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Müller, Andreas W.

Die Magie der Inhaltsanalyse. Entwurf einer Inhaltsanalyse für den Vergleich von Hexenprozessakten aus Rostock 1584 und Hainburg 1617/18

Die vorliegende Masterarbeit verfolgt zwei Ziele: Erstens soll der (fünfgliedrige) „elaborierten Hexereibegriff“ als Ordnungskonzept der Forschung überprüft und als Vergleichsmittel für zwei Textkorpora eingesetzt werden. Zweitens wird auf der Basis einer sozialwissenschaftlichen Methode ein Werkzeug für dieses Unterfangen entworfen. ...

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Die Haltung des Juristen Erich Mauritius bezüglich des Hexereidelikts 1660-1664

Maximilian Nonnenmacher

 

Magisterarbeit an der Universität Tübingen 2001

Inhalt

1. Einleitung

2. Einführung in das Thema

2.1 Historischer Abriss zur Hexenverfolgung

2.2 Der elaborierte Hexenbegriff

2.3 Rechtliche Normierung und Hexenprozess

3. Biographie Erich Mauritius

4. Die Rechtsgutachten

4.1 Gutachten vom 17.10.1661

4.2 Gutachten vom 31. 8.1663

4.3 Gutachten vom 28. 2.1663

5. Die Dissertation De denuntiatione sagarum

6. Fazit

1. Einleitung

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Die hier vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Juristen Erich Mauritius und dem Standpunkt, den dieser in Bezug auf das Verbrechen der Hexerei einnahm. Grundlage für diese Untersuchung bilden drei Rechtsgutachten und eine Dissertation, die Mauritius zu dem Thema in seiner Zeit als Mitglied der juristischen Fakultät in Tübingen (1660-1665), verfasst hat.

Die Arbeit ist somit im Kontext der abendländische Hexenverfolgung zu sehen. Diese war ein geschichtliches Phänomen, dass sich zeitlich vom frühen 15. bis weit ins 18. Jh. und räumlich über ganz Europa und darüber hinaus erstreckte. Ihr sind in ihrem Verlauf in verschiedenen Wellen, die zeitlich und örtlich stark differierten, mehrere Zehntausend Menschen zum Opfer gefallen. Den Begriff abendländische Hexenverfolgung zu verwenden ist nötig, da die Hexereivorstellung bzw. Schadenszaubervorstellung, dass bestimmte Menschen mithilfe von übernatürlichen Fähigkeiten anderen Schaden zufügen könnten, durchaus nicht auf Europa und den oben angegebenen Zeitraum beschränkt ist. [1] So muss man sich vor Augen führen, dass es in den verschiedensten Kulturen Hexenverfolgungen gegeben hat und z.T. heute noch gibt, wie das Beispiel einer Hexenverfolgung zeigt, die 1996 in Afrika stattgefunden hat. [2] Allein die besondere Ausprägung der Hexereivorstellung, des sogenannten elaborierten Hexenbegriffs, der im nächsten Kapitel näher erläutert wird, macht eine Abgrenzung zu älteren Vorstellungen in Europa und zu anderen Zaubereivorstellungen möglich.

Die Forschung konnte in den letzten Jahren eindrucksvoll nachweisen, dass für die großen Hexenverbrennungen in Europa keine monokausale Erklärung gefunden werden kann. [3] Theorien, die eine einzige Ursache, wie etwa die kirchliche Inquisition, die Entstehung des modernen Territorialstaats und damit verbundene gesellschaftliche Veränderungen oder die Aufspaltung der Kirche in der Reformation dafür verantwortlich machen wollen, scheinen allesamt unzureichend. Vielmehr spielten wohl meist mehre auslösende Faktoren eine Rolle bei der Entstehung von großen Prozesswellen. [4] So war die Voraussetzung für eine ausgedehnte Verfolgung die Verbreitung des elaborierten Hexenbegriffs. Am Anfang stand meist ein auslösendes Moment, das die bestehende Ordnung gefährdete, wie etwa eine Hungersnot. Auch musste die Obrigkeit die Verfolgungen unterstützen oder zumindest billigen.

Daraus ergibt sich, dass die Ursachen für die Hexenverfolgung, besonders in einem territorial zersplitterten Gebiet wie dem Heiligen Römischen Reich, nicht in großen synoptischen Untersuchungen, sondern vielmehr in Regionaluntersuchungen gefunden werden konnten und erst daraus werden überregionale Tendenzen und verbindende Elemente sichtbar. [5] Das im folgenden behandelte Thema, dem die Arbeit eines einzigen Juristen und das nur in seiner Zeit in Tübingen zugrunde liegt, ist in ähnlicher Weise eine Beschränkung auf einen ganz bestimmten Aspekt der Hexenverfolgung. Es soll anhand seiner in Tübingen erhaltenen Rechtsauskünfte und einer wissenschaftlichen Abhandlung, die Mauritius in seiner Zeit in Tübingen abgefasst hat, gezeigt werden, welchen Standpunkt er bezüglich der Hexenprozesse einnahm und welchen Einfluss er auf diese gehabt hat.

Diese Arbeit wird auch ein Licht darauf werfen, wie ein Hexenprozess ablief, welche rechtlichen Vorschriften ihm zugrunde lagen und auf welche Weise die Rechtswissenschaft die verschiedenen Vorstellungen von Zauberei und Hexerei aufgenommen und rechtlich normiert hat. Ein Kernpunkt dabei ist, dass die Vorstellung, Hexerei sei ein reales, wenn auch schwer beweisbares Verbrechen, noch bis ins 18. Jh. hinein in weiten Kreisen verbreitet war, was ein Ende der Verfolgungen natürlich unmöglich gemacht hat. Allerdings kommt gerade dadurch den Juristen, die wie Erich Mauritius an der Entscheidungsfindung im Prozess beteiligt waren, eine besondere Bedeutung zu. mussten sie doch die Beweise für ein, aus unserer heutigen Sicht gar nicht reales, Verbrechen prüfen und somit bei gewissenhafter Arbeitsweise zur Entlastung der Angeklagten beitragen.

Gerade darin kann auch der Nutzen dieser Untersuchung gesehen werden. Sie kann uns Aufschluss geben über den Einfluss eines Juristen auf die Hexenverfolgung: Hat Mauritius durch seine Gutachten und Abhandlungen eher hemmend auf die Verfolgung eingewirkt oder hat er eher zu einer verstärkten Verfolgung beigetragen? Das scheint um so mehr aufschlussreich, da Mauritius Auseinandersetzung mit dem Hexereidelikt, trotz seiner umfangreichen Dissertation zu diesem Thema, noch nicht ausführlich untersucht wurde.

Um nun die vorgestellte Fragestellung anhand der Quellen zu beantworten, gilt es im ersten Teil der Arbeit die historischen Hintergründe zu beleuchten. Es soll ein Abriss über den Ablauf der Hexenverfolgungen in Europa gegeben werden. In diesem Rahmen soll auch auf die Entstehung des elaborierten Hexenbegriffs eingegangen werden. Im folgenden sollen die juristischen Grundlagen und der Hexenprozess besprochen werden, denn die Legalität der Prozesse, die zum Großteil vor weltlichen Gerichten verhandelt wurden, ist ein weiteres Kennzeichen der abendländische Hexenverfolgung. Im wesentlichen muss dabei eine Beschränkung auf das Gebiet des Heiligen Römischen Reiches stattfinden. Auch die Aktenversendung und die Rechtsauskunftstätigkeit von gelehrten Juristen, die im Reich eine große Rolle spielten und die auch die Grundlage für die Gutachten von Mauritius bildeten, werden in diesem Rahmen angesprochen.

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Im Hauptteil der Arbeit sollen dann, nach einem kurzen Abriss des Lebenslaufs, die drei uns erhaltenen Gutachten von Mauritius aus seiner Zeit in Tübingen und eine Dissertation, die er zu diesem Thema abgefasst hat, beleuchtet werden. Anhand der Deliktbeschreibung und Indizienlehre soll der Einfluss auf Hexenprozesse ausgearbeitet werden. Die wichtigsten Ergebnisse werden in einem kurzem Fazit zusammengetragen.

2. Einführung in das Thema

2.1 Historischer Abriss zur Hexenverfolgung

Wie in der Einleitung bereits angeklungen, waren die Hexenprozesse und -verbrennungen, die im Europa des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit stattfanden, kein konstantes, einheitliches Phänomen. Es gab Einzelprozesse, kleinere Hexenverfolgungen mit nur wenigen Prozessen und wahre Prozesswellen, die sowohl in ihrer Intensität, als auch in ihrer zeitlichen und räumlichen Ausdehnung stark variierten. Im folgenden soll daher versucht werden, aufzuzeigen, was die Grundlage für die Hexenverfolgungen gebildet hat, wie der Ablauf war und welche verbindenden und unterscheidenden Merkmale und Ursachen es gab. Allerdings soll diese Einführung nur als grober Überblick verstanden werden, für detailliertere Informationen wird hier auf einführende Literatur verwiesen. [6]

Nach Schätzungen sind den Prozessen zwischen 60 000 und 80 000 Menschen zum Opfer gefallen. [7] Diese Zahl ergibt sich aus der Hochrechnung der, keinesfalls vollständigen, Prozessakten und liegt weit unter älteren Schätzungen, wie z. B. der 1974 von Andrea Dworkin angenommenen Zahl von 9 Millionen Hinrichtungen. [8] Zu diesen Opfern kommen natürlich noch all jene Menschen, die in den Verdacht der Hexerei gerieten und nicht hingerichtet wurden, aber trotzdem Repressalien wie Folter oder Inhaftierung hinnehmen mussten.

Schon im Mittelalter hatte es vereinzelt Prozesse gegen Wahrsager, Zauberer und Wettermacher gegeben, diese bezogen sich allerdings noch auf den einfachen Vorwurf des Schadenszaubers, das maleficium. [9] Es fehlten noch wesentliche Merkmale des Hexenglaubens, die erst später zu der Vorstellung vom Schadenszauber hinzukamen. Zu diesem Konglomerat, das man als den elaborierten Hexenbegriff bezeichnet, gehörte die Vorstellung, dass die Hexen einen Pakt mit dem Teufel eingehen und mit ihm auch geschlechtlich verkehren, die Vorstellung von Tierverwandlungen, dass sie in der Lage seien, durch ihre magischen Fähigkeiten Tier und Mensch Schaden zuzufügen und außerdem, dass sie in einer Art Teufelssekte organisiert seien, die zu Hexensabbaten zusammenkommt, um dort in orgiastischen gotteslästerlichen Feiern dem Teufel zu huldigen. [10] In enger Verbindung damit stand der Glaube an den Hexenflug, der es den Hexen ermöglichte, auch entfernte Orte zu diesem Zweck zu erreichen.

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Die Ausbildung des elaborierten Hexenbegriffs war um 1430 abgeschlossen. [11] Im Verlauf des 15. Jh. kam es dann zu ersten Prozessen. [12] Für die erste Hälfte des 16. Jh. ist, von einigen Ausnahmen abgesehen, eine Stagnation oder gar ein leichter Rückgang der Zahl der Prozesse zu verzeichnen, und erst in der zweiten Hälfte kam es zu einem sprunghaften Anstieg der Prozesstätigkeit. [13] Nach einer ersten Prozesswelle in den 60´er Jahren begann ab 1590 der Höhepunkt der europäischen Hexenverfolgung, der bis 1630 dauerte, wobei am vergfolgungsreichsten die Zeit von 1610-1630 und im Reich von 1627-1632 war. [14] Danach klangen die Prozesse nach und nach ab, bevor die letzten legalen Verbrennungen 1775 im Reich und 1782 in der Schweiz das Ende der Hexenverfolgung bedeuteten. [15]

Natürlich kann das soeben gezeichnete Bild nur als eine Art Grundtendenz gesehen werden, die die Forschung aus einer Vielzahl regionaler und lokaler Untersuchungen aufzuzeigen versucht hat. Während in einigen Gebieten der Zenit der Verfolgung schon überschritten war, standen in anderen Gegenden die großen Verfolgungen noch bevor. So war die Verfolgungstätigkeit im südlichen Europa, also in Italien und Spanien um 1630 so gut wie zum Erliegen gekommen, noch bevor sie in anderen Teilen Europas, wie etwa in Polen und Ungarn erst ihren Höhepunkt erreichte. [16] Zentrum der Hexenverfolgung war Westeuropa und das westliche Mitteleuropa, wo etwa 75% der Prozesse durchgeführt wurden. [17] Der Schwerpunkt lag in der Schweiz mit knapp 10 000 und dem Heiligen Römischen Reich mit etwa 15 000 bis 20 000 Opfern. [18] Innerhalb des Reiches lässt sich feststellen, dass der Südwesten mehr und verheerendere Verfolgungen erfahren hat, als der Norden und der Osten. [19]

Die unterschiedliche Heftigkeit der Prozesse in den einzelnen Regionen Europas wirft die Frage nach den genauen Auslösern für einzelne Prozesswellen auf. Wie Franz Irsigler festgehalten hat, kann man mehrere Faktoren bzw. Faktorengruppen anführen, die für große Verfolgungswellen und Massenprozesse verantwortlich waren und die in der Einleitung schon kurz angesprochen wurden. [20] Am Anfang von großen Prozesswellen konnte, als auslösendes Moment, eine Krisensituation stehen, die eine gesamtgesellschaftliche Bedrohung darstellte. [21] Solche Krisen wie etwa Hungersnöte, Missernten oder Teuerungen, die in der frühen Neuzeit in Europa keine Seltenheit waren, schufen Ängste und Missstimmungen, die sich in Hexenverbrennungen entladen konnten. So lässt sich zum Beispiel für Württemberg, dem Gebiet, auf das sich auch die Gutachten von Mauritius beziehen, nach einem schweren Hagelunwetter, das das Land 1562 heimsuchte, ein sprunghaftes Ansteigen der Hexenprozesse verzeichnen. [22] Die Vorstellung vom Wetterzauber der Hexen lieferte die Möglichkeit einen Schuldigen für ein natürliches Phänomen, das viele in ihrer Existenz bedrohte, zur Verantwortung zu ziehen. Auch sind die großen Prozesswellen in den 90´er Jahren des 16. Jhs. mit der wirtschaftlich schlechten Situation und auch mit allgemeinen klimatischen Verschlechterungen, die der Agrarwirtschaft zu schaffen machten, der so genannten kleinen Eiszeit, in Verbindung zu bringen. [23] Aber auch Ängste, wie die vor Krieg oder konfessionellen Umbrüchen, konnten Prozesswellen auslösen oder verstärken. [24]

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Ein weiterer Faktor ist in diesem Zusammenhang die Verbreitung des elaborierten Hexenbegriffs, sowohl beim Volk als auch bei der Obrigkeit. Hexenprozesse sind natürlich ohne ein Mindestmaß an Hexenglauben undenkbar. Doch wie erwähnt ist die Vorstellung vom einfachen Schadenszauber älter als der elaborierte Hexenbegriff und so ist von entscheidender Bedeutung wie weit diese in den einzelnen Teilen Europas aufgenommen wurde. In England zum Beispiel konnte sich die Vorstellung von den Hexensekten nicht in dem Maße durchsetzen wie auf dem Festland, was auch auf den fehlenden Einsatz der Folter bei den Prozessen zurückzuführen ist. [25] Damit war großen Kettenprozessen, die auf den Denunziationen anderer Hexen beruhten, weitgehend ein Riegel vorgeschoben.

Zum Dritten war der Verfolgungswille, der von der Bevölkerung der Städte und Gemeinden ausging, ein wichtiger Faktor für das Entstehen großer Verfolgungswellen. In Wechselwirkung mit den ersten beiden Faktoren, also einer allgemeinen Krisensituation und der Verbreitung des elaborierten Hexenbegriffs, konnte der Verfolgungswille der Bevölkerung zu einem regelrechten Verfolgungsdruck von unten führen, der sich u. a. in dem Ansteigen der Zahl der Anzeigen äußerte. [26]

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Als weiterer Punkt ist die Haltung der Obrigkeit zu nennen. Je nachdem wie man in den einzelnen Territorien auf den Ablauf der Prozesse einwirkte, konnten sich mehr oder weniger große Prozesswellen entwickeln. In verschiedenen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass durch die Haltung der Obrigkeit ganz entscheidend darauf Einfluss genommen werden konnte und wurde. [27] Zum Teil wurden die Verfolgungen gefördert, dadurch dass dem Druck aus der Bevölkerung nachgegeben wurde, während in anderen Gebieten durch entsprechende Regelungen hemmend auf die Verfolgungen eingewirkt wurde. Nur dort, wo die Obrigkeit die Prozesse förderte oder zumindest duldete, konnten sich große Verfolgungswellen entwickeln. Das lässt sich u. a. auch am deutschen Südwesten zeigen, in dem ,auch aufgrund seiner großen Zersplitterung und schwach ausgeprägten Herrschaftsstrukturen, im Vergleich zu den großen Territorien im Reich überproportional viele Hexen verbrannt wurden. [28]

Als weitere mögliche Faktoren führt Irsigler in dem erwähnten Aufsatz noch das oft maßgebliche Einwirken von so genannten Hexenkommissaren und die Instrumentalisierung der Prozesse zu Zwecken an, die nicht mehr die Verfolgung von Hexen und Hexensekten zum Ziel hatten, sondern eher auf die Lösung von gesellschaftlichen Problemen ausgerichtet waren. [29]

2.2 Der elaborierte Hexenbegriff

dass die Vorstellung von Hexerei in ihren verschiedenen Ausprägungen und ihrer Subsumtion im elaborierten Hexenbegriff die Grundlage für die abendländischen Hexenverfolgung bildet, wurde bereits angesprochen. Im folgenden sollen die einzelnen Elemente dieser Vorstellung und ihre Herkunft aufgezeigt werden, da sie für die juristische Umsetzung die Grundlage bilden. So muss man, wenn man die Indizienlehre und Rechtsgrundlagen im Prozess verstehen will, auch in groben Zügen die Entwicklung des elaborierten Hexenbegriffs kennen und deren Auswirkung auf den Ablauf des Verfahrens.

Der elaborierte Hexenbegriff setzt sich aus vier wesentlichen Elementen zusammen. Dem maleficium, das auch in anderen Kulturen das Kernstück von Hexereivorstellungen bildet, und auch in der abendländischen Kultur die zentrale Rolle gespielt hat. [30] Daneben die Vorstellung von nachtfahrenden Geistern aus dem Volksaberglauben, und von Tierverwandlungen. Neben diesen älteren Vorstellungen trat als wesentlich neues Element aus der christlichen Scholastik der Teufel, der Teufelspakt und die Buhlschaft mit ihm in die Hexereivorstellung. Das vierte Element war der Glaube, dass die Hexen, analog zu den Ketzersekten, die die christliche Kirche seit dem 12 Jh. verfolgte, organisierte Gruppen seien.

Die Verschmelzung dieser Vorstellungen geschah in der Alpenregion, genauer gesagt im Gebiet des ehemaligen Herzogtums Savoyen, durch die kirchliche Inquisition, indem die real bestehenden Sektenstrukturen in Prozessen mit den anderen Elementen verbunden wurden. [31] Dieser Vorgang war um 1430 abgeschlossen und in der ersten Sitzungsperiode des Basler Konzils (1431-1449) war das Hexenverbrechen neu definiert worden. [32] In dieser Form bildete es die Grundlage für die systematischen und epidemischen Verfolgungen des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit.

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Das maleficium begegnet uns in vielen Kulturen, so in der griechischen, römischen, germanischen und keltischen. [33] Die Vorstellung, ein Mensch könne anderen durch magische Rituale Schaden zufügen war schon in der Antike verbreitet. Mögliche Schädigung konnten Tod oder Krankheit von Personen oder Tieren, Impotenz, Ernteschäden etc. seien. Diese Formen der Schäden beruhten, nach damaliger Vorstellung auf so genannter schwarzer also schädigender Magie und verstießen gegen die Gesellschaftsordnung. Sie wurden im römischen und germanischen Kulturkreis auch strafrechtlich verfolgt. [34] Anders dagegen war die weiße Magie, die nur Nutzen bringen sollte oder eben zur Abwehr von Schadenszaubern angewendet wurde, nicht zwangsläufig unter Strafe gestellt. [35] Das änderte sich aber mit dem Aufstieg des christlichen Glaubens zur römischen Staatsreligion, da nach Auffassung der christlichen Lehre die Bewirkung aller Magie nur mithilfe von Dämonen möglich war, und somit der Zauberer sich dem Verbrechen der Häresie schuldig machte. [36]

Ausgeführt werden konnten solche Schadenszauber durch verschiedene Praktiken. Es gab u.a. die Schädigung durch Gift, das veneficium, welches in so enger Verbindung zu dem maleficium gesehen wurde, dass die Begriffe auch synonym verwendet wurden, das Loswerfen (sortelegium) und die Beschwörung (incantatio). [37]

Im Sammelbegriff der Hexerei finden sich als weiteres Element Vorstellungen aus dem Volksglauben von nachtfahrenden Geisterwesen, die umherflogen und ihr Unwesen trieben. Diese Geister, die unter den Bezeichnungen [38] striga, Unholde, lamia oder eben unter dem später für den erweiterten Vorstellungskreis verwendeten Begriff Hexe, in verschiedenen Gebieten Europas als Vorstellungen existierten, waren keineswegs einheitliche Wesen sondern bestanden in einer Vielzahl von Charakteristika in unterschiedlichen regionalen Ausprägungen. [39] So führte man z. B. den Flug dieser Geister mancherorts auf eine Verwandlung in eine Eule zurück, was auch die Nähe zu dem Vorstellungskreis der Tierverwandlungen zeigt, während man andernorts glaubte, diese Geisterwesen ritten auf Tieren oder Besen. [40] Gerade diesen Vorstellungskomplex aus dem Volksglauben lehnte die Kirche aber im Mittelalter ab, wie eindrucksvoll der so genannte Canon episcopi beweist, der zum kanonischen Recht gehörte und in dem solche Flugvorstellungen als Aberglaube abgetan wurden. [41] Im 15 Jh. erfolgte dann aber in Zusammenhang mit den Ketzerprozessen die Übernahme dieser Elemente in das Konglomerat des Hexenbegriffes. [42]

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Anders war die Einstellung der Kirche zur Zauberei, welche von jeher für möglich gehalten wurde. [43] Im Aufeinandertreffen der christlichen Kirche mit andern Religionen entwickelte sich, durch ihre Stellung im römischen Staat, die Theorie, dass jegliche kultische Handlung für andere Götter, jeder Götzendienst eine Kommunikation mit diesen darstelle, um Dinge zu erreichen, die Gott nicht zulassen würde. [44] Man sprach den alten Göttern also ihre Existenz nicht ab, sondern ordnete sie als Dämonen dem Teufel bei. Sie konnten nach kanonischem Denken also tatsächlich Dinge in der Welt bewirken. [45] Demnach wurde im ausgehenden römischen Reich Götzendienst auch genauso hart bestraft wie die schädigende Zauberei. [46]

Auf der anderen Seite entwickelte sich daraus die Lehre vom Dämonenpakt. Nach Augustinus ging man davon aus, dass jegliche magische Handlungen oder Gegenstände wirkungslos seien, sie aber die Kommunikation mit Dämonen ermöglichten, welche dann tatsächlich die Handlungen ausführten. [47] Durch das Ausführen einer magischen Handlung oder dem Gebrauch eines magischen Gegenstandes macht der Mensch somit ein Angebot, dass der Dämon durch die Ausführung des vom Menschen erwünschten Begehrens annimmt, wodurch es zu einem gegenseitigen Vertrag, einem Dämonenpakt bzw. in Konsequenz der Teilhaftigkeit von diesem am teuflischen Prinzip, zu einem Teufelspakt kommt. [48]

Thomas von Aquin differenzierte dieses Vorstellung in ausdrückliche (pacta expressa) und stillschweigende (pacta tacita) Teufelspakte und erweiterte deren Grundlage von zauberischen auch auf abergläubische Handlungen aller Art. [49] Dies bedeutet, dass jegliche abergläubische oder zauberische Handlung letztendlich wissentlich oder unwissentlich einen Pakt mit dem Teufel zur Folge hatte und somit als ein Abfall von Gott, als Häresie zu bewerten war.

Auch der geschlechtliche Umgang mit dem Teufel, oder mit Dämonen, der schon von Augustinus als möglich angenommen wurde, floss mit in den elaborierten Hexenbegriff ein. Zwar war diese Ansicht im frühen Mittelalter nicht immer unbestritten, doch wurde sie durch Theologen wie Albertus Magnus und Thomas von Aquin ausgebaut und somit zur communis opinio in der Scholastik. [50] Die Vorstellung von der geschlechtlichen Vereinigung von Mensch und Teufel (succubus incubus) taucht dann auch im 13. und 14. Jh. in den Ketzerprozessen auf. [51]

Außerdem entstand aufgrund der Ketzerprozesse, bei denen die Inquisition es mit Sektenstrukturen zu tun hatte, die sie zu zersprengen suchte, die Meinung, auch die Zauberer seien als solche in Strukturen organisiert, sie seien also eine neue und besonders gefährliche Sekte. [52] Diese Vorstellung bildet das letzte Element des elaborierten Hexenbegriffs. Großen Anteil an der Entstehung dieses Konglomerats aus verschiedenen Vorstellungen, deren Wurzeln und Ausprägungen hier dargestellt werden sollte, hat der Ablauf des Inquisitionsprozesses und besonders der Platz den die Folter bei diesem einnahm.

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Nachdem also der elaborierte Hexenbegriff entstanden war, gelangte er durch den gelehrten Disput sozusagen in die Vorstellungswelt der europäischen Elite. Frühestes Werk, dass den elaborierten Hexenbegriff nach Deutschland vermittelte, war der von Johannes Nider 1437 fertiggestellte Formicarius. [53] Eine weitere frühe Arbeit, die zur Verfolgung der neuen Hexensekte aufrief, war das 1458 geschriebene Traktat Flagellum haereticorum fascinariorum von Nicolaus Jacquier. [54] 1487 erschien erstmals der Malleus maleficarum von Heinrich Institoris und Jakob Sprenger im Druck. [55] Das im deutschen Hexenhammer genannte Werk erlangte traurige Berühmtheit. Zwar war der elaborierte Hexenbegriff durchaus schon in den älteren Werken subsumiert worden, der Hexenhammer wies aber einige Neuerungen auf, die ihn von den Vorläufern unterschieden. Eine bedeutende Neuerung war die Zuspitzung des Hexereidelikts auf die Frau. Zwar war durch die aus dem Volksaberglauben stammenden Vorstellungen von Strigen und Lamien und deren Vermenschlichung Frauen ohnehin prädestiniert für Verfolgungen, trotzdem wurden in den Prozessen des 15. Jh. etwa zu zwei drittel Frauen hingerichtet, [56] während ihr Anteil, wenn man die gesamte abendländische Hexenverfolgung betrachtet, etwa 75-80 % betrug. [57]

Die Vorstellung von einer Hexensekte und vom Sabbat waren im Hexenhammer nicht besonders stark ausgearbeitet, [58] er rief aber dazu auf, dass auch weltliche Gerichte Hexenverfolgungen durchführen sollten. Die große Wirkung, die dem Hexenhammer beschieden war, ist wohl auf zwei Faktoren zurückzuführen. Einerseits auf die päpstliche Bulle Summis desiderantes affectibus von 1484. [59] Diese Bulle war ein Freibrief zur Durchführung von Verfolgungen, die die Inquisitoren Sprenger und Institoris vom Papst erhalten hatten. Sie wurde als eine Art Vorwort dem Werk vorangestellt. [60]

Zweitens bot der Hexenhammer konkrete Anweisungen zur Abwicklung von Hexenprozessen. [61] Das propagierte Verfahren glich dem in den Ketzerprozessen verwendetem Schnellverfahren, das dem Angeklagten möglichst wenig Verteidigungsmöglichkeiten ließ und bei dem die uneingeschränkte Folter wichtigstes Beweismittel war. Besonders die Aufnahme dieses letzten Teils des Hexenhammer in übersetzter Form in die zweite Ausgabe von Ulrich Tenglers Layenspiegel von 1511, einer Anweisung gerade für Gerichte mit im römischen Recht ungelehrten Richtern, hat im deutschsprachigem Raum zur großen Wirkung des Hexenhammers geführt. [62]

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In der 1. Hälfte des 16. Jh. entstand, in Wechselwirkung mit der Stagnation der Prozesse, kaum neue Literatur. Erst als nach der Jahrhundertmitte die Prozesse und Hinrichtungen sprunghaft anstiegen, gab es auch wieder eine neu einsetzende schriftliche Auseinandersetzung mit dem Vorstellungskomplex der Hexerei. [63] Als solches ist auch Peter Binsfelds Tractatus de confessionibus maleficorum et sagarum von 1589 zu sehen. [64] Dieses war eine Art Resümee einer von Binsfeld in seiner Funktion als Weihbischof in Trier initiierten Verfolgung, der mehr als 300 Menschen zum Opfer gefallen waren und forderte ungehemmt zur Verfolgung auf. [65]

Mit dem Werk Disquisitionum magicarum libri VI von 1599 war dann wohl der Höhepunkt in der Hexenliteratur erreicht. [66] Es wurde von dem Jesuiten Martin Delrio verfaßt, ließ, in einer Mischung aus theoretischer Auseinandersetzung und praktischen Beispielen, keinen Zweifel an der Realität von Hexen und Hexensekten und forderte zu ausgedehnten Verfolgungen auf. [67] Delrios Abhandlung war damit das Standardwerk zur Zeit der größten Verfolgungen im Reich. Delrio galt noch bis weit ins 18. Jh. hinein als hervorragende Kapazität und hat selbst in den protestantischen Gebieten großen Einfluß genommen. [68] So ist Benedikt Carpzov stark von Delrio eingenommen, was die von Carpzov Mitte des 17. Jh. geschaffene Practica criminalis zeigt, die ihr auch den Ruf eines protestantischen Hexenhammers eingebracht hat. [69] Zu nennen sind hier auch das Werk das bekannten Staatsrechtlers Jean Bodin, die Daemonomanie von 1580 und das des lothringischen Hexenrichters Nicolas Rémy, die Daemonolatria, beides also Werke von französischen Juristen, die die Rechtmäßigkeit von Hexenprozessen und auch ein verschärftes Vorgehen in solchen propagierten. [70]

Neben den hier aufgeführten Befürwortern der Hexenverfolgung, gab es zu allen Zeiten auch Kritiker des elaborierten Hexenbegriffs und Gegner der Hexenverfolgung. Schon im 15. Jh. hatte Ulrich Molitor Kritik an der kanonischen Hexenvorstellung geübt. In seinem 1489 erstmals erschienenem Tractatus de laniis et phitonicis mulieribus teutonice unholden vel hexen erkannte er zwar den Teufelspakt als Voraussetzung des Schadenszaubers an, verwarf aber die Vorstellungen von Hexensabbat und Hexenflug, also die anderen wesentlichen Merkmale des elaborierten Hexenbegriffs. [71]

Im Zusammenhang mit den ersten Prozesswellen des 16. Jh. stand die Kritik des protestantischen Arztes Johann Weyer. In seinem Pamphlet De praestigiis daemonum prangerte er die Hexenverfolgungen an und gab zu verstehen, dass ihr Unschuldige zum Opfer fielen. [72] Die Ansicht Weyers wie auch anderer Verfolgungsgegner wurde von den Befürwortern als „ketzerisch“ abgetan. [73]

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In England verfasste der Adlige Reginald Scot 1584 The Discovery of Witchcraft, in welchem er den Hexenglauben ablehnt und den Ansichten Weyers folgend gegen Bodin und den Hexenhammer argumentiert. [74] Dieser aus heutiger Sicht sehr fortschrittliche Angriff auf den Hexenglauben bewegte sogar den englischen König Jakob I. (engl.: James), einen Sohn der Maria Stuart, zu einer zweiten Ausgabe seiner Demonology, einer Schrift, in der die Macht des Teufels und der Hexen als real dargestellt wurden, um so in Dialogform die Argumente Scots zu widerlegen. [75] Auch ließ Jakob I. alle auffindbaren Exemplare des Buches von Scot verbrennen, so dass dieses erst in einer 1609 erschienenen holländischen Übersetzung verbreitet wurde. [76]

Wie gefährlich Kritik an der vorherrschenden Vorstellung des Hexenwesens sein konnte zeigt auch der Fall des katholischen Theologen Cornelius Loos. In seiner Schrift De vera et falsa magia hatte er 1590 Teile des elaborierten Hexenbegriffs abgelehnt. [77] Ihm wurde daraufhin 1592 in Trier der Prozess gemacht, und er musste seine Thesen in Anwesenheit des schon erwähnten Weihbischofs Binsfeld widerrufen. [78]

Es ist daher nicht verwunderlich, dass im katholischen wie im protestantischen Bereich im größten Teil des 17. Jh. die bedeutendsten Kritiker der Verfolgung, wie Friedrich Spee, nicht die etablierte Hexereivorstellung in Frage stellten. Vielmehr versuchten sie, über eine Kritik an dem Ablauf der Prozesse die Verfolgungen einzudämmen, worauf im folgenden noch näher eingegangen wird.

Erst der kalvinistische Prediger Balthasar Bekker, der in dem zweibändigen Werk De betooverde wereld von 1691 und 1693 dem Teufel jegliche Macht auf Erden absprach und die Existenz der Hexen bestritt, erreichte mit seiner Kritik eine breite Öffentlichkeit, wenngleich sein Werk anfänglich heftig umstritten war und es noch dauerte, bis der herkömmliche Hexenglaube endgültig überwunden war. [79]

2.3 Rechtliche Normierung und Hexenprozess

Der Entwicklung des elaborierten Hexenbegriffs folgte, und das machte sie erst so brisant und führte zu den Ausmaßen der Hexenverfolgung wie sie oben dargestellt wurden, die rechtliche Normierung in der Neuzeit.

