Biographien

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Kurzbiogramm - Louis XVIII.

Ludwig XVIII. (Louis-Stanislas-Xavier, Comte de Provence); * 17.11.1755 Versailles; 16.09.1824 Paris

Herzog der Provence, Regent im Exil (ab 1793), Thronprätendent im Exil (ab 1795); König von Frankreich (ab 1814)

Der spätere Monarch aus dem Hause der Bourbonen wird am 17. November 1755 in Versailles bei Paris geboren. Seine Eltern, der Dauphin Ludwig (1729-1765) und Maria Josepha von Sachsen (1731-1767), lassen ihn im Alter von sechs Jahren auf den Namen Louis-Stanislas-Xavier taufen. Der von Geburt an mit dem Titel Comte de Provence ausgestattete Prinz wird zusammen mit seinen beiden Brüdern, dem Duc de Berry, dem späteren Ludwig XVI. (1754-1793) und dem Comte d'Artois, dem späteren Karl X. (1757-1836) unter der Leitung des Duc de Vauguyon (1706-1772) erzogen.

Dieser unterweist zusammen mit dem Bischof von Limoges die hochadeligen Schüler unter der strengen Aufsicht der Eltern in den üblichen Wissensgebieten der Zeit (Religion, Altertum, Mathematik, Geschichte). Ludwig erweist sich dabei als das begabteste der drei Kinder. Im Alter von 16 Jahren wird er mit Louise-Marie-Joséphine de Savoie verheiratet und tritt offiziell in die höfische Gesellschaft unter Ludwig XV. (1710-1774) ein. Obwohl sein Tagesablauf sich nunmehr am umfangreichen Hofzeremoniell ausrichtet, verfügt der Prinz zu seinem Leidwesen über keinerlei politischen Einfluss. Statt dessen verbringt er seine Zeit mit Reisen, Lektüre und finanziellen Transaktionen. Zu seinen Leidenschaften zählt zudem das Essen. Bereits in jungen Jahren verfügt Ludwig über einen beträchtlichen Leibesumfang.

Nach dem Tod seines Großvaters und dem Regierungsantritt seines älteren Bruders am 10. Mai 1774, werden Ludwigs politische Ambitionen erneut enttäuscht. Denn wider Erwarten wird er nicht in den Ministerrat berufen. Lediglich in der bedeutsamen Frage der Wiederzulassung der Parlamente wird ihm ein Mitspracherecht zugestanden. Jedoch entspinnt sich in dieser Frage ein nachhaltiger Dissens zwischen den Brüdern, sodass der König seinen traditionell aristokratisch gesinnten Bruder fortan von der politischen Bühne verbannt. Erst in der sich verschärfenden Staatskrise am Vorabend der Revolution scheinen sich die Verhältnisse zu seinen Gunsten zu entwickeln. So übernimmt Ludwig den Vorsitz der Notabelnversammlung, wo er für die Rechte des Adels eintritt und lediglich äußerlich auf die Forderungen des Dritten Standes eingeht. Im Sommer 1789 spricht er sich schließlich zusammen mit dem Comte d'Artois offen gegen Jacques Neckers (1732-1804) Vorschlag zur Vereinigung der drei Stände aus.

Die politische Realität verkennend, erlebt er den Ausbruch der revolutionären Aufstände im Kreise der Königsfamilie in Versailles. Im Gegensatz zum Comte d'Artois und dem Prince de Condé verlässt er nach dem Sturm auf die Bastille jedoch nicht das Land, sondern folgt dem Hof am 6. Oktober des Jahres nach Paris. Im Palais Luxembourg einquartiert, beginnt er sich an den Spekulationen und Intrigen zu beteiligen, die das politische Leben der Hauptstadt bestimmen. Ludwig schmiedet zusammen mit Mirabeau (1749-1791) Fluchtpläne für den König und entwirft darüber hinaus mit dem Marquis de Favras (1744-1790) ein Mordkomplott gegen La Fayette (1757-1834) und Bailly (1736-1793) im Zusammenhang mit einer Entführung des Monarchen. Auf Anraten Mirabeaus distanziert er sich jedoch rechtzeitig von dem verwegenen Vorhaben. Das unstete, ungeschickte und illoyale Taktieren schadet aber seinem Ruf nachhaltig. So wird Ludwig von den Zeitgenossen als schwach, feige und politisch unbedeutend wahrgenommen.

