P-Z

Wiesensteig, Hexenjagden in

Gary K. Waite

(Übersetzung von Johannes Peisker)

(english version)

13.Februar 2011

Wiesensteig, der Hauptort der kleinen südwestdeutschen Grafschaft Helfenstein und 1562/1563 Stätte der ersten großen Hexenpanik im Heiligen Römischen Reich der Reformationsära.

Obwohl die tatsächlichen Prozessakten nicht mehr existent sind, bezeugen ein Flugblatt, eine Chronik und andere zeitgenössische Quellen dieses Ereignis. Diese Hexenverfolgung ist besonders wichtig, da sie den Glauben förderte, Hexen seien nicht solitär, sondern Mitglieder einer großen Teufelssekte. Das religiöse Durcheinander und der Konfessionsstreit der Reformation stellten unmittelbare Hintergründe dieser Hexenjagd dar, besonders die Verfolgung einer Gruppe ‚echter‘ Häretiker, der Anabaptisten.

Auf einen Hagelsturm reagierend, der die Region Württemberg und Helfenstein am 3. August 1562 verwüstete, beschuldigten die Menschen aus Wiesensteig eine Hexensekte, und im Verlauf des Jahres richtete sein Gericht 63 von ihnen hin. Gemäß Dionysius Dreytwein (1498/1504-ca. 1585), ein lutherischer Chronist aus Esslingen (Württemberg), hatte sich das Wetter in der Region in den 1550er und 1560er Jahren tatsächlich verschlechtert, allerdings sah er, wie der lutherische Prediger Johannes Brenz (1490-1570), diese Katastrophen als Folge göttlicher Vorhersehung und nicht übernatürlicher Manipulation durch Dämonen oder Hexen an. 1560 führten schreckliche Stürme und Hunger zum Prozess und Verbrennen von zwei Hexen bei Maulbronn, die gestanden, Teufelspakte eingegangen und Wetterzauber begangen zu haben. 1562 verwüsteten Hagelstürme das Gebiet, von denen einer den Kirchturm von Göppingen zerstörte, was die Verhaftung von zwei weiteren Hexen in der Grafschaft Helfenstein auslöste. Dreytwein berichtet ebenfalls von wachsenden Ängsten vor Zauberei in etlichen anderen Städten und einem sich für Frauen generell verschlechternden Ruf.

Dann folgten zwei berichtenswerte Ereignisse: Erstens die Entdeckung, dass Anabaptisten eine große nächtliche Versammlung in einem Schluchtwald nahe Esslingen abhielten, was den Württemberger Hof Anfang Juli veranlasste, die Festnahme der Teilnehmer zu befehlen. 28 wurden festgenommen, sieben weibliche Verdächtige jedoch ohne Verhör entlassen. Die 21 Männer wurden befragt und die Beamten waren schockiert, dass einige von ihnen über 25, einer davon gar über 60 Kilometer zu dem Treffen angereist waren. Die Gefangen den Juli und August hindurch verhörend, stellte der herzogliche Hof Nachforschungen in der gesamten Region an, Hintergrundanalysen der Verdächtigen durchführend und Berichte von verschiedenen Beamten erhaltend. Die Anabaptisten drückten eine stark anti-klerikale Geisteshaltung gegenüber den lutherischen Pastoren und deren angeblich ‚gottlosen Leben’, welche ihrer Predigt des Evangeliums Lügen straften, aus. Anti-Klerikalismus spielte auch in vielen deutschen Hexenprozessen eine bedeutende Rolle.

Am 3. August, inmitten dieses neu belebten Regierungsinteresses an geheimen Anabaptistenversammlungen, entlud sich der desaströse Hagelsturm. Am 10. August 1562 beschwerte sich Matthias Stehelin, der Vogt von Güglingen, bei Herzog Christoph von Württemberg, dass eine der Anabaptistinnen, Margret Biererin, von Satan und einem täuferischen ‚Winkelpediger‘, den er ‚Satans wahren Geistlichen‘ nannte, ‚geblendet und dickköpfig‘ gemacht worden sei. Dies war lediglich eines von unzähligen Beispielen der Bemühungen orthodoxer Priester und Beamter, Anabaptisten zu dämonisieren.

