesen trieb. [93] Aber auch weiter flussabwärts haben um die 1450er Jahre in Lothringen und der Kurpfalz bereits echte Hexenprozesse stattgefunden. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts hatte die Hexenverfolgung schließlich die Niederlande und das Rheinland erreicht. Die Entwicklung dieses Ausbreitungsprozesses werde ich in diesem Kapitel anhand von Beispielen in den einzelnen Regionen nachzeichnen.

1. Luzern

In Luzern fanden 1450 oder 1454 Prozesse gegen zwei Frauen statt, die einen voll ausgebildeten Hexenbegriff erkennen lassen. Dies führt Blauert auf die Rezeption von Hans Fründs Bericht über die Hexenverfolgungen im Wallis 1428 zurück. Der Bericht spiegele bereits das französische Konzept des Hexenglaubens wider. [94] Allerdings wurde in den Luzerner Prozessen keine Verbindung zur Waldenserei hergestellt, wie dies im westalpinen Raum der Fall gewesen ist. Übernommen wurden lediglich die Vorstellungen von Teufelspakt und Hexensekte. [95]

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Die frühesten Verfahren im Luzerner Raum waren noch reine Akkusationsprozesse. Sehr bald wurde für Zauberei- und Hexereianklagen jedoch der weltliche Inquisitionsprozess angewandt. Wie in den Gebieten der Entstehungsregion sind offenbar auch in Luzern die Hexenprozesse für den Territorialisierungsprozess instrumentalisiert worden. Blauert weist darauf hin, dass die Hexenprozesse in eine für die Ausbildung der Luzerner Landes- und Gerichtshoheit entscheidende Phase fielen. [96]

Die angeklagten Hexen in den Luzerner Prozessen von 1450/54 waren keine Einheimischen. Die eine, Els von Meerspurg, kam, wie ihr Name schon sagt, aus Meersburg am Bodensee. Die andere, Margeret Jegerin, kam aus Lauterburg im Elsaß. Beide gestanden, sie hätten auf Anraten einer Lehr- und Hexenmeisterin einen Pakt mit dem Teufel geschlossen. Auch gaben sie an, verschiedene Liebes-, Schaden- und Wetterzauber verübt zu haben. Sie berichteten von Hexentreffen unter Vorsitz des Teufels und einer Hexenmeisterin. Hier wird der Gedanke der Sektenbildung sichtbar. Die Jegerin gab an, auf einem dieser Treffen vor zwei oder drei Jahren zusammen mit anderen Hexen ein Hagelwetter verursacht zu haben, das über Basel, Straßburg und Weißenburg niedergegangen sei. In Basel hatten 1450/51 Hexenprozesse stattgefunden und in Straßburg wurde 1451 ein Mann ertränkt, der dort und in Basel nicht beweisbare Gerüchte über Hexen in die Welt gesetzt hatte. Blauert fiel die häufige Nennung von Mühlhausen und des Elsaß’ in den Luzerner Prozessakten auf. Tatsächlich fanden in Mühlhausen im Jahr 1454 Hexenprozesse statt. In den Protokollen wird darüber berichtet, wie Pulver hergestellt wird, das zur Schädigung von Menschen und der Verübung von Hagelwettern dienen sollte. Diese Beschreibungen haben, so Blauert, starke Ähnlichkeit mit Hans Fründs Bericht. Auch die Beschreibungen des Hexenflugs in Mühlhausen ähneln denen von Luzern. Aufgrund dieser Übereinstimmungen nimmt Blauert an, dass der Hexenglaube in dieser Gegend diskutiert und weiterverbreitet wurde, so dass sich die Vorkommnisse aus einem Ort in Hexereigeständnissen in Prozessen an anderen Orten wieder finden. Durch Nachrichten über Hexenprozesse beunruhigt, hätte sich eine ganze Reihe von Städten zur Führung eigener Hexenprozesse bewegen lassen. [97] Im Jahre 1454 fand in Luzern noch ein weiterer Hexenprozess gegen Dorothea Hindremstein statt. Dieser weist jedoch keine Bestandteile des elaborierten Hexenglaubens auf, sondern lediglich klassische Schadenzaubereibeschuldigungen. Für die Richter und die Zeugen war Dorothea Hindremstein jedoch, so Blauert, ebenso eine Hexe wie Els Meerspurg und Margeret Jegerin und wurde auch als solche verbrannt. [98]

2. Basel

Die Situation im Baseler Raum wurde von Dorothee Rippmann näher untersucht. In der Region setzten die Hexenverfolgungen um 1444 ein. Die Verfolgungen gingen dabei nicht nur von der Stadt Basel aus, sondern auch vom Bistum und einigen Adelsherrschaften.

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Der Mann, der in Straßburg 1451 wegen Verleumdung ertränkt wurde, hatte auch in Basel eine Frau, Gret Fröhlicherin, der Hexerei bezichtigt. Diese war bereits von anderen wegen Zaubereidelikten verhafteten Frauen als Schadenzauberin denunziert worden. Die Beschuldigte strengte eine Verleumdungsklage gegen den Mann an, worauf er 1451 als Betrüger auf alle Zeiten der Stadt verwiesen wurde. In den Aussagen der Denunziantinnen wird ein volkstümliches Konzept von Schadenzauber sichtbar, jedoch kein elaborierter Hexenbegriff mit Apostasie und Teufelspakt. Dieser taucht im Baseler Raum erstmals 1458 auf, als Gret Fröhlicherin, die mittlerweile von Basel in den nahe gelegenen Ort Pratteln umgezogen ist, zusammen mit einer anderen Frau wegen Hexerei zum Tode verurteilt wird. Die unter der Folter erpressten Geständnisse enthielten neben Schadenzauber den Teufelspakt, Apostasie und den Hexenflug. Der Rat der Stadt Basel hatte 1451 offenbar kein Interesse an der Verfolgung von Hexen, denn die Elemente des gelehrten Hexenglaubens waren dem zuständigen Richter Peter zum Blech, wie weiter unten zu sehen sein wird, bereits bekannt. In Pratteln waren sowohl das Interesse als auch das Wissen vorhanden. Der Fall der Gret Fröhlicherin wurde in einem Streit zwischen den Grundherrschaften zweier Vettern instrumentalisiert. [99] Die Elemente des gelehrten Hexenglaubens kamen, wie Rippmann vermutet, über ein Frageraster der Gerichtsinstanzen möglicherweise aus der Lausanner Gegend ins Spiel. [100]

Der Prozess in Pratteln ist im Gegensatz zum Baseler Prozess inquisitorisch geführt worden. Ebenso die zahlreichen, seit 1444 im Umland von Basel geführten Hexenprozesse. Für diese Prozesse halfen sich die Gerichtsherren gegenseitig mit Hexenexperten aus, die sich mit dem neuen Delikt der Hexerei auskannten. An vorderster Front stand der Baseler Schultheiß Peter zum Blech. Er war an zahlreichen Prozessen beteiligt, so an einem Prozess 1444 in Bierseck nördlich von Basel, bei dem ein Mann und mindestens zwei Frauen als Hexen verbrannt wurden. Er leitete auch die Untersuchungen in Basel 1450/51 wegen der Anschuldigungen gegen Gret Fröhlicherin. In den 1450er Jahren war er an Prozessen im Baseler Raum beteiligt, die die Verbrennung von drei Frauen zur Folge hatten. 1446 wurde zum Blech als Hexenexperte nach Heidelberg bestellt, wo er die ersten Hexenprozesse auf dem Boden der heutigen Bundesrepublik Deutschland durchführte. Der bischöfliche Landvogt Cutzman Egerkind führte 1444 den Gerichtsvorsitz in den Prozessen von Bierseck und wurde 1458 für den Prozess in Pratteln engagiert. [101] Hier zeigt sich, dass die Ausbreitung der Hexenprozesse auch im Zusammenhang mit einzelnen Hexenexperten gesehen werden muss.

Erstaunlich ist die Tatsache, dass erst im Prattelner Prozess von 1458 zum ersten Mal im Baseler Raum die Stereotypen des elaborierten Hexenglaubens auftauchten. Auch wenn in den anderen Prozessen die Angeklagten ebenfalls als Hexen bezeichnet wurden, wurden dort Teufelspakt, Apostasie etc. nicht genannt. Dabei war Peter zum Blech bereits 1446 in Heidelberg an Prozessen beteiligt, die diese Elemente des elaborierten Hexenglaubens enthielten. Die Erklärung dafür ist vermutlich die gleiche, die Blauert für Luzern vorgeschlagen hat: Zauberei- und Hexereiprozesse haben sich in dieser Zeit überlagert. Auch wenn die Schadenzauberinnen bereits als Hexen angesehen wurden, kamen die Bestandteile des elaborierten Hexenglaubens erst nach und nach in den Prozessen dazu.

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Bemerkenswert scheint mir noch, dass die Hexenprozesse in und um Basel in keiner direkten Verbindung zum Baseler Konzil stehen. Es handelt sich durchweg um weltliche Prozesse, die von den jeweiligen Herrschaften eingeleitet wurden. Diesen muss das Hexereidelikt jedoch zumindest in einem Teil der Prozesse bereits bekannt gewesen sein, da sie sonst nicht die Hexenexperten hinzugezogen hätten. [102] Die Kenntnis des Hexereideliktes können die beteiligten Personen jedoch über das Konzil oder dessen Umfeld erlangt haben. Die dort ausgetauschten Neuigkeiten drangen sicherlich nicht nur zu den Konzilsteilnehmern, sondern möglicherweise auch zum Baseler Klerus, den Ratsherren und dem Adel in der Umgebung von Basel. Man denke nur daran, dass Nider nicht nur gelehrter Theologe, sondern auch Prediger war, und dass in Basel zu dieser Zeit möglicherweise auch die erwähnten Traktate über Hexerei verbreitet und im Falle der Champion de Dames sogar dort verfasst wurden. [103]

3. Zwischen Bodensee und Basel

Das Gebiet entlang des Hochrheins wurde von den Luzerner Richtern als von den Untaten der Hexensekte betroffen betrachtet. Bislang sind für die Zeit um 1450 für dieses Gebiet jedoch kaum Hexenprozesse bekannt. Sabine Schleichert hat in einer Regionalstudie die vorderösterreichischen Besitzungen Elsaß, Breisgau, Hagenau und Ortenau untersucht. [104] Vorderösterreich war Bestandteil Oberösterreichs, wurde aber anders als Vorarlberg und Schwäbisch-Österreich nicht direkt von Innsbruck aus regiert, sondern hatte im elsässischen Ensisheim eine eigene Mittelinstanz, die sich gegenüber Innsbruck zu verantworten hatte. Allerdings waren große Teile dieser österreichischen Besitzungen verpfändet, so dass die Hochgerichtsbarkeit bei verschiedensten Obrigkeiten aus Ritterschaft, Prälatenstand und Städten lag. Die kritische Haltung der Tiroler Herzöge zu Hexenverfolgungen spielte für diese Gebiete daher nur eine geringe Rolle. [105] Aufgrund der Zersplitterung der Zuständigkeiten stellt sich die Suche nach Hexenprozessen in dieser Region wie die berühmte Suche nach der Nadel im Heuhaufen dar. Der früheste bekannte Hexenprozess Vorderösterreichs fand 1479 in Waldshut, zwischen Basel und Bodensee, statt. Nach einem verheerenden Hagelwetter holten die Stadtväter den Inquisitor Johann Gremper in die Stadt, der Untersuchungen anstellte und schließlich eine Frau verbrannte. [106] Dieser Prozess ist aber bereits der Verfolgungsperiode mit Beginn um die frühen 1480er Jahre zuzurechnen, auf die ich später kommen werde.

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Für die Gegend um den Bodensee sind für diesen frühen Zeitraum kaum Hexenverfolgungen bekannt. In Konstanz wird 1453 nach einem Hagelwetter eine Frau verbrannt. [107] Ob bei dem Prozess das neue Hexenwissen angewandt wurde, ist nicht bekannt. Möglicherweise betrachteten die Luzerner Richter das Bodenseegebiet aufgrund dieses Prozesses als zu der Region gehörig, in der die Hexensekte ihr Unwesen trieb. Der Prozess zeigt auf jeden Fall, dass in der Gegend eine härtere Gangart gegenüber Zauberei eingeschlagen wurde. Die ersten Verfolgungen, die mit Sicherheit nach der gelehrten Hexenlehre geführt wurden, stehen schon in Zusammenhang mit Kramer, der seit 1478 Inquisitor für Oberdeutschland war. [108]

4. Heidelberg

Heidelberg liegt zwar ein gutes Stück nördlich der Hexenprozessregion Luzern/Bodensee/Basel/Elsaß und wurde von den Luzerner Richtern auch nicht als Teil dieses Prozessgebietes bezeichnet. Aufgrund der zeitlichen und personellen Überschneidungen hat Jürgen Michael Schmidt die Kurpfalz aber dieser frühen Verfolgungsregion zugerechnet. [109]

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Erstes Zeugnis der Heidelberger Hexenprozesse von 1446/47 ist das Buch aller verbotenen kunst, unglaubens und der zauberei von Johannes Hartlieb, das er 1456 fertig stellte. Hartlieb hatte sich zunächst mit gelehrter Magie beschäftigt und ein Mondwahrsagebuch und Arbeiten zur Namenmantik und Chiromantie verfasst. Mit seinem Buch aller verbotenen Kunst macht er die große Wende der Epoche mit und verketzert darin mantische und magische Praktiken. Gleichzeitig beschreibt er aber sehr umfangreich verschiedene magische Praktiken. Unter dem Stichwort Nigramancia behandelt er im 34. Kapitel die Kunst durch Wetterzauber „…hagel und schawr ze machen“. Hier findet sich ein Bericht über die Heidelberger Hexenverfolgung. Im Jahre 1446 wurden, so Hartlieb, „ettlich frawen zu Haidelberg verprannt umb zaubreye; ir rechte lermaistrin kam darvon.“ [110] Diese wurde jedoch 1447, als Hartlieb sich gerade in Heidelberg aufhielt, festgenommen und verbrannt. Zuvor hatte sie vermutlich unter Folter ein Geständnis abgelegt. Hartlieb, der sich als gelehrter Magier für Zauberpraktiken interessierte, versprach der Frau die Freiheit, wenn sie ihn die Kunst des Wettermachens lehren würde. Die von ihr gegebene Beschreibung ist ihr zuvor vermutlich unter der Folter in den Mund gelegt worden. Er müsse als erstes „gotz verleugnen und Kain trost noch hilff von im mymmer begern“, als zweites müsse er „tauff und aller sacrament“ verleugnen und sich schließlich „mit leib und sel ergeben den drey tiüffeln, die ich dir nenn und die geben dir ein Zeit zu leben und verssprechent, dein willen zu laisten alslang vis die Zeit verendet wirt.“ [111] Zwar enthielt dieses Geständnis nicht die Teufelsbuhlschaft, dennoch kann es schon dem neuen Hexenbegriff zugeordnet werden, denn das Schadenzauberdelikt ist durch die Elemente Apostasie und Teufelspakt schon mit dem Ketzerdelikt verschmolzen. Auch gingen die Heidelberger Richter offensichtlich von einer Hexensekte aus, obwohl Hartlieb selbst dies offenbar nicht bewusst war. Erwähnt er doch nur beiläufig, dass „etliche“ Hexen verbrannt wurden, und die nun verhaftete Frau deren Lehrmeisterin war. Die Kurpfalz war, wie Schmidt bemerkte, dem weitgereisten und hochgelehrten Hartlieb, was die Vorstellung vom Hexereidelikt angeht, ein gutes Stück voraus. [112]

Eine weitere wichtige und noch detailliertere Quelle als Hartliebs Schilderung wurde erst in der jüngeren Vergangenheit wieder entdeckt: Ein Bericht des Baseler Schultheiß’ Peter zum Blech, der nun als Hauptakteur der Heidelberger Verfolgungen identifizierbar ist. Wie oben bereits geschildert, hatte sich zum Blech bei den Verfolgungen im Baseler Raum einen Namen als Hexereispezialist gemacht, und wurde nun vom Baseler Rat zum pfälzischen Kurfürsten nach Heidelberg geschickt, um diesen bei seinen Hexenprozessen zu beraten. Dabei handelt es sich um die Prozesse von 1446, bei denen Hartlieb nicht zugegen war. Von zum Blech erfahren wir, dass der Auslöser der Hexenverfolgung ein plötzliches Auftreten von ungewöhnlichen Krankheitsfällen in der Bevölkerung gewesen sei. Der Wetterzauber, der in dem von Hartlieb geschilderten Prozess relevant war, spielte ein Jahr zuvor als Prozessauslöser offenbar keine Rolle, sondern kam, wie Schmidt vermutet, erst durch Fragen während des weiteren Prozessverlaufs in die Geständnisse hinein. [113]

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Laut zum Blech waren die Heidelberger von Anfang an der Meinung, dass Hexerei hinter den Krankheiten steckte. Er benutzte das Wort Hexerei - im Gegensatz zu Hartlieb, der es offenbar nicht kannte. Schmidt nimmt an, dass auch die Heidelberger das Wort und auch den kumulativen Hexereibegriff schon kannten, und dieser ihnen nicht durch zum Blech in den Mund geschoben wurde. Da sie schon eine Gruppe von Frauen festgenommen hatten, bevor sie den Baseler Spezialisten hinzugezogen hatten, kann man annehmen, dass sie von sich aus von einer Hexensekte ausgingen und nicht vom traditionellen Schadenzauber individuell agierender Personen.

Das Wissen über die neue Hexensekte existierte in Heidelberg also bereits. Zum Blech wurde hinzugezogen, weil er über das Wissen verfügte, wie man gegen die Hexen vorzugehen hatte. Er wurde vom Kurfürsten beauftragt, die Prozesse nach Baseler Muster zu führen. Für die Durchführung wurden ihm der ehemalige und der aktuelle Heidelberger Bürgermeister, der Schultheiß und drei Knechte zur Seite gestellt. Um Besagungen auf weitere Mittäterinnen zu bekommen, empfahl er die Folter, die offenbar auch zu den gewünschten Ergebnissen führte, so dass am Ende acht Frauen in Anwesenheit zum Blechs verbrannt wurden. [114]

Vergegenwärtigt man sich noch einmal das Faktorenbündel von Voraussetzungen für Hexenverfolgungen, dann erstaunt es nicht, dass gerade in Heidelberg die ersten Hexenprozesse auf dem Boden des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation (ohne die nachmalige Schweiz) stattfanden, denn alle Faktoren treffen zu:

1. Die Bereitschaft Prozesse zu führen war bei der Obrigkeit vorhanden.

Schmidt bezeichnet die Heidelberger als „Hardliner“, die bereits früher Ketzerprozesse wegen Verstößen gegen das kanonische Recht durchgeführt hätten, und die an das spätere crimen exceptum der Hexenprozesse denken lassen. Der bekannteste dieser Prozesse war derjenige gegen den Geistlichen Johannes Drändorf, der 1425 in Anwesenheit des Kurfürsten stattfand. Dieser hatte den Prozess selbst in das eigentlich nicht zuständige Heidelberg geholt. Unter Vorsitz des Wormser Bischofs saßen die Heidelberger Professoren der Theologie und der Rechte, unter ihnen die bereits als Theoretiker erwähnten Nicolaus von Jauer und Johannes von Frankfurt, zu Gericht. Nach fünf Tagen verurteilten sie Drändorf als Ketzer zum Tod auf dem Scheiterhaufen. [115] Dies zeigt, dass sowohl Kurfürst als auch Universität bereit waren, die angeblichen von Ketzern und Sektierern ausgehenden Gefahren mit drastischen Mitteln zu bekämpfen. Die Initiative für die Hexenprozesse, vermutet Schmidt, sei eher von „oben“ als von der Bevölkerung ausgegangen. Letztere habe über Hexerei zwar anscheinend diskutiert [116], und es habe möglicherweise auch ein Verfolgungspotenzial von „unten“ gegeben, aber die Prozesse seien offensichtlich von Amts wegen als weltliche Inquisitionsprozesse begonnen worden. Zum Blech schreibt, die Prozesse seien auf „gemeine lumbde“, das heißt auf das öffentliche Gerücht hin, eröffnet worden. [117]

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2. Es existierte eine Krisensituation.

Wie wir von Peter zum Blech erfahren haben, war der Anlass der Hexenjagd eine Epidemie, von der ungefähr 50 Personen betroffen waren.

3. Peter zum Blech könnte man durchaus einen Profilierungswillen unterstellen, halfen ihm doch die Heidelberger Hexenprozesse dabei, seinen Ruf als Hexereiexperte weiter zu verbessern.

