H-O

Großfürstentum Litauen

Natallia Slizh

(Übersetzung von Johannes Peisker)

11. April 2013

(english version ↓)

I. Einleitung

Vom 13. bis 18. Jahrhundert erstreckte sich das Großfürstentum Litauen über das gesamte Territorium des heutigen Weißrusslands, der Ukraine, Litauens, Lettlands und Teilen Russlands (Provinzen Smolensk und Brjansk), Polens (Provinz Białystok) und Lettlands (Provinz Daugavpils). Diese weite und dünn besiedelte Region mit ihrer verwirrenden religiösen Vielfalt und komplizierten Mischung von Gerichtsinstanzen verzeichnete bemerkenswert wenige Hexenprozesse. Es ist schwierig, repräsentative statistische Aussagen zu machen, denn selbst wenn man die Zeiträume berücksichtigt, in denen keine Hexenprozesse stattfanden, sind im gesamten Territorium des Großfürstentums Litauen zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert wohl nicht mehr als fünfzig Hexen hingerichtet worden.


Abb. 1:

Obwohl die meisten der slawischen Gebiete bald zur christlichen Orthodoxie bekehrt wurden, blieben die baltischen Gebiete des Großfürstentums Litauen heidnisch. Als etwa der Großfürst Jahajla (orthodox: Jakov; katholisch: Vladislav) zum Katholizismus übertrat um 1386 die polnische Königskrone zu erlangen, hielten Missionare in ihren Berichten etwa fest, dass die lokale Bevölkerung noch bis zum Ende des 14. Jahrhunderts einen Feuerkult verehrte. Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts verbreiteten sich protestantische Ideen im Großfürstentum. Die Mehrheit der Adligen und Teile des Kleinbürgertums wurden protestantisch. Im Ringen der Religionen kam es Ende des 16. Jahrhunderts zu einer Phase der Rekatholisierung. Obwohl der Katholizismus als dominante Glaubensform siegte, wurden orthodoxe, protestantische und griechisch-katholische, islamische und jüdische Glaubensbekenntnisse ebenso wie heidnische nach wie vor im Großfürstentum Litauen praktiziert. Dieser religiöse Pluralismus war verantwortlich dafür, dass Hexenverfolgung im ganzen Land nicht durchgeführt werden durfte. Das war inakzeptabel für die katholische Gesellschaft des Großfürstentums Litauens.

Die geringe Anzahl von Hexenprozessen im Großfürstentum hatte mehrere Gründe: Einerseits lässt die Quellenlage durch die Existenz einer Vielzahl von Gerichten zu wünschen. Viel entscheidender ist aber die Tatsache, dass im Gegensatz zu den katholischen Herrschern, große Teile seiner Bevölkerung orthodox waren – eine Religion, die Teufelspakte quasi ignorierte und daher sehr selten Hexen verfolgte. Die weltliche Macht war zudem einflussreicher in der Gesellschaft als die der Kirche.

II. Rechtsgrundlagen und Gerichtswesen

Im Großfürstentum Litauen verhandelten säkulare Tribunale ohne kirchliche Einmischung sämtliche Fälle von Hexerei. Angeklagte wurden ausschließlich aufgrund des durch Zauberei entstandenen Schadens beurteilt. Litauens Gerichtssystem war bereits von einer komplexen Hierarchie geprägt. Aufsteigend umfasste es kommunale Kopny-Gerichte für Bauern; Stadtrat-Gerichte für städtische Bürger; Zemski-Gerichte für Bezirksadlige; regionale Burggerichte verhandelten Berufungen sowohl von Adligen als auch Bürgern; und an der Spitze stand das höchste Tribunal des Großfürstentums, das Appellationsgericht. Die meisten erforschten Fälle wurden vor Kopny-, Burg-, Stadtrat- und zuletzt Zemski- und Burggerichten angehört. Hexerei war kein sozialspezifisches Phänomen, Anschuldigungen wegen Hexerei konnten Mitglieder aller sozialer Schichten treffen.

Manchmal führte der Adel auf den Ländereien private Untersuchungen durch. Zum Beispiel bezeugte die Befragung der Einwohner von Jan Stanislav Sapehas Besitzungen, dass Kudravec und seine Familie ohne alle Gründe der Hexerei beschuldigt wurden (Czwołek 2009).