Als der Antagonismus zwischen Adel und Revolutionären 1791 an bedrohlicher Schärfe gewinnt, beschließt der Prinz zeitgleich mit der Königsfamilie, Frankreich zu verlassen. Im Gegensatz zu seinem Bruder gelingt jedoch sein Fluchtversuch. Sein Weg führt ihn nach Koblenz in die Reihen der Gegenrevolutionäre, die vom Comte d'Artois angeführt werden. Im Zuge der diplomatischen und militärischen Operationen der Folgemonate muss er sich erneut einem seiner Brüder unterordnen. Darüber hinaus hat der hoch verschuldete Prinz seinen Lebensstil den veränderten Bedingungen im Exil anzupassen. Gleichwohl nimmt er 1792 am Feldzug der Armee seines Bruders teil. Im August desselben Jahres verlässt er Koblenz an der Spitze von 6000 Soldaten, um sich dem preußischen Heer anzuschließen. Der ersehnte Sieg über das revolutionäre Frankreich erweist sich indes als Wunschtraum. Die Emigrantenarmee greift kaum in die Kampfhandlungen ein und ist letztlich gezwungen, sich dem preußischen Rückzug anzuschließen.

Im Dezember 1792 erhalten die Brüder daraufhin Asyl im westfälischen Hamm. Dort erreicht sie am 26. Januar 1793 die Nachricht von der Hinrichtung Ludwigs XVI. Der Comte de Provence proklamiert daraufhin den Dauphin (1785-1795) zum König Ludwig XVII., bestimmt sich selbst zum Regenten und den Comte d'Artois zum Lieutenant-Général Frankreichs. Ungeachtet des nominellen Aufstiegs innerhalb der Königsfamilie fristet Ludwig jedoch weiterhin ein von Geldsorgen geprägtes Wanderleben im Exil. Nach dem Tod Ludwigs XVII. lässt sich der überzeugte Anhänger der Monarchie im Juni 1795 in Verona zum König Ludwig XVIII. proklamieren. Er erarbeitet daraufhin ein politisches Programm für den Fall seiner Rückkehr nach Frankreich. Mit der Erklärung von Verona verlässt er allmählich die Extrempositionen vergangener Jahre, welche die Forderung nach Wiederherstellung der alten Ordnung beinhaltet haben. 1797 verwirft er in der Erklärung von Blankenburg den Ruf nach Vergeltung selbst für die Königsmörder. 1799 ist Ludwig sogar bereit, die administrativen und juristischen Ergebnisse der Revolution anzuerkennen.

Als er 1805 mit der für ihn inakzeptablen Krönung Napoleons konfrontiert wird, verspricht er darüber hinaus, bei Wiedereinführung der Monarchie den "Willen der Nation" zu berücksichtigen. Er, der zwei Jahre zuvor das Angebot Napoleons ausgeschlagen hatte, auf den Thron zu verzichten, um im Gegenzug ein eigenes Territorium zu erhalten, wird fortan von den militärischen Eroberungen des Korsen zu immer neuen Fluchten veranlasst. 1807 begibt er sich schließlich nach England, das unter dem Zustrom der Emigranten längst zu einem Zentrum antinapoleonischer Aktivitäten geworden ist. Er darf dort jedoch nicht seinen Titel führen und wird darüber hinaus angewiesen, sich mindestens 50 Meilen von der Hauptstadt entfernt aufzuhalten. Während seines siebenjährigen Inselaufenthaltes, in denen er Kontakt zu dem späteren Personal seines Hofes knüpft, verliert Ludwig seine Frau (10.11.1811) und ist darüber hinaus anfällig für Krankheiten, die ihn zeitweilig sogar an den Rollstuhl fesseln.

