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Hexenverfolgungen Württemberg, Herzogtum

Anita Raith

08.02.01

Als größtes zusammenhängendes Herrschaftsgebiet im territorial zersplitterten deutschen Südwesten umfaßte das Herzogtum Württemberg circa ein Drittel der Fläche des heutigen Bundeslandes Baden-Württemberg. Das erste evangelische Territorium im deutschen Südwesten (1534 Reformation unter Herzog Ulrich) wurde unter Herzog Christoph (1550-1568) zu einem geschlossenen lutherischen Landesstaat geformt. Um 1600 lebten annähernd 450 000 Menschen im Land, das verwaltungstechnisch in 58 Ämter gegliedert war. Jedes Amt bestand aus einer Amtsstadt und einer mehr oder weniger großen Anzahl von Dörfern. Stuttgart als Residenzstadt hatte ungefähr 9000, die Universitätsstadt Tübingen 4000 Einwohner.

Verfolgungszeitraum

Im Herzogtum Württemberg sind zwischen 1497 und 1750 ca. 350 Untersuchungen und Gerichtsverfahren gegen Hexen belegt. Von Ermittlungen, Verhaftungen und Anklagen waren über 450 Personen betroffen. Im genannten Zeitraum sind mindestens 116 Hinrichtungen aus den Akten zu erschließen, daraus folgt, daß nur knapp ein Drittel der Hexereiverfahren mit einem Todesurteil endeten.

Die Mehrheit der abgeurteilten Hexen und Zauberer wurden aus dem Land verbannt oder milder bestraft.

Verfolgungsopfer

Die Feststellung des Straßburger Predigers Geiler von Kaysersberg "brennt man einen Mann so brennt man wohl zehn Frauen", trifft auch auf Württemberg zu, waren doch in der Hauptsache, nämlich zu 85% Frauen von Hexereibezichtigungen betroffen. Der Anteil der Männer, die häufig dem Berufsstand der Hirten angehörten und mit Segensprecherei und Kräuterarzneien umgingen, lag bei 15%. Angeblich vom Teufel verführte Kinder, die besonders in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in den Hexenprozeß verwickelt waren, wurden in Württemberg niemals zum Tode verurteilt. Das Gericht verhängte eine Prügelstrafe und überließ die Kinder Seelsorgern oder Schulmeistern zur Erziehung und Unterweisung im christlichen Glauben.

Die Mehrheit der Opfer gehörte der bäuerlichen Unterschicht an. Vor allem ältere Frauen waren von Hexereibeschuldigungen betroffen, die arm, ohne Vermögen, und zum Zeitpunkt der Anklage oft verwitwet waren, so daß sie den Prozeß ohne familiären Rückhalt durchstehen mußten. Sogenannte ehrbare und vermögende Frauen aus der städtischen Oberschicht gerieten seltener in Hexereiverdacht und waren aufgrund ihrer sozialen Stellung eher in der Lage, einen Prozeß durch die Ausschöpfung aller zur Verfügung stehenden juristischen Möglichkeiten (Verteidigung und Berufung) unbeschadet zu überstehen, bessere Haftbedingungen im Gefängnis zu erkaufen oder sich mit Hilfe von städtischen Bediensteten durch Flucht einer Verhaftung überhaupt zu entziehen. Von den als Hexe Verurteilten übten nur drei Frauen eine Funktion als Hebamme aus.

Verfolgungsintensität

Im Vergleich mit den übrigen Herrschaften des deutschen Südwestens, wo zwischen 1561 und 1670 (in den Grenzen des heutigen Bundeslandes Baden-Württemberg) über 3200 Personen wegen Hexerei hingerichtet wurden, hat das Herzogtum Württemberg sicher keine spektakuläre Hexenverfolgung aufzuweisen. Verantwortlich für das moderate Vorgehen gegen vermeintliche Hexen und Zauberer waren einerseits der gut funktionierende Justizapparat, der die Durchführung eines Hexenprozesses unter der strengen Kontrolle der Regierungsbehörden hielt, andererseits die Haltung der württembergischen Geistlichkeit, die dem Verfolgungseifer der Bevölkerung durch Predigten und theologische Traktate entgegentrat.