Im Großfürstentum gab es bis zum 16. Jahrhundert keine Gesetze gegen Hexerei. 1529 besagte das erste sich mit Hexerei beschäftigende Statut, dass ein Straftäter, der aufgrund von Zauberei keinen Schmerz während der Folter verspürte, dem Kläger eine Strafe zahlen müsse (Teil 13, Artikel 14). Die Gesetze von 1566 und 1588 bestätigten das Gesetz von 1529 (1566: Teil 14, Artikel 15; 1588: Teil 14, Artikel 18). Das Gesetz von 1588 (Teil 4, Artikel 30) definierte Hexerei als einen Tatvorwurf, der von Palatinen und Hauptmännern überprüft wird. Die oben genannten Artikel waren für die juristische Praxis nicht ausreichend. Die Gesetzgebung erlaubte die Benutzung der Gesetzbücher christlicher Länder (1588: Teil 4, Artikel 54). Richter bezogen sich auf den Codex Iustinianus, die Constitutio Criminalis Carolina, den Sachsenspiegel, das Magdeburger Recht und die Bibel, die erlaubten, Hexen zu foltern und zu verbrennen. Die Verfassung des Sejm verbot 1776 die Benutzung der Folter in Kriminalfällen und Hexenprozessen (Volumina legum. Tom VIII. S. 546-547).

Alle christlichen Glaubensrichtungen betrachteten Hexerei als eine Sünde. Aber keine von ihnen besaß eine solche Überzeugungskraft, um im Großfürstentum Litauen eine Hexenjagd zu inspirieren, wie dies in West- und Mitteluropa der Fall war. Der Hexenhammer wurde nicht in alt-belarussische Sprache übersetzt. Er wurde erst 1614 ins Polnische übertragen. Die bekannten Rechtsfälle erwähnten den Hexenhammer nicht. Die Instructio circa iudicia sagarum erschien 1657 in Rom, wurde in Krakau 1670 und erst 1721 in Vilnius herausgegeben.

Es ist unmöglich, eine exakte Hochrechnung aller Hexereiprozesse im Großfürstentum zu geben. Die Historiographie bietet 363 überlieferte Fälle von 1552 bis 1771. Diese basieren auf veröffentlichten Aktenfragmenten verschiedener Gerichtshöfe in Sudebnyje procesy (Beresnevičius / Čaplinskas 2006, S. 149). Aufgrund des Fehlens von Dokumenten ist diese Statistik nicht repräsentativ. Nachweisbücher vieler, insbesondere östlicher Regionen sind zerstört worden. Da viele Bücher der Magistrate und Burggerichte nicht durchgängig bis in unsere Zeit geführt worden sind, ist es schwierig die Annahme zu stützen, dass der Höhepunkt der Hexenverfolgung in den 1630ern Jahren war und sie erst Ende des 17. Jahrhunderts wieder fortgeführt wurde (Pilaszek 2002, S. 16-17).

III. Hexenprozesse

Weltliche Gerichte führten Hexenprozesse durch, aber die Einflussnahme des Klerus war möglich. Eine Aussage über Schaden war für die Aufnahme eines Prozesses konstitutiv. Gerichte akzeptierten nur belastbare Beweise. Beispielsweise beschuldigte der orthodoxe Priester Semen 1560 Lavriš Ivaškovič der Hexerei. Nach seinem Besuch fand er eine gespaltene Eichel im Haus. Das Burggericht von Slonim entlastete Lavriš Ivaškovič der Verantwortung, da er nicht allein im Haus des Priesters war (NGAB, 1, 16v). Nicht alle Anklagen provozierten die Aufnahme eines Hexenprozesses. Sie konnten ohne jedes rechtliche Resultat bleiben (Sudebnyje procesy 1987, S. 84-85, 162-164, 169-170, 213-214, 295-298).

