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Müller, Andreas W.

Die Magie der Inhaltsanalyse. Entwurf einer Inhaltsanalyse für den Vergleich von Hexenprozessakten aus Rostock 1584 und Hainburg 1617/18

Die vorliegende Masterarbeit verfolgt zwei Ziele: Erstens soll der (fünfgliedrige) „elaborierten Hexereibegriff“ als Ordnungskonzept der Forschung überprüft und als Vergleichsmittel für zwei Textkorpora eingesetzt werden. Zweitens wird auf der Basis einer sozialwissenschaftlichen Methode ein Werkzeug für dieses Unterfangen entworfen. ...

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Constanze Störk

"MITHIN DIE NATÜRLICHE VERNUNFFT SELBST DICTIERT, DAS ES HEXEN GEBE"

Hexenverfolgung in der Reichsabtei Marchtal 1586-1757

 

Magisterarbeit an der Fakultät für Philosophie und Geschichte der Eberhard-Karls-Universität Tübingen

Tübingen 2003

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Quellenlage

1.2 Methode

 

2. Die Genese der frühneuzeitlichen Hexenverfolgung

 

3. Die Reichsabtei Marchtal: Herrschaft, Wirtschaft, Landschaft

3.1 "(...) auf der Höhe über der Donau war von Anfang an kirchlicher Boden (...)" - Die Entstehung des Reichsstifts

3.2 Die kirchenrechtliche Stellung

3.3 Die territoriale Entwicklung und die Stellung im Reich - Politik nach außen

3.4 Ausdifferenzierung von Struktur und Organisation - Politik im Innern

3.4.1 Konjunktur, Krieg und Krisen - die soziale und ökonomische Lage

3.4.2 Verfassung und Verwaltung

3.5 Das juristische Verfahren im Hexenprozess

 

4. Die Marchtaler Hexenprozesse 1586-1757 - Ein Überblick

 

5. Das Dorf Alleshausen - 'primus inter pares' und herrschaftlicher Krisenherd

 

6. "Allen wollust und früdt gehabt (...)" - Die Konstruktion des Marchtaler Hexenbildes

 

7. "Hätten Klostergeistliche bei Criminaluntersuchungen einigen Einfluss gehabt (...)" - Die erste Prozesswelle 1586-1596

7.1 Die Gemeinde Alleshausen als Ankläger

7.2 Die Rolle der Herrschaft

7.2.1 Forcierung durch Vogt Bernhart Bitterlin

7.2.2 Tolerierung durch Abt Konrad Frei

7.3 Die Bedeutung der Scharfrichter

7.4 Der Verfolgungsbeginn im Kontext der oberschwäbischen Hexenprozesse

 

8. Die zweite Prozesswelle 1627/1628

8.1 Konstruktion der Verdächtigungen

8.2 "(...) in beßer Verdacht der hexerey gewesen" - Erste Festnahme und weitere Verfahren

 

9. Verdächtigung ohne Verfolgung - die Entwicklung landesherrschaftlicher Stabilität unter Abt Konrad Kneer

9.1 Der Dreißigjährige Krieg und sein Erbe in Marchtal

9.2 Verfolgungsbegehren von 'unten' - Verfolgungsskepsis von 'oben'

 

10. "(...) das das Crimen nicht Ein fabelwerckh, sondern wahrhafftig existire (...)" - Späte Hexenpanik 1745-1749

10.1 "Ein gezwungener Eÿd sey gott laid" - Freispruch, Geständnis, Todesurteil

10.1.1 Verdächtigung und Verfahren

10.1.2 Das Gutachten

10.1.3 Prozesssteuerung aus Alleshausen

10.1.4 Fortsetzung des Verfahrens, zweiter Prozess und Todesurteil

10.1.5 Die Position der Herrschaft

10.2 "(...) welche wahrhaffte hexen zu geben läugnen wollen" - Theoretische Fundierung der Existenz von Hexerei und weitere Todesurteile

10.2.1 Die 'theologisch-reaktionäre' Argumentation des Gutachters

10.2.2 Ausweitung der Verdächtigungen und Folgeverfahren

10.2.3 Rückgang des Verfolgungseifers

 

11. "Wie weith müssen die Sachen kommen in der welt (...)" Skepsis der Dorfelite, Skrupel der Juristen - Das Ende der Prozesse 1756/1757

11.1 Verdächtigungen, letzte Verhaftung und neue Deutung

11.2 Rechtliche Eindämmung der Verdächtigungen

11.3 Psychologie, Medizin, naturwissenschaftliche Bildung

11.4 Die Bedeutung der Herrschaft

 

12. Resümee

 

Abbildungsverzeichnis

 

II. Abkürzungen

 

III. Quellen und Literatur

 

Wir wollen die uns umgebende Wirklichkeit des Lebens, in welches wir hineingestellt sind, in ihrer Eigenart verstehen - den Zusammenhang und die Kulturbedeutung ihrer einzelnen Erscheinungen in ihrer heutigen Gestaltung einerseits, die Gründe ihres geschichtlichen So-und-nicht-anders-Gewordenseins andererseits.

Max Weber [1]

 


Abb. 1: Obermarchtal (2003)

1. Einleitung

<1>

Die vorliegende Arbeit behandelt als Lokalstudie das Thema der Hexenverfolgungen in der Reichsabtei Marchtal. Das geistliche Territorium war in der Frühen Neuzeit eines von ungefähr 1300 nahezu autonomen Einzelstaaten auf dem Boden des Heiligen Römischen Reiches. Besonderes Charakteristikum dieser 'Staaten' war während der Frühen Neuzeit ihre Verschiedenheit in territorialer Größe, politischer und rechtlicher Struktur, wirtschaftlicher Stärke, sozialem Gefüge, politischem Einfluss und Konfession.

Für jedes dieser Territorien spielte in der Zeit vom 15. bis ins 18. Jahrhundert die Hexenverfolgung eine, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß, besondere Rolle. Trotz der zum Teil unterschiedlichsten politischen Systeme weisen fast alle Territorien im Umgang mit dem Phänomen 'Hexerei' dieselbe Reaktion auf: die Verbrennung vermeintlicher magischer Delinquenten. Diese analoge Reaktion ist aber nur der kleinste gemeinsame Nenner, denn das Alte Reich erlebte keine einheitliche, in allen Ländern und Regionen gleichmäßig und gleichzeitig stattfindende Hexenverfolgung: Hexenprozesse konnten sich in Herrschaften, Städten oder Dörfern zu Massenverurteilungen entwickeln, wurden nach wenigen Todesurteilen eingedämmt oder erst gar nicht verhandelt. Die Verfolgungen der verschiedenen Territorien erfassten Männer und Frauen, auch Kinder, richteten sich gegen mittellose Personen, die städtische oder dörfliche Oberschicht, gegen Alte und Junge oder Fromme. Es gab Befürworter wie Skeptiker, Hexenverfolger aus theologischer oder juristischer Motivation heraus, moderate Kirchenmänner und Gerichte, die versuchten, die Prozesse einzudämmen, verfolgungsforcierende Ratsherren und Beamte, aber auch Bauern, die ihre Herrschaft aufforderten, Prozesse zu führen. Hexenprozesse dienten zur Lösung von Schichtkonflikten, ebenso wie zur Bereicherung mancher Herrschaftsträger. Hexerei war Erklärungsmodell für Hungersnöte, Seuchen und Krankheiten, funktionierte aber auch als Zuschreibungsmerkmal gegen unliebsame Nachbarn.

Die strukturelle Verschiedenheit der Territorien, die für das gesamte Reich grundlegend war, galt umso mehr für den deutschen Südwesten, der in der Frühen Neuzeit etwa 350 Territorien aufwies, die jeweils ihre eigene Geschichte bezüglich Hexenverfolgung schrieben. Regionale Rahmenbedingungen, lokaler Hexenglaube und Juristen vor Ort schufen unterschiedliche Mechanismen, die in welcher Form auch immer Hexereiverdächtigungen produzierten und Hexenprozesse generierten.

Seit dem in den 70er Jahren durch die Arbeit Eric MIDELFORTs [2] hervorgerufenen Paradigmenwechsel hat die Forschung dieser regional differenzierten Verfolgungssituation durch zahlreiche Mikroanalysen Rechnung getragen. [3] Unter den vielen Regionalstudien haben die geistlichen Territorien bis dato jedoch nur unzureichende Würdigung erlangt. [4]

Die Reichsabtei Marchtal ist in Bezug auf die Thematik der Hexenverfolgung allerdings keine 'terra incognita'. Schon 1953 widmete Robert DENGLER seine Dissertation den Verfolgungen des oberschwäbischen Reichsstifts, in den 70er Jahren bearbeitete Ferdinand KRAMER einen Teil der Quellen im Rahmen einer Zulassungsarbeit an der Pädagogischen Hochschule Weingarten. [5] Auch in anderen Forschungsarbeiten werden die Prozesse des Territoriums erwähnt: so bei SOLDAN/HEPPE, in der von BEHRINGER veröffentlichten Überblicksdarstellung und in einer Arbeit zu den Riedlinger Scharfrichtern. [6] Grundlegend aber urteilte Eric MIDELFORT, der die Verfolgungen der Reichsabtei Marchtal in seine südwestdeutsche Studie ebenfalls einordnete und in Auseinandersetzung mit der Dissertation DENGLERs formulierte: "The trials at Obermarchtal represent, unfortunately, a lurid flash in the Swabian landscape that raises many more questions that it solves." [7]

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Wenig befriedigend erschien schon in den 70er Jahren die quantitative Erfassung der Quellen durch DENGLER, in dessen Arbeit Erklärungsansätze beinahe völlig ausbleiben. Verkannt wurde von DENGLER vor allem die besondere Brisanz, die eine äußerst späte Marchtaler Prozesswelle noch Mitte des 18. Jahrhunderts besitzt: Auf dem Gebiet wurden noch in den 1740er Jahren Frauen verfolgt und zum Tode verurteilt, weil sie angeblich mit dem Teufel buhlten, Menschen und Tiere krankhexen und zum Hexentanz fliegen könnten. Diese Marchtaler Prozess- und Verurteilungswelle gehörte zu den letzten auf dem Boden des Alten Reiches und bietet aus diesem Grund gute Einblicke in die Mechanismen, die zum Ende der Hexenverfolgungen beitrugen. Aus dieser Tatsache rechtfertigt sich unter anderem, die Quellen zur Geschichte der Hexenverfolgung in der Reichsabtei Marchtal nochmals zu behandeln, insbesondere die Prozesse um 1750 genauer zu untersuchen und in einen Kontext zu setzen, der versucht, der modernen Hexenforschung gerecht zu werden.

1.1 Quellenlage

Die vorliegende Arbeit basiert zum größten Teil auf Aktenmaterial des Staatsarchivs Sigmaringen, maßgeblich des Bestandes zu den Marchtaler Hexenverfolgungen [8], der aufgrund der früheren Bearbeitung inhaltlich und zum Teil chronologisch geordnet ist. Die ungedruckten Akten umfassen dabei einen Zeitraum von über 175 Jahren, von 1581 bis 1757.

Unter den Marchtaler Hexenprozessakten finden sich Kriminalprozesse zu 85 Personen, die allerdings nicht durchgehend als Hexenprozesse gezählt werden können. Das Aktenmaterial weist in seinem Umfang zu den einzelnen Prozessen erhebliche Schwankungen auf und nimmt grundsätzlich analog zu den laufenden Jahren zu. So beziehen sich etwa drei Viertel des gesamten Materials allein auf die Prozesse der Jahre von 1745 bis 1757.

Die Marchtaler Hexenprozessakten des 16. und 17. Jahrhunderts bestehen hauptsächlich aus Urgichten und Prozessurteilen, die allerdings zum großen Teil von Formalia bestimmt sind. Unter den Quellen zu den 1580er Jahren befindet sich auch eine mehrseitige Besagungsliste, auf der die verschiedenen Denunziationen der inhaftierten Frauen festgehalten wurden und die das Ausmaß an Verurteilungen erahnen lässt.

Die Materialien zu den Prozessen zwischen 1745 und 1757 dagegen bieten neben den Urgichten und Urteilen auch Gutachten, verschiedene Briefwechsel, Gerichtsprotokolle über das Verhör der Angeklagten, Zeugenaussagen und Protokolle zum Prozessverlauf. Diese Tatsache rechtfertigt auch aus praktischer Sicht, dass sich die vorliegende Arbeit insbesondere mit den Prozessen des 18. Jahrhunderts beschäftigt. Unter den Akten der letzten Prozesswelle umfassen die Verhörprotokolle, die so genannten gütlichen und peinlichen Befragungen, den größten Teil, gefolgt von umfangreichen Gutachten, die in den 1740er Jahren durch den Bürgermeister der paritätisch besetzten Reichsstadt Biberach Sebastian Wunibald Josef von Sättelin gestellt wurden.

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Für die Zeiträume, aus denen keine Hexenprozessakten überliefert sind, dienten die Amtsprotokolle der Reichsabtei Marchtal [9] sowie einzelne Akten aus dem Bestand Criminalia [10] als Prüfungskriterium, inwieweit und in welcher Form die Reichsabtei bei möglichen bestehenden Verdachtsmomenten reagierte. Um die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Reichsabtei nachzuzeichnen, wurden vereinzelt Urkunden, Urbare, Steuerbücher, Jahres- und Herbstrechnungen, Amts- und Gerichtsprotokolle verwendet. [11] Aus Zeitgründen konnten die Quellen, die sich auf die Wirtschaftsgeschichte beziehen, nur zum Teil behandelt werden. Als Ergänzung dienten im Weiteren die Quellen zur Visitation aus dem Erzbischöflichen Archiv Freiburg [12] sowie die Tauf- und Sterberegister der Gemeinden Alleshausen [13] mit Seekirch und Obermarchtal [14]. Die Durchsicht des Bibliothekkatalogs der ehemaligen Reichsabtei Marchtal im Thurn und Taxisschen Archiv in Regensburg blieb ohne Ergebnis.

1.2 Methode

Die Dissertation DENGLERs warf mehr Fragen auf als letztendlich beantwortet werden konnten. Diese Problematik erklärt sich unter anderem durch den geringen Quellenwert, den die zum großen Teil formalisierten Hexenprozessakten dem ersten Anschein nach geben mögen. Aus diesem Grund wurde versucht, die quantitativen Ergebnisse, die die Quellen liefern, um qualitative Aspekte zu ergänzen. Die theoretische Konstruktion dafür liefert das soziologische Konzept des kulturellen Deutungsmusters.

Eine Annäherung der Hexenforschung an das Konzept des kulturellen Deutungsmusters ist nicht neu. Im Jahr 1979 führte Claudia HONEGGER [15] die Theorie der kulturellen Deutungsmuster in den Forschungsbereich der Hexenverfolgung ein, zu diesem Zeitpunkt auf einem unveröffentlichten Manuskript von Ulrich OEVERMANN [16] basierend, auf dessen Definition an dieser Stelle zurückgegriffen werden soll: "Unter Deutungsmuster verstehe ich in erster Annäherung das 'ensemble' von Wissensbeständen, Normen, Wertorientierungen und Interpretationsmustern, das in einem inneren Zusammenhang stehend einen epochenähnlichen Zeitabschnitt in der Entwicklung einer Gesellschaft oder eines für die Formation einer Gesellschaft wesentlichen Segments prägt. In zweiter Annäherung soll von einem Deutungsmuster nur dann gesprochen werden, wenn dieses 'ensemble' durch eine Struktur gekennzeichnet ist, die als 'innere Logik' eines Deutungsmusters nach impliziten Regeln der Konsistenz von Urteilen, Argumenten und Interpretationen rekonstruiert werden kann. Diese Konsistenzregeln geben den 'Geist' einer Epoche, eines Weltbildes, einer Gesinnung, eines gesellschaftlichen Organisationsprinzips an, sie formulieren die Standards der Geltung, Akzeptabilität und Angemessenheit von Meinungen, Urteilen und Handlungen und sind insoweit generativen Regeln vergleichbar, als sie Entscheidungskriterien für die Akzeptabilität oder Angemessenheit von Interpretationen auch bisher unbekannter Ereignisse abgeben." [17]

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Die grundlegende Annahme, die es rechtfertigt, im Bereich der Hexenverfolgung mit dem Begriff des kulturellen Deutungsmusters zu arbeiten, generiert aus der Vorstellung, die Zuschreibung von Hexerei und deren gerichtliche Verfolgung sowie die Abschaffung der Hexereiverfahren als ein jeweils neu ausgebildetes 'Lösungsmuster' zu begreifen, das sich entwickelte, nachdem bekannte Interpretationsvorlagen, tradierte Muster und bisher 'erfolgreiche Lösungsroutinen' gescheitert waren: "Historisch weitreichende und einen gesellschaftlichen Entwicklungsstand wesentlich kennzeichnende Deutungsmuster (...) sind wahrscheinlich immer in Perioden schnellen strukturellen und krisenhaften Wandels entstanden, in denen die vorausgehenden Weltinterpretationen für jedermann spürbar ihre Relevanz und Deutungskraft verloren." [18]

Ein solcher Umbruch kennzeichnete auch den Beginn der Frühen Neuzeit: die frühmoderne Staatsbildung im innern und nach außen, in Deutschland eine Territorialstaatsbildung unter dem Dach eines vorstaatlichen Reiches, die frühneuzeitliche 'Modernisierung', die die ökonomischen, kulturellen und gesellschaftlichen Bedingungen neu ordnete und die konfessionellen Gegensätze, die im 17. Jahrhundert in den Dreißigjährigen Krieg mündeten. [19]

Bezeichnend ist insbesondere die wissenschaftliche Auseinandersetzung um den Geltungsanspruch des Deutungsmusters Hexerei, der sich in der Frühen Neuzeit in einem umfangreichen Gelehrtendiskurs widerspiegelte. Befürworter wie Kritiker bemühten sich um Legitimation ihrer Argumentation in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen: Um fehlende Anerkennung rangen zunächst die Vertreter der Medizin, hauptsächlich Beifall sprachen sich die verschiedenen theologischen Verfolgungsbefürworter zu, deren Thesen durch die Juristen legitimiert wurden.

Das methodische Vorgehen innerhalb dieser Arbeit basiert in Folge auf der These, dass sich die Entstehung der Hexenverfolgungen und Hexenprozesse auf der Etablierung des Deutungsmusters Hexerei gründet. Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit liegt damit auf der lokalen Konstruktion dieses Musters, dessen Entwicklung und Reproduktion, sowie den Mechanismen, die letztendlich zum Zerfall des Deutungsmusters Hexerei und damit zur Beendigung der Hexenverfolgungen in Marchtal führten. Ein bedeutender Aspekt wird dabei das Aufeinandertreffen von magischem Volksglauben und dem Deutungsmuster der Juristen sein, die in Symbiose auf der rechtlichen Ebene konstruiert werden müssen, um überhaupt Hexenprozesse führen zu können. Für die Marchtaler Justiz beginnt mit den Verdächtigungen aus der Untertanenschaft eine über 170-jährige Gratwanderung, die entweder zu einer der Untertanen analogen Deutung, also zu Hexenprozessen, oder zur Bestrafung der Urheber von Verdächtigungen führte und damit Hexenverfolgungen unterdrückte. Ziel dieser Arbeit ist, eine Sensibilisierung für die lokale Eigenart der Hexenverfolgungen der Reichsabtei Marchtal zu erreichen, wobei kein Anspruch auf Endgültigkeit erhoben werden soll.

Die Arbeit gibt zunächst einen Überblick über die historische Entwicklung der Hexenverfolgung im Alten Reich und deren Rahmenbedingungen. Daran schließt sich ein strukturgeschichtliches Kapitel zur politischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der Reichsabtei Marchtal an. Eine kurze Überblicksdarstellung über die Marchtaler Prozesse und ein Kapitel zur Konstruktion des Marchtaler Hexenbildes folgen. Dem Dorf Alleshausen ist im Weiteren eine separate Darstellung gewidmet, die sich aus den Quellen zur Hexenverfolgung rechtfertigt und zum Hauptteil dieser Arbeit, der Darstellung der Marchtaler Hexenverfolgungen, überleitet. Im Resümee finden sich die wesentlichen Ergebnisse dieser Arbeit.

2. Die Genese der frühneuzeitlichen Hexenverfolgung

Mit einer Entwicklung, die im zersplitterten Europa der Frühen Neuzeit mehr als 350 Jahre überdauerte, ist die Geschichte der Hexenverfolgung ein nur schwer fassbares und überaus komplexes Phänomen. Zahlreiche Forschungsarbeiten weisen den Weg entgegen einfachen Erklärungsmodellen und entgegen einer auf Kontinuität basierenden räumlichen und zeitlichen Entwicklung. [20] Dennoch kann eine tendenzielle Verlaufsgeschichte nachgezeichnet werden, die ihren Anfang zu Ende des 14. und im frühen 15. Jahrhundert nahm. [21]

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Die Wurzeln der Hexenverfolgungen sind in den Ketzerprozessen des Mittelalters zu suchen. Im Mittelalter führten sowohl kirchliche als auch weltliche Gerichte Prozesse gegen Zauberer, Ketzer und andere Personen, die sich, in welcher Art auch immer, gegen kirchliche Normen, Vorstellungen oder Praktiken wandten. War der Umgang mit vermeintlichen Delinquenten bis zum 11. Jahrhundert noch gemäßigt - Kirchbußen erschienen als probates Mittel -' wurde Ketzerei nach der Zeitenwende mit der Todesstrafe durch Verbrennen belegt. [22] Eine neue Stufe erreichten die Verfahren etwa 200 Jahre später mit der Ausbildung der kirchlichen Inquisition. [23] Im Zuge der nun von der kirchlichen Inquisition durchgeführten Ketzerverfolgungen vermischten und summierten sich in den Prozessen verschiedene Zauberei- und Volksglaubensvorstellungen mit der Möglichkeit des nächtlichen Flugs durch die Luft und mit dem Element des Ketzersabbats und Teufelsanbetung. [24]

Der Grat zwischen einer Anklage aufgrund von Zauberei und dem sich generierenden Hexendelikt wurde im 15. Jahrhundert immer schmaler und verwischte schließlich bis zur Ausformulierung des Kumulativdelikts der Hexerei, das sich von den mittelalterlichen Zaubereivorstellungen unterschied: Schadenszauber in Verbindung mit Teufelspakt, Teufelsbuhlschaft, Hexenflug und Hexensabbat. [25] Als verheerendstes Element, weil Multiplikator der Verdächtigen, wirkte sich die Vorstellung sektenartiger Zusammenkünfte der Hexen aus. Verfolgungen einer großen Zahl von Menschen waren dadurch möglich.

Erste Prozesse, für die dieses neue Kumulativdelikt 'hexereye' [26] Orientierungsmuster bot, finden sich in Savoyen um 1420 und in der deutschsprachigen Schweiz sowie in anderen Ländern des Alpenraumes, darunter Norditalien und Südostfrankreich. [27] Von dort breiteten sich die Verfolgungen auf Tirol, Schwaben und das Gebiet nördlich entlang des Rheins aus. Regionaler magischer Volksglaube, Verfolgungspraxis und systematische Ausdifferenzierung der Hexenlehre bedingten sich dabei wechselseitig. Durchschlagend für die Fixierung des Hexereibegriffs war letztendlich der wissenschaftlich geführte Diskurs [28], der zahlreiche Elemente der Volkskultur aufsog und der grundsätzlich auf den Interpretationsschemata der christlichen Kirche geführt wurde.

Eine erste große theologische Fundierung der Vorstellung von der neuen 'Hexensekte' lieferte der dominikanische Konzilstheologe Johannes NIDER aus Isny mit der Schrift 'Formicarius' (gedruckt 1475), also nach den ersten größeren Verfolgungen unter dem Deutungsmuster der Hexerei. Zahlreiche Traktate, theologischer, juristischer und medizinischer Natur, folgten. SCHWERHOFF beurteilt: "Die gelehrten Vorstellungen von der Macht der angeblichen Hexen und von den Methoden ihrer Bekämpfung bildeten im Bedingungsgefüge, das die Hexenjagden hervorbrachte, einen wichtigen Baustein. Auch er ist einzigartig: nirgendwo sonst haben sich Theologen, Juristen und Mediziner bemüht, das Wirken der Zauberer in einem Jahrhunderte langen Diskurs theoretisch zu durchdringen, nirgendwo sonst ist der Hexenglaube zur Wissenschaft aufgestiegen." [29]

Nur gut zehn Jahre nach NIDER folgte der von Heinrich KRAMER [30] verfasste Hexenhammer [31], der den gelehrten Diskurs bis ins 17. Jahrhundert bestimmen sollte. In den Worten der Neuübersetzer gesprochen: "Auch aus heutiger Perspektive wird man sagen können, daß der Hexenhammer das zentrale Buch in der Geschichte der europäischen Hexenverfolgung gewesen ist. Mit etwa dreißig Auflagen zwischen 1486 und 1669 hatte er eine lange und intensive Wirkungsgeschichte. Fast alle Befürworter von Hexenverfolgungen beriefen sich auf ihn, fast alle Gegner polemisierten gegen dieses Buch." [32]

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Schon Anfang der 1480er Jahre hatte KRAMER kraft seines Amtes als Inquisitor im Raum Bodensee Hexenprozesse durchgeführt. Da KRAMER jedoch nicht überall auf einhellige Zustimmung gestoßen war, ließ er sich sein Inquisitorenamt von oberster kirchlicher Instanz legitimieren: Eine Art 'päpstlicher Freibrief', die fragwürdige Bulle 'Summis desiderantes affectibus' [33], ausgestellt von Papst Innozenz VIII. (1432-1492, amt. 1484-1492) sollte letzte Zweifel von kirchlicher und weltlicher Seite ausräumen. Trotz dieser Bulle scheiterte allerdings eine weitere von KRAMER durchgeführte Verfolgung in Innsbruck insbesondere am Widerstand des dortigen Bischofs. [34] Auf diese beschämende Niederlage in seiner Praxis als Inquisitor erarbeitete KRAMER als eine Art der Rehabilitierung die theoretische Reformulierung des Hexereidelikts. Reformulierung deshalb, weil der Hexenhammer wenig Neues bot, vielmehr Altbekanntes neu aufbereitete, um damit die mit dem elaborierten Hexereibegriff bisher wenig vertrauten Regionen, insbesondere die deutschen Länder mit deren Theologen und Juristen, zu versorgen. [35]

Als besondere Merkmale in KRAMERs ausführlichem Werk gelten neben der expliziten Zuspitzung der Dämonologie gegen Frauen [36] die Argumentation für die Wirksamkeit von Magie [37] durch Menschenhand - im Übrigen im Gegensatz zur theologischen Tradition, die seit Augustinus und nach den Ausführungen des 'canon epsicopi' davon ausging, dass Magie keine Wirkung habe [38] -, die Ausdehnung der Verfolgungspraxis auf Deutschland und der Einsatz von weltlichen Gerichten. [39] KRAMERS Werk war aber mehr als eine Zusammenstellung der unterschiedlich vorherrschenden Vorstellungen von Hexerei, es war eine theoretische Neufundierung des Hexenmusters: Der Hexenhammer brachte, das zeigen Struktur und Verlauf der großen Hexenverfolgungen der Frühen Neuzeit, ein neues soziales Deutungsmuster zu Tage, das grundlegend war für die Institutionalisierung und Objektivierung der Vorstellungen von Hexerei.

Im Zuge der Rezeption des Hexenhammers verdichteten sich in Mitteleuropa die Verfolgungen. [40] Die heutige Forschung sieht den Hexenhammer allerdings nicht mehr als grundsätzlichen Auslöser der Verfolgungen, sondern als bedeutenden Katalysator der Hexenprozesse, insbesondere auf deutschem Boden. [41]

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Die wissenschaftliche Auseinandersetzung [42] um den Hexenhammer erreichte parallel zu der Prozesswelle am Ende des 16. Jahrhunderts ihren Höhepunkt. Den Anstoß gab die Schrift 'De Praestigiis Daemonum' des Verfolgungsgegners Johann WEYER [43], die 1563 zum ersten Mal erschien.

Die Verfolgungsbefürworter reagierten und produzierten zahlreiche Traktate, die ihre Stellung innerhalb des Streits um die 'Hexenfrage' stärken sollten. Die bedeutendsten waren die 'Démonomanie des Sorciers' von Jean BODIN, Verfolgungsbefürworter und bedeutender Staatstheoretiker, der 'Tractatus de confessionibus maleficorum et sagarum' des Trierer Weihbischofs Peter BINSFELD (1589), die 'Dämonolatria' des lothringischen Juristen Nicolas RÉMY (1595) und wenig später die bedeutsamste Dämonologie des 17. Jahrhunderts, die 'Disquisitiones Magicae', von Martin DELRIO (1599/1600).

Als weitere Verfolgungsgegner seien der katholische Theologe Cornelius LOOS [44] (1546-1595) genannt, der in seiner Schrift 'De vera et falsa magia' die mutige und zu seiner Zeit brisante These aufgestellt hatte, Hexenprozesse dienten dazu, aus Blut Gold zu machen. Ferner Christian THOMASIUS (1655-1728) mit seinem Werk 'Vom Laster der Zauberei. Über die Hexenprozesse', der allerdings erst nach den großen Hexenverfolgungen wirkte.

Mit den Prozessen, die ab der Mitte des 16. Jahrhunderts in Süddeutschland ihren Anfang nahmen und erst im 18. Jahrhundert [45] völlig zum Erliegen kamen, erlangte die Hexenverfolgung in Deutschland einen völlig neuen Charakter und eine bisher nicht da gewesene Dimension. Bedeutendste Veränderung: Wer der Hexerei angeklagt war, stand vor einem von der weltlichen Gerichtsinstanz geleiteten Verfahren. [46]

Gesetzesgrundlage war die Peinliche Halsgerichtsordnung Kaiser Karls V. (Constitutio Criminalis Carolina CCC) [47] - kurz Carolina - als "Antwort des Reiches auf den vollständigen Zusammenbruch der Strafrechtspflege im 15. Jahrhundert, der zu katastrophalen Verhältnissen geführt hatte" [48]. Die Carolina, als Gesetzgebungswerk für das gesamte Reich geschaffen, hatte zwar in Art. 109 den traditionellen Schadenszauber sowie in Art. 116 widernatürlichen Geschlechtsverkehr, also je nach Interpretation auch die Teufelsbuhlschaft, unter Strafe gestellt, damit aber den inquisitorischen Hexereibegriff, wie ihn Heinrich KRAMER formuliert hatte, ignoriert. So heißt es in Art. 109 der Carolina: "Item so jemandt den leuten durch zauberey schaden oder nachtheyl zufügt, soll man straffen vom leben zum todt, vnnd man soll solche straff mit dem fewer thun. Wo aber jemandt zauberey gebraucht, vnnd damit niemant schaden gethan hett, soll sunst gestrafft werden, nach gelegenheit der sach, darinnen die vrtheyler radts gebrauchen sollen, wie vom radt suchen hernach geschriben steht." [49]

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Die Carolina gestaltete nur den äußeren Rahmen, das Maß allerdings, mit welchem mutmaßliche Zauberer und insbesondere vermeintliche Hexen gestraft werden sollten, bestimmten die einzelnen Territorien selbst - in der Württembergischen Landesordnung von 1567 und den Kursächsischen Konstitutionen von 1572 beispielsweise war der Teufelspakt als Bestandteil des elaborierten Hexereibegriffs in die Territorialgesetzgebung eingegangen. [50] Das Rechtsvakuum der Carolina und dessen verheerende Auswirkungen hinsichtlich der Hexenprozesse formuliert LORENZ wie folgt: "Die vorsichtige Haltung der Carolina ist unübersehbar, aber in einer Zeit sich ständig steigernder Hexenangst waren die aufgestellten Hürden viel zu niedrig, um dem Indiz der Besagung seine verderbliche Wirkung zu nehmen. Waren die zuständigen Gerichtsorgane genügend im Hexenglauben befangen und akzeptierten die Sabbatvorstellung, dann lag es nahe, einer aus welchen Gründen auch immer wegen Zauberei peinlich zu verhörenden Person neben dem Geständnis auch noch die Namen von Sabbatteilnehmern abzupressen." [51] Das Vorgehen bei der Folter beispielsweise, das die Carolina nur rudimentär vorschrieb, wurde allzu häufig durch das Ziel, ein Geständnis und weitere vermeintlich schuldige Personen zu erreichen, übergangen. Um Hexenprozesse führen zu können, wurde "eine Art Notstandsrecht konstruiert, nach welchem das Hexereiverbrechen zum 'crimen exceptum' erklärt wurde, für das die normalen Prozessbedingungen nicht galten." [52]

So bleibt für alle Hexenprozesse zu bedenken: Um letztendlich jemanden des Delikts der Hexerei wegen zu 'überführen' und zu verurteilen, musste geltendes Recht gebeugt und gebrochen werden. Diesem eklatanten Rechtsbruch fielen in Deutschland in den großen abendländischen Hexenverfolgungen in etwa zwischen 20.000 und 50.000 Menschen zum Opfer. [53]

Den zeitlichen Verlauf skizziert die Forschung in Verfolgungswellen, deren besondere Höhepunkte in den 1580er und 1590er Jahren, um 1600, in den Jahren von 1626 bis 1630 und in geringerer Zahl um 1660 lagen. [54] Regional konzentriert traten die Verfolgungen dabei in den geistlichen Kurfürstentümern Köln, Trier und Mainz sowie in den fränkischen Hochstiften Würzburg, Bamberg und Eichstätt auf; die großen weltlichen Territorien mit fortgeschrittener Staatlichkeit und Bürokratie - bspw. die Kurpfalz, Württemberg und Bayern - blieben gleichgültig welcher Konfession von extremer Verfolgungspraxis verschont. [55]

Grundsätzlich müssen Funktion und Ursachen von Hexenglaube und Verfolgung gesondert betrachtet werden. Auf der Grundlage der ethnologischen Forschung [56] formuliert WALZ folgende Funktionen: Kontingenzreduktion, Sanktionierung abweichenden Verhaltens, Austragung des Geschlechterkampfs, Lösung von Spannungen in der Sozialstruktur, 'politische' Funktionen, Klärung von Schichtkonflikten, Symbolisierung von menschlichen Grundkräften und Klatsch und Unterhaltung. [57]

IRSIGLER fasst dagegen mögliche, die Hexenverfolgungen begünstigende Ursachen auf der Makroebene zusammen: allgemeine Krisensituationen mit Bedrohung von Leib, Leben, Hab und Gut, die weite Verbreitung von dämonologischen Traktaten, die Verfolgungsbereitschaft der Bevölkerung und die Bereitschaft der Obrigkeiten, die Macht von verfolgungsbereiten Juristen und die Möglichkeit der Instrumentalisierung von Hexenprozessen für individuelle Ziele von Herrschaftsträgern. [58]

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Präzisierend kann formuliert werden: Insbesondere der Beginn der 'Kleinen Eiszeit' und damit verbundene Agrarkrisen und Hungersnöte, aber auch konfessionelle Auseinandersetzungen bekräftigten in den 1560er Jahren die magische Sinnwelt und die Vorstellung, 'Hexen' provozierten klimatische Katastrophen und individuelle Unglücksfälle. Aber weniger eine gesamtgesellschaftliche Verarmung als eine "zunehmende Differenzierung und Polarisierung des gesellschaftlichen Reichtums" [59] schufen ein wirtschaftliches Ungleichgewicht, das Hexenhinrichtungen für Teile der Gesellschaft durchaus 'notwendig' bzw. 'anziehend' machte. Ein Mentalitätswandel, der die neuzeitliche Sinnwelt in apokalyptische Ängste und Visionen von der "Verdüsterung des Weltbildes" [60] lenkte, prägte und intensivierte den Argwohn gegen alles Unerklärliche in einer von Hunger und Krisen gebeutelten und 'zaubereigeschwängerten' Lebenswelt.

Zum Verständnis der einzelnen Verfolgungen, die in ihrer Vehemenz und Entspannung, ihrer Kontinuität und ihrem Wandel, ihrer Differenz in Prozessführung, Opferstruktur und nicht zuletzt den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen des Bodens, auf dem sie stattfanden, so unterschiedliche Charakteristika zeigten, können diese Ursachen und Funktionen allerdings nur als grundlegende Orientierungsmuster dienen.

3. Die Reichsabtei Marchtal: Herrschaft, Wirtschaft, Landschaft

Die Reichsabtei Marchtal [61] war in der Frühen Neuzeit Teil des südwestdeutschen 'Flickenteppichs', der über 350 Kleinterritorien aufwies. Wird der Blick auf Oberschwaben [62] gerichtet, so zeigt sich, dass im Gemenge der Klein- und Mittelstaaten die geistlichen Territorien, also Klöster und Stifte, im Verlauf der Frühen Neuzeit eine außerordentliche Bedeutung erlangten. [63] Was die Territorialgewalt anging, beherrschten um 1800 18 Klöster und Stifte - darunter Benediktiner, Zisterzienser und Prämonstratenser - auf einer Fläche von 1730 qkm zusammen etwa 56.500 Einwohner. Ein Drittel der Fläche württembergisch Oberschwabens war damit geistliches Gebiet und jeder vierte Bewohner Untertan der Geistlichkeit. [64]

Den größten Herrschaftsbezirk der insgesamt vier Territorien der Prämonstratenser [65] auf dem Gebiet des heutigen Baden-Württembergs besaß das Reichsstift Marchtal, das bis zum Ende des 17. Jahrhunderts die Territorialgewalt über 17 Dörfer auf 166 qkm und damit etwa 2700 Einwohner [66] besaß. Das Land der Prämonstratenser hatte sich unter der Territorialisierungspolitik zu einem geschlossenen Besitz entwickelt, der von der Donau bis zum Federsee reichte. Als Marchtal im Zuge des Deputationshauptschlusses 1802/03, zu dieser Zeit mit 35 Chorherren, 2 Fratres und 4 Novizen besetzt [67], aufgelöst wurde und die Besitzungen an das Haus Thurn und Taxis übergingen, war die über 600 Jahre währende Geschichte der Prämonstratenser zu Ende gegangen. Heute findet sich der ehemalige Herrschaftsbesitz auf den Alb-Donau-Kreis und den Landkreis Biberach verteilt. [68]


Abb. 2: Südwestdeutschland

 


Abb. 3: Territorium der Reichsabtei Marchtal

 

3.1 "(...) auf der Höhe über der Donau war von Anfang an kirchlicher Boden (...)" - Die Entstehung des Reichsstifts

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Die erste urkundliche Nennung Marchtal datiert um das Jahr 776 [69]: Zu Ehren des heiligen Petrus war Marthala [70] gegründet und nach dem Tod seiner Gründer, Halaholf und Hitta, von deren Sohn Agylolf und seiner Gattin Teotperga dem Kloster St. Gallen geschenkt worden. Gegen Ende des 10. Jahrhunderts kamen Burg und Kirche von Marchtal in Besitz der Könige von Schwaben, waren aber zu dieser Zeit vermutlich dem Zerfall nahe. Herzog Hermann II. und seine Frau Gerberga gründeten um das Jahr 993 ein den Aposteln Petrus und Paulus geweihtes Stift, das mit sieben weltlichen Kanonikern besetzt war und bis 1171 bestanden zu haben scheint. [71] Die sieben kirchlichen Pfründe gelangten im 11. und 12. Jahrhundert an verschiedene Hochadelsfamilien. [72] Territorialpolitische und religiöse Motive erklären die Neugründung des Stifts durch den Tübinger Pfalzgrafen Hugo II. und dessen Ehefrau Pfalzgräfin Elisabeth, die selbst über drei dieser Pfründe verfügte. Wegweisend für Marchtal war im Folgenden die Beziehung Elisabeths zum Prämonstratenserstift [73] Rot an der Rot. Von dort rekrutierte sich der Gründungskonvent in Marchtal. Die Chorherren, 12 Kleriker und Laienbrüder, auch Chorfrauen, mussten sich zunächst über ein Jahrhundert lang damit befassen, die wirklichen, vermuteten und beanspruchten Besitzungen und Rechte des Stiftes zu erlangen und zu konservieren; römischer Schutz sowie die königliche Schirmherrschaft fehlten, so dass eine starke Abhängigkeit gegenüber der Stifterfamilie - Pfalzgraf Rudolf I. als Hugos Sohn beanspruchte und demonstrierte den Besitz der Vogtei über Marchtal -, aber auch benachbarten weltlichen Mächten bestehen blieb. [74] In den Anfangsjahren stand das Prämonstratenserstift von Marchtal vor vielerlei Problemen: Die materielle Lage war desolat, die verfassungsrechtliche Stellung unterlag dem Spannungsverhältnis der welfischen und staufischen Interessenvertreter.

3.2 Die kirchenrechtliche Stellung

Nachdem sich die Prämonstratenser um die Jahrhundertmitte im Zuge neuer Organisationsformen als Orden zu stabilisieren begonnen hatten, erfolgte die dritte Neugründung des Marchtaler Stifts am Ende des 12. Jahrhunderts analog zu zahlreichen anderen Neugründungen durch den Adel. Die adligen Stifter glaubten in den Prämonstratensern eine Reformgruppierung zu begünstigen, die sich nur schwer von den Bischöfen vereinnahmen ließe und sich auch gegenüber anderen adligen Interventionen als resistent erweisen würde. [75]

Grundlegende Vorstellung dabei war, dass die 'Reform-Kanoniker' als Gemeinschaft "in persönlicher Besitzlosigkeit und straffer monastischer Disziplin lebten. Die sogenannte Aachener Regel von 816, die den Kanonikern Privatbesitz gestattete, lehnte man in diesem Punkt vehement ab. Die Nachfolge Christi wollte man als pauper Christi antreten" [76]. Innerhalb dieser 'Renaissance' des Lebens der Urkirche sollte sowohl das Priestertum als auch die übrige Christenheit erneuert werden. Hinzu kam, dass die Prämonstratenser als Reformkanoniker nicht nur eine Armutsbewegung, sondern auch eine 'Gleichheitsbewegung' repräsentierten und, als Doppelstifte gegründet, weder geschlechtsspezifische Schranken noch adlige Sonderstatuten erlaubten. [77] Die Kanoniker vertraten in weit größerem Maße als die Mönche den Gedanken, 'miletes Christi' zu sein und als 'Kämpfer Christi' für "die Idee und Ideale der Kirche der Apostel" [78] zu streiten. Doch schon bald fielen die geschlechtsspezifischen Schranken und mit ihnen die Bedeutung der Frauen. Deren Stigmatisierung zeigt sich für Marchtal in der Umsetzung der Anordnung des Generalkapitels in Prémontré aus dem Jahr 1237, das Probst Konrad (1266-1277) durchsetzte: "In Betrachtung, dass die Bosheit des weiblichen Geschlechts alle Bosheit in der Welt übersteigt, daß kein Zorn den Zorn einer Weibsperson übertrifft, wie auch, daß das Gift der Schlangen und Drachen unschädlicher und leichter zu heilen sei als Vertraulichkeit mit dem anderen Geschlechte, haben wir, Konrad, Probst zu Marchtal, nach gemeinschaftlicher Berathung und mit Einwilligung des Convents zum Heile der Seele, des Leibes und des Hauswesens beschlossen, in Zukunft zur Vermehrung unseres Verderbens keine Ordensschwester mehr aufzunehmen, sondern wollen sie als vergiftete Thiere meiden." [79] In Marchtal folgte darauf der allmähliche Niedergang des Frauenklosters, das nur wenige Jahre später nicht mehr existierte.

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Rot an der Rot besaß in Marchtal das Visitationsrecht [80] und beaufsichtigte die Wahl des Vorstehers, der den Titel eines Propstes trug. Die Rechte des Roter 'Vaterabtes' (Paternität) blieben auch nach der Verleihung der Würde des Abtes an den Marchtaler Heinrich Mörstetter durch Papst Martin im Jahr 1440 erhalten. [81] Grundsätzlich unterstanden die Prämonstratenser unmittelbar dem Papst, der Bischof hatte keine Gewalt, er nahm 'lediglich' die Weihe vor. [82] Das Recht der Exemtion nahm Marchtal im Zuge des Trienter Konzils in Anspruch, als eine Visitation durchgeführt werden sollte. In der 'Kurzen Geschichte von dem Prämonstratenserstifte' heißt es zu der Zeit des Abtes Christoph Schenz (1559-1571) beschönigend über ihn:"(...) So gut aber sein Wille, und seine Absicht seyn mochte, war er im Hauswesen nicht glücklich. Diener und Untergebene hintergingen ihn (...). Indessen kam das Kloster in üblen Ruf, der sich zu den Ohren des Kaisers und Ferdinands, des Erzherzogs von Oesterreich, so wie des Bischofs und Cardinals Markus von Konstanz, verbreitete." [83] Die Kommissare, obwohl im Namen des Papstes, wurden zur Visitation nicht zugelassen. Die Äbte von Weissenau, Rot und Schussenried kamen ihnen zuvor, visitierten das Stift und stellten die "Ordnung" wieder her. [84]

3.3 Die territoriale Entwicklung und die Stellung im Reich - Politik nach außen

Das Prämonstratenserstift war seit dem Jahr 1278 dem Hochstift Konstanz 'pleno iure' "inkorporiert" [85]. Über genaue Gründe lässt sich nur mutmaßen: Territoriale Interessen der Bischöfe von Konstanz gehörten zu den Motiven ebenso wie die Möglichkeit der Prämonstratenser, mit der Übertragung an Konstanz Fälschungsaktionen durchzuführen, um sich aus den Vogtrechten der Pfalzgrafen von Tübingen zu lösen und damit die Rechte und Besitzungen Marchtals dauerhaft zu sichern. [86] Die Vogtei in den Händen des Konstanzer Bischofs sollte aber nur eine Interimslösung sein.