Verlauf der Hexenverfolgung

Die erste schriftliche Nachricht über eine Hexenverbrennung datiert aus dem Jahr 1497, als in der Amtsstadt Brackenheim verschiedene "Unholde" - dies ist die gängige Bezeichnung für Hexen in den zeitgenössischen Akten - mit dem Feuertod bestraft wurden. Als 1505 in Tübingen eine Frau als Hexe auf dem Scheiterhaufen hingerichtet wurde, hielt der Theologe Martin Plantsch (Opusculum de sagis maleficis, 1507) verschiedene Unholdenpredigten, um die falschen Hexenvorstellungen beim leichtgläubigen und leichtfertigen Volk zu bekämpfen.

Bis in die sechziger Jahre des 16. Jahrhunderts sind knapp 30 Prozesse wegen Zauberei und Hexerei belegt - die überwiegende Mehrzahl der Beklagten wurden aus dem Land verbannt (Relegation) oder gegen Bürgschaft auf freien Fuß gesetzt. In dieser verfolgungsarmen Phase kam es während der österreichischen Zwischenregierung (1519-1534) zu drei Hexenverbrennungen 1532/33. Nach überstandener Folterung erhob 1529 die als Hexe beschuldigte Witwe des Stuttgarter Bürgermeisters Klage beim Reichskammergericht gegen die unrechtmäßige Vorgehensweise des Stuttgarter Vogts.

Erst in den Jahren um 1560 wurde das Hexenthema an unterschiedlichen Orten im Herzogtum reaktiviert. Als ein schwerer Hagelschlag im August 1562 weite Teile Württembergs verheert und in verschiedenen Ämtern die Ernte total vernichtet hatte, erfaßte eine heftige Verfolgungswelle das Land, die sich rasch auch in den benachbarten Regionen ausbreitete (Phase der "Kleinen Eiszeit"). In Württemberg wurden mindestens zehn Frauen als Hexen hingerichtet. Auch in der Reichsstadt Esslingen fand man Hexen, in der protestantischen Grafschaft Helfenstein erlitten über 60 Menschen den Feuertod. Während der Esslinger Pfarrer die Bevölkerung zur Hexenjagd anspornte, traten die Stuttgarter Prediger Matthäus Alber und Wilhelm Bidembach (Ein Summa etlicher Predigen vom Hagel und Unholden ..., 1562) den Aggressionen der Bevölkerung entgegen, die durch eine vorschnelle Schuldzuweisung die Hexen für das Unglück verantwortlich machte. Der strafenden Obrigkeit rieten sie zur Vorsicht und empfahlen, dem Geschrei des leichtfertigen und wankelmütigen Pöbels nicht zu glauben. Als die helfensteinischen Beamten Denunziationen geständiger Hexen nach Stuttgart meldeten, lehnte die württembergische Regierung die Eröffnung weiterer strafrechtlicher Verfahren strikt ab. Im Bemühen um eine Eindämmung der Hexenprozesse ließ Herzog Christoph 1563 ein Verfahren gegen einen verdächtigen Zauberer außergerichtlich erledigen.

Ab 1589 setzte eine neue Verfolgungswelle ein, die bis 1630 andauerte und ihren absoluten Höhepunkt in den Jahren 1626-1630 erreichte. Trotz kontinuierlicher Beschäftigung der Gerichte überwogen Einzelprozesse. In zeitlicher Nähe zu Hexenverfolgungen außerhalb Württembergs strengten die Amtsvögte 1615 und 1616 in neun württembergischen Ämtern umfangreiche Prozesse gegen mindestens 39 Personen an, die mit 21 Todesurteilen endeten. Eine 1616 in Tübingen gedruckte Hexenzeitung ("Der Hertzog von Würtenberg hatt das Hexenbrennen auch angefangen...") versäumte nicht darauf hinzuweisen, daß der Herzog seinen Beamten genaue Instruktionen für das rechtmäßige Vorgehen gegen Hexen auferlegte. Dennoch gelang ehrgeizigen Beamten auf lokaler Ebene die Durchsetzung ihrer Verfolgungsinteressen, wie das Vorgehen des Leonberger Vogts Lutherus Einhorn zeigt, der während seiner Amtszeit (1613-1629) gegen 15 Frauen Anklage wegen Hexereiverdachts erhob und acht Todesurteile gegen überführte Hexen vollstrecken ließ. Er handelte in Übereinstimmung mit der Leonberger Stadtobrigkeit und weiter Teile der Bevölkerung, die ein ähnlich rigoroses Vorgehen gegen Hexen forderten wie in der benachbarten Reichsstadt Weil der Stadt, wo im gleichen Zeitraum 38 Hexen verbrannt wurden. Einhorn initiierte auch den bekanntesten württembergischen Hexenprozeß gegen Katharina Kepler, die Mutter des kaiserlichen Astronomen Johannes Kepler, der 1620/21 in Leonberg und Güglingen stattfand und mit einem Freispruch endete.

