Biographien

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Kurzbiogramm - Joséphine

Marie-Josèphe Tascher de la Pagerie [Joséphine] ; * 23.07.1763 Trois Îlets (Martinique); 29.05.1814 Schloss Malmaison (nahe Paris)

Erste Ehefrau Napoleons; Kaiserin der Franzosen

Marie-Josèphe Tascher de la Pagerie kommt am 23. Juni 1763 auf der westindischen Insel Martinique als Tochter des Marineoffiziers Joseph-Gaspard de Tascher (1735-1790) und Rose-Claire des Vergers de Sannois (1736-1807) zur Welt. Ihre Kindheit verbringt sie zusammen mit ihren beiden Schwestern Catherine Désirée (1764-1777) und Marie Françoise (1766-1791) auf der elterlichen Zuckerrohrplantage. Ab 1773 besucht sie das Mädchenpensionat Dames de la Providence in Fort-Royal (Fort-de-France).

Nach dem plötzlichen Tod Catherine Désirées am 16. Oktober 1777 verlässt Marie-Josèphe das Pensionat, um den ursprünglich für ihre Schwester vorgesehenen Platz als Ehefrau an der Seite des drei Jahre älteren Offiziers Alexandre de Beauharnais (1760-1794) einzunehmen. Im Oktober 1779 bricht sie im Alter von 16 Jahren in Begleitung ihres Vaters nach Frankreich auf. Die eheliche Verbindung der beiden befreundeten Familien der Beauharnais und Tascher de la Pagerie wird am 16. Dezember 1779 in der Kirche von Noisy-le-Grand geschlossen. Das Paar lässt sich daraufhin in Paris nieder.

Trotz zunehmender Differenzen gehen aus der Ehe die Kinder Eugène (1781-1824) und Hortense-Eugénie (1783-1837) hervor. Im November 1783 zieht sich die enttäusche Marie-Josèphe für die Dauer von zwei Jahren in die Pariser Abbaye de Panthémont zurück. Am 3. Dezember 1785 beschließt das Ehepaar mit beiderseitigen Einverständnis die Trennung. Die nunmehr 22-jährige beginnt ein verschwendungssüchtiges Leben in der Pariser Gesellschaft. Trotz eines monatlichen Einkommens von 11.000 Livres ist sie hoch verschuldet und hat sich diverser Gläubiger zu erwehren.

Im Juni 1788 unternimmt Marie-Josèphe zusammen mit ihrer Tochter Hortense eine Reise nach Martinique. Als sich die Revolution auf das französische Kolonialreich ausweitet, sieht sie sich im September 1790 zu einer überstürzten Rückkehr nach Frankreich veranlasst. Während ihr Mann Alexandre sich als Präsident der Nationalversammlung mit den neuen Ideen identifiziert, frequentiert Marie-Josèphe darüber hinaus auch das Lager der Gegenrevolutionäre. Alexandre de Beauharnais' Karriere unter der Revolution ist jedoch nur von kurzer Dauer. Zum Divisionsgeneral befördert, lehnt er im Juni 1793 das Amt des Kriegsministers ab, bevor er am 2. März 1794 auf Befehl des Wohlfahrtsausschusses [Comité du Salut Public] als Verantwortlicher für die französische Kapitulation bei Mainz (23.07.1793) festgenommen wird.

Am 19. April des Jahres wird ebenfalls die Verhaftung seiner Frau beschlossen. Die seit 1783 getrennt lebenden Ehepartner treffen schließlich am 21. April 1794 als Häftlinge im Pariser Karmeliterkloster zusammen. Am 21. Juli 1794 wird Alexandre de Beauharnais vor das Revolutionstribunal zitiert und noch am gleichen Abend auf der Place de la Révolution [Place de la Concorde] guillotiniert. Marie-Josèphe hingegen bleibt das Todesurteil erspart. Nach dem Sturz Robespierres' (1758-1794) und dem Ende der Terreur (27.07.1794) wird sie am 06. August 1794 im Gefolge von Thérèse Cabarrus (1773-1835) aus der Gefangenschaft befreit.

Die Freundschaft zu Thérèse Cabarrus, die kurz darauf ihren Befreier Tallien (1767-1820) ehelicht, öffnet der von materieller Not geplagten Marie-Josèphe de Beauharnais erneut die Türen der Pariser Salons. Sie wird Mätresse von Barras (1755-1822), der sie noch im Oktober 1795 mit dem General Napoleon (1769-1821) bekannt macht, mit dessen Hilfe er den royalistischen Aufstand vom 13. Vendémaire (05.10.1795) niedergeschlagen hatte. Die zivile Trauung der beiden findet am 9. März 1796 in Paris statt. Nur wenige Tage später übernimmt Napoleon das Kommando der Italien-Armee. Er bittet seine Frau inständig, ihm nach Italien zu folgen. Die ihm untreue "Joséphine" zögert ihre Abfahrt unter anderem unter Vortäuschung einer Schwangerschaft hinaus. Erst auf Anordnung von Barras verlässt sie am 27. Juni 1796 in Begleitung ihres Liebhabers Hippolyte Charles (1773-1837) Paris in Richtung Mailand.

