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Navina Kleemann

Friedrich Spee: Cautio Criminalis (1631). Entstehung, zeitlicher Hintergrund, Wirkung


Magisterarbeit zur Erlangung des Grades einer Magistra Artium M.A. vorgelegt der Philosophischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Westfalen 2008

Inhaltsverzeichnis

<1>

I.

Einleitung

II.

Der zeitliche Hintergrund

1.

Gesellschaftliches Umfeld und Hexenverfolgung

1.1

Das zeitliche Umfeld

1.2

Der Hexereibegriff – Entstehung

1.3

Der Hexereibegriff – Diskurs, Verbreitung und Etablierung

1.4

Ursachen der Hexenverfolgung

2.

Rechtsgeschichte

2.1

Das Rechtssystem

2.2

Juristische Regelungen zu Hexerei- und Zaubereidelikten im Malleus Maleficarum und in der Constitutio Criminalis Carolina

2.3

Diskussion der Gesetzgebung zu Hexenprozessen in den Jahren 1563 bis 1630

2.4

Strukturen und Personen bei den Hexenprozessen

III.

Das Werk

1.

Die Cautio Criminalis

1.1

Adressierung, Aufbau, Sprache und Stil

1.2

Inhalt

1.3

Publikationsgeschichte

2.

Der Autor

2.1

Die Frage nach der Autorschaft

2.2

Friedrich Spees Vita

2.3

Die Entstehung der Cautio Criminalis und Spees Berühungspunkte mit den Hexenprozessen

3.

Rezeptions- und Wirkungsgeschichte

3.1

Die Auswirkungen der Publikation auf Friedrich Spee

3.2

Rezeption und langfristige Wirkung

IV.

Fazit

 

Quellen- und Literaturverzeichnis

 

Anhang

 

Lateinischer Originalwortlaut der Quellen

I. Einleitung

„Ehrabschneiderei und Verleumdung nehmen überall gar zu sehr überhand, und die Pflicht christlicher Nächstenliebe wird so arg wie nur möglich verletzt. Ich habe Leute sagen hören, sie wollten deshalb in diesen Zeiten, wo die Gerüchtemacherei nicht eingeschränkt und auf ein Gerücht hin der Prozeß gemacht werde, lieber solange unter Türken leben, wofern sie nur Christen bleiben dürften.“ [1]

<2>

Wie am vorliegenden Zitat zu erkennen ist, zeichnet das im Jahr 1631 erstmals erschienene Werk Cautio criminalis seu de processibus contra sagas liber [2] ein äußerst düsteres Gesellschaftsbild. In seiner Kritik über die Hexenprozesse berichtet der Autor über ein unbarmherziges Rechtssystem, in welchem systematisch Unschuldige gefoltert, dabei zu Geständnissen gezwungen und hingerichtet werden. Sie waren der Hexerei angeklagt, eines Verbrechens, das auf eine Stufe gestellt wurde mit Ketzerei, Verrat oder Raubmord [3]. Die Cautio Criminalis argumentiert gegen dieses Rechtssystem, kritisiert es sowohl im Ganzen als auch im Detail und betont die Vielzahl Unschuldiger, welche im Laufe der Hexenverfolgungen ums Leben gekommen sind.

Ziel dieser Arbeit ist es, durch die Ermittlung des historischen Kontexts zur Entstehung der Cautio Criminalis klarere Rückschlüsse über Entstehung und Wirkung zu ziehen. Gleichzeitig wird es anderen bedeutsamen Werken für und wider Hexenprozesse gegenübergestellt und deren Wechselwirkung näher erläuert.

Dabei kommt man nicht umhin, sich mit unterschiedlichen, wenngleich auch miteinander in Verbindung stehenden, Forschungsgebieten zu befassen. Die Rede ist von der Hexenforschung, der rechtshistorischen Forschung sowie von der Friedrich-Spee-Forschung.

Der seit den 1960er Jahren erfolgte „Paradigmenwechsel der Sozialwissenschaften“ hatte zu einem veränderten Betrachtungshorizont der Hexenforschung geführt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges waren die bisherigen Ansätze der historischen Hexenforschung, dabei vor allem das „romantische Paradigma“ [4], nicht mehr aufrecht zu erhalten und wurden in Frage gestellt. Der Paradigmenwechsel sah eine Veränderung der Methoden vor und „war bestrebt ‚Opfern‘ und ‚Tätern‘ in Hexenprozessen gleichermaßen ‚gerecht‘ zu werden, indem er die historischen, sozialen und gesellschaftlichen Bedingungen der Lebenssituationen und Alltagsvorstellungen dieser Menschen näher beleuchtet.“ [5] Nach einigen Versuchen, Überblickswerke zu den Hexenverfolgungen in Europa zu veröffentlichen, erwuchs bald die Erkenntnis, dass zunächst Forschung auf regionaler Basis erforderlich war. Die Arbeit an diesen vergleichenden Regionalstudien begann in den 1970er Jahren und ist bis heute noch nicht abgeschlossen. [6]

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Ebenso wurden weitere Aspekte der Hexenverfolgungen erschlossen. Darunter der Entstehungszusammenhang der Hexenprozesse aus Ketzereiprozessen durch Andreas Blauert, die Rechtssprechung des Reichskammergerichts in Hexereiprozessen durch den Rechtshistoriker Peter Oestmann oder Studien über die Rolle von Frauen, so zum Beispiel von Dagmar Unverhau.

Des Weiteren macht die rechtshistorische Forschung einen wesentlichen Teilbereich der Hexenforschung aus. So war die deutsche Übersetzung der Cautio Criminalis durch Joachim Friedrich Ritter im Jahr 1939 Ergebnis einer rechtswissenschaftlichen Dissertation. [7] Zu den rechtshistorisch bedeutenden Arbeiten zählen die Studien von Winfried Trusen, welcher sich mit der Entwicklung des Inquisitionsverfahrens beschäftigte. Die im Jahr 1998 erfolgte Öffnung des Archivs der „Kongregation für die Glaubenslehre“ für die Forschung durch deren damaligen Präfekten Joseph Kardinal Ratzinger und heutigen Papst Benedikt XVI. hatte wichtige Studien zur päpstlichen Inquisition zur Folge, darunter die Forschungsergebnisse von Rainer Decker.

Die Ergebnisse der historischen Rechtsforschung schlagen sich auch in der Verwendung der Terminologie nieder. So wird der Begriff des Hexenwahns in der neueren Forschung nicht mehr genutzt, da den Beteiligten an den Prozessen kein Wahn diagnostiziert werden kann: „Hunderte von Jahren lang disputierten die hervorragenden Vertreter abendländischer Gelehrsamkeit über die Macht der Hexen und den Einfluss des Teufels, entwickelten konkurrierende Ansätze zur Systematisierung des Phänomens und zu seiner richtigen Bekämpfung.“ [8] Die Prozesse waren vielmehr Teil einer scholastischen Disputation sowie einer geregelten, wenn auch uminterpretierten, Gesetzesordnung.

Die Hexenforschung hat in der vorliegenden Arbeit einen Stellenwert insbesondere für die Betrachtung des zeitlichen Umfeldes der Cautio Criminalis. So soll einerseits der gesellschaftliche Hintergrund untersucht werden, vor allem in Bezug auf die Fragen, was als Hexe oder Hexerei verstanden und wie dagegen um 1630 vorgegangen wurde. Dies beinhaltet eine Betrachtung der historischen Entwicklung des Terminus „Hexe“ und des Strafbestands „Hexerei“, womit auch eine Einbeziehung des damals gültigen Rechtssystems nötig wird. Abschließend soll dargelegt werden, aus welchem Umfeld und aus welcher Tradition heraus die Cautio Criminalis verfasst worden ist, welche ähnlichen Schriften es bereits im Vorfeld gegeben hatte und wie sich dieses Werk in deren Reihe einfügt. Nach Abschluss dieses ersten Teiles wird das Hauptaugenmerk auf Inhalt, Entstehung und Wirkung der Cautio Criminalis liegen.

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Ein Forschungszweig, welcher sich abgekoppelt von Friedrich Spee [9] mit der Cautio Criminalis beschäftigt, existiert nicht. Alle Wege zu dem Werk führen auch zu dem Jesuitenpater. Die Cautio Criminalis wurde ursprünglich anonym veröffentlicht, spätestens durch Leibniz wird Friedrich Spee als Autor des Werkes angegeben.

Die Anfänge der Friedrich-Spee-Forschung im heutigen Sinn können auf das späte 19. und frühe 20. Jahrhundert datiert werden. Zu dieser Zeit wurden Friedrich Spee und der Cautio Criminalis vor allem in den Publikationen von Duhr und Diel vermehrt Aufmerksamkeit gewidmet. Insbesondere der Verdienst von Duhr ist für die Friedrich-Spee-Forschung, und somit auch für den Forschungsbereich zur Cautio Criminalis von Bedeutung, da er Briefe zwischen Spee, dem Ordensgeneral sowie weiteren wichtigen Personen transkribierte und publizierte. Des Weiteren hatte Joseph Kuckoff bereits Anfang des 20. Jahrhunderts das Manuskript über eine Biographie Spees vervollständigt, jedoch nicht veröffentlicht. [10]

Zwischen 1933 und 1947 gab es keine weiteren Forschungen über Spee oder die Cautio Criminalis. Nicht zu vergessen ist hier jedoch die bereits genannte Übersetzung der Cautio Criminalis von Joachim Friedrich Ritter aus dem Jahr 1939.

Mit der nach dem Zweiten Weltkrieg wieder beginnenden Spee-Rezeption wurde der Jesuit als Beispiel eines „guten Deutschen“ herangezogen: „Zeugen wie Spee, die für deutsche Anständigkeit standen, waren gefragt.“ [11]

Mehrere Biographien entstanden in den folgenden Jahren, darunter die Werke von Hugo Zwetsloot (1954), Emmy Rosenfeld (1958), Karl Keller (1968) oder Joachim Friedrich Ritter (1977). Einen Aufschwung erlebte dieser Forschungsbereich vor allem im Jahr 1980 als das Grab Friedrich Spees wiederentdeckt wurde. Seit dieser Zeit wurde eine Vielzahl an Publikationen zu Spees Leben und Wirken verfasst.

Weitere Höhepunkte waren die sich jährenden Geburts- und Todestage von Spee, so 1985 der 350. Todestag und 1991 der 400. Geburtstag, welche Anlass für Tagungen und Publikationen boten und einen weiteren Aufschwung der Spee-Forschung zur Folge hatten. Zu diesen Ereignissen publizierte Werke waren unter anderem Friedrich Spee im Lichte der Wissenschaften (1981), Friedrich Spee: Dichter, Seelsorger, Bekämpfer des Hexenwahns (1991) oder Friedrich Spee zum 400. Geburtstag (1995).

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Im Jahr 1985 wurde anlässlich des 350. Todestags Spees eine Friedrich-Spee-Gesellschaft gegründet. [12] Die Friedrich-Spee-Gesellschaft Düsseldorf brachte 1991 und 1992 vier Ausgaben einer neu gegründeten Zeitschrift namens Spee-Post heraus. Dies wurde zugunsten des Spee-Jahrbuches abgebrochen, welches seit 1994 von der Arbeitsgemeinschaft der Friedrich-Spee-Gesellschaften Düsseldorf und Trier herausgegeben wird.

Eine Edition der sämtlichen Werke Spees veröffentlichte Theo G. M. van Oorschot seit 1968. Zu den bereits vorhandenen editierten Werken zählen das Güldene Tugend-Buch (1968), die Trutz-Nachtigall (1985), die historisch-kritische Ausgabe der Cautio Criminalis (1992) sowie Ausserlesene Catholische Geistliche Kirchengesäng (2005). Ein weiterer Band mit dem Titel Friedrich Spee 1591-1635: Sein Leben in Dokumenten und Bildern (in Zusammenarbeit mit Frank Sobiech) befindet sich zur Zeit in Arbeit und ist für 2009/ 2010 angekündigt.

Insgesamt erstreckt sich die Spee-Forschung nicht nur über die historische Forschung, sondern war auch Gegenstand theologischer, germanistischer oder juristischer Arbeiten, wobei die Betrachtung der Cautio Criminalis einen wesentlichen Teil der Spee-Forschung einnimmt.

Der zweite Teil dieser Arbeit beschäftigt sich mit dem Werk selbst, dessen Entstehung und Wirkung. Zunächst wird auf den Inhalt der Cautio Criminalis eingegangen. Dies beinhaltet eine Darstellung des stilistischen und rhetorischen Aufbaus des Werkes sowie dessen Publikationsgeschichte. Anschließend werden die Person des Autors und die Entstehung des Werkes näher betrachtet.

Bezüglich der Entstehung des Werkes soll zunächst geklärt werden, warum Friedrich Spee als Autor der Cautio Criminalis angegeben wird, wie die Autorschaft übermittelt wurde und warum eine anonyme Publikation gewählt wurde. Ein weiterer Schritt sieht vor, Motivation und Hintergrund des Autors, ein solches Werk zu verfassen, zu klären, was eine Darstellung seiner Vita sowie seiner Berührungspunkte mit den Hexenprozessen beinhaltet. Des Weiteren soll der zeitliche Raum, in welchem die Cautio Criminalis geschrieben wurde, ermittelt werden, um selbigen mit den Hexenverfolgungen des jeweiligen zeitlichen Umfeldes in Beziehung setzen zu können. Der Inhalt dieser Punkte setzt eine Betrachtung der Aussagen der Cautio Criminalis als auch der Publikationsgeschichte des Werkes voraus, weswegen dies im Aufbau vorangestellt wurde.

Der abschließende Punkt wird sich mit der Rezeption und Wirkung der Cautio Criminalis befassen, wobei hier zunächst auf die Auswirkungen der Publikation auf den Autor eingangen wird. Der letzte Schritt ist eine Ermittlung der Rezeption und der langfristigen Wirkung des Werkes im 17. Jahrhundert bis hin zur Rezeption der Cautio Criminalis durch Leibniz und Thomasius.

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II. Der zeitliche Hintergrund

1. Gesellschaftliches Umfeld und Hexenverfolgung

1.1 Das zeitliche Umfeld

Das späte 16. und frühe 17. Jahrhundert waren von einem Wiedererstarken der konfessionellen Streitigkeiten geprägt.

Ab den 1520er Jahren kristallisierte sich eine Bildung von drei Konfessionskirchen heraus: Der katholischen, der lutherisch-evangelischen und der reformierten Kirche nach Calvin. [13] Nachdem die Confessio Augustana, das Bekenntnis der Reichsstände zum lutherischen Glauben, auf dem Augsburger Reichstag 1530 vom Kaiser nicht akzeptiert worden war, bildeten die Reichsstände wenige Monate später im Februar 1531 den Schmalkaldischen Bund. Die Gründung des Bundes erfolgte als Schutz vor einer Reichsexekution des Kaisers oder den Mehrheitsständen. [14] In den folgenden Jahren kam es zu einer Ausbreitung der lutherischen Lehre: „1545 [...] war einzig noch Bayern eine Hochburg des Katholizismus in Mitteleuropa; sogar die Erzbistümer schienen in Gefahr, der protestantischen Reform zu erliegen.“ [15] Es kam zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den protestantischen Fürsten und Kaiser Karl V. (reg. 1519-1556), dessen erklärtes Ziel es war, die konfessionelle Spaltung des Reiches zugunsten eines einheitlichen Glaubens im Reich, des katholischen Glaubens, zu beenden. Trotz des Sieges des Kaisers im Schmalkaldischen Krieg (1546-1547) konnte Karl V. seine Position langfristig nicht behaupten. In den folgenden Jahren kam es zu weiteren Unruhen zwischen katholischen und protestantischen Fürsten und Reichsständen.

Diese Unruhen wurden am 25. Februar 1555 durch den Beschluss des Augsburger Religionsfriedens beendet. Darin erkannte der Kaiser das lutherisch-augsburgische Glaubensbekenntnis offiziell an. Protestanten galten zwar nach dem gültigen kanonischen Recht weiterhin als Häretiker, mögliche Verfolgungen wurden jedoch durch Aussetzung der zuständigen Gerichtsbarkeit unterbunden. [16] Nach den Regelungen des Augsburger Religionsfriedens wurde den Reichsständen freigestellt, ob sie das katholische oder das lutheranische Bekenntnis [17] wählten. Nach dem Ius reformandi mit der Regelung cuius regio, eius religio war es die Pflicht der Untertanen, die Konfession ihres jeweiligen Landesherren anzunehmen. Bekannte man sich zu einer anderen Konfession wie z.B. zum Calvinismus oder gehörte einer anderen Konfession an als der des Landesherren, so sah die Regelung des Augsburgers Religionsfriedens das Ius emigrandi, das Recht zur Auswanderung, vor. Ausnahmen hierbei bildeten die geistlichen Territorien und die Reichsstädte, welche „zum Teil zur Duldung zweier Konfessionen verpflichtet waren (Parität)“ [18]. Nach Verabschiedung des Augsburger Religionsfriedens kam es zu einem allgemeinen Landfrieden, in welchem die verschiedenen Konfessionen in den darauf folgenden Jahren größtensteils friedlich nebeneinander existierten. [19]

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Zur Erneuerung der katholischen Kirche und der Formulierung einer Gegenposition zur Reformation rief die katholische Kirche im Dezember 1545 in Trient ein Konzil ein. Nach 18 Jahren, vier Konzilsperioden und insgesamt 25 Sitzungen kam das Konzil im Dezember 1563 zu seinem Ende. Eine Abgrenzung zum Protestantismus erfolgte durch die sogenannten lehrhaften Dekrete „über Schrift und Tradition, Rechtfertigung, Sakramente, Fegefeuer und Ablässe“ [20]. Die katholische Kirche legte die Zahl der Sakramente auf sieben fest, welche einen Gegensatz zur evangelischen Konfession bildete, die zwei Sakramente anerkannte. Eine weitere deutliche Abgrenzung erfolgte in der Transsubstantionslehre. Im Gegensatz zur protestantischen Lehre wurde im Beschluss des Konzils betont, dass Brot und Wein in der Eucharistie durch Konsekration zu Blut und Leib Jesu werden. Weitere Dekrete beschäftigten sich mit der innerkirchlichen Reform. Sie „bildeten die Grundlage für neue Formen der Priestererziehung [...], des Ordenslebens und der Predigt. Mit der Zeit führten die Reformdekrete auch zur Erneuerung der Seelsorge, der Missionen, der Katechese, der Armen- und Krankenpflege.“ [21]

Weitere Grundpfeiler der Gegenreformation bildeten neue Ordensgründungen, wobei die der Societas Jesu die bedeutendste Gründung darstellte. Weitere Orden, die gegründet wurden, waren unter anderem die der Kapuziner, Theatiner sowie die Frauenorden der Ursulinen oder Angeliken. [22]

Die Societas Jesu wurde durch die päpstliche Bulle Regimini militantis ecclesiae am 27. September 1540 offiziell legitimiert, die Gründung des Ordens war bereits sieben Jahre vorher durch Ignatius von Loyola und einige seiner Anhänger erfolgt. Die Societas Jesu unterschied sich in wesentlichen Punkten von anderen Orden. Die Jesuiten verzichteten auf das gemeinsame Chorgebet und auch auf eine einheitliche Kleidung. [23] Die Schwerpunkte der jesuitischen Tätigkeiten lagen in der Seelsorge, der Bildung und der Mission.

„Während die Patres in einer katholischen Stadt nach der anderen ihre neuartigen Seelsorgedienste leisteten, gründeten sie, wo sie konnten, Kollegien für die Ausbildung der männlichen Jugend. Gleichzeitig betrieben sie in großem Stil Weltmissionen in Amerika, Asien und Afrika.“ [24]

Das erklärte Ziel des Ordens bestand darin „den Seelen zu helfen“. Der Orden war stark hierarchisch organisiert. An oberster Stelle stand der Ordensgeneral, der direkt dem Papst unterstand. Darunter folgten die Assistenzen, welche den Ordensprovinzen vorstanden. Die Provinzen wurden von jeweils einem Provinzial geleitet und bestanden aus mehreren Häusern, welche wiederum von einem Rektor oder Superior geleitet wurden. Jeder Jesuit gehörte einem Haus an und war somit Teil der hierarchischen Kette. [25]

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Der Orden erfuhr in den Jahren nach seiner Gründung einen enormen Aufschwung. Die Jesuiten waren mobiler als Angehörige anderer Orden, erhielten als Beichtväter der Obrigkeiten politischen Einfluss und reformierten das Bildungssystem. Sie handelten in den für die katholische Kirche problematischen Bereichen [26] und sorgten somit für eine Rekatholisierung und Durchführung der Gegenreformation. [27] Die Ausbreitung der Societas Jesu und die beginnende Durchführung der Gegenreformation auf dem Gebiet des deutschen Reiches ist in erster Linie mit der Person des Petrus Canisius [28] (1521-1597) verknüpft. Dieser war 1550 nach Ingolstadt gereist, um an der dortigen Universität eine Professur für Theologie anzutreten. Später begann er mit dem Aufbau von Jesuitenkollegien auf dem Gebiet des deutschen Reiches. Das erste Jesuitenkolleg auf dem Territorium des Alten Reiches war 1551/52 in Wien gegründet worden. 1556 wurde die deutsche Ordensprovinz gegründet und Canisius zu ihrem Provinzial ernannt. Er hatte insgesamt 18 Ordensprovinzen gegründet und so wesentlich zur Verbreitung der Jesuiten auf dem Gebiet des deutschen Reiches beigetragen.

Zu einer Umsetzung der im Trienter Konzil beschlossenen Erneuerung kam es jedoch erst seit den 1580er Jahren. [29] Neben innerkirchlichen Reformwiderständen hatte auch die Stärke des Protestantismus [30] zu einer nur schleichenden Umsetzung der Dekrete des Konzils beigetragen. [31] Die Zeit zwischen 1570 bis 1590 war gekennzeichnet durch

„die Wende von einer Haltung, die inmitten der entstehenden Glaubensspaltung irgendwie noch den Konsens oder wenigstens die politische Koexistenz suchte, wie sie im Augsburger Religionsfrieden von 1555 ihren Ausdruck fand, häufig noch bestimmt von der Hoffnung auf Überwindung der religiösen Spaltung, zu einer Einstellung, die um jeden Preis auf konfessionelle Abgrenzung, wenn nicht aggressiv und unversöhnlich auf Vernichtung des Gegners abzielt.“ [32]

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Konfessionelle wie auch politisch-dynastische Konflikte führten zu einer Frontenbildung zwischen Katholiken und Protestanten, welche letztendlich 1618 im Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges gipfelte. Für die Bevölkerung hatte der Krieg zum Teil verheerende Auswirkungen. Neben den Toten durch das Wirken von Armeen brachen Pestepidemien oder Hunger aus.

„Die ländliche Bevölkerung floh vor der plündernden und vergewaltigenden Soldateska hinter die Schutz versprechenden Mauern der befestigten Städte – mit dem doppelten Resultat, daß die Felder unbebaut blieben und die Lebensmittelversorgung zum Erliegen kam und in den Städten jetzt Seuchen ausbrachen und Tausende dahinrafften.“ [33]

Zwar war der Krieg in unterschiedlichen Regionen mit verschiedener Intensität zu spüren, insgesamt wird jedoch davon ausgegangen, dass bis zu 40 Prozent der damaligen Bevölkerung im Zuge des Krieges ums Leben kam. Prägend für die Gesellschaft war somit ein dauerhaftes Empfinden von Unruhe, Unsicherheit und Angst um das Leben. Erfahrungen, welche Schindling zum „existenziellen Grunderleben“ der damaligen Bevölkerung zählt. [34]

Die Gesellschaftsstruktur in der frühen Neuzeit hatte sich seit dem Mittelalter nicht stark verändert. Sie war ständisch gegliedert. An der Spitze der gesellschaftlichen Hierarchie stand der Adel, welcher jedoch nur einen kleinen Teil – ca. 2 % – der Gesamtbevölkerung ausmachte. [35] Die Mehrheit der Bevölkerung – 70 bis 80 % – lebte auf dem Land in einzelnen Höfen, kleinen Ansiedlungen oder Dörfern. [36] Dementsprechend hatte die Landwirtschaft eine große Bedeutung für die Bevölkerung, welche stark von äußeren Faktoren wie dem Klima abhängig war. Je nachdem wie groß der Ernteertrag ausfiel, konnten Mensch und Tier ernährt werden, was wiederum Einfluss auf die Gesundheit der Menschen nahm. Ein niedriger Ernteertrag bedeutete somit eine Tendenz zu einer höheren Krankheitsanfälligkeit, was eine niedrigere Geburtenzahl sowie eine erhöhte Mortalitätsrate zur Folge hatte. Landwirtschaft und Ernte hatten somit „massgeblichen [sic] Einfluss auf die gesellschaftliche Gesamtsituation.“ [37]

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Zwischen 1560 und 1630 ist eine anhaltende Kälteperiode, die so genannte „kleine Eiszeit“ in Europa nachweisbar. Diese Zeit war gekennzeichnet durch plötzliche Kälteeinbrüche, welche sich zum Teil weit ins Frühjahr erstreckten, so dass es zu „Jahren ohne Sommer“, bzw. sehr langen, kalten und schneereichen Wintern kam. Erhöhte Niederschlagsmengen führten zu feuchten Sommern und Überschwemmungen. Es kam zu Missernten, woraus Preissteigerungen und Hungersnöte resultierten. Der Viehbestand ging zurück. Weitere Faktoren wie Kriege und Epidemien, darunter zum Beispiel auftretende Pest- oder Grippewellen, trugen insgesamt zur Verschlechterung der Lebensqualität bei. [38] Zusammengefasst waren die Auswirkungen des veränderten Klimas für die landwirtschaftlich orientierte Bevölkerung des späten 17. Jahrhunderts fatal. [39]

Aus der Verschlimmerung der Lebensbedingungen resultierte eine „Verhärtung der gesellschaftlichen Beziehungen [...], eine zunehmende gesellschaftliche Hierarchisierung und ideologische Homogenisierung“ [40]. Dies, so die Forschungen Behringers, habe einen radikalen Mentalitätswandel mit sich gebracht: „Eine überkonfessionelle jenseits- und askeseorientierte Denk- und Verhaltensweise habe die lebenszugewandte und diesseitsorientierte Renaissancementalität abgelöst.“ [41] Dies führte zur Verbreitung eines eschatologischen Weltbildes. Insbesondere die gestiegene Macht des Teufels sei ein Anzeichen dafür, dass das Jüngste Gericht kurz bevor stehe. [42] Die Zeitgenossen werteten das aus ihrer Sicht vermehrte Auftreten von Hexen als Indiz für die sich ausbreitende Macht des Teufels.

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Hexenverfolgungen hatte es bereits im 15. Jahrhundert gegeben, die massivsten Verfolgungen fanden hingegen zwischen 1560 und 1630 statt. Die Erstveröffentlichung der Cautio Criminalis im Jahr 1631 geschah zu einem Zeitpunkt, zu welchem die Zahl der Hexenverfolgungen an ihrem Höhepunkt angelangt war. Besonders die Jahre zwischen 1626 und 1630 gelten als Gipfel der Verfolgungen. Wie viele Menschen insgesamt den Hexenprozessen zum Opfer fielen, ist in der Forschung umstritten. Opferzahlen in Millionenhöhe gelten inzwischen als erheblich überhöht. Laut heutiger Forschungsmeinung fanden in Europa etwa 50.000 Menschen in Hexenprozessen den Tod. Dillinger kommt zu einer Zahl von 25.000 Hinrichtungen in Deutschland im Zeitraum der Hochphase zwischen 1570 und 1680. Das Gebiet mit den meisten Hinrichtungen bildet danach die Mosel-Rhein-Region (ca. 4.600 Hinrichtungen im Zeitraum von 1580-1600 und 1625-1630), dicht gefolgt von Südwestdeutschland (ca. 4200 Hinrichtungen im Zeitraum von 1570-1590 und 1610-1630). [43]

1.2 Der Hexereibegriff – Entstehung

Die Vorstellung, dass es Menschen gibt, die zaubern können, war keine Neuentwicklung des 17. Jahrhunderts. Den Glauben an Zauberei gab es bereits in vorchristlichen Kulten und Religionen. So berichtet Behringer, dass die germanischen, keltischen und auch slawischen Völker an Zauberei sowohl positiver als auch negativer Art glaubten. [44] Darunter fiel der Glaube an Alfe oder gute Geister, denen zu bestimmten Zeiten geopfert werden musste, der Nachtflug der Unholde und auch der Glaube an verschiedene Arten des Zaubers, worunter sowohl Heilszauber als auch Schadenszauber fiel. Diese Vorstellungen blieben im Volk über das Mittelalter hindurch verwurzelt und auch die Christianisierung Europas konnte diesen nicht viel anhaben. Im Gegenteil waren diese Glaubensvorstellungen, so Behringer, bis ins 17. Jahrhundert hinein fester Bestandteil einer, wie er es nennt, magischen Volkskultur. [45]

Der Kirche des Mittelalters war durchaus bekannt, dass die Bevölkerung nicht alle ihre Glaubensvorstellungen teilte, wie der Canon Episcopi aus dem Jahr 906 zeigt. [46] Darin wird von Frauen berichtet, welche glaubten, dass sie in der Nacht gemeinsam mit der Göttin Diana ausritten und dabei weite Strecken zurücklegten. [47] Diese Berichte wurden seitens der Kirche jedoch als Einbildung betrachtet, der Teufel habe zwar Gewalt über den Geist, jedoch keine Macht über den physischen Körper: „Wer aber ist so töricht und geistesschwach, dass er meint, all das, was nur im Geist geschieht, trage sich körperlich zu?“ [48] Der Canon Episcopi spricht hier auch von „daemonum illusionibus et phantasmatibus“ [49]. Es wird ebenfalls deutlich, dass der Klerus versuchte, die mit der kirchlichen Linie nicht konformen Vorstellungen einzudämmen. So beginnt der Canon Episcopi mit der Anweisung:

„Die Bischöfe und ihre Mitarbeiter sollen sich mit aller Kraft bemühen, die verderbliche und vom Teufel erfundene Weissage- und Zauberkunst vollständig in ihren Sprengeln auszurotten. Und wenn sie jemanden – Mann oder Frau – finden, der diesem Verbrechen anhängt, so sollen sie ihn mit Schimpf und Schande aus ihren Sprengeln vertreiben.“ [50]

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Daraus wird ersichtlich, dass der Volksglaube zwar als Ärgernis und Irrglaube, jedoch nicht als große Bedrohung angesehen wurde.

Dennoch gab es bereits während des Früh- und Hochmittelalters durchaus Verfolgungen von Menschen, denen Zauberei vorgeworfen wurde, welche tödlich endeten. So wurden zum Beispiel im Jahr 1090 bei Freising drei Frauen verbrannt, die der Erntezauberei bezichtigt worden waren. [51] Behringer weist jedoch auf Forschungsergebnisse hin, welche besagen, dass Zaubereiprozesse weder für das Früh- noch das Hochmittelalter prägend gewesen waren. [52]

Trotz der Versuche der Kirche die magische Volkskultur einzudämmen, verschwand diese im Laufe der Jahrhunderte nicht. In der frühen Neuzeit war der Glaube an Zauberei in der Bevölkerung durchaus verbreitet. Im Laufe der Zeit begann sich die Auffassung der Zauberei zu wandeln, in dessen Zuge dem Teufel eine größere Macht zugesprochen wurde.

Teufel- und Dämonenvorstellungen hatte es in der Kirche bereits seit der Spätantike gegeben. Bereits der Kirchenvater Augustinus (354-430) sprach von den Möglichkeiten eines Pakts mit Dämonen. Die Grundlagen dazu fand er in der Bibel. [53] Augustinus erklärte das Auftreten der Dämonen mit der Erlaubnis Gottes. Dieser Grundsatz der permissio dei wurde später im Hexenhammer und weiteren Traktaten über Hexen erneut aufgegriffen. Die Gemeinschaft, also der Pakt zwischen Menschen und Dämonen, äußerte sich „– und diese Erscheinungen kannte Augustinus aus seiner Umwelt sehr gut – in Verehrung von Idolen, Opfern, geheimen Verständigungszeichen (‚significationes‘), Anrufungen, Beschwörungen, Zauberei, Wahrsagerei, Astrologie usw.“ [54]. Augustinus' Haltung zur Rolle der Dämonen beschreibt Behringer folgendermaßen:

„Seiner Ansicht nach waren abergläubische Handlungen oder die Benutzung magischer Gegenstände (z.B. Amulette) zwar an sich wirkungslos, stellten aber eine Art Kommunikationsmittel mit den Dämonen dar und bewirkten den stillschweigenden Abschluß eines Dämonenpakts durch den Ausübenden und die dem Dämon gegebenen Zeichen.“ [55]

Diese Auffassung des Kirchenvaters erlangte für die über 1000 Jahre später einsetzenden Hexenverfolgungen große Bedeutung, da sein Gedankengut „Eingang in die Lehre der lateinischen Kirche fand und diese maßgeblich bestimmte.“ [56] Dass die Idee des Teufelspaktes nicht verschwunden war, zeigt auch der Canon Episcopi. Dort wurde dem Teufel jedoch nicht allzu viel Macht zugestanden, er konnte den Menschen nur in der Psyche beeinflussen.

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Thomas von Aquin (1225-1274) nahm die Lehre von Augustinus wieder auf, bezog sie jedoch nicht auf heidnische Religionen, sondern auf den Volksaberglauben. [57]

Im Laufe des 14. Jahrhunderts begann die Vermischung „der bisherigen Ansichten über Zauber und Hexen mit Motiven des Teufelskultes, wie er angeblich von Ketzern in einer der christlichen geradezu spiegelbildlich entgegengesetzten Teufelskirche betrieben wurde.“ [58] Durch diese Vermischung wurde es möglich, dass Hexereidelikte, welche somit zur Häresie geworden waren, von der päpstlichen Inquisition geahndet werden konnten. [59]

Im 15. Jahrhundert begann eine ausschlaggebende Veränderung des Zaubereibegriffes. Es entstand der Begriff der Hexerei: „Prior to the fifteenth century, people spoke in terms of heretics, of maleficum, of monstrous female spirits – the lamiae and strigae but not of a single comoposite category, ‚witch‘.“ [60] Eine weitere grundlegende Änderung trat bei der Betrachtung der Macht des Teufels auf. Während im Canon Episcopi dem Teufel eine rein psychische Macht zugestanden wurde, kam ab den 40er Jahren des 15. Jahrhunderts eine Diskussion auf, welche sich mit der realen Macht des Teufels beschäftigte. Dabei ging es vor allem um die Frage, ob der Teufel Menschen zu entlegenen Stellen transportieren könne. Der Hexenflug erlangte vor allem deshalb Bedeutung, da zu Beginn des 15. Jahrhunderts zum ersten Mal Werke publiziert wurden, in denen von einer neuen Sekte die Rede war. So beschrieb Johannes Nider in seinem 1437/38 erstmals veröffentlichten Formicarius diese Sekte, und datierte ihre Herausbildung um das Jahr 1370. [61] Diese Hexen würden nicht nur schädliche Zauber betreiben, sie würden einen Pakt mit dem Teufel schließen und sich zu einem gemeinsamen Hexensabbat auffinden. [62] Die Nachrichten über Hinrichtungen von Hexen und Zauberern unter Peter von Greyerz im Obersimmental sind die Quellen, nach denen sich Nider richtete. Blauert weist darauf hin, dass bei Nider gut erkennbar ist, wie die Grenzen zwischen Ketzerei und Hexerei verschmolzen [63]: Zum einen stehe die Art der Hinrichtungen (Tod durch Verbrennen), „eindeutig in der Tradition des Ketzerprozesses“ [64], zum anderen „spricht Nider von «Malefici», was ursprünglich ja Zauberei bedeutete.“ [65] Es sei somit bei Nider ersichtlich, dass „die verschiedenen Stränge der Superstitionskritik und Ketzerpolemik [...] synthetisiert wurden“ [66] und „im Hexenbegriff zusammenwuchsen“ [67].

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Insbesondere die Vorstellungen über Hexensabbat und Hexenflug interagierten miteinander. [68] Dies erkennt man auch daran, dass zunächst ein Begriff für den im Entstehen begriffenen Tatbestand der Hexerei fehlte.

„Eugen IV. folgt der Illusionstheorie des Kanon Episcopi und identifiziert die Hexen nach den kirchenrechtlichen Vorgaben mit den nachtfahrenden Frauen. Zu diesen treten, entsprechend der frühen Prozeßlandschaft, erstmals auch Männer. Da man noch keinen Namen für die neue Hexensekte gefunden hat, setzt sie der Papst mit den in Italien besser bekannten schädlichen Strigen und mit den in Frankreich ‚Waldenser‘ – Vaudoises, d.h. rückübersetzt ins Lateinische Waudenses – genannten Hexern gleich.“ [69]

Diese Begriffsbildung erfolgte im Jahr 1440. In Deutschland bildet sich der Begriff der hexerye heraus, welcher im Jahre 1419 das erste Mal in einem Prozess genannt wurde. [70]

In den darauf folgenden Jahren verlor die Auffassung des Canon Episcopi zunehmend an Bedeutung. Die Möglichkeit des Hexenfluges wurde immer stärker in den Bereich der Realität geschoben. Es entbrannte eine Diskussion, ob der Hexenflug eine Illusion oder Tatsache war. An deren Ende stand der Konsens, dass Dämonen über große Kraft verfügen und somit mehrere Menschen über große Entfernungen transportieren könnten. [71]

Dieser neue Begriff der Hexerei, welcher Teufelspakt, Teufelsbuhlschaft, Schadenszauber, Hexensabbat und Hexenflug umfasst, wird in der Forschung als kumulativer Hexereibegriff bezeichnet. Das veränderte Verständnis von Hexerei setzte sich jedoch nicht sofort durch. Es gab weiterhin in verschiedenen Regionen verschiedene Auffassungen von Hexerei und Zauberei. Erst im Laufe des 15. Jahrhunderts begann sich die Vorstellung des kumulativen Hexereibegriffs weitläufig durchzusetzen, wobei es noch immer regionale Unterschiede gab. Vor allem die seit 1440 stärker auftretenden Hexenprozesse trieben die Entwicklung eines Hexereibegriffes voran. „Die meisten Elemente des gelehrten Hexenglaubens gingen aus den Gerichtsprozessen gegen Zauberer oder Hexen hervor und wurden mit anderen Elementen verschmolzen.“ [72]

Zwar war noch nicht einheitlich klar, wie eine Hexe definiert wurde, der Glaube an Hexen hatte sich in der Gesellschaft jedoch bereits durchgesetzt. Dies zeigt das Beispiel einer Hexenverfolgung in Innsbruck aus dem Jahr 1485, welche von Heinrich Kramer, späterer Autor des Hexenhammers [73], initiiert worden war. Kramer scheiterte zwar bei dem Versuch Helena Scheuberin und weitere 13 Frauen als Hexen zu verurteilen; es wurde jedoch ersichtlich, dass der Glaube an Hexerei nicht angezweifelt wurde. [74]

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Als der Buchdruck Ende des 15. Jahrhunderts erfunden wurde, kam somit auch die Möglichkeit auf, Schriften über Hexen einem größeren Publikum zugänglich zu machen. In den Jahrzehnten nach der Veröffentlichung des Formicarius waren in etwa 15 Bücher, welche sich mit Hexerei beschäftigten, herausgegeben worden. [75] Durch die Möglichkeit Bücher schnell und in hohen Auflagen zu produzieren wurde es nun möglich, dass sich der neue Begriff der Hexerei über räumliche Distanzen schneller verbreitete und mehr Menschen erreichen konnte.

Das Werk mit dem größten Einfluss, welches die neuen Hexenvorstellungen, wenn auch nicht vollständig, wiedergab, war der erstmals im Jahr 1486/87 erschienene Malleus Maleficarum. Der Hexenhammer, wie die Schrift auch genannt wird, folgte der Struktur einer scholastischen Disputation.

Dem Druck des Malleus Maleficarum wurde in der Regel die päpstliche Bulle Summis desiderantes vorangestellt, welche von Papst Innozenz VIII. (Pontifikat 1484-1492) am 5. Dezember 1484 erlassen worden war. Die sogenannte Hexenbulle beinhaltet eine Aufzählung, an welchen Orten Hexerei aufgetreten war und erläutert, welche Handlungen als Hexerei verstanden wurden. Darin kommen zum einen Vorstellungen vor, dass sich Menschen dem Teufel oder Dämonen (Incubi oder Succubi) hingegeben haben, um anderen dadurch schaden zu können. Der weitere Katalog der Taten umfasst Zaubersprüche, das Zugrunderichten von Tieren und Erntefrüchten, die Fähigkeit Unfruchtbarkeit bei Männern und Frauen zu verursachen sowie Gotteslästerung. [76] Der Papst erteilte in der Bulle den Dominikanern Sprenger und Kramer die Erlaubnis, alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen und gegen die Hexen vorzugehen. [77] Das Schriftstück hatte eine besondere Bedeutung für die Entwicklung des Hexenglaubens. Hexerei wurde nun als Gefahr und Bedrohung angesehen, wogegen angegangen werden musste. Weiterhin enthielt die Bulle eine Beschreibung, was eine Hexe ausmachte, wobei vor allem der Pakt mit dem Teufel oder Dämonen betont wurde. Dies führte dazu, dass die Bulle den beiden Dominikanern Kramer und Sprenger somit einen Freibrief gab, all diejenigen zu verfolgen, welche sie der Hexerei verdächtigten.

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Dennoch reichte offenbar die Legitimation durch die Autorität der Bulle für Kramer nicht aus, um den oben bereits genannten fehlgeschlagenen Hexenprozess in Innsbruck durchzuführen. Es wird in der Forschung vermutet, dass dies der Grund gewesen war, weswegen er den Hexenhammer verfasste. Sein Ziel dabei war, ein Handbuch für Inquisitoren zu erstellen.

Der Hexenhammer führt die in der Bulle enthaltenden Vorstellungen detaillierter aus. Er ist insgesamt in drei Teile gegliedert. Teil eins beschäftigt sich mit der Beweisführung, dass es Hexen gibt, Teil zwei handelt von der Art und Weise, wie man Hexen erkennt und Teil drei bezieht sich auf die Durchführung des Hexenprozesses. Für die Entwicklung des Hexereibegriffes sind vor allem die ersten beiden Teile des Hexenhammers von Bedeutung.

Ströhmer weist vor allem darauf hin, dass die Art der Argumentation des Hexenhammers darauf schließen lässt, dass das beschriebene neue Hexenbild zunächst umstritten war. [78] So beginnt der erste Teil mit der Frage „Ob die Behauptung, daß es Zauberer gibt, so sehr rechtgläubig ist, daß die hartnäckige Verteidigung des Gegenteils vollständig ketzerisch wäre?“ [79]. Im Folgenden werden Gegenargumente zu dem neuen Hexereibild aufgezeigt und negiert. [80] Der Hexenhammer war dabei als Anleitung gedacht, um „diesen ketzerischen Irrtümern wirksam zu begegnen.“ [81]

Das Hexenbild des Malleus Maleficarum umfasst in erster Linie den Pakt mit dem Teufel. Zwar wird davon ausgegangen, dass sowohl Hexe als auch Teufel für sich gestellt in der Lage sind, ein maleficium zu begehen, sie dies jedoch in erste Linie gemeinsam tun. Der Hexenhammer erklärt das Auftreten von Hexen, wie auch schon Augustinus, mit der permissio dei.

Der zweite Teil des Malleus Maleficarum ist in zwei Fragen aufgeteilt, welche sich damit beschäftigen, wie man Hexen erkennt und auslöscht.

Die langfristige Wirkung des Hexenhammers ist in der Forschung umstritten. So betont Ben-Yehuda die weite Verbreitung des Hexenhammers und die große Auflagenzahl [82], welche dem Hexenhammer großen Einfluss verliehen und ihn zu einem Leitfaden der Inquisition gemacht habe.

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Andere Forscher wie Levack oder Broedel stehen der Wirkung des Malleus vergleichsweise reserviert gegenüber. Sie stimmen zwar darin überein, dass der Hexenhammer einen Einfluss auf die Rezeption des Hexenbildes hatte, weisen jedoch darauf hin, dass sich die Grundlagen dieses Bildes bereits in den Jahrzehnten zuvor entwickelt hatten. So würde der Hexenhammer auch zentrale Punkte des kumulativen Hexereibegriffs wie das Teufelsmal, den obszönen Kuss oder den Hexensabbat nicht behandeln. Dies lässt Levack zu dem Schluss kommen, dass der Hexenhammer zwar die bis dato eingesetzte Verschmelzung der verschiedenen Erscheinungsformen von Hexenglauben bekräftigte, jedoch nicht zu einer weiteren Entfaltung des Hexenglaubens beitrug. [83] Neu sei „lediglich eine misogyne Überbenotung der weiblichen Neigung zum Verbrechen“ [84] Weiterhin weist Broedel darauf hin, dass der Hexenhammer weder als dominikanischer noch als inquisitorischer Text repräsentativ wäre. [85]

1.3 Der Hexereibegriff – Diskurs, Verbreitung und Etablierung

Bereits in den 1490er Jahren kamen Schriften auf, die sich mit der Gegenposition zum Hexenhammer befassten und versuchten die Rechtfertigung der Hexenprozesse argumentativ zu untergraben. So argumentierte Ulrich Molitor (1442-1507) in seiner Schrift De laniis et phitonicis mulieribus, Teutonice unholden vel hexen in erster Linie nach dem Canon Episcopi und verwies die Möglichkeit des Hexenfluges in den Bereich der Einbildung. [86] Die Schrift fand großen Anklang, es gab seit 1490 zehn Neuauflagen sowie eine Übersetzung ins Deutsche mit dem Titel Von Unholden und Hexen. [87] Generell war der Rückhalt an die Regelungen des Canon Episcopi noch sehr hoch, Juristen wie auch Theologen hielten sich an dessen Normen. [88]

Eine andere Art der Kritik übten Humanisten aus, darunter auch Desiderius Erasmus von Rotterdam [89] (1467-1536), welche das Hexereidelikt insgesamt anzweifelten, oder sich über die Inquisitoren lustig machten.

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Insbesondere die Lehre der Neuplatoniker lief konträr zu den Auffassungen der kumulativen Hexenlehre, welche sich in der aristotelischen Lehre der Scholastik begründete. [90] Die Neuplatoniker gingen von einer natürlichen Magie aus, welche durch die Anwendung der Kräfte der Natur ausgeübt werden konnte. [91] Die Hexenverfolgungen wurden von diesen sogenannten Renaissancemagiern stark kritisiert. Diese „fanden es völlig lachhaft, alten Frauen so hohe Kraft zuzubilligen, dass man sie deswegen hinrichten solle.“ [92] Zu den Magiern der Renaissance zählte unter anderem Agrippa von Nettesheim (1486-1535), welcher sich ebenfalls gegen die Hexenprozesse aussprach. Im Jahr 1519 verteidigte er mit Erfolg eine der Hexerei angeklagte Frau in Metz.

