Biographien

  / historicum.net / Themen / Französische Revolution / Biographien

Kurzbiogramm - Le Peletier

Louis Michel Le Peletier de Saint-Fargeau * 29.05.1760 Paris; 20.01.1793 Paris (ermordet).

Mitglied des Nationalkonvents

Der Sohn des Präsidenten des Pariser Parlaments arbeitet ab Juli 1783 als Anwalt im Châtelet und übernimmt bereits zwei Jahre später den Posten seines Vaters. Unmittelbar vor Ausbruch der Revolution wird der Strafrechtspezialist Le Peletier als Adelsvertreter in die Generalstände [Etats généraux] gewählt. Er sitzt dort zunächst unter den Vertretern der liberalen Minderheit und votiert am 6. Mai 1789 zusammen mit Adel und Klerus gegen die Abstimmung nach Köpfen. Darüber hinaus schließt er sich am 27. Juni 1798 erst sehr spät und auf ausdrücklichen Wunsch Ludwigs XVI. (1754-1793) dem Dritten Stand an.

In den Folgemonaten vollzieht Le Peletier allerdings einen radikalen Gesinnungswechsel. Der Repräsentant des Pariser Adels entwickelt sich trotz zahlreicher Privilegien und eines immensen Vermögens zu einem einflussreichen Verfechter der Doktrinen der Revolution. So setzt er sich für die Rückberufung des am 11. Juli 1789 erneut entlassenen Finanzministers Necker (1732-1804) ein, stimmt in der Nacht vom 4. auf den 5. August 1789 für die Aufhebung der Adelsprivilegien und fordert im Juni des darauffolgenden Jahres, dass die ehemals Adeligen fortan lediglich ihren Familiennamen zu tragen hätten. Le Peletier, der bereits im Vorfeld die herrschaftlichen Wappen von seinen Besitztümern hatte entfernen lassen, unterzeichnet nunmehr "bürgerlich" mit Michel Le Peletier.

Am 21. Juni 1790 löst er Sieyès (1748-1836) als Präsident der Gesetzgebenden Versammlung [Assemblée nationale constituante] ab. Als Mitglied des Comité de législation criminelle setzt er sich erfolglos für die Aufhebung der Todesstrafe ein. Es gelingt ihm jedoch, ein egalitäres Dekret zu lancieren, was die Hinrichtungsart des Erhängens durch die des Köpfens ersetzt und darüber hinaus die Abschaffung der Folter beinhaltet. Im September 1792 wird Le Peletier von den Stimmberechtigten seines Heimatdepartements Yonne in den Nationalkonvent [Convention] gewählt. Als ehemaliger Privilegierter zögert er jedoch, die Wahl anzunehmen. Erst auf ausdrücklichen Wunsch seiner Wähler zieht er am 20. September 1792 als Abgeordneter in den Konvent ein. Le Peletier schließt sich daraufhin dem Kreise der Montagnards um Robespierre (1758-1794) an und wird Mitglied im Klub der Jakobiner, den er vom 17. November bis zum 5. Dezember als Präsident leitet.

Am 30. Oktober 1792 hält Le Peletier eine vielbeachtete Rede zur Notwendigkeit uneingeschränkter Pressefreiheit im Konvent. Darüber hinaus beginnt er sich für bildungspolitische Fragen zu interessieren und verfasst einen "Plan d'Education publique et nationale", in dem er sich für eine allgemeine Schulpflicht für Kinder beiderlei Geschlechts im Alter von sieben bis zwölf Jahren einsetzt. Die Finanzierung des ehrgeizigen Projekts soll durch eine zusätzliche Besteuerung der vermögenderen Klassen gewährleistet werden. Trotz der einflussreichen Fürsprache Robespierres wird das Vorhaben jedoch nicht realisiert. Im August 1793 - sechs Monate nach Le Peletiers Tod - wird der Plan im Konvent offiziell abgewiesen.

