Biographien

  / historicum.net / Themen / Französische Revolution / Biographien

Kurzbiogramm – Napoleon

Napoléon Bonaparte (Buonaparte);* 15.08.1769 Ajaccio; 05.05.1821 St. Helena.

Artillerieoffizier; Erster Konsul; Kaiser der Franzosen

Napoleon Bonaparte wird offiziell am 15. August 1769 in Ajaccio (Korsika) als Sohn von Charles (1746-1785), dem späteren Adelsvertreter der korsischen Generalstände (États généraux de Corse), geboren. Seine Schulzeit führt ihn 1779 zunächst ans Collège d'Autun, dann am 15. Mai 1779, an die Militärschule von Brienne. 1784 wechselt der 15-Jährige Korse bis zum 28. Oktober 1785 an die Pariser École militaire, die er mit mäßigem Erfolg absolviert.

1785 bis 1789 ist er in Valence und Auxonne stationiert. Napoleon profitiert jedoch von einer Vielzahl an Sonderurlauben, die er sowohl in Paris als auch in seiner korsischen Heimat verbringt. 1791 nimmt er im Umfeld von Pascal Paoli (1725-1807) an den politischen Auseinandersetzungen auf der Insel teil. 1792 lässt er sich in die Nationalgarde von Ajaccio wählen. Im gleichen Jahr wird Bonaparte in Paris zum Artilleriehauptmann befördert. Nach einem weiteren Korsikaaufenthalt beteiligt er sich am 10. Oktober 1792 am Sturm auf die Tuilerien.

1793 kommt es zum Bruch mit Paoli, den Napoleon im Nationalkonvent als Feind der Republik bezeichnet. Daraufhin ist die Familie Bonaparte am 11. Juni 1793 gezwungen, Korsika zu verlassen. Am 13. Juni des Jahres trifft der Artilleriehauptmann im englisch besetzten, royalistischen Toulon ein. Als er am 25. November 1793 dem leitenden General Dugommier (1738-1794) einen Angriffsplan vorschlägt, der zur erfolgreichen Einnahme der Stadt am 18. Dezember 1793 führt, wird er am 22. Dezember des Jahres zum Brigadegeneral befördert.

In der Folgezeit freundet sich Bonaparte in Marseille mit Robespierre le Jeune (1763-1794) an, was seiner Karriere nach dem Sturz Robespierres am 27. Juni 1794 ein vorzeitiges Ende zu setzen droht. Nach einer Inhaftierung vom 9. bis 20. August ist er jedoch in der Lage, seine politisch-militärische Laufbahn fortzusetzen. Am 23. September 1794 plädiert er in einem Schreiben an den Nationalkonvent - erfolglos - für die Eroberung Korsikas. Statt dessen wird er zur Westarmee abgerufen, kann sich jedoch unter Vortäuschung einer Krankheit erneut seinen Aufgaben entziehen, woraufhin sein Name am 15. September 1795 von der Liste der Revolutionsgeneräle gestrichen wird.

Am 13. Vendémiaire (5. Oktober) 1795 schlägt er an der Seite von Barras (1755-1829) einen royalistischen Putsch nieder. Letzterer vermittelt ihm die erste Ehe mit Joséphine Beauharnais (1763-1814), die den korsischen Offizier in die Kreise der Direktoriums-Gesellschaft (1795-1799) einführt. Es folgen ein erfolgreicher Italienfeldzug (1796/97), der Waffenstillstand mit Österreich sowie ein Friedensschluss mit dem Papst. Am 9. Juli 1797 proklamiert General Napoleon die Zisalpinische Republik mit einer an die französische Konstitution des Jahres drei angelehnten Verfassung. Der anschließende ägyptische Feldzug (1798) wird mangels militärischer Perspektiven abgebrochen.

Am 18. Brumaire (9. November) 1799 stürzt Bonaparte das durch Misswirtschaft diskreditierte Direktorium der französischen Republik, um im Anschluss als Erster Konsul die Staatsgewalt zu übernehmen. Der am 9. Februar 1801 in Lunéville geschlossene Frieden mit Österreich und der Frieden mit Großbritannien am 25. März 1802 in Amiens sorgen für ein vorübergehendes Aussetzen kriegerischer Aktivitäten. Dies nutzt Napoleon innenpolitisch, um die Errungenschaften der Revolution zu konsolidieren, indem er dem Bürgertum eine administrative, rechtliche und kulturelle Grundlage verleiht.

Zu den Leistungen der Konsularzeit (1799-1804) zählen die Abschaffung der Verwaltungszentralisierung durch Einsetzen von Präfekten in den Departements, das Konkordat mit dem Heiligen Stuhl, der Code Civil (1804) und die auf ihn folgenden vier Gesetzbücher (Code Napoléon), deren Gleichheitsgrundsatz in der europäischen Rechtsgeschichte maßgebend wird, die einheitliche Organisation des staatlichen Unterrichtswesens sowie die Gründung der Ehrenlegion. In wiederholten Plebisziten bringt das Bürgertum mit überwältigender Mehrheit seine Zustimmung zu Bonapartes Regime und seiner Verfassungsänderung zum Ausdruck. Der letzte Volksentscheid am 6. November 1804 votiert mit 3 572 329 zu 2579 Stimmen für das erbliche Kaisertum.