4. Bleibt die Frage, wie das Wissen über Hexerei so schnell nach Heidelberg gelangen konnte. Schmidt führt hier verschiedene Möglichkeiten an. Wie oben schon behandelt, beschäftigten sich die Gelehrten der Heidelberger Universität schon länger mit der Dämonologie. Die Heidelberger Universität lag innerhalb des Reiches dem Entstehungszentrum der Hexenverfolgung am nächsten. Wie oben schon erwähnt, ist es durchaus möglich, dass die Universität durch Propagandaschriften des Baseler Konzils oder auch durch Teilnehmer des Konzils mit den Vorstellungen über Hexerei in Kontakt kam. Nikolaus von Jauer hielt sich sowohl auf dem Konstanzer (1416/17) als auch auf dem Baseler Konzil (1432 und 1434) auf. [118] Ohnehin scheinen die Beziehungen zwischen Basel und der Kurpfalz gut gewesen zu sein. Dies lässt sich an der Entsendung Peters zum Blech an den Pfälzischen Kurfürsten erkennen. In den Auseinandersetzungen am Oberrhein in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts waren die Kurpfalz und Basel miteinander verbündet. [119]

Der Rhein als Verkehrsverbindung war für eine schnelle Informationsverbreitung geeignet, so dass das Wissen über die neue Bedrohung und wie man diese bekämpft, auf diesem Wege schnell von der Schweiz Richtung Norden gelangen konnte. Dieser Punkt trifft nicht nur auf die Verbindung zwischen Basel und Heidelberg, sondern auf die gesamte frühe Prozessregion zu. De Blecourt und de Waardt haben außerdem auf die Weiterverbreitung der Hexenverfolgung flussabwärts auch für den Niederrhein, also die Niederlande, hingewiesen. [120]

Schmidt hat auf eine noch viel direktere Verbindung zwischen der Ursprungsregion der Hexenverfolgung und der Kurpfalz aufmerksam gemacht: Die pfälzischen Kurfürsten waren mit dem Haus Savoyen familiär verbunden. Kurfürst Ludwig III. hatte Mathilde, die Tochter Amadeus VII. geheiratet, die Schwester Amadeus VIII. Der Sohn aus dieser Ehe, Kurfürst Ludwig IV., heiratete 1445 wiederum Margarete, die Tochter von Amadeus VIII., der wie wir wissen, 1439 zum Gegenpapst gewählt wurde. [121]

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Es blieb nicht bei den Prozessen von 1446/47. In einer Chronik Kurfürst Friedrichs I. des kurpfälzischen Hofbiographen Matthias Widman von Kemnath von 1476 kommt dieser zwischen Ausführungen über die Hussiten und dem Kapitel „Von der Bosheit der Juden“ auf die Hexen zu sprechen. Die Beschreibung dieser „sect Gazariorum“, wie er sie nennt, ist laut Schmidt eine fast wörtliche Übersetzung der Errores Gazariorum. Solche Unholde, so der Chronist, gäbe es auch in Heidelberg. Erst 1475 seien auf „der zentt bei dem Tilsberg“ (heute Dilsberg unweit von Heidelberg) zwei Frauen als Hexen verbrannt worden. Die Frauen hätten Wetter- und andere Schadenzaubereien begangen und hätten sich zum Hexensabbat getroffen. [122] Kemnath schreibt, in Heidelberg sei es bekannt, dass die Hexen auf Katzen oder Besen zu Sabbaten reiten würden. Die Versammlungsplätze seien auch bekannt, so würden sie „uff die Angelgrub und Kurnav faren“. [123]

Schmidt fasst die Informationen aus der Chronik des Mathias Widmann von Kemnath folgendermaßen zusammen: Bis 1475/76 seien in Heidelberg und Umgebung Hexenprozesse nach dem elaborierten Hexenmuster geführt worden. Zwar wurde Kemnath nur einmal, bei den Prozessen gegen die zwei Frauen 1475/76, konkret. Er spreche aber von vielen Verbrennungen, die er gesehen habe und die auch andere Gebiete betroffen hätten. Es muss dabei offen bleiben, so Schmidt, ob der Chronist nur kurpfälzische Gebiete gemeint hat oder auch andere Territorien. Auch muss offen bleiben, wann diese vielen Verbrennungen stattfanden. Möglicherweise setzten sich die Hexenprozesse seit der ersten Verfolgung durch Peter zum Blech bis in die Jahre 1475/76 fort. [124] Als wichtig erweist sich auch, dass die Heidelberger feste Tanzplätze kannten, denn dies zeigt deutlich, dass der neue Hexenglaube mittlerweile innerhalb der Stadtbevölkerung verbreitet und etabliert war.

Wie vielschichtig die Beziehungen der Kurpfalz zu den Kernregionen der frühen Verfolgungszeit waren, zeigt sich, wenn man berücksichtigt, dass das elsässische Schlettstadt, Geburtsstadt und Heimatkonvent Heinrich Kramers, zur pfälzischen Landvogtei gehörte. Kramer berichtet in seinem Hexenhammer auch von Hexenprozessen in dieser Gegend. Ob die Kurpfalz auch irgendetwas mit Hexenprozessen in den pfälzischen Besitzungen im Elsaß zu tun hatte, lässt sich, so Schmidt, angesichts einer völlig unbefriedigenden Forschungslage in diesem Raum vorläufig allerdings nicht klären. [125]

5. Elsaß, Lothringen und Luxemburg

Für diese Region links des Rheins sind zahlreiche Hexenprozesse belegt. Die Territorien gehörten zum Heiligen Römischen Reich deutscher Nation, waren aber bereits zu dieser Zeit sowohl deutsch- als auch französischsprachig. Häufig sind die Prozessakten in französischer Sprache abgefasst. Da die Territorien dieser Region sowohl politisch als auch kulturell in Beziehung zum Reich stehen, beziehe ich sie in diese Untersuchung ein. [126]

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Die Forschungslage zum Elsaß ist leider noch sehr unzureichend, so dass zu den Ursprüngen der Hexenverfolgung in der Gegend wenig bekannt ist. Wie schon im vorigen Kapitel erwähnt, ist über frühe Hexenprozesse in den vorderösterreichischen Besitzungen im Elsaß für die Mitte des 15. Jahrhunderts nichts bekannt. In den Reichsstädten Straßburg und Mühlhausen fanden in den 1450er Jahren die bereits erwähnten Prozesse statt. Dabei handelt es sich bei dem Straßburger Prozess nicht um einen Hexenprozess, sondern um einen Akkusationsprozess wegen Verleumdung. Dass der verurteilte Mann aber Gerüchte über Hexerei in die Welt setzte, zeigt, dass das Thema Hexerei schon bis hierher vorgedrungen war. Die Prozesse in Mühlhausen 1454 enthielten bereits Elemente, die in den frühen Traktaten beschrieben wurden. So weisen die Berichte über den Hexenflug und die Herstellung von Pulver, die zur Schädigung von Menschen und zur Auslösung von Hagelwettern dienen sollten, laut Blauert, starke Entsprechungen Hans Fründs Bericht auf. Die zu dieser Zeit durchgeführten Hexenprozesse haben, so Blauert, zur Verbreitung des neuen Hexenglaubens in der Prozessregion geführt. [127] In den 1470er und 1480er Jahren sind für das Elsaß eine Reihe von Prozessen belegt, die möglicherweise mit Heinrich Kramer in Zusammenhang stehen, der aus dieser Gegend stammte. So kann der berüchtigte Hexeninquisitor zwar nicht als Verursacher der Hexenverfolgungen im Elsaß gelten, aber er ist höchstwahrscheinlich mitverantwortlich dafür, dass sie weitergeführt wurden. [128]

In den Territorien Lothringen und Luxemburg fanden in dieser frühen Phase bereits Prozesse statt. Aufgrund mangelnder Angaben über Prozessdetails ist es, laut Elisabeth Biesel, oft nicht möglich, zwischen Zauberei- und Hexereiprozessen zu unterscheiden. Dennoch zeige sich, dass auch unter den frühen Prozessen bereits echte Hexenprozesse gewesen seien, in denen die Mitwirkung des Teufels vorausgesetzt wurde. [129]

Der wohl berühmteste Fall aus dieser Gegend ist der Jeanne d’Arcs. Ihre angebliche Wundertätigkeit wurde von luxemburgischer Seite in einem Konflikt um den Trierer Erzbischofsstuhl genutzt. In diesem Zusammenhang wurde ihr von dem Mainzer Großinquisitor Heinrich Kalteisen 1436 Hexerei vorgeworfen. Es kam jedoch weder zu einer Verhaftung noch zu einem Prozess, weil die Pucelle wieder zurück auf luxemburgisches Territorium geholt wurde. Bis dorthin reichte Kalteisens Macht nicht. [130] Da es nicht zum Prozess kam, kann nicht gesagt werden, ob ihr Fall Einfluss auf die Hexereivorstellungen der Region genommen hat. Zu der Verbreitung dämonologischer Vorstellungen hat er, laut Blauert, aber beigetragen, denn unter den Gelehrten wurde darüber ausführlich diskutiert. [131]

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Das weitere Ansteigen von Hexenverfolgungen im Herzogtum Luxemburg bringt Alain Atten mit dem Wechsel der Gerichtsverfassung in Folge des Burgundereinmarsches 1443 in Verbindung. Auch scheint seitdem in der ganzen Region die Inquisition stärker um sich gegriffen zu haben. [132] 1445 fand in Verdun ein Hexenprozess gegen drei Frauen statt, bei dem neben dem Vorwurf des Wetterzaubers für jede der angeklagten Frauen der Hexenname, der Meisterteufel und die Art des jeweiligen Huldigungskusses genannt wurden. Zwei der Frauen wurden verbrannt. Die dritte, die Gattin des Schöffenmeisters, wagte das Gericht offenbar nicht hinzurichten. [133] An diesem Prozess wird deutlich, wie schnell sich der elaborierte Hexenglaube vom Ursprungsgebiet nach Norden ausgebreitet hat. Da es sich um einen Prozess durch die kirchliche Inquisition gehandelt hat, ist es wahrscheinlich, dass diese auch den elaborierten Hexenglauben mitgebracht hat. Leider macht Atten keine Angaben darüber, welcher Inquisitor hier tätig war. Möglicherweise könnte man so eine Verbindung zu den bereits bekannten Hexenjägern oder -theoretikern herstellen.

In Luxemburg wurden innerhalb von sechs Jahren mindestens sieben Frauen als Hexen verhaftet: 1455 wurden in Luxemburg drei Frauen verhaftet. Die Erste erhängte sich nach wenigen Tagen, der Zweiten gelang die Flucht und die Dritte ließ man zunächst frei, um sie dann doch wieder einzufangen und zu verbrennen. Über die den Frauen vorgeworfenen Verbrechen ist nichts bekannt. Der Prozess fand ohne Hinzuziehung der Inquisition statt. Der folgende Prozess von 1457 zeigt, dass die Menschen der Region offenbar immer argwöhnischer gegenüber Abweichungen vom normalen Verhalten wurden. In Luxemburg wurde eine Frau verhaftet und innerhalb von fünf Tagen zu Tode gefoltert, weil sie sich in der Kirche sonderbar benommen haben soll. Die Leiche wurde in ungeweihter Erde verscharrt. [134] 1461 wurden wieder drei Frauen als Hexen verhaftet. Der Prozess begann zunächst ohne Beteiligung der kirchlichen Inquisition. Die erste Frau wurde unter der Folter schnell geständig und sofort verbrannt. Was sie gestand, ist offenbar nicht bekannt. Die anderen beiden gestanden jedoch selbst unter der Folter nicht, so dass das Gericht Hilfe bei der Inquisition suchte. Diese kam in der Person des mittlerweile 71jährigen Großinquisitors Kalteisen und eines Trierer Offizials. Leider sind die Gerichtsprotokolle nicht erhalten. Atten geht aber davon aus, dass auch diese Frauen hingerichtet wurden.

Alle drei beschriebenen Prozesse geben keinen Hinweis darauf, dass es sich tatsächlich um Hexenprozesse nach elaboriertem Hexenglauben gehandelt hat. Angesichts der Hinrichtungsweise – Verbrennen – und der Tatsache, dass es sich in allen Fällen um Frauen gehandelt hat, ist dies aber sehr wahrscheinlich. Auch die Tatsache, dass in Verdun, also nicht weit entfernt, vorher schon ein mit Sicherheit echter Hexenprozess stattgefunden hat, stützt diese Annahme.

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In Metz und Umgebung wurden im April und Mai 1456 mehrere Männer und Frauen als Wettermacher verbrannt. Der Metzer Chronist spricht von „l’art diabolique des sorciers et sorcieres“ [135]. Vermutlich die selben Prozesse werden in einem Brief des Metzer Gerichtes an den Kölner Rat erwähnt. Darin berichtet dieses über die Verfolgung von Wettermachern seitens des Bischofs von Metz, die wegen teuflischer Werke (oeuvres diaboliques) verbrannt wurden [136]. Ob die Erwähnung des Teufels mit dem gelehrten Hexenglauben in Zusammenhang steht oder mit der allgemeinen Verketzerung von Zauberei, ist hier nicht ersichtlich.

Während der nächsten Hexenverfolgungswelle in den 1480er Jahren gehörte Lothringen zu den verfolgungsintensivsten Regionen. Infolge von Missernten und Seuchen, die diese Gegend heimsuchten, breitete sich das Hexenfieber ausgehend von Metz aus: 1481 wurden zahlreiche Wetterzauberinnen in Metz und Umgebung verbrannt. [137] In Luxemburg kamen 1487 erneut drei Frauen als Hexen auf den Scheiterhaufen. Ein Jahr später kam es in Metz zu einer der größten Hexenverfolgungen des 15. Jahrhunderts: 35 Frauen starben dort in den Flammen. Die Anklage lautete zumeist auf Wetterzauber, Verursachung von Ernteschäden und Viehseuchen. [138] Die Ursache der Verfolgungen in örtlichen Krisen tritt hier klar zu Tage. Auch diese Prozesse lassen wieder keine eindeutige Identifizierung als echte Hexenprozesse zu, da die Erwähnung eines Teufelspaktes in den Anklagen fehlt. Die hohen Opferzahlen lassen aber vermuten, dass das Gericht von einer Sekte oder zumindest einer Tätergruppe ausging. Vermutlich sind zumindest einzelne Elemente des kumulativen Hexenglaubens bei den Prozessen zum Tragen gekommen. Der eindeutige Schwerpunkt der Anklage lag auf jeden Fall auf dem Vorwurf des Schaden- und Wetterzaubers. Es handelt sich daher wahrscheinlich um Prozesse, die durch die Prozessregion entlang des Rheins beeinflusst sind, und nicht um einen Prozess nach dem französischen Hexereikonzept. Jerouschek und Behringer halten es für möglich, dass Kramer an diesen Hexenverfolgungen beteiligt war, da er sich zu dieser Zeit gerade in der Gegend aufhielt. Belegen lässt sich diese Vermutung jedoch nicht.

Bei Verfolgungen im benachbarten Kurtrier mit über 30 Opfern ist eine Beteiligung Kramers ebenfalls möglich. Hinweise darauf gibt der Bericht eines Henkers aus dem Jahre 1494 über diese Verfolgungen. Details zum Umgang mit den angeklagten Frauen stehen im Einklang mit dem Hexenhammer. [139] Die Prozesse könnten also auch ohne Beteiligung Kramers, aber nach der Rezeption des Hexenhammers geführt worden sein. Ein eindeutiges Zeugnis für die Rezeption des Hexenhammers in dieser Region gibt es jedenfalls. So führte die Lektüre des Formicarius und des Hexenhammers bei dem
Eberhardsklausener Mirakelchronisten Wilhelm von Bernkastel zu einem regelrechten Bekehrungserlebnis. Die durchaus vorhandene Skepsis weltlicher Amtsträger, über die sich Kramer im Hexenhammer noch in Bezug auf Koblenz beklagt, wurde dadurch unterminiert. Dies wurde noch durch das persönliche Erscheinen von Institoris an der Mittelmosel unterstützt, wo er der Gemeinde Ediger als Gegenleistung für eifriges Beten gegen die Hexen einen Ablaß gewährte. [140] Außerdem hat er dort einen Kreuzweg errichten lassen, der gegen die Bedrohung durch die Hexensekte schützen sollte. [141]

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In der Stadt Trier kam es 1490/91 zu einem Zaubereiverfahren. Aufgrund fehlender Angaben kann auch hier nicht gesagt werden, ob es sich um einen Prozess nach elaboriertem Hexenglauben handelte. Der Prozess wurde offenbar durch Besagungen von Frauen in Gang gesetzt, die in benachbarten luxemburgischen Orten wegen Hexerei angeklagt worden waren. Rita Voltmer, die den Trierer Prozess untersucht hat, vermutet, dass der Frau möglicherweise die Verursachung einer Seuche vorgeworfen wurde, die aufgrund der schlechten Versorgungslage ausgebrochen ist. Es ist nicht überliefert, ob die Frau, die offenbar mehrmals gefoltert wurde, auch hingerichtet wurde. Der Prozess verweise, so Voltmer, auf die Vorbildwirkung von Hexenprozessen und ihre grundsätzliche Tendenz, territoriale Grenzen zu überspringen. Außerdem scheine die schon damals wichtige Funktion der Besagung angeblicher Komplizen durch eine „geständige Hexe“ eine entscheidende Rolle gespielt zu haben. [142]

Das französische Konzept lässt sich bei einem Prozess von 1492 in Etain 40 Kilometer westlich von Metz identifizieren. Dort wurde eine angebliche Kräuterhexe verbrannt, weil ihr Mann ein Vaudois (Waldenser) gewesen und sie selbst dadurch in den Ruf geraten sei, „de servir Génoche“, d. h. eine Teufelsbündnerin zu sein. [143] Die Grenze zwischen französischem und deutschem Konzept (so will ich es einmal mangels anderer Bezeichnung nennen) verlief offenbar innerhalb Lothringens, vermutlich entlang der deutsch-französischen Sprachgrenze.

6. Niederrhein

Die Sprachgrenze bildete auch die Trennlinie zwischen deutschem und französischem Konzept in den Niederlanden. In den südlichen Niederlanden wurden seit den 1450er Jahren zum Teil verheerende Hexenprozesse durch die Inquisition geführt. Herausragendes Beispiel ist der Hexenprozess im flandrischen Atrecht (Arras) gegen mindestens 34 Personen. Zwölf Personen wurden zum Tod verurteilt. Die Angeklagten wurden der Vauderie (Waldenserei) beschuldigt. Seitdem waren die Hexenprozesse in der französischsprachigen Hälfte der Niederlande mit dem Vorwurf der Vauderie verknüpft. [144] In den nördlichen deutschsprachigen Niederlanden [145] fanden noch lange Zeit klassische Toverij- (also Zauberei-)prozesse statt. Erst nach und nach drang der elaborierte Hexenglauben über die Handelswege vor allem von Köln ausgehend auf den Flüssen Rhein, Maas und Schelde in diese Region und erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurden in Gerichtsverfahren wegen Toverij härtere Strafen verhängt und die Anklagen auf den Teufelspakt ausgedehnt. Ein Beispiel für den Einfluss Kölns sind Hexenverfolgungen, die 1491 in Zutphen im Herzogtum Geldern stattfanden. Offenbar wusste der Rat dort zunächst nicht, wie er mit Teufelsbündlern verfahren sollte und bat deshalb den Bürgermeister und den Rat der Stadt Köln um Auskunft, wie mit drei gefangen gehaltenen Zauberinnen umzugehen sei, die selbst unter härtester Folter nicht gestanden hätten. Die Antwort aus Köln half den Behörden von Zutphen anscheinend weiter, denn seit diesem Zeitpunkt verstand sich der örtliche Henker, so de Blecourt und de Waardt, bestens auf sein Handwerk. In den folgenden Jahrzehnten traten die Scharfrichter aus Zutphen nun selbst als Experten auf. [146]

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In Köln verfügte man zu dieser Zeit, wie das Hilfegesuch aus Zutphen zeigt, offenbar über Erfahrungen in Hexereiangelegenheiten. Möglicherweise war die Verbrennung von zwei Wetterzauberinnen 1456 die erste Gelegenheit für die Kölner Scharfrichter, in diesem Bereich Erfahrungen zu sammeln. Interessant an diesem Prozess ist, dass er offenbar im Zusammenhang mit der oben genannten Verfolgung im gleichen Jahr in Metz steht. Eine der Frauen des Kölner Prozesses war eine Bürgerin aus Metz. In einem erhaltenen Briefwechsel zwischen dem Kölner Rat und dem Gericht von Metz berichtet letzteres über diese Frau und über Verfolgungen von Wettermachern im gleichen Jahr in Metz, die wegen teuflischer Werke (oeuvres diaboliques) verbrannt wurden. [147] Die lothringischen Verfolgungen haben also möglicherweise bis nach Köln ausgestrahlt.

Der erste Kölner Prozess, der alle Merkmale des elaborierten Hexenglaubens aufweist, ist erst für das Jahr 1507 belegt. [148] Wie der elaborierte Hexenbegriff nach Köln gelangte, ist nicht bekannt. Möglich wäre auch hier der Weg über die Universität. Wie ich weiter oben schon beschrieben habe, beschäftigte man sich auch an der theologischen Fakultät Köln mit Dämonologie. Jacob Sprenger war Prior des Kölner Dominikanerklosters. Nachdem eindeutig festgestellt wurde, dass er nichts mit Institoris und dem Hexenhammer zu tun hatte und selbst keine Hexenprozesse geführt hat, ist dieser Tatsache wohl weniger Gewicht beizumessen. Das Wissen über die Hexenprozessführung könnte 1491 bereits dem Hexenhammer entnommen worden sein. Da man mit Sprenger aber eine geistliche Autorität in Köln hatte, die ein ausgesprochener Gegner des Autors war, - am 19. November 1487 erhielt Sprenger sogar die Ermächtigung des dominikanischen Ordensgenerals gegen Kramer vorzugehen [149] - kann man diese Möglichkeit zumindest anzweifeln. Das schnelle Vordringen des Verfolgungswissens bis nach Köln kann auch mit dem Handel und Verkehr entlang des Rheins zusammenhängen. Die Ausbreitung der Theorie und der Praxis der Hexenverfolgung entlang der Flüsse und Handelswege stellten de Blecourt und de Waardt zumindest für die Niederlande fest. [150]

7. Resümee

Die Prozesse in Luzern, in der Region am Hochrhein und im Elsaß standen, wie Blauert überzeugend dargelegt hat, mit hoher Wahrscheinlichkeit dadurch in Beziehung zueinander, weil über die Gefahr, die von der neuen Hexensekte ausging, diskutiert wurde und so Prozesse von einem Ende der Prozessregion in Prozessen am anderen Ende erwähnt wurden. Innerhalb dieser Prozessregion hatten die Richter also das gleiche Hexereikonzept rezipiert. In Prozessen an der Mosel und am Mittel- und Niederrhein wurden etwas später ebenfalls Prozesse geführt, die nicht mehr als Zaubereiprozesse bezeichnet werden können, jedoch auch noch nicht als Hexenprozesse nach elaboriertem Hexereikonzept. Meine Hypothese ist, dass sich von der Prozessregion am Hoch- und Oberrhein weniger das gesamte Hexenkonzept, als viel mehr das Verfolgungswissen rheinabwärts und in den Moselraum ausgebreitet hat und sich dort in Verfolgungen auswirkte.

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Unter Verfolgungswissen verstehe ich:

1. Das Bekanntsein der Möglichkeit, Einzelnen oder einer Gruppe von Menschen, denen die Verantwortung für Krisen, wie Ernteschäden, Epidemien oder Unwetterkatastrophen zugeschoben wird und denen zauberische Fähigkeiten zugeschrieben werden, den Prozess zu machen.

2. Das Wissen darüber, wie der Prozess zu führen ist, damit die Angeklagten die ihnen vorgeworfenen Verbrechen gestehen. Dies scheint einfach zu sein: Wenn man einen Menschen lange genug foltert, wird er wahrscheinlich irgendwann alles gestehen. Dazu mussten aber Methoden bekannt sein, die das geltende Recht möglichst nicht verletzten und trotzdem zum Ziel führten. Außerdem glaubte man offenbar, dass sich die Angeklagten durch Magie vor der Folter unempfindlich machen konnten, so dass man meinte, Gegenmittel zu benötigen, wie sie im Hexenhammer beschrieben sind.

