Biographien

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Kurzbiogramm – Barras

Paul François Jean Nicolas Vicomte de Barras; * 30.06.1755 Fox-Amphoux (Var); 29.01.1828 Chaillot.

Adeliger Offizier, Mitglied des Direktoriums

Paul François Barras wird am 30. Juni 1755 in Fox-Amphoux als Mitglied einer der ältesten Adelsfamilien der Provence geboren. Nach einer wenig erfolgreichen Schulzeit in diversen Pensionaten tritt er im Alter von 16 Jahren als cadet gentilhomme dem Régiment du Languedoc bei.

Im Juni 1776 nimmt Barras als Offizier im Regiment de Pondichéry an der Campagne des Indes teil. 1778 wird er von den englischen Truppen gefangen genommen, kann sich jedoch befreien und kehrt um Juni 1780 nach Frankreich zurück. Im Frühjahr 1781 beteiligt er sich an einer weiteren Kolonialexpedition unter Pierre André de Suffren (1729-1788), von der er im Mai 1783 nach Versailles zurückkehrt.

Erneut in Frankreich, tritt Barras aus der Armee aus, um sich in Paris niederzulassen und ein mondänes Leben zu führen. Als aufmerksamer Beobachter des Zeitgeschehens verfolgt er die vorrevolutionären Entwicklungen in der Hauptstadt mit Interesse. Er nimmt hierbei allerdings eine abwartende Haltung ein und verfolgt am 14. Juli 1789 den Sturm auf die Bastille lediglich als Zuschauer.

Im Gegensatz zu seinen ehrgeizigen Zeitgenossen, die fortan versuchen, in der Hauptstadt politische Karriere zu machen, kehrt Barras wenig später in die Provence zurück. Dort sichert er sich durch eine Heirat ein stattliches Vermögen, das seinem großspurigen Lebenswandel entspricht, bevor er am 07. September 1792 als Abgeordneter des Departments Var in den Nationalkonvent [Convention] gewählt wird. Der Jakobiner Barras nimmt allerdings erst ab November an den Sitzungen teil, und zwar in Vertretung für Dubois-Crancé (1747-1814), da letzterer sich für das Departement der Ardennen entschieden hat.

Im Januar 1793 votiert Barras, der ansonsten nur sporadisch im Konvent erscheint, vehement für die Hinrichtung Ludwigs XVI. (1754-1793). Im März des Jahres unternimmt er zusammen mit Stanislas Fréron (1754-1802) eine politische Mission in die Departements der Basses und Hautes Alpes. Am 30. April wird er als Regierungsvertreter zur Armée d'Italie entsandt. Sein Auftrag besteht in der Niederwerfung der konterrevolutionären Bewegungen in Marseille und Toulon. Zur Realisierung dieses Projektes erhebt er am 13. Oktober 1793 in einer offiziellen Erklärung die "Terreur à l'ordre du jour".

Im Zuge der Belagerung des englisch besetzten Toulons macht Barras Bekanntschaft mit dem aufstrebenden Offizier Napoleon Bonaparte (1769-1821), dessen Karriere er fortan protegiert. Nachdem die Revolutionsarmee unter der Führung von Dugommier (1738-1794) am 19. Dezember 1793 die Stadt eingenommen hat, betreibt Barras mit Unterstützung von Fréron eine rigorose Repressionspolitik, der über 1000 "Revolutionsgegner" zum Opfer fallen. Parallel dazu lässt er keine Möglichkeit aus, sich unter Ausnutzung seiner Position persönlich zu bereichern. Durch dieses Verhalten fällt er jedoch beim Tugendenthusiasten Robespierre (1758-1794) in Missgunst, der infolgedessen mehrmals kurz davor steht, ihn verhaften zu lassen.

Bei seiner Rückkehr nach Paris am 23. Januar 1794 bereitet ihm der Kreis um den Wohlfahrtsausschuss einen betont kühlen Empfang. Barras sucht daraufhin die Nähe zu Taillien (1767-1820) und Fouché (1759-1820), mit denen er gemeinsam gegen die Bergpartei [Montangnards] agiert. Am 09. Termidor des Jahres IV (27.07.1794) veranlasst er als Oberbefehlshaber der Armée de Paris den Sturm auf das Hôtel de Ville, der das Ende der Terreur Robespierres besiegelt. Letzterer wird zusammen mit seiner Gefolgschaft verhaftet und einen Tag später, am 28. Juli 1794, ohne Gerichtsverhandlung und Urteil dem Henker zugeführt.