Dreytwein berichtet von beiden juristischen Aktionen und beschreibt die Verhaftung der Täufer als unfaire Unterdrückung frommer Leute durch ‚gottlose Heiden‘ und schob die Schuld für das unangenehme Wetter auf solche unnötigen Verfolgungen, die Gott erzürnten. In seinen Einträgen über das schlechte Wetter der Region bis August 1562 findet sich kein Hinweis auf kollektive oder sektiererische Hexenaktivität wie einen Hexensabbat oder -tanz. In seinem Eintrag zu dem Hagelsturm vom 3. August hält er Berichte über einige Frauen fest, die gesehen worden waren, einen unvorstellbaren Tanz auf dem Frauenberg bei Stuttgart aufzuführen; viele waren verhaftet und schon exekutiert. In anderen Worten, während Dreytwein die von so vielen lutherischen und katholischen Polemikern gegen die Täufer verwendete dämonisierende Rede ignoriert hatte, gelangte er zu der Überzeugung, dass sich der Teufel mit bösen Frauen auf nächtlichen Versammlungen traf. Kunde von tatsächlichen geheimen Täuferzusammenkünften scheint sich mit dem alten Stereotyp des Hexensabbats verbunden zu haben, um ein extrem lebhaftes und glaubwürdiges Bild dämonischen Tummelns und Verschwörung zu schaffen, den Blicken der göttlichen Gemeinde entzogen.

Was bei der Festlegung des Verfolgungsniveaus tatsächlich eine Rolle spielte, war die Einstellung der Herrscher. Entgegen ihrem mächtigeren Nachbarn, Herzog Christoph von Württemberg, hatten die Grafen von Helfenstein, Sebastian († 1564) und Ulrich († 1570), den reformatorischen Impulsen bis 1555 widerstanden, als sie Herzog Christoph baten, ihnen einen frommen lutherischen Geistlichen zu senden. Ihre Annäherung an das Luthertum wurde erschwert durch Auseinandersetzungen zwischen Proto-Calvinisten und orthodox-lutherischen Predigern, welche zu Streit in Fragen wie etwa der Notwendigkeit des Kleinkindexorzismus vor der Taufe führte. Des Grafen Familie drängte ebenfalls zu einer Rückkehr zum Katholizismus. Zu der Zeit der Hexenverfolgung war Graf Ulrich jedoch besorgt über die „götzendienerischen Missbräuche“ der katholischen Religionspraxis und suchte nach einer Alternative, nicht nur das Luthertum, sondern auch Calvinismus, Anabaptismus und Caspar von Schwenckfelds Spiritualismus erwägend. Persönliche besuchte er die Verhöre von Schwenckfeldianern und ‚Mitgliedern anderer Sekten‘, deren Ansichten er schließlich als ‚Fehler und obstinate Meinungen‘ verwarf. 1567 stimmte Ulrich endgültig zu, die Grafschaft zum Katholizismus zurückzuführen.

Im August 1562, inmitten dieser religiösen Konfusion und Auseinandersetzung, akzeptierte Graf Ulrich die Gerüchte über Wettermagie und befahl die Verhaftung einer Reihe von Hexen aus der Umgebung Wiesensteigs. Darin wurde er von dem unkonventionellen lutherischen Prediger aus Esslingen, Thomas Naogeorgus oder Kirchmeyer (1508-1563), unterstützt. Naogeorgus widersprach dem bedeutenden lutherischen Theologen Johannes Brenz, der bestritt, dass Hexen, auch mit Hilfe des Teufels, Stürme zusammenbrauen könnten. Naogeorgus‘ enthusiastische Hexenjagdpredigten führten den Esslinger Magistrat am 18. August dazu, einen Verweis zu erteilen, ihn ermahnend, die Erregung der Bevölkerung zu unterlassen. Da Naogeorgus selbst verdächtigt wurde, schwärmerischen Glaubensvorstellungen anzuhängen, könnte er versucht haben, Häresievorwürfe auf andere abzulenken.