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Während der Schadenszauber schon im antiken Rom unter Strafe gestellt war und auch weitgehend im Mittelalter geahndet wurde, mussten für den neu geschaffenen Komplex erst Regelungen gefunden werden. Die Bestrafung des Schadenszaubers, als einem tatsächlichem materiellen Verbrechen, oblag der weltlichen Gerichtsbarkeit, während das zweite Merkmal der Hexerei, die Häresie, von kirchlichen Gerichten strafrechtlich geahndet wurde. [80] Es handelt sich also bei dem neuen "Superverbrechen" [81] der Hexerei um ein delictum mixti fori, das sowohl in den Zuständigkeitsbereich der geistlichen wie auch der weltlichen Gerichtsbarkeit viel. [82] Im 15. Jh. wurden die meisten Prozesse noch vor kirchlichen Gerichten verhandelt und erst im 16. Jh. mit dem Wiederaufleben verschob sich der Schwerpunkt der Prozesse in den Bereich der weltlichen Gerichtsbarkeit. [83]

Die kirchliche Strafgerichtsbarkeit entwickelte im 11. und 12 Jh. die so genannte Inquisition, die ihren Namen von der Durchführung des Prozesses per inquisitionem hat. In diesem Prozeß war kein persönlicher Ankläger mehr nötig, welcher im herkömmlichen Prozess bei einem Freispruch des Angeklagten auch mit Strafe, der so genannten Talion, bedroht war. [84] Dieses neue Gerichtsverfahren erfuhr in der Auseinandersetzung der Kirche mit den Ketzern einige Modifikationen. Da man das Verbrechen der Ketzerei für besonders schwerwiegend hielt, ein so genanntes crimen exceptum, waren die Rechte der Angeklagten eingeschränkt. Außerdem wurde seit dem 13. Jh. die Folter als Mittel zur Wahrheitsfindung eingesetzt, was zu einer großen Willkür in den Verfahren führte. [85] Auch im Bereich der weltlichen Gerichtsbarkeit ist in dieser Zeit, in Anlehnung an das römische Recht, die Folter eingeführt worden. [86] In dem sich unabhängig entwickelndem deutschen Inquisitionsprozess diente sie zur materiellen Beweisführung, im Gegensatz zur formalen Beweisführung des altdeutschen Akkusationsprozesses, mit Eid und Gottesurteil. [87] Der Einsatz der Folter und die juristische Inkompetenz der Richter führten im 15 Jh. im deutschen Gebiet aber zu großer Rechtsunsicherheit und unhaltbaren Zuständen in der Strafrechtspflege. [88]

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Im 16 Jh. kam es daher zur vollständigen Rezeption des römischen Rechts, und somit zu einer Reform des Strafrechts, in der peinlichen Halsgerichtsordnung Karls des V., auch Constitutio Criminalis Carolina genannt. Dieser kann man in der Vorrede entnehmen, dass ihre Schöpfer die Missstände bei den Strafprozessen und den Missbrauch der Folter auf die im kaiserlichen, sprich römischen Recht nicht gebildeten Schöffen zurückführte. [89] Zurückgehend auf die Reform des Reichskammergerichts von 1495, wurde die Carolina auf den Reichstagen 1530 in Augsburg und 1532 in Regensburg verabschiedet und baute im wesentlichen auf einer älteren Gerichtsordnung, der Bambergischen Gerichtsordnung oder Bambergensis auf. [90] Sie regelte den Ablauf des Strafprozesses und somit auch den Hexenprozess In Artikel 109 behandelt sie die Strafen des Hexenprozesses:

„Item so jemandt den leuten durch zauberey schaden oder nachtheyl zufügt, soll man straffen vom leben zum todt, vnnd man soll solche straff mit dem fewer thun. Wo aber jemandt zauberey gebraucht, vnnd damit niemant schaden gethan hett, soll sunst gestrafft werden, nach gelegenheit der sach, darinnen die vrtheyler radts gebrauchen sollen, wie vom radt suchen hernach geschriben steht" [91]

Deutlich geht daraus hervor, dass im Vordergrund noch das maleficium und nicht der noch junge elaborierte Hexenbegriff stand. Um dem Problem der im römischen Recht ungelehrten Schöffen Abhilfe zu schaffen wies sie die Gerichte an, in Hexenprozessen bei einer mit Juristen besetzen Institution Gutachten einzuholen. Solche Instanzen konnten laut Artikel 219 die alten Oberhöfe, die landesherrliche Obrigkeit, eine der neu gegründeten Juristenfakultäten oder auch einzelne Gutachter sein. [92] Diese Anweisung bildete die Grundlage für das im deutschen Rechtswesen bis ins 19. Jh. weitverbreitete Institut der Aktenversendung. Als solche Gutachten sind auch die in dieser Arbeit behandelten Konsilien des Erich Mauritius zu verstehen.

Die Carolina stellte den Gerichten in Sachen Hexerei ein rationales Beweissystem zur Verfügung, das einen geordneten Prozeß ermöglichte. [93] Verurteilt werden durfte nur, wer durch zwei Augenzeugen der Tat überführt wurde oder die Tat gestanden hatte. [94] Das Geständnis wurde zumeist mittels der Folter erreicht. In den Artikeln 23-44 regelte die Carolina dann, unter welchen Umständen die Folter in Prozessen eingesetzt werden durfte. Artikel 44 regelte die Folter in Hexenprozessen. Er gab vier Indizien an, die das Foltern eines der Hexerei Angeklagten erlaubten. Solche Indizien konnten z.B. ausgestoßene Drohungen, Umgang mit andern Personen, die der Zauberei verdächtigt wurden, oder ähnliches sein. [95] Darüber hinaus musste der Angeklagte, als zweites Indiz, auch noch im Ruf der Hexerei stehen. [96] Die Indizien mussten von mindestens zwei "tauglichen unverwerflichen" [97] Zeugen bewiesen werden, die nicht in feindlichem Verhältnis zur Angeklagten Person stehen durften.

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Gegenüber auf der Folter gemachten oder freiwilligen Denunziationen, den so genannten Besagungen, legte die Carolina eine vorsichtige Haltung an den Tag. Zwar wird in Artikel 31 die Besagung als ein Indiz für die Schuld gewertet, doch stellt sie im selben Artikel auch Einschränkungen auf. [98] Persönliche Spannungen zwischen dem Besager und dem Besagten sollten berücksichtigt werden, außerdem sollten alle zur Tat gemachten Angaben auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden. Des weiteren war es verboten in der peinlichen Frage, wie die Folter auch genannt wurde, Suggestivfragen zu stellen.

Trotz dieser Auflagen zum Einsatz der Folter lag ein großes Manko darin, dass in der Carolina kaum Einschränkungen für die Anwendungen der Folter festgesetzt wurden. In Artikel 58 wird das Maß der Folter in das Ermessen des Richters gestellt. [99] Es lässt sich also festhalten, dass die peinliche Gerichtsordnung Karls des V. zwar bemüht war, den im 15. Jh. in Deutschland aufgetretenen übermäßigen Gebrauch der Folter einzuschränken. Obwohl sie aber die Folter durch eine geordnete Indizienlehre mit Schranken versah, fehlte eine verbindliche Regelung zur Durchführung. Aufgrund der vielen Laienrichter blieben zudem Fehlurteile nicht aus. [100]

Wesentlich verheerender aber war die u. a. im Hexenhammer propagierte Verfahrensweise in Hexensachen. In einem solchen Verfahren konnten die Richter die Verteidigung der Beklagten erschweren, indem sie z. B. die Namen von Zeugen und Denunzianten geheim hielten, was natürlich ein Entkräften von deren Aussagen unmöglich machte. [101] Darüber hinaus konnten schon ein schlechter Leumund oder geringste Indizien zur Folter führen. [102] So wurden z. T. etwa die Tränenlosigkeit im Verhör oder auch das Nichtbestehen der so genannten Nadelprobe oder der Wasserprobe als Indiz für die Schuld gewertet. [103] Bei ersterer wurde mit einer Nadel in das Hexenmal - der Vorstellung nach trugen Hexen solche Male, als Zeichen für den Pakt mit dem Teufel - gestochen. Zeigte die betroffene Person keinen Schmerz, galt das als Indiz für deren Schuld. Bei der Wasserprobe wurde der Delinquent, entweder gebunden oder ungebunden ins Wasser geworfen. Sank er nicht zu Boden, so galt auch das als ein Zeichen für seine Schuld.

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Die beiden unterschiedlichen Verfahrensweisen, also der Prozeß nach der Carolina und das aus den Ketzerprozessen entlehnte Schnellverfahren, führten dementsprechend auch zu unterschiedlichen Prozessverläufen nach Klageerhebung, die entweder durch einen Privatkläger oder aber auch von Amts wegen geschehen konnte, kam es zum eigentlichen Prozeß. [104] In manchen Fällen konnte der Angeklagte schon im ersten Teil des Prozesses der Tat überführt werden, etwa durch ein Geständnis oder zwei Tatzeugen. War dies nicht der Fall, so wurde, bei ausreichenden Indizien, die Folter angewandt, um ein Geständnis zu erlangen. Während aber in dem der Carolina verpflichteten Prozeß der Angeklagte noch die Chance hatte, mit dem Leben davon zukommen, war diese beim anderen Prozessverlauf sehr gering. Im Verfahren nach der Carolina, das man auch als processus ordinarius [105] bezeichnete, war die Folter zwar anfänglich nicht reglementiert, es bildete sich aber nach und nach eine Unterscheidung in fünf Stufen heraus: Die Verbal- und Realterrition, also das Androhen der Folter, entsprach den ersten beiden Stufen, während sich die anderen drei auf die tatsächliche Folter, von leicht bis schwer verteilten. [106] Konnte der Beklagte die Folter überstehen ohne ein Geständnis abzulegen, oder widerrief er das Geständnis später bei der so genannten Nachfrage oder dem endlichen Rechtstag, an welchem die Bekanntgabe des Urteils erfolgen sollte, so musste er laut Carolina freigesprochen werden. [107]

In dem aus den Ketzerprozessen entwickeltem Schnellverfahren war die Möglichkeit für den Beklagten, sich durch ein Überstehen der Folter von den Anschuldigen zu reinigen dagegen so gut wie nicht vorhanden. Die Folter unterlag kaum Beschränkung und es hatte sich außerdem die Auffassung herausgebildet, dass gerade das Schweigen eines Gefolterten als Indiz für seine Schuld gewertet werden muss [108] Anhand dieser Vorstellung von der angeblichen "Hexenkunst der Verschwiegenheit" [109] lässt sich besonders gut die ausweglose Situation aufzeigen, in der sich die Opfer solcher Verfahren befanden. Gestanden sie, waren sie rechtmäßig dem Feuer zu überliefern, gestanden sie aber nicht, so glaubte man, dass ihnen magische Fähigkeiten bzw. der Teufel die Kraft liehen die Qualen zu überstehen, und man ging zu anderen Mitteln über, um diesen Zauber zu brechen und verschärfte die Folter. [110] Es blieb kein Ausweg mehr als ein Geständnis und damit der sichere Tod. Bedenkt man, dass die so Gefolterten auch noch nach Mittätern, bzw. anderen Teilnehmern am Hexensabbat gefragt wurden, und dass eine solche Besagung die Grundlage für einen neuen Prozeß darstellte und auch zu Folter und Tod führen konnten, wird deutlich, was für eine gefährliche Eigendynamik diese Form des Prozesses entwickeln konnte und auch entwickelt hat, wie sich an den zahlreichen Kettenprozessen, die im Heiligen Römischen Reich nachgewiesen sind, dokumentieren lässt [111]

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Gerade im Wiederaufleben der Prozesse in der Mitte des 16. Jh. orientierten sich viele Prozesse eher an der letztgenannten Verfahrensweise, was zu einer stärkeren Aufnahme des elaborierten Hexenbegriffs gegenüber der einfachen Schadenszaubervorstellung führte. [112] Durch Suggestivfragen in den Folterverhören wurden alle Punkte der noch neuen Vorstellung bestätigt und die erpreßten Besagungen anderer vermeintlicher Sabbatteilnehmer ließen die Bedrohung durch die neue Hexensekte als real erscheinen. [113] Zudem trug auch das übliche Verfahren der Verlesung der Anklagen, in welchen ja alle Teile der neuen Vorstellung aufgeführt waren, zu einer Verbreitung des elaborierten Hexenbegriffes bei. [114] Die im 16. Jh. zahlreich auftretenden Krisensituationen boten genug Spannungen, die dann im Instrument der Hexenprozesse ihr Ventil fanden, wie im oberen Teil beschrieben. So nimmt es auch nicht Wunder, dass der Teufelspakt, das neben dem Schadenszauber wesentlichste und auch verwerflichste Element, in der Carolina noch unberücksichtigt blieb und erst dann in die Gesetzbücher der einzelnen Territorien aufgenommen wurde. Als erstes taucht er 1567 in der württembergischen Landesordnung auf, also in dem Territorium, das auch der Entstehungsort der hier untersuchten Gutachten ist. [115]

Man kann also festhalten, dass auch der Prozeß nach der Carolina einige Schwachstellen aufwies, wie Sönke Lorenz aber zutreffend festgestellt hat, liegt es „auf der Hand, dass von all den verschiedenen im Reich praktizierten Strafverfahren, angefangen beim Ketzerprozess, wie ihn der Hexenhammer und Jean Bodin propagiert hatten, bis hin zu entarteten Formen des altdeutschen Anklageverfahrens inklusive dem nicht mehr richtig verstandenen Gottesurteil der Wasserprobe, nur der von großen Teilen der deutschen Strafrechtswissenschaft getragene processus ordinarius dem Beklagten eine gewisse Chance einräumte, nicht die grausame Folter und schließlich einen qualvollen Tod auf dem Scheiterhaufen erleiden zu müssen.“ [116]

Da der Hexenglaube noch bis ins 18. Jh. hinein bestand und auch die Existenz des Teufelspaktes als das verwerflichste Element im gesamten 17. Jh. eine communis opinio bei den Juristen war, [117] konnte eine Eindämmung der Verfolgungen, wie sie sich seit dem letzten Drittel des 17. Jhs. in weiten Teilen abzeichnete, [118] nicht aus einer Kritik desselben entstehen. Auch die Folter, die zumeist die Grundlage für die Verurteilungen bildete, war vorgeschrieben und Kritiker konnten sie nicht offen in Frage stellen. Die Kritik an Hexenglaube und Folter musste daher systemimmanent bleiben, sprich man stellte nicht die Existenz der Hexen oder die Folter als geeignetes Mittel zur Wahrheitsfindung in Frage, sondern versuchte sich für ein geordnetes Verfahren einzusetzen, das durch strenge Auflagen möglichst viele Beschuldigte vor dem Tod bewahrte. [119] Eine solche Form der Kritik hatten auch bekannte Verfolgungsgegner, wie der schon erwähnte Friedrich Spee, in seiner Cautio Criminalis, der Jesuit Adam Tanner und der lutherische geistliche Johann Matthäus Meyfart vorgebracht, um eine Eindämmung der Hexenverfolgungen zu erreichen. [120]

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In diesem Zusammenhang ist die Rolle einzelner Juristen, die wie Erich Mauritius durch das Institut der Aktenversendung und durch den gelehrten Disput auf das Verfahren in Hexensachen eingewirkt haben, in der Forschung angesprochen worden. Sönke Lorenz hat in mehren Aufsätzen auf Juristen hingewiesen, die durch ihr Eintreten für ein geordnetes Verfahren durchaus als Gegner der Hexenverfolgung bezeichnet werden können. Genannt sein hier Johann Fichard, [121] Ernst Cothmann, [122] Johann Georg Godelmann [123] und David Mevius. [124]

Zu einem gänzlichen Umdenken in Bezug auf die Hexerei kam es dann erst im Verlauf des 18. Jh. Der Jurist Christian Thomasius aus Halle verwarf 1701 in seiner Dissertation De crimine magiae die Vorstellung von Teufelspakt und Buhlschaft und stellt auch die Folter als geeignetes Mittel zur Wahrheitsfindung in Frage. [125] Nach und nach setzte sich diese neue Vorstellung durch und etwa seit der Mitte des 18. Jhs. kann man, von einigen Ausnahmen abgesehen, den Hexenwahn als überwunden ansehen. [126]

3. Biographie

Erich Moritz Mauritius wurde am 10. 8. 1631 in Itzehoe geboren. [127] Über seine Jugend, wie überhaupt über sein Privatleben, das für eine Beurteilung seiner Person sicherlich von Interesse wären, ist wenig bekannt. Allein seine berufliche Karriere, sprich seine universitäre Ausbildung und spätere Laufbahn, lässt sich weitgehend lückenlos rekonstruieren. [128] Als er noch nicht einmal 12 Jahre alt war, schickte man ihn auf das Gymnasium in Hamburg. [129] Dort erhielt er eine grundlegende Vorbildung, die es ihm ermöglicht 1647 an die Universität Wittenberg zu wechseln, wo er mit dem Studium der Rechte begann. Sein Vater, Erich Mauritius der ältere, hatte auch die Rechte studiert und war zum Rat und Bürgermeister der Stadt Itzehoe, später gar zum königlich dänischen Regierungsrat und Vizekanzler der Herzogtümer Schleswig und Holstein aufgestiegen. [130] Bei einem so erfolgreichen Werdegang nimmt es nicht Wunder, dass er auch dem Sohn eine juristische Ausbildung zuteil werden lassen wollte.

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Mauritius setzte sein Studium in Frankfurt an der Oder fort, unter Professor Johann Brunnemann, dem er sich, laut seines bedeutendsten Biographen Jugler, Zeit seines Lebens verbunden fühlte. [131] Bei Johann Brunnemann handelt es sich um den Onkel Jakob Brunnemanns, der sich später in Halle als ausgesprochener Verfolgungsgegner einen Namen gemacht hat. [132] 1650 besuchte Erich Mauritius die beiden sächsischen Universitäten Leipzig und Jena um danach zwei Jahre in Gießen zu studieren. Seit 1653 besuchte er in Tübingen die Vorlesungen von Wurmser und Lauterbach und wurde hier zum Lizentiaten der Rechte ernannt. [133]

Nachdem Mauritius diese erste Hürde seiner Laufbahn an mehreren deutschen Universitäten genommen hatte, folgte eine Zeit, in der ihn ausgedehnte Reisen durch Europa führten und er die Gelegenheit bekam, einige der berühmtesten Universitäten zu besuchen. Seit 1654 war er Begleiter der beiden Prinzen Carl Heinrich und Johann Adolf von Holstein-Plön. [134] dass Mauritius diese Stellung erhielt, ist bestimmt auf den Einfluss seines Vaters zurückzuführen, der bei deren Vater, dem Herzog Joachim Ernst, in Diensten stand. [135] Das kleine Herzogtum Plön, welches 1622 aus einer Erbteilung entstanden war, erlebte zu dieser Zeit eine Blüte, und der Herzog wollte seine Söhne wohl auf dem politischen Parkett präsentieren, um ihnen so bessere Aufstiegsmöglichkeiten zu verschaffen. [136] Der Jüngere der beiden, Carl Heinrich, verstarb allerdings schon 1655. Kurz darauf wurde Johann Adolf von Kaiser Ferdinand III bei einer Audienz in Wien ein kaiserliches Regiment zugesprochen. Jugler spricht Mauritius einen großen Anteil am Gelingen dieser Audienz zu. [137] Sie bereisten danach Böhmen und Ungarn und verweilten über ein Jahr in Paris. 1658 erhielt Johann Adolf das vom Kaiser versprochene Regiment. [138] Mauritius setzte daraufhin seine Reisen allein fort und besuchte in England die Universität Oxford, in Italien die Universität Padua und in den Niederlanden die Universitäten Löwen, Leiden, Utrecht und Groningen. [139]

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Bei seiner Rückkehr im Jahre 1660 tobte in seiner Heimat der schwedisch-polnische Krieg. [140] Wohl deshalb kam er zuerst nach Heidelberg und hielt dort Privatvorlesungen ab. [141] Noch im selben Jahr erhielt er in Tübingen die Doktorwürde und übernahm eine Professur für Staats- und Lehnsrecht. [142] Als Mitglied des Spruchkollegiums der juristischen Fakultät war er u. a. zuständig für die Anfertigungen der im Rahmen des Instituts der Aktenversendung zu erstellenden Rechtsgutachten (s. o.). So entstanden, neben Gutachten zu anderen Prozessen und Rechtsfragen, auch die drei dieser Arbeit zugrunde liegenden Gutachten zu Hexenprozessen. Aus der Auseinandersetzung mit den juristischen Grundlagen entstand dann 1664 die wissenschaftliche Dissertation De denuntiatione sagarum, in der er sich eingehend mit dem Verfahren in Hexenprozessen beschäftigte. Neben einer genauen Deliktbeschreibung und Anweisungen zur Prozessabwicklung, lag sein Hauptaugenmerk auf der Bedeutung von den häufig gemachten Besagungen für Verhaftung, Folter und Verurteilung der Beschuldigten (s. u.).

1665 wurde Mauritius als erster juristischer Professor an die neu gegründete Universität Kiel berufen. [143] Sein Weggang von Tübingen war nicht nur ein weiterer beruflicher Aufstieg, sondern brachte ihn auch in seine Heimat zurück. Dort traf er auch mit seinen Bruder Nicolai Mauritius zusammen, der seit 1666 ebenfalls eine Professur für Recht in Kiel einnahm, aber aufgrund seines unstatthaften Lebenswandels schon bald darauf seines Amtes enthoben wurde. [144] Mauritius blieb insgesamt fünf Jahre in Kiel, bevor er vom schwäbischen Kreis als Beisitzer und später als ständiger Rat an das Reichskammergericht nach Speyer berufen wurde, was zeigt, dass er in seiner Tübinger Zeit einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. [145] In den folgenden Jahren wurde er auch von Kaiser Leopold und vom Kurfürst von der Pfalz zum Rat erklärt. [146]

Kurz vor der Zerstörung Speyers durch die Franzosen 1689 konnte sich Mauritius in Sicherheit bringen und er folgte dem Gericht erst nach Frankfurt und dann nach Wetzlar, wo er 1691 im Alter von 60 Jahren verstarb. [147] Mauritius blieb kinderlos und seine einzige Ehe, mit der Tochter eines Schleswig-Holsteinischen Beamten, die er 1667 einging, endete durch den frühen Tod seiner Frau schon nach zwei Jahren. [148]

Mauritius hat sich vor allem auf dem Gebiet des öffentlichen Rechts einen Namen gemacht, obwohl er kein umfangreicheres Werk und nur etwas mehr als 20 Dissertationen und kleinere Schriften verfaßt hat. [149] Dazu kommen noch die zahlreichen Rechtsgutachten, von denen allein bei den Tübinger Spruchkopialen mehr als 30 erhalten sind [150]

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Zeit seines Lebens war Mauritius, neben der Rechtswissenschaft, auch in vielen anderen Bereichen kundig. So hat er sich mit Medizin, Naturwissenschaften, Geschichte und insbesondere mit Numismatik beschäftigt. [151] Er verfügte, neben einer umfangreichen Bibliothek, auch über eine nennenswerte numismatische Sammlung. [152] Erich Mauritius war also durchaus ein vielseitig interessierter Mensch, der darüber hinaus viele der Universitäten Europas und ihre Gelehrten kennengelernt hatte.

4. Die Rechtsgutachten

In dem Zeitraum von 5 Jahren, den Mauritius in Tübingen zubrachte, entstanden die drei Gutachten zu Hexenprozessen, die im folgenden besprochen werden sollen. Alle drei sind in der Sammlung der Spruchkopialen der juristischen Fakultät erhalten und befinden sich somit im Universitätsarchiv Tübingen. [153]

4.1 Gutachten vom 17. 10. 1661 [154]

Das zeitlich Erste der Gutachten von Mauritius in Hexensachen, wurde in Tübingen den 17. 10. 1661 unterzeichnet und ist auch als Druck erhalten. Außerdem befindet sich eine weitere Abschrift, mit vielen weiteren Unterlagen zu diesem Prozeß, bei den Akten der obersten Gerichtsbehörde des damaligen Württembergs, dem Oberrat. In der typischen Form der Konsilien in der Tübinger Sammlung enthält es am Rand den Empfänger und die Anklagepunkte. Das Gutachten war für das Amtsgericht in Weinsberg angefertigt worden. Das Amt Weinsberg lag im Norden des Herzogtums, etwa 40 km nördlich von Stuttgart. [155] Die Anklage wurde geführt „puncto veneficii, abjurationis Dei, et exercita cum spiritu Sodomia" [156], also wegen Schadenszaubers, dem Abfall von Gott, aufgrund eines Teufelspaktes und Sodomie. Mit Sodomie konnte nicht nur der geschlechtliche Umgang mit Tieren, sondern Unzucht im allgemeinen gemeint sein. Allerdings war in der Carolina nur der homosexuelle Kontakt von Männern und eben der geschlechtliche Umgang mit Tieren unter Strafe gestellt. [157]

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Zu Beginn sind die beteiligten Parteien aufgeführt, also der fürstliche Anwalt, sprich der Amtmann, als Vertreter der Anklage und namentlich die Angeklagten. Danach steht der Name des Verfassers, hier also der von Erich Mauritius. [158] Das heißt aber nicht, dass Mauritius dieses Gutachten völlig eigenständig erstellt hat. In Tübingen war ein Spruchkollegium verantwortlich für das Verfassen der Gutachten. Es bestand aus sechs ordentlichen Professoren unter dem Vorsitz des Dekans, der gleichzeitig dem Lehrkörper vorstand. [159] Nachdem man in Tübingen im Rahmen des Instituts der Aktenversendung eine Anfrage um Rechtsauskunft erhalten hatte, wurde ein Mitglied des Kollegiums zum Referenten bestimmt, der daraufhin ein Gutachten ausarbeitete. Dieses stellte er dann den anderen im Kollegium vor, worauf gemeinsam beraten wurde, ob das Gutachten so an die betreffenden Gerichte weitergeleitet werden konnte oder der Referent es noch abzuändern hatte. Die Gutachten wurden in deutscher Sprache abgefasst, enthielten aber auch lateinische Ausführungen. Darüber hinaus wurden zur Untermauerung der juristischen Argumentation auch immer wieder bedeutende Rechtsgelehrte und Rechtsbücher wie die Carolina angeführt bzw. zitiert. Es wird bei der Besprechung allerdings nicht möglich sein, immer auf alle Verweise einzugehen, sondern nur die inhaltlich bedeutendsten können angesprochen werden.

Die Referenten erstellten also Konzepte, die nach ihrer Absegnung durch die anderen Mitglieder des Spruchkollegiums abgeschrieben und an die anfragenden Gerichte gesandt wurden. Seit 1602 wurden die Gutachten darüber hinaus, wohl aufgrund neuer Fakultätsstatuten von 1601, [160] in einer weiteren Abschrift in die Sammlung von Tübinger Rechtsauskünften aufgenommen. [161]

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Bei der in Druck erhaltenen Version fehlen natürlich die Formalien, die einem Briefkopf gleichkommen, da es in denn gedruckten Konsiliensammlungen nicht um eine exakte Edition ging, sondern vielmehr um die Wiedergabe der juristischen Argumentation. Daher ist es in der Form auch um eine in Latein abgefasste Inhaltsangabe und ein Inhaltsverzeichnis erweitert. [162]

Nach der Anrede folgt die erklärende Formel:

„Deroselben anderwerttiges schreiben sambt beygelegten mehrern , ist vns wol eingehandiget, vnd haben wür daraus weitleüfftiger verno[m]men: Welcher gestallt Fürstl[icher] H[err] Anwaldt, einem Sechzehnjährigem Schneiderjungen von Wilspach Bastian Scherltlin, So dann Barbara Schurzin von Metterich, bey Rottenburg an der Tauber, ein Mädlin vast gleichen alters, vnd Hans Martin Hagnern, Hagners von Sulzbach Sohn, Peinlich der Hexerey wegen angeklaget." [163]

Es wurde also in Weinsberg gegen die drei genannten Personen ein Prozeß wegen Hexerei geführt. Im laufenden Verfahren hatte man, wie das laut Carolina vorgesehen und in Württemberg vorgeschrieben war, die Tübinger Juristenfakultät um Rat gefragt und diese zu dem Zweck durch ein Schreiben und das Übersenden der Prozessakten über den Stand des Verfahrens informiert.

Angeklagten waren drei Jugendliche: Bastian Schertlin aus Willsbach, [164] Barbara Schurtz ursprünglich aus der Gegend von Rothenburg ob der Tauber stammend, beide 16-jährig, und der ein Jahr jüngere Hans Martin Hagner aus der etwa 3 km nördlich gelegenen Ortschaft Sülzbach. [165] Mauritius beginnt damit, die ihm aus den Akten bekannten Anklagepunkte aufzuzählen, um danach zu prüfen, welche davon juristisch haltbar waren und welche Strafe sich daraus ergeben musste. Die Verbrechen, die man den Angeklagten zur Last legte, wurden großteils allein durch deren eigene, mehr oder weniger freiwillige Geständnisse, bestätigt. Nur für eine mehrere Jahre zurückliegenden Anschuldigung gegen Barbara Schurtz, noch aus ihrer Zeit in Rothenburg, gab es belastende Aussagen von anderen Zeugen.

Dem Bastian Schertlin wurde vorgeworfen, dass er vor drei Jahren von Barbara Schurtz die Zauberei gelernt habe. Sie habe ihn gelernt Flöhe zu machen. Er sei einen Pakt mit dem Teufel eingegangen, welcher ihn mit seinem „brunzwaßer“ [166] getauft und mit einem Hexenmal gezeichnet habe, und im Beisein des Teufels habe er geschlechtlichen Verkehr mit Barbara gehabt. Des weiteren sei er auf der Gabel zum „Kezersberg" [167], wie der Versammlungsort in diesem Fall genannt wird, ausgefahren, wo er am Hexensabbat teilgenommen habe. Der Teufel habe ihm auch einen Gegenstand gegeben, mit dessen Hilfe er mehrere Stück Vieh ums Leben gebracht habe.

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Barbara Schurtz warf man neben dem erwähnten geschlechtlichen Verkehr mit Bastian auch Buhlschaft mit dem Teufel selbst und den Teufelspakt vor. Und als sie noch ein kleines Kind war, soll sie in Rothenburg auch Schadenszauber ausgeführt haben. Schon seit sie drei Jahre alt war, soll sie sie der Hexerei kundig gewesen sein.

Hans Martin Hagner warf man vor, dass er auch zum Hexensabbat ausgefahren sei, sich dort vom Teufel habe taufen lassen und somit einen Pakt mit ihm eingegangen sei. Dort habe er dann Unzucht mit einer weiteren Person getrieben.

Die hier aufgeführten Vorwürfe entsprechen durchaus dem Stereotyp des elaborierten Hexenbegriffs, wie er oben dargestellt wurde. Es gibt das Element des Schadenszaubers, des Teufelspaktes, des Sabbats und auch der nächtlichen Ausfahrten hin zum Sabbat. Allen drei Angeklagten wurden zumindest der Teufelspakt und die Teilnahme am Sabbat vorgeworfen. Im folgenden beschreibt Mauritius, wie aufgrund dieser Anschuldigungen in Weinsberg der Prozeß geführt wurde und man im Rahmen des Instituts der Aktenversendung in Tübingen um Rat fragte :

„Weßwegen dann Fürstl[icher] Herr Anwaldt solche drey Persohnen, der Peinlichen Hallsgerichts Ordnung Caroli V. vnd Fürstl[icher] Württembergischer Landesordnung gemäß, abzustraffen gebetten, darauff auch die beklagte gehört, vnserm ersten consilio gemäß, weitere schrifftliche nachricht von Rottenburg an der Tauber eingezogen, Zeügen verhört, und beederseits concludirt worden." [168]

Es hatte also vor dieser bereits eine frühere Anfrage aus Weinsberg gegeben. Auf diese hatten die Tübinger Juristen am 3. 8. 1661 geantwortet, dass erst noch weitere Informationen aus Rothenburg eingeholt werden müßten. [169] Außerdem sollten nochmals die Beklagten, wie die Angeklagten genannt wurden, und Zeugen befragt werden. Nachdem dies geschehen war, wollte man jetzt in Weinsberg ein Urteil fällen und schickte deshalb eine weitere Anfrage nach Tübingen.

Aus der angeführten Textstelle geht hervor, welche rechtlichen Grundlagen für ein Urteil geprüft werden mussten, nämlich die Carolina und die Württembergische Landesordnung. Das wesentliche Unterscheidungsmerkmal der beiden war, wie bereits besprochen, dass die Carolina noch allein den Schadenszauber behandelte, während in der württembergischen Landesordnung auch der Teufelspakt, als das zweite wesentliche Merkmal des elaborierten Hexenbegriffs, aufgeführt war. Diese Differenzierung in Schadenszauber und Teufelspakt behält Mauritius im weiteren bei, indem er erst prüft, ob einer der Angeklagten einen Schadenszauber begangen hat, und darauf erst den Teufelspakt betrachtet.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass er die Vorwürfe gegen die drei Angeklagten jeweils nacheinander zu den beiden Komplexen abhandelt, wobei er die Reihenfolge ändert. Wie zu zeigen ist, war die Reihenfolge wohl nicht zufällig, sondern bewußt von Mauritius gewählt um seine Argumentation zu stützen.

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Mauritius beginnt zuerst mit der Frage, ob man Hans Martin Hagner einen Schadenszauber nachweisen kann. Dieser hatte nicht gestanden, ein derartiges Verbrechen begangen zu haben. Er sei, nach eigener Aussage, zwar bei dem Sabbat zugegen gewesen, als der Teufel anderen Anwesenden, u.a. auch dem Bastian Schertlin, eine „ Pistol mit haar geladen gereicht" [170] um andere zu schädigen, er habe sich selbst aber niemals an derartigen Aktionen beteiligt. Auch wurde er nicht durch die beiden anderen Angeklagten belastet. Zwar hat er einer Frau aus seinem Ort geschadet, indem er sie fälschlicherweise denunziert hat, dieses ist aber nach Mauritius nicht unter Art. 109 der Carolina zu subsumieren. Daraus folgt, dass Hans Martin Hagner nicht für dieses Delikt bestraft werden konnte.

Auch im Fall Barbara Schurtz stellt Mauritius keinen Schadenszauber fest. Die Vorwürfe gegen sie stammten alle aus ihrer Zeit in Rothenburg. Ihr wurde zur Last gelegt, sie hätte eine Kuh getötet und zusammen mit einer Schmiedin die Kühe ihres Vaters „ausgemolcken". [171] Im Verhör hatte Barbara ausgesagt, dass die Schmiedin für diese Tat des Landes verwiesen worden sei. Tatsächlich war aber in dem Prozeß, der gegen die Schmiedin angestrengt wurde, wie Mauritius aus den Rothenburger Akten entnehmen konnte, dieser keine Schuld nachgewiesen worden. Diese eindeutige Falschaussage der Barbara Schurtz, wertet Mauritius als Faktor, der ihre gesamte Aussage als unglaubwürdig erscheinen läßt. Vielmehr führt er ihr Geständnis auf ihre kindliche Phantasie zurück und weist auf ihr sehr junges Alter hin. Auch sind nach seinem Dafürhalten die Akten aus Rothenburg insgesamt nicht belastend genug, um sie des Deliktes zu überführen.