Verfolgungswissen schließt also nicht notwendig alle Elemente des elaborierten Hexenglaubens ein und konnte sich unabhängig von diesem ausbreiten. In den Territorien entlang des Rheins ist das meiner Meinung nach geschehen. In Heidelberg ist der elaborierte Hexenglauben schon vor dem Verfolgungswissen rezipiert worden. Dieses kam erst durch Peter zum Blech aus Basel dazu und zwar noch bevor in Basel die ersten Prozesse nach elaboriertem Hexenkonzept geführt wurden. In Metz hingegen kam man offenbar lange Zeit bei der Führung von Massenprozessen gegen Wetterzauberinnen allein mit dem Verfolgungswissen aus.

Eine wichtige Rolle für die Verbreitung des Verfolgungswissens spielten Experten wie Peter zum Blech oder Cutzmann Egerkind aus Basel, die bereits Erfahrung in der Führung von Hexenprozessen hatten. Eine andere Möglichkeit zur Verbreitung des Verfolgungswissens war die Korrespondenz zwischen den Städten, wie sie zwischen Metz und Köln 1456 und zwischen Köln und Zutphen 1491 belegt ist. Das Vordringen der Hexenverfolgung durch Inquisitoren ist in dieser frühen Phase nur in dem Fall von Verdun nachgewiesen. Dieser lässt sich aber nicht in die anderen Prozesse im Raum Luxemburg-Lothringen einordnen, weil er das vollständige elaborierte Hexenkonzept enthielt und keine personelle Verbindung zu anderen Prozessorten existiert. Auch am Beispiel des Prozesses in der Stadt Trier wird die Tendenz von Hexenprozessen territoriale Grenzen zu überspringen und die Bedeutung von Besagungen für die Ausbreitung von Hexenverfolgungen deutlich.

Der schnelle Informations- und Personalaustausch zwischen den Städten wurde durch den Rhein und die Mosel als Verkehrsstraßen ermöglicht. Die günstigen Reisebedingungen entlang der Flüsse sind wohl auch der Grund dafür, dass Heinrich Kramer hier weiter nach Norden vordrang als in den östlicher gelegenen Teilen des Reiches. [151]

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Die Aktivitäten Kramers waren für das Vordringen des elaborierten Hexenglaubens bis zum Mittelrhein und an die Mosel von großer Bedeutung. Die Errichtung eines Kreuzweges gegen die Hexen und Predigten sowie ein Ablass, den er in Ediger an der Mosel für eifriges Beeten gegen die Hexen versprach, bewirkten in Kurtrier vermutlich die Hexenverfolgung, über die ein Henker im Jahre 1494 berichtet. Einzelne Prozesse wurden wahrscheinlich auch dadurch befördert, dass im Kloster Eberhardsklausen der Mönch Wilhelm von Bernkastel bereits den Hexenhammer und den Formicarius gelesen hatte. Seine daraus gewonnenen Erkenntnisse veranlassten ihn dazu, die Besucher des Klosters über die eigentliche Ursache ihres Unglücks, nämlich die Untaten der Hexensekte, zu informieren. In der benachbarten Saar-Region, wo ein Aufenthalt Kramers nicht nachgewiesen ist, fand der erste Hexenprozess erst 1500 statt. [152]

Nach Westen wurde die Prozessregion durch die Sprachgrenze, die durch Lothringen und Luxemburg ging, begrenzt. Jenseits dieser Grenze wurde das französische Konzept angewandt. Dort wurde, wie bereits bei den ersten Prozessen in der Westschweiz, das Delikt der Schadenzauberei mit der Waldenserei (vaudoisie) verknüpft und der Schwerpunkt stärker auf Ketzerei mit Teufelsanbetung gelegt. Das französische Konzept wurde in den Niederlanden auch südlich der Sprachgrenze angewandt. Nördlich davon griff das deutsche Konzept. Jenseits der Ostgrenze der Prozessregion entlang des Rheins wurden bis dahin keine Hexenprozesse oder Vorläufer davon geführt.

Bei der Ausdehnung der Prozessregion wurden keine festen Stereotype weitervermittelt, sondern die traditionellen Prozesse gegen Zauberei wurden in ihrer lokalen Ausprägung mit dem neuen Verfolgungswissen und einzelnen Elementen des elaborierten Hexenglaubens gekoppelt. In Lothringen, wo Weinbau betrieben wurde, lautete die Anklage meist auf Wetterzauber. Allein die große Zahl Hingerichteter lässt die Annahme zu, dass die Verfolger bereits von einer Sekte ausgingen. In den Niederlanden mischte sich in die traditionellen Toverij-Prozesse der Tatbestand des Teufelsbündnisses. Das Delikt wurde jedoch nach wie vor Toverij genannt.

B. Die Verfolgungswelle im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts in         Süddeutschland

Nach der Verfolgungswelle um 1450 entlang des Rheins kommt es um die 1480er Jahre zu Hexenverfolgungen im gesamten Südwesten des Reiches. In den Gebieten der ersten Prozesse flammten wieder Hexenverfolgungen auf. Blauert stellt für die Westschweiz und die Luzerner Gegend von der Mitte der 70er Jahre bis zur Mitte der 80er Jahre den eindeutigen Höhepunkt der Hexenverfolgungen des 15. Jahrhunderts fest. In den beiden nachfolgenden Jahrzehnten ist die Verfolgungsintensität noch überdurchschnittlich, wenn auch zurückgehend. [153] Aber nicht nur im Ursprungsgebiet, auch in der Südhälfte des Reiches kam es nun vermehrt zu Hexenprozessen. Eine wichtige Ursache dafür sieht Behringer in den seit Ende der 1470er Jahre häufiger einsetzenden Krisen. Es gab eine Häufung von Ernteschäden und Krankheiten und möglicherweise eine Verminderung der Fruchtbarkeit von Mensch und Tier. In diesen Jahren begann eine neue Welle der Klimaverschlechterung, die als „Kleine Eiszeit“ bekannt geworden ist. Besonders in Oberdeutschland ist es zu ungewöhnlichen Preissteigerungen gekommen und zwischen 1482 und 1484 grassierten in ganz Oberdeutschland Epidemien, denen große Teile der Bevölkerung zum Opfer fielen. Das Hexenparadigma, das sich in der Zwischenzeit weiter ausgebreitet hatte, habe den Menschen, so Behringer, nicht nur eine Erklärung für die Krankheiten und Ernteschäden gegeben, sondern auch eine Möglichkeit zu konkreten Gegenaktionen eröffnet. [154]

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1. Die Hexenverfolgung in Süddeutschland unter besonderer Berücksichtigung Heinrich Kramers als Inquisitor

Das letzte Viertel des 15. Jahrhunderts ist die Wirkungszeit von Heinrich Kramer. Er blieb in der Geschichte der Hexenverfolgung aus zwei Gründen in Erinnerung. Zum einen als Autor des Malleus Maleficarum [155], zum anderen als eifriger Inquisitor, der nach eigenem Bekunden bis 1491 mehr als 200 Hexen auf den Scheiterhaufen gebracht hat. Kramers Bedeutung für die Ausbreitung des Hexenwahns in Deutschland wird heute nicht mehr als so verheerend angenommen wie noch vor einigen Jahren. Dennoch sollte man sie für die Geschichte der Hexenverfolgung nicht unterbewerten. Aufgrund seiner Bedeutung für die Hexenverfolgung und wegen des guten Forschungsstandes zu seinem Wirkungsfeld werde ich seine Karriere als Hexenjäger hier grob nachzeichnen. Anhand seines Beispiels lassen sich Ausbreitung und Weiterverbreitung der Hexenverfolgung gut nachvollziehen.

Das tatsächliche Ausmaß seiner Prozesstätigkeit ist nicht mehr nachvollziehbar. Einige der zu dieser Zeit in Oberdeutschland stattfindenden Prozesse sind auf ihn zurückführbar. Bei vielen ist eine Verbindung sehr wahrscheinlich, oder es kann zumindest nicht ausgeschlossen werden, dass der Inquisitor daran beteiligt war. So enthalten Prozesse in Lothringen und im Elsaß Details, die auf Kramer hinweisen. Ob er aber tatsächlich damit zu tun hatte, ist nicht geklärt. [156]

Heinrich Kramers Hexeninquisitionstätigkeit in Südwestdeutschland

Heinrich Kramer wurde um 1430 in Schlettstadt, einer freien Reichsstadt des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation im Elsaß geboren. Vermutlich trat er um 1445 als Novize in das örtliche Dominikanerkloster ein und absolvierte dort das philosophische Grundstudium. Wahrscheinlich wurde er durch Hexenverfolgungen, die in den 1450er Jahren in der Region geführt wurden, zumindest Ohrenzeuge von Hexenprozessen. [157] Im Jahr 1473 trugen ihm öffentliche Angriffe auf den regierenden Kaiser Friedrich III. eine Gefängnisstrafe ein, von der ihn am 15. Juni 1474 das in Rom tagende Generalkapitel der Dominikaner entband. Am selben Tag wurde ihm die Befugnis zur Inquisition erteilt. Hier werden erstmals seine engen Beziehungen zur Ordensleitung und zur Kurie sichtbar. [158]

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Auf dem Rückweg nach Schlettstadt kam er über Trient, wo er einem Ritualmordprozess gegen Juden beiwohnte. Er half dem örtlichen Bischof sogar bei der Durchführung, indem er nach Oberdeutschland reiste, um zur Legitimation der Judenverfolgung Vergleichsbefunde aus früheren Ritualmordprozessen zu beschaffen. Dabei knüpfte er erste Kontakte zu Funktionären der Diözese Konstanz, die später die Kernregion seiner Hexeninquisition bilden sollte. Möglicherweise waren seine Nachforschungen für den weiteren Prozessverlauf entscheidend, zumindest war Kramer im Januar 1476 während der Hinrichtungen der Juden wieder in Trient. Seine Erfahrungen aus dieser Judenverfolgung hatten vermutlich auch auf seine spätere Tätigkeit als Hexenverfolger Auswirkungen. Zumindest fixierte er sich 1485 in einem Hexenprozess in Innsbruck auf eine getaufte Jüdin, die er für die Hexenmeisterin hielt. Der Einfluss Kramers bei den Judenvertreibungen im Elsaß, insbesondere aus Schlettstadt 1479, ist noch nicht erforscht und könnte, so Behringer/Jerouschek, Überraschungen bergen. [159]

Bei seinem nächsten Romaufenthalt wurde „Henrico Institoris“ am 3. März 1478 zum Inquisitor von ganz Oberdeutschland ernannt. Oberdeutschland umfasste das gesamte deutschsprachige Gebiet zwischen Böhmen und Frankreich inklusive Vorderösterreich, die deutschsprachige Schweiz und das Elsaß. Im selben Jahr wurden in Schlettstadt zwei Frauen als Hexen verbrannt. Ob Kramer mit dieser Verfolgung zu tun hat, ist nicht nachweisbar. Es gibt inhaltliche Übereinstimmungen zwischen dem Bericht einer mitangeklagten Hebamme, die aber nicht verurteilt wurde, und den Ausführungen im Hexenhammer über Hexen-Hebammen. Die Anschuldigungen gegen die Hebamme durch die beiden anderen Frauen sind ein gutes Beispiel dafür, dass Hexenverfolgungen aufgrund von Besagungen über große Entfernungen weiterverbreitet werden konnten. Die Hebamme Else Schwab, um die es hier geht, lebte zu diesem Zeitpunkt in der 250 Kilometer entfernten Reichstadt Nördlingen. Dort wurde sie sofort verhaftet, nachdem dem Rat der Stadt die Anschuldigungen der in Schlettstadt bereits verbrannten Frauen übermittelt wurden. Else Schwab wurde jedoch wieder freigelassen, nachdem sich der von ihr zu ihrer Verteidigung geschilderte Sachverhalt als richtig herausgellt hatte. [160]

Selbst wenn Institoris für die Schlettstädter Prozesse verantwortlich war, kann er nicht als der Verursacher der Hexenverfolgungen in diesem Gebiet angesehen werden, da im Elsaß, wie im vorigen Kapitel dargestellt, schon lange vorher Hexenprozesse geführt wurden. Vielmehr ist es wahrscheinlich, dass Institoris seine Kenntnisse über Hexerei den Hexenverfolgungen in seiner Heimat verdankt. Wie weit er in die Prozesse der 1480er und 1490er Jahre in dieser Gegend verwickelt ist, ist mangels Quellen nicht nachweisbar. [161]

In den 1480er Jahren begannen sich auch in der Schweiz die Hexenprozesse zu häufen. In der Diözese Lausanne war der dominikanische Inquisitor Thomas Gogat am Werk. Nördlich des Genfer Sees wurden in mehreren Städten weltliche Hexenprozesse geführt. Auch am Hochrhein kam es nun wieder zu Verfolgungen: Bei zwei Hexenverbrennungen im Jahr 1482 im Gebiet des Klosters St. Gallen und in Liestal bei Basel sind die Gerichtsverhältnisse unklar. Interessanterweise hat Kramer in diesem Jahr durch den Bischof der Diözese Basel seine Berechtigung zur Inquisition veröffentlichen lassen. Ob die beiden Prozesse auf ihn zurückgehen, ist aber bisher nicht nachgewiesen. Kramer erwähnt im Hexenhammer zahlreiche von ihm geführte Prozesse in elsässischen Orten, die in der Diözese Basel lagen. Auch für diese Prozesse ist eine Beteiligung Kramers bisher noch nicht erforscht worden. [162]

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Damals hielt sich Kramer auf jeden Fall in seiner Heimatgegend auf, weil er 1482 zum Prior seines Heimatkonvents in Schlettstadt gewählt wurde. In der Diözese Straßburg hat Kramer ebenfalls mehrere von ihm im Hexenhammer als Beispiele erwähnte Prozesse geführt. Pikanterweise tat er dies gerade in den Herrschaften zweier vorderösterreichischer Landvögte, die in engem Verhältnis zu Erzherzog Sigmund von Tirol standen, der sich 1485/86 als ein Gegner der Hexeninquisition Heinrich Kramers erweisen sollte. Offenbar stieß Kramer auch schon früher bei dem Straßburger Bischof auf Widerstand. Das würde zumindest erklären, weshalb dieser in der Bulle Summis desiderantes affectibus ausdrücklich zur Unterstützung der Hexeninquisition ermahnt wurde. [163]

Bei seinem nächsten Romaufenthalt trug Kramer dem Papst den Plan vor, eine spezielle Bruderschaft zur Verfolgung von Hexen ins Leben zu rufen, die unter der Leitung beständig predigender Inquisitoren stehen sollte, was wohl konkret bedeutet hätte: unter seiner Leitung. Sixtus IV. billigte den Plan, den Kramer aber nicht umsetzte. Möglicherweise wollte Institoris auf diese Weise ein neues Betätigungsfeld für die in Deutschland weitgehend bedeutungslos gewordene Inquisition eröffnen. [164]

Kramers Verfolgungen in der Diözese Konstanz, der größten Diözese des Reiches - sie umfasste einen Großteil des heutigen Bundeslandes Baden-Württemberg, die nördliche Eidgenossenschaft und Teile Vorarlbergs - stießen offenbar auf wenig Widerstand. Hier hatte er vermutlich seinen größten Erfolg als Hexenjäger. Zumindest gibt er im Hexenhammer die Zahl von 48 Frauen an, die dort in den Jahren 1481-1485 als Hexen verbrannt worden seien. [165] Diese Zahl wurde zwar angezweifelt, weil Kramer im Hexenhammer nur auf wenige Verbrennungen direkt eingeht, Behringer und Jerouschek halten die Angabe aber für realistisch.

Vor den von Kramer in dieser Gegend durchgeführten Hexenverfolgungen sind in der unmittelbaren Umgebung des Bodensees keine Hexenprozesse nach elaboriertem Hexenglauben nachweisbar, obwohl diese Gegend bereits in den 1450er Jahren von den Luzerner Richtern dem Gebiet zugerechnet wurde, in dem die Hexensekte ihr Unwesen trieb. Für das relativ kleine Hochstift Konstanz, westlich des Bodensees gelegen, stellt Wolfgang Zimmermann die erste Hexenverbrennung erst für das Jahr 1557 fest. [166] Dies erstaunt auf den ersten Blick, stand doch der Konstanzer Bischof Otto Truchsess von Waldburg-Sonnenberg Heinrich Kramers Tätigkeit wohlwollend gegenüber. Das Hochstift war jedoch sehr klein und selbst in den wenigen der Herrschaft des Bischofs direkt unterstellten Besitzungen lagen die Hochgerichtsrechte häufig nicht bei ihm. [167]

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Annette von Laer erwähnt erst für 1483 einen Prozess in Konstanz (die Stadt unterstand nicht der Herrschaft des Hochstiftes), bei dem der als Unholdin bezeichneten Beschuldigten ein Teufelspakt vorgeworfen wurde. [168] Eine Verbindung zu Kramer ist möglich, aber nicht nachweisbar. Kramer hat sich in der Stadt Konstanz aufgehalten. Das gilt heute aufgrund eines neuen Quellenfundes als gesichert. [169] In den städtischen Quellen taucht er allerdings nicht auf. Dass dies nicht unbedingt etwas zu bedeuten hat, zeigt eine Hexenverfolgung in der oberschwäbischen Reichsstadt Ravensburg.

Die Ravensburger Hexenverfolgung

Institoris erwähnt die Ravensburger Prozesse mehrfach im Hexenhammer. [170] In den städtischen Quellen taucht Kramer aber auch hier nicht auf. In den Ravensburger Urfehden von vier höchstwahrscheinlich von Kramer verhafteten, später wieder freigelassenen Frauen wird er ebenfalls nicht erwähnt. Aufgrund der fehlenden Angaben über Kramer in den juristischen Dokumenten muss man, so Jerouschek und Behringer, bei jedem Hexenprozess der Region in den frühen 1480er Jahren damit rechnen, dass der Inquisitor Heinrich Kramer im Hintergrund mitgewirkt haben könnte. [171] Denn, dass er tatsächlich mit diesen Prozessen zu tun hatte, wird aus einem Brief des Ravensburger Bürgermeisters Konrad Geldrich ersichtlich, den dieser am 17. Dezember 1484 nach einer Anfrage des Erzherzogs Sigmund von Österreich wegen der Ravensburger Hexeninquisition nach Innsbruck schickte. In der Reichsstadt Ravensburg fand demnach im Oktober 1484 eine Hexenverfolgung unter der Führung von einem „doctor predigerordens“ - Heinrich Kramer - statt. Dazu habe er sich zunächst in der Stadt durch sein päpstliches Schreiben als Inquisitor ausgewiesen und in den Kirchen über Hexerei gepredigt. Dabei habe er die Bevölkerung zu Denunziationen aufgerufen, falls sie von irgendwelchen Hexen oder Unholden wüssten oder auch nur einen Verdacht hätten. Daraufhin seien zahlreiche Frauen und Männer zu dem Inquisitor gekommen, um Aussagen zu machen. Aufgrund des so gesammelten „Beweismaterials“ habe der Stadtrat etliche Frauen verhaftet. Von den vielen eingekerkerten Frauen hätten allerdings nur zwei gestanden, sich dem Teufel ergeben und Schaden- und Wetterzauber verübt zu haben. Die beiden geständigen Hexen seien verbrannt worden. [172]

Andreas Blauert hält die Ravensburger Verfolgung trotz der zwei hingerichteten Frauen für letztlich gescheitert, da eben „nur“ zwei Frauen sterben mussten. Kramer hatte offenbar die Absicht, noch wesentlich mehr Frauen auf den Scheiterhaufen zu bringen. Doch nachdem er Ravensburg verlassen und die Prozessführung dem Stadtrat überlassen hatte, kamen die Prozesse zum Erliegen. Kramers auch im Hexenhammer propagiertes Bemühen die Führung von Hexenprozessen in die Zuständigkeit der weltlichen Gerichtsbehörden zu legen, verfehlte in Ravensburg noch die angestrebte Wirkung. [173]

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Dennoch kann man bei der Ravensburger Verfolgung nicht von einer allein durch Kramer gegen den Willen der Bevölkerung in Gang gesetzten Hexenjagd sprechen. Kramer kam nach Ravensburg, weil er dorthin gerufen wurde. Die Stadt befand sich im Vorfeld der Hexenverfolgung nachweislich in einer durch Unwetter, Missernten, Pest und erhöhte Kriminalität hervorgerufenen Krisensituation. Die unerklärlichen Phänomene führten die Menschen, so Andreas Schmauder, auf den Einfluss von Magie und Zauberei zurück und suchten nun Schuldige. Aufgrund des „Geschreis des Volkes“, so Kramer im Hexenhammer, habe Johannes Gremper, der Kaplan der Ravensburger Stadtpfarrkirche Liebfrauen, zur fachkundigen Prüfung der Fälle von Schadenzauber die Anwesenheit der kirchlichen Inquisition für erforderlich gehalten und ihn zum Kommen aufgefordert. [174]

Gremper ist im Zusammenhang mit Hexenverfolgungen kein Unbekannter. Er hatte bereits, wie weiter oben erwähnt, 1479 an einer Hexenverfolgung in der vorderösterreichischen Stadt Waldshut teilgenommen. Kramer erwähnt im Hexenhammer für dieses Jahr ebenfalls eine Hexenverfolgung. Ob es sich um dieselbe handelt oder um zwei verschiedene, kann anhand der Quellen nicht beurteilt werden. Vermutlich kannten sich die beiden Männer schon aus dieser Zeit. Gremper rief Kramer nicht nur nach Ravensburg, er war bei den Prozessen in der Funktion des Notars auch Kramers engster Mitarbeiter. Ihm kommt in den Prozessen also eine Schlüsselrolle zu. [175] Kramer war mit der Arbeit Grempers offenbar sehr zufrieden, zumindest deutet seine Erwähnung als Notar in der Bulle Summis desiderantes affectibus darauf hin. [176]

Die Faktoren einer Verfolgung nach elaboriertem Hexenglauben waren in Ravensburg alle gegeben:

