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Surin, Jean-Joseph

Moshe Sluhovksy

(Übersetzung von Johannes Peisker)

9. Juli 2013

(English version)

* 1600 in Bordeaux, † 1665; französischer Jesuit, Mystiker, bekannt für seine Beteiligung am Exorzismus von Jeanne des Anges

I. Historische Bedeutung

Jeanne des Anges war die Priorin des Ursulinenklosters in Loudun und die Hauptfigur des bekanntesten Falls von Besessenheit im frühneuzeitlichen Europa. Durch seine Bemühungen, die Priorin zu exorzieren, entwickelte Surin eine originäre Exorzismustechnik, welche zwar die Befreiung der Priorin von ihren Dämonen bewirkte, jedoch ebenfalls die Dämonen von Surin Besitz ergreifen ließ. Surin verbrachte die folgenden achtzehn Jahre im Zustand der Stummheit und mentalen Unzurechnungsfähigkeit. Während Jeanne des Anges ihr restliches Leben als angesehene Mystikerin verbrachte, befand sich Surin in einem kleinen Raum eingesperrt, gelähmt, von Dämonen gequält und oft an Gott und seiner eigenen Erlösung zweifelnd. Das Drama des Exorzisten, der zum Besessenen wurde, avancierte zur Cause célèbre unter französischen Gelehrten ebenso wie unter Jesuitenkollegen. Während zwischen den Intellektuellen eine lebhafte Diskussion über die Gründe für Surins diabolische Besessenheit und seine geistige Stabilität tobte, brachten die Ereignisse Jesuiten in Verlegenheit. Für viele von ihnen war Surins Werdegang beispielhaft für die Problematik der anwachsenden Öffnung mancher Jesuiten gegenüber neuen mystischen und kontemplativen Tendenzen, die im Katholizismus des 17. Jahrhunderts an Popularität und Anhängern gewannen. Daher ist es bedeutsam, Surins Exorzismustechnik und seine eigene Besessenheit nicht allein in der Tradition von Besessenheit und Exorzismus, sondern auch innerhalb der Entwicklungen jesuitischer Kultur während der französischen Frühneuzeit nachzuvollziehen.

II. Kurzbiografie

In Bordeaux wurde Jean-Joseph Surin (geboren als Jean de Seurin) in eine Familie von Parlamentariern geboren – Menschen mit Verbindung zum juristischen Berufsstand der Stadt. Seine Mutter war karitativ tätig und mit den Karmelitern verbunden, deren Orden sie später beitrat. Während dieser Zeit existierte eine große spanische Gemeinde in Bordeaux, zu deren Mitgliedern Anhänger der kurz zuvor verstorbenen spanischen Mystiker Teresa von Ávila und Johannes vom Kreuz zählten. Beide Spanier sollten die französische und insbesondere die aquitanische Spiritualität in den 1620er und 1630er Jahren prägen. Wie auch andere Teile Frankreichs im 17. Jahrhundert, das als das „Jahrhundert der Heiligen“ bekannt wurde, erlebte Bordeaux zwischen 1600 und 1620 eine geistliche Wiederbelebung des Katholizismus. Die Anzahl der Klöster und Nonnenklöster in der Stadt verdoppelte sich, inklusive neuer oder reformierter Orden, unter ihnen Kapuziner, Paulaner, Ursulinen und Unbeschuhte Karmeliten. Entsprechend wuchs Surin in einem Umfeld intensiver katholischer Geistlichkeit auf, erfüllt von einem Gefühl des Triumphs und der Genesung nach einem halben Jahrhundert protestantischen Aufstiegs und verheerender Bürgerkriege.

Surin begann seine Ausbildung am Collège de la Madeleine in Bordeaux. Viele Jahre später erinnerte er sich wiederholt schriftlich an die Schwierigkeiten, die er zu jener Zeit erlebte. Er fühlte „Beklemmungen“ („serrements“) und Isolation und durchlebte regelmäßig heftige Ermüdungs- und Krankheitsphasen. 1616 trat er sein Noviziat bei den Jesuiten in Bordeaux an, die zu dieser Zeit in zwei Strömungen gespalten waren. Seit dem letzten Viertel des vorhergehenden Jahrhunderts hatten führende Jesuiten für eine spirituelle Reform des Ordens plädiert. Der „spiritualistische“ Ansatz wurde von neuen Kontemplationslehren geprägt, insbesondere von den jüngsten, oder kurz zuvor übersetzten, Erneuerungen durch Teresa von Ávila, Johannes vom Kreuz, Katharina von Siena und Jan van Ruysbroek. Ein nach Rom gesandter interner Bericht beklagte, dass die Brüder wegen ihrer geringen Anzahl nicht genügend Zeit hätten, „innerlichen Übungen“ nachzugehen aufgrund der unfangreichen „äußerlichen“ also sozialer und erzieherischer Verpflichtungen. Doch obwohl die Provinz Aquitanien an der Spitze spiritueller Reformbemühungen stand und durch mindestens zwei Jesuitengeneräle von Rom aus gefördert wurde (Mercurian und Aquaviva), behielt der Aktivismus Oberhand gegenüber innerlichen und spirituellen Betätigungen. Man warnte vor „Illusionen“, die aus Kontemplation resultierten.

Surin selbst stand größtenteils der „mystischen“ Strömungen nahe. Bereits als Schüler nahm er kraftvolle spirituelle Begegnungen wahr. An Wochenenden verbrachte er oft viel Zeit im Karmeliterkloster, wo er sich einer „Lichtinfusion“ unterzog, die „ohne Zutun seinerseits seine Seele erfüllte und in Besitz nahm“ (Surin 1834, Catéchisme Spirituel, II, Kap. 6). Alle seine folgenden spirituellen Erfahrungen, so schrieb er viel später, waren nichts als „Erinnerungen“ dieser frühen Begegnung mit dem Göttlichen. Sein Streben nach spirituellen und mystischen Erfahrungen war seinen Vorgesetzten suspekt; diese instruierten seine Lehrer, den jungen Novizen aufmerksam zu beobachten und sicherzustellen, dass er innerhalb der Grenzen orthodoxer jesuitischer Spiritualität blieb.