Es gilt zu bedenken, vor welchem Problem die Juristen allgemein standen, wenn sie nur aufgrund der Akten einen solchen Fall beurteilen mussten. Sie waren bei den Verhören und gar Folterungen nicht zugegen und konnten nicht beurteilen, wie gefragt und was für Antworten gegeben worden waren. Es bedurfte daher vielen guten Willens, um die belastenden Umstände, die zweifellos vorhanden gewesen sein mussten, da sich sonst der Prozeß nicht in ein so fortgeschrittenes Stadium fortgesetzt hätte, richtig zu deuten. Mauritius hat dazu, wie man zeigen kann, auch zwischen den Zeilen gelesen und die Aussagen genau abgewogen, um so z. T. Widersprüche aufzudecken und die Angeklagten zu entlasten.

Im weiteren Verlauf des Gutachtens geht Mauritius auf die Schadenszaubervorwürfe gegen Bastian Schertlin ein. Dieser wurde sowohl durch seine eigene, als auch durch die Aussage des Hans Martin Hagner belastet. Bastian hatte gestanden, mit einem Gegenstand, den er in den Verhören als „spizig ding" [172] bezeichnete, mehrere Tiere getötet zu haben. Allerdings hätte nicht er, und das wertet Mauritius als entlastend, sondern der Teufel persönlich den Gegenstand in die betreffenden Tiere gestoßen. Auch war der Gegenstand nicht gefunden worden. Den Akten entnahm Mauritius, dass laut Zeugenaussagen der betreffenden Besitzer die angegebenen Tiere tatsächlich gestorben waren. Diese Überprüfung der Angaben aus dem Geständnis durch den Juristen war besonders wichtig, da sich nur so der Realitätsgehalt dieser prüfen ließ. Anhand der entsprechenden Zeugenaussage konnte der Jurist überprüfen, ob der Schaden tatsächlich entstanden war und so eventuell Widersprüche aufdecken.

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In diesem Fall war es aber nicht die Frage, ob die vorgeworfenen Schäden tatsächlich aufgetreten waren, die Mauritius zur Entlastung des Angeklagten anführte, sondern vielmehr der Zeitpunkt und die näheren Umstände. Bastian Schertlin hatte in seinen Aussagen unterschiedliche Angaben zu dem Zeitpunkt gemacht, an dem er die Hexerei gelernt hatte. Einmal sprach er von zweieinhalb, ein andermal von drei Jahren, die er schon der Zauberei kundig war. Mauritius schließt daraus, dass er zumindest nicht vor mehr als drei Jahren Schadenszauber begangen haben kann. Zwei der Vorfälle lagen aber schon länger als drei Jahre zurück, womit Schertlin sie gar nicht begangen haben konnte. Vielmehr noch folgert Mauritius daraus, dass der Angeklagte sich „ex melancholico morbo, vitae taedio" [173], also aus Schwermut und Lebensüberdruß, selbst wesentlich belastet hat, oder aber der Teufel ihn glauben machte, er habe diese Taten begangen. Deshalb ist für Mauritius dessen Selbstbeschuldigung auch im dritten Fall, welchen Bastian zeitlich hätte begehen können, unglaubwürdig. Außerdem stimmten seine Aussagen über die getöteten Tiere nicht mit denen des Eigentümers überein. Laut dessen Aussage sein die Tiere eines natürlichen Todes gestorben und wiesen keine auffälligen Wunden auf, die von einem spitzen Gegenstand herrühren könnten. Es ergab sich daraus für Mauritius, dass dem Bastian Schertlin, allein aufgrund seiner Selbstbezichtigung, kein Schaden nachgewiesen werden konnte.

Daneben wurde Bastian, wie auch Barbara, noch durch die Aussagen des Hans Martin Hagner belastet, sie beide auf dem Hexensabbat gesehen zu haben. Dort habe der Teufel dem Bastian und weiteren Personen die erwähnten Pistolen gegeben. Es sei nun, so führt Mauritius an, gar nicht sicher, ob die Personen, die Hagner auf dem Sabbat gesehen zu haben glaubte, tatsächlich anwesend waren. Der Teufel hätte ihm die Anwesenheit der Personen nur vorgetäuscht haben können. Als Beleg dafür führt er die Catio Criminalis an:

„cum diabolus in hjusmodi conventibus multa ludicra et falsa, etiam personas pias quandoque repraesentet.

Quod eruditè ostendit, post alios, autor Anonymus Cautionis Criminalis de Processibus contra sagas, dubio 47. & 48. integro." [174]

Mauritius zitiert also das Werk Spees, das zu dieser Zeit noch nicht mit diesem in Verbindung gebracht wurde. Wie oben erwähnt, war es ein sehr bedeutendes Werk eines Verfolgungsgegners des 17. Jhs. Es wurde in der Forschung darauf hingewiesen, dass Mauritius wohl der erste Tübinger Jurist war, der in seinen Gutachten Spee zitiert hat. [175] An dieser Stelle wurde somit wohl aller Wahrscheinlichkeit nach die Cautio Criminalis das erstemal in einem Tübinger Gutachten zitiert. [176]

Neben diesem ersten Argument gegen die Verläßlichkeit der Beschuldigung Hagners führt Mauritius zwei weitere an. Erstens hielt er die beschriebenen, mit Haaren geladenen, Pistolen nicht für realistisch, sondern eher für phantastisch und glaubte nicht, dass solche im Stande wären, einen Schaden zu verursachen. Zweitens hatte Hagner beschrieben, dass mehrere Personen mit solchen Waffen ausgestattet worden waren. Da aber, laut Akten, nur ein Ochse mit einer solchen geschädigt worden war, war nicht klar wer diese abgefeuert hatte. Daraus ergab sich, dass für Bastian Schertlin auch aus der Denunziation des Hans Martin Hagner kein Schadenszaubervorwurf glaubhaft gemacht wurde.

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Mauritius kommt also zu dem Schluß, dass bei keinem der drei Angeklagten der Tatbestand des Schadenszaubers erfüllt ist:

„Ist also vom Fürstl[ichen] Herrn Anwald nicht zu recht beständig dargethan, oder auch sonsten aus den actis offenbar, dass diese Persohnen alle oder eine vnter ihnen Menschen vnd Vieh schaden gethan." [177]

Auffällig an Mauritius Argumentation bezüglich Bastian Schertlin ist, dass er, ausgehend von dem Anachronismus zwischen dem Zeitpunkt an dem er der Zauberei kundig wurde und den gestandenen Schäden, annahm Bastian hätte sich dieser aus Schwermut selbst bezichtigt. Er hätte aber auch genauso gut davon ausgehen können, Schertlin habe sich nur in dem Zeitpunkt geirrt, an welchem er mit dem Hexenwerk in Kontakt gekommen war. Das deutet darauf hin, dass Mauritius eine Verurteilung der Angeklagten verhindern wollte.

Wie oben bereits erwähnt, ist die Reihenfolge, in der er die drei Beklagten abhandelt, wohl nicht rein zufällig gewählt. Erst behandelt er Martin Hagner, gegen den eigentlich kein echter Vorwurf vorlag, da er sich weder selbst des Schadenszaubers bezichtigte noch von anderen dessen bezichtigt wurde. Danach befaßt er sich mit den Anschuldigungen gegen Barbara Schurtz. Die Vorwürfe gegen sie stammten noch aus ihrer Zeit in Rothenburg und wurden von Mauritius mit dem Hinweis auf ihr sehr junges Alter und die fehlenden Belege in den Akten ausgeräumt. Und zuletzt behandelt er die Beschuldigungen gegen Bastian Schertlin, die auf seiner eigenen und des Hans Martin Hagners Aussage beruhten. Nur durch seine ausgefeilte Argumentation kann er auch diese ausräumen. Der Eindruck, dass Mauritius also den am schwersten zu widerlegenden Vorwurf sozusagen wie in einer Klimax zuletzt behandelt, nachdem die Vorwürfe gegen die beiden anderen schon ausgeräumt waren, verstärkt sich noch, wenn man das weitere Gutachten betrachtet.

Als nächstes befaßt sich Mauritius mit der Frage, ob einer der drei Angeklagten einen Teufelspakt eingegangen ist. Er beginnt mit den Anschuldigungen gegen Bastian Schertlin. Dieser hatte selbst seine Taufe durch den Teufel gestanden. Auch dass er auf dem Sabbat war und das Flöhemachen gelernt hat, hatte er zugegeben. Mauritius stellt fest, dass die Aussagen über den Sabbat denen anderer geständiger Hexen gleichen, wie sie in der dämonologichen Literatur zu finden sind. Er verweist u.a. auf die Autoritäten Binsfeld, Delrio, Bodin und Carpzov. Laut eigener Aussage hätten zudem sowohl er, als auch Barbara Schurtz, vom Teufel, als Zeichen des Paktes, ein Hexenmal erhalten.

<26>

Das selbstbelastende Geständnis des Bastian hatte Mauritius schon bei dem Schadenszaubervorwurf nicht gelten lassen. Auch in puncto Teufelspakt kommt er letztendlich zu dem Schluß, dass den Selbstbezichtigungen des Jungen nicht zu glauben sei. Da das Geständnis des Jungen freiwillig, als sogenannte confessio spontanea entstanden war, welcher nach Mauritius nicht verläßlich sei, besonders dann, wenn, wie in solchen Fällen häufig kein corpus delicti vorhanden sei, müsse es einer genauen Prüfung unterzogen werden. Mauritius hielt die Aussagen des Jungen nicht für wahr, sondern führte sie vielmehr auf die Phantasie des Jungen zurück: [178]

„Nichts destoweniger will es doch aus den actis das ansehen gewinnen, alß wann diese vom Schneiders-Jungen bekandte Sachen, mehr phantastisch alß real, vnd ihm solches im schlaff corrupta phantasia vielmehr, alß wachend vnd würcklich also vorgekom[m]en." [179]

Es folgt dann eine Aufzählung der Autoren, bei welchen der angesprochene Sachverhalt der Täuschung durch den Teufel beschrieben wird. Neben Delrio finden sich hier u.a. auch Luther, Melanchton und Weyer. Danach erwähnt Mauritius Weyer nochmals explizit und weist auf dessen Buch De praestigiis daemonum hin, in dem der nur eingebildete Teufelspakt abgehandelt wird. Neben Spee hat Mauritius somit einen weiteren Verfolgungsgegner zitiert. Weyer war im 17. Jh. zumeist verrufen, besonders durch Bodin, der dessen Thesen stark angegriffen hatte. [180] Die Vorstellung vom Teufelspakt gehörte nämlich, wie oben ausgeführt, zur herrschenden Meinung und dieser war auch mit der Todesstrafe belegt. Weyers Meinung von den melancholischen alten Frauen, denen man nicht mit Strafe begegnen sollte, paßte nicht zur herrschenden Meinung. dass Mauritius ihn aber zitiert und mit seiner Theorie vom nur eingebildeten Pakt den Beklagten Bastian Schertlin entlastet, ist hervorzuheben, da diese Vorstellung es ermöglichte, Beklagte, die zwar einen Pakt gestanden hatten, denen aber kein Schaden nachzuweisen war, vom Tode zu verschonen.

Aufschlußreich ist Mauritius Argumentation auch im folgenden. Bastian Schertlin hatte, nach eigenen Angaben, eine Hexensalbe von einer Schneiderin erhalten. Mauritius wägt ab, ob dieser Aussage Glauben zu schenken ist oder nicht und was daraus jeweils für Schlüsse zu ziehen sind:

„Solche confessio muss entweder waar oder falsch seyn. Ist sie waar, so kan leicht erachtet werden, wie diese Schmier oder Salb [...] welche er geßen, den kopf verrucken, die phantasmata turbiren, vnd ihn zu solchen des Satans illusionibus capabel machen mögen, da sie so wunderliche und dergleichen effectus causiren, wann sich die Hexen allein damit beschmiert [...].

Ist Sie aber falsch, so ersieht man nicht allein daraus wieviel auf seine, P[einlich] Beklagten confession, besondern auch der Mitbeklagtin Barbara, vnd deß anderen Knaben, Hans Martin Hagern aussag zugehen, alß die dass Sie dergleichen respective im käß und im brod gegeßen, bekandtlich seyn." [181]

Man sieht also ganz deutlich, dass Mauritius aus diesem Sachverhalt in jedem Fall auf eine Entlastung der Angeklagten schließt. Entweder sie haben tatsächlich eine solche Salbe besessen und auch in irgendeiner Form eingenommen oder verwendet, dann war es nicht auszuschließen, dass diese mit zu den falschen Selbstbeschuldigungen beigetragen hat. Solche Salben gab es tatsächlich und manche enthielten Stoffe, die zu Halluzinationen und Wahnvorstellungen führen konnten. [182] Auch Mauritius muss also von den Wirkungen solcher Salben gewußt haben.

<27>

Hatten sie aber keine solche Salbe, so sah Mauritius damit seinen Verdacht, die hier verhandelten Vorwürfe seien der Phantasie der Angeklagten entsprungen, bestätigt. Er hält es für wahrscheinlicher, dass Schertlin auch in diesem Punkt die Unwahrheit gesagt hat. Um dies zu bekräftigen, führt Mauritius im Anschluß nochmals alle Punkte auf, in denen Bastian Schertlin widersprüchliche oder falsche Angaben gemacht hat. Der Selbstbezichtigung des Jungen bezüglich des Teufelpaktes war also, nach Mauritius Auffassung, kein Glauben zu schenken. Aber auch die belastenden Aussagen der anderen seien nicht als Beweis für Bastians Schuld zu werten, da beide schon die Unwahrheit gesagt hatten. Die Aussagen der drei bezüglich des Sabbats wiesen, wie Mauritius anführt, durchaus auch kleinere Widersprüche auf, was deren Glaubwürdigkeit noch mehr senkte. Außerdem führt er an, dass eine Übereinstimmung in den Geständnissen nicht unbedingt ausreicht um die Schuld zu beweisen:

„Vweiset Autor Anonymus Cautionis Criminalis de Processibus contra Sagas, dubio 28. arg. 4. viel anderen Ursachen, warumben offt die confessiones vermeinter Sagarum einander gleich seyn können, da doch in rei veritate offt nichts daran gewesen." [183]

In der angegebenen Passage der Cautio Criminalis, beschreibt Spee, dass Richter, Scharfrichter und Wächter den Gefolterten direkt oder indirekt Informationen über die Geständnisse der Mitangeklagten zukommen ließen und dass die erfolterten Einzelheiten an die Öffentlichkeit gelangten. [184] Nur wenn aber die Geständnisse von verschiedenen Beklagten übereinstimmten, ohne dass sie ihre Informationen von Außen erhielten, wenn sie also über echtes Täterwissen verfügten, konnte man ja den Geständnissen den Stellenwert zumessen, den sie tatsächlich im Strafprozeß dieser Zeit hatten. Hatten die Beklagten aber ihr Wissen durch Suggestivfragen der Richter oder Scharfrichter, so war eine Übereinstimmung ihrer Aussagen mit denen ihrer Mitbeklagten, und darauf weist Spee in der zitierten Stelle hin, keinesfalls als Beweis für ihre Schuld zu werten. Durch das Zitieren dieser Stelle gibt Mauritius zu erkennen, dass auch er allein von den Übereinstimmungen in den Geständnissen der drei Jugendlichen nicht auf deren Schuld schließen wollte.

<28>

Auch waren für Mauritius weder das Stigma von Bastian Schertlin, noch das der anderen Angeklagten hinreichend nachgewiesen, da die Angaben, die sich diesbezüglich in den Akten finden ließen, stark variierten. Und gleich im Anschluß daran schreibt er:

„Es ist aber sonsten diese ganze probatio ex stigmate, nostra aetate sehr zweiffelich geworden." [185]

Stellvertretend dafür führt er ein weiteres mal Spees Cautio Criminalis an und zwar Dubium 43. An dieser Stelle führt Spee an, dass er die Hexenmale nicht als Indiz für die Folter sieht. Außerdem weist Spee darauf hin, dass man zur Auffindung der Male die betreffende Person entkleiden und untersuchen musste, was nach seiner Auffassung eine Demütigung darstellt und somit nicht ohne vorhandene Indizien geschehen dürfe. [186] Wenn aber schon genügend Indizien für die Suche nach den Malen vorhanden waren, so war es fraglich, ob diese überhaupt noch einen Erkenntniswert besaßen.

dass Mauritius an dieser Stelle Zweifel an dem Indiz des Hexenmals vorbringt, ist genauso aussagekräftig über seine Intention, wie die Art und Weise, in der er diese in seine Argumentation einfließen läßt. Zuerst nämlich bespricht er, ob bei den Angeklagten ein Hexenmal konstatiert werden kann. Und danach erst stellt er die Frage, ob denn ein Hexenmal überhaupt als Indiz für Hexerei gewertet werden darf. Logischer wäre es, wenn er zuerst festlegen würde, welche Indizien zu prüfen sind, um diese darauf zu betrachten. Mauritius geht mit dieser doppelten Argumentation, nämlich der Entlastung der Angeklagten, sowohl durch die Frage nach dem Zutreffen des Indizes, als auch nach der Gültigkeit desselben, in eine bestimmte Richtung.

Erstens muss man sich vor Augen führen, dass der Amtmann und die Richter vor Ort, anders als Mauritius, von der Existenz der Stigmata bei den drei Angeklagten wahrscheinlich überzeugt waren, auch wenn diese für Mauritius nicht hinreichend in den Akten beschrieben waren. Auf das diesbezügliche Problem mit der Aktenversendung wurde oben bereits hingewiesen. So konnte Mauritius, wenn beim Amtmann weiterhin Zweifel bestanden, diese, durch den Verweis auf die Fragwürdigkeit des Indizes im allgemeinen, vielleicht ausräumen. Und zweitens muss man bedenken, dass ein solches Gutachten ja nicht nur ausschließlich die Zuständigen in Weinsberg zu lesen bekamen, sondern auch die Kollegen der juristischen Fakultät und in diesem Fall auch die Mitglieder des württembergischen Oberrates. Somit wußte er, dass seine Argumentation einerseits das Gericht in Weinsberg, andererseits aber auch gelehrte Juristen ansprechen musste. Das zeigt sich auch in den längeren lateinischen Abschnitten, in denen er die jeweiligen Lehrmeinungen gegeneinander abwiegt. Diese sind eher für eine gelehrte Leserschaft eingefügt. [187]

Ohne dann noch explizit den Bastian Schertlin von dem Vorwurf des Teufelspaktes freizusprechen, geht er zu dem Vorwurf gegen Hans Martin Hagner über. Mauritius gibt zu bedenken, dass der Fall noch eindeutiger liegt. Wie schon bei der Anschuldigung des Schadenszaubers, hat er sich durch sein Geständnis kaum selbst belastet. Barbaras belastende Aussagen bezüglich Martins Teilnahme am Sabbat auf dem Ketzerberg sind widersprüchlich. Einmal sagte sie, sie habe ihn tanzen sehen ein andermal gab sie vor, ihn nicht zu kennen. Bastian Schertlin dagegen gab gleich an, ihn nicht zu kennen.

<29>

dass Mauritius ein Gespür für die tatsächliche Situation hatte, zeigt sich auch in seiner Begründung warum dem Geständnis des Hans Martin Hagner nicht zu trauen sei:

„Auff seine confession aber, mag gleiches mit vorigen geantworttet werden, vnd weiset er, dass ihm seine phantasia entweder durch das gegeßene Hexenschmier, seiner bekandtnus nach, oder sonsten corumpirt seye, damit genug, dass er, laut examinis de 19. Julij lachet, wann man ihm im Gericht ernstlich zuspricht, sich sich gefreuwet, dass er zu den anderen gelegt würde, weiln er im gefänngnus fein zu eßen vnd zu trincken, welches er in seiner Mutter hauß nicht haben könne, vnd andere anzeig etwas vnrichtigen verstandes gibt." [188]

Mauritius erkannte also aus den Akten, dass Hans Martin Hagner, keineswegs bei vollem Verstand und sich über den Ernst der Lage nicht im klaren war. Diese Umstände und wohl auch das junge Alter des Angeklagten beeinflussten sein Urteil zu dessen Gunsten.

Als letztes betrachtet er den Fall der Barbara Schurtz, wobei er gleich darauf hinweist, dass die Verdachtsmomente, die auf einen Teufelspakt hinweisen, bei ihr am gravierendsten sind. Analog zur Argumentation beim Schadenszauber behandelt er den Fall mit den meisten Anzeichen für eine Schuld zum zuletzt, nachdem also die Vorwürfe gegen zwei der Angeklagten schon ausgeräumt waren. Gegen die Angeklagte lagen nämlich nicht nur ihre eigene Aussage und die der Mitangeklagten vor, sondern es existierten eben noch Vorwürfe gegen sie aus Rothenburg und aus der Zeit danach, die sie in einem Spital zugebracht hat. Insgesamt führt Mauritius 12 Beschuldigungen [189] auf, die auf einen Teufelspakt hindeuten:

„So hat 1. ihr Vater eine geraume Zeit das Hexenwerkh an ihr gemercket. 2. Die Kuhe (so sie außgesagt, dass Sie melcke) die gewohnliche milch nicht gegeben. 3. Ist sie dem Vatter im schlaff aus dem bett wegkhkom[m]en. Vnd 4. wiederumb mit einem geräusch, davon er geweckt worden, hineingeworffen. Auch 5. wie sie im Spital gewesen, in praesenz zweier Weiber, so bey Ihr gewacht, Laut attestation deß Spitalmeisters, ein krachen an ihrer bettladen, vnd bey ihr ein achzen verspürt worden, die Ampel vnd Liechter außgethan, vnd herumb geworffen, Sie 6. nachdem Sie bekandt, dass der Teüffel Sie beschlaffen, also geengstiget, dass sie 7. offt in einer Stund 8 mahl das waßer abschlagen müßen, vnd ihr 8. die beine zerschlagen, welche besichtiget, braun vnd blau, vnd 9. Sie Barbara durch 3. Hebammen also corrumpirt befunden, dass es schwerlich von dem Jungen herkom[m]en mögen. Ja, es hat 10. dieses Gespenst in einer andern Kam[m]er einer pfründnerin zugesezt, sich zu ihr ins bette gefunden, sie mit gleichsam fleischernen handen vmbgefaßet, vnd auch gar in in paesenz aller pfründner, wie das mädlin sich an einem fenster auf ein küßen gelegt, vnzucht mit der selben getrieben.

So ist Sie gleichfalls 11. wann Sie gesagt, dass sie von der Schmiedin geschlagen worden, etwas dick vmb die nase gewesen. Vnd hat letztlich vnd 12. (welches iedoch auf des knabens außag allein beruhet) Floeh machen können, vnd ihne, knaben, gelernet." [190]

<30>

Diese Stelle des Gutachtens ist nicht nur als Aufzählung der vorliegenden Verdachtsmomente interessant, sondern bietet darüber hinaus auch Einblick in den Aberglauben der Zeit. Gespenster, nächtliche Ausfahrten, Verzauberung der Milch, das waren tief verwurzelte Vorstellungen die mit in die Hexen- und Teufelspaktvorstellung einflossen. Sobald jemand der Hexerei verdächtigt wurde, wurden ihm mitunter alle möglichen, unerklärlichen Vorfälle zugeschrieben. Und das geschah in diesem Fall, obwohl Barbara zu Beginn der Vorwürfe erst drei Jahre alt war.

Aber auch dieser ganze Katalog von Anschuldigungen gegen Barbara Schurtz reicht Mauritius nicht aus, um einen Teufelspakt als Tatbestand zu subsumieren. Die Vorwürfe beruhten, so argumentiert Mauritius, nur auf den Aussagen des Vaters und des Leiters des Spitals, die ihre Informationen z. T. von Dritten erhalten hätten. Einige dieser in den Akten verzeichneten Aussagen seien ihm nicht detailiert genug. Die Tatsache, dass die Kühe weniger Milch gaben, scheint ihm nicht unbedingt auf Hexerei zurückzuführen zu sein, sondern konnte durchaus auch natürliche Ursachen haben. Auch das nächtliche Verschwinden Barbaras, so gibt Mauritius zu verstehen, sei allein aus der uneidlichen Aussage des Vaters auch nicht hinlänglich erwiesen und besonders deshalb, weil diese Vorfälle nachts, also während der Vater nach eigenen Angaben schlief, geschehen waren.

Anders verhält es sich mit den Vorkommnissen im Spital. Zwar schenkt Mauritius den gespenstischen Geschehnissen keinen Glauben, die Aussage des „Spitalmeisters" aber über das häufige Wasserlassen des Mädchens und auch über die schweren Mißhandlungen, die er festgestellt hatte, nimmt er sehr ernst. Sie deuten durchaus auf einen Umgang des Mädchen mit dem Teufel hin. Allerdings blieb dieser unvereidigt, also wertet Mauritius seine Aussage nicht als belastend für Barbara Schurtz und das trotz der massiven Beschuldigungen. Mauritius führt also keinen inhaltlichen, sondern einen formalen Grund an, die Aussage nicht gelten zu lassen.

Mauritius schließt daher auch die Schuldfrage bezüglich des Teufelspaktes ab:

„dass also, ob etwas reales vnd würckliches zwischen dem Teüffel vnd diesen Persohnen vorgangen, nicht zur rechtlichen gnüge erwiesen, also asserirt werden kann, ob sie unter dergleichen Hexen würkliche pacta gemacht oder nicht [...]." [191]

Ein Schaden mittels Hexerei konnte den drei Jugendlichen nicht nachgewiesen werden. Und auch einen realen Teufelspakt hat Mauritius nicht festgestellt. Dennoch beginnt er jetzt zu erörtern, wie ein solcher Teufelspakt ohne nachgewiesenen Schaden zu bestrafen sei. Das scheint unlogisch, da ja nach seinem Dafürhalten ohnehin kein Pakt vorlag. Aus welchem Grund sollte er dann prüfen mit welcher Strafe dieser zu belegen sei? Seine Argumentation verläuft hier analog zu der Frage nach den Stigma und vielleicht ist es auch hier wieder Teil seiner Intention, die Angeklagten zu entlasten. Da es aber nicht darum ging, ob der Teufelspakt und somit der Abfall von Gott überhaupt zu bestrafen, sondern nur, ob er mit dem Tod zu belegen sei, scheint die Entlastung der Angeklagten als Argument allein nicht schlüssig. Bei diesem Gutachten handelt es sich um das erste, das Mauritius in einem Hexenprozeß verfaßt hat. Daher ist anzunehmen, dass er selbst noch keine gefestigte Meinung zu diesem Punkt hatte. In der Frage nach der Strafe für den Teufelspakt gab es zwar im 17. Jh. eine kanonische Auffassung der Juristen, dass er nämlich real und somit mit dem Tode zu bestrafen sei, auch wenn kein Schadenszauber nachgewiesen werden konnte. [192] Im 16. Jh. herrschte aber hinsichtlich der Deliktbeschreibung und somit auch hinsichtlich der Beurteilung des Teufelspaktes noch keinesfalls eine einheitliche Auffassung. [193] Als Befürworter der Todesstrafe auch beim Teufelspakt ohne Schadenszauber führt er u.a. Carpzov und Goldast an und zitiert aus dem Werk Von rechtlichen Bedenken des letztgenannten eine Passage. Als Gegner zählt er u. a. Weyer und Molitor auf und außerdem die Tübinger Juristen Harpecht und Thumm.

Mauritius hält sich dann aber nicht mehr länger mit der Frage auf und trifft somit auch keine Entscheidung, welche der Lehrmeinungen für richtig zu halten ist, sondern geht zurück zum konkreten Fall und zählt die Gründe auf, aus denen nach seinem Ermessen auch keine schwere Leibes- oder Verbannungsstrafe verhängt werden könne:

<31>

„[...] propter aetatem der Beklagten, wovon das Mägdlein im 6.ten Jahr ihres alters, der Knab Schertlin im 14. der ander aber im 15. verführt zu seyn bekennen. 2. weiln alles, so bewiesen, ad illusionem diabolicam mag referirt werden. 3. weiln zu befürchten, sie auff solchen fall, alß verlaßene, vnd ohne inspection lebende, vom Satan Leichter möchten verführt werden. Vnd 4. sonsten zu der selben restituirung, wegen verspürter ernster poenitenz, insonderheit des Mädlins, den actis nach, gute Hoffnung." [194]

Neben dem geringen Alter der Angeklagten und auch dem nur eingebildeten Pakt, sind also die Hauptargumente, dass er die Angeklagten gerade bei einer Verbannungsstrafe noch mehr der Gefahr ausgesetzt sieht, in irgendeiner Form von Teufel verführt zu werden. Darüber hinaus sah er in jedem Fall durch eine zu harte Strafe den Weg der Besserung, auf dem sich Barbara Schurtz schon befand, gefährdet.

Danach folgt das Urteil, aus dem hervorgeht, dass Mauritius deren Vergehen und Selbstbeschuldigungen nicht völlig ungesühnt lassen wollte:

„Weiln iedannoch von P[einlich] Beklagten allen, darin auch sträfflich delinquirt worden, dass sie wenigst von solchen imaginationibus diabolicis, nicht allein nachts, vnd im schlaff sich einnehmen laßen, sondern auch wann sie erwacht, nicht rath bey den Geistlichen vnd sonsten gesucht, solche Gottslästerliche sachen gleichsam also wachend approbirt [...]. Alß mögen Sie deßwegen wol mit einer straff von der weltlichen Obriegkeit, ihnen zur beßerung, und andern zum Exempel angesehen [...]." [195]

Nach einem Einschub, in dem er als rechtliche Grundlage für seine Beurteilung Delrio anführt, fährt er fort mit der eigentlichen Strafe und wie weiter mit den Angeklagten verfahren werden soll, um sie möglichst von ihren teuflischen Phantasien fernzuhalten und sie auch wieder in die Gemeinschaft einzugliedern:

<31>

„Vnd über bereits außgestandene Gefengnus das Madlen Barbara durch ein weibs Persohn in carcere zimblich scharpff mit ruthen gestrichen, die Knaben Bastian Schertle und Martin Hagner aber, gleichfalls in carcere, einer Schertle etwas schärpfer, dieser Hagner aber mit etwas mehrer moderation, durch den Stattknecht, mit gleicher straff, ohne eröffnung absonderlicher Vrtheil, sich zur beßerung angesehen, dann volgends in ein Spital, oder, wann dazu keine gelegenheit, bey ihren freünden gethan, und fleißige achtung auf Sie und ihr leben gegeben, sie eüffrig aus Gottes wort, ihrer begangenen sünde, und deß Christentumbs, durch die Prediger erinnert, und verhoffentlich also ferner Vnheil von ihnen abgewendet werden." [196]

Das Konsilium schließt darauf mit der üblichen Formel „Actum in Colllegio nostro" und dem Datum.

Interessant ist es nun, den Fall in seiner Gesamtheit, wie er uns durch die Akten und darauf basierende Forschung vermittelt wird, zu betrachten, bevor eine endgültige Bewertung von Mauritius Intention und Argumentation vorgenommen werden soll. Bastian Schertlin war ein Waisenkind und wohl am 10. März 1645 in Willsbach geboren. [197] Den Akten zufolge hat er durch einen Unfall eine Behinderung erlitten, weshalb er an Krücken lief. Außerdem scheint er nicht bei vollem Verstand gewesen zu sein, was auch dem Amtmann vor Ort nicht entgangen zu sein scheint. [198] Er und die Mitangeklagte Barbara Schurtz müssen sich schon länger gekannt und allem Anschein nach sexuellen Umgang gehabt haben. [199] Barbara war Dienstmagd beim Pfarrer in Sülzbach, welches in unmittelbarer Nähe zu Willsbach liegt. Sie war, laut eigener Aussage, schon mit 2 ½ Jahren in Berührung mit der Hexerei gekommen, und als sie fast 5 Jahre alt war, sei sie „im geschrey gewesen" [200] und wegen des Hexereivorwurfs ins Spital gekommen. Danach kam sie als Dienstmagd nach Sulzbach. Die beiden wurden im Juni des Jahres 1661 in Haft genommen. [201]

<32>

Der dritte Jugendliche, Hans Martin Hagner, stammte, wie auch Barbara Schurtz, aus Sulzbach. Er lebte dort in sehr ärmlichen Verhältnissen bei seiner Mutter, sein Vater war schon gestorben. Seine Verhaftung erfolgte einen Monat später, als die der anderen beiden, ursprünglich übrigens auf Denunziation seiner eigenen Mutter. [202] Es ist fraglich ob er vor dieser Verhaftung schon Kontakt zu den beiden anderen Jugendlichen hatte. Barbara äußerte sich darüber widersprüchlich, während Bastian es von Anfang an negiert.

In der Haft aber begannen die drei allem Anschein nach ihre Geständnisse abzugleichen. Hartwig Weber hat dabei auf die zentrale Rolle der Barbara hingewiesen. [203] Sie sei es gewesen, die dafür sorgte, dass aus der Mischung aus Halbwissen und jugendlich sexuellen Phantasien die detaillierten Beschreibungen vom Sabbat entstanden seien, wie sie sich in den Akten finden lassen. Auch hält er sie für die treibende Kraft, bei den Denunziationen gegen Erwachsene, die von den Jugendlichen im Verlauf des Prozesses gemacht wurden.

Es läßt sich also festhalten, dass der Prozeß in Weinsberg sich gegen drei jugendliche Außenseiter richtete. Bis auf die 10 Jahre alten Anschuldigungen gegen Barbara Schurtz beruhte die Vorwürfe im wesentlichen auf den Eigenbezichtigungen der drei.

Die Akten in Stuttgart geben aber auch Aufschluß über den weiteren Prozeßverlauf. [204] In einem Schreiben fragte der Vogt im November nochmals beim Oberrat in Stuttgart an, ob die Strafe tatsächlich so auszuführen sei, weil die Tübinger Juristen das Gutachten „zimlich gelind eingerichtet" hätten. [205]Als Begründung fügt er auch eine Inhaltsangabe des Konsiliums bei, um so wohl auf die vermeintlichen Schwächen der Argumentation in diesem hinzuweisen. Wenige Tage später folgte die Antwort aus Stuttgart, dass der Vogt die Strafen so wie im Gutachten beschrieben durch den Stadtknecht ausführen lassen solle, allerdings gegen alle drei in verschärfter Form. Der Oberrat stimmte in diesem allerdings einer Verbannung der Barbara, anders also als im Urteil von Mauritius, zu. Und schließlich wurde am 13. November das Urteil vollstreckt. Ein späteres Schreiben aus dem Aktenbüschel behandelt dann noch die Frage der Prozeßkosten. Es wird ersichtlich, wie sich der Vater von Barbara Schurtz weigerte, diese zu übernehmen.

