Jülich Beilagen

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Hexenverfolgungen Jülich-Kleve-Berg, Vereinigte Herzogtümer: Beilagen

Erika Münster-Schröer (Bearbeitung und Kommentar)

15. Juli 2001

Auszug aus der Kellnereirechung des Amtes Angermund (1500)

Der Kellner führt hier Ausgaben für gerichtliche Untersuchungen in Fällen von vier der Zauberei angeklagten Frauen auf, die durch den Scharfrichter gefoltert worden waren. Zuvor war noch ein Magier, "Meister Konrad", hinzugezogen worden, der den Frauen einen "Wahrheitstrank" eingeflösst hatte.Zwei der Frauen wurden nach einem Geständnis in Ratingen hingerichtet.

[Aus: Erika Münster (Bearb.), Zaubereianklagen in Ratingen und Umgegend. Eine Dokumentation, Ratingen 1991, S. 33-38]

Item zwey wyff zo Angermont vmb tzoueryen wille begriffen waren, myt dem scharprichter versuechen laissen, dem scharprichter van yederm anslage gegeuen 18 alb. fac. 36 alb. licht. Ind den scharprichter vur syne tzerongh den dach gegeuen 6 alb. licht. Ind myt fronen ind thornknechten ind eyme perde eyn nacht ind den dsach verdain 12 alb. licht faciunt swar zo samen 1 1/2 o. gl. fac. 3 m.

Item noch tzwey wyff van Huckyngen zo Ratingen saissen, vmb tzoueryen wille doin versuechen, dem scharprichter van ickligem anslage gegeuen 18 alb ind vur syne tzeronge 6 alb. faciunt de tzweyn anslege 36 alb. ind myt tzerongen 42 alb. licht fac. swair 28 alb. 2 m 4 sh. br. (...)

Item des guedesdachs na Reminiscere de tzey wyff van Angermont zo Ratingen laissen voiren ind den seluen na yrem bekenntnisse recht ind scheffen oirdell wederfaren laissen na beuell myns gnedigen lieuen heren.

Item vur iserwerck der scharprichter dar zo hadde laissen machen an ketten, klammelen hick in dhamer. Davor dem smede gegeuen 2 o. gulden, 6 alb. licht fac. swair 36 alb. fac. 3 m.

Dem scharprichter vur synen loin gegeuen 5 o. gl. lichtz, fac. swair 3 o. gl. 8 alb., fac. 6 m 8 sh. br.

Item as dat gericht geschiet was betzalt vur de scheffen van Ratingen, vur de scheffen van Cruytzberg ind vur de scheffen van Angermont vur Johan Tzunder ind syn perd vort vur de vonff fronen mulner ind stat boden an tzerongen betzalt 6 o. gl. 8 alb. 4 d. licht fac. swair 4 o.gl. 5 alb. 4 d. fac. 8 m. 6 sh. 4 d. br.

Item vur wyn ind broit an dat gericht gegeuen 21 d. licht, faciunt swair 1 sh. 2 d. br.

Übertragung:

Sodann zwei Frauen, die in Angermund wegen Zaubereien gefasst wurden, durch den Scharfrichter versuchen lassen; dem Scharfrichter für jeden Anschlag 18 Albus gegeben, macht 36 Albus leicht. Und dem Scharfrichter für seine Zehrung pro Tag 6 Albus leicht gegeben. Und ich mit Bütteln und Gefängniswärtern und einem Pferd während eines Tages und einer Nacht 12 Albus leicht verbraucht, macht schwer zusammen 1 1/2 oberländische Gulden, macht 3 Mark.

Sodann saßen noch zwei Frauen aus Huckingen in Ratingen, die wegen Zaubereien versucht wurden. Dem Scharfrichter für jeden Anschlag 18 Albus gegeben und für seine Zehrung 6 Albus, macht zusammen die zwei Anschläge 36 Albus und it der Zehrung 42 Albus leicht, macht schwer 28 Albus oder 2 Mark, 4 Schilling brabans (...)

Sodann am Mittwoch nach Reminiscere die zwei Frauen von Angemrund nach Ratingen fahren lassen und selbigen nach ihrem Geständnis Recht und Schöffen Urteil widerfahren lassen auf Befehl meines gnädigen lieben Herrn.

Sodann hatte der Scharfrichter an Eisenzeug dazu machen lassen Ketten, Klammern, Haken und Hammer. Dafür dem Schmied 2 oberländische Gulden gegeben, 6 Albus leicht, macht schwer 36 Albus, macht 3 Mark.