Napoleon herrscht nunmehr über ein Frankreich, das als bevölkerungsreichster und wirtschaftlich fortschrittlicher Staat seinen Hegemonieanspruch in Europa dank revolutionärer und militärischer Machtentfaltung weitgehend verwirklicht hat. Als selbstinszenierter "Imperator" in der Tradition Caesars (um 100-44) und Karls des Großen (768-814) ist er fortan bestrebt, den Zusammenschluss Europas gegen die Seemacht Großbritannien zu vollziehen und London in einem Wirtschaftskrieg zur Aufgabe seiner Prinzipien vom europäischen Gleichgewicht zu zwingen.

Mit siegreichen Feldzügen in Deutschland [Austerlitz (2. Dezember 1805), Jena (14. Oktober 1806)], der Errichtung des Rheinbundes (1806), der am 21. November 1806 in Berlin beschlossenen Kontinentalsperre und der Allianz mit Alexander I. (1777-1825) im Frieden von Tilsit (1807) rückt die Isolation Großbritanniens in greifbare Nähe. Zeitgleich wendet er sich 1805 gegen Österreich, zwingt es am 25. Dezember 1805 zum Frieden von Pressburg und krönt sich zum König von Italien.

Die französische Intervention in Portugal (1807) sowie die anschließende Besetzung Spaniens münden jedoch in einen spanischen Guerillakrieg (1808-14), den Napoleon militärisch nicht gewinnen kann. Auch das Einvernehmen mit Russland endet bereits 1809. Als Napoleon, seit 1811 mit der österreichischen Kaisertochter Marie Louise (1791-1847) verheiratet, im Winter 1812 vernichtend geschlagen aus dem Russlandfeldzug zurückkehrt, bricht das Imperium militärisch zusammen.

Preußen und Österreich lösen ihre Allianzen mit Frankreich, um sich in den anschließenden Befreiungskriegen mit Großbritannien und Russland zu verbünden. In der "Völkerschlacht" bei Leipzig vom 16. bis 19. Oktober 1813 werden die französischen Truppen aus Deutschland vertrieben. Am 31. März 1814 besetzen die Verbündeten Paris und zwingen den Kaiser am 6. April 1814 zur Abdankung.

Im gleichen Jahr wird Bonaparte als Souverän auf die Insel Elba verbannt. Angesichts der Spannungen auf dem zur Neuordnung Europas einberufenen Wiener Kongresses (September 1814 - 9. Juni 1815) sowie der mangelnden Begeisterung Frankreichs angesichts der anstehenden bourbonischen Restauration verlässt er am 1. März 1815 sein Exil, um erneut die Macht zu ergreifen. Die krisengeschüttelte Allianz der Siegermächte zeigt sich jedoch geschlossen. Die Herrschaft der "Hundert Tage" endet am 18. Juni 1815 mit der vernichtenden Niederlage Napoleons gegen die Koalitionsarmeen Blüchers (1742-1819) und Wellingtons (1769-1852) bei Waterloo (Belle-Alliance).

Der als Usurpator geächtete Napoleon wird von Großbritannien auf die Insel St. Helena im Südatlantik verbannt, wo er sechs Jahre später, am 5. Mai 1821, stirbt. Seine sterblichen Überreste werden 1840 in den Pariser Invalidendom überführt.

Literatur

Keith Addeay: Napoleon, London 1983.

Jacques Bainville: Napoléon, Paris 1995.

Roger Caratini: Dictionnaire des personnages de la Révolution, Montréal 1988.

Quellen

[Vgl. mehr unter http://gallica.bnf.fr/scripts/Consultation]

Détail de tout ce qui s'est passé hier au Conseil des Cinq-Cents, à St.-Cloud... Discours de Bonaparte, aux citoyens composant la garde nationale sédentaire de Paris, Publication Num. BNF de l'éd. de [S.l.] : Micro Graphix, cop. 1993. Reprod. de l'éd. de [Paris] : [s.n.], [an VIII, 1799].

Manuscrits inédits, 1786-1791 / [Napoléon I] ; publiés d'après les originaux autographes, par Frédéric Masson et Guido Biagi, Publication Num. BNF de l'éd. de Paris : P. Ollendorff, 1907.

Tendresses impériales / Napoléon Bonaparte. Avec une Lettre-préface [à Maurice Barrès] / par Abel Gri

Manuscrits inédits, 1786-1791 / [Napoléon I] ; publiés d'après les originaux autographes, par Frédéric Masson et Guido Biagi

Maximes de guerre et pensées / de Napoléon Ier

Précis des guerres de Jules César / Napoléon Bonaparte

Précis des guerres de Jules César / Napoléon Bonaparte

Précis des guerres de Jules César / Napoléon Bonaparte

Le Traité d'Utrecht réclamé par la France ou Coup d'oeil sur le systême maritime de Napoléon Bonaparte et analyse du rapport de son ministre des relations extérieurs / communiqué au Sénat de France dans sa séance du 10 mars 1812

Oeuvres de Napoléon Bonaparte . Tome premier

Oeuvres de Napoléon Bonaparte . Tome deuxième

Oeuvres de Napoléon Bonaparte . Tome troisième

Oeuvres de Napoléon Bonaparte . Tome quatrième

Oeuvres de Napoléon Bonaparte . Tome cinquième

 

Lars Schneider 

 

Empfohlene Zitierweise

Schneider, Lars: Napoleon, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/oz117/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 04.01.2006

Zuletzt geändert: 04.01.2006


Lesezeichen / Weitersagen

FacebookTwitterGoogle+XingLinkedInDeliciousDiggPinterestE-Mail