Die intensivsten Verfolgungen ereigneten sich in den Jahren 1626 bis 1630. Regionale Prozeßherde waren in dieser Zeit besonders die am oberen Neckar gelegenen Ämter Dornhan und Sulz sowie das Amt Alpirsbach im Schwarzwald, wo regelrechte Kettenprozesse durchgeführt wurden. Nach 1634 (Schlacht bei Nördlingen), als das Land von den verheerenden Folgen des Dreißigjährigen Krieges betroffen war, fanden kaum noch Hexenprozesse statt. Erst in den fünfziger Jahren lebten die Hexereibeschuldigungen wieder auf. In dieser Phase waren auffallend oft Kinder beteiligt, die als Denunzianten auftraten oder sich selbst der Hexerei bezichtigten. Auch im letzten großen Hexenprozeß, der 1683/84 in Calw stattfand und mit zwei Todesurteilen endete, waren über 40 Kinder involviert. Die Regierung entsandte eine Kommission, um den "leidigen Hexenhandel, der meistens in phantastischer Einbildung" bestand, zu beenden. Dieser Prozeß brachte die Wende. Zwar kam es bis zum Ende des 18. Jahrhunderts immer wieder zu Hexereibeschuldigungen, die allerdings nur in Ausnahmefällen in ein Strafverfahren mündeten, und zunehmend als Beleidigungsklage vor Gericht verhandelt wurden.

Das Gesetz

Strafbestimmungen gegen Zauberei enthielt die 1532 von Kaiser Karl V. erlassene Constitutio Criminalis Carolina, die in Art. 109 für Schadenzauber die Todesstrafe durch Verbrennen androhte. In Württemberg gab die Hexenprozeßwelle 1562 den Anstoß für eine gesetzliche Verankerung des Straftatbestands in der sechsten Württembergischen Landesordnung 1567. Abweichend vom Reichsgesetz fand auch der Teufel Eingang in die Gesetzgebung. Das Herzogtum Württemberg war das erste Territorium, das den Teufelspakt als wesentliches Merkmal der Zauberei erwähnte und unter Strafe stellte. Kursachsen und die Kurpfalz folgten bald nach. Die Strafbestimmungen zur Hexerei behielten ohne weitere Zusätze das ganze 17. Jahrhundert hindurch Gültigkeit.

Das Verfahren

Hexerei galt als Offizialdelikt und wurde in Württemberg wie jedes andere Kriminalverbrechen ausschließlich vor weltlichen Gerichten verhandelt. Zuständig für die Strafgerichtsbarkeit in den Ämtern war der Vogt, der als herzoglicher Beamter in Vertretung des Landesherrn die Ermittlungen von Amts wegen leitete und als öffentlicher Ankläger vor dem Stadtgericht auftrat (Inquisitionsprozeß). Das Verfahren strebte die Feststellung der materiellen Tatsachen und der objektiven Wahrheit an. Da hieb- und stichfeste Beweise nur in Ausnahmefällen vorlagen, mußte das Verfahren als Indizienprozeß geführt werden, der die Folter als Wahrheitsfindungsmittel einschloß. Allerdings verfügten weder der Vogt noch die Richter des Stadtgerichts, die aus der städtischen Oberschicht stammten, über eine akademische Rechtsbildung. Um der Rechtsunsicherheit der Laienrichter zu begegnen, krasse Rechtsmißbräuche auszuschließen und die Gerichte zu einem gleichförmigen Prozedieren anzuhalten, durften die Vögte in den württembergischen Amtsstädten Strafprozesse nicht in eigener Zuständigkeit erledigen, sondern mußten die Akten an die herzogliche Kanzlei einsenden. Die Entscheidung über die Eröffnung eines Hexenprozesses ging damit vom Stadtgericht auf die herzogliche Instanz über. Der Oberrat als Teil der Regierung wies dem ordentlichen Gericht den prozeßrechtlichen Weg und überwachte den Vogt bei der Durchführung eines Strafprozesses. Gleichzeitig wurde dem Gericht die Versendung der Prozeßakten an die Juristen der Tübinger Universität auferlegt, um den Rat von Rechtsgelehrten einzuholen. Aktenversendung und Aktenvorlage im Oberrat ergänzten sich, doch das Schwergewicht lag bei der landesherrlichen Instanz, die behördenintern die eigentlichen Entscheidungen im Hexenprozeß traf. Konfiskationen aus dem Vermögen von verurteilten Straftätern waren in Württemberg nicht erlaubt, so daß gerade im Hexenprozeß finanzielle Interessen der strafenden Obrigkeit eine untergeordnete Rolle spielten.