Fortan beginnt die eigentliche Karriere Barras', der zunächst zum Sekretär des Nationalkonvents gewählt wird. Als Mitglied des Wohlfahrtsausschusses erweist er sich ab dem 5. November 1794 als konsequenter Verfolger der verbliebenen Montagnards. Im gleichen Atemzug entledigt er sich Kraft seines Amtes einer Reihe von politischen Gegnern. Am 04. Februar 1795 wird Barras schließlich zum Präsidenten des Nationalkonvents gewählt.

An der Spitze der Convention erweist sich Barras als Republikaner. So schlägt er am 13. Vendémiaire des Jahres IV (05.10.1795) mit Hilfe der Napoleonischen Truppen erfolgreich den royalistischen Aufstand nieder und wird am 1. November des Jahres in die neu gegründete Direktoriumsgesellschaft gewählt. Als prominentester und einflussreichster der fünf Direktoren führt er ein ausschweifendes Leben und frequentiert den "Cercle Constitutionnel", einen antiroyalistischen Kreis um Talleyrand (1754-1838), Fouché (1759-1820) und Mme de Staël (1766-1817), der sich für eine autoritäre Struktur des Direktoriums einsetzt.

Als die Rechte bei den Wahlen im April 1797 einen unerwarteten Zuspruch verzeichnet, organisiert Barras an der Seite der Direktoren Revellière-Lépeaux (1753-1824) und Reubell (1747-1807) einen Staatsstreich, der am 18. Fructidor des Jahres V (04.09.1797) mit Unterstützung der Truppen des Generals Augereau (1757-1815) in die Tat umgesetzt wird. Die Wahlen werden anschließend annulliert und die gegnerischen Direktoren Barthélemy (1747-1830) und Carnot (1753-1823) aus ihren Ämtern entlassen. Barras befindet sich nunmehr auf dem Gipfel seiner Macht.

Allerdings kann er sich nicht mehr lange an der Spitze des Direktoriums halten. Bonaparte, der mittlerweile mit Joséphine de Beauharnais (1763-1814), einer ehemaligen Mätresse Barras', verheiratet ist, hat nach seinem erfolgreichen Italienfeldzug an politischem Einfluss gewonnen. Als dieser von seinem Ägyptenfeldzug heimkehrt, hat der korrupte Lebemann Barras weder die Kraft noch den Willen, sich dem Staatsstreich vom 18. Brumaire (09.11.1799) zu widersetzen. In seiner erzwungenen Rücktrittserklärung vom 10. November 1799 lässt er verlauten, dass er sich mit Freude in die Position eines einfachen Bürgers zurückziehe.

Infolge wird Barras von Napoleon aus Paris verbannt und lässt sich vorübergehend in Grosbois, dann in der Provence nieder. 1810 wird er gar ins Exil nach Rom gezwungen. Erst nach der Abdankung Napoleons kehrt er nach Frankreich zurück. Er residiert fortan in Chaillot, umgibt sich ausschließlich mit Royalisten und setzt seinen gewohnt luxuriösen Lebenswandel fort. Die letzten Jahre verbringt er mit der Niederschrift seiner Memoiren. Paul François Barras stirbt am 29. Januar 1828 in Chaillot.

Literatur

Jean-Paul Garnier: Barras. Le roi du Directoire, Paris 1970.

Eric LeNabour: Barras. Le Vicomte rouge, Paris 1982.

Jean Savant: Tel fur Barras, l'homme qui "inventa" Bonaparte, Paris 1955.

Pierre Termin: Barras. Chef d'Etat oublié ou le procès du Vicomte à l'Aïl contre l'histoire, Genève 1992.

Quellen

Lettres de Barras et de Fréron en mission dans le midi / [éd. par] Edmond Poupé

Mémoires de Barras, membre du Directoire . I, Ancien régime-Révolution / publ. avec une introd. générale, des préf. et des appendices par George Duruy

Le Directoire jusqu'au 18 fructidor / [par Barras] ; publ. avec une introd. générale, des préf. et des appendices par George Duruy

Le Directoire, du 18 fructidor au 18 brumaire / [par Barras] ; publ. avec une introd. générale, des préf. et des appendices par George Duruy

Mémoires de Barras, membre du Directoire . IV, Consulat-Empire-Restauration / publ. avec une introd. générale, des préf. et des appendices par George Duruy 

 

Lars Schneider 

 

Empfohlene Zitierweise

Schneider, Lars: Barras, P.F., in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/oz10b/

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Erstellt: 22.12.2005

Zuletzt geändert: 22.12.2005


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