Surin begann 1619, Philosophie im Jesuitenkolleg von La Flèche zu studieren, der besten Jesuitenschule in Frankreich, an der er sich für vier Jahre aufhielt. 1623 bis 1625 studierte er Theologie am Collège de Clermont in Paris, zwei weitere Jahre Theologie in Bordeaux, dann erneut zwei Jahre in Paris (1627-1628). Sein Umherumziehen war zumindest teilweise durch seine Krankheit bedingt. Vielleicht war sein Aufenthalt in Paris jedoch auch dadurch motiviert, die Gruppe der mystisch veranlagten aquitanischen Jesuiten aufzubrechen. Er wurde 1626 zum Priester geweiht und absolvierte 1629 sein Noviziat in Rouen. Danach wurde er angewiesen, Priester und Prediger zunächst in Bordeaux und dann in Saintonge zu werden. An letzterem Ort, ebendem Zentrum der hugenottischen Hochburg in Südwestfrankreich, war er unter anderem an der Rekonvertierung von Calvinisten beteiligt.

III. Exorzismus von Jeanne des Anges in Loudun

Als 1632 in Loudun die kleine Gemeinschaft von 17 Ursulinen von Dämonen besessen wurde, begann das dramatischste Ereignis in Surins Leben. Während der hauptsächlich von Kapuzinern durchgeführten Exorzismen wurde aufgedeckt, dass Urbain Grandier, Pfarrer der örtlichen Gemeinde von Saint-Pierre-du-Marché, die Nonnen mit Zauber belegt und ihre Besessenheit verursacht hatte. Grandier war als Frauenheld bekannt. Dieser Umstand hinderte die Priorin Jeanne des Anges nicht an dem Versuch (vielleicht animierte es sie sogar), ihn als Beichtvater zu gewinnen. Er lehnte ab und brachte dadurch sowohl die Priorin als auch andere Nonnen gegen sich auf. Da ihm sein Verhalten in der Stadt bereits weitere Feinde gemacht hatte, war es nicht überraschend, dass eine große Anzahl von Beschuldigungen gegen ihn auftauchte. Am 18. August 1633 wurde Grandier der Hexerei, schwarzen Magie und Verursachung dämonischer Besessenheit schuldig gesprochen. Am selben Tag wurde er auf dem Scheiterhaufen bei lebendigem Leib verbrannt.

Die Nonnen blieben jedoch besessen. Da die Kapuziner die Nonnen nicht von ihren Dämonen zu befreien vermochten, intervenierte der französische Premierminister Kardinal Richelieu persönlich in der Sache und ordnete an, dass die Jesuiten den Exorzismus übernehmen. Die Aufgabe wurde Surin, sechs weiteren Jesuiten und zwei Karmeliten übertragen. Surin sah seine neue Verantwortung als gottgewollt und entschloss sich bezeichnenderweise, den gesamten Weg nach Loudun zu laufen und ihn somit in eine Pilgerfahrt zu einer heiligen Stätte zu verwandeln. Er kam dort kurz vor Weihnachten 1634 an.

Obwohl ein Exorzismus ein großes Drama im Kampf zwischen den Kräften von Gut und Böse repräsentiert, entwickelte die Katholische Kirche nie einen Kanon von vorgeschriebenen Praktiken und Beschwörungen, die während einer Zeremonie angewendet werden sollten. Traditionelle Exorzismusriten umfassten Bibellesungen, Heiligeninvokation und Rezitationen heiliger Namen und etablierter Formeln, die in der Vergangenheit ihre Wirksamkeit gegen Dämonen gezeigt hatten. Der verbale Teil des Exorzismus wurde begleitet von physischen Handlungen, u.a. Berühren des Besessenen mit der Stola, Versprühen von Weihwasser und häufig das Schlagen des besessenen Körpers, um dem darin befindlichen besitzenden Wesen Schmerz zuzufügen. Obwohl oft im Privaten durchgeführt, geriet Exorzismus während der Religionskonflikte des 16. Jahrhunderts in Frankreich zu einem wesentlichen Mittel religiöser Propaganda. In der zweiten Hälfte des 16. und im frühen 17. Jahrhundert fanden viele Exorzismen in der Öffentlichkeit mit hunderten und manchmal tausenden anwesenden Augenzeugen statt, was die Katholische Kirche theoretisch missbilligte, praktisch aber ermutigte. Besonders in Loudun war dies der Fall, einer zwischen Protestanten und Katholiken gespaltenen Stadt, wo die theatralische Repräsentation des Kampfes zwischen Gut und Böse die Aufmerksamkeit vieler tausend Besucher aus ganz Frankreich und so weit entfernten Orten wie England und Italien auf sich zog.