Hexereibezichtigungen wurden fast ausnahmslos von der Bevölkerung erhoben. Im Mittelpunkt der Hexereibeschuldigungen stand der Schadenzauber. Vergiftungen, Krankheiten und der Tod von Mensch und Tier galten als von Zauberkraft verursacht und wurden häufig als plausible Folge eines Konflikts zwischen Täter und Opfer begriffen, der im Hexenprozeß über die Obrigkeit endgültig gelöst werden sollte. In der Mehrzahl der Fälle wurde eine Gerichtsklage nicht aufgrund eines freiwilligen Geständnisses erhoben, sondern auf der Basis von Indizien, die das Ergebnis von Gerüchten, Verdächtigungen und Beschuldigungen waren. Gesetzlich geregelte (Carolina, Art. 44) und beweiskräftige Indizien waren nötig, um Verhaftung, Folterung oder eine Anklage zu rechtfertigen. Bei der Prüfung der Indizien machte der Oberrat sein Votum zur Eröffnung eines Hexenprozesses sowohl von konkret nachweisbaren Schäden, den corpora delicti, als auch vom Leumund, dem sittlich-religiösen Lebenswandel der Verdächtigen abhängig, über den der Ortsgeistliche Auskunft gab. Denunziationen in Verbindung mit einem schlechten Ruf reichten als Verdachtsgründe für eine Anklage nicht aus, ebensowenig wie Besagungen geständiger Hexen, die allein auf Teufelspakt und Teufelsbuhlschaft abzielten.

Auch die Folter durfte nicht ohne Genehmigung des Oberrats vorgenommen werden. Sie war das entscheidende Instrument im Hexenprozeßverfahren, entschied doch ihre Handhabung durch die Prozeßverantwortlichen über Schuld oder Unschuld des Delinquenten. Die Landesordnung sah als Tortur den Aufzug für maximal eine Viertelstunde vor. Allerdings zielte der Ehrgeiz des Henkers und des Gerichtspersonals in der Regel darauf, den Delinquenten unter Einsatz aller zur Verfügung stehenden Mittel - oft unter Mißachtung der Gesetze - zum Geständnis zu zwingen. Die Nadelprobe zur Feststellung von Schmerzunempfindlichkeit spielte im württembergischen Hexenprozeß nur eine geringe Rolle, andere Hexenproben wie die Wasserprobe u. ä. waren unbekannt. Das unter der Folter erzwungene Geständnis enthielt die bekannten Komponenten: Schadenzauber, Teufelspakt, Teufelsbuhlschaft, Hexenausfahrt und Hexentanz.

Auch dem Todesurteil mußte der Oberrat zustimmen, das nach geltendem Strafrecht auf Tod durch Verbrennen lautete. Bis auf wenige Ausnahmen verzichtete man in Württemberg auf den Feuertod bei lebendigem Leib und gewährte überführten Hexen gnadenhalber die Schwertstrafe mit anschließendem Verbrennen des Leichnams.

Die Haltung der lutherischen Geistlichen

Der Hexenhysterie, die das Unwetter im Sommer 1562 ausgelöst hatte, traten die Stuttgarter Prediger Matthäus Alber und Wilhelm Bidembach mit verschiedenen Unholdenpredigten entgegen. Als Vorbild diente die "Hagelpredigt" des Stuttgarter Stiftpropsts Johannes Brenz (1539 in Schwäbisch Hall gehalten). Die Geistlichen vertraten die Meinung, daß die Hexen kein Hagelwetter verursachen könnten. Der Teufel, der als Werkzeug Gottes von dessen Einwilligung abhing, war der Urheber der Schäden und des Hagelwetters, auch wenn er den Menschen einflüstere, sie selbst würden das Wetter, andere Wunder oder ähnliches vollbringen. Offenbar verwechselten die Hexen Ursache und Wirkung, ein Argument, das schon der Jurist Ulrich Molitoris (De laniis et phitonicis mulieribus ..., 1489) in die Diskussion gebracht hatte. Johannes Brenz knüpfte an die Tradition des Canon Episcopi an, ja er ging so weit, selbst den Schadenzauber als Vorspiegelung des Teufels zu betrachten, der als Vollstrecker des göttlichen Willens fungierte, um die Sünder zu bestrafen und die Gerechten zu prüfen. Nach göttlichem Recht sollten die Hexen dennoch die Todesstrafe erleiden (Exod. 22,18). Der Abfall von Gott, der freiwillig geschlossene Teufelspakt und die verbrecherische Absicht, Not und Verderben über die Mitmenschen zu bringen, rechtfertigten die Vernichtung der Hexe als Glaubensfeindin.

