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Arenga (allgem. Beweggründe)

 

Eigentlich die literarische Einleitungsformel mittelalterlicher Urkunden, welche mit dem Rechtsinhalt der Urkunde (wenn auch meist recht locker) in Verbindung steht und von Protokoll (=> Invocatio, => Intitulatio, usw.) zum eigentlichen Vertragstext (=> Promulgatio, => Narratio, => Dispositio usw.) überleitet. Sie ist in diesem Sinne erst seit dem 13. Jh. bekannt und bildet als rhetorische Wendung ein Element der mittelalterlichen Urkundensprache. Selten jedoch liefert die Arenga historisch und politisch relevante Nachrichten, vielmehr gibt sie häufig nur allgemeine zum Teil religiöse Begründungen für die Urkundentätigkeit wieder („Mutantur tempora, recedit mermoria hominum, sed vivit litera et per eam vivunt diucius actiones“). Vermutlich liegt hier einer der Gründe, weshalb sie sich nicht zu einem wesentlichen Bestandteil des Urkundenformulars entwickelte, und bei einfacherer Ausstattung des Schriftstücks die Promulgatio die Funktion dieses Bindegliedes zwischen Protokoll und Dispositio übernommen hat. Auch beim Vorhandensein einer Arenga ist die Grenze zur Narratio und Dispositio nicht immer ganz deutlich. Gelegentlich wird der Begriff Arenga im Sinne von Vorspruch gebraucht und entsprechend schwer ist die Arenga inhaltlich von der => Präambel zu unterscheiden. [1]

Verfasser: Peter Seelmann 

 

Literatur:

Fichtenau, Heinrich, Arenga, in: LexMA, Bd. V, 1999, Sp. 483-484.

Brandt, Ahasver von, Werkzeug des Historikers, 13. Aufl., Berlin1993.

Merzenbacher, Friedrich, Arenga in: HRG, Bd. 1, 1971, Sp. 217-218.

Bittner, Ludwig, Die Lehren von den völkerrechtlichen Vertragsurkunden, Stuttgart – Leipzig – Berlin 1924.

 

Anmerkungen

  • [1]

    Merzenbacher, F. Arenga in: HRG, Bd. 1, 1971, Sp. 217 u. Erler, Adalbert, Praeambel, in: HRG, Bd. 3, 1984, Sp. 1849.



Erstellt: 26.07.2006

Zuletzt geändert: 23.08.2006


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