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Datierung

 

Die Datierung steht in der Regel am Ende der Vertragsurkunde und benennt neben dem Ort den Zeitpunkt der Rechtshandlung oder den Zeitpunkt der Urkundenausstellung. Der Zeitpunkt der Rechtshandlung, erkennbar an Formeln wie „Actum“, „Fait“ oder „Geschehen“, kann vom Zeitpunkt der Urkundenausfertigung – hier finden sich Formeln wie „Datum“, „Donné“ oder  „Gegeben“ – abweichen. Die Zeitangabe bezeichnet das Jahr, den Monat, den Tag und gelegentlich sogar die Tageszeit. Auch der Aushändiger der Urkunde (Datar), kann genannt werden, was bei den Vertragsurkunden allerdings selten vorkommt.

Zudem finden sich vor allem bei älteren Urkunden noch die Datierung nach den Regierungsjahren von Staatsoberhäuptern und die Angabe der Indiktion. Letztere ist eine Jahresbezeichnung, die auf einem in die römische Antike zurückreichenden 15-jährigen Zyklus basiert, vermutlich steuerlichen Zwecken gedient hatte, von Justinian 537 gesetzlich vorgeschrieben wurde und noch im Mittelalter in Gebrauch war. Heute werden internationale => Verträge (zumindest zwischen christliche Staaten) nach dem Gregorianischen Kalender datiert. Dessen Name erinnert an Papst Gregor XIII., der ihn einführte: Unter Wegfall von 10 Tagen sprang man bei der Zeitrechnung vom 4. auf den 15. Oktober 1582, um Sonnen- und Kalenderjahr wieder aufeinander abzustimmen.

Von der katholischen Kirche verkündet, setzte sich der Gregorianische Kalender in den protestantischen und orthodoxen Gebieten jedoch erst nach und nach durch. Eingeführt wurde er beispielsweise in den protestantischen Gebieten des Reiches 1700, in England 1752, in Schweden 1753 und in Russland sogar erst 1918. Deshalb ist bei Verträgen der Frühen Neuzeit stets zu prüfen, ob sich eine Datumsangabe auf den alten Stil, d.h. den julianischen Kalender oder auf den Neuen Stil, sprich den Gregorianischen Kalender bezieht. Nicht selten wird sogar in der Zeitangabe selbst darauf hingewiesen wie bei dem Waffenstillstand von Stuhmsdorf (1635 IX 12) Actum Stumdorffij die duodecima mensis septembris stylo novo Anno salutis millesimo sexcentesimo trigesimo Quinto.

Schließen Partner mit unterschiedlichen Datierungsgewohnheiten einen Vertrag, werden meist beide Zeitangaben niedergeschrieben und mit einen Schräg- oder einem Bruchstrich voneinander getrennt. Ein gutes Beispiel hierfür bietet der Friedensvertrag von Celle, der am 5. Feb. 1679 zwischen dem protestantischen Schweden, dem katholischen Frankreich sowie den protestantischen Herrschaften Braunschweig-Celle und Braunschweig-Lüneburg geschlossen wurde. Durch die Beifügungen st.n. und st.v. ist zudem gekennzeichnet, dass es sich beim 5. Feb. um den neuen und beim 26. Jan. um den alten Stil handelt.

„Fait à Celle ce 5 Févirer st.n. / 26. Janvier st.v. 1679.“

Abgesehen von solch unterschiedlichen Datierungsstilen werden => Unterhändlerinstrumente als Ergebnis persönlich und gemeinsam geführter Verhandlungen mit einer einheitlichen Zeitangabe versehen; Doppeldatierungen stellen die Ausnahmen dar.

Bei multilateralen Verträgen mit vielen Verhandlungsteilnehmern kommt es jedoch zuweilen vor, dass Vertreter des einen oder anderen Staates erst nachträglich unterschreiben. Mal wird in solchen Fällen eine neue Datierungsformel eingefügt, mal wird die Unterschrift einfach ohne weitere Datumsangabe dazugesetzt. Vor allem in jüngerer Zeit kann dies aber über Ratifikationsprotokolle, Signaturprotokolle oder Tabellen mit den Unterzeichnungsdaten nachvollzogen werden.

Neben solchen absichtlichen Rückdatierungen, die im Unterhändlerinstrument nicht ersichtlich werden, muss man hin und wieder auch mit absichtlichen Falschdatierungen aufgrund von politischen Rücksichtnahmen rechnen. Schließlich ist noch bei der zeitlichen Einreihung von Verträgen zu beachten, ob es sich um eine unmittelbare oder zusammengesetzte => Beurkundung handelt. Während im ersten Fall Beurkundung und rechtlicher Vollzug zusammenfallen, kennen wir im zweiten Fall zunächst den Zeitpunkt der Rechtswirksamkeit der Urkunde nicht, da das => Unterhändlerinstrument erst ratifiziert werden muss.

Verfasser: Peter Seelmann 

 

Literatur:

Jenks, Stuart, http://www.phil.uni-erlangen.de/~p1ges/quellen/pub/urkundenlehre.html
Eingesehen am: 15. August 2006.

Frenz, Thomas, Urkundenlehre, in: HRG, Bd. 5, 1998, Sp. 584-591.

Brandt, Ahasver von, Werkzeug des Historikers, 13. Aufl. Berlin 1993.

Bittner, Ludwig, Die Lehren von den völkerrechtlichen Vertragsurkunden, Stuttgart – Leipzig – Berlin 1924.

 



Erstellt: 26.07.2006

Zuletzt geändert: 23.08.2006


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