Trotz der Kritik an den Hexenprozessen setzte sich die Lehre des kumulativen Hexereibegriffes weitläufig durch. „Yet within fifty years of the text's [Malleus Maleficarus] publication, the learned definition had stabilized, and a category of witchcraft that closely resembled that in the Malleus was widely accepted.“ [93]

Die Vorstellung einer Bedrohung durch Hexen erstreckte sich nicht allein auf katholische Gebiete. Auch die Reformatoren teilten die Ansicht, dass Hexen real existent waren. Sowohl Luther (1483-1546) als auch Calvin (1509-1564) sprachen sich für die Verfolgung von Hexen aus. In seiner Studie zu Luthers Stellung zum Zauberei- und Hexenwesen stellt Haustein fest, dass Luther alle Elemente des kumulativen Hexereibegriffes bekannt waren, wobei er jedoch Hexenflug und -sabbat als irrelevant betrachtete. [94] Luthers Argument basierte in erster Linie auf der Autorität der Bibel [95]. Hexerei habe es somit schon immer gegeben und werde es auch immer geben. Die Verbindung mit dem Teufel betrachtete er als Apostasie, welche mit dem Tod bestraft werden sollte. Dennoch kann er nicht im gleichen Zug mit den Hexentheoretikern wie zum Beispiel Kramer genannt werden. [96] Behringer berichtet, dass Luthers Haltung zu verschiedenen Details des Hexereibegriffs sehr stark schwankte: „Manchmal scheint er sich eindeutig gegen bestimmte Formen des Hexenglaubens auszusprechen, um sie an anderer Stelle wieder zu bestätigen.“ [97] Dillinger stellt heraus, dass „Hexen im Werk des Wittenberger Reformators kaum eine Rolle [spielten], sicherlich auch, weil seine aktivste Zeit als Autor in eine Periode vergleichsweise milder Verfolgungstätigkeit fiel.“ [98]

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Die Hexenprozesse ebbten um 1520 ab und auch die Diskussion über Hexerei stagnierte in den folgenden Jahrzehnten. Erst 40 Jahre später gab es wieder eine erhöhte Konzentration auf dieses Thema. Im Jahr 1562 begannen die Hexenprozesse erneut. Schon kurz danach kamen Gegenstimmen auf. [99] Im Jahr 1563 erschien De Praestigiis Daemonum [100] (Von den Blendwerken der Dämonen), verfasst von dem Arzt Johann Weyer [101] (1515-1588). Weyers Argumentation fußte in den Bereichen der Theologie, Rechtswissenschaft und der Medizin. Er argumentierte mit der Autorität der Bibel und versuchte mit Hilfe der Schrift nachzuweisen, dass es Hexerei in der Bibel gar nicht gebe. Exodus 22,18 bezog er auf Giftmischer, nicht jedoch auf Hexen. [102] Dennoch negierte er die Existenz des Teufels und von Dämonen nicht und ging davon aus, dass sie über reale Macht verfügten. [103] Die Macht des Teufels sei jedoch nicht unbegrenzt, sondern an die Zustimmung Gottes gebunden. Weiterhin argumentierte Weyer in der Tradition des Canon Episcopi. Die als Hexen verrufenen Frauen litten in Wahrheit an Schwermut oder geistiger Verwirrung und fielen daher auf die Dämonen herein. Dabei seien die angeblichen Erlebnisse diese Frauen reine Illusion.

„Weyer leugnete so die reale Wirksamkeit von Hexenzauber. Seine Hexen waren keine Schwerkriminellen, die Leben und Wohlstand gefährdeten, sie waren halb lächerliche, halb bemitleidenswerte Geistes- oder Gemütskranke. Selbst wenn sie gestanden, konnte man sie nicht strafen.“ [104]

Das „Wahnsinnsargument“ ist vor allem daher von Bedeutung, da die Angeklagten nicht für etwas verurteilt werden konnten, was sie nicht im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte begangen hatten: „Kein Dämonologe oder Hexenjäger durfte zugeben, daß die Hexen von Sinnen waren, oder, daß sie von Mächten getrieben wurden, die sie gar nicht kontrollieren konnten. Deshalb war es ganz selten, daß eine Hexe als Teufelsbesessene betrachtet wurde.“ [105]

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Weyers Schrift wurde zu seinen Lebzeiten insgesamt 13 mal aufgelegt [106] und wurde ein bedeutsames Werk gegen die Hexenverfolgung. Dies kann man daran erkennen, dass noch Jahrzehnte später versucht wurde seine Auffassungen und Argumentationen zu widerlegen. [107] Auch wurde die Relevanz von Weyers Arbeit daran deutlich, dass

„deutsche Juristen sich seit dem späten 16. Jahrhundert gezwungen fühlten, immer häufiger Ärzte zu den Prozessen zuzulassen, um herauszubekommen, ob ein Angeklagter bei Sinnen war oder ob er derart melancholisch war, daß man ihn gar nicht oder nur in gemildeter Form bestrafen durfte.“ [108]

Dennoch weist Midelfort darauf hin, dass die Wirkung von Weyers Werk nicht genau ermittelt werden kann, da die größeren Hexenverfolgungen erst nach ihm begannen. [109]

Saatkamp fasst die Leistung von Weyers Werk folgendermaßen zusammen:

„Sein Verdienst ist es, für seine Zeitgenossen Wahn von Wirklichkeit getrennt zu haben. Des Teufels Macht und die Minderwertigkeit von Frauen waren Wirklichkeiten, allgemein anerkannt und das Leben der Zeit prägend. Gerade daß er diesen Rahmen gelten ließ, machte Weyer in den Augen der Hexenjäger gefährlich.“ [110]

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Jean Bodin (1529-1596), eigentlich Staatstheoretiker und Wegbereiter des Absolutismus, ging besonders harsch gegen Weyer vor. Bodin befürchete, „daß Weyer gerade den richtigen Ton für seine Zeitgenossen gefunden hatte, die richtigen Argumente gegen die wahnsinnigen Hexenverfolgungen.“ [111] Er veröffentlichte im Jahr 1580 sein Werk De la démonomanie des sorciers (Über den Dämonenwahn der Hexer [112]). Darin fügte er den Anhang Widerlegung der Meinungen von Johannes Wier hinzu, für dessen Anbringung er eigens die Drucklegung seines Werkes verschob. [113] Bodin erklärte Weyer selbst zu einem Zauberer, zum einen weil er der Schüler Agrippas sei, welcher mit seinem Werk De occulta philosophia eindeutig den Zauberern zuzuordnen sei, zum anderen da Weyer in einer Ausgabe seines Werkes von 1578 die sogenannte Pseudomonarchia deamonum, die Schwindelmonarchie der Teufel, angehängt habe. [114] Weiterhin kritisierte Bodin Weyers Fähigkeiten als Arzt. Laut Bodin litten Frauen nur selten an Melancholie oder an Wahnvorstellungen. Auch stellte er heraus, dass es Weyer nicht gelungen sei, die Vermischung des Teufels mit dem Menschen aus einem medizinischen Standpunkt zu verneinen. [115] Hexen gebe es folglich tatsächlich und sie stellten eine zu eliminierende Gefahr dar. Insbesondere die Ähnlichkeit der Geständnisse in Hexenprozessen sah Bodin als Anhaltpunkt für die Realität der Hexen. [116]

Ein weiterer Kritiker an Weyers Publikation war der Trierer Weihbischof Peter Binsfeld (1546-1598). Er veröffentlichte im Jahr 1589 sein Tractatus de Confessionibus Maleficorum et Sagarum (Abhandlung von den Geständnissen der Hexer und Magierinnen). Die Hexenlehre hatte sich in Deutschland seit der Veröffentlichung des Hexenhammers nicht mehr weiter entwickelt, erst durch Binsfelds Traktat erfolgte eine Erneuerung. [117] „Binsfeld brachte die Dämonologie auf den Punkt und dachte sie radikal zu Ende. Jede Magie war Hexerei.“ [118] Alles, was nicht erklärbar war, konnte auf das reale Werk von Dämonen zurückgeführt werden. Damit argumentierte er gegen die Lehre des Canon Episcopi. Binsfeld war von der Realität der Hexen, des Fluges, der Teufelsbuhlschaft und des Schadenszaubers überzeugt und ebenfalls von der Notwendigkeit der Eliminierung der Hexen. Gott hat bei ihm großes Gewicht, da auch Binsfeld mit der permissio dei argumentierte. Die Hexen seien Strafe für persönliche Sünden und Schwächen oder das allgemeine lasterhafte Verhalten der Zeit.

Zur Unterstreichung seines Punktes und zur Widerlegung Weyers engagierte Binsfeld eigens jemanden, um eine derartige Schrift zu verfassen. Seine Wahl fiel auf Cornelius Loos (1546-1595) [119]. Loos entschied sich jedoch nach der Lektüre der Werke von Weyer und Binsfeld sowie nach persönlichen Erfahrungen, eine Schrift gegen Binsfeld und die Hexenverfolgungen zu verfassen. In De vera et falsa magia (Über wahre und falsche Zauberei) äußerte Loos „inhaltliche Zweifel an der Existenz des Hexereidelikts“ [120] und verneinte „die Möglichkeit des Hexenflugs, der Teufelsbuhlschaft, des Hexentanzes, des Schadenszaubers und angeblich sogar den Teufelspakt (7. Widerrufsartikel)“ [121]. Kurz: Er lehnte den gesamten kumulativen Hexereibegriff durchweg ab. Weiter betonte Loos, dass der Teufelspakt rein imaginär sei, denn durch Christus sei es dem Teufel nicht mehr möglich, mit Menschen zusammen zu arbeiten. [122] Doch auch Loos leugnete die Existenz von Hexen und Teufel nicht. Er betonte hingegen die Macht Gottes, welche dem Teufel kaum Spielraum lasse. [123] Der in Köln veranlasste Druck von De vera et falsa magia wurde 1591 vom päpstlichen Nuntius gestoppt. Aus diesem Grunde wurde Loos' Werk zu seinen Lebzeiten und auch in den darauf folgenden Jahren nicht veröffentlicht. Das Überleben seiner Thesen ist der Tatsache zuzuschreiben, dass Loos im Jahr 1593 dazu gezwungen wurde, sämtliche seiner Ansichten zu widerrufen. Dieser Widerruf wurde von Binsfeld in einer späteren Auflage seiner Schrift sowie als Anhang des fünften Buches der Disquisitionum magicarum libri sex von Martin Delrio (1551-1606) [124] veröffentlicht.

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Das Werk des Jesuiten Martin Delrio hatte in erster Linie große Auswirkungen auf die Verfahrensweise der Hexenprozesse und „bildete den Höhepunkt der europäischen dämonologischen Literatur.“ [125] Der Jesuit wurde „die maßgebende Autorität für alle Verfolgungsbefürworter.“ [126] Nach der Erstveröffentlichung im Jahr 1600 wurden die Disquisitionum magicarum libri sex insgesamt 25 mal aufgelegt. Das Werk besteht aus insgesamt sechs Büchern, wobei sich Buch eins bis fünf mit Magie (natürliche, artifizielle, gauklerische, dämonische und abergläubische Magie), Schadenszauber sowie Prophezeiung, Weissagung und Schlussfolgerung beschäftigen. Der fünfte Teil behandelt ausschließlich juristische Regelungen, der sechste Teil handelt vom Beichtvater sowie erlaubten und unerlaubten Heilmitteln. [127] Delrio sah sowohl Magie als auch Teufelspakt und Schadenszauber real an. Auch den Hexenflug erachtete er als real, ebenso wie das Entstehen einer Nachkommenschaft von Mensch und Dämonen. Nicht möglich sei es jedoch, dass sich Menschen in Tiere verwandelten, denn „der Teufel könne Materie nicht grundsätzlich verändern.“ [128]

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Betrachtet man die Diskussion pro und contra zur Hexenverfolgung, so wird ein Wandel in der Argumentation ersichtlich. Während Weyer noch das Hexenbild angriff und in der Tradition des Canon Episcopi argumentierte, wurde die Frage, ob es Hexen gibt und über welche Macht sie verfügten, mit voranschreitenden Jahren immer weniger tangiert. Statt einer theologischen oder fachlichen (z.B. bei Weyer medizinischen) Diskussion, standen fortan juristische Überlegungen im Vordergrund der Kritiker. So betonte Adam Tanner (1572-1632) [129], Jesuit und Kritiker der Hexenprozesse, in seinem 1626/27 veröffentlichten Werk, der Theologia scholastica, dass es Hexen gebe und dass es notwendig sei, diese zu eliminieren. Auch Tanner verwies, wie bereits andere Kritiker vor ihm, auf die Autorität des Canon Episcopi. Dennoch leugnete er die prinzipielle Möglichkeit des Hexenfluges nicht. [130]

Die radikale Meinung der Hexentheoretiker wie Bodin, Binsfeld oder Delrio, welche postulierten, dass Gegner der Hexenverfolgung selbst Hexen seien, trug ebenso dazu bei, dass es zunehmend problematischer wurde gegen das Hexereibild vorzugehen. Diese Auffassung führte bereits im Jahr 1590 dazu, dass in einem Gutachten des Herzogs Wilhelm V. „jede inhaltliche Kritik an der Hexenvorstellung [...] als ketzerisch bezeichnet“ [131] wurde.

Konform zu diesem letztgenannten Punkten ist die Tatsache, dass die erste Frage der Cautio Criminalis (Ob es wirklich Hexen, Zauberinnen oder Unholde gibt?) klar mit einem Ja beantwortet wird. Zweifelhaft ist hier jedoch, ob dies die Meinung des Autors widerspiegelt. [132] Wahrscheinlicher ist, dass durch das Bejahen der Hexereifragen dem gesellschaftlichen Konsens und den gängigen Konventionen entsprochen wurde. Auch konnte der Autor nur so sicherstellen, dass sein Buch nicht unter den Verdacht der Ketzerei fiel und eine breitere Rezeption erst möglich wurde.

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Durch die Publikationen des Hexenhammers sowie den Werken von Binsfeld und Delrio hatte sich das Hexereibild, welches sich seit Beginn des 15. Jahrhunderts zu entwickeln begonnen hatte, endgültig in der Gesellschaft der frühen Neuzeit etabliert. Dieses gängige Hexenbild, in der Forschung auch kumulativer Hexereibegriff genannt, umfasste die Merkmale Schadenszauber, Hexensabbat, (nächtliche) Ausfahrt, Hexenmal, Teufelsbuhlschaft und Teufelspakt. Hexen wurden als real existierend und als Bedrohung für die Gesellschaft betrachtet.

1.4 Ursachen der Hexenverfolgung

Fragt man nach den Ursachen der Hexenverfolgung, so lautet der Forschungskonsens, dass es nicht möglich ist, eine einfache, allgemein gültige Antwort zu geben. Mehrere korrelierende Faktoren haben dazu beigetragen, dass es zu Massenverfolgungen von Hexen gekommen ist. Die einzelnen Faktoren sind sehr vielfältig und oftmals in der Forschung umstritten oder inzwischen verworfen:

Zunächst muss darauf hingewiesen werden, dass es typische Hexenverfolgungen im Grunde nicht gab, was es erschwert, typische Ursachen für die Hexenverfolgung herauszufiltern. [133] Trotz bestimmter Regularia wie zum Beispiel die des Prozessverlaufs oder des Glaubens an Hexen hatte dennoch jede Verfolgung, jeder Prozess, eigene Charakteristika, welche wiederum von den involvierten Personen und auch vom Ort des Geschehens abhängig waren. So waren es in Deutschland zwar vorwiegend Frauen, welche der Hexerei bezichtigt wurden, in anderen Ländern wie zum Beispiel Russland oder Estland war die Mehrheit der Verurteilten jedoch männlich. [134] Sozialhistorisch-quantifizierbare Studien, welche sich mit Zahl, Geschlecht und Beruf der als Hexen angeklagten Personen beschäftigen, liefern ebenso keinen Anhaltspunkt, was die Ursachen für die Hexenverfolgung waren. [135] Gerade bei den Massenverfolgungen konnte jeder als Hexe angeklagt werden, ein typisches Hexenbild gibt es nicht.

Inzwischen als überholt betrachtete Theorien über die Ursache von Hexenprozessen beschäftigten sich mit der Disziplinierung und Unterordnung von Frauen oder der Verfolgung von so genannten weisen Frauen und damit der Unterdrückung einer möglichen Geburtenkontrolle. [136]

Im 18. Jahrhundert kam in der historischen Forschung die Frage auf, ob die Hexenprozesse auf die Verfolgung einer real existierenden Sekte zurückzuführen seien. Der Ursprung dieser, wie Dillinger es nennt, Realitätsthesen geht auf Jacob Grimm (1785-1863) zurück [137]. Die Theorie wurde im 20. Jahrhundert durch Margaret Murrays (1863-1963) Vorstellungen des Überlebens eines steinzeitlichen Kultes wieder neu aufgelegt. Carlo Ginzburg brachte mit seiner Publikation über die Benandanti einen Beitrag, der Murrays Theorie zunächst scheinbar zu bekräftigen schien. [138] Ginzburg zeigt auf, dass volksmagische Praktiken, die von einer bestimmten Gruppe namens Benandanti ausgeführt wurden, zu Hexerei umformuliert wurden. Diese Praktiken beinhalteten bei den Benandanti die Seelenausfahrt und den Flug zu fremden Orten sowie den Kampf gegen Hexen. [139] Dies fällt jedoch eher in den Bereich der magischen Volkskultur als dass es ein Beweis dafür ist, dass es eine real existierende Hexensekte in der Tat gegeben hatte. Auch stützen Ginzburgs Ergebnisse „nicht die Annahme, daß Hexen Heiden waren oder daß sie ihre Religion tatsächlich ausübten. Die Benandanti bekannten [..] häufig ihre Loyalität zur katholischen Kirche [...]“ [140]. Ebenfalls gibt es keine weiteren Indizien, die darauf schließen lassen, dass eine praktizierende Hexensekte existiert hat. Diese, so sind sich die heutigen Forscher einig, hat es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht gegeben. [141]

Eine hingegen stark verfochtene These ist meteorologischer Art. Der Klimaumschwung, die „Kleine Eiszeit“, habe demnach zur massenhaften Hexenverfolgung beigetragen. Den Zusammenhang zwischen der Klimaverschlechterung und den Hexenverfolgungen erklärt Behringer folgendermaßen:

„Die einfachen Leute waren jedoch nicht gewillt, der Verschlechterung ihrer Lebensqualität tatenlos zuzusehen. Aus eigenem Antrieb, aber mancherorts bestärkt durch religiös motivierte Ideologen, begann man nach Schuldigen zu suchen, und glaubte, diese in den ‚Hexen‘ zu finden.“ [142]

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Insbesondere Wetterzauber und Krankheitszauber seien klassische Elemente der Hexereivorwürfe. [143] Dennoch könne die Klimaänderung nicht der alleinige Auslöser für die Hexenverfolgungen gewesen sein, so Behringer, denn Krisenzeiten habe es bereits in den vorangegangenen Jahrhunderten gegeben. [144] Daher müsse ein Blick in die Mentalitätsgeschichte der frühen Neuzeit geworfen werden.

„Die ‚Verdüsterung des Weltbildes‘ sei der Hintergrund der großen Verfolgungen“ [145], so die Forschungen Behringers [146]. Der Glaube war stark verbreitet, dass die nun stärker sichtbar werdende Macht des Teufels das Ende der Welt anzeige. Somit erklärten sich die Zeitgenossen das massenhafte Auftreten von Hexen als Vorboten der Apokalypse. Lehmann erklärt den Teufelsglauben damit, dass durch die Verschlechterung der Lebensbedingungen das Bewusstsein einer gestörten sozialen Ordnung aufkam. [147] Die Herstellung der Ordnung sollte dadurch geschehen, dass die vermeintlich Schuldigen, also die Hexen, beseitigt wurden.

Doch auch die Erklärung, dass die Verbindung von Klima- und Mentalitätsgeschichte Antwort auf die Frage nach den Ursachen der Hexenverfolgungen gibt, wird von Neugebauer-Wölk kritisiert: „Den magischen Glauben der Frühen Neuzeit ebenso wie das dazugehörige Verfolgungsmuster gibt es bereits lange, bevor sich die Krisen entwickeln, die zu den Hexenjagden der Barockzeit führen.“ [148] Zudem

„bedeutet die Etablierung eines neuen Weltbildes noch keineswegs, dass sich daraus zwingend Massenverfolgungen entwickeln mussten. Vielmehr herrschte ja nach den ersten Prozesswellen am Ende des 15. Jahrhunderts und nach einigen Auflagen des Hexenhammers zunächst erstmal eine relative Verfolgungsflaute.“ [149]

Neugebauer-Wölk weist in ihrem Artikel hingegen auf die Notwendigkeit hin, dass die Vorstellungen von gelehrter Magie und des Hexereibildes gekoppelt betrachtet werden müssen. Ein Punkt, der bislang noch nicht erforscht worden ist.

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Wie sich gezeigt hat, tut sich die Forschung schwer damit, die Frage zu beantworten, worin die Ursachen für das Aufkommen der Hexenprozesse liegen. Jedes hervorgebrachte Argument wird relativiert und für nicht allein ursächlich hervorgehoben. Einig sind sich die Forscher jedoch darin, dass „nur ein ganzes Bündel von Erklärungsfaktoren [...] die Hintergründe der Hexenverfolgung erhellen“ [150] könne. Auch Dillinger betont die Notwendigkeit der Polykausalität bei der Frage nach den Ursachen der Hexenverfolgung: „Es wäre sehr verwunderlich, wenn für ein komplexes soziales Phänomen, das sich mit über zwei Jahrhunderten verteilten Schwerpunktfragen im größten Teil Europas nachweisen lässt, eine simple Erklärung gefunden werden könnte.“ [151] Dennoch gibt es auch hier Probleme, wie die einzelnen Ursachen zu gewichten sind. Neugebauer-Wölk fasst die Probleme der Forschung folgendermaßen zusammen:

„Diese Argumentation wäre insoweit völlig legitim, wenn nicht häufig die logisch problematische Konstruktion begegnen würde, daß die Faktoren dieses Interpretationszusammenhangs einzeln als nicht relevant bezeichnet werden – in ihrer Bündelung sollen sie dann jedoch insgesamt Geltung haben.“ [152]

Dennoch bleibt die Frage übrig, was denn nun im Einzelnen die Ursachen für die massenhaften Hexenverfolgungen gewesen sind.

Levack betont, dass die langfristigen Ursachen in der Geistes- und Rechtsgeschichte zu finden sind. [153] Denn, wie gezeigt wurde, war die Verfolgung von Hexen erst möglich, nachdem sich überhaupt ein Hexereibegriff herausgebildet hatte, mit dem bestimmte Teufelsvorstellungen mit einher gingen. Zuvor hatte es zwar Zaubereiprozesse gegeben, jedoch wurden die später auftretenden Massenverfolgungen erst durch die Herausbildung des kumulativen Hexereibegriffes und vor allem der darin enthaltenen Vorstellungen zur Sektenbildung und zum Teufelspakt ermöglicht. Die Entwicklung eines Hexereibegriffes kann somit als Grundlage für die späteren Verfolgungen gesehen werden. Der Aufschwung der Dämonologie kann jedoch nicht als Ursache für Hexenverfolgungen gesehen werden, denn der Glaube an Hexen zieht nicht zwangsläufig Verfolgung und Hinrichtung nach sich.

Der Auslöser für die Verfolgungen und der Wille der Bevölkerung, mutmaßliche Hexen zu verfolgen, können vielmehr in der Mentalitätsgeschichte und der Rezeption einer gestörten Ordnung der Zeitgenossen gesucht werden. Verschiedenste Krisen meteorologischer, religiöser, politischer, wirtschaftlicher und medizinischer Art führten demnach zu der Vorstellung, die Ordnung könne nur durch Vernichtung der Hexen wiederhergestellt werden. Zudem spielten materielle Interessen der aktiv an der Prozessführung Beteiligten ebenfalls in die Fortführung und Vermehrung der Prozesse hinein.

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Auf die Einwände dieser Theorie erklärt Schwerhoff:

„Auch in den Reihen der Hexenforschung existiert ein gewisses Unbehagen gegen eine krude ‚Krisenmechanik‘; trotzdem hat noch niemand ein besseres Deutungsangebot vorgelegt als Wolfgang Behringer mit seiner Krisentheorie vor dem Hintergrund der kleinen Eiszeit, die sehr plausibel die Zunahme von Unwettern, von materialler Not, von physischer Anfälligkeit und von psychischen Extremlagen in einen Zusammenhang mit der neuen Wucht von Hexereianklagen bringt.“ [154]

Somit kann daraus geschlossen werden, dass die neu entwickelten Vorstellungen von Hexen sowie die allgemeine Krisensituation in diesen Jahren als Erklärung dazu gelten können, warum in den Jahren zwischen 1560 und 1630 so viele Hexenprozesse stattfanden. Dennoch reicht dies allein als Erklärung nicht aus. Denn die Massenverfolgungen waren in der Regel die Folge von juristischen Prozessen. So kommt Levack zu der Feststellung, dass die Justiz des 17. Jahrhunderts eine maßgebliche Rolle bei der Ausbildung von Hexenprozessen spielte. [155] Aus diesem Grund und auch, weil die Cautio Criminalis in erster Linie ein justizkritisches Werk ist, wird sich diese Arbeit im Folgenden mit dem damals gültigem Rechtssystem und deren Anwendung bei Hexenprozessen beschäftigen.

2. Rechtsgeschichte

2.1 Das Rechtssystem

Die Verfolgung von Menschen, welchen Zauberei, Wahrsagerei oder Wettermacherei vorgeworfen wurde, hatte es bereits lange vor dem 17. Jahrhundert gegeben: Selbst im römischen Zwölftafelgesetz existierte ein Absatz über Schadenszauber. Trotz der schon seit Jahrhunderten bekannten Vorwürfe der Zauberei, hatte es dennoch bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts nur vereinzelte Hexenverfolgungen gegeben.

Dies lag zum einen daran, dass die Strafen für Zauberei bis zum 11. Jahrhundert gering waren. Menschen, die Zauberei zu praktizieren glaubten, galten als einem Glaubensirrtum verfallen. Und so bestand ihre Strafe in erster Linie aus Kirchenbußen. [156]

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Zum anderen war die bis ins 12. Jahrhundert gültige Rechtsform der Akkusationsprozess, welcher eine Anklage gegen Zauberei nur schwer ermöglichte: Dieses Strafprozessrecht

„[...] überließ die Einleitung und Durchführung eines Strafprozesses einem Privatkläger, der meist zur Partei des Geschädigten oder dessen Verwandtschaft gehörte. Die Anklage bestand aus einer förmlichen, öffentlich beeideten Aussage und hatte einen Prozeß gegen den Angeklagten vor einem Richter zur Folge.“ [157]

Im Falle eines Geständnisses oder wenn genug Beweise vorhanden waren, um die Schuld nachzuweisen, konnte der Richter den Angeklagten verurteilen. Problematischer sah es aus, wenn dies nicht der Fall war und die Schuld des Angeklagten nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte. Geschah dies, kam es gewöhnlich zum Gottesurteil. [158] Eine Alternative dazu stellte der Zweikampf dar. Zeigten diese Anhaltspunkte zur Rechtsfindung an, dass der Angeklagte schuldig war, so wurde er verurteilt. Konnte er jedoch seine Unschuld beweisen, griff die Regelung des lex talionis, welche besagt, dass sich nun der Ankläger vor einem Strafprozess behaupten musste.

Diese Regelung erschwerte das Aufkommen von Zaubereiprozessen. Zum einen konnte man einen Schadenszauber schlecht beweisen, da kaum jemand dabei in flagranti erwischt wurde. Zum anderen begab sich der Ankläger durch die Regelung des lex talionis in Gefahr, dass ihm, nach einem Unschuldsbeweis des Angeklagten, selbst ein Prozess drohte. Weiterhin gab es die Möglichkeit, dass der Angeklagte, gemeinsam mit Eideshelfern, seine Unschuld durch das Schwören eines Reinigungseides beweisen konnte.

Im Laufe des Mittelalters wurde erkannt, dass die Rechtsform des Akkusationprozesses mehrere Nachteile aufwies. Levack beschreibt diese folgendermaßen:

„Erstens handelte es sich um ein zutiefst irrationales Verfahren. Schuld oder Unschuld wurden nicht durch kritische Überprüfung des Sachverhalts ermittelt, sondern durch die Bitte um eine göttliche Vermittlung in den menschlichen Angelegenheiten. Damit entledigte sich der Mensch seiner Verantwortung, den Hergang eines Verbrechens aufzuklären, und legte das Verfahren in die Hand Gottes. Zweitens erwies sich dieses Verfahren bei der Verbrechensbekämpfung als nicht besonders erfolgreich. Man benötigte einen Kläger, der das Risiko einer möglichen Gegenklage auf der Grundlage der Lex talionis auf sich zu nehmen bereit war, und außerdem konnte das Verfahren zugunsten des Angeklagten manipuliert werden. Schwielige Hände und bestimmte Atemtechniken konnten zum Beispiel dazu beitragen, das Gottesurteil zu überstehen, während sehr angesehene Bürger, die allerdings nicht allzu häufig wegen schwerer Verbrechen angeklagt wurden, in der Regel ihren Freispruch durch eigenen Eid oder durch Eideshelfer durchsetzen konnten.“ [159]

Das stärker werdende Bewusstsein der Mängel im Akkusationsprozess führte zu einer Reformierung des damals gültigen Rechts. Zunächst begann in Italien ein wiedererwachendes Interesse für das römische Recht. Vorreiter waren hier vor allem die Städte Pavia und Bologna. Als Quelle der neuen Rechtslehre dienten vor allem die Digesten des Corpus iuris civilis [160], welcher von Kaiser Justinian (527-565) in den Jahren 533 und 534 n. Chr. veröffentlicht worden war. Die Beschäftigung mit diesen Quellen führte zu einer stärkeren Verwissenschaftlichung des Rechts und zur Entstehung der Universität in Bologna sowie weiteren Rechtsschulen in Italien. Die Gelehrten dieser Schulen wandten sich stark der Rechtspraxis zu und nahmen in erster Linie eine Berater- und Gutachtertätigkeit ein. Dadurch wurden sie „zu den Begründern einer praktisch arbeitenden Jurisprudenz in Europa.“ [161]

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Parallel zu dieser Entwicklung veränderte sich auch das kanonische Recht. Diese Veränderung ist eng verwoben mit dem Pontifikat von Papst Innozenz III. (Pontifikat 1198-1216). Dieser erkannte sowohl die Mängel des Akkusationprozesses als auch die des Infamationsverfahrens [162]. Besonders bei Prozessen gegen hoch gestellte Geistliche fand sich in der Regel kein Kläger, der gegen die Obrigkeiten aussagen wollte und ein einflussreicher Verdächtiger fand in der Regel, selbst wenn er schuldig war, „auch genügend Eideshelfer [...], mit denen er sich formal reinigen konnte.“ [163] Obwohl Innozenz III. zunächst den etablierten Rechtsregelungen folgte, begann er die inquisitio einzuführen. Der Unterschied zu dem bisherigen System bestand darin, dass nun bei einem durch schlechten Leumund hervorgerufenen Verdacht der Reinigungseid keine Gültigkeit mehr besaß und stattdessen eine inquisitio durchgeführt wurde, um die Wahrheit zu ermitteln. [164] Im Jahre 1210 ließ der Pontifex

„eine Zusammenstellung seiner wichtigsten Dekretalen der ersten zwölf Pontifikatsjahre anfertigen und sandte sie noch im selben Jahre an die Universität Bologna. Mit dieser publicatio wollte er ihnen Gesetzeskraft verleihen. Wir haben es also mit der ersten offiziellen Sammlung zu tun, die dann den Namen Compilatio tertia erhielt.“ [165]

Zwei Jahre später beantwortete Innozenz III. rechtliche Fragen seiner Delegierten [166] und schuf damit die Grundlage für den Inquisitionsprozess. Bestätigt wurde dieses neue Prozessverfahren, das zunächst lediglich eine Modifikation des Infamationsverfahrens war, im 4. Lateranskonzil von 1215. Die Entscheidungen dieses Konzils sind auch rechtshistorisch relevant, da im 18. Kapitel der Dekrete des Konzils Klerikern bei Androhung von Kirchenstrafen verboten wurde an Gottesurteilen mitzuwirken [167]. Somit fehlte bei den weltlichen Akkusationsprozessen das entscheidende Mittel, um im Zweifelsfall Schuld oder Unschuld des Angeklagten beweisen zu können. Unter der Herrschaft von Kaiser Friedrich II. (reg. 1212-1250) erfuhr das weltliche Recht wenig später eine Reformierung zugunsten des Inquisitionsprozesses. Dies bedeutete, dass nun an die Stelle des Zweikampfs und des Gottesurteils eine inquisitio trat, ein Verfahren, das aufgrund von Beweisführung Schuld oder Unschuld des Angeklagten nachzuweisen hatte. Die Einleitung eines Strafverfahrens war nun auch ohne private Anklage möglich. Eine Anklage konnte stattdessen ex officio seitens des Gerichts erhoben werden. Die alte Regelung der privaten Anklagen wurde nicht aufgehoben. Dies, und auch die Tatsache, dass der private Kläger nicht mehr für die Führung eines Prozesses verantwortlich war, führte dazu, dass es insgesamt mehr Strafprozesse gab als zu der Zeit, in welcher noch das Akkusationsrecht galt. [168]

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Eine weitere Änderung bestand darin, dass nun das Geständnis, die confessio, an Bedeutung erlangte, denn nur durch ein Geständnis war ein unmittelbarer Schuldbeweis vorhanden. Das Geständnis wurde somit zur regina probationum, zur Königin der Beweise. [169] Dem Geständnis kam besonders bei Ketzerprozessen eine Schlüsselrolle zu. Denn Häresie zählte zu den sogenannten inneren Verbrechen, welche aus einer Geisteshaltung resultierten. [170] Folglich war die Beweisführung für das Gericht problematisch, sobald es keine Augenzeugen gab. Entsprechend sah es auch bei dem Vorwand der Zauberei aus, denn Schadenszauber konnte ebenfalls nur schwerlich bewiesen werden. Sicherheit über die Schuld konnte somit nur durch ein Geständnis erlangt werden. Die Folter erhielt Eingang in das Prozesswesen, damit auch in problematischen Fällen ein Geständnis erlangt werden konnte. Diese Gesetzgebung betraf zunächst nur Häretiker, gewann jedoch später für die Durchführung der Hexenprozesse an Bedeutung. Bereits im römischen Recht war es bei schweren Verbrechen erlaubt, einen Verdächtigen zu foltern. Durch die Rückbesinnung auf das römische Recht erhielt die Folter als Prozessmittel eine größere Präsenz. Obwohl Ketzerei ein Delikt war, bei dem in erster Linie das kanonische Recht galt, sah es die weltliche Gesetzgebung von Kaiser Friedrich II. vor, dass Ketzer gefoltert werden durften. Fast zwanzig Jahre später, im Jahr 1252, legitimierte Papst Innozenz IV. in seiner Bulle Ad extirpanda die Folter als Prozessmittel im kirchlichen Inquisitionsverfahren. [171] Grundlage dafür war die Annahme, dass ein Majestätsverbrechen, ein crimen laesae majestatis divinae, begangen worden war, worunter auch Häresie zählte. [172] Zum einen entstand durch diese Regelung eine „Parallelisierung von Verbrechen gegen die weltliche und die göttliche Majestät“ [173], welche dazu führte, dass die Todesstrafe von der Kirche legitimiert wurde und das Todesurteil an Ketzern vor weltlichen Gerichten vollstreckt werden konnte. [174] Zum anderen bedeutete die Regelung des crimen laesae majesstatis divinae, dass es bei Ketzerprozessen Abweichungen vom regulären Verfahren gab:

„Eine einfache Denunziation wurde als ausreichend für die Einleitung des Prozesses erachtet. Wie in den leges durften Zeugen zugelassen werden, die sonst ausgeschlossen blieben. Exceptionen gegen sie waren nur möglich, wenn eine Todfeindschaft erwiesen war. Ihre Namen durften, entgegen der Anweisung Innozenz' III., unterdrückt werden. Advokaten brauchte der Richter nicht zuzulassen, und wenn er das tat, liefen sie Gefahr, selbst als fautores des Häretikers verurteilt zu werden. Neben der Anwendung der Folter durften die Verdächtigen durch schwere Kerkerhaft zum Geständnis gezwungen werden.“ [175]

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Zunächst fanden die Regelungen allein bei Ketzerprozessen Anwendung. Doch als, wie bereits im Vorfeld dargelegt, die Vorstellungen von Ketzerei und Zauberei zu Beginn des 15. Jahrhunderts verschmolzen, hatte dies auch juristische Auswirkungen zur Folge. Die Gesetzgebung, welche bislang für Ketzer gegolten hatte, begann nun auch für das neu entstehende Delikt der Hexerei zu greifen. Hexerei wurde als crimen exceptum angesehen, weshalb auch hier Abweichungen vom regulären Verfahren gebilligt wurden. Zunächst existierte jedoch noch keine einheitliche Regelung zur Verfahrensordnung bei Hexereiprozessen. Das erste Werk, das sich ausdrücklich mit der Strafverfolgung und Prozesspraxis von Hexerei beschäftigte, war der Malleus Maleficarum.

2.2 Juristische Regelungen zu Hexerei- und Zaubereidelikten im Malleus Maleficarum und in der Constitutio Criminalis Carolina

„Es folgt der dritte Teil des ganzen Werkes über die Arten der Ausrottung oder zumindest der Bestrafung durch die zuständige Justiz vor dem geistlichen oder dem weltlichen Gericht“ [176], so der Beginn des dritten Teils des Malleus Maleficarum. Im Gegensatz zur päpstlichen Bulle Summis desiderantes in der Folter, Verbrennung oder auch das Teufelsbild nicht erwähnt werden, und in welcher kanonische Strafen angedroht werden (bei denen jedoch die weltliche Gerichtsbarkeit um Unterstützung gebeten wird) [177], wird der Hexenhammer weitaus konkreter. Er beinhaltet den Versuch, Regelungen für die Verfahrensweisen bei Hexenprozessen zu finden. In insgesamt 35 Fragen behandelt er Themenbereiche zu den Zeugen bei den Verfahren, zu Art und Zeit der Verhaftung der Angeklagten bzw. Verdächtigen, zu den Tätigkeiten der Advokaten, zur Regelung und Anwendung der Folter und schließlich zur Urteilsfindung und zum Urteil. Im Hexenhammer

„wird dem Richter empfohlen, die Verteidigung der Beschuldigten zu erschweren, den Denunzianten nicht wie einen Ankläger mit der Talion zu bedrohen und seinen Namen, wie überhaupt die Namen der Zeugen, geheim zu halten und die Aussage von Komplizen zuzulassen; zur Folterung genügten ein schlechter Leumund oder andere geringe Indizien.“ [178]

Der Hexenhammer setzte jedoch wichtige Schwerpunkte für die folgenden Hexenprozesse und auch für die Zuständigkeitsbereiche von weltlichen Gerichten:

„Er beschrieb Hexerei als schwerstes denkbares Delikt, als Kombination je für sich todeswürdiger Vergehen und damit als Verstoß gegen die geistliche wie auch die weltliche Ordnung. Daher rief Kramer – für einen Vertreter der kirchlichen Gerichtsbarkeit äußerst erstaunlich – ausdrücklich die weltlichen Obrigkeiten auf, gegen die Hexen vorzugehen.“ [179]

Die dem Hexenhammer vorangegangenen Hexenprozesse waren „größtenteils von weltlichen Richtern geführt worden. Der Inquisitor hieß also mit großer Geste gut, was längst nicht mehr zu ändern war, und versuchte zugleich die weltlichen Autoritäten [...] an ihre Pflicht zur Ausrottung der Hexen zu erinnern.“ [180] Des Weiteren war es durch weltliche Gerichte ermöglicht worden, Hexen zum Tode zu verurteilen anstatt sie, wie bei kirchlichen Gerichten üblich, mit Bußen oder anderen milderen Bestrafungen zu belegen. [181]

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Zwar traten in den Jahren von 1486 bis zu Beginn der Reformation die ersten größeren Hexenverfolgungen auf und der Hexenhammer wurde in den Jahren nach seiner Publikation stark rezipiert. Dennoch wurde er von der Gesetzgebung zunächst völlig ignoriert [182]:

„Die Suche nach einem verbindlichen Standpunkt der weltlichen Rechtswissenschaft zum delictum magiae zeigt, daß bei den Zivilrechtslehrern die Tendenz bestand, der Tradition zu folgen und sich nur am Rande ihrer Abhandlungen zu kirchenrechtlichen Strafsachen zu äußern. Naturgemäß konzentrierten sich ihre Beiträge zum Schadenszauber auf die Interpretationen des CIC, insbesondere auf die einschlägigen Abschnitte des Codex Iustinianus zu diesem Thema. Letztere werteten Schadenszauber und mantische Künste ohne weitere Kommentierung als schlichtes Faktum, das von staatlicher Seite zu sanktionieren war.“ [183]

Im Jahr 1532, nach 30-jähriger Bearbeitungszeit, war die Constitutio Criminalis Carolina [184] verabschiedet worden. Das Werk ist ebenfalls unter dem Titel Kaiser Karls V. und des Heiligen Römischen Reichs peinliche Gerichtsordnung bekannt. Sie stellte eine für das gesamte Reich geltende Rechtsordnung dar und war aus der Notwendigkeit heraus entstanden, das Strafrecht zu reformieren. Diese Reform war aus verschiedenen Gründen [185] nötig geworden und umfasste in erster Linie die Regelungen zur Folter und die Einbeziehung von Juristen [186]. Die Carolina basiert zu einem großen Teil auf der im Jahr 1507 verabschiedeten Constitutio Criminalis Bambergensis, auch Bambergische Halsgerichtsordnung genannt. Beide entstanden im Zuge der Rückbesinnung auf das römische Recht. Dies ist auch an der Klassifizierung des Zaubereidelikts ersichtlich, welches keinerlei Merkmale der im 15. Jahrhundert entwickelten kumulativen Hexenlehre aufweist. So entsprach das Zaubereibild der Carolina eher der Volksfrömmigkeit als dem Hexereibild des Malleus Maleficarum. Generell schienen die Verfasser der Carolina bestimmte Aspekte der Zauberei völlig abzulehnen, was Artikel 21 zeigt, welcher von den Wahrsagern handelt. [187] Darin wird Wahrsagerei als unwirksam bezeichnet, was vor allem aus dem Grund interessant ist, da dies den römischen Gesetzestexten und deren Auffassung zu Wahrsagerei widerspricht. [188] Im Hexereibild der Carolina wird weder die Möglichkeit der Existenz einer Hexensekte erwähnt noch wird ein Bezug zwischen Zauberei und Häresie hergestellt. [189]

Ströhmer [190] hat herausgestellt, dass das idealtypische Zaubereiverfahren nach der Carolina grob in vier Phasen unterteilt werden kann: Voruntersuchung, Tortur, Urteilsfindung sowie Endlicher Rechtstag mit Urteilsvollstreckung. [191]

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Betrachtet man die Prozessregelungen der Carolina, so wird ersichtlich, dass das Inquisitionverfahren dominiert. Neben der Möglichkeit, Prozesse von Amts wegen zu eröffnen, blieb in der Carolina ebenso die Privatanklage des Akkusationsprozesses erhalten. [192] „Gesetzestechnisch wird dabei zwar das Inquisitionsverfahren an den Anfang gestellt, für die Durchführung des Prozesses aber im Wesentlichen auf die Vorschriften über das Akkusationsverfahren verwiesen.“ [193] Die Voruntersuchung und die dabei angewandte Inquisition hatte die Aufgabe Indizien zu sammeln, welche den geäußerten Verdacht bestätigten oder verwarfen. [194] Ein Gerücht galt nicht als alleiniges Indiz, sondern war erst in der Kombination von weiteren Indizien gültig. [195] Erst wenn genügend Indizien zusammen getragen worden waren, kam es zum nächsten Schritt, der Tortur. Unter welchen Umständen eine Zaubereianklage zur Folter führen kann, wird in Artikel 44 der Carolina geklärt:

„Von zauberey gnugsam anzeygung

Item so jemandt sich erbeut andere menschen zauberei zu lernen, oder jemands zu bezaubern bedrahet vnd dem bedraheten dergleichen beschicht, auch sonderlich gemeynschafft mit zaubern oder zauberin hat, oder mit solchen verdechtlichen dingen, geberden, worten vnd weisen, vmbgeht, die zauberey auf sich tragen, vnd die selbig person des selben sonst auch berüchtigt, das gibt eyn redlich anzeygung der zauberey, vnd genugsam vrsach zu peinlicher frage.“ [196]

Ströhmer betont hierbei, dass die Carolina eine Verschärfung der Regelung beinhaltet. So sei in der Bambergensis die Androhung eines Schadenszaubers bereits ein ausreichendes Verdachtsmoment gewesen, in der Carolina müsse jedoch ein überprüfbarer Taterfolg nachweisbar sein. [197]

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Eine Verschärfung der Regelungen in der Carolina findet man zudem bei den Artikeln, welche sich mit der Tortur beschäftigten. Darin wird ersichtlich, dass Bestrebungen existierten, den willkürlichen Gebrauch der Folter einzudämmen. Laut Artikel 67 wurde die Folter nur dann zugelassen, wenn die übrigen Beweise erdrückend waren und wenn der Angeklagte kein Geständnis abgelegt hatte. [198] Zudem musste vor Beginn der Tortur die Verteidigung des Angeklagten gehört werden. Dies wurde in Artikel 47 der Carolina geregelt. Da Schadenszauber und Wahrsagerei in der Carolina nicht, wie Ströhmer betont, als crimen exceptum angesehen wurde, war die Verteidigung dieser Strafbestände rechtlich möglich. Die Ausmaße der Anwendung der Folter waren in Artikel 58 der Carolina geregelt:

„Von der maß peinlicher frage

Jtem die peinlich frag soll nach gelegenheyt des argkwons der person, vil, offt oder wenig, hart oder linder nach ermessung eyns guten vernünfftigen Richters. Fürgenommen werden, [...]“ [199]

Ströhmer bemerkt dazu, dass Artikel 58 oft von heutigen Forschern kritisiert wurde. Diese griffen die ungenauen Formulierungen zur Regelung der Härte und Dauer der Folter an, welche die Ursachen für die Eskalation der Folter bei Hexenprozessen seien. So schreibt Lorenz: „Aber deutlich treten bereits die Gründe für das Versagen von Bambergensis und Carolina hervor, wenn sich beide Gesetze darüber ausschweigen, wie oft die Folter wiederholt werden darf, und es unterlassen, die erlaubten Foltermittel zu beschreiben.“ [200] Ströhmer revidiert diese Annahme jedoch und weist darauf hin, Artikel 58 im zeitlichen Kontext zu betrachten:

„Den Verfassern der Carolina konnte es in Art. 58 CCC – allein schon aus Platzgründen – nicht darum gehen, alle Detailfragen zur Anwendungspraxis der Tortur vorzurschreiben. Vielmehr mußte der allgemeine Verweis, der Richter solle sich in jedem Einzelfall an den Attributen ‚gut’ und ‚vernünftig’ orientieren, ausreichen.“ [201]

Weiterhin regelte Artikel 58, dass unter der Folter gemachte Geständnisse nach Ende der Tortur vom Angeklagten bestätigt werden müssen: „[...] vnd soll die sag des gefragten nit angenommen oder auffgeschriben werden, so er inn der marter, sondern soll sein sag thun, so er von der Marter gelassen ist.“ [202] Zu den Regelungen der Folter gehörte auch das in Artikel 56 auftretende Verbot des Stellens von Suggestivfragen. [203] Auch mussten getätigte Aussagen auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft werden. So heißt es in Artikel 52, welcher sich mit dem Geständnis der Zauberei beschäftigt: „So dann die gefragt person anzeygt, daß sie etwas eingegraben, oder behalten hett daß zu solcher zauberey dienstlich sein solt, Mann soll darnach suchen ob man solchs finden kundt.“ [204] Die Tortur war ausschließlich als ein Verfahrensmittel zu gebrauchen, mit dem Ziel, ein Geständnis des Angeklagten als Schuldbeweis zu erhalten. Überstand der Angeklagte die Folter ohne Geständnis, so galt er, nach dem Gedanken der purgatio, als vom Tatvorwurf befreit. [205]

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Nach der Tortur folgten Hauptuntersuchung und Urteilsfindung, welche schließlich zur Urteilsverkündigung führten. Das Urteil konnte hierbei ein Freispruch oder eine Verurteilung beinhalten, wobei die Strafe für Zauberei in Artikel 109 der Carolina genannt wird:

„Item so jemandt den leuten durch zauberey schaden oder nachteyl zufügt, soll man straffen vom leben zum todt, vnnd man solche straff mit dem fewer tun. Wo aber jemandt zauberey gebraucht, vnnd damit niemant schaden gethan hett, soll sunst gestrafft werden, nach gelegenheit der sach, darinnen die vrtheyler radts gebrauchen sollen, wie vom radt suchen hernach geschriben steht.“ [206]

Hierbei ist von Bedeutung, dass das Delikt nicht per se beurteilt wurde, sondern dass sich das Strafmaß nach dem nachprüfbaren Schaden richtete.

