Interpretationen des Rheinbundes

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Martin Peters

Europäische Interpretationen des Rheinbundes von 1658 im Wandel der Zeit

 

1.    Einleitung

Geschichtswissenschaft so sehr sie sich als empirische und quellenkritische Disziplin versteht und Transparenz der Methoden einfordert, greift stets auf Abstraktionen zurück, um Ereignisse, Strukturen und Prozesse sprachlich sichtbar und kommunizierbar zu machen. Persönliche Erfahrungen der Interpreten fließen in die Deutungen mit ein, moralische und soziale Vorstellungen werden bewusst oder unbewusst übersetzt, übertragen, vermittelt und transportiert.

Im Laufe von vier Jahrhunderten war der Rheinbund von 1658, genauer gesagt die zwischen deutschen Fürsten geschlossene Frankfurter Allianz (1658 VIII 14), der am folgenden Tag Frankreich in Mainz beitrat (1658 VIII 15), häufig Gegenstand der historischen Forschung in Europa – besonders in der deutsch- und französischsprachigen. Dabei ergaben sich allerdings keine neuen Erkenntnisse über die Vertragstexte selbst, die seit dem 17. Jahrhundert in verschiedenen deutschen und französischen Editionen, z.B. im „Theatrum Europaeum“, in den Sammelwerken von Fréderic Léonard, Jean Dumont, Johann Christian Lünig und Henri Vast, sowohl in der Originalsprache wie auch in Übersetzungen einsehbar waren und bis heute stets leicht zugänglich sind.

Was macht den Rheinbund von 1658 dann aber so interessant? Das Markante und Besondere am Rheinbund ist, dass sich Reichsfürsten über konfessionelle, staatliche sowie dynastische Grenzen hinweg untereinander und mit nicht-deutschen Souveränen verbündeten, ohne das Oberhaupt des Heiligen Römisches Reiches deutscher Nationen („Deutschen Reiches“) – den Kaiser – mit einzubeziehen. Gerade in einer Zeit, in der der Fokus auf die Nation gerichtet war, wurde gegen den Rheinbund und die Vertragspartner Kritik erhoben. In der deutschsprachigen Geschichtswissenschaft des 19. und frühen 20. Jahrhunderts hatte der Rheinbund daher eine schlechte Presse. [1]

Der in Wien lehrende Historiker Alfred F. Pribram [2] zieht im Jahre 1887 eine Bilanz und bezeichnet den Rheinbund als einer „der gröbsten Irrthümer“, weil er dem französischen und schwedischen Einfluss auf die Reichsangelegenheiten Vorschub leistete. [3] Der Rheinbund sei einer der „glänzendsten Triumphe französischer Staatskunst“ und zugleich „eines der beschämendsten Documente deutscher Schwäche und Kurzsichtigkeit“. Denn die deutschen Fürsten, erläutert Pribram, suchten – und das sei ihr Fehler gewesen – „die Aufnahme jener beiden Mächte in die zur Sicherung Deutschlands bestimmte Einigung [...], welche so viele Jahre hindurch sich als wahre Feinde des deutschen Volkes erwiesen hatten“. [4] Pribram meint mit den „wahren Feinden“ Frankreich und Schweden. Der König von Frankreich trat dem Bündnis einen Tag nach Vertragsschluss bei, und der König von Schweden war als Herzog von Bremen und Verden als Reichsstand vertreten. Pribram begründet sein Urteil damit, dass der „nationale Gedanke“ bereits in den Zeiten des Rheinbundes in weiten Kreisen des Volkes Wurzeln gefasst habe. [5] Der Mainzer Erzbischof und Motor des Rheinbundes Johann Philipp von Schönborn hätte sich eher an die Staatengruppe „Österreich-Brandenburg“ anlehnen sollen, weil es der „nationalen Idee“ entsprochen hätte, als an „Frankreich-Schweden“. [6]

Im Wandel der Zeit wurde das Bild des Rheinbundes durch vielfältige Interpretationen immer wieder neu justiert. Die Allianz war für Wissenschaftler und Experten stets dann von ganz besonderem Interesse, wenn die deutsch-französischen Beziehungen oder auch föderale Staats- und Gesellschaftsformationen diskutiert wurden: Etwa zur Zeit des Wiener Kongresses 1815 sowie nach dem 1. und 2. Weltkrieg, als es jeweils darum ging, neue geographische Räume und Grenzen sowie politische oder soziale Rahmenbedingungen zu schaffen beziehungsweise neu einzurichten. Es fällt auf, dass der Rheinbund besonders in den 1880er und 1950er Jahren im Fokus der Forschung stand.

Im Folgenden werden die zentralen Topoi der europäischen Historiographie herausgearbeitet, die Sichtweisen, die die Bilder vom Rheinbund qualitativ geprägt haben. Worauf legten die Interpreten ihren Forschungsschwerpunkt? Mit welchen Inhalten, Plots und Metaphern beschrieben sie die Allianz von 1658? Dabei wird der Schwerpunkt auf die deutsch- und französischsprachige Perzeption gelegt, auf die Werke u.a. von Johann v. Heiss und Christian Friedrich Pfeffel, François-Auguste Mignet und Leopold v. Ranke, Henri Martin und Heinrich v. Treitschke, Erich Joachim und Alfred F. Pribram, Henri Vast und Theodor Bitterauf, Roman Schnur, Martin Göhring und Claude Badalo-Dulong, Heinz Duchhardt sowie Karl Otmar v. Aretin, mit dem die Erforschung des Rheinbundes ihren bislang letzten Höhepunkt erreicht hat. Aus diesen vielfältigen europäischen Beiträgen über den Rheinbund der für diese Studie ausgewählten europäischen HistorikerInnen können folgende vier Themenkomplexe herausgearbeitet werden:

  • Der Rheinbund als Instrument der Friedenswahrung;

  • Der Rheinbund als politisches Instrument Ludwigs XIV.;

  • Johann Philipp von Schönborn als tragischer Held;

  • Der Rheinbund als vertane Chance.

2.    Der Rheinbund als Instrument der Friedenswahrung

a)    Die französische Historie und Geschichtswissenschaft

In der französischen Historie und Geschichtswissenschaft wird der Rheinbund entsprechend den Präambeln der Vertragstexte als Instrument der Friedenswahrung gedeutet. Ludwig XIV. und die beteiligten deutschen Fürsten werden so als Stifter des Friedens beschrieben. Dabei bezieht man sich – von Autor zu Autor in unterschiedlichem Maße – auf den Frieden in ganz Europa oder aber auf den Frieden im Deutschen Reich. Nach Ansicht des Autors der „Histoire universelle, sacrée et profane“ aus dem Jahre 1771 sollte der Rheinbund dazu beitragen, die Vereinbarungen des Westfälischen Friedens inner- und außerhalb des Reiches einzuhalten. Es heißt: „Les Ambassadeurs du Roi à Francfort, à l’occasion de l’élection d’un empereur, s’y employerent à former avec la plûpart des princes de l’Empire une ligue, qui fut nommée la ligue du Rhin, & signée à Mayence le 15 d’août 1658. par laquelle le Roi & ses alliés s’engageoint mutuellement à s’entr‘aider pour empêcher que la paix de Westphalie ne fût enfreinte ni au dedans ni au dehors de l’Empire.“ [7]

Indem ein Bezug zum Westfälischen Frieden hergestellt wird, wird dem Rheinbund in der französischen Historie eine ganz herausragende Bedeutung zugesprochen. Obwohl nur ein geringer Teil der Vertragspartner, die die Friedenswerke Münsters und Osnabrücks (1648) unterzeichnet hatten, auch am Rheinbund mitwirkten, wird diesem die Funktion eines „legitimen Vermächtnisses des Westfälischen Friedens“ zugesprochen, als dessen Widersacher der Kaiser ausgemacht wird. In der „Histoire générale et raisonné de la diplomatie française“ aus dem Jahre 1811 heißt es daher: „Ce traité, en renouvelant le maintien de l‘article du traité de Munster qui interdisait à l‘empereur de se mêler de la guerre entre la France et l’Espagne, mit celle-ci dans une position si fâcheuse, qu’elle fut dès-lors contrainte de songer à la paix“. [8]

