Biographien

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Kurzbiogramm - Mirabeau

Honoré-Gabriel Riquetti, Comte de Mirabeau; * 09.03.1749 Bignon (Loiret); 02.04.1791 Paris.

Schriftsteller und Publizist; Präsident der Nationalversammlung

Honoré-Gabriel Riquetti wird am 9. März 1749 in Bignon bei Nemours als Sohn Victor Riquettis, Marquis de Mirabeau (1715-1789), der sich als Autor des 1756 erschienenen "l´Ami des hommes" und als Anhänger der Physiokraten einen Namen gemacht hat, geboren. Das Verhältnis Mirabeaus zu seinem Vater wird immer gespannt bleiben. Da er von seinem Vater keine finanzielle Unterstützung erhält, strebt er eine militärische Karriere an.

Der Kavallerieoffizier lebt seit 1771 in Paris; 1772 heiratet er Marie Emilie de Marignane. Nachdem Ludwig XV. (1710-1774) Mirabeau auf Betreiben seines Vaters wegen Verschwendungssucht auf seine Besitzungen verbannt hat, entsteht 1774 dort der "Essai sur le despotisme", der die Praxis der Justiz unter Ludwig XV. kritisiert und nach der 1775 in London erfolgten Publikation beträchtliches Aufsehen erregt. Nach seiner Inhaftierung im Château d´If wird Mirabeau 1775 in das Schloss von Joux im Jura verlegt.

Da Mirabeau sein Gefängnis verlassen kann, um die benachbarte Stadt Pontarlier zu besuchen, macht er dort die Bekanntschaft Marie Thérèse de Monniers, der Frau des Präsidenten des Rechnungshofes von Dôle, die er später Sophie nennen wird. Beide verlieben sich ineinander und treffen sich nach ihrer Flucht in der Schweiz wieder. Nachdem Mirabeau mittlerweile wegen Ehebruchs in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden ist, wird er im Mai 1777 von der französischen Polizei verhaftet und bis 1780 in Vincennes inhaftiert. In der Zeit seiner Haft entsteht neben erotischen Schriften, zu denen die erstmals 1793 publizierten "Lettres à Sophie" und "Ma conversion" gehören, auch eine verfassungsgeschichtliche Abhandlung über die lettres de cachet, die 1782 in Hamburg unter dem Titel "Des lettres de cachet et des prisons d´État" publiziert wurde.

Nach seiner Entlassung aus Vincennes im August 1782 beginnt die zweite Periode in Mirabeaus Leben. Dank seiner überragenden Rednergabe gelingt es ihm, sein Todesurteil annullieren zu lassen; die Kosten des Prozesses hat Monsieur de Monnier zu tragen. In Aix führt Mirabeau einen Prozess, um seine Frau zur Rückkehr zu zwingen, der allerdings scheitert. In Paris schaltet sich Mirabeau in einen vor dem Parlament zwischen seinen Eltern ausgetragenen Rechtsstreit ein, was dazu führt, dass er Frankreich verlassen muss. Er findet Zuflucht in Holland, wo er eine Verbindung mit Madame de Nehra, der Tochter des holländischen Politikers Zwier van Haren, eingeht. 1785 macht Mirabeau in London, wo seine Abhandlung über die lettres de cachet beifällig aufgenommen worden ist, die Bekanntschaft liberal gesinnter Kreise. Die konstitutionelle Monarchie in England beeindruckt Mirabeau, der dort wichtige Anregungen für das eigene politische Ordnungsmodell empfängt.

Nach seiner Rückkehr nach Paris wird er auf die zweifelhaften Geschäftspraktiken der Aktienhändler aufmerksam und greift diese heftig an. Dies führt zu einer polemischen Auseinandersetzung mit Beaumarchais (1732-1799). Im Juli 1786 reist Mirabeau im Auftrag des Ministers Vergennes (1717-1787) nach Berlin, um dort bis Januar 1787 den neuen König Friedrich Wilhelm II. (1744-1797) zu einer Annäherung an Frankreich zu bewegen. Die Mission bleibt allerdings erfolglos. Die Eindrücke seines Aufenthalts in der preußischen Residenz verarbeitet Mirabeau in der 1788 in London erschienenen Schrift "De la monarchie prussienne sous Frédéric le Grand". Anschließend verfasst er ein Werk zur Unterstützung der niederländischen Patrioten, das den Titel "Adresse aux Bataves" trägt.