Die Regelungen der Carolina bezüglich Zaubereiprozessen waren eher gemäßigt, was sich vor allem in der Einschränkung der Tortur niederschlägt. Dennoch kam es in den Hexenprozessen des 17. Jahrhunderts zu Prozessbeginnen, welche durch Gerüchte oder Denunziationen initiiert wurden, sowie zu einer exzessiven Anwendung der Folter. Dies begründete sich dadurch, dass die Constitutio Criminalis Carolina eine salvatorische Klausel enthielt, welche beinhaltete, dass sie nicht in allen Gebieten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation Gültigkeit besaß, sondern für das dort herrschende Gewohnheitsrecht lediglich ein Anhaltspunkt als Orientierungsschrift sein sollte. Ihr Zweck war es, eine Orientierungshilfe für Richter oder anderweitig im Gerichtsprozess involvierte Personen zu schaffen, welche ein mangelndes Wissen über das römische Recht aufwiesen. Die Carolina fungierte als „eine Art Rahmengesetz des Reiches [...] mit dem Vorbehalt von Sonderregelungen in den einzelnen Territorien und daneben galt noch das rezipierte römische Strafrecht.“ [207] Zwar setzte sich die Carolina allgemeinhin als Orientierung durch, und wurde vielfach rezipiert, doch dadurch, dass diese Rechtsordnung keine allgemeine Gültigkeit besaß, war es möglich, das Recht umzuinterpretieren:

„Im ‚rauhen’ Gerichtsalltag des 16. und 17. Jahrhunderts war die Handhabung der Peinlichen Halsgerichtsordnung jedoch immer auch ein Spielball unterschiedlichster Interpretationsansätze [...] wobei die Intentionen der prozeßbeteiligten Gruppen von der substanziellen Aufklärung eines Verbrechens bis hin zur Befriedigung (innen)politischer Bedürfnisse seitens der Lokalinstanzen divergierten.“ [208]

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Dadurch wurde die Möglichkeit geschaffen, die Regelungen der Carolina zu umgehen, was vor allem bei Hexereiprozessen der Fall war. Folglich wurde Hexerei als ein crimen exceptum angesehen, wobei „unbeschränkte Folterungen, Geheimhaltung der Indizien und Zeugen vor den Angeklagten, Verbot der Verteidigung und die Erpressung von Besagungen, also Denunziationen angeblicher Mitschuldiger“ [209] die Folge waren. Lorenz sieht eine weitere Ursache für das Scheitern der Carolina in dem Prinzip zur Aktenversendung [210]:

„Die Gerichtsorgane hatten alle Unterlagen wie Verhörprotokolle, Zeugenaussagen, Einreden der Verteidigung usw., die für eine Entscheidung benötigt wurden, an auswärtige Rechtsgelehrte zu verschicken, von denen dann nach dem Studium der Akten die Entscheidung beschlossen, schriftlich formuliert und an die Konsulenten zurückgeschickt wurde. Das bedeutete aber, daß die Rechtsgelehrten auf die Glaubwürdigkeit der ihnen von den Laienrichtern übersandten Zeugen- und Folterprotokolle angewiesen waren. Ihre Möglichkeiten [...] z.B. die mißbräuchliche Anwendung der Folter aus den ihnen vorliegenden Akten zu erkennen und auszuschließen, waren begrenzt.“ [211]

Trotz der Schwächen in der Gesetzgebung der Carolina waren die dort getroffenen Regelungen Anhaltspunkte für die Argumentation der Gegner der Hexenprozesse:

„Materiellrechtlicher Skeptizismus und prozeßrechtlicher Ordnungswille gingen in der Theorie des carolinischen Zaubereiprozesses Hand in Hand. Deshalb fanden die Prozeßkritiker, die weniger den Hexenwahn an sich als vielmehr die Methoden der Hexenjustiz angriffen, im Verfahrensrecht der Peinlichen Halsgerichtsordnung juristischen Rückhalt für ihre Attacken gegen die Orthodoxie.“ [212]

2.3 Diskussion der Gesetzgebung zu Hexenprozessen in den Jahren 1563 bis 1630

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In den der Veröffentlichung der Carolina folgenden Jahren und Jahrzehnten war eine Kritik an der Ausführung der Hexenprozesse nicht verbreitet. Wenn jedoch, wie im vorherigen Kapitel erwähnt, auch die Gegner der Hexenverfolgungen juristisch argumentierten, so taten sie dies in der Regel vor dem Hintergrund des römischen Rechts, darunter auch Weyers juristische Argumentation gegen die Hexenprozesse. So schreibt er, dass nach dem römischen Recht Verträge mit dem Teufel nicht gültig seien, da sie nicht mit guten Absichten des Teufels geschlossen worden waren. Diese bona fides seien jedoch ausschlaggebend für die Legitimität eines Vertrages. Weiterhin seien Verträge nicht gültig, welche aus Angst oder durch Gewalt beschlossen würden. [213]

„Aus Weyers vielen rechtlichen Zitaten wird klar, daß er letztendlich beweisen wollte, daß der Teufel so mächtig, so überwältigend in Kraft und Bosheit war, daß ein mit ihm abgeschlossener Vertrag ebensowenig Gültigkeit haben konnte wie einer zwischen einem Erwachsenen und einem Kleinkind.“ [214]

In seiner Argumentation geht Weyer jedoch nicht auf das Gerichtsverfahren gegen Hexen ein. [215]

Die juristische Argumentation von Cornelius Loos war in erster Linie gegen Peter Binsfeld gerichtet und befasste sich vor allem mit der Rechtskräftigkeit des Teufelspaktes. [216] Loos' negative Auffassung zur Anwendung der Folter ging einher mit seiner Annahme, dass Hexerei Einbildung sei, und äußert sich in seinem Widerruf:

„Daß die Angeklagten nur durch die Härte der Folter gezwungen würden, zu gestehen, was sie getan hätten, ferner, daß durch die hartherzige Zerfleischung unschuldiges Blut vergossen und mittels einer neuen Alchemie aus Menschenblut Gold und Silber herausgelockt würden.“ [217]

Ebenfalls wandte sich Loos auch gegen die Bedeutung von Besagungen als Indizien, einen Punkt in dem er Binsfeld direkt widersprach.

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Peter Binsfeld argumentierte in dem zweiten Teil seines Traktats juristisch eher in der Tradition des Hexenhammers. Für ihn war Hexerei ein crimen exceptum [218], weswegen hierbei Besagungen von Relevanz seien. [219] Den Besagungen schrieb Binsfeld jedoch ein hohes Gewicht zu und erklärte sie auch als Anlass zur Tortur:

„Die Frage der Denunziation ist für Binsfeld von zentraler Wichtigkeit: Zunächst fordert er, eine einzige Besagung müsse, wenn ihr ein hinlängliches zusätzliches Verdachtsmoment beitrete, zur peinlichen Befragung ausreichen, jedoch wird dieses Verdachtsmoment nicht näher spezifiziert. Zwei Besagungen jedenfalls seien in der Regel hinreichend für eine Befragung unter der Folter [...]. Hexenproben und Gottesurteile, besonders das Wasserordal hingegen lehnt Binsfeld strikt ab [...]. Auch dürfe der Richter weder lügen noch falsche Versprechungen machen [...].“ [220]

Des Weiteren argumentierte Binsfeld, dass seine Beschlüsse nicht gegen die Regelungen der Carolina stehen, wobei er besonders Artikel 21 der Carolina benennt. Justizirrtümer gab es bei Binsfeld nicht, denn diese „würde Gott nicht zulassen: Damit war eine einzige Besagung zusammen mit irgendeinem noch so schwachen Belastungsindiz genug, um die Folterung einer Verdächtigen zu rechtfertigen.“ [221]

Die Stimmen der Gegner konnten sich in juristischer Hinsicht nicht durchsetzen. Mitte des 16. Jahrhunderts entwickelte sich in Mailand eine weitere Form der Urteilsverkündigung; die eines vorläufigen Freispruchs, auch absolutio ab instantia genannt. Ein Verfahren, welches mangels an Beweisen oder Indizien abgebrochen werden musste, konnte danach zu jedem beliebigen Zeitpunkt wieder aufgenommen werden, vorausgesetzt, dass neue Indizien auftauchten. Dies hatte starke Auswirkungen auf einen mit einem solchen Freispruch belegten Angeklagten: „Stets drohte ihm die mit der Wiederaufnahme verbundene Tortur und letztendlich die Hinrichtung. Immer häufiger griffen die Gerichtsorgane zu diesem Mittel, und zwar nicht nur nach vollzogener Tortur, sondern auch schon zu Beginn eines Verfahrens.“ [222]

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Generell rückten die Zauberei-Regelungen der Carolina mit zahlenmäßig stärker auftretenden Hexenprozessen in den Hintergrund, was zu einer weit exzessiveren Nutzung der Tortur, als in den Regelungen der Carolina beschrieben, führte.

Das fünfte Buch von Martin Delrios Disquisitiones magicarum libri sex lieferte eine Neuauflage zur juristischen Praxis der Hexenverfolgungen: „Mit diesem Teil der Disquisitiones verfolgte Delrio das Ziel, dem Hexenprozeß die bislang fehlende umfassende verfahrensrechtliche Grundlage zu verschaffen, bzw. zumindest ein entsprechendes in allen betroffenen Ländern praktikables Modell zu erstellen.“ [223] Sein Werk sollte dabei eine Orientierung für Richter und andere in Hexenprozessen involvierte Personen darstellen.

Ausgangspunkt von Delrios Argumentation ist das Verbrechen, einen Pakt mit dem Teufel eingegangen zu haben. Der Teufelspakt sei ein

„besonders schweres, ungeheuerliches und verabscheuungswürdiges Verbrechen, in dem die schlimmsten Vergehen, Abfall vom Glauben, Ketzerei, Religionsfrevel, Blasphemie, Mord, ja sogar Vatermord, häufig auch widernatürliche Unzucht mit einem Wesen der Geisterwelt und vor allem Haß auf Gott zusammentreffen.“ [224]

Aufgrund der Schwere des Verbrechens erklärte Delrio, wie auch schon Binsfeld, das Delikt der Hexerei zu einem crimen exceptum.

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Auch Delrio ignorierte die Regelungen der Carolina nicht. Stattdessen berief er sich ausdrücklich auf sie und nahm auch mehrmals, insgesamt 14 Mal, direkt auf sie Bezug. [225] Dabei betonte er vor allem die Besagungen. Die Denunziation von Komplizen „wird von Delrio als eine der wesentlichsten Indizien für Hexerei eingestuft.“ [226] Bei Denunziationen unterschied Delrio zwischen „den Aussagen unbescholtener und übelbeleumundeter Personen. Das Zeugnis noch so vieler infamer Personen reiche nicht aus zur Verurteilung des Angeklagten.“ [227] Grundlage der Einleitung des Prozesses sind Indizien, wobei auch Delrio zwischen leichten, mittleren (einig schwerwiegenden) und schweren (äußerst schwerwiegenden) Indizien unterschied:

„Als Informationen über das Delikt, die von Amts wegen aufzunehmen sind, genügen leichte Indizien. Aber um die inquisitio auf den Angeklagten auszudehnen oder um ihn wegen des Delikts vorzuladen, sind schwerwiegende Indizien erforderlich. Hinsichtlich der Gefangennahme, wenn sie nur stattfindet, damit der Gefangene nicht flieht, bis die inquisitio durchgeführt wird, genügen leichte Indizien. Wenn sie aber stattfindet, damit speziell gegen ihn vorgegangen wird, sind schwerwiegende von Nöten. Für die Tortur genügen meiner Meinung nach mehr als schwerwiegende Indizien.“ [228]

Von der Folter sei jedoch abzusehen, wenn die Möglichkeit bestünde die Wahrheit durch andere Möglichkeiten zu ermitteln [229]: „Die peinliche Frage ist nämlich eine unzuverlässige und gefährliche Sache, die oft über die Wahrheit trügt. Es geschieht häufig, daß ein Unschuldiger für eine ungewisse Schandtat mit äußerst gewissen Strafen büßt.“ [230] Insgesamt dürfe die Folter eine Stunde dauern, wobei „die Art der Tortur [...] dem freien Ermessen des Richters überlassen“ [231] wird. Dabei spricht sich Delrio gegen körperliche Verletzungen aus und empfiehlt die Folter durch Schlafentzug, welche als einzige Ausnahme länger als eine Stunde dauern dürfe. „Hinsichtlich der Wiederholung der peinlichen Frage ist zuerst zu beachten, daß der Angeklagte niemals – sogar, wenn überraschend äußerst dringende Indizien hinzukommen – öfter als dreimal torquiert werden darf, auch wenn er sich beim Geständnis unterschiedlich geäußert hat.“ [232] Die Strafe für Hexerei müsse nach Delrio der Tod sein, weil der Pakt mit dem Teufel ein Majestätsverbrechen darstelle, welches mit dem Tod zu ahnden sei. Bei diesem Punkt interpretierte Delrio Artikel 109 der Carolina um:

„Es wird nach der Constitutio Carolina [...] eingewendet: Wenn sie jemanden durch ein Malefizium oder eine Giftmischerei Schaden zugefügt haben, sollen sie mit dem Tod durch Feuer bestraft werden. Wenn sie aber keinen Schaden zugefügt haben, sollen sie Strafen gemäß der Größe und Qualität des Delikts erleiden. Ich antworte, daß [...] die Beschaffenheit und Größe dieses Delikts immer die ist, daß sie, wenn sie mit dem Dämon verbündet gewesen sind, wenn sie bei Zusammenkünften das gemacht haben, was getan zu werden pflegt, mit dem Tode zu bestrafen sind. Genau genommen setzt also die Stelle das Folgende fest, daß jene Giftmischer immer mit Feuer zu bestrafen sind, daß die übrigen, wenn sie keine Giftmischer sind, einmal durch Feuer und einmal mit einer anderen Todesstrafe zu bestrafen sind.“ [233]

Juristisch argumentierende Gegner der Hexenverfolgung, darunter vor der Veröffentlichung der Cautio Criminalis vor allem Adam Tanner, wandten sich direkt gegen Delrios Schrift.

<41>

Der Jesuit Adam Tanner bezog sich in seinem Werkt, der Theologia scholastica, allein auf eine Kritik des Hexenprozesses. Dort ging er gegen die Rechtmäßigkeit von Besagungen vor: „Wenn sie aber Hexen sind, dann sind sie der Natur des Verbrechens gemäß solche Personen, die allen, und besonders den Unschuldigen, auf jede Weise schaden wollen. Und dies sogar, oder am meisten, durch falsche Denunziationen...“ [234] Auch gegen die Indizien ging Tanner vor. Er forderte, dass

„in Hexenprozessen nicht geringere, sondern stärkere Indizien erforderlich seien als in anderen Kriminalverfahren, und dies bei jedem einzelnen Verfahrensschritt: Konsequenzen hatte dies bei der Bewertung der Indizien, die nötig waren für eine Gefangennahme, vor allem aber zur Tortur und zur Hinrichtung. [...] Die Präzision der Indizien im Strafprozeß sollte soweit gehen, daß grundsätzlich die gefährliche Tortur nur angewandt werden sollte, wenn die beschuldigte Person bereits durch sichere Indizien überführt war.“ [235]

Das Argument, es gebe bei Hexenprozessen keine Justizirrtümer, entkräftete Tanner neben anderen Argumenten [236] mit dem Hinweis, dass die beiden Hexenrichter Gottfried Sattler aus Wemding und Balthasar Nuß aus Fulda in den Jahren 1613 und 1618 hingerichtet worden waren.

Tanners Werk war für die Cautio Criminalis von größter Bedeutung, da er der einzige katholische Autor war, welcher gegen die Hexenprozesse argumentierte und er somit die zentrale Autorität darstellte, die in der Cautio Criminalis zitiert wurde. [237] Dies geht so weit, dass viele Elemente von Tanner in der Cautio Criminalis übernommen wurden, eine offene Kritik bei abweichenden Meinungen jedoch nicht erfolgte. [238] So wurde die Idee, dass Märtyrer wie auch Hexen gleichermaßen unschuldig seien, zunächst von Tanner formuliert, in der Cautio Criminalis jedoch weiter ausgebaut. Ein weiterer Unterschied der beiden Bücher besteht in der Art der Argumentation. Tanner begibt sich noch auf theologisches Terrain, zum Beispiel indem er der Canon-Episcopi-Tradition in Bezug auf die Frage nach der Hexenausfahrt folgt. Zwar kommen bei der Cautio Criminalis, zum Beispiel bei der Betrachtung des Teufels und dessen Macht, auch theologische Argumente vor, dennoch war dies das erste Werk, welches sich ausschließlich mit Hexenprozessen beschäftigte. [239]

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Eine weitere Publikation, welche sich mit den Hexenprozessen beschäftigte, ist der im Jahr 1630 herausgegebene Processus juridicus contra sagas et veneficos des Juristen Hermann Goehausen (1593-1632). Dieses Buch plädierte für die Durchführung von Hexenprozessen und wird in der Cautio Criminalis mehrfach zitiert. Beide Bücher, der Processus juridicus wie auch die Cautio Criminalis, erschienen in der Universitätsdruckerei Peter Lucius in Rinteln.

Die gegnerischen Schriften zu den Hexenprozessen konnten kaum Wirkung entfalten. Zwischen 1626 und 1630 kam es zu den bis dato massivsten Hexenverfolgungen. Um die Kritik der Cautio Criminalis an den Obrigkeiten und an den Prozessen besser einordnen zu können, wird sich der folgende Abschnitt mit den Personen und Strukturen in den Hexenprozessen beschäftigten.

2.4 Strukturen und Personen bei Hexenprozessen

Eine Institution, welche oft im Zusammenhang mit Hexenprozessen genannt wird, ist die Päpstliche Inquisition. Doch dass diese an den Hexenprozessen in Deutschland beteiligt oder gar für sie verantwortlich war, ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Das Gegenteil war der Fall: „Während der Hauptphase der Verfolgung zwischen 1560 und 1650, in der rund 90% aller Verfahren stattfanden, spielten die Kirchen keine Rolle bei der Durchführung der Hexenprozesse.“ [240] Die katholische Kirche stand dem Hexenthema vergleichsweise moderat gegenüber. In den frühen 1620er Jahren war eine Hexenprozessordnung der römischen Inquisition mit dem Titel Instructio pro formandis processibus in causis strigum, sortilegiorum et maleficiorum verfasst worden. Hier wurde die bereits seit dem 15. Jahrhundert geltende Auffassung der päpstlichen Inquisition hinsichtlich Hexenprozesse verschriftlicht und den italienischen Inquisitoren als Anleitung an die Hand gegeben. [241] Diese Prozessordnung beinhaltete Regelungen sowohl zum Strafbestand der Hexerei als auch zum Prozessverlauf. Bevor eine Untersuchung zu einem Hexereidelikt eingeleitet werden durfte, mussten demnach die Umstände unter Beisein eines Arztes untersucht werden, um zu klären, ob es sich im Falle des plötzlichen Todes einer Person um eine Krankheit oder um einen Schadenszauber gehandelt hat. Da in der Prozessordnung in der Tradition des Canon Episcopi argumentiert wurde, war eine Anklage aufgrund von Denunziationen kaum möglich: „Denn da solche Ausfahrten zu den Hexentänzen gewöhnlich nur im Traum (per illusionem) geschehen können, läßt es die Gerechtigkeit nicht zu, daß gegen Teilnehmer, die im Traum erkannt und gesehen worden sind, vorgegangen wird.“ [242] Sowohl Hexensabbat, wie auch Hexenflug und Hexenglaube wurden in der Prozessordnung abgelehnt. [243] Bezüglich der Prozesse gesteht die Prozessordnung dem Angeklagten eine Verteidigung zu und lehnt Hexenmale als Beweismittel oder Indizen ab. Bei der Folter werden bestimmte Praktiken verboten, generell wird sie jedoch nicht abgelehnt.

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Somit erhielt ein Angeklagter die Möglichkeit, sich vom Vorwurf der Hexerei zu befreien. Das Ziel der Kirche bestand nicht in einer Hinrichtung, sondern in einer Läuterung der Angeklagten. Eine Todesstrafe wurde nur in wenigen Fällen ausgesprochen. Dies schlägt sich auch in den Zahlen der wegen Hexerei hingerichteter Personen nieder. Eine dauerhafte päpstliche Inquisition gab es seit 1478 in Spanien und seit 1542 in Italien. [244] In beiden Ländern kam es zu weit weniger Hexenverfolgungen als in Deutschland: In Italien wurden von 1430 bis 1520 knapp 2.500 Menschen als Hexen hingerichtet, also ein Zehntel der Zahl in Deutschland. Zu Hexenverfolgungen in Spanien war es lediglich in den Jahren 1580 bis 1620 gekommen, mit insgesamt 150 Hinrichtungen. [245] Dem Autor der Cautio Criminalis waren die unterschiedlichen Ausmaße der Hexenverfolgung in anderen Ländern durchaus bewusst, wie die 15. Frage zeigt:

„Jedenfalls sehen die Italiener und Spanier, die anscheinend von Natur aus mehr dazu veranlagt sind, diese Dinge zu bedenken und zu überlegen, deutlich, welch unzählbare Menge Unschuldiger sie hinrichten müßten, wenn sie die Deutschen nachahmen wollten. Darum lassen sie es mit Recht sein und überlassen dies Geschäft, Hexen zu verbrennen, uns allein, die wir ja lieber unserm Eifer nachgeben als bei dem Gebot des Meisters Christus uns zu beruhigen.“ [246]

Auch die Zahlen der aufgrund von Hexerei hingerichteten Personen in anderen europäischen Ländern sind verglichen mit denen in Deutschland eher gering: Die Hälfte aller Hinrichtungen fand auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands statt, zuständig für die Hexenprozesse waren die weltlichen Gerichte.

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In der Hexenforschung unterscheidet man zwei verschiedene Möglichkeiten, wie ein Hexenprozess an weltlichen Gerichten initiiert werden kann. Es wird unterschieden zwischen Hexenverfolgungen „von oben“ und „von unten“. Bei Hexenprozessen „von oben“ ging der Impuls zur Verfolgung von den Obrigkeiten aus. Diese Art der Hexenprozesse fand vor allem dann statt, wenn dem Fürst an einer Hexenverfolgung gelegen war, [247] zudem entwickelten sich spezielle Charakteristika heraus:

„Der Wille des Landesherrn, Hexen zu verfolgen, konnte selbstredend nur vermittelt über Justizinstitutionen realisiert werden. [...] Die Hexenverfolgung besaß Maßnahmen- bzw. Kampagnencharakter. Die Hexenprozesse wurden aus der üblichen Justizverwaltung ausgeklammert. Für sie wurden Sondergerichte bzw. spezifische Behörden kreiert. Diese Institutionen der Hexenverfolgungen unterstanden nicht der Kontrolle des allgemeinen Justiz- oder Exekutivapparats, sonden unmittelbar dem Fürsten. Diese Verfolgungsinstitutionen waren von einer kritischen Einflussnahme «dienstlicher» Art also weitgehend gefeit: Es gabe keine übergeordnete Behörde, die sie hätte beaufsichtigen und kritisieren dürfen.“ [248]

Bei Hexenverfolgungen „von unten“ wurden die Prozesse in der Regel von der Bevölkerung initiiert, welche der Auffassung war, dass Hexen unter ihnen lebten. Daraus resultierte eine Forderung an die Obrigkeiten diese vermeintlichen Hexen aufzufinden und ihrer Strafe zuzuführen. Dies war unter anderem im Kurfüstentum Mainz der Fall gewesen:

„Die Verfolgung von Hexen ging nahezu ausnahmslos von Initiativen seitens der Bevölkerung aus. Daß sie ein Instrument obrigkeitlicher Sozialdisziplinierung oder gezieltem, obrigkeitlichen Terrors darstellte, erscheint daher im Kurfürstentum Mainz nicht gerechtfertigt, denn die Behörden entsprachen – in unterschiedlichem Maße – zunächst nur den Forderungen weiter Teile der Bevölkerung. “ [249]

Die Gemeinden nahmen hierbei eine zentrale Rolle ein, denn sowohl die Opfer als auch deren Häscher stammten daher. [250] So bildeten sich zu Beginn der Verfolgungen zumeist Hexenausschüsse, welche mit der Aufspürung von Hexen betraut wurden und auch eine Anklage einleiteten. [251] Bezüglich der Prozesskosten wurde von den Gemeinden zumeist festgesetzt, dass sie entweder vom Angeklagten beglichen werden mussten, oder dass die Gemeinde dafür aufkam. Der Ausschuss selbst haftete nie finanziell für die Prozesse. [252] Diese Prozesse mussten jedoch mit dem Einverständnis der Obrigkeiten geführt werden, welche ihrerseits für das weitere Verfahren die Justiz einschalteten. [253]

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Zwar wurden von den Hexenausschüssen auch juristische Experten, sogenannte Hexenkommissare, beschäftigt [254], dennoch gab es in den Hexenprozessen eine hohe Anzahl von juristischen Laien in Richterämtern oder als Schöffen. Die weltliche Gerichtsbarkeit lag zwar „offiziell beim Kaiser bzw. bei den jeweiligen Landesherren, konnte wegen deren Mangel an exekutiver Durchsetzungskraft (sog. ‚Exekutionsdefizit‘) jedoch nur lokal unter Einbindung der dortigen Machtfaktoren (Stände, Räte, Gemeinden) effektiv organisiert werden.“ [255] Dies führte dazu, dass Richter und Schöffen aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung rekrutiert wurden (in Städten zum Beispiel aus Ratsmitgliedern) und nicht aufgrund juristischer Kenntnisse. [256] Daher sollten sich die Richter in Zweifelsfällen, so wird es im Artikel 219 [257] der Constitutio Criminalis Carolina beschrieben, sich Rat suchend an Oberhöfe, Landesfürsten, Universitäten, Städten oder andere Rechtsverständige wenden. [258] Nachdem in Deutschland Universitäten gegründet worden waren, an welchen Recht gelehrt wurde, kam es auch zu Ratsgesuchen an die juristischen Fakultäten. [259] Auch Schöppenstühle konnten bei Rechtsfragen um Rat gebeten werden. Die Rechtsauskunft fand in der Regel durch das Institut der Aktenversendung statt: „Bei der Aktenversendung legte ein Gericht den zu entscheidenden Fall einem Spruchkörper vor, um sich von diesem über das weitere Vorgehen belehren zu lassen.“ [260] Eine Auskunftstätigkeit, welche nur zur Information erfolgte, war in der Regel unverbindlich, eine Auskunftstätigkeit zur Urteilsfindung hingegen verbindlich. [261] Diese Auskunftstätigkeiten konnten durchaus hemmend auf Hexenprozesse wirken, indem sie auf die Einhaltung der rechtlichen Regelungen Wert legten und es somit nicht zum Beispiel zu einer ausschweifenden Anwendung der Folter kam. [262] Dies war jedoch nicht immer gegeben. Auch Verfolgungsbefürworter konnten Fürsprecher in den jeweiligen Juristenfakultäten finden.

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Es lässt sich jedoch die Regelung formulieren, dass einfache Justizsysteme mit geringen Kontroll- oder Prüfmöglichkeiten Hexenprozesse eher ermöglichten als komplex strukturierte Justizsysteme. [263]

Der Ablauf eines Hexenprozesses [264] verlief in der Regel nach einem festen Schema: zunächst musste es zum Prozessbeginn kommen. Der erste Schritt besteht aus der Anklage, welche von einem Privatkläger (akkusatorischer Einstieg) oder von Amts wegen (inquisitorischer Einstieg) eingeleitet werden konnte. [265] Hatte es im Vorfeld bereits Hexereiprozesse gegeben, so war es möglich, dass ein Prozessbeginn durch Denunziationen bzw. Besagungen initiiert wurde. Dies war bei den Massenverfolgungen häufig der Fall. Die bereits gefolterten und geständigen Personen sollten andere benennen, welche sie beim Hexensabbat gesehen haben.

Die weiteren Schritte in einem Hexenprozess bestanden aus Verhör, peinlicher Frage, Urteilsfindung und Urteil, richteten sich somit im Wesentlichen in der Struktur nach den Regelungen aus der Carolina.

Zunächst wurden, ebenfalls nach den Regelungen der Carolina, die Indizen geprüft. Die Regelungen der Carolina wurden jedoch nicht strikt befolgt. [266] So kam es zum Beispiel zu Hexenproben, darunter die Wasser- oder die Nadelprobe, welche anzeigen sollte, ob die angeklagte Person eine Hexe sei oder nicht. Viele Indizien wurden in den Hexenproben auch schneller anerkannt als in der Carolina vorgesehen, so war eine Denunziation häufig bereits ausreichend, um mit der Tortur fortfahren zu können, ungeachtet dessen, wer diese Besagungen ausgesprochen hatte und wie sie zustande gekommen waren.

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Das Verhör bildete den nächsten Abschnitt im Prozess und war in verschiedene Stufen gegliedert. Zunächst kam es zur „gütigen Frage“, bei welcher der Angeklagte ermahnt wurde zu gestehen. Erfolgte dieses nicht, so war der nächste Schritt die territio verbalis, bei welcher der Scharfrichter oder seine Gehilfen die Folterwerkzeuge vorführten. Erfolgte auch hierauf kein Geständnis, so wurde der Angeklagte für die Folter vorbereitet, was Entkleiden, Rasur und das Legen auf die Marterbank beinhaltete. Der nächste Schritt war die territio realis, die Durchführung der Tortur, wobei hier zwischen verschiedenen Graden unterschieden wurde. [267] Während der Tortur konnten weitere Indizien zu Tage treten, so zum Beispiel die Unfähigkeit zu weinen. [268] Diese konnten auch ohne erfolgtes Geständnis den Verdacht erhärten, dass der Angeklagte eine Hexe sei. In der Regel führte die Folter zu einem Geständnis [269], welches wiederum zur Verurteilung führte. Des Weiteren wurden die Geständigen nach Mittätern gefragt, welche sie auf dem Hexensabbat gesehen haben, was wiederum eine Kette von Denunziationen und das Aufkommen von Massenprozessen hervorrief. Das Urteil auf Hexerei lautete in der Regel Hinrichtung durch Feuer. [270] Besonders bei den auftretenden Massenprozessen gab es in der Regel eine hohe Anzahl an Hinrichtungen, es kamen jedoch ebenfalls Fälle vor, in welchen als Hexen angeklagte Personen sich ausreichend verteidigen konnten und so dem Tod entgingen. Eine Verteidigung der Angeklagten war zwar theoretisch möglich, trat jedoch nur selten in Kraft. [271]

Der laut diesem System zu Recht überführte Angeklagte musste ebenso für die Prozesskosten aufkommen, was in der Regel durch Güterkonfiskation erreicht wurde.

Die Opfer der Hexenprozesse waren größtenteils weiblich, es wurden jedoch auch Männer hingerichtet. Als besonders verdächtig beurteilt wurden Verwandte bereits verurteilter Hexen oder Menschen, welche aus gesellschaftlichen Randbereichen stammten und arm waren. [272] Dennoch gibt es nicht das Bild einer „typischen Hexe“. Jeder konnte theoretisch in Verdacht geraten. Zwar waren die höheren Gesellschaftsschichten und die Obrigkeiten in der Regel vor Verfolgungen stärker geschützt, bei den Massenverfolgungen konnte jedoch im Grunde jeder in Verdacht geraten, eine Hexe zu sein. Dementsprechend wurden ebenfalls Angehörige anderer Stände in die Prozesse hineingezogen, so zum Beispiel im Fall der Katharina Henot in Köln (1627) oder im Fall des Bamberger Bürgermeisters Johannes Junius, welcher 1628 hingerichtet wurde. Generell kann zudem gesagt werden, dass Männer, welche als Angeklagte in die Prozesse hineingezogen wurden, häufiger aus den oberen Gesellschaftsschichten stammten und wohlhabend waren, im Gegensatz zu Frauen, die öfter aus den unteren Gesellschaftsschichten stammten. [273]

III. Das Werk

1. Die Cautio Criminalis

1.1. Adressierung, Aufbau, Sprache und Stil

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Die Erstlauflage der Cautio Criminalis erschien zu Beginn des Jahres 1631 in lateinischer Sprache. Durch die Wahl der Sprache lässt sich bereits erkennen, dass der Autor ein bestimmtes Publikum mit dem Werk ansprechen wollte. Dieses Publikum wird auch direkt zu Beginn des Buches, noch im Titel, adressiert: „Für die Obrigkeiten Deutschlands [...] aber auch für die Ratgeber und Beichtväter der Fürsten, für Inquisitoren, Richter, Advokaten, Beichtiger der Angeklagten, Prediger, und andere sehr nützlich zu lesen.“ [274] Das Buch richtete sich somit in erster Linie an alle, die aktiv an den Hexenprozessen beteiligt waren und weniger an die Opfer der Hexenprozesse oder die durchschnittliche Bevölkerung des frühen 17. Jahrhunderts. Zwar spricht der Autor in einigen Abschnitten scheinbar die als Hexen angeklagten Personen direkt an, so zum Beispiel in der 51. Frage: „Unglückliche, was hast du gehofft? Warum hast du dich nicht gleich beim ersten Betreten des Kerkers für schuldig erklärt? Törichtes, verblendetes Weib, warum willst du den Tod so viele Male erleiden wo du es nur einmal zu tun brauchst?“ [275] Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass diese Adressierung sich nicht wirklich an die Opfer der Verfolgungen richtete:

„In Wahrheit haben wir es mit einer literarisch potenzierten Ansprache an denselben fürstlichen und gelehrten Adressatenkreis zu tun, den Spee mit allem ihm zur Verfügung stehenden rhetorischen Mitteln zu einem Umdenkungsprozeß in Sachen Hexenprozessen bewegen will. Diesmal hat er sich die schwierige Aufgabe gestellt, bei seinen potentiellen Lesern, Fürsten, Richtern, Theologen, Gelehrten und Beamten, eine Identifikation mit den Opfern der von weltlicher und geistiger Obrigkeit ins Werk gesetzten Hexenjagd herbeizuführen. Sie sollen zumindest einmal in Gedanken die Rollen tauschen.“ [276]

Dass der Autor es jedoch nicht ausgeschlossen hat, die Cautio Criminalis einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, wird in dem Werk selbst bereits ersichtlich. In dem letzten, 46. Abschnitt der 51. Frage erwägt er eine mögliche Übersetzung in die deutsche Sprache, welche er als „recht nutzbringend“ bezeichnet. [277] Dennoch bestand der Zweck der Cautio Criminalis in erster Linie darin, die Obrigkeiten über die Misstände zu informieren, sie zum Umdenken zu bewegen und ihnen „eine «Kaution», ein garantiertes Mittel in die Hand zu geben, womit jeder Rechtsbruch bei den Hexenprozessen vermieden werden könnte.“ [278] Da, so die Argumentation des Autors, nur diese Obrigkeiten, vornehmlich die Fürsten, die Möglichkeit besaßen, die Hexenprozesse zu beenden, waren sie auch das Publikum an welches sich die Cautio Criminalis wandte.

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Der Argumentationsaufbau des Werkes orientiert sich an der Struktur von juristischen Werken des römischen Rechts. [279] Auf eine Frage (Dubium) folgt die Antwort (Respondum). Dieses Schema wird durch eine weitere Unterdifferenzierung der Antworten noch erweitert, wobei Dubium – Respondum die Grundstruktur bleibt, die sich durch das gesamte Werk zieht.

„Die Antwort wird meistens erläutert durch einen oder mehrere Gründe (rationes); eine nochmalige Erweiterung erfolgt gegebenenfalls durch Einwände eines Gegners (dices) und deren Widerlegung durch Spee. Innerhalb dieses Grundschemas finden sich dann noch genera (Dub. XV.), cautelae (XVI), corollaria (XVIII), praetextus (XXIII), argumenta (öfters), modi (XXIV), signa (XXVI) und documenta (XXX). Das sind aber vom Thema des jeweiligen Dubiums bedingte Präzisierungen, die das Hauptschema nur variieren, nicht ändern. Klarheit der Darlegung war ein Hauptanliegen der antiken Rhetorik. Spee steht ganz in dieser Tradition.“ [280]

Zur Bekräftigung seiner Argumentation führt der Autor Werke von Personen an, welche sich zuvor mit Hexenverfolgungen beschäftigt haben, verwirft deren Aussagen oder stimmt ihnen zu. An erster Stelle stehen hierbei Binsfeld, Delrio und Tanner, [281] wobei Binsfeld und Delrio oft stark kritisiert werden, Tanner hingegen als Autorität angeführt wird. Zudem werden weitere Juristen angeführt, darunter zum Beispiel Prosper Farinacius. Auffällig ist ebenfalls eine starke Betonung des Naturrechts oder der Vernunft.

Des Weiteren ist eine Erzählperspektive, in welcher der Autor selbst zu bestimmten Sachverhalten Stellung nimmt oder von eigenen Erfahrungen berichtet, für die Cautio Criminalis typisch. Somit kommt Battafarano zu dem Schluss, dass das Werk antiaristotelisch und antischolastisch aufgebaut sei, da die persönlichen Erfahrungen des Autors als Beweisführung dienen anstatt Schriften an die erste Stelle der Argumentation zu setzen, wie dies bei Bodin oder Binsfeld der Fall gewesen ist. [282] Dies zeigt sich zum Beispiel bei dem 22. Dubium: „Ich will hier einfügen, was ich vor zwei Jahren erlebt habe. Ich war da an einem Orte, wo man gerade mit der Hexeninquisition anfing.“ [283]

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Auch verfügt die Cautio Criminalis über stilistische Abweichungen von rein juristischem Stil. Statt eine nüchterne Sprache zu wählen, greift der Autor oft „auf die Mittel des genus sublime, der gehobenen, bilderreichen, gefühlvollen Sprache [...]“ [284] zurück. Dies beinhaltet die Anwendung von rhetorischen Mitteln [285], darunter Exclamatio, Parenthese, der rhetorischen Frage, dem Mitleid mit den Opfern oder der (sarkastischen) Ironie [286].

Durch diese rhetorische Konstruktion könne die Cautio Criminalis jedoch nicht eindeutig als juristisches Traktat eingeordnet werden, denn sie „respektiert wichtige Gattungsregel der poetologischer Tradition [sic] des Traktats nicht, ja sie widerspricht oder ignoriert sie absichtlich.“ [287] Das Werk habe hingegen, so Battafarano, ein zweifaches Gesicht. Zum einen ist es ein Traktat, welches sich darum bemüht Missstände, aufzudecken und die Obrigkeiten zum Handeln zu bringen, was durch die juristische Struktur in Dubium – Respondum sowie der Anführung von Autoritäten wie Tanner zu erreichen versucht wird. Zum anderen beschreibt es den Erkennungsprozess des Autors in Bezug auf Hexen und Hexenprozesse, in welchem er zunächst das etablierte Hexenbild sowie die Hexenprozesse akzeptiert, dann jedoch zunehmend kritischer wird und schließlich die Prozesse vollkommen ablehnt. [288] Der Leser soll so, dem Beispiel des Autors folgend, zur Reflexion angehalten werden, eben diesen Prozess selbst zu durchlaufen, um am Ende den Prozessen kritisch und ablehnend gegenüber stehen zu können. Indem der Autor „seinen Revisionsprozeß veröffentlicht und zur Nachahmung empfiehlt, wird die confessio verobjektiviert zu einem engagierten Traktat, zu einer Kampfschrift gegen die Hexenprozesse.“ [289]

1.2 Inhalt

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Die insgesamt 51 Fragen, oder Dubia, welche in der Cautio Criminalis aufgegriffen werden, können thematisch in etwa wie folgt gegliedert werden: Dubium 1 bis 3 beschäftigt sich mit dem Delikt der Hexerei, Dubium 4 bis 5 mit Betrachtung der Hexerei als Sonderverbrechen. Von Dubium 6 bis 10 sowie in den Dubia 14 und 15 stehen die Fürsten und ihre Rolle bei den Hexenprozessen im Mittelpunkt der Argumentation. Ab Dubium 10 beschäftigt sich das Werk ebenfalls mit der Frage, ob Unschuldige verurteilt worden sind, und greift Fragen zur Verteidigung von Hexereiverdächtigen auf. Der Großteil der Fragen, nämlich Dubia 20 bis 40, beschäftigt sich mit der Rolle der Folter in Hexenprozessen. Abschließend wird ab Dubium 44 die Gewichtung der Denunziation in Prozessen abgehandelt, sowie die Rolle und Macht des Teufels beim Hexereidelikt sowie beim Töten von Hexen im Kerker erörtert. Abschließend folgt in Dubium 51 eine Zusammenfassung der dargestellten Thesen. Zur Bekräftigung der Kritik gegen die Folter wurde zusätzlich der Anhang: „Was Folter und Denunziationen vermögen“ dem Ende der Cautio Criminalis beigefügt.

Bezüglich des Hexereidelikts erklärt der Autor, weshalb seiner Ansicht nach ein erhöhter Glauben an Hexen in Deutschland existiere: „Dieser Glaube an eine Unmenge von Hexen in unserem Lande wird aus zwei wichtigen Quellen genährt. Denn erste heißt "Unwissenheit und Aberglaube des Volkes".“ [290] So seien als Hexerei betrachtete Wetterphänomene nur natürlich und auch die Krankheiten von Tieren lassen sich natürlich erklären und seien nicht das Werk von Hexerei. Den Ärzten seien bislang nicht alle Krankheiten bekannt, weswegen diese nicht erklärt werden könnten. Gerade aber diese nicht vorhandene Möglichkeit eine Krankheit zu erklären, würde von der Bevölkerung direkt als Anzeichen für Hexerei gesehen werden. „Die zweite Quelle des Glaubens an die unzähligen Hexen heißt "Neid und Mißgunst des Volkes".“ [291] Durch diese Motivation geschehe es, „daß alle Welt schreit, die Obrigkeit solle nun die Inquisition gegen die Hexen einleiten, die man in dieser Unmenge doch nur mit den eignen Zungen geschaffen hat.“ [292] Hier wird bereits deutlich, dass der Autor den Großteil der Angeklagten für unschuldig hält, da er die große Anzahl der vermeintlichen Hexen als durch Gerüchte, Aberglauben etc. hervorgerufen hält. [293] In den ersten Kapiteln der Cautio Criminalis geht der Autor noch davon aus, dass Hexen real existieren, zumindest stellt er dies so dar. Im Laufe des Buches werden jedoch stärkere Zweifel an dieser Annahme sichtbar. So gibt es verschiedene Anspielungen, wie zum Beispiel im 7. Dubium: „Vielleicht werde ich jedoch bis dahin in dieser Schrift einiges sagen, was die Klugen verstehen. Die Sache ist leicht und einfach, unbedeutend und groß, allen bekannt und doch unbekannt.“ [294] Diese Anspielungen werden in der Forschung so verstanden, dass der Autor darauf hinaus wollte, dass Hexen gar nicht existierten. Auch spätere Aussagen aus der Cautio Criminalis scheinen diese Annahme zu bestätigen. Zweifel des Autors an der Realität der Existenz von Hexen werden deutlich. Er wagt jedoch nur, seinen Zweifel auszudrücken, jedoch nicht einen letzten Schritt zu unternehmen und die Existenz von Hexen generell zu negieren [295]: „Darum ist es mir zunächst freilich nie in den Sinn gekommen, zu bezweifeln, daß es viele Hexen auf der Welt gebe; nun aber, da ich die Tätigkeit der Gerichte näher betrachte, sehe ich mich nach und nach dahin gebracht zu zweifeln, ob es überhaupt welche gibt.“ [296] Zu Beginn der Cautio Criminalis ist diese Tendenz jedoch noch nicht erkennbar. So wird in der dritten Frage auch erklärt: Die Hexerei oder Zauberei

„ist ein besonders ungeheuerliches, schweres und abscheuliches Verbrechen, denn in ihr treffen die schlimmsten Vergehen zusammen, wie Abfall von Glauben, Ketzerei, Religionsfrevel, Gotteslästerung, Mord, ja sogar Vatermord, oft auch widernatürliche Unzucht mit einem Geschöpf der Geisterwelt und Haß gegen Gott, welches die denkbar gräßlichsten Verbrechen sind.“ [297]

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Interessant hierbei ist auch, dass Delrio als eine die Aussage bekräftigende Autorität angeführt wird, Delrio in späteren Teilen der Cautio Criminalis jedoch stark kritisiert wird. [298] Des Weiteren lassen die Aussagen in der Cautio Criminalis auf ein bestimmtes Bild des Teufels schließen, wobei hier unklar ist, ob der Autor seine eigene Meinung darstellt, oder ob er die Anschauungen der Gesellschaft wiedergibt. Die Macht des Teufels wird hierbei nicht in Frage gestellt.

„Der Teufel kann sich in einen Engel des Lichts verwandeln, wie sogar die Heilige Schrift bezeugt und allenthalben Beispiele in den Lebensgeschichten der Heiligen vorkommen. Folglich kann er auch Unschuldige als gegenwärtig erscheinen lassen, zumal es durchaus glaubhaft ist, daß Gott ihm viel gestattet.“ [299]

Somit verfüge der Teufel zwar über die Macht, Gefangene im Kerker zu erdrosseln, dennoch dürfe dieses nicht die erste Annahme sein, stattdessen müsse von einem natürlichen Tod des Gefangenen ausgegangen werden. [300]

Zu dem Hexensabbat gibt der Autor keine Stellungnahme und verweist darauf, dies in späteren Werken vielleicht tun zu wollen. [301]

Kernpunkt der Argumentation in der Cautio Criminalis ist es, dem Leser die Unmöglichkeit der Tortur und des Systems zur Wahrheitsfindung vor Augen zu führen.