Sodann dem Scharfrichter für seinen Lohn 5 oberländische Gulden leicht gegeben, macht schwer 3 oberländische Gulden, 8 Albus, macht 6 Mark, 8 Schilling brabans.

Sodann, als das Gericht vorbei war, den Schöffen von Ratingen, den Schöffen von Kreuzberg und den Schöffen von Angermund, Johann Tzunder und seinem Pferd, weiterhin den fünf Bütteln, Müller, und Stadtboten 6 oberländische Gulden , 8 Albus, 4 Denar leicht an Zehrung bezahlt, macht schwer 4 oberländische Gulden, 5 Albus, 4 Denar oder 8 Mark, 6 Schilling, 4 Denar brabans.

Sodann für Wein und Brot dem Gericht 21 Denar leicht gegeben, macht schwer 1 Schilling, 2 Denar brabans.

Kommentar:

Amts- und Stadtrechnungen sind, da sie serielle Quellen sind, eine eher spröde Überlieferung. Dennoch enthalten sie in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts oftmals auch erzählende Anteile. Besonders in den Stadtrechnungen lassen sich Injurienprozesse wegen des Zaubereivorwurfs finden. Das Stadtarchiv Ratingen erteilt hierzu gern weitere Auskünfte.

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Schreiben des Amtmann von Rheinberg, Hans von Boemelsberg (1499, 21.10.)

Er beantwortet die Anfrage des Richters von Ratingen und Angermund, Wilhelm von Hammerstein, die Verbrennung einer der Zauberei angeklagten Frau in Rheinberg betreffend. Gleichzeitig übersendet er das schriftliche Geständnis der Frau, das nachfolgend wiedergegeben ist.

[Aus: Erika Münster (Bearb.), Zaubereianklagen in Ratingen und Umgegend. Eine Dokumentation, Ratingen 1991, S. 28-29]

Item heft Giertken Blanckers bekannt, dat sy dat toyveren 20 jair gekunt heft ind so lange mittem duvel geboilt, ind sy heb ver capittel gehalten in der Woithessel mit naimen Fye Kaldeway ind Lyse opter Laeck ind meer anderen as des pastoirs maight van Alpen etc. Item up dit vurss. is sy gestorven.

Übertragung

Sodann hat Giertken Blanckers bekannt, dass sie das Zaubern 20 Jahre lang gekonnt und so lange mit dem Teufel gebuhlt habe, und sie habe 4 Versammlungen in der Woithessel abgehalten, mit Fye Kaldewey und Lyse opter Laeck und anderen wie des Pastors Magd von Alpen usw. Sodann ist sie auf diese Versicherung hin gestorben.

Kommentar:

Obwohl die Anklage, wie auch in allen anderen für die Vereinigten Herzogtümer in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts bekannten Fällen, auf Zauberei lautete, ist hier jedoch ersichtlich, dass schon 1499 den Amts- und Gerichtspersonen der gelehrte Hexenbegriff als Kumulativdelikt geläufig war.

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Aus der Chronik des Johann Wassenberch (1513/14)

Johann Wassenberch wurde 1454 in Duisburg geboren. Sein Vater, der Zinngießermeister Sander Wassenberch, war wahrscheinlich in jüngeren Jahren aus dem kleinen Städtchen Wassenberg, südwestlich von Mönchengladbach an der holländischen Grenze gelegen, nach Duisburg gezogen. Johann trat mit 20 Jahren als Ordensbruder in das Duisburger Johanniterhaus ein.Die Niederschrift seiner Chronik begann er im Jahr 1507. Sie umfasst den Zeitraum von 1474 bis 1517.

[aus: Arend Mihm (Bearb.), Die Chronik des Johann Wassenberch. Aufzeichungen eines Duisburger Geistlichen über lokale und weltweite Ereignisse vor 500 Jahren, Duisburg 1981, S. 128-131, Übertragung: Erika Münster-Schröer]

In den seluen jair [1513] wast eyn seeyr kalt wynter ende vroer an sente Mertijn mynt sente Pauls dach ende was eyn seyr kleyn vater, al soe dat al die putten verdruchten, ende was groet gebreck van vater. Ende die Ryn vroer van beneden mynt bauen Collen, al soe dat men dair auer gynck ende voer myt groeten swaeren touwen IIII ganse weken van Myd wynter mynt sent Pauls.