Ein Kläger sollte Zeugen und Schadensbeweise präsentieren. Gemäß den Gerichtsprozessen konnten Hexen Erwachsenen, Kindern, Vieh und Feldfrüchten schaden. Hexen besaßen die Fähigkeit, durch Verdammungen psychologischen Einfluss auszüben oder jemanden verrückt zu machen (Sudebnyje procesy 1987, S. 87). Verfluchungen (pohvalki) wurden in traditionellen Gesellschaften ernst genommen, besonders, wenn sie das Leben betrafen. 1572 sagte Nevera Staškovna zu Ščasny Olehnovič, dass er und seine Familienangehörigen ihre Beine verlieren und sein Haus zerstört werden würden. Olehnovič wendete sich an das Burggericht Slonim (NGAB, 1. 325v). Kasper Stefanovič beschuldigte 1557 Vojteh Janovič, dass er aufgrund seiner Hexerei die Bewegungsfähigkeit verloren habe (Sudebnyje procesy 1987, S. 84). Verrfluchungen, die einen Krankheitsbeginn verursachten, wurden persönlich oder durch andere Personen ausgesprochen. Die Menschen glaubten, dass Hexen ungewöhnliche Dinge erzwingen könnten. Gemäß Belegen von 1643 war Vasiĺ Brykun in der Lage Menschen so zu manipulieren, auf Befehl an einen beliebigen Ort gehen zu lassen. Er konnte sie dazu verleiten die eigenen Kinder zu verlassen und ihnen vorschreiben, einen Ofen zu umarmen (Archeograficheskij sbornik 1867, Vol. 1, P. 339–341).

Hexen praktizierten auch andere Arten der Zauberei. Sie warfen Kräuter oder Gifte in Getränke und Speisen, benutzten magische Puppen und schädliche Dinge in Häuser, beschworen Bettwäsche, Kleidung, stellten Liebestränke her, verdarben Milch, Brot und Bier, stahlen Milch von Kühen und befehligten einen Angriff wilder Tiere auf ein Dorf (Sudebnyje procesy 1987, S. 82–83, 93–153, 155–161, 162–175, 176, 199–205, 208–209, 216–217, 227–228, 287). Die Ergebnisse von Hexerei waren Krankheit, Unfruchtbarkeit, Tod und Schaden im Haushalt. Manchmal wurden Personen verdächtigt, die Kräuterbehandlungen praktizierten (Slizh 2011, S. 321). Hinweise auf Teufelspakte oder Flüge zum Hexensabbat finden sich eher selten in den Dokumenten. Es waren zusätzliche Merkmale von Hexenaktivitäten (Sudebnyje procesy 1987, S. 75, 367). Motive für Hexerei variierten, darunter Neid, Wünsche, den Besitz von Verwandten zu erhalten, Schaden herbeizuführen und andere. Vom eigenen Ehepartner, den Nachbarn bis hin zu Fremden konnte jeder Schaden zufügen.

Wie auch in anderen Ländern galt Folter als legales Mittel um Informationen von einer Hexe zu erpressen. Wasserprobe, Streckbank und Folter durch Feuer wurden in der juristischen Praxis im Großfürstentum Litauen verwendet (Sudebnyje procesy 1987, S. 74, 180, 208, 217, 229, 246, 249, 265, 368, 375). Gemäß der Gesetzgebung war es erlaubt, lediglich dreimal zu foltern. Diese Zahl wurde in den Verfahren genannt. Nach der Folter sollte eine Hexe jedoch ihre Aussagen auf gütliche Art und Weise wiederholen. Beispielsweise wurden 1615 Jurgel Sunians Frau Zofea, ihr Sohn Gasul und Tumelis Pavlovič Daradundenos vor einem Bauern- oder Kopny-Gericht im Dorf Maguny in der Braslavprovinz der Wasserprobe unterzogen – und alle drei schwammen oben, wurden dann auf die Folterbank geschickt und verbrannt (Gistoryja Belarusi 1936, P. 546-549; Lobač 1997).

Das Magdeburger Recht enthielt einen Artikel mit genauen Instruktionen zur Befragung der Hexen. Dieser basierte auf der Constitutio Criminalis Carolina. Er behandelte Methoden, Instrumente und Praktiken der Hexerei und verbreitete das spezifische Vokabular der Hexereiimagination. Kurzum gesagt gab der Artikel eine Anleitung zur Identifizierung von Hexerei (Groicki 1954, S. 123). Hexen wurden sehr oft zu anderen Hexen befragt. Beispielsweise nannte Raina Menskovkaja während des Verfahrens von 1630-1631 zwei Männer und eine Frau. Sie nannte sogar volkstümliche Rezepte für Krankheitsbehandlung (Archeograficheskij sbornik 1867, Vol. 3, S. 99-100, 113-168).

