Biographien

  / historicum.net / Themen / Französische Revolution / Biographien

Kurzbiogramm - de Fontanes

Jean-Pierre-Louis de Fontanes des Appenets; * 06.03.1757 Niort (Poitou/Charentes); 17.03.1821 Paris.

Politiker, Dichter, Journalist

Louis de Fontanes wird am 6. März 1757 in Niort als zweiter Sohn Pierre Marcelin de Fontanes und dessen Frau Jeanne de Sede geboren. Sein Vater entstammt einem protestantischen Adelsgeschlecht aus dem Languedoc, das seinen Grundbesitz im Zuge der Aufhebung des Ediktes von Nantes (07.05.1685) durch Ludwig XIV. (1638-1715) verloren hat. Auf Wunsch seiner Mutter, einer überzeugten Katholikin, wird die Erziehung Fontanes' in die Hände eines strengen Geistlichen gegeben, der den Jungen in jansenistischem Geist unterrichtet. Im Jugendalter besucht Fontanes das renommierte Oratorierkolleg seiner Heimatstadt.

Während der Schulzeit weiß sich der begabte, aber nachlässige Fontanes nicht zu profilieren. Er träumt von einer literarischen Karriere und begegnet dem täglichen Unterricht mit Desinteresse. Sein Vater, Inspecteur des Manufactures in Saint-Gaudens, versucht bis Anfang der 70er Jahre erfolglos, ihn für seinen Beruf zu begeistern. Kurz darauf ereilt Fontanes eine Reihe von Schicksalsschlägen: Im November 1772 verstirbt sein älterer Bruder Dominique, 1774 sein Vater Pierre Marcelin, 1776 schließlich auch seine Mutter Jeanne.

Angesichts der dramatisch veränderten Familiensituation nimmt sich Vaugelade, der die Amtsnachfolge von Pierre Marcelin de Fontanes antritt, der beruflichen Karriere Louis de Fontanes' an. Letzterer folgt seinem Gönner nach Rouen. Allerdings kann er sich für die ihm vorgesehene Laufbahn auch unter Vaugelade nicht erwärmen. 1777 beschließt er, sich statt dessen ausschließlich der Literatur zu widmen. Fontanes verlässt das normannische Rouen, um in der französischen Hauptstadt sein Glück zu suchen.

In Paris versucht der mittellose Louis de Fontanes seine Karriere durch einflussreiche Freundschaften zu lancieren. Er macht die Bekanntschaft von Fanny de Beauharnais (1738-1813), Schwester der nachmaligen Kaiserin Joséphine (1763-1814), die ihn protegiert und ihn unter anderem ihrem Liebhaber Dorat (1734-1780) vorstellt. Über letzteren erhält Fontanes Zutritt zu den intellektuellen Kreisen der Seinemetropole. Er wird Mitglied der Freimaurerloge "des neuf sœurs", wo er mit Combaceres, Houdon (1741-1821), Greuze (1725-1805), Bailly (1736-1793) und Danton (1759-1794) weitere "Schlüsselbekanntschaften" macht. Parallel dazu beginnt er mit einigem Erfolg zu schreiben, was ihm die fruchtbaren Freundschaften mit Joseph Joubert (1754-1824) und François-René de Chateaubriand (1768-1848) einbringt.

Fontanes' frühe Gedichte "Le Cri de mon coeur" und "La Foret de Navarre" erscheinen 1778 und 1780 im Almanach des Muses. 1783 publiziert er "Essay sur l'homme", eine französische Übersetzung von Alexander Popes (1688-1744) "Essay on Man" (1733-34). Im gleichen Jahr erscheinen "La Chartreuse" sowie "Le Jour des morts". 1788 werden "Le Verger" und der Versbrief "Epitre sur l'édit en faveur des non-catholiques" veröffentlicht. 1789 erscheint sein "Essai sur l'astronomie". Darüber hinaus betätigt sich Fontanes als Literaturkritiker, indem er mehrere Artikel für das "Journal des Dames" verfasst.