Herzog Christoph und Esslingens Regierung folgten Brenz‘ Logik und schrieben an Graf Ulrich, seine Handlungen zu erklären. Ihnen wurde mitgeteilt, dass Graf Ulrich bereits den Tod von sechs Hexen angeordnet hatte und das eine Reihe Wiesensteiger Hexen gestanden hätten, Esslinger Bürger (ca. vierzig Kilometer entfernt) auf ihrem Dämonensabbat gesehen zu haben. Das Esslinger Gericht verhaftete dann drei beschuldigte Hexen, entließ sie jedoch bald. Ulrich schritt begeistert voran, schlussendlich der Hinrichtung von über 60 Hexen zustimmend. Der Glauben an eine dämonische Sabbatverschwörung war für diese Eskalation individueller Verfahren zu einer Großpanik entscheidend. In diesem Fall hatten sich Neuigkeiten eines nächtlichen Anabaptistentreffens im Wald schnell von Esslingen nach Wiesensteig verbreitet, beinahe augenblicklich gefolgt von Berichten eines Hexensabbats nahe Wiesensteig.

Gemäß des erhaltenen Nachrichtenblattes gestanden Wiesensteigs Hexen unter dem Druck der fürchterlichen Gefangenschaft, intensiver Befragungen und Folter eine große Bandbreite dämonischer Hexerei: Schließung von Teufelspakten, Abfall von Gott und ihrer Taufe, Besitz dämonische Liebhaber, Teilnahme an Hexensabbaten und -tänzen, Ausübung entsetzlicher Blasphemien wider Gott und maleficia, inklusive Kindestötung und Wetterzauber. Diese Verbrechen beinhalteten die Ermordung von 29 Erwachsenen und die Beraubung der ‚Heiligen Taufe‘ von Kindern, letzteres eine gegen Anabaptisten prinzipiell erhobene Anklage.

Dreytwein selbst liefert Details zu den angeblichen Liebhabern der Hexen und ihren maleficium-Taten, obwohl eine Gruppe Verdächtiger sich weigerte, Wetterzauber zu gestehen. Die Beschuldigten als ‚gottlose Frauen‘ beschreibend, gibt Dreytwein ihre Folter und Hinrichtung kritiklos wieder, entgegen seinen Einträgen zu den Anabaptisten. In seiner detaillierten Beschreibung der Verbrennung von zwanzig Wiesensteig-Hexen am 2. Dezember 1562 berichtet er, dass, während die 3000 Menschen im Publikum die Verbrennungen bezeugten, sie den Himmel sich plötzlich rot färben sahen als gerade ein Engel erschien, der sie warnte, sich solcher gottlosen Aktivität zu enthalten. Als die Hexen antworteten, dass ‚des Teufels Königreich größer ist als seines Gottes Königreich‘, verschwand der Engel (Diehl 1901, S. 246). Als guter Lutheraner verortete Dreytwein diese Hinrichtung im Rahmen der kosmischen Schlacht zwischen Christus und dem Teufel.

Die Wiesensteiger Hexenjagd führte nicht unmittelbar zu einer wachsenden Panik, woran der beruhigende Einfluss von Brenz und des niederländischen Arztes Johann Weyer (Wier), dessen Abhandlung gegen Hexenjagd De praestigiis daemonum 1563 erschien, Anteil gehabt haben könnte. Dennoch übten die Verbrennungen von Wiesensteig, wie Edward Bever festhält, ‚Gruppenzwang‘ auf Regierungsführer aus, Fragen der Gefahren von Hexerei klarzustellen und als Reaktion erklärte die Württembergische Regierung ein paar Jahre später, dass alle Magie mit dem Teufel in Verbindung stand und der Abschluss eines Teufelspaktes ein Kapitalverbrechen war (Bever 2008, S. 384). Das Zusammentreffen der Entdeckung eines realen Anabaptistentreffens mit der plötzlichen Angst vor sektiererischer Hexerei legt nahe, dass manche Personen, da die Nachricht nächtlich-religiöser Zusammenkünfte von Täufern in die volkstümliche Magiekultur durchsickerte, Vorstellungen von Anabaptisten auf Hexen projizierten. Daher des Grafen Entschlossenheit, eine teuflische Hexenverschwörung zu zerschlagen, statt der traditionelleren Bestrafung einiger Individuen.

Offensichtlich steigerten die Wiesensteiger Massenprozesse die Diskussion und sogar die Erwartungen dämonisch-verschwörerischer Hexerei quer durch das Reich. Im Gefolge der Massenhinrichtungen von Wiesensteig verbreiteten sich Hexenprozesse in Südwestdeutschland, in den 1570er Jahren fünfzig separate Schauplätze betreffend, wo größere Gruppen individuelle Verhandlungen als Norm ablösten. Wiesensteig erlebte 1583 eine weitere Panik mit 25 Hinrichtungen, vierzehn weiteren Opfern um 1605 und fünf Betroffenen 1611.