Für viele Franzosen besitzt der Rheinbund eine spezifisch deutsche reichsständische und darüber hinaus europäische konfessionelle Dimension, da mit ihm – und erst mit ihm – der Religionskrieg in Mitteleuropa beendet worden sei. Den Rheinbund als Abschluss und Vollendung des Westfälischen Friedens zu deuten, wertet ihn auf und hebt seine hohe völkerrechtliche Bedeutung hervor. Dass erst mit ihm der Westfälische Frieden mit seinen interkonfessionellen Implikationen realisiert worden sei, diese Haltung vertritt der französische Historiker, Romancier und Publizist Henri Martin (1810-1883). In seiner preisgekrönten „Historie de France“ schreibt er: „L‘Alliance du Rhin, qui compléta le traité de Westphalie, qui effaça les dernières traces des guerres religieuses dans l’Europe centrale, en réunissant les deux religions sous un mème étendard politique, et qui assura l’abandon de la Belgique par l’Allemagne aux armes de la France, peut être considéré comme le point culminant de la politique française vis-à-vis de l’Allemagne“. [9]

Freilich gibt es auch französische historische Darstellungen, nach denen der Rheinbund nicht nur als friedensstiftendes, sondern zudem – hierauf wird unten noch einzugehen sein – als politisches Instrument der Franzosen fungiert habe. Claude [Marguerite-Claude] Badalo-Dulong (geb. 1922) schließt das eine nicht vom anderen aus, legt aber dennoch den Schwerpunkt auf die den Frieden von Münster wahrende Dimension des Rheinbundes: „Mais l’Électeur ne se laissait pas aveugler. Dans son esprit, la Ligue du Rhin avait deux fins. Elle était d’une part, un instrument de politique intérieur; [...] Mais la Ligue était surtout un instrument de paix: Foedus defensivorum pro conservanda pace et tranquillitate imperii [...]. On aiderait la France à défendre les territoires acquis au traité de Münster s’ils se trouvaient attaqués, on s’opposerait à la jonction des Impérieux et des Espagnols, mais on ne se laisserait pas entraîner dans le conflit franco-espagnol qui continuait. Au contraire, on tâcherait d’aider à son achèvement en s’offrant comme médiateur. [...]“. [10]

b)    Die deutsche Historie und Geschichtswissenschaft

Der Rheinbund von 1658 besitzt enorme Anziehungskraft, weil er als Bündnis kleinerer und größerer Staaten die Idee eines Völkerbundes nährte. Im Jahre 1813 verfasste ein unbekannter Autor einen kurzen Artikel mit dem Titel „Das rheinische Bündniß“ in der renommierten politischen Zeitschrift „Minerva“, in dem er mit Rekurs auf den Rheinbund von 1658 seine Hoffnung auf einen Völkerstaatenbund äußerte: „Zwischen großen Mächten bleiben die Verhältnisse unverändert dieselben, so lange beide eine große Macht behalten. Weder Familienbande, noch die Fortschritte in der Cultur ändern etwas darin, so lange kein Völkerstaatenbund abgeschlossen ist, der die Entscheidung der Streitigkeiten zwischen den Staaten der Gewalt entreißet und sie der Vernunft übergiebt. [11]

Ziele und Wünsche eines globalen Bundes der Staaten finden sich in der europäischen Historiographie nicht. In Frankreich und im Elsass standen in der Rheinbundforschung stets der Präambel gemäß der europäische Friede und der Westfälische Friede von 1648 im Mittelpunkt. Wurde auch im Deutschen Reich und späteren Deutschland der Fokus auf die friedensstiftende Bedeutung des Rheinbundes gelegt?

Im Deutschen Reich gibt es im 18. Jahrhundert nur wenige Äußerungen zum Rheinbund. Der Elsässer Johann v. Heiss (gest. 1688), der als kurpfälzischer Resident am französischen Hof tätig war, legte 1684 eine in Amsterdam erschienene, mehrbändige französischsprachige „Histoire de L’Empire, contenant son origine, son progrès, ses révolutions“ vor, die im frühen 18. Jahrhundert mehrfach neu aufgelegt wurde. [12] Hierin geht er auch auf den Rheinbund ein und deutet ihn parallel zur französischen Historie als Instrument zum Schutz und Erhalt des Westfälischen Friedens. Er schreibt: „L’élection se fit le 18. de Juillet 1658. & il fut couronné le 1 d’Août suivant. Les Ambassadeurs de France se retirérent alors à Mayence, où le 15. du même mois la ligue du Rhin fut signée entre eux, & les Députés de Mayence, de Cologne, de Neubourg, de Brunswick, de Hesse, & de Suède, pour l’entretien de la Paix de Westphalie, & de la Capitulation que le nouvel Empereur venoit de signer; parce que dès lors on ne s’attendoit qu’il dût la garder fort èxactement, non plus que ses prédédesseurs.[13]

Mit seiner engen deutsch-französischen biographischen Verflechtung stellt v. Heiss als ein Grenzgänger der deutschen und französischen Wissenschaften eine Ausnahme in der deutschen Historie dar. Auch der Stuttgarter Staatsrechtler und Diplomat Johann August Reuss (1751-1820) knüpft (wie seine französischen Zeitgenossen) einen engen Bezug zum Westfälischen Frieden. Für Reuss hat der Rheinbund die Funktion, die Vereinbarungen des Friedensvertrags von Münster (1648 X 24) zu unterstützen. 1791 publiziert er in seinem Journal „Teutsche Staats-Cantzley“ einen Aufsatz über die Teilhabe Triers am Rheinbund: „Encore que le Roi & Monseigneur l’Archevêque de Treves, Prince Electeur du Saint-Empire, reconnoissent que, par le Traité de paix conclu & signé à Munster, le 24 Octobre de l‘année 1648, ils sont obligés avec tous les austres Princes, qui sont intervenus audit Traité, de maintenir & garantir toutes les conditions qu‘ il contient, & que Sa Majesté & ledit Prince Electeur soient toujours disposés à les observer & faire exécuter pontuellement selon la teneur dudit Traité, comme ils l’ont promis en le signant, Sa Majesté & ledit Prince Electeur ayant jugé à propos dans la constituion présente des affaires de la Chrétienté & de l’Empire, de faire une confédération & liaison d‘ amitié [...]“. [14]

Doch von einzelnen Positionen, die auf eine enge Vernetzung mit der französischen Historie und Sprache schließen lassen, abgesehen, finden sich erst im 20. Jahrhundert – und zwar vor allem nach dem 2. Weltkrieg – Urteile deutscher Experten, die den Rheinbund als friedensstiftendes Instrument bewerten. Gut 160 Jahre nach Reuss nimmt der Mainzer Historiker Martin Göhring (1903-1968) eine europäische friedenshistorische Perspektive ein. Bei Göhring ist der Rheinbund eine machtpolitische Initiative, an deren Ende ein neuer umfassender Frieden, der Pyrenäenfrieden, steht: „Und jetzt wurden die Dinge reif für den Abschluß des Fürstenbundes. Auf den früher festgelegten Grundsätzen sollte er sich aufbauen. Liga und Kapitulation sollten jetzt die großen Sicherungen gegen kaiserliche Übergriffe werden. Die verfassungsmäßigen und rein politischen Bestimmungen des Westfälischen Friedens ein weiteres Mal zu garantieren und wenn möglich auszubauen, das ist das Ziel. Es wurde gut erreicht, daß Mazarin, als Leopold am 18. Juni 1658 gewählt wurde, von einem „gezäumten Kaisers“ sprechen konnte. [...] Als machtpolitisches Instrument, die Einhaltung dieser und anderer Bestimmungen zu überwachen, erstand der erste Rheinbund. Vier Wochen genügten, um den Vertrag zustande zu bringen. Er war doppelt: der Zusammenschluß deutscher Fürsten zwecks Aufrechterhaltung des Westfälischen Friedens in einem Defensivbündnis. [...] Machtmäßig war also ein Teil Deutschlands um Frankreich gruppiert. Zwischen diesem und England bestand ebenfalls eine Allianz; der Kaiser war damit isoliert. Das Gesetz des Handelns ruhte bei Mazarin. Seine Staatskunst machte den weiteren Kampf Spaniens aussichtslos und nötigte es zum Pyrenäischen Frieden.[15]

