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Alchemie

Michael Horchler

24. September 2007

Die Alchemie ist mehr als nur Vorläuferin der modernen Chemie. Sie stellt ein komplexes wissenschafts- und kulturgeschichtliches Phänomen dar, das auf vielfältige Weise mit der europäischen Geistesgeschichte verwoben ist.

Begriff der Alchemie

Eine Definition des Begriffes „Alchemie“ ist recht schwierig, da die Alchemie keine homogene Ausprägung besaß, sondern vielmehr ein „komplexes alchemisches Kulturphänomen mit diversen Erscheinungsformen“ war (Haage 1996, S. 10).

Annäherungsweise ist die Alchemie „die Kunst, gewisse Materialien zu höherem Sein zu veredeln, und zwar derart, dass mit der Manipulation der Materie auch der um ihr Geheimnis ringende Mensch in einen höheren Seinszustand versetzt wird“ (Schütt 2000, S. 12).

Die Alchemie verfügt neben der Praxis auch über einen eigenen theoretischen Überbau. Diese alchemistische Theorie kann rein spekulative, ursprünglich griechische Naturphilosophie (Elementen- und Qualitätenlehre) sein oder eine bildhafte Verschlüsselung von Läuterungs- und Initiationsprozessen im alchemistischen Werk, wie in der Seele des Alchemisten, die einen ihrer Ursprünge in antiken Mysterien hat. Daneben treten auch medizinische Aspekte, wie zum Beispiel die Theorie der Panazee (das Allheilmittel) auf. Man kann also eigentlich nicht von der „Alchemie“ sprechen, sondern man muss vielmehr zwischen praktischer, theoretischer, naturphilosophischer, mystischer, medizinischer usw. Alchemie differenzieren. Gemeinsam ist all diesen Ausprägungen der Alchemie das Verschmelzen von Theorie und Praxis. Nur dort wo der chemisch-technische Praxisaspekt („practica“) und der philosophisch-spirituelle Aspekt des theoretischen Überbaus („theorica“) zu einer Einheit verbunden werden, kann man von Alchemie sprechen.

Der Begriff selbst kommt im 12. Jahrhundert durch die Übersetzungen arabischer Texte (arabisch al-kîmiyâ) ins Abendland. In lateinischen Texten ist er als alkimia, alquimia, alchimia und alchemia nachzuweisen. Die etymologische Wurzel des Terminus „Alchemie“ ist allerdings umstritten. Das Präfix „al-“ ist dabei das geringere Problem, denn hierbei handelt es sich um den arabischen bestimmten Artikel. Anders verhält es sich bei „chimia“. Die heute gängige Forschungsmeinung führt den Terminus auf griechisch „chéō“ („gießen“) zurück. Demnach bezeichnet dann „chymeía“ oder „chēmeía“ die Handwerkskunst, flüssiges Metall zu gießen.

Das alchemische Werk (opus alchemicum)

Das Ziel der Alchemie ist es, aus unedlen Stoffen mit Hilfe des Lapis philosophorum (Stein der Weisen) Edelmetalle, Edelsteine oder die Panazee herzustellen. Dazu muss der (unedle) Ausgangsstoff des Lapis zunächst zur prima materia, der ersten Materie, dem Urstoff, der in allen Stoffen enthalten ist, zurückgeführt werden, bevor diese zur ultima materia, der höchsten Materie, emporgeläutert werden kann. Aus dem so gewonnenen Lapis läßt sich im „großen Werk“ (opus magnum) Gold und im „kleinen Werk“ (opus minus) Silber aus unedlen Metallen herstellen. Die Stufen dieses alchemistischen Arbeitsprozesses wurden meist wie folgt beschrieben:

  • Kalzination: Oxydation durch Erhitzen bzw. Pulverisierung des Ausgangsstoffes.

  • Solution: Lösung in scharfen Flüssigkeiten. Darunter verstanden die Alchemisten ganz allgemein jede Verflüssigung eines festen Stoffes, wozu auch das Schmelzen zählt.

  • Putrefaktion: Verfaulung, wobei die dabei entstehende Schwarzfärbung (nigredo) als Tod der Substanz angesehen und oft als Schwarzer Rabe metaphorisch dargestellt wird, der jedoch als Weiße Taube (albedo) wieder aufersteht. Der Zustand der Schwarzfärbung wurde im Allgemeinen als die Rückführung zur prima materia begriffen.