Man sieht daran deutlich, dass neben den Tübinger Juristen auch der württembergische Oberrat als Kontrollorgan entscheidenden Einfluss auf den Ausgang des Verfahrens hatte. Die Rolle des Oberrats bei den Hexenprozessen wurde bereits Untersucht. Anita Raith konnte zeigen, dass der Oberrat mäßigend auf die Verfolgungen im Herzogtum Württemberg eingewirkt hat. [206]

<33>

Es stellt sich daher die Frage, wie das Konsilium von Mauritius in seiner Gesamtheit zu beurteilen ist. Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass in einigen Punkten die Argumentation die Angeklagten zu entlasten scheint. Es gilt zu betrachten ob seine Argumentation juristisch zwingend war oder er Möglichkeiten nutzt, die in den Akten vorgefundenen Tatbestände zu Gunsten der Angeklagten zu interpretieren. Folgende Punkte sprechen dafür, dass er die Situation in unserem Sinne erkannt hatte, sprich dass er davon ausging, dass die drei Jugendlichen tatsächlich weder realen Schaden angerichtet hatten, noch im Bunde mit dem Teufel standen.

Er gibt an mehreren Stellen zu erkennen, dass er die Situation der Angeklagten sehr wohl richtig beurteilen konnte. Mehrmals weist er explizit auf ihr sehr junges Alter hin. Besonders der Geisteszustand des Hans Martin Hagner fällt ihm auf. Auch dessen Äußerung bezüglich des Essens in der Haft und seine Familienverhältnisse spricht er im Gutachten an. Und wenn er die Stelle in Spees Cautio Criminalis anführt, in der die Konformität von Geständnissen als Ergebnis der Gerichtspraxis und Haftbedingungen entlarvt wird, zeigt das, dass er durchaus davon ausging, dass die drei ihre Geständnisse in irgendeiner Form abgeglichen hatten.

Dementsprechend ist auch seine Interpretation der Glaubwürdigkeit von Bastian Schertlin zu verstehen. Mauritius erkennt in dessen Aussage, dass er frühestens vor drei Jahren von Barbara Schurtz in den Zauberkünsten unterwiesen worden sei, einen Widerspruch zu den Schäden, derer er sich selbst bezichtigte. Diese Erkenntnis ist logisch und deutet daraufhin, dass Mauritius die Akten sorgfältig studiert hat. Sein Schluß aber, dass aufgrund dieses einen Widerspruchs die gesamte Aussage des Bastian Schertlin, übrigens auch bezüglich der Mitangeklagten, falsch sei, ist nicht zwingend. Es wäre ja auch durchaus denkbar, davon auszugehen, dieser hätte sich nur bezüglich des Zeitpunkts geirrt, ansonsten aber die Aussage für richtig zu halten und dementsprechend als belastend zu werten. Das einzige was Mauritius von dem Geständnis des Bastian Schertlin gewertet hat, ist aber der Teil, der zu dem Widerspruch führt und damit das einzige, was diesen entlastet.

Auch die Gliederung seines Konsiliums spricht für eine Parteiname zugunsten der Angeklagten. Er untersucht Schadenszauber und Teufelspakt getrennt voneinander. Es ist keinesfalls so, das er das immer so anging. In seinem Gutachten vom 28. 2. 1863 behandelt er beide, sowohl die Frage nach dem Teufelspakt, als auch die nach angerichteten Schäden jeweils für die Angeklagten in einem. dass er, wie oben beschrieben, jeweils zuerst die leicht zu widerlegenden Vorwürfe behandelt, erweckt natürlich beim Leser des Gutachtens eher den Eindruck, die Anschuldigungen sein insgesamt nicht so schwerwiegend.

Einen deutlichen Hinweis auf seine Intention bietet auch seine Argumentation bezüglich der Hexensalbe. Er sieht hier auf jeden Fall ein entlastendes Moment für die Angeklagten, sei es, dass sie tatsächlich von der Salbe konsumiert hatten, und dadurch ihre Sinne verwirrt wurden, oder sei es, dass sie sich die Sache nur eingebildet hatten und damit ihre Aussage noch unglaubwürdiger wurde, als sie ohnehin schon war. Auch dieses Beispiel zeigt, dass Mauritius wohl schon eine festgelegte Meinung hatte und diese dann durch geschickte Interpretation zu Tage fördern wollte. Weder ist nämlich die Einnahme einer halluzinogenen Droge immer so zu interpretieren, dass alle von den Angeklagten gestandenen Tatbestände rein erfunden sind, noch muss die Falschaussage im anderen Fall bedeuten, dass die Angeklagten in allen Punkten gelogen haben. Juristisch ist seine Argumentation an dieser Stelle also keineswegs stichhaltig. Sie erweckt aber beim Leser des Konsiliums den Eindruck, die Angeklagten sein in jedem Fall unschuldig, bzw. soll diesen Eindruck erwecken.

Ähnlich funktioniert auch seine Argumentation bezüglich des Hexenmals und des Teufelspaktes. In beiden Fällen widerlegt er zuerst die Vorwürfe, um gleich im Anschluß beim Hexenmal das Indiz als solches und beim Teufelspakt die Strafbarkeit zu hinterfragen. Auch dieses mag beim Leser des Gutachtens verstärkt zu dem Eindruck geführt haben, die Angeklagten sein unschuldig. Gerade wenn er dem ersten Teil der Argumentation nicht folgen wollte, also zum Beispiel dem Nichtvorhandensein eines Stigmas, wurde das relativiert durch das in Fragestellen der Stigmata im allgemeinen.

<34>

Auch seine Zitate von den Verfolgungsgegnern Spee und Weyer werfen ein Licht auf seine Intention. Mit diesen war es ihm möglich, das Hexenmal und die Übereinstimmung in den Geständnissen zu entkräften und insgesamt einen nur eingebildeten Teufelspakt festzustellen.

Betrachtet man nun das Urteil, so muss man feststellen, dass die Angeklagten, wenn sie auch nicht gänzlich freigesprochen wurden, mit dieser Prügelstrafe noch sehr glimpflich davonkamen. Inwieweit Barbara Schurtz darüber hinaus noch aus Sülzbach verbannt wurde, wie das in dem Schreiben des Oberrats gefordert wurde, läßt sich den Akten nicht entnehmen. Auch kann man aus den Forderungen, die Mauritius für den weiteren Verbleib der drei Angeklagten stellt, erkennen, dass er auch deren Zukunft im Auge behielt. Er wollte mit diesen Anweisungen wie auch mit dem milden Urteil die Jugendlichen wieder fester in die Gemeinschaft einbinden und sie von erneuter Konfrontation mit dem Gesetz durch Hexerei-Beschuldigungen fernhalten.

Wie man an der Tatsache, dass der Oberrat das Urteil modifizierte, ersehen kann, musste Mauritius auch darauf bedacht sein, dass seine Argumentation nicht nur bei den Juristen des Tübinger Spruchkollegiums Anklang fand, da diese sonst Nachbesserungen diesbezüglich gefordert hätten, wobei solche in dem Gutachten nicht ersichtlich wären, sondern das auch der Amtmann vor Ort und vielmehr noch der Oberrat in Stuttgart dieser folgte. In diesem speziellen Fall ist, bis auf zwei kleine Modifikationen, sein Urteil unverändert geblieben, was zu dem Schluß kommen läßt, dass Erich Mauritius mit diesem, einerseits ein mildes, andererseits aber auch ein der Ansicht der Juristen in Stuttgart gerecht werdendes Urteil, gefällt hat.

Es ist außerdem darauf hinzuweisen, dass er durch dieses Urteil, in dem ja der Umgang der Angeklagten mit dem Teufel als nur eingebildet bezeichnet wird, allen weiteren Nachforschungen Einhalt gebot. Da die drei, wie oben ausgeführt, andere der Hexerei beschuldigt hatten, hätte dieser Prozeß, bei entsprechender Behandlung, wieder andere nach sich ziehen können, was durch das Gutachten verhindert wurde.

4.2 Gutachten vom 31. 8. 1663 [207]

Als zweites soll hier auf das Gutachten vom 31. 8. 1663 eingegangen werden. Dieses späteste seiner Tübinger Gutachten in Hexensachen bezieht sich, wie das erste, auf einen Prozeß in Württemberg, während das zweite Gutachten von Mauritius, auch aus dem Jahr 1663, nach Esslingen ging. In der freien Reichsstadt traten andere Prozeßabläufe zu Tage, was es sinnvoll erscheinen läßt, dieses Gutachten vorzuziehen. Angeklagt war ein gewisser Caspar Groß in Leonberg wegen sodomie und veneficium. Er war ein Tabakhändler und Statthalter von Stuttgart, also durchaus eine hochgestellte Persönlichkeit. [208]

Anders als im vorigen Fall, gab es kein freiwilliges Geständnis, sondern der Angeklagte war, aufgrund mehrerer Denunziationen, vor Gericht gestellt und gefoltert worden. Die Denunzianten waren andere der Hexerei wegen Angeklagte aus der Reichsstadt Esslingen. Wie man dem Gutachten entnehmen kann, wurden von diesen zumindest einige mit dem Tod bestraft. In Esslingen war 1662 eine Prozeßwelle ausgebrochen die bis 1666 anhielt. Auf diese dritte Phase der Esslinger Hexenprozesse, in die auch das dritte der Gutachten von Mauritius fällt, wird noch näher einzugehen sein. [209]

<35>

In welcher Verbindung der in Leonberg angeklagte Caspar Groß zu seinen Denunzianten aus den Esslinger Prozessen stand, läßt sich aus dem Gutachten nicht entnehmen. Es steht allerdings fest, dass die Denunzianten aus den zu Esslingen gehörenden Spitaldörfern Möhringen und Vaihingen kamen, in denen der Schwerpunkt der Prozesse lag und die im Südosten an das Amt Leonberg grenzten. [210]

Mauritius beschreibt, wie der Angeklagte, gemäß eines ersten Gutachtens [211] der Tübinger Juristen, gefoltert worden war. Die Territion und auch den ersten Grad der Folter, in diesem Fall das Aufziehen, überstand er, ohne die ihm vorgeworfenen Verbrechen zu gestehen. Darauf wurden ihm vom Scharfrichter die Haare abrasiert und andere Kleider angelegt. Dieses war eine übliche Prozedur, die nicht nur eine zusätzliche Demütigung des Gefolterten darstellte und somit schneller dessen Willen brechen sollte, sondern auch mit der Vorstellung der Hexenkunst der Verschwiegenheit (s.o.) in Verbindung stand. Man glaubte so den Zauber des Gefolterten brechen zu können. [212]

Nach der Rasur fuhr man, wie Mauritius den Akten entnahm, mit dem 2. Grad der Folter fort und der Angeklagte versprach, nach zweimaliger quastation, einer Verschärfung der Folter, zu gestehen: [213]

„[...] er auch nach angehengtem 50. pfündigen stein, und zweymahliger quastation geruffen, man solte ihn herunder laßen, er wolte alles sagen; so seye er iedannoch auf ableügnung beeder obiger laster beständig verblieben [...]. " [214]

Er leugnete also beharrlich, worauf man ihn auch im 3. Grad folterte, was dem Aufziehen mit einem 100 Pfund, also etwa 50 Kilo schweren Stein entsprach, worauf Caspar Groß dann darum bat:

„[...] man solle ihn herunder laßen, müße, wolle auch gerne sterben, bekenne hiemit, dass er ein Sodomit seye, wie er dann, dass er dreymahl mit Schrepfeln, ein oder zweymahl mit Michael Seher [...] solche unthaten getrieben, angezeigt, doch bald dabey, dass er solche Leuthe, auch den Schrepfel nie gekennet, dass er bekennen müß, er habe es gethan, oder nicht, gemeldet, und also waß er vor gesagt in continenti revocirt [...]." [215]

Er bekannte unter den Schmerzen der Folter, dass er sexuellen Umgang mit zwei in Esslingen Beklagten gehabt hatte. Doch gleich als man ihn von der Folter nahm, leugnete er alles. Bestätigte der Beklagte gleich nach der Folter sein Geständnis nicht, wie in diesem Fall, so war dieses, laut Carolina, als ungültig zu werten. Caspar Groß widerrief aber sein Geständnis nicht nur gleich darauf, sondern auch in der später abgehaltenen Nachfrage, die hier Besiebnung hieß, weil ihr sieben Zeugen beiwohnen mussten. [216] Dort sagte er:

<36>

„[...] dass er ganz ohnschuldig, den Seher und Schrepfel niemals gekennet, und alles, so er geredt, aus lauter schmerzen, gesagt zu haben, vorgibt, wann man ihm mehrers zu gemuthet, hette er auch mehrers bekannt, wolte er iedoch, weil die Obrigkeit nicht zufrieden seyn wolle, nochmaln sagen, und das es geschehen, geständig seyn, nur damit er ohne ferner pein dem todt übergeben werde [...]." [217]

Dieser Teil des Gutachtens bietet einen tiefen Einblick in den Einsatz der Folter als Mittel der Wahrheitsfindung, und zeigt, in welch ausweglose Situation sie einen peinlich Beklagten bringen konnte. Caspar Groß hatte die Territion und den ersten Grad der Folter überstanden. Man muss sich dabei vor Augen führen, welche Schmerzen schon dieser erste Grad verursachte. Dem Delinquenten wurden beim Aufziehen die Hände am Rücken zusammengebunden, worauf er dann an beiden Armen hochgezogen wurde. Durch das eigene Körpergewicht wurden dadurch die Schultergelenke nach oben verdreht. [218]

Trotzdem bekannte Groß erst beim Aufziehen mit 50 bzw. 100 Pfund zusätzlichem Gewicht und mehrmaliger quastation, die ihm zu Last gelegten Verbrechen. Bei der Nachfrage bzw. Besiebnung widerrief er sein Geständnis erneut. Allerdings ist dem obigen Abschnitt deutlich zu entnehmen, dass der Angeklagte, der ja alle drei Grade der Folter schon überstanden hatte, bei erneuter Folter oder gar nur der Territion wohl endgültig gestanden und nicht mehr widerrufen hätte, allein um den ungeheuren Schmerzen zu entgehen. Er wäre, wie er selbst ausgesagt hat, lieber gestorben, als weiter gefoltert worden.

Nun entspricht die hier beschriebene Szene noch dem geordneten Verfahren nach der Carolina, dem processus ordinarius, und zeigt eben auch dessen Schwäche auf, den wenig reglementierten Gebrauch der Folter. Nach den drei Graden der Folter, musste entschieden werden, in diesem Fall durch das Konsilium von Mauritius, ob die Geständnisse rechtskräftig und der Beklagte somit schuldig war. Wie nun ein derartiges Prozeß nach dem in Ketzerprozessen ausgebildetem Schnellverfahren abgelaufen wäre, in dem weder die Art der Folter noch die Anzahl der Wiederholungen reglementiert waren, liegt auf der Hand. Der Beklagte wäre weiter gefoltert worden, bis er alle Vorwürfe gestanden hätte und dann hingerichtet worden.

Das Erich Mauritius aber dem processus odinarius verpflichtet war und auch ein Foltern über das geschehene Maß hinaus ablehnte, zeigt sich in dem nächsten Absatz des Gutachtens:

<36>

„Nun haben wir nicht unterlaßen, die sache collegialiter und reifflich zu erwegen, und halten diesem nechst nach sattsamer deliberation einmütig davor, dass weder in principiali ihm die auf solche Laster gesezte oder andere Straffen irrogirt, noch auch mit weiterer tortur in ihn gesezet werden möge." [219]

Das heißt, dass Mauritius, gestützt durch die anderen Mitglieder des Spruchkollegiums, zu dem Ergebnis kam, dass dem Angeklagten keine Schuld nachzuweisen war und er somit nicht bestraft und über geschehenes Maß hinaus auch nicht mehr gefoltert werden durfte. Dieser Absatz nimmt das eigentliche Urteil, das am Ende des Gutachtens zu finden ist, vorweg. Im folgenden begründet er, warum das Geständnis des Caspar Groß nicht gültig war und warum er nicht mehr gefoltert werden durfte. Auch über die Indizien, die zur Wiederaufnahme des Verfahrens und zur erneuten Folter nötig wären, lässt er sich aus.

Zuerst führt er die Rechtsnormen an, die eingehalten werden mussten um ein gültiges Geständnis zu erhalten. In dieser in Latein abgefassten Passage finden neben der Carolina auch einige bedeutende Rechtsgelehrte Erwähnung. Das Geständnis von Groß war aus mehreren Gründen nicht gültig:

„Es ist aber des Großen außage [...] 1. dubia et incerta 2. in continenti revocirt, 3. bey der besiebnung nicht, wie recht, confirmirt, und also vor einer zu recht gültigen bekanntnus [...] nicht zu halten." [220]

Darüber hinaus führt Mauritius an, dass der Angeklagte auch sonst nicht für schuldig gehalten werden konnte. Er war zwar durch zahlreiche andere wegen Zauberei hingerichteter oder wegen des Verdachts festgenommenen Personen schwer belastet worden. Diese beschuldigten ihn, er sei bei den Hexenkonventen zugegen gewesen. Manche dieser Besagungen hatten in direkter Gegenüberstellung, der so genannten Konfrontation, stattgefunden und z.T. waren die Denunzianten bis in den Tod bei ihrer Aussage geblieben, was im allgemeinen auch als erschwerend gewertet wurde. Trotzdem bewertet Mauritius diese Denunziationen nicht als hinreichenden Beweis für die Schuld von Caspar Groß, da solchen Besagungen anderer Hexen nicht viel Glauben zu schenken sei. Als Vertreter dieser Meinung führt er in erster Linie Goldast, aber auch mehrere italienische Rechtsgelehrte, außerdem Theoretiker wie Bodin und Delrio und auch Weyer an. In dem er in diesem Punkt eine so breitgestreute Übereinstimmung selbst von Befürwortern der Verfolgungen aufzeigt, signalisiert Mauritius, dass dieser Punkt seiner Argumentation kaum anzufechten war.

Solche Besagungen anderer, führt Mauritius im weiteren aus, seien nicht einmal immer ausreichend um einen Beklagten zu verhaften oder gar zu foltern. Auf gar keinen Fall aber, und darüber herrschte nach Auffassung von Mauritius Übereinstimmung bei den Rechtsgelehrten, seien sie ausreichend, einen Angeklagten seiner Schuld zu überführen:

<37>

„Dahero dann solche delationes solas nicht nur allein ad torturam, sondern auch ad capturam nicht genugsam zu seyn von vielen, von niemanden aber, dass dadurch ein reus plené convincirt werden solte, erachtet wird." [221]

Im folgenden führt er in drei zusammen etwa halbseitigen Passagen in lateinischer Sprache die Meinung von Goldast, Tanner, Spee und Godelmann auf. Die Denunziationen anderer Beklagter seien eben auch dann fragwürdig, wenn diese schon ihrer Schuld überführt waren, da durch die teuflischen Illusionen durchaus redliche Menschen auf dem Sabbat zu sehen gewesen sein könnten, die de facto nicht anwesend waren.

Dies gilt auch für den behandelten Vorwurf der Sodomie. Auch hier reichen die Besagungen nicht aus, allein kombiniert mit einem Geständnis könnten diese zu einer Verurteilung des Caspar Groß führen. Mauritius weist außerdem darauf hin, dass er ohnehin nicht beurteilen kann, ob die auf der Folter gemachten Besagungen gültig waren, da ihm keine Unterlagen über den Ablauf der Folter in Esslingen vorlagen. Wie sich im dritten Gutachten zeigen wird, zeichneten sich die Esslinger Prozesse aber gerade durch nicht indizierte und somit ungültige Foltergänge aus. Der Einwand von Mauritius an dieser Stelle war somit mehr als berechtigt.

Auch für eine Wiederholung der Folter fehlte die rechtliche Grundlage. Der Beklagte Groß hatte sich durch das Überstehen der Folter von den Vorwürfen gegen ihn sozusagen gereinigt, oder, wie man in den Rechtswissenschaften sagte, purgiert. Für diese Auffassung führt Mauritius noch eine lateinische Begründung an, in der u.a. Carpzov aufgeführt wird, bevor er dann in einem längeren lateinischem Abschnitt ausführt, dass diese Purgation von den bisherigen Indizien eine erneute Folter nur zuläßt, wenn neue Indizien für die Schuld des Beklagten auftauchen. Auch folgt er der Auffassung Spees in dessen Cautio Criminalis, dass, wenn die erneute Folter schärfer durchgeführt wurde wie die erste, auch die Indizien, die diese einleiteten, belastender sein müßten als die ersten:

„Cum enim tortura altera necessario multo sit acerbior, atque illa prima fuerit, ad quam animus adhuc erectus et infractae vires allata sunt, postulat sané recta ratio, ut ad eam tanto graviorem, non nisi quoque tanto gravioribus de causis accedatur. rectè scribit Autor Caut[io] Crim[inales] dub[ium] 21. p[agina] 158." [222]

Nachdem somit geklärt war, dass Groß von den bestehenden Indizien purgiert war, befasst sich Mauritius mit weiteren Indizien, die nach der Erstellung des ersten Gutachtens aufgetaucht waren. Weitere Beklagte aus den Esslinger Prozessen hatten Caspar Groß der Hexerei bezichtigt. Mauritius führt an, dass auch diese erneuten Denunziationen nicht zu werten sein:

„Und mag hierwieder nicht angeführet werden, dass seithere unserm jüngsten Consilio er, Caspar Groß, annoch von 3. anderen Persohnen zu Eßlingen angegeben worden, also newe indicia wieder ihne vorhanden zu seyn, vermeinet werden könte." [223]

<38>

Hierfür gibt es, nach Einschätzung von Mauritius, zwei wesentliche Gründe: Erstens, dass, wie er im oberen Teil beschrieben hat, die Aussagen von anderen der Hexerei Angeklagten nicht immer glaubwürdig waren. Und zweitens, dass die Indizien, die hinreichend zur erneuten Einleitung der Folter sind, ein neues Verdachtsmoment bringen müssten, von dem sich der Beklagte noch nicht purgiert hat. Das heißt für diesen Fall konkret, dass neue, in der Folter zustandegekommene, Denunziationen nicht ausreichend waren, um Caspar Groß erneut zu foltern. Durch Wiederholung der Folter wäre aber, wie oben besprochen, wohl endgültig der Widerstand von Groß gebrochen worden.

Seine Einstellung zu den Denunziationen ist bedeutsam für die Bewertung seines Einflusses auf die Hexenprozesse. Gerade das Instrument der Besagung konnte, wie im ersten Kapitel angesprochen, zu den epidemischen Verfolgungswellen führen, falls Denunziationen allein zur Einleitung der Folter und damit auch oft zur Hinrichtung der Beklagten genügten. Mauritius gibt eindeutig zu verstehen, dass solche Besagungen immer mit Sorgfalt zu betrachten sind. Nicht immer seien sie ausreichend für die Verhaftung oder gar für die Folter von den Denunzierten. Da durch diese Sichtweise Prozesse oder die Folterung von Angeklagten verhindert werden konnten, muss man diese Einstellung durchaus als verfolgungshemmend bezeichnen.

Wenn ein Beklagter aber aufgrund solcher Besagungen gefoltert wurde, wie in diesem Fall, blieb ihm nur die Chance, die Folter zu überstehen, ohne zu gestehen, bzw. ohne das Geständnis im nachhinein zu bestätigen. Caspar Groß war das gelungen, bestimmt auch dadurch, dass man sich in Leonberg an die vorgeschriebenen drei Foltergänge gehalten hatte. Entscheidend ist aber auch, dass Mauritius in seinem Gutachten jede weitere Folterung, selbst aufgrund neuer Besagungen, untersagt. Damit war Caspar Groß, außer wenn sich ganz neue Indizien gefunden hätten, vor dem Tod bewahrt worden. Eine derartige Vorgehensweise verhinderte zwar nicht immer, dass Einzelne aufgrund von Besagungen anderer gefoltert und letztlich auch hingerichtet wurden, aber einer Ausweitung der Prozesse in Form einer Kettenreaktion war damit weitgehend Einhalt geboten.

Mauritius kommt zu folgendem Schluß, der ja eigentlich schon vorweg genommen worden war:

„Welchem nach wir, salvo aliorum judicio, nicht anders davor halten können, alß dass P[einlich] Beklagter, doch ohne deßwegen außgesprochener absolutori Urthel, auf erstattete Urpfed und handgelübd, sich iederzeit auf erfordern wieder einzustellen, dieser sachen beschschaffenheit nach, des carceris, und seiner gefangenschafft erlaßen, und auf sein thun und wandel hinführ gute acht gegeben werden könte." [224]

Allerdings ist ein solcher Spruch kein endgültiger Freispruch, sondern eine Art Zwischenurteil, eine so genannte absolutio ab instancia. [225] Ein solch vorläufiger Freispruch, der aus der italienischen Strafrechtspflege entlehnt war, barg für den Betroffenen die Gefahr, dass der Prozeß gegen ihn jederzeit wieder aufgenommen werden konnte. Schon ein einziges weiteres Indiz konnte dafür ausreichen. Wie schon darauf hingewiesen, hat aber Mauritius das Indiz, welches für gewöhnlich ein solch ruhendes Verfahren wieder in Gang brachte, nämlich die Besagung durch einen anderen peinlich Beklagten, zur Wiedereinleitung der Folter ausgeschlossen. [226] Damit war Caspar Groß zwar nicht endgültig freigesprochen, aber zumindest musste ein im wesentlichen neues Indiz gefunden werden, um das Verfahren gegen ihn fortzusetzen.

Gerade Denunziationen gegen Caspar Groß gab es aber in den Esslinger Prozessen immer wieder. [227] Im Verlauf der Esslinger Prozesse nahm er in den Ausführungen der Beklagten sogar mehr und mehr eine zentrale Rolle ein, so dass er am Schluss als eine Art Hauptmann auf den Konventen dargestellt wurde. [228] Über den weiteren Verlauf und den Ausgang dieses Verfahrens ist leider weder aus der Literatur noch aus den Akten etwas zu entnehmen.

<39>

Man sieht also auch an diesem Konsilium deutlich, wie die Tübinger Juristen Einfluss auf den Prozeß nahmen. Auf eine erste Anfrage aus Leonberg wies man die Gerichtsorgane dort an, den Angeklagten zu foltern. Nachdem dann in Tübingen die entsprechenden Akten von den peinlichen Verhören eingetroffen waren, wurde dort ein Konsilium mit dem Urteil erstellt.

Wie auch in dem ersten Konsilium folgte Mauritius auch in diesem dem processus ordinarius. Besonders deutlich sieht man das daran, dass er eine exakte Einhaltung der in laut Carolina nötigen Indizien zur Einleitung der Folter fordert. Darüber hinaus erschwert er die Wiedereinleitung des Verfahrens und somit auch der Folter, indem er eine erneute Besagung nicht als neues Indiz für die Schuld wertet, was große Bedeutung für die Eindämmung von Verfolgungswellen hat. In diesem speziellem Fall hatte sich die Prozesswelle, wie dem Gutachten zu entnehmen ist, aus der freien Reichsstadt Esslingen bis in das Herzogtum Württemberg ausgedehnt. Gerade die Denunziationen der Gefolterten hatten zu dieser Ausweitung beigetragen. Auch in Esslingen selbst wurden in dieser Zeit in Tübingen Gutachten zu den laufenden Prozessen angefordert, wie das dritte Gutachten von Erich Mauritius zeigt, das auch im Kontext der Esslinger Prozesse entstanden ist.

4.3 Gutachten vom 28. 2. 1663 [229]

Dieses Konsilium wurde auf eine Anfrage vom 13. 1. aus Esslingen erstellt, welche laut Mauritius am 24. 1. in Tübingen eingetroffen war und somit nach einer Bearbeitungszeit von etwa einem Monat wieder an den Absender geschickt. Dem eigentlichen Gutachten sind in der gedruckten Version eine knappe lateinische Einführung und eine Inhaltsangabe vorangestellt. [230] Dem Gutachten war, wie man daraus entnehmen kann, wie auch bei den beiden anderen besprochenen Konsilien, ein erstes Gutachten über die Einleitung und Durchführung der Folter vorangegangen. [231]

<40>

Angeklagt der Hexerei waren vier Personen Namens Mogglen-Ketter, Mogglen Grete, Gohlanna und Hans Harsch der Häffner. [232] Die Anfrage aus Esslingen, der auch die Akten beigefügt waren, bestand aus sechs Einzelfragen, deren Beantwortung man sich durch das Konsilium aus Tübingen erhoffte. Die erste Frage der Esslinger war, wie die vier beklagten Personen, die man für schuldig hielt, hinzurichten seien. Zweitens wollte man wissen, wie die Strafe für überführte Hexen im allgemeinen abgeschwächt werden dürfe. Drittens, wie man mit einigen Personen verfahren sollte, die angeblich durch ein Pulver zur Sodomie gezwungen worden waren. Viertens wollte man wissen, ob die sterblichen Überreste einer Frau namens Haischenannelin, die schon verstorben war, obwohl sie von vielen als Hexe besagt wurde, auf dem Friedhof belassen werden könnten. Die fünfte Frage betraf die vielen Kinder und Jugendlichen, die in die Prozesse verstrickt waren. Außerdem erwartete man als letztes auch eine allgemeine Anweisung, wie mit den zahlreichen Denunziationen, die in der Folter zustande gekommen waren, umgegangen werden sollte.

Nach einer Eingangsbestätigung des Esslinger Schreibens folgt die einleitende Formel:

„Wie wir dann so bald mit möglichster Hindansetzung anderer Geschäfften, dieselbe in unserem versam[m]eltem Collegio vorgenommen, und micht allein damahl, sondern auch theils über dieses privatim dieselbe mit Fleiß durchgelesen, reifflich erwogen, und einmüthig dahin geschlossen, dass auff vorgestellte 6. Fragen zu antworten, wie unterschiedlich hiernechst folget." [233]

Danach beginnt er mit der Beantwortung der ersten Frage, wie die vier Angeklagten hinzurichten seien. Allerdings modifiziert er gleich, dass die gegebene Antwort nicht einschließt, ob die Angeklagten nach Aktenlage für schuldig zu halten seien:

„Nun halten wir, wann in dieser Sache anjetzo bereits definitivè geurtheilt werden könte, und alles in facto & processu seine gewisse Richtigkeit hätte, dass auf solche Frage ohnschwer möchte geantwortet werden." [234]

Unter der Prämisse, dass die Schuldfrage schon geklärt ist, hält es Mauritius für unstrittig, die Angeklagten zum Tode zu verurteilen. In der folgenden Ausführung tritt der elaborierte Hexenbegriff mit allen wesentlichen Elementen zu Tage und es wird deutlich, dass auch Mauritius diesbezüglich nicht von der herrschenden Meinung abwich.

„Dann die Zauberer und Zauberinnen, die mit dem Teuffel einen Bund gemacht, von GOtt ihrem Schöpfer abgewichen, sich dem bösen Feind mit ihrem eigenen Blut verschrieben, den Menschen und Viehe geschadet, zu den teuffelischen Conventen gefahren, und anderer abscheulicher in actis benanter criminum sich theilhafftig gemachet, nach Göttlichen, geistlichen und weltlichen Rechten, vom Leben zum Todt, und zwar mit dem Feuer gerichtet und gestraffet werden." [235]

Außerdem führte er noch den Artikel 109 der Carolina als Rechtsgrundlage an. Im weiteren erklärt er in welchen Fällen die Todesstrafe durch Feuer abgewandelt werden darf und somit die Delinquenten vorher stranguliert oder enthauptet werden konnten.

Es folgt eine Ausführung über die Bestrafung nach dem jeweils schlimmsten Vergehen. Mauritius gibt also zu verstehen, dass bei den hier Angeklagten, im Falle einer Verurteilung, die Strafe für Hexerei zum tragen käme, nicht etwa die für Sodomie oder Inzest, derer sie auch angeklagt waren. Anschließend stellt er fest, dass aufgrund der ihnen zur Last gelegten Vergehen zwei der Angeklagten Gnaden halber erst hingerichtet und dann verbrannt werden sollten, während bei den anderen beiden die Schwere der Verbrechen auch eine Verbrennung bei lebendigem Leibe zuließe. Er hielt es aber für ratsamer auch in diesem Fall die Strafe abzuwandeln und die Angeklagten nicht lebendig zu verbrennen.

Nach dieser Ausführung gibt Mauritius aber deutlich zu verstehen, dass nach seiner Meinung und der der juristischen Fakultät die Sachlage, wie sie sich aufgrund der Akten darstellte, eine derartige Verurteilung tatsächlich nicht zuließ:

<41>

„Allein können wir unsern hochgeehrten Herrn nicht verbergen, dass wir Salvo aliorum judicio der gewissen und ungezweiffelten Meinung seyen, dass dieser Sachen Beschaffenheit nach, annoch nicht in pricipali sache zu sprechen sey, und solches auß nachfolgenden Ursachen." [236]

Danach legt er dar, warum die Angeklagten nach der momentanen Rechtslage nicht verurteilt werden konnten. Ursprünglich waren nur drei der Beklagten von einem gewissen Hans Elsässer der Hexerei beschuldigt worden. Es kam zur Konfrontation mit ihrem Denunzianten, bei welcher Elsässer die Vorwürfe bekräftigte. Im folgenden wurde ihnen die Folter angedroht, wobei aber kein Beklagter die Schuld eingestand. Bevor man nun in Esslingen mit der wirklichen Folter beginnen wollte, schickte man eine erste Anfrage nach Tübingen, die durch ein Konsilium vom 15. 8. 1662 beantwortet wurde. [237]

Mauritius beginnt seine Ausführung mit der Mogglen-Ketter und es zeigt sich schnell, dass man in Esslingen dem ersten Tübinger Konsilium wenig Beachtung geschenkt hatte und dass man sich auch sonst nicht unbedingt einer geordneten Prozeßführung verpflichtet fühlte, wie sie sich in den ersten beiden hier besprochenen Gutachten widerspiegelt. Die gegen die Ketter vorgebrachten Indizien waren ihr schlechter Ruf und die Denunziation durch Elsässer. Nach Mauritius waren diese aber erstens nicht beweiskräftig genug und zweitens hatte sie sich durch die direkte Konfrontation mit dem Denunzianten und das Überstehen der Territion von diesen purgiert, worauf die Tübinger Juristen schon in dem ersten Gutachten vom 15. 8. 1662 hingewiesen hatten. [238] Außerdem erkannte Mauritius, dass ihr Denunziant Hans Elsässer, der überhaupt die zentrale Rolle in den Prozessen von 1662 bis 1666 gespielt hat, [239] nicht unbedingt voll zurechnungsfähig war, da er bei seiner Aussage lachte und bekannte, er hätte versprochen andere Personen in den Verdacht der Hexerei zu bringen. [240]

Grundsätzlich konnten nach Mauritius Dafürhalten derartige Denunziationen zwar durchaus rechtskräftige Indizien sein, was in Artikel 31 der Carolina festgesetzt war. Dieser schrieb einige Voraussetzungen vor, die erfüllt sein mussten, um eine Denunziation als Indiz zu werten. Eine Voraussetzung war der schlechte Ruf der denunzierten Person. Gerade aber das Ansehen der Mogglen-Ketter in ihrem Umfeld war, so entnahm Mauritius aus den Akten, durchaus gut:

<42>

„[...] die gantze bey ihrem Eyd absonderlich gefragte Burgerschafft, ihr nichts ungleiches weiß nachzusagen, die meisten ihr ein gutes Lob geben, die Nachbarn bezeugen, dass ihre Kinder zu ihr ohne allen Verdacht gehen [...]." [241]

Obwohl aber, nach Auffassung der Tübinger Juristen, die Indizien nicht für eine weitere Folter reichten, wurde die Mogglen-Ketter am 26. 9. 1662, also gegen Anweisung des ersten Gutachtens, gefoltert. [242] Sie wurde aufgezogen und 6 mal geschnellt (quastation), gestand aber dennoch nicht die ihr zur Last gelegten Verbrechen. Mauritius folgerte daraus, dass selbst wenn Indizien gegen die Beklagte bestanden hätten, sie sich durch das Überstehen der Folter von diesen purgiert hätte. Er führt dazu eine etwa eine Seite lange lateinische Begründung an, mit Verweisen auf mehrere bedeutende Rechtsgelehrte, in der er dasselbe lateinische Zitat aus der Cautio Criminalis zur Wiederholung der Folter anführt, das schon im Zusammenhang mit dem Leonberger Gutachten besprochen wurde. [243] Er führt aus, dass die Folter nur dann wieder aufgenommen werden durfte, wenn tatsächlich neue Indizien für die Schuld der Beklagten bestünden.