Erst das kontinuierliche Vorrücken der Alliierten ab 1813 und die aufkeimende Abneigung der Franzosen gegenüber dem Kaiserreich lassen ein Ende des Exils näher rücken. Die Wiederherstellung der Monarchie ist erstmals wieder verbunden mit der Hoffnung auf Frieden und Ordnung. Ludwig entspricht der Stimmung am 1. Februar 1813 mit einer weiteren Erklärung, die die Kernpunkte ihrer Vorgänger, die Beibehaltung der administrativen und juristischen Strukturen sowie den Verzicht auf Vergeltung und Verfolgung, bestätigt. Unter expliziter Berufung auf den "Willen der Nation" und mit finanzieller Unterstützung der britischen Regierung wird ab Januar 1814 die Rückkehr des Monarchen und seines Bruders nach Frankreich vorbereitet.

Nach der Einnahme von Paris durch die alliierten Truppen am 31. März 1813 bietet die provisorische Regierung unter Talleyrand (1754-1838) dem exilierten Monarchen am 17. April die Königswürde unter der Voraussetzung an, dass er den vom Senat ausgearbeiteten Verfassungsentwurf akzeptiert. Letzterer sieht eine Rückkehr zur Verfassung von 1791/92 vor - ein Herrschaftsvertrag zwischen König und souveränem Volk. Wider Erwarten schlägt Ludwig das Angebot bei seiner Rückkehr nach Frankreich jedoch aus. Er sieht sich nicht etwa als Louis-Stanislas-Xavier, sondern als Ludwig XVIII.. Er begründet seinen Herrschaftsanspruch weder aus dem Kontext der Revolution noch aus dem ihm verhassten Empire, sondern aus der Legitimität der französischen Monarchie. Eine Verfassungskommission erarbeitet daraufhin den Entwurf der am 4. Juni 1814 verlesenen Charte Constitutionelle, die sich in der Frage der Legitimation des Königs von den Prinzipien der Revolution distanziert und dennoch die politischen und administrativen Neuerungen der Jahre 1789-1814 berücksichtigt.

Der auf diese Weise zustande gekommene Verfassungskompromiss bildet die Grundlage für eine Versöhnungspolitik der Mäßigung und des Vergessens, die jedoch sowohl in den Kreisen der radikalen Gegenrevolutionäre als auch in der bonapartistisch gesonnenen Armee auf offene Ablehnung stößt. Hinzu treten zahlreiche Unzuträglichkeiten im Alltagsleben, denen Ludwig in seiner Funktion als König nicht entschlossen genug begegnet. Die angespannte politische Lage zählt schließlich zu den Faktoren, die der Rückkehr Napoleons in die Hände spielen und den wankelmütigen Monarchen am 18. März 1815 zu eiliger Flucht veranlassen. Als Talleyrand und Fouché (1759-1820) Ludwig nach Ende der Hundert Tage erneut als König einsetzen, ist sein Status zwar äußerlich wiederhergestellt; die ersehnte Versöhnung zwischen Herrscher und Bevölkerung erscheint nunmehr jedoch zunehmend unrealistisch.

Zu den Hauptbelastungen der Regierung nach 1815 zählen die immensen Plünderungen des Landes durch die alliierten Besatzungstruppen sowie der ausländische Einfluss auf die Politik Ludwigs, die seinem Ansehen in der Bevölkerung großen Schaden zufügen. Darüber hinaus gelingt es dem Monarchen nicht, den wachsenden Einfluss der Ultra-Royalisten zu unterbinden. Letztere erzielen bei den Parlamentswahlen im August 1815 einen überwältigenden Erfolg, den sie sogleich für ihre Ziele zu instrumentalisieren wissen. So kommt es unter ihrem Einfluss zu einer landesweiten, teilweise von terroristischer Gewalt begleiteten Vergeltungs- und Säuberungswelle, der neben prominenten Heerführern Napoleons auch die politischen Laufbahnen Fouchés und Talleyrands zum Opfer fallen. Die sich verschärfende Polarisierung zwischen royalistischen und liberalen Kräften führt zu ständigen Konflikten zwischen Regierung und Kammer, sodass Ludwig XVIII. letztere 1816 auflöst und Neuwahlen ausschreibt.