  • Reduktion: Zurückführen des bei der Kalzination verflüchtigten Geistes mit Hilfe einer Flüssigkeit (philosophische Milch), wobei Gelbfärbung (citrinitas) entsteht.

  • Sublimation: durch die Rückführung der geistigen Substanz erreicht die vorhandene Materie einen höheren Wert als die prima materia. Die Heftigkeit dieser Reaktion wird häufig durch das Wüten des „Roten Drachen“ ausgedrückt, wobei Rotfärbung (rubedo) eintritt.

  • Koagulation oder Fixation: Verfestigung der nach dem Verfahrensprinzip solve et coagula (löse und verfestige) emporgeläuterten Materie.

  • Fermentierung (wird nur selten genannt): Zusetzen einer kleinen Menge meist Goldes zur Beschleunigung des Prozesses.

  • Lapis philosophorum, der Stein der Weisen (ultima materia), der häufig als schweres, dunkelrot glänzendes Pulver beschrieben wird.

  • Multiplikation: Vermehrung oder Vervielfachung des Lapis aus einem kleinen Rest.

  • Projektion: Einstreuen des pulverförmigen Lapis in unedles Metall, das dann zu Gold (bzw. Silber) transmutieren soll. Dieser Vorgang wird auch als Tingierung (Färbung) bezeichnet.

Theoretische Grundlagen

Die theoretischen Grundlagen der Alchemie sind vorwiegend in der griechischen Naturphilosophie zu suchen. Stark beeinflusst war die Theorica der Alchemie von der aristotelischen Idee, dass alle Dinge teleologisch danach streben, eine vollkommenere Form (Wesensform) zu erlangen, woraus in Verbindung mit der Lehre von der prima materia die alchemistische Transmutationsvorstellung entsteht. Daneben zog die in den mittelalterlichen Naturwissenschaften allgegenwärtige aristotelische Elementen- und Qualitätenlehre in der Alchemie ein und auch die von Aristoteles abgelehnten Korpuskulartheorien beeinflussten die Alchemie. Die auf Empedokles von Agrigent/Akragas zurückgehenden Korpuskulartheorien nehmen an, dass die vier philosophischen Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft aus kleinsten Teilchen, den Korpuskeln, zusammengesetzt sind. Diese sind prinzipiell teilbar. Eine Variante solcher Korpuskulartheorien ist die Atomtheorie (begründet von Leukippos und Demokritos), deren grundlegender Unterschied darin besteht, dass ihre Korpuskeln, die Atome, unteilbar sind, in Gestalt und Größe differieren und sich im leeren Raum bewegen.

Auf der Elementenlehre baut die Schwefel-Quecksilber-Theorie auf. Diese besagt, dass alle Stoffe, aus den beiden Prinzipien Schwefel und Quecksilber zusammengesetzt sind. Der philosophische Schwefel als das Prinzip des Brennbaren besteht dabei aus den Elementen Feuer und Luft und das philosophische Quecksilber als das Prinzip des Schmelzbaren aus den Elementen Wasser und Erde. Der Schwefel wird in diesem Zusammenhang auch als männliches Prinzip und das Quecksilber als weibliches Prinzip bezeichnet. In der Alchemie ist die Schwefel-Quecksilber-Theorie vor allem für metallurgische Betrachtungen von Bedeutung, wobei sich das Interesse auf das unbekannte Mengenverhältnis der beiden Substanzen im Gold konzentrierte, da ihr Mischverhältnis der Gradmesser der Kostbarkeit der Metalle ist. So hat der Schwefel (als das Schlechte und Vergängliche) im Gold nur färbenden Charakter, weshalb dieses das edelste Metall ist.

Alchemistische Praxis

Obwohl zu den tatsächlichen Arbeitsverhältnissen der Alchemisten Forschungen weiterhin notwendig sind, kann man doch festhalten, dass es ihnen möglich war, auch komplexe Experimente mit hoher Genauigkeit und Sorgfalt durchzuführen. Die Labortätigkeit war damit weniger – wie es lange die gängige Forschungsmeinung war – vom Zufall bestimmt, sondern meist von einem systematischen Arbeiten geprägt, auch wenn manche Entdeckung der Alchemisten sicherlich zufälliger Natur war (etwa die erneute Entdeckung des Porzellans durch Johann Böttger).