In den folgenden Jahren nutzte die Marchtaler Politik insbesondere die Situation, dass viele Adelsfamilien nicht mehr liquide waren; auch Marchtal erweiterte und stabilisierte durch Zukauf von Gütern und Rechten seine Territorialgewalt. Die ausgeprägte Erwerbspolitik Ende des 14. Jahrhunderts ging einher mit einer zunehmenden Bestrebung, eine von Konstanz unabhängige Stellung zu erlangen. Ab dem Jahr 1387 begab sich Marchtal in das Bürgerrecht der Stadt Biberach, zeitweise nutzte es auch das Biberacher Hochgericht [87]. Auch die Hochgerichte in Urach, Stuttgart, Ehingen und Munderkingen waren Anlaufstellen der Pröpste und Äbte in Rechtsangelegenheiten. [88]

Das Stift hatte eine beträchtliche Anzahl von Dörfern in seinen Besitz gebracht: Im 18. Jahrhundert zählten zum Marchtaler Territorium: Obermarchtal, Gütelhofen, Luppenhofen, Kirchbierlingen, Sontheim, Weisel, Ammern (bei Tübingen) (Gerichtsbezirk Obermarchtal), Reutlingendorf, Hausen am Bussen, Datthausen, Mittenhausen (Gerichtsbezirk Reutlingendorf), Sauggart, Unterwachingen, Oberwachingen, Dieterskirch, Herlighof, Schupferberg (Gericht Sauggart), Alleshausen, Brasenberg, Bischmannshausen, Seekirch, Ödenahlen (Gericht Alleshausen). In Algershofen bestand eine gemeinschaftliche Jurisdiktion mit der Stadt Munderkingen, als ritterschaftliche Herrschaften unterstanden Bremelau und Uttenweiler, in Reutlingen, Ehingen und Munderkingen standen Pflegehöfe, Außenbesitz [89] lag in Spetzgart (Hödingen, Stadt Überlingen) und in Giersberg und Hochstraß im Thurgau (Schweiz). [90]

Nach MAURER lässt sich die Territorialpolitik der oberschwäbischen Stifte und Klöster auch für Marchtal treffend mit den "Schlagworten territoriale Konzentration und Umwandlung von wirtschaftlichen Gütern in Herrschaftsbesitz" [91] beschreiben.

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Von Marchtal aus hatte sich ein Territorium entwickelt, das Stück für Stück die Reichsunmittelbarkeit erlangte. [92] Im Jahr 1497 erschien der Marchtaler Abt neben den Prälaten der Prämonstratenser aus Rot, Weissenau und Schussenried auf dem Wormser Reichstag und nahm in der Folgezeit persönlich oder durch einen Vertreter regelmäßig an den Reichstagen teil. [93] Als Mitglied des Reichsprälatenkollegiums hatte der Marchtaler Abt "Sitz und Stimme auf der Prälatenbank" [94].

3.4 Ausdifferenzierung von Struktur und Organisation - Politik im Innern

Mit der Etablierung der Herrschaft nach außen ging die Verwirklichung der Territorialgewalt im Innern einher. Das Reichsstift stärkte seine interne Position mit Hilfe engerer Regelungen in Bezug auf Bodenleihe, Leibeigenschaft und Rechtsordnung. Zu diesem Zweck regelte Marchtal nach Abschluss der Territorialisierungspolitik die finanzielle Grundlage des Stifts durch Einkünfte, Steuern und Frondienste und stabilisierte die Herrschaft durch Verfassung und Verwaltung.

Die Durchsetzung des nichterblichen Leih-Lehens als übliche Form der Landvergabe gewährte eine "engere Bindung des Bodens an die Herrschaft" [95]. Eine stärkere Bindung der Personen an die Herrschaft sollte durch die Institution der Leibeigenschaft garantiert werden. [96] Nicht zuletzt drängten die unterschiedlichen Rechtsgewohnheiten und Dorfordnungen auf eine Vereinheitlichung des Rechtssystems auf dem Marchtaler Herrschaftsgebiet. 'Innenpolitisch' bewältigte Marchtal damit bis zum Ende des 16. Jahrhunderts die Institutionalisierung und Vereinheitlichung von Ordnungen und Rechtsnormen und die Ausbildung eines Beamtenapparates, der die neue Herrschaftsordnung personifizierte. Mit der Leibeigenschaft schuf Marchtal einen einheitlichen, der Herrschaft verpflichteten Untertanenverband.

3.4.1 Konjunktur, Krieg und Krisen - die soziale und ökonomische Lage

Zum Ende des 15. Jahrhunderts zeigten sich deutliche Tendenzen der Klöster und Stifte, die Standesunterschiede der Untertanenschaft, die durch verschiedene Formen der Grundleihe zum Ausdruck kamen, zu vereinheitlichen. Das Ziel einer homogenen Bauernschaft [97] war mit dem Motiv der "Vermehrung der Einnahmen und Sicherung der Frondienste" [98] (Baufronen, Handfronen, Zugfronen) verbunden.

Mittel zur Durchsetzung des Prinzips Leibeigenschaft war das Verbot des Abtes Simon Götz (1482-1514), Höfe und Häuser an Personen zu vergeben, die nicht Leibeigene der Herrschaft waren. [99] Für die Bauern bedeutete die Leibeigenschaft als Lehensbauer den Verlust der Erblichkeit ihrer Lehensgüter. [100] Die Rebellion der Bauernschaft gegen diese rechtlichen Bestimmungen erreichte ihren Höhepunkt im Bauernkrieg des Jahres 1525, als ein Teil des Baltringer Haufens gewaltigen Schaden im Stift anrichtete. Unter den rebellierenden Bauern befanden sich hauptsächlich Untertanen der Dörfer Alleshausen und Seekirch. [101]

Ganz explizit drückte sich die Abhängigkeit der Marchtaler Untertanenschaft in der Herrschaftsordnung von 1525 aus. Die 'Gemain artigkel' [102] fixierten die Leih-Lehenschaft aller Güter des Stifts, die Leibeigenschaft aller Lehnsmänner und die Verpflichtung zu Frondiensten, Zins und weiteren Abgaben. Die Belastung, die damit auf ein Bauerngut entfiel, war nicht unerheblich, zumal die Herrschaft Anrecht an allen Erzeugnissen bäuerlicher Arbeit besaß. Zum Schnittgeld beim Schneiden der Ernte kam neben Abgaben von Zins, Hühnern, Eiern (Eiergült) [103], Fasnachtshennen die Landgarbe oder Hofgült, wie es Zinsbuch oder Lehenbriefe auswiesen. [104] Die Äcker und Felder im Herrschaftsgebiet wurden nach dem Prinzip der Dreifelderwirtschaft betrieben, wobei als Wintergetreide Dinkel (Vesen), in schlechterer Lage Roggen, als Sommergetreide Hafer bevorzugt angebaut wurde; als Besonderheit der Landwirtschaft kam Hanf und Flachs hinzu, in der Viehzucht wurden überwiegend Rinder und Schafe gehalten. [105] An gewerblichen Betrieben lassen sich zwei Mühlen in Obermarchtal und Sauggart sowie zwei Wirtshäuser in Obermarchtal nachweisen. [106] Die Untertanenschaft war durch den Mühlbann verpflichtet, diese beiden herrschaftlichen Mühlen zu nutzen, ebenso auch die Gasthäuser. [107] Auch die Bannrechte für diverse Handwerksberufe hatte Marchtal inne, so für Ziegler, Wagner, Schmied, Weber, Sattler und Zimmermann. [108] Eine Badstube für den Konvent und die Gemeinde Obermarchtal befand sich in Obermarchtal, eine weitere in Alleshausen [109].

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Als besondere Belastung empfanden die Bauern die Fuhrfronen: Bauern, die in Besitz von vier Pferden waren, mussten jährliche Fahrten zu den Gütern Marchtals am Neckar (Ammern bei Tübingen) und an den Bodensee (Spetzgart bei Überlingen) unternehmen. [110]

Das Marchtaler 'Zinsbuch' [111] zählte im Jahr 1525 für Obermarchtal 70 Leheninhaber bzw. zinspflichtige Personen, im Jahr 1569 werden 73 Lehenbauern einschließlich des Müllers und 20 Inhaber von Häusern ausgewiesen, die auf diese einen Zins zahlten, 1771 existierten 77 Leiblehenhöfe. [112] Die Leiblehenhöfe unterschieden sich in ihrer Größe allerdings erheblich. [113] Die gesamte Untertanenschaft des Marchtaler Herrschaftsgebietes lässt sich erstmals für die 1530er Jahre beziffern: 1532 waren 253 Personen (ohne Alleshausen) steuerpflichtig, im Urbar des Jahres 1569 [114] sind 321 Lehenhöfe und Häuser aufgeführt. [115]

Marchtal gelangte durch die hohen Fronen zunächst zu enormer Prosperität, schuf dadurch aber ein finanzielles Ungleichgewichtssystem. Schon bald bestand die finanzielle Kontinuität hauptsächlich darin, dass Marchtal zumeist gegen hohe Schulden anzukämpfen hatte. Wirtschaftliche Krisen entwickelten sich aus Kriegen und Feldzügen, die zu enormen Vernichtungen innerhalb der Herrschaft führten; hinzu kamen Seuchen wie Pest, Missernten durch schlechte klimatische Bedingungen und individuelles wirtschaftliches Unvermögen verschiedener Äbte.

In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges erlitten das Stift und sein Land gewaltige Zerstörungen. [116] So heißt es aus der Zeit des Abts Johannes Engler (1614-1637): "Niemals stund ein betrübteres Ostern für Marchtal in den Allmanachen, als jenes in den Jahren tausend sechshundert zwey und dreyßig. Da war es als der schwedische Pharaon geen Marchtal mit seinen Schwadronen angezogen kam; und da war es zumal, wo der Abt Johannes Engler mit seinen Klostersöhnen in die leidige und erbarmungsvolle Flucht zu gehen hatte." [117] Eine schreckliche Pestwelle folgte den Plünderungen und Verwüstungen der Schweden, an die Marchtal im Zuge des Westfälischen Friedens eine Summe von 3410 fl. [118] zu bezahlen hatte. [119] Zum Amtsantritt des Abtes Konrad im Jahr 1637 wurde die Situation als besonders verheerend beschrieben: "Der Vorrat (...) war verschwunden: silberne und goldene Gefässe, worunter ein goldener Kelch sich befand, waren verkauft; Hausgerätschaften nicht nur vermindert, sondern ganz zerstört (...). Die Bauern und Lehenträger, welche die tyrannische Behandlung des Militärs von Freunden und Feinden nicht mehr ertragen konnten, fanden sich genöthiget, auszuwandern; teils fanden sie wegen immerwährender Forderungen, wegen öfters wiederholten Brandstiftungen, wegen Hunger und Pest, wegen Verlust ihrer Häuser und Lebensmittel, den Tod." [120] Das Sterberegister zählte im das Jahr 1632 allein für Reutlingendorf 111 Tote, was etwa der Hälfte der Einwohnerschaft entsprach. [121] Bei Amtsantritt des Abtes Konrad war die Zahl der Familien im Herrschaftsgebiet von 230 auf 56 zurückgegangen [122], von 273 Lehensleuten hatten bis 1643 nur 92 überlebt. [123]

Die wirtschaftliche Situation von Marchtal schien sich weder in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts noch im 18. Jahrhundert zu verbessern: Der Reichskrieg gegen Frankreich verlangte von der mittlerweile verarmten Herrschaft weitere finanzielle Mittel. Im Jahr 1679 musste der Abt seinen Untertanen 12000 fl. stunden, die in den Folgejahren zurückgezahlt werden sollten. [124] Die Untertanen mussten ihre eigene finanzielle Schwäche wiederum durch überhöhte Frondienste, jetzt beim Kirchenbau, ableisten. [125]

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Noch im Jahr 1711 betrug die Schuld 237130 fl., was einen Zins von jährlich 10279 ½ fl. bedeutete. [126] Und die Krisenzeit schien kein Ende zu nehmen: "1716 ein Winter, der so kalt war, daß die fruchtbarsten Bäume zu Grunde gingen und nur zum Verbrennen taugten; ein unfruchtbares Jahr, so daß man kaum den Samen zur künftigen Saat erhielt; eine Seuche unter dem Rindvieh; eine starke Türkensteuer, welche Kaiser Karl VI. forderte, und dann in den folgenden Jahren vielfältige und verheerende Schauergewitter. Das Elend war so groß, daß durch Auswanderung nach Ungarn beinahe ganz Schwaben entvölkert wurde." [127]

Erst in der Zeit des Abts Ulrich Blank (1719-1746) wurde das Stift finanziell weitgehend saniert und die Schuldenlast abgetragen. [128]

3.4.2 Verfassung und Verwaltung

Die Politik im Innern erledigten in Marchtal weltliche Kräfte, die sich ab den 1420er Jahren nachweisen lassen [129]. Diesen 'Verwaltungsbeamten', die zumeist aus reichsstädtischen Familien stammten und damit rechts- und verwaltungstechnisch geschult waren, übertrug die Herrschaft Gerichts-, Polizei- [130] und Verwaltungsaufgaben.

Dem Vogt [131], der in Obermarchtal seinen Verwaltungssitz hatte, unterlag die Verwaltung des Territoriums mit der Leitung der Kanzlei, Hoheits- Gerichts-, Polizeiaufgaben und der Diplomatie. Zur Seite standen dem Vogt der Kellermeister, zuständig für alle wirtschaftlichen und finanziellen Angelegenheiten, und der Sekretär der Kanzlei, eine Art Stellvertreter des Vogtes, der bei Vakanz der Vogtstelle auch als Interimsverwalter eingesetzt wurde. [132]

Eine um das Jahr 1550 erlassene Gerichtsordnung [133] regelte Gerichtskosten, Kosten bei Ratserholung, Verteilung der Gerichtsfälle, Einnahmen und Rechnungen des Vierer [134] und auch Pflichten und Einnahmen des Büttels, der direkt dem Vogt unterstellt war.

Zu einem wichtigen Schritt in der Territorialentwicklung war es am 5. Oktober 1518 gekommen, als Kaiser Maximilian Abt Heinrich Stölzlin in all den Orten, in denen es das Niedergericht ausübte, auch das Hochgericht übertrug [135]: Kaiser Maximilian erlaubte, im Dorf Marchtal ein Malefizgericht einzurichten, dieses mit einem Amtmann oder Vogt und 12 ehrbaren Männern zu besetzen und nach Reichsrecht Urteil zu sprechen. Es sollte ein Halsgericht mit Stock und Galgen aufgerichtet und Übeltäter gemäß Urteil öffentlich gestraft und gerichtet werden. Marchtal hatte sich um dieses Privileg bemüht, da "(...) seinem gottshaus mercklicher Costen ganngen, unnd auch dardurch vil übels ungestrafft gebliben, unnd dieweil die leüchtfertigen darinnen und daselbst umbgesessen (...)" [136]. Manche Übeltäter wüssten, dass es in der Herrschaft kein Hochgericht gebe, begingen deshalb hier umso mehr Verbrechen oder suchten deshalb im Marchtaler Gebiet Zuflucht. [137] Mit dem Erwerb der Hochgerichtsbarkeit wurde auch der Titel des Vogts eingeführt.

Der Erhalt der Blutgerichtsbarkeit führte in Marchtal zur Intensivierung der Verwaltung und zum Aufbau einer Gerichtsbarkeit [138]. Zunächst entstand in Obermarchtal ein mit 12 Schöffen besetztes Gericht. Diesem Gericht stand der Obervogt als oberster weltlicher Verwaltungsbeamter vor.

Das Privileg der Befreiung von fremden Gerichten [139], das Marchtal im Juni 1575 von Kaiser Maximilian II. erhielt, bestätigte die Marchtaler Gerichtshoheit: Gegen Diener und Untertanen durfte in keiner Rechtssache mehr vor dem kaiserlichen Hofgericht in Rottweil oder vor anderen Gerichten prozessiert und geurteilt werden. Klagen gegen die Diener des Stifts sollten allein vor dem Abt, Klagen gegen die Untertanen und Hintersassen vor Gericht und Stab des Abtes verhandelt werden. Urteile anderer Gerichte wurden als kraftlos angesehen.

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Auf der Grundlage dieser Privilegien hatte sich in Marchtal eine dreistufige Gerichtsorganisation ausgebildet: An erster Stelle stand dabei als oberstes Appellationsgericht das Hofgericht, auch Vogtgericht mit Sitz in Obermarchtal. Eine Zwischeninstanz bildeten vier Gerichtssitze in den Orten Obermarchtal, Reutlingendorf, Sauggart und Alleshausen, die die noch kleineren Ortsgerichte zusammenfassten. [140] Ein Amtmann, der mit Ausnahme der Gemeinde Oberwachingen auf Lebenszeit von Marchtal eingesetzt wurde [141], bildete zusammen mit dem Rat, Zweier oder Vierer, die Gemeindeselbstverwaltung. Die auswärtigen Besitztümer bei Tübingen und am Bodensee wurden über Pfleghöfe verwaltet. [142]

Bis Anfang des 16. Jahrhunderts hatten die Dorfgerichte unabhängig voneinander Recht gesprochen und nach Gutdünken geurteilt. Noch bis Mitte des 16. Jahrhunderts hatten die Dorf- [143] oder Bezirksgerichte an den Abt selbst appelliert. [144] Durch die Existenz des zentralen Vogtgerichts in Marchtal waren die Kompetenzen der örtlichen Selbstverwaltung nun fast völlig ausgehöhlt. Ein Vogtbuch führte die geistliche Herrschaft ab dem Jahr 1578, Amts- und Gerichtsprotokolle finden sich ab den späten 1590er Jahren. [145]

Mit der Herrschaftsordnung "Und seind deß gotteshaußes gebott und verbott, ordnungen, sazungen und straffbare articul" [146] aus dem Jahr 1578 konkretisierte Marchtal den Herrschaftsanspruch durch Normenkontrolle und fixierte gegenüber seinen Untertanen einen grundlegenden Lebensgestaltungsanspruch. Mit dieser neuen Herrschaftsordnung [147] mischte sich Marchtal restriktiv in das Leben seiner Untertanen ein. Überwacht und gestraft werden sollten insbesondere Glaube, Frömmigkeit und Moral der Dorfbewohner, also mangelnder Gottesdienstbesuch, Gotteslästerung, Schlaghändel, Ehebruch u. a. Glaube, Gottesfurcht und Frömmigkeit sollten manifestiert, mangelnde Gläubigkeit und Frömmigkeit sanktioniert werden. Wurden Verstöße gegen Gebote im kirchlichen Bereich lediglich finanziell geahndet, sollte auf Fluchen und Gotteslästerung eine Strafe bis zu acht Tage Turm bei Wasser und Brot folgen. Verstöße gegen Moral und Sittlichkeit wurden mit Geld-, Leib- und Ehrenstrafen gerichtet.

3.5 Das juristische Verfahren im Hexenprozess

Die Marchtaler Herrschaft hatte für das Delikt der Hexerei kein eigenes Recht geschaffen, sondern urteilte auf der Grundlage der aus dem Jahr 1532 stammenden Peinlichen Halsgerichtsordnung Kaiser Karls V., der Carolina. [148] Als Basis der rechtlichen Beurteilung soll aus diesem Grund zunächst der normative Rahmen, den die Carolina vorgab, erläutert werden. Mit diesem idealtypischen Verfahrensverlauf können im Folgenden die Marchtaler Hexenprozesse der Jahre 1586-1596 und 1627/1628 verglichen werden. Die rechtliche Verfahrensweise der dritten Prozesswelle 1745-1757 weicht von den Massenprozessen der ersten Jahre ab und wird aus diesem Grund gesondert betrachtet. [149]

Das Verfahren nach der Peinlichen Halsgerichtsordnung gliedert sich grundsätzlich in fünf Prozessschritte: die Voruntersuchung mit Einleitung und Durchführung der Inquisition sowie Verteidigungsmöglichkeiten des Inquisiten, die Tortur, die Hauptuntersuchung, die Urteilsfindung und den 'Endlichen Rechtstag'.

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Ein Prozess nach der Carolina konnte seinen Anfang in einem Akkusationsverfahren (Art. 11-15), durch einen Privatkläger veranlasst, oder in einem Inquisitionsverfahren (Art. 6-10), ein vom Richter eingeleiteter Prozess, nehmen. Zumeist generierte ein Verfahren aufgrund der abschreckend konstruierten Akkusation [150] aus verschiedenen Denunziationen, die beim Gericht vorgetragen wurden zu einem Inquisitionsverfahren. Dabei hatten sich Verdächtigungen gegenüber einer Person soweit verdichtet, dass der Richter 'ex officio' für den Schutz der öffentlichen Sicherheit ein Strafverfahren anstrengte. In der folgenden Untersuchung sollte der Richter "(...) sich erkundigen, vnd fleissig nachfragens haben, ob die missethat (...) auch beschehen sei oder nit" (Art. 6) [151].

Für den Fortgang des Verfahrens mit der Tortur mussten Indizien nach Art. 25-44 vorliegen, für den Verdacht auf Zauberei war dies Art. 44: das Lehren von Zauberei, die Androhung und das unmittelbare Eintreten von Zauberei, die Gemeinschaft mit anderen Zauberern, der Umgang mit allem Zauberischen und der Leumund des Angeklagten. [152] Die Überprüfung dieser Indizien war nur mit Zeugenaussagen (Art. 23) [153] möglich, explizite 'gegenständliche Indizien' konnten kaum vorhanden sein. Das bedeutete, dass sich die Legitimation der eventuell folgenden Tortur allein auf Zeugenaussagen stützen musste. Indizien nach Art der alten Gottesurteile wie Tränenlosigkeit, Teufelsmal oder die Wasserprobe hatten in der Carolina keine Erwähnung mehr gefunden, wurden aber in Hexenprozessen verschiedener Territorien als Indizien anerkannt.

Ein Geständnis des Angeklagten galt in jedem Fall als beweiskräftiger, die Aussage von Tatzeugen als "subsidiär" [154]. Entsprechend wird die Folter auch als "die Seele des Hexenprozesses" [155] bezeichnet.

Sah der Richter den Straftatbestand nach Art. 44 gegeben, wurde die mutmaßliche magische Delinquentin nach Art. 58 "von der maß peinlicher frage" gefoltert. Diesem sehr kurz gehaltenen Artikel widmet die Forschung gerade aus diesem Grund große Aufmerksamkeit. Das "Versagen" von Carolina und auch deren 'Vorgängerin', der Bambergensis, so argumentiert LORENZ, sei es, dass "sich beide Gesetze über die Häufigkeit zulässiger Wiederholungen der Folter ausschweigen und es unterlassen, die anwendbaren Foltermittel zu beschreiben". [156]

Erreichten die Richter durch die Folter ein Geständnis, konnte letztendlich nach Art. 109 "straff der zauberey" [157] mit dem Feuertod gestraft werden. Die Carolina hatte damit das kumulative, von KRAMER konstruierte Hexereidelikt [158] nicht übernommen, sondern strafte allein das Zaubereiverbrechen. Die Delikte Teufelspakt, Hexenflug und die Anwesenheit beim Hexensabbat waren strafrechtlich gesehen nicht abgedeckt. Gegen diese Hexereiverbrechen konnte mit der Carolina als Gesetz nicht vorgegangen werden. Allein die Teufelsbuhlschaft konnte als widernatürlicher Geschlechtsverkehr nach Art. 116 "Straff der unkeusch, so wider die natur beschicht" [159] gestraft werden.

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Es folgte die Hauptuntersuchung: "Dieser im carolinischen Prozessrecht nur rudimentär entwickelte Verfahrensabschnitt wurde von den Strafgerichten selten in die Praxis umgesetzt bzw. via Aktenversendung [160] an die Berufsjuristen delegiert." [161]

Die Urteilsfindung basierte im Fall der Hexenprozesse letztendlich auf einem in der Folter erreichten Geständnis der Angeklagten, das von den Richtern derart konstruiert werden konnte, dass das Todesurteil, lag dies in der Absicht der Juristen, auch vollstreckt werden konnte.

Am 'Endlichen Rechtstag' [162] wurde der Prozess schließlich vor die Öffentlichkeit getragen, wobei "das Gerichtspersonal in erster Linie die Legitimität seiner geheimen Inquisition ex post fundamentieren" [163] ließ. In einer reinen Inszenierung wurden der Prozess der Urteilsfindung und das Urteil selbst nach vorformulierten Gerichtsreden verkündet und der Angeklagte dem Scharfrichter zur Aburteilung übergeben (Art. 82-103). [164]

Öffentlicher Ankläger gegen die verdächtigen Personen war in Marchtal zunächst der Vogt, später der Oberamtmann, der als erster weltlicher Beamter im geistlichen Territorium den Prozess vor dem obersten Gericht in Marchtal führte. Der Vogt war Richter und Ankläger in Personalunion.

Grundlage und Ausgangspunkt der Hexenprozesse waren Misstrauen, Skepsis und Verdacht vermengt mit verschiedenen Gerüchten der Dorfbewohner, also ein schlechter Leumund, der verschiedene Frauen Delinquenz zuschrieb. Dem Vogtgericht wurden aus den Gemeinden, hauptsächlich aus dem Dorf Alleshausen, zunächst verschiedene Gerüchte und Verdächtigungen mitgeteilt, worauf das Vogtgericht eine Inquisition anstrengte und die Verdächtigte sowie die verdächtigenden Personen verhörte. Grundlage dieser Verhöre waren zumeist formalisierte Fragebögen [165], die Name, Alter, Stand und Vermögen ermitteln sollten, ob der Befragte in Acht oder Bann stehe und ob er eine mutmaßliche Hexe kenne. Im Weiteren, ob er Segenssprüche wisse, und wenn ja, gegen wen er solche gebrauche und ob er sich selbst und seine Familie habe segnen lassen. Weitere Fragen befassten sich mit dem Schadenszauber, den der Befragte festgestellt haben wollte, wem er diesen zuschrieb und expliziten Angaben über die von ihm verdächtigte Person und deren Familie.

Besondere Bedeutung kam den Zeugenaussagen zu, deren Bewertung durch die Richter zum entscheidenden Punkt im Prozess gegen vermeintliche Hexen wurde. Auf der Grundlage der aus der Inquisition gezogenen Aussagen entschied sich im Folgenden, ob ein Verfahren, das in jedem Fall mit Todesurteil endete, angestrengt wurde oder nicht. Wurden die Aussagen als glaubwürdig betrachtet, eröffnete der Richter einen Hexenprozess, wurden die Aussagen jedoch als Verleumdung interpretiert, zog dies die Bestrafung der Anzeigenden nach sich. In der Deutung der Aussagen entschieden die Richter somit über die Gratwanderung zwischen Hexenprozess oder Bestrafung der Urheber von Verdächtigungen, was sich in einer verfolgungsfreien Phase für Marchtal nachweisen lässt.

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Für den Hexenprozess soll an dieser Stelle jedoch ausschließlich die Deutung zuungunsten der vermeintlichen Hexe von Bedeutung sein. Glaubte der Vogt den Verdächtigungen aus den Dörfern, so formulierte er die 'Malefizische Klag' oder 'Erste Klag', die die genauen Anklagepunkte aus den Verhören reformulierte. War eine solche Anklage fixiert, bedeutete das in den Hexenprozessen der Reichsabtei Marchtal das Todesurteil. War eine Person erst einmal als 'Hexe' angeklagt, d.h. wurden die Verdächtigungen der Bevölkerung vom Richter geteilt und getragen, gab es keine Aussicht mehr, dass der Prozess eingestellt wurde bzw. ein Freispruch erfolgte. Das 'Erste Urteil', das als Rechtsspruch des geheimen Vogtgerichts auf die Klage des Vogts gefällt wurde, war nur noch reine Makulatur.

War die angeklagte Person nicht schon aufgrund der gegen sie vorgebrachten mutmaßlichen Tatbestände gütlich geständig, folgte das peinliche Verhör, das sich in verschiedenen Stufen unterteilte [166]: Im ersten Grad, der Verbalterrition ('territio verbalis'), sollte allein durch die Androhung der Folter ein Geständnis erzwungen werden. Der zweite Grad, die Realterrition ('territio realis') bedeutete das Anlegen der Folterinstrumente, das sich in drei Grade unterteilte. In Marchtal bedeutete die Realterrition, dass den Delinquenten zunächst Daumenschrauben angelegt, sie dann auf den 'Spanischen Bock' gelegt und ihnen letztendlich Rutenstreiche verabreicht wurden. [167]

Das peinliche Verhör wie auch die Vollstreckung der Strafe waren Aufgaben des Scharfrichters [168]. Schon im Jahr 1572 hatte der Vogt Christoph Bitterlin 'Hans Maister Nachrichter zu Ehingen' zum Züchtiger und Nachrichter für Marchtal bestellt. [169] Bis zum Jahr 1735, in welchem Marchtal eine eigene Kleemeisterei in Oberwachingen einrichtete, beschäftigte Marchtal Scharfrichter aus Ehingen, Munderkingen und Biberach. [170] Während der letzten Verfolgungen 1745/46 waren die Nachrichter Veit und Bartholomäus Vollmar für die Herrschaft tätig. [171]

Paradigmatisch für die Mehrfachverurteilungen am Ende des 16. Jahrhunderts waren zahlreiche Besagungen, die von den Angeklagten im peinlichen Verhör gefordert wurden. In Marchtal weist eine Besagungsliste [172] vom 14. Juli 1586 für verschiedene inhaftierte Frauen Denunziationen von bis zu acht weiteren vermeintlichen 'Gespielinnen' aus, denen in der Folgezeit der Prozess gemacht wurde; teilweise wurden die Angeklagten mit den Besagten oder Zeugen im Verhör konfrontiert.

Hilfe von Verwandten oder Bekannten dagegen war für die in Marchtal als Hexen angeklagten Personen nicht zu erwarten. Im Gegenteil: Eine Anklage wegen Hexerei rechtfertigte wiederum den schlechten Leumund, weswegen die Frauen ursprünglich angeklagt wurden, und vermehrte den ohnehin vorhandenen Argwohn der gesamten Gemeinde. [173]

Die 'Ander Klag' und das 'Ander Urteil', eigentlich Folgeurteile aus dem geführten peinlichen Verfahren, waren nicht mehr von Bedeutung, sie glichen der 'Ersten Klag'. [174] Der Angeklagte war damit schuldig gesprochen und es folgte in der 'Letzten Klag' die Festsetzung des Strafmaßes: Auf alle Personen, die in Marchtal bis zum Jahr 1593 wegen des Delikts der Hexerei verurteilt wurden, wartete der Feuertod. In allen späteren Prozessen wurde das Urteil dahingehend 'gemildert', dass bevor die Verurteilten verbrannt wurden, sie der Scharfrichter nun zuvor mit dem Schwert oder Strang tötete.

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War der Tag der Verurteilung, der 'Endliche Rechtstag', gekommen, wurden die zum Tode verurteilten Personen mit "geleüt der glockh" vor das Haus des Vogts geführt, dort wurden ihre Taten öffentlich verlesen und die vermeintlichen Delinquenten dem Scharfrichter zur Verurteilung übergeben. Der Scharfrichter führte die für schuldig Befundenen zur Richtstätte, die sich am Weg nach Mittenhausen befand, und vollstreckte den 'Rechtsspruch'.

4. Die Marchtaler Hexenprozesse 1586-1757 - Ein Überblick

Die Hexenprozesse der ehemaligen Prämonstratenser Reichsabtei Marchtal verliefen in ihren Anfängen analog zu den südwestdeutschen Verfolgungen, wiesen aber im weiteren Verlauf einige Eigenheiten auf. Das besondere Charakteristikum, das die Hexenverfolgungen der Herrschaft Marchtal zeigen, ist eine extreme Verfolgungsbereitschaft noch Mitte des 18. Jahrhunderts. Vom Beginn der ersten Prozesse im Jahr 1586 überdauerte das Deutungsmuster Hexerei über 170 Jahre, bis 1757 der juristischen Verfolgung von magischen Delinquenten ein Ende gesetzt wurde.

Die Marchtaler Hexenverfolgungen verliefen in Prozesswellen, die sich von 1586 bis 1596, in den Jahren 1627 und 1628 und zwischen 1745 und 1757 ereigneten. Einzelne Verdächtigungen aus dem Dorf Alleshausen wurden in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts eingedämmt. Im Jahr 1745 dürfte das erneute Aufflammen von Hexereibezichtigungen, die in den folgenden Jahren zu weiteren Todesurteilen führten, das Umland entsetzt haben.

Eine genaue Opferzahl anzugeben, bleibt vor allem auf Grund der teilweise fragmentarisch überlieferten Quellen kritisch. KRAMER geht für den Zeitraum zwischen 1586 und 1657 von 75 Personen aus, die möglicherweise den Feuertod gestorben seien. [175] Eindeutig belegbar sind innerhalb der 171-jährigen Verfolgungsgeschichte des 65 Prozesse [176], die zu 60 Todesurteilen führten, eine Frau starb im Gefängnis. Vermutlich liegt die tatsächliche Opferzahl aber aufgrund der zahlreichen Besagungen [177] innerhalb der ersten Prozesswelle höher.

Das Deutungsmuster von Hexerei zeichnete sich wie für den Großteil der anderen Territorien auch in Marchtal durch die besondere Zuschreibung gegen Frauen aus. [178] Die Opfer der Hexenverfolgungen in Marchtal waren bis auf zwei Ausnahmen weiblich: Unter den Verurteilten befanden sich 58 Frauen, zwei Männer [179]. Für Gesamteuropa wird der Anteil verfolgter Frauen auf eine Zahl zwischen 75% und 80% geschätzt. [180]

Im Jahr 1657 wurde in Uttenweiler, das erst später zur Marchtaler Herrschaft gehörte, gegen ein Kind verhandelt. [181]

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Beginn und Höhepunkt fielen in den Marchtaler Prozessen zusammen. So war die erste Verfahrenswelle auch zugleich die intensivste. Allein in den ersten beiden Jahren 1586 und 1587 starben über 30 Frauen und 2 Männer. Bis zum Ende dieser Verfolgungswelle wurden insgesamt mindestens 49 Personen zum Tode verurteilt. [182] Für den Zeitraum zwischen 1586 und 1596 lassen sich weitere Prozesse vermuten: Allein drei weitere Frauen finden sich auf einer zusammengestellten Besagungsliste [183] als Denunziantinnen, über 30 Frauen werden von Angeklagten besagt, 12 Namen erscheinen zusätzlich in den Quellen. Ob gegen diese Personen ein Verfahren eröffnet wurde und wenn ja, welchen Ausgang dieses nahm, lässt sich anhand der Quellen nicht mehr nachvollziehen. Zum Teil waren die besagten Personen nicht dem Marchtaler Territorium zugehörig.

Für die Jahre 1627 und 1628 liegen Akten zu fünf weiteren Frauen vor, die sich wegen angeblicher Hexerei vor dem Marchtaler Gericht zu verantworten hatten; auch diese Prozesse endeten vermutlich für alle Angeklagten mit dem Todesurteil. Anhand von Aufzeichnungen aus dem Sterberegister Obermarchtal ist wie für die erste Prozesswelle auch für die 1620er Jahre eine Dunkelziffer an Verfahren und Todesurteilen zu vermuten.

Die Verdächtigungen kamen auch im weiteren Verlauf des 17. Jahrhunderts nicht zur Ruhe. Diesem Zeitraum ist aufgrund der weiteren Denunziationen gegen vermeintliche Hexen in Alleshausen zwischen den Jahren 1646 und 1675 ein einzelnes Kapitel gewidmet. Zu einem Hexenprozess generierten die Verdächtigungen allerdings nicht, vielmehr hatten sich die Urheber von Verdächtigungen vor Gericht zu verantworten.

Einen besonderen Hexereiverdacht verfolgte die Uttenweiler Justiz im Jahr 1657, als ein minderjähriger Junge unter Anklage stand. Soweit den Akten zu entnehmen ist, endete dieser Einzelprozess ohne schwer wiegende Folgen für den verdächtigten Jungen und dessen Familie.

Während andere Territorien im Alten Reich mittlerweile an der Wirklichkeit von Hexen mehr als zweifelten, bzw. der Existenz einer Hexensekte keinen Glauben mehr schenkten, erlebte Marchtal in den Jahren 1745-1757 eine letzte Prozesswelle mit sechs Todesurteilen, eine Frau starb im Gefängnis. Der Prozess gegen Magdalena Füderin, die durch die Qualen der Tortur ihren Tod fand, steht im Jahr 1747 als trauriger Höhepunkt am Ende einer über 170 Jahre währenden Marchtaler Verfolgungsgeschichte.

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Von den 65 sicher belegten Prozessen gegen Frauen und Männer wurden allein 16 Verfahren gegen Frauen aus Alleshausen und 5 Klagen gegen Personen aus der nahe gelegenen Federseegemeinde Seekirch, die zum Gerichtsbezirk Alleshausen gehörte, geführt. Das Dorf Alleshausen war Ausgangs- und Endpunkt und entwickelte sich im Laufe der Verfolgungen damit zum Mittelpunkt der Marchtaler Hexenverfolgungen, insbesondere der letzten Prozesse in den Jahren 1745 bis 1757.

5. Das Dorf Alleshausen - 'primus inter pares' und herrschaftlicher Krisenherd

Das Dorf Alleshausen [184] hatte sich, wie kein anderes im Herrschaftsbezirk Marchtals, lange und intensiv für die Garantie seiner Besitzrechte an Grund und Boden und eine besondere Rechtsstellung eingesetzt und sich gegen eine zentralisierte, von Obermarchtal aus gelenkte Herrschaftsgewalt gewehrt.

Im Jahr 1477 hatte Marchtal vom Kloster St. Blasien im Schwarzwald die Herrschaft über den Ort Alleshausen und den Weiler Bischmannshausen mit Gericht, Zwing und Bann, Vogtei, Diensten, Untertanen und vier Lehengüter für 6500 fl. gekauft. Im Verlauf der Auflösung der St. Blasischen Rechte "konnten die Hintersassen ihre Rechte erweitern und wahrscheinlich auch Lehengüter an sich ziehen. Die Bauern genossen freien Abzug, freien Güterverkauf innerhalb der Genossenschaft der Klosterleute sowie ein für sie günstiges Erbrecht" [185]. Neben Leibeigenen lassen sich so im 15. Jahrhundert auch freie Bauern nachweisen.

Die Prämonstratenser erwarben zunächst nur wenig Land. Um 1525 besaß Marchtal nur etwa 75 Jauchert Äcker und 30 Mannmahd Wiesen, vier Höfe und die Badstube im Dorf. [186] Das übrige Land war Eigenbesitz [187] der Bauern, die lediglich zur Zahlung eines Bodenzinses verpflichtet waren. Das 'schwarze Lagerbuch' aus dem Jahr 1552 beziffert den Eigenbesitz von 102 Bauern auf 481 Jauchert und 137 Mannmahd Wiesen, 1593 besaßen 108 Bauern immer noch 432,5 Jauchert. [188] Ein Vergleich mit den Zahlen aus dem Jahr 1532 [189] ergibt, dass die Untertanen in Alleshausen ungefähr ein Viertel der Gesamtbevölkerung der Herrschaft ausmachten.

Marchtal versuchte im Laufe des 16. Jahrhunderts die Vorrechte der Bauern immer weiter einzuschränken, so erregten überhöhte Fronen für den Bau eines Schlosses in Seekirch die Bauern. Die Sonderstellung, die Alleshausen beanspruchte, führte 1520 zum Streit mit der Herrschaft. Die Gemeinde hatte sich die Forderung erlaubt, der Abt müsse, wollte er durch das obere Tor fahren, zunächst die Zustimmung Alleshausens einholen; mit einer Gemeindeverfassung [190] wurde dieser Streit beigelegt. Diese Verfassung sollte von nun an das Verhältnis zwischen Herrschaft und Dorf regeln: Bestimmungen zu Allmende, Fuhrfronen, Zins und Gült waren darin festgelegt. Im Kern allerdings konstituierte der Vertrag die besondere Rechtsstellung Alleshausens: Dem Amtmann, vom Abt eingesetzt, sollten als Gemeindevertreter das Gericht, die Vierer und Heiligenpfleger gegenüberstehen, das Gericht von zwölf Männern gemeinsam von Abt und Gemeinde gewählt werden. Gemeindeversammlungen durften nicht ohne Wissen des Amtmanns einberufen, konnten aber unter Zustimmung der Gerichtsmehrheit gegen dessen Willen und damit auch ohne Zustimmung des Abtes durchgeführt werden.

Schon vier Jahre später allerdings klagte Alleshausen beim Schwäbischen Bund gegen die Gewalt und Grausamkeit und gegen mangelnde Vertragstreue von Seiten des Abtes. Die Rebellion der Federseegemeinde gipfelte in der Zerstörung und Plünderung des Stifts während des Bauernkriegs 1525. [191] Der Prozess um Schadensersatz und Strafe endete allerdings in einem überaus milden Schiedsspruch: Alleshausen hatte danach für ausstehende Steuer, als Strafe wegen Aufruhr und als Ersatz wegen Verklagens eine Summe von 187 Gulden zu bezahlen und dem Abt Gehorsam und Untertänigkeit zu bezeugen. [192]

Erneute Konflikte entstanden im Jahr 1610, als der Abt Jacob Heß (1600-1614) die Gemeinde des Ungehorsams und der Rebellion bezichtigt hatte, während sich die Bauern dagegen auf den Vertrag von 1520 beriefen. [193] Ein Vertrag [194] aus dem Jahr 1611 erneuerte die Bestimmungen aus dem Jahr 1520 unter weiteren Einschränkungen der Rechte des Dorfes Alleshausen: Wie groß das Misstrauen des Abtes gegenüber der Dorfbewohnerschaft gewesen sein muss, zeigt der explizit geforderte Rechtsanspruch des Abtes, auswärtige Personen als Amtmann in Alleshausen einsetzen zu dürfen sowie ein Verbot, Gemeindeversammlungen ohne Wissen des Abtes durchzuführen. Auf ungenehmigtes Zusammentreffen konnte eine Strafe verhängt werden. Explizit geregelt waren nun auch Schuldeneintreibung, Unterschlagung von Handlohn, das Recht des Abtes auf Tavernenbau und die Veranlagung Alleshausens zur 'Reichs- und Defensionshilfe'.

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Der Begriff 'primus inter pares' rechtfertigt sich auf das Dorf Alleshausen bezogen in mehrerlei Hinsicht: Maßnahmen gegen widerspenstige Untertanen wie die Entziehung von Grund und Boden [195] verboten in Alleshausen der hohe Eigenbesitzanteil der Bauern. Marchtal konnte Teile dieses Besitzes zwar im Laufe der Zeit an sich bringen, riskierte und provozierte dadurch aber immer wieder Konflikte, die das Dorf als kontinuierlichen Krisenherd erscheinen lassen.

Bis zum Jahr 1611 kann die Gemeindeversammlung in Alleshausen durchaus als eine von der Politik Marchtals unabhängige Institution verstanden werden. Unter dem neuen Vertrag allerdings hatte die Gemeindeversammlung ihre Autonomie gegenüber dem Abt eingebüßt. Das Dorf Alleshausen behielt dennoch seine rechtliche Durchsetzungsfähigkeit, was am Beispiel der Hexenverfolgungen der Reichsabtei Marchtal gezeigt werden kann.

"6. Allen wollust und früdt gehabt (...)" - Die Konstruktion des Marchtaler Hexenbildes

Um das Deutungsmuster der Hexerei innerhalb des Herrschaftsgebiets der Reichsabtei Marchtal zu fassen, sollen die konkreten Ausdifferenzierungen des Hexenmusters in den Marchtaler Prozessen untersucht werden. Die zahlreich überlieferten Urgichten bieten reiches Material, die Marchtaler Vorstellungen von Hexerei über die Zuschreibungsmerkmale für magische Delinquenz zu rekonstruieren. Zusätzlich lassen sich aus den Gutachten und Gerichtsprotokollen weitere Deutungen erfahren.

Von Interesse sind Struktur und Inhalt der in den Marchtaler Prozessen provozierten Geständnisse, inwieweit sich diese an kirchlich oder juristisch definierten Stereotypen von Hexerei orientierten, sowie deren Kontinuität und Wandel innerhalb der verschiedenen Verfolgungswellen. Zu fragen ist, welchen Raum die verschiedenen Delikte der Hexerei innerhalb der Geständnisse einnahmen, welche vermeintlichen Tatbestände als unchristlich oder ketzerisch konnotiert waren, welchem theologischen Paradigma Erklärungsmodelle über die Hexereidelikte folgten, welche Rolle volkstümliche Bilder von Zauberei und Magie im Rahmen der Geständnisse spielten und inwieweit sich Vorstellungen von Hexerei innerhalb der über 170-jährigen Marchtaler Verfolgungsgeschichte veränderten oder modifizierten.

Problematisch an der zuletzt formulierten Fragestellung ist allerdings die Tatsache, dass eine Auseinanderdifferenzierung der Vorstellungen von Anklagenden und Angeklagten nur äußerst schwer möglich ist. Durch entsprechende Fragenkataloge waren Geständnisse und Vorstellungen von Hexerei, auf welche Vogt, Richter und Gerichtspersonal im Verlauf des Prozesses mit Hilfe der Folter beharrten, vorskizziert. Anzunehmen ist demnach, dass insbesondere die subjektiven Vorstellungen der Richter in den Geständnissen und Urgichten objektiviert und damit allgemein gültig gemacht wurden. [196] Allein für die späten Prozesse sind die Bilder von Hexerei eindeutiger zuordenbar.