Bei den Wahlen zu den Generalständen im Mai 1789 wird Mirabeau nicht von seinen Standesgenossen, dem Adel der Sénéchaussées von Aix und Marseille, sondern vom Tiers État als Abgeordneter nach Versailles entsandt. Zuvor hat sein "Manifeste à la nation provençale" bereits Aufsehen erregt. Mirabeau eilt ein schlechter Ruf voraus. Zugleich besitzt er aber auch den Beinamen der "flambeau de la Provence", dessen rhetorisches Talent, durchdringende Stimme und Intelligenz beeindrucken. Historische Bedeutung erlangt er, als er am 23. Juni 1789 Marquis Henri-Evrard de Dreux-Brézé auf dessen im Namen des Königs ergangene Aufforderung, die Sitzung aufzuheben, in einer der überlieferten Versionen antwortet: "Allez dire à ceux qui vous ont envoyés que nous sommes ici par la volonté du peuple et que nous n´en sortirons que par la puissance des baïonettes."

Als am 14. Juli 1789 die Bastille gestürmt wird, trägt Mirabeau seinen Vater zu Grabe. Mirabeau vertritt die Auffassung, dass Königtum und Nationalversammlung gemeinsam eine Reform des Staates durchführen sollten. Grundlage der königlichen Herrschaft ist für ihn nicht mehr das Gottesgnadentum, sondern die Einsetzung des Königs durch das Volk. Als Feinde der Freiheit sieht Mirabeau den Feudaladel, den Klerus und die Parlamente an. So spielt er eine maßgebliche Rolle bei der Verabschiedung der ersten großen Reformen, der Abschaffung der Privilegien und der Einziehung der Kirchengüter. Eine Gewaltenteilung nach dem Modell Montesquieus (1689-1755) lehnt Mirabeau ab. Sein Konzept von der "Démocratie royale" sieht eine konstitutionelle Monarchie mit einer starken Exekutive vor, in welcher der König ein suspensives Veto besitzt und allein über Krieg und Frieden entscheidet.

Einen Rückschlag muss Mirabeau am 7. November 1789 hinnehmen, als seine Gegner in der Nationalversammlung durchsetzen, dass die Abgeordneten der Nationalversammlung kein Ministeramt übernehmen dürfen. Seine Popularität erleidet einen weiteren Rückschlag, als seine Gegner ihn wegen enger Kontakte zum Hof angreifen. Die Vorwürfe sind berechtigt, da Mirabeau seit Mai 1790 dem König Ratschläge unterbreitet, ohne allerdings Gehör zu finden, da vor allem Königin Marie Antoinette (1755-1793) ihm misstraut. Die Zahlungen des Hofes, der die Schulden Mirabeaus begleicht, ermöglichen dem bislang in ärmlichen Verhältnissen Lebenden einen aufwendigen Lebenswandel. Doch Mirabeau, der beträchtlich an Einfluss verloren hat, ist nun weitgehend isoliert.

Erschöpft von seinem unsteten Lebenswandel, den Strapazen der zahlreichen Inhaftierungen und seinem politischen Engagement, erkrankt Mirabeau, der am 30. Januar 1791 zum Präsidenten der Nationalversammlung gewählt worden ist, im März 1791 und stirbt am 2. April 1791 in den Armen seines Arztes Cabanis. Der Tod tritt so plötzlich ein, dass man einen Giftmord vermutet. Am 4. April 1791 wird Mirabeau in einem Staatsbegräbnis im Panthéon beigesetzt. Nach der Entdeckung des Eisenschrankes, welcher den Beweis für die Verbindungen Mirabeaus zum Hof enthält, wird sein Leichnam im November 1793 aus dem Panthéon entfernt.

Literatur

Guy Chaussinand-Nogaret: Mirabeau, Paris 1982; dt. Übersetzung Stuttgart 1988.

Jacques de Cock: Mirabeau et la naissance du régime parlementaire, Lyon 1999.