Auch in der modernen deutschen Forschung werden die friedensstiftenden Ambitionen der Rheinbundpartner gewürdigt. Der Frühneuzeithistoriker Heinz Duchhardt (geb. 1943) nähert sich dem Rheinbund aus der Perspektive der historischen völkerrechtlich akzentuierten Friedensforschung. Zwar sahen schon frühere Interpreten, wie wir gesehen haben, im Rheinbund ein friedensstiftendes Instrument, aber die Teilhabe deutscher Stände an der europäischen Völkerrechtspraxis wurde dabei nicht thematisiert. In einer Studie aus dem Jahre 1979 beschäftigt sich Duchhardt mit der völkerrechtlichen Institution des Vermittlers und zieht den Rheinbund und dessen „Manager“ Schönborn als Fallbeispiel heran. Duchhardt sieht in Schönborn einen ehrgeizigen Fürsten, der in einem ganz spezifischen Ordnungsrahmen – nämlich zwischen den Polen Wien und Paris – eine Neutralitätspolitik mit dem Ziel der Aufwertung des eigenen Prestiges und der völkerrechtlichen Stellung Kurmainz‘ verfolgt habe. Dabei konzentriert er sich auf die Vermittlungspolitik Schönborns und kommt zu dem Ergebnis, dass der Mainzer Erzbischof durch seine Rheinbundinitiativen einen Schub in der Völkerrechtspraxis ausgelöst habe. Duchhardt resümiert: „Für das politische Selbstverständnis der deutschen Kurfürsten und ihre zunehmende Integration in die Völkerrechtspraxis ihrer Zeit sind diese Aktivitäten und Projekte Schönborns aber eben doch mehr als nur Episode. [...] Wenigstens ist die oberste Schicht der deutschen Stände bis zum Beginn der Epoche Ludwigs XIV. in die Völkerrechtswirklichkeit des Kontinents voll integriert“. [16]

Vor allem Dank der Arbeiten des Frühneuzeithistorikers Karl Otmar v. Aretin (geb. 1923), der sich in den 1980er Jahren intensiv dem Thema zuwendet, wird der Rheinbund in Deutschland einer neuen Bewertung unterzogen. Nach Aretin besitzt der Rheinbund eine markante Bedeutung in der deutschen Geschichte und ihrem Ringen um eine föderalistische und hierarchische Ordnung. [17] In seiner innovativen Studie über das Reich und seine Friedensordnung aus dem Jahre 1986 betont v. Aretin die Nähe des Rheinbundes zum Westfälischen Frieden: „So gesehen erfüllte der Rheinbund als erste große Assoziation alle Bedingungen, die der Westfälische Frieden an einen solchen Bund stellte. Er war gestiftet, diesen Frieden zu erhalten und er sollte den Kaiser abhalten, die Ordnung des Westfälischen Friedens zu verändern. [...] Tatsächlich hat der Rheinbund, indem er das Reich sowohl aus dem spanischen als auch später aus dem Nordischen Krieg hielt, Deutschland über zehn Jahre eine ruhige und friedliche Entwicklung ermöglicht.“ [18]

3. Der Rheinbund als politisches Instrument der französischen Krone

a)    Die französische Historie und Geschichtswissenschaft

Den französischen Historikern des 18. Jahrhunderts war es bewusst, dass der Rheinbund vielfältige Motive und Dimensionen besaß. Der Elsäßer Christian Friedrich Pfeffel (1726-1807), der enge Beziehungen zur Universität Göttingen pflegte und so den Transfer zwischen der französischen und deutschen Wissenschaft, vor allem der Historie und Statistik, förderte, weist in seiner vielbeachteten Studie aus dem Jahre 1776 dem Rheinbund drei Bedeutungen zu, nämlich Garantie des Westfälischen Friedens, Schutz der Rechte der Reichsstände und Instrument zur Einflussnahme der französischen Krone in die Angelegenheiten des Deutschen Reiches. Er schreibt: „Les trois Electeurs Ecclésiatiques, l’Evêque de Munster, le Comte Palatin, Duc de Neubourg, les Ducs de Brunswick-Lunebourg, & le Landgrave de Hesse-Cassel, concluent, le 14 Août, avec le Roi de Suède, en qualité de Duc de Bremen, sa fameuse Ligue du Rhin, pour leur défense commune, & pour le maintien inviolable de la paix de Westphalie: [...] Le Roi de France accéde, le 25 Août [sic! 15.], à cette alliance, par un Traité particulier; mais l’Electeur de Trèves, & l’Evêque de Munster, s’en retirerent peu de tems après, sur les vives instances que leur en fit le Nonce San-Félice, qui condamnoit absolument toutes sortes de liaisons avec les Protestants. Au surplus, l’alliance du Rhin, qui n’avoit d’abord été conclue que pour trois ans, fut continuée successivement jus‘ quèn 1666. Elle donna à la France une si grande influence dans les affaires de l’Empire, que son autorité y surpassa souvent celle de l’Empereur.[19]

Die Position Pfeffels stellt ein Fundament dar, auf das spätere Experten ihre Forschungen aufbauen. Der wohl beste Kenner des Rheinbundes, François-Auguste Mignet (1796-1884), zeitweise Direktor des Archivs im Ministerium des Auswärtigen, konkretisiert die Ausführungen Pfeffels aus den 1770er Jahren. Hatte dieser bereits den politischen Einfluss herausgefiltert und bemessen, den Ludwig XIV. durch den Rheinbund erhielt, geht Mignet sogar so weit zu behaupten, dass der französische Monarch durch den Rheinbund der eigentliche Herrscher des Heiligen Römischen Reiches geworden sei. Er schreibt: Les confédérés fixèrent avec prévoyance tout ce qui pouvait rendre leur alliance efficace. Ils formèrent un directoire dont l’électeur de Mayence fut le chef et qui tint ses séances à Francfort. Ils levèrent une armée défensive à la composition de laquelle chacun d’eux contribua. Louis XIV dut fournir pour son contingent, comme nous venons de le voir, seize cents fantassins et huit cents cavaliers; [...]. Outre cette ligue générale à l’aide de laquelle Louis XIV exerça l’influence la plus active et la plus étendue en Allemagne, il fit le 6 mars 1664 avec l’électeur de Brandenbourg, et le 12 avril de la même année avec l’électeur de Saxe, des traités de defense mutuelle, s’ils étaint attaqués en violation du traité de Westphalie. [...] Louis XIV se servit pendent plusieurs années de l’ascendant que lui donnaient ses alliances et ses subsides pour diriger la politique de l’Allemagne. Il était le chef réel de l’empire. Il ne s’élevait aucune dissidence entre les membres du corps germanique, il ne survenait aucun embarras dans la conduite de ses affaires, sans qu’on recourût à sa médiation ou à sa puissance. [20]