Diese Haltung prägte die Vertreter der lutherischen Orthodoxie in den nachfolgenden Jahrzehnten. Jacob Heerbrand, Theodor Thumm (1586-1630) u.a. stimmten darin überein, Schadenzauber, Hexenflug und Hexentanz als teuflische Phantasie zu begreifen, den Teufelspakt aber und die daraus resultierende verbrecherische Absicht der Hexe als todeswürdiges Verbrechen zu bestrafen. Erst Johann Valentin Andreae (1586-1654), der als Vorläufer des Pietismus gilt, kritisierte das Verhalten seiner Zeitgenossen und lehnte brennende Scheiterhaufen als Strafe für die Hexen überhaupt ab.

Ohne den Hexenglauben an sich in Frage zu stellen, beurteilten die geistlichen und weltlichen Eliten in Württemberg das Hexenprozeßgeschehen aus einer durchgängig skeptischen Haltung, die im wesentlichen dem Anliegen der Hexenprozeßgegner Johann Weyer (De Praestigiis Daemonum ..., 1563) und Friedrich Spee (Cautio Criminalis ..., 1631) entsprach. Deren Plädoyer an die Landesherren, geltendes Recht nicht zu mißbrauchen, fiel in Württemberg auf fruchtbaren Boden.

Die Tatsache, daß in Württemberg nur 30% der Gerichtsverfahren wegen Hexerei mit einer Hinrichtung endeten, ist dem mäßigenden Einfluß der Regierung zu verdanken, die eine wirksame Kontrolle über die Hexenprozesse im Land ausübte. "Von oben" wurde in Württemberg nicht zur Hexenjagd aufgerufen. Vielmehr trug der frühneuzeitliche Territorialstaat mit der Einrichtung von Zentralbehörden dazu bei, daß ein gewisses Maß an Rechtssicherheit geschaffen wurde. Im Herzogtum Württemberg wurden dadurch einer radikalen Hexenverfolgung die entscheidenen Impulse entzogen.

Literatur

H.C. Erik Midelfort, Witchhunting in Southwestern Germany 1562-1684. The Social and Intellectual Foundations, Stanford/Calif. 1972.

Anita Raith, Das Hexenbrennen in Leonberg. In: Nonne, Magd oder Ratsfrau, Leonberg 1998, S. 53-73, 269-272.

Dies., Die Hexenprozesse in Tuttlingen. In: Tuttlinger Heimatblätter N.F. 57 (1994) 110-132.

Dies., Ein württembergischer Hexenprozeß des Jahres 1592. Eine Fallstudie. In: Hexenverfolgung. Beiträge zur Forschung - unter besonderer Berücksichtigung des südwestdeutschen Raumes, hrsg. von Sönke Lorenz und Dieter R. Bauer, Würzburg 1995, S. 83-100.

Dies., Hexenprozesse beim württembergischen Oberrat. In: Hexenverfolgung. Beiträge zur Forschung - unter besonderer Berücksichtigung des südwestdeutschen Raumes, hrsg. von Sönke Lorenz und Dieter R. Bauer, Würzburg 1995, S. 101-121.

Dies., Von den bösen Weibern, die man nennet Hexen. In: Schorndorfer Heimatblätter 6 (1988) 63-83.

Berthold Sutter, Der Hexenprozeß gegen Katharina Kepler, Weil der Stadt 1979.

Hartwig Weber, "Von der verführten Kinder Zauberei" Hexenprozesse gegen Kinder im alten Württemberg, Sigmaringen 1996.

 

Empfohlene Zitierweise

Raith, Anita: Württemberg - Hexenverfolgungen. Aus: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller u. Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/jdzra/

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Erstellt: 15.02.2006

Zuletzt geändert: 05.05.2006

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