Fast ausschließlich wurde das Delikt der Hexerei in Marchtal Frauen zugeschrieben. So bezieht sich die Beschreibung des Konstrukts in Marchtal, das im Folgenden dargestellt werden soll, ausschließlich auf weibliche Personen; die beiden Männer werden aus diesem Grund gesondert betrachtet.

Für die ersten beiden Verfolgungsperioden zwischen den Jahren 1586 und 1596 und der Jahre 1627/28 liefern die Akten ein nahezu einheitliches Bild von Hexerei. [197] Ein formalisiertes Muster, durchsetzt von juristischen Formeln, prägte die Geständnisse, die immer wieder neu reproduziert wurden.

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Die Geständnisse beginnen mit der Erzählung von einem fremden Mann, grün oder schwarz [198] bekleidet, einen Hut mit Feder auf dem Kopf, der die Frauen, die sich teilweise in einer sozialen oder wirtschaftlichen Notsituation befanden [199], anspreche. Getarnt als Fremder oder Wanderer verheiße der Teufel den Frauen, ihnen aus ihrer schlechten Lage zu helfen, verspreche ihnen Geld, Nahrung [200] und dass er bspw. Barbara Miller "an ain orth füeren, da sie ainen guoten muoth haben solle" [201]. Wirtschaftliche Notlage und depressive Stimmung habe den Angeklagten als Motivation gedient, sich dem Fremden zu verpflichten. Die Frauen seien zunächst von der Schönheit bzw. der Hilfsbereitschaft des Fremden geblendet gewesen [202] und hätten unter falschen Vorannahmen einen Pakt geschlossen, indem der 'Gespons' die rechte und die Frauen ihm die linke Hand gaben. [203] Demaskiert wurde der Teufel erst nachdem das Versprochene eingelöst wurde und sich in das Gegenteil verkehrte: Aus dem geschenkten Geld wurde wertloses Laub oder Kot [204], der Geschlechtsverkehr war nicht wie erwartet menschlicher, sondern 'kalter Natur', der hilfsbereite, schöne Fremde enthüllte sich als Betrüger und hässliche Person mit Geißfüßen, als Teufel.

Nach Beschluss des Paktes hätten die Frauen Gott und alle Heiligen, die Muttergottes Maria und das ganze himmlische Heer verleugnet und dem Satan als ihrem neuen Gott gelobt. Daraufhin folgte den Erzählungen der Angeklagten nach zumeist die Buhlschaft mit ihrem Gespons, verstanden als Bestätigung des Handschlags, des Paktes mit dem Teufel. Im dämonologischen Gedankenkonstrukt war diese Buhlschaft mit dem Teufel Axiom innerhalb des Hexereiverbrechens, war die von den Frauen zu erbringende Leistung, für die sie allerdings nur Versprechen, keine explizite Gegenleistung erhielten. Im Fall der Anna Möhlin tritt neben der Buhlschaft mit dem Teufel auch Geschlechtsverkehr mit dem Vater, also das Motiv des Inzests auf, der Bruch mit dem strengsten Gesellschaft begründenden Gesetz. [205]

Nach der vollzogenen Buhlschaft seien die Frauen zusammen mit ihrem Gespons zum Hexentanz geflogen. [206] Möglich sei das Fliegen durch die Luft aufgrund der Wirkung einer Salbe, die der Teufel auf verschiedene Gegenstände wie einfache Stecken oder Schirgabeln streiche, auch auf Hunden, Katzen und Geißen könnten die Frauen zum Tanz fliegen. [207]

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Die Beschreibung des Hexentanzes, den die Frauen der ersten und zweiten Prozesswelle scheinbar besuchten, folgte einer einfachen, kurzen Formel: "(...) allenn wollust unnd früdt gehabt, mit tanzenn spring. Saitenspiel Pfeiffen [208] geig [209], essen unnd trinckhen, (...) aber brott und salz hab sie nit gehaben mügen (...)" [210]. Aus dem Wortlaut dieser Sequenz lassen sich einige Rückschlüsse auf die Vorstellungen vom Hexentanz ziehen: Mit den Begriffen von "allen wollust und früdt" wird das Geschehnis vorstilisiert, auf eine andere Ebene, in eine orgiastische, exstatische im sexuellen Sinne verstandene Imagination gedrängt. Der Begriff der Wollust steht an erster Stelle, prägt und charakterisiert damit den kompletten folgenden Satz, charakterisiert auch die Freude als fleischliche Freude. Der Begriff Freude sowie die nachfolgenden Einzelheiten, die für sich genommen harmlos erscheinen, werden dadurch in ein anstößiges Licht gerückt. "tannzen, spring" werden zu einem Begriffspaar, das Chaos und Durcheinander verkörpert. Das möglicherweise geordnete Tanzen wird durchbrochen vom auf und ab des Springens und wird dadurch formlos, ohne Ordnung. Musik und Nahrung vervollständigen die Vorstellungen von einem eigentlich gängigen Fest, das allerdings unter dem Stern der Wollust steht. Daraus abzuleiten ist, dass es sich um ein Essen und Trinken handeln muss, das lasterhafte und sündige Züge annimmt. Bedeutend scheint nicht zu sein, welche Speisen es gibt - das wird an dieser Stelle nicht thematisiert -, sondern die Vorstellung von Überfluss. Sinn ist es nicht, Hunger und Durst zu stillen, sondern zu schlemmen, zu prassen und auszuschweifen. Es bleibt kein Zweifel, dass ein anständiger Christenmensch auf einem solchen Fest nichts zu suchen hat! Christlicher Glaube schloss Sinnlichkeit und Lustempfinden aus, wogegen auf dem Hexensabbat und Hexentanz Lust und Leidenschaft obligatorische Elemente waren. [211] Die Nahrungsmittel Brot [212] und Salz waren nicht unter den Speisen auf dem Hexentanz. Durch den ihnen zugesprochenen, Kraft spendenden und lebenserhaltenden, weil im Fall des Salzes auch konservierende Substanzen verkörperten und verkörpern Brot und Salz im Volksglauben das Prinzip des Lebens. Brot und Salz galten aus diesem Grund als sichere Abwehrmittel gegen böse Geister, Hexen und Dämonen. Salz wurde dort gestreut, Brot dorthin gelegt, wo Einflussbereiche des Teufels vermutet wurden. Auch andere Fabelwesen wie Hexen, Zwerge und Nixen seien vom Genuss dieser Gottesgaben ausgeschlossen, da sie als solche den Gegner der Finsternis repräsentierten.

Das Phänomen der Hexenverfolgungen als geschlechtsspezifische Verfolgungen [213] trifft auch für die Reichsabtei Marchtal zu. Dennoch waren unter den Opfern der ersten Verfolgungswelle auch zwei männliche Opfer, auf die im Folgenden eingegangen werden soll.

Die magischen Konstrukte im Fall des Mannes Hanns Hepp unterschieden sich in der Beschreibung der Motivation, sich dem Teufel zu verpflichten, und der des Hexentanzes nur unwesentlich von denen der weiblichen Personen: Hanns Hepp wurde ebenfalls vom Teufel auf offener Straße gedrängt, zum Hexentanz zu fahren. Die Buhlschaft vollzog er allerdings mit anderen vermeintlichen Hexen, die er auf dem Tanz traf. So gestand Hans Hepp die Buhlschaft mit Lenna Grätter und seiner Schwägerin Anna Möhlin. Eine weitere persönliche Ergänzung findet sich in der Urgicht von Hanns Hepp: Was liege für einen des Fischdiebstahls Angeklagten näher, als diesen Fisch mit auf den Hexentanz zu bringen und dieses Diebesgut der Gesellschaft zum Schmaus anzubieten? [214]

Bei Konrad Schweger, der im Jahr 1587 verurteilt wurde, zeigt sich dagegen ein abweichendes Bild: "(...) zu oberwachingen gewesen und alls er selbigenn nacht haimwerz (…) ganngen hab er ainem tanz Im brandt antroffen, unnd darzukommen dabej ettliche Jungestalt Mann unnd frowen personnen Unhnd Insonnderhait Margreta hallerin anna Munding unnd Magdalena Refflerrin von Saulckhart gewesen, dennen er uff Ir begerenn Zu tannz gemacht, unnd als aber der tannz ain end gehabt sejen sj vonn ainannderen die ain da und dj and dort hinauß, alle In das theüffels Namen gefaren, unnd Ime damals darhinh glasse (...)." [215] Im Fall des Konrad Schweger, der im Folgenden auf den Hexentänzen mit seiner Geige aufgespielt haben soll, wie auch bei Hanns Hepp, zeigt sich deutlich die Problematik der Übertragung des geschlechtsspezifisch konstruierten Hexereiverbrechens auf Männer. Insbesondere die Konstruktion von der Interaktion mit dem Teufel gestaltete sich äußert schwierig: Wird Hanns Hepp noch vom Teufel selbst zum Hexentanz geführt, die Buhlschaft aber mit anderen Frauen konstruiert, wird bei Konrad Schweger die Teufelsgestalt komplett weiblich gedacht: "(...) Inn gestalt ainer frowenn person (...) die Hab Inne mit villen, yedoch betrüglichenwortenn angeredt das er sie gebullet. Unnd gennzlich Zu Ime versproch also das er Ir die daruff dj rechte und sie teüflerin, Ime dj lünckhandt gebot (...)." [216]

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Die von KRAMER konstruierte Zuspitzung gegen Frauen vertrug sich in diesem Punkt außerordentlich gut mit den Vorstellungen im Volksglauben: "Frauen allein wurde in der volksmagischen Vorstellungswelt die Fähigkeit zur Kontaktaufnahme mit der Geister- und Dämonenwelt zugesprochen. Diese Annahme gestaltete sich im späteren Hexenglauben als eine gute Vorbedingung zur Kontaktaufnahme mit dem Teufel (...)." [217] Dagegen wurde das Segensprechen, Ernte-, Feld- und Wetterzauber sowie Krankheitszauber zum großen Teil männlich gedacht. [218] Da in Marchtal nur diese beiden männlichen Opfer nachgewiesen werden können, die zudem in eine Zeit von Massenprozessen fielen, sind Hanns Hepp und Konrad Schweger als Ausnahmeerscheinungen anzusehen. Im Zuge der ersten großen Verfolgungswelle der Herrschaft Marchtal schien es vermutlich nahe liegend, auch vermeintlich kriminellen männlichen Personen den Besuch auf dem Hexentanz und dort praktizierte abnorme sexuelle Ausschweifungen zuzutrauen und nachzusagen.

Das Deutungsmuster Hexerei in den Marchtaler Prozessen der 1580er Jahre und um 1627/28 entspricht zum großen Teil dem dritten Hexentypus [219], wie ihn Richard van DÜLMEN nachzeichnete. Die Angeklagte ist diesem Bild analog "Verführte des Teufels, der durch die Hexe das Werk des Bösen verwirklicht, d.h. die Menschen vom Christentum abzubringen versucht" [220]. Praktiziert und organisiert wurde diese Verschwörung gegen die Christenwelt, so glaubte man, in sektenartigen Zusammenschlüssen, so dass nicht von Einzeltätern oder Einzeltäterinnen, sondern von Personengruppen auszugehen war, was letztendlich die Opferzahlen in enorme Höhe steigen ließ. Die Delinquentinnen hatten Komplizinnen oder Komplizen, mit welchen sie Schadenszauber praktizierten und die sie auf den Hexentänzen trafen. Charakteristikum der Verhöre von vermeintlichen Hexen war aus diesem Grund immer die Frage nach ihnen bekannten anderen Frauen und Männern, die sie auf dem Hexentanz gesehen haben wollten. In verschiedenen Urgichten billigten die Angeklagten den konstruierten Sektencharakter unter Folter, indem sie von der Anstiftung durch eine Nachbarin, der Mittäterschaft anderer Frauen oder davon erzählten, dass sie selbst verschiedene Leute dem Teufel zugespielt hätten. Durch das System der gegenseitigen Besagung, das teilweise geschlossene Gruppen von Frauen hervorbrachte, die dann gemeinsam den Tod fanden, erschien den Anklägern die Vorstellung einer Sekte im Nachhinein bestätigt. Für Marchtal sind dazu zwei Besagungslisten überliefert, welche zeigen, wie sich Beschuldigungen von Hexerei systematisch wie ein Netz über das Herrschaftsgebiet legten.

Nach dem Geständnis vom Bund mit dem Teufel und der Beschreibung des Hexentanzes - explizite Sabbatvorstellungen spielten nur eine geringe Rolle [221] - und Denunziation bricht der Erzählstrang und es folgen kurze Beschreibungen von Schadenszauberdelikten, unter welchen die Verletzung und Tötung von Nutztieren dominierte, was vor allem auf wirtschaftliche Sabotage schließen ließ. Benutzt wurden diese Tiere, um auf ihnen zu reiten, unter anderem auch, um mit ihnen auf den Hexentanzplatz zu fliegen, was die Tiere allerdings nicht überlebten. Weitere Delikte sollen die Verletzung und Tötung von Menschen, auch Kindern, gewesen sein und einzelne Wetterzauber in Komplizenschaft mit dem Teufel.

Ein wichtiger Bestandteil der Urgichten ist der Missbrauch von Hostien, die auf den Boden geworfen und mit Füßen getreten wurden. Diese Verspottung Gottes findet ebenso wie dessen Verleugnung und der Anbetung des Satans nicht auf dem Hexentanz statt. Die Frauen bewahrten die Hostien zunächst auf und warfen sie nach der Heiligen Messe in den See.

Als Hilfsmittel des Teufels und seiner Verbündeten wurde in den Geständnissen immer wieder auf eine teuflische Salbe verwiesen; sie stand im Mittelpunkt des mutmaßlichen Teufelswerks. Mit Hilfe der Salbe konnten Tiere und Menschen verletzt, gelähmt und getötet und Hagelgewitter initiiert werden und sie ermöglichte den Flug zum Hexentanz. Die Angeklagten gestanden, den Versuch unternommen zu haben, dieses Instrument des Teufels herzustellen, was ihnen allerdings misslang: "Item sie [Barbara Miller, Anm. d. Autorin] Hab bej 10 Jahren In dem Kürchgesslin zu Seekürch, ain uhnschuldigs Kind, so deß allten Schmidts zu alleshausen geweßen, außgegraben, dasselbig In ain Kättin haffen gesotten, wollen ain salb daraus machen, aber nit gerathen volgendts In See geschitt." [222] Wie in dieser Sequenz von Barbara Miller schienen Gebeine von toten Kindern Teil der Rezeptur. Aus diesem Grund findet sich in den Urgichten häufig das Geständnis, auf dem Friedhof gewesen zu sein und dort Kinder ausgegraben zu haben.

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Ganz explizit tritt im Zusammenhang mit den Prozessen der 1580er und 1590er Jahre ein tief verwurzelter christlicher Glaube zu Tage. Diese Frömmigkeit und Gottesfürchtigkeit waren nicht nur essenzielle Bestandteile des Lebens, sondern ihnen wurde im Volksglauben eine besondere Wirksamkeit zugesprochen. Ein fester christlicher Glaube, so schien es, verhinderte schädigende Hexerei: "Item bekennt auch wann sich ain mentsch Morgenns und abendz segnet hab sie demselben nichzit Zufingen Künnden." [223] Befanden sich die Frauen in der Kirche, hätte der Teufel keine Wirkmacht. Das Gebet, so glaubten die Menschen, schütze vor Schaden durch die vermeintlichen Hexen. Die Hagelgewitter "(...) habenn aber unzweiffelich uffer verhinderung gott des allmechtigen unnd fromer Cristenlich Leüt gebet und segen kain fürgebung gehabt" [224]. Dagegen galten böse Gedanken und Wünsche als Nährboden und Angriffsfläche für Schadenszauberei: "Item beckhent, wann ain Menntsch Es sei Mann oder frawen, Zorniger weiß schlaffen und Zu beth geth, seines Nechsten nit Vergeben, sonder also darauf beharhn Seÿ weder Betten noch Segenn Inen angenem, also daß sÿ hexen deß wegene mit ainem durch anwaizung deß Theüffels, außrichten, khünden waß sÿ wollen." [225]

Dieser Frömmigkeitsaspekt bleibt bestimmendes Element bis in die Prozesse der 1740er Jahre. Während es aber für die ersten beiden Verfolgungswellen nur schwer möglich ist, explizite Unterschiede zwischen Volks- und Gelehrtenvorstellungen festzustellen, zeigen sich für die letzten Prozessanstrengungen in den Jahren zwischen 1745 und 1757, aufgrund der besseren Quellenlage, deutliche Differenzen zwischen Volksglauben und Gelehrtenkonstrukt.

Das in den Urgichten der ersten Verfolgungswelle so bedeutsame Instrument für Schadenszauber, die Salbe, hatte in den Zeugenaussagen, also im Volksglauben, der Prozesse der 1740er Jahre keine Bedeutung. Für die Zeugen, die von verschiedenem Schadens- und Wetterzauber berichteten, war die teuflische Salbe irrelevant. In ihren Augen war der Schadenszauber allein durch Berührung oder Gestik, Hauch oder verdorbene Speisen der angeklagten Frauen, die selbst des schädigenden Zaubers mächtig schienen, möglich. Der Teufel als direkter Anstifter und Helfershelfer, der die Salbe zur Schädigung bereitgestellt hatte, fand unter den Dorfbewohnern keine Erwähnung. Er stand nach Vorstellung der Zeugen in keinem direkten Bezug zum mutmaßlichen Schadenszauber der Angeklagten und trug so im Volksglauben nicht die substanzielle Rolle als Anstifter des Bösen. [226] Vielmehr gleicht das Deutungsmuster der Dorfgemeinde Vorstellungen früher Zaubereiprozesse, dem ersten und zweiten Muster nach van DÜLMEN [227].

Innerhalb dieses von Zauberei bestimmten Deutungsmusters im Volksglauben [228] gestaltete sich auch zunächst das Geständnis von Catharina Schmid: "(...) sie bekhenne alles, was ihro Vorgelesen und vorgehalten worden, doch habe sie kheine sach mit dem bösen feind, und habe sie die Zeith ihro gefängnus alle mahl das creuz gemacht, das kein böser feind zu ihr khome." [229] Was Catharina Schmid an dieser Stelle bestätigte, waren die verschiedenen Zeugenaussagen, die sie als Schaden stiftende Zauberin stigmatisierten, das kumulative Hexereidelikt verleugnete die Angeklagte bis dato. Trotz der von ihr zugegebenen Zauberei hoffte Catharina Schmid durch christliche Symbole und Rituale, wie das Kreuzzeichen, den Teufel und seinen Einflussbereich von sich fern halten zu können. Die Angeklagte demonstrierte und repräsentierte das Muster eines magischen Volksglaubens, in welchem eine vom Teufel unabhängig praktizierbare und wirksame Magie gedacht werden konnte. Damit wurden Schadenszauber und Teufelspakt bzw. Teufelsbuhlschaft als zwei Komponenten des Hexereidelikts verstanden, welche sich gegenseitig nicht bedingten. Die Vorstellung, durch besondere und omnipräsente Gläubigkeit die Macht des Satans vereiteln zu können, wurde auch in den Prozessen zwischen den Jahren 1586 und 1596 sichtbar. Das Verhörprotokoll von Maria Tornhäuser ermöglicht, dem Hexenglauben der Dorfgemeinde die von den Richtern definierten und diktierten Aussagen, die Vorstellungen der juristischen Instanz entgegenzusetzen. Der Angeklagten Maria Tornhäuser, deren Mutter zu dieser Zeit noch keinerlei Geständnis abgelegt hatte, erzählten die Richter: "(...) so wolle man Ihro nur ein und anders sagen: so die muetter mehr dan 20 mahl frey willig ein bekönnt auf dem protocoll und zwahr das sie öfters den hexen tanz besuchet, ihren nahmen mit ihrem aignen bluth durch den laidigen teüffel habe in ein groses buch einschreiben lassen, das sie gott verleugnet, den bösen feind die treÿ und gehorsamb angelobt habe (...) ob [sie] von allem disem nichts gewusst habe?" [230]

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Wie dieser Sequenz zu entnehmen, ließ die weltliche Gerichtsbarkeit nicht von der Konstruktion des Teufels, der für das eigentliche Hexereidelikt von Pakt und Buhlschaft so essenziell war, und der Hexe als "Dienerin des Bösen" [231] ab. Eine Bestätigung der auf vermeintliche Zeugenaussagen beruhenden Zaubereibeschuldigungen genügte nicht. War aus den Urgichten der frühen Prozesse das Hexenmuster mit dem Teufel als substanziellem Anstifter des Bösen hervorgegangen, so hatte sich die Vorstellung der Gelehrten sukzessive weiterentwickelt. Die Imagination des Hexentanzes mit orgiastischen Tanzgelagen war mittlerweile durchdrungen von der Vorstellung, dass auf dem Tanz satanische Rituale praktiziert würden. Die Konstruktion des Hexensabbats hatte damit diejenige vom Hexentanz zum größten Teil abgelöst.

Bedeutendes Element im Verbrechenskanon war neben der geistigen Verleugnung Gottes, deren Art und Weise von den Frauen abgefragt wurde, auch die Schändung von Hostien geblieben. Zu Zwecken des Schadenszaubers wurde die Hostie nicht eingesetzt, dieses Sakrileg diente allein der Verspottung Gottes. Im gleichen Zug huldigten die Frauen dem Satan, der "gewisserweise Gegenpole zu christlichen Tugenden, um deren Durchsetzung die Kirchen sich in der Frühen Neuzeit besonders bemühten" [232], verkörperte: religiös sanktionierte Sexualität, christliche Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft.

Anhand der Zeugenaussagen, Verhörvorgaben und des Geständnisverlaufs wurde deutlich, in welcher Art und Weise die Vorstellungen der Dorfgemeinde, also der Volksglauben, von denen der Juristen und Richter und damit der gerichtlich institutionalisierten Deutung differierten. Letztendlich hatte das Deutungsmuster der Richter durch die Macht der Folter das volksmagische Bild der Angeklagten überformt, so dass diese gestanden, einen Pakt geschlossen, den Schadenszauber vom Teufel erlernt, dazu eine Salbe vom Teufel erhalten und diese zum Schädigen von Menschen und Tieren gebraucht, sowie Gott und alle Heiligen verleugnet zu haben. In den letzten Prozessen ging diese Überschreibung bis zum Geständnis des Hexensabbats.

Das volksmagische Deutungsmuster der Dorfbevölkerung wurde von diesen in den Verfahren provozierten Geständnissen nicht beeinflusst und hatte sich im betrachteten Zeitraum kaum verändert. Für die Menschen schien die Aufklärung der vermeintlichen Schadenszauberdelikte und die Sicherstellung der Ordnung im Dorf grundlegend. An einem "Kult des Bösen auf dem Hexensabbat" [233] zeigte die Gemeinde im Gegensatz zum Gelehrtenstand kein Interesse.

7. "Hätten Klostergeistliche bei Criminaluntersuchungen einigen Einfluss gehabt (...)" - Die erste Prozesswelle 1586-1596

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Wenn als überregionale Ursache für die Hexenverfolgungen am Ende des 16. Jahrhunderts schlechte Witterungsbedingungen und Ernteausfälle herangezogen werden können [234], so mag dieser wirtschaftliche Anlass in Marchtal ebenfalls eine Rolle gespielt haben. Schon im Jahre 1571 erschwerte eine enorme Teuerung den Regierungsbeginn von Abt Konrad Frei: "Das Viertel Korn kostete dreizehn Gulden, die Gerste acht, der Haber vier, und Erbsen neun Gulden." [235] Diese wirtschaftliche Krisensituation hatte allerdings nicht unmittelbar zu Hexenverfolgungen geführt, deren Beginn sollte sich noch um einige Jahre verzögern.

Das Jahr 1581, das DENGLER als Beginn der Verfolgungen nennt, markierte noch nicht den Anfang der Marchtaler Hexenprozesse. Auch MIDELFORT [236] bringt den Verfolgungsbeginn mit dem Jahr 1581 in Verbindung, weist aber auf Unzulänglichkeiten dieser Akten in Zusammenhang mit einem Hexenprozess hin. Bei dem Angeklagten Melchior Hurm handelte es sich nicht um einen der Magie und der Hexerei verdächtigten Delinquenten, sondern lediglich um einen Dieb, der unter der Bedingung, die Herrschaft Marchtal nicht wieder zu betreten, auf freien Fuß gesetzt wurde. [237] Der Vogt, der diese Begnadigung im Jahr 1581 aussprach, war Christof Bitterlin [238], der Vater des in den kommenden Jahren regierenden Bernhart Bitterlin [239].

Erst fünf Jahre nach diesem Kriminalprozess gegen Melchior Hurm mussten zwei Frauen sterben, weil das Gericht glaubte, dass sie mit dem Teufel buhlten, dass sie Mensch und Tier Schaden zufügten und durch die Luft zum Hexentanz fliegen könnten. Bemerkenswert ausführlich ist der erste Marchtaler Hexenprozess gegen Magdalena Grätter aus Alleshausen erhalten: ein 'Fragstuck', mehrere Bekenntnisse, auch Anklageschriften des amtierenden Vogts Bernhart Bitterlin und zwei Urteile sind heute noch nachzulesen.

7.1 Die Gemeinde Alleshausen als Ankläger

Führt man sich vor Augen, was sich aus den Gerichtsakten des Monats Juni im Jahr 1586 entnehmen lässt, dann schien der neu eingesetzte Vogt Bernhart Bitterlin neudeutsch auf eine Art 'Terrorzelle' gestoßen zu sein. Magdalena Grätter, Barbara Miller, Anna Möller und deren Mutter Anna Hiertin sowie Hanns Hepp waren in ein verbrecherisches Gemisch aus Hexereidelikten wie Teufelsbuhlschaft, Schadenszauber, Hexentanz und Hexenflug sowie Diebstahl, Mord und Ehebruch verwickelt.

Vergeblich hatte sich Magdalena Grätter sowohl verbal als auch handgreiflich gegen Vorwürfe aus der Dorfgemeinschaft gewehrt, sie sei eine 'Hexe' und für verschiedene unerklärlich Schadensfälle im Dorf verantwortlich. [240] Die eigene Magd Katharina Götz hatte Magdalena Grätter als Hexe beschimpft und behauptet, sie sei "(...) Zu Ir In dj Kammer Zu dem Laden hinain gefarenn. dahero sie dj Magt In schwere Krankhait gefalen das sie ofennlich bezüg sie habe Ir solches Zugefiegt welchen bezüg sie also ligen lassen und allain dj magt ainmalen desweg geschlagen (...)" [241]. Magdalena Grätter hatte zunächst versucht, die Beschuldigung mit Schlägen gegen ihre Magd zu regeln. Dem Gerede war damit allerdings kein Einhalt geboten, stattdessen mehrten sich die Beschuldigungen. Auch Barthlome Kobler aus Alleshausen schloss sich auf den Hinweis eines Verwandten hin den Denunziationen an und beschuldigte Magdalena Grätter, ihm ein Ross getötet zu haben. Auch diese Beschuldigung habe Magdalena Grätter auf sich beruhen lassen. Nachdem Hans Küsch sie ebenfalls für einen Schadenszauber verantwortlich gemacht hatte, sollte die Angelegenheit rechtlich geklärt werden, doch Magdalena Grätter erschien nicht bei Gericht. Stattdessen steigerten sich die Gerüchte weiter, in ihrem Haus gehe es bei Nacht unruhig zu, ihr Mann Jacob Walz übernachte dort schon nicht mehr. Lange Zeit schon hätten diese Gerüchte kursiert, bis letztendlich die Familie von Magdalena Grätter das Gerede nachhaltig untermauerte. Jacob Walz behauptete öffentlich, "(...) sie ain unholdin, und welle sie selbst ainmaln gehn Marchtall firen vernemmen lassen dessen Zubeweisen ist (...)" [242]. Ehemann und Sohn bestätigten somit das Gerede im Dorf.

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Wie anhand des "Fragstuckhs" von Magdalena Grätter verdeutlicht, spielten im Bedingungsgefüge um den Beginn der Verfolgungen Besagungsmechanismen aus dem Dorf Alleshausen eine zentrale Rolle. Als Ausgangspunkt der ersten Verfolgungswelle in Marchtal steht ein dörflicher bzw. innerfamiliärer Konflikt, der nach außen, vor Gericht, getragen wurde. Verdächtigt wurde eine Frau mit scheinbar pathologischem, abweichendem Verhalten, die die Ordnung des Dorfes zu stören schien. Die Gemeinde Alleshausen besaß die Macht, dieses Abweichen negativ zu sanktionieren und trug diesen Konflikt vor dem obersten Gericht in Marchtal aus. Abweichungen vom religiösen Glaubenssystem und davon abgeleiteten Verhaltensmustern wurden dämonisiert, Personen mit solchem Verhalten nihiliert [243].

7.2 Die Rolle der Herrschaft

7.2.1 Forcierung durch Vogt Bernhart Bitterlin

Wie reagierte die Herrschaft auf die Verdächtigungen aus dem Dorf Alleshausen? Gegen Magdalena Grätter wurde im Sommer des Jahres 1586 ein Verfahren eröffnet. Komplizinnen und Komplizen waren schnell gefunden. Mit Hans Hepp [244] ließ der Vogt eine schon seit längerer Zeit als kriminell verdächtigte Person festnehmen. Ihm wurde neben Diebstahl und Mord auch außerehelicher Geschlechtsverkehr sowohl mit Magdalena Grätter als auch mit seiner Schwägerin Anna Möller [245] vorgeworfen. Es schien nahe liegend Hanns Hepp, der ja offensichtlich mit verschiedenen 'Hexen' buhlte, in diesem Zusammenhang auch einen Pakt mit dem Teufel zuzuschreiben. In den Sog der Verdächtigungen gerieten auch die Ehefrau von Hanns Hepp, deren Schwester und beider Mutter [246], sie starben noch im Jahr 1586 im Feuer.

Paradigmatisch waren für die Prozesse in Marchtal von Beginn an Mehrfachverurteilungen. Zusammen mit Magdalena Grätter und Barbara Miller wurde im ersten Marchtaler Hexenprozess auch gegen Stoffel Dieterich, einen Mörder und Dieb, das Urteil vollstreckt. [247] Im Herbst desselben Jahres wurden weitere vier Frauen ebenfalls gemeinsam verbrannt. Den Höhepunkt dieser Sammelverurteilungen bildete vermutlich das Verfahren im Juni 1587: Konrad Schweger und mindestens 10 Frauen büßten gemeinsam das vermeintliche Hexereidelikt mit dem Feuer. Es ist in diesem Zusammenhang MIDELFORT zuzustimmen, der davon ausgeht, dass innerhalb der ersten Prozesswelle in Marchtal allein die Besagung genügte, um gegen jemanden einen Prozess zu eröffnen und ihn der Folter zu unterziehen. [248]

Obermarchtal und Reutlingendorf waren neben Alleshausen im Folgenden Zentren der Hexenverfolgung der Reichsabtei. Nach zwei Jahren und dem Tod von über 30 Personen nahmen die Prozesse im Jahr 1588 merklich ab. Ein Verfahren im Mai führte allerdings wiederum für vier Personen zum Tod.

Das Verfolgungsbegehren der Bevölkerung traf auf einen überaus verfolgungsbereiten Marchtaler Vogt. Die Untertanen und die Herrschaft hatten dieselben Prädispositionen im Hinblick auf die Sanktionierung von 'Abweichlern'.

Die Besagungslawine war ins Rollen gebracht. Eine Liste [249] aus dem Jahr 1586 weist 24 Personen aus, die bis zu acht weitere Komplizinnen, vereinzelt auch Komplizen, besagten. Für beinahe alle besagenden Personen lässt sich aufgrund der Prozessakten ein Verfahren rekonstruieren, Indiz für eine extreme und vor allem aktive Provozierung von Besagungen durch den Scharfrichter und Unterstützung von Seiten des Vogts. Bernhart Bitterlin war mindestens zwei Jahre im Amt [250], bevor das erste Urteil in einem Hexenprozess gefällt wurde. Dessen Vater Christoph Bitterlin war zunächst Amtmann in Alleshausen bzw. Seekirch [251], danach Obervogt in Marchtal gewesen. Bernhart Bitterlin musste folglich mit den Verhältnissen in Alleshausen vertraut gewesen sein, vermutlich stammte er aus dem Dorf am Federsee. Es ist sicher kein Zufall, dass das Verfolgungsbegehren der Federseegemeinde zu dem Zeitpunkt Gehör findet, als ein Mann in Marchtal 'regiert', dem selbst und dessen Vater Beziehungen nach Alleshausen nachgewiesen werden können. Mit Bernhart Bitterlin bewies das junge Gericht in Marchtal damit Handlungsfähigkeit, eine Intensivierung an Kriminalprozessen war schon unter dessen Vater Christoph Bitterlin erfolgt.

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Die Marchtaler Landesordnung [252] aus dem Jahr 1578 objektivierte Rechtsnormen, schuf und etablierte eine explizite Glaubens- und Frömmigkeitssicherung mit einem universellen Lebensgestaltungsanspruch gegen die Untertanen. Die Landesordnung postulierte damit die Norm und Ordnung des Lebens und pathologisierte im gleichen Zug alle Abweichungen davon, vor allem solche unchristlicher Natur.

In den Jahren 1586, 1591, 1627, 1661 und 1699 erließ Marchtal zudem Bettelordnungen [253], ein Instrument, um herumtreibendes, herrenloses Gesindel sanktionieren zu können.

Mit diesen massiven Maßnahmen und den gewaltigen Verfolgungen gegen alle kriminellen und vermeintlich kriminellen Personen schien sich die Rechtssprechung in den Amtszeiten der Vögte Bitterlin etabliert zu haben. Die Disziplinierungsmaßnahmen der Herrschaft gingen dabei einher mit der Sanktionierungsbereitschaft aus der Dorfbevölkerung. Für Marchtal ist damit ab Mitte der 1570er Jahre eine Verdichtung und Umsetzung 'rechtsstaatlicher' Macht und juristischer Durchsetzungsfähigkeit und damit die Etablierung des Rechtssystems erreicht.

7.2.2 Tolerierung durch Abt Konrad Frei

Nachdem das Gleichheitspostulat der Prämonstratenser schon 1273 und mit ihm die Idee von Doppelklöstern aufgegeben worden war, entfernte sich Marchtaler im Verlauf der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts immer weiter von den ursprünglichen Reformideen. Unter Abt Christoph Schenz (1559-1571) hatte sich das Stift nicht nur enorm verschuldet, auch der Anspruch eines Lebens in Armut und monastischer Disziplin war verloren gegangen. Im Zuge einer Kirchenvisitation im Jahr 1571 wurde Abt Christoph Schenz abgesetzt und festgenommen. Das Erbe an seinen Nachfolger Konrad Frei (1571-1591): Das Ansehen auf Kreis- und Reichsebene hatte schweren Schaden erlitten, die Reichsprälaten des Schwäbischen Kreises beklagten, dass auch sie durch die katastrophalen Zustände in Marchtal in Misskredit gebracht worden seien, [254] zudem hinterließ Christoph Schenz einen ernormen Schuldenberg.

Die Verdächtigungen, die sich innerhalb der Bevölkerung entwickelten, wurden von der geistlichen Herrschaft allerdings nicht finanziell instrumentalisiert. Dafür sprechen mehrere Gründe: Die Größe an Eigenbesitz der Bauern in Alleshausen verringerte sich in den 1580er bzw. 1590er Jahren kaum - etwa um 50 Jauchert Acker und ca. 35 Mannmahd Wiesen [255]. Die Herrschaft hatte allerdings durchaus ein Interesse am Land um den Federsee, das in den Händen der Bauern lag. Fast ausschließlich wurden Frauen in die Prozesse verwickelt, die aber dieses Land nicht besaßen. Schnell und unsystematisch griffen die Verfahren zudem auf andere Dörfer mit Untertanen ohne Eigenbesitz über, was eine aktive Lenkung durch die Geistlichkeit ausschließt.

Abt Konrad Frei betrieb eine Konsolidierungspolitik, um die enorme Schuldenlast abzutragen. So schrieb Sebastian SAILER: "Einigen, und nicht wenigen zeigte er [Abt Konrad, Anm. d. Autorin] mit Ernst und Schärfe den Weg zur Herrschaftssteuer. (...) Kein Mensch missbilligte sein strenges Verfahren, weil er nur die Ungerechten auf die Kechel nahm, und andern unschuldigen Notleidenden alle nur möglichen Beystände verschuf. (...) Während seiner Regierung brach die erzörnte Nemesis wider boshafte Leute in einer fürchterlichen Strenge aus, da der damalige Beamte Bernhard Bitterlin nicht nur die erdappten Kloster- und Scheurendiebe zu Schwert und Galgen verwies, sondern mehr als dreyßig Zauberinnen mit etlichen Männern aus den Ortschaften des Gotteshauses auf den brennenden Scheiterhaufen schickte." [256]

Glaubt man Sebastian SAILER, so schloss sich Abt Konrad Frei den Disziplinierungsmaßnahmen durchaus an, sorgte aber hauptsächlich für die Durchsetzung seiner finanziellen Ansprüche. SAILER beschreibt damit eine Differenzierung der Verantwortungsbereiche von Abt und Vogt und zeigt gleichzeitig, dass der Abt durchaus in der Lage gewesen wäre, die Verfolgungen zu unterbinden, wäre es in seinem Interesse gelegen.

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Ein erstes Einschreiten der Geistlichkeit zeigte sich aber erst nach der Amtsübergabe an Abt Johannes Riedgasser im Jahr 1591. Die Prozesse verringerten sich: Zwischen den Jahren 1593 und 1596 starben noch 7 Personen, die der Hexerei schuldig gesprochen wurden. Es fand aber auf Einspruch der Geistlichkeit keine Verbrennung bei lebendigem Leib mehr statt. [257]

Auch in der Stadt Munderkingen [258] - die dortige Pfarrei gehörte zu Marchtal - mischte sich die Marchtaler Geistlichkeit in gleicher Weise in die Hexenprozesse ein. Wie in den Prozessen vor dem Marchtaler Vogtgericht sprach sich die Geistlichkeit in Munderkingen für die Begnadigung durch Enthauptung vor der Verbrennung aus. Nachweisbar sind Prozesse in Munderkingen zwischen den Jahren 1592 und 1610: "Tiefe Angst beherrschte die Menschen, als in den Pestjahren 1594 und 1611 nahezu die Hälfte der Bevölkerung in der Stadt und im Umland weggerafft wurde." [259]

Während die Prozesse in Munderkingen erst in den 1590er Jahren einsetzten, endeten den überlieferten Quellen zufolge die Verfahren in Marchtal im Jahr 1594 für die kommenden 33 Jahre. Genaue Gründe bleiben unklar. Vermutlich steht das Ende der Prozesse im Zusammenhang mit dem Ende der Amtszeit Bernhart Bitterlins. [260]

"Hätten Klostergeistliche bei Criminaluntersuchungen einigen Einfluss gehabt, wie würde heut zu Tage über sie geschimpft werden." So die Einschätzung in der 'Kurzen Geschichte' im 19. Jahrhundert, die eine Verantwortung von Seiten der Geistlichkeit klar abwies. Hätten 'Klostergeistliche' allerdings ihren Einfluss geltend gemacht, hätten sie mäßigend auf die Verfahren einwirken können, wie das Verhalten von Abt Johannes Riedgasser in den 1590er Jahren in Ansätzen zeigt. Die Herrschaftsgewalt von geistlicher Seite wurde in dieser Einschätzung ignoriert. Insgesamt stellte die erste Verfolgungswelle in Marchtal ein Ineinandergreifen von Verfolgungsbegehren aus der Bevölkerung und die Bereitschaft der rechtlichen Durchführung der Verfahren von Seiten des Vogts Bernhart Bitterlin dar. Die Geistlichkeit stand den Prozessen zunächst unbeteiligt gegenüber. Die ersten Jahre können für die Geistlichkeit deshalb folgendermaßen charakterisiert werden: Fehlende Initiative, keine explizite Lenkung, spätes Eingreifen, also eine Tolerierung der Verfolgungen.

7.3 Die Bedeutung der Scharfrichter

Eine besondere Rolle spielten in den Marchtaler Verfolgungen die Scharfrichter, deren professionalisiertes Vorgehen in den Hexenprozessen anhand der Mehrfachverurteilungen und zahlreichen Besagungen deutlich wird. Sämtliche Angeklagten der ersten Prozesswelle, die der Folter unterzogen wurden, gestanden das ihnen zugeschriebene Hexereidelikt: Indiz für eine besonders 'wirksame' Folter der Scharfrichter auf dem Marchtaler Herrschaftsgebiet.

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Schon im Jahr 1572 hatte Vogt Christoph Bitterlin einen Scharfrichter für das Gebiet bestellt. Hans Meister Nachrichter zu Ehingen sollte 5 fl. Jahresbesoldung, dazu für jeden Tag, den er gebraucht wurde, einen ¾ fl., für die Ausführung der verschiedenen Stufen der Folter und die Vollstreckung von Urteilen aber kein weiteres Geld erhalten. [261] Die Herrschaft Marchtal verfügte also schon Jahre vor den einsetzenden Verfahren gegen vermeintliche Hexen über einen Scharfrichter. [262] In den Hexenprozessen schien dieser Scharfrichter aus Ehingen aber keine Bedeutung mehr gehabt zu haben. Schon im ersten Prozess gegen Magdalena Grätter, Barbara Miller und Stoffel Dieterich wird der Scharfrichter Hans Meister aus Biberach erwähnt. Vermutlich handelte es sich dabei um Hans Vollmair, der als 'Hexenspezialist' nicht nur im oberschwäbischen Raum tätig war. Er lässt sich in den Folgejahren auch in verschiedenen anderen Territorien nachweisen, so um 1587 im Hochstift Augsburg und ab August 1588 in der Fürstpropstei Ellwangen [263]: als besonderes Charakteristikum zeigt sich in den Verfahren unter Leitung von Hans Vollmair ein ausgeprägter Besagungsmechanismus, der zu einer Vielzahl von Opfern führte. [264] Es ist zu vermuten, dass Hans Vollmair nach den ersten beiden verfolgungsintensiven Jahren in Marchtal abgelöst wurde. Die Prozessakten ab Mai des Jahres 1588 weisen als Scharfrichter Hannßen Stoffel Meister von Biberach aus, die Prozesse im Jahr 1593 nennen einen Jerg Stoffel Meister von Biberach. [265]

Während sich für Ellwangen die Kosten der Biberacher Scharfrichter nachweisen lassen, sind aus den Marchtaler Akten der Prozesse des 16. und 17. Jahrhunderts keine Zahlen zu ermitteln. [266] In Ellwangen erhielten die Biberacher ein Präsenzgeld von 25 Batzen (1 Gulden und 40 Kreuzer) pro Tag, sowie 8 Gulden für jede Hinrichtung, was das Interesse der Scharfrichter an Verurteilungen enorm schürte. [267]

Galten die Marchtaler Hexenprozesse als prototypisch, wovon Martina SCHMID ausgeht, dann bleibt die These der enormen Bereicherung der Scharfrichter für Marchtal fraglich. Eine Professionalisierung auf Hexenprozesse hätte dann erst während der Marchtaler Prozesse stattgefunden und eine besondere Bezahlung für exklusives Wissen bei der Anstellung ausgeschlossen. Dem ist aufgrund der besonders professionalisierten Vorgehensweise nicht zuzustimmen.

7.4 Der Verfolgungsbeginn im Kontext der oberschwäbischen Hexenprozesse

Nicht zuletzt muss der Beginn der ersten Verfolgungswelle auf dem Marchtaler Territorium im Kontext der oberschwäbischen Prozesse, besonders derjenigen der Bussengegend, gesehen werden.

Trotz der schon angesprochenen unterschiedlichen innenpolitischen Strukturen lässt sich feststellen, dass die Reichsabtei Marchtal nicht nur territorial gesehen, sondern auch in Bezug auf die Hexenverfolgungen in das südwestdeutsche Umland [268] eingebettet war. Was eine Bezugnahme gegenüber dem oberschwäbischen Raum allerdings erheblich erschwert, ist die Tatsache, dass gerade das an den Besitz Marchtals angrenzende Umland im Hinblick auf die Hexenforschung bis heute ein Forschungsdesiderat geblieben ist; insbesondere aufgrund der schlechten Quellenlage. [269]

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Für die Herrschaft Bussen mit den Dörfern Unlingen, Hailtingen, Offingen, Dentingen und Altheim lassen sich dennoch einige Prozesse nachweisen. Eine Landtafel aus dem Jahr 1589 zeigt eine "truchsassisch seul daran man die hexen verbrent" [270]. Einige Hexenverbrennungen sind für das Dorf Unlingen [271] in zeitlicher Parallelität um das Jahr 1586 zu datieren; Gründe für diese Verfolgungen sind nach ZÜRN politischer und finanzieller Natur [272]: Die Herrschaft Bussen war durch eine Verschreibung des Erzherzogs Sigismund von Österreich seit dem Jahr 1454 in Besitz der Reichserbtruchsessen von Waldburg-Trauchburg übergegangen. Die Rechtmäßigkeit dieses Besitzstandes wurde allerdings von habsburgischer Seite immer wieder bezweifelt, eindeutig belegt durch ein großes Inquisitionsprojekt, das die truchsessischen Vergehen nachwies. In Folge des Kurkölnischen Krieges, an dem sich die truchsessischen Brüder Gebhard und Karl beteiligt hatten, brachten sie die Herrschaft Bussen in enorme finanzielle Schwierigkeiten, die zum Streit mit dem dritten Bruder Christoph führten. Nach ZÜRN lassen sich die Hexenprozesse der Bussengegend in dieses finanzielle Kräftespiel einordnen, wobei Korruption und die Aussicht, mit Vermögenskonfiskation der Opfer die Schulden abzutragen, die Prozesse forcierten. Im Weiteren beeinflussten innerdörfliche Konflikte zwischen waldburgischen und österreichischen Parteigängern das Prozessgeschehen in Unlingen. Ein späterer Prozess aus dem Jahr 1619 "sei von der "österreichischen" Partei in Unlingen unter Nutzung einmalig günstiger herrschaftlicher Rahmenbedingungen als Intrige, als Kampfmaßnahme gegen ihre innerdörflichen Widersacher durchgeführt worden" [273].