In Esslingen hatte man aber eine völlig andere Auffassung als Mauritius. Am 5. und 6. November wurde sie erneut mit ihren Denunzianten konfrontiert - außer von Hans Elsässer wurde sie jetzt noch von einem gewissen Scheffel belastet. Außerdem fuhr man fort, sie zu Foltern. Am 6. 11., an welchem sie also zum zweiten Mal aufgezogen wurde, gestand sie, zusammen mit ihren beiden Denunzianten auf dem Hexensabbat gewesen zu sein. Das Geständnis wurde noch während sie in der Folter hing, aufgezeichnet, was eindeutig gegen den Artikel 58 der Carolina verstieß. [244] Darüber hinaus widerrief die Ketter das Geständnis, das, nach Auffassung von Mauritius, aufgrund der Ermangelung neuer Indizien und somit aufgrund der unrechtmäßigen Wiederholung der Folter, ohnehin nicht gültig war, sowohl gleich im Anschluss an die Folter, als auch bei der Nachfrage, zwei Tage später. Daraufhin wurde sie am Tag der Nachfrage, dem 8. 11., erneut gefoltert:

„Worauff ihr der Stieffel angethan, und also wiederum und zum drittenmahl torquirt worden, allda sie erstlich verschieden Sachen, so sie verübt, und dass sie eine Zauberin nach vielen antreiben [...] und offterem reluctiren bekennet." [245]

<43>

Mit „Stieffel" sind in diesem Zusammenhang die so genannten spanischen Stiefel gemeint, wobei es sich um Beinschrauben handelte. [246] In Esslingen wurden diese also zur Verschärfung der Folter eingesetzt. Mauritius betont nochmals, dass auch diese dritte, verschärfte Folter nicht die Schuld der Angeklagten bewies, da als einziges neues Indiz die Besagung des Scheffels zu den bekannten hinzukam. Dieses erfüllte aber nicht die Kriterien, die ein solches Indiz zu erfüllen hatte. Erstens war die Aussage nicht auf der Folter gemacht worden, zweitens war der Denunziant ein Komplize des Elsässers und drittens war die Besagung weder als neues Indiz zu werten, noch war es beweiskräftiger als das Indiz, das zur ersten Folter geführt hatte und von dem sich die Beklagte schon purgiert hatte. Daher war der Einsatz der Folter, nach Auffassung von Mauritius, nicht gerechtfertigt und somit das Gestandene nicht beweiskräftig für die Schuld:

„Weilen dann unsers Erachtens die andere und vielmehr die dritte tortur der Mockelkäte ohne sattsame indicia ergangen, so mögen die darinn beschehene Confessiones und nominationes auch vor gültig nicht geachtet werden." [247]

Als rechtliche Grundlage hierfür führt er den Art. 20 der Carolina an, in dem es sinngemäß heißt, dass ein Geständnis, das auf der Folter gemacht wurde, keine Gültigkeit besitzt, wenn die Folter aufgrund unzureichender Indizien durchgeführt wurde. An dieser Stelle lässt sich ganz deutlich die Widersprüchlichkeit der Folter als Wahrheitsfindungsmittel aufzeigen. Die Gültigkeit von auf der Folter getroffenen Geständnissen hing, zumindest im processus ordinarius, davon ab, ob bei der Einleitung der Folter die nötigen Indizien vorhanden waren. Waren sie das nicht, so war ein Geständnis, in dem sich ein Beklagter selbst belastete, für ungültig zu halten.

Bei genauerer Betrachtung muss man feststellen, dass die Folter im Verfahrensablauf nur dann etwas änderte, wenn sich ein Beklagter durch sie von den Indizien reinigte, da sie nur dann eine Erkenntnis brachte. Im Normalfall, wenn der Angeklagte in der Folter gestand, bestätigten sich durch das Foltern ja nur schon vorhandene Verdachtsmomente. Gestand ein Beklagter aber, obwohl er eigentlich nicht hätte gefoltert werden dürfen, so war er trotzdem für unschuldig zu halten.

Mit anderen Worten: Wenn man die Folter als Mittel zur Wahrheitsfindung einsetzte, musste man doch davon ausgehen, dass nur derjenige auf der Folter gestand, der das Verbrechen auch tatsächlich begangen hatte. Dann hätte man aber auch ein Geständnis zulassen müssen, das trotz unzureichender Indizien gemacht wurde. Natürlich kann man dagegen anführen, dass eine Notwendigkeit bestand Unschuldige vor ungerechtfertigter Folter zu schützen, wie sie im 15 Jh. zum Zusammenbruch der Strafrechtspflege geführt hatte. Da aber schon in der Carolina von 1532 und auch in ihrem Vorläufer, der Bambergensis die Ungültigkeit des Geständnisses bei unzureichenden Indizien zur Einleitung der Folter festgesetzt war, wird deutlich, dass die Schöpfer dieser Rechtsbücher sich in dieser Sache nicht sicher waren. Sonst hätten sie zwar auf einer Indizienprüfung vor Einleitung der Folter bestanden, aber ein einmal gemachtes und rechtskräftig bestätigtes Geständnis hätte andernfalls logischerweise auch bei Ermangelung dieser für gültig erklärt werden müssen.

Auch die Juristen im 17. Jh., die, wie Erich Mauritius, durch das Institut der Aktenversendung mit den Prozessen und somit mit der Folter in Berührung kamen, haben diese Rechtsnormen gekannt und ihnen muss auch die Gefahr, die von der Folter ausging, bewußt gewesen sein. Sie mussten wissen, dass in vielen Fällen mit der Subsumtion der nötigen Indizien und der Einleitung der Folter, der Angeklagte kaum noch eine Chance hatte, der Todesstrafe zu entgehen, es sei denn durch Überstehen der Folter. Die Folter selbst war zu der Zeit ein so fester Bestandteil des Strafprozesses, dass sie nicht wegzudenken war. Zur Entschärfung der Lage blieb, worauf in der Literatur mehrfach hingewiesen wurde, den Juristen, die die Verfolgungen kritisch betrachteten, also nur die systemimmanente Kritik (s. o.). Indem sie also die Indizien genau prüften und dafür sorgten, dass die Beklagten möglichst gar nicht erst gefoltert wurden.

<44>

Als ein solcher offenbart sich auch Mauritius dadurch, dass er jeden Foltergang, einzeln betrachtet und dem Beklagten die Möglichkeit zusprach, sich durch das Überstehen eines Folterganges von den Indizien zu reinigen, die bis zu diesem Zeitpunkt aufgetaucht waren. Für den jeweils nächsten Schritt mussten dann neue Indizien gefunden werden. In diesem Fall hatte sich die Beklagte schon durch das Überstehen der Territion purgiert.

Nachdem er aufgrund dieser Argumentation das Geständnis der Ketter für ungültig erklärt, fährt er fort, dass darüber hinaus ihre Bestätigung desselben vom 10. 11. nicht gewertet werden durfte, da sie am selben Ort vernommen wurde, an dem auch die Folter stattgefunden hatte. Dies widersprach dem Artikel 58 der Carolina. Mauritius führt aber auch Carpzov an, der in seiner Practica Criminalis schreibt, dass der Druck bei einer Nachfrage am Ort der Folter zu gestehen sehr groß ist. Außerdem hatte man, so entnahm Mauritius den Akten, der Mogglen-Ketter bei der Nachfrage gedroht, man würde sie erneut foltern.

Am 30. Dezember 1662 hat die Angeklagte dann, in einem weiteren Verhör, bei dem alle Vorschriften eingehalten wurden, nochmals ihr Geständnis freiwillig ratifiziert. Es stellt sich uns also so dar, als wäre die Mogglen Ketter durch die drei Foltergänge, nach anfänglich starkem Widerstand, letztendlich doch gebrochen worden. Aber auch nach dieser Ratifikation hält Mauritius ihr Geständnis nicht für gültig, weil eben die Indizien nicht ausreichend für die Folter waren.

Er schließt die Untersuchung des Falles der Mogglen-Ketter, indem er anführt, dass er, aufgrund der ungenügenden Informationen die er über die eigentlichen Verbrechen hat, noch nicht zu einem endgültigem Schluss kommen kann. Wie auch schon im ersten Gutachten hatte er in den vorhandenen Zeugenaussagen Widersprüche zu den Geständnissen der Beklagten festgestellt. Außerdem waren diese Zeugen nicht unter Eid gestellt worden. Gerade aber die Vereidigung der Zeugen war eine wichtige Voraussetzung, für die Verwertbarkeit der Aussage. Hierfür verweist er auf mehrere namhafte Rechtsgelehrte.

Die Schwester der Mogglen Ketter, die Grete, war ebenso von Hans Elsässer besagt worden, an den Hexensabbaten teilgenommen zu haben. Es kam daraufhin auch zu einer Konfrontation mit diesem und zur Androhung der Folter. Da die Grete aber leugnete, war sie nach Mauritius Auffassung, eigentlich purgiert. Trotzdem wurde auch sie gefoltert. Es gab für diese Folter aber, nach dem Dafürhalten der Zuständigen in Esslingen, ein neues Indiz. Die Mogglen-Ketter hatte bei der dritten Folter am 8. November zusätzlich zu ihrem Geständnis auch noch ihre Schwester belastet. Wie Mauritius bereits ausgeführt hat, hielt er alle Aussagen dieser Folter für nichtig. Zudem waren die Besagungen nicht einheitlich, sondern variierte und widersprachen sich z.T.:

„[...] indem sie bald meldet, sie habe es ihr vor 3. Jahren gelehret [...] 2. bald sie habe ihrer Schwester nicht gesaget, was man zur Zauberey brauche; [...] abermahl sie habe sie vor 5. Jahren auffm Heimberg gesehen [...]." [248]

<45>

Daraus schließt er, dass analog zu dem Fall ihrer Schwester auch die Folter der Grete unzulässig war. Die Folter fand trotzdem am 12. November statt. Die Mogglen Grete wurde zuerst aufgezogen und dann, nachdem sie nicht geständig war, nach einer Unterbrechung von nur 6 Stunden, gleich mit den Beinschrauben gefoltert. Schließlich gestand sie. Allerdings wurde das Geständnis aufgeschrieben, als sie noch in der Folter war. Außerdem hätte es bei der Nachfrage nochmals bestätigt, oder wie das in der Fachsprache der damaligen Zeit hieß, ratifiziert werden müssen, nach Art. 56 der Carolina. Und diese Bestätigung, so führt Mauritius aus, erfolgte nicht.

Zwar wurde die Angeklagte am 13. und am 28. November nochmals dazu aufgefordert ihr Geständnis zu bestätigen und zu wiederholen, was sie bei der zweiten Nachfrage auch tat. Es war aber auch bei dieser der Scharfrichter zugegen, man fesselte sie und drohte, falls sie ihr Geständnis nicht ratifizieren würde, so würde man sie erneut foltern. Da die Ratifikation ihres Geständnisses „gütlich" [249] zu geschehen hatte, war diese nicht als gültig zu betrachten.

Somit waren also weder die Indizien ausreichend zur Folter gewesen, noch war das damit ohnehin ungültige Geständnis in der Nachfrage bestätigt worden. Es wäre aufgrund dieser Tatsachen durchaus denkbar gewesen, dass Mauritius empfohlen hätte die Beklagte vorläufig freizusprechen, wie er das etwa im Fall Caspar Groß getan hat. Mauritius aber führt, wie schon bei der Schwester der Beklagten an, dass er aufgrund der ungewissen Aktenlage und der vielen Widersprüche in der Aussage der Beklagten, die erst noch geklärt werden müßten, kein Urteil sprechen kann. Insgesamt führt er zur Bekräftigung zwanzig Schadenszaubervorwürfe gegen sie an, die er den Akten entnommen hatte. Bei vielen von diesen ergeben sich Widersprüche bezüglich der corpora delicti zwischen ihrer Selbstbelastung und den Aussagen der Zeugen, die wiederum entgegen der Forderung der Carolina, nicht vereidigt waren. Hier sollen exemplarisch nur einige aufgeführt werden, um zu zeigen wie genau sich Mauritius in die Akten eingelesen hatte und welch geringen Realitätsgehalt die Vorwürfe zum Teil hatten:

„Und wenig von denen häuffig angegebenen corporibus delicti, so nur entweder gar falsch, oder in dem vornembsten anderer Gestalt, als von ihm gemeldt, in der zwar unbeaydigten inquisitione corporum delicti befunden worden, als das sie vor 2. Jahren sich selbsten ein Kalb bestrichen und umgebracht, p[agina]. 89. da ihr Mann hingegen berichtet, sey ihme vor sieben Jahren ein solch Kalb abgangen. (2.) Dem krummen Schneider im Sommer ein Söhnlein umgebracht, fol. 104 ille: sey vorm viertheil Jahr gestorben, also im Winter mense Februario. [...] (7.) Maurer Hanß Metzgens Kind: ille seye ihm nie kein Kind gestorben, [...] (14.) Georg Schwartzen eine Kuhe vor 3. Jahren fol. 237. f. 2, ille, ihme sey ein Ochs vor 6. Jahren gestorben, [...] (20.) Matthes Bernharten Catherlein umgebracht vor 5. Jahren, ille, sie lebe noch, sey nur vierjährig.

Auß welchen Ursachen allen wir nochmals beständig davor halten, dass ihrentwegen definitivé auch nicht gesprochen werden möge. [250]

Etwas anders verhält es sich nun mit der dritten Beklagten, der Kohl Anna, oder, wie sie in Esslingen in den Akten geschrieben wird Gohlanna. [251] Sie war von den beiden Mogglen Schwestern in der Folter und von Hans Elsässer besagt worden. Daneben stand sie aber, so entnahm Mauritius den Akten, schon länger im Verdacht, eine Hexe zu sein und war wegen Ehebruchs mit ihrem Schwiegersohn vorbestraft. Einige magische Handlungen wurden ihr zur Last gelegt, von mehreren Zeugen wurde ihr ein schlechter Ruf attestiert, in ihrem Haus wurden „verdächtige Wurtzeln" [252] gefunden, und sie gestand freiwillig, dass sie sowohl segnen könne, als auch Wetter vertreiben. Diese Indizien gegen sie, also ihr schlechter Ruf kombiniert mit mehreren konkreten Vorwürfen, waren, so Mauritius, der damit den Anforderungen der Carolina folgt, durchaus ausreichend zur Einleitung der Folter. Allerdings waren die Personen, die diese Indizien bezeugt hatten, nicht vereidigt worden. Somit waren diese belastenden Aussagen in juristischem Sinne keine Indizien für die Tat, die eine Einleitung der Folter rechtfertigten. Das Geständnis, welches sie in der Folter abgelegt hatte, war ungültig. Zudem erfolgte die Ratifikation unter Drohungen und die Gohlanna ratifizierte nur einen Teil ihres Geständnisses.

So kommt Mauritus auch bei der dritten Beklagten zu dem Schluss, dass, bevor ein Urteil gefällt werden könne, erst noch einige Zeugenaussagen, diesmal in vereidigter Form beigebracht werden müssten. Denn auch die in der Folter gemachten Aussagen der Gohlanna, bezüglich ihrer angeblichen Hexenverbrechen, widersprachen in vielen Punkten den Aussagen der Zeugen. Auch hierfür führt Mauritius einige Beispiele auf. [253]

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Auch beim letzten Beklagten, Hans Harsch dem Häffner, zeigt Mauritius in seinem Gutachten viele Verfahrensfehler auf. Der Ablauf war gleich wie in den eben beschriebenen Fällen, und auch die Kritik von Mauritius an den Methoden und Vorgehensweisen, mit denen letztendlich ein eigentlich ungültiges Geständnis erlangt wurde, setzt an denselben Punkten an.

Hans Harsch war, wie die andern drei Beklagten, von Hans Elsässer besagt worden. Da er in schlechtem Ruf stand, wie aus einem Bericht des Schulmeisters hervorging, war die mit ihm durchgeführte Verbal- wie auch Realterrition, durchaus juristisch indiziert. Durch seine Leugnung war Harsch aber von diesen beiden Indizien purgiert. Sowohl die späteren Denunziationen durch Jörg Schefffel, auf dessen Rolle in dem Fall noch kurz einzugehen sein wird, als auch die der Mogglen-Schwestern, hält Mauritius für nicht ausreichend für eine Einleitung der Folter im ersten Grad. Erstere, da der Denunziant stark variierte und seine Aussage „extra torturam" [254] aufgenommen wurde, und die der Schwestern, da er sie ja ohnehin für ungültig erklärt hat, weil sie „ex tortura sine sufficientibus indiciis irrogata" [255] entstaden waren.

Wie auch schon in den Fällen der drei anderen Beklagten sah das Esslinger Gericht das anders, und Harsch wurde aufgrund dieser Indizien am 13. November und 14. Dezember im ersten und zweiten Grad „vor einen Alten 71 jährigen Mann stark" [256] gefoltert, bekannte aber keine Schuld. Bei dieser Folter wurde auf seinem Rücken eine Art Narbe gefunden, die man in Esslingen für ein Hexenmal hielt. Deshalb unterzog man dieses der Nadelprobe, welche erfolgreich verlief, sprich die Narbe blutete nicht beim Einstechen einer Nadel und der Delinquent empfand keine Schmerzen. Mauritius lässt aber das Mal als Indiz nicht gelten. Da dieses Indiz erst während der Folter gefunden wurde, konnte es ja nicht als Indiz zur Einleitung selbiger herangezogen werden. Außerdem verweist er, wie auch im ersten Gutachten, darauf, dass die Verwertbarkeit solcher Indizien ohnehin fragwürdig sei:

<47>

„Dann ist auff die Stigmata, ut indè dignoscantur malefici, nicht vollkommen sicher zu gehen, ut ostendit post Binsfeldium, DelRio Disq. Magic. [...] Author Cautio Criminalis dub. 43 [...]." [257]

Er führt hier zum Beleg Delrio als bekannten Befürworter der Hexenverfolgungen an, bei dem das Hexenmal nicht als Indiz gewertet wird, [258]und im selben Kontext auch Friedrich Spees Cautio Criminalis, die gerade gegenüber Denunziationen und eben auch dem Hexenmal eine besonders kritische Haltung einnahm.

Mauritius geht also so vor, wie schon im ersten Gutachten. Einerseits sei das Indiz in diesem Fall nicht zu werten, weil es eben zu spät aufgekommen war, anderseits sei fraglich ob derartige Male generell als Indizien gewertet werden könnten. So umgeht er wiederum, eine Entscheidung, ob Stigmata vor Gericht als Indizien gelten sollten oder nicht. Er bezieht auch keine Stellung zu der Nadelprobe und ob diese eingesetzt werden kann.

Durch das Überstehen der ersten beiden Foltergänge war nun Harsch in jedem Fall von den Indizien purgiert, auch wenn diese eigentlich zur Einleitung der Folter nicht gereicht hätten. Als er am 15. Dezember das dritte Mal gefoltert wurde, lagen, wie Mauritius ausführt, als neue ihn belastende Indizien, nur die beeidigten Aussagen des Schuldheiß und dreier weiterer Zeugen vor, die angaben, er wäre schon lang in Verdacht gewesen und hätte einen schlechten Ruf. Mauritius legt dar, dass die Vorwürfe eher allgemeiner Natur waren und sich etwa auf das viele Fluchen des Beklagten bezogen, ihn aber nicht direkt mit Zauberei in Verbindung brachten. Außerdem war Harsch ja schon durch die Territion, wie Mauritius erinnert, von dem „indicium famae" [259] purgiert. Für die Folter bestanden also keine ausreichenden Indizien.

Diese dritte Folter wurde zudem in einer sehr harten Form durchgeführt. Hans Harsch der Häffner wurde sechs mal geschnellt und es wurden beim Aufziehen Gewichte an seine Füße gehängt, zum Schluss 100 Pfund an jeden Fuß. Zum Vergleich, das war doppelt so viel wie bei Caspar Groß, der in Leonberg gefoltert wurde. Es ist außerdem daran zu erinnern, dass Hans Harsch schon 71 Jahre alt war. Unter der Last dieser Folter gestand er, und noch am Nachmittag des selben Tages bestätigte er das Geständnis bei der Nachfrage. Mauritius gibt aber unmißverständlich zu verstehen, dass dieses Geständnis keineswegs Gültigkeit besaß:

„Nun seynd vigore praecendentium solche torturae auß obgemeldtem defectu indiciorum zurecht ungültig, fallen also alle confessiones, so darinnen beschehen, neben hin." [260]

<47>

Im folgenden zeigt sich in der Argumentation von Mauritius wieder, dass er im Prinzip vorhergesehen hat, dass man vielleicht seiner Argumentation in Esslingen nicht folgen würde. Anders ist es nicht erklärlich, warum er auch die Gültigkeit der Bestätigung des Geständnisses in Frage stellt, wie er das auch im Fall der Mogglen-Schwestern getan hatte. Erstens wurde die Nachfrage schon 6 Stunden nicht wie vorgeschrieben erst 24 Stunden nach der Folter abgehalten. Und zweitens wurde bei dieser „der Scharffrichter eingelassen, er auffgezogen, geschnellet, und also bey der also genannten gütlichen examination zum viertenmahl torquiert worden" [261]. Und auch bei den weiteren Anhörungen, bei denen Hans Harsch sein Geständnis wiederholte, war der Scharfrichter zugegen. Wie auch bei den anderen drei Beklagten lagen also Verfahrensfehler vor. Trotzdem war es nicht mehr nötig diese Verfahrensfehler bei der Nachfrage anzuführen, wenn das Geständnis schon aufgrund des Fehlens der Indizien ungültig war. Mauritius hat wohl die Verfahrensfehler deshalb aufgezeigt, um noch deutlicher zu machen, dass diese Geständnisse nicht verwertbar waren.

Darüber hinaus weist er noch darauf hin, dass der Beklagte mit 71 Jahren zu alt für die Durchführung des dritten Grades der Folter war, und somit auch schon aus diesem Grund, bei Einhaltung der gängigen Vorgehensweise, kein Geständnis zustande gekommen wäre. In dem letztendlich also nicht rechtskräftigen Geständnis seien zudem noch viele Widersprüche bezüglich der corpora delicti. Wie schon in den drei anderen Fällen, konnte außerdem eine Prüfung durch abgleichen mit den Aussagen der Zeugen nicht geschehen, da diese nicht vereidigt worden waren. Also sprach Mauritius auch in diesem Fall noch nicht endgültig Urteil und empfahl daher, um den Prozeß zu einem Ende zu bringen, die folgende Vorgehensweise:

„Wir hielten aber zu einer andern und beständigern confession bey diesen maleficanten zukommen, vor rahtsam, dass dieselbe jedes absonderlich, extra locum & aspectum loci tortura, an einer andern Stelle, als da sie biß dato examiniert, geführet, daselbst in der Güte ohne ernstliche Bedrohung, und in Abwesenheit des Meisters [Scharfrichters] auff blosse general-Fragstücke gar von neuem gefraget, selbige confessioness, als neue absonderliche confessiones, und nicht als repitiones und ratificationes priorum, mit allen vor ihnen gemeldten Umständen flelißig beschrieben, als dan[n] ihnen wieder vorgelesen, und wann sie dieselbe abermahls bestätiget, die corpora delicti, und so viel möglich vielen Umständen durch vorher beaydigte Zeugen zuerkunden, mit ihren Außsagen zu conferiren, und alsdann nach Befindung und vorgehende reiffe Berahtschlagung in principali zu sprechen seyn möchte;" [262]

Er fügt dann noch eine Liste mit eben den Punkten an, zu denen die Zeugen befragt werden müssten, um Klarheit in die Sache zu bringen. Für die Mogglen-Ketter waren demnach noch zu 11 Punkten Zeugen zu befragen und für ihre Schwester Grete zu 7 Punkten. Für Gohlanna und Hans Harsch den Häffner gibt er in seinem Fragenkatalog 11 bzw. 4 Punkte an. Man sieht an dieser Ausführlichkeit, mit welcher Gewissenhaftigkeit er vorging.

<48>

Die Antworten auf die weiteren fünf Fragen, die Mauritius im folgenden angeht, sind im Vergleich sehr knapp gehalten. Die erste Frage betrifft das Abwandeln der Verbrennungsstrafe in eine gnädigere Form:

„Wie weit bey der gleichen verfluchten Unmenschen terminus gratiae, jedoch dass göttlicher Zorn abgewendet bleibe, zu extendiren?" [263]

Die Erörterung war bereits bei der Behandlung der Bestrafung für die Beklagten ganz am Anfang des Gutachtens angegangen worden und wird jetzt allgemeiner betrachtet.

Mauritius kommt zu dem Ergebnis, dass man ohne den Zorn Gottes fürchten zu müssen die Verbrennungsstrafe abwandeln könne, indem man die Beklagten vorher mit dem Schwert richte oder stranguliere, man aber in jedem Fall die Leichen „in terrorem & exemplum aliorum" [264] verbrennen müsse.

Die dritte Frage, wie mit den Personen verfahren werden solle, die laut der Aussage des Hans Harsch „mittels eines Teuffelischen Pulvers, zu dem abscheulichen Laster der Sodomie gleichsam gezwungen und verzaubert" [265] wurden, kann Mauritius in Unkenntnis der näheren Umstände nicht beantworten.

Auf die Frage, ob die Verdächtige Anna von Vaihingen, die auf dem örtlichen Friedhof begraben war, in ihrer Totenstadt verbleiben könne, oder aber exhumiert werden müsse, hat Mauritius dagegen eine klare Antwort. Sie war zwar durch mehrere Personen denunziert worden, eine Hexe zu sein, hatte aber kein Geständnis abgelegt und sei daher nicht „ex indiciis solis" [266] für schuldig zu halten. Ihr Körper konnte damit nach Auffassung von Mauritius auf dem Friedhof verweilen.

Die fünfte Frage betraf einige Kinder, die auch der Zauberei verdächtigt wurden. Die Esslinger wollten nun wissen, wie vor allem mit der Tochter des Hans Harsch und einem weiteren Kind verfahren werden sollte. Da in ihrem Fall nur deren eigene, unbestätigte Aussage und die ungültige Denunziation durch den Vater vorlag, konnte Mauritius keine definitive Aussage machen. Nur falls die Aussagen des Hans Harsch nach seinen Vorgaben nochmals eingeholt und bestätigt wurden, so Mauritius, solle man in Sachen der Kinder fortfahren zu ermitteln.

Die Frage nach dem Umgang mit den weiteren Denunziationen beantwortet er, indem er darauf hinweist, dass die Denunziationen, die sich in den Akten finden lassen, fehlerhaft seien. Zum einen variierten die, die nicht auf der Folter abgegeben wurden, also die des Hans Elsässers, sehr stark und waren somit ungültig. Zum Anderen waren die auf der Folter gemachten Aussagen ungültig, da die Indizien zur Einleitung der Folter nicht ausreichend gewesen waren. Er verweist aber explizit darauf, dass im Falle der Rechtmäßigkeit solcher Besagungen diesen durchaus nachzugehen sei.

Der Prozeß fand, wie auch der gegen Caspar Groß, in der 3. Phase der Esslinger Hexenverfolgung statt. [267] Genauer gesagt, stellt er den Anfang dieser Prozesswelle dar, die über Esslingen hereinbrach. Der 17-jährige Hans Elsässer stammte aus Vaihingen, das genauso wie Möhringen zur freien Reichsstadt Esslingen gehörte. Im Sommer 1662 bestätigte dieser Gerüchte, er habe vom ehemaligen Knecht seines Vaters, Jörg Scheffel, das Hexenwerk gelernt, worauf er verhaftet und nach Esslingen überstellt wurde. [268] In den nun einsetzenden Verhören gab er bereitwillig Auskunft über nächtliche Ausfahrten, die Teilnahme am Sabbat und sexuelle Ausschweifungen und brachte sich so in eine immer ausweglosere Lage. Erst aber als man ihm mit der Folter drohte, bekannte er auch den Schadenszauber und denunzierte erst vier Personen aus Vaihingen und später auch noch weitere, u.a. Caspar Groß, dessen Fall ja schon angesprochen wurde. [269]

<49>

Da man den Besagungen des Hans Elsässers glauben schenkte, wurden die Personen festgenommen und es kam zur Gegenüberstellung, bei der dieser seine Aussagen im Beisein der Denunzierten bestätigte. Auch wurden den vier anfänglich Beklagten, wie aus dem Gutachten bereits ersehen, die Folter angedroht. Man sandte daraufhin eine Anfrage nach Tübingen, wie in diesem Fall weiter zu verfahren sei. Man wollte wissen, ob man Hans Elsässer foltern dürfe und wenn nicht, wie er bestraft werden solle. Außerdem wollte man auch gegen die anderen vier Beklagten die Folter zumindest im 2. Grad anwenden und erhoffte für dieses Vorgehen eine Zustimmung aus Tübingen.

Das daraufhin entstandene Konsilium wurde am 15 August 1662 von Burkhard Bardili im Namen der juristischen Fakultät in Tübingen fertiggestellt. [270] In diesem legt der Jurist unmißverständlich dar, dass in Sachen Hans Elsässer nicht gefoltert und dass auch keinesfalls endgültig geurteilt werden dürfe. Denn erstens beständen Widersprüche zwischen den Selbstbezichtigungnen Elsässers und den Aussagen der befragten Zeugen, und darüber hinaus seien deren Aussagen nicht unter Eid gemacht und somit vor Gericht nicht verwertbar. Nach Auffassung Bardilis war somit nicht geklärt, ob Elsässer die gestandenen Taten tatsächlich ausgeführt hatte, oder sich nur „ex melancholico morbo, vitae taedio" [271] oder auf die Eingabe des Teufels dieser bezichtigte.

Was die anderen vier Beklagten anbelangt, so kam er zu dem Ergebnis, dass sie aufgrund mangelnder Indizien, bzw. dadurch, dass sie sich durch das Überstehen der Territion von diesen purgiert hatten, auf entsprechende Kaution und Beobachtung auf freien Fuß zu setzen seien. [272] Erst beim Auftauchen von neuen Indizien war somit die Möglichkeit der erneuten Aufnahme der Folter gegeben. Es handelt sich hierbei, wie im Fall von Caspar Groß, um ein vorläufiges Urteil, eine absolutio ab instancia.

Nun war man aber in Esslingen diesem Gutachten keineswegs gefolgt, wie schon aus dem Gutachten von Mauritius hervorgeht, sondern hatte ein zweites Gutachten, diesmal von der Universität Straßburg angefordert. [273] Anders als im Tübinger Gutachten hielt man in Straßburg die Schuld von Hans Elsässer für hinlänglich erwiesen und man sprach sich für die Todesstrafe aus, wobei man aufgrund des Alters von einer lebendigen Verbrennung absah. [274] Da man ihn aber in Esslingen weiter als Kronzeugen benötigte, erfolgte diese Hinrichtung erst viel später. In der folgenden Zeit gab man daher in Esslingen der Straßburger Fakultät bei Gutachten zu Hexenprozessen den Vorzug. Man muss bedenken, dass die Erstellung eines solchen Gutachtens für eine Stadt wie Esslingen auch zur finanziellen Belastung werden konnte und man so die Einholung von gleich zwei Konsilien vermeiden wollte.

Unterdessen ging man, bestärkt durch das Straßburger Konsilium, daran, weitere Indizien für die Schuld der anderen vier Beklagten zu sammeln und neue Verdächtige zu ermitteln. Es kam, wie oben beschrieben, mit Einverständnis der Straßburger Juristen, auch zur Folterung der Beklagten. Außerdem wurde die Gohlanna, die anfänglich noch nicht in den Prozeß verwickelt war, von mehreren denunziert und auch ihr wurde der Prozeß gemacht.

Die neuere Forschung hat für das schnelle Umsichgreifen der Prozesse und die vielen Rechtsbrüche, die bei diesen begangen wurden, dem Juristen und Esslinger Ratsadvokaten Daniel Hauff großen Anteil zugemessen. Seit seiner Ernennung war der kaum 30-jährige mit weitreichenden Vollmachten ausgestattet und stark in das Prozessgeschehen involviert. [275] Hauff war nur zwei Jahre älter als Erich Mauritius und hatte von 1643 an in Tübingen studiert, wo er 1652 zum Lizentiaten der Rechte promoviert wurde. Also nur ein Jahr, bevor auch Mauritius nach Tübingen kam.

<50>

Wie wir gesehen haben, war die Tübinger Juristenfakultät sehr umsichtig in ihrer Spruchpraxis und versuchte, Rechtsbrüche zu vermeiden. Es darf aber nicht der Eindruck entstehen, das gelte für alle Tübinger Juristen oder gar für alle Juristen insgesamt. Bei einer Beurteilung von Mauritius und seinem persönlichem Einfluss auf die Verfolgung muss bedacht werden, dass Hauff, der auch in Tübingen studiert hatte, eine ganz andere Rechtsauffassung hatte als Mauritius und wohl aus niederen Beweggründen, um die eigene Position zu stärken, in keinster Weise dem processus ordinarius verpflichtet war.