Gary K. Waite,

Department of History, University of New Brunswick,

Fredericton, N.B., Canada; waite(at)unb.ca

Literatur

Primärquellen

Wolfgang Behringer (ed.), Hexen und Hexenprozesse in Deutschland, Munich 1988, S. 136-139.

Adolf Diehl (ed.), Dionysius Dreytweins Esslingische Chronik (1548-1564), Tübingen 1901.

Sekundärquellen

Edward Bever, The Realities of Witchcraft and Popular Magic in Early Modern Europe: Culture, Cognition, and Everyday Life. Basingstoke, 2008.

Brian P. Levack, The Witch-Hunt in Early Modern Europe, 3rd ed., London, 2006.

H.C. Erik Midelfort, Witch Hunting in Southwestern Germany, 1562-1684: The Social and Intellectual Foundations, Stanford, 1972.

Harald Schwillus, Kleriker im Hexenprozeß. Geistliche als Opfer der Hexenprozesse des 16. und 17. Jahrhunderts in Deutschland, Würzburg, 1992.

Gary K. Waite, Religious Reform, in: Brian P. Levack (ed.), The Oxford Handbook of Witchcraft in Early Modern Europe and Colonial America, Oxford, forthcoming.

Gary K. Waite, “Irrelevant Interruption or Precipitating Cause? The Sixteenth-Century Reformation and the Revival of the European Witch Hunts, in: Georg Modestin/ Martine Ostorero/ Kathrin Utztremp (eds.), Chasses aux sorciéres: discours et démonologie: entre discours et pratiques (Moyen Age – Epoque moderne), Lausanne, forthcoming.

Gary K. Waite, Eradicating the Devil’s Minions: Anabaptists and Witches in Reformation Europe, Toronto, 2007.

Gary K. Waite, Heresy, Magic and Witchcraft in Early Modern Europe, Basingstoke, 2003.

English Version:

WIESENSTEIG, Witch-hunts in

by Gary K. Waite

 

Wiesensteig, the major city of the small southwestern German county of Helfenstein and site of the first major Reformation-era witch panic in the Holy Roman Empire in 1562/63.

    Although the actual trial records are no longer extant, a pamphlet, a chronicle, and other contemporary sources attest to this event. This witch persecution is particularly important as it helped promote the belief that witches were not solitary, but members of a large, diabolical sect. The religious confusion and confessional conflict of the Reformation provided immediate backdrops to this witch-hunt, especially the persecution of a group of ‘real’ heretics, the Anabaptists.

    Responding to a hailstorm that devastated the region of Württemberg and Helfenstein on August 3, 1562, the people of Wiesensteig blamed a sect of witches, and over the course of the year its court executed 63 of them. According to Dionysius Dreytwein (1498/1504-c.1585), a Lutheran chronicler of Esslingen (Württemberg), weather in the region had indeed worsened in the 1550s and 1560s, although like the Lutheran preacher Johannes Brenz (1490-1570) he viewed these calamities as arising from divine providence, not preternatural manipulation by demons or witches. In 1560 terrible storms and famine led to the trial and burning of two witches near Mulbrun who confessed to making diabolical pacts and performing weather magic. In 1562 hailstorms ravaged the area, one destroying the church tower of Gepingen and stimulating the arrest of two more witches in the County of Helfenstein. Dreytwein also reports growing fears of sorcery in several other towns and a worsening reputation for women in general.

    Then came two newsworthy events: first, the discovery that Anabaptists were holding a large, nocturnal meeting in a ravine woods near Esslingen, leading Württemburg’s court at Stuttgart in early July to order the arrest of the participants. 28 were caught, although seven women suspects were released without interrogation. The 21 men were questioned, and the officials were shocked to discover that some of them had travelled 25 kilometres, and one over 60 kilometres, to the meeting. Interrogating the captives throughout July and August, the ducal court sent out inquiries across the region, conducting background checks on the suspects and receiving reports from various officials. The Anabaptists expressed a strong anti-clerical sentiment against the Lutheran pastors and their supposed ‘godless lives’ which belied their preaching of the gospel. Anti-clericalism figured prominently also in many German witch trials.