Auch in der Donaustadt Riedlingen lassen sich für das Jahr 1587 zwei Verbrennungen auf Grund des Hexereiverbrechens belegen, weitere zwei Frauen wurden in den Jahren 1591 und 1596 verurteilt. [274] Wie im obigen Kapitel ausgeführt, führte die Stadt Munderkingen zwischen 1592 und 1610 mehrere Hexenprozesse durch.

Der Bezugsrahmen der Hexenverfolgungen lässt sich für diese erste Prozesswelle über den südwestdeutschen Raum bis hin zu einer europäischen Größenordnung ausweiten, die BEHRINGER in ihren Hauptumständen einer europaweiten Agrarkrise als Ausgangspunkt zuordnet. [275]

8. Die zweite Prozesswelle 1627/1628

Wie die Verfolgungswelle am Ende des 16. Jahrhunderts erfolgten auch die Verfahren in den 1620er Jahren analog zu den Prozesswellen anderer Territorien im südwestdeutschen Raum: Insbesondere die fränkischen Hochstifte erlebten zwischen den Jahren 1626-1630 die extremsten Verfolgungen im Reich mit mehreren 1000 Opfern. [276] Die Grundlagen der verheerenden Prozesswelle beschreibt BEHRINGER folgendermaßen: "Mit den Mißernten der Jahre 1624 und 1626 begann dann eine bis 1629 anhaltenden Dauerkrise, die nach nur drei "billigen" Jahren schließlich in die Katastrophe der Jahre 1632 bis 1636 mündete. Um 1626 und um 1634 lagen die Getreidepreise um 100 Prozent höher als während der bisher größten Krisenjahre 1570 und 1585, bzw. um 1000 Prozent höher als in den "Normaljahren" zwischen 1560 und 1590. Die Pest hielt in diesen Jahren eine Ernte wie nie zuvor, die Bevölkerungszahl sank in manchen Regionen auf die Hälfte ab. Das Signum dieser Jahre waren extreme Hungersnot und Pestepidemien, denen gegenüber die gleichzeitigen Kriegsgeschehnisse als beinahe belanglos erschienen." [277]

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Die Verfahren der Reichsabtei Marchtal reihten sich zwar durchaus in diese weit um sich greifende Verfolgungsphase ein, eine entsprechende Intensität ist für dieses Gebiet allerdings nicht eindeutig nachweisbar. Die Aktenlage über die Todesopfer ist sehr fragmentarisch: Für die Jahre 1627/1628 lassen sich aus den Prozessakten fünf Hexereianklagen rekonstruieren. Das Sterberegister der Pfarrei Obermarchtal wurde zwar erst ab dem Jahr 1630 geführt, beginnt aber mit dem Eintrag: "Im Jahr 1627 sind in unserer Marchtallischen Herrschaft bey 40 hexen persohnen eingefangen und verbrent worden. vide Scripta Criminalia in nostro archivo." [278] Weitere Angaben fehlen. Die Geschichtsschreibung der Abtei schweigt zu den Hexenverfolgungen dieser Jahre. Besagungen schienen nur sehr marginal stattgefunden zu haben, weshalb Kettenprozesse wie in den 1580er Jahren eher unwahrscheinlich sind. Womöglich handelt es sich bei der im Sterberegister genannten Opferzahl um einen Schätzwert.

Exklusiv für diese Jahre haben sich Befragungen der Dorfbevölkerung von Alleshausen und Sauggart über die scheinbare Existenz von Hexen erhalten.

8.1 Konstruktion der Verdächtigungen

Im Jahr 1627 ließ Vogt Johann Schenz Kundschaft über das 'umlaufende Hexengeschrei' in den Dörfern Alleshausen und Sauggart einholen. Vermutlich hatte es in diesen Dörfern Verdächtigungen gegeben, die zum Vogtgericht nach Marchtal weitergeleitet worden waren. Es fanden im Folgenden Befragungen auf der Grundlage eines formalisierten 'Frag stückhs' [279] statt. Befragt wurden, so ist den Aussagen zu entnehmen, zumeist vermögende Personen, ausschließlich Männer, die in gutem Ruf zu stehen schienen. Die Antworten waren zunächst in der Weise konform, dass die Männer angaben, keine 'Hexen' zu kennen, im Verlauf der Befragung aber dennoch verschiedene Verdächtigungen aussprachen: "Conradt weggeman bej 30 Jaren guet vermegens weder in acht noch bann. kind kein hex. hab sich nit aber sein Kind so gestorben. segnen lassen (...) das ein weib ues oberwachingen ziemlich alt (...) Betlin gang. Unnd als sie Inn seinem hauß daz almußen gesamblet in der Stub gewesen seÿe Ime daz Kind bald darnach kranckh worden. (...) wiß aber von Ihr nichts Zusagen (…) wiß khein arglistig wandel das sie fihren soll." [280]

Paradigmatisch in dieser Aussage ist die Stigmatisierung mittelloser Frauen, in diesem Falle einer Bettlerin aus Oberwachingen, deren Anwesenheit im Zimmer für das Sterben des Kindes verantwortlich gemacht wurde. Ob aufgrund dieser Verdachtsäußerung - der genaue Name der Frau ist unbekannt - ein Verfahren eingeleitet wurde, bleibt offen.

Bemerkenswert innerhalb der Aussagen der befragten Männer ist die Tatsache, dass wenn von vermeintlichem Schadenszauber berichtet wurde, die betroffenen Personen gegen diesen mit scheinbar professionalisierter Hilfe vorzugehen versuchten. Zumeist aber schienen die gerufenen Heiler oder Schinder mit ihrer Hilfe zu spät zu kommen. Bei Schadensfällen wurde oft der 'Troll aus Alleshausen' zum Segensprechen gerufen. Es scheint, als initiierten und fundierten Personen mit 'professionalisiertem' Wissen um Segnen und Heilen Verdächtigungen und Verleumdungen gegen verschiedene Personen. So insbesondere im Fall der Ursula Götz.

8.2 "(...) in beßer Verdacht der hexerey gewesen" - Erste Festnahme und weitere Verfahren

Schon am dritten März 1627 war eine Frau aus Obermarchtal festgenommen worden. Innerhalb einer Anfrage des Vogtes Johann Schenz "(...) waß hierüber in ein und ander Weg zu thun oder zu lassen, ob sie mit der Tortur anzugreiffen und wie und wasmassen mit ihr zu verfahren" [281], wurden die bisherigen Verdachtsmomente expliziert: Die 72-jährige Ursula Götz stand bei ihrem Neffen, der als Witwer lebte und bei dem sie den Haushalt führte, im Verdacht, dessen Kind Schaden zugefügt zu haben: "(...) ein frisches dreyjähriges gesundes Kind, mit Gestalt und Formb gar schön, geschwindt bis in die 9 Tag ohn gessen und hernach auf der linken Seite mit Arm und Schenckel gantz lamb sehen müssen, wie leider noch, welches Kindt den mehreren Theil Speisen von ihr Urßla, als die ihr Cost alleinig gehabt, empfangen." [282] Zunächst lautete der Vorwurf gegen Ursula Götz, sie habe ihre Betreuungs- und Sorgfaltspflicht gegenüber dem Kind verletzt, es verhungern lassen. Aufgrund dieses Verdachts summierten sich unmittelbar die Verdächtigungen gegen die Frau aus Obermarchtal. Verschiedenen mutmaßlichen Schadenszaubereien, die Ursula Götz zugeschrieben wurden, versuchten die angeblich geschädigten Personen mit Hilfe des 'Tüffelsbeschwörers von Mehrstetten' beizukommen. Der 'Teufelsbeschwörer' schürte unterdessen den Argwohn gegen Ursula Götz weiter: der "Tüffelsbeschwörer von Mehrstetten (...), welcher austrücklich gesagt, daß solches [ein Ross, Anm. d. A.] von der verhafften Urßlen zu grundt gericht worden" [283]. Auch in einem weiteren Fall wurde der "Tüffelsbeschwörer von Mehrstetten gehollt, daß er die verhaffte Urßell angeschrühet, daß sie es gethan, bezüchtiget (...), sie die verhaffte Urßell sey dem Roß drey mahl durch den Hals geschlupft, und hernach solches bey dem Maul genommen" [284].

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Der Barbier, Meister Jacober, sagte aus, dass, als er sich mit dem Neffen der Beklagten Jerg Götzen und Veit Brunner unterhalten habe, Ursula Götz "(...) nit nur einmahl heraußgeloffen und ihn zum Nachtessen beruoffen, und er sogleich nicht gangen, sondern dem Gespräch bei seinen Gespannen abgewartet, bald darauf ein und eben unterdessen, ein solliches Getümmel die Gassen bei der Schmidten herab und führüber gefahren (...)" [285], so dass die Männer ihr Gespräch beendeten. Ursula Götz schien die ihr unerlaubte Impertinenz mit magischen Mitteln durchsetzen zu wollen, so die Annahme der drei Männer.

Weitere Zeugen führten familiäre Beziehungen für den Argwohn an. So habe schon die Mutter von Ursula Götz während eines Fluchtversuchs innerhalb der Verfolgungen der 1590er Jahre ihre Tochter denunziert: "(...) dass berierte Flüchtige gesagt, ihr Dochter Urßell seye eben wie sie, man sollt sie deswegen fangen und strafen, und daß vor ungefahr 36 Jahren." [286]

Diese ersten Untersuchungsergebnisse schloss der Vogt mit der allgemeinen Einschätzung: "Sonsten ist auch zu merken, daß diße verhafte Urßel 72 järig Alters und nie einen Mann gehabt. In der Jugendt gebuolt, gedanzt und den Huren gleich andern nachgeloffen." [287]

Die wagen Verdächtigungen, die aus familiärem Misstrauen erwuchsen, generierten unmittelbar zu konkreten magischen Zuschreibungen gegen Ursula Götz. Als inkonform wurde die mangelnde häusliche Sorgfalt und der Versuch innerfamiliäre Macht durchzusetzen angesehen, was die Angeklagte scheinbar durch Zauberei untermauere. Für die Grafschaft Hohenberg formuliert DILLINGER auch für Marchtal treffend: "Zusammenfassend kann festgehalten werden, daß Hexereiverdacht besonders auf diejenigen fiel, die sich der Gemeinschaft gegenüber als unzuverlässig erwiesen hatten oder außerhalb der Gemeinschaft standen. Als Opfer von Hexenprozessen erschienen Personen, zu denen soziales Vertrauen sich entweder nicht entwickelt hatte, oder die es durch gesellschaftlich abgelehntes Verhalten zerstört hatten." [288]

Die Urgicht von Ursula Götz datiert vom 22. März, in der die Angeklagte schließlich den Beschuldigungen, sie sei für die Krankheit des Kindes ihres Neffen verantwortlich, zustimmte: "volgentß nach aller gietlich frag, bekhennt sie ußfreÿem Mundt, daz alß vor unßer Lieben frawen Liechtmeß tag, etlich weiber darselbst deß schmidtß hauß wo sie gewohnt gewest haben sie selbigen abent deß schmidtß kindt inß teüfelß Namen Nider gelegt unnd habn Ihme über den armen gestrichen, warauf es also Lamb worden." [289]

Vier Tage später, am 26. März, wurde Anna Vischer aus Obermarchtal festgenommen. Vermutlich war die Frau von Ursula Götz als Gespielin angegeben worden. [290] Das Endurteil und dessen Vollstreckung ist gegen die beiden Frauen wahrscheinlich gemeinsam ergangen.

Ebenfalls am 26. März wurde Anna Huller festgesetzt, die zunächst aber wieder entkam. [291] Im weiteren Verlauf des späteren Verfahrens gestand 'Hullers Anna' eine Vielzahl an magischen Vergehen, die dem Deliktkatalog der Prozesse aus den 1580er und 1590er Jahren glichen, auch der Teufelspakt erfolgte scheinbar analog zu den Erzählungen der Frauen aus der ersten Prozesswelle. Allerdings haben sich Besagungen weder von Anna Vischer noch von Anna Huller erhalten.

Lediglich für eine weitere Frau ist die Festnahme im Jahr 1627 belegt [292], weswegen der Vogt erneut eine nähere Befragung vornehmen ließ. Ein Urteil zu diesem Verfahren ist nicht überliefert, ebenso wenig wie gegen Barbel Keppelerin [293] aus Obermarchtal, über die Johannes Schenz ebenfalls Kundschaft einholen ließ.

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Festzuhalten bleibt für diese beiden Frauen, dass die Verdächtigungen und Beschimpfungen im selben Milieu wie die der zuvor verurteilten Frauen entstanden und entwickelt wurden. Eine Wende im Prozessverhalten und Verfahrensverlauf von Seiten des Vogts ist nicht erkennbar. Auf dieser Grundlage kann wohl vermutet werden, dass auch gegen diese beiden Frauen das Todesurteil vollstreckt wurde. [294]

Erwähnenswert ist an dieser Stelle auch der Prozess gegen Martin Götz oder Gezen [295] von Zell, der sich unter den Hexenprozessakten der Jahre 1627/1628 befindet, aber nicht darunter einzuordnen ist. Martin Götz, der wegen Sodomie zum Tod durch Schwert verurteilt wurde, sprach zwar in seiner Urgicht davon, der Teufel habe ihn angestiftet, Sodomie zu treiben, es fehlen aber ansonsten sämtliche Elemente des Kumulativdelikts Hexerei. [296] Es lag eben durchaus auf der Argumentationslinie des Deutungsmusters, die Ausübung sexueller Anomalien der Initiative des Satans zuzuschreiben, weitere Anschuldigungen im Sinne des Hexenmusters unterblieben aber.

9. Verdächtigung ohne Verfolgung - die Entwicklung landesherrschaftlicher Stabilität unter Abt Konrad Kneer

Für die über 100 Jahre zwischen den beiden Verfolgungswellen von 1628 und 1745 liegen außer zu einem Kinderprozess, der im Jahr 1657 vor dem Gericht in Uttenweiler stattfand, keine weiteren Akten über Hexenprozesse vor. Dennoch weisen mehrere Verdächtigungen im Verlauf des 17. Jahrhunderts darauf hin, dass der Hexenglaube in Marchtal auch nach dem Dreißigjährigen Krieg als Deutungsmuster noch immer prägend war.

9.1 Der Dreißigjährige Krieg und sein Erbe in Marchtal

"(...) als nämlich GUSTAV ADOLPH, der Schweden-König, eingeladen von den Protestanten, mit seinem Heere nach Deutschland kam, und dieses sengte, brennte und raubte, und alle Gattungen der Grausamkeit verübte, und endlich selbst noch selbst eine pestartige Krankheit um sich griff." [297] Die Zustände in der Reichsabtei verschlimmerten sich im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges zusehends. Abt Johann Engler verließ die Herrschaft nach Angaben der 'Kurzen Geschichte' an Ostern 1632 und floh mit dem gesamten Konvent nach Konstanz, später nach Ammern bei Tübingen, nur Konrad Kneer blieb zurück: "Die Schweden kamen wirklich; in kurzer Zeit war das Kloster rein ausgeplündert, und so verarmt, daß Konrad den Lebensunterhalt von Haus zu Haus betteln mußte." [298]

Die Abtei selbst wurde noch im Jahr 1632 an den Grafen von Hohenlohe übergeben, der an der Seite der Schweden gekämpft hatte. [299] Der Alleinvertretungsanspruch des katholischen Glaubens war damit auch in Marchtal in Frage gestellt.

Im Jahr 1634 kam Marchtal wieder an seinen ursprünglichen Besitzer. Abt Johann Engler und der Konvent kehrten zurück, verließen aber aufgrund der Pest Oberschwaben nach kurzer Zeit wieder.

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Konrad Kneer übernahm nach dem Dreißigjährigen Krieg die desolate Abtei und mit ihm ein schweres Erbe. Krieg und Pest hatten das Herrschaftsgebiet entvölkert und es in eine katastrophale wirtschaftliche und soziale Lage gebracht: Die Abtei war geplündert, die Gebäude ruiniert, die Äcker und Felder verwildert. Kneer selbst fixierte bei seinem Amtsantritt Untertanen, Besitz und Inventar: Zu seiner Huldigung erschienen nur noch etwa 90 Männer, vor dem Krieg sollen es 600 gewesen sein. [300] Der neue Abt bewältigte die Konsolidierungsarbeit nach dem Krieg und ging damit als einer der bedeutendsten Äbte in die Geschichte Marchtals ein. In der 'Kurzen Geschichte' heißt es dazu: "Das Kloster hat ihm alles zu verdanken; daß es erhalten wurde, daß im Archive eine Ordnung und über dasselbe eine Registratur vorhanden ist, daß kaiserliche, päpstliche und bischöfliche Privilegien, die Stiftungsurkunden, Schankungsbriefe, Kauf- und andere Verträge, zum Teil in Orginalien, zum Teil in Copien (...) vorhanden sind, rühret nur von ihm her." [301] Die Geschichtsschreibung der Abtei hob seine Charaktereigenschaften hervor: Durch besondere Bescheidenheit erreichte Abt Konrad den Abbau der Schulden, den Bauern half er, die zerstörten Gebäude wieder herzustellen, den Bettlern gab er Nahrung. [302]

So lässt sich für diese Jahre eine neue Deutung von Mittellosigkeit feststellen. Während zu Verfolgungszeiten Armut die Grundlage für Ausgrenzung aus der dörflichen Gemeinschaft war und zu Zuschreibung magischer Delinquenz führte, war Mittellosigkeit nach dem Krieg für alle Untertanen unmittelbar spürbar und kein Anlass zur Ausgrenzung.

9.2 Verfolgungsbegehren von 'unten' - Verfolgungsskepsis von 'oben'

Der Hexenglaube war auch nach dem Dreißigjährigen Krieg präsent und existent und kam in verschiedenen Verdächtigungen ab der Mitte des 17. Jahrhunderts immer wieder zum Ausdruck.

Für das Jahr 1658 lassen sich neue Beschuldigungen in Alleshausen nachweisen: Georg Götz klagte gegen Hans Münst, "(...) daß Er Ihne ainen Magenleidigen Schelmen gescholten. Item die Weiber beÿ den brunnen wohnend, seien alles Hexen und unholden: Ist dahero Hans Münst (...) auf 10 fl. gestrafft worden". [303] Der Klage von Georg Götz wurde somit entsprochen, die Geldstrafe wurde nach Art. 29 der Marchtaler Landesordnung [304] verhängt. Vier Jahre später erging ein Verdacht gegen die Frau von Georg Kindscher, wiederum aus Alleshausen, der sich letztendlich ebenfalls nicht erhärten ließ, da die Urheberin ihre Anschuldigungen vor Gericht zurückzog. [305] In den 1670er Jahren war es Georg Kindscher selbst, der den Tod eines Rosses auf Schadenszauber zurückführte und dafür eine Frau aus Alleshausen verantwortlich machte. Auch die nun verleumdete Frau wehrte sich erfolgreich gegen diese Beschuldigung: "(...) dahero dann Kindtschern Ihro die ehr wider geben, und mit dem thurm abgestrafft worden." [306]

Im Gegensatz zu anderen süddeutschen Territorien, in welchen sich in den 1660er Jahren ein letzter Höhepunkt der Hexenprozesse ausbildete, hemmte und unterband die Marchtaler Herrschaft und Gerichtsbarkeit mit Johann Franz Kapfer als Rat und Obervogt (1657-1677) Initiativen, die Hexereiverfahren ins Rollen hätten bringen können. Die Verdächtigungen und Verleumdungen generierten nicht zu Hexenprozessen, da die Herrschaft auf der Basis der Artikel gegen 'schelten und schmachreden', insbesondere Art. 28, 29 und 31, urteilte und somit die Urheber abwegiger Verdachtsmomente sanktionierte.

Die Haltung der Landesherrschaft, die unter Abt Konrad Kneer gegenüber dem Hexereidelikt vorherrschte, wurde von den folgenden Äbten, die im 17. Jahrhundert dem Stift vorstanden, übernommen. Auch Abt Nicolaus Wierith (1661-1691) griff, wie das Beispiel oben zeigt, gegen die Verdächtigungen mit Strafen gegen Denunzianten durch.

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Der Heimatforscher Theodor SELIG, der sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit den Hexenprozessen im oberschwäbischen Raum befasste, kommt für die Herrschaft Bussen zum selben Ergebnis: "Man macht jedoch die Beobachtung, dass in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in unseren Gegenden keine Hinrichtungen stattfanden, wohl aber Untersuchungen; man war dessen müde geworden, unschuldiges Blut zu vergießen." [307]

Analog zu Marchtal waren somit auch in der Herrschaft Dürmentingen-Bussen die Hexereiverfahren in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts zum Erliegen gekommen. Auf der Grundlage der Dürmentinger Amtsprotokolle kann ZÜRN für die Jahre zwischen 1654 und 1659 eine verfolgungsfreie Zeit nachweisen. [308] Auch im Marchtaler Nachbarterritorium wurden immer wieder Denunzianten aufgrund der von ihnen ausgesprochenen Verdächtigungen bestraft; im Jahr 1713 wurde das Verfahren gegen eine Frau eingestellt, die beschuldigt worden war, ein Kind krankgehext zu haben. [309]

Diese Phase verdeutlichte die andere Seite der Gratwanderung der Marchtaler Herrschaft. Wurden Verdächtigungen als Verleumdungen stigmatisiert, unterblieben die Prozesse. Die äußerst problematische Situation der Herrschaft nach dem Dreißigjährigen Krieg und ein sich entwickelndes Klima kluger Politik unter Abt Konrad Kneer schufen eine ausgeprägte Skepsis gegenüber Verdächtigungen, Verleumdungen und damit gegen Hexenprozesse. Das Deutungsmuster Hexerei hatte in der Bevölkerung durchaus nicht an Präsenz eingebüßt, wie die Verleumdungen zeigen. Die geistliche Herrschaft teilte aber in diesen Jahren dieses Muster nicht. Mittellosigkeit war für viele Untertanen die Konsequenz aus den Kriegsjahren. Die geistliche Herrschaft unterband deshalb eine Stigmatisierung von Armut und damit den funktionalen Aspekt von Schichtkonflikten, die die Untertanen über Hexenprozesse ausgetragen hatten. Mögliche Schadens- oder Unglücksfälle wurden von der Herrschaft nicht im Sinne der Kontingenzreduktion, sondern innerhalb der offensichtlichen Nachwirkungen der Kriegsereignisse gedeutet.

Vorbehalte gegenüber magischen Zuschreibungen aus der Bevölkerung überdauerten diese nonkonformen Deutungen von Herrschaft und Untertanen bis ins Jahr 1745, als innerdörfliche Verdächtigungen erneut zu Prozessen führten.

10. "(...) das das Crimen nicht Ein fabelwerckh, sondern wahrhafftig existire (...)" - Späte Hexenpanik 1745-1749

Um die Mitte des 18. Jahrhunderts flammten in der Gemeinde Alleshausen neue Verdächtigungen auf, die sich im Frühjahr 1745 zu einer letzten Hexenprozesswelle auf in Marchtal konkretisierten. Die späten Hexenprozesse der Reichsabtei Marchtal waren allerdings keine lokale Einzelerscheinung, sondern Teil eines letzten Verfolgungseifers vor allem in Regionen Süddeutschlands und des Alpenraums. BEHRINGER spricht in diesem Kontext von einer "Wiederkehr der Hexenpaniken" und weist dabei insbesondere auf die Verurteilung von Frauen in den katholischen Hochstiften Freising, Augsburg und Salzburg sowie auf Prozesse in Teilen Österreichs, Jugoslawiens und einiger Schweizer Kantone hin. [310] Auch Nachbarterritorien Marchtals wie die Herrschaft Dürmentingen-Bussen [311] und die Gemeinde Oggelsbeuren [312] verurteilten in den 1750er Jahren noch vereinzelt Frauen auf Grund des Delikts der Hexerei zum Tode.

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Für die Reichsabtei Marchtal sind im Gegensatz zu den vorausgegangenen Verfolgungswellen detaillierte Ausführungen um die rechtliche Auseinandersetzung mit dem Hexereidelikt sowohl auf theoretischer Ebene als auch im rechtspraktischen Umgang erhalten. Aus diesem Grund konzentrieren sich die Ausführungen für diese späten Verfahren insbesondere auf eine rechtskritische Perspektive.

10.1 "Ein gezwungener Eÿd sey gott laid" - Freispruch, Geständnis, Todesurteil

10.1.1 Verdächtigung und Verfahren

Die Verdächtigungen, die sich in der Marchtaler Herrschaft im Jahr 1745 entwickelten, richteten sich zunächst gegen Catharina Schmid, so genannte 'Schmidin' oder 'Schweizerin', eine alleinstehende 'Heilerin' und Bettlerin. [313]

Catharina Schmid klagte schließlich am 3. Mai 1745 selbst gegen verschiedene Verleumdungen beim Marchtaler Vogtgericht, insbesondere gegen Georg Holl, der hauptsächlich die Beschuldigungen provoziert habe. [314] Im Folgenden wurden die Verdächtigungen gegen die Schmidin vorwiegend innerhalb der Alleshausener Dorfelite reproduziert, maßgeblich von Angehörigen des Gerichts in Alleshausen, die über einen hohen Status und Vermögen verfügten [315]: Knapp die Hälfte der am 7. September 1746 als Gerichtspersonen vereidigten Männer [316] sowie deren Ehefrauen und der Bürgermeister der Gemeinde waren im Jahr 1745 in die Verdächtigungen um Catharina Schmid involviert.

Der innerdörfliche Konflikt um Catharina Schmid wurde schließlich auf der rechtlichen Ebene ausgetragen. Gegen die ursprüngliche Klägerin wurde ein Prozess eröffnet. Auf der Grundlage eines vorskizzierten Fragebogens [317] wurden die ursprünglich von Catharina Schmid angeklagten Personen von Oberamtmann Josef Rettich und Kanzleiverwalter Marquart von Dilger in Marchtal verhört. Catharina Schmid wurde in den Aussagen als neidische Besitzlose stigmatisiert, die mangelnde Bereitschaft, ihr Almosen zu geben, mit Schadenszauber bestrafe. Insbesondere mit verzauberten Lebensmitteln habe Catharina Schmid verschiedene Krankheiten im gesamten Dorf provoziert, Pferde getötet, zudem sei sie für verschiedene Unwetter verantwortlich. Immer wieder wurde Catharina Schmid eine Affinität zu verschiedenen Unglücksfällen im Dorf zugeschrieben wie bspw. von Ursula Heggenbergerin, die vor Gericht aussagte: "(...) sie könnte nicht sagen, dass Sie beÿ der Schmidin jemahln was argwohnisch oder unrechtes gesehen, oder aber nur einigen drohworts gehört habe, wann aber ein Rosß oder Viech zu schaden gegangen, seÿen die Schmidin, so gleich darzu gekommen." [318] Verschiedenen Personen habe die Schmidin eine Krankheit vorausgesagt, die eingetreten sei und deren Ursache in den Zeugenverhören nun Catharina Schmid selbst zugesprochen wurde.

Zusammenfassend lassen sich in den Verdächtigungen gegen Catharina Schmid verschiedene Funktionen erfassen: Zunächst bot die Vorstellung von Schadenszauber ein generelles Ventil für unerklärliche Unglücksfälle. Die Schuld für den Verlust von Besitz, von Vieh und Ernte, konnte auf bestimmte Personen projiziert werden, die am Schaden anderer die Schuld trugen. WALZ bezeichnet dies als Kontingenzreduktion, "d.h. Unglücksfälle werden dadurch erklärt, daß sie Menschen zugeschrieben werden" [319]. In der Reaktion auf die Deutung, Catharina Schmid sei eine Person, die dem gesamten Dorf Schaden zufüge, lässt sich eine gesellschaftliche Grenzziehung beobachten: Die wohlhabende Bevölkerung sah sich ihren Besitz streitig gemacht. Die 'Schweizerin' schien als Mittellose unter den Bauern mit Besitzstand sozial ausgegrenzt und damit nicht in die dörfliche Ordnung und Struktur integriert zu sein. Die Beschuldigungen offenbarten Schichtkonflikte innerhalb des Dorfes Alleshausen, die zu sozialer Distanzierung gegen Catharina Schmid führten.

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Die Zeugen, die der Angeklagten verschiedene Schadensfälle zusprachen, mehrten sich, die 'Schweizerin' gestand jedoch nicht: "(...) Gott im himmel wisse, (...) das sie ohnschuldig seÿe, was Sie das Erste mahl mit gutem gesagt dises sage sie noch, und werde es sagen bis ahn ihr letstes End (...)." [320]

Mit einem Bey-Urteil [321] beendeten die Marchtaler Richter zunächst das gütliche Verhör, in dem Catharina Schmid scheinbar nicht zu einem erwarteten Geständnis gebracht werden konnte. Auf der Grundlage dieses Bey-Urteils wurde der erste und zweite Grad der Tortur vollzogen. Die Angeklagte beharrte jedoch weiterhin auf ihrer Unschuld.

Insbesondere die Marchtaler Geistlichkeit unter Abt Ulrich Blank (1719-1746) drängte darauf, ein Fortschreiten im Verfahren durch eine Rechtskonsultation zu klären. Dies sei auch in der Carolina in Art. 219 [322] empfohlen: "(...) da nun bey so verwürten umbständen, und wo ohne hin in des peinl. Hoch gerichts ordnung die einholung ein gert. Rechtsgelehrten Mainung sehe offt und aidhalter dingen anbefihlt zumahlen die allhiesig gaistlichkeit in diser sach weithers für zufahren allerdingen bedenckhen getragen, nichts übrig zu sein erachtet worden, als auch den ganzen Process mit einem benachbarten Rechts gelehrten und benanntlich dem bessorob in criminalis sehr berümbten herren bürgermaister von Satteln in biberach Mundtl: confiren, auch in Specie dessen Hoch vermeintliche Maining und anhandgebung eines in Exorcisimi wohl erfahrenen gaistlich und in applicandi torturi wohl geübten scharfrichter einholen, zu lassen, solches auch durch allhiesig Hrrn oberambtmann beschehen (...)." [323]

Ausgewählt wurde Sebastian Wunibald Josef von Sättelin [324], für dessen Person die unmittelbare Nachbarschaft sowie nach Ansicht der Marchtaler Justiz sein Bekanntheitsgrad in der Begutachtung von Kriminalprozessen sprach. Auch die Kosten [325], die im Gegensatz zum Konsilium einer Juristenfakultät bei von Sättelin geringer einzuschätzen waren, und die Beziehung durch die frühere Nutzung des Biberacher Hochgerichts, spielten vermutlich eine Rolle.

Welche Erwartungen hatte die Marchtaler Justiz in Bezug auf die Rechtsauskunft aus Biberach? Der deutlich formulierte Wunsch nach einem in Hexenprozessen erfahrenen Geistlichen sowie nach einem in der peinlichen Befragung von mutmaßlichen Hexen besser geübten Scharfrichter offenbart die Vorstellungen vom weiteren Prozessverlauf: Ein Freispruch der Angeklagten und damit die Beendigung des Prozesses schienen explizit ausgeschlossen. Stattdessen sollte der Gutachter beraten, wie in der Tortur weiter vorzugehen sei, um die Angeklagte zu einem Geständnis zu bewegen.


Abb. 4: Sebastian Wunibald Josef von Sättelin (geb. 13.03.1695, gest. 16.12.1764)

 

10.1.2 Das Gutachten

Im folgenden Gutachten [326] prüfte von Sättelin den bisherigen Prozessvorgang im Hinblick auf die Tortur und erörterte, wie im Weiteren mit der Angeklagten verfahren werden solle. Als 'Indizien' gegen Catharina Schmid hätten die Marchtaler Richter den mutmaßlichen Schadenszauber und das während der Abwaschung von den Scharfrichtern gefundene 'stygma diabolicum', das Hexenmal, angesehen, was von Sättelin jedoch als irrelevant und nicht hinreichend für die Anwendung der Tortur bezeichnete. [327] Der Rechtsgelehrte argumentierte nach Art. 44 der Peinlichen Halsgerichtsordnung, wonach als Indizien, die den Einsatz der Tortur rechtfertigten, das Lehren von Zauberei, die Androhung und das unmittelbare Eintreten von Schadenszauber, die Gemeinschaft mit anderen Zauberern, der Umgang mit zaubereiverdächtigen Dingen, Gebärden oder Worten sowie zudem ein schlechter Leumund vorliegen müssten. Diese Indizien seien aber aus den Zeugenaussagen nicht zu belegen, so dass eine ausreichende Legitimation für die Tortur nicht gegeben gewesen sei.

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In welchem Maße die Verdächtigungen auf Gerüchten, also lediglich auf dem schlechten Leumund gründeten, offenbarte bspw. die Aussage von Francisca Cadussin, die im Verhör aussagte: "(...) alligliche leith in dem dorf und der nachbarschafft die schmidin fürchten, wessen wegen sie ein gleiches gethan (...) warumb aber die leith dise schmidin allso geforchten wisse desponentin nicht." [328] Der schlechte Leumund konnte aber nach Art. 27 als alleiniges Indiz nicht ausreichen, sondern musste im Zusammenhang mit anderen Indizien aus Art. 44 stehen. [329]

Der Rechtsgelehrte kommentierte die Aussagen der vermeintlichen Zeugen mit den Worten: "(...) deren beÿgebrachte Indicia ein leeres theÿls ungegründetes theÿls fabelhafftes, theÿls auch sehr Gottloses und strafbares Plauderwerckh seÿe (...)." [330]

Mit dieser Einschätzung negierte von Sättelin die Aussagen der Zeugen auf verschiedenen Ebenen: Zunächst grundlegend den Inhalt der Ausführungen, die er als "leer" bezeichnete, damit als substanzlos und inhaltslos charakterisierte und deren rechtliche Verwendbarkeit nicht gegeben sei. Die Einschätzung, die Verdächtigungen seien "ungegründet" bezog sich auf die Ursachenebene der Aussagen, die einer solchen entbehrten, die grundlos und folglich abwegig seien. Die Zuschreibung "fabelhaft" zog von Sättelin als Schlussfolgerung aus der Beurteilung, dass die Zeugenaussagen sich nicht auf Tatsachen fundieren ließen und deshalb der Phantasie der verschiedenen Dorfbewohner zuzuordnen seien. Auf der religiösen Ebene könnten diese Aussagen als "gottlos", sündig und ungläubig gedeutet werden und seien im rechtlichen Sinne "strafbar". Diese Schlussfolgerung entsprach damit der ursprünglichen Klage von Catharina Schmid, wonach die Personen, die die Verdächtigungen gegen sie verursacht hatten, abzustrafen seien. [331]

Abschließend folgerte der Gutachter: (...) undt ein geschwollener arm macht noch Lang keine Prob zu einer Hexereÿ, dann sonsten müßten fast alle Leuthe verzaubert seÿn, welche eine geschwülst an Ihrem Leib erdulden müsen." [332] Wenn von Sättelin in dieser Stellungnahme die Möglichkeit von Magie auch nicht völlig ausschloss, so argumentierte der Gutachter dennoch für eine Sensibilisierung in der Ursachenerklärung von Schadensfällen. Von Sättelin schränkte die Macht von Magie deutlich ein. Nicht sämtliche Krankheiten, so die ausdrückliche Einschätzung, seien durch Magie zu erklären.

Im Weiteren spreche für die Angeklagte, dass sie sich ganz freiwillig beim Gericht gemeldet und bevor man sie inhaftiert nicht die mindeste Furcht gezeigt hätte: "Also ist gantz rechtlich zum schließen, daß die wieder Inquisitin Catharina Schmidin beÿgebrachten Indicia ad Torturam gar nicht hinlänglich geweßen, folgsamb dieselbe auch mit solcher nicht So Leichter Dingen hätte angerichtet werden sollen." [333]

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Dem Gutachten lag - bis zu diesem Zeitpunkt - ein explizit an der Carolina ausgerichtetes Rechtsverständnis zugrunde, was an der stringenten Argumentation in Bezug auf den Gebrauch der Folter - das Teufelsmal wertete von Sättelin nicht als Indiz -, insbesondere aber daran deutlich wird, dass von Sättelin nicht, noch nicht, den erweiterten Hexereibegriff mit Teufelspakt und Buhlschaft einbezog, sondern lediglich über Schadenszauber als Delikt urteilte.

"Ausß welchen sich dann Von selbsten ergiebet, daß Inquisitin (...), nicht nur gäntzlich zu absolvieren, undt auf freÿen fueß zu stellen, sondern derselben auch Ihre Ehr undt guther Nahmen undt allem was Sie erlitten zu restituieren seÿe. (...) undt da sich etwann seithero keine andere Umbstände undt Indicia hervorgethan haben sollten, Von aller Anklag Zu absolvieren, undt gleichwohl (...) der gefangenschafft zu entlassen seÿe". [334] Das Gutachten empfahl die Rehabilitierung der Angeklagten. Die gesamten Anschuldigungen sollten für nichtig erklärt, die 'Schmidin' wieder in die Gemeinde Alleshausen integriert werden. Diese rechtliche Einschätzung des Verfahrens widersprach den ursprünglichen Vorstellungen aus Marchtal, bzw. denjenigen aus Alleshausen grundlegend. Die Gerichtsbarkeit hatte sich Beihilfe für die Frage der Folteranwendung erhofft, von Sättelin hatte die Anwendung der Folter im Fall von Catharina Schmid aber grundsätzlich kritisiert und abgelehnt und damit den gesamten bisherigen Verfahrensverlauf für rechtswidrig erklärt. Die Marchtaler Richter verweigerten sich dieser Empfehlung, insbesondere auf Druck der Gemeindevertretung aus Alleshausen.

10.1.3 Prozesssteuerung aus Alleshausen

Catharina Schmid hatte im Verhör immer wieder auf unmittelbare, aber unberechtigte Schuldzuweisungen aus der Bevölkerung hingewiesen: "(...) wann Einem Menschen nur ein gockhelhahn seÿn hinkommen, seÿen gleich alle menschen auf sie gefallen, als wann sie schuldig wäre (...)." [335] Auf die Überzeugung von der Schuld der Angeklagten, die Catharina Schmid in dieser Sequenz bestätigte, gründete sich der Anspruch Alleshausens auf Prozess und Urteil gegen die 'Schmidin'. Die Gemeinde Alleshausen, deren Vertreter inzwischen auch dem Marchtaler Gericht angehörten, hatten im Gutachten keine grundsätzliche Erörterung der Schuldfrage erwartet, sondern eine Legitimation des Verfahrens und Hilfe zur Erlangung eines Geständnisses.

Der vermutlich unerwartete Freispruch aus Biberach führte im Folgenden dazu, dass die Gemeinde weitere Maßnahmen zur Bekräftigung ihres Verurteilungsbegehrens zum Ausdruck brachte: Zum einen manifestierte der Gerichtsamtmann aus Alleshausen vor dem Marchtaler Gericht die Anklage gegen Catharina Schmid, zum anderen versuchten andere Gemeindemitglieder den Prozess mit Beschuldigungen auf die Tochter Maria Tornhäuser auszuweiten.

So sprach am 16. November Joseph Caduss aus Alleshausen bei Gericht in Marchtal vor: "Zu mahlem der gerichts amann Joseph Caduss Im nahmen der ganzen gemeind und nachparschafft des mehreren wehe mitÿt vorgestellet hat, was für ein unn beschreiblich ellend Jamern und noth seÿe und wie das eben jedermänniglich, Jung und alt ohne ausnamb der hir in ligenden Catahrina Schmidin wegen allen unglickin die schuld beÿ legen, und eben darumben ein ständigst bitten thätten, dises weib, was sie auch wider verhöffen nicht sollte zu der bekantnus ihrer sinden gebracht werden können, der gemaind nicht wider aufgebürden, noch die selbe aÿff freyen fürs zu setzen, sondern gleichwohl (...) in Versicheit und Verwahr zu behalten." [336] Mit diesem Antrag reformulierte und stützte Joseph Caduss die Verdächtigungen gegen Catharina Schmid und versuchte damit eine weitere Inhaftierung zu rechtfertigen. Der Gerichtsamtmann weitete den mutmaßlich betroffenen Personenkreis, der sich scheinbar von der 'Schmidin' bedroht fühlte, nicht nur auf die gesamte Gemeinde Alleshausen, sondern auch auf deren Nachbarschaft aus, über sämtliche Standes- und Altersgrenzen hinweg. Ein fehlendes Geständnis als Grundlage einer Verurteilung dürfe nicht zu einer Freilassung führen. Die Gemeinde wollte weder eine wirtschaftliche, noch eine soziale Verantwortung nach einem Freispruch übernehmen.

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Unmittelbar auf diesen Antrag von Joseph Caduss beschloss das Marchtaler Gericht, die Angeklagte weiterhin in Haft zu behalten: "(...) als hat man sich im nahmen gottes resolviert dissfahls Von der mainung des oberwehenten consilz (...) abzugehen (...)." [337] Catharina Schmid sollte nochmals gütlich befragt werden und bei weiterem Ableugnen der ihr zugeschriebenen Delikte erneut mit dem zweiten und dritten Grad der Tortur belegt werden.

Die zweite Strategie der Dorfbevölkerung waren Schuldzuweisungen gegen die Tochter Maria Tornhäuser, die letztendlich die Wende im Prozess brachten.

10.1.4 Fortsetzung des Verfahrens, zweiter Prozess und Todesurteil

Das Gutachten aus Biberach war für die Marchtaler Richter rechtlich nicht bindend. Vor allem das immer noch fehlende Geständnis von Catharina Schmid war für eine weitere Fortsetzung der Klage problematisch. Noch im November entgegnete die 'Schmidin' auf den Zwang, ein Geständnis abzulegen: "Ein gezwungener Eÿd sey gott laid." [338]

Im Folgenden zeichnete sich der Fortgang des Verfahrens durch zwei entscheidende Phänomene aus: zum einen durch persönliche Treffen zwischen den Richtern aus Marchtal, Gerichtsangehörigen aus Alleshausen und von Sättelin sowie zum anderen durch die Ausweitung des Verfahrens gegen die Tochter der Inhaftierten.

Noch vor dem ersten Gutachten hatte sich von Sättelin in Marchtal aufgehalten und angeraten, "(...) mann werde nach mein Mündt: gethaner Vorschlag mehrere und weithere indicia Inquisitam gravatia herausbringen (...)" [339], was allerdings nicht geschehen war.

Die ursprünglich schematisch an der Carolina ausgerichtete Einschätzung, die im ersten Gutachten zum Ausdruck gekommen war, wurde vermutlich im weiteren Verlauf überformt und relativiert von persönlichen Diskussionen von Sättelins in Marchtal. Für die Zeit des Prozesses können sowohl ein Besuch des Marchtaler Oberamtmanns in Biberach [340] als auch zwei Aufenthalte von Sättelins in Marchtal nachgewiesen werden. [341] Diese persönliche Ebene ist sehr außergewöhnlich, üblicherweise waren die Gutachter nicht bei den Prozessen vor Ort, sondern urteilten lediglich auf der Grundlage der Akten. Aus den Quellen lässt sich nicht im Detail klären, warum von Sättelin, nachdem sein Gutachten ignoriert worden war, von Marchtal weiterhin beansprucht wurde, auch selbst weiterhin zur Verfügung stand und den folgenden Rechtsbruch mitverantwortete.

Nach seinen Besuchen in Marchtal hatte von Sättelin "(...) auff vernehmung newehrliche sehr beschwerliche umbständen die gebrauchung des H theobaldi Capuciner" [342] angeraten sowie ein professionalisierteres Vorgehen bei der Befragung der Angeklagten durch den Scharfrichter aus Bach, was allerdings auch im Folgenden nicht zu einem Geständnis führte.

Die entscheidende Wende im Prozessverlauf brachte schließlich der Selbstmordversuch der Tochter der Inhaftierten, Maria Tornhäuser. Sie nahm aus Angst vor Verhaftung und Folter Mäusegift ein. Ihr Onkel hatte ihr fälschlicherweise gedroht, die 'Schmidin' habe die Anschuldigungen gestanden und der Tochter werde es ergehen wie ihrer Mutter. Maria Tornhäuser wurde auf den Selbstmordversuch hin festgenommen. Nach einwöchiger Haft und unter Androhung der Folter gestand Maria Tornhäuser sämtliche Elemente des kumulativen Hexereidelikts, die sowohl ihr als auch ihrer Mutter zugeschrieben worden waren: Schadenszauber, Hexenflug, Hexentanz, Teufelspakt und Teufelsbuhlschaft. [343]

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Über die Aussagen der Tochter erreichten die Marchtaler Richter schließlich eine Art Geständnis der Mutter, die in Konfrontation mit der Tochter deren Aussagen zustimmte: "Inquisita [Catharina Schmid, Anm. d. Autorin] antworthet hierauff sie wolle alles wahr lassen, was ihre tochter sage". [344] Catharina Schmid hatte den ihr zugeschriebenen Schadenszauber letzten Endes nur durch Suggestivfragen der Richter, das kumulative Hexereidelikt nur durch die explizite Besagung durch ihre Tochter bestätigt, sie hatte kein eigenes, unabhängiges Geständnis abgelegt. Als Legitimation forderten die Marchtaler Richter noch im Dezember ein erneutes Gutachten aus Biberach an.