Hexen hatten das Recht, ihre Interessen vor Gericht von einem Anwalt darlegen zu lassen. Jurij Mor verteidigte beispielsweise Raina Menskovkaja 1630-1631, allerdings blieb seine Intervention folgenlos, sie wurde verbrannt (Archeograficheskij sbornik 1867, Vol. 3, S. 113-168).

Einige dokumentierte Informationen legen nahe, dass im Großfürstentum Männer als mächtigere Hexenmeister als Frauen angesehen wurden. Beispielsweise wurde Tumelis Daradundenos beschuldigt, zu einem Clan berüchtigter Zauberer zu gehören (Gistoryja Belarusi 1936, S. 546-549; Lobač 1997). Quellen weisen Maxim Znak (1691 verbrannt) als mächtigen Zauberer aus, der andere Hexen benannte; Rosol war sowohl der älteste als auch stärkste Magier in der Horodna-Region (Jodkowski 1932).

Hexenprozesse endeten auf unterschiedliche Weise. Es konnten Verbrennung, Verbannung, Freispruch, Gefängnis, Züchtigung, Buße in einer Kirche oder Kaution sein (Sudebnyje procesy 1987, S. 77-79, 87, 14, 175, 180, 203, 211, 217, 223, 229, 254, 268, 364, 365, 371, 372). Beispielsweise wurden Gasul Sunian, seine Mutter Zofia und Tumelis Daradundenos (1615), Fedora Vysockaja (1630), Raina Menskovkaja (1631), Vasiĺ Brykun (1643), Maksim Znak (1691) und andere zum Tod durch Verbrennen verurteilt. 1709 verurteilte der Magistrat von Bereste (heute Brest) Apalonija Kulešna aufgrund des Herstellens von Liebestränken zu Züchtigung und Bußleistungen in einer Kirche (Akty, Vol. 6, Vilna 1872, S. 510-511). Manchmal blieben Hexen unbestraft, wenn ein Leibherr sich weigerte, sie vor Gericht zu stellen.

Im Großfürstentum Litauen beeinflussten heidnische Glaubensvorstellungen maßgeblich den Alltag des Adels, der Städter und Bauern gleichermaßen. Hexenprozesse fanden unter weltlicher Jurisdiktion statt. Gerichte untersuchten nur Schadensmagie, die auch nachweisbar war. Vielleicht war die Anzahl der Prozesse deshalb nicht so hoch wie in anderen Regionen Europas.

Quellen und Literatur

Primärquellen

Akty isdavajemye Vilenskoju arkheograficheskoju komisseju, Vol. 6, Vilna 1872; Vol. 18, Vilna 1891.

Archeograficheskij sbornik dokumentov otnosjashchichsia k istorii Severo-zapadnoj Rusi, Vol. 1, Vilna 1867; Vol. 3, Vilna 1867.

Archiwum Komisyi prawniczej, Vol.7, Cracow 1900.

Instructio circa Iudicia Sagarum Iudicibus eorumque Consiliariis accommodata, Romae primum 1657, iterum pro bono publico Cracoviae 1670 nunc verd, Vilnae 1721. [Digitalisierte Fassung von 1682 der Staatsbibliothek Berlin, Preußischer Kulturbesitz]

Gistoryja Belarusi ŭ dakumentach i materialach, Vol 1. IX-XVIII st., sklali V.K. Ščarbako, K.I. Kernažycki, D.I. Daŭgiala, Mensk 1936.

Bartołomej Groicki, Artykuły prawa majdeburskiego. Postępek sądów około karania na gardle. Ustawa płacej u sądów, Warszawa 1954.

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Opis’ dokumentov Vilenskogo tsentralnogo archiva drevnich aktovych knig, Vol. 10, Vilna 1913.

Sobranie gosudarstvennych i chastnych aktov, kasjushchichsia istorii Litvy i soedinionnych s nej vladenij (ot 1387 do 1710), Vilna 1858.

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Statut Velikaga Knjastva Litoŭskaga 1588, Minsk 1989.