Durch gezielte Protektion derjenigen Kandidaten, die das Prinzip der Mäßigung vertreten, bringt der König nunmehr die Mehrheit der Kammer auf seine Seite. Die von ihm favorisierte Politik der mittleren Linie kommt dabei besonders der Bourgeoisie entgegen. Unter dem Einfluss seines Lieblingsministers Elie Decazes (1780-1860) erstarkt die politische Linke gegen den Widerstand der Royalisten. Doch ist die Phase liberaler Politik nicht von Dauer. Am 14. Februar 1820 fällt der Duc de Berry (1778-1820) einem politischen Attentat zum Opfer. Die royalistische Presse macht daraufhin die Politik Decazes' für den Mord verantwortlich und erzwingt dessen Rücktritt am 20. Februar 1820. Es folgt eine Phase politischer Gewalttätigkeit, die die Kernpunkte der Liberalisierung beseitigt. So wird am 31. März 1820 die Zensur wieder eingeführt. Darüber hinaus gewährt ein neues Wahlgesetz den 23.000 vermögendsten Familien ein doppeltes Stimmrecht. Aufgrund wachsender Dominanz der Rechten ist schließlich auch die gemäßigte Politik von Decazes' Nachfolger, des Duc de Richelieu (1766-1822), zum Scheitern verurteilt.

Das nachfolgende Ministerium unter Jean Baptiste Villèle (1773-1854) fußt nunmehr auf der starken parlamentarischen Mehrheit der Royalisten. Trotz tief greifender Einschnitte in die Pressefreiheit und massiven Eingriffen in das Hochschulwesen kann die Regierung nach außen hin eine Reihe von Erfolgen vorweisen. So erweist sich die unter anderem von Chateaubriand (1768-1849) unterstütze militärische Intervention in Spanien unter der Führung des Duc d'Angoulême (1775-1844) als siegreich. Darüber bescheren die Wahlen vom März 1824 der Rechten erneut eine deutliche Mehrheit, die sogleich durch ein neues Wahlgesetz gefestigt wird. Der an Altersschwäche leidende Ludwig XVIII. hat sich zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits weitgehend aus dem politischen Alltag zurückgezogen. Er ist von anhaltender Krankheit derart gezeichnet, dass er bei der Eröffnung der Kammer am 24. März 1824 noch während seiner Rede einschläft. Er verstirbt am 16. September 1824 in Paris. Seine sterblichen Überreste werden in der Kathedrale von Saint-Denis beigesetzt.

Literatur

Michel Bernard Cartron: Le roi inattendu. Louis XVIII en 1814, Paris 2001.

Wilhelm Bringmann: Louis XVIII. von Frankreich im Exil. Blankenburg 1796 - 1798, Frankfurt/M. 1995.

Paul Girault de Coursac/Pierette Girault de Coursac: Les deux frères de Louis XVI, Paris 1999.

Evelyne Lever: Louis XVIII, Paris 1988.

Philip Mansel: Louis XVIII, London 1981.

Hans-Ulrich Thanner: Ludwig XVIII. In: Peter C. Hartmann: Französische Könige und Kaiser der Neuzeit. Von Ludwig XII. bis Napoleon III. 1498-1870, München 1994.

 

Lars Schneider 

 

Empfohlene Zitierweise

Schneider, Lars: Ludwig XVIII., in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/oz110/

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Erstellt: 04.01.2006

Zuletzt geändert: 04.01.2006


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