Trotz der Erfahrung mit dem ersten Tübinger Gutachten hatte man aber aus Esslingen, nachdem die drei schon im ersten Gutachten erwähnten Personen und auch die Gohlanna gefoltert worden waren, im Januar 1663 erneut eine Anfrage nach Tübingen geschickt, deren Beantwortung das oben besprochene Konsilium des Erich Mauritius darstellt. Diesmal war man aber in Esslingen gleich vorsichtiger und sandte die Anfrage auch nach Straßburg. Als am 2. März das Tübinger Konsilium in Esslingen eintraf, hatte man die Antwort aus Straßburg schon erhalten. [276]

Die Straßburger Antwort, die im Gegensatz zur Tübinger die Schuld der vier Beklagten als erwiesen ansah und daher die Todesstrafe für sie vorsah, war besser geeignet, den Vorstellungen der Esslinger zu entsprechen. Vorsichtiger waren die Straßburger allerdings, was die anderen Fragen aus Esslingen betraf. So gab man zu verstehen, dass die Leiche des Haischenannelin auf dem Friedhof verweilen solle, und dass an eine Todesstrafe für die Minderjährigen nicht zu denken sei. Auch in Bezug auf den Umgang mit weiteren Denunziationen riet man unter Verweis auf Artikel 31 der Carolina, der diesbezügliche hohe Auflagen macht, zur Vorsicht.

Für die vier Beklagten aus dem Gutachten von Mauritius bedeutete das Straßburger Gutachten den sicheren Tod. [277] Am 20. März 1663 wurde die Mogglen-Ketter enthauptet und danach verbrannt, ihre Schwester starb auf gleiche Weise am 27. März zusammen mit der Gohlanna, die in den Esslinger Prozessen als schlimmste aller Hexen galt und daher erst nach schweren Mißhandlungen lebendig verbrannt wurde. [278] Hans Harsch der Häffner wurde, da man ihn noch als Zeugen im Fall Caspar Groß benötigte, mit mehreren anderen am 5. Mai 1663 hingerichtet. [279]

Insgesamt fanden im Zeitraum von 1663 bis 1666 etwa 60 Prozesse statt von denen 32 zur Hinrichtung der beklagten Personen führten. [280] Betroffen von den Prozessen waren hauptsächlich die beiden Filderdörfer Möhringen und Vaihingen. Erst als die Prozesse auch auf das Stadtgebiet Esslingens überzugreifen drohten und nachdem Daniel Hauff, der die treibende Kraft in den Prozessen war, gestorben war, kamen sie zum erliegen.

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In dieser Phase der Esslinger Prozesse hatte Hauff, obwohl er selbst Jurist war, ein Prozeßführung durchgesetzt, die keinesfalls mit den Vorgaben der Carolina in Einklang zu bringen war. [281] Man sah das Hexereiverbrechen als crimen exceptum, das eine härtere Gangart erlaubte. Hauptsächlich durch den hohen Stellenwert, den man den Besagungen von Beklagten und Gefolterten beimaß, und die große Bereitschaft zum Einsatz der Folter, konnte der Hexenwahn in Esslingen solche Ausmaße annehmen. Die Gutachten aus Tübingen, die die z.T. krassen Verfahrensfehler und Rechtsbrüche der Esslinger Richter anprangerten, umging man mit einer Doppelkonsilierung, da die Straßburger Juristen dem processus ordinarius nicht verpflichtet gewesen zu sein scheinen. Als man sich endlich auch in Straßburg einer vorsichtigeren Spruchpraxis bediente, wahrscheinlich weil man dort von der zweifachen Ratseinholung der Esslinger erfahren hatte, [282] zog man in Esslingen noch eine weitere Instanz hinzu, die Altdorfer Juristenfakultät. [283]

Diese Vorgehensweise wirft ein ungutes Licht auf das Institut der Aktenversendung. Man konnte in Esslingen solange Konsilien einholen, bis die darin vertretene Spruchpraxis mit den eigenen Vorstellungen übereinstimmte, bis man sozusagen ein Urteil nach Maß erhielt. Dies war allerdings nur möglich, da in Esslingen, anders als etwa in Württemberg, keine Instanz für die Einholung verbindlich vorgeschrieben war. Auch gab es keine oberste Kontrollinstanz wie etwa den württembergischen Oberrat, der diese Prozesse überwachte. Das zeigt einmal mehr, dass auch das Fehlen von staatlicher Kontrolle und einer genormten Prozessabwicklung zu den Ausmaßen der Esslinger Verfolgung beigetragen haben. Eine derartiger Kettenprozess wäre, wie an den Tübinger Gutachten zu sehen ist, im Herzogtum Württemberg nicht zustande gekommen.

Es kann festgehalten werden, dass Mauritius in diesem Gutachten vor allem auf die Rechtsverstöße im Esslinger Prozeß hinweist, die mit den Vorgaben der Carolina nicht übereinstimmen. Zwar war eine Einleitung der Folter allein aufgrund von Besagungen und dem schlechten Ruf rechtmäßig, doch konnte sich die betreffende Person je nach Sachlage z. T. schon durch das Überstehen der Territion von diesen Indizien gleichsam purgieren. Nach einer solchen Purgation mussten dann neue Indizien auftreten, um hinreichend Anlaß für ein erneutes Foltern zu geben. Wenn nun aber ein Beklagter gefoltert wurde, ohne ausreichend neue Indizien, so waren jegliche von ihm getroffenen Aussagen unwirksam. Gerade dieser Punkt ist in diesem Prozeß von besonderer Bedeutung. Nach dem das Hauptindiz für die Schuld der Beklagten auf der Besagung der anderen beruhte, dem klassischen Muster von Kettenprozessen folgend, so brach die ganze Argumentation zusammen, indem Mauritius die Aussagen der Angeklagten eine nach der anderen für ungültig erklärte. Indem also der Jurist streng nach der Carolina verfuhr, entlastete er die Beklagten.

Weitere Verfahrensfehler zeigt er bei der Nachfrage auf. Diese war von den Schöpfern der Carolina als eine „gütliche" Bestätigung des Geständnisses gedacht. Damit sie nicht zu einer erneuten Territion oder gar Folter geriet, war sie durch die Carolina geregelt. Gerade diese Bestimmungen, so zeigt Mauritius in dem Konsilium auf, wurden in keinem der vier Fälle eingehalten. So war z.T. der Scharfrichter anwesend, und sie wurde am Ort der Folter und nur wenige Stunden nach dem Foltern abgehalten. Es liegt auf der Hand, dass die Befragung ihres Sinnes entledigt war, da sich die Beklagten durch den Anblick des Scharfrichters, ihres Peinigers, und der Folterwerkzeuge sicherlich einschüchtern ließen. Besonders kraß waren die diesbezüglichen Verstöße im Fall Hans Harsch, der bei der Nachfrage sogar nochmals aufgezogen und somit gefoltert wurde. Ohne gültige Ratifikation des Geständnisses war dieses aber keinesfalls gültig.

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Ein weiterer Formfehler nach der Carolina war das Aufnehmen des Geständnisses, während die Delinquenten noch in der Folter hingen. Auch diesen Verstoß prangert Mauritius an. Er geht aber noch weiter, indem er auch eine Beschränkung der Folter im Fall des Hans Harsch fordert. In der Carolina war der Einsatz der Folter, was man dieser auch als großes Manko auslegt, nicht geregelt. In der Konsiliarspraxis des 17. Jhs. war aber die Durchführung unterteilt in Verbal- und Realterrition und drei Grade der Folter. [284] Im Fall von Hans Harsch setzt aber Mauritius, aufgrund des hohen Alters von Hans Harsch, den dritten Grad aus und argumentiert, die Aussagen, die dieser im dritten Grad gemacht habe, seien daher ungültig.

Als weiteren Formfehler, der sich wie ein rotes Band durch den gesamten Prozeß zieht, führt Mauritius die nicht vereidigten Zeugen und die damit verbundene mangelhafte Überprüfbarkeit der Geständnisse an. Die Carolina forderte in Artikel 52, dass die Tatumstände, die ein Geständnis der Zauberei enthielt, näher betrachtet werden sollten. [285] Die gemachten Angaben sollten dann mit den Tathergängen und den Aussagen der vereidigten Zeugen abgeglichen werden, um zu überprüfen, ob das Geständnis den Tatsachen entsprach, oder aber der Beklagte unter dem Druck der Folter einfach irgendetwas gestanden hatten, um weiteren Schmerzen zu entgehen.

Gerade im Hexereidelikt, indem ja die corpora delicti zumeist im verborgenen blieben, war ein Abgleichen mit Zeugenaussagen von entscheidender Bedeutung, um eine Entlastung der Angeklagten zu erreichen. Wie oben an einem Beispiel gezeigt, haben die Beklagten in diesem Fall wohl alle möglichen Vorfälle, die ihnen zu Ohren gekommen waren, zur Grundlage ihrer Geständnisse gemacht. Nur so ist es zu erklären, dass diese z. T. bekannten, Schäden verursacht zu haben, die gar nicht entstanden waren. Um solche Selbstbezichtigungen zu überprüfen war es nötig, dass die Zeugen diese unter Eid bestätigten. Denn dann konnte beim Auftreten von Widersprüchen gezeigt werden, dass die Selbstbezichtigungen ihrer Grundlage entbehrten, wie Mauritius das im ersten hier besprochenem Konsilium aus Weinsberg gemacht hatte. Eine solche detaillierte Akteneinsicht, darauf fußende Nachfragen und die Forderung nach Vereidigung der befragten Zeugen stellten einen einigermaßen guten Schutz der Beklagten gegen zu große Willkür der Gerichte dar.

Es zeigt sich aber auch, dass Mauritius zumindest theoretisch sowohl den Schadenszauber als auch den Teufelspakt als Verbrechen ansah, das mit dem Tode zu bestrafen war, wie man aus seiner diesbezüglichen Aussage am Anfang des Gutachtens und der Abhandlung über die Todesstrafe entnehmen kann.

Man kann aber nicht gegen ihn anführen, dass er analog zu dem Urteil von Caspar Groß aufgrund der Aktenlage die vier Beklagten zumindest vorläufig hätte freisprechen müssen. Es gilt nämlich zu bedenken, dass der Prozeß eben nicht in Württemberg geführt wurde, wo der Oberrat als Kontrollorgan in die Prozesse eingriff. Vielmehr musste Mauritius, schon aufgrund der frappierenden Verfahrensfehler, bewußt gewesen sein, dass man bei einem zu milden Urteil seinem Gutachten nicht folgen würde. Auch das erste Gutachten, in dem sich Bardili für einen solche absolutio ab instancia ausgesprochen hatte, war ihm ja bekannt. Da sich die Esslinger schon beim erstenmal nicht an dieses Urteil gehalten hatten, musste klar sein, dass sie auch diesmal einem solchen nicht folgen würden.

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5. Die Dissertation De denuntiatione sagarum

Neben den Gutachten, die im Rahmen der Konsiliarstätigkeit der Tübinger Juristenfakultät eine praktische Auseinandersetzung mit dem Thema der Hexenprozesse darstellten, hat sich Mauritius auch theoretisch mit dem Thema auseinandergesetzt.

Man muss sich vor Augen halten, dass Mauritius, als er in Tübingen in das Spruchkollegium aufgenommen wurde, wohl kaum große Erfahrungen mit Prozessen in Hexensachen gehabt hat. Das selbständige Ausarbeiten von Gutachten stellte bestimmt hohe Anforderungen an ihn. In der Literatur fand er verschiedene und mitunter sehr kontroverse Positionen vor.

Auf der einen Seite die Gegner der Hexenverfolgungen, die z.T. das Delikt als solches als nicht real bezeichneten und somit dem ganzen Prozeß die rechtliche Grundlage absprachen. Auf der anderen Seite die Befürworter der Verfolgungen und unter diesen die Streiter für ein besonders hartes Vorgehen, die aufgrund der crimen exceptum Vorstellung nahezu jedes Mittel als gerechtfertigt ansahen, um die Hexen ihrer Schuld zu überführen. Zwischen diesen Extremen gab es eine Vielzahl von unterschiedlichen Meinungen. In Tübingen stand Mauritius in der Tradition einer sehr gemäßigten Spruchpraxis in Hexensachen, die ihn auch beeinflusst haben muss. [286]

Bei der Bearbeitung der Fälle muss er sich also durchaus im klaren gewesen sein, dass er eventuell einen Unschuldigen zum Tode verurteilte, oder aber einen Schwerverbrecher ungeschoren davonkommen ließ. Seine Dissertation De denuntiatione sagarum von 1664 stellt somit wohl einen Teil der Erfahrungen und Schlüsse dar, die Mauritius aus den drei 1661 und 1663 erstellten Gutachten gezogen hat. Mit dem Schwerpunkt der Arbeit, der Behandlung von Besagungen in den Prozessen, geht er aber, wie sich zeigen lässt, über eine reine Bestandsaufnahme hinaus und schafft ein wirksames Instrumentarium für den Umgang mit derartigen Denunziationen, wobei er sich streng nach Artikel 31 der Carolina richtet.

Sein Werk Dissertatio inauguralis, De denuntiatione sagarum erschien erstmals 1664 in Druck und wurde 1692 erneut abgedruckt. [287] Die Dissertation ist, wie in dieser Zeit üblich, in lateinischer Sprache abgefasst. Der eigentliche Text wird, in einem noch höherem Maße als die Gutachten, von Zitaten durchzogen. Diese sind zumeist auch in Latein, gerade aber die Artikel der Carolina sind in deutsch zitiert. Außerdem finden sich auch Zitate in französischer und niederländischer Sprache.

Die Dissertation gliedert sich in vier Kapitel und eine kurze Einleitung, in welcher Mauritius zu erkennen gibt, was der Schwerpunkt seiner Arbeit ist. Nämlich die Frage nach den Besagungen, denen gerade in Kettenprozessen eine immense Bedeutung zukam. Außerdem führt er schon hier an, welches die wichtigsten Gewährsmänner in diesem Thema waren. Unter diesen sind Bodin, Weyer und die Autoren des Malleus Maleficarum. Schon in der Einleitung weist er die Ansichten von Abraham Palingh zurück. Palingh, ein holländischer Baptist und Kaufmann, hatte 1659 das Werk ‘t Afgerukt mom-aansight der toovereye (Die Maske der Zauberei abgerissen) veröffentlicht, in welchem er den Glauben an Hexen leugnet. [288]

Das erste Kapitel beschäftigt sich mit der Sichtweise der Hexerei in der Vergangenheit, wie sie sich Mauritius aus den einschlägigen Werken darstellte. Er überschreibt es daher mit folgendem Satz:

<54>

„Quo, quid de Sagis Eruditi diversorum seculorum, & Gentium, ad nostram usque aetatem senserint, disquiritur." [289]

Nach einer Betrachtung über das Wort Magie, das nach seinem Dafürhalten aus dem persischen stammt, [290] befasst er sich mit dem Unterschied zwischen unerlaubten und erlaubten Formen der Magie. Diese Ausführungen sollen hier nicht weiter dargelegt werden, da Mauritius eindeutig zu erkennen gibt, dass die von den Hexen praktizierte Form der Magie in jedem Fall eine unerlaubte Form darstellt. [291] Auch gibt er an, welche Namen die Hexen sowohl in Deutschland als auch in anderen europäischen Ländern hatten. Es finden sich Bezeichnungen wie Zauberinnen, Alrauen und Unholden aus dem Deutschen, malefica, saga und lamia aus dem Lateinischen.

Im folgenden gibt Mauritius einen historischen Abriss über die Darstellung von Hexen und Zauberei in der klassischen, christlichen und speziell dämonologischen Literatur. [292] Er beginnt die Reihe der klassischen Autoren mit Homer und führt als Beispiel für dessen Hexenglauben die Geschichte von Circe und der Verwandlung der Gefährten des Odysseus an. Über Hyppokrates, der in dem knapp halbseitigem Zitat die Schändlichkeit der Magie anprangert, kommt er zu den Philosophen Platon und Aristoteles und deren, nach Mauritius Aufassung, eher ungläubigen Haltung gegenüber Verzauberungen. Als Gewährsmänner für die Existenz von Magie führt er dann die beiden römischen Dichter Vergil und Horaz an. Erster beschreibt die magischen Fertigkeiten von Dido, der mythischen Gründerin Karthagos, während letzterer von einer gewissen Canidia, einer Zauberkünstlerin berichtet. [293] Von einem weiteren Beleg der Magie in der Historia Naturalis von Plinius dem Älteren über den skeptischen Seneca kommt er zu Apuleius von Madaura, der in seinem Buch Metamorphoseon libri XI viele Beispiele für die Möglichkeit von Hexerei gibt.

Nachdem er den Glauben an Magie der Kirchenväter Arnobius und Augustinus anhand zweier Zitate unter Beweis stellt, nennt er auch den byzanthinischen Gelehrten Michael Psellos, als einen Fürsprecher der Existenz von Hexerei.

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Im weiteren führt er in die Diskussion um den elaborierten Hexenbegriff ein, wie sie nach der Entstehung desselben einsetzte (s. o.). Als erstes derartiges Werk erwähnt er den Hexenhammer, dessen Ansichten er auf diesem Gebiet als meinungsbildend bezeichnet, und auch die päpstliche Bulle von 1484, die ja den späteren Drucken vorangestellt war, und Institoris und Sprenger ausdrücklich Hexenverfolgungen erlaubte. Darauf folgt die Auseinandersetzung mit der weiteren Literatur zur Hexerei, die, wie Mauritius bemerkt, Mitte des 16. Jh. verstärkt entstand. Dieser Anstieg der literarischen Auseinandersetzung mit dem Thema ist, wie oben erwähnt, in Zusammenhang mit dem verstärkten Einsetzen der Verfolgungen zu sehen. Mauritius führt die wichtigsten Gelehrten an, die sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Von den Verfolgungsbefürwortern führt er u.a. aus Frankreich Bodin, aus Deutschland Binsfeld und und aus England König Jakob I. an. Daneben erwähnt er auch kritische Geister, wie die deutschen Juristen Godelmann und Thumm. Insgesamt hält er fest, dass im wesentlichen bei diesen Einigkeit bestehe, dass Hexen von Gott abfallen, einen Pakt mit dem Teufel eingehen und anderen Schaden zufügen:

„Communi tamen Eruditorum sententia, ea credita fuerunt de Lamiis hisce, illas renunciare Trinitati, pacta inire vera cum daemone, verè nocere infantibus, adultis, pecori, inferre noxias alias." [294]

Aber auch Verfolgungsgegner wie Weyer, Scot und Palingh, die z.T. sogar die Existenz von Hexen abstreiten, werden von ihm angesprochen. Die Cautio Criminalis des Friedrich Spee, die ja wie gezeigt werden konnte, des öfteren in den Gutachten zitiert wurde, findet in diesem ersten Kapitel noch keine Besprechung. Nur am Schluss des Kapitels wird kurz erwähnt, dass selbst Spee nicht die Existenz der Hexen leugne. Mauritius bringt dies im Zusammenhang mit der Aussage, dass in Deutschland Einigkeit über die Existenz von Hexen herrscht:

„In Germania communi consensu Magos, Sagas & Striges esse, traditum reperio, quod ne ipse quidem Autor Cautionis Criminalis negare audet, inter ea, quae proponit dubia, primum est [...]." [295]

Er verweist also auf den ersten Dubium bei Spee, und zeigt, dass dieser somit nicht zu der Gruppe von Gelehrten gehört, die die Existenz von Hexen leugnen und lässt sich somit die Möglichkeit offen, Spee weiterhin zu zitieren und nicht mit den anderen Gegnern des Hexenglaubens ins Abseits zu stellen. Im zweiten Kapitel geht es nämlich um den Beweis der Existenz der Hexen, die Beschreibung, wie sie beschaffen sind und die Widerlegung der Argumente der Gegner dieses Glaubens, wie man schon der Überschrift des Kapitels entnehmen kann:

„Quo, quid sint Sagae declaratur, eas quales describuntur, tales verè esse, contra Wierium, Scotum Palinghum, Montanum, Cardanum ostenditur, eorumque argumentis respondetur." [296]

Mauritius beschreibt im ersten Teil dieses Kapitels die Definition des Begriffes und beschäftigt sich mit den mehr oder weniger umstrittenen Vorstellungen von den Fertigkeiten und Taten der Hexen. In den angeführten Definitionen kommt, wie in der von Bodin, zum Ausdruck, dass die Grundlage für magische Handlungen die Macht des Teufels ist:

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„Bodinus, eum quem Gallicè vocat sorcier, describit, qui medio diabolico sciens aliquid efficere conatur, ita ut & Maleficus hac descriptione ipsi contineantur." [297]

Er gibt zu verstehen, dass es im Zusammenhang mit den Hexen verschiedene Vorstellungen gibt, die nicht einmal von den Befürwortern der Verfolgungen alle geteilt würden. Allen gemeinsam seien nur die Vorstellung vom Pakt, dem damit verbundenen Abfall von Gott und dem Schadenszauber. [298] Die weiteren Vorstellungen würden zwar von den meisten, nicht aber von allen geteilt, wie etwa die vom Sabbat, vom Wetterzauber oder die von der Teufelsbuhlschaft. [299] Bis auf das Hexenmal, das Mauritius mit Skepsis betrachtet, gibt er zu verstehen, dass es zahlreiche Beispiele dafür gibt, dass die Hexen diese Taten wirklich vollbringen:

„Reliquorom actuum, quando cum Satana concumbere, conventui Sagarum interesse, fruges excantare, imbres & tempestates immittere se fatentur, eadem est ratio [...]." [300]

„Sed & probat rem abunde Experientia." [301]

Um dieses zu belegen, führt er dann auch mehrere solcher Bespiele an, bei denen Angeklagte diese Taten freiwillig oder aber auf der Folter gestanden hatten. [302] Seine Gewährsmänner sind hier u. a. Bodin, Binsfeld und Remigius. Außerdem führt er an, dass die Taten von Zauberern und Hexen durch die verschiedenen Gesetze unter Strafe gestellt waren und sind. [303] Zeugnisse dafür seien die römischen Tafelgesetze, die Gesetze Justinians, die Konstitutionen der Päpste und zeitgenössische Gesetze wie die Carolina oder die Württembergische Landesordnung. Anschließend stellt Mauritius nochmals klar, dass an der realen Existenz des Hexereiverbrechens kein Zweifel bestehe und das auch die Mehrheit der Juristen sich dieser Meinung anschließe. [304] Er verweist als Beleg auf Bodin und Carpzov und gibt zu verstehen, dass die Taten real und nicht etwa nur auf Träume oder Einbildung zurückzuführen seien:

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„Legat, qui dubitat, saltem Carpzovii Jurisprudentiam Criminalem parte prima in fine, & Bodini Daemonologiam passim. Quare nec somniare illa, nec fingere possunt." [305]

dass er in den folgenden Absätzen die Argumente der Gegner des Hexenglaubens widerlegt, ist also nur die konsequente Folge aus seinem Hexenglauben, der sich aus den vielen schriftlichen Belegen für die Existenz von Hexen nährte. Die vielen Protokolle aus Hexenprozessen und andere scheinbar sichere Zeugnisse hatten Mauritius von der realen Existenz der Hexen überzeugt. Er war mit dieser Vorstellung fest in seiner Zeit verwurzelt. Der Glaube an Hexen gehört eindeutig zur communis opinio seines Zeitalters. Allerdings verwirft Mauritius nicht pauschal alle kritischen Stimmen, sondern prüft diese vielmehr gewissenhaft und widerlegt deren Argumente, u. a. die von Scot, Weyer und Palingh. [306]

Wenn also im 19 Jh. in der Allgemeinen Deutschen Biographie geschrieben wurde, dass Mauritius in seinem Werk De denuntiatione Sagarum „die Hexenprocesse vertheidigt" [307] dann ist das insoweit richtig, dass Mauritius im Hexenglauben behaftet war, was sich ihm aus seiner wissenschaftlichen Auseinandersetzung nur so darstellen konnte. Er erkannte auch nicht die Größe eines Scot oder Palingh, die ihrer Zeit voraus waren, wie es sich aus unserer Sicht der Dinge darstellt. Andererseits gilt es zu bedenken, dass, wenn von einer Verteidigung der Prozesse die Rede ist, auch betrachtet werden muss, welche Form er verteidigte. Da er an die Existenz des Verbrechens glaubte, musste er als gewissenhafter Jurist folgerichtig eine Bestrafung der Schuldigen fordern. Nachdem er diese Existenz des Verbrechens wissenschaftlich untersucht hat - schon das spricht für sich, auch wenn er im Ergebnis die Kritiker als widerlegt ansah - folgt im weiteren eine Beschreibung des Umgangs mit dem Verbrechen in den Prozessen. Hier zeigt sich sein Engagement für ein geordnetes Verfahren und vor allem für eine strenge Indizienlehre. Insofern verteidigt er zwar den Hexenprozess, aber nicht die Form, die für das Bild der Prozesse verantwortlich zeichnet, nämlich das aus den Ketzerprozessen stammende Schnellverfahren. Das dritte Kapitel setzt, nachdem er die Voraussetzungen geklärt hat, genau an dem Punkt an:

„Quo de Processu in causis Sagarum observari solito nonnulla attinguntur: Indicia ad Specialem Inquisitionem, Capturam, Torturam idonea distinguuntur: Quatuor in art. 44. Ord. Crim. commemorata Indicia explicantur, & falsa quaedam à nonnullis pro certa habita, rejiciuntur." [308]

Er will deutlich machen welche Indizien nach Art. 44 der Carolina zur Einleitung der Untersuchung gegen eine Person, zur Verhaftung und zur Folter ausreichend sind und welche deren Anforderungen nicht genügen. Er beginnt das Kapitel, indem er betont, dass es sich bei Hexerei um ein sehr schweres Vergehen handelt und dass die Angeklagten in Hexenprozessen bei einer Verurteilung daher mit einer schlimmen Strafe zu rechnen haben. [309] Er stellt klar, dass die entscheidende Instanz die Gerichte sind, vor denen Kriminalprozesse abzulaufen hätten, die entweder von Amts wegen oder durch Privatklage eingeleitet werden könnten:

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„Cui fini instituta sunt Judicia, & in iis legitima de criminibus cognoscendis ratio, quam Processum Criminalem vocant. Is verò duplex vulgò Dd. esse creditur, Ordinarius, qui & per accusationem, & Inquisitorius, qui aliquando etiam Summarius dici solet [...]." [310]

Im folgenden beschreibt er den Gang des Verfahrens. Am Anfang stand demnach die Generalinquistion, die der Untersuchung des corpus delicti dient, um festzustellen, ob überhaupt ein Verbrechen begangen worden war. [311] War diese Frage geklärt, so wurde die Spezialinquisition eingeleitet, durch die der Beweis der Schuld eines Angeklagten geführt werden sollte. [312] Mauritius führt zwei Arten der Beweisführung auf, die zu einer Verurteilung des Angeklagten führen konnten. Die Ordinaria, also die gewöhnliche Beweisführung mittels Beweisen oder zweier Tatzeugen und die Subsidiaria, bei der das Fehlen der Beweise durch ein auf der Folter erlangtes Geständnis kompensiert wurde. [313] Das heißt, dass ein reiner Indizienprozess, der ja heute durchaus zur Verurteilung eines Angeklagten führen kann, damals nicht möglich war. Wenn also, wie häufig bei Hexenprozessen, eine sichere Beweisführung nicht möglich war, so musste man auf die Behelfslösung der Folter zurückgreifen, um durch ein Geständnis des Angeklagten zu einer Verurteilung zu kommen. Dabei ging es dann um das Abwägen der nötigen Indizien:

„At si certae probationes, ex quibus ad condemnationem Judex pervenire nequeat, desint, proxima est de indiciis Judicis dispectio." [314]

Mauritius gibt zu verstehen, dass eine solche Abwägung nicht allein der Willkür des Richters überlassen bleibt, sondern dass speziell im Hexenverbrechen die Carolina die ausreichenden Indizien genau aufzählt. Er zitiert den Art. 44, in dem die folgenden vier Indizien vorkommen:

„Wann jemand sich erbeut, andere Menschen Zauberey zu lehren, oder jemand zubezauberen bedraut, und dem Bedrauten dergleichen geschicht, auch sonderliche Gemeinschaft mit Zauberer oder Zauberinnen hat, oder mit solchen verdächtlichen Dingen, Gebärden, Worten, und Wesen umgeht, die Zauberey auff sich tragen, und dieselbige Person, desselben sonst auch berüchtigt, das gibt eine Redliche Anzeigung der Zauberey und gnugsam Ursach zu Peinlicher Frage." [315]

Mauritius führt aus, dass gefoltert werden darf, wenn eines der aufgeführten Indizien vorliegt. Er beschreibt, wie diese in der Literatur besprochen wurden und wie sie seiner Auffassung nach zu verstehen sind. Wenn der Beklagte also anderen angeboten hatte, sie in der Zauberei zu unterweisen, er anderen gedroht hatte, ihnen mit Magie zu Schaden und diese Drohungen waren in der Folgezeit in Erfüllung gegangen, wenn er Umgang mit anderen der Zauberei Verdächtigen hatte oder aber durch Gegenstände, Worte oder Handlungen, die mit Zauberei in Verbindung gebracht werden konnte, so war das nach Auffassung von Mauritius ein Indiz für die Schuld der so belasteten Person. [316] Dieses musste jeweils von mindestens zwei vertrauenswürdigen Zeugen bestätigt werden. Außerdem musste zusätzlich dazu der Verdächtige auch im schlechten Ruf stehen und dieser Ruf musste ebenfalls durch zwei Zeugen bestätigt werden. Es waren demnach zwei Indizien vonnöten, um die Folter des Beklagten zu legitimieren.

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Im Anschluss spricht Mauritius noch die zur Einleitung der Spezialinquisition und zur Verhaftung eines Beklagten nötigen Indizien an. In der Verhaftung eines Beklagten sieht Mauritius einen schwerwiegenden Eingriff in dessen Rechte, daher müssen nach seinem Dafürhalten auch dafür Indizien vorliegen, die über den schlechten Ruf des Beklagten hinausgehen. [317] Zur Einleitung der Spezialinquisition hielt Mauritius allerdings schon den schlechten Ruf für ausreichend. [318]

Zum Schluss des dritten Kapitels beschäftigt er sich mit weiteren Merkmalen der Hexerei, die von einigen auch als hinreichendes Indiz zur Folter gewertet wurden. Als erstes führt er die so genannte Kaltwasserprobe an. [319] Bei dieser wurde die verdächtige Person, meist von einem Boot aus, gefesselt ins Wasser gelassen. Blieb sie an der Wasseroberfläche, so wertete man das als Indiz für ihre Schuld. Mauritius bespricht, wie diese Probe in der Vergangenheit durchaus anerkannt war. Er stellt aber klar, dass sie zu seiner Zeit von der Mehrzahl der Gelehrten in Deutschland nicht mehr akzeptiert war:

„Plures contra eam rationes vide cum Refutationibus Scribonii & aliorum argumentorum apud allegatos, tum DelRio [...] Binsfeld [...] Goehausen [...] ubi omnia omnium Academiarum Germaniae Collegia contra eam pronuntiare scribit." [320]

Als nächstes bespricht er das Hexenmal, das sowohl vom Hexenhammer als auch noch später von Gelehrten, u.a. von Bodin und dem englischem König Jakob I., für ein sicheres Indiz gehalten wurde, wie Mauritius zutreffend festhält. [321] Er stellt aber klar, dass auch in dieser Frage die Lehrmeinung davon ausgeht, solche Stigmata nicht als Indizien zu werten. Als Gewährsmänner für diese Anschauungen zitiert er Binsfeld und führt darüber hinaus weitere an, wie Spee und Thumm.

<60>

Auch die Tränenlosigkeit von Angeklagten in den Prozessen, so führt Mauritius im weiteren aus, könne nicht als Indiz für deren Schuld gewertet werden. [322] Die Vorstellung, dass Hexen nicht mehr imstande seien, Tränen zu vergießen, war schon im Hexenhammer fixiert worden und auch Bodin teilte diese. Mauritius kann abermals Binsfeld und Delrio als Gegner dieser Vorstellung ins Felde führen. Darüber hinaus zitiert er noch eine mehr als einseitige Passage aus einem Tübinger Fakultätsgutachten aus dem Jahre 1638. [323] In diesem wird beschrieben, dass auch Unschuldige mitunter keine Tränen vergießen könnten. Der Verfasser des Gutachtens kam daher zu dem Ergebnis:

„Aus welchem dan[n] unschwer zu verstehen, dass dergleichen Weinen sine lacrymas und ohne Zähren pro nullo indicio zu halten:" [324]

Auch die Vorstellung, dass das Praktizieren fremder Kulte ein Indiz der Hexerei sei, verwirft Mauritius mit einem verweis auf die Cautio Criminalis. [325] Und im letzten Absatz des Kapitels führt er an, dass es weitere angebliche Indizien gebe, die aber alle falsch seien. Als unzulässige Indizien müßten etwa die auffällige Gestalt der Verdächtigen, der starre, zu Boden gerichtete Blick oder die Verwandtschaft zu anderen Hexen gelten. [326]

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Mauritius eine durchweg rationale Indizienlehre vertrat, ausgehend natürlich von der Annahme eines real existierenden Hexenverbrechens. Nur die vier in Art. 44 der Carolina aufgeführten Indizien, gekoppelt mit dem Indiz des schlechten Rufs einer Person, ließen nach seinem Verständnis die Folterung eines Beklagten zu. Wie oben ausgeführt war ja in der Carolina der elaborierte Hexenbegriff noch nicht aufgenommen. Das gilt nun auch für die Indizienlehre in Hexensachen. Alle vier Indizien sind nur auf den Schadenszauber abgestimmt und nicht etwa speziell auf Teufelspakt und die weiteren Vorstellungen des elaborierten Hexenbegriffs. Das Indiz des Hexenmals etwa, das direkt mit dem Pakt in Verbindung steht, das aber zu großer Willkür führt, verwirft er zusammen mit den anderen aufgeführten Indizien. Mit seiner Indizienlehre redet Mauritius eindeutig dem processus ordinarius das Wort und macht den Prozeß weniger von irrationalen Vorstellungen, die sehr auf der Auslegung der Urteilenden beruhen, abhängig. Obwohl Mauritius also, wie oben gezeigt wurde, in seine Deliktbeschreibung den elaborierten Hexenbegriff mit einfließen lässt, sind die Indizien, die er zum Foltern des Beklagten fordert, noch auf die einfache Schadenszaubervorstellung ausgerichtet.