Sudebnyje procesy nad ved’mami v Litve, Vilnius 1987.

Volumina legum. Przedruk zbioru praw, staraniem xx.pijarów w Warszawie, od roku 1732 do roku 1782 wydanego. Prawa, konstytucye y przywileje królestwa Polskiego, Wielkiego Xięstwa Litewskiego y wszystkich prowincyi należących na walnych seymiech koronnych od seymu wiślickiego roku pańskiego 1347 aż do ostatniego seymu uchwalone, Vol. VIII, Petersburg, 1860.

Sekundärquellen

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Małgorzata Pilaszek, Litewskie procesy czarownic w XVI-XVIII w., in: Odrodzenie i Reformacja w Polsce, T. XLVI, 2002, S. 7-21.

Galina Maslyka, Čary, in: Statut Velikaga Knjastva Litoŭskaga 1588, Minsk 1989, S. 542.

Czаry Siаrczyński, gusła i zababony, Poznań 1843, in: Lietuvos mosklų akademijos Bibliotekas rankraščtų skyrius, f.17-224.

Natalia Śliż, Elementy pogaństwa w kulturze szlacheckej Wielkiego Księstwa Litewskiego w XVI–XVII w. in: Księga – Nauka – Wiara w średniowicznej Europe, ed. T.Ratajczyk, Poznań 2004, S. 182–184.

Natallia Slizh, Lithuania, Grand Duchy of, in: Richard M. Golden (Hg.), Encyclopedia of Witchcraft. The Western Tradition, Vol. 3, K–P,Richard M. Golden Santa Barbara; Denver; Oxford 2006, S. 658–660.

Natallia Slizh, Prajavy jazyčnictva ŭ Ašmianskim pavecie ŭ XVII st. in: A.A. Kavalenia et al. (Hg.), Ašmianščyna: prablemy regijanalnaj gistoryi Belarusi, Minsk 2011, S. 314–324.

Dzmitry Vicko, Dzie spravy pra čary z kanca ХVІІ – ХVІІІ pačatku stagoddzja, in: Arche. Пачатак, Gistoryja belarusja štodzionnasci, 2012, №. 3, S. 122-130.

Hinweis: Alle Eigennamen sind wiedergegeben gemäß belarussischer Transkription und wie sie in den Dokumenten in alter belarussischer Sprache vorkommen.

English Version

The Grand Duchy of Lithuania

Natallia Slizh

I. Introduction

From the thirteenth until the eighteenth century, the Grand Duchy of Lithuania covered the entire territory of contemporary Belarus, Ukraine, Lithuania, Latvia, and parts of Russia (Smolensk and Briansk provinces), Poland (Belastok province), and Latvia (Daugavpils province). This vast and thinly populated region, with its bewildering variety of religions and complicated mixture of law courts, recorded remarkably few witch trials. It is difficult to offer complete statistics, but even allowing for lacunae, no more than fifty witches perished throughout the whole territory of the Grand Duchy of Lithuania between the fifteenth and eighteenth centuries.

Although most of these Slavic regions were soon converted to Orthodox Christianity, the Baltic territories of the Grand Duchy of Lithuania remained pagan, missionaries visited the Grand Duchy of Lithuania and noted that the local population worshipped the Cult of Fire--until the end of the fourteenth century, when its ruler, Grand Duke Jahajla (Jakov in Orthodox, Vladislav in Catholic), became Catholic in order to acquire the crown of Poland in 1386. Protestant ideas spread over the territory of the Grand Duchy of Lithuania by the mid-sixteenth century. The majority of noblemen and part of the petty bourgeoisie became Protestant. Beginning in the late sixteenth century, Catholicism’s influence grew. Although Catholicism became dominant, Orthodox, Protestant, and Greek Catholic Christian Churches, Islam, Judaism as well as paganism still were practiced in the Grand Duchy of Lithuania. This religious pluralism did not allow for witch hunting to be initiated in the whole country. Of course, it was unacceptable for the GDL society.

The small number of witch trials in the Grand Duchy had multiple causes, including erratic records from most of its courts. More important reasons include the fact that although its rulers were Catholic, much of its population was Orthodox – a religion that virtually ignored diabolical pacts and therefore very rarely prosecuted witches; and the temporal power was more influential than ecclesiastical in society.