Der Verfolgungswille „von unten“ war vorhanden, weil die Bevölkerung in der Krisensituation, die sie durch Schadenzauber verursacht wähnte, Schuldige suchte. Die Obrigkeit duldete die Prozesse nicht nur, sondern war sogar bei den Verhören zugegen und übernahm die Urteilsvollstreckung. [177] Die Bevölkerung hatte traditionelle Schadenzauber- und Magievorstellungen. Das Hexenwissen lag bei Johann Gremper und Heinrich Kramer vor. Sie legten den zwei später hingerichteten Frauen unter der Folter ein Geständnis in den Mund, so dass sie, laut Hexenhammer, Schadenzauber, Apostasie, Zugehörigkeit zur Hexensekte, Teufelspakt und Teufelsbuhlschaft zugaben. Hexenflug und Sabbat werden nicht erwähnt. Diese Elemente spielten bei Kramer jedoch auch nur eine geringe Rolle. Die Hexen trafen ihre Dämonen nach Aussage Kramers in der näheren Umgebung Ravensburgs. [178] Vorteile brachte diese Verfolgung gleich mehreren Instanzen. Johann Gremper reiste nach Abschluss der Verfolgungen im Auftrag der Stadt und eventuell auch Kramers nach Rom, um verschiedene Angelegenheiten zu regeln. Der Ablass, den er dort für das Heilig-Geist-Spital der Reichsstadt Ravensburg erhielt, ist durch die Hexenverfolgung vermutlich begünstigt worden. Gremper selbst hat durch seine Bekanntheit bei der päpstlichen Kurie und der Diözese Konstanz infolge der Hexenverfolgung ebenfalls profitiert: 1487 erhielt der Kaplan Gremper eine Planstelle als Pfarrer an der Pfarrkirche St. Nikolaus in Isny. 1491 wurde er Pfarrer der Pfarrkirche in Altdorf. Für die Beihilfe zur Hexenverfolgung wurde in einem päpstlichen Schreiben vom 18. Juni 1485 ein Abt von Weingarten belobigt. Einen Abt dieses Namens gab es damals aber nicht. Vermutlich war auch hier Gremper gemeint, der zu dieser Zeit Kaplan der zum Kloster Weingarten gehörigen Pfarrkirche war. [179]

Heinrich Kramers weiterer Einfluss auf die Hexenverfolgung

Nach seiner Prozesstätigkeit in Ravensburg wird Institoris durch den Bruder des Konstanzer Bischofs Johann der Jüngere von Waldburg-Wolfegg im November 1484 auf die Waldburg gerufen. Auch wenn es keine eindeutigen Belege gibt, ist es laut Jerouschek und Behringer gut möglich, dass der Inquisitor in der Grafschaft eine Hexeninquisition durchgeführt hat, zumal er einen weiteren Hexenspezialisten dorthin bestellt hat, den Landkomtur des Johanniterordens, Rudolf von Baden, der zuvor im Breisgau an vielen Hexenverbrennungen mitgewirkt hatte. [180]

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Sicher ist, dass nicht nur Institoris zu dieser Zeit in der Region Hexenprozesse geführt hat. Insgesamt stellen Jerouschek und Behringer für den Raum Allgäu und Oberschwaben eine regelrechte Verfolgungswelle fest. Dies erkläre auch, warum man noch im frühen 16. Jahrhundert in ganz Süddeutschland die Scharfrichter für Hexenprozesse von dort bezog. Dies gelte besonders für Henker aus Orten, die den Truchsessen von Waldburg unterstanden. Das geheime Wissen der Henker, wie den Hexen Geständnisse abzuringen seien, hätten diese in der Praxis, also bei der Folterung, erlernt. Viele Details in erhaltenen Geständnissen dieser Zeit weisen inhaltliche Parallelen zu den Angaben im Hexenhammer auf. [181]

Der Einfluss der Inquisition und damit auch Kramers auf Südostdeutschland scheint gering gewesen zu sein. Behringer vermutet die Ursache dafür in der fehlenden Basis der Bettelorden im agrarisch strukturierten Bayern. Die Exempel im Hexenhammer aus den Diözesen Augsburg, Freising und Regensburg seien von lächerlicher Geringfügigkeit und beruhten größtenteils nicht auf eigener Erfahrung. [182] Einige Versuche, auch in dieser Gegend den Hexenwahn zu verbreiten, machte Kramer dennoch: 1491 wurde Kramer vom Nürnberger Rat bezüglich der Durchführung von Hexenverfolgungen um Rat gefragt. Ergebnis war der Nürnberger Hexenhammer, eine deutschsprachige Prozessinstruktion in Hexensachen, die auf die Bedürfnisse der weltlichen Gerichtsbarkeit zugeschnitten war. Allerdings machte die Reichsstadt Nürnberg keinen Gebrauch davon. [183] 1497 ernannte Kramer den Propst des Augustiner Chorherrenstiftes Rohr zu seinem Vicarius mit der Vollmacht, mit der Feuerstrafe gegen Hexen vorzugehen. 1499 versuchte dieser Vicarius in der niederbayerischen Stadt Abensberg eine Hexenjagd anzuzetteln, indem er den dortigen Stadtpfarrer zu einer Serie von Hexenpredigten aufrief. Der Ton des Schreibens lasse aber vermuten, dass dieser Plan auf wenig Gegenliebe gestoßen
ist. [184]

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Die zunächst noch ablehnende Haltung gegenüber der Hexenverfolgung innerhalb Bayerns macht sich auch in den Opferzahlen bemerkbar: Insgesamt hat Behringer für die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts lediglich drei Prozesse für den bayerischen Raum ausgemacht, die mit einer Hinrichtung endeten. [185]

2. Heinrich Kramers Malleus Maleficarum

Kramers Hexenhammer gilt heute als das zentrale Buch in der Geschichte der europäischen Hexenverfolgung, das mit etwa dreißig Auflagen zwischen 1486 und 1669 eine lange und intensive Wirkungsgeschichte gehabt hat. Fast alle Befürworter der Hexenverfolgungen beriefen sich auf ihn. Fast alle Gegner polemisierten gegen dieses Buch. Der Malleus enthält bezüglich der Hexenlehre jedoch kaum Neues, sondern fasst, wie Kramer selbst in seiner Apologia betont, die bis dahin kursierenden Dämonologien und Meinungen über Hexerei zusammen. [186] Kramer beruft sich wie schon viele vor ihm auf die Kirchenlehrer Augustinus und Thomas von Aquin. Sehr häufig zitiert er aus dem Formicarius. Die anderen frühen Traktate über Hexerei erwähnt er jedoch nicht. Er bezieht seine Beispiele auch nicht von Prozessen aus der Ursprungsgegend der Hexenverfolgung in den Westalpen. Auch die wohl berühmteste Verfolgung des 15. Jahrhunderts, den Prozess wegen Vauderie 1459/60 in Arras, zieht er nicht heran, obwohl sie zahlreiche gelehrte Traktate ausgelöst hatte. [187] Unter den lebenden Gewährsmännern hebt er nur den Inquisitor von Como hervor. Außerdem hat er in Rom wahrscheinlich noch Kontakt zu anderen italienischen Inquisitoren gehabt, die er aber nicht erwähnt. Die meisten Exempel bezieht er aus Prozessen in Südwestdeutschland, von denen viele auf ihn selbst zurückgehen. [188]

Dadurch liegt die Betonung der einzelnen Elemente des Hexereideliktes im Hexenhammer auch anders als in der Ursprungszeit der Hexenverfolgungen. In den frühen Hexenverfolgungen waren teilweise mehr als die Hälfte der Opfer männlichen Geschlechts, weil die Hexenverfolgung aus der Ketzerverfolgung erwachsen ist, und Ketzer eher unter den Männern vermutet wurden. Bei den späteren Hexenverfolgungen wurde die Hexerei immer mehr zu einem weiblichen Verbrechen. Die Gründe hierfür habe ich bereits im ersten Teil dieser Arbeit genannt. Dennoch ist die Zuspitzung auf die Frauen eine Besonderheit des Hexenhammers. Die bis dahin erschienenen Traktate benutzten den männlichen Begriff malefici, bei Institoris bezieht sich die Mehrzahl der Beispiele auf maleficas. Es ist den Herausgebern der deutschen Übersetzung des Hexenhammers zufolge kein Zufall, sondern Programm, wenn im Titel des Werkes allein die weibliche Form maleficarum verwendet wird, denn speziell auf die Frauen ziele dieser Hammer (malleus). [189]

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Im dritten Teil des Malleus behandelt Kramer die rechtspraktische Umsetzung der Hexenverfolgung. Sein Ziel war es, die weltlichen Richter in der Führung inquisitorischer Hexenprozesse zu unterweisen und die Hexerei der Ketzerei zu subsumieren. Laut Behringer hat Kramer die entscheidenden Vorarbeiten dafür geleistet, dass der spätere weltliche Hexenprozess heute als säkularisierter Ketzerprozess bezeichnet wird. [190]

Eva Labouvie stellt 1991 noch eine direkte Verbindung her zwischen dem Erscheinen des Hexenhammers und Hexenprozessen, die danach im deutschsprachigen Raum stattfanden. Zu ihrer Aufzählung gehören unter anderem die in dieser Arbeit beschriebenen Prozesse von Cavalese und Völs. [191] Zumindest diese Prozesse stehen jedoch nicht im Zusammenhang mit dem Hexenhammer, sondern gehen auf bereits bestehende Prozesstraditionen zurück. Die unmittelbare Auswirkung des Hexenhammers auf die Hexenverfolgung war nicht so groß wie lange Zeit angenommen. Der Hexenhammer löste die Hexenverfolgung nicht aus, sondern fügte sich in eine Verfolgungswelle ein. Laut Jerouschek und Behringer traf der Hexenhammer den Nerv der Zeit. Sein zweifelhaftes Verdienst ist es, die elaborierten Hexenvorstellungen im Reich, wo sie bis dahin meist noch unbekannt waren oder abgelehnt wurden, bekannt gemacht zu haben. Er war eine der ersten im neuen Medium des Buchdrucks erschienen Dämonologien. Dadurch war eine breitere Rezeption möglich und seine Verfügbarkeit in den Bibliotheken ermöglichte dem Werk eine erstaunliche Langzeitwirkung. Um das Prestige seines Werkes zu verbessern und mögliche Gegner zum Schweigen zu bringen, fügte Kramer dem Malleus die Bulle Summis desiderantes affectibus und eine, wie mittlerweile erwiesen ist, gefälschte Approbatio der theologischen Fakultät der Universität Köln bei. Die dreizehn bis 1523 erschienenen Auflagen schätzen Jerouschek und Behringer auf etwa 10.000 Exemplare. Diese Menge hätte ausgereicht sämtliche Kloster-, Fürsten-, Rats- und Universitätsbibliotheken der lateinisch-christlichen Welt und darüber hinaus die Sammlungen zahlreicher Gelehrter zu bestücken. [192]

Auch wenn die unmittelbare Wirkung des Hexenhammers heute nicht mehr als so verheerend eingeschätzt wird, gibt es dennoch Zeugnisse dafür, dass die Rezeption des Malleus sich unmittelbar auf Hexenverfolgungen ausgewirkt hat. Walter Rummel machte in den Mirakelbüchern des Klosters von Eberhardsklausen im Trierer Land eine für die Hexenforschung spektakuläre Entdeckung. Darin werden durch den Chronisten Wilhelm von Bernkastel Verfolgungen beschrieben, die zu den größten der vorreformatorischen Zeit zu zählen sind. [193] Für die Verursachung des Hexenwahns in der Gegend war Wilhelm von Bernkastel wohl mitverantwortlich. Sein Kloster war ein bedeutender Marienwallfahrtsort, zu dem viele Kranke strömten, um Heilung zu erlangen. Die dort geschehenen Wunder notierte Wilhelm in seinen Mirakelbüchern. Nebenher machte er sich Gedanken darüber, wodurch das Leiden dieser Menschen verursacht wurde. Ihm war bereits bekannt, dass viele boshafte Menschen und vor allem Frauen besonders in seiner Zeit und in seiner Gegend die Dienste von Dämonen in Anspruch nähmen, um anderen Schaden zuzufügen. In den 1490er Jahren erhielt er eine Büchersendung, die ihn genauer aufklärte: Johannes Niders Formicarius und Heinrich Kramers Malleus Maleficarum. Nach der Lektüre dieser Bücher kannte er die Urheber des Übels: „Ich gestehe, dass ich unwissend gewesen bin. Wer einen reichhaltigen Stoff lesen will und wissen will, wie viel die Hexen auszurichten vermögen, wem sie auf welche Weise […] schaden, der lese das genannte Buch des Johannes Nider […] Ich hatte es nicht gelesen, als ich anfing über diese Dinge zu schreiben.“ [194] Nach der Lektüre habe er erkannt, welche Macht Dämonen hätten um Menschen zu schaden. Ebenso klare Worte habe er dem Malleus Maleficarum entnommen, wie er in einer Randnotiz bemerkte. [195]

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Durch die Bücher belehrt, vermittelte er sein neues Wissen auch der Bevölkerung der Region. Menschen, die sich selbst wegen des Todes ihrer Kinder ihm gegenüber Vorwürfe machten, klärte er darüber auf, dass nicht sie selbst, sondern die Hexen dafür verantwortlich seien. Eine Kranke wurde im Kloster nicht nur geheilt, sondern erfuhr auch noch die Namen der Hexen, die die Krankheit angeblich verursacht hatten. Wilhelm triumphierte, als die angeklagten Personen aus dem Heimatdorf der Kranken vor ihrer Hinrichtung seine Version bestätigt hatten. [196] Bruder Wilhelm behauptet nun in seinen Aufzeichnungen, seine Anschauungen über das Wirken der Hexen aus diesen „kürzlich gewonnenen Erfahrungen“ erhalten zu haben. Sowohl Wilhelm als auch die Bevölkerung sind damit, wie Walter Rummel bemerkt, einem Zirkelschluss unterlegen. Wilhelm hatte seine Interpretation der Wirklichkeit seiner literarisch-autoritativ vermittelten Vorlage angepasst, welche die von ihm zitierten Gelehrten wiederum ebenfalls nur aus der Literatur oder aus erpressten Geständnissen von Angeklagten geschöpft hatten. Wenn nun Einwohner der umliegenden Dörfer häufiger als sonst den Tod ihrer Kinder beklagten, so lässt dies, laut Rummel, darauf schließen, dass die Bevölkerung mittlerweile ebenfalls der Rezeption des neuen Wissens über die Hexensekte ausgesetzt war: durch Predigten, wie sie auch Wilhelm von Bernkastel hielt und durch unter der Folter erpresste Geständnisse in lokalen Hexenprozessen. [197]

Es war ein wichtiges Anliegen Kramers, den Hexenprozess aus der Zuständigkeit der Ketzerinquisition in die der weltlichen Gerichtsbarkeit zu überführen. Die Anleitungen zur Prozessführung im dritten Teil des Malleus Maleficarum sind in diesem Sinne zu verstehen. [198] Einen unmittelbaren Einfluss auf die in dieser Zeit entstehenden Gesetzbücher hatte der Hexenhammer zunächst jedoch nicht. So erwähnt die Peinliche Halsgerichtsordnung Karls V. (Carolina) von 1532 Hexerei als Teufelsbündnis nicht, sondern hält sich an das Delikt des Schadenzaubers, welches sie aber immerhin unter Todesstrafe stellt. Allerdings weisen Rummel und Voltmer darauf hin, dass die Definition der Indizien, die auf Zauberei hinwiesen vermutlich auf die Indizienlehre wie sie der Hexenhammer formuliert hatte zurückgeht. Insbesondere das Indiz „Gemeinschaft mit anderen Zauberern“ habe Anklagen ermöglicht, die auf die Vermutung einer Hexensekte zurückgingen. [199]

Großer Einfluss auf die Rechtspraxis des 16. Jahrhunderts wird dem Layenspiegel von Ulrich Tengler zugeschrieben, einem deutschsprachigen juristischen Kompendium, das erstmals 1509 erschien. In den ersten drei Ausgaben wurde Zauberei noch nach der traditionellen Auffassung im Zusammenhang mit Totschlägen und an anderer Stelle mit Ketzereien erörtert. Erst 1511 fügte der geistliche Sohn Christoph Tengler in das populäre Rechtshandbuch seines Vaters ein Hexenkapitel über neun Seiten ein, das explizit auf dem Malleus Maleficarum basierte, und den er sogar eigens als Autorität erwähnt. Die Aufgabe systematischer Aufspürung und Bestrafung nach dem Muster der kirchlichen Inquisition wurde den weltlichen Richtern zugewiesen. Für Hexen, die Tengler ganz selbstverständlich für Frauen hält, empfahl der neu Layenspiegel ganz im Sinne des Hexenhammers, im Prozess die Folter anzuwenden und in letzter Konsequenz „mit dem feur und andern aller grausamlichsten peen […] zu straffen.“ [200] Behringer schränkt die These über den Einfluss des Layenspiegels zumindest für Südostdeutschland ein, denn dort habe man ihn bei Hexenverfolgungen weder in lutherischen noch in katholischen Territorien herangezogen. [201]

3. Resümee

In diesem Kapitel habe ich versucht, anhand von Heinrich Kramers Karriere als Hexeninquisitor die Entwicklung der Hexenverfolgung im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation nachzuzeichnen. Diese Verfahrensweise bot sich an, da Kramer zu dieser Zeit nahezu alle Gegenden des Reiches besuchte, in denen Hexenverfolgungen stattfanden. Das soll nicht bedeuten, dass er für sämtliche zu dieser Zeit im Reich stattfindenden Verfolgungen verantwortlich gemacht werden kann. Kramers Aktivitäten fügen sich vielmehr in die bis dahin größte Hexenverfolgungswelle Westeuropas ein, die um die 1480er Jahre stattfand. [202]

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Die Gebiete am Hochrhein und am Oberrhein, in denen schon in den 1450er Jahren Hexenverfolgungen stattfanden, waren jetzt wieder betroffen. Ich möchte hier noch einmal betonen, dass Institoris sein Wissen wahrscheinlich zu großen Teilen aus diesem Verfolgungsgebiet bezogen hat. Der einzige Traktat, auf den er sich bezieht, ist Niders Formicarius. Die französischen Verfolgungen und die daraus entstandenen Traktate rezipierte er nicht. Zumindest spielten sie für seine Auffassung von der Hexerei keine Rolle. Die Elemente des gelehrten Hexenglaubens werden im Hexenhammer zwar alle erwähnt, aber die ketzerische Qualität des Hexereiverbrechens und damit auch Hexenflug und Hexensabbat, die er durchaus für real hält, spielen für ihn nur eine untergeordnete Rolle. Dies wird sehr gut sichtbar bei den beiden Frauen, die er in Ravensburg als Hexen verbrennen ließ: Die Geständnisse enthalten alle Hauptelemente des elaborierten Hexenglaubens - außer Flug und Sabbat. Daher kann man Kramer eher dem, von mir so bezeichneten, deutschen Konzept des Hexenglaubens zuordnen.

Ravensburg gehörte zur Diözese Konstanz, wo Kramer offenbar die meiste Unterstützung fand. Er war nicht der einzige, der hier kirchliche Inquisitionsprozesse durchführte. Johann Gremper, der Kramer nach Ravensburg geholt hatte, war vorher bereits, mit oder ohne Institoris, bei einem Hexenprozess in Waldshut am Hochrhein tätig gewesen. Der Landkomtur des Johanniterordens Rudolf von Baden hatte, bevor er durch Kramer zum Grafen von Waldburg-Wolfegg gerufen wurde, im Breisgau Hexenverfolgungen durchgeführt. Die Kontakte, die Kramer zu anderen Hexenspezialisten hatte, zeigen, dass er nicht der einzige aktive Fachmann auf diesem Gebiet war, dass diese untereinander offenbar in Kontakt standen und sich gegenseitig bei ihren Verfolgungstätigkeiten halfen.

Der Raum Allgäu-Oberschwaben, in dem diese Männer tätig waren, scheint von den Hexenverfolgungen der 1480er Jahre besonders stark betroffen gewesen zu sein, weshalb für diese Gegend auch von einer regelrechten Verfolgungswelle gesprochen wird. Die örtlichen Henker, die dadurch mit dem Verfolgungswissen vertraut wurden, waren noch Jahrzehnte später gefragte Fachleute, die ihr Wissen überregional zur Enttarnung von Hexen einsetzten.

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Während der Verfolgungswelle der 1480er Jahre stießen Hexenverfolgungen aber nicht überall auf Zustimmung. Der Straßburger Bischof war von Kramers Aktivitäten offenbar nicht überzeugt, sonst hätte dieser ihn in der Bulle Summis desiderantes affectibus nicht extra zur Mitarbeit bei der Hexenverfolgung ermahnen lassen. Als Hinweis auf Skepsis gegenüber dem Hexenwahn oder auf das Fehlen einzelner Faktoren für Hexenverfolgungen kann der Fall in Nördlingen gedeutet werden. Die Besagung der Hebamme in Nördlingen ist von der dortigen Obrigkeit zwar durchaus ernst genommen worden, führte aber nicht zu einem Prozess, weil man sich von ihrer Unschuld überzeugen ließ. In Nürnberg setzte man sich offensichtlich mit der Möglichkeit auseinander, Zauberei als Hexerei zu verfolgen. Nachdem man bei Kramer eine deutschsprachige Anleitung zur Hexenprozessführung beantragt und auch erhalten hatte, blieb man aber doch bei der traditionellen Verfahrensweise.

Am Ravensburger Prozess wird das Zusammentreffen von Faktoren deutlich, die für das Ausbrechen einer Hexenverfolgung nötig sind: Der durch Missernten, Hunger und Krankheiten hervorgerufene Verfolgungswille der Bevölkerung, eine zum Führen von Hexenprozessen bereite Obrigkeit und mit der Prozessführung betraute Personen, die aus Überzeugung handeln und vermutlich, weil sie sich Vorteile für sich selbst davon versprechen. Diese Personen sind auch die Vermittler des elaborierten Hexenglaubens, der in der Bevölkerung noch nicht verbreitet ist, wie aus den Denunziationen hervorgeht.

Die These vom Gegensatz des traditionellen Zauberglaubens der Bevölkerung und des gelehrten Hexenglaubens der Elite kann durch die Ravensburger Verfolgung also bestätigt werden. Voltmer und Rummel weisen darauf hin, dass es bei Hinrichtungen grundsätzlich üblich war, die Untaten der Hexen öffentlich zu verlesen. [203] Diese Praxis hatte neben den Predigten sicher dazu beigetragen, Teile des elaborierten Hexenwissens in die Bevölkerung zu tragen. Dennoch hat sich der gelehrte Hexenglaube nie vollständig in der einfachen Bevölkerung etabliert. Wie das gelehrte Hexenwissen über die verschiedenen Instanzen weiter getragen wurde, lässt sich sehr schön am Beispiel des Eberhardsklausener Chronisten Wilhelm von Bernkastel erkennen, der sein Wissen, aus dem Formicarius und dem Hexenhammer entnommen, sogleich an die Bevölkerung weitergegeben und damit offenbar auch Verfolgungen ausgelöst hat. Die Geständnisse der dabei verhafteten Hexen dienten wiederum zur Bestätigung der mittlerweile verbreiteten Vorstellungen.