Im vierten und letzten Kapitel handelt Mauritius dann die Frage nach den in den Prozessen häufig auftretenden Denunziationen ab. Wie schon der Kapitelüberschrift zu entnehmen ist, stützt sich Mauritius bei der Frage nach deren Gültigkeit vor allen auf den Art. 31 der Carolina und beschreibt wie dieser nach herkömmlicher Meinung auszulegen ist:

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„Quo de Denuntiatione diversissima Dd. Sententia recensentur: Vera definitio Problematis ex Art. 31. Ord. Carolina desumitur. Ejus requisita inprimis ex ipso textu, rationibus, Doctoribus ad mentem Impp. explicantur: ac dubia circa Materiam hanc praecipuare solvuntur. [327]

Mauritius stellt klar, dass es bei der Beurteilung solcher Denunziationen durch die verschiedenen Gelehrten große Abweichungen gibt. Er führt aus, dass einige die Auffassung vertreten, dass solche Besagungen nicht Verhaftung, Folter, Verurteilung und noch nicht einmal zur Einleitung des Verfahrens gegen die denunzierte Person genügen würden:

„Et Dd. alii quidem generaliter Denunciationibus Sagarum nihil planè tribuunt, ut nec ad Condemnationem, nec Torturam, nec Capturam, nec Inquisitionem sufficere, velint." [328]

Zu diesen zählt er, unter vielen anderen, Spee, Tanner und Meyfart. Andere seien der Auffassung, dass die Denunziationen zwar nicht allein zur Einleitung der Folter genüge, dass sie aber in Verbindung mit anderen Indizien durchaus Aussagekraft besäßen. [329] Daneben gebe es noch Gelehrte, die der Auffassung seien, entweder schon eine oder aber mindestens zwei Besagungen durch einen Komplizen seien ohne weitere Indizien hinreichend zur Folter:

„In adversum alii, etiam sine aliis Indiciis unius complicis Denunciationem ad Torturam sufficere judicant. [...] Alii, si duo complices vel plures socium delicti incusaverint, etiam citra alia adminicula sufficiens ad Torturam indicium esse existimant." [330]

Allerdings knüpften die Vertreter dieser Auffassung z.T. Bedingungen an die Denunziationen, ohne die sie die selbigen nicht für gültig erachteten. So fordert Binsfeld, dass der Denunziant bei seiner Aussage bleibt und später nicht mehr von ihr abweicht. Goehausen hält die Denunziation nur für gültig, wenn sie in der Folter gemacht wurde. Beiden gemeinsam ist die Anschauung, dass der Denunziant nicht in offensichtlicher Feindschaft zum Besagten stehen muss.

Als letztes führt er noch die Gelehrten an, die sogar eine Verurteilung aufgrund genügender Besagungen nicht ausschließen. [331] Als Vertreter dieser Meinung führt er Paulus Laymann an. Mauritius aber folgt den Ausführungen von Hermann Goehausen, der die Aussagen von Komplizen in keinem Fall ausreichend für eine Verurteilung hielt, da diese aufgrund ihrer Mittäterschaft keine vertrauenswürdigen Zeugen sein und außerdem der Hexensabbat im Dunkeln abgehalten würde und somit ein sicheres Wiedererkennen schwierig mache. [332]

Nachdem er also aufgezeigt hat, dass es unterschiedliche Bewertungen der Denunziationen gibt, führt Mauritius aus, dass es auch verschiedene Formen der Denunziationen gibt und dass eine einheitliche Definition fehlt:

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„Videtur autem in universum de toto hoc negotio vix quicquam definiri posse, quòd Denuntiatio non uno eodemque modo accipatur & consideranda sit." [333]

Mauritius unterscheidet daher erstens die einfache Denunziation, die Denuntiatio simplex, die nicht auf der Folter gemacht wurde, zweitens die Form der Denunziation, bei der zusätzlich noch das Geständnis auf der Folter wiederholt wird und drittens die Form bei der darüber hinaus auch noch die requisita, also die Forderungen der Carolina in Art. 31 an eine solche Denunziation erfüllt sind:

„Est enim quaedam Denuntiatio Sagarum, quam simplicem vocabimus; qua ipsae, nulla adhibita Tortura, nec observatis requisitis Ordinat. Carolinae, alias nominant. Est alia ubi Tortura, huic simplici accedit, deficientibus interim requisitis nonnullis. Est ubi simplici Denunciationi, Tortura et reliqua requisita adsunt." [334]

Außerdem gilt es jeweils zu unterscheiden, ob eine solche Denunziation nur von einer oder aber von mehreren Personen vorhanden ist. [335] Mauritius handelt darauf die verschiedenen Denunziationen und ihre Wirksamkeit im Prozeß ab, stellt aber von vornherein klar, dass keine Form der Denunziation zu einer Verurteilung reiche. [336] Die einfache Denunziation von nur einer Person, sei nach herkömmlicher Lehrmeinung nicht geeignet, den so Belasteten zu foltern. [337] Sie sei noch nicht einmal zur Verhaftung ausreichend. Auch die einfache Denunziation von zwei oder mehr Personen sei zur Folter nicht ausreichend. Zwar fordere die Carolina in Art. 23 und Art. 30 für ein zur Folter genügsames Indiz nur zwei Zeugen, diese sollen aber „unverwerfflich" sein. Und genau diese Forderung sieht Mauritius nicht erfüllt, da es sich bei den Denunzianten durch ihre offenkundige Mittäterschaft um Verbrecher handele. [338] Mit demselben Argument hebelt er auch die Denunziation auf der Folter aus. [339] Zwar ist ein Mangel der einfachen Form behoben, da es sich nicht um ein spontanes Geständnis handele, aber trotzdem hält er auch bei mehreren solchen Besagungen die Zeugen für nicht „unverwerfflich". Somit stellt auch sie kein ausreichendes Indiz für die Folter dar.

Es bleibt also nur noch die Form der Denunziation, bei der auch die entsprechenden Anforderungen aus dem Art. 31 der Carolina erfüllt sind. Um diese Anforderungen genauer zu betrachten, zitiert Mauritius die entsprechenden Passagen der Carolina. Folgende Forderungen sind demnach an eine Besagung geknüpft:

„1. dass dem Sager die beklagte [...] besagte Person, in der Marter mit Namen nicht fürgehalten [...]. 2. [...] soll man den Sager fragen, aller möglicher und nothdürfftiger Umstände, die nach Gelegenheit und Gestalt jeder Sach allerbest zu nachfolgender Erfindung der Wahrheit, dienstlich seyn mögen [...]. 3. Gebühret sich zu erkunden, ob der in sonderer Feindschaft, Unwillen oder Widerwärtigkeit mit dem Versagten stehe [...]. 4. dass die besagte Person also argwöhnlich sey, dass man sich der besagten Missethat, zu ihr versehen möge. 5. So soll der Sager, auff der Besagung beständig bleiben." [340]

Es wurde also von der Carolina gefordert, dass die Denunziation ohne die Anwendung von Suggestivfragen zustande kam. Der Denunziant sollte außerdem über die Umstände der Tat berichten, und diese Angaben sollten überprüft werden. Er musste also Täterwissen besitzen, welches den Besagten tatsächlich belastete. Kombiniert mit der Forderung, dass zwischen dem Besager und dem Besagten keine Feindschaft bestehen sollte und der nach dem schlechten Ruf des Besagten, also im Prinzip demselben Indiz, das zur Ergänzung der Indizien in Art. 44 gefordert wurde, scheinen diese Bedingungen einen relativ guten Schutz vor einer zu großen Willkür zu bieten. Dieser Eindruck verstärkt sich noch, wenn man die anschließenden Ausführungen von Mauritius, in denen er die Forderungen der Carolina spezifiziert, betrachtet. <63>

Er klärt, welche Fragen, nach Ansicht der Gelehrten, dem Denunzianten bezüglich der Tatumstände gestellt werden sollten. [341] Man sollte versuchen, vom Besager alle Tatumstände in Erfahrung zu bringen: Den Ort des Verbrechens, den Zeitpunkt, den genauen Ablauf etc. Diese Angaben mussten dann mit der feststellbaren Wahrheit abgeglichen werden. Wenn sich diese als falsch herausstellten, sei die Denunziation nicht hinreichend, den Besagten zu foltern, weil gerade im Bereich der Hexenverbrechen die Aussagen der Denunzianten bezüglich der Umstände oft falsch seien:

„Quam enim fuerit absurdum propter circumstantiae Nominationem, quam requirit Constitutio, etiamsi scias & compereris illam falsam, vel saltem dubiam, damnare ad torturam aliquem, ex defectu circumstantiae huius, ab homine mendace, vel dubiae adhuc fidei, vel innoxium, vel saltem non legitimè gravatum. Inprimis in hoc crimine, ubi circumstantias falsas saepius produnt Sagae, ut experientia probat, & prodere necessum habent, quia aliquando ipsis repraesentantur, qui in conventibus Satanicis non adsunt." [342]

Diese Sichtweise teilten, laut Mauritius, auch Tanner, Weyer und Spee. [343] Nur wenn sich die Tatumstände, die der Denunziant preisgab, tatsächlich bestätigen ließen, entspreche somit die Denunziation den Anforderungen des Art. 31 der Carolina und genüge zur Einleitung der Folter. Die Angaben über den Tatablauf, die somit ja mit der Wahrheit übereinstimmten, könnten gleichsam als Indizien gegen den Denunzierten gewertet werden, die die Folter rechtfertigten:

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„Ex hujusmodi ergo circumstantiis compertis, vel unum aut plura indicia emergunt, per se sufficientia, & tantum abest ut ea impediat Denuntiatio, ut multum etiam juvet [...]. Indicia autem quae addita Nominationi socii, indicium ad Torturam contra Nominatum faciunt [...]." [344]

Wenn aber die Tatumstände sich weder bestätigen noch widerlegen ließen, so hält es Mauritius nicht für gerechtfertigt, den Beklagten trotzdem zu foltern. [345] Er gibt zu verstehen, dass er nicht die Ansicht derer teilt, die aufgrund der besonderen Schwere des Verbrechens über diesen Grundsatz hinwegsehen, weil er die Gefahr Unschuldige zu verurteilen für zu groß hält:

„Et alioquin etiam contra extraordinaria & excepta crimina ita procedendum à Iudicibus est, ne ex eo Processu, secundum prudens iudicium morale & frequens, creetur periculum ipsis etiam innocentibus [...]." [346]

Im weiteren prüft Mauritius, ob schon eine solche Besagung nach den Anforderungen des Art. 31 zur Einleitung der Folter genügt, oder ob zwei Besagungen nötig sind. [347] Er kommt zu dem Ergebnis, dass zwei oder mehr Denunziationen in dieser Form in jedem Fall genügen, um den Besagten zu foltern:

„Denuntitio ergo cum Tortura & requisitis Art.. 31 rectè explicatis facta, si duorum vel plurium sit, ad Torturam sufficit" [348]

Bei nur einer Denunziation scheint, wie Mauritius der einschlägigen Literatur entnommen zu haben glaubt, dagegen eher Vorsicht geboten. Eine mit Sicherheit gerechtfertigte Folter geht daher nur aus zwei Denunziationen hervor. Außerdem weist Mauritius nochmals explizit daraufhin, dass zusätzlich zu den Denunziationen der Betroffene noch in dem Ruf der Hexerei stehen muss, um die Forderungen der Carolina zu erfüllen. [349]

Eine Denunziation war also, und darin liegt ein Kernpunkt von Mauritius Ausführungen, nur dann verwertbar, wenn alle requisita des Art. 31 erfüllt waren. Betrachtet man die Forderungen genau, so sind die Anforderungen höher, als die der in Artikel 44 geforderten Indizien. Die Denunzianten, mindestens zwei an der Zahl, mussten in den Verhören überprüfbares Täterwissen preisgeben. Wenn diese Tatumstände mit derselben Gründlichkeit überprüft wurden, wie das Mauritius in den Gutachten getan hat, dann scheint es schwer vorstellbar, dass ein Richter diese bestätigt fand, obwohl das Verbrechen nicht begangen wurde. Schließlich musste, gleichsam als drittes Indiz, noch der schlechte Ruf des Beschuldigten hinzu kommen.

Bei genauer Anwendung dieser Anforderungen an Denunziationen, waren diese ein wirksames Mittel gegen das wilde Ausufern von Hexenprozessen. Gerade wenn Denunziationen ohne weitere Überprüfung zu Verhaftung, Folter und erneuten Besagungen führten, konnten verheerende Kettenprozesse entstehen, wie bereits angesprochen wurde. Dies zeigt auch der oben behandelte Esslinger Prozeß. Natürlich hängt die Beurteilung, ob eine Denunziation letztendlich wirksam ist oder nicht, dann wieder vom einzelnen Richter oder Juristen ab. Mauritius macht es aber schwer, ein anderes Vorgehen, als das Beschriebene, zu vertreten, indem er sich in seiner Argumentation streng an die Forderungen der Carolina hält.

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6. Fazit

Der Jurist Erich Mauritius hat sich in seiner Zeit in Tübingen, wie sich in seinen Gutachten und auch seiner Dissertation De denuntiatione sagarum zeigen ließ, durch einen sehr vorsichtigen Umgang mit dem Verbrechen der Hexerei ausgezeichnet. Zwar konnte sowohl in den Gutachten als auch in der Dissertation gezeigt werden, dass er die Existenz der Hexerei nicht leugnete und auch den Vorstellungskomplex des elaborierten Hexenbegriffs durchaus verinnerlicht hatte. Seine Urteile weisen aber darauf hin, dass er zumindest in der Praxis mit der Subsumtion solcher Tatbestände sehr zurückhaltend war.

Im ersten hier behandelten Gutachten, kam er zu einer sehr milden Strafe, obwohl alle Angeklagten geständig waren, welches dann auch dem Magistrat vor Ort als nicht hart genug erschien. Ein weiteres endete mit einem vorläufigen Freispruch, wobei Mauritius die Hürde für die Wiederaufnahme des Verfahrens aufgrund einer Denunziation sehr hoch hängte und somit den Beklagten relativ gut vor einer solchen schützte. Sein drittes Gutachten, welches eine Fortführung des Verfahrens zur Klärung von den verschiedenen gestandenen Schadenszaubern und eine erneute Einholung und Bestätigung der Geständnisse fordert, muss im Kontext der Esslinger Verfolgung gesehen werden. Mauritius muss klar gewesen sein, dass der Magistrat vor Ort, der schon ein erstes Tübinger Gutachten nicht befolgt hatte, bei einer anderer Vorgehensweise sich wohl kaum an die Tübinger Auskunft gehalten hätte.

In seinen Gutachten, wie auch seiner Dissertation, vertrat er ein rationales Indizien- und Beweissystem, immer auf der Carolina basierend. Er war somit immer dem ordentlichem Prozeß, dem processus ordinarius verpflichtet. Das zeigt sich in seinen Gutachten in der Forderung nach strikter Einhaltung der Artikel der Carolina und in seinem präzisem Umgang mit den Akten und den darin enthaltenen Angaben. Er war immer darauf, bedacht die Situation, wie sie sich ihm aus den Akten darstellte zu überprüfen und deckte Widersprüche zwischen den Geständnissen und den Zeugenaussagen auf, die er als entlastend wertete. Dabei entwickelte er ein gutes Gespür für die reale Situation der Beklagten. Sowohl im Weinsberger Fall, in welchem er auf das jugendliche Alter der Beklagten und auf die mangelnde Zurechnungsfähigkeit des Hans Martin Hagner hinwies, als auch im Esslinger Fall, bei dem er die Unglaubwürdigkeit von Hans Elsässer Denunziationen erkannte, hat die heutige Forschung, die auf wesentlich detailliertere Akten zurückgreifen kann, die Einschätzungen von Mauritius bestätigt.

An seiner Dissertation ist bemerkenswert, dass er alle irrationalen Indizien wie etwa Tränenlosigkeit, Schmerzunempfindlichkeit bei der Folter, Hexenmal oder die gängigen Hexenproben, die noch keineswegs aus den damaligen Prozessen verschwunden waren, eindeutig ablehnt. Besonders auch der Schwerpunkt der Arbeit, die Frage nach dem Umgang mit den in Hexenprozessen häufig gemachten Denunziationen zeichnet ihn einmal mehr als einen Vertreter des processus ordinarius aus. Denunziationen waren, nach seiner Auffassung, nur dann hinreichend zum Foltern eines Beklagten, wenn mindestens zwei vorlagen, die alle Anforderungen des Art. 31 der Carolina erfüllten. Seine Auslegung bezüglich der Tatumstände stellte sehr hohe Anforderungen an den überprüfbaren Wahrheitsgehalt. Nur wenn der Denunziant als Komplize echtes Täterwissen preisgab, konnte die Denunziation gewertet werden, weil aus diesem ein Indiz für die Schuld des Beklagten erwuchs. Insgesamt war damit, durch seine präzise Auffassung des Art. 31, die Hürde für die Folter aufgrund von Denunziationen höher gesteckt als die aufgrund von reinen Indizien nach Art. 44. Eine solche Haltung konnte entscheidend für die Eindämmung von Verfolgungen sein, da gerade in Kettenprozessen den Denunziationen die zentrale Rolle zukam.

<66>

Besonders hervorzuheben ist auch, dass Mauritius als erster Tübinger Jurist die Cautio Criminalis des Friedrich Spee zitiert hat. Spees Werk war ein Musterbeispiel für eine Kritik an dem entarteten Rechtsverfahren, dem viele vermeintliche Hexen zum Opfer gefallen sind. Indem er in allen drei Gutachten und auch in seiner Dissertation mehrfach Spee anführt oder zitiert, verhalf er Spee zu einer verstärkten Rezeption in der Rechtswissenschaft. [350]

Wie groß nun die Wirkung von Mauritius auf seine Zeit war und ob seine vorsichtige Haltung zur Eindämmung der Hexenverfolgung, wie sie sich im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts schon abzeichnete, einen Beitrag geleistet hat, läßt sich schwer abschätzen. Es ist aber nochmals darauf hinzuweisen, dass seine ersten beiden Gutachten zu Hexenprozessen in Druck gegangen sind. Das frühere von beiden fand sogar Aufnahme in der 2. Auflage der bedeutenden Rechtsauskunftssammlung von Georg Dedeken aus dem Jahre 1671. [351] Es ist daher durchaus anzunehmen, dass seine Argumentation Zuspruch bei anderen Rechtsgelehrten fand. Auch seine hier besprochene Dissertation wurde, wie oben erwähnt, mehrmals gedruckt und 1666, also nur zwei Jahre nach ihrem Erscheinen, im Journal des Scavans besprochen. [352] Der Rezensent bezeichnet das Werk von Mauritius als solide und stichhaltig und hebt es positiv von früheren Arbeiten zu dem Thema ab. [353] Darüber hinaus weist er besonders auf die Brauchbarkeit von Mauritius Schlussfolgerungen für das Verfahren hin und empfiehlt die Dissertation somit implizit. [354] Auch am Reichskammergericht, an dem Mauritius über 20 Jahre tätig war, erinnerte man sich noch über 100 Jahre nach dessen Ableben an die Arbeit. [355] Der Reichskammergerichts-Assessor Fahrenberg schrieb 1792, dass Mauritius in seiner Dissertation „den Hexengeschichten wenig Glauben beigemessen, sie gänzlich zu läugnen sich zwar noch nicht getraut, jedoch so viele Vorsichtsregeln dabey vorgeschrieben hat, dass der Fall der gewöhnlichen Strafe nicht leicht eintreten konnte" [356].

Unabhängig von seiner Wirkung auf die Rechtswissenschaft und die Eindämmung der Hexenverfolgung lässt sich zusammenfassend festhalten, dass Erich Mauritius aufgrund seiner systemimmanenten Kritik, wie sie sich in seinen Gutachten und seiner Dissertation findet, zumindest in seiner hier untersuchten Tübinger Zeit, durchaus als Gegner der Hexenverfolgung bezeichnet werden kann. [357] Seine moderate Haltung ist auch in der Hexenforschung der letzten Jahre mehrfach angesprochen worden. [358] Zwar hat er wohl nicht an der realen Existenz von Hexen gezweifelt und hielt das Verbrechen der Hexerei für verwerflich und mit dem Tode zu bestrafen, gerade aber in seinem diesbezüglichem Umgang in seinen Gutachten zeigt sich, dass er in diesem Glauben nicht so stark verfangen war, dass er schon bei geringsten Indizien einen Angeklagten für schuldig hielt. Vielmehr hat er immer rational geprüft, ob Indizien zur Einleitung der Folter ausreichten oder ein abgelegtes Geständnis rechtmäßig erlangt worden war und somit, zumindest aus heutiger Sicht, zwangsläufig zur Entlastung der Angeklagten beigetragen, da es für ein nicht reales Verbrechen keine realen, überprüfbaren Indizien geben konnte.

Anmerkungen

  • [1]

    Wolfgang Behringer, Hexen. Glaube, Verfolgung, Vermarktung, München 1998, S. 7 ff.

  • [2]

    Ebenda, S. 10.

  • [3]

    Ebenda, S. 46; Jürgen Michael Schmidt, Glaube und Skepsis. Die Kurpfalz und die abendländische Hexenverfolgung 1446-1685 (Hexenforschung, Bd. 5), Bielefeld 2000, S. 13.

  • [4]

    Vgl. zu den Auslösern großer Verfolgungen: Franz Irsigler, Hexenverfolgungen vom 15. bis 17. Jahrhundert. Eine Einführung, in: Methoden und Konzepte der historischen Hexenforschung, hrsg. von Gunther Franz und Franz Irsigler (Trierer Hexenprozesse, Quellen und Darstellungen, Bd. 4), Trier 1998, S. 3-20, hier: S. 9 ff.

  • [5]

    Vgl. Sönke Lorenz, Einführung in den Forschungsstand: Die Hexenverfolgung in den südwestdeutschen Territorien, in: Hexen und Hexenverfolgung im deutschen Südwesten, Bd. 2, hrsg. von Sönke Lorenz (Volkskundliche Veröffentlichungen des Badischen Landesmuseums Karlsruhe, Bd. 2/2), Ostfildern 1994, S. 175.

  • [6]

    Einleitende Aufsätze: Sönke Lorenz, H. C. Eric Midelfort, Hexen und Hexenprozesse: Ein historischer Überblick, in: Praxis Geschichte, 4/1991, S. 4-12; Franz Irsigler, Hexenverfolgungen vom 15. bis 17. Jahrhundert. Eine Einführung (wie Anm. 4), S. 3-20; Monographische Einführungen: Brian P. Levack, Hexenjagd. Die Geschichte der Hexenverfolgungen in Europa, München 1995 [engl.: 1987]; Wolfgang Behringer, Hexen (wie Anm. 1).

  • [7]

    Vgl. die Zusammenstellung bei Franz Irsigler, Hexenverfolgungen (wie Anm. 4), S. 4 f.

  • [8]

    Andrea Dworkin, Woman Haiting, New York 1974, S. 133 [zitiert nach: Franz Irsigler, Hexenverfolgungen (wie Anm. 4), S. 4 und Anm. 7].

  • [9]

    Brian P. Levack, Hexenjagd (wie Anm. 6), S. 176 f.; Wolfgang Behringer, Hexen (wie Anm. 1), S. 32 f.

  • [10]

    Joseph Hansen, Zauberwahn, Inquisition und Hexenprozeß im Mittelalter und die Entstehung der großen Hexenverfolgung, München 1900, S. 1 ff.

  • [11]

    Brian P. Levack, Hexenjagd (wie Anm. 6), S. 176 f.

  • [12]

    Vgl. Andreas Blauert, Frühe Hexenverfolgungen in der Schweiz, am Bodensee und am Oberrhein, in: Hexen und Hexenverfolgung im deutschen Südwesten, Bd. 2, hrsg. von Sönke Lorenz (Volkskundliche Veröffentlichungen des Badischen Landesmuseums Karlsruhe, Bd. 2/2), Ostfildern 1994, S. 59 ff.

  • [13]

    Brian P. Levack, Hexenjagd (wie Anm. 6), S. 179.

  • [14]

    Ebenda S. 180.

  • [15]

    Wolfgang Behringer, Hexen (wie Anm. 1), S. 35 f.

  • [16]

    Brian P. Levack, Hexenjagd (wie Anm. 6), S. 201 ff.

  • [17]

    Ebenda S. 215.

  • [18]

    Wolfgang Behringer, „Erhob sich das ganze Land zu ihrer Ausrottung..." Hexenprozesse und Hexenverfolgungen in Europa, in: Hexenwelten. Magie und Imagination, hrsg. von Richard van Dülmen, Frankfurt a. M. 1987. S. 162, 165.

  • [19]

    Brian P. Levack, Hexenjagd (wie Anm. 6), S. 183 f.

  • [20]

    Franz Irsigler, Hexenverfolgungen (wie Anm. 4), S. 3-20.

  • [21]

    Ebenda S. 9 ff.

  • [22]

    Anita Raith, Herzogtum Württemberg, in: Hexen und Hexenverfolgung im deutschen Südwesten, Bd. 2, hrsg. von Sönke Lorenz (Volkskundliche Veröffentlichungen des Badischen Landesmuseums Karlsruhe, Bd. 2/2), Ostfildern 1994, S. 199.

  • [23]

    Wolfgang Behringer, Hexen und Hexenprozesse in Deutschland, 3. aktualisierte Auflage, München 1995, S. 179 f.

  • [24]

    Franz Irsigler, Hexenverfolgungen (wie Anm. 4), S. 11.

  • [25]

    Brian Levack, Hexenjagd (wie Anm. 6), S. 188 ff.

  • [26]

    Franz Irsigler, Hexenverfolgungen (wie Anm. 4), S. 14 ff.

  • [27]

    Ebenda S. 17 f.

  • [28]

    Brian P. Levack, Hexenjagd (wie Anm. 6), S. 183 f.

  • [29]

    Franz Irsigler, Hexenverfolgungen (wie Anm. 4), S. 18 ff.

  • [30]

    Vgl. im folgenden: Joseph Hansen, Zauberwahn (wie Anm. 10), S. 9 ff.

  • [31]

    Wolfgang Behringer, Hexen (wie Anm. 1), S. 37 ff.

  • [32]

    Ebenda.

  • [33]

    Joseph Hansen, Zauberwahn (wie Anm. 10), S. 12.

  • [34]

    Zur Frage der Bestrafung: Joseph Hansen, Zauberwahn (wie Anm. 10), S. 50 ff.; Zur Unterscheidung von weißer und schwarzer Magie: Wolfgang Schild, Hexenglaube, Hexenbegriff und Hexenphantasie, in: Hexen und Hexenverfolgung im deutschen Südwesten, Bd. 2, hrsg. von Sönke Lorenz (Volkskundliche Veröffentlichungen des Badischen Landesmuseums Karlsruhe, Bd. 2/2), Ostfildern 1994, S. 15, 23.

  • [35]

    Joseph Hansen, Zauberwahn (wie Anm. 10), S. 50 ff.

  • [36]

    Ebenda, S. 23 ff.

  • [37]

    Ebenda, S. 11 f. 39 f.

  • [38]

    Aufstellung der Bezeichnungen: Ebenda, S. 8 Anm. 2.

  • [39]

    Ebenda, S. 14 f.

  • [40]

    Ebenda, S. 15.

  • [41]

    Ebenda, S. 79 ff.

  • [42]

    Ebenda, S. 235.

  • [43]

    Ebenda, S. 13 f.

  • [44]

    Ebenda, S. 24.

  • [45]

    Ebenda, S. 22.

  • [46]

    Ebenda, S. 23.

  • [47]

    Wolfgang Behringer, Hexen und Hexenprozesse in Deutschland (wie Anm. 23), S. 20 und Anm. 9.

  • [48]

    Ebenda.

  • [49]

    Joseph Hansen, Zauberwahn (wie Anm. 10), S. 171.

  • [50]

    Sönke Lorenz, Aktenversendung und Hexenprozeß. Dargestellt am Beispiel der Juristenfakultäten Rostock und Greifswald (1570/82-1630) (Studia Philosophia et Historica), Bd. 1/I, Frankfurt a. M. 1982, S. 62 f; Vgl. auch Joseph Hansen, Zauberwahn (wie Anm. 10), S. 187 f.

  • [51]

    Joseph Hansen, Zauberwahn (wie Anm. 10), 19 f.

  • [52]

    Ebenda, S. 20 f.

  • [53]

    Wolfgang Behringer, Meinungsbildende Befürworter und Gegner der Hexenverfolgung (15. bis 18. Jahrhundert), in: Hexen und Zauberer. Die große Verfolgung - ein europäisches Phänomen in der Steiermark, hrsg. von Helfried Valentinitsch, Graz 1987, S. 220.

  • [54]

    Ebenda.

  • [55]

    Ebenda, S. 220 f..

  • [56]

    H. C. Erik Midelfort, Geschichte der abendländischen Hexenverfolgung, in: Hexen und Hexenverfolgung im deutschen Südwesten, Bd. 2, hrsg. von Sönke Lorenz (Volkskundliche Veröffentlichungen des Badischen Landesmuseums Karlsruhe, Bd. 2/2), Ostfildern 1994, S. 51 f.

  • [57]

    Brian P. Levack, Hexenjagd (wie Anm. 6), S. 133 und Tab. 3.

  • [58]

    Ebenda, S. 62.

  • [59]

    Joseph Hansen, Zauberwahn (wie Anm. 10), S. 467 f.

  • [60]

    Ebenda, S. 469 f.

  • [61]

    Ebenda, S. 496.

  • [62]

    Sönke Lorenz, Aktenversendung und Hexenprozeß (wie Anm. 50), S. 109 ff.

  • [63]

    Brian P. Levack, Hexenjagd (wie Anm. 6), S. 64.

  • [64]

    Wolfgang Behringer, Meinungsbildende Befürworter und Gegner der Hexenverfolgung (wie Anm. 53), S. 223.

  • [65]

    Ebenda.

  • [66]

    Ebenda, S. 224.

  • [67]

    Edda Fischer, Die „Disquisitionum Magicarum Libri Sex" von Martin Delrio als Gegenreformatorische Exempel-Quelle (Dissertation), Frankfurt a. M. 1975, S. 24 f.

  • [68]

    Wolfgang Behringer, Meinungsbildende Befürworter und Gegner der Hexenverfolgung, (wie Anm. 53), S. 224.

  • [69]

    Brian P. Levack, Hexenjagd (wie Anm. 6), S. 65

  • [70]

    Wolfgang Behringer, Meinungsbildende Befürworter und Gegner der Hexenverfolgung (wie Anm. 53), S. 225.

  • [71]

    Ebenda, S. 222.

  • [72]

    Ebenda, S. 226, 228 f.

  • [73]

    Ebenda, S.223.

  • [74]

    The Dictionary of National Biography, Bd. 17, Oxford 1967-1968, S. 1001 f.

  • [75]

    Edda Fischer, Die „Disquisitionum Magicarum Libri Sex" (wie Anm. 67), S. 18.

  • [76]

    Ebenda.

  • [77]

    Wolfgang Behringer, Meinungsbildende Befürworter und Gegner der Hexenverfolgung (wie Anm. 53), S. 223 f.

  • [78]

    Ebenda.

  • [79]

    Kurt Baschwitz, Hexen und Hexenprozesse. Die Geschichte eines Massenwahns und seiner Bekämpfung, München 1990, S. 378 ff.

  • [80]

    Joseph Hansen, Zauberwahn (wie Anm. 10), S. 39 ff.

  • [81]

    Wolfgang Behringer, Hexen (wie Anm. 1), S. 37.

  • [82]

    Joseph Hansen, Zauberwahn (wie Anm. 10), S. 39.

  • [83]

    Brian P. Levack, Hexenjagd (wie Anm. 6), S. 90 ff.

  • [84]

    Sönke Lorenz, Aktenversendung und Hexenprozeß (wie Anm. 50), S. 63 ff.

  • [85]

    Ebenda, S. 68 f.

  • [86]

    Eberhard Schmidt, Einführung in die Geschichte der deutschen Strafrechtspflege, 3. überarbeitete Auflage,Göttingen 1965, S. 91.

  • [87]

    Ebenda, S. 86 ff.

  • [88]

    Hermann Conrad, Deutsche Rechtsgeschichte, Band I, 2. neubearbeitete Auflage, Karlsruhe 1962, S. 391f.

  • [89]

    Im folgenden wird die Carolina zitiert nach: Die Peinliche Gerichtsordnung Kaiser Karls V. von 1532 (Carolina), hrsg. von Gustav Radbruch, 6. überarbeitete Auflage, Stuttgart 1975.

  • [90]

    Vgl. zur Carolina und ihrer Entstehung: Friedrich-Christian Schröder, Die peinliche Gerichtsordnung Kaiser Karls V. (Carolina) von 1532, in: Die Carolina. Die peinliche Gerichtsordnung Kaiser Karls V. von 1532, hrsg. von Friedrich-Christian Schröder, Darmstadt 1986 (Wege der Forschung, Bd. 626), S. 305-337; Ursprünglich ist dieser Aufsatz erschienen in: Regensburg - Stadt der Reichstage. Vortragsreihe der Universität Regensburg, hrsg von D. Albrecht (Schriftenreihe der Universität Regensburg, Bd. 3), Regensburg 1980, S. 25-49.

  • [91]

    Carolina (wie Anm. 89), Art. 109

  • [92]

    Ebenda, Artikel 219.

  • [93]

    Sönke Lorenz, Der Hexenprozeß, in: Hexen und Hexenverfolgung im deutschen Südwesten, Bd. 2, hrsg. von Sönke Lorenz (Volkskundliche Veröffentlichungen des Badischen Landesmuseums Karlsruhe, Bd. 2/2), Ostfildern 1994, S. 76.

  • [94]

    Vgl. Carolina (wie Anm. 89), Art. 67; Sönke Lorenz, Der Hexenprozeß (wie Anm. ), S. 71.

  • [95]

    Sönke Lorenz, Der Hexenprozeß (wie Anm. 93), S. 71.

  • [96]

    Ebenda.

  • [97]

    Carolina (wie Anm. 89), Art 44.

  • [98]

    Sönke Lorenz, Der Hexenprozeß (wie Anm. 93), S. 72.

  • [99]

    Carolina (wie Anm. 89), Art. 58.

  • [100]

    Sönke Lorenz, Der Hexenprozeß (wie Anm. 93), S. 75 f.

  • [101]

    Ebenda, S. 76.

  • [102]

    Ebenda.

  • [103]

    Ebenda, S. 76 f.