Bereits vor seiner Ankunft konzipierte Surin „[...] die Idee, dass er die Seelen, die ihm anvertraut werden würden, durch ruhiges und geduldiges Einschärfen des Prinzips des innerlichen Lebens retten könne. Und dass er durch dieses Mittel, eher als auf irgendeinem anderen Weg, die Dämonen in extreme Rage versetzen würde“ ("Se forma l'idée du dessein de Dieu qui était que, part tranquillité et patience, il s'employât au soulagement des âmes qui lui seraient données, en leur incluquant les maxims de la vie intérieure, et que par icelles plutôt que par author voie, il mettrait les démons en une extrême rage"; Surin 1990, Triomphe, S.19). Die besessene Seele zu überzeugen, sich dem Gebet und der Buße hinzugeben, war nach seiner Meinung ein besserer Weg, den Teufel zu bekämpfen, als das bestehende Exorzismus-Instrumentarium. Der Weg zur Kontemplation vollzog sich durch das Gespräch mit der besessenen Frau über die Tugenden des innerlichen Lebens und über die göttliche Liebe: „Ich werde in die Ohren der besessenen Nonne über Gott und seine Liebe flüstern, und wenn ich damit erfolgreich bin, dass meine Worte ihr Herz durchdringen, werde ich für Gott eine Seele gewinnen“ ("je parlerai de Dieu et de son amour aux oreilles de la possédée, et si je puis faire entrer mes propos en son Coeur, je gagnerai un âme à Dieu" (Surin 1990, Triomphe, S. 19). In ihrer eigenen Autobiografie erinnerte sich Priorin Jeanne des Anges, dass Surin Psalmen flüsterte und lobend über Kontemplation sprach (Des Anges 1990, S. 112, 116).

Es ist diese Technik, die im Mittelpunkt von Surins Begegnung mit dem Gottseibeiuns stand. Glücklicherweise schrieb Surin während des Exorzismus eine sehr große Anzahl Briefe, die sein Vorgehen dokumentierten. Viele davon inkorporierte er später in Triomphe de l'amour divin sur les puissances de l'Enfer, ein Buch, dass er 1636 zu schreiben begonnen hatte, aber erst nach seiner Erholung in den 1650ern vollendete.

Im Gegensatz zu den in vergleichbaren Fällen allgemein angewandten Exorzismusmethoden oder den von seinen Vorgängern in Loudun benutzten spezifischen Techniken, verließ sich Surin auf den vertraulichen Austausch zwischen Exorzist und Dämon. „Um mehr mit einem inneren Pfad zu arbeiten als mit dem Tumult der Worte, und die Herzen und die Zuneigung der vom Dämon geärgerten Seelen zu gewinnen, und sie davon zu überzeugen, sich dem Gebet und Gottes Gegenwart hinzugeben, um so der Macht des Bösen zu widerstehen“ (Surin 1990, Triomphe, S. 19). Tatsächlich verwendete Surin ein ihm bekanntes System, nämlich die Seelenführung in ihrer jesuitischen Form. Ignatius von Loyola betonte in seinen Geistlichen Übungen (Exerzitien) die Bedeutung der Seelenbegleitung als Mittel, um auf dem spirituellen Weg voranzukommen. Der Leiter soll fortwährend dialogische Beziehungen mit der angeleiteten Person unterhalten, ihn oder sie vor Abweichungen vom rechten Pfad schützen und spezielle spirituelle Übungen in Übereinstimmung mit dem Fortschritt des Ausübenden anweisen. Die Seelenführung ermöglichte es dem Praktizierenden, interne Energien und Erkenntnisse zu sammeln, um externe Ablenkungen zu bekämpfen und Versuchungen zu widerstehen. Auf diese Weise glaubte Surin, dass die Kultivierung der Innerlichkeit Mutter Jeanne des Anges‘ es ihr ermöglichen würde, ihre Seele Gott preiszugeben und den besitzenden Dämon auszustoßen, der gequält würde durch die Begegnung mit Gottes unendlicher Liebe innerhalb der Seele der Priorin (Surin 1990, Triomphe, S. 19). Surins Methode basierte folglich auf der Pflege der Seele, indem diese zu kompletter Übereinstimmung mit der Liebe Gottes gebracht und die Seelenaktivität auf die Beobachtung der Bewegungen der darin befindlichen Gnade reduziert wird. Diese Praktik war genau das, was der „aktivere“ Flügel des Jesuitenordens befürchtete, als er den geistlichen Flügel angriff.

Obwohl Surin selbst seine Exorzismusmethode „eine Innovation“ und „Neuartigkeit“ nennt, war sie bereits vorher nicht gänzlich unbekannt (Surin 1990, Science, S. 383). Mittelalterliche Handbücher für Exorzisten und eine Reihe italienischer Exorzisten, die in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts praktizierten, nennen das Flüstern in die Ohren Besessener. Unter anderem wurde es vom erfolgreichsten und bekanntesten italienischen Exorzisten der Zeit, Girolamo Menghi, in seinem Flagellum Daemonum empfohlen (Menghi 1578; vgl. Brucker 1971; Biblioteca Vaticana). Allerdings haben wir keine Möglichkeit festzustellen, ob Surin mit dieser Praxis vertraut war. Jedenfalls war der Inhalt seines Geflüsters andersgeartet: Für ihn ging es nicht darum, Beschwörungen zu flüstern, sondern die besessene Priorin zu einem Leben im Einklang mit Gott zu führen, indem er sie von der Kraft göttlicher Liebe überzeugte.

Bezeichnenderweise führte Surin seinen Seelenführungs-Exorzismus in Latein und nicht Französisch durch. Verstand Jeanne des Anges sein Latein? Eine hagiographische Aufzeichnung ihres Lebens aus dem 17. Jahrhundert teilt uns mit, dass sie bereits mit vier oder fünf Jahren gute Lateinkenntnisse erwarb („La vie de la venerable Mère Jeanne des Anges . . . recueillie de ses propres écrits,“ Archive du monastère de la Visitation, Le Grand Fougeray, Ille-et-Vilaine, 2 vols., 1:2). Während des Exorzismus antwortete sie jedoch in Französisch auf Fragen, die in Latein an sie gerichtet wurden, und allen Anwesenden war klar, dass es die Dämonen waren, welche die Fremdsprache verstanden, und nicht die Priorin selbst. Wenn Jeanne des Anges Surins Anweisungen tatsächlich nicht verstanden hat, könnte behauptet werden, dass Surin ein Element der Beschwörung in seiner Seelenführung beibehielt. Surins Seelenführung überwand, ähnlich traditionellen Beschwörungen, linguistische Einschränkungen. Noch als kleiner Junge hatte Surin selbst interessanterweise eine ähnliche Fähigkeit erlebt, spirituelle Botschaften über eine Sprachgrenze hinweg zu verstehen. Seinen frühesten Seelendialog führte er mit der spanischen Mutter Isabelle des Anges, Priorin des Karmeliterklosters in Bordeaux, zu deren Ordenshaus er an Wochenenden gewöhnlich flüchtete. Das Französisch der Mutter war dürftig und Surins Spanisch nicht existent, und dennoch unterhielten sie eine Konversation, die ihn zu seiner ersten und wichtigsten Seelenerfahrung führte.