Unbestritten hat der Rheinbund dem französischen König neue Optionen der Einflussnahme in die deutsche Politik eröffnet, doch konträr wird jedoch die Frage erörtert, ob diese Entwicklung den deutschen Fürsten zum Vor- oder zum Nachteil gereichte. Frédéric Schoell (1766-1833), der in Straßburg bei Koch Geschichte studierte und als Diplomat in preußischen Diensten stand, war davon überzeugt, dass die Einflussnahme der französischen Krone dem Frieden im Reich zu Gute gekommen sei. Auch zweifelt er nicht daran, dass über die territorialen Grenzen zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich hinweg Politik gestaltet und Herrschaft ausgeübt werden könne, eine Haltung, die dann im 19. Jahrhundert, wie noch gezeigt wird, mit zunehmender Nationalisierung der Perspektive unvorstellbar sein wird. Schoell schreibt: „L’électeur ne furent pas les plus aisées à lever. L’électeur vouloit maintenir expressément son alliance avec l’empereur, et cette demande étoit d’autant plus fondée, que Louis XIV se trouvoit alors en paix avec la cour de Vienne. On exĭgeoit que l’électeur s’engageât à soutenir à la diète et ailleurs les bonnes intentions du roi pour le maintien de la paix en Allemagne; qu’il entrât dans l’alliance du Rhin, et qu’il consentit à ce que le duc de Neubourg fût compris dans la paix d’Oliva. L’alliance du Rhin ayant pour objet ostensible le maintien de la paix de Westphalie, avoit été conclue, pour trois ans, à Mayence, le 15 août 1658, entre la France, les trois électeurs ecclésiastique, le duc de Neubourg, le roi de Suéde, comme duc de Brèmen, la maison de Brunswick et le landgrave de Hesse, et renouvelée pour dàutres trois années le 13 août 1661, et une seconde fois le 25 janvier 1663.“ [21]

Der französische Historiker Henri Vast, der den Rheinbund umfassend edierte, findet für den Topos der Abhängigkeit der deutschen Fürsten von der französischen Krone eine eindrucksvolle und treffende Metapher. Denn er schreibt von der „chaine ininterrompue de confédérés“ die „dans la clientèle du roi de France“ eingefügt würden. Vast bündelt die verschiedensten – deutschen wie französischen – Positionen, nimmt sie auf und entwickelt auf diese Weise ein neues Mosaik vom Rheinbund, in dem den deutschen Fürsten eine aktive Rolle zugesichert wird: „Quelques semaines plus tard, l‘alliance du Rhin fut conclue. [...] Les princes allemands y font une place à la France, parce que son roi est un puissant patron, qu‘ il maintiendra leur indépendance contre un retour offensif de la maison d’Autriche et que, d’alleurs, il les paye bien. Il fut convenu avec les intéressés que la signature de leur traité se ferait entre eux à Francfort, et que, le jour suivant, ils viendraient trouver les plénipotentiaires du roi à Mayence, où sevait signé avec eux le traité par lequel le roi entrait dans leur association; ce qui fut exécuté ponctuellement. Ainsi, depuis Wismar et Brème jusqu‘ à Heidelberg et Neubourg, en passent par le Brunswick, la Hesse, les États de Cologne, de Trèves et de Mayence, une chaine ininterrompue de confédérés entrait dans la clientèle du roi de France. Il manquait un anneau à cette chaine, c’était le Brandebourg. Le traités particulier de Louis XIV avec l’électeur Frédéric Guillaume, du 24 février 1656, n’avait pu être confirmé, à cause du désaccord entre ce prince et la Suède, relatif à l’héritage de la Poméranie. L’Allemagne tombait dans une véritable dépendance politique à l’égard de la France.“ [22]

Während Vast den Rheinbund als einen Verbund einzelner unabhängiger, aber miteinander verknüpfter Glieder beschreibt, die in die Klientel der französischen Krone eingereiht worden seien, benutzt hingegen der französische Historiker und Geograph Bertrand Auerbach (1856-1942) die Metapher der Kette für den Rheinbund nicht. Er favorisiert stattdessen das Bild des Puffers zwischen den Mächten Frankreich und Habsburg. Die Darstellung Vasts hat gegenüber der von Auerbach den Vorteil, dass sie einen punktuellen und keinen arrondierten Verbund beschreibt, was den damaligen Gegebenheiten gerechter wird. Auerbach hingegen suggeriert mit seiner Metapher eine Fläche zwischen zwei Polen, so dass die Rheinbundstaaten ein homogenes Gebilde darstellen und man unwillkürlich an das Rheinland denkt, das jedoch in der Wahrnehmung der damals lebenden Zeitgenossen offenbar noch gar nicht existiert hat. [23] Auerbach schreibt: „Les princes contractants se pliaient en effet aux exigences militaires de la France, avec l‘engagement de s’opposer à la jonction des Espganols et des Impériaux: c’était là le rôle de l’État-tampon qu’ils prétendaient former, en se flattant que l’équilibre des forces entre la France et la Maison d’Autriche ne se romprait pas de si tôt et avec le ferme propos de ne pas se joindre à la France si elle attaquait la Maison d’Autriche en Allemagne même. Mais leur fédération prenait aussi une portée et un caractère national: ils espéraient constituer un parti, et se grouper en majorité dans les Diètes.“ [24]

b)    Die deutsche Historie und Geschichtswissenschaft

Ein wiederkehrender Topos der deutschen Rheinbundforschung ist, dass der Rheinbund als politisches Instrument der französischen Krone zum Ausbau ihrer Macht im Reich gesehen wird. Mit dem Rheinbund von 1658 habe die französische Krone und Diplomatie die inneren Angelegenheiten des Deutschen Reiches beeinflussen, vielleicht sogar steuern können. Walter Platzhoff (1881-1969) bringt diese Sichtweise 1931 auf den Punkt: „Ein weiterer nicht zu unterschätzender Erfolg der französischen Politik lag darin, daß sie mit der Garantie für den Westfälischen Frieden ein Einspruchsrecht in die innerdeutschen Angelegenheiten erhielt. Ihr traditionelles Streben, dem Hause Österreich auch die Kaiserkrone zu entwinden, erlitt zwar bei der heißumkämpften Kaiserwahl von 1658 einen neuen Fehlschlag, der im Zusammenhang hiermit begründete Rheinbund gewährte ihr einen willkommenen Hebel zur Ausdehnung ihres Einflusses im Reich. Denn die Vorherrschaft Frankreichs in Europa beruhte nicht allein auf seiner eigenen Macht, sondern mindestens ebensosehr auf seinem Bündnissystem, das von Franz I. und Heinrich IV. errichtet und von Richelieu und Mazarin weiterausgebaut worden war.[25]

Wurde diese Position schon in der deutschen Aufklärungshistorie vorbereitet? Während in Frankreich, wie wir gesehen haben, bereits früher im 18. Jahrhundert mit der systematischen Deutung des Rheinbundes von 1658 intensiv begonnen wurde, finden sich in der deutschen Geschichtsschreibung nur wenige Spuren davon. Ausnahmen sind die Editionswerke, wie z.B. das „Theatrum Europaeum“. Auch in der deutschen Staatsrechtsliteratur ist der Rheinbund erwähnt, z.B. bei Pütter, der ihn aber – und dies ist charakteristisch – als folgenloses Unterfangen beschreibt und damit marginalisiert. Obwohl deutsche und französische Historiker gleichermaßen das europäische Staatensystems auf der Grundlage von Friedensverträgen mit großem Aufwand erkunden – man denke etwa an Mably, Koch, Ancillon sowie an Martens und Eichhorn – hat es den Anschein, dass die deutschen Historiographen den Rheinbund bewusst unbeachtet ließen und verschwiegen. Der Göttinger Ludwig Timotheus Spittler (1752-1810) geht auf den Rheinbund von 1658 in seinem „Entwurf der Geschichte der Europäischen Staaten“ aus dem Jahre 1793, in dem er chronologisch wichtige Daten, z.B. Friedensschlüsse, Staat für Staat und Land für Land registriert, nicht ein. [26] Auch der Göttinger Historiker Johann Georg Eichhorn (1752-1827), der in seiner mehrbändigen „Geschichte der drey letzten Jahrhunderte“ den Versuch einer Geschichte des europäischen Staatensystems auf der Basis der Friedensverträge unternahm, erwähnt den Rheinbund von 1658 nicht. Dies erstaunt, weil Eichhorn seine Geschichte Europas auf Schriften gründet, wie Jacques Bernards „Recueil des traités de paix“, Dumonts „Corps universel“ und auch Kochs „Abrégé de l’histoire des Traités de Paix“, so dass ihm der Text des Rheinbundes im Wortlaut vertraut und bewusst gewesen sein musste. [27]