    On August 3, in the midst of this revived governmental concern over secret meetings of Anabaptists, came the ruinous hail storm. On August 10, 1562, Matthias Stehelin, the bailiff of Güglingen, complained to Duke Christoph of Württemberg that one of the Anabaptist women Margret Biererin had been ‘blinded and made stubborn’ by Satan and an Anabaptist ‘corner preacher’ (winkelprädiger) he called ‘Satan’s true minister.’ This was merely one of countless examples of efforts by orthodox preachers and officials to demonize the Anabaptists.

    Dreytwein reports on both judicial actions, describing the arrest of the Anabaptists as unfair oppression of pious folk by ‘godless heathens’ and placing the blame for the nasty weather on such unnecessary persecution which was angering God. In his entries on the region’s bad weather up to August 1562, there is no reference to collective or sectarian witch activity such as a witch sabbat or dance. Then, in his entry on the hailstorm of August 3, he notes reports of some women who had been seen holding an incredible dance on Frauenberg near Stuttgart; many were arrested and executed already. In other words, while Dreytwein had ignored the demonizing rhetoric used by so many Lutheran and Catholic polemicists against the Anabaptists, he was becoming convinced that the devil was meeting with evil women in nocturnal gatherings. News of real secretive Anabaptist gatherings seems to have merged with the old stereotype of the witches’ sabbat to create an extremely vivid and believable image of demonic cavorting and plotting hidden from the view of the godly commune.

    What really mattered in determining the level of persecution was the attitude of the rulers. Unlike their more powerful neighbor, the Duke of Württemberg, the Counts of Helfenstein, Sebastian (d.1564) and Ulrich (d.1570) had resisted reformation impulses until 1555, when they asked Duke Christoph to send them a pious Lutheran minister. Their association with Lutheranism was hampered by disputes between proto-Calvinist and orthodox Lutheran preachers which led to arguments over issues such as the necessity of exorcizing infants prior to baptism. The counts’ family was also pushing for a return to Catholicism. At the time of the witch-hunt, however, Count Ulrich was concerned about the “idolatrous abuses” in Catholic religious practice and searching for an alternative, considering not only Lutheranism, but also Calvinism, Anabaptism, and Caspar von Schwenckfeld’s spiritualism. He personally attended the interrogations of Schwenckfeldians and ‘members of other sects,’ eventually rejecting their views as ‘errors and obstinate opinions.’ In 1567 Ulrich finally agreed to return the county to Catholicism.

    In August 1562, in the midst of this religious confusion and conflict, Count Ulrich accepted the rumors of weather magic, ordering the arrest of a number of women witches from the vicinity of Wiesensteig. He was supported in this by the unconventional Lutheran preacher of Esslingen, Thomas Naogeorgus or Kirchmeyer (1508-1563). Naogeorgus disagreed with the major Lutheran theologian Johannes Brenz, who denied that witches could, even with the devil’s assistance, brew up storms. Naogeorgus’s enthusiastic witch-hunting sermons led Esslingen’s magistrates to issue a reprimand on August 18 warning him to stop agitating the populace. Since Naogeorgus was himself suspected of harboring “schwärmerischer” beliefs, he may have been trying to redirect accusations of heresy onto others.

    Duke Christoph and Esslingen’s government followed Brenz’s logic, writing to Count Ulrich for an explanation of his actions. They were told that Count Ulrich had already ordered the death of six witches and that a number of Wiesensteig’s witches had confessed to seeing Esslingen citizens (about forty kilometres away) at their demonic sabbat. Esslingen’s court then arrested three accused witches, but soon released them. Ulrich proceeded enthusiastically, ultimately approving the execution of over 60 witches. Belief in a demonic sabbat conspiracy was crucial in this escalation of individual trials into a major panic. In this case, news of a nocturnal, forest Anabaptist meeting had travelled quickly from Esslingen to Wiesensteig, followed almost immediately by reports of a witches’ sabbat near Wiesensteig.

According to the surviving newssheet, under the pressure of horrible imprisonment, intense interrogations, and torture, Wiesenteig’s witches confessed to a wide range of demonic witchcraft: making pacts with the devil, renouncing God and their baptism, taking demonic lovers, attending witch sabbats or dances, making horrible blasphemies against God, and performing maleficia that included infanticide and weather magic. These crimes included murdering 29 adults and robbing children of their ‘holy baptism,’ the latter a principle charge made against Anabaptists.