Der Dialog war nicht nur für den Exorzismus der Priorin in Loudun Surins bevorzugte Methode, sondern auch für seinen früheren Austausch mit Isabelle des Anges. Er wandte diese Methode bei seiner gesamten Kommunikation mit der Außenwelt an. In seinem Leben schrieb er tausende Briefe, von den 700 überliefert sind. Er war stets selbstsicherer, wenn er Frauen adressierte, welche die Mehrheit der Empfänger seiner Briefe darstellten. Ähnlich der Seelenführung waren seine Briefe gleichzeitig sowohl privat als auch öffentlich. Er setzte einen weiten Kreis gottesfürchtiger Frauen in Kenntnis darüber, was mit ihm, Jeanne des Anges und den Dämonen geschah; und er bat diese gläubigen Frauen oft, seine Briefe an andere individuelle Nonnen oder ganze Klostergemeinschaften weiterzugeben. Im Gegenzug verwendete er spirituelle Briefe von strenggläubigen Frauen als ein Mittel, Dämonen zu exorzieren, indem er sie den Dämonen laut vorlas und sie somit „belästigte“ (Surin 1966, Correspondance, S. 255; vgl. Houdard 2000, S. 331-347).

IV. Surins dämonische Besessenheit

Während die ersten Etappen des Exorzismus erfolgreich waren, organisierten die Dämonen einen Gegenangriff. Bereits im Januar 1635 begann Surin, selbst unter dämonischer Besessenheit zu leiden. Schlangen begannen, sich in seinem Körper zu bewegen und liefen später in ihm Amok und hielten ihn von Essen und Schlaf ab. Bilder schöner Frauen erschienen zur jeder Tages- und Nachtzeit vor seinen Augen, und bald darauf begann er, Gott zu verfluchen, unverständliche Töne zu murmeln und auf dem Boden zu rollen. Seine Exorzistenkollegen stellten fest, dass Jeanne des Anges‘ Dämon wahrscheinlich vom Körper der Priorin in seinen gesprungen sei. Als er zuerst von seiner Besessenheit hörte, war Surin begeistert. Er hatte bereits zu Gott gebetet, den Dämon der Priorin in seinen Körper zu transferieren, und jetzt erfüllte Gott seinen Wunsch. Gleich den besessenen Nonnen, die sich täglich auf diesem dämonischen Golgatha in Loudun opferten, hatte er nun die Möglichkeit, Jesus Christus nachzuahmen (Surin 1966, Correspondance, S. 257). Während seiner Besessenheit fühlte Surin, dass er zwei Seelen in sich vereine: „Ich kann Ihnen nicht erklären, was während dieser Zeit in mir passierte und wie sich dieser Geist mit meinem vereinigte, mich weder meiner Sinne beraubend noch der Freiheit der Seele, und dennoch wie ein anderes Ich-Selbst wurde, und als ob ich zwei Seelen hätte, eine, die ihrem Körper und dem Gebrauch seiner Organe enteignet ist und beiseite tritt, den Taten der anderen, die sich eingenistet hat, zusehend. Diese beiden Geister tragen miteinander auf dem Feld, das der Körper ist, Kämpfe aus; und die Seele selbst ist wie gespalten und, mit einem Teil von sich selbst, der Gegenstand diabolischer Wirkungen und, mit dem anderen, der Gegenstand von Bewegungen, die ihre eigenen sind oder die ihr Gott gibt.“ (Surin 1966, Correspondance, S. 263-264).

Für lange Zeit fühlte er sich selbst von diesen zwei Kräften gleichzeitig besessen. Eine stieß ihn in den Abgrund der Einsamkeit und des Selbstzweifels, wo er erwog und sogar versuchte, seinem Leben ein Ende zu setzen. Die andere verschaffte ihm „außergewöhnliche Gnaden“ in der Form von Ekstasen. Während dieser schrecklichen Jahre ließ ihn sein Dämon mehr als einmal an der Lehre der Katholischen Kirche zweifeln bezüglich solch grundlegender Belange wie der Realpräsenz Gottes in der Eucharistie oder sogar, ob die erschaffene Welt das Werk von Gott oder Satan war.