In Antwort auf die Anfrage, ob von Sättelin ein weiteres Konsilium verfassen könne, stellte der Rechtsgelehrte in einem Brief nochmals den bisherigen rechtlichen Verlauf dar. Dieser Brief vom 28. Dezember ist als Rechtfertigung des ersten, auf Freilassung ausgestellten Gutachtens zu werten: Die Fortsetzung des Verfahrens habe sich für Marchtal aus neueren, im Brief nicht explizit angeführten Indizien ergeben, die der Scharfrichter aus Bach durch eine 'strengere' peinliche Befragung hervorgebracht habe. Vor allem den Antrag auf weitere Inhaftierung aus Alleshausen habe Marchtal als Argument für eine Fortsetzung des Prozesses gewertet. Sein Gutachten sei als "Consilio pro defensione Sagarum", als Verteidigungsschrift für die 'Hexen' gewertet worden. [345]

Der Rechtsgelehrte verteidigte sein Gutachten, "(...) daß mann beÿ disen in Prothocollo Inquisitionali enthaltenen Umbständen ohnmöglich anderst habe sprechen können da 2do Von Seithen der Inquisitin indicierte delictum, noch eindamit einschlagender haubtumbstand conflectiert, Sie auch eben sowenig durch die abgehörten Testes Singulares rechzsbehörig convinciert worden (...)" [346]. Der Gutachter wies nochmals auf seine Ausführungen innerhalb des Konsiliums hin und untermauerte das damals getroffene rechtliche Fazit durch das Angebot, "(...) auf eine jede selbst beliebige universitot gesichtet und Von derselben Ein anders Guttachten ertheillet werden sollte, Ich die bishero aufgewendete Kösten Zubezahlen, willigst über nehmen wollte (...)" [347]. Da die Marchtaler Justiz keine "(...) indicia Inquisitam gravatia (...)" [348] hätte hervorbringen können, sei er "(...) gleichwohlen gezwungen worden, (...) nach denen mir communicierten Inquisitionalactis Verfasstes Guttachten Zuextradieren und Sie Inquisitam pro hic et nunc der gefangenschafft umb so mehrers Zuentlassen" [349]. Die bisher von Marchtal als hinreichend für die Tortur verstandenen Zeugenaussagen seien unzureichend gewesen und zudem durch die zweimalig ausgestandene Folter der Angeklagten entkräftet worden. Von Sättelin bezog sich in dieser Argumentation zwar nicht explizit auf die Peinliche Halsgerichtsordnung, die Carolina aber beinhaltete in Art. 61 den Gedanken der 'purgatio', auf die sich von Sättelin vermutlich bezog: Stand der Angeklagte die Tortur ohne Geständnis durch, musste er als vom Tatvorwurf gereinigt angesehen und freigelassen werden. [350] Dies geschah nicht. Trotz 'purgatio' wurde die Angeklagte weiterhin gefoltert und damit Rechtsbruch begangen.

In der mündlichen Absprache habe von Sättelin darauf hingewiesen, dass eine Bestrafung aufgrund der Zeugenaussagen nicht möglich sei, Marchtal zu neuen Indizien gelangen müsse. Den Vorwurf auf eigene Fehler bzw. Dilettantismus wies der Gutachter an das Marchtaler Gericht zurück, das eine Rechtsbelehrung noch vor der ersten Folter versäumt habe. Von Sättelin verteidigte: "(...) daß diser gegenwärtige hexenprozes gewiß nicht der Erste geweßen, welchen ich referiert, sondern deren mehr dann 4 und zwar noch weith wichtigere (...)." [351] Nachdem allerdings die Marchtaler Justiz nun erste Andeutungen eines Bekenntnisses von Catharina Schmid und ein umfassendes Geständnis der Tochter Maria Tornhäuser vorliegen hätte, bejahte von Sättelin die Anfrage auf ein weiteres Gutachten.

Die im weiteren Verfahren von Marchtal produzierten und dem Gutachter vorgelegten 'Indizien' blieben allerdings auch in Folge rechtlich mehr als brisant und so gab von Sättelin noch am 23. Februar zu bedenken: "(...) so mues Ich die wahrheit Zugestehen, sagen, das die in rechten erfoderl: requisita allerdinghs ermangeln wollen, anerwogen Sie ja Kein einziges factum mit deren erfoderl: umbständen bekennet, sondern solches anfangs abgeläugnet nachgehends aber theils auch auf die mit Ihrer tochter Vorgenohmene confrontation, theils dem vorgelesener bekanntnus die sach nur limitative, et conditionate in generalisimis terminis ohne (...) recensierung der umbständen conspiert habe." [352]

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Diese rechtlichen Bedenken - kein eigenes unabhängiges Geständnis, sondern eine auf Besagung und Suggestivfragen basierende Aussage [353] - blieben aber ohne Folgen. Trotz des offensichtlich rechtlich unzulänglichen Geständnisses beugte sich von Sättelin und überstellte nur fünf Tage später ein weiteres Gutachten mit Todesurteil gegen beide Frauen. [354] Der Gutachter revidierte dazu die ursprünglich in Zweifel gezogene Anwendung der Tortur und legitimierte das rechtliche Vorgehen: "(...) nicht der geringste Zweiffel obwalthet, Es seÿe Ein Löbl: weltl: oberambt bestens befuegt, und berechtiget gewesen, bey der so sehr verschraiten Catharina schmidin die Tortur nochmahlen zu widerhollen, welche dann auch sovieles gefruchtet, das Sie das abscheuliche Laster der Hexerÿ mit vielen umbständen güetl: Zubekhennen angefangen (...)." [355] Damit endete der Prozess gegen Catharina Schmid in einem Justizskandal.

Warum letztendlich von Sättelin diesen Rechtsfrevel mit verantwortete und das Recht der Peinlichen Halsgerichtsordnung auf diese Weise marginalisierte, kann nicht eindeutig geklärt werden. In einem Brief vom 27. Februar schrieb von Sättelin: "(...) So ist Leichtl: Zuermessen, daß Von Ihro Catharina Schmiden, als einer sich jeder zeit bezeügten Erzhalsstarrig= und hartnäckhig persohn vor Gericht nichts weithers heraus Zupresen sein dürffte, Es wäre dann sach daß sie sich gegen die H: geistliche besser und auffrichtig ereignen und die noch definierende puncta entdeckhen würde, Underdessen aber werde Ich mein Letsthin gegebenes wortt heilig halten, und noch dise Zukünfftige woche das Guttachten sambt dem Urthel überschickhen (...)." [356] Diese Bemerkung des Biberacher Bürgermeisters deutet an, dass vermutlich Absprachen mit dem Marchtaler Gericht stattgefunden hatten. Ein im Sinne der Carolina abgelegtes Geständnis - insbesondere nach Art. 56 - lag nicht vor. Das Geständnis, eigentlich 'regina probationum' [357], schien keine Bedeutung mehr für den Schuldspruch zu haben. Der Rechtsgrundsatz 'tortura purgat a crimine' [358], die Tortur reinige vom Tatvorwurf, mit dem von Sättelin am 28. Dezember 1745 noch argumentiert hatte, schien durch das Geständnis der Tochter und einzelne Zugeständnisse der Mutter revidiert. Das Fehlen eines umfassenden Geständnisses von Catharina Schmid wurde letztendlich als mangelnde 'Bereitwilligkeit' der Angeklagten eingeschätzt und auf deren Geisteszustand zurückgeführt. Galt das Geständnis zunächst essenziell als Legitimation für den angestrengten Prozess und das Urteil, schien es an Bedeutungskraft verloren zu haben. Die geistig beeinflusste und körperlich manipulierte Frau hatte ihre soziale Lebensfähigkeit verloren und wurde letztendlich aufgrund der Besagung der Tochter schuldig gesprochen: "(...) so ist doch bey der ganzen sach das beste, daß die wenigst NUR EINE CONFESIONEM CRIMINIS MAGIÆ VEL VENIFICIJ [Geständnis des Verbrechens von Zauberei und Giftmord, Hervorhebung und Anm. d. Autorin] erhalten, Und wir beÿ solchen umbständen sowohl beÿ der Eint als anderen persohn ad pöenam ordinariam (...) schreitten können (...)". [359] Die Person Catharina Schmid wurde nihiliert, letztendlich legitimierte das Geständnis der Tochter die Verurteilung beider Frauen. Die 'Schmidin' selbst hatte schon Tage zuvor nach über halbjähriger Haft und mehrmaliger Folter resigniert: "(...) wolle auff dieser welt keinen streitt mehr anfangen, sondern sich in die Ewigkeit und in den himmel riten" [360].

10.1.5 Die Position der Herrschaft

Unklar bleibt letztendlich die Rolle von Oberamtmann Rettich und Kanzleiverwalter von Dilger im Prozess gegen Catharina Schmid. Die Marchtaler Justiz kann lediglich über die fehlende Emanzipation gegenüber Alleshausen charakterisiert werden. Es ist bezeichnend, dass neben dem Oberamtmann Rettich, dem Kanzleiverwalter von Dilger und dem Sekretär vier aus Alleshausen und zwei aus Seekirch stammende Personen am Prozessgeschehen in Marchtal teilnahmen: Joseph Caduss, Peter Ströbele, Augustin Strohm und Johann Assfalg aus Alleshausen und Jörg Schemberger und Joß Maurer aus Seekirch. Mit diesem Personal kann der Einfluss Alleshausens auf die Verurteilung von Catharina Schmid und Maria Tornhäuser kaum groß genug eingeschätzt werden. Es zeigt sich in den Gerichtsprotokollen deutlich, dass die Personen aus Alleshausen über die Macht von Oberamtmann und Kanzleiverwalter hinweg, den Prozess gestalteten. Im Rückblick erscheint dieses Verfahren als 'Kräftespiel' in einem rechtlichen Aushandlungsprozess zwischen Alleshausen und dem Gutachter von Sättelin. Die beiden obersten Marchtaler Beamten hatten scheinbar keine faktische Gewalt. Der Gutachter von Sättelin reformulierte in seinem Brief vom 28. Dezember die Verfügungsgewalt der Gemeinde Alleshausens gegen Catharina Schmid nochmals explizit: "(...) zumahlen das Publicum Um gottes willen gebetten, diese so gar gefährliche person nicht wider auf freÿen fueß zu stellen (...)." [361] Erneut ist unverkennbar, wie bedeutend die Einschätzung der Aussagen aus der Gemeinde war. Dadurch, dass die Urheber von Verdächtigungen selbst Mitglieder des Marchtaler Gerichts waren, verwundert es nicht, dass sich die Zuschreibungsmuster von Gemeinde und Justiz in Marchtal im Verlauf des Prozesses zunehmend glichen und zur Verurteilung führten.

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Von Sättelin hatte in seinem ersten Gutachten die Zeugenaussagen als rechtlich irrelevant eingeschätzt, worauf Alleshausen den Verdächtigungen Nachdruck verliehen hatte. Marchtal hatte keine eigene Lösungsstrategie entworfen, sondern fügte sich der vorgeschlagenen Option der Gemeindevertreter aus Alleshausen, die das Deutungsmuster von Hexerei vertrat. Die Maximen der Carolina galten nicht mehr.

10.2 "(...) welche wahrhaffte hexen zu geben läugnen wollen" - Theoretische Fundierung der Existenz von Hexerei und weitere Todesurteile

Schon im Herbst des Jahres 1746 gab es neue Beschuldigungen in Alleshausen, jetzt gegen Maria Bingasserin, die ebenfalls gegen verschiedene Verdächtigungen vor Gericht zog. [362] Im Gegensatz zum vorherigen Prozess wurde in diesem Fall unmittelbar ein Interlokut [363] des Rechtsgelehrten von Sättelin eingeholt, der darin den weiteren Verfahrensverlauf anwies. Bis kurz vor seinem letzten Gutachten, in dem von Sättelin das Todesurteil gegen Catharina Schmid und deren Tochter vorschlug, hatte der Gutachter auf der Basis der Peinlichen Halsgerichtsordnung argumentiert. In dem nun folgenden Interlokut und Gutachten gegen Maria Bingasser blieb von der Carolina nur noch die Nomenklatur. Den Weg zu weiteren Todesurteilen ging von Sättelin abseits der Peinlichen Halsgerichtsordnung.

Die Prozessstrategie, die von Sättelin vorgab, war die unmittelbare Anwendung der Tortur - der Gebrauch des 'spanischen Bocks' und die Verabreichung von Rutenstreichen. Die Grundlage für die peinliche Befragung sah von Sättelin in den Zeugenaussagen, die davon berichteten, dass der Berührung durch die Angeklagte unmittelbar ein Schaden gefolgt sei. Insbesondere aber sah von Sättelin den schlechten Leumund von Maria Bingasser, der sich ja offensichtlich zeige, als hinlängliches Indiz.

Zunächst gab der Rechtsgelehrte eine neue Verhörstrategie im Umgang mit der Schuldfrage vor und diktierte der Marchtaler Justiz, dass "(...) ihro [Maria Bingasserin, Anm. d. Autorin] hauptsächlich Vorgehalten werden sollte, wie nicht Sie, sondern allein der böse feindt an disem ihrem Ellend jammer und Unglückh schuldig, als welcher einzig, und allein Sie Verführet, und in dises Unglückhseelige Labürinth gestürzet, und dessen einsporchungen, Und Versprechungen auch Sie, als Ein schwäches weibsbild nicht widerstehen können, sondern ohne ihr Verschulden, in das nez des teüffels gerathen seÿe" [364].

Diese vorgeschlagene Verhörstrategie ist in zwei Punkten bemerkenswert: Zunächst ist zu beachten, dass die Argumentationslinie des Gutachters vom Denkmuster der Carolina nun insofern abweicht, als dass der Teufelspakt - im ersten Konsilium über Catharina Schmid unberücksichtigt - explizit als Erklärungsmodell für den Schadenszauber herangezogen wurde. Aus der Existenz und der Einflussnahme des Teufels konnte diesem nun alle Macht zu- und der Angeklagten damit sämtliche Schuld abgesprochen werden. [365] Die Justiz sollte ein Schuldbekenntnis erlangen, ohne ein Schuldbewusstsein bei der Angeklagten hervorzurufen. Diese Vorgehensweise erscheint mehr als problematisch, denn der Rechtsgelehrte hätte folgern müssen, dass mit dieser Argumentation die Grundlage einer jeden Verurteilung gegeben war.

Maria Bingasser gestand im Folgenden Teufelspakt, Teufelsbuhlschaft, Hexentanz, Hexenflug und Schadenszauber, besagte auf Suggestivfragen der Richter hin die schon tote Catharina Schmid und ihre Tochter Anna Oberländer, die damit ebenfalls in das Verfahren involviert wurden. [366]

10.2.1 Die 'theologisch-reaktionäre' Argumentation des Gutachters

Am 28. Februar überstellte von Sättelin das Gutachten mit 'Todesurteil' gegen Mutter und Tochter. Ein großes Problem bestand für den Gutachter in der Tatsache, dass - wie auch bei Catharina Schmid und deren Tochter - die Frauen zwar in der Tortur das kumulative Hexereidelikt teilweise und sukzessive bekannt hatten, aber die verschiedenen Geständnisse nicht in Übereinstimmung zu bringen waren. Maria Bingasser, die auch ihre Tochter besagt hatte, widerrief sogar ihr Geständnis, nachdem ihre Tochter die Anschuldigungen geleugnet hatte.

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Dass die Frauen aber dennoch zu verurteilen seien, gründete von Sättelin insbesondere auf das Wissen der Angeklagten um das Hexereidelikt: "(...) besonders da die Einhelligen aussagen, und bekhantnussen beider inquisitinen wegen der Verläugnung gottes, vermischung des teüffels Frequentierung der Hexentänze, und anders so beschaffen, das dergleichen Einen unschuldigen wohl niemahlen zu sinnen hätte kommen können, folgl: auf disem fast alleine die Certitudo rerum Criminum genuegsamb probiret wird (...)." [367] Diese Einschätzung sah der Gutachter durch Art. 54 "Von nachfrag vnd erkundung der bösen bekanten vmbstenden" der Peinlichen Halsgerichtsordnung bestätigt, die davon ausging, "(...) so er [der Angeklagte, Anm. d. Autorin] solch vumbstende sagt, die sich inn der geschicht haben begeben, die keyn vnschuldiger wissen kann" [368]. Dieser Artikel beinhaltet allerdings nur eine Verifikation des Geständnisses der Angeklagten, das Wissen um Tatumstände war kein Indiz.

Auf die Frage der Bestrafung antwortete von Sättelin grundsätzlich mit einer Beweisführung über die Existenz von Hexerei, die er in sechs Argumenten ausführte. Der Gutachter argumentierte dabei, angelehnt an Benedict CARPZOVs [369] 'Practica Nova', gegen die Thesen von Johann WEYER, den er als "Patronus Sagarum" bezeichnete. Als Grundlage für die Wirklichkeit des kumulativen Hexereidelikts versuchte von Sättelin insbesondere den Teufelspakt, der nach CARPZOV essenziell für das Hexereiverbrechen und dessen Bestrafung wurde, zu belegen. Nach dieser 'Logik' verlor das Schadenszaubermotiv an Bedeutung, die Macht und Möglichkeit des Teufels geriet in diesem theoretischen Konstrukt in den Mittelpunkt: "Wie eben dieser abgesagte Menschen feünd sich under die Engel gestellet, und mit Gott gesprochen (...) [370] Ja, wie diser unreine geist den Sohn Gottes selbsten in der Wüsten versuchet (...) [371] Worauff ganz vernünfftig zu schliessen, das auch der teüffel mit denen hexen reden, stipulieren [einen Vertrag schließen, Anm. d. Autorin], und allerhand gestalten an sich nehmen könne (...)." [372] Sei nun also die Möglichkeit des Paktes bewiesen, so könne dieser auch augenscheinlich durch das 'stygma diabolicum' nachgewiesen werden, denn "(...) wie ein Hirth seine Schaaf bezaichnet, also ist auch richtig, das diser abgesagte feünd gottes ad imitationem Christi seine Mancipia ['Eigentum', Anm. d. Autorin] mit dergleichen Stigmatibus bezeichnen könne (...)" [373]. Durch die Möglichkeit des Teufels, seine Gestalt zu ändern, sei auch der Vorgang des Incubus-Succubus nachzuvollziehen und damit die Buhlschaft bewiesen. [374] Die Vorstellung des Hexenflugs und Hexentanzes rechtfertigte der Gutachter dadurch, dass der Teufel als ein Engel fliegen könne und "(...) da der höllische feünd so gar Christum selbsten (...) auf die spitzen des Tempels geführet und gestellet (...) so wird Ihme ja auch möglich gewesen seÿn, Inquisitinen auf die hexentänz zu transportieren (...)". [375] Damit stützte von Sättelin die Macht des Teufels theoretisch hauptsächlich auf 'Die Versuchung Jesu' nach Matthäus 4, Vers 1-11.

Fundierte von Sättelin sein erstes Gutachten noch auf der Grundlage der Carolina, zeigt sich in der dargestellten Argumentation des Juristen eine theologisch-reaktionäre Haltung. Der Pakt mit dem Teufel und damit im Zusammenhang das kumulative Hexereidelikt nach den Kategorien des Hexenhammers generierten zum grundlegenden Argumentationsmuster für die Bestrafung von Hexerei. Die carolinischen Maximen eines Zaubereiprozesses wurden umgangen.

Warum lieferte von Sättelin, der aufgrund der vorliegenden Geständnisse in Kürze ein Urteil hätte fällen können, wiederum ein über 100-seitiges Konsilium?

Das Deutungsmuster Hexerei war noch im 16. und 17. Jahrhundert insoweit objektiviert, dass an der Existenz von Hexerei kaum gezweifelt wurde. Die rechtlichen Bedingungen der Carolina wurden ignoriert und die Indizien für die peinliche Frage bis auf ein Minimum reduziert: Die Besagung in der Folter war in vielen Fällen für eine Verhaftung ausreichend gewesen. Im 18. Jahrhundert war die magische Sinnwelt schon im Begriff zum Problem zu werden. In vielen anderen Territorien hatten die Verfolgungsbefürworter im Verlauf des 17. Jahrhundert immer mehr an Repräsentanz verloren. [376] In Marchtal offenbarte der Gutachter selbst, dass die magische Sinnwelt nicht mehr grundlegend gegeben war, was sich nicht nur durch den außergewöhnlichen Umfang der Konsilien zeigte, sondern auch aufgrund der reaktionären Beweisführung, die eine sinnweltstützende Argumentation war.

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Die Reaktion des Gutachters, eine solch umfangreiche ideologische Fundierung über die Existenz von Hexerei zu liefern, kann damit als letzter Widerstand gegen eine zusammenbrechende Sinnwelt verstanden werden. [377] Es war notwendig geworden die magische Sinnwelt zu stützen und eindeutig zu beweisen. "Besondere Maßnahmen zur Erhaltung von Sinnwelten werden nötig, wenn eine symbolische Sinnwelt zum Problem wird. Solange das nicht der Fall ist, ist sie auf sich selbst gestellt, das heißt, sie legitimiert sich selbst durch die Tatsache ihrer objektiven Existenz in der betreffenden Gesellschaft (...)." [378]

Grundlegend folgerte von Sättelin aus dem Geständnis der Angeklagten: "(...) nach aller rechts gelehrten Rat einhelligen Doctrin, die Hexen aus ihrer einzigen Confesion, und Bekanntnus Von gepflogenen Verbündnus mit dem bösen feÿnd, würckhl: Vermischung, Verläugnung gottes, und seiner Heÿligen frequentierung deren hexentänzen, verunehrung deren Hochheÿligsten Sacramenten Zum tod verurteilt werden könten." [379] Am 7. März 1747 wurde dieses Todesurteil gegen beide Frauen vollstreckt. [380]

10.2.2 Ausweitung der Verdächtigungen und Folgeverfahren

Etwa einen Monat später wiederholte sich das Muster der ersten beiden Prozesse zwei weitere Male: Sowohl Barbara Getschler als auch Magdalena Füderin zusammen mit deren Ehemann klagten ebenfalls gegen Verdächtigungen aus dem Dorf Alleshausen. Im Fall der Magdalena Füderin oder so genannter 'Bollmännin' erging ein herrschaftlicher Befehl, Magdalena Füderin selbst als ehrliche Frau zu behandeln, weitere Verdächtigungen aber beim Oberamt unverzüglich anzuzeigen. [381] Knapp einen Monat später wurde die 'Bollmännin' festgenommen, da sich zum einen der Verdacht zu erhärten schien, zum anderen insbesondere der Ehemann bei Gericht vorgesprochen und die Klärung der Angelegenheit erboten hatte. Der zunächst positiv erscheinende familiäre Halt verkehrte sich durch die sich steigernden Verleumdungen gegen die 'Bollmännin'.

Die Funktion der Verfolgungsforcierung gegen Barbara Getschler erfüllte der Alleshausener Gemeindeausschuss: "(...) underm 5 ten Juny ein abgeordneter gemaindts ausschuss dahiro einfindig gemacht, mitt wehmüttigster bitt, sie götschlerin gefahnglich anhero bringen zu lassen (...) da der Jamer Und elend in dem ganzen dorff nicht genugsamb zu beschreiben seÿe, Ja es würde sich die gemaind genöthigt sehen die selbe selbsten gefänglich per anhero zu führen." [382] Analog dem Prozess gegen Catharina Schmid drängte wiederum die Dorfelite aus Alleshausen auf Verhaftung. Der Druck wurde durch die Androhung verstärkt, die Gemeinde werde selbsttätig für die Sanktionierung der Frau sorgen. Mit dieser Forderung hatte Alleshausen der Marchtaler Justiz zwei Handlungsoptionen diktiert, die beide die Macht von Oberamtmann und Kanzleiverwalter untergruben: Auf Passivität von Seiten der beiden Beamten werde die Gemeinde selbst aktiv, was wohl Lynchjustiz für Barbara Getschler bedeutet hätte. Reagierte Marchtal im Sinne von Alleshausen, gab der Oberamtmann wiederum den Prozess in die Hände der Gerichtsmänner aus der Federseegemeinde.

Am 3. Juni 1747 ordnete das Marchtaler Gericht an "(...) die Bollmännin in schärfere Verwahrung und demnach in das gewohl: glockhauß zu Verweÿßen" [383].

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Für die Frauen, eine weitere, Anna Mühlin, war inzwischen ebenfalls als angeklagte 'Hexe' in Haft gekommen, wurde ein einziges Interlokut aus Biberach angefordert, das die Folter legitimierte.

Mittlerweile zeigte sich von Sättelin explizit von der Wirklichkeit des Hexereidelikts überzeugt: "(...) den unglückhßeeligen orth alleshausen betroffen, und Es nicht anderst scheinen, alß wann auß der aschen der bißhero auf dem schitterhauffen verbrandten teüffl: undolden ein ganz frisches hexen geschmiß hervorsteigen, dises haben Mir die Von einem wohllöbl: weltl: oberambt des hochlöbl: Reichs Stüftt und Gotteshauß Marchtall Vor einiger Zeith Zugeschickten Inquisitions Protocolla sattsamb vor augen geleget (...) die daßelbst in pcto Magia heu sortiligÿ inhafftierten 3 weibs persohnen benanntl: Magdalena füderin oder bollmännin, barbara getschlerin, und anna Mühlin oder gaupplerin (...) das alle dise 3 leichtferigen Vettlen ohne weitheres mitt der peinl: frage zubelegen seÿen (...)." [384]

Mit dämonologischer Literatur untergrub von Sättelin die Gesetze der Carolina. Der Gutachter konzentrierte sich in seiner Argumentation hauptsächlich auf den Teufelspakt als Grundlage von Schadenszauber: Da ja der Teufel Schaden stiften könne, sei auch Schadenszauber durch die 'Hexen' mit Hilfe ihres "höllischen Lehrmeisters" möglich. In Bezug auf die Zeugenaussagen argumentierte der Gutachter nach DELRIO, dass viele einzelne Zeugschaften verschiedener Delikte von 'guten' Männern genügten, könnten nicht zwei Zeugen von ein und demselben Delikt berichten (Art. 23 CCC). [385] Dies wiederum rechtfertige sich aus der Tatsache, dass Hexerei aufgrund der besonderen Abscheulichkeit als 'crimen laesae maiestatis' anzusehen sei. Für die Beschreibung der "Atrocitas", der Abscheulichkeit, des Hexereiverbrechens bediente sich von Sättelin den Worten CARPZOVs aus 'Quaestio 48' der 'Practica Nova', dass das Verbrechen der Hexerei abscheulicher sei als Mord, Ehebruch und Diebstahl. [386]

Anhand der Zeugenaussagen gegen Magdalena Füderin hatte von Sättelin exemplarisch die Legitimation der Tortur ausgeführt, die anderen beiden angeklagten Frauen, so argumentierte der Rechtsgelehrte, seien ebenfalls mit der Tortur zu belegen, da "(...) sie mitt ehemahlen Justificierten hexen Verdächtige conversation gehabt" [387].

Magdalena Füderin gestand im Gegensatz zu Barbara Getschler und Anna Mühlin trotz der Folter das Hexereidelikt nicht. Mit Rutenstreichen versuchten die Scharfrichter die nach mehrmaliger Tortur fast tote Frau am Morgen des 16. Oktober nochmals zum Sprechen zu bringen, am Nachmittag fand sie der Amtsknecht tot im Glockenhaus. Dass sie eines solchen 'verdammlichen Todes' gestorben sei, bewies nach Ansicht der Richter im Nachhinein, dass sie des Lasters der Hexerei nicht unschuldig gewesen sein könne. [388]

Gegen die geständigen Frauen Barbara Getschler und Anna Mühlin erstellte von Sättelin am 2. November 1747 ein letztes Konsilium [389], in dem der Gutachter das Todesurteil gegen beide Frauen vorschlug. Von Sättelin wies insbesondere darauf hin, dass durch seine folgende Argumentation auch alle Verfolgungsgegner "(...) Endlich begreifen und selbst erkhennen müessen, das das Crimen nicht Ein fabelwerckh, sondern wahrhafftig existire (...)" [390].

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Wiederum muss die Motivation für ein solches Gutachten als Aufgabe gesehen werden, einen Beweis über die Existenz des Hexereiverbrechens zu führen. Tatsächlich erklärte von Sättelin in diesem wiederum über 100-seitigen Gutachten sämtlich Elemente des kumulativen Hexereidelikts und argumentierte für deren Wirklichkeit und für die Bedrohung durch die 'Hexen'. Er berief sich dabei auf die Bibel, den Hexenhammer sowie auf bedeutende Verfolgungsbefürworter wie "(...) BINSFELD Confesion: malefic:, BODINUS In Domonomania, DEL-RIO in disquisit: Magiis, Rex Jacobus in demonologia, Francicus TORREBLANCA de Magia." [391] Wo immer dies nicht ausreichend schien, verwies von Sättelin auf die 'natürliche Vernunft'.

Grundlage der Argumentation von Sättelins war das in der Tortur erpresste Geständnis der Angeklagten, das er zu verifizieren versuchte. Die beiden Frauen hatten jeweils Schadenszauber, Teufelspakt, Buhlschaft und Hexenflug gestanden.

Mit sachlichen Beweistatsachen sei das Hexereidelikt allerdings nicht zu beweisen, aber durch den Schadenszauber, also durch ihre Taten, verrieten sich die 'Hexen': "(...) und obgleich die hexerey mit augen nicht zu sehen ist, so kan doch solche ex lamiarum actibus et desuper factis consequentibus necesario concludentibus Erwysen werden." [392] Das Hexereiverbrechen hinterlasse keine 'facti permanentis', sondern 'facti transeuntis', weshalb die Anklage sich auf den Beweis des Zusammenhangs zwischen der Tat der vermeintlichen Hexen und dem Schaden zu konzentrieren habe.

Es ist wohl kein Zufall, dass im Gegensatz zum ersten Prozess sowohl die Zeugen inzwischen nach der rechtlichen Vorgabe der Carolina aus Art. 44 aussagten und explizit von Fluch und erfolgtem Schadenszauber berichteten als auch die erpressten Geständnisse der Angeklagten diese Bedingung herstellten. Daraus folgerte der Gutachter: "Was Kunte nur disem von dennen Inquisitinen verübten Zaubereÿen der dennen Leüthen ins teüffels nahmen und unter bösen wünschen gegebenen brodts Milch und darmit applizierten höchstschädlichen pulver Ein näheres Indicium seÿn, als die gleich daraus urplötzlich Erfolgte maladie derrjenigen persohnen, so darvon genossen haben (...)." [393]

Von Sättelin, der in seinem ersten Gutachten die unmittelbare Bedingung zwischen Zauberei und Krankheit auf ein Minimum reduziert hatte, setzte diese nun grundsätzlich in Beziehung bzw. betonte "(...) als dises dem ordentlichen Lauf und Eigenschaft der Natur contraveniret, das ein sonst gesunder frischer Mensch auff Ein bröckeln brodt, oder milch mit so ungewohnlichen und von Niemand Erkenntlichen üblen Zustand aso urplötzlich überfallen werden solte (...)" [394]

Als weiteres Argument führte der Gutachter das Wissen der Frauen um Teufelspakt und Buhlschaft, um Hexenflug und Tanz, also ihre eigene Existenz als Hexen an: "Welches noch am verwunderlichsten ist, das die Hexen alles so accurat Zuerzehlen wissen, wie die Hystorii de Magia scribentes solches beschreiben, mit disen übereinkhommen, und Eintreffen, ob die vorhero schon nichts darvon gelesen haben; MITHIN DIE NATÜRLICHE VERNUNFFT SELBST DICTIERT, DAS ES HEXEN GEBE [Hervorhebung d. Autorin] (...)." [395] Der Gutachter stellte fest, die Frauen hätten sich ihr Wissen kaum anders als durch den wahrhaftigen Pakt mit dem Teufel angeeignet haben können und ignorierte die Reproduktion des dämonologischen Glaubens in der Folter völlig.

Besonders deutlich wird der Charakter dieser letzten Marchtaler Hexenprozesswelle am Erklärungsmodell der 'Vernunft'. Von Sättelin, der mit dem ursprünglichen Freispruch gegen Catharina Schmid das Deutungsmuster Hexerei schon ad absurdum geführt hatte, hatte sich von der Gemeindevertretung aus Alleshausen nochmals zu einer Umkehr bewegen lassen. Die magische Sinnwelt legitimierte sich aber nicht mehr aus sich selbst heraus, sondern war enorm gefährdet und musste gestützt werden, was von Sättelin in seinen umfangreichen Gutachten tat. Für von Sättelin lässt sich ein Weg nachzeichnen, der ausgehend von der Carolina, die das Deutungsmuster des kumulativen Hexereibegriffs nicht stützte, über namhafte Dämonologen und Benedict CARPZOV, die den Teufelspakt zu beweisen versuchten bis hin zur 'natürlichen Vernunft' geführt hatte. Es entspricht der Logik, dass das Erklärungsmodell Hexerei in letzter Stufe aus der 'Vernunft' zu begreifen sei. Damit war Hexerei ein natürliches Gesetz und kam einem göttlichen Codex gleich. Das Deutungsmuster konnte somit weder von der Justiz noch von anderen Wissenschaften angezweifelt oder gar widerlegt werden. Die 'Vernunft' war das letzt mögliche Erklärungsmodell, bevor die Existenz von Hexerei nicht mehr legitimierbar war.

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Die These von der theoretischen Stützkonzeption von Sättelins beweist letzten Endes auch die Antwort der Reichsabtei Marchtal auf die erhaltenden Konsilien. Die Gutachten wurden dabei nicht mehr als eine Rechtsauskunft in der mutmaßlichen Strafsache der beiden Frauen angesehen. Die Herrschaft bedankte sich bei dem Rechtsgelehrten für die Überschickung der ausführlichen Gutachten: "(...) und ganz umbständlich elaborierte, Mithin zur Vollkommenen uberzeigung aller derJenigen, welche wahrhaffte hexen zu geben läugnen wollen (...)." [396]

10.2.3 Rückgang des Verfolgungseifers

Nach diesen beiden letzten Verurteilungen, Magdalena Füderin als weitere Angeklagte hatte die Tortur nicht überlebt, nahmen zwar nicht die Verdächtigungen, jedoch der Verfolgungseifer aus Alleshausen merklich ab. Folge war, dass auch die Verurteilung magischer Delinquenten nachließ.

Die Marchtaler Justiz erwähnte in einem Brief vom 1. März an von Sättelin, dass noch weitere Frauen in Haft seien: "(...) Ja wur haben wirckl (...) in hoc ipso Crimine indicierter weibsbild Von hausen [Hausen am Bussen, Anm. d. Autorin] nebst Underwaching dahir inligen, welche aber ex defectu ulteriorum indciorum nicht ad tortura zu bringen sondern villmehr wider zu dimittiren (...)." [397] Es ist anzunehmen, dass die Verdächtigungen gegen die aus Hausen am Bussen und Unterwachingen stammenden Frauen nicht erhärtet wurden. [398] Scheinbar hatten verschiedene Verdächtigungen zur Festnahme der Frauen geführt, nachdrücklicher Verurteilungsdruck war aber wohl unterblieben.

Eine weitere Verdächtigung in Alleshausen erfolgte im Jahr 1749, als Catharina Strohmin gegen Sophia Gaisserin klagte, sie sei von ihr und Maria Hollin, der Tochter von Georg Holen, als 'Hexe' ausgerufen worden [399]: Sophia Gaisserin wurde verhört, stritt aber sämtliche Verdächtigungen ab und bezeugte der Strohmin, dass sie eine redliche und ehrliche Frau sei. Daraufhin wurde eine Geldstrafe gegen Sophia Gaisserin verhängt, die aber auf vielerlei Abbitten wieder erlassen wurde.

Sowohl der Hinweis, dass die aus anderen Dörfern inhaftierten Frauen freigelassen werden sollten als auch dieser letzte Verdachtsfall am Ende der 1740er Jahre, verdeutlichen aus zwei verschiedenen Perspektiven, dass eine fehlende Forcierung aus Alleshausen zur Abnahme bzw. Beendigung der Prozesse führte. Wurden die Verdächtigungen zurückgenommen oder bestand kein Druck aus Alleshausen mehr, gab es für die Marchtaler Justiz keinen Anlass mehr, einen Prozess anzustrengen. Das Marchtaler Gericht schien folglich kein Interesse an der Bestrafung der vermeintlichen Delinquenten mehr gehabt zu haben. Somit lässt sich für die letzte Prozesswelle ebenfalls als Fazit ziehen, dass Alleshausen die Prozesse diktierte, die Marchtaler Herrschaft dabei lediglich agierte.

11. "Wie weith müssen die Sachen kommen in der welt (...)" Skepsis der Dorfelite, Skrupel der Juristen - Das Ende der Prozesse 1756/1757

Für den langsamen Zerfall des Hexendeutungsmusters und der damit in Zusammenhang stehenden Beendigung der Hexenprozesse ist es der Forschung gelungen, einen grundlegenden Ursachenkomplex zusammenzutragen [400]: Unter dem juristischen Gesichtspunkt trug zu den Veränderungsprozessen eine verbesserte Verfahrensführung bei, die den Beweisnotstand des Hexenverbrechens offensichtlich machte und eine Überführung dadurch ausschloss. Eine bedeutende Rolle spielte die Ausbildung der Wissenschaften und damit die Neudeutung von Naturerscheinungen, des ehemaligen 'Maleficiums', was unausweichlich auch zu einer grundlegenden Skepsis an der Personifizierung des Teufels und den Elementen des kumulativen Hexereibegriffs mit Teufelspakt, Teufelsbuhlschaft und Hexenflug führte. Zu Rate gezogene Ärzte und Apotheker hatten die Scharfrichter abgelöst und entmystifizierten Teufelsmal, Schadenszauber und Hexensalbe. Den grundlegenden Aspekt in Bezug auf das Ende der Verfolgungen nennt BEHRINGER und spricht in diesem Zusammenhang von einer "Entkriminalisierung der Hexerei" [401], die darin bestand, dass die Gesellschaft magische Praktiken nicht mehr als kriminell definierte.

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Die Problematik der regionalen Differenzierung, die das gesamte Phänomen der Hexenverfolgung durchzieht, stellt sich allerdings auch bei deren Ende und so soll im Folgenden der Ursachenkanon, der auf regionaler Ebene zum Ende der Hexenprozesse führte, untersucht werden. Für das Marchtaler Territorium soll zunächst nach den Grundlagen und der Art der Notwendigkeit einer Um- bzw. Neudeutung über das Hexenmuster hinweg gefragt werden, was die Untersuchung eines möglichen Bedingungsgefüges aus politischen, wirtschaftlichen und sozialen Faktoren umschließt. Von Interesse sind diejenigen Gesellschaftsgruppen, die eine Neudeutung forcierten, stützten oder auch behinderten, sowie deren Art und Weise. Von Interesse ist in diesem Zusammenhang auch die Frage, welche Ursache eine solche Neudeutung hatte und welche Funktion damit erfüllt wurde.

11.1 Verdächtigungen, letzte Verhaftung und neue Deutung

Die wohl letzte Festnahme auf dem Marchtaler Gebiet erging gegen Magdalena Jossin aus Brasenberg [402], die allerdings am 14. September 1756 wieder entlassen wurde. Auch deren Tochter und zwei weitere Frauen, die unter Verdacht standen, wurden nicht inhaftiert, die rechtlichen Untersuchungen jedoch noch nicht gestoppt. So liegen aus dem Jahr 1757 zwei weitere Gutachten vor, die sich mit den Verdächtigungen aus Alleshausen und der Teilgemeinde Brasenberg beschäftigten.

Paradigmatisch auch in diesen letzten rechtlichen Untersuchungen ist die Tatsache, dass die Initiative zunächst von den verdächtigten Frauen, wiederum Mutter und Tochter, ausging, die gegen verschiedene Anschuldigungen klagten.

Am 24. und 27. Juli 1756 traten mehrere Zeugen vor Gericht, die sowohl Mutter und Tochter Burgmaÿer als auch Mutter und Tochter Jossin aus Brasenberg verschiedene Schadenszauberdelikte vorwarfen. Während gegen Theresia Burgmayer am 13. September der Bescheid erging, sie solle mit Rutenstreichen gezüchtigt werden, ließen sich die Aussagen gegen die anderen Frauen scheinbar nicht erhärten und so stellte das Gerichtsprotokoll vom 14. September die Entlassung von Magdalena Jossin fest: "Man will auch dise Vor ietzo in Gottes nahmen entlassen, der Zuversicht, es werde der grosse gott gnad verleÿhenn, das sich das ietzmahlige üble geschreÿ eintweders Von sich selbsten setze und Verliere, oder aber, das sich nähere indicia zeigen, mit wirkl: Inquisition fürzufahren." [403]

Die Marchtaler Gerichtsbarkeit, immer noch in den Händen von Rats- und Oberamtmann Rettich und Kanzleiverwalter von Dilger, ließ damit die Verdächtigungen zunächst auf sich beruhen. Das "üble Geschrei" wurde nicht mehr als hinreichendes Verdachtsmoment gewertet, die Frauen in der Hoffnung freigelassen, dass die ohne Ergebnis verlaufene rechtliche Prüfung auch die Gerüchte versanden lasse.

In Alleshausen hatte sich mittlerweile ein Personalwechsel in der Dorfelite vollzogen: Neuer Gerichtsamtmann in Alleshausen war Lorenz Engler [404], der den äußerst verfolgungsforcierenden Amtmann Joseph Caduss abgelöst hatte und an den Beratungen über das Vorgehen in den 'Hexenfällen' teilnahm.

Lorenz Engler steht in unmittelbaren Zusammenhang mit dem skeptischen Verhalten der Marchtaler Richter. Gegenüber den Verleumdungen aus den Dörfern Alleshausen und Brasenberg lieferte Lorenz Engler am 14. September 1756 einen grundlegend neuen Lösungsansatz, ein neues Deutungsmuster im Umgang mit den Verdächtigungen gegen die Frauen aus seiner Gemeinde: "(...) seines darfürhaltens dißes üble geschreÿ hauptsächlich Von denen 2 beßessenen persohnen dann auch dahero rühere, weilen fast alle bauren zu braßenberg ihren feldbau und Zug ross nicht selbsten besorgen, sondern an ihre thails junge Kinder, theils unachtßame dienstbotten senckhen, Ross und Vich schlecht füttern, und dadurch dergestalten entkräfften, das bald dißes bald jenes stückh crepiere ein welches aber gantz Natürl: weiß geschehen müsse, und eben nicht allemahl Von bösen leüthen herkomme (...) man sollte den weibern sowohl dißfals ein recht scharfes bisß einlegen, als auch denen bauern beÿ straff anzubefehlen, sich umb Ihr Ross Und Vich fleissiger anzunehmen, die selbige selbst zu besorgen, und Zu futheren (...)Welches dann mit allem nachdruck geschehen, obe es aber von denen bauern werde besörigt (...) stehet gleichwohlen abzuwarten." [405]

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Bis zu den letzten durchgeführten Prozessen hatten die magischen Zuschreibungen zwei Funktionen Rechnung getragen: Zum einen war das Hexendeutungsmuster Erklärungsmodell für verschiedene Unglücksfälle, die die wohlhabende Dorfbevölkerung durch magische Kräfte mutmaßlich delinquenter, zum Teil mittelloser Frauen gegen sich praktiziert sah. Als Reaktion gebrauchte die Dorfelite das Deutungsmuster Hexerei zum anderen als Verteidigungsstrategie, um mittellose Personen auszugrenzen und damit den eigenen Besitzstand zu sichern.

In der Reaktion auf diese beiden Funktionen des Hexendeutungsmusters und als Versuch, diese zu negieren, muss die Aussage des Amtmannes gesehen werden. Lorenz Engler hatte nach einem neuen Lösungsansatz für die Erklärung von Schadensfällen im Dorf Alleshausen gesucht und in seiner Stellungnahme eine Neudeutung der Unglücksfälle angeboten: Der Verlust von Vieh oder das Ausbrechen von Krankheit, zuvor als Erklärungsmodell für Unglücksfälle und die Praktik als 'Racheakt' neidischer Besitzloser verstanden, schrieb er natürlichen Faktoren zu; die Ursache sei bei den Bauern und deren schlechter Viehhaltung selbst zu suchen. Wenn nun die Bauern diese Schadensfälle selbst zu verantworten hatten, ergab sich daraus auch kein Automatismus mehr, nach anderen vermeintlich schuldigen Personen zu suchen. Eine Ausgrenzung von mutmaßlichen Delinquenten hatte damit an Sinnhaftigkeit verloren.