Auch wenn der Begriff „Rheinbund“ selbst nicht auftaucht, so fügt Eichhorn am Ende seines Kapitels über die Herrschaft Habsburgs in Europa aber doch eine Bewertung ein, die auf den Rheinbund gemünzt gewesen sein dürfte. Die Zeit zwischen 1658 und 1660 ist für Eichhorn nämlich eine besondere Phase der Weichenstellung, weil seiner Ansicht nach in dieser Zeitspanne die „Übermacht“ des Hauses Habsburg-Österreich von der „Übermacht“ Frankreichs abgelöst worden sei. In seinem Urteil über Frankreichs Reichspolitik, in dem zwischen den Zeilen der Rheinbund durchschimmert, ist Eichhorn modern und weist bereits in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Er schreibt: „Rettungslos schien ganz Europa in seine [Ludwig XIV.] Hand geliefert. [...] Deutschland ihm ergeben, als dem Garant des westphälischen Friedens [...]. Das Heil von Europa hieng allein von den schwachen Coalitionen ab, welche die Noth von Zeit zu Zeit zusammenbrachte; und diese führten endlich auf die Idee des Gleichgewichts von Europa, welche gegen das Ende des siebzehnten Jahrhunderts, mehr dunkel gefühlt, als deutlich gedacht, befolgt ward [...].“ [28] Hier ist ein weiterer Topos der Rheinbundliteratur angedacht, nämlich „Abhängigkeit der deutschen Fürsten von der französischen Krone“, wenn auch der Rheinbund selbst nicht beim Namen genannt wird.

An die Aufklärungshistorie eines Eichhorns knüpften deutsche Historiker des Vormärz nahtlos an. Friedrich von Raumer (1781-1873) beispielsweise, der den Topos von der „Abhängigkeit“ mitprägte, studierte in Halle und Göttingen, wo er mit den Lehren Eichhorns in Verbindung kam. Er war von 1819 bis 1859 als Hochschullehrer für Staatswissenschaften und Geschichte in Berlin tätig und ist vom diplomatischen Geschick der Franzosen uneingeschränkt überzeugt: „Ihr [der Franzosen] Versuch, Leopold I. nach dem Tode seines Vaters Ferdinand III (1657) vom Kaisersthrone auszuschließen, mißlang, doch ward ihm auf Mazarins Betrieb in seiner Wahlkapitulation untersagt, sich in die Kriege zwischen Spanien und Frankreich zu mischen. Ein bedenkliches Vorbild späterer Abhängigkeit bot ferner der am 15. August 1658 (110 Jahre vor der Geburt Napoleons) geschlossene ältere Rheinbund, vermöge dessen sich die drei geistlichen Churfürsten, Münster, Neuburg, Braunschweig, Hessen und Schweden (wegen seiner deutschen Länder) mit Frankreich verbanden zur Aufrechterhaltung des westphälischen Friedens und wechselseitiger Vertheidung, den noch fortdauernden Krieg wider Spanien ausgenommen“. [29]

Auch der Altmeister der deutschen Historiographie, Leopold v. Ranke (1795-1886), quantifiziert in Zusammenhang mit dem Rheinbund in seiner „Französischen Geschichte, vornehmlich im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert“ den französischen Einfluss auf die deutsche Politik. Ranke schreibt: „Durch den Rheinischen Bund, der im Jahre 1658 geschlossen, 1660, 1663 erneuert wurde, besaß Ludwig einen Einfluß im Deutschen Reiche, welcher der Autorität des Kaisers, wenigstens in den westlichen Kreisen, entweder gleichkam oder sie vielleicht noch überwog. Der Bund hatte sich eine förmliche Verfassung gegeben; nicht allein aber der Bundesrat, sondern auch eine Reichsdeputation, welche wie dieser in Frankfurt tagte, waren in unzweifelhafter Abhängigkeit von dem König von Frankreich. Der Kurfürst von Mainz, Johann Philipp von Schönborn, war fast mehr der Kanzler des Königs als des Kaisers; er hat die Festungswerke von Mainz mit französischen Subsidien gebaut. Durch den Grafen Wilhelm Fürstenberg, dessen Habgier die Franzosen gleichsam aus Grundsatz benutzten, beherrschten sie den Kurfürsten von Köln. Im Jahre 1661 schloß König Ludwig XIV. eine Allianz mit Trier und ließ es nun sein vornehmsten Bestreben sein, auch den Kurfürsten von der Pfalz zu gewinnen: dann würde er die Mehrheit im Kurfürstenrat für sich gewonnen haben. Er bemühte sich, jede Entzweiung, die zwischen seinen Freunden und Verbündeten zum Ausbruch zu kommen drohte, beizulegen, denn er wollte dem Hofe von Wien das Vergnügen eines solchen Schauspiels nicht machen. Er selbst vermied sorgfältig, die Differenz der Konfessionen zu berücksichtigen; beiden Parteien wollte er verbunden sein.[30]

Bezeichnete Wilhelm Havemann in seiner „Geschichte der Lande Braunschweig und Lüneburg“ den Rheinbund 1857 aus regionalhistorischer Perspektive noch als „großen Fürstenbund[31] setzten sich die bereits bei Eichhorn und v. Raumer in Ansätzen entwickelten Positionen, die den Rheinbund als pure Machtdemonstration Ludwigs XIV. brandmarkten, mit Heinrich v. Treitschke (1834-1896) endgültig durch. In seiner Interpretation kulminiert die nationalistische, parteinehmende Perspektive und Deutung der deutsch-französischen Beziehungen unter der Kategorie der Macht. Treitschke schreibt in seiner „Deutschen Geschichte“: „Die ganze Schmach der Zersplitterung [des Deutschen Reiches] zeigte sich in der Wehrlosigkeit des Reiches. [...] Jetzt, da beständig vom Westen her der Angriff drohte, lagen dicht vor Frankreichs begehrlichen Händen die schwächsten, die waffenlosen Glieder des Reiches. Die lange Pfaffengasse des Rheines entlang erstreckte sich von Münster und Osnabrück bis nach Konstanz hinauf ein Gewirr winziger Staaten, unfähig zu jeder ernsthaften Kriegsrüstung, durch das Gefühl der Ohnmacht zum Landesverrate gezwungen. Fast alle rheinischen Höfe bezogen Pensionen aus Versailles; der erste Rheinbund von 1658 ward von begeisterten Reichspatrioten als ein rühmliches Unternehmen zum Schutze deutscher Freiheit gepriesen.[32]

Auch einer der besten deutschen Kenner des Rheinbundes, der Münchner Historiker Theodor Bitterauf (1877-1925), der zwischen 1916 und 1918 u.a. in der Zentralstelle für Auslandsdienst im Auswärtigen Amt tätig war und somit über Erfahrungen in der diplomatischen Parxis verfügte, betont, dass es eine französische „Vasallenherrschaft“ gegeben habe. Doch nimmt Bitterauf Schönborn, auf den im folgenden Kapitel eingegangen wird, aus der Schusslinie, indem er ihm weder habsburgische Antipathien noch französische Sympathien unterstellte: „Johann Philip von Mainz hatte zuerst eine Föderation mit dem Kaiser als Haupt gründen wollen, dann aber wandte er sich dem katholischen Defensivbündnis zu, das zwischen Köln, Trier, dem Bischof von Münster und Pfalzgrafen Philipp von Neuburg bestand; auch die Hildesheimer Allianz suchte er zu gewinnen. Wer damals Frankreich in den Rheinbund hereingezogen hat, ist nicht erwiesen. [...] 1658 war noch die Täuschung möglich, daß eine politische Verbindung mit Frankreich ohne französische Vasallenherrschaft riskiert werden können; Johann Philipp von Mainz war keineswegs der Meinung, sich und den rheinischen Bund unter das Joch Ludwigs XIV. zu beugen. Der Erfolg entschied freilich ähnlich wie 1806 beim zweiten Rheinbund gegen ihn; das ersehnte Gleichgewicht und der erhoffte Friede wurde nicht geschaffen, nur die französische Vorherrschaft bestärkt. [...] [Aber] auch ohne den Rheinbund hätte der Einfluß Frankreichs auf das Reich steigen müssen.“ [33]

4.    Johann Philipp von Schönborn als tragischer Held

Von besonderem Interesse für die europäische Rheinbundforschung war die Gewichtung der Rolle des Mainzer Schönborn. Konnte der deutsche Fürst eines vergleichsweise mindermächtigen Landes erfolgreich Politik auf europäischer Bühne betreiben? Die Forschung war sich lange Zeit einig darin, dass Schönborn gescheitert ist und angesichts der politischen Verhältnisse scheitern musste. Obwohl Schönborns friedenswahrende Absichten, seine patriotische Gesinnung und sein intellektueller Horizont in der Forschung positiv betont und herausgestrichen wurden, wurde zugleich das Urteil gegen ihn gesprochen. Die positiven Charaktermerkmale und Eigenschaften wertete man gerade als Ursachen für den vermeintlichen Misserfolg. Schönborn wurde gewissermaßen als ein Don Quijotte und tragischer Held beschrieben.