Surin war sehr explizit in seinem Beharren auf den Ähnlichkeiten zwischen dämonischer Besessenheit und göttlicher Besessenheit. Beide, glaubte er, fungieren als Zugang zu göttlichen Geheimnissen und beide finden innerhalb der Seele statt. Gemäß der üblichen aristotelischen/augustinischen Topographie der Seele wurde von Theologen gemeinhin behauptet, dass Dämonen die Körper besitzen, aber nicht die Seele durchdringen können, oder wenigstens nicht die höherwertigen Teile der Seele. Beispielsweise folgt Jeanne des Anges diesem Verständnis, als sie insistierte, dass die Dämonen die untergeordneten Teile ihrer Seele bewohnten, aber nie Zugang zu den vorrangigen Teilen erlangten (Des Anges 1990, S. 77-80). Surin erschien es jedoch, als ob das dämonische Wesen und das göttliche Wesen exakt dieselben Teile seiner Seele besaßen, oder, wie er es formulierte, als ob er zwei Seelen besaß. Folglich löschte er damit die Grenzen zwischen dämonischer Besessenheit und mystischer (göttlicher) Besessenheit. Strukturell, physisch und morphologisch waren die beiden Erfahrungen ähnlich. Weiterhin war Surin der Ansicht, dass Jeanne des Anges‘ Besessenheit, und später seine eigene, göttliche Gnaden waren, die es ihm ermöglichten, die Geheimnisse der Gottesliebe eher zu erfahren als zu erlernen. Diese Betonung von Erfahrung an Stelle von Gelehrsamkeit als Schlüssel zum Verstehen war freilich ein weiteres umstrittenes Thema der Spiritualität des 17. Jahrhunderts. Für Surin war Loudun ein Beweis, dass der mystisch orientierte Flügel des Ordens den richtigen Weg beschritt. Der Dämon, sagte er, war eine „Fackel, welche die Dunkelheit erhellt“ (Surin 1990, Science, S. 129).

Surins Beteiligung an der Besessenheit endete 1637, als er dem Dämon zum Opfer fiel und in arbeitsunfähig verfiel. Während der folgenden zwanzig Jahre (1637-1655) lebte er in einem kleinen Raum im Collège de la Madeleine in Bordeaux in einem Zustand des Mutismus und konnte die meiste Zeit nicht sprechen, schreiben oder laufen. Sein Zustand begann sich 1654 zu verbessern. Sofort nahm er seine Korrespondenz wieder auf. Während dieser Zeit schrieb er seine bedeutendsten spirituellen und mystischen Werke, darunter Cantiques spirituels (1639-1655), Catéchisme spirituel (1654-1655), und sein Traktat Traité de l'amour divin (1658-1661) und Le Triomphe de l'amour divin, worin Surin versuchte, den Sinn seiner Erfahrungen in Loudun und seines Leidensweges zu verstehen. In den beiden letzten Werken, die er schrieb, fasste er seine mystische Theologie und die Erkenntnisse aus seinen Jahren des Wahnsinns zusammen: La science expérimentale des choses de l'autre vie (1663) und Questions importantes de la vie spirituelle (1664). Er starb zwei Jahre später, kurz nach dem Tod von Jeanne des Anges, seiner langjährigen Vertrauten und der Frau, mit der er die dramatische Begegnung mit Satan teilte, die zu einem tieferen Verständnis von Gott führte.

Quellen

Jeanne des Anges, Autobiography, hg. von Gabriel Legué und Gilles de la Tourette, Paris 1886; rep. mit Anhang von Michel de Certeau, Grenoble 1990.

Biblioteca Vaticana, ms. Pal. Lat 794, 68r.

Girolamo Menghi, Flagellum Daemonum, Bologna 1578.

Jean-Joseph Surin, Catéchisme spirituel, Paris 1834.

Ders., Poésies spirituelles suivies des Contrats spirituels, hg. von Etienne Catta, Paris 1957.

Ders., Guide spirituel pour la perfection, hg. von Michel de Certeau, Paris 1963; rep. 2008.

Ders., Correspondance, hg. von Michel de Certeau, Paris 1966.

Ders., Le Triomphe de l'amour divin sur les puissances de l'enfer; et La science expérimentale des choses de l'autre vie, hg. von Jacques Prunair, Grenoble 1990.

Ders., Cantiques spirituels de l'amour divin, hg. von Benedetta Papasogli, Florenz 1996.

Literatur

Mino Bergamo, La Scienza dei santi, Firenze 1984.

Henri-Marie Boudon, L'Homme de Dieu en la personne du R.P. Jean-Joseph Surin, religieux de la Compagnie de Jésus, Chartres 1683.

Henri Bremond, Histoire littéraire du sentiment religieux en France depuis la fin des guerres de religion jusqu'à nos jours (5 Bde.), Paris 1916-36.

Stanislas Breton, Deux Mystiques de l'excès: Jean-Joseph Surin et Maître Eckhart, Paris 1985.

Gene Brucker (Hg.), The Society of the Renaissance Florence. A Documentary Study, New York 1971.

Michel de Certeau, Introduction zu Jean-Joseph Surin, hg. von Michel de Certeau, Paris 1966.

Michel De Certeau (Hg.), La Possession de Loudun, Paris 1980.

Michel Dupuy, Surin, in: Dictionnaire de spiritualité ascétique et mystique, Bd. 14, Paris 1994, Sp. 1311-1325.

Etudes carmélitaines 23:2 (1938), eine Artikelsammlung von hauptsächlich Jesuiten über Surin.

Sarah Ferber, Demonic Possession and Exorcism in Early Modern France, London 2004.

Sophie Houdard, Expérience et écriture des 'Choses de l'autre vie' chez Jean-Joseph Surin, in: Littérature Classiques 39 (2000), S. 331-347.

Leszek Kolalowski, Chrétiens sans Eglise. La conscience religieuese et le lien confessionnel au XVIIe siècle, Paris 1969.

Nicholas D. Paige, Being Interior. Autobiography and the Contradictions of Modernity in Seventeenth-Century France, Philadelphia 2001.

Moshe Sluhovsky, Believe Not Every Spirit. Possession, Mysticism, and Discernment in Early Modern Catholicism, Chicago 2007.

English version

Joseph Surin (1600-1665), a French Jesuit and mystic, is mostly known today for his involvement in the exorcism of Jeanne des Anges.