Zunächst beginnt die Argumentation damit, das Hexereiverbrechen juristisch einzuordnen. Somit wird die Frage, ob Hexerei zu den Sonderverbrechen gezählt werden solle, eindeutig mit Ja beantwortet, da es zu den Verbrechen gehöre, „die mehr unmittelbar auf eine Schädigung des Gemeinwesens ausgehen und die Staatssicherheit besonders merklich gefährden.“ [302] Zu diesen Verbrechen werden Majestätsbeleidigung, Ketzerei, Hexerei, Verrat, Verschwörung, Falschmünzerei und Raubmord gezählt. Diese Auffassung ist somit konform mit den zeitgenössischen Regelungen, in denen Hexerei zu den Sonderverbrechen gezählt wird. Im 5. Dubium werden jedoch Einschränkungen bezüglich des crimen exceptum gemacht. Denn es dürfe auch bei Sonderverbrechen nicht willkürlich verfahren werden. Es sollten sich stattdessen die Richter „zum Grundsatz und zur unumstößlichen Regel machen, daß bei keiner Straftat, sei sie ein Sonderverbrechen oder nicht, anders verfahren werden darf, als die gesunde Vernunft es zuläßt.“ [303] Im Zuge dessen spricht sich der Autor dafür aus, den Status eines Verbrechens als Sonderverbrechen nicht als Freibrief oder Entschuldigung zu benutzen. Die gesetzlichen Bestimmungen dürften auch bei Sonderverbrechen nicht ignoriert werden. „Vielmehr darf nur von manchen Vorschriften abgewichen werden, nicht von allen.“ [304] Generell werden juristische Werke, wie die Carolina oder Schriften von Juristen, angeführt und zitiert, um darauf hinzuweisen, dass sich die Hexenprozesse jenseits der gesetzlichen Bestimmungen erstrecken, welches geändert werden müsse.

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Des Weiteren erfolgt eine Kritik der an den Prozessen involvierten Personen. Die Dubia 6 bis 15 beschäftigen sich mit den Fürsten und deren Handlungen bei Hexenprozessen. Zwar lautet die Antwort auf die 6. Frage „Ob die deutschen Fürsten recht daran tun, daß sie strenge gegen die Hexerei einschreiten? [...] Es sei ferne von mir, daß ich den Obrigkeiten einen Vorwurf machte, weil sie energische Maßnahmen gegen dies Verbrechen ergreifen.“ [305] Woraufhin weiter die Gründe für das, hier als rechtmäßig dargestellte, Verhalten der Fürsten genannt werden. Dennoch wird, erneut mit der Bemerkung wie wichtig und richtig das Verhalten der Fürsten sei, darauf hingewiesen, dass die Obrigkeiten mit äußerster Vorsicht und Besonnenheit in Hexenprozessen vorgehen sollten, denn nur so könnten sie es verhindern, dass Unschuldige umgebracht werden. Auch wird ihnen eine Mitschuld bei der Verurteilung Unschuldiger angelastet, ungeachtet dessen ob sie sich ihrer Schuld bewusst seien oder nicht. [306] Ebenso wird verhaltene Kritik an den Handlungen der Fürsten geäußert: „Ein Fürst, der alle Mühe von sich abwälzt und seine Beamten nach Gutdünken schalten läßt, findet keine Entschuldigung. Er ist verpflichtet, selbst auch mitzusorgen, zu beaufsichtigen und immer wieder zu Gott zu beten, daß er ihn mit seinem Höchsten Geist stärke.“ [307] Denn durch die durchgeführten Praktik habe niemand den Überblick über die Prozesse, was zu einer ungenauen Prozessführung und der Hinrichtung Unschuldiger führe:

„Es ist wirklich zum Lachen! Der Fürst schüttelt alle Sorge und Mühe ab und schiebt die Verantwortung seinen Beamten zu. Die Beamten wieder entledigen sich ihrer und schieben die Verantwortung dem Fürsten zu. A. schiebt's dem B., B. dem A. zu. Der Fürst meint, ‚Da werden meine Beamten zusehen‘, und die Beamten sagen, ‚Da wird unser Fürst schon zusehen!‘ Was ist das für ein Zirkel? Wer aber wird es vor Gott zu verantworten haben? Denn wo die Beamten zusehen sollen und der Fürst zusehen soll, da sieht gar keiner zu.“ [308]

Um die Missstände in den Hexenprozessen zu beseitigen, ermahnt die Cautio Criminalis den Fürsten, sich selbst ein Bild von den Geschehnissen zu machen, da er auf anderem Wege nicht erfahren werde, wie es bei der Verurteilung von Hexen zugehe. Es werden 22 Pflichten aufgelistet, die der Fürst erfüllen müsse, um sich ein umfassendes Bild machen zu können. [309] Trotz der Kritik wird versucht, ein generell positives Bild von den Fürsten zu zeichnen: „Jeder Beamte kann hart und unmenschlich sein, Fürsten können es nicht. Ihre Art ist es, stets menschlich und gnädig, niemals aber grausam zu sein.“ [310] Grund hierfür war, dass die Cautio Criminalis direkt an die Fürsten adressiert war, da die Fürsten als diejenigen Personen angesehen wurden, welche es als einzige vermochten, die Hexenprozesse zu stoppen. [311] Es lag somit nicht in der Intention des Autors diese zu stark zu kritisieren, sondern sich eher mit den Obrigkeiten gut zu stellen, um auch die erhoffte Wirkung des Werkes zu erreichen. Dies erklärt ebenfalls, warum allein die Initiierung von Hexenprozessen „von unten“ thematisiert wird, jedoch keine „von oben“, was einer Kritik an den Fürsten gleichgekommen wäre.

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Im Gegensatz hierzu geht der Autor jedoch mit den anderen am Hexenprozess beteiligten Personen, darunter Richter, Beamte, Inquisitoren, Theologen, Henker, Beichtvätern oder Juristen härter ins Gericht. So wird eine Fachsprache der Richter angeprangert, welche der Fürst nur nach praktischen Erkenntnissen lernen könne. [312] Auch seien Richter und Inquisitoren auf das Kopfgeld aus, welches ihnen pro gefundene bzw. verurteilte Hexe gezahlt werde. „Denn es wird einer umso leichter für schuldig angesehen, weil eine große Zahl von Verurteilten für den Geldbeutel angenehmer ist, als eine kleine.“ [313] Auch sei es bei Richtern, wie auch bei Henkern, eine Frage der Ehre während der Tortur einen Angeklagten zum Geständnis zu bringen:

„Die Herren vom Gericht flüsterten untereinander, man würde sie leichtfertig schelten, wenn Titia so in die Freiheit zurückkehrte. [...] Auch der Henker fürchtet sich vor der Schande, als habe er sein Handwerk, die Folterung, ungeschickt ausgeführt, wenn er einem wehrlosen Weibe kein Geständnis hat entreißen können.“ [314]

Aufgrund der Wichtigkeit des Geständnisses würden die Richter somit Vorwände schaffen, um weiter foltern zu können oder die Gefangenen mürbe zu machen, bis es schließlich zum Geständnis komme: „Mag also der Angeklagte gefoltert werden. Gesteht er, so ist's gut; gesteht er nicht, dann war eben die Folter nicht ausreichend und muß morgen wiederholt werden. Gesteht er auch dann nicht, dann war die Folter noch immer nicht ausreichend. Nur weiter!“ [315] Aus diesen Maßnahmen resultiert ein System, bei dem ein einmal Angeklagter nicht mehr die Möglichkeiten besitzt seine Unschuld zu beweisen.

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In Dubium 15 werden diejenigen genannt, welche nach Meinung des Autors den Fürsten zu Hexenprozessen anstachelten. [316] So werden zunächst Theologen und Prälaten kritisiert,

„die gemütlich und zufrieden in ihren Studierstuben sitzend und mit ihren Gedanken beschäftigt, stets in höheren Regionen schweben. Von dem, was in den Gerichten geschieht, vom Schrecken der Kerker, von der Last der Ketten, den Folterwerkzeugen, dem Jammer der Armen usw. haben sie nichts erfahren.“ [317]

Dies wird als Kritik an Delrio und Binsfeld verstanden, welche ihr Wissen über die Hexenprozesse aus Büchern erlangt haben.

Darauf folgt eine Kritik an den Juristen, denen finanzielle Interessen [318] an den Hexenverfolgungen vorgeworfen werden, dem Pöbel, „der sich ungestraft überall mit Verleumdungen an seinen Feinden rächt“ [319] sowie eine Kritik an den Zauberern selbst. Unter Zauberern werden hier die Personen bezeichnet, welche die Prozesse vorantreiben und den Obrigkeiten vorwerfen, dass diese zu schwach gegen Hexen vorgehen würden. Denn gerade diese Personen seien oft selbst als Hexen verbrannt worden. Hier nutzt der Autor die Gelegenheit darauf hinzuweisen, dass entweder durch die Verbrennung dieser „Zauberer“ Unschuldige verurteilt worden sind oder dass, im Falle dass sie schuldig waren, zu sehen sei „wie berechtigt es ist, nach soviel Beispielen den schlimmsten Argwohn gegen alle die zu hegen, die so heftig gegen die Magie eifern.“ [320]

Der insgesamt größte Kritikpunkt in der Cautio Criminalis beschäftigt sich mit der Tortur. So werden zunächst die Nachteile der Folter dargestellt. Zu diesen zählt der Autor die Gefahr, Unschuldige zu verurteilen, indem falsche Geständnisse durch die Folter erpresst würden. Somit seien es die Mittel der Folter, welche bei den Prozessen dazu führten, dass so viele Personen gestehen, Hexen zu sein: „Die Folter bringt die große Gefahr mit sich, daß, sofern nicht ernstlich vorgebeugt wird, die Schuldlosen die Zahl der Schuldigen vermehren helfen.“ [321]

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Die Beweisführung, dass auch Unschuldige verurteilt worden sind, erfolgt ab dem 10. Dubium und taucht immer wieder im Verlauf des Werkes auf. Der Autor argumentiert unter anderem mit den Märtyrern, welche ebenfalls unschuldig ums Leben kamen. Im Anhang der Cautio Criminalis setzt er die unter der Herrschaft Kaiser Neros verurteilten Christen, welche für den Brand Roms verantwortlich gemacht worden waren, mit den Opfern der Hexenprozesse gleich. Diese Menschen seien von der gleichen Art der Folter zum Geständnis gezwungen und unschuldig hingerichtet worden. Daher stellt er die Frage: „Warum sollte denn, um Himmels willen, Gott jetzt, in unseren Tagen nicht mehr geschehen lassen, was er in vergangenen Zeiten erlaubt hat?“ [322] Laut dem Autor sind die als Hexen verurteilten Menschen des 17. Jahrhunderts ebenso unschuldig wie die christlichen Märtyrer des 1. Jahrhunderts.

Bei der Frage nach den in den Hexenprozessen Angeklagten formuliert der Autor eine Unschuldsvermutung, die dem im 19. Jahrhundert entwicktelten Rechtsgrundsatz in dubio pro reo sehr nahe kommt. In der Cautio Criminalis wird dies wie folgt ausgedrückt: „denn jeder muß solange für schuldlos gelten, als ihm seine Schuld nicht rechtmäßig bewiesen ist.“ [323] Oder: „Man darf niemanden verurteilen, dessen Schuld nicht unbedingt feststeht.“ [324]

Die Tortur wird in ihrer Gesamtheit kritisiert, darunter die Argumente zur Einleitung zur Folter, die durchgeführte Folterpraxis und die in der Folter involvierten Personen.

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Um einen Angeklagten foltern zu dürfen, müssen, so die Cautio Criminalis, schwere Indizien vorhanden sein, welche im Grunde „halbe Beweise“ oder „beinahe volle Beweise“ seien. „Es muß also [...] nach menschlichem Ermessen fast oder so gut wie sicher sein, daß derjenige der Täter ist, der durch dieses Beweismittel belastet ist, und zur völligen Gewißheit offenbar nichts mehr fehlt, als einzig das Geständnis des Angeklagten.“ [325] Ein Gerücht sei hierbei kein Indiz, durch welches die Folter eingeleitet werden dürfe, auch wenn dies oft der Fall sei. [326] Ebenso wenig dürfe die Folter aufgrund von Denunziationen begonnen werden. Denn es bestehe die Gefahr, „jede beliebige Person, und sei sie noch so unschuldig, mit Denunziationen zu überschütten und sie, wann sie nur wollen, ungehindert der Gefangenschaft und der furchtbarsten Tortur, die die allerwenigsten überstehen.könne, [sic] auszuliefern.“ [327] Der Prozessbeginn aufgrund des Findens von vermeintlichen Hexenmalen wird ebenfalls abgelehnt:

„Auch wenn ich zugeben wollte, man dürfe diese Male durch den Henker am entblößten Leibe der Angeklagten suchen lassen, dann würde ich doch das für eine unerläßliche Bedingung halten, daß man wenigstens schon einen halben Beweis habe. [...] Hat man aber bereits einen halben Beweis gegen die Angeklagte, was braucht es noch der Hexenmale als weiteres Indiz zur Folter?“ [328]

Diese halben Beweise oder vorhandenen schweren Indizien, welche eine Folter ermöglichen können, müssen „auch ihrerseits durch zwei rechtmäßige Zeugen völlig und schlüssig bewiesen sein.“ [329] Die Glaubwürdigkeit der Aussage sei durch die Reputation der Person und nicht der Menge der Zeugen gegeben, was wiederum eine Denunziation durch vorher verurteilte Hexen nicht rechtsgültig macht. [330] Der Autor spricht sich insgesamt stark an der durchgeführten Praxis der Initiierung der Prozesse aus: Der Kaiser „sollte einmal die Liste von Indizien lesen, auf Grund derer so mancher Inquisitor weit und breit seine Prozesse geführt hat, während sie doch haltlos, lächerlich und nicht hinreichend beweisen, vor allem aber zugleich auch im einzelnen widerlegt waren.“ [331]

Diese Kritik an der Einleitung der Folter wird fortgeführt durch Kritik an der Durchführung der Folter.

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Zum einen sei Art, Dauer und Häufigkeit der praktizierten Tortur nicht rechtmäßig. Statt die rechtlichen Regelungen zur Tortur zu beachten und sie nur eingeschränkt zu benutzen, bestehe die Praxis aus einer willkürlichen Anwendung der Folter, welche so lange angewendet werde, bis der Angeklagte ein Geständnis abgegeben habe.

„Der Schmerz bei der Tortur ist gewiß schon fürchterlich, wenn sie eine halbe Viertelstunde, ja, auch nur die Hälfte dieser Zeit dauert. Wie muß es erst sein, wenn sie eine volle Viertelstunde, eine halbe oder eine ganze Stunde währt? [...] – desungeachtet sehen heutzutage selbst die mildesten Richter (von den strengeren ist gar nicht zu reden) so wenig eine Sünde darin, daß sie es sich ganz zur Gewohnheit gemacht haben, die Folter bis zu einer ganzen oder zwei halben Stunden auszudehnen. Daher heißt eine Folterung unzureichend, die nicht so lange gedauert hat; [...].“ [332]

Hinsichtlich der Häufigkeit der Folter kritisiert die Cautio Criminalis, dass laut gelehrtem Recht die Tortur nicht öfter als dreimal wiederholt werden dürfe, dies aber zum einen bereits unmenschlich sei, zum anderen in der Praxis die Folter weit häufiger als dreimal angewendet würde. „Sodann fehlt es auch nicht an anderen, eifrigeren Schriftstellern, die die Meinung vertreten, es dürfte bei den besonders verwerflichen Verbrechen auch mehr als dreimal gefoltert werden. Ein harter Richter wird also dieser Ansicht folgen.“ [333] Auch würde die Zeitspanne der Folter auf mehrere Tage ausgedehnt werden, so dass an verschiedenen Tagen offiziell nur eine Folter erfolgt sei. Die Kritik beinhaltet ebenso die Terminologie, welche im Hexenhammer formuliert wurde und in die Praxis übergegangen war. Diese spricht von einer Fortführung statt einer Wiederholung der Tortur.

„Kann der Angeklagte nicht eingeschüchtert oder auch nur zur Wahrheit gebracht werden, so muß man ihn am zweiten oder dritten Tage danach wieder zur Folter führen, um sie fortzusetzen, nicht sie zu wiederholen (weil sie nur dann wiederholt werden darf, wenn neue Indizien hinzugekommen sind).“ [334]

Ebenso spricht sich der Autor stark gegen das Stellen von Suggestivfragen aus, sowie gegen die Rasur der Angeklagten, um nach Hexenmalen zu suchen. [335] Hexenproben, darunter die Wasserprobe oder die Nagelprobe, werden durchweg abgelehnt. [336]

Des Weiteren wird die Unmöglichkeit des Systems angeprangert, in welchem ein einmal Angeklagter keine Möglichkeit hat, sich zu rehabilitieren und vom Vorwurf der Hexerei freigesprochen zu werden:

„Titia wird sich auf der Folter schuldig bekennen oder sie wird es nicht tun. Welches von beidem aber auch geschehen mag, sie ist unter allen Umständen schuldig. Gesteht sie, so ist sie schuldig, weil sie es bekannt hat. Gesteht sie nicht, dann ist sie ebenfalls schuldig, weil sie trotz so furchtbarer Folterqualen nicht gestanden hat.“ [337]

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Somit könne potentiell jeder der Hexerei angeklagt werden und dieses Delikt, hervorgerufen durch die Folter, auch gestehen. [338] Ebenfalls fehle die Möglichkeit, dass ein Widerruf (in diesem Falle ein Widerruf auf dem Richtplatz) auch als solcher angenommen werde: „Wenn ein derartiger Widerruf von einer wirklich reuigen Person erklärt wird [...], so ist ihm durchaus nicht kein, sondern großes Gewicht beizumessen, vor allem, wenn erklärt wird, man habe andere Personen fälschlich denunziert.“ [339] Stattdessen führe ein Widerruf zur erneuten Tortur, in welcher wiederum ein Geständnis und somit ein Widerruf vom Widerruf erlangt werde.

Ein weiterer Kritikpunkt umfasst die Verurteilung von Nicht-Geständigen:

„Man hat sie drei-, viermal gefoltert, also bedurften die Beweise in ihrem Fall einer Ergänzung. Bedurften sie deren aber, so waren es schlechterdings keine vollen Beweise. Waren sie das nicht, so konnten sie die Angeklagte also auch nicht überführen. Folglich war sie nicht ordnungsmäßig überführt; ihre Schuld war nicht sicher festgestellt; sie hätte nicht verurteilt werden dürfen.“ [340]

Um dieses System und vor allem die dadurch entstehenden Verurteilungen und Hinrichtungen Unschuldiger zu verhindert, gibt die Cautio Criminalis Handlungsanweisungen. So wird zum einen gefordert, dass eine neue Halsgerichtsordnung erlassen werden soll, da die alte nicht ausreichend das Hexereidelikt behandle. [341] Auch solle die Aktenversendung praktiziert werden, um so das eigenmächtige Handeln der Richter zu unterbinden und eine Verurteilung Unschuldiger weitestgehend auszuschließen. [342] Weitere Verbesserungsvorschläge bestehen daraus, den Richtern und Inquisitoren ein einheitliches Einkommen zuzusichern und das Kopfgeld, das sie für jede Hexe erhalten, abzuschaffen. Ebenso solle das Vermögen der als Hexen verurteilten nicht eingezogen werden, da dies ebenfalls dazu führe, dass Hexenprozesse aus finanziellen Interessen durchgeführt werden. [343] Auch solle während des Prozesses den Angeklagten eine Verteidigung gewährt werden. Des Weiteren wird gefordert, die Folter generell abzuschaffen. [344] Die zentrale Aussage besteht jedoch in einer Nachricht an die Obrigkeiten, dass diese ihre Pflichten stärker wahrnehmen, die Hintergründe der Hexenprozesse erforschen und somit die Prozesse vollkommen abschaffen sollten.

1.3 Publikationsgeschichte

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Die erste Auflage der Cautio Criminalis war vermutlich in einem Zeitraum zwischen April und Anfang Mai 1631 gedruckt worden. Zufolge der Bücherzensur [345] wurde in der Cautio Criminalis als Ort die Universitätsdruckerei Rinteln und als Drucker Peter Lucius angeführt. Der Autor des Werkes wurde nicht genannt, stattdessen wurde auctore incerto theologo romano oder incerto theologo orthod. angegeben. [346] Die genaue Höhe der Auflage ist nicht bekannt. Franz geht in einer Schätzung bei der Erstauflage von etwa 1000 Exemplaren aus. [347]

Die zweite Auflage erschien bereits ein Jahr später, im Frühsommer 1632. Zwar wurde hier als Druckort Frankfurt, bei Johannes Gronaeus Austrius I.C., angegeben, es wird jedoch vermutet, dass diese Angaben nicht stimmten. So gab es zu dem Zeitpunkt im Raum Frankfurt niemand unter dem Namen Johannes Gronaeus, weder als Drucker noch als Verleger oder Buchhändler. [348] In der Forschung ging man zunächst davon aus, dass Johannes Gronaeus als Person nicht existierte, oder dass sich Friedrich Spee hinter dem Pseudonym verbarg. [349] Inzwischen wurde ermittelt, dass jemand dieses Namens im Jesuitenorden verzeichnet war: Pater Johannes Gronaeus durchlief 1623 sein Noviziat in Trier und wurde später Rektor des Paderborner Kollegs. Ob er in den Druck der Zweitauflage der Cautio Criminalis involviert war, ist jedoch nicht bekannt. [350]

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Davon ausgehend, dass der Name Johannes Gronaeus ein Pseudonym ist, geht Franz einen Schritt weiter und stellt auch den Druckort in Frage. Frankfurt sei lediglich als Ortsangabe gewählt worden, da es, als Ort der Buchmesse, im Zuge der Verschleierung von Orten bei dem Druck von Büchern öfters angegeben werde. [351] Stattdessen vermutet Franz Köln als Druckort. Als Beweis hierfür führt er unter anderem an, dass die Cautio Criminalis im Messkatalog der Frankfurter Buchmesse aus dem Jahr 1632 nicht auftauchte, jedoch stattdessen im Herbstkatalog der Leipziger Messe 1632, in dem Köln als Druckort genannt wurde. [352] Dort wird auch nicht Johannes Gronaeus, sondern der Drucker und Buchhändler Cornelius ab Egmondt als Verleger der Cautio Criminalis genannt. [353] Weitere Studien haben ergeben, dass der Druck mit hoher Wahrscheinlichkeit bei Johannes Kinckius in Köln erfolgt war. Da Kinckius viele Arbeiten im Auftrag der Jesuiten ausführte, impliziert dies, dass ein Druck der Zweitauflage der Cautio Criminalis von dem Provinzial Goswin Nickel gebilligt worden sein muss. [354]

Die zweite Auflage enthält neben dem neu hinzugefügten Vorwort weitere, vermutlich von Friedrich Spee vorgenommene Änderungen. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine Entschärfung der Erstauflage, im Gegenteil eher um eine Verschärfung der Kritik.

Eine erste Übersetzung ins Deutsche gab es 1647, also 16 Jahre nach Publikation der Erstauflage. Auch dieser Druck erfolgte bei Peter Lucius, Ort dieser Ausgabe war jedoch nicht Rinteln, sondern Bremen. Die Übersetzung geht auf die Arbeit von Johann Seifert (1617-1647) zurück. Er

„hielt sich oft nur entfernt an den Text der Cautio, um in komprimierter Form den nichtstudierten Leser zu informieren. Er widmete den Druck dem schwedischen Feldmarschall und Generalgouverneur der Herzogtümer Bremen und Verden Hans Christoph Frhr. von Königsmarck (1600-1663).“ [355]

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Eine weitere deutsche Übersetzung der Cautio Criminalis kam 1649 in Frankfurt am Main bei dem Verleger Anton Humm heraus. Diese Übersetzung beruhte auf der zweiten Ausgabe von 1632 und war bereits 1644 von dem Übersetzer Hermann Schmidt fertig gestellt worden. „Schmidt entschloß sich aber erst zur Publikation, als er erfuhr, daß ein anderer (Seifert?) die Cautio zu übersetzen vorhatte. [...] Die Übersetzung ist im Gegensatz zu der von Seifert vollständig und sorgfältig.“ [356]

Im Laufe des 17. Jahrhunderts gab es weitere Auflagen: In Posen/Poznań wurde 1645/ 1647 eine lateinische Ausgabe herausgegeben, eine weitere lateinische Auflage 1695 in Sulzbach. Ebenso gab es Übersetzungen in andere europäische Sprachen: Ins Niederländische 1657 in Amsterdam und ins Französische im Jahr 1660 in Lyon. Die Auflagenzahlen dieser Werke sind jedoch nicht überliefert.

2. Der Autor

2.1 Die Frage nach der Autorschaft

Die Erstausgabe der Cautio Criminalis wurde anonym veröffentlicht. Zur Frage des Autors weist sie den Vermerk auf: „Von einem ungenannten römischen Theologen.“ [357] Die weiteren Ausgaben wurden ebenfalls anonym veröffentlicht, erst in der lateinischen Ausgabe aus dem Jahr 1731 wurde zum ersten Mal Friedrich Spee als Autor auf dem Titelblatt genannt. [358]

Doch trotz der anonymen Veröffentlichung war einigen Zeitgenossen schon bald bewusst, wer der Verfasser dieses Werkes war. Der Ordensgeneral schrieb am 19. Juli 1631 einen Brief an den Provinzial Goswin Nickel, „daß er seinen Brief, datiert Halberstadt 26. Mai, über einen Traktat, der von P. Friedrich Spe verfaßt, aber ohne dessen Wissen herausgegeben worden, erhalten habe.“ [359] So scheint zumindest ein gewisses ordensinternes Wissen über die Autorschaft der Cautio Criminalis vorhanden gewesen zu sein, an dem der Provinzial wie auch der Ordensgeneral beteiligt gewesen waren. Von Interesse hierbei ist, dass bei der vorliegenden Korrespondenz zwischen Spee, dem Ordensprovinzial und dem Ordensgeneral, der Name Friedrich Spee nie direkt in Verbindung gesetzt wird mit dem Titel Cautio Criminalis. Stattdessen ist in den Briefen lediglich von einem Traktat die Rede oder von „jenem Buch“ [360]. Eine Nennung der Cautio Criminalis und von Spees Namen erfolgt zum ersten Mal gemeinsam in dem Brief Pelckings.

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In diesem Brief, welcher als unmittelbare Reaktion auf die Veröffentlichung der Cautio Criminalis angesehen werden kann, „berichtete der Paderborner Weibischof Pelcking, ein Minorit, an den Bischof von Osnabrück über das Erscheinen des liber pestilentissimus, das der Pater Friedrich Spee verfaßt und selbst unter dem Namen Cautio Criminalis in Rinteln habe drucken lassen.“ [361]

Auch in der Jesuitenbibliographie gab es Hinweise auf die Autorschaft Spees. So steht in der Bibliotheca scriptorum Societatis Jesu aus dem Jahr 1643 bei Friedrich Spee: „Ein kleines Werk von ihm wurde unter dem Namen eines römischen Theologen veröffentlicht,[...]“ [362] Die Ausgabe der Bibliographie aus dem Jahr 1676 wird konkreter und nennt den Namen des Buches. Bei der Liste der Veröffentlichungen Spees steht folgendes: „Er veröffentlichte lateinisch die Cautio Criminalis unter dem Namen eines römischen Theologen, gedruckt in Rinteln an der Weser 1631.“ [363]

Und auch bei einer französischen Übersetzung der Cautio Criminalis aus dem Jahr 1660 findet sich bei dem Vorwort des Verfassers der Vermerk zum Autor, „...daß er aus der Gesellschaft Jesu war. Ich weiß aus guter Quelle, daß er sich N. Spee nannte und daß er vor einigen Jahren gestorben ist.“ [364] Im Titel der französischen Ausgabe ist anstatt des Namens des Autors Par le P.N.S.I. Theologien Romain angegeben, wobei die Abkürzung für Père N. Spee Iesuit stehe. [365]

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Somit kann man darauf schließen, dass die Autorschaft Spees in bestimmten Kreisen bekannt war, nicht jedoch allgemein bekannt gegeben wurde. Dies zeigt sich dadurch, dass in den darauf folgenden Jahren die Cautio Criminalis gemeinsam mit dem Namen Spee zwar vereinzelt genannt wird, zum größten Teil jedoch die anonyme Angabe des Autors Bestand hatte. Das Wissen um die Autorschaft war jedoch eher ordens- bzw. kirchenintern, da den meisten Zeitgenossen des 17. Jahrhunderts der Name des Verfassers der Cautio Criminalis unbekannt war. [366]

Christian Thomasius (1655-1728), der sich eingehend mit der Schrift beschäftigte, vermutete dahinter noch einen protestantischen Gelehrten. [367] Erst der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) machte die Autorschaft der Cautio Criminalis, welche er Friedrich Spee zuschrieb, öffentlich. In einem Brief an Vincentius Placcius [368] am 26. April 1697 erklärt Leibniz, woher sein Wissen um die Autorschaft der Cautio Criminalis stammte: „Wer der Verfasser, des mit Recht berühmten, ‚Cautio criminalis in processu contra sagas‘ betitelten Buches gewesen ist, habe ich aus dem Munde des Hochwürdigsten Kurfürsten Johann Philipp von Mainz erfahren. Es war Friedrich Spee, Priester der Gesellschaft Jesu [...]“ [369] Nachdem Spee und Schönborn nach einiger Zeit vertrauter geworden seien, habe Spee Schönborn schließlich eröffnet, dass er der Autor der Cautio Criminalis sei. [370] Johann Philipp von Schönborn (1605-1673) habe Spee, so der Brief, in Würzburg getroffen. Dieses Treffen ist historisch gesehen jedoch höchst unwahrscheinlich:

„Auch wenn Spee etwa 1627 oder 1628 in Würzburg war, ist ein Treffen mit Johann Philipp kaum als möglich anzusehen. Der junge Schönborn studierte Jura an der Universität, war wohl nur bis Mitte 1627 überhaupt da und hätte kaum mit dem Jesuiten zu tun gehabt. Nur später in Köln ist ein Treffen wirklich denkbar. Da aber Spee nur vom Oktober 1631 bis August 1632 in Köln war, und da Johann Philipp sicher öfters auf Reisen war, sind die Möglichkeiten auch hier sehr begrenzt. Zeit für längere, wiederholte oder vertraute Gespräche ist einfach nicht zu finden! Man dürfte übrigens auch fragen, wie es zu besonders vertraulichen Gesprächen gekommen wäre.“ [371]

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Das Zusammenkommen von Spee und Schönborn ist so gesehen kaum möglich. Die Aneignung des Wissens, wer der Autor der Cautio Criminalis war, erklärt Marigold mit folgender Theorie:

„Man wird zu einer Annahme geradezu gezwungen, daß Johann Philipp 1631 Cautio Criminalis kennengelernt und möglicherweise den Verfasser im Kölner Jesuitengymnasium aufgesucht habe. Es wird allgemein angenommen, daß die Autorschaft Spees in höheren kirchlichen Kreisen kein Geheimnis war, und zu diesen Kreisen gehörte schon damals Johann Philipp. Ein Treffen, sicher eine Annäherung von Seiten Johann Philipps, wäre durchaus denkbar, [...] Wiederholte Gespräche sind [...] als höchst unwahrscheinlich abzulehnen und – wir wiederholen bewußt – ein persönliches Kennenlernen ist weder zu belegen noch für den weiteren Gang der Dinge unerläßlich.“ [372]

Dies ist jedoch lediglich eine Vermutung. Marigold selbst betont, dass in den Quellen des Familienarchives von Schönborn keine Hinweise auf ein Treffen zwischen Spee und Schönborn zu finden sind, „obgleich das natürlich als Indiz, nicht aber als Beweis zu gelten hat.“ [373] Dass sich Leibniz und Johann Philipp von Schönborn persönlich kannten, ist hingegen überliefert. Leibniz hielt sich von 1667 bis 1672 am Hof Schönborns auf. Im Jahr 1669, damals 22 Jahre alt, habe Leibniz von der Autorschaft Spees zum ersten Mal erfahren. [374] Dieses Wissen hatte er zunächst in privaten Briefen verbreitet. Endgültig an die Öffentlichkeit gelangte es, als der Placcius-Brief Leibnizens im Jahr 1708 in der Schrift Theatrum anonymorum et pseudonymorum publiziert wurde. [375] Auch Thomasius schloss sich der Auffassung, dass Spee der Autor der Cautio Criminalis sei, wenige Jahre später an.

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Warum die Aussagen von Leibniz bezüglich des Treffens zwischen Spee und Schönborn nicht den historischen Tatsachen entsprechen, darüber kann auch nur gemutmaßt werden. So besteht die Möglichkeit, dass Schönborn Leibniz (gegebenfalls ein Treffen zwischen Schönborn und Spee hatte stattgefunden) einen falschen Ort oder ein falsches Datum genannt hatte, da er sich nicht mehr an das tatsächliche erinnerte. Eine weitere Möglichkeit ist, dass Leibniz sich nicht mehr detailliert an die Angaben Schönborns erinnerte. Des Weiteren

„ist es durchaus denkbar, daß er [Leibniz] aus geistespolitischen Gründen seine Aussagen möglichst stärken wollte. [...] Wahrscheinlicher ist m.E., daß Leibniz nicht nur von Johann Philipp sondern auch von anderen Gewährsmännern, die er dann aus Vergeßlichkeit oder mit Absicht nicht genannt hat, Berichte über Spee gehört bzw. gelesen habe. Es ist durchaus denkbar, daß Leibniz Kontakt mit Ordensbrüdern Spees gehabt haben könnte, mit Leuten also, die Spee direkt oder indirekt gekannt hatten. Erst wenn die Korrespondenz Leibnizens voll erschlossen vorliegt, wird es vielleicht möglich sein, hier klarer zu sehen.“ [376]

Trotz der Unstimmigkeiten in Leibnizens Briefen sprechen die Quellen, vor allem die des 17. Jahrhunderts, dafür, dass Friedrich Spee der Autor der Cautio Criminalis war.

Neben der Frage wer das Werk geschrieben hat, bleibt noch die Frage offen, warum die Publikation der Cautio Criminalis anonym erfolgt war. So schreibt Trusen: „Friedrich von Spee konnte seine Cautio in der Überzeugung verfassen, von der höchsten kirchlichen Gerichtsbarkeit in wesentlichen Punkten gedeckt zu sein.“ [377] In der Tat gibt es weitreichende Parallelen zwischen den Inhalten der römischen Hexenprozess-Ordnung und denen der Cautio Criminalis [378]. Demnach hätte es keinen Grund gegeben die Cautio Criminalis anonym herauszugeben. Spee erklärte jedoch selbst in der Cautio Criminalis: „Man kann die Praxis der Richter nicht ohne weiteres als die der Kirche bezeichnen.“ [379] Wie bereits erwähnt, waren die Hexenprozesse vor weltlichen Gerichten geführt worden. Die Auffassung der päpstlichen Inquisition wurde bei den weltlichen Gerichten des Alten Reiches nicht beachtet. Demnach machte es keinen Unterschied ob Spees Auffassung sich mit der der päpstlichen Inquisition deckte, da diese für die weltliche Gerichtsbarkeit bei Hexenprozessen im Alten Reich irrelevant war. Des Weiteren kann davon ausgegangen werden, dass Spee die Hexenprozess-Ordnung der päpstlichen Inquisition nicht bekannt war. „Offensichtlich fehlten ihm genaue Informationen zu Hexenprozeßtheorie und -praxis der römischen und der spanischen Inquisition. Sonst hätte er sie sicher zur Untermauerung seiner Thesen herangezogen.“ [380] Somit konnte er sich vermutlich gar nicht, wie Trusen bemerkte, derart sicher sein, dass seine Argumente von der Kirche gedeckt wurden.

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Eine Erklärung, warum Spee seinen Namen nicht veröffentlichen wollte, und was ihm im Falle dessen hätte zustoßen können, findet sich bereits in der Cautio Criminalis selbst:

„Wenn einer nur wagt, einem Angeklagten beizustehen, dann macht er sich schon selbst verdächtig. Ja, ich sage noch mehr, verdächtig oder wenigstens verhaßt macht sich auch, wer es hier nur wagt, in aller Freundschaft die Richter zu warnen. Deshalb will ich auch dieses schon längst von mir verfaßte Warnungsbuch nicht im Druck veröffentlichen, sondern teile es unter Geheimhaltung meines Namens als Manuskript nur einigen wenigen Freunden mit. Mir macht das Beispiel des frommen Theologen Tanner angst, der mit seinem völlig zutreffenden, klugen Buch sich nicht wenig Feinde gemacht hat.“ [381]

Tanner wurde nach der Publikation seines Werkes vorgeworfen, er gehöre selbst zu den Hexen. Seine Gegner forderten Tanners Verhaftung und Folter. [382]

Und nicht nur Tanner hatte nach der Publikation der Theologia scholastica Probleme mit den Befürwortern der Hexenverfolgungen bekommen. So waren verschiedene Ausgaben von Weyers Werk auf dem Index gelandet (1570 auf dem Trienter Index, 1582 auf dem Münchner Index) was zur Folge hatte, dass er als Ketzer angesehen wurde. [383] Auch Cornelius Loos sah sich massiven Problemen gegenüber, nachdem klar wurde, dass er ein Werk gegen die Hexenverfolgung verfasst hatte: Nach der Veröffentlichung seiner De vera et falsa magia wurde er verhaftet und in einem Kloster nahe Trier eingesperrt. Dort wurde er gezwungen die Aussagen seines Werkes im Beisein von Binsfeld sowie dem päpstlichen Nuntius Ottavio Frangipani zu widerrufen. Nach seinem Widerruf zog er nach Brüssel.

„Der Jesuit Martin Delrio berichtete in seinem Kommentar zum Abdruck seines Widerrufs [...], daß Loos seine verurteilten und widerrufenen Ansichten über die Hexerei in Brüssel erneut geäußert habe, zum zweiten Male festgenommen, freigelassen, dann noch einmal verhaftet worden sei und nur durch den Tod im Gefängnis weiterer Verfolgung entging.“

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Da Friedrich Spee das Werk Delrios kannte, war er vermutlich auch mit dem Schicksal von Cornelius Loos vertraut. So mutmaßt Arens, dass das Schicksal von Cornelius Loos Spee dazu veranlasst haben könnte die Cautio Criminalis anonym zu veröffentlichen. [384] Die Wahrscheinlichkeit war durchaus vorhanden, dass Spee selbst eine Anklage gedroht hätte, im Fall, dass sein Name auf dem Manuskript aufgetaucht wäre. Jerouschek wendet hier zwar ein, dass Spees adelige Herkunft sowie seine Zugehörigkeit zum Jesuitenorden einen gewissen Schutz für ihn bedeutet habe, sodass Spee keineswegs um sein Leben, höchstens um seinen Ruf habe fürchten müssen. [385] Dabei muss jedoch beachtet werden, dass Spee, wie Lohausen nachgewiesen hat, keineswegs adelig war und des Weiteren auch Angehörige der oberen Gesellschaftsschichten nicht in allen Fällen vor einer Involvierung in Hexenprozessen geschützt waren. Zwar kam es durchaus seltener vor, dass Mitglieder der Oberschicht der Hexerei angeklagt wurden, es war jedoch nicht vollkommen ausgeschlossen.

Die Zugehörigkeit zum Jesuitenorden bedeutete in der Tat einen gewissen Schutz für Spee, wie später gezeigt wird. Doch auch dies schützte ihn nicht vor Problemen und Sanktionen durch die Ordensoberen, welche ja schon bald wussten, dass er die Cautio Criminalis verfasst hatte. Somit ist es durchaus plausibel nachzuvollziehen, dass sich Spee aus Gründen des Selbstschutzes für eine anonyme Veröffentlichung entschieden hatte.

2.2 Friedrich Spees Vita

Friedrich Spee wurde am 25. Februar 1591 als ältestes von vier Geschwistern in Kaiserswerth bei Düsseldorf geboren. Sein Vater war Burgvogt und Amtmann. Nachdem Spee seine Kindheit in Kaiserswerth verbracht hatte, schickten ihn seine Eltern nach Köln aufs Gymnasium. In der Forschung ist hierbei umstritten, ob das jesuitische Dreikönigsgymasium oder das Montanum besuchte, wobei die erste Version oft bevorzugt wird. Es gibt jedoch keine zuverlässige Quelle, die belegt, welche Schule Spee besucht hat. [386]

Seinen Schulabschluss erlangte er im Jahr 1608, ein Jahr später folgte sein Bakkalaureat. Wiederum ein Jahr später, 1610, trat er – gegen den Wunsch seiner Eltern – in Trier in den Jesuitenorden ein.

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Das Bildungssystem der Jesuiten war um 1548 entstanden und hatte sich erfolgreich etabliert. Da die Jesuiten ohne Entgelt unterrichteten, kein Schulgeld erhoben und Jungen jeglicher Gesellschaftsschichten in den Schulen aufnahmen, waren die Kollegien (Gymnasien) sehr beliebt. Auch protestantische Schüler wurden aufgenommen, wobei hier der Gedanke, diese (und auch deren Eltern) zu konvertieren, ein wichtiges Element war. [387] Die Schulbildung der Jesuiten sah ein humanistisches Studium vor, welchem Philosophie- (Logik, Ethik, Physik und Metaphysik) und Theologiestudien (vor allem der scholastischen Theologie) folgten. [388] In den Bereich der Philosophie fielen naturwissenschaftliche Studien, welche von den Jesuiten gefördert wurden. Eine Besonderheit der jesuitischen Pädagogik beinhaltete das sogenannte Jesuitentheater, in welchem die Schüler das Spielen von Rollen in Theaterstücken übernahmen. [389]

Die Ausbildung in dem Orden sah es vor, dass zunächst ein zweijähriges Noviziat verrichtet wurde an dessen Ende die Gelübde der Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam abgeleistet wurden. [390] Das Noviziat erfolgte in eigens dafür errichteten Häusern und beinhaltete neben einem täglichen Programm der Meditation und des Gebetes, eine vierwöchige Durchführung der „Geistlichen Übungen“, sozialen Dienst in einem Hospital und eine Pilgerreise. [391] Das Ende der Ausbildung und die endgültige Aufnahme in den Orden erfolgten jedoch nicht durch die nach dem Noviziat abgeleisteten Gelübde. Es folgte das Tertiat, ein weiterer und letzter Abschnitt der Ausbildung, dem in der Regel das Studium vorangestellt war. Nach Beendigung des Tertiats durften die letzten Gelübde abgeleistet werden. Dies erfolgte in der Regel erst einige Jahre nach der Priesterweihe. Neben einer Erneuerung der schon zu Ende des Noviziats geleisteten Gelübde der Armut, der Ehelosigkeit und des Gehorsams kam hier noch ein weiteres Element hinzu. Hierbei verpflichteten sich die Jesuiten zum Gehorsam gegenüber dem Orden und vor allem gegenüber dem Papst. Die letzten Gelübde bedeuteten eine endgültige Aufnahme in den Orden. Diese Gelübde konnten im Gegensatz zu den früher geleisteten nicht mehr aufgelöst werden. Wer diese Gelübde abgeleistet hatte konnte somit nicht mehr so leicht aus dem Orden entlassen werden oder aus ihm ausscheiden. [392]

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Friedrich Spee leistete seine ersten Gelübde in Fulda, wohin er im Jahr 1612 gemeinsam mit den anderen Novizen geflohen war, nachdem in Trier die Pest ausgebrochen war. Die folgenden Jahre verbrachte er in Würzburg, wo er bis 1615 Philosophie studierte. Das Studium schloss er mit dem Grad eines Magister Artium ab. Daraufhin war er als Lehrer in Gymnasien tätig: 1616 in Speyer und 1617 bis 1618 in Worms. Seine zur gleichen Zeit erfolgende Bewerbung als Missionar in Indien wurde vom Ordensgeneral abgelehnt mit der Begründung, dass die Rekatholisierung und Durchsetzung der Gegenreformation in Deutschland zurzeit wichtiger seien als die Missionierung in Übersee. [393]

Im Jahr 1621 bat Spee um die Erlaubnis der Veröffentlichung einiger seiner Schriften. Dies wurde vom Ordensgeneral abgelehnt. Dennoch wurden in den Jahren 1621 bis 1623 in Würzburg [394] und Köln [395] Schriften veröffentlicht, welche von Spee geschriebene Lieder beinhalteten. Es wird vermutet, dass in den vier Schriften insgesamt 100 Lieder von Spee stammen. [396]

Die Priesterweihe empfing Spee am 28. März 1622 in Mainz. Dort war er als Lehrer in Gymnasien tätig. Kurz nach seiner Priesterweihe trat Spee an der Universität Paderborn eine Professorenstelle der Philosophie an. [397] In dieser Zeit wurde er von der Ordenskartei als Katechet der Paderborner Kirche St. Pankraz geführt. [398] In Paderborn blieb Spee bis zum Jahr 1626. Daraufhin folgte sein Tertiat in Speyer. Ursprünglich war es sein Wunsch gewesen dieses in Norditalien zu verbringen, was vom Ordensgeneral bereits gestattet worden war, doch hier intervenierte der Kölner Provinzial, was dazu führte, dass Spee seine Ausbildung in Speyer beendete. Nach Beendigung des Tertiats wurde kurzfristig Wesel als sein Aufenthaltsort im Ordenskatalog Ende 1627 aufgeführt. [399]

Im Jahr 1627 wurde Spee an die Universität Köln versetzt. Dort übernahm er die Vertretung eines erkrankten Lehrers im Dreikönigsgymnasium. Während seiner Zeit in Köln korrespondierte Spee regelmäßig mit einer Gruppe von Frauen, welche sich um die Bildung der weiblichen Jugend kümmerten. Spee schickte ihnen wöchentlich Meditationen zu. Diese Texte sind wesentliche Bestandteile seines posthum 1649 veröffentlichten Werkes Güldenes Tugend-Buch. [400] Ebenfalls während seiner Zeit in Köln eckte Spee mit dem Ordensprovinzial (der Provinz Niederrhein) Peter Baving an. Baving berichtete dem Ordensgeneral, dass Spee „über die Armut im Orden und andere Dinge abwegige Meinungen hege.“ [401] Es wird vermutet, dass diese Beschwerden die Ursache dafür waren, dass Spee nach Peine bei Hildesheim versetzt wurde. Seine Aufgabe lautete, dort die Gegenreformation durchzusetzen und die Anwohner der 30 zur Stadt gehörenden Dörfer zu rekatholisieren. Aufgrund der zur Rekatholisierung angewandten Mittel – jeder, der nicht konvertierte, musste das Fürstbistum Hildesheim unter Zurücklassung seiner Güter verlassen [402] – wird die Tätigkeit Spees in Peine von der Forschung als für den Jesuiten untypisch bzw. konträr zu seinem Auftreten gegen die Hexenprozesse gewertet. Miesen bezeichnete diese Zeit als „ein Flecken auf weißer Weste“. [403] Butzmann weist jedoch darauf hin, dass die Rekatholisierung im Kontext von Spees Ordenszugehörigkeit und Verständnis von Religion zu sehen sei: „Er handelte aufgrund seines Glaubens an die alleinige Berechtigung der einen Kirche und der seit dem Augsburger Friedensschluss geltenden Rechtsvorschrift Cuius regio, eius religio.“ [404] So sei auch ein Vergleich von Spees Tätigkeit in Peine mit seinen literarischen Werken oder seinem Einsatz gegen die Hexenverfolgungen nicht möglich. [405]

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Am 29. April 1629 wurde ein Mordanschlag auf Spee verübt, welcher nie vollständig aufgeklärt werden konnte. Spee erhielt schwere Kopfverletzungen und wurde am Tag nach dem Attentat zur Genesung in das Hildesheimer Kolleg überführt. [406]

Nachdem er sich von den Verletzungen erholt hatte, zog Spee im Herbst 1629 nach Paderborn, wo er eine Professur in Moraltheologie antrat. Doch auch hier kam es zu Beschwerden über Spee, welche dazu führten, dass ihm die letzten Gelübde vorenthalten wurden. Aufgrund der Beschwerden kam es zu Briefwechseln zwischen Spee und dem Ordensgeneral, in denen Spee beklagte ungerecht behandelt zu werden. Auch P. Christian Lennep, der Rektor des Kollegs, schrieb eine Beschwerde an den Ordensgeneral. Vitelleschi antwortete am 31. August 1630. In dem Schreiben beauftragte er den Provinzial Baving mit der Untersuchung des Sachverhalts. [407] Folge des Briefwechsels, der bis Ende des Jahres 1630 anhielt, war, dass Friedrich Spee im Januar 1631 seiner Professur enthoben wurde. Ursache hierfür war der Brief des Ordensgenerals vom 7. Dezember 1630, den Lennep dahingehend interpretierte, Spee zu strafen:

„An P. Rektor Christian Lennep, Paderborn.