II. Legal Foundation and Judicature

In the Grand Duchy of Lithuania, secular tribunals, without any ecclesiastical interference, tried all cases of witchcraft. Defendants were judged solely for damage caused by sorcery. But Lithuania’s system of courts was complex. From the bottom up, it included communal Kopny courts for peasants; town council courts for municipal citizens; Zemski courts for district nobles; regional castle courts handled appeals from both nobles and commoners; and at the top sat the Grand Duchy’s highest tribunal, the Court of Appeal. The most ascertained cases were heard in Kopny, castle, town council, and very rear Zemski and castle courts. It shows that witches were in all strata.

Sometimes the nobility conducted private investigation in estates. For example, the questioning of inhabitants of Jan Stanislav Sapeha’s estates testified that Kudravec and his family were blamed in witchcraft without any reasons (Czwołek 2009, P. 121–138).

The Grand Duchy of Lithuania had no laws against witchcraft until the sixteenth century. In 1529, the first Statute dealing with witchcraft held that a criminal, who through sorcery did not feel pain when tortured, had to pay a fine to the plaintiff (part 13, article 14). The Statutes of 1566 and 1588 confirmed the 1529 law (1566: part 14, article 15; 1588: part 14, article 18). The Statute of 1588 (part 4, article 30) defined sorcery as a criminal charge that was under consideration of palatines and captains. Mentioned above articles were not enough for judicial practice. Legislation allowed using codes of Christian countries (1588: part 4, article 54). Judges referred to Codex Justinianus, Carolina Code, Speculum Saxonum, Magdeburg Law, and Bible that allowed to torture and burn witches. The Constitution of Sejm forbade using tortures in criminal cases and process against witches in 1776 (Volumina legum. Tom VІІІ. S. 546–547).

All Christian branches regarded witchcraft as a sin. But non one of them had such power to initiate witch-hunting in the Grand Duchy of Lithuania as it was in Europe. The Hammer of Witches was not translated into Old-Belarusian language. It appeared in Polish only in 1614. The book was not mentioned in ascertained case. Instructio circa Iudicia appeared in Rome in 1657 was published in Krakow in 1670 than only in 1721 in Vilna.

It is impossible exactly to calculate all witchcraft cases in the Grand Duchy of Lithuania. Historiography presents 363 cases from 1552 till 1771. It was base on the published extracts from different courts in Sudebnyje procesy (Beresnevičius, Čaplinskas 2006, P. 149). This statistic is not representational because of lack of documents. Books of records of many regions, especially eastern regions, were destroyed. It is difficult to support the idea that peak of witch-hunting was in the 30th of the 17th c. and came back at the end of the 17th c. because the most books from magistrate and castle courts from the 16th c. were not kept till our days (Pilaszek 2002, S. 16-17).

III. Witchcraft Trials

Secular courts investigated witchcraft process but the presence of the clergy was possible. A statement about damage was necessary to begin a case. Courts accepted only identifying evidence. For example, Orthodox priest Semen blamed Lavriš Ivaškovič in sorcery in 1560. After his visiting he found a riven acorn in the house. Slonim Castle court relieved Lavriš Ivaškovič of responsibility because he was not alone in priest’s house (NGAB, l. 16v). Not all complaints provoked initiating processes against witches. They could stay without any results (Sudebnyje procesy 1987, P. 84-85, 162-164, 169-170, 213-214, 295-298).

A plaintiff should present witnesses and results of damage. According to the cases witches could do damage to adults, children, livestock, and crops. Witches had ability to influence psychologically by damnations or driving somebody mad (Sudebnyje procesy 1987, P. 87). Damnations (pohvalki) were regarded seriously in traditional society especially if they realized in life. In 1572, Nevera Staškovna told Ščasny Olehnovič that he, his wife and children would lose their legs and his house would be destroyed. Olehnovič appealed to Slonim castle court (NGAB, l. 325v). In 1597, Kasper Stefanovič Daumont blamed Vojteh Janovič Jasula that he lost ability to move because of his witchcraft (Sudebnyje procesy 1987, P. 84). Damnations were told personally or passed through other persons that provoked the beginning of illness. People believed that witches could force to do unusual things. According to evidences of 1643 Vasiĺ Brykun could make people to go anywhere, leave own children, and hug a stove (Archeograficheskij sbornik 1867, Vol. 1, P. 339-341).