Ausdruck fand diese systematische Labortätigkeit in der Entwicklung zahlreicher alchemistischer Arbeitsmethoden, die auch in der modernen Chemie noch immer zum Einsatz kommen. Was den alchemistischen Arbeitsmethoden aber oftmals fehlte, ist eine Standardisierung, die erst mit der beginnenden modernen Chemie aufkam. Alchemische Begrifflichkeiten können daher sehr unterschiedliche Bedeutungen tragen, Beschreibungen von Arbeitsprozessen zur Gewinnung des Lapis philosophorum verschiedene metaphorische Decknamen besitzen.

Die wichtigste Laboroperation der Alchemie ist die Destillation. Sie zählt zu den bedeutenden Errungenschaften der Alchemie. Der Destillationsbegriff wurde bereits im heutigen Sinne gebraucht, er umfasste die Reinigung einer Flüssigkeit durch Erhitzen und die anschließende Kondensation der Dämpfe. Darüber hinaus wurden aber auch die Dekantation (das Reinigen einer Flüssigkeit durch Abgießen vom Bodensatz), die Circulation (das erneute Erhitzen bzw. Destillieren des bei der Destillation als Endprodukt entstandenen Rückflusses bzw. Destillats), die Filtration (Trennen von festen und flüssigen Bestandteilen eines Stoffes, meist mittels eines Filtermediums), die Liquation (Verflüssigen eines Stoffes durch Erhitzen oder das Zerfließen von Salzen durch Wasseranziehung aus der Luft) und die Sublimation von den Alchemisten zur Destillation hinzugerechnet.

Entsprechend unterscheidet bspw. Geber latinus (möglicherweise Paulus von Tarento) in seiner „Summa perfectionis magisterii“, dem theoretisch fundiertesten alchemistischen Text des Mittelalters, drei Formen der Destillation:

  • Die aufsteigende Destillation, worunter er eine dem modernen Destillationsbegriff entsprechende Vorgehensweise versteht.

  • Die absteigende Destillation: die Reinigung eines schmelzbaren Festkörpers durch vorsichtiges Ausschmelzen und Ableiten der Schmelze in einen untergestellten Tiegel wobei die schwer schmelzbaren Bestandteile des Stoffes als Rückstand übrig bleiben.

  • Die filtrierende Destillation: eine der Filtration ähnelnde Destillation. Dabei wurde das Gefäß mit der zu destillierenden Flüssigkeit (bzw. dem Flüssigkeitsgemisch) mit einem Tuch ausgelegt, das über den Gefäßrand hinausragte, so dass die Flüssigkeit durch die wirkenden Kapillarkräfte in dem Gewebe aufstieg und in ein untergestelltes Auffanggefäß tropfte.

Geschichte der Alchemie

Die ersten Anfänge der Alchemie reichen zurück ins hellenistische Ägypten, wo sie vermutlich in der praktischen Tätigkeit der Tempelwerkstätten ihren Ursprung hatten. Geprägt war diese Entstehungsphase der Alchemie von dem Versuch, Edelmetalle, Edelsteine, Perlen und seltene Farbstoffe (zum Beispiel Purpur) nachzuahmen, wie dies aus der Rezeptliteratur des Tempelwissens des Papyrus Leiden und des Papyrus Stockholm hervorgeht, die aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. stammen. Ebenfalls in diese Frühphase gehören die alchemischen Schriften des Bolos von Mendes (3. Jahrhundert v. Chr.), die von Pseudo-Demokrit in „Physika kai Mystika“ (um 300 n. Chr.) überliefert werden.

Die darauf folgende alexandrinische Alchemie zeichnet sich durch einen Synkretismus von griechischen, vorderasiatischen und ägyptischen Einflüssen aus. Es erfolgte dadurch vor allem die für die Alchemie so bedeutende Verbindung von griechischer Naturphilosophie mit dem praktischen Wissen der ägyptischen Tempelhandwerker. Vier Geistesströmungen haben dabei mitgewirkt: die Astrologie, die aristotelische Elementenlehre, die gnostische und neuplatonische Erlösungslehren, die auf die Natur übertragen wurden, sowie die ägyptische Mythologie. Zu diesen Anfängen der Alchemie zählen die Schriften von Zosimos von Panopolis (4. Jh.) und die „Tabula Smaragdina“, die dem Hermes Trismegistos, dem Urvater der Alchemie, zugeschrieben wird.