Da P. Friedrich Spee inständig gebeten hat, nicht vor dem Ende des Studienjahres aus Paderborn weggeschickt zu werden, und um dies zu erreichen, ernsthafte Verbesserung seiner Fehler versprochen hat, zweifle ich nicht daran, daß Sie die Gelegenheit genutzt haben und ihn ausdrücklich auf alles, was bisher in seinem Lebenswandel mißfiel, hingewiesen haben. Taten Sie es noch nicht, so tun Sie es möglichst bald und fügen die Drohung hinzu, daß, wenn er sich nicht besser nach der Norm der Klosterzucht richtet, die Gesellschaft Jesu sich beraten wird, wie sie ihn mit strengen Strafen zwinge, den Pflichten eines guten Ordenmannes nachzukommen.“ [408]

Kurz nachdem der Brief verfasst wurde, änderte sich die Verteilung der Ämter: Provinzial war nun Goswin Nickel. Peter Baving, der ehemalige Provinzial, wurde Nachfolger von Christian Lennep als Rektor. Somit war nun Nickel mit der Aufklärung der Verhältnisse betraut.

Im Februar 1631 ist ein Aufenthalt Spees in Falkenhagen nachweisbar. Dort verteidigte er, gemeinsam mit einem weiteren Priester, in der Nacht vom 9. Februar das Kloster bei einem Überfall von lippischen Söldnern. [409]

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Im April des gleichen Jahres erschien die erste Auflage der Cautio Criminalis. Zu diesem Zeitpunkt war Spee noch von seinem Amt enthoben und wurde nur als Beichtvater geführt.

Wie die erste und zweite Auflage in den Druck geraten sind, ist umstritten. In der ersten Auflage wird angegeben, dass ein Freund Spees einen „frommen Diebstahl“ begangen habe und die Cautio Criminalis dadurch in den Druck gelangte.

Eine Hypothese hinsichtlich der Drucklegung der ersten Auflage besagt, dass Spee das Schriftstück einem Vetter im Benediktinerkloster Corvey gegeben habe, welcher es an den Drucker Peter Lucius weiterleitete. Es gibt jedoch keine Quellen, die dies belegen. [410] Eine weitere Vermutung lautet, dass Spee sein Werk so schnell wie möglich veröffentlicht wissen wollte. Durch seine bisherigen erfolglosen Versuche, vorherige Werke mit der Imprimatur des Ordens zu drucken, sei Spee jedoch zu dem Schluss gekommen, dass die Cautio Criminalis nur ohne die ordensinterne Zensur überhaupt publiziert werden konnte und dass dies anonym geschehen musste. Folglich war der in der Cautio Criminalis beschriebene „fromme Diebstahl eines Freundes“ nichts als eine „fromme Lüge“; Spee selbst habe den Druck veranlasst. [411]

Bei dem Druck der zweiten Auflage wird davon ausgegangen, dass er von Spee selbst, unter Billigung des Provinzials Goswin Nickel, veranlasst worden war. Es lassen sich auch Änderungen nachweisen, welche mit großer Wahrscheinlichkeit von Spee selbst stammen. [412]

Im September 1631 kehrte Spee nach Köln zurück. Diese Versetzung erfolgte jedoch aufgrund von Kriegsereignissen und weniger als Reaktion auf die Publikation der Cautio Criminalis: Die Truppen des schwedischen Königs Gustav Adolf hatten sich „Paderborn so genähert, daß das ganze Jesuitenkolleg mit Lehrern und Schülern nach Köln verlegt werden mußte.“ [413]

Als Reaktion auf die im Sommer des Jahres 1632 erschienene zweite Auflage der Cautio Criminalis wurde Spee nach Trier versetzt, wo er einen Lehrauftrag für Moraltheololgie inne hatte. In Trier arbeitete er an seiner Trutz-Nachtigal. Im Jahr 1634 wurde ihm der Lehstuhl für biblische Exegese übertragen.

Bei der Pflege von Soldaten steckte sich Spee im Jahr 1635 an einer in Trier grassierenden Seuche an. Er starb in Trier am 7. August 1635 im Alter von 44 Jahren. Seine sterblichen Überreste wurden in der Trierer Jesuitenkirche begraben.

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Vierzehn Jahre nach Spees Tod erschienen seine beiden literarischen Werke, die Trutz-Nachtigall und das Güldene Tugend-Buch in Köln. Beide Werke verfügten über die Druckerlaubnis des Ordens und gaben als Autor Friedrich Spee an.

Dass Jesuiten der Dichtung nachgingen, war nicht unüblich: die Jesuitische Dichtung hatte ihre Ursprünge bereits in den dem Trienter Konzil folgenden Jahren. [414] Die meisten dieser Werke waren in Latein gehalten und orientierten sich an dem römischen Dichter Horaz. Im Gegenzug dazu war die Dichtung von Friedrich Spee in deutsch gehalten. Er verfasste im Laufe seines Lebens, neben seinen drei publizierten Büchern, eine Vielzahl an Liedern und Gedichten und gilt als bedeutenster Lyriker des Frühbarock [415].

Das Bild der Persönlichkeit von Friedrich Spee, welches durch seine Dichtung und auch durch die Cautio Criminalis hindurchscheint, wird von der Forschung oft als widersprüchlich empfunden. Einerseits wird Spee, auch durch seine Handlungen vor der Veröffentlichung der Cautio Criminalis, als Provokateur, eigensinnig oder autoritätskritisch aufgefasst. Dies schlägt sich in verschiedenen Briefen nieder, in welchen sich Spees Vorgesetzte über seine abweichenden Auffassungen beim Ordensgeneral beschweren.

Andererseits werden seine dichterischen Werke als zärtlich, einfühlsam, feministisch angehaucht und integriert beschrieben. [416]

Einerseits wird Spee als eine mit dem Herzen denkende Person aufgefasst, die nicht anders konnte als Unrecht anzuprangern. Spees Einsatz für die seiner Meinung nach ungerecht behandelten Novizen wird als Anzeichen für Zivilcourage aufgefasst, sozusagen ein Vorbote der Cautio Criminalis. [417] In diesem Ansatz wird Spee also als ein tatkräftiger, unerbittlicher Kämpfer für das Gute gesehen. [418]

Andererseits sieht sich die Forschung den Praktiken Spees zur Rekatholisierung Peines ratlos gegenüber, ebenso die von ihm angewandten „Abschreckungsszenarien“ in dem Güldenen Tugend-Buch. [419]

Eine Rezeption Spees als Person, die seiner Zeit voraus war, sozusagen ein Vorbote der Aufklärung, wechselt sich ab mit dem Gedanken, dass Spee seiner Zeit verhaftet war und sich dementsprechend verhielt, so bei der Rekatholisierung in Peine.

Um diese verschiedenen Bilder zu vereinen, gibt es die Folgerungen, dass Spee zu Lebzeiten gleichermaßen umstritten war, wie auch geschätzt wurde. [420]

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Im Laufe der Jahrhunderte der Spee-Rezeption setzte sich eine positive Sicht über den Jesuitenpater durch. Diese Art der Rezeption begann bereits durch Leibniz [421] und wurde bis in die heutige Zeit weitestgehend beibehalten. Im 19. Jahrhundert wurde Spees Person idealisiert und auch hagiographisiert [422], Gruppierungen des ultramontanen Katholizismus sahen in Spee eine Symbolfigur „eines vor-revolutionären, konfessionell eindeutig definierten Katholizismus“ [423], für wieder andere galt er „als der exemplarische Deutsche, sein Kampf gegen den Hexenwahn wurde als echt patriotische Tat apostrophiert, seine Person spiegelte ‹deutsche Biederkeit›, seine Poesie ‹urdeutsche Klänge› wider.“ [424] Auch im Orden, mit dem Spee zu Lebzeiten durchaus Probleme hatte, wurde er im Laufe der Zeit in einem immer positiveren Licht gesehen, fungierte schließlich als Sympathieträger.

In all diesen Versuchen Spees Persönlichkeit zu rekonstruieren, scheint jedoch seine historische Gestalt immer stärker in den Hintergrund zu rücken und zu verschwinden.

2.3 Die Entstehung der Cautio Criminalis und Spees Berührungspunkte mit den Hexenprozessen

Der Zeitraum, in welchem die Cautio Criminalis verfasst worden ist, lässt sich zumindest bezüglich ihrer Fertigstellung eingrenzen. Spee beruft sich in der Cautio Criminalis auf mehrere Werke, welche in diesem Zeitraum publiziert worden waren. Darunter fällt der dritte Band der Theologia scholastica Tanners, welcher 1627 zum ersten Mal erschien. Da Spee auch von Reaktionen auf Tanners Werk berichtet, wird 1628 als frühester Zeitpunkt vermutet, an dem Spee mit dem Verfassen seines Werkes begonnen hat. Des Weiteren gibt es Verweise auf die Schrift Proba stigmatica von Pater Jordanaeus aus dem Jahr 1630 sowie auf das ebenfalls 1630 erschienende Werk Processus iuridicus contras sagas von Hermann Goehausen. Verweise auf die letzten beiden genannten Werke finden sich im hinteren Teil der Cautio Criminalis, welche somit frühestens 1630 abgeschlossen werden konnte. [425]

In dem Werk selbst findet sich jedoch die zu diesen zeitlichen Einschränkungen widersprüchliche Angabe: „[...] dieses schon längst von mir verfasste Warnungsbuch [...]“ [426]. Spee selbst gibt somit an, dass er die Arbeit an der Cautio Criminalis bereits vor längerer Zeit abgeschlossen habe. Aufgrund dieser Angabe entwickelte Ritter eine Theorie der Ur-Cautio, welche Spee bereits verfasst hätte und welche er überarbeitet und darin die Verweise auf die oben genannten Schriften eingearbeitet hätte. [427] Als Zeitraum, in welchem Spee mit den Hexenprozessen in Berührung gekommen war, woraufhin er diese Ur-Cautio verfasst hätte, benennt Ritter Spees Aufenthalt in Würzburg 1627, welchen Leibniz in dem Placcius-Brief erwähnte. Somit habe laut dieser Theorie Spee die Cautio Criminalis zwischen 1627 und 1628 verfasst. Wie jedoch im Vorfeld bereits erklärt wurde, sind die Angaben von Leibniz historisch nicht korrekt. Spee hat sich mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit 1627 nicht in Würzburg aufgehalten und kann somit nicht dort seine Kenntnisse über Hexenprozesse erhalten haben. Wenn auch nicht in Würzburg, so ist es wahrscheinlich, dass Spee in einer oder mehreren seiner Lebensstationen direkt mit Hexenprozessen in Berührung gekommen war. In der Cautio Criminalis berichtet er vermehrt darüber, direkten Kontakt mit den vermeintlichen Hexen gehabt zu haben: „Wenn auch mir selbst etwas zu sagen verstattet ist, so muß ich gestehen, daß ich an verschiedenen Orten so manche Hexen zum Tode begleitet habe [...].“ [428] Ebenfalls spricht er davon, als Beichtvater tätig gewesen zu sein: Er habe „viel und lange sowohl in der Beichte als außerhalb mit diesen Gefangenen zu tun gehabt [...].“ [429]

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Wann und in welchem Ausmaß Friedrich Spee in Kontakt mit den Hexenprozessen gekommen war und woher er sein juristisches Wissen darüber erlangt hat, konnte bislang noch nicht eindeutig geklärt werden. Zwar hatte es in den meisten Gebieten, in denen er sich aufgehalten hatte, Hexenprozesse gegeben, jedoch fanden diese nicht zu den Zeitpunkten statt, an denen er dort war.

In Köln hatte sich Spee während seiner Ausbildungszeit von 1604 bis 1609 aufgehalten und war später in den Jahren 1628 und 1631 kurzzeitig wieder in die Stadt zurückgekehrt. Zwar war es zwischen 1599 und 1608 zu Hexenprozessen in Köln gekommen, es waren jedoch lediglich sieben Personen angeklagt worden. [430] Da Spee sich zu diesem Zeitpunkt noch in der Ausbildung befand, dürfte er keinen direkten Kontakt zu den Angeklagten gehabt haben. Eine Tätigkeit als Beichtvater kann in diesen Jahren nicht möglich gewesen sein, denn Spee war zu dem Zeitpunkt nicht einmal Mitglied des Jesuitenordens. Anders verhält es sich, als Spee Anfang 1628 erneut in Köln war. Am 3. Mai 1627 war Katharina Henot als Hexe hingerichtet worden. Emmy Rosenfeld vermutet hierbei, dass Spee durch diesen Hexenprozess zur Niederschrift der Cautio Criminalis angeregt wurde, was sie durch das 39. Dubium bestätigt sieht. [431] Des Weiteren, so die Theorie Rosenfelds, sei Spee hier in Kontakt gekommen mit Tanners drittem Teil der Theologia Scholastica:

„Bekanntlich verblieb Friedrich von Spee vom Januar bis zum Herbst 1628 ohne feste Anstellung noch am Tricoronatum. Was konnte er damals besseres tun, als sich die hervorragende Bibliothek seines Kollegs zunutze zu machen, um seine Bildung zu vertiefen, zu lesen, zu lernen, zu meditieren und zu planen?“ [432]

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In der Stadt Trier und deren Umgebung war es zwischen 1586 und 1594 zu exzessiven Verfolgungen von Hexen gekommen, denen mehr als 300 Menschen zum Opfer gefallen waren. Zwar geschah dies vor der Zeit Friedrich Spees, als er jedoch „1610 bis 1612 das Trierer Noviziat besuchte, fanden vor dem Hochgericht Trier noch zahlreiche Prozesse statt, [...].“ [433] Es liegt zwar durchaus im Bereich des Möglichen, dass Spee hier zum ersten Mal direkt mit Hexenprozessen in Kontakt kam. Dass er als Beichtvater von Hexen fungierte, ist jedoch auch hier ausgeschlossen, da er sich noch in seinem Noviziat befand. Des Weiteren ist denkbar, dass Spee hier zum ersten Mal von Binsfeld und Loos gehört hat. „Die im Jesuitenkolleg verwahrte Handschrift von Loos erhielt er allerdings sicher nicht zur Lektüre.“ [434]

In Würzburg konnte Spee keinen Kontakt mit den Hexenprozessen gehabt haben: Er war dort zwischen 1612 und 1615 ansässig, die ersten großen Hexenprozesse fanden dort jedoch erst ab 1627 statt. [435]

Im Kurfürstentum Mainz gab es mehrere periodisch auftretende Wellen der Hexenverfolgung: Im 17. Jahrhundert traten sie dort vor allem in den Jahren um 1603, 1615 (mit maximalen Verfolgungen 1616) und 1627 bis ca. 1631 (mit maximalen Verfolgungen um 1629) auf. [436] Als jedoch Friedrich Spee zwischen 1618 und 1623 in Mainz weilte, war dies eine eher verfolgungsarme Zeit.

In Fulda hatte es zwar Hexenverfolgungen gegeben, in deren Folge knapp 250 Menschen gestorben waren. Diese Prozesse hatten jedoch zwischen 1603 und 1606 stattgefunden. [437] Spee hielt sich erst im Jahr 1612 in Fulda auf und konnte somit ebenfalls zum Zeitpunkt der Verfolgungen keinen direkten Kontakt mit den Opfern gehabt haben. Dennoch besteht die Möglichkeit, dass Spee durch seinen Aufenthalt in Fulda auf Hexenprozesse insgesamt, so zum Beispiel durch Kontakt mit Überlebenden, und auf die Rechtssprechung des Reichskammergerichts bei Hexenprozessen aufmerksam geworden ist. [438] Ob Spee sich jedoch zu dem Zeitpunkt bereits mit den Hexenprozessen beschäftigt hat, ist nicht bekannt.

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Die Stadt Speyer nimmt bezüglich von Hexenprozessen eine Sonderrolle ein, da die Stadt Sitz des Reichskammergerichts war. Dieses war zwar nicht erstinstanzlich für Hexenprozesse zuständig [439], dennoch konnte es bei Nichtigkeits- und Mandatsprozessen dort zur Verhandlung von Hexereidelikten kommen. [440] Zwar ist keine generelle Auffassung des Reichskammergerichts gegenüber dem Hexereidelikt ermittelbar, das Gericht wirkte jedoch bei Hexenprozessen meist mildernd bzw. prozesshemmend. Dies geschah zum Beispiel dadurch, dass das Gericht sich auf die gesetzlichen Regelungen der Constitutio Criminalis Carolina berief und auch den Gedanken des crimen exceptum bei Hexereiverfahren nicht akzeptierte. [441]

Dass Spee überhaupt von der Rechtssprechung des Reichskammergerichts zu Hexenprozessen wusste, erklärt sich aus dem Vorwort zur zweiten Auflage der Cautio Criminalis. Darin steht: „Aus diesen Gründen haben viele, sogar auch etliche Mitglieder des Reichskammergerichts zu Speier und des kaiserlichen Hofes, eine baldige Neuauflage für ratsam gehalten, um dadurch den Weg zu weiterer Prüfung und Erforschung der Wahrheit zu bereiten.“ [442] Folgt man somit der These, dass Spee selbst das Vorwort verfasst hatte, so muss er auch über die Rechtssprechung des Reichskammergerichts informiert gewesen sein, denn sonst wäre das Gericht nicht als Fürsprecher der Cautio Criminalis erwähnt worden. [443] Miesen vermutete, dass Spee in Speyer in Kontakt mit verschiedensten rechtlichen Werken gekommen war, welche sich mit Hexerei beschäftigen, darunter die Bulle Summis desiderantes, der Hexenhammer oder auch das Traktat Binsfelds. [444] Diese Angaben lassen sich jedoch nicht durch Quellen nachweisen. Somit kann nicht eindeutig geklärt werden, ob Spee während seines Aufenthalts in Speyer direkt mit Hexenprozessen, die am Reichskammergericht verhandelt wurden, in Berührung gekommen war.

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Der Kontakt zwischen Spee und den am Reichskammergericht verhandelten Prozessen zu Hexereidelikten sowie mit der relevanten Literatur ist ebenfalls zu späteren Zeitpunkten denkbar, zum Beispiel während Spees Aufenthalt in Paderborn. So wurden zwei Hexenprozesse am Reichskammergericht verhandelt, welche im Zusammenhang mit dem Hochstift Paderborn standen. [445] Dennoch weist Oestmann darauf hin, dass das Reichskammergericht zwar in der zweiten Auflage der Cautio Criminalis als Gegner der Hexenprozesse dargestellt wird, dessen Prozesse jedoch in dem Werk selbst keine Rolle spielten. [446] Dies könne einerseits auf die fehlende juristische Bildung Spees zurückzuführen sein, andererseits ein Hinweis dafür sein, dass die Entscheidungen des Reichskammergerichts „für Spees Ansichten keinesfalls prägend gewesen sein könnten.“ [447]

Spee hielt sich in Paderborn in den Jahren 1623 bis 1627 sowie 1629-1630/31 auf. Dies deckt sich mit dem Zeitpunkt der massiven Hexenverfolgungen, welche im Hochstift Paderborn um 1630 statt fanden. Von 1630 bis 1631 sind dort nachweisbar über 70 Personen der Hexerei bezichtigt und hingerichtet worden, allein in Büren wurden in den fünf Monaten zwischen Dezember 1630 und April 1631 55 Personen hingerichtet. [448]

Jerouschek vertritt die These, dass Spee sein Werk in Paderborn niedergeschrieben hat, und weist darauf hin, dass die Cautio Criminalis bestimmte Merkmale enthält, welche zeigen, dass sie kurzfristig verfasst worden sei. Sie vermittle den Gesamteindruck

„eines mit schneller Feder hingeschriebenen, wenig ausgefeilten Werkes mit vielen, stilistisch nicht mehr angezeigten Wiederholungen, in der Komposition der Dubia-Abfolge nicht ohne Verwerfungen, was freilich der überragenden Leistung der Cautio keinen Abbruch tut.“ [449]

Des Weiteren bemängelt Jerouschek die Anzahl der rechtswissenschaftlichen Literatur, die in der Cautio Criminalis angeführt worden war. Spee habe wichtige Dokumente nicht gekannt, welche eine argumentative Stütze für ihn hätten sein können, es mangele an protestantischer Literatur, er zitierte viele Werke nach Hörensagen, darunter den Appendix Delrios, habe diese Literatur nicht nachgeprüft, und es sei auch nicht sicher, ob Spee alle zitierten Werke eingesehen habe, da er die Informationen aus anderen Werken anführt. [450] Dies weise darauf hin, dass es Spees Intention gewesen war, das Werk so schnell wie möglich niederzuschreiben, um es zu veröffentlichen [451], damit es eine bremsende Wirkung auf die Hexenprozesse ausüben konnte. Somit habe sich Spee nicht damit aufhalten lassen die für ihn unklaren Literaturstellen nachzuprüfen.

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Aus diesen Gründen hält Jerouschek es für wahrscheinlich, dass die Arbeit an der Cautio Criminalis zeitnah vor ihrer Veröffentlichung begonnen hat. [452]

Demnach würde die Aussage Spees, er habe die Cautio Criminalis schon seit langer Zeit verfasst, in den Bereich der „frommen Lüge“ fallen. Wenn man davon ausgeht, dass er dieses Mittel bereits vorher angewandt hatte – Jerouschek ärgwöhnt dies ja ebenfalls bei dem „frommen Diebstahl“, durch den das Werk in den Druck gekommen sein soll – so können auch die Aussagen über die eigenen Erfahrungen Spees in Bezug auf die Hexenprozesse angezweifelt werden. [453]

Rekapituliert man die oben dargestellten Lebensstationen Spees so kommt man zu folgendem Schluss: Spee hatte sich zu verschiedensten Zeiten an Orten aufgehalten, an welchen Hexenprozesse der jüngeren Vergangenheit angehörten oder an denen Hexenprozesse während Spees Anwesenheit durchgeführt wurden. So sind die ersten Kontakte, welche er mit Hexenverfolgungen hatte, schon während der Zeit seines Noviziats in Trier 1610 bis 1612 denkbar. Auch ist es äußerst wahrscheinlich, dass Spee auf seinem weiteren Lebensweg mit Hexenverfolgungen konfrontiert wurde, so zum Beispiel in seiner Zeit in Fulda oder Speyer. So könnte Spee durch seine Erfahrungen den Gedanken gefasst haben, ein Werk über Hexenprozesse zu veröffentlichen und eventuell bereits einige Stichpunkte niedergeschrieben haben. Dass eine Ur-Cautio existiert hat, ist somit durchaus denkbar. [454]

Zu den Angaben Spees, als Beichtvater von Hexen tätig gewesen zu sein, gibt es zwei Möglichkeiten diese Aussagen zu betrachten. Die erste ist, man glaubt Spee, dass die geschilderten Erfahrungen seine eigenen waren und macht den Mangel an Quellenmaterial dafür verantwortlich, dass diese Erfahrungen nicht nachprüfbar sind. [455] Wenn auch nicht unbedingt immer als Beichtvater, so ist Kontakt zwischen Spee und Überlebenden von Hexenprozessen oder anderweitig in Hexenprozessen involvierten Personen (zum Beispiel Richter oder Beichtväter) sowohl in Fulda als auch in Köln, Speyer oder Paderborn denkbar.

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Die zweite Möglichkeit ist, dass man davon ausgeht, dass Spee nicht alle erwähnten Erfahrungen selbst gemacht hat, er sie aber als solche klassifiziert hat, um plausibler argumentieren zu können. Eine mögliche Quelle dieser Informationen wären zum Beispiel Gespräche mit Beichtvätern von Angeklagten, welche der Hexerei angeklagt waren.

Es gibt mehrere Gründe, die dafür sprechen, dass sich Spee während seines Aufenthalts in Paderborn 1629-1630/31 das Wissen über die Hexenprozesse angeeignet haben könnte. So hatte Spee, der ja seiner Professorenstelle in Paderborn enthoben wurde, dadurch genug Zeit, um ausführlich zu recherchieren und die Cautio Criminalis zu verfassen. [456] In einem Bericht des Pater Johannes Grothaus spricht dieser davon, dass Spee sich bei der Bekehrung einer jungen Frau über die Folter äußerte: „Dann malte er ihr die Schmerzen eines starken und tapferen Soldaten aus, der jedoch durch Folterungen so gebrochen war, daß er lieber Unwahres für wahr hielt, als aufs neue gefoltert zu werden.“ [457] Spee hatte sich folglich bereits um 1625 mit den Auswirkungen der Folter beschäftigt und war zu dem Schluss gekommen, dass sich Unschuldige auf der Folter für schuldig bekennen. [458]

Somit erscheint es wesentlich plausibler, dass grundlegende Gedanken zur Niederschrift des Werkes bereits vorhanden waren, eventuell sogar einige Abschnitte bereits verfasst worden waren. Ebenso hätte Spee in den Jahren vor 1630 Recherchen in Form von Gesprächen mit Richtern und weiteren Beichtvätern führen, sowie sich über Hexenprozesse generell informieren können. So ist es durchaus denkbar, dass die Cautio Criminalis in ihrer Grundstruktur ein „schon längst verfasstes“ Werk war.

Die Hexenprozesse in Paderborn um 1630 wären somit ein aktueller Anlass für Spee, das Werk so schnell wie möglich zu vollenden, wozu er aktuelle Literatur heranzog. So ist zumindest sicher, dass die Cautio Criminalis, aufgrund der darin zitierten Literatur, erst nach 1630 fertiggestellt wurde.

Mögliche Lücken in der Recherche wären damit zu erklären, dass Spee das Buch möglichst schnell veröffentlichen wollte, damit es den Prozessen entgegenwirkte und möglichst viele Menschen rettete. Dem widerspricht nicht das Auftauchen unstimmiger Meinungen (zum Beispiel zur Frage der Existenz von Hexen) als stilistisches Mittel.

Dieser Theorie vorausgesetzt ist, dass die Veröffentlichung sowohl mit dem Wissen als auch mit der Billigung Spees erfolgt war.

3. Rezeptions- und Wirkungsgeschichte

3.1 Die Auswirkungen der Publikation auf Friedrich Spee

Innerhalb des Jesuitenordens kam es bereits kurz nach der Publikation der Cautio Criminalis zu Reaktionen an oberster Stelle: Der Ordensprovinzial Goswin Nickel hatte am 26. Mai 1631 an den Ordensgeneral Vitelleschi geschrieben und ihn dort über das Buch unterrichtet, welches ohne Druckerlaubnis des Ordens veröffentlicht worden war. Die Antwort Vitelleschis erfolgte durch einen Brief vom 19. Juli 1631. Darin sprach er sich zunächst für eine eingehende Untersuchung aus, die prüfen sollte, ob Spee von der Veröffentlichung des Buches gewusst habe. Weiterhin erwog der General eine Änderung beziehungsweise Korrektur bestimmter Aussagen. Hierbei wird vermutet, dass Vitelleschi von den Abschnitten sprach, in denen die Fürsten direkt angegriffen wurden. [459] Eine Bestrafung Spees wurde in dem Brief nicht gefordert, wohl aber eine abschreckende Strafe des Druckers, „da dieser ‚offenbar gegen das von Seiner Majestät dem Kaiser erlassene Gesetz verstieß, nach dem kein von einem der unsrigen geschriebenes Buch ohne Genehmigung der Gesellschaft herausgegeben werden darf.“ [460] Hintergrund dieses Vorwurfs sind die Regelungen zur Zulassung eines Drucks im Rahmen der Bücherzensur des Reiches. Zwar waren laut Bücherzensur sowohl der Ort des Druckes als auch der Name des Druckers angegeben, es fehlte jedoch die Druckerlaubnis des Jesuitenordens, welcher eine Sonderrolle einnahm:

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„Der Jesuitenorden hatte vom Kaiser ein General-Privilegium impessorium erhalten. Die Jesuiten hatten fast alle katholisch-theologischen Fakultäten im Reich in Händen und genossen wegen ihrer Rechtgläubigkeit in Wien so hohes Ansehen, daß ihre ordensinterne Vorzensur anerkannt war und sie von der weltlichen Zensur ausgenommen waren.“ [461]

Laut dieser Regelung mussten alle Mitglieder der Societas Jesu ihr Werk der ordensinternen Zensur unterlegen, bevor es gedruckt werden konnte, anstatt die Zensur, wie es gemeinhin der Fall war, von Universitätsfakultäten durchführen zu lassen. Das Fehlen der ordensinternen Druckerlaubnis war somit der Anlass der Beschwerde des Ordensgenerals.

Allerdings glaubte der Ordensgeneral den Aussagen Spees, dass die Cautio Criminalis ohne dessen Wissen gedruckt worden war und so verfasste Vitelleschi am 2. August 1631 einen Brief an Spee, in dem er schrieb, er habe dem Provinzial mitgeteilt „daß er – wenn nichts anderes vorliege – Spee zu den letzten Gelübden zulassen solle.“ [462] Als sich in einem weiteren Brief des Ordensgeneral an den Provinzial Peter Nickel herauskristallisierte, dass Vitelleschi davon ausging, dass die Cautio Criminalis mit Wissen Spees publiziert worden war, änderte er jedoch nicht seine Meinung bezüglich der Zulassung Spees zu den letzten Gelübden. Dies lässt Franz zu folgendem Schluss kommen:

„Vitelleschi und Nickel waren anscheinend beide überzeugt, daß der Druck der Cautio mit Wissen Spees erfolgt sei, und haben dennoch dessen Entschuldigung akzeptiert und die denkbar mildeste Form eines ‚ernstlichen’ Verweises gewählt. Diese erstaunliche Nachricht gegen ein Übertreten des Gehorsamsgebot durch einen notorisch renitenten Pater kann nur den Grund haben, daß General und Provinzial beide das Erscheinen der Cautio Criminalis gegen den Wahnsinn der Hexenprozesse mehr oder weniger sachlich gebilligt haben!“ [463]

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Die wohlwollende Auffassung des Ordensgenerals gegenüber Spee währte jedoch nur bis zur Veröffentlichung der zweiten Auflage der Cautio Criminalis ein Jahr später. Am 28. August 1632 schrieb Vitelleschi einen erbosten Brief an Nickel, in dem er über Spees Ungehorsam erzürnt ist:

„[...] der gute Mann ist im Umgang mit seinen Oberen unaufrichtig. Wir haben allen Grund, von einem Menschen mit einer solchen Gesinnung in Zukunft noch schlimmeres zu befürchten [...] wenn er nicht zu einem anderen Orden übergehen will, muß ein Mittel gesucht werden, ihn nicht nur für seine bisherigen Übertretungen streng zu strafen, sondern ihn auch durch die Wachsamkeit der Oberen so straff zu zügeln, daß er durch seine Unklugkeit und Unbesonnenheit unserer Gesellschaft wohlmöglich wenig schadet. Wenn die Gesellschaft von diesem Pater nicht befreit werden kann, [...].“ [464]

Da Spee die letzten Gelübde noch nicht abgelegt hatte, war es durchaus noch möglich ihn aus dem Orden zu entlassen. Allerdings bekam Spee Unterstützung von dem Ordensprovinzial Nickel, welcher sich dafür einsetzte, dass Spee im Orden bleiben durfte. Diese Reaktion erklärt Franz damit, dass Nickel schon im Vorfeld von dem Druck gewusst hatte und ihn auch billigte. [465] Aufgrund dieser Fürsprache verfasste der Ordensgeneral am 4. Dezember 1632 einen Brief, in welchem er antwortete, dass Spee zwar nicht zwanghaft aus dem Orden austreten müsse, er solle stattdessen selbst in gütlicher Weise die Societas Jesu verlassen. Vitelleschi und Nickel korrespondierten weiter über das Thema, ob Spee aus dem Orden austreten soll oder nicht, bis Vitelleschi in einem Brief vom 25. Februar 1634 Spees weitere Mitgliedsschaft bestätigte; Spee wurde jedoch nach Trier versetzt. [466]

Dass Spee Mitglied des Jesuitenordens war, bedeutete einen gewissen Schutz für ihn. Der Jesuitenorden hatte seit seiner Gründung im Jahr 1540 einen permanenten Aufschwung erlebt und fasste im Jahr 1627 bereits über 15000 Mitglieder. [467] Durch die Bereitstellung von kostenloser Bildung für Jungen sowie durch die Tätigkeit von Jesuiten als Beichtväter hatte der Orden sowohl gesellschaftlich wie auch politisch relevantes Gewicht gewinnen können. [468] Gerade in dem Gebiet des Alten Reiches war der Einfluss des Ordens, auch bedingt durch die gegenreformatorischen Bestrebungen der Jesuiten, groß. Eine einheitliche Auffassung des Ordens zu den Hexenverfolgungen gab es jedoch nicht. Dies ist bereits daran ersichtlich, dass sowohl Delrio wie auch Tanner dem Orden angehörten, jedoch inhaltlich konträre Werke veröffentlichten.

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Der Grund, warum Spee durch seine Mitgliedschaft im Jesuitenorden Schutz erhielt, kann somit nicht im Inhalt des von ihm publizierten Werks gesucht werden. Vielmehr waren politische Überlegungen ausschlaggebend, warum gegen Spee nicht stärker (wie zum Beispiel im Fall Loos') vorgegangen wurde. Ebenfalls erklärt dies, warum der Ordensgeneral einen Austritt Spees aus dem Orden für möglich erachtete: „Bevor man einen Kriminalprozeß gegen ein Ordensmitglied geduldet hätte, was dem Ansehen des Ordens in der Öffentlichkeit erheblich geschadet hätte, hätte man dem [sic] Angeklagten lieber fortgeschafft.“ [469]

Ritter verweist darauf, dass nicht die Zugehörigkeit zum Jesuitenorden Spee vor einem schlimmeren Schicksal bewahrt habe, sondern dass dies auch auf Spees Beziehungen in oberen Gesellschaftsschichten zurückzuführen sei [470]:

„In ganz unmittelbare Beziehungen zum Hause Wittelsbach stand Friedrich Spees engere Familie, die Spee von Langenfeld, schon seit Generationen. Noch zuletzt hatten sein Großvater und sein Vater Peter von Spee im Dienste der wittelbachischen Kurfürsten von Köln, die Herzöge von Bayern waren, hohe Ämter und Vertrauensposten innegehabt.

Es ist auch nicht zu übersehen, daß die adligen Häuser, in denen Spee als Standesgenosse empfangen wurde [...], zu den einflußreichsten Familien des Niederrheins und des Hochstifts Paderborn gehörten.

Spees Stellung im Orden war stark, denn es war immer zu befürchten, daß ein scharfes Vorgehen gegen den Verfasser der «Cautio Criminalis» in dieser oder jener Residenzstadt beider Parteien ungnädig aufgenommen werden und der Gesellschaft Jesu Verdrießlichkeiten bereiten konnte“ [471]

Diese Annahme wird von Lohausen jedoch mit Hinweis auf historische Zeugnisse widerlegt: „Aus Küchenmeister und Amtmann werden ‚hohe Ämter’, [...]“. [472] Des Weiteren bemerkt Lohausen zu der These des Rückhalts aus adeligen Häusern:

„Einmal abgesehen von der Legende, die Ritter hier strickt, um das Ansehen der Spee von Langenfeld zu überhöhen, kann man denn wirklich annehmen, daß in der Atmosphäre wahnhaften Terrors, in welcher der Wittelsbacher Fürst mit seiner Hexenverfolgung agierte, ihn der Hinweis hätte beeindrucken können, daß Vater und Großvater des aufsässigen Paters Spee seinem Fürstenhause einst als Verwaltungsbeamte zu Diensten waren?

[...] Sollten aber die Gründe für das Wohlverhalten des Jesuitengenerals und seines rheinischen Provinzials Goswin Neckel [sic] gegenüber dem Autor der Cautio Criminalis nicht sehr viel mehr in deren Einsicht und Verständnis gesucht werden, als in ihrer vermeintlichen Furcht vor mächtigen Gegnern im adeligen Familienclan des Spee'schen Sorgenkindes?“ [473]

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So soll auch an dieser Stelle betont werden, dass es vor allem dem Einsatz des Ordensprovinzials Nickel zu verdanken ist, dass Spee dem Orden weiterhin angehören konnte und somit auch einen gewissen Schutz vor den Befürwortern der Hexenverfolgungen genießen konnte. Trotz der Probleme, die Spee mit dem Ordensgeneral aufgrund des Drucks der Cautio Criminalis bekommen hatte, wurde er schließlich vollständig rehabilitiert. Anzeichen der Rehabilitation war Spees Erhalt des Lehrstuhls für biblische Exegese 1634 in Trier.

3.2 Rezeption und langfristige Wirkung

Die Rezeptions- und Wirkungsgeschichte der Cautio Criminalis schlägt sich in drei unterschiedlichen Bereichen nieder. Der erste Bereich umfasst die unmittelbare Rezeption und Reaktion auf die Publikation des Werkes. Der zweite Bereich betrifft die Würdigung oder Kritisierung des Werkes im Rahmen der Literatur, die sich mit Hexen und Hexenprozessen befasste. Und der dritte Bereich besteht aus der Frage, ob es aufgrund der Publikation des Werkes zu einer Änderung oder auch Abschaffung von Hexenprozessen gekommen ist. Dieser letzte Teil beschäftigt sich somit mit der Realität der Hexenprozesse nach Drucklegung der Cautio Criminalis.

Eine der wohl unmittelbarsten Reaktionen auf die Cautio Criminalis war die des Paderborner Weihbischofs Pelcking in einem Brief vom 16. Mai 1631 an den Bischof von Osnabrück, indem er das Werk als liber pestilentissimus bezeichnete. Das Buch „stecke voll verleumderischer Anwürfe gegen Fürsten und Staatsdiener, gegen Obrigkeiten und Richter und scheue sich nicht die Erstlinge der Märtyrer mit den verruchten, lügenhaften Hexen zu vergleichen.“ [474]

Eine weitere Reaktion auf die Cautio Criminalis stammte von einem Jesuiten, dem Theologieprofessor Peter Roestius, welcher dafür sorgen wollte, dass das Buch auf dem Index librorum prohibitorum [475] auftauchte. Dies lehnte der Ordensgeneral jedoch ab. Spee müsse sich keine Sorgen machen, dass sein Buch im Index aufgenommen werde. „Die Absicht des P. Roestius, Spees Cautio auf den Index librorum prohibitorum zu bringen, wurde vom General nicht nur aus sachlichen Gründen strikt abgelehnt. Neben Mitgliedern der verschiedenen kirchlichen Orden kamen besonders viele Jesuiten auf den Index.“ [476] Somit war es

„eine Panne für den Orden, wenn eine Schrift eines Jesuiten auf den Index kam. Die Rechtgläubigkeit oder das rechte kirchliche Handeln des Ordens als ganzes wurde dadurch in Frage gestellt. Daß ein Ordensmitglied seinen eigenen Mitbruder in Rom denunzierte, durfte nicht vorkommen.“ [477]

Des Weiteren konnte Sönke Lorenz nachweisen, dass die Cautio Criminalis im Jahr 1632 vom Coburger Schöppenstuhl als Argumentationsstütze gegen Hexenprozesse in Gutachten genutzt wurde. [478] „Das Beispiel Coburg, um es kurz zusammenzufassen, zeigt bereits, daß die Cautio Criminalis in der Rechtswissenschaft Beachtung fand und umgehend rezipiert worden ist.“ [479] Auch andere Gerichte kannten das Werk und zitierten hieraus. [480] Dennoch stellt Lorenz heraus, dass die Frage nach der Rezeption der Cautio Criminalis weder umfassend noch abschließend beantwortet werden kann, da die Rechtswissenschaft des 17. und 18. Jahrhundert nicht ausreichend erforscht sei. [481]

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Hinzu kommt die Einflussnahme der Cautio Criminalis in der fachlichen Literatur des 17. Jahrhunderts. So wurde im Jahr 1634 ein Werk publiziert, welches für die Durchführung von Hexenprozessen argumentierte: Die von dem Hexenkommissar Dr. Heinrich Schuldheiß verfasste Schrift mit dem Titel Instruction, wie in Inquisitionssachen des greulichen Lasters der Zauberei gegen die Zauberer, der göttlichen Majestät und der Christenheit Feinde, ohne Gefahr der Unschuldigen zu prozedieren. Auf die Cautio Criminalis ging Schuldheiß jedoch nur indirekt ein. [482] Stattdessen legte er sein Hauptaugenmerk auf Tanner als Kritiker der Hexenprozesse. [483] Schultheiß war, wie auch Pelcking und Roestius, Katholik. Doch Kritik gegen die in der Cautio Criminalis vertretenden Themen gab es ebenso von protestantischer Seite. Zu den protestantischen Autoren, welche Werke verfassten, die sich gegen die Cautio Criminalis richteten, zählt Geilen Heinrich Rimphoff, der 1647 das Werk Drachenkönig [484] herausgab, Nikolaus Brandt, welcher 1662 über den Hexenprozess dissertierte sowie Christian Daurer und Johann Volkmar Bechmann. [485]

Konträr dazu findet sich ebenfalls positive Resonanz auf die Inhalte der Cautio Criminalis. Auf Seiten der Katholiken sind diese 1650 in den Annales ad 1630 von Pater Türck und 1676 in dem Werk Hochnötige Unterthanige wemütige Klage Der Frommen Unschültigen von Hermann Löher. [486] Auf Seiten der Protestanten sind es 1635 Matthäus Meyfart [487], 1633 Wilhelm Antonii [488] 1639 Justus Oldekop [489] und 1691 Balthasar Bekker [490], welche sich gegen Hexenverfolgungen aussprechen. [491]

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Hierbei wird ersichtlich, dass zwischen Katholiken und Protestanten kein Unterschied in der Rezeption der Cautio Criminalis bestand. Von beiden Seiten gab es positive wie auch negative Resonanz. Diese Entwicklung, dass keine konfessionelle Parteien- und Meinungsbildung hier offensichtlich wird, bleibt auch langfristig bei den Reaktionen auf die Cautio Criminalis bestehen. Es bestand jedoch die Tendenz, dass protestantische Autoren, welche gegen Hexenprozesse argumentierten, sich eher auf die Cautio Criminalis stützen als katholische Autoren, welche sich vor allem auf Tanner beriefen. [492] Dennoch war die Wirkung der Cautio Criminalis in der zeitgenössischen Literatur insgesamt eher gering: Geilen liefert eine Aufstellung von 12 Personen, welche Werke über Hexenverfolgungen verfassten (sowohl pro als auch contra), denen die Cautio Criminalis jedoch nicht bekannt war. Unter diesen Personen ist auch der bedeutende lutheranische Jurist Benedikt Carpzov (1595-1666) zu finden. [493] Auch die nicht existierende Auflistung der Cautio Criminalis in den Ordensschriften der Jesuiten aus dem Jahre 1643 fasst Geilen als Indiz dafür auf, dass das Werk dem Großteil der Jesuiten unbekannt war. [494] Und auch Holzhauer betont, dass Spee in der kriminalistischen Literatur eher gering rezipiert wurde. [495] Auch die Bedeutung der Cautio Criminalis für das Verfassen von Rechtsgutachten war nicht sehr hoch: „Sie wurde zwar fast sofort nach ihrer Drucklegung, aber nur sporadisch von Juristen zitiert.“ [496]

Genau das Gegenteil, nämlich dass die Cautio Criminalis in hohem Maße rezipiert worden sei und eine große Wirkung aufgewiesen habe, wird im Vorwort der 1632 erschienenen zweiten Auflage dargestellt. Dort schrieb der Herausgeber: „Die erste Auflage dieses Buches [...] hat bei vielen frommen und auch gelehrten Männern Aufsehen erregt [...]“ [497] und führt weiter aus: „Es hat auch so manchen Nationen und Fürsten das Gewissen geschlagen, und sie haben nach der Lektüre und sorgsamer Prüfung des Buches ihre Prozesse abgebrochen [...]“ [498]

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Auch Leibniz berichtet in seinen Briefen von einer bahnbrechenden Wirkung des Werkes: So habe sich der Kurfürst und Mainzer Erzbischof Johann Philipp Schönborn von der Cautio Criminalis derart beeinflussen lassen, dass er alle Hexenprozesse in seinem Herrschaftsbereich habe einstellen lassen. „Diesem Beispiel seien die Herzöge von Braunschweig und die meisten anderen Fürsten und Staaten Deutschlands gefolgt.“ [499] Auch die Einstellung der Hexenprozesse seitens der Schweden sei auf die Cautio Criminalis zurückzuführen. [500]

Dennoch weisen sämtliche Forscher, welche sich mit der Wirkung der Cautio Criminalis beschäftigen, darauf hin, dass die Wirkung der Cautio Criminalis eben nicht derart stark gewesen war, wie in dem Vorwort der zweiten Auflage und bei Leibniz berichtet wird.