  • [104]

    Vgl. Eberhard Schmidt, Einführung in die Geschichte der Strafrechtspflege (wie Anm. 86), S. 125 f.

  • [105]

    Sönke Lorenz, Hexenprozeß (wie Anm. 93), S. 75.

  • [106]

    Ebenda, S. 73.

  • [107]

    Ebenda, S. 74 f.

  • [108]

    Ebenda, S. 76.

  • [109]

    Jakob Sprenger und Heinrich Institoris, Der Hexenhammer, aus dem Lateinischen übertragen und eingeleitet von J. W. R. Schmidt, Berlin 1906, verwendet wurde der fotomechanische Nachdruck, München 1982, 3. Teil, S. 246, s. v. Verschwiegenheit.

  • [110]

    Sönke Lorenz, Hexenprozeß (wie Anm. 93), S. 76.

  • [111]

    Brian P. Levack, Hexenjagd (wie Anm. 6), S. 165 f.; Wolfgang Behringer, Hexen (wie Anm. 1), Tab. 1.

  • [112]

    Sönke Lorenz, Der Hexenprozeß (wie Anm. 93), S. 76.

  • [113]

    Ebenda, S. 67.

  • [114]

    Brian P. Levack, Hexenjagd (wie Anm. 6), S. 38, 66.

  • [115]

    Sönke Lorenz, Der Hexenprozeß (wie Anm. 93), S. 73.

  • [116]

    Ebenda, S. 79.

  • [117]

    Ebenda, S. 73.

  • [118]

    Brian P. Levack, Hexenjagd (wie Anm. 6), S. 180.

  • [119]

    Sönke Lorenz, Der Hexenprozeß (wie Anm. 93), S. 81.

  • [120]

    Ebenda, S. 79, 81.

  • [121]

    Sönke Lorenz, Die Rechtsgutachten von Johann Fichard in Sachen Hexenprozeß, in: Hexenverfolgung. Beiträge zur Forschung unter besonderer Berücksichtigung des südwestdeutschen Raumes, hrsg. von Sönke Lorenz und Dieter R. Bauer (Quellen und Forschungen zur europäischen Ethnologie, Bd. 15), Würzburg 1995, S. 203-240, insbesondere S. 240.

  • [122]

    Sönke Lorenz, Ernst Cothmann (1557-1624) aus Lemgo in Westfalen. Ein Iurisconsultus Rostochiensis in Sachen Hexenprozeß, in: Das andere Wahrnehmen. Beiträge zur europäischen Geschichte, hrsg. von Martin Kintzinger, Wolfgang Stürner und Johannes Zahlten, Köln 1991, S. 437-449, insbesondere S. 449.

  • [123]

    Sönke Lorenz, Johann Georg Godelmann ein Gegner des Hexenwahns?, in: Beiträge zur pommerschen und mecklenburgischen Geschichte. Vorträge der wissenschaftlichen Tagungen „Pommern - Mecklenburg" 1976 und 1979, veranstaltet von der Historischen Kommission für Pommern, hrsg. von Roderich Schmidt (Tagungsberichte des Johann-Gottfried-Herder-Forschungsrates, 6), Marburg/Lahn 1981, S. 61-105, insbesondere S. 103.

  • [124]

    Sönke Lorenz, David Mevius (1609-1670) und der Hexenprozeß. Zur Problematik der Diskussion, wer als Gegner der Hexenverfolgung bezeichnet werden kann, in: Vom Unfug des Hexen-Processes. Gegner der Hexenverfolgung von Johann Weyer bis Friedrich Spee, hrsg. von Hartmut Lehmann und Otto Ulbricht (Wolfenbütteler Forschungen; Bd. 55), Wiesbaden 1992, S. 305-324, insbesondere S. 324.

  • [125]

    Georg Schwaiger, Das Ende der Hexenprozesse im Zeitalter der Aufklärung, in: Teufelsglaube und Hexenprozesse, hrsg. von Georg Schwaiger, 4. durchges. Aufl., München 1999, S. 156 ff.

  • [126]

    Ebenda, S. 161.

  • [127]

    Allgemeine Deutsche Biographie [ADB], Bd. 20, Leipzig 1884, S. 708; allerdings verweist Jugler auf das Programm zu der Promotion von Mauritius, in welchem das Jahr 1632 als Geburtsjahr angegeben ist: Johann Friedrich Jugler, Beyträge zur juristischen Biographie. Oder genauere litterarische und critische Nachrichten von dem Leben und den Schriften verstorbener Rechtsgelehrten, Bd. 5, Leipzig 1779, S. 242.

  • [128]

    Zur Biographie von Erich Mauritius: Johann Friedrich Jugler, Beyträge zur juristischen Biographie (wie Anm. 127), S. 242-259; ADB, Bd. 20 (wie Anm. 127), S. 708 f.; Christian Gottlieb Jöcher, Allgemeines Gelehrten-Lexicon, 3. Bd., unveränderter Nachdruck der Ausgabe Leipzig 1751, Hildesheim 1961, Sp. 306 f.; Heinrich Wilhelm Rotermund, Fortsetzung und Ergänzungen zu Christian Gottlieb Jöchers Gelehrten-Lexicon, 4. Bd., unveränderter Nachdruck der Ausgabe Bremen 1813, Hildesheim 1961, Sp. 1042-1045; R. Stintzing, Geschichte der deutschen Rechtswissenschaft. 2. Abt., hrsg. von E. Landsberg (Geschichte der Wissenschaft in Deutschland. Neuere Zeit. 18. Bd. 2. Abt.), München und Leipzig 1884, S. 238-242; die Beiträge von Jugler und Jöcher finden sich auf Microfiche: Deutsches Biographisches Archiv [DBA], hrsg. von B. Fabian, bearbeitet unter der Leitung von W. Gorzny, Microfiche Edition, München 1982-1986, Microfiche 815, S. 297-323.

  • [129]

    Johann Friedrich Jugler, Beyträge zur juristischen Biographie (wie Anm. 127),S. 242

  • [130]

    Christian Gottlieb Jöcher, Allgemeines Gelehrten-Lexicon, 3. Bd. (wie Anm. 128), Sp. 306.

  • [131]

    Johann Friedrich Jugler, Beyträge zur juristischen Biographie (wie Anm. 127), S. 243.

  • [132]

    ADB (wie Anm. 127), Bd. 3, S. 445 f.

  • [133]

    Johann Friedrich Jugler, Beyträge zur juristischen Biographie (wie Anm. 127), S. 243.

  • [134]

    Ebenda.

  • [135]

    Ebenda.

  • [136]

    Vgl. Otto Brandt, Geschichte Schleswig-Holsteins. Ein Grundriss, 8. verbesserte Auflage, Kiel 1981, S. 208 f.

  • [137]

    Johann Friedrich Jugler, Beyträge zur juristischen Biographie (wie Anm. 127), S. 244.

  • [138]

    Ebenda.

  • [139]

    Ebenda.

  • [140]

    Otto Brandt, Geschichte Schleswig-Holsteins (wie Anm. 1136), S. 194.

  • [141]

    Johann Friedrich Jugler, Beyträge zur juristischen Biographie (wie Anm. 127), S. 244.

  • [142]

    Ebenda.

  • [143]

    Ebenda, S. 245.

  • [144]

    Christian Gottlieb Jöcher, Allgemeines Gelehrten-Lexicon, 3. Bd. (wie Anm. 128), Sp. 307.

  • [145]

    Johann Friedrich Jugler, Beyträge zur juristischen Biographie (wie Anm. 127), S. 245.

  • [146]

    Ebenda.

  • [147]

    Ebenda, S. 246.

  • [148]

    Ebenda.

  • [149]

    Stintzing/Landsberg (wie Anm. 128), S. 240 f.; Aufstellung seiner Arbeiten bei: Johann Friedrich Jugler, Beyträge zur juristischen Biographie (wie Anm. 127), S. 249 ff.

  • [150]

    Nach dem Findbuch zu den Konsilien der Signaturen UA Tübingen 84/15 und 84/16.

  • [151]

    Johann Friedrich Jugler, Beyträge zur juristischen Biographie (wie Anm. 127), S. 247 f.

  • [152]

    Ebenda.

  • [153]

    Unter der Signatur 84 des Universitätsarchivs Tübingen findet man die meisten erhaltenen Gutachten. Die Angegebenen finden sich in: UA Tübingen 84/13, 84/15 und 84/16.

  • [154]

    UA Tübingen 84/15, S. 548-575; im Hauptstaatsarchiv in Stuttgart: HStA Stuttgart A 209, Bü. 2064; in Druck: Erici Mauritii [...] Consiliorum Chiloniensium specimen sive responsa de jure XXX. quae nomine Collegii Jctorum, quaedam etiam suo, in Academia Chiloniensi, conscripsit. Accedunt, eorum quae edi nondum potuerunt loco, XII. alia ejusdem Autoris, olim nomine Celeberrimae Facultatis Juridicae [...] reddita. [...] Chiloni [...] 1669, S. 287- 312 [im 2. Teil].

  • [155]

    Historischer Atlas von Baden-Württemberg, hrsg. von der Kommission für Geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Stuttgart 1972, Karte VI.13, Nr. 57.

  • [156]

    UA Tübingen 84/15, S. 548.

  • [157]

    Vgl. Ludwig Jagemann und Wilhelm Brauer, Criminallexikon. Nach dem neusten Stande der Gesetzgebung in Deutschland, Erlangen 1854, verwendet wurde die Ausgabe Köln/Wien 1976 des fotomechanischen Nachdrucks Leipzig 1975, S. 632 s.v. Unzucht.

  • [158]

    Sein Name findet sich nur in der Abschrift in der Tübinger Sammlung. Die Ausfertigungen, die an die Gerichte geschickt wurden, wie in diesem Fall die in Stuttgart erhaltene, waren nicht mit dem Namen des Autors versehen.

  • [159]

    Vgl. zum folgenden: Jochen Geipel, Die Konsiliarspraxis der Eberhard-Karls-Universität und die Behandlung der Ehrenverletzung in den Tübinger Konsilien (Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde, 4. Bd.), Stuttgart 1965, S. 42 ff.

  • [160]

    Sönke Lorenz, Die Rechtsauskunftstätigkeit der Tübinger Juristenfakultät in Hexenprozessen (ca. 1552-1602), in: Hexenverfolgung. Beiträge zur Forschung - unter besonderen Berücksichtigung des südwestdeutschen Raumes, hrsg. von Sönke Lorenz und Dieter R. Bauer (Quellen und Forschungen zur europäischen Ethnologie, Bd. 15), Würzburg 1995, S. 241.

  • [161]

    UA Tübingen 84.

  • [162]

    Erici Mauritii [...] Consiliorum Chiloniensium specimen sive responsa de jure XXX [...] Chiloni [...] 1669 (wie Anm. 154), S. 287 ff.

  • [163]

    UA Tübingen 84/15, S. 548. Im folgenden sind Abkürzungen in eckigen Klammern aufgelöst und der Einheitlichkeit halber sowohl Schrägstriche als auch Kommas mit einem Komma angegebenen, ansonsten bleiben Schreibweise und Zeichensetzung der Quellen unverändert.

  • [164]

    Da die Namen der drei Angeklagten in verschiedenen Schreibweisen bestehen, sollen hier die in der Literatur verwendeten Schreibweisen gebraucht werden: Vgl. Hartwig Weber, „Von der verführten Kinder Zauberei". Hexenprozesse gegen Kinder im alten Württemberg, Sigmaringen 1996, S. 202 ff.

  • [165]

    Historischer Atlas von Baden-Württemberg (wie Anm. 155), Karte VI.10.

  • [166]

    UA Tübingen 84/15, S. 548.

  • [167]

    Ebenda.

  • [168]

    Ebenda, S. 550.

  • [169]

    Dieses erste Gutachten ist heute noch einzusehen: HStA Stuttgart A 209, Bü. 2064.

  • [170]

    UA Tübingen 84/15, S. 550.

  • [171]

    Ebenda, S. 552.

  • [172]

    Ebenda, S. 554.

  • [173]

    Ebenda, S. 556.

  • [174]

    Ebenda, S. 558.

  • [175]

    Sönke Lorenz, Die Rezeption der Cautio Criminalis in der Rechtswissenschaft zur Zeit der Hexenverfolgung, in: Friedrich Spee (1591-1635). Düsseldorfer Symposium zum 400. Geburtstag. Neue Ergebnisse der Spee-Forschung, hrsg. von Theo G. M. van Oorschot, Bielefeld 1993, S. 137 f.

  • [176]

    Zur Sicherstellung wurden 39 Tübinger Gutachten zu Hexenprozessen aus dem Archiv, UA Tübingen 84/8-84/15, im Zeitraum von 1632 bis zu diesem Gutachten von 1661 geprüft. Eine Erwähnung der Cautio Criminalis konnte nicht ausfindig gemacht werden.

  • [177]

    UA Tübingen 84/15, S. 558.

  • [178]

    Ebenda, S. 559.

  • [179]

    Ebenda, S. 560.

  • [180]

    Wolfgang Behringer, Meinungsbildende Befürworter und Gegner der Hexenverfolgung (wie Anm. 53), S. 229.

  • [181]

    UA Tübingen 84/15, S. 561 f.

  • [182]

    Wolfgang Schild, Hexenglaube, Hexenbegriff und Hexenphantasie (wie Anm. 34), S. 16 und Anm. 61.

  • [183]

    UA Tübingen 84/15, S. 564.

  • [184]

    Vgl. Friedrich Spee, Cautio Criminalis, dubium 28, argumentum 4. In der hier verwendeten Ausgabe, hrsg. von Theo G. M. van Oorschot (Friedrich Spee. Sämtliche Schriften. Historisch-kritische Ausgabe, 3. Bd.), Tübingen und Basel 1992: S. 99 ff.; in Übersetzung: Ebenda, S. 316 f.

  • [185]

    UA Tübingen 84/15, S. 565.

  • [186]

    Friedrich Spee, Cautio Criminalis (wie Anm. 184), dubium 43, S. 149 f.; in Übersetzung: S. 376 ff.

  • [187]

    Vgl. UA Tübingen 84/15, S. 560, 565, 571, 573.

  • [188]

    Ebenda, S. 566.

  • [189]

    In der gedruckten Fassung sind diese, bei ansonsten gleichem Wortlaut, zu nur 10 Punkten zusammengefaßt: Erici Mauritii [...] Consiliorum Chiloniensium specimen sive responsa de jure XXX [...] Chiloni [...]1669 (wie Anm. 154), S. 305.

  • [190]

    UA Tübingen 84/15, S. 566 f.

  • [191]

    Ebenda, S. 571.

  • [192]

    Sönke Lorenz, Der Hexenprozeß (wie Anm. 93), S. 73.

  • [193]

    Ebenda, S. 72 f.; derselbe, Die Rechtsauskunftstätigkeit der Tübinger Juristenfakultät in Hexenprozessen (wie Anm. 160), S. 278.

  • [194]

    UA Tübingen 84/15, S. 573 f.

  • [195]

    Ebenda, S. 574 f.

  • [196]

    Ebenda, S. 575.

  • [197]

    Hartwig Weber, Hexenprozesse gegen Kinder im alten Württemberg (wie Anm. 164), S. 202 f.

  • [198]

    Ebenda, S. 203.

  • [199]

    Ebenda, S. 204 ff.

  • [200]

    Ebenda, S. 205.

  • [201]

    HStASt A 209, Bü. 2064; Hartwig Weber [Hexenprozesse gegen Kinder im alten Württemberg (wie Anm. 164)]schreibt diese Verhaftung hätte im Juni 1662 stattgefunden, was sich leicht anhand der Akten, aber auch anhand des Datums des Tübinger Konsiliums widerlegen läßt.

  • [202]

    Hartwig Weber, Hexenprozesse gegen Kinder im alten Württemberg (wie Anm. 164), S. 203.

  • [203]

    Ebenda, S. 204.

  • [204]

    Vgl. zum folgenden: HStASt A 209, Bü. 2064.

  • [205]

    Ebenda.

  • [206]

    Anita Raith, Hexenprozesse beim württembergischen Oberrat, in: Hexenverfolgung. Beiträge zur Forschung-unter besonderen Berücksichtigung des südwestdeutschen Raumes, hrsg. von Sönke Lorenz und Dieter R. Bauer (Quellen und Forschungen zur Ethnologie, Bd. 15), Würzburg 1995, S. 101-121, insbesondere S. 121.

  • [207]

    UA Tübingen 84/16, S. 854-859.

  • [208]

    Günter Jerouschek, Die Hexen und ihr Prozeß. Die Hexenverfolgung in der Reichsstadt Esslingen (Esslinger Studien, Schriftenreihe Bd. 11), Esslingen 1992,. S. 144, 161, 164.

  • [209]

    Ebenda, S. 136 ff.; Gisela Vöhringer-Rubröder, Reichsstadt Esslingen, in: Hexen und Hexenverfolgung im deutschen Südwesten, Bd. 2, hrsg. von Sönke Lorenz (Volkskundliche Veröffentlichungen des Badischen Landesmuseums Karlsruhe, Bd. 2/2), Ostfildern 1994, S. 353 ff.

  • [210]

    Ebenda, S.353; Historischer Atlas von Baden-Württemberg (wie Anm. 155), Karte VI.13, Nr 9.

  • [211]

    UA Tübingen 84/13, S. 190-204.

  • [212]

    Sönke Lorenz, Der Hexenprozeß (wie Anm. 93), S. 76.

  • [213]

    Zur quastation, bzw. dem schnellen konnte in der einschlägigen Literatur nichts gefunden werden. Es geht aber aus dem Kontext hervor, dass es sich um eine Verschärfung der Folter gehandelt haben muss.

  • [214]

    UA Tübingen 84/16, S. 855.

  • [215]

    Ebenda.

  • [216]

    Zur Besiebnung bzw. besiebnen vgl.: Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm, Bd. 1, verwendet wurde der Nachdruck der Erstausgabe Leipzig 1854, München 1984, Sp. 1621.

  • [217]

    UA Tübingen 84/16, S. 855.

  • [218]

    Vgl. Wolfgang Schild, Die Geschichte der Gerichtsbarkeit, München 1980, S. 162.

  • [219]

    UA Tübingen 84/16, S. 855.

  • [220]

    Ebenda, S. 856.

  • [221]

    Ebenda, S. 857.

  • [222]

    UA Tübingen 84/16, S. 858; das Zitat weicht nur in den ersten zwei Worten vom exakten Wortlaut der angegebenen Textstelle aus der zweiten Ausgabe der Cautio Criminalis (wie Anm. 184) ab.

  • [223]

    UA Tübingen 84/16, S. 858.

  • [224]

    Ebenda, 859.

  • [225]

    Sönke Lorenz, Der Hexenprozeß (wie Anm. 93) S. 74.

  • [226]

    Ebenda.

  • [227]

    Günter Jerouschek, Die Hexen und ihr Prozeß (wie Anm. 208), S. 144, 157, 161, 164.

  • [228]

    Ebenda S. 214.

  • [229]

    In Tübingen ist das Gutachten zeitlich falsch eingeordnet:UA Tübingen 84/13 S. 157-189; in Esslingen: StA Esslingen, Reichsstadt, Fasc. 55, Nr 26; es findet sich erstmals abgedruckt in: Thesauri consiliorum et decisionum appendix nova. Continens quaedam inferanda operi Dedekenno-Gerhardino: Das ist: Vornehmer Universitäten/ Hochlöblicher Collegien, wohlbestallter Consistorien auch sonst hochgelahrter Theologen und Juristen Rath/ Antwort [...] in Druck gegeben durch M. Christianum Grübelium [...] Jena [...] 1671, S. 784-794; da das Gutachten im Tübinger Archiv zu spät entdeckt wurde, wird im folgenden nach dem erneuten Abdruck des Gutachtens zitiert: Dn. Erici Mauritii [...] Dissertationes et opuscula [...] in unum volumen collecta. Accessit praefatio, Dn. Joannis Nicolai Hertiii [...] Olfen [...] 1692, S. 1139-1168.

  • [230]

    Dn. Erici Mauritii [...] Dissertationes et opuscula [...] Olfen [...] 1692 (wie Anm. 229), S. 1139 f.

  • [231]

    Dieses findet sich noch bei den Tübinger Spruchkopialen: UA Tübingen 84/16, S. 180-191.

  • [232]

    Es wird aus Gründen der Einheitlichkeit die Schreibweise der Namen verwendet, die schon Günter Jerouschek in seiner Untersuchung der Esslinger Hexenprozesse (wie Anm. 208) verwendet hat.

  • [233]

    Dn. Erici Mauritii [...] Dissertationes et opuscula [...] Olfen [...] 1692 (wie Anm. 229), S. 1140.

  • [234]

    Ebenda.

  • [235]

    Ebenda, S. 1141.

  • [236]

    Ebenda, S. 1142.

  • [237]

    UA Tübingen 84/16, S. 180-191.

  • [238]

    Ebenda.

  • [239]

    Günter Jerouschek, Die Hexen und ihr Prozeß (wie Anm. 208), S. 136 ff.; Gisela Vöhringer-Rubröder, Reichsstadt Esslingen (wie Anm. 209), S. 353.

  • [240]

    Dn. Erici Mauritii [...] Dissertationes et opuscula [...] Olfen [...] 1692 (wie Anm. 229), S. 1142.

  • [241]

    Ebenda, S. 1143

  • [242]

    Ebenda, S.1144.

  • [243]

    Wie Anm. 222.

  • [244]

    Dn. Erici Mauritii [...] Dissertationes et opuscula [...] Olfen [...] 1692 (wie Anm. 229), S. 1149.

  • [245]

    Ebenda S. 1146.

  • [246]

    Franz Helbing und Max Bauer, Die Tortur. Geschichte der Folter im Kriminalverfahren aller Zeiten und Völker, verwendet wurde der 2. Neudruck der Ausgabe Berlin 1926, Aalen 1983, S. 190, 192.

  • [247]

    Dn. Erici Mauritii [...] Dissertationes et opuscula [...] Olfen [...] 1692 (wie Anm. 229), S. 1147.

  • [248]

    Dn. Erici Mauritii [...] Dissertationes et opuscula [...] Olfen [...] 1692 (wie Anm. 229), S. 1151.

  • [249]

    Ebenda S. 1151 f.

  • [250]

    Ebenda S. 1153 f.

  • [251]

    Auch hier wird, trotz der eingängigeren Formulierung im Tübinger Gutachten, im folgenden die Schreibweise Gohlanna beibehalten, da diese auch in der Arbeit von Günter Jerouschek (wie Anm. 208) verwendet wird.

  • [252]

    Dn. Erici Mauritii [...] Dissertationes et opuscula [...] Olfen [...] 1692 (wie Anm. 229), S. 1155.

  • [253]

    Ebenda, S. 1156 f.

  • [254]

    Ebenda, S. 1158.

  • [255]

    Ebenda.

  • [256]

    Ebenda.

  • [257]

    Ebenda, S. 1158 f.

  • [258]

    Edda Fischer, Die „Disquisitionum Magicarum Libri Sex" (wie Anm. 67), S. 108.

  • [259]

    Dn. Erici Mauritii [...] Dissertationes et opuscula [...] Olfen [...] 1692 (wie Anm. 229), S. 1159.

  • [260]

    Ebenda 1160.

  • [261]

    Ebenda.

  • [262]

    Ebenda, S. 1162.

  • [263]

    Ebenda, S. 1164.

  • [264]

    Ebenda, S. 1165.

  • [265]

    Ebenda, S. 1166.

  • [266]

    Ebenda.

  • [267]

    Vgl. Günter Jerouschek, Die Hexen und ihr Prozeß (wie Anm. 208), S. 136 ff.; Gisela Vöhringer-Rubröder, Reichsstadt Esslingen (wie Anm. 209), S. 353 ff.

  • [268]

    Günter Jerouschek, Die Hexen und ihr Prozeß (wie Anm. 208), S. 136.

  • [269]

    Gisela Vöhringer-Rubröder, Reichsstadt Esslingen (wie Anm. 209), S. 353.

  • [270]

    UA Tübingen 84/16 S. 180-191; Die Angabe bei Günter Jerouschek (wie Anm. 208) in Kapitel 5 Anm. 35, das Gutachten würde sich unter der Signatur 85/1 befinden, ist falsch.

  • [271]

    UA Tübingen 84/16, S. 186.

  • [272]

    Ebenda, S. 187.

  • [273]

    Günter Jerouschek, Die Hexen und ihr Prozeß (wie Anm. 208), S. 152 f.

  • [274]

    Ebenda.

  • [275]

    Ebenda S. 147 ff.

  • [276]

    Ebenda 199 f.

  • [277]

    Ebenda 202.

  • [278]

    Ebenda 203.

  • [279]

    Ebenda 215.

  • [280]

    Gisela Vöhringer-Rubröder, Reichsstadt Esslingen (wie Anm. 209), S. 354.

  • [281]

    Günter Jerouschek, Die Hexen und ihr Prozeß (wie Anm. 208), S. 147 f.

  • [282]

    Gisela Vöhringer-Rubröder, Reichsstadt Esslingen (wie Anm. 209), S. 358.

  • [283]

    Günter Jerouschek, Die Hexen und ihr Prozeß (wie Anm. 208), S. 219 f.

  • [284]

    Sönke Lorenz, Der Hexenprozeß (wie Anm. 93), S. 73.

  • [285]

    Vgl. Carolina (wie Anm. 89), Art. 52.

  • [286]

    Zur Tübinger Spruchpraxis in Hexensachen: Sönke Lorenz, Die Rechtsauskunftstätigkeit der Tübinger Juristenfakultät in Hexenprozessen (ca. 1552-1602), in: Hexenverfolgung. Beiträge zur Forschung - unter besonderen Berücksichtigung des südwestdeutschen Raumes, hrsg. von Sönke Lorenz und Dieter R. Bauer (Quellen und Forschungen zur europäischen Ethnologie, Bd. 15), Würzburg 1995, S. 241-279, insbesondere S. 278; Paul Gehring, Der Hexenprozeß und die Tübinger Juristenfakultät, in: Zeitschrift für württembergische Landesgeschichte 1 (1937) S. 157-188, 370-405; ebenda, 2 (1938), S. 15-47.

  • [287]

    Dissertatio inauguralis, De denuntiatione sagarum, iisque quae ad eam recte intellegendam faciunt. Quam deo auspice decreto amplissimi jurisconsultorum ordinis, praesidie Erico Mauritio [...] submittit Christopherus Daurer/Hamburg. Tubingae. Excudit Georgius Kerner, 1664. Verwendet wurde der Druck von 1692 in:Dn. Erici Mauritii [...] Dissertationes et opuscula [...] Olfen [...] 1692 (wie Anm 229), S. 1035-1138.

  • [288]

    Vgl. Hans de Waardt, Abraham Palingh. Ein holländischer Baptist und die Macht des Teufels, in: Vom Unfug des Hexen-Processes. Gegner der Hexenverfolgung von Johann Weyer bis Friedrich Spee, hrsg. von Hartmut Lehmann und Otto Ulbricht (Wolfenbütteler Forschungen, Bd. 55), Wiesbaden 1992, S. 247-268.

  • [289]

    Dn Ericii Mauritio [...] Dissertationes et opuscula [...] (wie Anm. 229), Kap. I, S. 1037

  • [290]

    Ebenda, Abs. I, S. 1037.

  • [291]

    Ebenda, Abs. IV, S. 1039 f.

  • [292]

    Ebenda, Abs. VI - XXXII, S. 1040-1062.

  • [293]

    Neben der von Mauritius aufgeführten Stelle wird diese Frau noch mehrmals von Horaz erwähnt. Vgl. die Zusammenstellung in: Der neue Pauly. Enzyclopädie der Antike, hrsg. von Hubert Cancik und Helmut Schneider, Bd. 2, Stuttgart 1997, S. 962 s. v. Canidia.

  • [294]

    Dn. Erici Mauritii [...] Dissertationes et opuscula [...] Olfen [...] 1692 (wie Anm. 229),Kap. I, Abs. XXIX, S. 1060.

  • [295]

    Ebenda, Abs. XXXI, S. 1062.

  • [296]

    Ebenda, Kap. II, S. 1062.

  • [297]

    Ebenda, Abs. I, S. 1063.

  • [298]

    Ebenda, Abs. II, S. 1063.

  • [299]

    Ebenda.

  • [300]

    Ebenda, Abs. VI, S. 1065.

  • [301]

    Ebenda, Abs., VIII, S. 1066.

  • [302]

    Ebenda, Abs. VIII - XX, S. 1066-1076.

  • [303]

    Ebenda, Abs. XXI, S. 1076 f.

  • [304]

    Ebenda, Abs. XXII-XXIV, S. 1077-1079.

  • [305]

    Ebenda, Abs. XXII, S. 1077.

  • [306]

    Ebenda, Abs. XXV-XXXII, S. 1079-1084.

  • [307]

    ADB (wie Anm. 127), S. 708.

  • [308]

    Dn. Erici Mauritii [...] Dissertationes et opuscula [...] Olfen [...] 1692 (wie Anm. 229), Kap. III, S. 1085.

  • [309]

    Ebenda, Abs. I, S. 1085

  • [310]

    Ebenda, Abs. II, S. 1085.

  • [311]

    Ebenda, Abs IV, S. 1087; Sönke Lorenz, Der Hexenprozeß (wie Anm. 93), S. 80.

  • [312]

    Dn. Erici Mauritii [...] Dissertationes et opuscula [...] Olfen [...] 1692 (wie Anm. 229), Abs IV, S. 1087; Sönke Lorenz, Der Hexenprozeß (wie Anm. 93), S. 80.

  • [313]

    Dn. Erici Mauritii [...] Dissertationes et opuscula [...] Olfen [...] 1692 (wie Anm. 229), Abs VI, S. 1088 f.

  • [314]

    Ebenda, Abs. VII, S. 1090.

  • [315]

    Ebenda, Abs. VIII, S.1091; Vgl. auch Carolina (wie Anm. 89), Art. 44.

  • [316]

    Ebenda, Abs. VIII-XIV, S. 1091-1097.

  • [317]

    Ebenda, Abs. XV, S. 1097.

  • [318]

    Ebenda, Abs. XVI, S. 1098.

  • [319]

    Ebenda, Abs. XVII, S. 1099 ff.

  • [320]

    Ebenda, S. 1100.

  • [321]

    Ebenda, Abs. XVIII, S. 1101.

  • [322]

    Ebenda, Abs. XIX, S. 1102 f.

  • [323]

    Das zitierte Gutachten ist erhalten: UA Tübingen 84/8 S. 548-550.

  • [324]

    Dn. Erici Mauritii [...] Dissertationes et opuscula [...] Olfen [...] 1692 (wie Anm. 229), Abs. XIX, S. 1103; und in fast gleichem Wortlaut: UA Tübingen 84/8, S. 549.

  • [325]

    Dn. Erici Mauritii [...] Dissertationes et opuscula [...] Olfen [...] 1692 (wie Anm. 229), Abs. XX, S. 1104 f.

  • [326]

    Ebenda, Abs. XXI, S. 1105.

  • [327]

    Ebenda, Kap. IV, S. 1106.

  • [328]

    Ebenda, Abs. II, S. 1107.

  • [329]

    Ebenda, Abs. III, S. 1109.

  • [330]

    Ebenda, Abs. IV, S. 1111.

  • [331]

    Ebenda, Abs. V, S. 1112.

  • [332]

    Ebenda, Abs. VI, S. 1113 f.

  • [333]

    Ebenda, Abs. VIII S. 1115.

  • [334]

    Ebenda.

  • [335]

    Ebenda, Abs. IX, S. 1115 f.

  • [336]

    Ebenda.

  • [337]

    Ebenda, Abs. X, S. 1116 f.

  • [338]

    Ebenda, Abs. XI S. 1117 f.

  • [339]

    Ebenda, Abs. XIV-XVI, S. 1120-1123.

  • [340]

    Ebenda, Abs. XVIII, S. 1123 ff.; Vgl. auch in leicht abgewandelter Form, Carolina (wie Anm. 89), Art. 31.

  • [341]

    Dn. Erici Mauritii [...] Dissertationes et opuscula [...] Olfen [...] 1692 (wie Anm. 229), Kap. IV, Abs. XX, S. 1127 f.

  • [342]

    Ebenda, Abs. XXI, S. 1129.

  • [343]

    Ebenda.

  • [344]

    Ebenda, Abs. XXV, S. 1132.

  • [345]

    Ebenda, Abs. XXVI, S. 1133 ff.

  • [346]

    Ebenda, S.1134.

  • [347]

    Ebenda, Abs. XXIX f., S. 1136 f.

  • [348]

    Ebenda, Abs. XXIX, S. 1136.

  • [349]

    Ebenda, Abs. XXXI, S. 1137.

  • [350]

    Darauf hat schon Sönke Lorenz hingewiesen, in: Die Rezeption der Cautio Criminalis in der Rechtswissenschaft (wie Anm. 175), S. 138.

  • [351]

    Thesauri consiliorum et decisionum appendix nova [...] Jena [...] 1671 (wie Anm. 229), S. 784-794.

  • [352]

    Le Journal des Scavans, Du Lundy 13. Dec. 1666, S. 584-587.

  • [353]

    Ebenda, S. 585.

  • [354]

    Ebenda, S. 587.

  • [355]

    Peter Oestmann, Hexenprozesse am Reichskammergericht (Quellen und Forschungen zur höchsten Gerichtsbarkeit im alten Reich, Bd. 31), Köln/Weimar/Wien 1997, S. 141.

  • [356]

    Zitiert nach: Peter Oestmann, Hexenprozesse am Reichskammergericht (wie Anm. 355), S. 141 und Anm. 310.

  • [357]

    Vgl. zur Frage wer als Gegner der Hexenverfolgung bezeichnet werden kann: Sönke Lorenz, David Mevius (wie Anm. 124), S. 305-324.

  • [358]

    H. C. Erik Midelfort, Witch Hunting in Southwestern Germany, 1562-1684. The Social and Intellectual Foundations, Standfort 1972, S. 54; Gerhard Schormann, Hexenprozesse in Nordwestdeutschland (Quellen und Darstellungen zur Geschichte Niedersachsens, Bd. 87), Hildesheim 1977, S. 41 f; Sönke Lorenz, Die Rezeption der Cautio Criminalis (wie Anm. 175), S. 136-140; Peter Oestmann, Hexenprozesse am Reichskammergericht (wie Anm. 355), S. 136-141.

Empfohlene Zitierweise

Nonnenmacher, Maximilian: Erich Mauritius. Reihe: Wissenschaftliche Qualifizierungsarbeiten zum Hexen- und Magieglauben, hg. von Katrin Moeller, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/7mzy7/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 10.07.2007

Zuletzt geändert: 24.03.2009


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