Die sich anschließende byzantinische Alchemie beginnt mit Olympiodoros (6. Jahrhundert). Sie entwickelt eine reiche Fachterminologie und baut vor allem die metaphorischen Verschlüsselungen der Arkansprache, der alchemistischen Geheimsprache, aus.

In der arabischen Alchemie werden die Erkenntnisse der Vorläufer aufgegriffen, weitertradiert und erweitert. Sie beruhte im Wesentlichen auf den spätantiken griechischen Naturwissenschaften. Es finden sich erste Ansätze der Iatrochemie oder Chemiatrie (alchemistische Heilmittelherstellung) im „Corpus Gabirianum“ (8.-10. Jahrhundert), das Dschābir ibn Hayyān (Geber arabicus, nicht zu verwechseln mit dem Geber latinus des 13. Jahrhunderts) zugeschrieben wird. Damit eng verbunden ist das Aufkommen der Idee der Panazee, die sich ebenfalls im „Corpus Gabirianum“ nachweisen lässt. Daneben wurde unter anderem die Schwefel-Quecksilber-Theorie entwickelt.

Aus der arabischen Alchemie entwickelte sich dann die abendländische Alchemie, deren erste Fachschriften Übersetzungen aus dem Arabischen sind. Im Abendland wird nach Übernahme der arabischen Alchemie im 12. Jahrhundert vor allem die Iatrochemie stark ausgebaut. Von besonderer Bedeutung war dabei seit dem 12. Jahrhundert die Herstellung des in der arabischen Alchemie unbekannten Weingeistes (spiritus vini) mittels Destillation.

Die abendländische Alchemie entwickelte nach der Rezeption der griechischen und arabischen Alchemie eine eigene Blüte. Diese Blütezeit war gekennzeichnet durch neue chemische Erkenntnisse in den Laboratorien, die Übertragung der griechischen und arabischen Texte ins Lateinische und in die Volkssprachen, den zunehmenden Gebrauch arkansprachlicher Verschlüsselungen und allegorischer Illustrationen sowie die „ungeheure Breitenwirkung“ der Alchemie und ihre Ausstrahlung auf andere Wissensgebiete und die Dichtung.

Zeugnis der weiten Verbreitung alchemistischen Gedankengutes und Wissens legen vor allem die in die Tausende gehenden Handschriften und Drucke ab, die im und nach dem 12. Jahrhundert entstanden sind.

Die so ins Leben gerufene, für das Spätmittelalter charakteristische Alchemie setzt sich aus antiker Naturphilosophie, Aristotelismus, Neuplatonismus, Gnosis, christlichem Gedankengut sowie praktisch-chemischer Betätigung zusammen. Der von ihr hervorgebrachte „Symbol- und Emblematafundus“ (Jüttner 1980, Sp. 331) hatte Einfluss auf das gesamte Geistesleben des Mittelalters, nicht nur auf Medizin, Pharmazie und Mineralogie.

Zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert und damit zwischen Mittelalter und Neuzeit steht Paracelsus, Theophrastus Bombastus von Hohenheim (1493/94-1541), mit seiner Betonung der Iatrochemie. Die alchemistische Herstellung von Arzneimitteln war jedoch schon lange vor Paracelsus bekannt, wobei hier vor allem Johannes de Rupescissa (14. Jahrhundert) als bekanntester Vorläufer zu nennen ist. Paracelsus schöpfte also aus früheren Traditionen. Dennoch war er der wirkungsmächtigste Förderer (al-)chemischer Heilmittel, womit er im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit zum Wegbereiter für die Entwicklung der modernen naturwissenschaftlichen Pharmazie wurde.

Die mehr praktisch orientierte „Chymia“, aus der die moderne chemische Wissenschaft hervorging, trennt sich erst zu Beginn der Neuzeit von der theoretischen „Alchemey“. Der Übergang von der Alchemie zur naturwissenschaftlichen Chemie stellt allerdings keine kontinuierliche Entwicklung dar, sondern ist ein überaus vielschichtiges Phänomen, so dass die Grenzen zwischen Chemie und Alchemie bis zum Beginn der naturwissenschaftlich-quantifizierenden Chemie im 18. Jahrhundert fließend waren. Dies zeigt sich auch an der kaum überschaubaren Masse der im 16./17. und der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstandenen Fachschriften alchemistischen, iatrochemischen sowie praktisch- bzw. naturwissenschaftlich-chemischen Inhalts.