So sind zwischen der ersten Auflage 1631 und der zweiten Auflage ein Jahr später keine grundlegenden Reaktionen nachweisbar, welche die Aussagen im Vorwort verifizieren könnten. Auch die Aussage, dass Nationen und Fürsten die Hexenprozesse eingestellt haben, kann nicht ungeprüft stehen gelassen werden. Zwar erfolgte in der Tat eine Abschaffung der Hexenprozesse durch Fürsten, allerdings geschah dies zum ersten Mal im Jahr 1647, also 15 Jahre nach Erscheinen der zweiten Auflage. Der Verfasser des Vorwortes kann dies folglich unmöglich geahnt haben. Franz interpretiert das Vorwort, welches er Spee zuschreibt, als ein rhetorisches Mittel. Demnach wurde „die erwünschte Absicht des Buches als vollendete Tatsache hingestellt, um die Wirkung beim Leser zu erhöhen. [...] Diese Vorrede war keine ‚fromme Lüge‘, sondern Propaganda [...].“ [501]

Auch bei der Frage, inwieweit sich die Fürsten von der Cautio Criminalis haben beeinflussen lassen, ist Vorsicht geboten. Zwar ist es historisch nachweisbar, dass durch einen Erlass des Kurfürsten und Mainzer Erzbischofs Johann Philipp von Schönborn im Jahr 1647 alle Hexenprozesse in seinen Territorien beendet wurden. [502] Dennoch kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Cautio Criminalis die alleinige Ursache dafür gewesen war. Denn Schönborn habe bereits durch vorherige Taten eine tolerante und humane Haltung gezeigt. [503] „Es kann also nicht überraschen, wenn Johann Philipp von Haus aus gegen die Hexenprozesse gestimmt war. Zu erwähnen wäre noch, daß er sicher zahlreiche Beispiele des Hexenwahns in Würzburg und Köln selbst gesehen hat.“ [504] Schönborns Beziehungen zum französischen Hof sieht Pohl als Möglichkeit, die Auffassung des Erzbischofs zu Hexenprozessen zu erklären. Frankreich nahm seit den 20er Jahren des 17. Jahrhunderts eine gemäßigte Haltung zu den Hexenverfolgungen ein. Zu dieser Zeit wurden über zwei Drittel der wegen Hexerei Angeklagten freigesprochen. [505] Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Cautio Criminalis gar keinen Einfluss auf die Entscheidung Schönborns hatte. So könnte das Werk „eine entscheidende Rolle gespielt oder auch den letzten Stoß“ [506] für ebendiese Entscheidung für die Abschaffung der Hexenprozesse gegeben haben. Da Schönborn selbst jedoch nie einen Grund für die Verabschiedung des Erlasses genannt hat [507], kann nicht zweifelsfrei ermittelt werden, welche Rolle die Cautio Criminalis hierbei gespielt hat.

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Ähnlich verhält es sich bei der Abschaffung der Hexenprozesse in Bremen von Seiten der schwedischen Königin Christina (reg. 1632-1654), welche durch einen Erlass aus dem Jahr 1649 erfolgte. Hier soll der Einfluss der deutschen Übersetzung von Johann Seifert aus dem Jahr 1647 Königin Christina zur Beendigung der Prozesse bewegt haben. [508] Dennoch ist auch hier fraglich, ob dies gänzlich auf den Einfluss der Cautio Criminalis zurückgeführt werden kann. Denn von „den Schweden ist bekannt, daß sie schon früher in den von ihnen besetzten Territorien die Hexenprozesse eingestellt haben.“ [509]

Des Weiteren führt Geilen Kurbrandenburg als ein Territorium auf, in welchem die Hexenprozesse unter dem Kurfürst Friedrich Wilhelm I. von Brandenburg (reg. 1640-1688) eingeschränkt wurden, dies geschah jedoch in erster Linie durch „eine genaue Beachtung der Prozeßvorschriften, insbeondere der CCC“ [510].

Betrachtete man das gesamte Reichsgebiet, so wird deutlich, dass die Cautio Criminalis dort eine sehr geringe bis gar keine Wirkung erzielte. [511] Auch wenn die Höchstphase der Hexenverfolgungen nach 1630 beendet war, wurden weiterhin als Hexen verdächtige Personen verhaftet, gefoltert und verurteilt.

Eine eindeutige Wirkung der Cautio Criminalis lässt sich somit nur Anhand der Anzahl ihrer Nachdrucke belegen. Oorschot sieht die Wirkung der Cautio Criminalis in erster Linie im Ausland und verweist auf die Ausgaben in Polen, Frankreich und den Niederlanden. [512] Auch die Tatsache, dass es im Alten Reich ein Jahr nach der Erstauflage 1631 bereits einen zweiten Druck gegeben hatte, scheint zumindest zu bestätigen, dass die erste Auflage viel gelesen worden war. Dennoch müssen auch hier Einschränkungen gemacht werden: „Nähere literatursoziologische Feststellungen über die Breite der Leserschaft können nicht getroffen werden, weil nicht einmal die Höhe der einzelnen Auflagen bekannt ist.“ [513]

Die Wirkung der Cautio Criminalis ist folglich als gering einzustufen.

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Leibniz hat in seiner Darstellung über die Wirkung der Cautio Criminalis somit offensichtlich übertrieben. Zu den Gründen für diese Übertreibung zählt Marigold zum einen die Möglichkeit, dass Leibniz bestimmte Details schlichtweg vergessen und somit falsch wiedergegeben habe, zum anderen könne er bestimmte Dinge absichtlich hinzugefügt haben. [514] „Wahrscheinlicher ist aber m.E., daß Leibniz nicht nur von Johann Philipp sondern auch von anderen Gewährsmännern, die er dann aus Vergeßlichkeit oder mit Absicht nicht genannt hat, Berichte über Spee gehört bzw. gelesen habe.“ [515] Trotz der historischen Ungenauigkeit Leibnizens sowie seinen Übertreibungen hinsichtlich der Wirkung der Cautio Criminalis, wurde das Buch gerade durch die Aufmerksamkeit durch Leibniz und Thomasius zu Beginn des 18. Jahrhunderts wieder bekannt und populär. So vermutet Geilen, dass Leibniz und Thomasius für die Verbreitung von Spees Thesen im Preußischen Königshaus verantwortlich waren, welches zu Beginn des 18. Jahrhunderts Gesetze gegen die Durchführung von Hexenprozessen erließ. Hier jedoch wird die Frage aufgeworfen, ob dies noch zur Wirkung der Cautio Criminalis gerechnet werden kann oder ob die Ursachen für die Beendigung der Hexenprozesse stattdessen nicht eher in den gesellschaftlichen Strömungen des 18. Jahrhunderts, vornehmlich der Aufklärung, lagen. Lorenz führt dies folgendermaßen aus: „So hatte die historische Entwicklung um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert in Deutschland – mit Ausnahme weniger Enklaven – einen Zustand erreicht, in dem sich Spees Forderungen mit den Realitäten des Prozeßalltags zu decken begannen.“ [516]

IV. Fazit

Ungefähr ab dem Jahr 1560 begannen die insgesamt größten Wellen an Hexenprozessen. In all diesen Jahren wurden die aufkommenden Verfolgungen begleitet von Schriften, welche für oder gegen die Prozesse argumentierten. Die Cautio Criminalis ist eines dieser Werke, welches in der Tradition von Autoren wie Tanner oder Weyer steht, und sich massiv gegen die Hexenprozesse ausspricht. Dennoch unterscheidet sich die Cautio Criminalis in einem Punkt von den übrigen Schriften der Verfolgungsgegner: Sie klammert den Hexereibegriff und die Diskussion um die Existenz von Hexen aus und beschränkt sich stattdessen auf eine rein juristische Argumentation. In der Cautio Criminalis ging es nicht mehr primär um die Frage, ob Hexerei theoretisch überhaupt möglich sei. Zwar wird direkt zu Beginn des Werkes explizit gesagt, dass es Hexen gebe, und an späterer Stelle wird die Macht des Teufels betont. Dennoch bezieht sich das Werk nicht auf eine Bestätigung oder Widerlegung des zu dem Zeitpunkt gültigen Hexereibegriffes, von der Forschung „kumulativer Hexereibegriff“ genannt. Vielmehr griff der Autor die Prozesse und deren Durchführung direkt und intensiv an. Viele Forscher geben hierfür als Grund an, dass der Autor selbst nicht an die Existenz von Hexen glaubte. Friedrich Spees Ziel war es vermutlich – obwohl er zeitlebens bestritten hatte etwas mit der Veröffentlichung zu tun zu haben – eine Verbreitung seiner Schrift voran zu treiben und somit die Zahl der Hexenprozesse zu schmälern. Diese Verfahrensweise war nur möglich, indem er eine juristisch einwandfreie Schrift darlegte in welcher keine theologisch-zweifelnden Fragen auftraten. Die Beispiele der vorherigen Gegner der Hexenprozesse wie Weyer, Loos oder Tanner hatten gezeigt, dass eine theologische Argumentation nicht zu der Beendigung der Prozesse führte, sondern dass es stattdessen zu Angriffen der Befürworter auf diese Autoren kam. Weyers Werk kam auf den Index, Loos wurde zum Widerruf gezwungen und manche forderten, dass Tanner selbst der Hexenprozess gemacht werden sollte. Da deren Argumente keine Erfolge brachten, musste somit ein Strategiewechsel erfolgen, welcher in der Cautio Criminalis umgesetzt wurde.

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Als das Werk im Jahr 1631 in der ersten Auflage veröffentlicht wurde, hatten die massivsten Hexenverfolgungen gerade ihren Zenit überschritten. Der Hexereibegriff, welcher sich in dieser Form in etwa seit den 1440er Jahren herausgebildet hatte, war in der Gesellschaft vollständig etabliert. Durch juristische Schriften, die sich mit der Ahndung des Hexereideliktes beschäftigten, hatte die Betrachtung des Strafbestands der Hexerei als crimen exceptum Eingang in das Rechtssystem gefunden. Die so durchgeführten Verfolgungen orientierten sich nicht an den Regelungen der Carolina, welche im Vergleich eher mäßigend waren, sondern beinhalteten ein System, in welchem eine exzessive Anwendungen der Folter praktiziert wurde und bei welchem ein einmal Angeklagter im Grunde keine Möglichkeit mehr besaß den Mühlen der Justiz und somit auch einer Hinrichtung zu entkommen.

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung der Cautio Criminalis, welche während des Höhepunktes der Verfolgungen erfolgte, ist somit keineswegs verwunderlich. Auch eine anonyme Publikation ist nachvollziehbar, angesichts der oben bereits genannten Angriffe auf die Autoren gegnerischer Schriften zu den Hexenverfolgungen. Dass der Jesuitenpater Friedrich Spee die Cautio Criminalis verfasst hat, war jedoch ordensintern sehr schnell bekannt. Auch, wenn dessen Autorschaft weder zu seinen Lebzeiten noch in den darauf folgenden Jahrzehnten öffentlich publiziert wurde, verweisen die überlieferten Quellen aus dem 17. Jahrhundert stark auf seine Autorschaft.

Die Entstehung der Cautio Criminalis bedingt sich durch das zeitliche Umfeld, welches Spee direkt miterlebte. Er hatte sich zeitlebens in Gebieten aufgehalten, in welchen Hexenverfolgungen der jüngsten Vergangenheit angehörten oder während seines Aufenthalts dort stattfanden. Auch wenn er nicht vornehmlich mit Hexenprozessen in Kontakt kam, so erscheint es doch wahrscheinlich, dass er von ihnen wusste, ihnen im Laufe der Zeit immer kritischer gegenüberstand und schließlich zu dem Schluss kam, ein Werk gegen die Prozesse verfassen zu müssen. Wann genau er mit dem Schreiben der Cautio Criminalis begonnen hat, lässt sich nicht rekonstruieren. Fest steht lediglich, dass er das Werk Ende 1630 oder Anfang 1631 vollendet haben muss.

Obwohl es bereits ein Jahr nach der Erstveröffentlichung eine zweite Auflage gab, in welcher der Cautio Criminalis eine großartige Wirkung bescheinigt wurde, war die tatsächliche Wirkung des Werkes eher gering. Es wurde zwar in Teilen der juristischen Literatur zitiert und auch in Gutachten zur Argumentationsstütze gegen Hexenprozesse verwendet. In vielen Werken wurde jedoch kein Bezug auf die Cautio Criminalis genommen. Eine Einflussnahme der Cautio Criminalis auf die Beendigung der Prozesse unter Johann Philipp von Schönborn und Königin Christina von Schweden ist zwar durchaus möglich und denkbar, dem Werk allein kann dies jedoch nicht zugeschrieben werden.

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Auch wenn die Zahl der Hexenverfolgungen nach 1630 auf deutschem Gebiet stark abnahm, so war der Hexenglaube durchaus noch in der Bevölkerung verankert. Dies lässt sich auch daran erkennen, dass es auch nach der Cautio Criminalis im 17. Jahrhundert noch zahlreiche Veröffentlichungen von Werken gab, welche für oder gegen Hexenprozesse argumentierten. Dass die Hexenprozesse schließlich aufhörten, hatte verschiedene Gründe, resultierte in erster Linie jedoch aus einer veränderten Geisteshaltung:

„In ihrer Gesamtheit stellten die Veränderungen der Geisteshaltung der gebildeten Europäer eine intelektuelle Revolution dar, welche die Vorherrschaft der Scholastik in Europa beendete und unter anderem viele Glaubensvorstellungen zerstörte, die den Hexenverfolgungen zugrunde gelegen hatten.“ [517]

Im Zuge dessen wurde die tatsächliche Existenz von Hexen zunehmend stärker in Frage gestellt, was die Einschränkungen der juristischen Maßnahmen in Hexenprozessen beinhaltete. [518] Die einsetzende Aufklärung hatte den Hexenverfolgungen den Kampf angesagt. Ihre Vertreter stellten die Befürworter der Prozesse bloß und sorgten für eine Skandalisierung der nach 1700 auftretenden Hexenprozesse. [519] Erst zu diesem Zeitpunkt, über 70 Jahre nach der Erstveröffentlichung der Cautio Criminalis, wurde dem Werk eine breitere Rezeption zuteil, welche vor allem Leibniz und Thomasius zuzuschreiben war. Die lateinische Ausgabe der Cautio Criminalis aus dem Jahr 1731 war die erste, welche unter dem Namen Friedrich Spee erschien.

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Trotz nicht vollständig aufgeklärter Unstimmigkeiten, so zum Beispiel in der Überlieferung der Verfasserschaft durch Leibniz, und trotz zum Teil stark divergierenden Auffassungen zu Spees Persönlichkeit oder Motivation, sind sich die Forscher in einem Punkt einig. Sie würdigen die Cautio Criminalis als eines der bedeutsamsten Werke gegen die Hexenprozesse. Spees Wille und Ziel, sich auch gegen Obrigkeiten zu stellen, um möglichst viele Leben retten zu können, sind deutlich zu spüren ebenso wie die Menschlichkeit, die aus der Cautio Criminalis spricht und durch welche sich das Buch, neben rhetorischer und juristischer Argumentation, auszeichnet.

Quellen- und Literaturverzeichnis

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Zwetsloot, Hugo Jacobus Josephus: Friedrich Spee und die Hexenprozesse. Die Stellung und Bedeutung der Cautio Criminalis in der Geschichte der Hexenverfolgungen. Trier 1954.

Anmerkungen

  • [1]

    Spee, Friedrich von: Cautio Criminalis oder Rechtliches Bedenken wegen der Hexenprozesse. Übersetzt und herausgegeben von Joachim Friedrich Ritter. München 2007, S. 172. (Im Folgenden zitiert: Cautio Criminalis (Ritter)).

    „Nimiumquam ubique detractiones & calumniae convalescunt, ac in summo quo poterat gradu Chri|stiana charitas offenditur. Audivi homines qui dicerent, ob hanc causam malle se hoc tempore quo fama non corrigitur & ex fama proceditur, tantisper inter Turces degere, dum fidelibus esse liceret: [...]“

    Cautio criminalis seu de processibus contra sagas liber. ad magistratus Germaniae hoc tempore necessarius, Tum autem consiliariis, et confessariis Principum, Inquisitoribus, Iudicibus, Advocatis, Confessariis Reorum, Concionatoribus, caeterisque lectu utilissimus. Auctore incerto theologo romano. Editio Secunda. Francofurti, Sumptibus Ioanni Gronaei Austrij. Anno MDCXXXII. In: Theo Gerardus Maria van Oorschot (Hrsg.): Friedrich Spee. Cautio Criminalis. (Friedrich Spee. Sämtliche Schriften, Historisch kritische Ausgabe, Dritter Band) Tübingen und Basel 1992, S. 124. (Im Folgenden zitiert: Cautio Criminalis (Oorschot).

  • [2]

    Zu deutsch Cautio Criminalis oder Rechtliches Bedenken wegen der Hexenprozesse. Im Folgenden wird das Werk im Text mit Cautio Criminalis abgekürzt.

  • [3]

    Cautio Criminalis (Ritter): S. 5.

  • [4]

    Im 19. Jahrhundert hatten sich die „romantische Schule“ und die „rationalistische Schule“ entgegenstanden. Die romantische Schule, oder das romantische Paradigma, ging von einer Genese der Hexerei aus vorchristlichen Kulten und Mythen aus. Diese Ursprünge seien aus den Akten der Hexenprozesse ersichtlich. Von Bedeutung für diesen Ansatz waren die Studien Jacob Grimms (1785-1863). Die rationalistische Studie, oder das rationalistische Paradigma, betonte demgegenüber die Unschuld der Hexen. Demnach habe es Hexerei nie gegeben. In der Hexe wurde „eine zur Unterdrückung des Volkes von der scholastischen Theologie in Verbindung mit Inquisition und Papsttum geschaffene Kunstfigur“ gesehen. (Tschacher, Werner: Der Formicarius des Johannes Nider von 1437/38. Studien zu den Anfängen der europäischen Hexenverfolgungen im Spätmittelalter, Shaker und Aachen 2000, S. 2.)

    Diesen Ansatz vertraten unter anderem Wilhelm Gottlieb Soldan oder Henry Charles Lea. Im Zuge des Nationalismus hatte die romantische Schule mit dem Versuch der Rekonstruktion eines germanischen Volksglaubens einen Wiederaufschwung erlebt. Dieses Element wurde im Nationalsozialismus weiter ausgeführt, sodass dort Hexen instrumentalisiert und zu idealtypischen Frauen hochstilisiert wurden , deren Verfolgung der Kirche und dem Judentum angelastet wurde. (Behringer, Wolfgang: Geschichte der Hexenforschung. In: Sönke Lorenz und Jürgen Michael Schmidt (Hrsg.): Wider alle Hexerei und Teufelswerk. Ostfildern 2004 S. 516f. und 557-573 und Tschacher: Der Formicarius des Johannes Nider. S. 2f.)

  • [5]

    Tschacher: Der Formicarius des Johannes Nider. S. 3.

  • [6]

    Ein Beispiel für diese Regionalstudien ist Wolfgang Behringers Werk „Hexenverfolgung in Bayern. Volksmagie, Glaubenseifer und Staatsräson in der Frühen Neuzeit“ aus dem Jahr 1988. Eine detaillierte Auflistung der bislang publizierten Regionalstudien findet sich bei Behringer: Geschichte der Hexenforschung. S. 591-596.

  • [7]

    Zum Hintergrund dieser Ausgabe siehe Behringer: Geschichte der Hexenforschung. S. 565f. und 573.

  • [8]

    Schwerhoff, Gerd: Esoterik statt Ethnologie? Mit Monike Neugebauer-Wölk unterwegs im Dschungel der Hexenforschung. In. historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/5493/ (zuletzt abgerufen am 5. 4. 2008, 9.30 Uhr).

  • [9]

    Hinsichtlich des Namens tauchen öfter verschiedene Schreibweisen auf, darunter Friedrich von Spee, oder auch Friedrich Spee von Langenfeld. Lohausen hat jedoch nachgewiesen, dass Friedrich Spee selbst nicht adelig gewesen ist: „Namenszusätze, die der geschichtlichen Gestalt des Pater Friedrich Spee SJ den Nimbus eines Adeligen vermitteln, lassen sich weder mit den historischen Gegebenheiten vereinbaren, noch sind sie dem Ansehen des mutigen Widersachers gegen Hexen- und Folterwahn dienlich.“ (Lohausen, Herman: P. Friedrich Spee SJ (1591-1635). Name Nimbus Herkunft Verwandtschaft, Düsseldorf 2005, S. 4.) Anders verhält es sich mit der Schreibweise Spe, welches die ursprüngliche, inzwischen mit einem weiteren „e“ versehene, Bezeichnung war und somit der Verwendung nach mit „Spee“ identisch ist.

  • [10]

    Siehe Miesen, Karl-Jürgen: Die Spee-Forschung seit 1950. In: Gert Kaiser (Hrsg.): Bücher für die Wissenschaft. Bibliotheken zwischen Tradition und Fortschritt. Festschrift für Günther Gattermann zum 65. Geburtstag. München u.a. 1994, S. 92.

  • [11]

    Ders. S. 93.

  • [12]

    Diese Gründung erfolgte in Kaiserswerth. Nach einiger Zeit spalteten sich die Mitglieder aus Trier von der Gesellschaft in Kaiserswerth ab und gründeten eine eigene Friedrich-Spee-Gesellschaft, so dass heute zwei derartige Gesellschaften existieren.

  • [13]

    Vgl. Burckhardt, Johannes: Frühe Neuzeit. 16.- 18. Jahrhundert (Grundkurs Geschichte 3). Königstein 1985, S. 84.

  • [14]

    Ders. S. 85.

  • [15]

    Hsia, Ronnie Po-chia: Gegenreformation. Die Welt der katholischen Erneuerung 1540-1770. Frankfurt am Main 1998, S. 10f.

  • [16]

    Vgl. Stollberg-Rilinger, Barbara: Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Vom Ende des Mittelalters bis 1806. München 2006, S. 60.

  • [17]

    Zugelassen war hierbei allein die auf dem Augsburger Reichstag im Jahr 1530 von den evangelischen Ständen verkündete Confessio Augustana. Die reformierten Bekenntnisse nach Calvin und Zwingli waren in der Regelung des Augsburger Religionsfriedens nicht enthalten.

  • [18]

    Burckhardt: Frühe Neuzeit. S. 93.

  • [19]

    Stollberg-Rilinger: Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, S. 63. Sowohl Burkhardt als auch Stollberg-Rilinger weisen auf Unsicherheiten, Konfliktpunkte und offen gelassene Probleme des Augsburger Religionsfrieden hin. (Burkhardt: Frühe Neuzeit. S. 93., Stollberg-Rilinger: Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, S. 61f.)

  • [20]

    Küng, Hans: Kleine Geschichte der katholischen Kirche. Berlin 2002, S. 181.

  • [21]

    Ebd.

  • [22]

    Zu den Ordensgründungen siehe Hsia: Gegenreformation. S. 31-53.

  • [23]

    Hartmann, Peter C.: Die Jesuiten. München 2001, S. 19.

  • [24]

    Ders. S. 29.

  • [25]

    Zu der Hierarchie siehe Ders. S. 22-26.

  • [26]

    Ders. S. 31.

  • [27]

    O'Malley betont hierbei, dass sowohl eine angestrebte Kirchenreform wie auch eine Zurückdrängung der Reformation nicht die Gründungszwecke der Societas Jesu waren. (Siehe O'Malley, John W.: The Society of Jesus. In: Ronnie Po-chia Hsia (Hrsg.): A Companion to the Reformation World. Malden u.a. 2004. S: 224.) Zu dem jesuitischen Verständnis der Kirchenreform siehe O'Malley, John W.: Die ersten Jesuiten. Würzburg 1995, S. 369ff.

  • [28]

    Canisius stammte aus Nijmegen, hatte an der Universität Köln studiert und trat 1543 in die Societas Jesu ein. Die Priesterweihe erhielt er drei Jahre später in Köln. 1562 war er beim Konzil von Trient anwesend. Er nahm an mehreren Reichstagen teil und verfasste drei Katechismen. Er starb am 21.12.1597 in Fribourg, wo er sich bereits seit 1580 aufgehalten hatte.

  • [29]

    Siehe Hsia: Gegenreformation. S. 101.

  • [30]

    Die Stärke des Protestantismus beschreibt Hsia folgendermaßen: „Ganz Norddeutschland bis auf das Bistum Münster war für den Katholizismus verlorengegangen; Böhmen [...] war größtenteils protestantisch; am Mittellauf des Rheins lag drohend die Pfalz als Bollwerk des Protestantismus [...]; im Südwesten blieben das Herzogtum Württemberg und viele Reichsstädte streng lutherisch; sogar in den habsburgischen Erblanden florierte der Protestantimus. Unter den sieben Kurfürsten des Reiches gab es drei Katholiken (die Erzbischöfe von Mainz, Trier und Köln) und drei Protestanten (die Kurfürsten von Brandenburg, Sachsen und der Pfalz), während einer (der König von Böhmen) 1618 aus dem katholischen ins protestantische Lager wechselte [...].“ (Hsia: Gegenreformation. S. 99f.)

  • [31]

    Siehe Hsia: Gegenreformation. S. 101f.

  • [32]

    Schatz, Klaus: Friedrich Spee und seine Zeit. In: Gunther Franz (Hrsg.): Friedrich Spee zum 400. Geburtstag. Kolloquium der Friedrich-Spee-Gesellschaft Trier. Paderborn 1995, S. 17.

  • [33]

    Schindling, Anton: Das Strafgericht Gottes. Kriegserfahrungen und Religion im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges. Erfahrungsgeschichte und Konfessionalisierung. In: Ders. und Matthias Asche (Hrsg.): Das Strafgericht Gottes. Kriegserfahrungen und Religion im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges. Münster 2001, S. 48f.

  • [34]

    Vgl. Schindling: Das Strafgericht Gottes. S. 50f.

  • [35]

    Eine detailliertere Darstellung der Ständeordnung sowie deren Charakteristika liefert Dülmen, Richard van: Kultur und Alltag in der frühen Neuzeit. Zweiter Band Dorf und Stadt 16. - 18. Jahrhundert. München 1992, S. 176-194.

  • [36]

    Vgl. Ders. S. 12.

  • [37]

    Behringer, Wolfgang: Das Wetter, der Hunger, die Angst. Gründe der Europäischen Hexenverfolgung in Klima-, Sozial- und Mentalitätsgeschichte. Das Beispiel Süddeutschlands. In: Acta Ethnographica Acad. Sci. Hung., Nr. 37 (1-4) 1991/ 1992, S. 28.

  • [38]

    Siehe dazu Behringer: Das Wetter, der Hunger, die Angst sowie Behringer, Wolfgang: «Kleine Eiszeit» und frühe Neuzeit in: Behringer, Wolfgang/ Lehmann, Hartmut / Pfister, Christan (Hrsg.): Kulturelle Konsequenzen der «Kleinen Eiszeit». Cultural Consequences of the «Little Ice Age» (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte Band 212), Göttingen 2005, S. 415-508.

  • [39]

    Behringer, Wolfgang: Das Wetter, der Hunger, die Angst. S. 29.

  • [40]

    Ders. S. 36.

  • [41]

    Neugebauer-Wölk, Monika: Wege aus dem Dschungel. Betrachtungen zur Hexenforschung. In: Hexenforschung/Forschungsdebatten, hrsg. von Katrin Moeller, In: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/5511/ (zuletzt abgerufen am 04.04.08, 09:47 Uhr). S. 32.

  • [42]

    Siehe Behringer: Geschichte der Hexenforschung. S. 490.

    Diese „Weltuntergangsstimmung“ kam bereits Ende des 15. Jahrhunderts auf. Delumeau berichtet von dem Werk des Benedidiktinermönchs Trithemisu (1462-1516), welches als erstes Werk die Eschatologie erfasste, in dem es „die Ängste einer barbarischen Zeit beschrieb“. (Delumeau, Jean: Angst im Abendland. Die Geschichte kollektiver Ängste im Europa des 14. bis 18. Jahrhunderts. Band 2, Hamburg 1985, S. 312.)

  • [43]

    Die Zahlen stammen von Dillinger: Hexen und Magie. S. 89ff. Auch Behringer nennt eine Zahl von 50.000 als aktuelle Kalkulation der Forschung. (Siehe dazu Behringer, Wolfgang: Hexen. Glaube, Verfolgung, Vermarktung. München 2005, S. 75 und Behringer, Wolfgang: Neun Millionen Hexen. Entstehung, Tradition und Kritik eines populären Mythos. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht. Nr. 49 (1998) Heft 11, S. 683.)

    In letztgenanntem Aufsatz zeigt Behringer die Historie der irrtümlich angenommenen höheren Opferzahlen in Millionenhöhe und legt dar, warum diese Zahlen nicht der historischen Realität entsprechen. Andere Forscher gehen von variierenden Zahlen zwischen 15.000 bis 110.000 Prozessen aus (Siehe dazu Irsigler, Franz: Hexenverfolgungen vom 15. bis 17. Jahrhundert. Eine Einführung. In: Gunther Franz und Franz Irsigler: Methoden und Konzepte der historischen Hexenforschung, Trier 1998, S. 4f.).

  • [44]

    Siehe Behringer, Wolfgang (Hrsg.): Hexen und Hexenprozesse in Deutschland. München 2006. S. 12.

  • [45]

    Siehe Ders. S. 15.

  • [46]

    Der Canon Episcopi war zum ersten Mal im Jahr 906 n. Chr. im Sendhandbuch des Regino von Prüm (Libri duo de synodalibus causis et disciplinis ecclesiasticis) veröffentlicht worden. Ziel der Publikation war es, ein Begleitbuch zu schaffen, welches Bischöfe für das Sendgericht nutzen konnten. Als Canon Episcopi wird Kapitel 371 des Sendhandbuchs bezeichnet. (Weiterführende Literatur: Tschacher, Werner: Der Flug durch die Luft zwischen Illusionstheorie und Realitätsbeweis. Studien zum sog. Kanon Episcopi und zum Hexenflug. In: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Kan. Abteilung Nr, 116 (1999), S. 225-276 sowie Hartmann, Wilfried (Hrsg.): Das Sendhandbuch des Regino von Prüm. (Ausgewählte Quellen zur Deutschen Geschichte des Mittelalters, Freiherr-vom-Stein-Gedächtnisausgabe Band 42), Darmstadt 2004.)

  • [47]

    Diese nachtfahrenden Frauen wurden in späteren Werken als striga unholda bezeichnet. Striga oder im Plural Strigen wurde später zu einer Bezeichnung für Hexen. (Siehe dazu Behringer: Hexen. S. 22.)

  • [48]

    Hartmann: Das Sendhandbuch des Region von Prüm. S. 422f.

    „Quis vero tam stultus et hebes sit, qui haec omnia, quae in solo spiritu fiunt, etiam in corpore accidere arbitretur?“

    Hartmann: Das Sendhandbuch des Region von Prüm. S. 422f.

  • [49]

    Ders. S. 420.

  • [50]

    Hartmann: Das Sendhandbuch des Region von Prüm. S. 420f.

    „Episcopi episcoporumque ministri omnibus viribus elaborare studeant, ut perniciosam et a diabolo inventam sortilegam et maleficam artem penitus ex parochiis suis eradant, et si aliquem virum aut feminam huiuscemodi sceleris sectatorem invenerint, turpiter dehonestatum de parochiis suis eiciant.“

    Hartmann: Das Sendhandbuch des Region von Prüm. S. 420f.

  • [51]

    Die Quelle dazu siehe Behringer: Hexen und Hexenprozesse in Deutschland: S. 24.

  • [52]

    Vgl. Behringer: Hexen. S. 32, siehe dazu auch: Ennen, Edith: Zauberinnen und fromme Frauen – Ketzerinnen und Hexen. In: Segl, Peter (Hrsg.): Der Hexenhammer. Entstehung und Umfeld des Malleus Maleficarum von 1487. Köln 1988, S. 12.

  • [53]

    Götz spricht von folgenden Bibelstellen: Psalm 96,5: „Omnes dii gentium daemonia“ - „Alle Götter der Heiden sind Dämonen.“, 1 Kor 10, 20: „Also hatten alle Heiden Dämonen zu Göttern: Was sie Götter nannten, waren Dämonen; wie der Apostel offenbar sagt: ‚Denn was die Heiden opfern, opfern sie Dämonen, nicht Gott.‛ “, 1 Kor 10, 21: „Ihr könnt nicht den Kelch des Herrn trinken und den Kelch der Dämonen. Ihr könnte nicht Gäste sein am Tisch des Herrn und am Tisch der Dämonen.“, Jesaja 28, 15: „Wir haben mit dem Tod ein Bündnis geschlossen, wir haben mit der Unterwelt einen Vertrag gemacht.“, Mt 4,1-11: Versuchung Jesu durch den Teufel: „Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.“ sowie Gen 6, 1-4, wo von Gottessöhnen berichtet wird, welche mit Menschenfrauen Kinder zeugen. (Götz, Roland: Der Dämonenpakt bei Augustinus. In: Schwaiger, Georg (Hrsg.): Teufelsglaube und Hexenprozesse. München 1988, S. 64ff.)

  • [54]

    Götz: Der Dämonenpakt bei Augustinus. S. 73.

  • [55]

    Behringer: Hexen und Hexenprozesse in Deutschland: S. 20.

  • [56]

    Götz: Der Dämonenpakt bei Augustinus. S. 76.

  • [57]

    Vgl. Behringer: Hexen und Hexenprozesse in Deutschland: S. 20.

  • [58]

    Götz: Der Dämonenpakt bei Augustinus. S. 79.

  • [59]

    Vgl. Levack, Brian P.: Hexenjagd. Die Geschichte der Hexenverfolgungen in Europa. München 1999, S. 46.

  • [60]

    Broedel, Hans Peter: The Malleus Maleficarum and the construction of witchcraft. Theology and popular belief. Manchester 2003, S. 3.

  • [61]

    Der Formicarius ist als Kritik der Sitten zu Niders Lebenszeit gedacht und besteht aus insgesamt fünf Büchern. „Das Buch ist wie folgt aufgebaut: Im ersten Buch umreißt Nider den Zustand der Kirche, der Konzilien und der Ordensreform; im zweiten Buch beschreibt er Offenbarungen und Träume von Heiligen. Das dritte Buch geht auf falsche Offenbarungen, Laster von Frauen und Häretiker ein; das Buch 4 schildert Beispiele vorbildlicher Lebensformen. Im fünften und letzten Buch berichtet Nider über Berner und Lausanner Hexenfälle, über Nigromanten und Besessene.“ (Tschacher, Werner: Nider, Johannes. In: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller u. Jürgen-Michael Schmidt, In: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/ artikel/1654/ (zuletzt abgerufen am 07.04.2008, 12:39 Uhr)) Weiterführende Literatur bietet Werner Tschacher: Der Formicarius des Johannes Nider.

  • [62]

    Zur Begriffverwendung Hexe, Hexensabbat und Zauberei siehe Tschacher: Der Formicarius des Johannes Nider. S. 289. Weiterführende Informationen zu Niders Auffassungen von Hexen und Dämonen sind ebenfalls bei Tschacher. Der Formicarius des Johannes Nider. S. 341-474 zu finden.

  • [63]

    Erste Anzeichen dafür sind bereits im Canon Episcopi ersichtlich: „Bei dem im Kanon Episcopi beschriebenen Verbrechen handelt es sich im Kern um Häresie, ja deren schlimmste Form, die Apostasie. [...] Die Luftfahrt des Kanon Episcopi hat [...] keine schädigende Wirkung. Die Schwere der Strafbestimmung kann deshalb nicht auf einem erlittenen Schaden, sondern nur auf der Apostasie beruhen.“ (Tschacher: Der Flug durch die Luft. S. 232f.)

  • [64]

    Blauert, Andreas: Frühe Hexenverfolgungen. Ketzer- Zauberei und Hexenprozesse des 15. Jahrhunderts. Hamburg 1989, S. 57.

  • [65]

    Ebd.

  • [66]

    Blauert: Frühe Hexenverfolgungen. S. 56.

  • [67]

    Ebd.

  • [68]

    Wobei die Vorstellung von der Teufelsanbetung, sowie des Hexensabbats auf Vorwürfen gegen Juden sowie Ketzer (vor allem der Katharer und Waldenser-Bewegung) fußten. (Siehe dazu Behringer: Hexen. S 37f.) Die Vorstellung des Hexenflugs hingegen hat seinen Urspung in der magischen Volkskultur.

  • [69]

    Tschacher: Der Flug durch die Luft. S. 264.

  • [70]

    Siehe Behringer: Hexen. S. 40.

  • [71]

    Tschacher (Der Flug durch die Luft) geht detailliert auf die einzelnen Entwicklungen und Punkte dieser Diskussion ein: S. 264-271.

  • [72]

    Levack: Hexenjagd. S. 60.

  • [73]

    Kramer hatte seinen Namen latinisiert, weswegen er in manchen Schriften Heinrich Institoris genannt wird. In älteren Publikationen wird neben Kramer auch Jakob Sprenger als Autor des Hexenhammers genannt. Die Forschung ist jedoch inzwischen zu dem Konsens gekommen, dass Kramer den Hexenhammer alleine verfasst hat und Sprenger aus Prestigegründen angegeben hat. (Siehe dazu Behringer: Hexen und Hexenverfolgung in Deutschland. S. 76 sowie Broedel: The Malleus Maleficarum. S. 18ff.)

  • [74]

    Siehe dazu Broedel: The Malleus Maleficarum. S. 3.

  • [75]

    Siehe Ben-Yehuda, Nachman: The European Witchcraze of the 14th to 17th Centuries: A Sociologist's Perspective. In: The American Journal of Sociology, Vol. 86, Nr. 1 1980, S.10.

  • [76]

    Behringer: Hexen und Hexenverfolgung in Deutschland: S. 88 - 91.

  • [77]

    Ders. S. 90.

    „Nos igitur impedimenta quælibet quæ per ipsorum inquisitorum officij executio, quomodolibet retardari posset de medio submouere“

    TENOR BVLLAE APOSTOLICAE AD uersus hæresim Maleficarum. In: [Kramer (Institoris), Heinrich:] Malleus maleficarum in tres divisus partes. Concurrentia ad maleficia, In quibus Maleficiorum effectus, Remedia adversus maleficia, Et modus denique; procedendi, ac puniendi Maleficos abunde continetur, praecipue autem omnibus Inquisitoribus, & divini verbi Concionatoribus utilis, ac necessarius.Auctore IACOBO SPRENGERO Ordinis Praedicatorum, olim Inquisitore. His nunc primum adiecimus, M. Bernhardi Basin opusculum de artibus magicis, ac Magorum, maleficiis. ITEM. D. Ulrici Molitoris Constantiensis, de Lamiis & Pythonicis mulieribus Dialogum. ITEM. D. Ioannis de Gerson. olim Cancellarii Parisiensis, de probatione Spirituum, libellum. ITEM. D. Thomae Murner ordinis Minorum, libellum, de Pythonico contractu.Omnia summo studio illustrata, & multis mendis recens vindicata. Cum Indice Quaestionum & Rerum memorabilium copioso. FRANCOFURTI AD MOENUM, apud Nicolaum Bassaeum. M. D. LXXX.

  • [78]

    Ströhmer, Michael: Von Hexen, Ratsherren und Juristen. Die Rezeption der Peinlichen Halsgerichtsordnung Kaiser Karls V. in den frühen Hexenprozessen der Handestadt Lemgo 1583-1621 (Studien und Quellen zur Westfälischen Geschichte Band 43). Paderborn 2002, S. 34.

  • [79]

    Kramer (Institoris), Heinrich, [Jakob Sprenger]: Der Hexenhammer. Malleus Maleficarum. Neu aus dem Lat. übertr. von Wolfgang Behringer. Hrsg. und eingeleitet von Günter Jerouschek und Wolfgang Behringer, München 2004. S. 139.

    „VTRUM afferere Maleficos esse, sit adèo Catholicum, quòd eius oppositum pertinaciter afferere, omninó sit hæreticum.“

    [Kramer:] Malleus Maleficarum: S. 1.

  • [80]

    Diese Argumente hatten durch die Negierung im Hexenhammer jedoch kein Ende gefunden, sondern fanden bei den Gegnern der Hexenverfolgung in den folgenden zwei Jahrhunderten wieder Verwendung. Ströhmer: Von Hexen, Ratsherren und Juristen. S. 34.

  • [81]

    Ebd.

  • [82]

    Ben-Yehuda nennt eine Zahl von etwa 20 Neuauflagen, während Honegger davon spricht, dass es bis 1669 etwa 30 Neuauflagen des Malleus gegeben habe. (Ben-Yehuda: The European Witchcraze. S. 11, Honegger: Die Hexen der Neuzeit. Studien zur Sozialgeschichte eines kulturellen Deutungsmusters. Frankfurt am Main 1978. S. 72.)

  • [83]

    Vgl. Levack: Hexenjagd. S. 62f.

  • [84]

    Ders. S. 62. Behringer vertritt eine ähnliche Auffassung zum Hexenhammer. Siehe dazu Behringer, Wolfgang: Meinungsbildende Befürworter und Gegner der Hexenverfolgung (15. bis 18. Jahrhundert). In: Helfried Valentinitsch (Hrsg.): Hexen und Zauberer (Austellungskatalog Riegersburg, Landesausstellung Steiermark), Graz (Lexham) 1987, S. 222.

  • [85]

    Vgl. Broedel: The Malleus Maleficarum. S. 10.

  • [86]

    Ein Ausschnitt der Schrift findet sich bei Behringer: Hexen und Hexenprozesse. S. 113 f.

  • [87]

    Vgl. Behringer: Hexen. S. 43.

  • [88]

    Vgl. Behringer: Hexen und Hexenverfolgung in Deutschland: S. 77.

  • [89]

    Der Einfluss von Erasmus und des christlichen Humanismus soll auch ein Grund gewesen sein, weshalb es am Niederrhein nur wenige Hexenverfolgungen gegeben hat. Siehe dazu: Münster-Schröer, Erika: Hexenverfolgung in Jülich-Berg und der Einfluß Johann Weyers. In: Spee-Jahrbuch, 2000, S. 60.

  • [90]

    Vgl. Levack: Hexenjagd. S. 68.

  • [91]

    Vgl. Ebd.

  • [92]

    Behringer: Geschichte der Hexenforschung. S. 491.

  • [93]

    Broedel: The Malleus Maleficarum. S. 7. , Levack (Hexenjagd, S. 68f.) führt die Gründe aus, weswegen sich die Kritik nicht durchsetzen konnte. So beschreibt er, dass die Stellung der Humanisten und Neuplatoniker nicht stark genug gewesen sei, um die Lehre der Aristoteliker einzudämmen.

  • [94]

    Haustein, Jörg: Martin Luthers Stellung zum Zauber- und Hexereiwesen. (Münchner Kirchenhistorische Studien, Band 2) Köln 1990, S. 171.

  • [95]

    Exodus 22,18: Maleficos non patieris vivere - Die Zauberer sollst du nicht leben lassen.

  • [96]

    Haustein erläutert in dem Aufsatz „Martin Luther als Gegner des Hexenwahns“ die Debatte um Luther und die Hexenprozesse, in welcher Luthers Rolle sehr unterschiedlich betrachtet wird. Des Weiteren stellt Haustein die sich mit den Jahren ändernde Auffassung Luthers dar. (Haustein, Jörg: Martin Luther als Gegner des Hexenwahns. In: Hartmut Lehmann und Otto Ulbricht (Hrsg.): Vom Unfug des Hexen-Processes. Gegner der Hexenverfolgung von Johann Weyer bis Friedrich Spee. Wiesbaden 1992, S. 35-51.)

  • [97]

    Behringer: Meinungsbildende Befürworter und Gegner des Hexenwahns. S. 225. Zu Luthers schwankender Auffassung zur Hexenverfolgung siehe ebenfalls: Haustein, Jörg: Martin Luther als Gegner des Hexenwahns. S. 35-51.

  • [98]

    Dillinger: Hexen und Magie. S. 51.

  • [99]

    Im Folgenden werden die Werke von Autoren vorgestellt, welche pro oder contra der Hexerei argumentiert haben. Alle in diesem Diskurs Beteiligten zu nennen würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Aus dem Grund werden die Werke vorgestellt, welche am bedeutsamsten waren oder in der Cautio Criminalis Erwähnung finden. Einen Überblick über die „Hexenliteratur“ zwischen 1560 und 1700 findet sich bei Pelizaeus, Ludolf: Hintergründe der Entstehung von Meyfahrts Kritik an den Hexenprozessen und seine Beeinflussung durch Spee. In: Spee Jahrbuch 8 (2001), S. 56-62.

  • [100]

    Der vollständige Titel lautet: De praestigiis daemonum, et incantationibus, ac veneficiis, Libri V. Autore Joanne Wiero medico. Cum Caesare Maiest. gratia et privilegio. Basileae, per Joannem Oporinum. 1563.

  • [101]

    Weyer (auch Wier oder Wyer geschrieben) war 1522/23 Schüler von Agrippa von Nettesheim und studierte in den darauf folgenden Jahren in Paris und Orléans Medizin. Im Jahr 1550 wurde er Leibarzt des Herzogs Wilhelm III. von Kleve-Jülich-Berg. Welcher Konfession Weyer angehört hat, ist umstritten. So ist unklar, ob er eher den Lutheranern oder den Calvinisten zugeneigt war. Konsens ist, dass Weyer stark humanistisch und vor allem von den Lehren des Erasmus von Rotterdam geprägt war. (Weiterführende Informationen dazu: Münster-Schröer: Hexenverfolgung. S. 93 und Midelfort: H.C. Erik: Johann Weyer in medizinischer, theologischer und rechtgeschichtlicher Hinsicht. In: Hartmut Lehmann und Otto Ulbricht (Hrsg): Vom Unfug Des Hexen-Processes. Gegner der Hexenverfolgung von Johann Weyer bis Friedrich Spee. (Wolfenbütteler Forschungen Band 55) Wiesbaden 1992, S. 59)

  • [102]

    Vgl. Saatkamp: Der Hexenwahn und seine Gegner. Dr. Weyer (Wier) und die Grafen von Tecklenburg. Tecklenburg 1988. S. 55.

  • [103]

    Dabei argumentierte er stringent nach der Bibel und versuchte durch die Autorität der Schrift zu beweisen, dass dort keinerlei Anhalts- und Argumentationspunkte für eine Hexenverfolgung zu finden seien. (Siehe auch Midelfort: Johann Weyer. S. 59.)

  • [104]

    Dillinger: Hexen und Magier. S. 137.

  • [105]

    Midelfort: Johann Weyer. S. 61.

  • [106]

    Diese Zahl setzt sich zusammen aus sechs lateinischen Auflagen, fünf deutschen und zwei französischen. Vgl. Münster-Schröer. Hexenverfolgung. S. 93ff.

  • [107]

    Behringer merkt zur Wirkung von Weyer an, dass er im Grunde nichts anderes tat „als die Ressentiments der ersten Jahrhunderthälfte gegen die Hexenprozesse [...] zu einem großen Manifest zusammenzufassen. Die Argumente hatten sozusagen in der Luft gelegen, und erst der Neubeginn der Hexenverfolgungen hatte ihre Zusammenfassung notwendig gemacht.“ (Behringer: Hexen und Hexenverfolgung in Deutschland. S. 136.)

  • [108]

    Midelfort: Johann Weyer. S. 63.

  • [109]

    Ders. S. 64.

  • [110]

    Saatkamp: Der Hexenwahn und seine Gegner. S. 57.

  • [111]

    Dies. S. 56.

  • [112]

    Die im Jahr 1591 veröffentlichte deutsche Erstausgabe trug den Titel Vom außgelasnen wütigen Teuffelsheer.

  • [113]

    Siehe dazu Schormann, Gerhard: Hexenprozesse in Deutschland. Göttingen 1996, S. 35f.

  • [114]

    Siehe dazu Saatkamp: Der Hexenwahn und seine Gegner. S. 55.