"Stehen Expertengruppen mit ihren definitiven Wirklichkeitsbestimmungen einander nicht nur als Konkurrenten in der Theorie, sondern auch in der Praxis gegenüber, so entpragmatisieren sie ihre Theorien wechselseitig und "veräußern" damit deren praktische Möglichkeiten. Das heißt: eine Theorie wird als praktisch überlegen "demonstriert", nicht wegen ihrer inneren Qualitäten, sondern wegen ihrer Verwendbarkeit für die gesellschaftlichen Interessen." [406] Die Deutung des Amtmanns erwies sich gegen die 'Expertengruppe der Hexereibefürworter' als praktisch überlegen: Auch für die von der Magie überzeugten Bauern wurde demonstriert, dass nachweislich weniger Schaden am Vieh entstand. Das Deutungsmuster Hexerei dagegen, dessen Konsequenz in der Nihilierung magisch delinquenter Personen lag, konnte ja zu keiner Verbesserung der Verhältnisse geführt haben.

Daran schließt sich die Frage an, warum die Veränderungsprozesse insbesondere von der Position ehemaliger Verfolgungsbefürworter ihren Anfang nahm. Mitentscheidend war sicherlich der Personalwechsel in Alleshausen, der sich allerdings durch die Tatsache relativiert, dass auch Lorenz Engler zu den Anklägern im Prozess gegen Catharina Schmid zählte und erst nach mehreren Todesurteilen, aber vor allem durch seine neue Position, eine andere Stellungnahme bezog. Mit der Neubesetzung von Lorenz Engler kam nicht nur dieses neue Deutungsmuster hervor, gleichzeitig fielen auch die alten magischen Interpretationsmodelle, die der ehemals verfolgungsforcierende Gerichtsamtmann Joseph Caduss nicht mehr verteidigen konnte.

Die Verfügungsmacht [407], alte Stützkonzeptionen von Wirklichkeit zu negieren und eine neue Wirklichkeitsbestimmung zu legitimieren, passt paradigmatisch in das Bild der Geschichte vehementer Durchsetzungsfähigkeit der vermögenden Elite von Alleshausen. Wie MARX es ausdrückte: "Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken, d.h. die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende geistige Macht." [408]

Die These von der Stellung Alleshausens als 'primus inter pares' verifiziert sich damit auch in Bezug auf die Beendigung der Marchtaler Hexenprozesse, die zum großen Teil in den Händen der Alleshausener Dorfelite lag.

11.2 Rechtliche Eindämmung der Verdächtigungen

Die Umdeutung der Verdächtigungen, die nun als Verleumdungen verstanden wurden, markierte in der Folge auch den juristischen Wendepunkt in den Hexereiverfahren. Die Verdächtigungen wurden explizit entwertet, die verantwortlichen Personen diskreditiert. Die negative Überformung von Verdächtigungen verhinderte allerdings in der Folgezeit nicht, dass weiterhin Zuschreibungen für die Initiierung verschiedener Schadenszauberdelikte aus der Dorfbevölkerung hervorgebracht wurden.

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Nachdem die rechtlichen Untersuchungen gegen die verdächtigten Frauen schon im Jahr 1756 für abgeschlossen erklärt worden waren, brachten neue Beschuldigungen gegen Barbara Maÿer die Marchtaler Justiz ein Jahr später erneut in Gang. Eine Aburteilung von haltlosen Verdächtigungen, wie sie in der Stellungnahme Lorenz Englers zum Ausdruck gekommen war, war unzureichend gewesen, die immer noch kursierenden Verleumdungen in Brasenberg zu unterbinden. Das neue Deutungsmuster musste rechtlich gestützt werden. Folge waren zwei juristische Gutachten über die Verdächtigungen in Brasenberg, die allerdings nun nicht mehr durch den Biberacher Bürgermeister gestellt wurden. [409]

Der Aussteller des ersten Gutachtens konnte nicht eindeutig ermittelt werden. Aus der Akte geht lediglich als Ausstellungsort Ulm hervor. Eindeutig zeigt sich in diesem Gutachten, dass die Marchtaler Herrschaft nun gegen die Urheber von Verdächtigungen vorgegangen sei: "(...) als die Selgin nach fast Jahr und tag auf Ihrer ebenvorigen aussag sonder dingen, und zwar so gar in offentlicher Canzleÿ beharret, Ja die Maÿerin frecher dingen angegriffen und Jammerlich getrosslet hat, so habe mann sich genöthiget, Zu hoffentlich erfolgender besseren ruhe sie Selgin, als welche sich ohnehin (...) der Marchtaler leibeigenschafft ausgekauffet hatte, dahin zu verfallen, das sie den fleckhen brassenberg, Ja die ganze Marchtalische herrschafft räumen und Ihr brodt anderwerthig suchen solle". [410] Der Gutachter aus Ulm unterstützte diese Maßnahmen.

Die Gratwanderung zwischen den Einschätzungen der Aussagen als 'Indiz' für Schadenszauber und Verleumdung gegen Personen aus der Dorfgemeinschaft kippte nun eindeutig gegen die Urheber von Verdächtigungen und führte auf dieser Grundlage zur Verhinderung weiterer Hexenprozesse. Durch die Zuschreibung, die Verdächtigungen seien subjektive Phantasien törichter Personen, verlor das Schadenszauberdelikt und in seiner Folge das kumulative Hexereidelikt seine 'natürlichste' Grundlage, überhaupt ein Verfahren anzustrengen. Dadurch, dass diesen subjektiven Vorstellungen keine 'gesellschaftliche Objektivation' folgte, setzten sie keine Wirklichkeit mehr.

Aus diesem Grund manifestierte das Ulmer Gutachten rechtliche Schritte gegen die Urheber von Verdachtsmomenten mit der Möglichkeit von sozialem Ausschluss. Der ehemals gegen vermeintliche Hexen gebrauchte Mechanismus der sozialen Ausgrenzung wurde nun gegen die Urherber von Verdächtigungen gebraucht. Die Ursache von Schadensfällen, so die neue Deutung, lag nicht mehr in den Händen magischer Delinquenten, sondern schien offensichtlich in der Schuld der Bauern zu liegen. Die Strategie, die Schadensfälle zu minimieren, hatte sich grundlegend gewandelt, sie richtete sich gegen die vom Unglück betroffenen Personen selbst.

Ebenso fand eine Umorientierung in der Begrifflichkeit statt, als der Ulmer Gutachter schrieb: "Umb gottes willen! Wie weith müssen die Sachen kommen in der welt, Und wer könnte wohl seine Ehewütib sattsamb beschüzen Vor bösen leuthen mäuller?" [411] War der Begriff der "bösen Leute" bisher ein Synonym für die vermeintlichen Hexen gewesen, wurde der Begriff nun gegen Personen gebraucht, die durch Besagungen die Ordnung und Ruhe zu stören schienen: "Nicht mehr die Hexen, sondern die Hexenverfolger wurden die bösen Leute." [412]

11.3 Psychologie, Medizin, naturwissenschaftliche Bildung

Ein weiteres Gutachten, das die Frage nach der Legitimation einer möglichen Tortur gegen Magdalena Jossin stellte, formulierte der Oberamtmann Josef Frei der Prämonstratenser Schussenried im August 1757. [413] Eine magische Deutung fand darin nicht mehr statt, sie wurde ersetzt durch naturwissenschaftliche Erklärungsmodelle.

Der Gutachter konzentrierte sich in seiner Argumentation hauptsächlich auf die Prüfung der Aussagen von Maria Selg, die eine neuerliche Untersuchung in Gang gesetzt hatte. Wie auch der Gutachter aus Ulm sprach Frei der Anklägerin Selg die Fähigkeit einer vernünftigen Aussage ab, dagegen ein pathologisches Verhalten zu: "(...) der Selgin aussaag als eine Vom bösen feindt entsprungen = und öffters nit recht beÿ sinnen seÿende persohn kein grosen glauben verdiene (...)" und dass "(...) auf der Selgin als einer besessenen = und ohnehin nicht wohl beÿVerstand seÿenden weibs aussag kein rechtliche reflexion Zu machen (...)". [414] Analog zum Gutachten aus Ulm fand bei Frei eine Umkehrung der Zuschreibung von Besessenheit gegen die verdächtigende Person statt.

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Aus früherem Glauben wurde Aberglauben, magische Fähigkeiten, von der Art direkter Sabotage an der Natur, bezweifelt: "(...) niemands vernünfftig behaupten wollen, das durch solche non concurrentibus aliis signis et Indiciis das Laub auss den bäumen abstosen= oder durr werden kenne." [415]

Der Oberamtmann Frei schlug weitere Befragungen und die Untersuchung verschiedener Krankheiten, für die Magdalena Jossin oder so genannte Reütterin verantwortlich gemacht wurde, durch einen Arzt vor: "(...) findet er [der Arzt, Anm. der Autorin] aber bej allen nichts wider natürliches und wird auch wegs disen ermelten H Medicus erhoben, das die Reütherin wie einige von ihro ausgesagt, nicht beÿ vollkommeenem Verstand gewesen und annach nichts seÿe, so glaube nicht, das mit ihro was weithers angefangen werden kenne, ausser das mann auff Sie pro senturo ein wachsammes aug halten = und dennen Untherthanen bej gewiser straf befehlen lasse, das wann wem entweder menschen oder Vich ver widriges begegnete, sie mit der anzaig nicht so lang Zaudern = sondern die Sach also baldst denuncieren sollen." [416]

In der Stellungnahme des Oberamtmanns fand damit eine klare Verschiebung der Kompetenzbereiche statt. Die Zuständigkeit um körperliches Wissen und Deutung von Krankheit wurde neu zugeordnet. Der Oberamtmann erwähnte keinerlei Gebrauch des anatomischen Wissens und der Lesart von Scharfrichtern mehr, dessen Fachwissen in Bezug auf Hexenprozesse schien überkommen. Die Konzentration der Untersuchungen lag nicht mehr auf dem Körper der Angeklagten, der mit dem 'stygma diabolicum' den Teufelspakt für Scharfrichter und auch manche Juristen augenscheinlich ausgewiesen hatte. Maßgeblich schien die Psyche sowohl der Anklägerinnen als auch der als Hexe beklagten Frauen, denen inzwischen durchaus zugetraut wurde, die verschiedenen magischen Momente durch ihre Phantasie selbst hervorzubringen. Die Möglichkeit von Schadenszauber wurde damit ausschließlich subjektiven Einbildungen zugeschrieben, wurde imaginär.

Ob und in welcher Art in Folge dieses Gutachtens und den darin ausgeführten Vorschlägen Untersuchungen stattfanden, lässt sich nicht mehr nachvollziehen.

Seit dem Jahr 1754 sind in Marchtal sowohl ein Arzt als auch ein Apotheker nachzuweisen: Herr Carl Friedrich Ibel Medicinae Doctor und Landschaftsphysikus und Herrn R. F. Aleysius Leuthenmayer Apotheker, sowie Herr H. Carl Reinhard als Apotheker-Gesell. [417]

11.4 Die Bedeutung der Herrschaft

Innerhalb der juristischen Elite Marchtals gab es über die Jahre der letzten Hexenprozesse, dem Zerfall des Deutungsmusters Hexerei und der Beendigung der Prozesse weder personelle Veränderungen noch feststellbare fundamentale ideologische Brüche: Georg Joseph Rettich hatte seine Ämter als Rat- und Oberamtmann von 1730 bis zum 6. Mai 1761 besetzt, Marquart von Dilger war von 1733 bis ins Jahr 1760 Kanzleiverwalter der Reichsabtei Marchtal geblieben. [418]

In der Zeit von dieser letzten Hexenpanik an bis zur Freilassung verdächtigter Frauen nahmen die Marchtaler Juristen eine Art 'Sandwich-Position' ein. Insbesondere die Einflussnahme von unten, der Dorfelite Alleshausens, die sich im Verlauf der Prozesse durch die Aneignung von Gerichtsämtern in Marchtal nachweislich rechtliche Macht verschafft hatte, schmälerte die Bedeutung von Oberamtmann und Kanzleiverwalter. Die rechtliche Fügungsmacht von oben, der Gutachter, schränkten die Handlungsoptionen der weltlichen Beamten weiter ein. Die rechtlichen Entscheidungen, die sich aus den Gerichtsprotokollen nachvollziehen lassen, fanden jeweils unter unmittelbarer Beteiligung der Amtmänner aus Alleshausen statt, so auch die Entscheidung, den Freispruch im ersten Gutachten über Catharina Schmid zu übergehen. In den weiteren Konsilien aber fixierte der Gutachter von Sättelin das rechtliche Vorgehen, an das sich die Marchtaler Juristen explizit hielten, weil es auch den Vorstellungen aus Alleshausen entsprach.

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In der geistigen Elite des Reichsstifts ereignete sich noch während der letzten Verfolgungen ein Personalwechsel: Edmund Sartor (1746-1768) übernahm die Abtwürde von Ulrich Blank (1719-1746), der am 24. Mai 1746 abtrat. [419] Die Tatsache allerdings, dass im Jahr 1747 in der Herrschaft nochmals fünf Frauen wegen angeblicher Hexereidelikte den Tod fanden, spricht dem Abtwechsel zunächst jeglichen Einfluss auf die Beendigung der Hexenprozesse in Marchtal ab. Im Hinblick auf die Lebensgeschichte Edmund Sartors muss allerdings diesem Abt zumindest ein latenter Einfluss am Ende der Verfolgungen zugesprochen werden. Als Sohn einer kleinstädtischen Ratsfamilie suchte Sartor Aufstiegsmöglichkeiten in der höheren Bildung, hielt später in Marchtal Vorlesungen in Philosophie und Dogmatik und richtete für das gesamte Territorium die Deutsche Schule ein. [420] Lediglich angedeutet werden kann demzufolge, dass vermutlich das Bildungsideal Abt Edmund Sartors seit dem Jahr 1750 aufgeschlossene und fortschrittliche Ideen begleitete und mögliche reaktionäre Geisteshaltungen verhinderte.

12. Resümee

Die Hexenprozesse der Reichsabtei Marchtal erstreckten sich vom 16. bis ins 18. Jahrhundert über mehr als 170 Jahre. Die Verfolgungen traten dabei in drei Wellen auf: in den Jahren zwischen 1586 und 1596, um 1627/1628 und zwischen 1745 und 1757.

Die Besonderheit an den Marchtaler Hexenprozessen ist die Verfolgungspanik noch Mitte des 18. Jahrhunderts, der 7 Frauen zum Opfer fielen. Mindestens 60 Todesurteile gegen vermeintliche magische Delinquenten lassen sich insgesamt aus den Marchtaler Hexenprozessakten nachweisen. Unter den Verurteilten befanden sich zwei Männer und 58 weibliche Personen. Besonders auffällig innerhalb der letzten Prozesswelle ist die Tatsache, dass grundsätzlich Mutter und Tochter wegen Hexerei vor Gericht standen.

Die Initiative, auf der die Marchtaler Hexenprozesse gründeten, war ein lokaler Verfolgungseifer, der sich insbesondere für das Dorf Alleshausen nachweisen lässt. Diese Gemeinde am Federsee kann als 'primus inter pares' innerhalb des Territoriums bezeichnet werden. Insbesondere der hohe Eigenbesitzanteil der Bauern an Grund und Boden führte zu ständigen Konflikten zwischen den Untertanen, die auf gesonderte Rechte und Privilegien beharrten, und der Herrschaft, die diese Sonderstellung nicht zugestehen wollte. In diesem Machtkampf bewies die Untertanenschaft aus Alleshausen, maßgeblich die dortige Dorfelite, in vielen Fällen ihre Durchsetzungsfähigkeit, so auch im Hinblick auf die Hexenverfolgungen. Insbesondere für die letzte Prozesswelle zeigt sich eine deutliche Korrelation zwischen der Größe an Eigenbesitz in Alleshausen, der Zugehörigkeit zur Dorfelite und der Verfolgungsinitiative.

Das Deutungsmuster Hexerei diente in Alleshausen dabei grundsätzlich als Interpretationsfolie für verschiedene Schadensfälle, die die Bauern gegen sich provoziert sahen. Mit den Verdächtigungen wurden familiäre Spannungen und Schichtkonflikte institutionalisiert. Die dörfliche Oberschicht verleumdete dabei Frauen, von denen sie vermutete, die Armut treibe sie zu Sabotage am Eigentum anderer Personen.

Ausschlaggebendes Moment in der Entscheidung über die Eröffnung eines Hexenprozesses auf dem Gebiet war die Deutung der Verdächtigungen durch das verantwortliche Gericht in Marchtal. Wurden Personen aus den Dörfern verdächtigt, sind für die Marchtaler Gerichtsbarkeit innerhalb der über 170-jährigen Verfolgungsgeschichte zwei Reaktionen nachweisbar: Entweder wurden die Urheber von Verdächtigungen bestraft oder es wurde auf der Grundlage der Verdächtigungen ein Prozess eröffnet, der für die als 'Hexe' angeklagten Personen unabdingbar zum Tod führte. Entscheidend für die Eröffnung eines Hexenprozesses war die Übereinstimmung der Deutungsmuster von verfolgungsbegehrenden mit dem der prozessführenden Personen.

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Während das Dorf Alleshausen über 170 Jahre das Deutungsmuster Hexerei kontinuierlich reproduzierte, zeigte das Marchtaler Gericht keine einheitliche Reaktion gegenüber den Verdächtigungen. Im Zuge der ersten Prozesswelle stieß das Verfolgungsbegehren der Untertanenschaft bei der Marchtaler Justiz auf eine extreme Verfolgungsbereitschaft. Der Sanktionierungseifer der Dorfbevölkerung und zunehmende Disziplinierungsmaßnahmen seitens der Herrschaft ergänzten sich. Im Zusammenspiel zwischen der Bevölkerung, die Verdächtigungen generierte, und dem regierenden Vogt Bernhart Bitterlin, der gegen die verdächtigten Personen prozessierte, kam es in diesen Jahren zu fast 50 Verurteilungen. Vermutlich steht der Verfolgungsbeginn in Marchtal in engem Zusammenhang mit der Tatsache, dass die Vögte Christoph und Bernhart Bitterlin selbst aus Alleshausen stammten und aus diesem Grund um so mehr dem Verfolgungsbegehren der Federseegemeinde nachgaben. Eine theologische Fundierung fand dagegen in diesen Jahren nicht statt. Für ein aktives Eingreifen von Abt Konrad Frei lassen sich keine Nachweise finden. Die geistliche Herrschaft tolerierte aber die Stigmatisierung vermeintlich krimineller Personen und die Sanktionierungspolitik des Vogts, der das Deutungsmuster aus der Bevölkerung teilte.

Auch für die zweite Prozesswelle lässt sich dieses Muster nachweisen, wenn auch nicht in der Schärfe der 1580er Jahre. Vogt Johann Schenz gab um 1627/1628 wie sein Vorgänger Bernhart Bitterlin dem Verfolgungsbegehren aus der Bevölkerung nach und verurteilte mindestens fünf Frauen zum Tode. Leider bleiben weitere Umstände dieser Verfolgungswelle aufgrund der mageren Quellenlage im Dunkeln.

Bezeichnendes Beispiel für uneinheitliche Deutungen ist die verfolgungsfreie Phase nach dem Dreißigjährigen Krieg. Auch in dieser Zeit versuchte die Gemeinde Alleshausen, verschiedene Personen durch Verdächtigungen in Hexenprozesse zu verwickeln. Abt und Justiz emanzipierten sich aber gegen die Verdächtigungen der Untertanen, so dass keine juristischen Verfolgungen stattfanden. Die Marchtaler Herrschaft teilte das Deutungsmuster aus der Bevölkerung nicht, sondern beurteilte Armut, auf der die Stigmatisierung zum großen Teil beruhte, als Erbe aus dem Dreißigjährigen Krieg, der auch der Abtei selbst wirtschaftlich sehr geschadet hatte.

In den 1740er Jahren trat die Federseegemeinde aber wieder nachweislich prozessforcierend in Erscheinung. In Alleshausen hatte das Zuschreibungsmodell Hexerei immer noch Gültigkeit. Vor allem die dörfliche Oberschicht, die die Ämter im Ortsgericht besetzt hielt und auch im Folgenden das Gericht in Marchtal 'unterwanderte', behauptete die magische Sinnwelt und mobilisierte sowohl die Marchtaler Justiz wie auch den Gutachter aus Biberach, um diese zu stützen.

Ein zunächst auf den Prinzipien der Peinlichen Halsgerichtsordnung ausgestelltes Gutachten des Biberacher Bürgermeisters von Sättelin, das den Freispruch für eine der Hexerei angeklagte Frau vorgeschlagen hatte, wurde übergangen. Als Reaktion auf dieses Gutachten lassen sich explizite Verfolgungsstrategien aus der Gemeinde Alleshausen nachweisen: Die Alleshausener Dorfbevölkerung, maßgeblich die Dorfelite, hatte versucht, den Prozess sowohl qualitativ mit massiveren Verdächtigungen gegen Catharina Schmid wie auch quantitativ mit Drohungen gegen die Tochter zu forcieren. Beide Strategien führten zum Erfolg: Catharina Schmid wurde weiterhin in Haft behalten, gegen Maria Tornhäuser wurde ebenfalls ein Verfahren eröffnet. Mehrere persönliche Treffen zwischen der Marchtaler Justiz und von Sättelin weisen auf rechtswidrige Absprachen hin. Nach einem dreiviertel Jahr Haft und Folter gegen Catharina Schmid erreichten die Marchtaler Richter schließlich ein Bekenntnis der Tochter und ein Zugeständnis der Mutter. Trotz rechtlicher Bedenken legitimierte der Gutachter von Sättelin letztendlich das Todesurteil.

Im Prozess gegen Catharina Schmid und deren Tochter lässt sich damit die These TRUSENs verifizieren: "Hätte man die Schranken der Carolina beachtet, so wäre so manche Verfolgung unterblieben oder glimpflicher verlaufen." [421]

Der Fall gegen Catharina Schmid und deren Tochter zog weitere nach sich. Marchtal ließ sich die Verfahrensschritte nun aus Biberach diktieren. Sowohl die folgenden Interlokute, wie auch die Konsilien erscheinen aber weniger als 'hilfreiche' Rechtsauskunft in einem rechtlich unklaren Verfahren, sondern vielmehr als letzte Auflehnung gegen die im Zerfall begriffene magische Sinnwelt. Von Sättelin formulierte die Konsilien nicht mehr nach den rechtlichen Maximen der Peinlichen Halsgerichtsordnung. Im Mittelpunkt der über 100-seitigen Konsilien stand die Beweisführung über die Existenz von Hexerei, die durch die Möglichkeit des Teufelspaktes argumentativ gestützt wurde.

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Die finale Erklärungsmuster lieferte von Sättelin in seinem letzen Gutachten im Jahr 1747:

MITHIN DIE NATÜRLICHE VERNUNFFT SELBST DICTIERT, DAS ES HEXEN GEBE“ argumentierte Jost von Sättelin. Dieser Wandel bezüglich der Argumentation des Gutachters - ausgehend von der Carolina über das dämonologische Gelehrtenkonstrukt bis hin zur Vernunft - weist darauf hin, dass dem Phänomen Hexerei nur noch funktional Glaube geschenkt wurde. Hexerei war nicht mehr per se gegeben, sondern musste bewiesen werden. Die Strategie, Hexerei über die 'Vernunft' begreiflich zu machen, kann als letztes Erklärungsmodell gesehen werden, für das weder weltliche Gesetze, noch wissenschaftliche Argumentationen galten. Hexerei war somit naturgegebenes Gesetz und nicht mehr durch Justiz oder andere Wissenschaften angreifbar. Diese Argumentation von Sättelins wies jedoch dem Niedergang des Deutungsmusters Hexerei den Weg und kann als letzte Zuckung eines sterbenden Zeitalters begriffen werden.

Entscheidend für die Beendigung der Hexenverfolgungen und einer Neuorientierung in der Hexenfrage waren eine Umdeutung der Schadensfälle auf dem Gebiet und die Etablierung eines neuen Deutungsmusters, maßgeblich in der Gemeinde Alleshausen.

Der eingesetzte Amtmann in Alleshausen Lorenz Engler entwickelte eine andere Lösungsstrategie zur Minimierung der Schadensfälle: Schaden provozierten nicht vermeintliche Hexen, sondern die Bauern selbst, da sie sich nicht sorgfältig um die richtige Haltung ihrer Tiere bemühten. Die ehemals verfolgungsforcierende Kraft, die gerichtliche Institution Alleshausens in Person des Gerichtsamtmanns, wirkte nun hemmend auf die Verdächtigungen. Das Deutungsmuster Hexerei begann seinen Zerfall aus der Mitte seiner früheren Produzenten heraus. Für die zahlreichen Schadensfälle in Alleshausen war das [422]Hexenmuster eine überkommene Lösungsstrategie, es hatte seine Funktion verloren und musste ersetzt werden. Dieser Wandel in der Deutung der Schadensfälle wurde in der Folge rechtlich gestützt von zwei Gutachtern, vermutlich auch von den naturwissenschaftlichen Professionen, die sich ab den späten 1750er Jahren in Marchtal nachweisen lassen. Die Skepsis in der Dorfelite Alleshausens selbst und der Skrupel der Juristen, welchen der rechtliche Boden zur Verurteilung vermeintlicher Hexen unter den Füßen wegbrach, führte im Jahr 1757 zum Ende der juristischen Verfolgungen in Marchtal. Das Ende von magischen Zuschreibungen war damit aber noch lange nicht erreicht.

 

I. Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Obermarchtal (2003), Fotografie aus Eigenbesitz, S. 2.

Abb. 2: Südwestdeutschland, gezeichnet v. Ulrike STÖRK, bearbeitet v. Michael SCHMID, S. 23.

Abb. 3: Territorium der Reichsabtei Marchtal, gezeichnet v. Ulrike STÖRK, bearbeitet v. Michael SCHMID, S. 24.

Abb. 4: Brustbild Sebastian Wunibald Josef von Sättelin, Braith-Mali-Museum Biberach, Künstler unbek., Ölfarbe auf Leinwand (Höhe 90,3 cm, Breite 72,5 cm) (o. J.), S. 79.

 

II. Abkürzungen

CCC Constitutio Criminalis Carolina = Peinliche Halsgerichtsordnung Kaiser Karls V. (1532)

Dep. Depositum

Diss. Dissertation

EAF Erzbischöfliches Archiv Freiburg/B.

fl. Gulden

HDA Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens

HStAS Hauptstaatsarchiv Stuttgart

masch. maschinenschriftlich

ND Nachdruck

StAS Staatsarchiv Sigmaringen

unv. unveröffentlicht

WLR Württembergische ländliche Rechtsquellen

x. Kreuzer

ZHF Zeitschrift für historische Forschung

zit. zitiert

 

III. Quellen und Literatur

Handschriftliche Quellen

Staatsarchiv Sigmaringen (StAS): Dep. 30/12 T1

(Kartei der im StAS vorhandenen Urkunden in zwei Serien, bearb. v. Hansmartin SCHWARZMAIER und Wilfried SCHÖNTAG [Bearbeitung zwecks Vereinheitlichung und eindeutiger Vergabe von Signaturen steht noch aus, Stand 12/2002])

 

Kloster Marchtal - Urkunden - Serie I:

  • Zit. nach Jahr: 1520, 1533, 1611.

 

Kloster Marchtal - Urkunden - Serie II:

  • Zit. nach Jahr: 1428, 1446, 1471, 1494, 1524, 1535, 1539, 1542, 1543, 1550, 1572, 1584.

 

Dep. 30/12 T2

Rechnungen:

  • Rechnungen des Klosters Marchtal: Abteirechungen: Geldrechung Nr. 20 (1733-1746), Nr. 21 (1746-1753), Nr. 22 (1754-1757).

 

Amts- und Gerichtsprotokolle:

  • Amtsprotokoll Nr. 1604 (1620-1624), 1607 (1642-1645), 1608 (1655-1659), 1609 (1660-1667), 1610 (1668-1670), 1611 (1671-1674), 1612 (1674-1679), 1624 (1739-1744), 1626 (1744-1749).

 

Urbare:

  • Urbar über die dem Kloster Obermarchtal gült- und zehntbaren Güter (1525) Nr. 1797.

  • Urbar über die Lehen- und Zehntgüter des Klosters Obermarchtal (1525) Nr. 1798.

  • Urbar aller Güter, Zinsen und Gefälle des Reichstifts (1569) Nr. 1802.

  • "Schwarzes Lagerbuch" der Güter und Einkünfte des Klosters (renoviert 1593) Nr. 1806.

  • Urbar über Güter und Einkünfte des Klosters (1721) Nr. 1862.

  • Urbar über die Eigengüter des Klosters (1721, renoviert 1735) Nr. 1893.

 

Jahres- und Herbstrechnungen:

  • Herbstrechnungen: Herbstrechnung mit sämtlichen Marchtaler Untertanen (1746) Nr. 843.

 

Sonstige Amtsbücher:

  • Steuerbücher: Marchtaler Raisgeld-Schatzung (vermutlich 1582) Nr. 1948.

  • Steuerbücher: Veranlagung der namentlich aufgeführten Untertanen des Klosters Marchtal in den Orten der Klosterherrschaft (1698) Nr. 1953.

  • Ausgaben des Klosters für Angestellte und Bedienstete (1738-1772) Nr. 2022.

  • Gerichtsordnungen: Vogtbuch des Klosters Marchtal, Ordnungen, Satzungen und Straffestsetzungen für den (weltl.) Herrschaftsbereich des Klosters (17. Jh.) Nr. 2066.

 

Dep. 30/12 T7

Criminalia: Hexenprozessakten:

  • Kundschaft, Urgicht und Urteile (1581, 1586-1589) Nr. 282, (1587-1589) Nr. 283, (1590-1596) Nr. 284, (1617, vermutlich 1627) Nr. 285, (1627-1628) Nr. 286, (1657) Nr. 287, (um 1600) Nr. 288, (1745) Nr. 289, (1746) Nr. 290, (1747) Nr. 291, (1756) Nr. 292, (1757) Nr. 293.

 

Criminalia: Verschiedene Malefizfälle:

  • Malefizakten: Nr. 207 (1524-1579), 208 (1538-1641).

 

Criminalia: Korrespondenz mit fremden Herrschaften in Kriminalsachen:

  • Korrespondenz mit fremden Herrschaften in Kriminalsachen (1741, 1747-1749) Nr. 296.

  • Korrespondenz mit fremden Herrschaften in Kriminalsachen (1750-1759) Nr. 297.

 

Jurisdictionalia und Regalia:

  • Beamte, Diener, Angestellte: Anstellungsdekret für Jedoc Sartor als Kanzleirat der Reichsabtei Marchtal (1762) Nr. 437.

 

Dep. 30/12 T9

Geldausgaben Marchtals für Arzt, Apotheke, Becketgroschen und Barbier

  • Geldausgaben Marchtals für Arzt und Apotheke (1757-1758) Nr. 476.

  • Geldausgaben Marchtals für Arzt und Apotheke und Becketgroschen (1756-1757) Nr. 492.

 

Geldausgaben für verschiedene Bereiche:

  • Geldausgaben Marchtals für verschiedene Bereiche (1757-1758) Nr. 502.

  • Geldausgaben Marchtals für verschiedene Bereiche (1740-1749) Nr. 1587.

 

Dep. 30/12 T13

Marchtal, Nachtrag:

  • Kloster Obermarchtal Rechtsangelegenheit (1627) Nr. 15.

 

Hauptstaatsarchiv Stuttgart (HStAS)

  • B475 U 60: Urkunden Prämonstratenserabtei Marchtal (1575).

  • B475 U 95: Urkunden Prämonstratenserabtei Marchtal (1518).

 

Diözesanarchiv Rottenburg

  • Tauf- und Sterberegister Obermarchtal (Reutlingendorf) 1: Tauf- Sterbe- und Eheregister 1630-1778 (1746).

 

Erzbischöfliches Archiv Freiburg (EA)

  • Kirchenvisitationsakten: Ha 71.

 

Pfarrarchiv Offingen

  • Familienregister Pfarrer Theodor Selig

 

Pfarrarchiv Seekirch (Alleshausen)

  • Tauf- und Eheregister II (1713-1802).

  • Familienregister des Filials Alleshausen (1608-1790).

 

Repertorien

  • StAS Dep. 30/12 T3 Prämonstratenserabtei Marchtal. Reichs- Kreis und Kollegialsachen 1468-1803 (1811), bearb. v. Dr. BAUMANN und Dr. FISCHER Register UMMENHOFER, Reinschrift LANG/UMMENHOFER, Sigmaringen 1971.

  • StAS Dep. 30/12 T7 Fürstlich Thurn und Taxissches Archiv Obermarchtal. Akten der Reichsabtei Obermarchtal: Militaria, Criminalia, Civilia, Jurisdictionalia, Regalia Forestalia, Feudalia, causae subditorum und Polizeisachen, Laufzeit (1359-) 1519-1802 (-1806), bearb. v. Claudia Maria NEESEN, Sigmaringen 2001.

 

Gedruckte Quellen

  •     Der Hexenhammer. Malleus Maleficarum/Heinrich KRAMER (Institoris). Kommentierte Neuübersetzung, hrsg. und eingel. v. Günter JEROUSCHEK, aus d. Lat. v. Wolfgang BEHRINGER, München 2000.

  •     Des Hochlöbl. Schwäb. Crayses allgemeines Adresse-Handbuch oder deutliche Anzeige, was in denen eigentlich zu diesem Crayse gehörigen Landen und Herrschaften dermahlen für höchste und hohe Regenten, Ministri, Räthe, Canzleyen, und andere Dienerschafften sind; nebst einem Anhang so wohl von der freyen Reichs=Ritterschafft in Schwaben, als auch anderen in Schwaben gelegenen oder angränzenden Herrschafften, und denen Rittern des teutschen Orden, Ulm 1754.

  •     Die Peinliche Gerichtsordnung Kaiser Karls V. und des Heiligen Römischen Reichs von 1532 (Carolina), hrsg. und erl. v. Friedrich-Christian SCHROEDER, Stuttgart 2000.

  •     Hexen und Hexenprozesse in Deutschland, hrsg. v. Wolfgang BEHRINGER, München 42000.

  •     Kurze Geschichte von dem Prämonstratenserstifte Obermarchtal. Von einem Mitglied dieses Stifts i.e. Friedrich August WALTER , Ehingen 1835.

  •     Quellensammlung zur Geschichte der deutsche Reichsverfassung in Mittelalter und Neuzeit, bearb. v. Karl ZEUMER (Band 2/2), Tübingen 21913.

  •     SAILER, Sebastian: Das Jubilierende Marchtall, oder Lebensgeschichte des Hochseligen Konrad Kneers weiland dreyzehnten Abtens des besagten unmittelbaren freyen Reichstifts, des heiligen exempten Ordens von Prämonstrat an der Donau in Schwaben: nebst Vortrab von dessen Stiftung, und Nachtrab dessen Vorstehern binnen sechshundert Jahren/aus sichern Urkunden niedergeschrieben von Sebastian SAILERN, Marchtall 1771.

  •     Württembergische ländliche Rechtsquellen (WLR). Nördliches Oberschwaben, bearb. v. Paul GEHRING, hrsg. v. d. Württembergischen Kommission für Landesgeschichte (Band 3/4), Stuttgart 1941.

Literatur

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  •     BENDER-WITTMANN, Uschi: Gender in der Hexenforschung: Ansätze und Perspektiven, in: Geschlecht, Magie und Hexenverfolgung, hrsg. v. Ingrid AHRENDT-SCHULTE/Dieter R. BAUER/Sönke LORENZ/Jürgen Michael SCHMIDT (Hexenforschung Band 7), Bielefeld 2002, S. 13-37.

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  •     BLICKLE, Peter/KUHN, Elmar L.: Der Bauernkrieg in Oberschwaben, Tübingen 2000a.

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  •     BRENNER, Ines/MORGENTHAL, Gisela: Sinnlicher Widerstand während der Ketzer- und Hexenverfolgung, in: Aus der Zeit der Verzweiflung. Zur Genese und Aktualität des Hexenbildes, Beiträge v. ders. u. a., Frankfurt/M. 1977, S. 188-239.

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  •     OEVERMANN, Ulrich: Zur Analyse der Struktur von sozialen Deutungsmustern, in: sozialersinn 1 (2001), S. 3-33.

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  •     DERS.: Motif-Index of Folk-Literature. A classification of narrative elements in folk-tales, ballads, myths, fables, mediæval romances, exempla, fabliaux, jest-books and lokal legends (Band 3/6), Helsinki 1934.

  •     TRUSEN, Wilfried: Rechtliche Grundlagen der Hexenprozesse, in: Das Ende der Hexenverfolgung, hrsg. v. Sönke LORENZ/Dieter R. BAUER (Hexenforschung Band 1), Stuttgart 1995, S. 203-226.

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  •     DERS.: Hexenglaube und magische Kommunikation im Dorf der frühen Neuzeit: die Verfolgungen in der Grafschaft Lippe, Paderborn 1993.

  •     WEBER, Max: Die 'Objektivität' sozialwissenschaftlicher und sozialpolitischer Erkenntnis, in Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre, hrsg. v. dems., Tübingen 51982.

  •     WEINFURTER, Stefan: Der Prämonstratenserorden im 12. Jahrhundert, in: Marchtal: Prämonstratenserabtei, Fürstliches Schloß, Kirchliche Akademie. Festgabe zum 300jährigen Bestehen der Stiftskirche St. Peter und Paul (1692-1992), hrsg. v. Max MÜLLER/Rudolf REINHARD/Wilfried SCHÖNTAG, Ulm 1992, S. 13-30.

  •     Zum Feuer verdammt: die Hexenverfolgungen in der Grafschaft Hohenberg, der Reichsstadt Reutlingen und der Fürstpropstei Ellwangen, hrsg. v. Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften der Universität Tübingen. Johannes DILLINGER/Thomas FRITZ/Wolfgang MÄHRLE (Hexenforschung Band 2), Stuttgart 1998.

  •     ZÜRN, Martin: Abseits und verfolgt? Die Hexen vom Bussen, in: Minderheiten in der Geschichte Südwestdeutschlands, hrsg. v. Haus der Geschichte in Verbindung m. d. Landeshauptstadt Stuttgart d. Otto BORST, Tübingen 1996, S. 35-72.

  •     DERS.: Herren, Hexen und Rebellen. Geschichten aus der Bussengegend, hrsg. v. Elisabeth SONTHEIMER-LEONHARDT für d. Gemeinde Unlingen, Bad Schussenried 1997.

  •     DERS.: "Ir aigen libertet": Waldburg, Habsburg und der bäuerliche Widerstand an der oberen Donau 1590-1790, Tübingen 1998.

Anmerkungen

  • [1]

    WEBER, Max: Die 'Objektivität' sozialwissenschaftlicher und sozialpolitischer Erkenntnis, in: Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre, hrsg. v. dems., Tübingen 51982, S. 170 f.

  • [2]

    Vgl. MIDELFORT, H. C. Eric: Witch Hunting in Southwestern Germany 1562-1648. Their Social und Intellectual Foundations, Stanford 1972.

  • [3]

    Vgl. LABOUVIE, Eva: Hexenforschung als Regionalgeschichte. Probleme, Grenzen und neue Perspektiven, in: Hexenverfolgung und Regionalgeschichte. Die Grafschaft Lippe im Vergleich, hrsg. v. Gisela WILBERTZ/Gerd SCHWERHOFF/Jürgen SCHEFFLER, Bielefeld 1994, S. 45-59.

  • [4]

    Vgl. MÄHRLE, Wolfgang: "O wehe der armen seelen" Hexenverfolgungen in der Fürstpropstei Ellwangen (1588-1694), in: Zum Feuer verdammt. Die Hexenverfolgungen in der Grafschaft Hohenberg, der Reichsstadt Reutlingen und der Fürstpropstei Ellwangen, hrsg. v. Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften der Universität Tübingen. Johannes DILLINGER/ Thomas FRITZ/ Wolfgang MÄHRLE (Hexenforschung Band 2), Stuttgart 1998, S. 330 f.

  • [5]

    DENGLER, Robert: Das Hexenwesen im Stifte Obermarchtal von 1581-1756, Dissertation masch. Erlangen 1953; KRAMER, Ferdinand: Hexenprozesse im Kloster Marchtal zwischen 1586 und 1657, Zulassungsarbeit zur II. Reallehrerprüfung an d. Pädagogischen Hochschule Weingarten masch. Weingarten 1972.

  • [6]

    Vgl. SOLDAN, Wilhelm G./HEPPE, Heinrich: Geschichte der Hexenprozesse, neu bearb. und hrsg. v. Max BAUER (Band 2/2), Hanau 31969, S. 281-284; BEHRINGER, Wolfgang: Hexen. Glaube·Verfolgung·Vermarktung, München 22000, S. 85; AßFALG, Winfried: Strafen und Heilen. Scharfrichter, Bader und Hebammen, Bad Buchau 2001, S. 181-184.

  • [7]

    MIDELFORT (1972), S. 98.

  • [8]

    Vgl. im Folgenden Staatsarchiv Sigmaringen (StAS) Depositum 30/12 (Thurn und Taxis, Archiv Obermarchtal) T7: Criminalia: Hexenprozesse Nr. 282-293. Alle aus diesen Quellen entnommenen Zitate, also hauptsächlich 'Aussagen' der Angeklagten, Gerichtsprotokolle und Gutachten, sind im Folgenden kursiv gekennzeichnet, ebenso deren Bezeichnung in den Fußnoten. Geht keine genaue Bezeichnung aus den Quellen hervor, wurde die Quelle von der Autorin dem Sinn nach benannt und nicht kursiv gezeichnet. Für alle anderen Quellen wurde die Bezeichnung aus den Repertorien übernommen, die in den Fußnoten gekürzt im Literaturverzeichnis vollständig wiedergegeben ist.

  • [9]

    Vgl. StAS Dep. 30/12 T2 Amts- und Gerichtsprotokolle der Klosterherrschaft Marchtal.

  • [10]

    Vgl. StAS Dep. 30/12 T7 Criminalia: verschiedene Malfizfälle.

  • [11]

    StAS Dep. 30/12 T1 Kloster Marchtal - Urkunden - Serie I und II; StAS Dep. 30/12 T2 Amts- und Gerichtsprotokolle, Urbare, Jahres- und Herbstrechnungen, Sonstige Amtsbücher.

  • [12]

    Vgl. Erzbischöfliches Archiv Freiburg/B. (EAF) Ha 71.

  • [13]

    Vgl. Pfarrarchiv Seekirch Tauf- und Eheregister II (1713-1802); Familienregister des Filials Alleshausen (1608-1790).

  • [14]

    Diözesanarchiv Rottenburg Tauf-, Sterbe-, und Eheregister Pfarrei Obermarchtal (1630-1778).

  • [15]

    Vgl. HONEGGER, Claudia: Die Hexen der Neuzeit. Studien zur Sozialgeschichte eines kulturellen Deutungsmusters, hrsg. v. ders., Frankfurt/M. 1979.

  • [16]

    Mittlerweile ist dieser Text veröffentlicht: OEVERMANN, Ulrich: Zur Analyse der Struktur von sozialen Deutungsmustern, in: sozialersinn 1 (2001), S. 3-33.

  • [17]

    Ebd. S. 9 f.

  • [18]

    Ebd. S. 23.

  • [19]

    Vgl. SCHILLING, Heinz: Aufbruch und Krise. Deutschland 1517-1648 (Deutsche Geschichte Band 5), Berlin 1998.

  • [20]

    Vgl. als Überblicksdarstellung neben BEHRINGER (22000); IRSIGLER, Franz: Hexenverfolgungen vom 15. bis 17. Jahrhundert. Eine Einführung, in: Methoden und Konzepte der historischen Hexenforschung, hrsg. v. dems./Gunter FRANZ (Trierer Hexenprozesse. Quellen und Darstellungen Band 4), Trier 1998, S. 3-20; SCHORMANN, Gerhard: Hexenprozesse in Deutschland, Göttingen 1981. Als Quellensammlung vgl. Hexen und Hexenprozesse in Deutschland, hrsg. v. Wolfgang BEHRINGER, München 42000. Zur aktuellen Forschungslage siehe auch den 'Server für die Frühe Neuzeit' des Historischen Seminars/Frühe Neuzeit der Universität München und der Bayrischen Staatsbibliothek (Redaktion: Dr. Gudrun GERSMANN und Dr. Jürgen Michael SCHMIDT). Literatur speziell zum südwestdeutschen Raum vgl. Kap. 7.4.

  • [21]

    Zu den Anfängen der europäischen Hexenverfolgung vgl. BEHRINGER, Wolfgang: "Vom Unkraut unter dem Weizen" Die Stellung der Kirchen zum Hexenproblem, in: Hexenwelten. Magie und Imaginationen vom 16.-20. Jahrhundert, hrsg. v. Richard van DüLMEN, Frankfurt/M. 1987, S. 15-47; BLAUERT, Andreas: Die Erforschung der Anfänge der europäischen Hexenverfolgung, in: Ketzer, Zauberer, Hexen. Die Anfänge der europäischen Hexenverfolgung, hrsg. v. dems., Frankfurt/M. 1994, S. 11-42; HANSEN, Joseph: Zauberwahn, Inquisition und Hexenprozeß im Mittelalter und die Entstehung der großen Hexenverfolgung (ND der Ausgabe München von 1901), Aalen 1964; MIDELFORT, H. C. Eric: Geschichte der abendländischen Hexenverfolgungen, in: Hexen und Hexenverfolgung im deutschen Südwesten (Volkskundliche Veröffentlichungen des Badischen Landesmuseums Karlsruhe Band 2/2), hrsg. v. Sönke LORENZ, Ostfildern 1994, S. 49-58 und KIECKHEFER, Richard: European Witch Trials: their foundations in popular and learnd culture 1300-1500, London 1976, S. 106-147.

  • [22]

    Vgl. BEHRINGER (1987), S. 21.