Der Ausbruch der Revolution bereitet dem sorglos-libertinistischen Lebenswandel des neoklassizistischen Jungautoren jedoch ein Ende. Im Zuge der Debatten um die politische Neuordnung Frankreichs erweist sich Fontanes als Monarchist und Anhänger moderater Reformen. Er schreibt für Zeitschriften wie den "Réformateur" sowie den "Modérateur", als dessen Mitherausgeber er ab 1790 fungiert. Inspiriert von der Philosophie Montesquieus (1689-1755), setzt er sich für eine konstitutionelle Monarchie nach englischen Vorbild ein, die er den französischen Verhältnissen anpassen möchte. Darüber hinaus tritt Fontanes nicht als Akteur auf der politischen Bühne in Erscheinung. Er misstraut dem Volkszorn und den Ausschreitungen, die mit der Einrichtung der Nationalversammlung einhergehen und letztere beeinflussen.

1792 heiratet Fontanes die aus reichem Elternhaus stammende Chantal Catelin, mit der er zwei Kinder, Imberthe und Christine, haben wird. Im gleichen Jahr werden seine Hoffnungen auf die Errichtung einer konstitutionellen Monarchie nachhaltig enttäuscht. Am 21. September 1792 beschließt der Nationalkonvent [Convention] die Abschaffung der Monarchie. Die Ausrufung der Republik (22.09.1792), die Hinrichtung Ludwigs XVI. (1754-1793) am 21. Januar 1793, die sich ausweitenden kriegerischen Konflikte mit den europäischen Nachbarn und die Revolten im Landesinneren sind ihm zuwider. Fontanes beschließt, zusammen mit seiner Frau Paris zu verlassen, um sich nach Lyon zurückzuziehen. Die Stadt fällt jedoch am 29. Mai in die Hände der Royalisten. Die Belagerung durch die Revolutionstruppen (ab 08.08.1793) und die anschließende blutige Repressionswelle unter Fouché (1759-1829) und Collot d´Herbois (1750-1796) zwingen Fontanes zur Flucht in die Normandie, wo er zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn bei Freunden unterkommt.

Als im Dezember 1793 eine vierköpfige Delegation Lyoneser Bürger vor dem Nationalkonvent erscheint, um gegen die Grausamkeiten Collot d´Herbois' zu protestieren, ist Fontanes ebenfalls in Paris. Die eingereichte Petition trägt seine Handschrift, obgleich er als Autor nicht genannt wird. Erst nach dem Sturz Robespierres am 27. Juli 1794 kehrt er offiziell in die französische Hauptstadt zurück. Die Auflösung des Nationalkonvents am 26. Oktober 1795 und die Wahlen zum ersten Direktorium (31.10.1795) stellen für ihn eine Beruhigung der politischen Verhältnisse in Aussicht. Zeitgleich bricht er als Journalist endgültig mit den Ideen der Revolution. Im Anschluss an den antiroyalistischen Staatsstreich am 18. Fructidor (04.09.1797) beschließt das Direktorium jedoch eine Säuberung der Presselandschaft, von der auch Fontanes betroffen ist. Er exiliert zunächst nach Deutschland, dann nach England, wo er erneut mit Chateaubriand zusammentrifft.

Im Gegensatz zu François-René de Chateaubriand kehrt Fontanes bereits 1798 nach Frankreich zurück. Bis zum Napoleonischen Staatsstreich am 18. Brumaire (09./10.11.1799) hält er sich allerdings aus dem öffentlichen Leben fern. Napoleon Bonaparte (1769-1821) erscheint dem immer noch überzeugten Monarchisten als der Mann der Stunde. Fanny de Beauharnais vermittelt ihm die Bekanntschaft mit dessen Schwester Elisa (1777-1820), die ihn wiederum sowohl Lucien Bonaparte (1775-1840) als auch Napoleon persönlich vorstellt. Fontanes versteht es in Folge, auch von diesen Bekanntschaften zu profitieren.