In diesem Sinn argumentiert Max Braubach, wenn er schreibt: „Johann Philipp von Mainz glaubte mit diesem zunächst auf drei Jahre geschlossenen Rheinbund, dem sich 1660 noch Münster, 1662 Trier und 1665 Brandenburg anschlossen, das Gleichgewicht im Reich gesichert zu haben, dessen Gefährdung er eher von Österreich als von Frankreich besorgte. An den patriotischen Motiven der Politik Schönborns ist nicht zu zweifeln; es erwies sich aber, daß ihr eine falsche Einschätzung der Machtverhältnisse zugrunde lag. Der Bund wurde zu einem Instrument der auf Bekämpfung Habsburgs, Stützung Schwedens und die eigene Leitung der Dinge im Reich zielenden französischen Politik, die dabei die später als klassisch bezeichnete Methode nachdrücklicher Geltendmachung von Ansprüchen in maßvollen Formen entwickelte.[34]

Das Fundament für diese Beurteilung, die auf der Diskrepanz basiert, dass Schönborn einerseits lobenswerte Absichten verfolgt habe, aber andererseits politisch ohnmächtig gewesen sei, wurde schon in der Weimarer Republik gelegt. In seiner Studie „Die historische Rheinpolitik der Franzosen“ deutet der in Oldenburg gebürtige Historiker Hermann Oncken (1860-1945) den Rheinbund von 1658 als Beleg jahrhundertealter französischer Macht- und Interessenpolitik. Onckens Bild vom Rheinbund des Jahres 1658 steht im Rahmen der Vorarbeiten für seine Aktenausgabe zur Rheinpolitik Napoleons III. (1926). So kurz nach dem 1. Weltkrieg ist er beeinflusst von Überzeugungen der „deutsch-französischen Erbfeindschaft“, der Elsassfrage, vom Versailler Vertrag (1919) und der deutschen Revolution von 1918. Deshalb operiert er mit modernen Begriffen seiner Zeit wie „Weltfrieden“ und „Pazifismus“, die er ins 17. Jahrhundert transferiert. Oncken, Hochschullehrer für Geschichte u.a. in Chicago, Heidelberg, München sowie Berlin, unterfüttert sein Urteil aus dem Jahre 1922 mit einer moralischen Lehre und verwendet in seiner Interpretation einen historiographischen Topos, nämlich den der Selbstüberschätzung machtloser Akteure. Seiner Ansicht nach hat sich Schönborn, da mit nur wenig politischer Macht ausgestattet, von Frankreich ausspielen lassen. Oncken schreibt: „Wie immer die Schwachen sich über die Rolle täuschen, die ihr Tatendrang sie spielen ließ, so auch dieser rheinische fürstliche Pazifismus, der von der Balance Europas träumte: man meinte in Mainz zu schieben und wurde von Paris geschoben.[35]

Johann Philipp Schönborn als Akteur mit guten Absichten, aber fehlender realer politischer Macht, so sieht ihn auch Hajo Holborn (1902-1969), der – ebenso wie Oncken – urteilt, dass Schönborn sich selbst überschätzt und die politischen Umstände falsch eingestuft habe. Auch Holborn ist vom Scheitern der Mission Schönborns überzeugt. Grund dafür seien seine intellektuelle Ausbildung sowie seine visionäre Zielsetzung gewesen: „By bringing together smaller alliances already in existence, John Philip succeeded in forming the Rhenish Federation of December 1654. Its members were the three ecclesiastical electors, [Münster, Jülich-Berg]. [...] John Philip, having accomplished the election of a Habsburg ruler, was eager to make his peace policy effective by expanding the Rhenish Federation. [...] An alliance between German princes and France was fraught with certain dangers, and John Philip did not intend to serve as a standard-bearer of the French in Germany. [...] In hoping to build, through an association of German princes in the heart of Europe, a mediating power that could keep Germany, and possible even Europe, at peace, John Philip had overestimated the potential strength of the small German states. Among the statesmen around him there was an awareness not only of German national needs but also of the common life of Europe, a matter little thought of in this age of ruthless prosecution of individual political interests and growing indifference toward the religious division in Christendom. Here the reunion of Christian churches was considered as more than an academic dream. Leibniz was to devote himself to this reunion under the protection of the court of Mainz. But noble ideas could not make up for the weak political basis on which John Philip built his policies.“ [36]

In der modernen Forschung fällt das Bild Schönborns sehr viel positiver aus. Im Werk Freiherr v. Aretins spielt er eine ganz entscheidende Rolle als – durchaus partiell erfolgreicher – Friedensvermittler, der „das hohe Spiel der Politik zu meistern verstand“. [37] Es bleibt dahingestellt, ob Schönborn Glück im Unglück gehabt hat. Denn möglicherweise hätte es sich für die deutschen Fürsten angesichts der Kräftekonstellation gar nicht ausgezahlt, wenn sie ins Zentrum der europäischen Politik katapultiert worden wären. So sieht es John Gagliardo, der 1991 schreibt: „Since most of the fears which had moved the German Princes to create this federation were laid to rest by the termination of Franco-Spanish hostilities in the Peace of Pyrenees in November 1659, its subsequent history was uneventful. The fact that the federation was never tested in its intended role as a German balancer, or peacekeeper, was probably fortunate for most of its German members, whose admirable patriotic intentions would likely have spared them the baleful consequences which frequently await those who set goals unattainable except by the help of outsiders with interests very different from their own.[38]

5.    Der Rheinbund als vertane Chance

Viele Wissenschaftler sahen im Rheinbund von 1658 eine reale, aber schließlich vertane Möglichkeit zur Etablierung einer föderalen Verfassung. Neben dieser staatsrechtlichen Perspektive steht ein nationaler Interpretationsansatz. Dieser geht davon aus, dass im Rheinbund die Option einer gemeinsamen deutsch-österreichischen („großdeutschen“) Politik verspielt worden sei.