Des Anges was the prioress of the Ursuline convent at Loudun and the main protagonist of the most celebrated case of demonic possession in early modern Europe. In his efforts to exorcise the prioress, Surin developed an original exorcismal technique that brought about the prioress's deliverance from her demons, but that also attached the demons to Surin himself. Surin spent the following eighteen years of his life in a state of mutism and mental incapacity. While Jeanne des Anges spent the rest of her life as a renowned mystic, Surin was locked up in a small room, paralyzed and tormented by demons, often doubting God and his own salvation. The drama of the exorcist-turned-demoniac became a cause célèbre among French savants, as well as among fellow Jesuits. While a lively discussion about the causes of Surin's diabolic possession and his mental stability was raging among intellectuals, Jesuits were embarrassed by the events. For many of them, Surin's dénouement became an example of what was wrong with the growing attraction of some Jesuits to new mystical and contemplative trends that were gaining popularity and adherents in seventeenth-century Catholicism. It is important, therefore, to understand Surin's exorcismal technique and his own possession not only within the tradition of possession and exorcism, but also within developments in Jesuit culture in the early modern French period.

Jean-Joseph Surin, (née Jean de Seurin) was born in Bordeaux in 1600 to a family of parlementaires – people connected with the legal profession in the city. His mother was involved in charitable works and was affiliated with the Carmelites, an order she later joined. In Bordeaux at the time, there was a large Spanish community which included among its members devotees of the recently deceased Spanish mystics Teresa of Avila and John of the Cross. Both Spaniards were to shape French, and especially Aquitaine, spirituality in the 1620s and 1630s. As in other parts of France in the seventeenth century, which came to be known as "The Century of Saints", Bordeaux witnessed a spiritual Catholic revival between 1600 and 1620. The number of monasteries and convents in the city doubled, including monasteries and convents of new or recently-reformed orders, among them the Capuchins, Minims, Ursulines, and the discalced Carmelites. Surin grew up, then, in an environment of intense Catholic spirituality, imbued with a sense of triumphalism and recovery following half a century of Protestant ascendancy and devastating civil wars. 

Surin began his education at the Bordelais collège of the Madeleine. Writing many years later, he repeatedly recalled the difficulties he experienced at the time. He felt "constrictions" ("serrements") and isolation, frequently going through severe periods of fatigue and illness. In 1616, he starts his novitiate with the Jesuits in Bordeaux, who at the time were divided between two tendencies. Since the last quarter of the previous century, leading Jesuits had been advocating a spiritual reform of the order. The "spiritualist" approach was shaped by new schools of contemplation, especially the recent, or recently translated, innovations of Teresa of Avila, John of the Cross, Catherine of Siena, and Ruusbroec. In Bordeaux, an internal report sent to Rome complained that due to their small number, the brothers did not have enough time to pursue "interior exercises" because of too many “exterior” social and educational obligations. But while the province of Aquitaine was at the forefront of the spiritual reform effort, an opposite tendency, which enjoyed the support of at least two Jesuit generals in Rome, Mercurian and d'Aquaviva, emphasized activism in the world over interior and spiritual pursuits and warned against "illusions" that result from contemplation.

Surin himself was very much part of the "mystical" tendency. Already as a student, he experienced powerful spiritual encounters. On weekends, he often spent much time in the Carmelite convent, where he underwent an "infusion of light" that "filled his soul and possessed it without any effort on his part" (Catéchisme spirituel, II, ch. 6). All of his following spiritual experiences, he wrote much later in life, were nothing but "reminiscences" of this early encounter with the divine. His pursuit of spiritual and mystical experiences was suspect by his superiors, who instructed his teachers to keep an eye on the young novice and make sure that he remained within the bounds of orthodox Jesuit spirituality.

In 1619, Surin started to learn philosophy in the Jesuit collège of La Flèche, the best Jesuit collège in France, where he stayed for four years. In 1623-25, he studied theology at the collège de Clermont in Paris, two additional years of theology in Bordeaux, then two years back in Paris (1627-28). At least part of his moving around was "because of his sickness", but it is also possible that his transfer to Paris was due to an attempt to break apart the mystically-inclined group of Aquitaine Jesuits. He was ordained to the ministry in 1626, and finished his novitiate in 1629 in Rouen. He was then assigned to become a priest and a preacher first in Bordeaux and then in Saintonge. In the latter place, the very heart of the Huguenot stronghold in southwestern France, he was involved, among other activities, in reconverting Calvinists.

The most dramatic event in Surin's life started in 1632 when the small community of seventeen Ursuline nuns in Loudun became possessed by demons. During exorcisms, conducted mostly by Capuchins, it was reveled that Urbain Grandier, curé of the local parish of Saint-Pierre-du-Marché, had put spells on the nuns and had brought about their possession. Grandier was known as a womanizer. This fact did not prevent (or, perhaps, even encouraged) the prioress Jeanne des Anges to try and recruit him as a confessor. He declined, and by so doing antagonized both the prioress and other nuns. Since his behavior had already gained him additional enemies in town, it was not surprising that a large number of accusations against him surfaced. On August 18, 1633, Grandier was found guilty of witchcraft, black magic, and inflicting demonic possession. He was burned alive at the stake the very same day.

The nuns, however, remained possessed. Since the Capuchins failed to deliver the nuns from their demons, Cardinal Richelieu, the French prime minister, intervened personally in the affair, and ordered that the Jesuits take over the exorcism. Surin and an additional six Jesuits and two Carmelites were assigned to the job. Surin saw his new responsibility as divinely ordained, and, significantly, chose to walk all the way to Loudun, turning it into a pilgrimage to a holy site. He arrived there shortly before Christmas, 1634.