Dreytwein himself provides details about the witches’ alleged demon lovers and their acts of maleficium, although one group of suspects refused to confess to weather magic. Describing the accused as ‘godless women,’ Dreytwein recounts their torture and execution without criticism, unlike his entries on the Anabaptists. During his detailed description of the burning of twenty of the Wiesensteig witches on December 2, 1562, he reports that as the 3,000 people in the audience were witnessing the burnings, they saw the sky suddenly turn red just as an angel appeared who warned them to abstain from such godless activity. When the witches responded that ‘the devil’s kingdom is greater than his God’s kingdom,’ the angel vanished (Diehl 1901, p.246). As a good Lutheran, Dreytwein placed this execution within the framework of the cosmic battle between Christ and the devil.

    The Wiesensteig witch-hunt did not immediately lead to a widening panic, and the calming influence of Brenz and the Dutch physician Johann Weyer (Wier) whose anti-witch-hunting treatise De praestigiis daemonum appeared in 1563, may have had a hand in this. Even so, as Edward Bever notes, the Wiesensteig burnings applied ‘peer pressure’ on government leaders to clarify the issue of the danger of witchcraft, and in response a few years later Württemberg’s government declared that all magic was linked to the devil and that making a pact with Satan was a capital offence (Bever 2008, p. 384). The coincidence between the discovery of a real Anabaptist meeting and the sudden fear of sectarian witchcraft suggests that as news of nocturnal religious gatherings of Anabaptists filtered through the popular magical culture, some projected beliefs about Anabaptists onto witches. Hence the count’s determination to crush a diabolical conspiracy of witches, rather than the more traditional punishment of a few individuals.

    Clearly the Wiesensteig mass trials raised discussion and even expectations of demonic, conspiratorial witchcraft across the Empire. In the wake of Wiesensteig’s mass executions, witch trials spread across the German southwest, affecting fifty separate locales in the 1570s, with larger clusters replacing individual trials as the norm. Wiesensteig experienced another panic in 1583 with 25 executions, and fourteen more victims around 1605 and five in 1611.

Gary K. Waite,

Department of History, University of New Brunswick,

Fredericton, N.B., Canada; waite(at)unb.ca

Literature

Primary Sorces

Wolfgang Behringer (ed.), Hexen und Hexenprozesse in Deutschland, Munich 1988, S. 136-139.

Adolf Diehl (ed.), Dionysius Dreytweins Esslingische Chronik (1548-1564), Tübingen 1901.

Sekundary works

Edward Bever, The Realities of Witchcraft and Popular Magic in Early Modern Europe: Culture, Cognition, and Everyday Life. Basingstoke, 2008.

Brian P. Levack, The Witch-Hunt in Early Modern Europe, 3rd ed., London, 2006.

H.C. Erik Midelfort, Witch Hunting in Southwestern Germany, 1562-1684: The Social and Intellectual Foundations, Stanford, 1972.

Harald Schwillus, Kleriker im Hexenprozeß. Geistliche als Opfer der Hexenprozesse des 16. und 17. Jahrhunderts in Deutschland, Würzburg, 1992.

Gary K. Waite, Religious Reform, in: Brian P. Levack (ed.), The Oxford Handbook of Witchcraft in Early Modern Europe and Colonial America, Oxford, forthcoming.

Gary K. Waite, “Irrelevant Interruption or Precipitating Cause? The Sixteenth-Century Reformation and the Revival of the European Witch Hunts, in: Georg Modestin/ Martine Ostorero/ Kathrin Utztremp (eds.), Chasses aux sorciéres: discours et démonologie: entre discours et pratiques (Moyen Age – Epoque moderne), Lausanne, forthcoming.

Gary K. Waite, Eradicating the Devil’s Minions: Anabaptists and Witches in Reformation Europe, Toronto, 2007.

Gary K. Waite, Heresy, Magic and Witchcraft in Early Modern Europe, Basingstoke, 2003.

 

 

Empfohlene Zitierweise

Waite, Gary K.: Hexenverfolgung in Wiesensteig. In: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller und Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/jdzve/

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Erstellt: 28.07.2011

Zuletzt geändert: 28.07.2011

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