    Die Schwindelmonarchie bzw. die Pseudomonarchia daemonum war der 5. Auflage 1577 und der 6. Auflage 1583 angehängt. Binz ordnet die Schwindelmonarchie, in welcher Anleitungen zur Beschwörung von Dämonen aufgeführt sind, als Spottschrift ein: „Die zahllosen damals umgehenden Teufelslegenden erscheinen dem Verfasser als Thorheit; und das Bestreben, die bösen Geister zu citieren und sich dienstbar zu machen, als leerer Wahn. (Binz, Carl: Doctor Johann Weyer ein rheinischer Arzt der erste Bekämpfer des Hexenwahns. Ein Beitrag zur Geschichte der Aufklärung und der Heilkunde. Berlin 1896, S. 130f.)

  • [115]

    Vgl. Saatkamp: Der Hexenwahn und seine Gegner. S. 56.

  • [116]

    Vgl. Levack: Hexenjagd. S. 60.

  • [117]

    Behringer: Hexen und Hexenverfolgungen in Deutschland. S. 181f.

  • [118]

    Dillinger: Hexen und Magie. S. 50.

  • [119]

    Cornelius Loos stammte aus Gouda, weswegen er sich auch Chrysopolitanus nannte. Im Februar 1564 schloss er in Löwen sein Studium als Magister Artium ab. 1574 musste er aufgund einer „mißlungenen royalen Verschwörung, an der die Familie Loos beteiligt war“ (Eerden, P.C. van der: Cornelius Loos und die magia falsa. In: Hartmut Lehmann und Otto Ulbricht (Hrsg.): Vom Unfug des Hexen-Processes: Gegner der Hexenverfolgung von Johann Weyer bis Friedrich Spee. (Wolfenbütteler Forschungen Band 55), Wolfenbüttel 1992, S. 143) Gouda verlassen und lebte fortan im Exil. Er veröffentlichte um 1580 neun Bücher und reiste nach Mainz, später nach Trier. „Aller Wahrscheinlichkeit nach hat Loos sich während seiner Trierer Jahre erstmals an der Hexendebatte beteiligt.“ (Eerden: Cornelius Loos und die magia falsa. S. 144).

  • [120]

    Behringer: Meinungsbildende Befürworter und Gegner des Hexenwahns, S. 224.

  • [121]

    Ebd.

  • [122]

    Vgl. Eerden, P.C. van der: Der Teufelspakt bei Petrus Binsfeld und Cornelius Loos. In: Gunther Franz und Franz Irsigler (Hrsg.): Hexenglaube und Hexenprozesse im Raum Rhein-Mosel-Saar (Trierer Hexenprozesse Band 1). Trier 1995, S. 55.

  • [123]

    Eerden: Cornelius Loos und die magia falsa. S. 152.

  • [124]

    Martin Delrio wurde in Antwerpen als Sohn eines Edelmannes geboren. Delrio studierte in Paris und Douai Philosophie und Recht. Zudem beschäftigte er sich mit Moraltheologie, Ethik und Rhetorik. Zur juristischen Promotion führte es ihn an die Universität Salamanca. Die Promotion erhielt er im Jahr 1574. Zunächst wurde er „als Rechtsberater für den spanischen Teil der Niederlande in den höchsten Rat von Brabant berufen“. (Nagel, Petra: Die Bedeutung der „Disquisitionum magicarum libri sex“ von Martin Delrio für das Verfahren in Hexenprozessen. Frankfurt am Main 1995., S. 36)

    Vier Jahre später wurde er Vizekanzler von Brabant. Im Jahr 1580 trat er dem Jesuitenorden bei, nachdem er beschlossen hatte, dem weltlichen Leben den Rücken zu kehren. In den 1590er Jahren nahm er die Arbeit an den Disquisitionem auf, welche 1599/ 1600 das erste Mal in Löwen herausgegeben wurden. „Im Prolog gibt Delrio an, er sei insbesondere durch das Überhandnehmen der Zauberei zur Verfassung des Werkes veranlaßt worden.“ (Nagel: Die Bedeutung der Disquisitiunum. S. 39, zur Vita Delrio siehe ebenfalls Fischer, Edda: Die „Disquisitionum Magicarum Libri Sex“ von Martin Delrio als Gegenreformatorische Exempel-Quelle. Hannover 1975, S. 5-13.)

  • [125]

    Behringer: Hexen. S. 52.

  • [126]

    Behringer: Meinungsbildende Befürworter und Gegner des Hexenwahns, S. 224.

  • [127]

    Nagel liefert eine kurze Zusammenfassung der jeweiligen Lehren der Bücher (Die Bedeutung der Disquisitionum. S. 45-49).

  • [128]

    Dies. S. 46.

  • [129]

    Adam Tanner wurde 1572 in Innsbruck geboren und trat im Jahr 1590 dem Jesuitenorden bei. In Ingolstadt und Dillingen studierte er Rhetorik und Theologie. Ab 1603 lehrte er Dogmatik an den Universitäten in Ingolstadt und Wien. Im Jahr 1628 wurde er Kanzler der Universität Prag. Ein Jahr später trat Tanner von seinem Amt zurück und zog aus gesundheitlichen Gründen in ein Jesuitenkolleg nach Südtirol. Drei Jahre später kehrte er nach Ingolstadt zurück. Tanner starb im Mai 1532 auf der Flucht von Bayern nach Tirol. Er veröffentlichte insgesamt 20 Werke, welche sich zumeist gegen die neuen Konfessionen wandten. Tanners Hauptwerk war die Theologia Scholastica. (Vgl. Dillinger, Johannes: Friedrich Spee und Adam Tanner: Zwei Gegner der Hexenprozesse aus dem Jesuitenorden. In: Spee Jahrbuch 2000, S. 31-58, S. 32ff.)

  • [130]

    Vgl. Behringer: Zur Haltung Adam Tanners in der Hexenfrage. Die Entstehung einer Argumentationsstrategie in ihrem gesellschaftlichen Konsens. In: Hartmut Lehmann und Otto Ulbricht (Hrsg.): Vom Unfug des Hexen-Processes: Gegner der Hexenverfolgung von Johann Weyer bis Friedrich Spee (Wolfenbütteler Forschungen Band 55). Wolfenbüttel 1992, S. 164.

    Auf die genaueren, vor allem juristischen, Argumente Tanners wird an späterer Stelle eingegangen werden.

  • [131]

    Behringer: Zur Haltung Adam Tanners in der Hexenfrage. S. 164f.

  • [132]

    Der Frage, ob der Autor der Cautio Criminalis an die Existenz von Hexen glaubte, wird an späterer Stelle nachgegangen.

  • [133]

    Dies bedeutet jedoch nicht im Umkehrschluss, dass es keinerlei Gemeinsamkeiten in Hexenprozessen gegeben hat.

  • [134]

    Siehe dazu: Levack: Hexenjagd. S. 133.

  • [135]

    Vgl. Lehmann, Hartmann: Hintergrund und Ursachen des Höhepunktes der europäischen Hexenverfolgung in den Jahrzehnten um 1600. In: Sönke Lorenz und Dieter R. Bauer (Hrsg.): Hexenverfolgung. Beiträge zur Forschung. (Quellen und Forschungen zur europäischen Ethnologie; Band 15) Würzburg 1995, S. 360.

  • [136]

    Siehe Ebd.

  • [137]

    Dillinger, Johannes: Hexen und Magie. S. 114-119.

  • [138]

    Ginzburg, Carlo: Die Benandanti. Feldkulte und Hexenwesen im 16. und 17. Jahrhundert. Frankfurt am Main 1980.

  • [139]

    „Wer sind diese Benandanti? Einerseits behaupten sie, sie stellten sich den Stregoni und Streghe entgegen, verhinderten deren böse Pläne und heilten die Opfer ihrer Verhexungen; auf der anderen Seite behaupten sie, sie würden sich, nicht anders als die angeblichen Gegner, auf geheimnisvolle nächtliche Versammlungen begeben, von denen sie nichts verlauten lassen dürften bei Strafe, verprügelt zu werden, und schließlich würden sie Hasen, Katzen und andere Tiere reiten.“ (Ginzburg: Die Benandanti. S. 22)

    Die Benandanti selbst bestanden aus einer Gruppe (Ginzburg spricht auch von einer Sekte), an Auserwählten, welche dadurch erkannt wurden, dass die Fruchtblase der Neugeborenen noch auf deren Kopf saß (die sog. Glückshauben).

  • [140]

    Levak: Hexenjagd. S. 31.

  • [141]

    Bestimmte Aspekte der Frömmigkeit sowie magisch-schamanische Riten hingegen konnten durchaus nachgewisen werden und werden als Wesentlich für die Herausbildung des Hexereideliktes angesehen. Vgl. Tschacher: Der Formicarius des Johannes Nider. S. 9.

  • [142]

    Behringer: Das Wetter, der Hunger, die Angst. S. 36.

  • [143]

    Vgl. Ders. S. 32.

  • [144]

    Ders. S. 35.

  • [145]

    Neugebauer-Wölk: Wege aus dem Dschungel S. 322.

  • [146]

    Neugebauer-Wölk bezog sich auf Wolfgang Behringers Forschungen in: Behringer: Das Wetter, der Hunger, die Angst.

  • [147]

    Siehe Lehmann: Hintergrund und Ursachen des Höhepunkts der Hexenverfolgung. S. 361.

  • [148]

    Neugebauer-Wölk: Wege aus dem Dschungel. S. 322.

  • [149]

    Schwerhoff, Gerd: Esoterik statt Ethnologie.

  • [150]

    Neugebauer-Wölk: Wege aus dem Dschungel. S. 317.

  • [151]

    Dillinger: Hexen und Magie. S. 74.

  • [152]

    Neugebauer-Wölk: Wege aus dem Dschungel. S. 317.

  • [153]

    Vgl. Levack: Hexenjagd. S. 126.

  • [154]

    Schwerhoff: Esoterik statt Ethnologie.

  • [155]

    Levack: Hexenjagd. S. 75.

    Auch die Gewichtung der Justiz als Ursache der Hexenverfolgung ist umstritten. So betont Behringer, dass die Folter allein nicht als Ursache der Hexenprozesse angesehen werden kann (Behringer: Hexen und Hexenprozesse in Deutschland. S. 75). Eine weitere Annahme besagt, dass eine Änderung des Rechts vom Akkusations- zum Inquisitionsprozess sowie die Anwendung der Folter eine Ursache für den Ausbruch der Hexenverfolgungen gewesen sei. Darauf kontert Lehmann: „Neuere Forschungen, nicht zuletzt von Dagmar Unverhau, haben [...] gezeigt, daß [...] der Unterschied zwischen Inquisitions- und Akkusationsprozeß nicht aufrechterhalten werden kann. Dazu kommt, wie wir wissen, daß die Folter längst eingesetzt wurde, ehe es zu der enormen Steigerung der Zahl der Hexenprozesse im ausgehenden 16. und im frühen 17. Jahrhundert kam, und daß bis weit in das 18. Jahrhundert hinein gefoltert wurde, als die Hexenprozesse fast überall längst der Vergangenheit angehörten und es sich selbst dort, wo sie noch vorkamen, nur noch um vereinzelte Prozesse handelte.“ (Lehmann: Hintergrund und Ursachen des Höhepunktes der europäischen Hexenverfolgung. S. 360.)

  • [156]

    Vgl. hierzu Behringer: Hexen und Hexenprozesse in Deutschland. S. 72.

  • [157]

    Levack: Hexenjagd. S. 76.

  • [158]

    Eine detaillierte Studie zu den Gottesurteilen in der Zeit von 800 bis 1200 liefert Bartlett, Robert: Trial by Fire and Water. The Medieval Judicial Ordeal. Oxford 1990, S. 13-33.

  • [159]

    Levack: Hexenjagd. S. 77.

  • [160]

    Der Corpus iuris civilis wird im Allgemeinen durch CIC abgekürzt.

  • [161]

    Eisenhardt, Ulrich: Deutsche Rechtsgeschichte. München 1995, S. 90. Detailliertere Informationen zu der Rezeption des römischen Rechts siehe Eisenhardt: Deutsche Rechtsgeschichte. S. 81-91, Schroeder, Klaus-Peter: Vom Sachsenspiegel zum Grundgesetz. Eine deutsche Rechtsgeschichte in Lebensbildern. München 2001, S. 1-4 sowie Wesel, Uwe: Geschichte des Rechts. Von den Frühformen bis zur Gegenwart. München 2001, S. 313-315.

  • [162]

    Das Infamationsfahren war ein Verfahren, in dem ein Bischof „gegen verdächtige kirchliche Amtsträger aufgrund ihres schlechten Leumunds aus eigenem Ermessen tätig werden“ konnte. (Schwerhoff, Gerd: Die Inquisition. München 2004, S. 23). Dabei bestand die Möglichkeit, dass sich der Angeklagte mit Hilfe eines Reinigungseides von dem Verdacht lossprechen konnte.

    Weitere Informationen zum Infamationsverfahren sind bei Trusen, Winfried: Der Inquisitionsprozess. Seine historischen Grundlagen und frühen Formen. In: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Kanonische Abteilung, Band 105, 1988, S. 179-184 zu finden.

  • [163]

    Trusen: Der Inquisitionsprozeß. S. 184.

  • [164]

    Vgl. Trusen: Der Inquisitionsprozeß. S. 208.

  • [165]

    Ders. S. 213f.

  • [166]

    Zu den Fragen siehe Ders. S. 209f.

  • [167]

    Zu den rechtlichen Entscheidungen des 4. Laterankonzil siehe Foreville, Raymonde: Lateran I-IV. (Geschichte der ökumenischen Konzilien Band VI) Mainz 1970, S. 408-410 und S. 416.

  • [168]

    Siehe Levack: Hexenjagd. S. 78.

  • [169]

    Peters, Edward: Folter. Geschichte der Peinlichen Befragung. Hamburg 1991, S. 73.

  • [170]

    Vgl. Levack: Hexenjagd. S. 81.

  • [171]

    Vgl. Schwerhoff: Die Inquisition. S. 25

    Die Institution der päpstlichen Inquisition hatte ihren Ursprung bereits in der Dekretale Excommunicamus, die im Jahr 1231 von Papst Gregor IX (Pontifikat 1227-1241) verabschiedet worden war. Darin beauftragte er mehrere Legaten mit der Durchführung von Ketzerprozessen. Dieses Dokument „bildet den Auftakt zu einer ganzen Reihe nahezu gleichlautender Ketzerbekämpfungsaufträgen des römischen Bischofs. Darin erteilt der Papst den jeweils angesprochenen Dominikanern den Auftrag zur gewissenhaften Suche nach Ketzern [...]. Man kann dieses Schreiben wohl kaum als «Geburtsschein» der Inquisition bezeichnen, immerhin aber als wichtigste Etappe eine sich länger hinziehenden Geburtsvorganges.“ (Schwerhoff: Die Inquisition. S. 24f.)

  • [172]

    Dass Ketzerei ein Majestätsverbrechen ist, legte bereits Papst Innozenz III. im Jahr 1199 fest. Siehe dazu Schwerhoff: Die Inquisition. S. 22.

  • [173]

    Ebd.

  • [174]

    Vgl. Ebd.

    Schild führt aus, dass die Todesstrafe nicht in das Sanktionssystem der Kirche passte, da die Kirche in erster Linie bestrebt war, vom Glauben abgefallene oder anderweitig straftätig gewordene Personen nach ausreichender Sühne wieder in der Gemeinschaft aufzunehmen. In der nach 1199 folgenden Gesetzgebung zu Ketzern existierte für die kirchliche Gerichtsbarkeit die Möglichkeit, diejenigen, welchen nach kirchlichem Recht die Todesstrafe angedroht wurde, zur Urteilsvollstreckung den weltlichen Gerichten zu übergeben. Ebenfalls weist Schild auf das Vorkommnis hin, dass die Träger von Kirchenämtern auch weltliche Gerichtsherren sein konnten, welche nach weltlichem Recht die Todesstrafe aussprechen konnten. (Schild, Wolfgang: Die Dimensionen der Hexerei. In: Sönke Lorenz und Jürgen Michael Schmidt (Hrsg.): Wider alle Hexerei und Teufelswerk. Ostfildern 2004, S. 67f.)

  • [175]

    Trusen, Winfried: Vom Inquisitionsverfahren zum Ketzer- und Hexenprozeß. Fragen der Abgrenzung und Beeinflussung. In: Dieter Schwarb et al. (Hrsg.): Staat, Kirche, Wissenschaft in einer pluralistischen Gesellschaft. Festschrift zum 65. Geburtstag von Paul Mikat, Berlin 1989, S. 438.

  • [176]

    Kramer: Der Hexenhammer. S. 601.

    „MALLEI MALEFICARUM TERTIA PARS: AD OPVS IVDICIALE, TAM in foro Ecclesiastico, quàm ciuili, contra Maleficos, ac omnes Hæreticos pertinens, XXXV. Quæstiones complectens, IN QUIBUS REGVLA INCHOANDI Processum iudicij, continuatio, & sententiandi modus, luculentisimò demonstratur.“

    [Kramer:] Malleus Maleficarum. S. 440.

  • [177]

    Vgl. Perlhefter, Verena: Die Gestalt des „Hexenjägers“ des 17. Jahrhunderts und sein gesellschaftliches und politisches Umfeld. Adam Lebaldt von Lebenwald, Matthew Hopkins und Cotton Mather, Leben, Werke, Werdegänge (Europäische Hochschulschriften, Reihe III Geschichte und ihre Hilfswissenschaften, Band 963). Frankfurt am Main 2003, S. 21.

  • [178]

    Lorenz: Der Hexenprozeß. S. 143.

  • [179]

    Dillinger: Hexen und Magie. S. 49.

  • [180]

    Ebd.

  • [181]

    Vgl. Schwerhoff: Die Inquisition. S. 117.

  • [182]

    Vgl. Behringer: Hexen und Hexenprozesse in Deutschland. S. 77.

  • [183]

    Ströhmer: Von Hexen, Ratsherren und Juristen. S. 40.

  • [184]

    Im Folgenden wird die Constitutio Criminalis Carolina mit Carolina abgekürzt.

  • [185]

    Eisenhardt (Deutsche Rechtsgeschichte, S. 237) nennt einige der Gründe: „Ein verbreitetes Verbrecher- und Bandenwesen, das gestiegende öffentliche Interesse an der Verbrechensverfolgung und unangemessene Formen des Strafverfahrens, das wegen seiner Formlosigkeit, insbesondere bei der Anordnung und Durchführung der Folter (Tortur), zu einer schweren Bedrohung für jeden Beschuldigten werden konnte.“

  • [186]

    Vgl. Kleinheyer, Gerd: Tradition und Reform in der Constitutio Criminalis Carolina. In: Peter Landau und Friedrich-Christian Schroeder: Strafrecht, Strafprozess und Rezeption. Grundlagen, Entwicklung und Wirkung der Constitutio Criminalis Carolina (Juristische Abhandlungen Band XIX). Frankfurt am Main 1984, S. 17.

  • [187]

    „Item es soll auch auff der anzeygen, die auß zauberei oder andern künsten, warzusagen sich anmassen niemants zu gefencknuß oder peinlicher frag angenommen, Sonder die selben angemasten warsäger vnnd ankläger sollen darumb gestrafft werden. So auch der richter darüber auff solche der warsäger angeben, weither fürfüre, soll er dem gemarterten, kosten, schmertzen, iniurien, vnd schaden, wie inn nechst obgesatzten artickel gemelt, abzulegen schuldig sein.“ (Die Peinliche Gerichtsordnung Kaiser Karls V. von 1532 (Carolina) Herausgegeben und erläutert von Gustav Radruch, 6. durchges. Auflage herausgegeben von Arthur Kaufmann, Stuttgart 1996, S. 40f.)

  • [188]

    Vgl. Ströhmer: Von Hexen, Ratsherren und Juristen. S. 54.

  • [189]

    Siehe Ders. S. 61f.

  • [190]

    Zu einer ausführlichen Darstellung des Zaubereiprozesses der Carolina siehe Ströhmer: Von Hexen, Ratsherren und Juristen. S. 64- 80.

  • [191]

    Ströhmer, Michael: Carolina (Constitutio Criminali Carolina, CCC). Die Peinliche Halsgerichtsordnung Kaiser Karls V. im Kontext der frühneuzeitlichen Hexenprozesse. In: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller und Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/1586/ (zuletzt abgerufen am 26.03.2008, 19:06 Uhr).

  • [192]

    Das Akkusationsverfahren wird in der Carolina in Artikel 11 bis 15 erwähnt und wurde als Standardform zum Prozessbeginn angesehen. Daraus resultiert auch die Bezeichnung des Akkusationsprozesses als processus ordinarius und des Inquisitionsprozesses als processus extraordinarius. Der Akkusationsprozess in der Carolina unterscheidet sich jedoch grundlegend von dem mittelalterlichen Akkusationsprozess. In der Carolina bezieht sich nur die Einleitung des Prozesses auf eine Akkusation, der restliche Prozessablauf ist von einer Untersuchung der Ereignisse und Betrachtung der Beweise geprägt. (Für weiterführende Informationen siehe Ströhmer: Von Hexen, Ratsherren und Juristen, S. 64f., Kleinheyer: Tradition und Reform in der Constitutio Criminalis Carolina. S. 21. sowie Lorenz, Sönke: Der Hexenprozeß. In: Ders. und Jürgen Michael Schmidt (Hrsg.): Wider alle Hexerei und Teufelswerk. Ostfildern 2004, S. 133.)

  • [193]

    Kleinheyer: Tradition und Reform in der Constitutio Criminalis Carolina. S. 21.

    Denunziationen wurden erst durch die Einführung des Inquisitionsverfahrens möglich, da so die Verdächtigung bzw. die Nennung eines Namens für das Gericht ausreichte, um von sich aus tätig zu werden und die Vorwürfe zu untersuchen. (Ströhmer: Von Hexen, Ratsherren und Juristen. S. 65.)

  • [194]

    In Artikel 6 der Carolina wird betont, dass der Richter zunächst die Glaubwürdigkeit der Anzeige untersuchen soll, bevor es zur Tortur kommt. Weiterhin schreibt die Carolina in Artikel 23 vor, dass zwei Zeugenaussagen für eine genugsam anzeygung notwendig sind. (Die Peinliche Gerichtsordnung Kaiser Karls V. von 1532. S. 33 - 35)

  • [195]

    Vgl. Dillinger: Hexen und Magie. S. 82. Welche Unterscheidungen bei der Betrachtung von Indizien gemacht werden führt Lorenz (Der Hexenprozeß. S. 137f.) detaillierter aus.

  • [196]

    Die Peinliche Gerichtsordnung Kaiser Karls V. von 1532. S. 52.

  • [197]

    Vgl. Ströhmer: Von Hexen, Ratsherren und Juristen. S. 51.

  • [198]

    „Jtem so eyn missthat zum wenigsten mit zweyen oder dreien glaubhafftigen guten zeugen, die von eynem waren wissen sagen, bewiesen wirdt, darauff soll, nach gestalt der verhandlung mit peinlichen rechten volnfarn vnd geurtheylt werden.“ (Die Peinliche Gerichtsordnung Kaiser Karls V. von 1532. S. 61.)

  • [199]

    Die Peinliche Gerichtsordnung Kaiser Karls V. von 1532. S.58.

  • [200]

    Lorenz: Der Hexenprozeß. S. 134.

  • [201]

    Ströhmer: Von Hexen, Ratsherren und Juristen. S. 69.

  • [202]

    Die Peinliche Gerichtsordnung Kaiser Karls V. von 1532. S. 58.

  • [203]

    Artikel 56 trägt bereits die vielsagende Überschrift: „Keynem gefangen die vmbstende der missethat vor zusagen, sonder jn die gantz von jm selbst sagen lassen.“ (Die Peinliche Gerichtsordnung Kaiser Karls V. von 1532. S. 57)

  • [204]

    Die Peinliche Gerichtsordnung Kaiser Karls V. von 1532. S. 56.

  • [205]

    Vgl. Ströhmer: Von Hexen, Ratsherren und Juristen. S. 70.

  • [206]

    Die Peinliche Gerichtsordnung Kaiser Karls V. von 1532. S. 78.

  • [207]

    Wesel: Geschichte des Rechts. S. 389.

  • [208]

    Ströhmer: Von Hexen, Ratsherren und Juristen. S. 63.

  • [209]

    Oestmann, Peter: Hexenprozesse am Reichskammergericht. (Quellen und Forschungen zur höchsten Gerichtsbarkeit im Alten Reich Band 31), Köln, Weimar, Wien 1997, S. 39.

  • [210]

    Die Aktenversendung wird im Punkt II.2.4 Strukturen und Personen bei den Hexenprozessen näher erläutert.

  • [211]

    Lorenz: Der Hexenprozeß. S. 134.

  • [212]

    Strömer. Von Hexen, Ratsherren und Juristen. S. 80.

  • [213]

    Siehe Midelfort: Johann Weyer. S. 61.

  • [214]

    Ders. S. 62.

  • [215]

    Diehe dazu auch Saatkamp: Der Hexenwahn und seine Gegner. S. 54.

  • [216]

    Zum juristischen Diskurs zum Teufelspakt zwischen Binsfeld und Loos siehe Eerden: Der Teufelspakt bei Petrus Binsfeld und Cornelius Loos. S. 64f.

  • [217]

    Franz, Gunther: Antonius Hovaeus, Cornelius Loos und Friedrich Spee – drei Gegner der Hexenprozesse in Echternach und Trier. In: Ders., Günther Gehl und Franz Irsigler (Hrsg.): Hexenprozesse und deren Gegner im trierisch – lothringischen Raum. (Historie und Politik Band 7) Weimar 1997, S. 128.

  • [218]

    Den Gedanken, dass bei Ausnahmeverbrechen Abweichungen vom Prozessverfahren geltend gemacht werden, verfolgte zuerst Jean Bodin in seinem Werk De la Démonomanie des sorcières. Zagolla, Robert: Folter und Hexenprozess. Die Strafrechtliche Spruchpraxis der Juristenfakultät Rostock im 17. Jahrhundert (Hexenforschung Band 11). Bielefeld 2007, S. 171.

  • [219]

    Vgl. Binsfeld, Peter: Tractat von Bekanntnuß der Zauberer vnnd Hexen. Herausgegeben und eingeleitet von Hiram Kümper, S. x.

  • [220]

    Ebd.

  • [221]

    Dillinger: Hexen und Magie. S. 50.

  • [222]

    Lorenz: Der Hexenprozeß. S. 141.

  • [223]

    Nagel: Die Bedeutung der Disquisitionum. S. 48f.

  • [224]

    Fischer: Die „Disquisitionum Magicarum Libri Sex“. S. 104.

  • [225]

    Vgl. Nagel: Die Bedeutung der Disquisitionum. S. 52.

  • [226]

    Ebd.

  • [227]

    Fischer: Die „Disquisitionum Magicarum Libri Sex“ S. 108.

  • [228]

    Nagel: Die Bedeutung der Disquisitionum. S. 193.

    „Ad affumendas ex officio informationes super delicto sufficiunt indicia leuia; sed ad transmittendam reo inquisitionem, siue ad eum citandum pro delicto, necessaria sunt indicia grauia. Quoad capturam, si fiat tantùm ne reus fugiat, interea dum fit inquisitio; sufficiunt leuia indicia: si verò fiat, vt specialiter contra eum procedatur, necessaria sunt grauio. Ad torturam meâ sententiâ sufficiunt indicia plus quàm grauia [...]“

    Delrio, Martino: Disquisitionum magicarum libri sex. In tres tomos partiti. Tomus tertius seu methodus. Iudicum & Confessariorum directioni commoda. Lovanii 1600, S. 15.

  • [229]

    Fischer: Die „Disquisitionum Magicarum Libri Sex“. S. 109.

  • [230]

    Nagel: Die Bedeutung der Disquitionum. S. 251. „quæstio enim res fragilis est, & periculosa & quæ sæpe veritatem fallit ß; sæpe fit vt innocens pro incerto scelere certißimas luat penas y.“

    Delrio: Disquisitionum magicarum libri sex. S. 61.

  • [231]

    Dies. S. 252.

    „Torturæ modus iudicis arbitrio committitur sed debet illud moderari prudentiâ & æquitate.“

    Delrio: Disquisitiones magicarum libri sex. S. 61.

  • [232]

    Dies. S. 253.

    „Quoad iterationem quæstionis, feruandum primò, nevn quam, etiam vrgentissimis indicijs superuenientibus, reus torqueatur vltrà tertiam vicem, etiamsi varius sit in confessine: quod si semper constanter negauerit, non posset vltra duas vices torqueri, licet contrarium feruetur in praxi.“

    Delrio: Disquisitionum magicarum libri sex. S. 62f.

  • [233]

    Nagel: Die Bedeutung der Disquitionum. S. 307 (Hervorhebung im Text).

    „Obijicitur ex Constit. Carolinâ locus cuius hæc sententia est; si aliqui damnum maleficio siue veneficio intulerint, morte ignis plectantur: si verò nulli damnum intulerint, penas patiantur pro delicti quantitate & qualitate.] Resp. semper[...] huius delicti eam esse qualitatem & quantitatem, vt si foederatæ cum demone; si in conuentibus, ea que fieri solent, fecerint, morte plectendæ sint. Dumtaxat ergo caput hoc definit, venenarios illos semper igne puniendos: ceteros, si venenarij non sint, aliquando ignis, aliquando alio supplicio puniendos.“

    Delrio: Disquisitionum magicarum libri sex. S. 104.

  • [234]

    Tanner: Theologia scholastica. Zitiert nach Behringer, Wolfgang: Von Adam Tanner zu Friedrich Spee. Die Entwicklung einer Argumentationsstrategie (1590-1630) vor dem Hintergund zeitgenössischer gesellschaftlicher Konflikte. In: Theo Gerardus Maria van Oorschot (Hrsg.): Friedrich Spee (1591-1635). Düsseldorfer Symposium zum 400. Geburtstag. Neue Ergebnisse der Spee-Forschung, Bielefeld 1993, S. 162.

  • [235]

    Behringer: Von Adam Tanner zu Friedrich Spee. S. 164f.

  • [236]

    Zu den Argumenten siehe Dillinger: Friedrich Spee und Adam Tanner. S. 41.

  • [237]

    Vgl. Ders. S. 42.

  • [238]

    Eine derartige Abweichung der beiden Werke ist vor allem bei den unterschiedlichen Argumentationsarten zu den Denunziationen zu finden. Siehe dazu Dillinger: Friedrich Spee und Adam Tanner. S. 44ff.

  • [239]

    Vgl. Dillinger: Friedrich Spee und Adam Tanner. S. 53f.

  • [240]

    Dillinger, Johannes: Kritik üben, ohne zuständig zu sein: Zwei Jesuiten und die Hexenprozesse. In: Imprimatur. Nachrichten und kritische Meinungen aus der kath. Kirche, 33 (2000), S. 170.

  • [241]

    Decker, Rainer: Hintergrund und Verbreitung des Drucks der römischen Hexenprozess-Instruktion (1657). In: Historisches Jahrbuch 118 (1998), S. 279.

  • [242]

    Decker, Rainer: Die Cautio Criminalis und die Hexenprozeß-Ordnung der römischen Inquisition im Vergleich. In: Spee Jahrbuch 3 (1996), S. 97.

    „justitia non postulat, quod contra complices cognitos et visos per illusionem procedatur.“

    Decker: Die Cautio Criminalis und die Hexenprozeß-Ordnung, S. 97, zitiert nach: Horst, Georg Conrad: Zauberbibliothek oder von Zaubereim, Theurgie und Mantik..., 3. Teil, Mainz 1822, S. 126.

  • [243]

    Ders. S. 95-97 und 99.

  • [244]

    Ders. S. 91f.

  • [245]

    Diese Zahlen liefert Dillinger: Hexen und Magie. S. 90.

  • [246]

    Cautio Criminalis (Ritter): S. 50.

    „Itali certi & Hispani, qui ad speculandas res & meditandas proniores à natura videntur esse, cum non obscure videant quam si Germanos imitari velint innumeram innocentum turbam simul abrepturi sint, recte abstinent, & solis nobis urendi hanc provinciam | committunt, qui nostro malumus zelo confidere, quam Legislatoris Christi Praecepto acquiescere.“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 50.

  • [247]

    Einen solchen Prozessbeginn „von oben“ gab es zum Beispiel in Mainfranken. Des Weiteren war für diese Hexenprozesse das Auftreten von „Hexenkommissaren typisch, darunter auch Balthasar Nuß oder Heinrich von Schultheiß. (Dillinger: Hexen und Magie. S. 96ff.)

  • [248]

    Dillinger: Hexen und Magie. S. 97.

  • [249]

    Pohl, Herbert: Kurfürst Johann Philipp von Schönborn (1647-1673) und das Ende der Hexenprozesse im Kurfürstentum Mainz. In: Sönke Lorenz und Dieter R. Bauer (Hrsg.): Das Ende der Hexenverfolgung. Stuttgart 1995, S. 25.

  • [250]

    Rummel, Walter: Bauern, Herren und Hexen. (Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft 94) Göttingen 1991, S. 26.

  • [251]

    Dillinger: Hexen und Magie. S. 100f.

  • [252]

    Ders. S. 101.

  • [253]

    Rummel: Bauern, Herren und Hexen. S. 39.

  • [254]

    Dillinger: Hexen und Magie. S. 102. und Schormann, Gerhard: Der Krieg gegen die Hexen. Göttingen 1991, S. 68.

  • [255]

    Gerst, Christoph: Der Hexenprozess. Vom Erkennen einer Hexe bis zum Urteil. Saarbrücken 2007, S. 36.

  • [256]

    Lorenz: Der Hexenprozess. S. 134.

  • [257]

    „[...] so sollen allwegen die gericht, so inn jren perinlich processen, gerichts übungen vnd vrtheylen, darinn jnen zweiuel zufiel, bei jren oberhofen, da sie auß altem veriërtem gebrauch bißher vnderricht begert jren rath zu suchen schuldig sein, Welche aber nit oberhoffe hetten, vnd auff eyns peinlichen anklegers begern die gerichts übung fürgenommen wer, sollen inn obgemeltem fall bei jrer oberkeyt die das selbig peinlich gericht fürnemlich vnd on alle mittel zu bannen, vnd zu hegen macht hat, rath suchen. Wo aber die oberkeyt ex officio vnd von ampts wegen wider eynen mißhendlern, mit peinlicher Anklag oder handlung volnfüre, so sollen die Richter, wo jnen zweiffeln zufiele, bei den nechsten hohen schulen, Stetten, Communen oder andern rechtuerstendigen, da sie die vnderricht mit dem wenigsten kosten zu erlangen vermeynen, rath zu suchen schuldig sein.“ Die Peinliche Gerichtsordnung Kaiser Karls V. von 1532. S. 130.

  • [258]

    Vgl. Zagolla: Folter und Hexenprozess. S. 66.

    Das Prinzip der Rechtsauskunfttätigkeit war im Zuge der Umstellung des Rechtssystems vom Akkusations- zum Inquisitionsprozess und aufgrund der Rückbesinnung auf das römische Recht entstanden. Im Laufe des 12. Jahrhunderts hatte sich erstmals ein eigenständiger Juristenstands entwickelt. Zunächst hatte dies zu der Herausbildung einiger Juristischer Akademien in Italien geführt, welche oftmals um Rechtsauskunft gebeten wurden.

  • [259]

    Zu der Entstehung der Rechtsauskunftstätigkeit in Deutschland siehe Lorenz, Sönke: Aktenversendung und Hexenprozeß. Dargestellt am Beispiel der Juristenfakultäten Rostock und Greifswald (1570/ 82-1630). Band 1/I. Frankfurt am Main 1982, S. 27-42.

  • [260]

    Zagolla: Folter und Hexenprozess. S. 66.

  • [261]

    Zagolla: Folter und Hexenprozess. S. 70f. und Lorenz, Sönke: Aktenversendung und Hexenprozeß. S. 289-294.

    Zagolla mekt an dieser Stelle an, dass eine uneingeschränkte Verbindlichkeit der Urteile aufgrund fehlender Kontroll- und Sanktionsmaßnahmen nicht möglich war, sich die Richter jedoch dennoch an die Empfehlungen hielten.

  • [262]

    Dies war der Fall bei der Rostocker Juristenfakultät. (Zagolla: Folter und Hexenprozess. S. 490.)

  • [263]

    Vgl. Dillinger: Hexen und Magie. S. 106.

  • [264]

    Hier muss ebenfalls betont werden, dass es den typischen Hexenprozess nicht gibt. Zwar galt die Carolina als Orientierungsschrift, da es jedoch jedem Landesfürst frei gestellt war, eigene Gesetze zu erlassen, kam es weder zu einer einheitlichen Gesetzgebung noch zu einem typischen Hexenprozess. Wenn hier somit von „in der Regel“ die Rede ist, bezieht sich das auf ein Prozessschema, welches häufig bzw. mehrheitlich angewandt wurde.

  • [265]

    Die Anklage konnte aufgrund verschiedenster Verdachte erfolgen, so zum Beispiel durch bestimmte, für die Zeitgenossen unerklärliche Krankheiten im Umkreis oder durch den plötzlichen Tod von Vieh. (Ausführlich: Gerst: Der Hexenprozess. S. 41-47.)

  • [266]

    Lorenz: Der Hexenprozeß. S. 138. So kam es unter anderem zu einer exzessiveren Anwendung der Folter als vorgeschrieben oder es wurden Suggestivfragen gestellt, woraufhin Besagungen weiterer Personen folgen konnten.

  • [267]

    Zum Ablauf des Prozesses vgl. Lorenz: Der Hexenprozess. S. 144.

  • [268]

    Vgl. Gerst: Der Hexenprozess. S: 69.

  • [269]

    Ebenso kam es häufg vor, dass Menschen bereits während der Folter verstarben.

  • [270]

    Wobei vor der Verbrennung die Angeklagten, im Fall, dass sie reuig waren, auch stranguliert oder mit dem Schwert hingerichtet wurden. (Gerst: Der Hexenprozess. S. 76.)

  • [271]

    Ders. S. 78.

  • [272]

    Dillinger: Hexen und Magie. S. 130.

  • [273]

    Irsigler: Hexenverfolgung vom 15. bis 17. Jahrhundert. S. 5.

  • [274]

    Cautio Criminalis (Ritter): S. XXXIVf.

    „Ad magistratus germanicæ [...] tum autem Consiliariis, et Confessariis Principium, Inquisitoribus, Iudicibus, Aduocatis, Confessariis Reorum, Concionatoribus, cæterisq lectu vtilissimus.“

    Cautio Criminalis (Ritter): S. XXXIVf.

  • [275]

    Ders: S. 286.

    „Miseram te nimis, quid spe|rasti? Quid non primo in carcerem acessu ream te fecisti? Age stulta mulier & vesana quid toties vis mori cum possis semel?“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 193.

  • [276]

    Battafarano, Italo Michele: Die rhetorisch-litararische Konstruktion von Spees Cautio Criminalis. In: Gunther Franz (Hrsg.): Friedrich Spee zum 400. Geburtstag. Kolloquium der Friedrich-Spee-Gesellschaft Trier. Paderborn 1995, S. 147.

  • [277]

    Im Lateinischen spricht er von „non inutile“. Cautio Criminalis (Oorschot): S. 195.

  • [278]

    Oorschot, Theo G.M. van: Ihrer Zeit voraus. Das Ende der Hexenverfolgung in der Cautio Criminalis. In: Sönke Lorenz und Dieter R. Bauer (Hrsg.): Das Ende der Hexenverfolgung. Stuttgart 1995, S. 2.

  • [279]

    Kytzler, Bernhard: Zur rhetorischen Struktur der Cautio Criminalis des Friedrich von Spee. In: Italo Michele Battafarano (Hrsg.): Friedrich von Spee. Dichter, Theologe und Bekämpfer der Hexenprozesse. Gardolo di Trento 1988, S. 265-276.

  • [280]

    Oorschot, Theo G.M. van: Ihrer Zeit voraus. S. 11.

  • [281]

    Binsfeld wird 61mal zitiert, Delrio 52mal und Tanner 32mal. Eine Liste der zitierten Personen findet sich bei: Wieggrebe et. al: Die in der Cautio Criminalis von Friedrich Spee zitierten Theologen, Juristen und sonstige Personen, sowie theologische und juristische Textstellen. In: Dies.: Friedrich Spee von Langenfeld 1591-1635. Hexenanwalt und Dichter, Ausstellung zum 400. Geburtstag im Heimatmuseum Lüdge 6. September bis 11. Oktober 1991. Lüdge 1991, S. 90.

  • [282]

    Battafarano: Die rhetorisch-literarische Konstruktion von Spees Cautio Criminalis. S. 140.

  • [283]

    Cautio Criminalis (Ritter): S: 103.

    „Insero quod vidi ante annos duos. Eram in loco, ubi initium dabatur inquisitioni Sagarum.“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 83.

  • [284]

    Oorschot: Ihrer Zeit voraus. S: 11.

  • [285]

    Zu den rhetorischen Mitteln siehe Oorschot: Ihrer Zeit voraus. S. 11f. und Kytzler: Zur rhetorischen Struktur der Cautio Criminalis. S. 273ff.

  • [286]

    So zum Beispiel im 20. Dubium, Ratio XVI: „Quid, inquit, tam sollicite maleficos quaerimus? Heus, inquit, Iudices, ostendam exemplo ubi sint: Agite, rapite Cappucinos, Iesuitas, Religiosos omnes & torquete, fatebuntur: si adhuc obstinati sunt, exorci'sate, detondete: utuntur maleficio, obdurat eos Daemon, vos procedite; tandem dabunt manus. Tum si plures vultis rapite Ecclesiae Praelatos, Canonicos, Doctores; fatebuntut. [...] sic omnes Magi sumus.“ Cautio Criminalis (Oorschot): S. 79.

  • [287]

    Battafarano: Die rhetorisch-literarische Konstruktion von Spees Cautio Criminalis. S. 144.

  • [288]

    Siehe Battafarano: Die rhetorisch-literarische Konstruktion von Spees Cautio Criminalis. S. 146.

  • [289]

    Ebd.

  • [290]

    Cautio Criminalis (Ritter): S. 3.

    „Deinde nutrimus hanc opinionem de multitudine apud nos Sagarum ex duobus capitibus, quae notatu digna sunt. Primum est vulgi imperitia seu superstitio, [..]“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 20.

  • [291]

    Ders. S. 4.

    „Secundum est eiusdem vulgi invidia ' & melevolentia, [...]“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 21.

  • [292]

    Ders. S. 279.

    „Unde impetu omnes clamant ut igitur inquirat Magistratus in Sagas, quas non nisi ipsi suis linquis tot fecerunt.“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 189.

  • [293]

    Siehe hierzu auch den 1. Punkt der 51. Frage. (Cautio Criminalis (Ritter): S. 279.)

  • [294]

    Cautio Criminalis (Ritter): S. 10.

    „sed & forsitan hoc ipso commentario adhuc dicam, quod prudentes intelligent. Res est facilis & expedia, minima & magna, nota omnibus, ombnibus ignota.“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 25.

  • [295]

    Hierzu schreibt zum Beispiel Oorschot: „Meines Erachtens kann es sich nur darum handeln, daß der Zweifel (mehr konnte er ohne Gefahr für Leib und Leben nicht schreiben!), ob es überhaupt welche gibt, in Wirklichkeit für ihn bedeutete, daß es überhaupt keine Hexen gib.“ Oorschot: Ihrer Zeit voraus. S. 3.

  • [296]

    Cautio Criminalis (Ritter): S. 255.

    „Itaque nunquam mihi hactenus in mentem venit dubitare quin in mundo Sagae multae essent: nunc cum publica Iudicia penitius examino, eo sensim me duci video, ut dubitem, an sint vix ullae.“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 175.

  • [297]

    Ders. S. 5.

    „Quale crimen sit Sagarum seu maleficorum? REspondeo, Enormissimum, gravissimum, atrocissimum. Ratio est: Quia in eo concurrunt circumstantiae criminum enormissimorum, apostasiae, haeresis, sacrilegij, blasphemiae, homicidij, imo & parricidij, saepe & concubitus contra naturam cum creatura spirituali, & odij in Deum, quibus nihil potest esse atrocius, [...]“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 21f.

  • [298]

    Dies kann zum Prozess der im Vorfeld beschriebenden Selbstreflexion des Autors gezählt werden.

  • [299]

    Cautio Criminalis (Ritter): S. 241.

    „Potest se Daemon transformare in Angelum lucis, ut & Scriptura testis est, & exempla sunt passim in vitis sanctorum, ergo etiam repraesentare | innocentes, praesertim cum non incredibile sit Deum ipsi multa permittere.“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 166.

  • [300]

    Mit der Frage, ob der Teufel den Gefangenen im Kerker erwürgt habe, oder ob von einem natürlichen Tod auszugehen ist, beschäftigen sich ausführlich die 41. und 42. Frage.

  • [301]

    Dieser Verweis findet sich im V. Argument der 48. Frage.

  • [302]

    Cautio Criminalis (Ritter): S. 5.

    „quae directè magis vergunt in damnun rei communis, ac mirifico quodam modo Remplicam affligunt.“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 22.

  • [303]

    Ders. S. 7.

    „Sed nisi plane iniqui esse velimus, illud sibi omnes Iudices velut generale quoddam principium atque inconcussum axioma praefixum habere debent, in omni crimine seu excepto seu non excepto aliter Processum formare non licere, quam recta ratio permittat.“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 23.

  • [304]

    Ebd.

    „In Quibusdam tantum licet, non Omnibus.“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 23.

  • [305]

    Ebd.

    „An bene faciant Principes Germaniae, cum in crimen, Sagarum acriter procedung? [...] Longissime absit à me, ut arguam Magistratus, cum vehementer in hoc crimen se concitant: [...].“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 23.

  • [306]

    Cautio Criminalis, 40. Frage, V. Argument. Mit der Schuld der Obrigkeiten ist deren Unwissenheit über die Geschehnisse in den Hexenprozessen gemeint, darunter zum Beispiel, dass Beichtväter durch Bezahlung und Geldgier motiviert seien auch Unschuldige als Hexen verurteilen zu lassen.

  • [307]

    Cautio Criminalis, (Ritter): S. 16.

    „Non excusatur Princeps, qui omni cura à se reiecta Officiales pro | libitu agere sinit, tenetur ipse suam quoque diligentiam & inspectionem adiungere, ac multum orare Deum, ut spiritu Principali se confirmet.“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 29.

  • [308]

    Ders. S. 22.

    „Rem sane periucundam! Princeps se cura & attentione diligentissima liberat, ac reiicit in conscientiam Officialium: Officiales quoque se liberent & reiiciunt in conscientiam Principis. A in B, & B in A. Princeps ait: viderint Officiales: Officiales aiunt: viderit Princeps: quis hic circulus est? utri autem Deo respondebunt? Nam cum & hi ille viderit; nemo viderit.“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 33.

  • [309]

    Diese Auflistung ist bei der 9. Frage, V. Grund zu finden.

  • [310]

    Cautio Criminalis (Ritter): S. 18.

    „Immanes & truculenti esse alij quivis ex Officialibus possunt, Principes non possunt: horum proprium est humanitate & clementia diffluere semper, saevire numquam: [...]“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 30.