While exorcism was a major drama of combat between forces of good and evil, the Catholic Church never developed a set of prescribed practices and adjurations to be used during the ceremony. Traditional rites of exorcism included readings from Scripture, invocation of saints, and recitations of holy names and of established formulae that had demonstrated their efficacy against demons in the past. The verbal part of exorcism was accompanies by physical acts, including touching the possessed individual with the stole, spraying holy water, and, often, beating the possessed body to inflict pain on the possessing entity within it. While often conducted in private, during the religious conflicts of sixteenth-century France, exorcism became a major means of religious propaganda, even a theater. Many exorcisms in the second half of the sixteenth century and the early seventeenth century took place in public, with hundreds and at time thousands of eyewitnesses present, something the Catholic Church condemned in theory but encouraged in practice. This was especially the case in Loudun, a city divided between Protestant and Catholics, where the theatrical representation of the struggle of good and evil attracted the attention of many thousands of visitors from all over France and from as far away as England and Italy.

It was even before his arrival that Surin "conceived of the idea that he could save the souls that would be entrusted to him by inculcating, tranquilly and patiently, the principle of the interior life. And that through this mean, rather than by any other way, he would put the demons in extreme rage." ("Se forma l'idée du dessein de Dieu  qui était que, part tranquillité et patience, il s'employât au soulagement des âmes qui lui seraient données, en leur incluquant les maxims de la vie intérieure, et que par icelles plutôt que par author voie, il mettrait les démons en une extrême rage", Triomphe, p. 19.) Persuading the possessed soul to devote itself to prayer and penitence was a better way to combat the devil than the existing apparatus of exorcism, he believed. The way to do it was to talk to the possessed woman about the virtues of interior life and about divine love: "I will whisper into the ears of the possessed nun about God and his love, and if I succeed in making my word penetrate her heart I will win a soul to God" ("je parlerai de Dieu et de son amour aux oreilles de la possédée, et si je puis faire entrer mes propos en son Coeur, je gagnerai un âme à Dieu" (Triomphe, 19). In her own autobiography, prioress Jeanne des Anges recalled that Surin whispered Psalms and talked in praise of contemplation (Autobiogrphie, 112, 116)

It is this technique that was at the center of Surin's encounter with the Evil One. Luckily, during the exorcism Surin wrote a very large number of letters explaining what he was doing. He later incorporated many of them into his Triomphe de l'amour divin sur les puissances de l'Enfer, a book he started writing in 1636 but did not complete until after his recovery in the 1650s. From the letters and the Triomphe we can reconstruct Surin's exorcismal theology and practices.

Unlike the methods of exorcism generally employed in similar cases or the specific techniques used by his predecessors in Loudun, Surin relied on intimate exchanges between the exorcist and the demon. "To work more by an inner path than by the tumult of words, and of winning the hearts and affections of those souls vexed by the demon, and of persuading them to devote themselves to prayer and God's presence, and thus resist the power of evil" (Triomphe, 19). In fact, Surin put to use a system he knew well, namely spiritual direction in its Jesuit mode. Igantius of Loyola emphasized in his Spiritual Exercises the importance of spiritual direction as a means to advance in the spiritual route. The director should maintain constant dialogical relations with the person being directed, guarding him or her against deviations from the right way, and assigning specific spiritual exercises according to the practitioner's progress. Just like spiritual direction, which enables the practitioner to gather interior energies and insights to combat exterior distractions and to overcome temptations, Surin believed that cultivating Mother Jeanne des Anges's interiority would enable her to surrender her soul to God and to eject the possessing demons, which would be tormented by their encounter with God's infinite love within the prioress's soul (Triomphe, 19). Surin's method, then, was based on the cultivation of the soul by adjusting it to complete conformity with God's love and by reducing the soul's activity to monitoring the movements of grace within it. This practice was exactly what the more "activist" wing of the Jesuit order feared when attacking the spiritualist wing.

While Surin himself calls his method of exorcism "an invention" and "novelty," it was not, in fact, totally unknown before. [1] Whispering into the ear of demoniacs is mentioned by medieval manuals for exorcists and by a number of Italian exorcists who practiced in the second half of the sixteenth century. Among others, it was recommended by the most prolific and famous Italian exorcist of the period, Girolamo Menghi in his Flagellum Daemonum. [2] However, we have no way of knowing whether Surin was familiar with the practice. In any event, the content of his whispers was different: for him it was not a matter of whispering adjurations but of leading the possessed prioress into a life of unity with God by convincing her of the power of Divine Love.

Significantly, Surin conducted his exorcism-cum-spiritual direction in Latin and not in French. Did Jeanne des Anges understand his Latin? A hagiographical seventeenth-century record of her life tells us that she was only four or five years old when she acquired a good knowledge of Latin. [3] But, when during her exorcism, she answered in French to questions that were put to her in Latin, it was clear to all present that it was the demons, rather than the prioress herself, who were comprehending the foreign language. If, in fact, Jeanne des Anges did not understand Surin's directions, it could be argued that Surin retained an element of adjuration in his spiritual direction. Like traditional adjurations, Surin's spiritual direction overcame linguistic limitations. Interestingly, when still a young boy Surin himself had experienced a similar ability to comprehend spiritual messages across a language barrier. His earliest spiritual dialogue was with the Spanish Mother Isabele des Anges, prioress of the Carmelite convent in Bordeaux, to whose convent he used to escape on weekends. The Mother's French was poor and Surin's Spanish non existent, and yet they maintained a conversation that led him to his first and most important spiritual experience.