Der langjährige Direktor des Staatsarchivs Königsberg Erich Joachim (1851-1923) beschäftigt sich in seiner 1886 veröffentlichten Studie mit der nationalen Frage – also in erster Linie mit dem Verhältnis zwischen „Deutschland“ (vor allem vertreten durch Mainz und Brandenburg) und Österreich. Joachim macht seine Präferenz für ein Bündnis zwischen Rheinbundpartnern, Brandenburg und Kaiser unmissverständlich deutlich. Die Gründe und Ursachen dafür, dass dieses „großdeutsche“ Bündnis im 17. Jahrhundert nicht realisiert wurde, sind seiner Ansicht nach theoretische Handhabe und Ohnmacht. So transportiert er Parameter seiner Zeit ins Jahr 1658 zurück und operiert auf der Grundlage eines von Dualismen, Gegnerschaften und militärischer Macht sowie Gewalt geprägten Weltbildes: „Wir sind am Ziele und erblicken das Ergebniß vieljähriger Bemühungen und Verhandlungen, die Frucht der verschiedenartigsten Allianzbestrebungen. [...] Johann Philipp von Mainz freilich glaubte sicherlich, durch diesen Bund, sein allereigenstes Werk, wenn nicht schon den Weltfrieden selbst, so doch die Ruhe Deutschlands, d.h. des ihm anhängigen Theiles desselben begründet zu haben. [...] Doch Pommern und die Marken gab man preis. Hier geht das irenische System des Mainzers in die Brüche. [...] Und doch wäre es auf diese Weise wahrscheinlich möglich gewesen, den Kurfürsten von Brandenburg zu gewinnen und mit diesem und den Andern einen starken rein deutschen Bund zu des Reiches Wehr und Frieden zu begründen, den Weg zu einer allgemeinen Reichswehrverfassung gegen jede fremde Gewalt zu bahnen. Auch den Uebergriffen des Hauses Oesterreich hätte man da, wie es im Wunsche der Rheinbündler lag, begegnen, dieses im Schach halten können. Doch war diese Zeit noch nicht gekommen; [...]. Es gehört in die Schule unserer Leiden als wesentliches Moment mit die bedauerliche Thatsache, daß damals das System Johann Philipp’s von Mainz an den übermächtigen Verwickelungen der hohen Politik gescheitert ist. Der Gegensatz zwischen Spanien-Oesterreich und Frankreich-Schweden war eben nicht lösbar durch theoretische Systeme unmächtiger Reichsfürsten; auch hier hat Blut und Eisen die Entscheidung bringen müssen. [...] diese Herren, zumal die geistlichen, hatten keineswegs über ausreichende und schlagfähige Mannschaft zu verfügen. Sie bedurften daher, um überhaupt eine politische Rolle zu spielen, ja schon um ihrer Selbsterhaltung willen, inmitten der sturmdrohenden Wolken des Rückhaltes an einem mächtigen Staatswesen und, um nicht von den gegen einander im Widerstreit liegenden Parteien zerrieben zu werden, des Anschlusses an eine derselben. Daß sie da nicht die Fahne des Kaisers huldigten, war unpatriotisch, aber verzeihlich. Denn längst war des Hauses Habsburg Mangel an wahrer Fürsorge für das Reich und das Wohl seiner Stände eine bekannte Sache [...].[39]

Den Fokus auf Recht und Konstitution legt der Staatsrechtler Roman Schnur (1927-1996) in seiner bei Karl Siegfried Bader entstandenen Dissertation aus dem Jahr 1955 über den „Rheinbund von 1658“. Hierin erörtert er die lange föderale Tradition und das föderale Erbe der deutschen Geschichte, womit der Studie nicht nur eine historische, sondern angesichts der gerade im Aufbau befindlichen, demokratischen Grundordnung des Nachkriegsdeutschlands eine zeit- und tagespolitische Dimension zukam. Der Staats- und Verwaltungsrechtler sieht im Rheinbund ein Instrument zur Unterhöhlung der damals bestehenden Verfassung und zur Errichtung eines föderalen Subsystems. Mit seinen kritischen Anmerkungen zu Ludwig XIV. setzt sich Schnur vom „mainstream“ der Forschung ab, die zumeist das Geschick des französischen Königs und der französischen Diplomatie betont. Schnur beschreibt die durch den Rheinbund errichtete Ordnung und Organisation mit ihren Gremien wie folgt: „Der Rat des Rheinbundes tagte in Permanenz. Die einzelnen Mitglieder waren durch Deputierte vertreten. Frankreich durch einen besonderen Gesandten, der im Reichstag gleichzeitig als Gesandter Frankreichs auftrat [...]. Die Rheinbund-Fürsten waren im Gegensatz zu den übrigen Reichsständen verhältnismäßig straff organisiert. Diese Tatsache berechtigt zu der Meinung, Frankreich sei mit Hilfe des Rheinbundes im Reich einflußreicher als der Kaiser gewesen. Es kam nun entscheidend darauf an, die innenpolitische Macht richtig anzuwenden. Daß Ludwig XIV. sie mißbrauchte, spricht nicht gegen die großen Möglichkeiten des Rheinbundes. Dieser Umstand legt nur Zeugnis davon ab, ein wie schlechter Politiker der französische König in dieser Frage war. Prüfen wir nun, welche Absichten die deutschen Mitglieder des Rheinbundes hegten. [...] Eine große Gruppe einflußreicher deutscher Fürsten wollte durch Zusammenschluß eine Einrichtung schaffen, die den fehlenden permanenten Reichstag ersetzen sollte“. [40]

6.    Ergebnisse

1. Der Rheinbund von 1658 regte zu vielfältigen Diskursen an. In der deutschen Geschichtsschreibung des späten 18. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurde auf der nationalen Interpretationsbasis eine „negative Legende des Rheinbundes“ geprägt. Demnach handelte es sich um einen Tabubruch, weil deutsche Fürsten mit der französischen Krone, die als Feind wahrgenommen wurde, ohne den deutschen Kaiser ein Bündnis abgeschlossen hatten.

2. Darüber hinaus wurde der Rheinbund eingefügt in die föderale Tradition des deutschen Reiches. Dies führte zu einer „positiven Legende des Rheinbundes“. Denn der Rheinbund wurde interpretiert als gewichtiges und kreatives Instrument zur Umgestaltung des hierarchischen Reiches in ein „quasi-parlamentarisches“. K. O. Frhr. v. Aretin hat hingegen jüngst deutlich gemacht, dass der Rheinbund nicht etwa ein Verbund von Fürsten autonomer „Mittel- und Kleinstaaten“ mit föderalen Verfassungsstrukturen war, durch die die Politik des Kaisers kontrolliert und sogar mitbestimmt werden sollte. Vielmehr handelte es sich um einen Bund mächtiger Fürsten. Die Trennlinie zieht Aretin nicht zwischen Kaiser vs. Fürsten, sondern zwischen Kaiser und Kurkolleg vs. mächtige Fürsten. [41]

3. Obwohl in den Präambeln des Vertragswerkes die friedensstiftende Absicht der Vertragspartner fixiert ist, differieren die Urteile über den Rheinbund in der europäischen Historiographie. In der französischen Geschichtsschreibung und -wissenschaft, die sich schon bald nach Abschluss des Vertrages mit dem Rheinbund beschäftigte, wurde schwerpunktmäßig seine friedenssichernde Dimension betont, er wurde sogar auf eine Stufe mit dem Westfälischen Frieden gestellt. Die deutsche Rheinbundforschung hingegen blendete zunächst den Rheinbund aus oder aber marginalisierte dessen Bedeutung. Bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts legte sie den Fokus auf die politischen Konsequenzen, die durch die Interpretation als Instrument zur Einflussnahme der französischen Krone auf die Reichspolitik entstanden war. Für die Zeit nach dem 2. Weltkrieg lässt sich feststellen, dass sich die französische und deutsche Geschichtswissenschaft einander annäherten, und beide nun sowohl politische als auch friedenswahrende Aspekte des Rheinbundes herausfilterten.

Anmerkungen

  • [1]

    Zum Rheinbund vergleiche die Synopse von Johannes Burkhardt, Vollendung und Neuorientierung des frühmodernen Reiches 1648-1763 (Gebhard Handbuch der deutschen Geschichte 11), Stuttgart 2006, S. 73-74.

  • [2]

    Alfred Francis Pribram (Přibram), geb. 1859 in London, gest. 1942 in Cambridge, lehrte von 1894 bis 1930 als Universitätsprofessor in Wien.

  • [3]

    Alfred Francis Pribram: Beitrag zur Geschichte des Rheinbundes von 1658, Wien 1888, S. 65.

  • [4]

    Pribram, Rheinbund, S. 64.

  • [5]

    Ebd., S. 64.

  • [6]

    Pribram, Rheinbund, S. 64-65.

  • [7]

    Augustin Calmet: Histoire universelle, sacrée et profane depuis le commencement du monde jusqu‘a nos jours, Bd. 17, Nancy 1771, S. 39.

  • [8]

    Gaëtan de Raxis de Flassan: Histoire générale et raisonné de la diplomatie française ou de la politique de la France, Tome 3: Depuis la fondation de la monarchie, jusqu’à la fin du règne de Louis XVI, seconde édition, corrigée et augmentée, Paris/Straßburg 1811, S. 220.