Im Prozess gegen Ludwig XVI. spricht sich Le Peletier im Januar 1793, obwohl Gegner der Todesstrafe, für das Todesurteil und gegen einen Volksentscheid aus. Er kann der Hinrichtung des Monarchen jedoch nicht mehr beiwohnen. Als er am Vorabend des 21. Januars 1793 in einem Restaurant namens Février im Palais-Royal diniert, nähert sich ihm ein Unbekannter, der ihn nach seinem Urteil im Prozess gegen den König befragt. Auf Le Peletiers Versicherung, dass er für die Hinrichtung gestimmt habe, sticht er ihn kurzerhand nieder und ergreift daraufhin die Flucht. Der schwer verletzte Le Peletier ist vor Ort noch in der Lage, den Anschlag zu Protokoll zu geben, bevor man ihn zu seinem Bruder Ferdinand Louis Felix (1767-1837) transportiert, in dessen Haus um ein Uhr Nachts verstirbt.

Der flüchtige Täter wird einige Tage später in einer Herberge in Forges-les-eaux ergriffen. Es handelt sich um den überzeugten Royalisten Philippe Nicolas Marie de Pâris (1763-1797). Das ehemalige Mitglied der königlichen Leibwache hatte aus Frust über das Todesurteil an seinem ehemaligen Dienstherren beschlossen, einen der verantwortlichen Abgeordneten zu ermorden. Nachdem er erfolglos versucht hatte, in die Nähe von Philippe Égalité zu gelangen, fiel seine Wahl auf den ahnungslosen Le Peletier. Um der anstehenden Bestrafung durch das Revolutionstribunal zu entgehen, tötet sich Pâris im Augenblick seiner Festnahme durch einen Kopfschuss.

Schockiert über die Bluttat an einem ihrer Abgeordneten, beschließt der Konvent, Le Peletier die Ehre eines Staatsbegräbnisses im Panthéon zuteil werden zu lassen und darüber hinaus seine 18-jährige Tochter zu adoptieren. David dokumentiert das Begräbniszeremoniell in seinem Bild "Les Funérailles de Le Peletier de Saint-Fargeau" (1793), das seinen Platz im Konvent findet und zu einem Kultgegenstand unter den Patrioten avanciert. Le Peletier wird kurz darauf zusammen mit Marat (1744-1793) und Charlier (1747-1793) als Märtyrer der Revolution verehrt. Nach dem Sturz Robespierres am 9. Thermidor des Jahres II (27. Juli 1794), wird das Bildnis jedoch vernichtet. Auch die Panthéonisierung Le Peletiers wird rückgängig gemacht. Sein Leichnam wird statt dessen in das Schloss derer von Saint-Fargeau überführt.

Literatur

Alt, Robert: Erziehungsprogramme der Französischen Revolution, Berlin 1949.

Chicouard, Alain: Lepeletier de St. Fargeau. Un grand seigneur au service de la Révolution, Auxerre 1989.

Grandmaison, Olivier Le Cour: "Education et Republique: la machinerie educative de Lepeletier." History of European Ideas, 21, 5 (1995). S. 647- 657.

Hunter, Donna M.: Swordplay: Jacques-Louis David's Painting of Le Peletier de Saint-Fargeau On His Deathbed, in: Representing the French Revolution; Literature, Historiography, and Art, Hanover 1992. S. 169-191.

Quellen

Discours prononces a la dernière séance de l'Assemblée des notables tenue a Versailles le 25 mai 1787, dans lesquels on verra le précis & le résultat de toutes les questions qui y sont discutées, & les intentions de Sa Majesté

Plan d'éducation nationale de Michel Lepletier [sic] / présente aux Jacobins par Felix Lepeletier ; impr. par arrête de la Societe des Jacobins

 

Lars Schneider 

 

Empfohlene Zitierweise

Schneider, Lars: Le Peletier, L.M., in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/oz10y/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 04.01.2006

Zuletzt geändert: 04.01.2006


Lesezeichen / Weitersagen

FacebookTwitterGoogle+XingLinkedInDeliciousDiggPinterestE-Mail