Dialoguing was Surin's preferred method not only for the exorcism of the prioress of Loudun, but also for his previous exchanges with Isabele des Anges. He employed this method in all of his communications with the outside world. Throughout his life he wrote thousands of letters, of which seven hundred have survived. He was always more confident while addressing women, who were the addressees of the majority of his letters. Like spiritual direction, his letters were both private and public at the same time. He informed a large circle of devout women what was transpiring with him, Jeanne des Anges, and the demons; and he often asked these devout women to circulate his letters to other individual nuns or entire monastic communities. In return, he used spiritual letters from devout women as one of the means to exorcise demons by reading them out loud to the demons and thus "molested" them. [4]

While the first stages of the exorcism were successful, the demons organized a counter attack. Already in January 1635, Surin himself started suffering from demonic obsessions. Serpents started moving in his body and later ran amok within it, prevented him from eating or sleeping. Images of beautiful women appeared in front of his eyes at all hours of the day and the night, and soon after, he started cursing God, murmuring incomprehensible sounds, and rolling on the ground. His fellow exorcists determined that Jeanne des Anges's demon probably jumped from the prioress's body into his. When he first heard that he was possessed, Surin was delighted. He had already prayed to God to transfer the prioress's demon into his body, and now God fulfilled his wish. Like the possessed nuns, who sacrificed themselves everyday in this demonic Calvary in Loudun, he, too, now had the opportunity to imitate Jesus Christ. [5] During his possession, Surin felt that he had two souls within him: "I cannot explain to you what happened in me during this time and how that spirit unites itself with mine without depriving me either of my senses or of the liberty of soul, and becoming nevertheless as another myself (un autre moi-même), and as if I had two souls, one of which is dispossessed of its body and the use of its organs, and stands aside, watching the doing of the one that has inserted itself. These two spirits do battles with each other in the field that is the body; and the soul itself is as if divided and, by one part of itself, is the subject of diabolical impressions, and, by the other, the subject of movements that are its own or that God gives it". [6]

For many years afterwards, he felt himself possessed by these two powers concurrently. One was pushing him into the abyss of solitude and self doubt, where he contemplated and even tried to put an end to his life. The other gave him "extraordinary graces" in the shape of ecstasies. More than once during these terrible years, his demon led him to doubt the teaching of the Catholic Church concerning such fundamental issues as the Real Presence of God in the Eucharist or even whether the created world was the work of God or Satan.

Surin was very explicit in his insistence on the similarities between demonic possession and divine possession. Both, he believed, serve as an access to divine secrets and both take place within the soul. According to the standard Aristotelian/Augustinian topography of the soul, it was commonly argued by theologians that demons possess the bodies but cannot penetrate the soul or, at least, not the superior parts of the soul. Jeanne des Anges, for example, follows this understanding when she insisted that the demons inhabited the inferior parts of her soul bu never gained access to the superior parts (Autobiographie, 77-80). For Surin, though, it looked as if the demonic entity and the divine entity possessed exactly the same parts of his soul, or, as he put it, as if he had two souls. He thus erased the boundary between demonic possession and mystical (divine) possession. Structurally, physically, and morphologically, the two experiences were similar. Furthermore, Surin considered that Jeanne des Anges's possession, and later his own, were divine graces that enabled him to experience, rather than to learn, the mysteries of God's love. This emphasis on experience rather than learning as a key to comprehending was, of course, another contentious issue in seventeenth century spirituality. For Surin, Loudun was a proof that the more mystically oriented wing of the order was right. The demon, he said, was a "torch that illuminates the darkness" (Science, 129).

Surin's involvement with the possession ended in 1637, when he fell victim to the demon and became incapacitated. During the following twenty years (1637-1655), he was kept in a small room in the collège of the Madeleine in Bordeaux in a state of mutism, and most of the time could not talk, write, or walk. His conditions started to improve in 1654, and he immediately renewed his correspondence. During this time, he wrote his most important spiritual and mystical important works, among them Cantiques spirituels (1639-1655), Catéchisme spirituel (1654-1655), and his tractatae Traité de l'amour divin (1658-1661) and Le Triomphe de l'amour divin, in which Surin tried to make sense of his experiences in Loudun and thereafter. He summarized his mystical theology and his insights from his years of insanity in the last two works he wrote: La science expérimentale des choses de l'autre vie (1663) and Questions importantes de la vie spirituelle (1664). He died two years later, shortly after the death of Jeanne des Anges, his longtime confident, and the woman with whom he shared the dramatic encounter with Satan that led to a deeper understanding of God.

Bibliography

The best sources for Surin's life and theology are Michel de Certeau's many writings on the mystic. De Certeau's "Introduction" to his edition of Surin's Correspondance is excellent on the Jesuits in Bordeaux. [7] De Certeau also edited an edition of Surin's Guide spirituel pour la perfection (Paris, 1963; rep. 2008)

 

Anmerkungen

  • [1]

    Jean-Joseph Surin, Science expérimentale des choses de l'autre vie, 383.

  • [2]

    See, among others, the exorcism quoted in Gene Brucker, ed., The Society of the Renaissance Florence: A Documentary Study (New York, 1971); Biblioteca Vaticana, ms. Pal. Lat 794, 68r; Girolamo Menghi, Flagellum daemonum (Bologna, 1578).

  • [3]

    "La vie de la venerable Mère Jeanne des Anges . . . recueillie de ses propres écrits," Archive du monastère de la Visitation, Le Grand Fougeray, Ille-et-Vilaine, 2 vols., 1:2.

  • [4]

    Correspondance, p. 255. Cf. Sophie Houdard, "Expérience et écriture des 'Choses de l'autre vie' chez Jean-Joseph Surin," Littérature Classiques 39 (2000): 331-47.

  • [5]

    Letter to his aunt Mère Anne d'Arrérac, April 13, 1635; Correspondance, 257.

  • [6]

    Letter to Achille Doni Attichy, May 3, 1635; Correspondance, 263-4.

  • [7]

    Jean-Joseph Surin, Correspondance, ed. Michel de Certeau (Paris, 1966).

Empfohlene Zitierweise

Sluhovksy, Moshe: Surin, Jean-Joseph. In: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller und Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/45zud/

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Erstellt: 08.07.2013

Zuletzt geändert: 09.07.2013

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