Pierre Gay: Mirabeau. L´homme de 89, Aix-en-Provence 1991.

Henry Gilles. Mirabeau père. 5 octobre 1715-11 juillet 1789, Paris 1989.

Philippe Guilhaume: Mirabeau, Paris 1982.

Barbara Luttrell: Mirabeau, Carbondale 1990.

Albert Manfred: Drei Porträts aus der Epoche der Großen Französischen Revolution, Köln 1987.

Humbert de Montlaur: Mirabeau "l´ami des hommes", Paris 1992.

Justus Franz Wittkop: Graf Mirabeau. Biographie, Esslingen 1982.

Quellen

Essai sur le despotisme / Mirabeau ; [préf. Simone Goyard-Fabre]

Sur Moses Mendelssohn, sur la réforme politique des juifs / Le Comte de Mirabeau

Discours et opinions / Mirabeau

Discours et opinions / Mirabeau

Discours et opinions / Mirabeau

Lettres à Sophie . Tome Ier / Mirabeau

Lettres à Sophie . Tome II / Mirabeau

Lettres à Sophie . Tome III / Mirabeau

Des lettres de cachet et des prisons d'état / par Mirabeau

Essai sur le despotisme : histoire secrète de la cour de Berlin / Mirabeau. précédées d'une notice sur sa vie et ses ouvrages / par M. Mérilhou

Les candidats de Paris jugés, ou Contre-poison, adressé aux électeurs de Paris / par M. le comte de M***

Les grands hommes du jour . Seconde partie / [attribué à Choderlos de Laclos] ; [A. de Rivarol et G.H. de Mirabeau]

Discours du comte de Mirabeau, dans la séance du 19 octobre 1789 : après la réception de la commune de Paris

Sur Moses Mendelssohn, sur la réforme politique des juifs : et en particulier sur la Révolution tentée en leur faveur en 1753 dans la Grande Bretagne / par le comte de Mirabeau

Opinion du comte de Mirabeau, sur le réglement donné par le roi, pour l'exécution de ses lettres de convocation aux prochains états généraux de son comté de Provence

Caisse d'épargnes et de bienfaisance du sieur Lagarge . Rapport fait au nom des Comités de finances et de mendicité, réunis, sur le plan de tontine viagère & d'amortissement proposé par le sieur Lagarge, rapporté à l'Assemblée nationale, le 30 octobre dernier, par M. l'abbé Gouttes,.... Discours prononcé par M. de Mirabeau,...

Discours et réplique sur les assignats-monnoie, prononcés par M. Mirabeau l'aîné, dans l'Assemblée nationale

Dénonciation de l'agiotage au Roi et à l'assemblée des notables / par le comte de Mirabeau

Lettres du comte de Mirabeau, sur l'administration de M. Necker

Suite de la "Dénonciation de l'agiotage" / par le comte de Mirabeau

Discours de monsieur Mirabeau l'aîné, sur l'éducation nationale

Travail sur l'éducation publique, trouvé dans les papiers de Mirabeau l'aîné / publ. par P. J. G. Cabanis,...

Considérations sur l'ordre de Cincinnatus... / par le comte de Mirabeau

Oeuvres de Mirabeau... . [1], Les Ecrits / avec une introduction et des notes par Louis Lumet

Oeuvres de Mirabeau... . [3], Les Discours. -1921 / avec une introduction et des notes par Louis Lumet

[Le] libertin de qualité, ou Ma conversion : édition revue sur celle originale de 1783 / par le Cte de Mirabeau

Lettres originales de Mirabeau : écrites du donjon de Vincennes, pendant les années 1777, 1778, 1779 et 1780, contenant tous les détails sur sa vie privée, ses malheurs et ses amours avec Sophie Ruffei, marquise de Monnier / recueillies par P. Manuel,...

[L']ami des hommes, ou Traité de la population... / par le Mis de Mirabeau

 

Stefan W. Römmelt 

 

Empfohlene Zitierweise

Römmelt, Stefan W.: Mirabeau, H.-G., in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/oz114/

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Erstellt: 04.01.2006

Zuletzt geändert: 04.01.2006


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