  • [311]

    Siehe dazu auch: Battafarano, Italo Michele: Hexen, Richter und Dämonologen im Urteil des Friedrich von Spee. In: Klaus Grubmüller und Günther Hess (Hrsg.): Bildungsexklusivität und volkssprachliche Literatur – Literatur vor Lessing – nur für Experten? (Akten des VII. Internationalen Germanisten-Kongresses Göttingen 1985. Kontroversen, alte und neue Band 7), Tübingen 1986, S. 180.

  • [312]

    Zu diesen Wendungen wird zum Beispiel die Aussage „Wir haben schwere Indizien gegen sie“ („Habemus gravia contra eam indicia“) gezählt, wobei angemerkt wird, dass der Fürst gar nicht wisse was ein schweres Indiz überhaupt sei. (Cautio Crimnalis (Ritter): S. 25f., Cautio Criminalis (Oorschot): S. 35f.)

  • [313]

    Cautio Criminalis (Ritter): S. 13.

    „[...] dum tanto facilius quisque noxius putabitur, quanto loculis consultius est maiorem esse quam minorem reorum numerum.“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 27.

  • [314]

    Ders. S. 104.

    „mussitabant inter se iudicales personae levitatis se notam contracturos, si sic Titia ad libertatem recurreret. [...] Lictor quoque dedecus veretur tanquam arte sua ac tormentis imperite functus, cum imbelli foeminae confessionem non abstulit.“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 84.

  • [315]

    Ders. S. 106.

    „Itaque torqueatur reus: si con|fitetur, bene est: si non confitetur, insufficiens tortura fuit, cras repetatur: sie nec nunc fatetur, adhuc insufficiens tortura fuit: procedamus.“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 85.

  • [316]

    In Dubium 14 war vorher erklärt worden, dass das Antreiben der Fürsten zur Hexenverfolgung nicht gutgeheißen wird, im Gegenzug solle der Fürst zur Vorsicht gemahnt werden.

  • [317]

    Cautio Criminalis (Ritter): S. 45f.

    „qui speculationibus suis & musaeolo contenti altissima quiete gaudent: quid foris geratur, quis squalor carcerum sit, quod vinculorum pondus, quae instrumenta torturarum, | quae lamenta pauperum, & similia, experimentia nulla didicerunt:[...]“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 47f

  • [318]

    Der Vorwurf, sich aus Geldgier an den Hexenprozessen zu beteiligen und dabei möglichst viele Hexen zu verurteilen, richtet sich ebenfalls an andere an den Prozessen beteiligten Personen, darunter auch die Henker und Beichtväter.

  • [319]

    Cautio Criminalis (Ritter): S. 47.

    „quod cum impune passim inimicitas suas infamando ulciscitur.“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 48.

  • [320]

    Ders. S. 48.

    „[...] ecce igitur quam pronum est de iis pessime post tot exempla suspicari, qui ita vehementer in Magiae crimen zelant!“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 49.

  • [321]

    Ders. S. 81.

    „[...] nimirum torturas has non leve secum trahere periculum, ne, si non serio occurratur, nocentum numerum inoocentes exagerrent.“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 69.

  • [322]

    Ders. S. 28.

    „Nam cur obsecro non permittat Deus nunc hoc tempore quod olim?“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 37.

  • [323]

    Cautio Criminalis (Ritter): S. 35. „tamdiu enim innocens quis haberi debet, quamdiu nondum est legitime probatur nocens.“ (Oorschot S. 41). Dieser Gedanke taucht an mehreren Stellen der Cautio Criminalis erneut auf, so bei der zweiten Vorsichtsmaßregel der 16. Frage: „Auf nichts muß man so sehr achten als darauf, daß nur solche Männer Richter und Inquisitoren werden, die [...] in zweifelhaften Fällen dem Angeklagten eher günstig als ungünstig gesonnen sind.“ (Cautio Criminalis (Ritter): S. 52.) „Nihil autem aeque curandum, quam ut Iudices ac Inquisitores ij sint qui [...], dum res non aperte manibus tenetur pro reo accusato potius quam contra eum inclinent.“ (Cautio Criminalis (Oorschot): S. 51.) Ein weiteres Mal taucht diese Annahme beim ersten Grund der 41, Frage auf: „Es ist ein dem Naturrecht selbst entnommener [...] Grundsatz, daß man jeden solange für gut zu halten hat, bis hinreichend bewiesen ist, er sei schlecht.“ (Cautio Criminalis (Ritter): S. 207). „Communis regula est Theologorum & Iurisperitorum ex ipso naturae iure desumpta, tam diu quemlibet praesumendum esse bonum, donec sufficienter probetur esse malum.“ (Cautio Criminalis (Oorschot): S. 145.)

  • [324]

    Cautio Criminalis (Ritter): S. 190.

    „Damnari nemo potest, de cuius crimine non certo constat: [...]“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 135.

  • [325]

    Ders. S. 158.

    „ita ut fere, seu quasi moraliter certum sit [...] Ipsum autorem esse, qui huius'modi probatione urgetur, nihilque deesse videatur ad plenam certudinem, quam sola rei confessio.“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 116.

  • [326]

    Siehe dazu die fünf Grundsätze zu Ende der 34. Frage.

  • [327]

    Cautio Criminalis (Ritter): S. 228.

    „Erit enim in ipsius ac suorum potestate situm, quaslibet quantumcunque innoxias denunciationibus obruere, & in capturam ac torturam gravissimam, quam paucissimae perferre possunt, quandocunque volent liberrime tradere.“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 158.

  • [328]

    Ders. S. 215.

    „Nam ut concedam livere per lictorem ea quaerere in corpore Rea nu|dato, convenire putem, ut habeatur semiplena minimum probatio. [...] habita autem semiplena contra ream probatione quid opus alio indicio stigmatum est ad torturam.“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 150.

  • [329]

    Cautio Criminalis (Ritter): S.158.

    „sed etiam debent esse plene & concludenter in suo genere per duos testes legetimos probata, [...].“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 116.

  • [330]

    Eine ausführliche Darlegung dieses Arguments findet sich in dem VI. Grund der 37. Frage. Mit der Frage nach der Besagung Mitschuldiger bzw. möglichen Motivationen von Hexen oder Unschuldigen jemanden zu denunzieren beschäftigt sich die 44. Frage.

  • [331]

    Cautio Criminalis (Ritter): S. 162.

    „Legat is catalogum indiciorum ex quibus passim ab Inquisitoribus nonnullis processum est, cum & futilia essent, & riducula, & nec sat probata, tum autem & accurate refuta|ta: & vel ominor fallor, vel ingenti animo exurget, ut iniquissimorum processum libertatem castiget.“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 118.

  • [332]

    Ders. S. 83.

    „sane quidem gravissimus est torturae dolor, si vel dimidium quadrantem, imo hunc dimidium solum duret; quid erit si per quadrantem? Quid si per duos quadrantes? Quid si per horam? [...]nunc tamen mitissimi Iudices (nam de severioribus ne loqui quidem lubet) tam minime hic peccare hodie timent, ut ad horam unam vel duas dimidias torquere plane solenne fecerint, adeo ut insufficiens nominetur quae id tempus non expleverit, [...].“

    Cautio Criminalis (Oorschot). S. 71.

  • [333]

    Ders. S. 94.

    „deinde autem & Autores alij ferociores non desint, qui etiam ultra tertiam vicem in atrocibus criminibus eundem esse putent: quorum proinde opinionem severi Iudices sequentur.“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 77.

  • [334]

    Cautio Criminalis (Ritter): S. 108.

    „Quod si nec poterit reus ad terrorem vel etiam veritatem induci, tum pro secunda aut tertia die quaestionandum erit, ad continuandum tormenta, non iterantum (quia iterari non debent, nisis nova supervenissent indicia) [...].“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 86.

  • [335]

    Mit den Suggestivfragen beschäftigt sich die Cautio Criminalis in dem XII. Grund der 20. Frage, mit der Rasur in der 31. Frage.

  • [336]

    Dies ist explizit im IX. und X. Grund der 10. Frage der Fall.

  • [337]

    Cautio Criminalis (Ritter): S. 116.

    „Vel Titia in | tormentis iis fatebitur se ream, vel non fatebitur: Utrum ' autem fiat, utique est rea: Si fatebitur, rea est, quia fasse est: Si non fatebitur, tunc quoque rea est, quia fassa non est in tam atrocibus tormentis.“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 91.

  • [338]

    Diese Aussage findet sich explizit in der 46. Aussage der 51. Frage.

  • [339]

    Cautio Criminalis (Ritter): S. 196.

    „Revocationes huiusmodi, si à poenitentibus fiant, quod prudentis Confessarij iudicare est, non prorsus nullis, sed magni ponderis habendae erunt: maxime si alios falso detulisse aiunt.“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 139.

  • [340]

    Ders. S. 191.

    „Si convicta esset, torta non esset, est autem torta, non igitur convicta: Constat ex supra dictis [...] torturam adhiberi in supplementum probationis: ter quater torta est, ter quater igitur probationes suppleri indgebant: Si indigebant autem, plenae utique non erant; si non erant, ream igitur non convincebant: non igitur ipsa legitime convicta erat, non igitur de eius crimine certo constabat: non igitur damnari poterat.“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 135.

  • [341]

    Dies ist in der 16. Frage, IV. Vorsichtsmaßregel zu finden.

  • [342]

    Die Aktenversendung wird in der 33. Frage thematisiert.

  • [343]

    Diese Aussagen sind in der 16. Frage, III. Vorsichtsmaßregel zu finden.

  • [344]

    Siehe dazu die 29. Frage.

  • [345]

    Die Bücherzensur besagte, dass ein Schriftstück vor dem Druck geprüft werden musste. Zunächst wurde dies allein auf kirchlicher Seite durchgeführt – 1479 erhielten die Dominikaner vom Papst „die Befugnis, gegen häretische Schriften vorzugehen.“ (Franz, Gunther: Friedrich Spee und die Bücherzensur. In: Ders. (Hrsg.): Friedrich Spee zum 400. Geburtstag. Kolloquium der Friedrich-Spee-Gesellschaft Trier, Paderborn 1995. S. 69.) Im Zuge der Reformation war die Bücherzensur staatlich geregelt worden: „Im Wormser Edikt Kaiser Karls V. von 1521 wurden nicht nur die Schriften Luthers, sondern auch alle anderen Schmähschriften und vergiftete Bücher verboten. Für alle theologischen und weltlichen Bücher wurde die Vorzensur angeordnet.“ (Franz, Gunther: Friedrich Spee und die Bücherzensur. S. 69.) Die Nennung des Druckorts als auch des Namens des Druckers war Vorschrift laut Bücherzensur und Reichspolizeiordnung.

  • [346]

    Cautio Criminalis (Ritter): S. XXXIV und XXXV. Es wird davon ausgegangen, dass romano die ursprüngliche Angabe war, welche später während des Drucks geändert wurde. Eine Vermutung hierbei ist, dass der Autor selbst die Änderung hat vornehmen lassen, um seine Anonymität wahren zu können. Mit der Angabe othod. konnte er nicht aufgrund einer Konfessionsangabe ermittelt werden. Siehe dazu Franz, Gunther: Die Druck- und Editionsgeschichte der Cautio Criminalis. In: Oorschot, Theo Gerardus Maria van (Hrsg.): Sonderdruck aus: Friedrich Spee. Cautio Criminalis. Tübingen und Basel 2005, S. 497f. und S. 503f.

  • [347]

    Franz: Die Druck- und Editionsgeschichte der Cautio Criminalis. S. 506.

  • [348]

    Vgl. Ders. S. 512.

  • [349]

    Siehe dazu Franz, Gunther: Die Druckgeschichte der Cautio Criminalis. In: Theo G.M. van Oorschot: Friedrich Spee. Cautio Criminalis. (Friedrich Spee. Sämtliche Schriften, Historisch kritische Ausgabe, Dritter Band) Tübingen und Basel 1992, S. 515.

  • [350]

    Zu der Person des Johannes Gronaeus siehe Franz: Die Druck- und Editionsgeschichte der Cautio Criminalis. S. 513 sowie Heuser, Peter Arnold: Rainer Decker: Die Hexen und ihre Henker. Ein Fallbereicht. Herder, Freiburg i.Br./ Basel/ Wien 1994, 345 S. In: Rheinisch-westfälische Zeitschrift für Volkskunde, Nr 40, 1995, S. 273.

  • [351]

    Ders. S. 513.

  • [352]

    Zu den Nachweisen, dass die Cautio Criminalis in Köln gedruckt wurde siehe Franz: Die Druck- und Editionsgeschichte der Cautio Criminalis. S. 513-517.

  • [353]

    Siehe dazu Ders. S. 513f.

  • [354]

    Franz, Gunter: Der Druck der Cautio Criminalis in Köln und dessen Behandlung in der neuesten Literatur. In: Spee-Jahrbuch 3 (1996), S. 128.

  • [355]

    Franz: Die Druck- und Editionsgeschichte der Cautio Criminalis. S. 531.

  • [356]

    Ders. S. 533.

  • [357]

    „auctore incerto theologo romano“ Cautio Criminalis (Ritter): S. XXXIV und XXXV.

  • [358]

    Franz, Gunther: Die Druck- und Editionsgeschichte der Cautio Criminalis. S. 544.

  • [359]

    Diel, Johannes: Friedrich Spe. Freiburg 1901, S. 115.

    „Tandem post longum et mihi admodum molestum interuallum quo nullas a R.V. acceperam, allatae huc sunt perbreues ab ipsa Halberstadij 26. Maij scriptae de tractatu quodam a P. Frederico Spe composito, sed ipso inconsulto edito.“

    Duhr, Bernhard: Neue Daten und Briefe zum Leben des P. Friedrich Spe. In: Historisches Jahrbuch, Nr. 21, 1900, S. 351.

  • [360]

    Im Lateinischen: „de tractatu quodam a P. Frederico Spe composito“ (Duhr: Neue Daten. S. 351), „de libro ab ea superioribus annis conscripto et ipsa inconsulta alieno nomine edito“ (Duhr: Neue Daten. S. 352.), „libri illius“ (Ebd.) oder „quae de libro ab illo nuper permisso typis excudi“ (Oorschot, Gerardus Maria van: Friedrich Spees Schwierigkeiten im Jesuitenorden. Eine Ergänzung der von Bernhard Duhr publizierten Dokumente zu Spees Leben. In: Gunther Franz (Hrsg.): Friedrich Spee. Dichter, Seelsorger, Bekämpfer des Hexenwahns. Kaiserswerth 1591 – Trier 1635, Trier 1991, S. 33. Warum es nicht zu einer gemeinsamen Nennung des Werkes und des Namens des Autors gekommen ist, wurde in der Friedrich-Spee-Forschung bislang nicht beachtet. Eine mögliche Erklärung dieser scheinbaren Verschleierung wären Gründe der Geheimhaltung. Dennoch steht hier die Frage im Raum, wie ausführlich die Korrespondenz innerhalb des Ordens im Detail statt gefunden hat und folglich auch wie genau der Ordensgeneral über Inhalt und Autorschaft der Cautio Criminalis informiert war.

  • [361]

    Franz: Friedrich Spee und die Bücherzensur. S. 83. Emmy Rosenfeld gibt in ihrer Biographie über Friedrich Spee den lateinischen Wortlaut Pelckings wieder: „...pestilentissimus liber a P. Frederico Spe constriptus et Rintheliae ipso dirigente impressus sub titulo Cautio Criminalis.“ (Rosenfeld, Emmy: Friedrich Spee von Langenfeld. Eine Stimme in der Wüste. Berlin 1958, S. 64.)

  • [362]

    Franz, Gunther: Ausgaben der Cautio Criminalis und die Frage nach der Verfasserschaft. In: Ders. (Hrsg.): Friedrich Spee. Dichter, Seelsorger, Bekämpfer des Hexenwahns, Kaiserswerth 1591 – Trier 1635, S. 115.

    „Editum est sub nomine Theologi Romanis quoddam eius opusculum, [...]“

    Franz: Ausgaben der Cautio Criminalis und die Frage nach der Verfasserschaft. S. 115.

  • [363]

    Ebd.

    „Latinè edidit Cautionem Criminalem sub nomine Theologi Roman, typis Renselij ad Visurgim 1631.“

    Franz: Ausgaben der Cautio Criminalis und die Frage nach der Verfasserschaft. S. 115.

  • [364]

    „...qu'il etoit de la compagnie de Iesus. Ie scay de bonne part qu'il s'appeloit N. Spee & qu'il est mort il a plusieurs années.“ Deutscher und französischer Text siehe Franz: Ausgaben der Cautio Criminalis und die Frage nach der Verfasserschaft. S. 120.

  • [365]

    Ebd.

  • [366]

    Duhr nennt hier Johann Reichen und den protestantischen Theologen Matthäus Meyfahrt, welche beide den Namen des Verfassers der Cautio Criminalis nicht kannten. (Duhr, Bernhard: Zur Biographie des P. Friedrich Spee. In: Historisches Jahrbuch, Nr. 26, 1905, S. 332.)

  • [367]

    Thomasius veröffentlichte eine Beweisführung dieser Annahme in seiner 1701 erschienenden Dissertation De crimine magiae. Dass Thomasius' Dissertation zeitlich nach Leibnizens Veröffentlichung der Autorschaft Spees liegt, erklärt Conrads damit, dass die beiden sich nicht mochten. Im Jahr 1712 sprach schließlich auch Thomasius von Spee als Autor der Cautio Criminalis. Siehe Conrads, Norbert: Magie und Vernunft. Das Bild Friedrich von Spees bei Leibniz, In: Martin Kintzinger, Wolfgang Stürner und Johannes Zahlten (Hrsg.): Das andere Wahrnehmen. Beiträge zur europäischen Geschichte, August Nitschke zum 65. Geburtstag gewidmet. Köln, Weimar, Wien 1991, S. 506 und Duhr: Zur Biographie des P. Friedrich Spee. S. 332.

  • [368]

    Diesem Brief waren bereits Briefe aus dem Jahr 1696 an den Helmstedter Professor Werlhof und an den Pariser Numismatiker Morell vorangegangen, in welchen Leibniz Spee als Autor der Cautio Criminalis benannte. Siehe Conrads: Magie und Vernunft. S. 506.

  • [369]

    Ritter: Einleitung. S. XV.

    „Quis autor fuerit libri, suo merito celebris, qui inscribitur Cautio Criminalis in processu contra Sagas, didici ex ore Eminentissimi Electoris Moguntini Johannis Philippi. Nempe is fuit Fridericus Spee, Societatis Jesu Presbyter [...]“

    Franz: Ausgaben der Cautio Criminalis und die Frage der Verfasserschaft. S. 122.

  • [370]

    Vgl. Ebd.

  • [371]

    Marigold, W. Gordon: Beziehungen zwischen Friedrich von Spee und Johann Philipp von Schönborn. In: Italo Michele Battafarano (Hrsg.): Friedrich von Spee. Dichter, Theologe, Bekämpfer der Hexenprozesse. Gardolo di Trento 1988, S. 277-295.

  • [372]

    Ders. S. 284f.

  • [373]

    Ders. S. 285.

  • [374]

    Vgl. Conrads: Magie und Vernunft. S. 505.

  • [375]

    Zur Korrespondenz von Leibniz, in welcher er Spee als Autor der Cautio Criminalis nannte, sowie über die Entstehung des Placcius-Briefes siehe Conrads: Magie und Vernunft. S. 507.

  • [376]

    Marigold: Friedrich von Spee und Johann Philipp von Schönborn. S. 285.

  • [377]

    Trusen, Winfried: Rechtliche Grundlage der Hexenprozesse und ihrer Beendigung. In: Sönke Lorenz und Dieter R. Bauer: Das Ende der Hexenverfolgung. (Hexenforschung Band 1) Stuttgart 1995, S. 215.

  • [378]

    Dazu ausführlicher: Decker, Rainer: Die Cautio Criminalis und die Hexenprozeß-Ordnung der römischen Inquisition im Vergleich. In: Spee Jahrbuch 3 (1996), S. 89-100.

  • [379]

    Cautio Criminalis (Ritter): S. 262.

    „Praxis Iudicum non continuo vocanda est praxis Ecclesiae.“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 179.

  • [380]

    Decker, Rainer: Die Cautio Criminalis und die Hexenprozeß-Ordnung. S. 90f.

  • [381]

    Cautio Criminalis (Ritter): S. 67.

    „Advocare si quis audet, iam suspectus est. Imo plus dico suspectus est, aut saltem exosus etiam is, qui solum Iudices amicissime hac super re monere audet. Quae cause est quod commentarium hunc monitorium, iam dudum à me constcriptum, typis non evulgo, sed amicis tantum pauculis manuscriptum communico suppresso nomine. | Terret me exemplum religiosissimi Theologi Tanneri, qui non paucos in se concitavit verissimo ac prudentissimo suo commentario.“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 61.

  • [382]

    Vgl. Dillinger: Friedrich Spee und Adam Tanner. S. 44.

    Behringer zählt zu den Feinden Tanners den Kurfürsten und Erzbischof von Köln Ferdinand von Bayern (1577-1650) und auch die kurkölnischen Hexenkommissaren. (Behringer: Von Adam Tanner zu Friedrich Spee. S. 166f.)

  • [383]

    Vgl. Saatkamp: Der Hexenwahn und seine Gegner. S. 54 und Binz: Doctor Johann Weyer. S. 78.

  • [384]

    Arens, Anton: Friedrich Spee und der Kampf gegen den Hexenwahn. In: Dieter Lau und Franz-Josef Hexen: Vor-Zeiten. Geschichte in Rheinland-Pfalz Band IV, Mainz 1989, S. 124.

  • [385]

    Jerouschek, Günter: Friedrich Spee als Justizkritiker. Die Cautio Criminalis im Lichte des gemeinen Strafrechts der frühen Neuzeit. In: Gunther Franz (Hrsg.): Friedrich Spee zum 400. Geburtstag. Kolloquium der Friedrich-Spee-Gesellschaft Trier. Paderborn 1995, S. 123.

  • [386]

    Arens ist der Auffassung, dass Spee das Tricoronatum besucht hat, Ritter hingegen schreibt, dass Spee das Montanergymnasium besucht habe. Oorschot weist darauf hin, dass kein Grund für die Annahme spricht, dass Spee seine Schulzeit im Tricoronatum anstatt im Montanum verbracht hat. (Siehe Oorschot, Theo G.M.: Die Lebensdaten. In: Arens, Anton: Friedrich Spee im Lichte der Wissenschaften. Beiträge und Untersuchungen. Mainz 1984, S. 9, Arens: Friedrich Spee und der Kampf gegen den Hexenwahn. S. 122 und Ritter, Joachim-Friedrich: Einleitung. S. VII.)

  • [387]

    Ausführliche Informationen zu dem jesuitischen Schulsystem: O'Malley: Die ersten Jesuiten. S. 233-281.

  • [388]

    O'Malley, John W.: The Society of Jesus. S. 229.

  • [389]

    Zum Jesuitentheater siehe Hartmann, Peter C.: Die Jesuiten. München 2001. S. 62-65.

  • [390]

    Zur Ausbildung im Orden siehe O'Malley: Die ersten Jesuiten. S. 396-408 und 413-416.

  • [391]

    Ausführlich: Ders. S. 413-416.

  • [392]

    Vgl. Ders. S. 398.

  • [393]

    Ritter: Einleitung. S. VIII.

  • [394]

    1621 erschien: Bell'Vedére Oder Herbipolis Wurtzgärtlein, Latte di Gallina Peter Oel vnnd Berl Wasser, 1622 erschien: Das allerschönste Kind in der Welt

  • [395]

    1623 erschien: Außerlesene Catholische Geistliche Kichengesäng von Pfingsten, biß zum Advent Zu den Titeln siehe Oorschot, Theo G.M.: Friedrich Spee von Langenfeld: zwischen Zorn und Zärtlichkeit. Göttingen und Zürich 1992, S. 13f.

  • [396]

    Oorschot, Theo G.M.: Die Lebensdaten. S. 10.

  • [397]

    Spee durchlief auch in seiner Professur den Zirkel der Philosphie: zunächst war er Professor der Logik, von 1624 bis 1625 der Physik und von 1625 bis 1626 der Metaphysik.

  • [398]

    Siehe Ritter: Einleitung. S. VIIIf.

  • [399]

    Oorschot schreibt dazu, dass dabei die Angabe von Spees Arbeitsfeld fehlt, Ritter vermerkt jedoch, dass Spee in der Präsenzliste der Beichtväter auftauche. (Oorschot: Die Lebensdaten. S. 11 und Ritter: Einleitung. S. IX.)

  • [400]

    Siehe dazu Arens: Friedrich Spee und der Kampf gegen den Hexenwahn. S. 125.

  • [401]

    Ritter: Einleitung. S. IX. Zu den Beschwerden siehe auch Arens: Friedrich Spee und der Kampf gegen den Hexenwahn. S. 125.

  • [402]

    Vgl. Butzmann, Annelore: Friedrich Spee zur Rekatholisierung in Peine. «Ein Fleck auf weißer Weste»? In: Spee Jahrbuch 14, 2007, S. 48.

    Weitere Vorschläge, welche offenbar von Spee ausgingen, lauten:

    „- Die wegen der Religion aus Peine emigrierten Bürger sollen innerhalb von drei Monaten ihre Güter verkaufen;

    - An Fasttagen darf kein Fleisch verkauft oder gegessen werden;

    - Der Drost soll bei Spee und den Pfarrern nachfragen, bei welchen Einwohnern des Amtes Peine keine Hoffnung auf Konvertierung besteht. Diese sollen vor dem 6. Januar ausgewiesen werden; die übrigen aber sollen sich vor dem 2. Februar 1629 «qualifizieren», d.h. die Sakramente empfangen. [...]

    - Die zwei oder drei Hartnäckigen sollen mit ihren Familien nie mehr ins Peinische zurückkehren dürfen;

    - Sie sollen ihre Güter nur Katholiken verkaufen dürfen;

    - Ihnen sollte nicht die Zeit bis zum 6. Januar, sondern nur eine Woche Frist zur Emigration angesetzt werden.“ (Oorschot, Theo Gerardus Maria van: Zur Geistigen Biographie Spees. In: Italo Michele Battafarano (Hrsg.): Friedrich von Spee. Dichter, Theologe, Bekämpfer der Hexenprozesse. Gardolo di Trento 1988, S. 25.)

  • [403]

    Miesen, Karl-Jürgen: Friedrich Spee. Pater, Dichter, Hexen-Anwalt. Düsseldorf 1987. S. 179.

  • [404]

    Butzmann: Spee zur Katholisierung in Peine. S. 56.

  • [405]

    Dies. S. 57

  • [406]

    Vgl. Oorschot: Die Lebensdaten. S. 11.

  • [407]

    Zum Briefwechsel siehe Oorschot: Friedrich Spees Schwierigkeiten im Jesuitenorden. S. 29ff.

  • [408]

    Ders. S. 31.

    „Paderbornam P. Christiano Lennep Rectori Cum *P. Fredericus Spe tantopere deprecatus sit ne Paderborna ante finem studiorum dimittatur* et ut hoc obtineret seriam*defectuum emendationem* est pollicitus; non dubito quin R.V. occassione oblata usa sit *eumque diserte* de omnibus quae in moribus illius adhuc displicuerunt *admonuerit*. Hoc si nondum fecit, faciat primo quoque tempore addita comminatione, Societatem nisi se melius ad religiosae disciplinae normam composuerit, consilium capturam ut servioribus castigationibus ad officium boni religiosi cogat.“

    Oorschot: Friedrich Spees Schwierigkeiten im Jesuitenorden. S. 31.

  • [409]

    Vgl. Oorschot: Zur geistigen Biographie Spees. S. 34. Oorschot interpretiert die Quellen dahingehend, dass Spee und der andere Pater zur Verteidigung selbst zu den Waffen gegriffen haben.

  • [410]

    Siehe dazu: Franz: Friedrich Spee und die Bücherzensur. S. 81f.

  • [411]

    Diese Theorie vertritt Jerouschek: Friedrich Spee als Justizkritiker. S. 121-124.

  • [412]

    Zu den Quellen dieser Änderungen siehe Franz: Friedrich Spee und die Bücherzensur. S. 91f.

  • [413]

    Ritter, Joachim-Friedrich: Friedrich von Spee 1591-1635, Ein Edelmann, Mahner und Dichter. Trier 1977, S. 72.

  • [414]

    Vgl. Hartmann: Die Jesuiten. S. 59.

  • [415]

    Hartmann: Die Jesuiten. S. 61.

  • [416]

    Siehe dazu: Miesen, Karl-Jürgen: Das Frauenbild Friedrich Spees und sein Kampf gegen die Hexenverfolgung. In: Spee-Jahrbuch 7 (2000), S. 9-160 und Oorschot: Zur geistigen Biographie Spees. S. 43-53.

  • [417]

    Oorschot: Zur geistigen Biographie Spees. S. 16.

  • [418]

    Ders. S. 53.

  • [419]

    Ders. S. 52.

  • [420]

    Vgl. Embach, Michael: Friedrich Spee – Was ist geblieben, was hat nachgewirkt? Europäische Perspektiven. Tagung der Friedrich-Spee-Gesellschaf e.V. Trier vom 26 – 28. April 2002 im Robert-Schumann-Haus Trier. S. 139. Siehe auch Sievernich, Michael: Spees Nachwirken in der Gesellschaft Jesu. In: Spee Jahrbuch 9 (2000), S. 7 -28.

  • [421]

    „Seit Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) [...] spielte Spee eine doppelete [sic] Autorenrolle: jene des Kämpfers gegen den Hexenwahn und jene des geistlichen Autors. [...] In Leibniz' Vorschlag zur Errichtung einer deutschen Akademia avancierte Spee zu einem Idealbild des christlichen Forschers.“ Embach: Friedrich Spee. S. 144.

  • [422]

    Vgl. Embach: Friedrich Spee. S. 140.

  • [423]

    Ders. S. 141.

  • [424]

    Ders. S. 142.

  • [425]

    Zu dem Enstehungszeitraum der Cautio Criminalis siehe Cautio Criminalis (Ritter): S. XIIIf.

  • [426]

    Ders. S. 67.

    „[...] quod commentarium hunc monitorium, iam dudum à me conscriptum, [...]“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 61.

  • [427]

    Ders. S. XIV.

  • [428]

    Cautio Criminalis (Ritter): S. 31.

    „Si & mihi aliquid Lector concedit, faetor me ipsum nonullas superioribus annis in diversis locis ad mortem comitatum fuisse, [...]“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 39.

  • [429]

    Cautio Criminalis (Ritter): S. 31f.

    „diu multumque cum captivis illis tum intra tum extra confessionis sacramentum egi [...]“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 39.

  • [430]

    Irsigler, Franz: Zauberei- und Hexenprozesse in Köln 15. - 17. Jahrhundert. In: Gunther Franz und Franz Irsigler (Hrsg.): Hexenglaube und Hexenprozesse im Raum Rhein-Mosel-Saar. (Trierer Hexenprozesse. Quellen und Darstellungen Band 1) Trier 1995, S. 174.

  • [431]

    Rosenfeld, Emmy: Friedrich Spee von Langenfeld. S. 281f.

    „Ducebatur nuper ad rogum quaedam [...]“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 135.

    Folgende Stelle bezieht Rosenfeld dabei auf den Fall Katharina Henots: „Erst kürzlich hat man eine Angeklagte zum Flammentod überführt.“ Cautio Criminalis (Ritter): S. 190.

  • [432]

    Rosenfeld: Friedrich Spee von Langenfeld. S. 282.

  • [433]

    Franz, Gunther: Hexenprozesse in der Stadt Trier und deren Umgebung. In: Ders. und Franz Irsigler (Hrsg.): Hexenglaube und Hexenprozesse im Raum Rhein-Mosel-Saar. (Trierer Hexenprozesse. Quellen und Darstellungen Band 1) Trier 1995, S. 340.

  • [434]

    Ders. S. 347.

  • [435]

    Baschwitz, Kurt: Hexen und Hexenprozesse. Die Geschichte eines Massenwahns und seiner Bekämpfung. München 1963, S. 260-363.

  • [436]

    Pohl, Herbert: Kurfürst Johann Philipp von Schönborn. S. 20ff.

  • [437]

    Zu den Prozessen in Fulda: Jäger, Berthold: Zur Geschichte der Hexenprozesse im Stift Fulda. Forschungsstand – Kritik – Perspektiven. In: Fuldaer Geschichtsblätter 73 (1997), S. 7-64.

  • [438]

    Siehe Oestmann, Peter: Friedrich Spee und das Reichskammergericht im Kampf gegen die Hexenprozesse. S. 16 -20.

  • [439]

    Vgl. Ders. S. 11.

  • [440]

    Siehe Ders. S. 86f.

  • [441]

    Eine ausführliche Darstellung der Hexenprozesse am Reichskammergericht findet sich bei Oestmann, Peter: Hexenprozesse am Reichskammergericht.

  • [442]

    Cautio Criminalis (Ritter): S. XXXVI.

    „Inde visum est | multis, atque etiam nonnulis Spirae in Camera & in aula Imperatoris plane expedire, ut rursum quantocyus recuderetur, & sic via sterneretur ad ulterius consinderandum, & eruendam veritatem: [...]“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 11.

  • [443]

    Siehe auch Oestmann: Friedrich Spee und das Reichskammergericht. S. 10.

  • [444]

    Miesen: Friedrich Spee. S. 132-137.

  • [445]

    Siehe Oestmann: Friedrich Spee und das Reichskammergericht im Kampf gegen die Hexenprozesse. S. 20.

  • [446]

    Es gibt lediglich nur einen Verweis auf einen Digesten-Kommentar des Reichskammergerichts-Assessors Joachim Mynsinger an. Dieses Zitat ist jedoch problematisch, da besagter Digesten-Kommentar nicht existiert. (Oestmann: Friedrich Spee und das Reichskammergericht. S. 26.)

  • [447]

    Oestmann: Friedrich Spee und das Reichskammergericht. S. 28.

  • [448]

    Eine genaue Aufschlüsselung der Hexenverfolgungen im Hochstift Paderborn ist bei Rainer Decker zu finden: Decker, Rainer: Die Hexenverfolgungen im Hochstift Paderborn. In: Westfälische Zeitschrift 128 (1978) S. 330-333.

  • [449]

    Jerouschek: Friedrich Spee als Justizkritiker. S. 123.

  • [450]

    Ausführlich dazu: Ders. S. 118f.

  • [451]

    Jerouschek geht ebenfalls davon aus, dass Spee bereits von Beginn an mit voller Absicht plante die Cautio Criminalis ohne die Imprimatur des Ordens herauszugeben. Als Grund gibt Jerouschek an, dass Spee durch die gescheiterten Versuche, seine literarischen Werke veröffentlichen zu wollen, alarmiert war und im Fall der Cautio Criminalis nicht das Risiko eines Druckverbots oder einer Zensur eingehen wollte. (Jerouschek: Friedrich Spee als Justizkritiker. S. 121.)

  • [452]

    Jerouschek: Friedrich Spee als Justizkritiker. S. 120.

  • [453]

    Siehe Ders. S. 121-124.

  • [454]

    Wobei es, wie oben bereits angemerkt, eine Ur-Cautio aufgrund der Hexenprozesse in Würzburg nicht gegeben haben kann.

  • [455]

    Zu dieser Frage schreibt Oorschot: „Spee besteht aber so sehr darauf, daß er das, was er erzählt, entweder genauestens erforscht oder selbst erlebt hat, daß man ihm das glauben muß. Trotzdem ist es mir nicht gelungen über Vermutungen hinauszukommen.“ (Oorschot: Ihrer Zeit voraus. S. 5.)

  • [456]

    So Ritter (Vorwort): S. XVI.

  • [457]

    Oorschot: Zur geistigen Biographie Spees. S. 19.

    „Venit [...], ab hac ad dolores torti in carcere militis robusti et ferveis attamen fracti, ut falsa mallet vera esse, quam iterum torqueri, [...]“

    Honselmann, Klemens: Nachrichten über den Aufenthalt P. Friedrich von Spe in Paderborn. In: Westfälische Zeitschrift 109 (1959), S. 366.

  • [458]

    Vgl. auch Ders. S. 20.

  • [459]

    Siehe Franz: Friedrich Spee und die Bücherzensur. S. 89.

  • [460]

    Ders. S. 71.

    „Cum typographus ille qui librum P. Frederici Spe excudit peccasse videatur contra legem a Caesarea Majte latam, ne quis sine permissu Societatis libros a nostris elaboratos edat, [...].“

    Duhr: Neue Daten und Briefe zum Leben des P. Friedrich Spee. S. 351.

  • [461]

    Ders. S. 70f.

  • [462]

    Ders. S. 86.

  • [463]

    Franz: Friedrich Spee und die Bücherzensur. S. 87.

  • [464]

    Oorschot: Friedrich Spees Schwierigkeiten im Orden. S. 34.

    „[...] bonum virum parum syncere cum Superioribus suis agere, et merito timere etiam graviora a tali ingenia deinceps possimus [...] neque ad aliam religionem transire voluerit, ratio aliqua ineunda erit qua non solum ob ea quae adhuc peccavit severe puniatur, verum etiam ita arcte superiorum vigilantia contineatur, ut quam minimum imprudentia ac temeritate sua Societati noceat. *Si Societas hoc Patre liberari non poterit, * [...]“

    Oorschot: Friedrich Spees Schwierigkeiten im Orden. S. 34.

  • [465]

    Vgl. Franz: Friedrich Spee und die Bücherzensur. S. 94.

  • [466]

    Zu dem Wortlaut des Briefes siehe Oorschot: Friedrich Spees Schwierigkeiten im Jesuitenorden. S. 35f.

  • [467]

    Die Zahl stammt von: Hartmann: Die Jesuiten. S. 123.

  • [468]

    So stellt Bireley heraus, dass die Beichväter aus dem Orden der Societas Jesu in Wien und München starken Einfluss auf die Politik während des 30jährigen Krieges hatten. Siehe Bireley, Robert: The Jesuits and the Thirty Years War. Kings, Courts, and Confessors. Cambridge 2003, S. 267.

  • [469]

    Franz: Friedrich Spee und die Bücherzensur. S. 89.

  • [470]

    Die gleiche Auffassung findet sich ebenso bei Franz: Friedrich Spee und die Bücherzensur. S. 89.

  • [471]

    Ritter: Friedrich von Spee. S. 70.

  • [472]

    Lohausen: P. Friedrich Spee SJ. S. 16.

  • [473]

    Lohausen: P. Friedrich Spee SJ. S. 16f.

  • [474]

    Ritter: Friedrich von Spee. S. 68.

  • [475]

    Zu dem Index schreibt Franz: Er „war ein Instrument der Nachzensur nach erfolgter Drucklegung. Es gab Bücherverbote durch Papstbriefe, durch das Heilige Offizium (die Inquisition) und die Indexkongregation. Zur Verurteilung musste ein Buch angezeigt (denunziert) und dann in Rom geprüft werden. Die Zahl der neuerschienenen Bücher, die auf diese Weise im Index erschienen, war begrenzt; in den drei Jahren von 1630 bis 1632 erfuhren 11 Titel oder Autoren diese besondere Aufmerksamkeit.[...] Die Tatsache, daß Spee die Hexenprozesse bekämpfte, prädestinierte ihn keineswegs für den Index. Erstens berührt die Frage der Hexenprozesse angeblich nicht die Glaubenslehre und zweitens hat [...] die Kurie verschiedentlich zur Mäßigung bei den Prozessen gemahnt.“ (Franz: Friedrich Spee und die Bücherzensur. S. 87f.)

  • [476]

    Franz: Friedrich Spee und die Bücherzensur. S. 88.

  • [477]

    Ebd.

  • [478]

    Siehe dazu: Lorenz, Sönke: Die Rezeption der Cautio Criminalis in der Rechtswissenschaft zur Zeit der Hexenverfolgung. In: Theo G.M. van Oorschot (Hrsg.): Friedrich Spee (1591-1635). Düsseldorfer Symposion zum 400. Geburtstag. Bielefeld 1993, S. 132.

  • [479]

    Ders. S. 133.

  • [480]

    So am Gericht Fürstenberg. Siehe dazu Zwetsloot, Hugo Jacobus Josephus: Friedrich Spee und die Hexenprozesse. Die Stellung und Bedeutung der Cautio Criminalis in der Geschichte der Hexenverfolgungen. Trier 1954, S. 318-322.

  • [481]

    Vgl. Lorenz: Die Rezeption der Cautio Criminalis in der Rechtswissenschaft. S. 133f.

  • [482]

    „‚Ich habe für diesem dem Herrn Dr. referiert, daß ich zu Paterborn bei NN und NN gewesen, welche, als under andern der Inquisitionssachen Meldung geschehen, gewaltig aufgeschnitten und gestrünzet, [Fortan auf Latein: – d .V.] daß sehr bedeutende Männer von großer Klugheit und einzigartiger Frömmigkeit ein Buch über die Hexenprozesse, gerichtet notwendigerweise an die Obrigkeiten Deutschland, schrieben.‘“ Decker, Rainer: Der Hexen-Richter Dr. Heinrich v. Schultheiß (ca. 1580-1646) aus Scharmede. In: Detlef Grothmann und die Stadt Salzkotten (Hrsg.): 750 Jahre Salzkotten. Band 2, Paderborn 1996, S. 1052f.

  • [483]

    Decker kann sich nicht erklären, warum Schultheiß die Cautio Criminalis kaum erwähnt: „Diese Ignorierung von Spees ‚Cautio Criminalis‘ ist merkwürdig, denn das Werk war ein Bestseller und erschien 1632 in Köln in der zweiten Auflage.“ (Decker: Der Hexen-Richter Dr. Heinrich v. Schultheiß S. 1053.

  • [484]

    Das Werk Rimhoffs kann als direkte Reaktion auf die deutsche Übersetzung der Cautio Criminalis von Johann Seifert gesehen werden. Siehe dazu Franz: Die Druck- und Editionsgeschichte der Cautio Criminalis. S. 531.

  • [485]

    Geilen: Die Auswirkungen der Cautio Criminalis. S. 39f.

  • [486]

    Ders. S. 28f.

  • [487]

    Mit seinem Werk Christliche Erinnerung, An gewaltige Regenten, vnd Gewissenhafte Praedicanten, wie das abschewliche Laster der Hexerey mit Ernst außzurotten, aber in Verfolgung desselbigen auff Cantzeln vnd in Gerichtsheusern sehr bescheidentlich zu handeln sey.

  • [488]

    Antonii überarbeitete ein aus dem Jahr 1621 stammendes juristisches Gutachten. Darin fügte er Zitate aus der Cautio Criminalis hinzu. Ebenfalls erwähnt wird die Cautio Criminalis in einem Werk von Conrad Hartz aus dem Jahr 1634, welches Antonii ebenfalls überarbeitet hatte. Siehe dazu Lorenz: Die Rezeption der Cautio Criminalis in der Rechtswissenschaft. S. 134f und Decker, Rainer: Spee und Tanner aus der Sicht eines römischen Kardinal-Inquisitors. In: Spee Jahrbuch 6 (1999). S. 45-52.

  • [489]

    Oldekop gab die Cautelae Criminales heraus.

  • [490]

    Seine Schrift hatte den Titel Bezauberte Welt.

  • [491]

    Geilen: Die Auswirkungen der Cautio Criminalis. S. 30f.

  • [492]

    Dies war, wie Behringer ausführt, zum Beispiel in Südostdeutschland der Fall. Behringer, Wolfgang: Hexenverfolgung in Bayern. Volksmagie, Glaubenseifer und Staatsräson in der Frühen Neuzeit. München 1988, S. 366f.

  • [493]

    Geilen: Die Auswirkungen der Cautio Criminalis. S. 40ff.

  • [494]

    Ders. S. 29.

  • [495]

    Vgl. Holzhauer, Heinz: Die Bedeutung von Friedrich Spees Kampf gegen die Hexenprozesse für die Strafrechtsentwicklung. In: Franz, Gunther (Hrsg.): Friedrich Spee und die Hexenprozesse im Kurfüstentum Trier. Trier 1989, S. 42.

  • [496]

    Dillinger, Johannes: Nemini non ad manus adesse deberet Cautio illa Criminalis. Eine frühe Spee-Rezeption in der dörflichen Prozeßpraxis Südwestdeutschlands. In: Gunther Franz und Franz Irsigler (Hrsg): Methoden und Konzepte der historischen Hexenforschung. (Trierer Hexenprozesse Band 4) Trier 1998, S. 277.

  • [497]

    Cautio Criminalis (Ritter): S. XXXVI.

    „[...] prima Editio huius libri, [...] plurima excitaverit ingenia non solum egregie piorum sed etiam doctorum; [...]”

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 11.

  • [498]

    Ebd.

    „Cumque etiam Respublicae nonnullae & Principes conscientia tacti fuerint, & Processus suos mox susperenderint, [...]“

    Cautio Criminalis (Oorschot): S. 11.

  • [499]

    Holzhauer: Friedrich Spees Kampf gegen die Hexenprozesse. S. 41.

  • [500]

    Diese Auffassungen vertreten Geilen: Die Auswirkungen der Cautio Criminalis. S. 48f. wie auch Ritter: Friedrich von Spee. S. 136.

  • [501]

    Franz: Friedrich Spee und die Bücherzensur. S. 94.

  • [502]

    Genauere Details zu den Maßnahmen Schönborns liefert Pohl: Kurfürst Johann Philipp von Schönborn . S. 28ff.

  • [503]

    Zu diesen Taten siehe Marigold: Friedrich von Spee und Johann Philipp von Schönborn. S. 286f.

  • [504]

    Ders. S. 287.

  • [505]

    Vgl. Pohl: Kurfürst Johann Philipp von Schönborn. S. 34.

  • [506]

    Marigold: Friedrich von Spee und Johann Philipp von Schönborn. S. 286.

  • [507]

    Vgl. Ders. S. 288.

  • [508]

    Diese Auffassung vertreten Geilen: Die Auswirkungen der Cautio Criminalis. S. 48f. wie auch Ritter: Friedrich von Spee. S. 136.

  • [509]

    Holzhauer: Friedrich Spees Kampf gegen die Hexenprozesse. S. 41.

  • [510]

    Geilen: Die Auswirkungen der Cautio Criminalis. S. 49.

  • [511]

    Siehe dazu auch Ders. S. 55-90.

  • [512]

    Siehe Oorschot: Ihrer Zeit voraus. S 13.

  • [513]

    Holzhauer: Friedrich Spees Kampf gegen die Hexenprozesse. S. 42.

  • [514]

    Marigold: Friedrich von Spee und Johann Philipp von Schönborn.S. 285.

  • [515]

    Ebd.

  • [516]

    Lorenz: Die Rezeption der Cautio Criminalis in der Rechtswissenschaft. S. 144.

  • [517]

    Levack: Hexenjagd. S. 224.

  • [518]

    Ders. S. 223.

  • [519]

    Siehe Behringer: Hexen. S. 84f.

Empfohlene Zitierweise

Kleemann, Navina: Friedrich Spee: Cautio Criminalis (1631). Entstehung, zeitlicher Hintergrund, Wirkung . Reihe: Wissenschaftliche Qualifizierungsarbeiten zum Hexen- und Magieglauben, hg. von Katrin Moeller, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/7mzya/

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Erstellt: 08.04.2012

Zuletzt geändert: 09.01.2013


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