Die Gegend am Mittelrhein, in der die von Wilhelm von Bernkastel beschriebenen Prozesse stattfanden, gehörte zur Prozessregion entlang des Rheins, gleichzeitig war sie aber auch Teil des Verfolgungsgebietes der 1480er Jahre in Deutschland und von Kramers Wirkungsbereich. Bei seinem Aufenthalt in Ediger an der Mosel war er bereits sehr weit nach Norden vorgedrungen, weiter als er dies im Osten des Untersuchungsgebietes getan hat. Dort ist seine nördlichste mir bekannte Station Nürnberg. Es sind also wieder der Rhein und die Mosel als Verkehrswege, die das schnelle Vordringen des Hexenglaubens und der Verfolgungen begünstigten. Auch wirkte sich die hohe Siedlungsdichte dieser Gegend günstig aus, weil durch sie die Kommunikationswege kürzer waren. Dieses Argument führen Rummel und Voltmer auch dafür an, dass sich die Vorstellungen von Hexerei im dünner besiedelten Norden wesentlich langsamer ausbreiteten. [204] Wie de Blecourt und de Waardt feststellen, scheint die Hexenverfolgung nach Norddeutschland nicht über die Route entlang des Rheins vorgedrungen zu sein, sondern auf einer weiter östlich gelegenen Route, weshalb die Hexenverfolgungen in Norddeutschland später begannen als in den Niederlanden. [205]

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Auf die juristische Behandlung des Zaubereiverbrechens in der Carolina von 1532 hatten die Hexenverfolgungen und der Hexenglauben der Eliten offenbar keinen großen Einfluss, denn in ihr wurde nur der traditionelle Schadenzauber behandelt. Durch die Übernahme der Indizienlehre des Hexenhammers waren Hexereiverfahren in den Territorien, in denen die Carolina relevant war, dennoch möglich. Das wird durch die Massenverfolgungen der Frühen Neuzeit in diesen Gebieten bestätigt. Im neu Layenspiegel wurde der Aspekt des Teufelsbundes berücksichtigt und die rechtspraktischen Forderungen des Hexenhammers und deren Frauenfeindlichkeit direkt aufgegriffen. Wie groß der Einfluss des neu Layenspiegel auf die Hexenprozesspraxis war, ist offenbar umstritten. Auf jeden Fall ist er ein eindeutiges Rezeptionszeugnis des Hexenhammers und zeigt, dass man sich auch an der Universität Ingolstadt mit der Hexerei auseinandersetzte. Dort nämlich war Christoph Tengler Professor für kanonisches Recht. [206]

B. Österreich

In den österreichischen Alpenländern sind für das 15. Jahrhundert nur sehr wenige Hexenprozesse belegt. Fritz Byloff geht davon aus, dass die Hexenprozesse, die in der Schweiz und in Norditalien stattfanden, nur deshalb nicht in die österreichischen Lande übersprangen, weil die landesfürstliche Gewalt die geistliche Gerichtsbarkeit in ihren Grenzen gehalten habe. [207] Diese Ansicht ist zumindest fragwürdig, denn offenbar nimmt Byloff noch an, dass die Hexenverfolgungen hauptsächlich durch die kirchliche Inquisition betrieben wurden. Dies ist spätestens widerlegt, seit sich in zahlreichen Regionalstudien gezeigt hat, dass von Anfang an vor allem die weltlichen Herrschaftsträger die Prozesse geführt oder gefördert haben. Byloff geht von einer West-Ost-Wanderung der Hexenverfolgung aus, die ausgehend von Südostfrankreich über den zentralen Alpenraum das Tessin und das Schweizer Mittelland erreichte und von dort aufgrund der Ablehnung von Hexenprozessen in den österreichischen Alpen zunächst nicht weiter vordrang. In Tirol und Südtirol fanden erst seit 1480/1500 Hexenprozesse statt. In Vorarlberg wurde ein erster einzelner Hexenprozess 1528 geführt, allerdings ohne Hinrichtung. In den weiter östlich liegenden Ländern Steiermark, Krains und Slowenien begannen die ersten Hexenverfolgungen sogar erst seit etwa 1550. [208] Blauert schließt sich der These Byloffs grundsätzlich an, allerdings mit der Forderung, dass, wer mit solchen Wanderungstheorien arbeite, bedenken solle, dass die Geschichte der zunehmenden Verbreitung von Hexenglauben und Hexenverfolgung eine Geschichte beständiger Ausdifferenzierung und keinesfalls stereotyper Weitervermittlung sei. [209]

1. Tirol

Das Beispiel des Nikolaus von Kues zeigt, dass die Vertreter der Kirche nicht grundsätzlich zu den Hardlinern der Hexenverfolgung gezählt werden können. Der vor allem als Philosoph und Kardinal bekannte Cusanus führte 1457 in seiner Eigenschaft als Bischof von Brixen einen Prozess gegen zwei Frauen, die der Gefolgschaft der Diana angehört haben sollen. Er verurteilte sie zu Buße und Kerkerhaft. Dabei verfuhr er nach den Vorgaben des Canon Episcopi, also den alten Vorstellungen entsprechend, die den nächtlichen Flug für dämonisch hervorgerufene Illusionen hielten. In einer Predigt, in der er auf den Fall eingeht, beruft er sich dazu außerdem auf den Formicarius von Nider. Da Cusanus den Formicarius also offenbar gelesen hat, scheint er auch zu wissen, wie in der Schweiz mit angeblichen Hexen verfahren wurde. Statt aber den Formicarius, wie später Institoris, als Autorität für die Hexenverfolgung heranzuziehen, untermauert er mit diesem Werk seine kritische Haltung gegenüber der angeblichen neuen Hexensekte. Die beiden verurteilten Frauen, die in ihren Geständnissen auch von sabbatähnlichen Treffen erzählten, auf die sie gelangt seien, nachdem sie dem christlichen Glauben entsagt hätten, und auf denen Menschen und Kinder verschlungen worden seien, hielt er für halb verrückt („semideliras“). Er versuchte die beiden Frauen davon zu überzeugen, sie hätten geträumt. Da sie aber auf der Realität der geschilderten Erlebnisse beharrten, verurteilte er sie zu Kerkerhaft. Denn, wer an die Wirksamkeit von Malefizien glaube, befördere die Idee, der Teufel sei mächtiger als Gott. [210]

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Der erste bekannte echte Hexenprozess in Tirol fand erst 1485 statt. Zugleich ist es der einzige in Tirol, der von einer kirchlichen Instanz geführt wurde. Es handelt sich dabei um einen Prozess unter Leitung Heinrich Kramers. Dieser Prozess ist aus verschiedenen Gründen historisch bedeutsam. Zum einen zeigt er, wie wir noch sehen werden, die kritische Haltung, die die kirchliche und weltliche Obrigkeit in Tirol gegenüber den Hexereivorwürfen im 15. Jahrhundert einnahmen. Zum anderen ist der Prozess eine wichtige Station in Kramers Karriere als Hexenjäger.

Kramer war auf dem Rückweg nach Deutschland, nachdem er in Rom von Papst Innozenz VIII. die Bulle Summis desiderantes affectibus erhalten hatte. In der Bulle wird Institoris zum Inquisitor für ganz Oberdeutschland ernannt. Brixen war das erste Bistum, das in seinem Zuständigkeitsbereich lag. Offenbar konnte er es kaum erwarten, von seinen erneuerten Befugnissen Gebrauch zu machen, so dass er vor Bischof Georg Golser anhand der Hexenbulle sein Vorgehen legitimierte und in Innsbruck damit begann, die Bevölkerung in Predigten vor der Hexensekte zu warnen und zu Hexenverfolgungen aufzurufen. In der Folge wurden viele Personen wegen Malefizien denunziert. Vom 9. August bis zum 14. September 1485 führte der Inquisitor Zeugenvernehmungen durch, die zur Verdächtigung von etwa 50 Personen führten. Sieben Frauen ließ Kramer verhaften und begann mit dem Verhör der Verdächtigen und der Zeugen. [211]

Der Bischof betrachtete die Prozesse skeptisch und ermahnte den Inquisitor, sich an das Recht zu halten. Außerdem legte er ihm nahe, einige Räte des Erzherzogs hinzuzuziehen. Bereits nach dem vierten Prozesstag bat der Erzherzog den Bischof von Brixen, einen rechtsgelehrten Kommissar zu entsenden. Dieser kam dem Ersuchen nach, indem er den Lizentiaten Sigmund Saumer abordnete und diesem in seinen Instruktionen zu verstehen gab, dass er nicht an das den Frauen vorgeworfene Verbrechen glaube. Die Berichte des Prozessbeobachters führten nach kurzer Zeit zum Einschreiten des Bischofs. Am 29. Oktober trat ein Gerichtshof im Innsbrucker Rathaus zusammen. Auf der einen Seite standen die Vertreter des Bischofs, auf der anderen Seite Institoris mit drei seiner Ordensbrüder und einem Notar. Als Institoris nun in der Vernehmung der Hauptverdächtigen deren Sexualleben auszuforschen begann, intervenierte der bischöfliche Kommissar Christian Turner. Einige weitere Proteste im Laufe der Vernehmung führten zur Unterbrechung des Prozesses. Als noch am gleichen Tag der Prozess fortgesetzt wurde, hatte die bischöfliche Partei den angeklagten Frauen den Verteidiger Johann Merwais besorgt. Dieser erhob wegen Mängeln in der Prozessführung des Inquisitors eine Nullitätsbeschwerde, außerdem plädierte er in einer mutigen Attacke dafür, alle Angeklagten freizulassen und stattdessen Kramer selbst in Gewahrsam nehmen zu lassen. Schließlich erklärte Turner am 31. Oktober den Prozess für nichtig. Die Frauen sollten, nachdem sie aufgrund der bestehenden Verdachtsmomente Bürgen gestellt hatten, freigelassen werden. Dies geschah, nachdem sie am 2. November Urfehde geschworen hatten. [212]

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Heinrich Kramer verließ Innsbruck nach dieser Demütigung jedoch nicht, sondern arbeitete an einer Gegendarstellung, die den Bischof zur Wiederaufnahme des Verfahrens bewegen sollte. Der Bischof forderte den Inquisitor am 14. November förmlich dazu auf, seine Diözese zu verlassen. Kramer kam dem nicht nach, sondern arbeitete weiter an seiner Version und trug dem Bischof seinen Plan zur Wiederaufnahme der Verfolgung persönlich vor. Daraufhin riet ihm der Bischof, der ihn, wie aus einem Brief hervorgeht, für altersschwachsinnig hielt, in sein Kloster zu ziehen und dort zu bleiben. Außerdem gab er ihm zu verstehen, dass bei einer Verzögerung seiner Abreise niemand mehr seinen Schutz vor Angriffen von Freunden und Verwandten der verdächtigten Frauen garantieren könne. Erst jetzt verließ der Inquisitor die Diözese Brixen. [213]

Der Innsbrucker Prozess zeigt, dass sich der Hexenwahn nicht völlig ohne Widerspruch ausgebreitet hat, sondern durchaus auch auf Skepsis und Widerstand stieß. Gleichzeitig ist die Person Heinrich Kramers ein Beispiel dafür, wie die Bemühungen einzelner Fanatiker zur Verbreitung der Hexenverfolgung beigetragen haben. Nachdem der Inquisitor von den Kanzeln der großen Innsbrucker Kirchen den Hexenwahn gepredigt hatte, erfolgten Denunziationen durch 50 Personen. Der Verfolgungswille „von unten“ war also vorhanden. Wenn die Menschen bis dahin von Hexerei noch nichts gehört hatten, hatten sie doch durch die Predigten Kramers von den Teufelspaktvorstellungen erfahren. Offenbar spielten diese für die Innsbrucker Bürger jedoch keine Rolle, zumindest handelte es sich bei den Denunziationen um traditionelle Schadenzauberdelikte, die nicht in Verbindung mit dem Teufel oder gar einer teuflischen Sekte standen. [214]

Der Erzherzog war sich offenbar nicht sicher, was von dieser neuen angeblichen Gefahr zu halten war und wie damit umgegangen werden sollte. Um Klarheit in diesen Fragen zu erhalten, beauftragte er den Konstanzer Juristen Ulrich Molitoris, ein Gutachten über das Hexenwesen zu verfassen. [215] Das Ergebnis war der Traktat De lamiis et phitonicis mulieribus, den ich schon weiter oben erwähnt habe. Das Werk wurde in den folgenden Jahrhunderten oft nachgedruckt und ins Deutsche übersetzt. Wegen der moderaten Position, die Molitoris darin vertritt, konnten sich sowohl Kritiker als auch Befürworter des Hexenglaubens auf ihn berufen. So wurde sein Traktat zusammen mit dem Hexenhammer, [216] aber auch als Beitrag in dem 1586 in Frankfurt erschienenen hexereikritischen Theatrum de Veneficiis von Abraham Sawr abgedruckt. [217]

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Für Kramer selbst war die Niederlage von Innsbruck der unmittelbare Anlass den Malleus maleficarum zu schreiben, den er noch im Jahr 1486 in Speyer in Druck gab. Die Gegendarstellung zum Innsbrucker Prozess bildete die Grundlage für die Ausarbeitung des Hexenhammers. [218] Kramer, der auch sonst nicht vor zweifelhaften Tricks und Fälschungen zurückschreckte, stellte die Hexenverfolgung von Innsbruck im Hexenhammer als einen vollen Erfolg dar. Er lobt Erzherzog Sigmund, der „als rechtgläubiger Fürst und hervorragender Glaubenseiferer zu ihrer Ausrottung unter Beihilfe des hochwürdigen Bischofs von Brixen sich nicht wenig Mühe gemacht hat.“ [219]

2. Südtirol

Südtirol ist schon zu dieser Zeit eine kulturell und sprachlich uneinheitliche Region, die sowohl italienisch als auch deutsch beeinflusst ist. Auch wenn sich meine Untersuchung auf das deutsche Sprachgebiet bezieht, gehe ich auf einen Prozess ein, der eher italienisch beeinflusst ist, da dieser weiteren Einfluss auf Prozesse im deutschsprachigen Teil Südtirols hatte. [220]

Die Hexenverfolgungen des weltlichen Gerichtes des Bischofs Ulrich von Trient, die 1501-1505 in Cavalese im Fleimstal stattfanden, stehen mit der Prozessregion Norditalien in Verbindung. Das Gericht, zusammengesetzt aus dem Vikar, dem Scarius (auf ein Jahr gewähltes Oberhaupt der Regolani di Comune) und vierzehn Schöffen aus der Bevölkerung, stellte fest, dass schon seit langer Zeit das Gerücht bestehe, dass es innerhalb und außerhalb des Fleimstales Hexen gäbe, die mit teuflischer Hilfe Wetter machten und Menschen und Tiere fräßen. Man wolle deshalb gegen alle Verdächtigen verfahren und sie mit der Wurzel vernichten. [221] Schatzmann hat festgestellt, dass zumindest für die Leventina die häufig postulierte Dichotomie zwischen dem gelehrten Hexenglauben der Elitenkultur auf der einen Seite und dem traditionellen Zauberglauben der Volkskultur auf der anderen Seite nicht haltbar ist. [222] Die Bemerkung von „publica vox et fama de ipsis strigis“ [223], lässt die Vermutung zu, dass der kumulative Hexenglaube in dieser Gegend bereits breitere Schichten der Bevölkerung erreicht hatte.

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Die unter der Folter erpressten Geständnisse umfassen den vollständigen Katalog des kumulativen Hexereideliktes: Apostasie, Teufelsbund, Teufelsanbetung, Kannibalismus, Schadenzauber in Form von Hagel, Dürren und Überschwemmungen, Sabbatbesuch, Tierverwandlung und Teufelsbuhlschaft. Ungewöhnlich erscheint der Besuch des Venusberges, wo der Tannhäuser und der getreue Eckart im Sinne der Sage angetroffen werden. Der Prozess hat, soweit Urteile vorliegen, für zwanzig Personen zum Tod auf dem Scheiterhaufen geführt. Drei Personen starben an den Folgen der Tortur. [224]

Leider hat sich mit diesem Prozess meines Wissens noch keine deutschsprachige Regionalstudie intensiver auseinander gesetzt. Es wäre sehr interessant herauszubekommen, wo die Richter die Elemente des elaborierten Hexenbegriffs rezipiert haben und wie viel davon auch schon in der Bevölkerung bekannt war. Schatzmann hat für seine Untersuchungsregion, die Levantine, die wie das Fleimstal auch sowohl deutsch als auch italienisch beeinflusst war, versucht, die Rezeptionsquellen für den Hexenglauben auf empirische Weise festzustellen. Er verglich dazu die den Hexen zur Last gelegten Verbrechen und das Vokabular der Richter und Zeugen der Hexenprozesse mit denen der einschlägigen Traktate. Die größten Übereinstimmungen stellte er mit dem Bericht von Hans Fründ und den Errores Gazariorum fest. [225]

Die den Hexen im Fleimstal zur Last gelegten Verbrechen enthalten auch Tierverwandlung und Hexenflug. Im Formicarius von Johannes Nider und in Claude Tholosans Traktat wird dieser als nicht real bezeichnet. Dies deutet auf den ersten Blick auf die Rezeption von Hans Fründ oder der Errores Gazariorum hin. Ohne eine genaue Überprüfung der Prozesse bleibt dies jedoch Spekulation, zumal nicht klar ist, ob der Hexenglauben überhaupt durch die Traktate oder auf anderen Wegen in diese Region gekommen ist. Auch durch Prediger oder bereits früher durch die Inquisition geführte Hexenprozesse in der Umgebung könnte der Hexenwahn hierher gelangt sein. Auf jeden Fall war der Hexenglauben auf der italienischen Seite der Alpen zu diesem Zeitpunkt schon verbreitet. [226]

In Völs bei Bozen fanden 1506 und 1510 Prozesse statt, in denen erstmals im deutschsprachigen Teil Tirols alle klassischen Hexendelikte genannt wurden. [227] Angeklagt waren mindestens 10 Bäuerinnen und Dienstmägde, die unter Folter alle ähnliche Geständnisse ablegten. Darin enthalten waren Teufelspakt, Schadenzauber, Hexenflug, Hexensabbat und Kannibalismus. Teufelsbuhlschaft wurde ausdrücklich nur von einer Frau gestanden. Die Urteile zu den Prozessen sind nicht bekannt. Die Angeklagten wurden aber, laut Byloff und Rabanser, mit ziemlicher Sicherheit hingerichtet. [228]

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Ginzburg hat auf ein Detail in den Geständnissen hingewiesen, das eine Beeinflussung der Völser Prozesse durch die kurz zuvor in Cavalese durchgeführten Hexenprozesse vermuten lässt: In Cavalese sei die „Frau des guten Spiels“ mit „zwei Teller[n] neben den Augen“ beschrieben worden. In Völs wurden daraus „große Augen wie zwei Teller“. Ginzburg führt das als ein Missverständnis in der mündlichen Tradierung des Glaubens an die „Gute Gesellschaft“ bei den Angeklagten, Richtern oder Notaren an. [229] Es könnte sich aber beim Völser Geständnis ebenso um eine leichte Veränderung des Cavaleser Geständnisses handeln, das der Angeklagten unter Folter abgepresst wurde. Demnach wären die Völser Prozesse direkt durch die Cavaleser beeinflusst, was bei der räumlichen und zeitlichen Nähe der Prozesse nicht verwundern würde.

3. Kärnten

1493 fand in der bischöflich-bambergischen Herrschaft Wolfsberg im kärtnerischen Lavanttal ein Prozess statt, der zunächst die Merkmale eines gewöhnlichen Malefizienprozesses aufweist. Er richtete sich gegen drei Bürgersfrauen, die durch das Eingraben einer mit Stecknadeln durchbohrten Wachspuppe versucht haben sollen, den örtlichen Schlossherren zu ermorden. In den Geständnissen der drei Frauen tritt nun jedoch – erstmals in dem Gebiet der östlichen Alpenländer – die Vorstellung des Teufelsbundes hinzu. Eine der Angeklagten sagt in ihrer Urgicht aus: „Eeund sy das mändl gemacht, mit nadln angestekht und getawfft habent, hat ir yede gotes und unser lieben frauen verlaugent und den cristennlichen glawben widersagt und ir yede gesprochen: Die heillige marter unsers herrn (un) won mir nit bei, dyweil ich mit der kunst umb gee“. [230] Außerdem habe jede der Frauen ihren Teufel (Inkubus) gehabt. Die Segnung des Taufwassers für die Wachspuppe und deren Taufe sei in Teufelsnamen erfolgt. [231]

Byloff vermutet, dass die Richter durch die Bamberger Theologen mit Teilen des neuen Hexenglaubens vertraut gemacht worden sind und diese den Frauen das Geständnis des Teufelspakts und der Apostasie unter der Folter in den Mund gelegt haben. Er folgert daraus, dass das aus den Aktenbruchstücken nicht zu entnehmende Urteil den Tod für die Frauen bedeutete. [232] Innerhalb der Bevölkerung habe das Hexenwissen noch nicht existiert. Nach Byloffs These ist der Hexenglauben und möglicherweise auch das Verfolgungswissen über bambergische Geistliche nach Kärnten gelangt. Dies ist besonders deshalb bemerkenswert, weil dort zu diesem Zeitpunkt noch keine Prozesse belegt sind. Möglicherweise hatten die Bamberger aber bereits frühe Traktate wie den Formicarius oder die Errores Gazariorum, wahrscheinlicher aber bereits den Hexenhammer rezipiert.

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4. Resümee

Das deutschsprachige Ostalpengebiet war im 15. und beginnenden 16. Jahrhundert noch kaum von Hexenverfolgungen betroffen. Es kam lediglich zu einigen Einzelprozessen, die nicht miteinander in Verbindung standen und - zumindest was die Prozesse von Innsbruck und Kärnten angeht - auch keine weiteren Prozesse unmittelbar nach sich zogen. Für Tirol kann das auf eine Ablehnung von Hexenprozessen durch die weltliche und kirchliche Obrigkeit zurückgeführt werden. Auch war der Hexenglauben bis zum Ende des 15. Jahrhunderts noch nicht bis in breitere Bevölkerungsschichten vorgedrungen. Einzelne Gelehrte wie Nikolaus von Kues oder Paul Wann hatten zumindest durch den Formicarius schon von der Hexensekte erfahren, aber daraus eher verfolgungskritische Schlüsse gezogen. Möglicherweise hat sich gerade Johannes Niders Einfluss mäßigend auf die österreichischen Lande ausgewirkt. Er glaubte zwar grundsätzlich an Hexerei, rief aber zu Vorsicht vor übereilten Verfolgungen auf. Selbst in Wien, wo durch die theologische Fakultät in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts eine intensive Ketzerverfolgung betrieben wurde, kam es im Untersuchungszeitraum zu keiner Hexenverfolgung - Nider war hier Professor für Theologie.