  • [23]

    "Zu unterscheiden ist dabei die Institution der bischöflichen und päpstlichen Inquisition - die durch einen zum "Inquisitor" ernannten Kleriker, oft Dominikaner, geleitet wurde - vom allgemeinen Prinzip des "Inquisitionsprozesses" als einem Ermittlungsverfahren von Amts wegen im Gegensatz zum "Akkusationsprozeß" an dessen Beginn die Klage eines "privaten" Klägers stand (inquisitio = Untersuchung, accusatio = Anklage)." (BEHRINGER (1987), S. 21).

  • [24]

    Vgl. Ebd. S. 23.

  • [25]

    Vgl. zur Genese des gelehrten Hexereikonstrukts BLAUERT, Andreas: Frühe Hexenverfolgungen. Ketzer-, Zauberei- und Hexenprozesse des 15. Jahrhunderts, Hamburg 1989, S. 17-36 und S. 111-139; HANSEN, S. 398 ff. und zusammengefasst bei BEHRINGER (22000), S. 35.

  • [26]

    In Luzern taucht dabei 1419 zum ersten Mal dieser deutsche Begriff auf (vgl. HANSEN, S. 528).

  • [27]

    Zu den Anfängen der Hexenverfolgung im Alpenraum vgl. auch BORST, Arno: Anfänge des Hexenwahns in den Alpen, in: Ketzer, Zauberer, Hexen. Die Anfänge der europäischen Hexenverfolgungen, hrsg. v. Andreas BLAUERT, Frankfurt/M. 1990. S. 43-67.

  • [28]

    Zum gelehrten Diskurs siehe insbesondere SCHWERHOFF, Gerd: Rationalität im Wahn. Zum gelehrten Diskurs über die Hexen in der Frühen Neuzeit, in: Saeculum 37 (1986) sowie mit umfangreicher Literaturangabe zu Gegnern der Hexenverfolgung LEHMANN, Hartmut/ULBRICHT, Otto: Motive und Argumente von Gegnern der Hexenverfolgung von Weyer bis Spee, in: Vom Unfug des Hexen-Processes: Gegner der Hexenverfolgung von Johann Weyer bis Friedrich Spee, hrsg. v. ders., Wiesbaden 1992, S. 1-14; CLARK, Stuart: Glaube und Skepsis in der deutschen Hexenliteratur von Johann Weyer bis Friedrich von Spee, in: Vom Unfug des Hexen-Processes: Gegner der Hexenverfolgung von Johann Weyer bis Friedrich Spee, hrsg. v. Hartmut LEHMANN/Otto ULBRICHT, Wiesbaden 1992, S. 15-33 und den 'Server für die Frühe Neuzeit'.

  • [29]

    SCHWERHOFF, S. 46.

  • [30]

    Zur Person KRAMERs vgl. BEHRINGER, Wolfgang/JEROUSCHEK, Günter: "Das unheilvollste Buch der Weltliteratur"? Zur Entstehungs- und Wirkungsgeschichte des Malleus Maleficarum und zu den Anfängen der Hexenverfolgung, in: Der Hexenhammer. Malleus Maleficarum/Heinrich KRAMER (Institoris). Kommentierte Neuübersetzung, hrsg. und eingel. v. Günter JEROUSCHEK, aus d. Lat. v. Wolfgang BEHRINGER, München 2000, S. 40-69 und SEGL, Peter: Der Hexenhammer. Entstehung und Umfeld des Malleus Maleficarum von 1487, Köln/Berlin 1988, S. 103-126.

  • [31]

    Im Folgenden zit. nach Der Hexenhammer. Malleus Maleficarum/Heinrich KRAMER (Institoris). Kommentierte Neuübersetzung, hrsg. und eingel. v. Günter JEROUSCHEK, aus d. Lat. v. Wolfgang BEHRINGER, München 2000.

  • [32]

    BEHRINGER/JEROUSCHEK, S. 11.

  • [33]

    Vgl. Der Hexenhammer, S. 101-107.

  • [34]

    Vgl. BEHRINGER/JEROUSCHEK, S. 58-63.

  • [35]

    Vgl. ebd. S. 13.

  • [36]

    KRAMERs Gründe: "Der erste, weil sie leichtgläubig sind; und weil der Dämon hauptsächlich den Glauben zu verderben sucht, tritt er auch eher an diese heran. (...) Der zweite ist, weil sie von Natur aus wegen der Unstetheit der körperlichen Verfassung zur Aufnahme von Eingebungen durch das Eindringen von Seperatsubstanzen leichter zu beeinflussen sind. (...) Der dritte Grund ist der, weil sie eine schlüpfrige Zunge haben und sie das, was sie durch schlechte Kunst wissen, ihren Genossinnen kaum verheimlichen können und sich heimlich, da sie schwach sind, leicht durch Schadenszauber zu rächen suchen. Daher auch Eccl. 25 (...): "Mit einem Löwen und einem Drachen zu verweilen, wird einem mehr gefallen als mit einer nichtsnutzigen Frau zu wohnen. Gering ist alle Bosheit gegen die Bosheit der Frau"." (Der Hexenhammer, S. 229 f.).

  • [37]

    Damit war neben der Möglichkeit des Flugs jegliche Art von Schadenszauber, das 'Maleficium', gemeint, der als Abfall von Gott begriffen wurde (vgl. BEHRINGER/JEROUSCHEK, S. 69).

  • [38]

    Während BEHRINGER/JEROUSCHEK darauf hinweisen, dass der Hexenhammer gegen die Bestimmungen des 'canon epsicopi' argumentiere, betont SCHWERHOFF, dass KRAMER den 'canon epsicopi' nicht grundsätzlich in Frage stelle, sondern zwischen den dort genannten Ketzern und der neuen Hexensekte unterscheide (vgl. SCHWERHOFF, S. 63). Die unterschiedlichen theologischen Argumentationsmuster der Verfolgungsgegner, wobei der Kompetenzbereich bzw. die Wirkmacht des Teufels im Mittelpunkt steht, finden sich in kurzer Form bei LEHMANN/ULBRICHT, S. 5-10.

  • [39]

    Vgl. BEHRINGER/JEROUSCHEK, S. 18 ff.

  • [40]

    BEHRINGER/JEROUSCHEK führen diverse Prozesse an, weisen aber darauf hin, dass es an der Erforschung des gesamten Ausmaßes der Verfolgungen zwischen 1490 und 1520 mangle (vgl. ebd. S. 83 f.).

  • [41]

    Ebd. S. 13.

  • [42]

    Wenn im Folgenden immer wieder von Verfolgungsgegnern, besser Skeptikern, und Befürwortern gesprochen wird, so sind deren Argumentationen nicht grundsätzlich als gegensätzliche Positionen zu verstehen, sondern beziehen sich zum großen Teil auf einzelne Fragenstellungen unterschiedlicher Ebenen und Disziplinen wie Theologie, Justiz, Medizin oder auch zum Gebrauch der Folter; wirkliche Zweifel an der Existenz von Hexerei waren selten, vorherrschend dagegen war ein "dämonologischer Konservatismus" wie bspw. bei den 'Gegnern' Adam TANNER und Paul LAYMANN als Kritiker am Prozessgeschehen (vgl. CLARK (1992), S. 15-17). Zu bedenken bleibt allerdings auch, inwieweit Zweifel an der Hexerei offen ausgesprochen werden konnten.

  • [43]

    Vgl. Weyerbibliographie des Servers Frühe Neuzeit, auch SCHWERHOFF, S. 72-75 und MIDELFORT, H. C. Eric: Johann Weyer in medizinischer, theologischer und rechtsgeschichtlicher Hinsicht, in: Vom Unfug des Hexen-Processes: Gegner der Hexenverfolgung von Johann Weyer bis Friedrich Spee, hrsg. v. Hartmut LEHMANN/Otto ULBRICHT, Wiesbaden 1992, S. 53-64.

  • [44]

    LOOS musste 1592 zum Schutz des eigenen Lebens widerrufen (vgl. BEHRINGER (22000), S. 77).

  • [45]

    Marchtal gehört mit den Prozessen von 1745-1757 zu den späten Ausnahmeerscheinungen. Der letzte Hexenprozess in Deutschland fand 1775 zu Kempten statt, der letzte Europas 1782 in Glarus/Schweiz (vgl. BASCHWITZ, Kurt: Hexen und Hexenprozesse, München 1963, S. 463-467).

  • [46]

    Vgl. zur rechtsgeschichtlichen Entwicklung auch JEROUSCHEK, Günter: Die Hexen und ihr Prozeß: die Hexenverfolgung in der Reichstadt Esslingen, Esslingen 1992, S. 27-40.

  • [47]

    Vgl. Die Peinliche Gerichtsordnung Kaiser Karls V. und des Heiligen Römischen Reichs von 1532 (Carolina), hrsg. und erl. v. Friedrich-Christian SCHROEDER, Stuttgart 2000.

  • [48]

    LORENZ, Sönke: Die Rechtsauskunftstätigkeit der Tübinger Juristenfakultät in Hexenprozessen (ca. 1552-1602), in: Hexenverfolgung: Beiträge zur Forschung - unter besonderer Berücksichtigung des südwestdeutschen Raumes, hrsg. v. dems./Dieter R. BAUER, Würzburg 1995, S. 245.

  • [49]

    Die Peinliche Gerichtsordnung, S. 73.

  • [50]

    Vgl. LORENZ, Sönke: Der Hexenprozess, in: Hexen und Hexenverfolgung im deutschen Südwesten (Volkskundliche Veröffentlichungen des Badischen Landesmuseums Karlsruhe Band 2/2), hrsg. v. dems., Ostfildern 1994, S. 72 f.

  • [51]

    Ebd. S. 72.

  • [52]

    Hexen und Hexenprozesse in Deutschland, S. 270.

  • [53]

    Eine Opferzahl von 22.500 schätzt BEHRINGER (vgl. Hexen und Hexenprozesse in Deutschland, S. 194), zu einer Zahl von etwa 50.000 kommt LEVACK (vgl. LEVACK, Brain: The witch-hunt in early modern Europe, London 1987, S. 20), von etwa 100.000 Opfern geht JEROUSCHEK aus (vgl. JEROUSCHEK, S. 23).

  • [54]

    Vgl. BEHRINGER (22000), S. 46-61; Hexen und Hexenprozesse in Deutschland, S. 180-195 und S. 404 f.; SCHORMANN, S. 55 und zusammenfassend IRSIGLER, S. 8.

  • [55]

    BEHRINGER (22000), S. 55 ff.

  • [56]

    Vgl. EVANS-PRITCHARD, Edward E.: Witchcraft, Oracles and Magic among the Azande, Oxford 1937; MACFARLANE, Alan: Witchcraft in Tudor and Stuart England. A regional and comparative Study, London 1970 und THOMAS, Keith: Religion and the decline of magic. Studies in popular beliefs in sixteenth and seventeenth Century England, Harmondsworth 1971. Aktuell WALZ, Rainer: Dörfliche Hexenprozesse in Lippe. Ein Vergleich zwischen ethnologischen und regionalgeschichtlichen Konzepten, in: Kultur und Staat in der Provinz (Perspektiven und Erträge der Regionalgeschichte), hrsg. v. Stefan BRAKENSIEK, Bielefeld 1992, S. 281-314 und WALZ, Rainer: Hexenglaube und magische Kommunikation im Dorf der frühen Neuzeit: die Verfolgungen in der Grafschaft Lippe, Paderborn 1993.

  • [57]

    Vgl. WALZ (1992), S. 285 ff.

  • [58]

    Vgl. IRSIGLER, S. 9-20.

  • [59]

    BEHRINGER, Wolfgang: Sozialgeschichte und Hexenverfolgung: Überlegungen auf einer quantifizierenden Regionalstudie, in: Hexenverfolgung. Beiträge zur Forschung - unter besonderer Berücksichtigung des südwestdeutschen Raumes, hrsg. v. Sönke LORENZ/Dieter R. BAUER, Würzburg 1995a, S. 340.

  • [60]

    Vgl. ebd. S. 342.

  • [61]

    Eine umfassende und detaillierte Geschichte der Reichsabtei Marchtal existiert nicht. Als wichtigste Darstellungen seien genannt: Der Alb-Donau-Kreis, bearb. v. d. Abteilung der Landesbeschreibung des Staatsarchivs Ludwigsburg, hrsg. v. d. Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung m. d. Alb-Donau-Kreis (Band 1 und 2), Sigmaringen 1989 und 1992; Der Landkreis Biberach, bearb. v. d. Abteilung Landesbeschreibung d. Staatsarchivs Sigmaringen, hrsg. v. d. Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung m. d. Landkreis Biberach (Band 1/2), Biberach 1987; Klosterlandschaft Oberschwaben II: Marchtal-Weingarten. Materialien zur Landeskunde und Landesgeschichte: Das Reichsstift Marchtal Orden der Prämonstratenser. Die Geschichte des Klosters und seine Herrschaft, hrsg. v. Winfried NUBER/Walter BöHRINGER/Walter FREI/Günter SCHMEISKY (Band 2/2), Tübingen 1994; NUBER, Winfried: Geschichte des Dorfes Reutlingen bis 1803, in: 1200 Jahre Reutlingendorf 790-1990, hrsg. v. d. Gemeinde Obermarchtal (Ortsverwaltung Reutlingendorf), Ulm 1991, S. 11-65; SCHöBE, Wolfram: Die Grundherrschaft des Reichsstiftes Marchtal im 16. Jahrhundert, Zulassungsarbeit masch. Freiburg/B. 1963; SCHöNTAG, Wilfried: Prämonstratenserchorherren in Marchtal, in: Marchtal: Prämonstratenserabtei, Fürstliches Schloß, Kirchliche Akademie. Festgabe zum 300jährigen Bestehen der Stiftskirche St. Peter und Paul (1692-1992), hrsg. v. Max MüLLER/Rudolf REINHARD/Wilfried SCHöNTAG, Ulm 1992, S. 31-48; TüCHLE, Herrmann: Obermarchtal - Kloster und Reichsstift, in: Marchtaler Lehrer-Akademie, hrsg. v. Max MüLLER, Ulm 1978, S. 164-187.

  • [62]

    Zum Begriff 'Oberschwaben' vgl. PRESS, Volker: Oberschwaben in der Frühen Neuzeit, in: Oberschwaben. Beiträge zu Geschichte und Kultur, hrsg. v. Peter EITEL/Elmar KUHN, Konstanz 1995, S. 101 f.: PRESS beschreibt Oberschwaben als Gebiet innerhalb des habsburgischen Einflussbereichs zwischen Lech und Schwarzwald, Bodensee und Alb.

  • [63]

    Für die oberschwäbischen Klöster vgl. insbesondere MAURER, Hans-Martin: Die Ausbildung der Territorialgewalt oberschwäbischer Klöster vom 14. bis zum 17. Jahrhundert, in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 109 (1973), S. 151-195.

  • [64]

    MAURER, S. 151.

  • [65]

    Die anderen Territorien der Prämonstratenser waren Rot und Schussenried mit einer Gewalt über ca. 3000 Einwohnern und Weißenau (o. A.) (vgl. MAURER, S. 154). Die beiden bayrischen Herrschaften der Prämonstratenser Ursberg und Roggenburg bleiben an dieser Stelle unberücksichtigt.

  • [66]

    MAURER spricht hier von 6000 Einwohnern, eine Zahl, die vermutlich als überhöht anzusehen ist. Für das Jahr 1799 werden 2700 Einwohner angegeben (vgl. der Alb-Donau-Kreis (Band 2), S. 731).

  • [67]

    Der Alb-Donau-Kreis (Band 2), S. 731.

  • [68]

  • [69]

    Übersetzung vgl. NUBER (1991), S. 14; SCHöNTAG, S. 31; TüCHLE, S. 164.

  • [70]

    Für den Namen Marchtal finden sich in der Sekundärliteratur unterschiedliche Erklärungen: "Die 805 gebrauchte Bezeichnung Marahtale bzw. Marhtale läßt darauf schließen, daß es sich um einen Flurnamen "Siedlung im Pferdetal" handelt, während die frühere Deutung "Siedlung an der Grenze" wegen der nicht vorhandenen Grenzlage aufgegeben worden ist." (Der Alb-Donau-Kreis (Band 2), S. 725). Nach NUBER soll der Name 'Marhtala' auf den altgermanischen Begriff 'Mähre' zurückgehen und an die Pferdezucht erinnern (vgl. NUBER, Winfried: Aus der Geschichte des Klosters Obermarchtal, hrsg. v. Geschichtsverein Raum Munderkingen, Bad Buchau 1985, S. 15. Bei BIRKLER findet sich noch der Vergleich Marhcthala benannt nach Mark=Grenze (805): Marahtale, später Marthel, Marthellense (1171), Marthellum (1173), auch Marthil und Mortil (1196) (vgl. BIRKLER, Max: Die Kirchen in Obermarchtal. Eine Jubiläumsausgabe zum 200jährigen Bestande der ehemaligen Prämonstratenser- und jetzigen Schloß- und Pfarrkirche, Stuttgart 1893, S. 17).

  • [71]

    Vgl. SCHöNTAG, S. 32.

  • [72]

    Vgl. ebd., S. 32.

  • [73]

    Die Prämonstratenser wurden als katholischer Klerikerorden 1120 von Norbert von Xanten in Prémontré bei Laon gegründet (vgl. hierzu WEINFURTER, Stefan: Der Prämonstratenserorden im 12. Jahrhundert, in: Marchtal: Prämonstratenserabtei, Fürstliches Schloß, Kirchliche Akademie. Festgabe zum 300jährigen Bestehen der Stiftskirche St. Peter und Paul (1692-1992), hrsg. v. Max MüLLER/Rudolf REINHARD/Wilfried SCHöNTAG, Ulm 1992, S. 13-30).

  • [74]

    Vgl. SCHöNTAG, S. 33.

  • [75]

    Vgl. WEINFURTER, S. 22.

  • [76]

    Ebd. S. 13.

  • [77]

    Vgl. ebd. S. 24.

  • [78]

    Ebd. S. 24.

  • [79]

    Zit. nach Kurze Geschichte von dem Prämonstratenserstifte Obermarchtal. Von einem Mitglied dieses Stifts i.e. Friedrich August WALTER , Ehingen 1835, S. 26.

  • [80]

    Vgl. hierzu auch OBERSTE, Jörg: Visitation und Ordensorganisation: Formen sozialer Normierung, Kontrolle und Kommunikation bei Zisterziensern, Prämonstratensern und Cluniazensern, Münster 1996.

  • [81]

    Vgl. Klosterlandschaft Oberschwaben, S. 14.

  • [82]

    Vgl. ebd. S. 15.

  • [83]

    Vgl. Kurze Geschichte, S. 75. Vgl. hierzu auch EAF Ha 71.

  • [84]

    Vgl. Kurze Geschichte, S. 75.

  • [85]

    SCHöNTAG, S. 36

  • [86]

    Vgl. ebd. S. 36.

  • [87]

    In diesem Zusammenhang ist wohl die spätere Gutachtertätigkeit des Biberacher Juristen Sebastian Wunibald Josef von Sättelin zu sehen.

  • [88]

    Der Alb-Donau-Kreis (Band 2), S. 729.

  • [89]

    Vgl. Karte Südwestdeutschland, S. 22.

  • [90]

    Vgl. SCHöNTAG, S. 42.

  • [91]

    MAURER, S. 157.

  • [92]

    TüCHLE, Herrmann: Süddeutsche Klöster vor 500 Jahren, ihre Stellung in Reich und Gesellschaft, in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 109 (1973), S. 105 f.

  • [93]

    Vgl. Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Reichsverfassung in Mittelalter und Neuzeit, bearb. v. Karl ZEUMER (Band 2/2), Tübingen 21913, S. 552.

  • [94]

    Klosterlandschaft Oberschwaben, S. 35. Vgl. hierzu auch MAIER, Konstantin: Die schwäbische Landvogtei und die schwäbischen Reichsprälaten, in: Rottenburger Jahrbuch für Kirchengeschichte 13 (1982), S. 143 ff.

  • [95]

    MAURER, S. 165.

  • [96]

    MAURER stellt für die oberschwäbischen Stifte und Klöster fest: "Im 15. Jahrhundert betrieben die Äbte eine regelrechte Leibeigenschaftspolitik mit dem Ziel, alle Einwohner ihres Herrschaftsgebietes in die Leibeigenschaft zu überführen, um eine nach außen abgegrenzte und nach innen rechtlich gleichgestellte Untertanenschaft zu bilden." (Ebd. S. 167).

  • [97]

    Häufig findet sich eine Dreiteilung in Bauern, die über eigene Gespanne verfügten, Seldner und Gehausten oder Beiwohner, die keine eigenen Häuser und Grundstücke besaßen. Eine Sonderstellung innerhalb des Marchtaler Herrschaftsgefüges nimmt die Gemeinde Alleshausen ein. Die dort lebenden Bauern besaßen zumeist eigene Güter, was in den anderen Gemeinden nicht der Fall war. Vgl. Kap. 5.

  • [98]

    TüCHLE (1973), S. 115.

  • [99]

    Der Alb-Donau-Kreis (Band 2), S. 730.

  • [100]

    Vgl. Klosterlandschaft Oberschwaben, S. 39.

  • [101]

    Zum Bauernkrieg vgl. stellvertretend: BLICKLE, Peter/KUHN, Elmar L.: Der Bauernkrieg in Oberschwaben, Tübingen 2000a. Vgl. für Marchtal an dieser Stelle Klosterlandschaft Oberschwaben, S. 40.

  • [102]

    Dep. 30/12 T2 Nr. 1797: Urbar über die dem Kloster Obermarchtal gült und zehntbaren Güter, im Anhang die 'Gemain artigkel' über die Rechte und Pflichten der Lehenleute (1525). Die 'Gemain artigkel' finden sich abgedruckt bei NUBER (1991), S. 47-58 und in Klosterlandschaft Oberschwaben, S. 42-44.

  • [103]

    Die Eiergült wurde nach der Größe des Hofes berechnet und betrug entweder zwei (Mittenhausen), ein oder ein halbes Viertel (ein Viertel = 120 Eier), von welchen der größte Teil zum Advent, zu Ostern oder auf Johannes zu liefern war (vgl. SCHöBE, S. 22).

  • [104]

    Vgl. die 'Gemain artigkel Zum Sibenden' bei NUBER (1991), S. 51-53.

  • [105]

    Der Alb-Donau-Kreis (Band 1), S. 154.

  • [106]

    Vgl. SCHöBE, S. 40.

  • [107]

    StAS Dep. 30/12 T2 Nr. 2066: Vogtbuch (17. Jh.). Das Werk ist nicht genau datiert. SCHöBE bestimmt das erhaltene Vogtbuch als eine Abschrift aus dem frühen 18. Jahrhundert, das sich auf ein Original aus dem 16. Jahrhundert stütze (vgl. SCHöBE, S. II).

  • [108]

    Vgl. ebd. S. 41.

  • [109]

    Am 8. Juli 1543 bestätigt Abt Johann Bläsi Fless, Bader zu Alleshausen, am Buchauer See die Badstube zu Alleshausen mit Zubehör zu Dorf, Haus und Feld als Lehengut auf Lebenszeit empfangen zu haben (vgl. StAS Dep. 30/12 T1 Kloster Marchtal - Urkunden - Serie II (zit. nach Jahr): 1543). Vgl. Kartei der im StAS vorhandenen Urkunden in zwei Serien, bearb. v. Hansmartin SCHWARZMAIER und Wilfried SCHöNTAG [Bearb. zwecks Vereinheitlichung und eindeutiger Vergabe von Signaturen steht noch aus, Stand 12/2002].

  • [110]

    Vgl. NUBER (1991), S. 37.

  • [111]

    StAS Dep. 30/12 T2 Nr. 1798: Urbar (1525); StAS Dep. 30/12 T2 Nr. 1948: Raisgeld-Schatzung (verm. 1582).

  • [112]

    Vgl. Der Alb-Donau-Kreis (Band 2), S. 727.

  • [113]

    Von den 23 Höfen, die das Stift in Reutlingendorf besaß, bewirtschaftete 1 Hof 52,5 Jauchert Äcker, 4 Höfe zwischen 40 und 49 Jauchert, 10 zwischen 30 und 39 Jauchert und alle anderen unter 15 Jauchert. Eine erste Vermessung von 1721 benannte alle Höfe mit einem Heiligennamen und führte 27 Lehen auf (vgl. Der Alb-Donau-Kreis (Band 2), S. 741). Zur Fixierung des Besitzes das Stift für die Jahre 1525 und 1569 vgl. auch Tabelle bei SCHöBE, S. 7-9 (1 Jauchert entsprach der Fläche, die an einem Tag mit einem Joch-Gespann Ochsen bewirtschaftet werden konnte, das waren etwa 0,337 Hektar).

  • [114]

    Vgl. StAS Dep. 30/12 T2 Nr. 1802: Urbar (1569).

  • [115]

    Der Alb-Donau-Kreis (Band 2), S. 731.

  • [116]

    Vgl. für diese Situation im Zusammenhang mit den Hexenverfolgungen Kap. 9.1.

  • [117]

    Zit. nach SCHöNTAG, S. 79.

  • [118]

    fl. = Gulden. Ein Gulden entsprach 60 Kreuzer, 60 Kreuzer 240 Heller.

  • [119]

    Vgl. zum Zustand Marchtals nach dem Dreißigjährigen Krieg Kurze Geschichte, S. 108 ff.

  • [120]

    Ebd. S. 108.

  • [121]

    Vgl. NUBER (1991), S. 43.

  • [122]

    Kurze Geschichte, S. 108.

  • [123]

    "1719 huldigten 365 Lehenbauern und haushäbige Männer, 122 Hintersassen, Beisitzer und Tagwerker und 277 ledige Söhne, insgesamt 764 Männer (ohne die Bewohner von Bremelau). Die größten Orte waren Obermarchtal (185 Männer), Alleshausen (94), Kirchbierlingen (62), Sauggart (60) und Reutlingendorf (56). Für 1769 liegen die Zahlen der huldigenden für die gesamte Gemeinde Herrschaft vor: 521 Lehenleute/Beständer, 207 Beisitzer/Lehenleute über 60 Jahre, 592 ledige Söhne; insgesamt huldigten 1320 Männer, 159 Männer waren abwesend." (Der Alb-Donau-Kreis (Band 2), S. 731).

  • [124]

    Vgl. SCHöNTAG, S. 46.

  • [125]

    Vgl. ebd. S. 46.

  • [126]

    Kurze Geschichte, S. 148.

  • [127]

    Ebd. S. 87.

  • [128]

    Vgl. ebd. S. 120 f.

  • [129]

    Vgl. StAS Dep. 30/12 T1 Kloster Marchtal - Urkunden - Serie II (zit. nach Jahr): 1428: 'Knecht' des Propstes als Schiedsmann, 1446: 'Amtsherren' des Abtes, 1471: 'früherer' Hofmeister, 1524: Vogt. Vgl. hierzu auch MAURER, S. 158.

  • [130]

    Im Jahr 1494 verhaftete der Marchtaler Hofmeister mit 'einigen Knechten' etliche Verbrecher (vgl. Dep. 30/12 T1 Kloster Marchtal - Urkunden - Serie II: 1494).

  • [131]

    Die Vögte Jörg Strang (etwa 1550-1570) und Christoph Bitterlin (1573-1582) sind im Urbar von 1525 als Hofnachfolger von Theys Murer angegeben. Dieses Gut umfasste 5 Jauchert, ca. 4 Mannmahd, 2 Hanf- und 1 Krautgarten (vgl. Dep. 30/12 T2 1798: Urbar über die Lehen- und Zinsgüter des Klosters Marchtal (1525)).

  • [132]

    Vgl. u. a. SCHöBE, S. 52.

  • [133]

    Vgl. StAS Dep. 30/12 T1 Kloster Marchtal - Urkunden - Serie II: 1550, abgedruckt in Württembergische ländliche Rechtsquellen (WLR). Nördliches Oberschwaben, bearb. v. Paul GEHRING, hrsg. v. d. Württembergischen Kommission für Landesgeschichte (Band 3/4), Stuttgart 1941, S. 378 f.

  • [134]

    Vierer ist die Bezeichnung für "eine Art kollegialer Regierungsbehörde in den Dörfern" (vgl. BLICKLE, Peter: Kommunalismus. Skizzen einer gesellschaftlichen Organisationsform: Oberdeutschland (Band 1/2), München 2000b, S. 51.). BLICKLE beschreibt dessen Aufgaben folgendermaßen: "Offenbar machten sie regelmäßig Flurumgänge und kontrollierten den gemeindlichen Wald, waren also dafür zuständig, daß die Grundstücke nicht durch Überackern geschmälert und das Gemeindevermögen nicht durch eigenmächtiges Schlagen von Holz gemindert wurde. Sie überprüften die öffentlichen Einrichtungen, Wirtshäuser und Badstuben, Mühlen und Backstuben. Sie waren dafür zuständig, daß die Feuerstellen in den Häusern ordentlich aufgemauert wurden." (Vgl. BLICKLE (2000b), S. 54).

  • [135]

    HStAS B 475 U 95: Urkunden Prämonstratenserabtei Marchtal (1518).

  • [136]

    Vgl. ebd.

  • [137]

    Vgl. ebd.

  • [138]

    "Wenn Marchtaler Bauern noch um 1430 in Urfehden schwören mußten, da gütlich Recht zu nehmen, wo der Probst sie hinweise, dann fehlte offenbar noch eine feste Organisation. Einige Jahrzehnte später (1496) war bei denselben Anlässen von zuständigen Gerichten die Rede, und zu Beginn des 16. Jahrhunderts werden vier Gerichtsbezirke für die 17 Dörfer nachweisbar." (MAURER, S. 169).

  • [139]

    Vgl. HStAS B 475 U 60: Urkunden Prämonstratenserabtei Marchtal (1575).

  • [140]

    Vgl. SCHöNTAG, S. 38.

  • [141]

    Vgl. SCHöBE, S. 55.

  • [142]

    Vgl. ebd. S. 58-63.

  • [143]

    Insbesondere der so genannte Maierhof galt in den verschiedenen Gemeinden bis ins Späte Mittelalter als vorberechtigter Hof, der die Steuern einzog und Gericht hielt. Noch 1525 besaßen fünf Höfe in Obermarchtal 40% des Ackerlandes. SCHöBE vermutet, dass es sich hierbei zwar nicht um fünf Maierhöfe, jedoch um fünf der sieben Pfründe handelte, die bei der zweiten Gründung Marchtals gestiftet worden waren (vgl. ebd. S. 37 f.).

  • [144]

    Vgl. Dep. 30/12 T1 Kloster Marchtal - Urkunden - Serie II (zit. nach Jahr): 1535, 1539, 1542.

  • [145]

    Vgl. StAS Dep. 30/12 T2 Nr. 2066: Vogtbuch (17. Jh.); StAS Dep. 30/12 T2 Nr. 1598-1643: Amtsprotokolle (1598-1804).

  • [146]

    StAS Dep. 30/12 T2 Nr. 2066 Vogtbuch (17. Jh.), abgedruckt in: WLR, S. 382-398.

  • [147]

    Die Landesordnung beinhaltete ebenso Bestimmungen zum Besuch der Dorfschule. Ab dem Jahr 1650 führte die Abtei ein Gymnasium. Im Zusammenhang mit den Institutionen der Bildung ist auch eine in den Jahren von 1692 bis 1715 bestehende Druckerei zu erwähnen, die hauptsächlich theologische Werke herausbrachte (vgl. Der Alb-Donau-Kreis (Band 2), S. 733).

  • [148]

    Zit. wird im Folgenden nach Die Peinliche Gerichtsordnung (vgl. Fußnote 47). Zum Strafverfahren nach der Carolina allgemein: IGNOR, Alexander: Geschichte des Strafprozesses in Deutschland 1532-1846. Von der Carolina Karls V. bis zu den Reformen des Vormärz, Paderborn 2002, S. 60-82. In Bezug auf die Hexenprozesse: STRöHMER, Michael: Von Hexen, Ratsherren und Juristen. Die Rezeption der Peinlichen Halsgerichtsordnung Kaiser Karls V. in den frühen Hexenprozessen der Hansestadt Lemgo 1583-1621 (Studien und Quellen zur Westfälischen Geschichte Band 43), Paderborn 2002.

  • [149]

    Vgl. Kap. 10.

  • [150]

    "Von verhefftung des anklägers bis er bürgschafft gethan hat" (Art. 12) (vgl. Die Peinliche Gerichtsordnung, S. 28). Der Kläger hatte Sicherheitsleistungen zu hinterlegen; wenn er solche nicht erbringen konnte, wurde er in Gegenhaft genommen (vgl. auch STRöHMER, S. 64 f.).

  • [151]

    Die Peinliche Gerichtsordnung, S. 26.

  • [152]

    Art. 44 "Von zauberey gnugsam anzeygung": "Item so jemandt sich erbeut andere menschen zauberei zu lernen, oder jemands zu bezaubern bedrahet vnd dem bedraheten dergeleichen beschicht, auch sonderlich gemeynschafft mit zaubern oder zauberin hat, oder mit solchen verdechtlichen dingen, geberden, worten vnd weisen, vmbgeht, die zauberey auf sich tragen, vnd die selbig person des selben sonst auch berüchtigt, das gibt eyn redlich anzeygung der zauberey, vnd gnugsam vrsach zu peinlicher frage." (Vgl. ebd. S. 45).

  • [153]

    Ebd. S. 34.

  • [154]

    IGNOR, S. 62.

  • [155]

    Hexen und Hexenprozesse in Deutschland, S. 270.

  • [156]

    LORENZ (1982), S. 56. Vgl. in Bezug auf Folter und Strafen auch FOUCAULT, Michel: Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses, aus dem Franz. v. Walter SEITTER, Frankfurt/M. 1994, S. 9-90.

  • [157]

    "Straff der zauberey": "Item so jemandt den leuten durch zauberey schaden oder nachtheyl zufügt, soll man straffen vom leben zum todt, vnnd man soll solche straff mit dem fewer thun. Wo aber jemandt zauberey gebraucht, vnnd damit niemant schaden gethan hett, soll sunst gestrafft werden, nach gelegenheit der sach, darinnen die vrtheyler radts gebrauchen sollen, wie vom radt suchen hernach geschriben steht." (Art. 109) (vgl. Die Peinliche Gerichtsordnung, S. 73).

  • [158]

    Vgl. hierzu auch Kap. 2.

  • [159]

    Vgl. Die Peinliche Gerichtsordnung, S. 76.

  • [160]

    Auf die Aktenversendung soll an dieser Stelle nicht explizit eingegangen werden. Vgl. dazu LORENZ, Sönke: Aktenversendung und Hexenprozess. Dargestellt am Beispiel der Aktenversendung der Juristenfakultäten Rostock und Greifswald (1570/82-1630) (Band 1/2), Frankfurt/M./Bern 1982 sowie für Marchtal Kap. 10.1.2, Kap. 10.1.4 und Kap. 10.2.

  • [161]

    STRöHMER, S. 73.

  • [162]

    Vgl. zum 'Endlichen Rechtstag' auch DüLMEN, Richard van: Theater des Schreckens. Gerichtspraxis und Strafrituale in der Frühen Neuzeit, München 21988, S. 38-61.

  • [163]

    Ebd. S. 77.

  • [164]

    Die Peinliche Gerichtsordnung, S. 61-69.

  • [165]

    Vgl. z.B. StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 286: Frag stückh Den fragenden seines aÿdts wol Zuerinnern darnach fragen (um 1627).

  • [166]

    Vgl. hierzu LORENZ (1994), S. 73, auch (1982/83), S. 329.

  • [167]

    Die Rekonstruktion der Folter begründet sich an dieser Stelle auf Gerichtsprotokolle aus der letzten Prozesswelle 1745-1757. Für diese Prozesse ab dem Jahr 1745 lässt sich der Folterhergang durch das ausführliche Gerichtsprotokoll und dessen Reformulierung innerhalb eines später folgenden Gutachtens nachvollziehen (vgl. StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 289: Gerichtsprotokoll Catharina Schmid (10. Juli 1745) und Gutachten von Sättelin (16. August 1745)).

  • [168]

    Zu den Biberacher Scharfrichtern, die auch in Marchtal angestellt waren, vgl. AßFALG und SCHMID, Martina: Die Biberacher Scharfrichter, in: Hexen und Hexenverfolgung im deutschen Südwesten (Volkskundliche Veröffentlichungen des Badischen Landesmuseums Karlsruhe Band 2/2), hrsg. v. Sönke LORENZ, Ostfildern 1994, S. 411-414. Zum Beruf des Scharfrichters vgl. NOWOSADTKO, Jutta: Scharfrichter und Abdecker: der Alltag zweier "unehrlicher Berufe" in der Frühen Neuzeit, Paderborn 1994.

  • [169]

    StAS Dep. 30/12 T1 Kloster Marchtal - Urkunden - Serie II: 1572.

  • [170]

    Der Alb-Donau-Kreis (Band 2), S. 730.

  • [171]

    Vgl. StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 289-291: Gerichtsprotokolle zu den Prozessen von Catharina Schmid, Maria Tornhäuser, Maria Bingasser und Anna Oberländer. Für den Scharfrichter Bartholomäus Vollmar, der an diesen späten Verfolgungen beteiligt war, hat sich die Bestallungsurkunde erhalten (Vgl. StAS Dep. 30/12 T2 Nr. 2066: Vogtbuch (17. Jh.), abgedruckt in AßFALG, S. 367-369).

  • [172]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 282: Nachfolgennder Malefizischenn hexischenn weibs personnen Bekanndtnus Irer gespilschaffen halben (14. Juli 1586).

  • [173]

    "Ist erst einmal jemand als Hexe 'erkannt', wird in der Folgezeit alles Tun und Lassen dieser Person nur noch im Sinne einer Bestätigung des Verdachts interpretiert." (SCHöCK, Inge: Hexenglaube in der Gegenwart (Empirische Untersuchungen in Südwestdeutschland. Untersuchungen des Ludwig-Uhland-Instituts der Universität Tübingen Band 45), Tübingen 1978, S. 114.).

  • [174]

    Aufgrund der Tortur waren in Marchtal während der ersten beiden Prozesswellen den vorhandenen Quellen nach zu urteilen alle vermeintlichen Delinquenten geständig gewesen.

  • [175]

    Vgl. KRAMER, S. 133 f. Diese Zahl ergibt sich aus der Tatsache, dass KRAMER auch teilweise andere Kriminalprozesse mit einbezog.

  • [176]

    Vgl. hierzu und im Folgenden StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 282-293 und DENGLER, S. 10-53, der innerhalb der Akten nicht weiter differenziert und trotz teilweise eindeutiger Hinweise auf andere Kriminalprozesse alle vorgefundenen Quellen in die Hexenverfolgungsthematik einreiht. Dagegen unterschlägt DENGLER einen zusätzlichen Prozess unter den Criminalakten (vgl. Prozess der Agnesa Hauerin Dep. 30/12 T7 Nr. 207: Criminalia: Verschieden Malefizakten).

  • [177]

    KRAMER zählt für den Zeitraum zwischen 1586 und 1657 125 'Gespielen' (vgl. KRAMER, S. 133).

  • [178]

    Vgl. zum Phänomen der Frauenverfolgung Geschlecht, Magie und Hexenverfolgung, hrsg. v. Ingrid AHRENDT-SCHULTE/Dieter R. BAUER/Sönke LORENZ/Jürgen Michael SCHMIDT (Hexenforschung Band 7), Bielefeld 2002.

  • [179]

    Vgl. StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 282: Urgicht Hanns Hepp (27. Juli 1586 und 8. August 1586), Urteil (o. D.); StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 282: Urgicht Konrad Schweger (13. Juli 1587), Urteil (o. D.). Konrad Schweger wurde zusammen mit zwölf vermeintlichen Hexen hingerichtet. Vgl. auch SELIG, Theodor: Konrad und Hans, zwei Hexenmänner, in: Riedlinger Zeitung Nr. 249 (1929).

  • [180]

    Vgl. Behringer (22000), S. 67.

  • [181]

    Uttenweiler mit Dietershausen gehörte erst 1702 zur Herrschaft Marchtal.

  • [182]

    Vgl. Dep. 30/12 T7 Nr. 282-284. DENGLER führt für diesen Zeitraum 64 Opfer an (vgl. DENGLER, S. 10-29).

  • [183]

    Vgl. Kap. 3.5.

  • [184]

    Vgl. hierzu und im Folgenden Der Landkreis Biberach, S. 398-401.

  • [185]

    Ebd. S. 399.

  • [186]

    Vgl. StAS Dep. 30 12 T2 1798: Urbar (1525).

  • [187]

    Während die stiftischen Falllehen geschlossen übergeben wurden, konnte das freie Eigentum auch in Realteilung weitergegeben werden, wodurch die meisten Höfe allerdings enorm zusammenschrumpften: Im Jahr 1593 besaßen noch drei Bauern Höfe mit über 20 Jauchert Besitz, neun zwischen 10 und 20, 19 zwischen fünf und 10, 41 Bauern lebten mit einem Besitz unter fünf Jauchert und 15 Bauern ohne Jauchertbesitz. Wurde die Realteilung verhindert, musste sich der Hoferbe zumeist verschulden, um die anderen Erben auszahlen zu können. Eine zunehmende Verschuldung der Bauern, die sich bei der Herrschaft Geld leihen mussten, führte zur Übernahme der Höfe durch diese. 1554 hatte Marchtal durchgesetzt, dass Güter nicht an Fremde verkauft werden durften, womit Marchtal zumeist als einziger Käufer in Frage kam (vgl. SCHöBE, S. 88 ff.).

  • [188]

    Vgl. Dep. 30/12 T2 Nr. 1806: Urbare: "Schwarzes Lagerbuch" der Güter und Einkünfte des Klosters (renoviert 1593).

  • [189]

    Vgl. Kap. 3.4.1.

  • [190]

    Vgl. StAS Dep. 30/12 T1 Kloster Marchtal - Urkunden - Serie I: 1520. Vgl. auch SCHöBE, S. 91-94.

  • [191]

    Vgl. Kap. 3.4.1.

  • [192]

    Vgl. StAS Dep. 30/12 T1 Kloster Marchtal - Urkunden - Serie I: 1533.

  • [193]

    Vgl. Der Landkreis Biberach, S. 400.

  • [194]

    Vgl. StAS Dep. 30/12 T1 Kloster Marchtal - Urkunden - Serie I: 1611.

  • [195]

    Vgl. dazu im Gegensatz bspw. den Fall Hans Weller aus Sontheim, der 1542 durch "Unfleiß" seinen Hof verlor (vgl. SCHöBE, S. 13).

  • [196]

    "Die institutionale Welt ist vergegenständlichte menschliche Tätigkeit, und jede einzelne Institution ist dies ebenso. (...) Gesellschaft ist ein menschliches Produkt. Gesellschaft ist eine objektive Wirklichkeit. Der Mensch ist ein gesellschaftliches Produkt." (Vgl. BERGER, Peter L./LUCKMANN, Thomas: Die gesellschaftliche Konstruktion des Wirklichkeit. Eine Theorie der Wissenssoziologie, mit einer Einleitung zur dt. Ausgabe v. Hellmuth PLESSNER, übers. v. Monika PLESSNER, Frankfurt/M. 61998, S. 65).

  • [197]

    Vgl. im Folgenden StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 282-286. Vgl. auch den Inhalt der Urgichten bei DILLINGER, Johannes: Hexenverfolgungen in der Grafschaft Hohenberg, in: Zum Feuer verdammt. Die Hexenverfolgungen in der Grafschaft Hohenberg, der Reichsstadt Reutlingen und der Fürstpropstei Ellwangen, hrsg. v. Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften der Universität Tübingen. Johannes DILLINGER/Thomas FRITZ/ Wolfgang MäHRLE (Hexenforschung Band 2), Stuttgart 1998, S. 22-32.

  • [198]

    Vgl. THOMPSON, Stith: Motif-Index of Folk-Literature. A classification of narrative elements in folk-tales, ballads, myths, fables, mediæval romances, exempla, fabliaux, jest-books and lokal legends (Band 3/6), Helsinki 1934, S. 32 und MENGIS, Carl: Art. Grün, in: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens (HDA), hrsg. v. Hanns BäCHTOLD-STäUBLI, unter bes. Mitw. v. Eduard HOFFMANN-KRAYER (Band 3/10), Berlin 1931, Sp. 1181-1183, wonach grüne Geister vor allem Naturdämonen verkörpern sollen. Erwähnt wird an dieser Stelle auch der Teufel im grünen Jägerkleid. Schwarz untermalte dagegen die Vorstellungen von Dunkelheit und Nacht und galt als die Farbe der Unterwelt und des Todes, als 'böse' Farbe. So wurde der Teufel schwarz gedacht und erhielt daher auch teilweise den Namen "Schwarzer" (vgl. MENGIS, Carl: Art. Schwarz, in: HDA (Band 7/10), Sp. 1431-1433).

  • [199]

    "(...) daß der böß Gaist In gestallt ainer Mannßperson Zu Ir In Ir behaußung, alls sie In ettwaß Kummernuß gefallen angefochten, daß sie seinen willen thon, und mit Ime gehe." (Vgl. StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 282: Urgicht Barbara Miller (3. Juni 1586) und insbesondere die Inhalte der Urgichten bei DILLINGER (1998), S. 23).

  • [200]

    Vgl. THOMPSON (Band 3/6), S. 48 ff.

  • [201]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 282: Urgicht Barbara Miller (3. Juni 1586).