Die Übergangsstufe zwischen Alchemie und naturwissenschaftlicher Chemie ist die Chymie. Sie zeichnet sich gegenüber der Alchemie dadurch aus, dass sich die Naturerkenntnis langsam vom Streben nach dem Lapis philosophorum emanzipierte und somit an Eigenständigkeit gewann. Obwohl noch immer an der Suche nach dem Lapis philosophorum festgehalten wurde, konnte allmählich der Weg zu fundierter naturwissenschaftlicher Erkenntnis und somit der Weg zur modernen Chemie geebnet werden.

Der Umschwung hin zur naturwissenschaftlichen Chemie wird von Robert Boyle (1627-1691) eingeleitet, der in „The Sceptical Chemist“ forderte, dass die Gültigkeit chemischer Theorien auf experimentellen Erfahrungen basieren müsse. Zum Abschluss kommt dieser Prozess mit der Mathematisierung, Mechanisierung und quantitativen Analyse in der Chemie Antoine Laurent Lavoisiers (1743-1794).

Einordnung ins Wissenschaftssystem des Mittelalters und der frühen Neuzeit

Die Alchemie verstand sich selbst als philosophisch-naturwissenschaftliches System, das nach Kenntnis und Beherrschung der Naturgesetze strebte. Oder um mit den Worten von Paracelsus zu sprechen: „Alchimia ist die khunst, die da vnnütz vom nutzen thut vnnd bringts in sein letzte materiam vnnd wesen“, womit er auf den alchemistischen Gedanken der Emporläuterung anspielt, der in der Transmutationsvorstellung zum Ausdruck kommt.

Trotz dieses Selbstverständnisses und ihres philosophischen Hintergrundes, konnte sich die Alchemie an den hohen Schulen und Universitäten des Mittelalters und der frühen Neuzeit niemals als eigene Disziplin etablieren. Aufgrund ihres handwerklichen Unterbaus, der Practica, kann man daher die Alchemie innerhalb des mittelalterlichen Wissenschaftssystems – zumindest bezüglich ihres Fachschrifttums – am ehesten den Artes mechanicae und dort dem Handwerk zuordnen. Obwohl diese Einteilung durchaus problematisch ist, bleibt festzuhalten, dass die Alchemie niemals zu den Artes magicae, den verbotenen Künsten, gezählt wurde. Auch Hans Hartlieb (um 1400-1468) rechnet in seiner Gesamtdarstellung der magisch-mantischen Künste, dem „Puch aller verpoten kunst“ (1455/56), die Alchemie nicht zu den verbotenen Künsten. Ganz im Gegenteil grenzt er die Alchemie deutlich von den dunklen Künsten ab. Selbst die von der Inquisition als „ars suspecta“ beobachtete Alchemie sowie immer wieder ausgesprochene Alchemieverbote (etwa die Bulle „Spondent quas non exhibent divitias pauperes alchymistae“ die Papst Johannes XXII. 1317 verabschiedete) richteten sich vor allem gegen betrügerische Goldmacher und Falschmünzer und nicht gegen die eigentliche naturkundliche Alchemie, die nach dem Lapis philosophorum forschte, der zur Gold- sowie Arzneimittelherstellung dienen sollte.

Literatur

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Michael Horchler, Die Alchemie in der deutschen Literatur des Mittelalters. Ein Forschungsbericht des ausgehenden Mittelalters. DWV-Schriften zur Medizingeschichte 2, Baden-Baden 2005.

Guido Jüttner, Alchemie, in: Lexikon des Mittelalters 1, München, Zürich 1980, Sp. 329-335.

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Bernhard Pabst, Atomtheorien des lateinischen Mittelalters. Darmstadt 1994.

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Rudolf Schmitz, Geschichte der Pharmazie, Bd. 1. Von den Anfängen bis zum Ausgang des Mittelalters, Eschborn 1998.

Hans-Werner Schütt, Auf der Suche nach dem Stein der Weisen. Die Geschichte der Alchemie, München 2000.

Empfohlene Zitierweise

Horchler, Michael: Alchemie. In: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller und Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/44zmx/

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Erstellt: 24.09.2007

Zuletzt geändert: 24.09.2007


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