Hexenglauben und Verfolgungswissen kamen aus unterschiedlichen Gegenden in die einzelnen Teilregionen Tirol, Kärnten und Südtirol und waren auch unterschiedlich geprägt. In Tirol war bis zum Eintreffen des Inquisitors Heinrich Kramer Hexerei offenbar noch kein Thema. Durch seine Predigttätigkeit und die durch ihn geführten Prozesse wurde der elaborierte Hexenglauben in die Bevölkerung getragen, wirkte sich aber nicht auf die Denunziationen aus. Das Hexenbild Kramers ist durch den Hexenhammer hinlänglich bekannt. Kannibalismus spielte für ihn eine untergeordnete Rolle. [233] Dieser ist hingegen bei den Südtiroler Hexenprozessen fester Bestandteil der Geständnisse, was ein weiterer Hinweis darauf ist, dass die Hexenverfolgung aus Norditalien in diese Region gelangte. Zumindest in Cavalese war der Hexenglauben vermutlich bereits vor den Prozessen in weiten Teilen der Bevölkerung vorhanden.

In Kärnten wurde ein traditioneller Zaubereiprozess mit Apostasie und Teufelspakt in Verbindung gebracht. Es handelte sich also noch nicht um einen „vollständigen“ Hexenprozess. Das Wissen wurde den Richtern wahrscheinlich durch bambergische Theologen vermittelt.

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Die zum Ende des 15 Jahrhunderts entstandenen Gesetzeswerke spiegeln die Bedeutungslosigkeit der Hexenverfolgung für diese Region wider: Die Halsgerichtsordnung Maximilians I. von 1499 für Tirol geht weder auf Zauberei noch auf Hexerei ein. Der Entwurf einer Landgerichtsordnung der Lande ober und unter der Enns verlangt zwar für Schadenzauberei eine Leibesstrafe, aber nicht den Tod. Dies betrachtet Byloff als einen sicheren Anhaltspunkt dafür, dass die Teufelsvorstellung in dieser Gegend noch nicht herrschend geworden war. [234]

IV. Zusammenfassung

Die Vorstellung von einer Hexensekte, die die christliche Gesellschaft mit Hilfe des Teufels zerstören will, ist an der Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert in den Südwestalpen zwischen der Dauphiné und Savoyen entstanden. Voraussetzung dafür waren zwei Entwicklungen: Die Ketzerverfolgung und die Beschäftigung der geistlichen Gelehrten mit Magie und Aberglauben im Rahmen der von Augustinus und Thomas von Aquin ausformulierten christlichen Dämonologie. Gleichzeitig vollzog sich in der christlichen Gesellschaft des hohen und späten Mittelalters eine Verdüsterung des Weltbildes, das vom nahenden Weltende und der Allgegenwart des Teufels ausging.

In Folge der Ketzerverfolgung wurde der durch die Beschäftigung mit dem Römischen Recht wieder eingeführte Inquisitionsprozess als processus extraordinarius benutzt, um mit Hilfe der Folter quasi jede Art von Geständnis zu erreichen. Das führte dazu, dass den als Ketzer verfolgten Katharern und Waldensern so abscheuliche Verbrechen wie Kindsmord, Kannibalismus, vor allem aber Apostasie, Teufelsanbetung und Teufelsbuhlschaft vorgeworfen wurden. Durch die schriftliche Fixierung der Geständnisse erhielten diese den Rang von Tatsachen.

Die in allen Kreisen der Bevölkerung verbreiteten Praktiken von Magie und Zauberei wurden durch die Dämonologie als ein bewusster oder unbewusster Teufelspakt gebrandmarkt und dadurch ebenfalls zur Ketzerei. Ein frühes Zeugnis dieser Entwicklung ist die Treuga Henrici von 1224, die Zauberei grundsätzlich zur Ketzerei erklärte.

Zauberei wurde aber noch nicht für real gehalten. Vielmehr gaukelten die Dämonen den Zauberei Treibenden die Wirksamkeit ihrer Praktiken nur vor. Gleiches galt auch für den in der Vorstellung der Bevölkerung verbreiteten Flug durch die Luft im Gefolge der Herodias, der seit dem Canon Episcopi als eine dämonisch bewirkte Einbildung erklärt wurde.

Weshalb sich diese Vorstellungen Ende des 14. Jahrhunderts in den Westalpen miteinander vermischten und dadurch der Hexenprozess entstand, ist nicht bekannt. Dass es passierte, ist aber nicht erstaunlich, wenn man berücksichtigt, dass diese Ideen alle in den gleichen Kreisen der gebildeten geistlichen Elite diskutiert wurden und Zauberei schon im Ruch der Ketzerei stand.

Im zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts wurden in der Dauphiné, in Savoyen und in den Gebieten der heutigen Westschweiz Prozesse geführt, die durch die Verbindung von Ketzerprozessen mit dem Delikt der Zauberei alle Elemente des kumulativen Hexenglaubens enthielten. Von Anfang an wurden diese Prozesse von kirchlichen und weltlichen Instanzen geführt. Zauberei wurde nun nicht mehr als wirkungslos betrachtet, sondern aufgrund eines Paktes mit Dämonen von diesen für die Hexen bewirkt. Dies alles geschehe mit der Zulassung Gottes, der die durch die Zauberei Geschädigten prüfen oder bestrafen wolle. Der Flug durch die Luft wurde nun als ein reales Mittel betrachtet, um mit teuflischer Hilfe in kurzer Zeit große Entfernungen zurückzulegen, vor allem, um so zu den Sabbaten zu gelangen, auf denen sich die Mitglieder der Hexensekte trafen, um gemeinsam den Teufel zu verehren. Der Widerspruch zum Canon Episcopi wurde dadurch erklärt, dass es sich um eine völlig neue Sekte handle und die alten Gesetze zur Zauberei deshalb nicht mehr zuträfen. Der Flug durch die Luft blieb aber während der gesamten Epoche der Hexenverfolgung umstritten. Niederschlag fanden die frühen Hexenprozesse in Traktaten, die ebenfalls in dieser Gegend und in dieser Zeit entstanden und von großer Bedeutung für die Ausformulierung und Weiterverbreitung des Hexenglaubens waren.

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Durch verschiedenste Kommunikationsstrukturen der Gelehrtenkreise verbreitete sich das Wissen über die neue teuflische Hexensekte. Das Baseler Konzil, das unter großem Einfluss Savoyens stand, wird als ein wichtiges Kommunikationszentrum betrachtet, auf dem der Hexenglauben inoffiziell diskutiert und weiterverbreitet wurde. Außerdem waren die Universitäten, die schon für die Verbreitung und Ausformulierung der dämonologischen Vorstellungen eine wichtige Rolle spielten, für die Weiterbreitung des Hexenglaubens von großer Bedeutung. Auf diese Weise gelangte das Wissen über die Hexen auch in deutschsprachige Gebiete. Am Beispiel von Niders Formicarius kann nachvollzogen werden, wie das Wissen über die Hexensekte in monastischen und gelehrten Kreisen zunächst durch zahlreiche Handschriften und seit 1470/73 durch gedruckte Exemplare Verbreitung fand.

Der elaborierte Hexenglauben allein bewirkte aber noch keine Hexenverfolgungen. Weitere notwendige Faktoren waren: eine Krise, welcher Art auch immer, das Verlangen oder zumindest die Bereitschaft der Bevölkerung und/oder der Obrigkeit, Hexenprozesse zu führen und der Profilierungs- oder Bereicherungswille von an der Durchführung der Prozesse beteiligten Personen oder Gruppen. Die letzten beiden Faktoren sind eng mit dem Aspekt der Instrumentalisierung verbunden. In der Tat lässt sich schon bei den frühesten Prozessen in der Dauphiné, Savoyen und den Orten in der nachmaligen Schweiz ein Interesse an der Führung von Hexenprozessen erkennen, das nichts mit den Hexen selbst zu tun hat. Dennoch sollte man nicht annehmen, das Hexereidelikt sei nur zu diesem Zweck konstruiert worden. Die Angst vor Hexen gab es tatsächlich. Dies lassen die zahlreichen Traktate zu diesem Thema erkennen.

Andreas Blauert fasste die Prozesse, wie sie im Ursprungsgebiet der Hexenverfolgung geführt wurden, als Prozesse nach französischem Konzept zusammen. Merkmal dieser Prozesse war die enge Verknüpfung mit den Ketzerprozessen, die schon früher in der Gegend geführt wurden. Der Schwerpunkt der Anklage lag meist auf dem Vorwurf, die Hexen gehörten einer satanischen Sekte an. Der Schadenzauber unterschied den Prozess zwar vom Ketzerprozess, war aber nur eines unter mehreren Elementen. Die nahe Verwandtschaft zu den Ketzerprozessen zeigt sich schon daran, dass die angeklagten Hexen im französischen Sprachraum vaudois (Waldenser) genannt wurden. Über Savoyen und die Gegend um Lyon hat sich dieser Begriff auf das gesamte französische Sprachgebiet ausgebreitet [235]. Die Opfer dieser frühen Prozesse waren noch zu einem großen Teil Männer, da man das Verbrechen, einer ketzerischen Sekte anzugehören, eher bei Männern vermutete, während Zauberei als eine Domäne der Frauen betrachtet wurde.

Durch die Arbeiten von Niklaus Schatzmann ist die Hexenforschung auf sehr frühe Prozesse im heutigen Tessin und in Norditalien aufmerksam geworden, das seitdem als eigene Prozessregion betrachtet wird, die sogar über Südtirol direkten Einfluss auf Prozesse im deutschen Sprachraum hatte.

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Der deutsche Sprachraum ist vor allem durch eine Prozessregion beeinflusst, die auf dem Gebiet der heutigen Deutschschweiz zwischen Luzern und Basel lag. Hier, im alemannischen Sprachraum, tauchte Anfang des 14. Jahrhunderts der Begriff Hexe zum ersten Mal auf. Ein offensichtlicher Beleg dafür, dass der deutsche Sprachraum hauptsächlich durch das hier entstandene Hexereikonzept beeinflusst wurde, ist die Tatsache, dass in Deutschland von Hexen und nicht etwa von Strigen (Italien) oder Waldensern (Frankreich) die Rede ist. Lange Zeit wurde der Begriff nur als Bezeichnung für weibliche Zauberer benutzt, stand also in keinerlei Verbindung zu den gelehrten Hexenvorstellungen des französischen Hexereikonzeptes. Im Laufe des 15. Jahrhunderts wurde hier, wie auch anderswo im katholischen Europa, der Umgang mit dem Delikt des Schadenzaubers strenger, so dass es statt der üblichen Strafen Kirchenbuße und Verbannung zu ersten Todesurteilen kam. 1450/54 fanden in Luzern erstmals Hexenprozesse statt, die in Ansätzen den Gedanken eines Sektencharakters enthielten und den Angeklagten einen Teufelspakt vorwarfen. Beeinflusst wurden diese Prozesse vermutlich durch den Bericht des Luzerner Chronisten Hans Fründ, der eine Hexenverfolgung 1428 im Wallis beschreibt, die offenbar nach französischem Konzept verlief. 1456 fand der erste Hexenprozess im Baseler Umland statt, der alle Elemente des elaborierten Hexenglaubens enthielt. Vorher und nachher fanden hier Prozesse statt, in denen dessen Elemente keine Rolle spielten. Dennoch wurden die Opfer dieser Prozesse genauso für Hexen gehalten wie die Teufelsbündlerinnen. Zu dieser Prozessregion wird auch Mühlhausen gezählt, da dort ein Prozess stattfand, auf den der Luzerner Prozess von 1450/54 Bezug nimmt. Von hier breiteten sich Teile des elaborierten Hexenglaubens rheinabwärts und nach Lothringen aus. Aufgrund der gegenüber dem Westalpenraum unterschiedlichen Prozesstradition dieses Gebietes hatte Blauert die Gegend zwischen Luzern und Basel als eine eigene Prozessregion bezeichnet. Da das dort praktizierte Konzept des Hexenglaubens, das nicht wie das französische aus der Ketzerverfolgung, sondern aus Zaubereiprozessen entstanden ist, großen Einfluss auf die Hexenverfolgungen des deutschen Sprachgebietes hatte, habe ich es deutsches Konzept des Hexenglaubens genannt.

Insgesamt gesehen stellen sich die beschriebenen Regionen entlang des Rheins als eine Prozessregion dar, die sich innerhalb eines halben Jahrhunderts flussabwärts ausgedehnt hat. Der südliche Raum am Hoch- und Oberrhein ist noch durch personelle und konzeptuelle Gemeinsamkeiten als zusammenhängendes Prozessgebiet erkennbar. Weiter nördlich lässt sich noch kein konkretes Hexereikonzept nach elaboriertem Hexenglauben ausmachen. Dennoch deuten die hohen Opferzahlen und Kontakte zwischen einzelnen Prozessorten auf eine Rezeption von Teilen des elaborierten Hexenglaubens hin. Ich habe deshalb die Hypothese aufgestellt, dass sich elaborierter Hexenglauben und Verfolgungswissen unabhängig voneinander ausgebreitet haben. Das Verfolgungswissen verbunden mit der Vorstellung, es handele sich bei den Hexen, oder wie auch immer sie genannt wurden, um eine Gruppe, verbreitete sich dabei offenbar schneller als der elaborierte Hexenglauben. Das würde erklären, weshalb zum Beispiel in Metz bereits 1456 eine größere Anzahl von Menschen wegen Wetterzauberei verbrannt wurde und im selben Jahr zwei Frauen in Köln. Auch die Hexenprozesse von Heidelberg 1446/47 stützen diese Hypothese, denn obwohl das elaborierte Hexereikonzept hier bereits bekannt war, war man bezüglich des Verfolgungswissens noch auf einen Import aus der Schweiz angewiesen.

In die anderen Territorien dieser Prozessregion gelangte das elaborierte Hexenwissen erst mit der Verfolgungswelle der 1480er Jahre oder noch später. Dabei haben die Aktivitäten Heinrich Kramers und die Rezeption des Hexenhammers eine wichtige Rolle gespielt. Mit dem Mirakelbuch von Eberhardsklausen ist hier ein einmaliger Fund gemacht worden, der die Wirksamkeit des Hexenhammers beweist. Die Prozessregion ist trotz des Zeitunterschiedes von fünfzig Jahren zwischen den ersten Prozessen im Süden und den ersten Prozessen im Norden ein in sich zusammenhängendes Gebiet, das sich nach Osten abgrenzt, weil es jenseits davon keine vergleichbaren Verfolgungen gab und nach Westen bzw. Süden durch die Andersartigkeit des

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Das Wiederaufflammen der Hexenverfolgung Ende der 1470er Jahre mit ihrem vorläufigen Höhepunkt in den 1480er Jahren in Südwestdeutschland steht wahrscheinlich vor allem im Zusammenhang mit der als „kleine Eiszeit“ bekannten Klimaverschlechterung und damit einhergehenden Krisen in dieser Zeit, die auch in anderen Ländern Süd- und Westeuropas zu einem Anstieg der Hexenverfolgung geführt hat.

Die zu dieser Zeit geführten Hexenprozesse weisen bereits mehrheitlich die Elemente des elaborierten Hexenglaubens auf. Ob diese Prozesse selbstständig durch die örtlichen Behörden in Gang gesetzt und geführt wurden oder durch Inquisitoren, kann oft nicht mit Bestimmtheit gesagt werden. Zwar gibt es zahlreiche Prozessakten, in denen von einer Beteiligung der Inquisition nicht die Rede ist. Das muss aber nicht bedeuten, dass tatsächlich auch kein Inquisitor beteiligt war. Dies zeigen die Hexenprozesse von Ravensburg 1485. Diese Prozesse wurden mit Sicherheit von Heinrich Kramer geführt, die erhaltenen Prozessakten aus Ravensburg erwähnen ihn jedoch nicht. Deshalb muss man, so Behringer und Jerouschek, bei sämtlichen Hexenprozessen, die zu dieser Zeit in der Region geführt wurden, zumindest die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass Kramer oder auch ein anderer Inquisitor an den Prozessen beteiligt gewesen war. Die Denunziationen zu den Prozessen in Ravensburg und Innsbruck zeigen, dass die Bevölkerung nach wie vor nur von traditioneller Schadenzauberei ausging, der Hexenglaube dort also noch nicht verbreitet war.

Kramers persönliches Konzept der Hexerei ist, wie aus dem Hexenhammer hervorgeht, kaum von Hexenprozessen außerhalb des deutschen Sprachraumes beeinflusst. Er benutzt im Hexenhammer lediglich den Formicarius von Nider und das Exempel des Inquisitors von Como, die Hexenprozesse in der Schweiz bzw. in Italien beschreiben. Die meisten Erfahrungen hat er vermutlich aus Prozessen in seiner elsässischen Heimat und aus eigener Anschauung gesammelt. Aufgrund dieses Rezeptionshintergrundes und wegen der Vernachlässigung des Hexensabbats und der Betonung des Schadenzaubers könnte man Kramer als einen Vertreter des deutschen Konzeptes des Hexenglaubens bezeichnen.

Die Territorien im Südosten des Reiches waren im 15. Jahrhundert noch kaum von Hexenverfolgungen betroffen. In Bayern sind bis 1500 lediglich drei Hinrichtungen belegt. Behringer führt das auf die agrarische Struktur dieses Gebietes und die damit einhergehende geringe Verbreitung von Bettelorden, zurück. In den östlichen Alpenländern fanden zwar einige spektakuläre Prozesse statt. Es handelte sich aber um Einzelprozesse, so dass für dieses Gebiet nicht von einer Hexenverfolgungswelle gesprochen werden kann. Interessant sind die Prozesse dennoch, da an ihnen verschiedene Wege der Ausbreitung der Hexenverfolgung zu erkennen sind: In Innsbruck über die Inquisition Heinrich Kramers, in Südtirol durch den Einfluss der in Norditalien grassierenden Hexenverfolgungswelle und in Kärnten wahrscheinlich über bambergische Geistliche.

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Auch wenn viele im Hexenhammer beschriebene Prozesse nicht belegbar sind, stimmen vermutlich Kramers Angaben, er habe bis 1486 48 und bis 1491 über 200 Frauen auf den Scheiterhaufen gebracht. Hier zeigt sich deutlich, was Jerouschek und Behringer damit meinen, wenn sie schreiben, der Hexenhammer habe den Nerv der Zeit getroffen. Als den Menschen auf einmal von kirchlicher Seite bestätigt wurde, was sie selbst schon immer so empfunden haben, dass nämlich Zauberei tatsächlich Schäden verursachen könne und nicht, wie es im Canon Episcopi heißt, diese nur eine von Dämonen erzeugte Illusion sei, kam es zu Verfolgungen mit teilweise dutzenden Opfern, wie aus dem Bericht des Kurtrierer Henkers hervor geht. Angesichts dieses Befundes ist es zwar nach wie vor richtig, den Hexenhammer nicht als Auslöser der Hexenverfolgungen zu bezeichnen, da es schon vor ihm Hexenverfolgungen in Deutschland gab. Wahrscheinlich ist er aber verbunden mit den Verfolgungsaktivitäten seines Autors für einen sehr großen Teil der Prozesse im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts zumindest mitverantwortlich. Wer weiß, ob die Hexenverfolgung in Deutschland ohne Heinrich Kramer nicht sogar völlig zum Erliegen gekommen wäre?

Der Einfluss des Hexenhammers auf die juristische Behandlung des Hexereiverbrechens ist nicht ganz klar. Möglicherweise hat er sich in der Carolina, wenn schon nicht in der Erwähnung der Hexerei als Verbrechen, so doch in den Vorgaben für die Prozessführungen in Schadenzauberfällen niedergeschlagen, was die Carolina zu einer durchaus praktikablen Grundlage für Hexenverfolgungen machen sollte. Absolut sicher ist sein Einfluss auf den neu Layenspiegel von Christoph Tengler, der als juristisches Kompendium großen Einfluss auf die Rechtsprechung des 16. Jahrhunderts gehabt haben soll. Sein Einfluss auf die Führung von Hexenprozessen ist aber umstritten. So misst ihm Behringer für Südostdeutschland keine Bedeutung bei.

Blauerts Befund über die Bedeutung der Universitäts- und Bischofsstädte für die Verbreitung der Dämonologie füge ich hinzu, dass diese in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts auch für die Verbreitung der Hexenverfolgung eine große Rolle gespielt haben. In den Bischofsstädten Basel, Metz, Konstanz und Trier, in der Universitäts- und Bischofsstadt Köln und in der Universitätsstadt Heidelberg fanden Hexenprozesse statt und/oder strahlten von dort in die Umgebung aus. Im frühen 16. Jahrhundert kam Ingolstadt als Entstehungsort des Layenspiegels dazu. In Straßburg predigte 1509 Johannes Geiler von Kaysersberg über Hexerei und in Tübingen tat dies vier Jahre zuvor Martin Plantsch, nachdem dort eine Frau als Hexe verbrannt wurde. Beide Predigten wurden kurz darauf gedruckt und erreichten so ein breiteres Publikum. Die beiden Geistlichen vertraten zwar eine moderatere Position als der Hexenhammer, die Realität der Hexerei zweifelten sie aber nicht an. Daran wird deutlich, dass der neue Hexenglauben um die Jahrhundertwende die alten Vorstellungen über Zauberei, wie sie im Canon Episcopi vertreten wurden, abgelöst hatte. [236] Die Bedeutung der Universitäts- und Bischofsstädte für die Hexenverfolgung verweist auch darauf, wer die Träger des Hexenglaubens waren: Die gelehrte, meist geistliche Elite der Universitäten und Klöster. Viele Protagonisten der Verbreitung des Hexenglaubens waren Theologen und/oder Mönche. Genannt seien hier Johannes Nider, Heinrich Kramer und Wilhelm von Bernkastel. Damit es aber tatsächlich zu Hexenverfolgungen kommen konnte, waren sie auf die Unterstützung oder zumindest Duldung durch die weltliche Obrigkeit angewiesen. Wie abhängig Inquisitoren letztlich von der Zustimmung der Obrigkeit waren, zeigt sich in der gescheiterten Verfolgung von Innsbruck. Die Kurpfalz und Ravensburg sind Beispiele für Hexenprozesse, die die Zustimmung der Obrigkeit fanden.