Lucien Bonaparte ernennt ihn in seiner Funktion als Innenminister zunächst zum Zensurbeauftragten. 1802 wird Fontanes Mitglied im Corps Législatif, dessen Präsidentschaft er 1804 übernimmt. 1803 wird er in die Académie française aufgenommen. 1804 ist er Mitglied des Conseil privé und empfängt darüber hinaus den Titel des "Commandeur de le Légion d'Honneur". 1808 wird er zum Großmeister der Universität ernannt, bevor er den Titel eines Comte d'Empire erhält und mit einer ansehnlichen monatlichen Rente ausgestattet wird. 1810 bekleidet er ein Senatorenamt.

Im Zuge seiner Karriere unter Napoleon erwirkt Fontanes unter anderem die Streichung seines Freundes Chateaubriand von der Emigrantenliste. Des weiteren verschafft er ihm einen Posten als "Secrétaire de Légation" in Rom. Auch Chateaubriands Aufnahme in die Académie française ist zu großen Teilen auf das Engagement Fontanes' zurückzuführen. Darüber hinaus zeichnet Fontanes für die Einrichtung von Lycées als einheitliche Kaderschmieden für das Napoleonische Regime verantwortlich.

Als sich im Dezember 1812 mit dem verlorenen Russlandfeldzug das Ende des Kaiserreiches abzeichnet, beginnt Fontanes sich im Sinne einer bourbonischen Restauration umzuorientieren. Am 22. April 1814, vier Tage nach der erzwungenen Abdankung Napoleons, hält er die Ansprache an den aus dem Londoner Exil zurückkehrenden Comte d'Artois (1757-1836). Am 3. Mai des Jahres wird er mit der Rede an Ludwig XVIII. (1755-1824) beauftragt. Unter letzterem avanciert Fontanes zum Pair de France und empfängt das große Ordensband der Légion d'Honneur. Über den Zeitraum der für ihn überraschenden Herrschaft der 100 Tage versteckt er sich in der Normandie. Nach der zweiten Abdankung und der Verbannung seines ehemaligen Dienstherren zählt er zur Delegation, die Ludwig XVIII. in Saint-Denis begrüßt. Am 31. August 1817 wird Fontanes zum Marquis ernannt.

Am 10. März 1821 erleidet Fontanes einen Herzanfall, dem er am 17. April im Alter von 64 Jahren erliegt. Er wird auf dem Friedhof Père-Lachaise in der Nähe des Maréchal Ney (1769-1815) begraben, dessen Todesurteil er am 6. Dezember 1815 nicht hatte unterzeichnen wollen. Seine Tochter Christine veröffentlicht den Großteil seines literarischen Nachlasses posthum 1839.

Literatur

Alcer, Norbert: Louis de Fontanes (1757 - 1821). Homme de lettres et administrateur, Frankfurt am Main 1994.

Pillard, Guy-Edouard: Louis Fontanes 1757-1821. Prince de l'esprit, Maulévrier 1990.

Savariau, Norbert: Louis de Fontanes. Belles-lettres et enseignement de la fin de l'Ancien Régime à l'Empire, Oxford 2002.

Quellen

Relation d'un voyage de Paris à Gand / par M. de Saint-Marcellin. Précédé d'une notice de M. de Chateaubriand et suivi de quelques poésies de M. de Fontanes / publ. par Alfred F.

Lars Schneider 

 

Empfohlene Zitierweise

Schneider, Lars: Fontanes, de J.-P., in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/oz10o/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 03.01.2006

Zuletzt geändert: 03.01.2006


Lesezeichen / Weitersagen

FacebookTwitterGoogle+XingLinkedInDeliciousDiggPinterestE-Mail