Dair nae veyl eyn groet snee mit eynen doeden weder, al soe dat yn drijn daghen quam eyn soe groeten water, ende brack dat ijss myt groeter gewalt ende dede groeten verderfliken schaden an moelen, an schippen, an dijken ende anderen wijden ende dyngen. To Collen dreuen al die Rijnmoelen aff ende to braken, dair eyn stat van Collen hedde vur moeghen leggen auer III m gulden. Toe Bijslick braeck der dijck doer ende machten groet lijden ende leyt in den lande. Ende al soe gerenclick ende onversynlich, als dat groete water quam, so gerencklich veylt weder en wech.

In den seluen jair woerden veyl toyfuerschen gebrant: By Walshem woerden twe gebrant op den V ten dach Alreheilgen maent ende dair nae noch VI.

Item op synt Elizabeth dach wart eyn gebrant toe Royrortz ende woenden bynnen Royrort.

Item toe Duysborch wart eyn gebrant op den VIII ten dach yn den Spurkell XV ende XIIII ende was van Waenheym.

In desen vurschreven jair [1514] verbonden sick dese nageschreuen lantz heren, soe wat den eynen auergynck, da solde oick den anderen auergaen, ende mackten eynen gemeynen vreden onder sick, myt namen: heer Philippus ertz bisschop van Collen, heer Eyrken hartoch van Sassen, eyn bysschop van Monster, ende hartoch Jan van Cleue, hartoch van Guylick ende vansden Berge, greue van der Marck etc.

In den seluen jair oip den XVI den dach in den Spurkell wart toe Roirort verbrant eyn toyfuersche tuysschen Roirort end der Knypen.

Übertragung:

In demselben Jahr [1513] war ein sehr kalter Winter, und es fror von St. Martins- bis St. Pauls Tag. Und es hat sehr wenig geregnet, so dass all die Brunnen vertrockneten, und so herrschte ein großer Wassermangel. Der Rhein fror von unten an bis oben nach Köln zu, so dass man darüber ging und fuhr mit großen, schweren Wagen, vier ganze Wochen von Mittwinter bis St. Pauls Tag.

Danach fiel ein großer Schnee, und gleichzeitig mit Tauwetter, und so kam in drei Tagen ein großes Wasser, und das brach das Eis mit großer Gewalt und richtete verderblichen Schaden an Molen, an Schiffen, an Deichen und anderen Weiden und Dingen an. Zu Köln trieben alle Rheinmolen ab und brachen. Dafür musste die Stadt Köln 4000 Gulden auslegen. Zu Bijslick durchbrach der Deich, und es verbreitete sich großes Leiden und Leid in dem Lande. Und ebeso schnell, wie das große Wasser kam, so ging es wieder weg.

In demselben Jahr wurden viele Zaubersche verbrannt: Bei Walsum wurden zwei gebrannt am 5. Tag nach Allerheiligen Mond, und danach noch sechs.

Am St. Elisabeths Tag wurde eine zu Ruhrort gebrannt, die auch in Ruhrort wohnte.

Zu Duisburg wurde am 8. Februar des Jahres 1514 eine gebrannt und sie war aus Wahnheim.

In diesem Jahr [1514] verbündeten sich die nachgeschriebenen Landesherren, und was den einen anghing, das sollte auch den andern angehen. Dies waren: Herr Philipp, Erzbischof von Köln, Herr Erich, Herzog von Sachsen, ein Bischof von Münster, Herzog Johann von Kleve, Herzog von Jülich und Berg, Graf von der Mark usw.

In demselben Jahr am 16. Februar wurde zwischen Ruhrort und dem Hof Knipp eine Zaubersche aus Ruhrort verbrannt.

Kommentar:

Johann Wassenberch berichtet über die Verbrennungen, als ob sie nicht Aussergewöhnliches gewesen wären. Breiten Raum widmet er der Schilderung des Wetters. Ob er ursächliche Zusammenhänge zwischen den Vorkommnissen sieht, bleibt letztendlich offen. Seit dem Ende des 15. Jahrhunderts ist zu beobachten, dass Verbrennungen von Zauberinnen gehäuft in direkt am Rhein gelegenen Orten vorkommen, ein Indiz für die für diese Zeit auch sonst zu beobachtende Ausbreitung der Prozesse entlang des Rheins von Süd nach Nord.

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Erstellt: 04.05.2006

Zuletzt geändert: 27.01.2009


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