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In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts kam es auch in nördlicher gelegenen Orten des Reiches zu einzelnen Hexenverbrennungen. Östlich der Niederlande erreichte die Hexenverfolgung in den 1530er und 1540er Jahren die Nordsee. So gab es in Bremen 1533 einen Zaubereiprozess, in dem der Teufelsbund Hauptpunkt der Anklage war. Von dort strahlten die Prozesse offenbar in die Umgebung aus. [237] 1505 erfolgte ein Umschwung in der Politik der römischen Kurie, die die Verfolgung von Hexen durch die Inquisition unterband. Durch die Zäsur der Reformation gab es seit 1530 im gesamten Reich kaum noch Hexenverbrennungen. Erst seit den 1570er Jahren fanden wieder überall im Reich Verfolgungen statt, auch in den protestantischen Gebieten. Dort wurde der Hexenhammer als papistisches Machwerk abgelehnt oder zumindest nur ungern herangezogen. [238]

V. Quellen- und Literaturverzeichnis

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Anmerkungen

  • [1]

    Zur Geschichte der Hexenverfolgung gibt es etwa seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wissenschaftliche Veröffentlichungen. Die seitdem zu diesem Thema entwickelten Erklärungsmodelle und Fragestellungen standen und stehen häufig im Widerspruch zueinander. Für einen Überblick über diesen „Dschungel“ der Hexenforschung siehe: Neugebauer-Wölk, Monika, Forschungsbericht. Wege aus dem Dschungel. Betrachtungen zur Hexenforschung, in: Geschichte und Gesellschaft 29 (2003), S. 316-347, bes. S. 319-330. Ich habe mich in dieser Arbeit an den Stand der aktuellen Hexenforschung gehalten, wie er beispielsweise von Rita Voltmer vertreten wird. Einen sehr aktuellen Überblick zu diesem Forschungstand gibt: Rummel, Walter/Voltmer, Rita, Hexen und Hexenverfolgung in der Frühen Neuzeit, Darmstadt 2008.

  • [2]

    Die Edition der frühen Texte: Ostorero, Martine/Paravicini Bagliani, Agostino/Utz-Tremp, Kathrin (Hg.), L'imaginaire du sabbat. Edition critique des textes les plus anciens (1430 c.-1440 c.), (Cahiers lausannois d'histoire médiévale 26), Lausanne 1999. Zur Dämonologie: Bailey, Michael D., Battling Demons. Witch-craft, Heresy and Reform in the Late Middle Ages, Pennsylvania 2003 und Tschacher, Werner, Der Formicarius des Johannes Nider von 1437/38. Studien zu den Anfängen der Europäischen Hexenverfolgungen im Spätmittelalter, Aachen 2000. Neuübersetzung des Hexenhammers: Kramer (Institoris), Heinrich, Der Hexenhammer. Malleus Maleficarum, neu aus dem Lateinischen übertragen von Behringer, Wolfgang et. al., hg. von: Jerouschek, Günther/ Behringer, Wolfgang, 6. Aufl. München 2007. Eine wichtige Sammlung von Lokalstudien, in: Lorenz, Sönke (Hg.), Hexen und Hexenverfolgung im deutschen Südwesten. Aufsatzband zur Ausstellung, Ostfildern 1994.

  • [3]

    Vgl.: Schatzmann, Niklaus, Verdorrende Bäume und Brote wie Kuhfladen. Hexenprozesse in der Leventina 1431-1459 und die Anfänge der Hexenverfolgung an der Alpensüdseite, Zürich 2003, S. 43f.

  • [4]

    Vgl.: Dienst, Heide, Lebensbewältigung durch Magie. Alltägliche Zauberei in Innsbruck gegen Ende des 15. Jahrhunderts, in: Kohler, Alfred; Lutz, Heinrich (Hg.), Alltag im 16. Jahrhundert. Studien zu Lebensformen in mitteleuropäischen Städten, München 1987, S. 80-116, S. 115f.

  • [5]

    Vgl.: Schatzmann, Verdorrende, S. 44.

  • [6]

    Vgl.: Behringer, Wolfgang, Hexenverfolgung in Bayern. Volksmagie, Glaubenseifer und Staatsräson in der frühen Neuzeit, 3. verbesserte und um ein Nachwort ergänzte Auflage, München 1997, S. 74.

  • [7]

    Vgl.: Dienst, Lebensbewältigung, S. 115.

  • [8]

    Siehe hierzu: Voltmer, Rita, Netzwerk, Denkkollektiv oder Dschungel? Moderne Hexenforschung zwischen „global history“ und Regionalgeschichte, Populärhistorie und Grundlagenforschung, in: Zeitschrift für Historische Forschung Band 34 (2007), Heft 3, Berlin, S. 467- 507, hier: S. 475ff.

  • [9]

    Vgl. hierzu die Ausführungen Schatzmanns zur Stellung der Frauen in den Dörfern der Leventina, in: Schatzmann, Verdorrende, S. 174-187.

  • [10]

    Zum Formicarius, vgl.: Werner Tschacher, Zusammenfassung der Ergebnisse: Der Formicarius des Johannes Nider von 1437/38. Studien zu den Anfängen der europäischen Hexenverfolgungen im Spätmittelalter, Aachen 2000, URL: http://histor.ws/hexenforschung/material/tschach-formic.rtf (Zugriff: 10.04.2008), S.9; zum Hexenhammer vgl.: Kramer, Malleus, z.B. Kapitel [I,6] (S. 224-240).

  • [11]

    Vgl.: z.B. Schmidt, Jürgen Michael, Glaube und Skepsis. Die Kurpfalz und die abendländische Hexenverfolgung 1446-1685, Bielefeld 2000, S. 11.

  • [12]

    Vgl.: Patschkowsky, Alexander, Der Ketzer als Teufelsdiener, in: Mordek, Hubert (Hg.), Papsttum, Kirche und Recht im Mittelalter. Festschrift für Horst Fuhrmann zum 65. Geburtstag, Tübingen 1991, S.317-334, hier: S. 317ff. Interessant ist auch, dass, laut Patschkowsky, diese Art von Vorwürfen eine sehr lange Tradition hat. So wurde bereits den frühen Christen in Rom Kannibalismus und Unzucht vorgeworfen. Seit den Römern seien fremde, unbekannte und geheime Riten stets für okkulte Gräueltaten gehalten worden. Die Vorwürfe gegen die neue Hexensekte waren also alles andere als neu. Vielmehr standen sie in der Tradition eines abendländischen „Verschwörungssyndroms“, wie Patschkowsky es nennt.

  • [13]

    Vgl.: Harmening, Dieter, Dämonologie und Anthropologie der christlichen Hexe, in: Lorenz, Sönke/Bauer, Dieter R. (Hg.), Hexenverfolgung. Beiträge zur Forschung – unter besonderer Berücksichtigung des südwestdeutschen Raumes, Würzburg 1995, S. 45-63, hier: S. 47f.

  • [14]

    Vgl.: Harmening, Dämonologie, S. 49.

  • [15]

    Vgl.: Harmening, Dämonologie, S. 52.

  • [16]

    Vgl.: Harmening, Dämonologie, S. 53f.

  • [17]

    Vgl.: Golden, Richard, M. (Hg.), Encyclopedia of Witchcraft. The Western Tradition Band I, Santa Barbara (Kalifornien) 2006, Stichwort Canon Episcopi, S. 164f.

  • [18]

    Vgl.: Steinbruck, Joseph, Zauberei, Hexen- und Dämonenglaube im Sendhandbuch des Regino von Prüm, in: Franz, Günther/Irsigler, Franz (Hg.), Hexenglaube und Hexenprozesse im Raum Rhein-Mosel-Saar (Trierer Hexenprozesse – Quellen und Darstellungen Band 1) Trier 1995, S. 3-18, hier: S. 16f.

  • [19]

    Alle Zitate in: Prüm, Regino von, Canon Episcopi, in: Steinbruck, Zauberei, S. 13-16.

  • [20]

    Vgl.: Geiling, Jens/Gawron, Thomas, Ulrich Molitor, in: Lexikon der Hexenverfolgung, hg. von Gersmann, Gudrun/Moeller, Katrin/Schmidt, Jürgen-Michael, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/1659/ (Zugriff: 26.03.2008).

  • [21]

    Patschkowsky, Der Ketzer, S. 324ff. und derselbe, Wie wird man Ketzer? Der Beitrag der Volkskunde zur Entstehung von Häresien, in: Dinzelbacher, Peter/Bauer, Dieter R. (Hg.), Volksreligion im hohen und späten Mittelalter (Quellen und Forschungen aus dem Gebiet der Geschichte, Neue Folge, Heft 13), Paderborn 1990, S. 145-162, hier: S. 148.

  • [22]

    Vgl.: Rummel/Voltmer, Hexen, S. 38ff.

  • [23]

    Vgl.: Patschkovsky, Wie wird man Ketzer, S. 148.

  • [24]

    Vgl.: Behringer, Wolfgang, Hexen und Hexenprozesse in Deutschland, 4. überarbeitete und aktualisierte Auflage, München 2000.

  • [25]

    Vgl.: Tschacher, Werner, Vom Feindbild zur Verschwörungstheorie: Das Hexenstereotyp, in: Caumanns, Ute/Niendorf, Mathias (Hg.), Verschwörungstheorien. Anthropologische Konstanten – historische Varianten, Osnabrück 2001, S. 49-74, hier: S. 52.

  • [26]

    Lecouteux, Claude, Hexe und Hexerei als Sammelbegriff, in: Lorenz/Bauer, Hexenverfolgung, S. 31-44, hier: S. 40.

  • [27]

    Vgl.: Rummel/Voltmer, Hexen, S. 35f.

  • [28]

    Vgl.: Tschacher, Vom Feindbild, S. 54f.

  • [29]

    Bulle Alexander V. vom 30. August 1409, in: Hansen, Joseph (Hg.), Quellen und Untersuchungen zur Geschichte des Hexenwahns und der Hexenverfolgung im Mittelalter. Mit einer Untersuchung der Geschichte des Wortes Hexe von Johannes Franck. Bonn 1901, S. 16f.

  • [30]

    Vgl.: Tschacher, Vom Feindbild, S. 56. Diese Annahme stützt sich auf die Person Feugeyrons, da der erste für Savoyen nachgewiesene Hexenprozess von 1434 unter seiner Leitung durchgeführt wurde. Vgl.: Gamba, Félicien, Die Hexe von Saint-Vincent. Ein Ketzer- und Hexenprozeß im 15. Jahrhundert, in: Blauert, Andreas (Hg.), Die Anfänge der europäischen Hexenverfolgungen, Frankfurt 1990, S. 160-181, hier: S. 161.

  • [31]

    Vgl.: Ginzburg, Carlo, Hexensabbat. Entzifferung einer nächtlichen Geschichte, Berlin 1990, S. 76.

  • [32]

    Vgl.: Blauert, Andreas, Frühe Hexenverfolgungen. Ketzer-, Zauberei- und Hexenprozesse des 15. Jahrhunderts, Hamburg 1989, S. 48ff.

  • [33]

    Vgl.: Blauert, Frühe Hexenverfolgungen, S. 50f.

  • [34]

    Vgl.: Lecouteux, Hexe, S. 31 und 42.

  • [35]

    Vgl.: Blauert, Frühe Hexenverfolgungen, S. 51.

  • [36]

    Vgl.: Modestin, Georg/Utz-Tremp, Kathrin, Anstelle eines Nachworts, in: dieselben (Hg.), Hexen, Herren und Richter. Die Verfolgung von Hexern und Hexen auf dem Gebiet der heutigen Schweiz am Ende des Mittelalters, in: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte 52, Basel 2002, S. 103-162, hier: S. 157f.

  • [37]

    Vgl.: Ginzburg, Hexensabbat, S. 70f. Die Sekten schienen sich in dieser Zeit tatsächlich miteinander zu vermischen, so dass die Verkettung von verschiedenen Häretikergruppen nicht nur auf die Verschwörungstheorien der Gelehrten zurückzuführen ist. Vgl.: Ginzburg, S. 84.

  • [38]

    Die Begriffe Synagoga und Sabbat zeigen, dass sich die Ketzer- bzw. Hexenverfolgung auch mit Elementen der Judenverfolgung vermischte. Zur Genese der Hexenverfolgung als Folge einer Vermischung der Juden- und Ketzerverfolgung im Gebiet Savoyen/Dauphiné siehe Ginzburg, Hexensabbat, Kapitel: Juden, Ketzer, Hexen, S. 67-89.

  • [39]

    Vgl.: Blauert, Frühe Hexenverfolgungen, S. 28.

  • [40]

    Vgl.: Schatzmann, Verdorrende, S. 56f. und Modestin, Georg/Utz-Tremp, Kathrin, Zur spätmittelalterlichen Hexenverfolgung in der heutigen Westschweiz. Ein Forschungsbericht, in: Zeitenblicke 1 (2002), Nr.1, URL: http://www.zeitenblicke.historicum.net/2002/01/modestin/modestin.html (Zugriff: 04.03.2008).

  • [41]

    Vgl.: Modestin, Georg, Wozu braucht man Hexen? Herrschaft und Verfolgung in Châtel-Saint-Denis (1444-1465), in: Freiburger Geschichtsblätter 77 (2000), S. 107-129, hier: S. 113.

  • [42]

    Vgl.: Paravy, Pierrette. Zur Genesis der Hexenverfolgungen im Mittelalter: Der Traktat des Claude Tholosan, Richter in der Dauphine (um 1436), in: Blauert, Die Anfänge, S. 118-142, hier: S. 120 und 124.

  • [43]

    Vgl.: Utz-Tremp, Kathrin, Von der Häresie zur Hexerei. Waldenser- und Hexenverfolgungen im heutigen Kanton Freiburg (1399-1442), in: Modestin/Utz-Tremp, Hexen, Herren und Richter, S.115-121, hier: S. 117f.

  • [44]

    Vgl. die These Jacques Chiffoleaus, wiedergegeben in: Schatzmann, Verdorrende, S. 62f.

  • [45]

    Vgl.: Voltmer, Netzwerk, S. 480.

  • [46]

    Schatzmann, Niklaus, Zwischen Skylla und Charybdis. Hexenverfolger in der Leventina im 15. Jahrhundert, in: Voltmer, Rita (Hg.), Hexenverfolgung und Herrschaftspraxis, Trier 2005, S. 73-94, hier: S. 82f.

  • [47]

    Vgl.: Paravy, Zur Genesis, S. 120.

  • [48]

    Apokalyptisches Denken und die nahe Erwartung des Antichrist haben zu dieser Zeit unter den Gelehrten zu einer Verdüsterung des Weltbildes geführt. Aber auch in der Bevölkerung habe es tief greifende Ängste und Erwartungen des nahen Weltuntergangs gegeben. Vgl.: Tschacher, Vom Feindbild, S. 55f.

  • [49]

    Diese fünf ältesten schriftlichen Äußerungen zur Hexerei liegen in einer editierten Ausgabe vor: Ostorero/Paravicini Bagliani/Utz Tremp, L'imaginaire du sabbat. Eine deutsche Übersetzung des Traktates von Claude Tholosan: Tholosan, Claude, Ut Magorum et Maleficiorum Errores, in: Blauert, Die Anfänge, S.143-159.

  • [50]

    Vgl.: Schatzmann, Verdorrende, S. 224.

  • [51]

    Vgl.: Tschacher, Der Formicarius, S. 338.

  • [52]

    Vgl.: Auszug aus dem Tractatus de strigiis des Inquisitors Bernard von Como, in: Hansen, Quellen, S. 279ff.

  • [53]

    Diese Erklärung wird im Hexenhammer durch ca. 250 Beispiele für die reale Macht des Teufels untermauert, vgl.: Jeruschek, Günther/Behringer, Wolfgang, „Das unheilvollste Buch der Weltliteratur“? Zur Entstehungs- und Wirkungsgeschichte des Malleus Maleficarum und zu den Anfängen der Hexenverfolgung, in: Kramer, Malleus, S. 9-98, hier: S. 71f.

  • [54]

    Vgl.: Tschacher, Der Formicarius, S. 19.

  • [55]

    Vgl.: Tschacher, Zusammenfassung Formicarius, S. 3 und Bailey, Battling Demons, S. 4f. und 145.

  • [56]

    Vgl.: Tschacher, Werner, Johannes Nider, in: Lexikon der Hexenverfolgung, historicum.net, URL:

    http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/1654/ (Zugriff: 10.04.2008).

  • [57]

    Tschacher, Der Formicarius, S. 83f.

  • [58]

    Tschacher, Der Formicarius, S. 107.

  • [59]

    Vgl.: Tschacher, Johannes Nider.

  • [60]

    Vgl.: Ginzburg, Hexensabbat, S. 97.

  • [61]

    Vgl.: Tschacher, Johannes Nider.

  • [62]

    Vgl.: Jerouschek/Behringer, Das unheilvollste, S. 13.

  • [63]

    Vgl.: Rummel, Walter, Gutenberg, der Teufel und die Muttergottes von Eberhardsklausen. Erste Hexenverfolgungen im Trierer Land, in: Blauert, Die Anfänge, S. 91-117, hier: S. 101-108.

  • [64]

    Vgl.: Tschacher, Der Formicarius, S. 23 und Fußnote 131 auf S. 24.

  • [65]

    Vgl.: Paulus, Nikolaus, Hexenwahn und Hexenprozess vornehmlich im 16. Jahrhundert, Freiburg/Br. 1910, S. 3 und Voltmer, Rita, Wie der Wächter auf dem Turm: Ein Prediger und seine Stadt. Johannes Geiler von Kaysersberg (1445-1510) und Straßburg, Trier 2005, S. 63.

  • [66]

    Tschacher, Zusammenfassung Formicarius, S. 5f.

  • [67]

    Tschacher, Zusammenfassung Formicarius, S. 4.

  • [68]

    Bailey, Battling Demons, S. 140ff.

  • [69]

    Vgl.: Schatzmann, Verdorrende, S. 30.

  • [70]

    Vgl.: Neugebauer-Wölk, Wege aus dem Dschungel, S. 331f.

  • [71]

    Vgl.: Sudmann, Steffan, Baseler Konzil 1431-1449, in: Lexikon der Hexenverfolgung, historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistant/artikel/5514/ (Zugriff: 26.03.2008).

  • [72]

    Vgl.: Sudmann, Baseler Konzil.

  • [73]

    Vgl.: Blauert, Frühe Hexenverfolgungen, S. 30.

  • [74]

    Vgl.: Modestin, Georg, Ein treuer Diener seiner Herren. Der Lausanner Jurist Pierre Crechon zwischen bischöflicher Hexenjagd und städtischem Ratsalltag (15. Jh.), in: Schweizerische Zeitschrift für Religions- und Kulturgeschichte 97 (2003), S. 57- 69, URL: http://www.unifr.ch/szrkg/pdf/leseprob/modestin.pdf (Zugriff: 23.03.2008) und derselbe, Des Bischofs letzte Tage. Georg von Saluzzo und die Hexenverfolgung im Fürstbistum Lausanne (1458-1461), in: Voltmer, Rita (Hg.), Hexenverfolgung und Herrschaftspraxis (Trierer Hexenprozesse – Quellen und Darstellungen Band 7), Trier 2005.

  • [75]

    Vgl.: Schatzmann, Verdorrende, S. 61.

  • [76]

    Vgl.: Bailey, Battling Demons, S. 5f.

  • [77]

    Vgl.: Tschacher, Zusammenfassung Formicarius, S. 4f.

  • [78]

    Vgl.: Sudmann, Baseler Konzil.

  • [79]

    Vgl.: Sudmann, Baseler Konzil.

  • [80]

    Sudmann, Baseler Konzil.

  • [81]

    Vgl.: Sudmann, Baseler Konzil.

  • [82]

    Vgl.: Schatzmann, Verdorrende, S. 61.

  • [83]

    Vgl.: Schatzmann, Verdorrende, S. 61, Fußnote 168.

  • [84]

    Verger, zit. n. Tschacher, Der Formicarius, S. 269.

  • [85]

    Vgl.: Tschacher, Der Formicarius, S. 276ff.

  • [86]

    Vgl.: Tschacher, Der Formicarius, S. 279ff.

  • [87]

    Vgl.: Tschacher, Der Formicarius, S. 282ff.

  • [88]

    Vgl.: Tschacher, Der Formicarius, S. 291.

  • [89]

    Vgl.: Blauert, Frühe Hexenverfolgungen, S. 34f.

  • [90]

    Vgl.: Moeller, Kathrin, Mecklenburg – Hexenverfolgungen, in: Lexikon der Hexenverfolgung, historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/1624/ (Zugriff: 26.03.2008).

  • [91]

    Vgl.: Jakob, Andrea (Red.), Hexen und Hexenverfolgung in Thüringen. Begleitbuch zur Ausstellung „Hexen in Thüringen“, Meiningen 2003, S. 24.

  • [92]

    Vgl.: Hansen, Quellen, S. 467-510 und S. 553-600.

  • [93]

    Vgl.: Blauert, Frühe Hexenverfolgungen, S. 69.

  • [94]

    Vgl.: Blauert, Frühe Hexenverfolgungen, S. 67ff.

  • [95]

    Modestin/Utz-Tremp, Nachwort in: Hexen, Herren und Richter, S. 157f.

  • [96]

    Vgl.: Jäggi, Steffan, Luzerner Verfahren wegen Zauberei und Hexerei bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, in: Modestin/Utz-Tremp, Hexen, Herren und Richter, S. 143-150, hier: S. 147.

  • [97]

    Vgl.: Blauert, Andreas, Frühe Hexenverfolgungen in der Schweiz, am Bodensee und am Oberrhein, in: Lorenz, Hexen und Hexenverfolgung im deutschen Südwesten, S. 59-66, hier: S. 62f. und ders, Schweizerische Ketzer-, Zauber- und Hexenprozesse des frühe 15. Jahrhunderts. Eine Skizze, in: Lorenz/Bauer, Hexenverfolgung, S. 65-81, S.77.

  • [98]

    Vgl.: Blauert, Schweizerische, S. 77f.

  • [99]

    Vgl.: Rippmann, Dorothee, Hexenverfolgungen und soziale Unrast. Der Forschungsstand zum Baseler Raum (Nordwestschweiz) im Spätmittelalter, in: Modestin/Utz-Tremp, Hexen, Herren und Richter, S. 151-156, hier: S. 153f.