Nach ihrer Rückkehr am 02. Januar 1798 setzt Joséphine ihren gewohnten Lebenswandel fort. Napoleon, der durch seinen Bruder Joseph (1768-1844) über die Affären seiner Frau informiert ist, bricht am 19. Mai des Jahres zum Ägyptenfeldzug auf. Am 21. April 1799 erwirbt Joséphine das Schlossgut Malmaison nahe Paris. Als ihr Mann am 16. Oktober 1799 von der militärisch erfolglosen Operation nach Paris zurückkehrt, legt ihm dessen Familie die umgehende Scheidung von seiner Ehefrau nahe. Es kommt jedoch zu einer Aussprache, in der Joséphine die offizielle Trennung von ihrem politisch einflussreichen Ehemann verhindern kann. Tatsächlich erweist sie sich durch ihre Kontakte zu Vertretern des Ancien Régime, der Revolution sowie zur Direktoriumsgesellschaft als wertvolle Unterstützung im Napoleonischen Staatsstreich am 18. Brumaire (09.11.1799).

An der Seite des ersten Konsuls der Franzosen lässt sie sich im Februar 1800 in den Tuilerien nieder. Aufgrund ihres Lebenslaufes, der Elemente der alten Aristokratie mit denen der Revolution vereint, ist sie in der Lage, ihrem Mann eine gesellschaftliche Akzeptanz zu verschaffen, die letzterer aufgrund seiner Herkunft und Laufbahn aus eigener Kraft nicht erreichen kann. Napoleon profitiert vom gesellschaftlichen Status seiner Frau. Im Gegenzug begleicht er bereitwillig ihre immensen Schulden. Die politisch desinteressierte Joséphine wirkt über die Konsulatszeit hinaus nicht aktiv auf die Politik ihres Mannes ein. Sie erwirkt allerdings eine einflussreiche Hochzeit ihrer Tochter Hortense mit Louis Bonaparte (1778-1846), deren Sohn Charles Louis Napoleon (1808-1878) am 07. November 1852 als Kaiser Napoleon III. an die Spitze des Second Empire (1852-1870) stehen wird.

In den folgenden Jahren erweist sich die Kinderlosigkeit ihrer Ehe jedoch als zunehmend problematisch. War Joséphine als zweifache Mutter zunächst von der Sterilität ihres Mannes überzeugt, so muss sie nacheinander die Schwangerschaften zweier seiner Mätressen, Eleonore Denuelle de la Plaigne (1787-1868) und Maria Walewska (1789-1817), zur Kenntnis nehmen. Mit der Ausrufung des ersten Kaiserreiches (Premier Empire; 1804-1814) wächst zudem der Ruf nach einem männlichen Thronfolger. Trotz Druck seitens seiner Familie will sich Napoleon jedoch nicht zu einer Scheidung durchringen. Nach einer geheimen kirchlichen Eheschließung in den Tuilierien empfängt Joséphine in Anwesenheit des Papstes Pius VII. (1740-1823) am 02. Dezember 1804 die Kaiserkrone aus den Händen ihres Mannes.

Als Kaiserin der Franzosen kann Joséphine fünf Jahre kinderlos an der Seite Napoleons bestehen. Als sich jedoch die europäische Bündnispolitik 1809 nach dem Scheitern des Allianz mit Russland gegen das Kaiserreich zu wenden droht, beschließt Napoleon nach langem Ringen, seine Herrschaft durch eine eheliche Verbindung mit einem europäischen Königshaus zu festigen. Am 15. Dezember 1809 wird die Scheidung von Joséphine mit beiderseitigem Einvernehmen vollzogen. Während Napoleon am 11. März 1810 die österreichische Kaisertocher Marie-Louise von Habsburg (1791-1847) heiratet, die ihm den ersehnten Thronfolger Napoleon-François-Joseph-Charles (1811-1832) schenkt, zieht sich Joséphine mit dem Titel und der Hofhaltung einer Kaiserwitwe nach Malmaison zurück. Ihre verschwenderischen Ausgaben übersteigen ihre jährlichen Einnahmen von drei Millionen Livres aus der Staatskasse bei weitem.

Nach dem militärischen Zusammenbruch des Kaiserreiches und der erzwungenen Abdankung Napoleons am 06. April 1814 empfängt sie ohne Bedenken dessen Gegner, wie etwa den russischen Zar Alexander I. (1777-1825). Joséphine de Beauharnais verstirbt am 29. Mai 1814 in Malmaison. Als offizielle Todesursache werden die Folgen einer Unterkühlung, die sie sich bei einem Spaziergang mit Alexander I. zugezogen hatte, angegeben. Ihre sterblichen Überreste werden in der Kirche von Rueil in der Nähe von Paris verwahrt.

Literatur

Evangeline Bruce: Napoleon and Joséphine. The improbable marriage, New York 1995.

André Castelot: Wunderbare Joséphine. Die Frau an Napoleons Seite, Kreuzlingen/München 2000.

Bernard Chavallier: Douce et incomparable Joséphine, Paris 1999.

Bernard Chavallier/Christophe Pincemaille (éd.): L' impératrice Joséphine, Paris 1998.

Serge Cosseron: Napoléon - Joséphine. Un mariage pour la gloire, Paris 2000.

André Devèche: Joséphine, Paris 1988.

Carolly Erickson: Joséphine. A life of the empress, New York 1999.

 

Lars Schneider 

 

Empfohlene Zitierweise

Schneider, Lars: Joséphine, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/oz10w/

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Erstellt: 04.01.2006

Zuletzt geändert: 04.01.2006


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