  • [202]

    Vgl. Geständnis der Anna Träubin: "(...) der sich hernach federle genannt genant; Zu ihr kommen und erschinen, der hab sie mit vihlen süssen, aber wie sie hernach Laider funden betrüglichen wortten angeredt, mit versprechen daz er ihr vil (...) guots thon und erweßen wolle" (StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 286: Urgicht Anna Träubin (um 1627)).

  • [203]

    Der Handschlag wurde u. a. als Ritual bei einer Verlobung als gegenseitige Verpfändung der Personen aneinander verstanden (vgl. MüLLER-BERGSTRöM, Walther: Art. Handschlag, in: HAD (Band 3/10), Sp. 1401 f.). In Bezug auf das Hexereidelikt kann der Handschlag als Institutionalisierung des Bundes mit dem und der Verpflichtung und Unterwerfung an den Teufel verstanden werden.

  • [204]

    Vgl. die Verwandlung von Geld zu Asche bei THOMPSON (Band 2/6), S. 39.

  • [205]

    Vgl. StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 284: Urgicht Anna Mollin (um 1593). "Inzest zum Beispiel erhält als Vergehen gegen die göttliche Ordnung und gegen die von Gott geschaffene Natur des Menschen eine absolut negative Bewertung." (BERGER/LUCKMANN, S. 104).

  • [206]

    Als Tanzplätze werden der Brand (ein Waldstück etwa 1 km außerhalb von Obermarchtal), der Tautschbuch (der bewaldete Höhenzug liegt etwa 2 km von Riedlingen entfernt, ein Teilgebiet wird heute als 'Hexentannle' bezeichnet; der Faschingsfigur der 'Tautschbuch-Hexen' aus Daugendorf [Gemeinde der Stadt Riedlingen] gibt er als vermeintlicher Hexentanzplatz seinen Namen), der Heuberg (nahe Unlingen), der Emerberg und der Bazenaich.

  • [207]

    Vgl. THOMPSON (Band 3/6), S. 216 f.

  • [208]

    Gemeint ist an dieser Stelle wohl die Sackpfeife (Dudelsack), von der behauptet wurde, dass sie auf dem Hexentanz gespielt würde. Ein die Sackpfeife blasender Esel galt als Symbol für die Narrheit und den Unverstand der Menschen (vgl. MARZELL, Heinrich: Art. Sackpfeife (Dudelsack), in: HDA (Band 7/10), Sp. 865 ff.).

  • [209]

    Verschiedene Vorstellungen im Volksglauben bringen die Geige mit dem Teufel in Verbindung. Ertönt die Teufelsgeige, so erfasse wahnsinnige Lust die Tänzer, die sich immer wilder drehen müssten. Das Aufspielen zum Tanz konnte streng genommen schon grundsätzlich als frevelhaft angesehen werden (vgl. SEEMANN, Erich: Art. Geige, geigen, in: HDA (Band 3/10), Sp. 463-470).

  • [210]

    StAS Dep. 30/12 T7: Urgicht Ursula Baÿer (25. Juni 1586).

  • [211]

    Vgl. BRENNER, Ines/MORGENTHAL, Gisela: Sinnlicher Widerstand während der Ketzer- und Hexenverfolgung, in: Aus der Zeit der Verzweiflung. Zur Genese und Aktualität des Hexenbildes, Beiträge v. ders. u. a., Frankfurt/M. 1977, S. 220.

  • [212]

    Vgl. im Folgenden ECKSTEIN, Franz: Art. Brot, in: HDA (Band 1/10), Sp. 1623-1627.

  • [213]

    Vgl. insbesondere BENDER-WITTMANN, Uschi: Gender in der Hexenforschung: Ansätze und Perspektiven, in: Geschlecht, Magie und Hexenverfolgung, hrsg. v. Ingrid AHRENDT-SCHULTE/Dieter R. BAUER/Sönke LORENZ/Jürgen Michael SCHMIDT (Hexenforschung Band 7), Bielefeld 2002, S. 13-37.

  • [214]

    "Item er sej auch bej seinem gespillen offtermaln, Im branndt, Inn die Sandt grub gewessen, daselbstenn gesprung, getanzt, unnd ain gar gutten muoth mit essen trinckhen, unnd gutten Saitenspiell darzu er auch visch geben. Salz unnd brott Inen gemengelt gehabt. Daselbsten auch offtermaln nit allaien Theüfelische buolschafft mit seiner gespons getrieben besonnder auch. vifeltig denn flaischlich doch unnattürlichen. wollust unnd theüfelische werckh der unnküüschhait mit seiner gespilen theüfflerin, wie auch mit seiner gespilen Lenna grätterin (Ergänzt: so mit Dem feür gericht wordenn) geschafft unnd gepflog aber der theüflerin buolschafft sej kalter unnd nit wie seins weibs nattur." (StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 282: Urgicht Hans Hepp (8. August 1586)). Auch von Barbara Miller wurde ihm dies zugeschrieben: "Auch Schmuttelhansen [Hanns Hepp, Anm. der Autorin] beckhandt, daß er auch bej Inen geweßen, getanzt und ain guoten muoth gehabt, auch Visch dazugeben." (StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 282: Urgicht Barbara Miller (23. Juni 1586)).

  • [215]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 283: Urgicht Konrad Schweger (13. Juni 1587).

  • [216]

    Ebd.

  • [217]

    LABOUVIE, Eva: Perspektivwechsel. Magische Domänen von Frauen und Männern in Volksmagie und Hexerei aus der Sicht der Geschlechtergeschichte, in: Geschlecht, Magie und Hexenverfolgung, hrsg. v. Ingrid AHRENDT-SCHULTE/Dieter R. BAUER/Sönke LORENZ/Jürgen Michael SCHMIDT (Hexenforschung Band 7), Bielefeld 2002, S. 45.

  • [218]

    Vgl. LABOUVIE, Eva: Männer im Hexenprozess. Zur Sozialanthropologie eines "männlichen" Verständnisses von Magie und Hexerei, in: Der Hexenstreit. Frauen in der frühneuzeitlichen Hexenverfolgung, Freiburg/B. 1995a, S. 219.

  • [219]

    DüLMEN, Richard van: Die Dienerin des Bösen, in: ZHF 18 (1991), S. 392 f.

  • [220]

    Ebd. S. 391.

  • [221]

    "Die Versammlung von Hexen und ihren Buhlteufeln auf dem Hexentanz wird wie ein derblustiges Bauernfest, wie eine Hochzeitsfeier, wie ein Fest, auf dem viel gegessen, getrunken und getanzt wird, und nicht wie eine 'schwarze Messe' beschrieben. Gelage mit Tanz heben die Angeklagten jedenfalls mehr hervor als die Satansverehrung und die offizielle Abschwörung der christlichen Lehre." (Vgl. DüLMEN, Richard van: Imaginationen des Teuflischen, in: Gesellschaft der Frühen Neuzeit: kulturelles Handeln und sozialer Prozeß (Beiträge zur historischen Kulturforschung), Wien/Köln/Weimar (1993), S. 80).

  • [222]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 282: Urgicht Barbara Miller (3. Mai 1587).

  • [223]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 282: Urgicht Waldburga Kepplerin (10. Juli 1586).

  • [224]

    Ebd.

  • [225]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 282: Urgicht Ursula Baÿer (25. Juni 1586).

  • [226]

    Vgl. van DüLMEN (1991), S. 386.

  • [227]

    Ebd. S. 387 ff.

  • [228]

    Van DüLMEN weist darauf hin, dass die Frauen aus Glaubensgründen eher geneigt waren, den Schadenszauber als den Teufelspakt zu gestehen (vgl. ebd. S. 66).

  • [229]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 290: Verhör Catharina Schmid (27. Januar 1746).

  • [230]

    Dep. 30 12 T7 Nr. 289: Verhör Maria Tornhäuser (7. Dezember 1745).

  • [231]

    Van DüLMEN (1991), S. 392 f.

  • [232]

    Vgl. hierzu und im Folgenden van DüLMEN (1993), S. 76.

  • [233]

    Van DüLMEN (1991), S. 395.

  • [234]

    BEHRINGER schreibt, dass mit der Verarmung der Bevölkerung als Folge von Agrarkrisen ein Mentalitätswandel einherging: Die "Verknappung der Ressourcen" habe zu einer "Verhärtung der sozialen Beziehungen" geführt (vgl. Hexen und Hexenprozesse in Deutschland, S. 131). Vgl. auch BEHRINGER, Wolfgang: Weather, Hunger and Fear. The Origins of the European Witch Persecution in Climate, Society and Mentalité, in: German History 13 (1995b), S. 1-30.

  • [235]

    Kurze Geschichte, S. 81.

  • [236]

    "Whatever the immediate cause, Melchior Hurm of Rottenburg was arrested, condemned, and executed on May 18, 1581 for a combination of witchcraft and murder. It was highly unusual that a man should be the first in a series of witchcraft trials, and we may be justified in emphasizing his crime as an actual murder the details of which were perhaps so shocking that devilish inspiration was ascribed to him." (Vgl. MIDELFORT (1972), S. 96 f.) und DENGLER, S. 10.

  • [237]

    Derart findet es sich auch unter den Kriminalakten. Vgl. neben Dep. 30 12 T 7 Nr. 282: Urgicht Melchior Hurm (18. Mai 1581) auch die Kriminalakten unter Dep. 30 12 T7 Nr. 207: Malefizakten.

  • [238]

    Christof Bitterlin selbst scheint der Nachfolger von Johannes Bützenhofer gewesen zu sein. Bützenhofer ist in der Liste der Marchtaler Vögte im Repertorium der Prämonstratenserabtei mit dem Datum vom 22.01.1572 aufgeführt. Als sein Nachfolger wird dort nur Bernhart Bütterlin (Bitterlin) geführt. Christof Bitterlin wird in dieser Liste nicht erwähnt (vgl. StAS Dep. 30/12 T3 Repertorium Prämonstratenserabtei Marchtal. Reichs-, Kreis- und Kollegialsachen 1468-1803 (1811), bearb. v. Dr. BAUMANN und Dr. FISCHER, Register UMMENHOFER, Reinschrift LANG, UMMENHOFER, Sigmaringen 1971, S. XXX).

  • [239]

    Dieses Verwandtschaftsverhältnis zeigt ein Brief vom 13. April 1573 (vgl. StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 207: Malefizakten).

  • [240]

    Vgl. im Folgenden StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 282: Fragstuckh Magdalena Grätter (10. Juni 1586).

  • [241]

    Ebd.

  • [242]

    Ebd.

  • [243]

    Nihilierung ist an dieser Stelle im Sinne von BERGER/LUCKMANN, "als Form negativer Legitimation" gedacht. Die zweite Form "sinnweltstützender Theoriebildung" ist die Therapierung: "Die theoretische Konzeption einer Nihilierung wird am häufigsten bei Individuen oder Gruppen gebraucht, die für die betreffende Gesellschaft Fremde sind und daher für eine Therapie nicht in Frage kommen". 'Fremd' ist in diesem Zusammenhang als 'wirklichkeitsfremd', als fundamentale Bedrohung für die gesellschaftliche Wirklichkeit zu verstehen. "Ob man von der Nihilierung zur Therapie übergeht oder auch physisch vernichtet, was man theoretisch nihiliert hat, ist eine Frage der politischen Praxis" (BERGER/LUCKMANN, S. 121 f.).

  • [244]

    Vgl. StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 282: Urgicht Hanns Hepp (27. Juli 1586).

  • [245]

    "Item er hab auch mit gedachter seiner geschweÿen anna möllerin, seins weibs rechte schwester der hirunnden armen frowen person die flaischliche werckh (R: der unkeüschait wider alle mentschliche) vernunfft offtermaln getrieben unnd gepflogen." (Ebd.).

  • [246]

    Die Akten von Anna Hiertin sind nicht mehr überliefert, in der Urgicht von Anna Möhlin aus dem Jahr 1593 ist allerdings deren Verbrennung erwähnt (vgl. StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 284: Urgicht Anna Möhlin (25. Juni 1590).

  • [247]

    Vgl. Dep. 30/12 T7 Nr. 282: Urgicht Stoffel Dieterich (3. Juni 1586), Urteil gegen Magdalena Grätter, Barbara Miller und Stoffel Dieterich (o. D.).

  • [248]

    MIDELFORT (1972), S. 97.

  • [249]

    Vgl. StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 282: Nachfolgennder Malefizischenn hexischenn weibs personnen Bekanndtnus Irer gespilschaffen halben (14. Juli 1586).

  • [250]

    Vgl. StAS Dep. 30 Kloster Marchtal - Urkunden Serie II: 1584.

  • [251]

    Vgl. StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 208: Malefizakten (1538-1641).

  • [252]

    Vgl. Kap. 3.4.2.

  • [253]

    Vgl. StAS Dep. 30/12 T3 Nr. 99: Patent des Schwäbischen Kreises betr. Zigeuner-, Bettler- und Räuberwesen (1660-1661) und StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 454: Schreiben betr. des Bettlerwesens: 1586, 1591, 1627, 1661, 1699.

  • [254]

    "(...) das nicht allain dem Gottshaus Marchtall, auch unseren Premonstratenser orden, sonndern auch ëuch, unnd anderen unserer Mitbanncksverwandten prelaten, alls Stannden des hailigen Röm. Reichs an desselben wohlhergebrachten freyhaiten, Rechtenn, und gerechtigkeiten, zu höchstem beschwerlichen und unwiderbringlichen nachtail und schaden, auch dem hail: Reich an seinen Contributionibus zu mercklichen abbruch Raichen." (vgl. StAS Dep. 30/12 T3 Nr. 25: Allgemeine Klöster- und Stiftervisitation (1571)).

  • [255]

    Vgl. SCHöBE, S. 88 ff.

  • [256]

    Vgl. SAILER, Sebastian: Das Jubilierende Marchtall, oder Lebensgeschichte des Hochseligen Konrad Kneers weiland dreyzehnten Abtens des besagten unmittelbaren freyen Reichstifts, des heiligen exempten Ordens von Prämonstrat an der Donau in Schwaben: nebst Vortrab von dessen Stiftung, und Nachtrab dessen Vorstehern binnen sechshundert Jahren/aus sichern Urkunden niedergeschrieben von Sebastian SAILERN, Marchtall 1771, S. 221 f.

  • [257]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 284: Urteil Margreta Selgin, Anna Möhlin, Michael Mollen (o. D.). Die Urgicht dieser Personen ist datiert vom 30. Oktober 1593.

  • [258]

    Die Pfarrei in Munderkingen war die bedeutendste auf dem Herrschaftsgebiet. Aus der Stadt selbst stammten zahlreiche Äbte. Auch das Stift wirkte auf die Stadt: "Das benachbarte Kloster war eine geistige Instanz, die auch das städtische Leben prägen musste." (NUBER, Winfried: Abtei Marchtal und seine Pfarrei in der Stadt Munderkingen, in: Marchtal: Prämonstratenserabtei, Fürstliches Schloß, Kirchliche Akademie. Festgabe zum 300jährigen Bestehen der Stiftskirche St. Peter und Paul (1692-1992), hrsg. v. Max MüLLER/Rudolf REINHARD/Wilfried SCHöNTAG, Ulm 1992, S. 116).

  • [259]

    Ebd. S. 116.

  • [260]

    Entgegen der Annahme MIDELFORTs (vgl. MIDELFORT (1972), S. 97), der davon ausgeht, dass Bernhart Bitterlin auch die Verfahren der 1620er Jahre geführt habe, was allerdings nicht zutrifft (vgl. Kap. 8.1).

  • [261]

    Vgl. StAS Dep. 30 Kloster Marchtal - Urkunden Serie II: 1572.

  • [262]

    Die Annahme, Marchtal habe auf keinen Scharfrichter zurückgreifen können und deshalb Hans Vollmaier angefordert, lässt sich somit in dieser Form nicht halten (vgl. SCHMID, S. 412).

  • [263]

    Vgl. hierzu MäHRLE, S. 356 f.

  • [264]

    Vgl. SCHMID, S. 412.

  • [265]

    SCHMID vermutet, dass es sich hierbei um den Meister Jacob aus Biberach handeln könne (ebd. S. 412).

  • [266]

    Für den Prozess 1745/1746 liegen Angaben vor: Der Prozess gegen Catharina Schmid und deren Tochter brachte dem Scharfrichter die stattliche Summe von 70 Gulden ein (vgl. StAS Dep. 30/12 T2 Nr. 20: Geldrechnung (1733-1746)).

  • [267]

    SCHMID, S. 414.

  • [268]

    Für den südwestdeutschen Raum sind als Literatur zu nennen: Hexen und Hexenverfolgung im deutschen Südwesten (Volkskundliche Veröffentlichungen des Badischen Landesmuseums Karlsruhe Band 2/2), hrsg. v. Sönke LORENZ, Ostfildern 1994 darin insbesondere: LORENZ, Sönke: Einführung und Forschungsstand: Die Hexenverfolgung in den südwestdeutschen Territorien, S. 175-184; MIDELFORT (1972); SCHMIDT, Jürgen Michael: Glaube und Skepsis: die Kurpfalz und die abendländische Hexenverfolgung 1446-1685, Bielefeld/Gütersloh 2000; Zum Feuer verdammt: die Hexenverfolgungen in der Grafschaft Hohenberg, der Reichsstadt Reutlingen und der Fürstpropstei Ellwangen, hrsg. v. Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften der Universität Tübingen. Johannes DILLINGER/Thomas FRITZ/Wolfgang MäHRLE (Hexenforschung Band 2), Stuttgart 1998. Für den oberschwäbischen Raum: SELIG, Theodor: Aus der Zeit des Hexenwahns, in: Der Marktflecken Unlingen. Eine Heimatgeschichte für seine Landsleute, hrsg. v. dems. und der Gemeinde Unlingen, Bad Schussenried 1998, S. 309-314; ZüRN, Martin: Abseits und verfolgt? Die Hexen vom Bussen, in: Minderheiten in der Geschichte Südwestdeutschlands, hrsg. v. Haus der Geschichte in Verbindung m. d. Landeshauptstadt Stuttgart d. Otto BORST, Tübingen 1996, S. 35-72; ZüRN, Martin: Herren, Hexen und Rebellen. Geschichten aus der Bussengegend, hrsg. v. Elisabeth SONTHEIMER-LEONHARDT für d. Gemeinde Unlingen, Bad Schussenried 1997.

  • [269]

    Vgl. ZüRN, Martin: "Ir aigen libertet": Waldburg, Habsburg und der bäuerliche Widerstand an der oberen Donau 1590-1790, Tübingen 1998, S. 231, Fußnote 24: ZüRN weist darauf hin, dass die Prozesse der Bussengegend im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts aufgrund der dünnen Quellen- und Forschungslage nur schwer rekonstruierbar und im Werk MIDELFORTs zum großen Teil unberücksichtigt geblieben seien. Im Verzeichnis der Verfolgungen ist Unlingen ohne genaue Anzahl der Opfer für das Jahr 1587 aufgenommen (vgl. MIDELFORT (1972), S. 206).

  • [270]

    Zit. nach ZüRN (1996), S. 59.

  • [271]

    Noch heute weist der Straßenname 'Hexengässle' und die Unlinger Faschingsfigur des 'Hexenverbrenners' auf diese furchtbare Geschichte Unlingens hin.

  • [272]

    Vgl. im Folgenden ZüRN (1996), S. 57 ff.

  • [273]

    Ebd. S. 64.

  • [274]

    AßFALG, S. 377.

  • [275]

    Vgl. BEHRINGER (1995a), S. 328 f.

  • [276]

    Vgl. Hexen und Hexenprozesse in Deutschland, S. 186 und Tabelle der größten Hexenverfolger in Deutschland bei BEHRINGER (22000), S. 57.

  • [277]

    Hexen und Hexenprozesse in Deutschland, S. 186.

  • [278]

    Ebd.

  • [279]

    Vgl. im Folgenden StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 286: Frag stückh Den fragenden seines aÿdts wol Zuerinnern darnach fragen (um 1627).

  • [280]

    Vgl. StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 285: Ao 1627 Kundschaft zu Saulggart [gemeint ist Sauggart, Anm. d. Autorin] wegen der Hexen Den 6. Aprilis Anno 1617. Dem uneinheitlichen Datum liegt vermutlich ein Schreibfehler zugrunde. Maßgeblich ist wohl das Jahr 1627.

  • [281]

    StAS Dep. 30/12 T13 Nr. 15: Inquisition über die Hexen. Nicht nachvollziehbar ist, an wen diese Anfrage gerichtet wurde.

  • [282]

    Ebd.

  • [283]

    Ebd.

  • [284]

    Ebd.

  • [285]

    Ebd.

  • [286]

    Ebd.

  • [287]

    Ebd.

  • [288]

    DILLINGER (1998), S. 75.

  • [289]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 286: 1627 Urgicht Urßl Gözin von Marchtl (22. März 1627). Verhaftet wurde Ursula Götz der Urgicht zufolge am 3. März 1627.

  • [290]

    "Angebene gespülen von Marchtall Mägerlis Anna". Vielleicht handelt es sich hierbei um Anna Vischer. Weitere Besagungen blieben ebenso vage: aus Emeringen Anna, Burga und der Pfeiffer, aus Sonderbuch Theresia und Berta (vgl. ebd.)

  • [291]

    Vgl. StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 286: Uricht und bekanntnuß der Hullers Anna in puncto der Hexereÿ (26. Juni 1627).

  • [292]

    Vgl. StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 286: ao 1627 wegen Waldburga Hocheisen von Dietelhoven.

  • [293]

    Ebd.

  • [294]

    Gegen Christina Krüger aus Otterswang wurde in gleicher Weise vor dem Gericht in Schussenried verhandelt (vgl. StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 286: Zuwissen und khundt gethon (um 1627)).

  • [295]

    Vgl. StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 286: Uricht und bekanntnus Martin Gezen von Zell (um 1627).

  • [296]

    Vgl. hierzu auch den Prozess gegen die mutmaßliche Brandstifterin Anna Lutz aus Alleshausen, der sich ebenso fälschlicherweise unter den Hexenprozessakten befindet (vgl. StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 283: Urgicht Anna Lutz (26. September 1587)).

  • [297]

    Kurze Geschichte, S. 93.

  • [298]

    Ebd. S. 96.

  • [299]

    Ebd. S. 96.

  • [300]

    Ebd. S. 108.

  • [301]

    Ebd. S. 121.

  • [302]

    Vgl. Klosterlandschaft Oberschwaben, S. 26 f.

  • [303]

    StAS Dep. 30/12 T2 Nr. 1608: Amtsprotokoll (1655-1659).

  • [304]

    Entspricht Art. 135 der Gerichtsordnung von Bußmannshausen (vgl. WLR, S. 708).

  • [305]

    StAS Dep. 30/12 T2 Nr. 1609: Amtsprotokoll (1660-1667).

  • [306]

    StAS Dep. 30/12 T2 Nr. 1612: Amtsprotokoll (1674-1679).

  • [307]

    Pfarrarchiv Offingen: SELIG, Theodor: Das Hexenwesen in der Donau-Bussen und Federseegegend (unv. Manuskript), o. J.

  • [308]

    ZüRN (1996), S. 66.

  • [309]

    Ebd. S. 66.

  • [310]

    Vgl. BEHRINGER (22000), S. 85.

  • [311]

    1747 wurde eine aus Alleshausen gebürtige und in Offingen verheiratete Frau hingerichtet. 1754 starb eine Frau wegen angeblichem Verkehr mit dem Teufel im Dürmentinger Kerker (vgl. ZüRN (1996), S. 66 f.).

  • [312]

    Vgl. hierzu STRöBELE, Hermann: Die Gemeinde Oggelsbeuren mit dem ehemaligen Frauenkloster. Ein kultur-, rechts- und allgemeingeschichtlicher Beitrag zur Geschichte Oberschwabens, hrsg. v. d. Gemeinde Oggelsbeuren, Oggelsbeuren 1974, S. 82-86.

  • [313]

    Nachdem Catharina Schmid von ihrem zweiten Mann verlassen worden sei, habe sie sich ihren Lebensunterhalt zunächst mit Betteln, später dadurch verdient, dass sie anderen Menschen bei der Heilung ihrer Krankheiten geholfen habe (vgl. StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 289: Gerichtsprotokoll (15. Mai 1745), S. 57-62). Im späteren Verhör erzählte die Tochter Maria Tornhäuser, ihre Mutter habe angeblichen Geschlechtsverkehr mit einem Barbier aus Hailtingen als Schuldigkeit gegenüber diesem Mann gerechtfertigt (vgl. StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 289: Verhörprotokoll Maria Tornhäuser (10. Dezember 1745), S. 40). Vgl. hierzu auch das Beispiel bei RHEINHEIMER, Martin: Arme, Bettler und Vaganten. Überleben in der Not 1450-1850, Frankfurt/M. 2000, S. 63-66).

  • [314]

    So sagte Catharina Schmid im Verhör aus: "(...) wann diesem das Maul gestopft sein werde, so werden auch die übrigen leut gestillet sein." (Vgl. StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 289: Gerichtsprotokoll Catharina Schmid (8. Mai 1745)).

  • [315]

    Vgl. Dep. 30/12 T2 Nr. 843: Herbstrechnung mit sämtlichen Marchtaler Untertanen (1746) und Dep. 30/12 T2 Nr. 1953: Veranlagung der namentlich aufgeführten Untertanen des Klosters Marchtal in den Orten der Klosterherrschaft (1698).

  • [316]

    Am 7. September 1746 wurden für das Gericht Alleshausen vereidigt: Joseph Caduss Gerichtsamann, Johannes Selg Unteraman, Augustin Strom, Georg Holl, Johann Jacob Rüest, Joseph Weiller, Martin Brem, Peter Ströbele (vgl. StAS Dep. 30/12 T2 Nr. 1626: Amtsprotokoll (1744-1749).

  • [317]

    Vgl. StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 289: Gerichtsprotokoll (13. Mai 1745).

  • [318]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 289: Gutachten von Sättelin (16. August 1745), S. 43 ff.

  • [319]

    WALZ (1992), S. 285.

  • [320]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 289: Verhörprotokoll Catharina Schmid (12. Juli 1745).

  • [321]

    "Betrifft Catharina Schmidin: (...) in einem besonderen orth aller Ihrer bisherigen kleider und gewandter entblöset, amb sambtlichen leib geschoren und abgewaschen, dan mit anderwerhigen kleiderung angethan ohn das orth der tortur geführet, allda über vorzeigende und explizierende verschiedene gattungen deren tormentorum (...) hierauf geleget [gemeint ist der 'Spanische Bock', Anm. d. Autorin], und die steuckhlein doch noch ganz sanfft angezogen und Sie allso 7 (...) minuten darauf ligen gelassen werden solle. Rechts wegen." (StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 290: Beÿ urthel (o.D.). Eigentlich hätten die Marchtaler Richter an dieser Stelle ein Interlokut eines Gutachters anfordern sollen; dies kritisierte auch der spätere Gutachter.

  • [322]

    "(...) so sollen die Richter, wo jnen zweiffeln zufiele, bei den nechsten hohen schulen, Stetten, Communen oder anderen rechtsuerstendigen (...) rath zu suchen schuldig sein." (Vgl. Die Peinliche Gerichtsordnung, S. 127).

  • [323]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 289: Gerichtsprotokoll (12. Juli 1745).

  • [324]

    Sebastian Wunibald Josef von Sättelin (geb. 13.03.1695, gest. 16.12.1764) wurde 1727 Ratskonsulent und war vom 19. August 1741 bis ins Jahr 1764 katholischer Bürgermeister der paritätisch besetzten Stadt Biberach. Verheiratet war Josef von Sättelin mit Maria Anna Christine Genofeva (geb. von Balbach von Gastell (gest. 1784). Die Familie von Sättelin (Vater: Johann Franz von Sättelin (1624-1727), Mutter: Maria Franziska, geb. Wagner/Wanner) gehörte dem katholischen Patriziat an und zählte im 17. Jahrhundert mit einem zu versteuernden Einkommen von 16000 fl. zu den drei wohlhabendsten Familien in Biberach (vgl. Des Hochlöbl. Schwäb. Crayses allgemeines Adresse-Handbuch (...), Ulm 1754, S. 391; GREES, Hermann: Sozialstruktur und Sozialtopographie Biberachs um 1700 - mit einem Ausblick auf die Stadtentwicklung bis ins 19. Jahrhundert, in: Geschichte der Stadt Biberach, hrsg. v. Dieter STIEVERMANN in Verbindung m. Volker PRESS/Kurt DIEMER, Stuttgart 1991, S. 375); Auskunft Frau Ursula Maerker (Stadtarchiv Biberach) und Frau Gisela Moll (Braith-Mali-Museum Biberach).

  • [325]

    In der Gemeinde Winningen (Hintere Grafschaft Sponheim) wurde in einem Hexenprozess um 1630 ebenfalls eine kostspielige Aktenversendung an eine Universität umgangen, stattdessen wurden nahe gelegene Juristen als Gutachter nominiert (vgl. RUMMEL, Walter: Bauern, Herren, Hexen. Studien zur Sozialgeschichte sponheimischer und kurtrierischer Hexenprozesse 1574-1664, Göttingen 1991, S. 47 f.).

  • [326]

    Bei der Form der Rechtsauskunft, die von Sättelin stellte, handelte es sich um Konsilien, nicht um Rechtsbelehrungen, was zum einen am großen Umfang deutlich wird, zum anderen grundsätzlich daran lag, dass es Sebastian Wunibald Josef von Sättelin in Marchtal nicht mit ungelehrten Juristen zu tun hatte (vgl. hierzu auch LORENZ (1982), S. 167 ff.). Entsprechend diesem ersten Gutachten besitzen auch alle weiteren Konsilien des Biberachers einen ungewöhnlichen Umfang von mehr als 100 Seiten.

  • [327]

    Das Hexenmal sollte Nachweis für den Pakt mit dem Teufel sein. Da dieser aber in der Carolina keine Rolle spielte, galt zu diesem Zeitpunkt Gleiches für das Hexenmal.

  • [328]

    Vgl. StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 289: Verhörprotokoll Francisca Cadussin (24. Juli 1745).

  • [329]

    Vgl. Die Peinliche Gerichtsordnung, S. 36 sowie LORENZ (1982), S. 403 f.

  • [330]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 289: Gutachten von Sättelin (16. August 1745).

  • [331]

    Während des gütlichen Verhörs glaubte Catharina Schmid schon nicht mehr an eine 'irdische' Verurteilung der Denunzianten: "(...) ich kan nicht anderst sagen, die Zeügen haben falsch geschworen, und werden es missen vor gott verantworthen." (Vgl. StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 289: Verhörprotokoll Catharina Schmid (12. Juli 1745)).

  • [332]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 289: Gutachten von Sättelin (16. August 1745).

  • [333]

    Ebd.

  • [334]

    Ebd.

  • [335]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 289: Verhörprotokoll Catharina Schmid (22. Mai 1745) und StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 291: Gutachten von Sättelin (3. März 1746).

  • [336]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 289: Gerichtsprotokoll (16. November 1745).

  • [337]

    Ebd.

  • [338]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 290: Verhörprotokoll Catharina Schmid (23. November 1745).

  • [339]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 289: Brief von Sättelin (28. Dezember 1745).

  • [340]

    Dieser Besuch findet allerdings noch vor der Stellung des Gutachtens statt: Am 20. Juli 1745 sind für den Marchtaler Oberamtmann Ausgaben für ein Essen in Biberach verzeichnet, das er aufgrund der Einholung eines Gutachtens eingenommen habe (vgl. StAS Dep. 30/12 T2 Nr. 20: Geldrechung (1733-1746)).

  • [341]

    Vgl. StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 289: Gerichtsprotokoll (10. Oktober 1745), Brief von Sättelin (28. Dezember 1745); Nr. 290: Brief von Sättelin (30. Januar 1746).

  • [342]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 289: Gerichtsprotokoll (10. Oktober 1745).

  • [343]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 289: Verhörprotokoll Maria Tornhäuser (17. und 18. Dezember 1745).

  • [344]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 290: Gerichtsprotokoll (2. Dezember 1745).

  • [345]

    "(...) dabeÿ aber mein mit derenthalben und H: Canzleÿverwalter geführten Mundtl: discurs, und einrathen wissent: sonderiert, und daß sich (...) neuere indicia ad ulteriorem Torturam, auch aus allen Vorgegangenen so Vilgezaiget, daß Sie Vorhin die Creatur selbsten nicht unter der wurckhen gehabt, zumahlen das Publicum Um gottes willen gebetten, diese so gar gefährliche person nicht wider auf freÿen fueß zu stellen, so habe Ein hochlöbl.es oberambt kein bedenckhen getragen, Von dem allzugelinden und mehrern pro defensione Sagarum als ohnpartheÿischer schritt ohnzusehen gewesenen Consilio abzugehen, und den Proces Zucontinuieren (...)." (StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 289: Brief von Sättelin (28. Dezember 1745)).

  • [346]

    Ebd.

  • [347]

    Ebd.

  • [348]

    Ebd.

  • [349]

    Ebd.

  • [350]

    Vgl. die Peinliche Gerichtsordnung, S. 52 f. und STRöHMER, S. 70.

  • [351]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 289: Brief von Sättelin (28. Dezember 1745). Die Marchtaler Justiz hatte von Sättelin einen Ruf in Kriminalprozessen zugeschrieben (vgl. StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 289: Gerichtsprotokoll (12. Juli 1745)). Ob und in welchem Umfang der Biberacher Bürgermeister in anderen Hexenprozessen als Gutachter tätig war, bleibt unklar.

  • [352]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 290: Brief von Sättelin (23. Februar 1746).

  • [353]

    Art. 56: "Keynem gefangen die vmbstende der mißthat vor zusagen, sonder jn die gantz von jm selbst sagen lassen" (vgl. Die Peinliche Gerichtsordnung, S. 50 f.).

  • [354]

    An Geld erhielt von Sättelin für die gestellten Konsilien 60 Gulden und 48 Kreuzer. Der Scharfrichter 70 Gulden, der Kapuziner ein Fässlein Wein (vgl. StAS Dep. 30/12 T2 Nr. 20: Geldrechung (1733-1746)).

  • [355]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 291: Gutachten von Sättelin (3. März 1746).

  • [356]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 290: Brief von Sättelin (27. Februar 1746).

  • [357]

    Zit. nach STRöHMER, S. 70.

  • [358]

    Ebd. S. 70.

  • [359]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 290: Brief von Sättelin (23. Februar 1746).

  • [360]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 290: Gerichtsprotokoll (27. Januar 1746).

  • [361]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 289: Brief von Sättelin (28. Dezember 1745). Vgl. auch Fußnote 346.

  • [362]

    Vgl. StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 291 und 292 und zu diesem Fall auch SOLDAN/HEPPE, S. 281-284.

  • [363]

    Vgl. StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 290: Interlokut von Sättelin (13. Dezember 1746).

  • [364]

    Ebd.

  • [365]

    Gründe dieser Skepsis sind sicher in dem langwierigen Prozess gegen Catharina Schmid zu suchen.

  • [366]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 291: Gutachten von Sättelin (28. Februar 1747).

  • [367]

    Ebd.

  • [368]

    Die Peinliche Gerichtsordnung, S. 50.

  • [369]

    Als Mitglied des Leipziger Schöppenstuhls verfasste CARPZOV die 'Practica Nova Imperialis Saxonica rerum criminalium', erschienen 1635, die bis ins 18. Jahrhundert die deutsche Strafrechtspflege bestimmen sollte. In Quaestio 48 ging CARPZOV explizit auf das Hexereidelikt ein. CARPZOV reformulierte in Auseinandersetzung mit Johann WEYER den von KRAMER objektivierten Hexereibegriff aus dem Hexenhammer und versuchte, die Realität von Hexenflug und Hexensabbat näher zu präzisieren (vgl. LORENZ, Sönke: Benedict CARPZOV und die Hexenverfolgung, in: Benedict CARPZOV: Neue Perspektiven zu einem umstrittenen sächsischen Juristen, hrsg. v. Günter JEROUSCHEK, Tübingen 2000, S. 95-98).

  • [370]

    Vgl. hierzu Ijob 1, Vers 1-12.

  • [371]

    Vgl. hierzu Matthäus 4, Vers 1-11.

  • [372]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 291: Gutachten von Sättelin (28. Februar 1747).

  • [373]

    Ebd.

  • [374]

    Die guten wie bösen Engel schlüpften dabei in 'sichtbare' Körper und könnten dadurch mit Menschen in Verbindung treten. Sie hätten allerdings kein 'organisches Leben', so dass sie Samen zunächst als Succubus im Geschlechtsakt mit einem Mann aufnehmen müssten, um ihn dann als Incubus einer Frau zuführen zu können (vgl. HANSEN, S. 183-187).

  • [375]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 291: Gutachten von Sättelin (28. Februar 1747).

  • [376]

    Hexen und Hexenprozesse in Deutschland, S. 314-399.

  • [377]

    Vgl. ebenso Kap. 10.2.2.

  • [378]

    BERGER/LUCKMANN, S. 113 f.

  • [379]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 291: Gutachten von Sättelin (28. Februar 1747).

  • [380]

    Vgl. Diözesanarchiv Rottenburg Tauf- und Sterberegister Obermarchtal (Reutlingendorf) 1: Tauf- Sterbe- und Eheregister 1630-1778 (1746).

  • [381]

    Vgl. StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 291: Gerichtsprotokoll (27. April 1747).

  • [382]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 291: Urgicht Barbara Götschlerin (15. November 1747). Während für Alleshausen nur Drohungen nachzuweisen sind, weist DILLINGER für Hohenberg die Gefangennahme von Personen "ohne Aufsicht eines herrschaftlichen Amtsträgers in einem Akt tumultarischer Gewalt" nach (DILLINGER, Johannes: "Böse Leute" Hexenverfolgungen in Schwäbisch-Österreich und Kurtrier im Vergleich (Trierer Hexenprozess. Quellen und Darstellungen Band 5), Trier 1999, S. 265 und 289).

  • [383]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 291: Gerichtsprotokoll (3. Juni 1747).

  • [384]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 291: Interlokut von Sättelin (7. September 1747).

  • [385]

    "Quando enim Indicia non sunt multum remota, sed quasi adminicula quodam delicti, plurium singularia testimonia bonorum virorum sufficiunt (...)." (Zit. nach ebd.).

  • [386]

    "Atque hoc scelus longe atrocius est homicidio, adulterio, furto (...)." (Zit. nach ebd.).

  • [387]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 291: Interlokut von Sättelin (7. September 1747).

  • [388]

    "(...) nicht anders schlissen können, alß das bollmännin an dem indicierten laster der hexereÿ nicht ohnschuldig zumahlen eines verdambl: und ohnbusfertigen dodts gestorben seÿe (...)." (Vgl. StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 291: Gerichtsprotokoll (16. Oktober 1747)).

  • [389]

    Vgl. StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 291: Consilium in Puncto Magio die Inhafftierte barbara Getschlerin und anna Mühlin von allishausen betref. (2. November 1747).

  • [390]

    Ebd.

  • [391]

    Ebd.

  • [392]

    Ebd.

  • [393]

    Ebd.

  • [394]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 291: Consilium in Puncto Magio die Inhafftierte barbara Getschlerin und anna Mühlin von allishausen betref. (2. November 1747).

  • [395]

    Ebd.

  • [396]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 233: Brief aus Marchtal (1. März 1747).

  • [397]

    Ebd.

  • [398]

    Aus den Amtsprotokollen ist dazu nichts überliefert (vgl. StAS Dep. 30/12 T2 Nr. 1626: Amtsprotokoll (1744-1749)).

  • [399]

    StAS Dep. 30 12 T2 Nr. 1626: Amtsprotokoll (1744-1749).

  • [400]

    Vgl. die Zusammenstellung der Thesen zum Ende der Hexenverfolgung bei LABOUVIE, Eva: Absage an den Teufel. Zum Ende dörflicher Hexeninquisition im Saarraum, in: Das Ende der Hexenverfolgung, hrsg. v. Sönke LORENZ/Dieter R. BAUER (Hexenforschung Band 1), Stuttgart 1995b, S. 55-58.

  • [401]

    BEHRINGER (22000), S. 90.

  • [402]

    Vgl. zu den letzten rechtlichen Auseinandersetzungen um die Hexerei in Marchtal StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 292 und Nr. 293.

  • [403]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 292: Gerichtsprotokoll (14. September 1756). Das Gutachten von Oberamtmann Frei aus Schussenried bestätigt die nicht erfolgte Verhaftung von Barbara Maÿer im Sommer 1756: "(...) und ist auch wahr geschehen, das ein wohllobl: oberambt sie auff ihrer hierüber beÿgebrachten entschuldigung ohne weithers nach haus gelassen, und mit der würckhlichen einthurmung verschont." (StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 293: Gutachten Frei (27. August 1757)).

  • [404]

    Dass Lorenz Engler nicht unvermittelt von Marchtal in Alleshausen eingesetzt wurde, zeigt eine Steuerliste von 1698, nach der Lorenz Engler auf die Lehengüter zu 4 Gulden, 8 Kreuzer und 1 Heller veranlagt wurde, auf die eigenen Güter zu 2 Gulden, 59 Kreuzer und 4 Heller. Keine andere Person zahlt nach dieser Steuerliste mehr Zinsen auf eigene Güter in Alleshausen (vgl. StAS Dep. 30/12 T2 Nr. Veranlagung der namentlich aufgeführten Untertanen des Klosters Marchtal in den Orten der Klosterherrschaft (1698)).

  • [405]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 292: Gerichtsprotokoll (14. September 1756).

  • [406]

    BERGER/LUCKMANN, S. 129.

  • [407]

    Durch die Tatsache, dass sich ein neues Deutungsmuster aus der Mitte der ehemals verfolgungsforcierenden Personen entwickelte, fügt sich Marchtal nicht in das Muster, die Einschränkung lokaler Autonomie habe zum Ende der Prozesse geführt. Ein explizites Spannungsverhältnis zwischen den Prozess fordernden Untertanen und einer den Verfolgungen skeptisch gegenüberstehenden Herrschaft ist für diese Zeit nicht nachweisbar (vgl. dagegen das Muster in Schwäbisch-Österreich bei DILLINGER (1999), S. 387-417.

  • [408]

    MARX, Karl: Die Frühschriften, hrsg. v. Siegfried LANDSHUT, Stuttgart 41964, S. 373. Vgl. auch BERGER/LUCKMANN: "Vor allem ist der Erfolg bestimmter Konzeptionen mit der Macht derer verknüpft, die sich ihrer bedienen. Der Zusammenstoß alternativer symbolischer Sinnwelten wirft automatisch die Machtfrage auf, an welcher der konkurrierenden Wirklichkeitsbestimmungen die Gesellschaft "hängenbleiben" wird." (BERGER/LUCKMANN, S. 116 f.).

  • [409]

    Das letzte aus den Rechnungsbüchern nachweisbare Gutachten aus Biberach stammte vom 24. Juni 1751 (vgl. StAS Dep. 30/12 T2 Nr. 21: Geldrechnung (1746-1753)). Warum Marchtal in Folge nicht mehr auf von Sättelin zurückgriff, bleibt unklar.

  • [410]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 293: Gutachten aus Ulm (4. Juli 1757).

  • [411]

    Ebd.

  • [412]

    Für diesen Hinweis danke ich Herrn Dr. Johannes DILLINGER (vgl. DILLINGER (1999), S. 447).

  • [413]

    Vgl. StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 293: Gutachten Frei (27. August 1757). Frei erhielt für dieses Gutachten am 24. Oktober 1757 22 Gulden und 40 Kreuzer (vgl. StAS Dep. 30/12 T2 Nr. 22: Geldrechnung (1754-1757).

  • [414]

    StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 293: Gutachten Frei (27. August 1757).

  • [415]

    Ebd.

  • [416]

    Ebd.

  • [417]

    Vgl. StAS Dep. 30/12 T2 Nr. 21 und 22: Geldrechung (1746-1753) und (1754-1757) und Des Hochlöbl. Schwäb. Crayses allgemeines Adresse-Handbuch (...), Ulm 1754, S. 271.

  • [418]

    Vgl. StAS Dep. 30/12 T7 Nr. 437: Angestellte: Anstellungsdekret für Jedoc Sartor als Kanzleirat der Reichsabtei Marchtal (1762).

  • [419]

    Vgl. KRAFT, Herbert Karl: Barock jubilierendes Marchtal, in: Marchtal: Prämonstratenserabtei, Fürstliches Schloss, Kirchliche Akademie. Festgabe zum 300jährigen Bestehen der Stiftskirche St. Peter und Paul (1692-1992), hrsg. v. Max MüLLER/Rudolf REINHARD/Wilfried SCHöNTAG, Ulm 1992, S. 88 f.

  • [420]

    Vgl. NUBER (1992), S. 142.

  • [421]

    TRUSEN, Wilfried: Rechtliche Grundlagen der Hexenprozesse, in: Das Ende der Hexenverfolgung, hrsg. v. Sönke LORENZ/Dieter R. BAUER (Hexenforschung Band 1), Stuttgart 1995, S. 208.

  • [422]

    Vgl. StAS Dep. 30/12 T7 Criminalia: verschiedene Malfizfälle.

Empfohlene Zitierweise

Störk, Constanze: "Mithin die natürliche Vernunft selbst dictiert, das es Hexen gebe". Hexenverfolgung in der Reichsabtei Marchtal 1586-1757 . Reihe: Wissenschaftliche Qualifizierungsarbeiten zum Hexen- und Magieglauben, hg. von Katrin Moeller, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/7mzy9/

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Erstellt: 23.01.2006

Zuletzt geändert: 23.03.2009


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