Witches practiced other types of witchcraft. They tossed herbs or poison in drinks and food, magic dolls and things in a house, conjured on bedclothes, clothes, made love-philtre, spoiled milk, bread, beer, stole milk from a cow, sent an attack of wild animals on a village (Sudebnyje procesy 1987, P. 82-83, 93-153, 155–161, 162-175, 176, 199-205, 208-209, 216-217, 227-228, 287). The results of witchcraft were illness, barrenness, death, and damage on housekeeping. Sometimes person who practiced treatment by herbs could come under suspicion (Slizh 2011, P. 321). Information about contacts with devil or flying to witches' sabbath meets seldom in documents. It was an additional characteristic of witch’s activities (Sudebnyje procesy 1987, P. 75, 367). Motives for witchcraft were different envy, wishes to receive relative’s property, to make harm and others. Relatives, a spouse, neighbors, and strangers could make harm.

As in other countries it was allowed to use torture for receiving information from a witch. Swimming test, a rack, and tortures by fire were used in judicial practice of the Grand Duchy of Lithuania (Sudebnyje procesy 1987, P. 74, 180, 208, 217, 229, 246, 249, 265, 368, 375). According to legislation it was possible to torture only three times. This number was mentioned in cases. But after tortures a witch should repeat all his/her words in calm state. For example, in 1615, Jurgel Sunian’s wife Zofea, her son Gasul, and Tumelis Pavlovič Daradundenos underwent the ordeal by water in a peasant or Kopny court in a village Maguny in Braslav province -- and all three of them floated than they were given to a rack and burnt (Gistoryja Belarusi 1936, P. 546-549; Lobač 1997).

The list of questions to a witch based on Constitutio Criminalis Carolina was presented in the special article of the Magdeburg Law. They were about methods, instruments, and customs of witchcraft, words used in witchcraft, a teacher, a person against whom witchcraft directed to (Groicki 1954, S. 123). Witches were very often asked about other witches. For example, Raina Menskovkaja named two men and a woman during the process of 1630-1631. She even gave folk recipes for treatment illnesses (Archeograficheskij sbornik 1867, Vol. 3, P. 99-100, 113-168).

Witches had right to present their interest in courts by advocates. Jurij Mor defended Raina Menskovkaja in 1630-1631 but it did not help she was burned (Archeograficheskij sbornik 1867, Vol. 3, P. 113-168).

Some documentary information suggests that in the GDL men were considered more powerful sorcerers than women. For example, Tumelis Daradundenos was accused of belonging to a clan of notorious sorcerers (Gistoryja Belarusi 1936, P. 546-549; Loba1997). Sources show Maxim Znak (burned in 1691) as a powerful sorcerer, who named other witches; Rosol from Verteliški was both the oldest and strongest magician in the Horodna region (Jodkowski 1932).

Witchcraft trails ended in different ways. It could be burning, banishment, discharge from indictment, imprisonment, beating and penance in a church or bailment (Sudebnyje procesy 1987, P. 77-79, 87, 14, 175, 180, 203, 211, 217, 223, 229, 254, 268, 364, 365, 371, 372). For example, Gasul Sunian, his mother Zofia and Tumelis Daradundenos (1615), Fedora Vysockaja (1630), Raina Menskovkaja (1631), Vasiĺ Brykun (1643), Maksim Znak (1691) and others were condemned to death by fire. In 1709, Bereste (now Brest) magistrate condemned Apalonija Kulešna to beating and penance in a church for making love-philtre (Akty, Vol. 6, Vilna 1872, P. 510-511). Sometimes witches remained unpunished because a peasant’s owner refused to present them in court.

In the Grand Duchy of Lithuania, pagan beliefs strongly influenced everyday life among nobility, townspeople, and peasants alike. Cases of witchcraft were under jurisdiction of temporal power. Courts examined only harmful witchcraft that was possible to prove. Because of it the number of process was not as high as it was in Europe.

Empfohlene Zitierweise

Slizh, Natallia: Großfürstentum Litauen. In: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller und Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/jezs0/

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Erstellt: 02.09.2013

Zuletzt geändert: 25.03.2014


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