  • [100]

    Vgl.: Rippmann, Dorothee, Hexen im 15. und 16. Jahrhundert, in: Dieselbe, et. al., Arbeit – Liebe – Streit. Texte zur Geschichte des Geschlechterverhältnisses und des Alltags. 15. bis 18. Jahrhundert, Liestal 1996, S. 159-226, hier: S. 174.

  • [101]

    Vgl.: Rippmann, Hexenverfolgungen, S. 154f.

  • [102]

    Diese These vertritt Jürgen Michael Schmidt auch für die Heidelberger Prozesse von 1446/47, vgl.: Schmidt, Glaube, S. 28.

  • [103]

    Vgl.: Rippmann, Hexen, S. 173f.

  • [104]

    Siehe: Schleichert, Sabine, Vorderösterreich: Elsaß, Breisgau, Hagenau und Ortenau, in: Lorenz, Hexen und Hexenverfolgung, S. 218-228.

  • [105]

    Vgl.: Schleichert, Vorderösterreich, S. 219.

  • [106]

    Vgl.: Schleichert, Vorderösterreich, S. 222.

  • [107]

    Vgl.: Hansen, Quellen, S. 561.

  • [108]

    Lorenz, Sönke, Hexen und Hexenprozesse im deutschen Südwesten – eine Einführung, in: Schmauder, Andreas (Hg.), Frühe Hexenverfolgungen in Ravensburg und am Bodensee (Historische Stadt Ravensburg Band 2), Konstanz 2001, S. 7-28, hier: S. 11.

  • [109]

    Vgl.: Schmidt, Glaube, S. 47.

  • [110]

    Hartlieb, Johann, Buch aller verbotenen Kunst, in: Behringer, Wolfgang (Hg.), Hexen und Hexenprozesse in Deutschland, 4. überarbeitete und aktualisierte Auflage, München 2000, S. 82.

  • [111]

    Vgl.: Hartlieb, Buch aller verbotenen Kunst, S. 83.

  • [112]

    Vgl.: Schmidt, Glaube, S. 26.

  • [113]

    Vgl.: Schmidt, Glaube, S. 27.

  • [114]

    Vgl.: Schmidt, Glaube, S. 28.

  • [115]

    Vgl.: Schmidt, Glaube, S. 51f.

  • [116]

    Dies schreibt Schmidt– vgl.: Schmidt, Glaube, S. 33. Wie er zu dieser Annahme gelangt, teilt er jedoch nicht mit.

  • [117]

    Vgl.: Schmidt, Glaube, S. 30f.

  • [118]

    Vgl.: Schmidt, Glaube, S. 49.

  • [119]

    Vgl.: Schmidt, Glaube, S. 27 und Fußnote 17 auf der gleichen Seite.

  • [120]

    Vgl.: Blecourt, Willem de/Waardt, Hans de, Das Vordringen der Zaubereiverfolgungen in die Niederlande Rhein, Maas und Schelde entlang, in: Blauert, Die Anfänge, S. 182-215.

  • [121]

    Vgl.: Schmidt, Glaube, S. 198.

  • [122]

    Vgl.: Schmidt, Glaube, S. 35f. Dieser Prozess wird seit Joseph Hansen mit Institoris in Verbindung gebracht, da es sich bei den Heidelberger Prozessen um Inquisitionsverfahren gehandelt habe. Schmidt zweifelt diese These an, da Heidelberg bereits Erfahrung mit Hexenprozessen hatte und daher keinen Experten wie Kramer gebraucht habe. Außerdem sei dieser zu der Zeit mit einem anderen Prozess beschäftigt gewesen, und darüber hinaus sei gar nicht erwiesen, ob Kramer 1475/76 überhaupt bereits Inquisitor gewesen sei. Zuletzt erwähne Kramer die Heidelberger Prozesse auch nicht im Hexenhammer. Vgl.: Schmidt, Glaube, S. 40ff.

  • [123]

    Widmann von Kemnath, Mathias, zit. n.: Schmidt, Glaube, S. 36.

  • [124]

    Vgl.: Schmidt, Glaube, S. 37.

  • [125]

    Vgl.: Schmidt, Glaube, S. 53.

  • [126]

    Laut Encyclopedia of Witchcraft waren 70% der Bevölkerung des Elsaß zu dieser Zeit deutschsprachig. Siehe: Golden, Encyclopedia Band I, Stichwort Alsace, S. 31f.

  • [127]

    Vgl.: Blauert, Hexenverfolgungen in der Schweiz, am Bodensee und am Oberrhein, S. 62ff.

  • [128]

    Genauere Angaben zu den Verfolgungen Kramers in dieser Arbeit: Kapitel III.B.1.

  • [129]

    Vgl.: Biesel, Elisabeth, Lothringen – Hexenverfolgungen, in: Lexikon der Hexenverfolgung, historicum net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/1623/ (Zugriff: 26.03.2008).

  • [130]

    Vgl.: Atten, Alain, Inquisition und Hexenprozesse im Raum Luxemburg – Lothringen im 15. Jahrhundert, in: Franz, Günther/Irsigler, Franz (Hg.), Hexenglaube und Hexenprozesse im Raum Rhein-Mosel-Saar (Trierer Hexenprozesse – Quellen und Darstellungen Band 1) Trier 1995, S. 405-415, hier: S. 407-410.

  • [131]

    Vgl.: Blauert, Frühe Hexenverfolgungen, S. 34.

  • [132]

    Vgl.: Atten, Inquisition, S. 410f.

  • [133]

    Vgl.: Atten, Inquisition, S. 411.

  • [134]

    Vgl.: Atten, Inquisition, S. 411.

  • [135]

    Vgl.: Hansen, Quellen, S. 565.

  • [136]

    Vgl.: Hansen, Quellen, S. 567f.

  • [137]

    Vgl.: Hansen, Quellen, S. 581.

  • [138]

    Vgl.: Atten, Inquisition, S. 414.

  • [139]

    Vgl.: Jerouschek/Behringer, Das Unheilvollste, S. 81f.

  • [140]

    Vgl. : Rummel, Walter, Kurtrier – Hexenverfolgungen, in: Lexikon der Hexenverfolgungen, historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/1620/ (Zugriff: 26.03.2008). Im Kapitel über den Hexenhammer werde ich auf dieses einzigartige Zeugnis der Rezeption und Wirkung des Hexenhammers näher eingehen.

  • [141]

    Vgl.: Jerouschek/Behringer, Das unheilvollste, S. 81.

  • [142]

    Vgl.: Voltmer, Rita, Zwischen Herrschaftskrise, Wirtschaftsdepression und Jesuitenpropaganda. Hexenverfolgung in der Stadt Trier (15.-17. Jahrhundert), in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 27. Jahrgang, Koblenz 2001, S. 37-107, hier: S. 54.

  • [143]

    Vgl.: Atten, Inquisition, S. 414.

  • [144]

    Vgl.: Blecourt/Waardt, Das Vordringen, S. 191.

  • [145]

    Bis zum Westfälischen Frieden gilt Niederländisch noch als Mundart des Frühneuhochdeutschen, vgl.: Anderson, Robert R./Goebel, Ulrich/Reichmann, Oskar (Hg.), Frühneuhochdeutsches Wörterbuch Band I, Berlin 1989, S. 118.

  • [146]

    Vgl.: Blecourt/Waardt, Das Vordringen, S, 186, Edition des Briefes aus Zutphen in: Hansen, Quellen, S. 589f.

  • [147]

    Vgl.: Hansen, Quellen, S. 84f.

  • [148]

    Vgl.: Schwerhoff, Gerd, Hexenverfolgungen Köln (Reichsstadt), in: Lexikon der Hexenverfolgung, historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/1638/ (Zugriff: 10.04.2008).

  • [149]

    Vgl.: Jerouschek/Behringer, Das Unheilvollste, S. 38.

  • [150]

    Vgl.: Blecourt/Waardt, Das Vordringen, S. 205.

  • [151]

    Zur Bedeutung der Flüsse als Verkehrs- und Kommunikationswege siehe: Rummel/Voltmer, Hexen,S. 94.

  • [152]

    Vgl.: Golden, Encyclopedia Band III, Stichwort Saar-Region, S. 986.

  • [153]

    Vgl.: Blauert, Frühe Hexenverfolgungen, S. 18.

  • [154]

    Vgl.: Jerouschek/Behringer, Das unheilvollste, S. 19f.

  • [155]

    Mittlerweile ist eindeutig geklärt, dass Heinrich Kramer der alleinige Verfasser des Hexenhammers ist. Jacob Sprenger, den Kramer in der Apologia, die er dem Werk voranstellte, als Mitautor angibt, war daran in keiner Weise beteiligt. Dieser war sogar ein ausgesprochener Gegner Kramers, denn er lehnte dessen Fanatismus ab und vertrat überdies den observanten Flügel der Dominikaner, während Kramer den Konventualen angehörte, die sich vehement gegen Reformen sträubten. Sprenger, der in der Hexenbulle neben Kramer als Inquisitor für ganz Oberdeutschland ernannt wurde, führte auch keine Hexenprozesse, nicht einmal irgendein anderes Inquisitionsverfahren mit tödlichem Ausgang. Vgl.: Jerouschek/Behringer, Das unheilvollste, S. 31-40.

  • [156]

    Vgl.: Behringer, Wolfgang, Heinrich Kramers „Hexenhammer“: Text und Kontext, in: Schmauder, Frühe Hexenverfolgungen in Ravensburg, S. 113f.

  • [157]

    Vgl.: Blauert, Schweizerische, in: Lorenz, Hexen und Hexenverfolgung im deutschen Südwesten, S. 63.

  • [158]

    Vgl.: Jerouschek/Behringer, Das unheilvollste, S. 40f.

  • [159]

    Vgl.: Jerouschek/Behringer, Das unheilvollste, S. 41ff.

  • [160]

    Vgl.: Voges, Dietmar-H., Reichsstadt Nördlingen, in: Lorenz, Hexen und Hexenverfolgung im deutschen Südwesten, S. 360-369, hier: S. 362.

  • [161]

    Vgl.: Jerouschek/Behringer, Das unheilvollste, S. 45.

  • [162]

    Vgl.: Jerouschek/Behringer, Das unheilvollste, S. 47f.

  • [163]

    Vgl.: Die Bulle Summis desiderantes affectibus vom 5. Dezember 1484, in: Kramer, Malleus, fol. Iv (S. 106).

  • [164]

    Vgl.: Jerouschek/Behringer, Das unheilvollste, S. 49.

  • [165]

    Vgl.: Kramer, Malleus, fol. 54 vb (S. 402).

  • [166]

    Vgl.: Zimmermann, Wolfgang, Hochstift Konstanz, in: Lorenz, Hexen und Hexenverfolgung im deutschen Südwesten, S. 316- 324, hier: S. 318.

  • [167]

    Zimmermann, Hochstift, S. 317.

  • [168]

    Vgl.: Laer, Annette von, Die spätmittelalterlichen Hexenprozesse in Konstanz und Umgebung, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung 106, Friedrichshafen 1988, S. 20.

  • [169]

    Vgl.: Jerouschek/Behringer, Das unheilvollste, S. 53.

  • [170]

    Kramer, Malleus, vor allem: II/1,15, fol. 72vb-74ra (S. 492ff.).

  • [171]

    Vgl.: Jerouschek/Behringer, Das unheilvollste, S. 55.

  • [172]

    Vgl.: Jerouschek/Behringer, Das unheilvollste, S. 53f.

  • [173]

    Blauert, Andreas, Die Ravensburger Urfehden als Zeugnisse der Ravensburger Hexenverfolgung, in: Schmauder, Frühe Hexenverfolgungen in Ravensburg, S. 65-81,hier: S. 78.

  • [174]

    Vgl.: Schmauder, Andreas, Frühe Hexenverfolgung in Ravensburg, in: Ders., Frühe Hexenverfolgungen in Ravensburg, S. 29-63, hier: S. 41 u. 56ff.

  • [175]

    Vgl.: Schmauder, Frühe, S. 57.

  • [176]

    Vgl.: Summis desiderantes affectibus, fol. Iv (S. 105).

  • [177]

    Vgl.: Schmauder, Frühe, S. 57.

  • [178]

    Vgl.: Kramer, Malleus, fol. 73rb (S. 492). Eine der wenigen Andeutungen, dass Kramer die Vorstellungen vom Hexensabbat kannte und akzeptierte, findet sich in der Beschreibung des Exempels des Inquisitors von Como, vgl.: Kramer, Malleus, fol. 32va (S. 287).

  • [179]

    Vgl.: Jerouschek/Behringer, Das unheilvollste, S. 57 und Schmauder, Frühe, S. 56.

  • [180]

    Vgl.: Jerouschek/Behringer, Das unheilvollste, S. 55f.

  • [181]

    Vgl.: Jerouschek/Behringer, Das unheilvollste, S. 57f.

  • [182]

    Vgl.: Behringer, Wolfgang, Hexenverfolgung in Bayern, S. 79.

  • [183]

    Vgl.: Jerouschek/Behringer, Das unheilvollste, S, 89.

  • [184]

    Vgl.: Behringer, Hexenverfolgung in Bayern, S. 79.

  • [185]

    Behringer, Hexenverfolgung in Bayern, S. 432f.

  • [186]

    Vgl.: Kramer, Malleus, Apologia, 1r (S. 117-119, hier: S. 118).

  • [187]

    Zu dem Prozess von Arras, siehe: Riezler, Siegmund von, Geschichte der Hexenprozesse in Bayern. Im Licht der allgemeinen Entwicklung dargestellt, Stuttgart 1896, S. 321- 325.

  • [188]

    Vgl.: Jerouschek/Behringer, Das unheilvollste, S. 73f.

  • [189]

    Vgl.: Jerouschek/Behringer, Das unheilvollste, S. 20f.

  • [190]

    Vgl.: Behringer, Text und Kontext, S. 110f.

  • [191]

    Vgl.: Labouvie, Eva, Zauberei und Hexenwerk. Ländlicher Hexenglaube in der frühen Neuzeit, Frankfurt/Main 1991, S. 27.

  • [192]

    Jerouschek/Behringer, Das unheilvollste, S. 11-20.

  • [193]

    Vgl.: Rummel, Gutenberg, S. 97.

  • [194]

    Vgl.: Rummel, Gutenberg, S. 102.

  • [195]

    Vgl.: Rummel, Gutenberg, S. 102f.

  • [196]

    Vgl.: Rummel/Voltmer, Hexen, S. 32f.

  • [197]

    Vgl.: Rummel, Gutenberg, S. 104f.

  • [198]

    Vgl.: Jerouschek/Behringer, Das unheilvollste, S. 72.

  • [199]

    Vgl.: Rummel/Voltmer, Hexen, S. 54.

  • [200]

    Vgl.: Hansen, Quellen, S. 296-306, Zitat: S. 306. Der Hexenhammer wird im Layenspiegel sogar eigens als Autorität genannt, vgl.: ebenda, S. 300.

  • [201]

    Vgl.: Behringer, Hexenverfolgung in Bayern, S. 82.

  • [202]

    Vgl.: Kieckhefer Richard, European Witch Trials. Their Foundations in Popular and Learned Culture, 1300-1500, London und Henley 1976, S. 11.

  • [203]

    Vgl.: Rummel/Voltmer, Hexen, S. 53.

  • [204]

    Rummel/Voltmer, Hexen, S. 95.

  • [205]

    Blecourt/Waardt, Das Vordringen, S. 201.

  • [206]

    Vgl.: Behringer, Hexenverfolgung in Bayern, S. 80.

  • [207]

    Vgl.: Byloff, Fritz, Hexenglaube und Hexenverfolgung in den österreichischen Alpenländern (Quellen zur deutschen Volkskunde Heft 6), Berlin und Leipzig 1934, S. 30.

  • [208]

    Vgl.: Valentinitsch, Helfried, Hexen und Zauberer in der Steiermark, Graz 2004, S. 40ff., zu den Vorarlberger Hexenverfolgungen siehe: Tschaikner, Manfred, Hexenverfolgungen Vorarlberg, in: Lexikon der Hexenverfolgung, historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/1623/ (Zugriff: 26.03.2008).

  • [209]

    Vgl.: Blauert, Frühe Hexenverfolgungen in der Schweiz, S. 60.

  • [210]

    Vgl.: Ginzburg, Hexensabbat, S. 97, Ginzburg führt diesen Fall als Argument für seine These an, die Vorstellung vom Sabbat sei auf, bis ins späte Mittelalter erhaltene, vorchristliche Riten zurückzuführen, in deren Mittelpunkt die Verehrung einer unter anderem „die gute Herrin“ genannten Frau gestanden habe. Die Predigt ist außerdem wiedergegeben bei: Rabanser, Hansjörg, Hexenwahn. Schicksale und Hintergründe. Die Tiroler Hexenprozesse, Innsbruck und Wien 2006, S. 38f.

  • [211]

    Vgl.: Jerouschek/Behringer, Das unheilvollste, S. 59f.

  • [212]

    Vgl.: Jerouschek/Behringer, Das unheilvollste, S. 60ff.

  • [213]

    Vgl.: Jerouschek/Behringer, Das unheilvollste, S. 63.

  • [214]

    Institoris machte aus den Schadenzauberklagen der Denunzianten solche, die Teufelspakt und -buhlschaft enthielten. Vgl.: Dienst, Lebensbewältigung, S. 89.

  • [215]

    Vgl.: Schwerhoff, G., Rationalität im Wahn. Zum gelehrten Diskurs über die Hexen in der Frühen Neuzeit, in: Saeculum 37 (1986), S. 45-82, hier: S. 64.

  • [216]

    Vgl.: Gawron/Geiling, Molitor.

  • [217]

    Vgl.: Schwerhoff, Rationalität, S. 66.

  • [218]

    Vgl.: Jerouschek/Behringer, Das unheilvollste, S. 62ff.

  • [219]

    Kramer, Malleus, fol. 68vb (S. 471).

  • [220]

    Gerade für das Ausklammern des heutigen Trentinos aus seiner Untersuchung der Tiroler Hexenverfolgungen ist Hansjörg Rabanser u. a. von Rita Voltmer kritisiert worden, diesen Fehler wollte ich vermeiden. Siehe: Voltmer, Netzwerk, S. 490f. und Voltmer, Rita, Hexenforschung und Landesgeschichte. Eine vorläufige Bilanz mit besonderer Berücksichtigung der Tiroler Hexenforschung, in: Storicamente, 4 (2008), URL: http://www.storicamente.org/05_studi_ricerche/streghe/voltmer.htm (Zugriff: 18.06.2008) in diesem Artikel wird auch ein sehr aktueller Überblick über die Hexenforschung in Tirol und Südtirol gegeben.

  • [221]

    Vgl.: Byloff, Hexenglaube, S. 34f. und Hansen, Quellen, S. 597f.

  • [222]

    Vgl.: Schatzmann, Verdorrende, S. 211-220.

  • [223]

    Hansen, Quellen, S. 597.

  • [224]

    Vgl.: Byloff, Hexenglaube, S. 35.

  • [225]

    Vgl.: Schatzmann, Verdorrende, S. 222-230, Schatzmann hält es auch für möglich, dass Elemente von Geständnissen, wie sie in den Diözesen Mailand und Como – unter dem Einfluss der Errores Gazari-orum – zustande kamen, in der Leventina bekannt wurden. Ohne die Verbindungen des Fleimstales zu seiner Umgebung zu kennen, halte ich diese Art der Rezeption auch für Cavalese grundsätzlich für möglich.

  • [226]

    In der norditalienischen Umgebung wurden Ende des 15. Jahrhunderts viele Hexenprozesse geführt. So berichtet Kramer im Hexenhammer davon, dass 1485 in Bormio 41 Hexen durch den Inquisitor von Como als Hexen verbrannt wurden. Ein Jahr später hat vermutlich eine Hexenverfolgung in Brescia stattgefunden. 1501 fand eine Hexenverfolgung in der Lombardei und von 1505 bis 1525 fanden andauernde Hexenverfolgungen in der Diözese Como statt. Vgl.: Hansen, Quellen, S. 502-510.

  • [227]

    Vgl.: Rabanser, Hexenwahn, S. 197.

  • [228]

    Vgl.: Byloff, Hexenglaube, S. 35f und Rabanser, S. 197f.

  • [229]

    Vgl.: Ginzburg, Hexensabbat, S. 135.

  • [230]

    Aus der Urgicht der Angeklagten Christina Trünklin, in: Byloff, Hexenglaube, S. 33.

  • [231]

    Vgl.: Byloff, Hexenglaube, S. 33. Dieser Prozess weist große Ähnlichkeiten mit einem Schadenzauberprozess auf der 1465 am Landgericht Grünburg in Kärnten stattgefunden hat. Damals wurden ebenfalls drei Frauen wegen eines versuchten Mordanschlags mithilfe einer durchbohrten Wachspuppe angeklagt, es wurde jedoch noch keine Verbindung zum Teufelspakt hergestellt. Vgl.: Byloff, Hexenglaube, S. 29f.

  • [232]

    Vgl.: Byloff, Hexenglaube, S. 33f.

  • [233]

    Auf Kannibalismus geht Kramer im Hexenhammer nur einmal ein und zwar im Zusammenhang mit den Hexenverfolgungen des Inquisitors von Como, vgl.: Kramer, Malleus, fol. 32va (S. 287).

  • [234]

    Vgl.: Byloff, Hexenglaube, S. 36f.

  • [235]

    Vgl.: Franck, Johannes, Geschichte des Worte Hexe, in: Hansen, Quellen, S. 614-670, hier: S. 615.

  • [236]

    Vgl. zu Geiler von Kaysersberg: Paulus, Hexenwahn, S. 1-19 und Voltmer, Wie der Wächter, S. 61-63 und 530, zu Martin Plantsch: Mentzel-Reuters, Arno, Notanda reliquit Martinus Plantsch. Leben und Werk eines Tübinger Theologen (ca. 1460 1533), in: Bausteine zur Tübinger Universitätsgeschichte Band 7, Tübingen 1995, S. 1-44, hier: S. 19-23 und 40-44.

  • [237]

    Vgl.: Blecourt/Waardt, Das Vordringen, S. 202.

  • [238]

    Jerouschek/Behringer, Das unheilvollste, S. 14 und 83.

Empfohlene Zitierweise

Krause, Hannes: Wege nach Deutschland - Das Ausgreifen der Hexenverfolgung aus ihrem Ursprungsgebiet um 1440-1500. Reihe: Wissenschaftliche Qualifizierungsarbeiten zum Hexen- und Magieglauben, hg. von Katrin Moeller, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/7mzy0/

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Erstellt: 28.10.2008

Zuletzt geändert: 18.02.2009


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