  • [9]

    Henri Martin: Histoire de France, depuis les temps les plus reculés jusqu’en 1789, Tome XII, Quatrième Édition, Paris 1858, S. 510.

  • [10]

    Claude Badalo-Dulong: Trente ans de diplomatie francaise en Allemagne: Louis XIV. et l’Electeur de Mayence (1648-1678), Paris 1956, S. 29-31.

  • [11]

    Anonym: Das rheinische Bündniß, in: Minerva (1813) 1, S. 464-468.

  • [12]

    Über Johann [Jean] Heiss vergleiche Martin Wrede, L’État de L’Empire empire? Die französische Historiographie und das Reich im Zeitalter Ludwigs XIV. – Weltbild, Wissenschaft und Propaganda, in: Matthias Schnettger (Hg.): Imperium Romanum – irregulare corpus – Teutscher Reichs-Staat. Das Alte Reich im Verständnis der Zeitgenossen und der Historiographie (=Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz, Beiheft 57), Mainz 2002, S. 89-110, besonders S. 102-107.

  • [13]

    Johann v. Heiss: Histoire de L’Empire, contenant son origine, son progrès, ses révolutions, Tome Troisième, Amsterdam 1733 S. 227-228.

  • [14]

    Johann August Reuss: Teutsche Staats-Cantzley, 25. Theil, Ulm 1791, S. 296-297.

  • [15]

    Martin Göhring: Kaiserwahl und Rheinbund von 1658. Ein Höhepunkt des Kampfes zwischen Habsburg und Bourbonen um die Beherrschung des Reiches, in: Geschichtsliche Kräfte und Entscheidungen. Festschrift für 65. Geburtstag von Otto Becker, hg. v. Martin Göhring und Alexander Scharff, Wiesbaden 1954, S. 66-83, S. 83.

  • [16]

    Heinz Duchhardt: Studien zur Friedensvermittlung in der Frühen Neuzeit, Wiesbaden 1979, S. 22.

  • [17]

    Karl Otmar Freiherr von Aretin: Das Alte Reich 1648-1806, Bd. 1: Föderalistische oder hierarchische Ordnung (1648-1684), Stuttgart 1993. Ferner: Ders., Das Reich. Friedensordnung und europäisches Gleichgewicht 1648-1806, Stuttgart 1992 [nach der Ausgabe 1986].

  • [18]

    Aretin, Das Reich, S. 182.

  • [19]

    Christian Friedrich Pfeffel: Nouvel abrégé chronologique de l’histoire et du droit public d‘Allemagne, Tome Premier, Paris 1776, S. 564.

  • [20]

    François-Auguste Mignet: Négociation relatives à la succession d‘ Espagne sous Louis XIV, Tome 2, Paris 1835/42, S. 20-22.

  • [21]

    Frédéric Schoell: Histoire abrégée des traités de paix, entre les puissances de l’Europe, depuis la Paix de Westphalie; Par M. de Koch, ouvrage entieèrement refondu, augmenté et continuié jusqu’au congrès de Vienne et aux traités de Paris de 1815 par F. Schoell, Tome Treizième, Paris 1818, S. 42.

  • [22]

    Henri Vast: Les grandes traités du règne de Louis XIV, Bd. 1, Paris 1893, S. 64-78.

  • [23]

    Axel Gotthard: In der Ferne. Die Wahrnehmung des Raumes in der Vormoderne, Frankfurt/M./New York 2007, S. 98.

  • [24]

    Bertrand Auerbach: La France et le Saint Empire Romain Germanique depuis la paix de Westphalie, Paris 1912, S. 60.

  • [25]

    Walter Platzhoff: Das Zeitalter Ludwigs XIV., Berlin 1931, S. 12.

  • [26]

    Ludwig Timotheus Spittler: Entwurf der Geschichte der Europäischen Staaten, Erster Theil, Berlin 1793. Spittler erwähnt den Rheinbund an anderer Stelle, beschreibt ihn dort aber nur als eine Allianz, die ohne drängende allgemeine Not geschlossen worden sei. Vgl. Ludwig Timotheus v. Spittler, Geschichte des Fürstenthums Hannover. Seit den Zeiten der Reformation bis zu Ende des Siebenzehnten Jahrhunderts, Zweyter Theil, Göttingen 1786, S. 226.

  • [27]

    Johann Gottfried Eichhorn: Geschichte der drey letzten Jahrhunderte, Bd. 1, Zweyte unveränderte Auflage, Göttingen 1806.

  • [28]

    Ebd., S. 169.

  • [29]

    Friedrich v. Raumer: Geschichte Europas seit dem Ende des funfzehnten Jahrhundert, Bd. 4, Leipzig 1834, S. 239.

  • [30]

    Leopold v. Ranke:: Französische Geschichte, vornehmlich des 16. und 17. Jahrhunderts, Bd 2, Stuttgart 1954, S. 359-360.

  • [31]

    „Nur Johann Philipp von Schönborn, Kurfürst von Mainz, hielt an der deutschen Sache und dem Hause Habsburg; er ließ nicht nach, bis die Kurstimmen für Leopold I gewonnen waren, betrieb aber gleichzeitig die Vorzeichnung einer scharfen Wahlcapitulation für den neuen Gebieter, für deren Durchführung und Aufrechterhaltung des westphälischen Friedens der Abschluß eines großen Fürstenbundes ihm unerläßlich schien. Auf diese Weise entstand zu Frankfurt am Main (4/14 August 1658) die s.g. Rheinligue, welcher, außer den geistlichen Kurfürsten, Münster, Hessen-Cassel, Schweden und das durch die Herzöge August, Christian Ludwig und Georg Wilhelm vertretene braunschweig-lüneburgische Gesammthaus, dann auch Frankreich und Brandenburg beitraten. Man wollte sich gegenseitig in seinen Rechten schützen und auf den Fall der Vergewaltigung eines Verbündeten mit vereinten Kräften im Felde erscheinen“ (Wilhelm Havemann: Geschichte der Lande Braunschweig und Lüneburg, Bd. 3, Göttingen 1857).

  • [32]

    Heinrich v. Treitschke: Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert, Essen o.J., S.12.

  • [33]

    Theodor Bitterauf: Die Gründung des Rheinbundes und der Untergang des alten Reiches, München 1905, S. 4.

  • [34]

    Max Braubach: Vom Westfälischen Frieden bis zur Französischen Revolution (Gebhard Handbuch der deutschen Geschichte 10), München, 9. Auflage, 1999, S. 23-24.

  • [35]

    Hermann Oncken: Die historische Rheinpolitik der Franzosen, Stuttgart 1922, S. 5.

  • [36]

    Hajo Holborn: A History of Modern Germany 1648-1840, Volume 2, Princeton 1982/83, S. 17

  • [37]

    Aretin, Das Alte Reich 1, S. 210.

  • [38]

    John Gagliardo: Germany under the old Regime 1600-1790, New York 1991, S. 238.

  • [39]

    Erich Joachim: Die Entwickelung des Rheinbundes vom Jahre 1658. Acht Jahre reichsständischer Politik. 1651-1658, Leipzig 1886, S. 502.

  • [40]

    Roman Schnur: Der Rheinbund von 1658 in der deutschen Verfassungsgeschichte (= Rheinisches Archiv 47), Bonn 1955, S. 36.

  • [41]

    Karl Otmar Freiherr von Aretin: Das Alte Reich, eine Föderation?, in: Wolfgang E. J. Weber und Regina Dauser (Hg.): Faszinierende Frühneuzeit. Reich, Frieden, Kultur und Kommunikation 1500-1800. Festschrift für Johannes Burkhardt zum 65. Geburtstag, Berlin 2008, S. 15-26, besonders S. 18.

Empfohlene Zitierweise

Peters, Martin: Interpretationen des Rheinbundes im Wandel der Zeit. Aus: Der Erste Rheinbund (1658), in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/1e2/

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Erstellt: 23.07.2008

Zuletzt geändert: 27.08.2008


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