Wilhelm Egon von Fürstenberg

  / historicum.net / Themen / Erster Rheinbund (1658) / Akteure / Vertragschließende Parteien / Köln / Wilhelm Egon von Fürstenberg

Wilhelm Egon von Fürstenberg

 

(*Schloss Heiligenberg 12.2.1629 – †Paris 10.4.1704)

Fürstbischof von Straßburg und Fürstabt von Stablo Malmedy seit 1683, Kardinal seit 1686.

Unterzeichnete für Kurköln die Rheinbundverträge vom 14. und 15. August 1658.

 


Wilhelm Egon von Fürstenberg,
Kupferstich von Jacques Blondeau.
HAB Wolfenbüttel

Der aus dem bekannten schwäbischen Adelsgeschlecht stammende Wilhelm Egon war der Sohn des Grafen Egon von Fürstenberg-Heiligenberg (1588-1635), eines bayerischen Generalfeldzeugmeisters und der Gräfin Anna Maria von Hohenzollern-Hechingen (1603-1652). Als der Vater starb, hinterließ er neun Kinder, von denen das älteste 16 Jahre alt war. Ihrer nahm sich der bayerische Kurfürst Maximilian I. von Bayern an gemeinsam mit seinem Bruder, dem Kölner Erzbischof Ferdinand von Bayern. Nachdem Wilhelm Egons Brüder Franz Egon und Leopold Ludwig bereits 1636 den bayerischen Prinzen Maximilian Heinrich als Gefährten nach Köln begleitet hatten, folgten 1638 die jüngeren Brüder Hermann Egon, Wilhelm Egon und Ernst den älteren nach. Alle Fürstenbergbrüder besuchten anscheinend das dortige Jesuitengymnasium. Wie sein älterer Bruder Franz Egon, schlug Wilhelm Egon früh eine geistliche Laufbahn ein, genoss aber eine fundiertere Ausbildung als dieser. 1643-45 studierte er in Löwen und darauf bis 1648 in Rom. Nachdem er1649 zum Subdiakon geweiht worden war, trat er 1650 in Köln und Straßburg sowie1656 in Hildesheim ins Domkapitel ein.

 

Wahrscheinlich standen Franz Egon und Wilhelm Egon bereits seit dem Amtsantritt Maximilian Heinrichs als Bischof von Köln (1650) in dessen Dienst. Da Maximilian Heinrich den Brüdern großes Vertrauen entgegen brachte, legte er seine Regierung in weiten Teilen in ihre Hände. Während Franz Egon an der Spitze des erzbischöflichen Rats stand, war Wilhelm Egon gewissermaßen für die Leitung der Außenpolitik zuständig und wurde seit 1653 immer wieder mit diplomatischen Missionen betraut. Im Rahmen dieser Missionen traf er 1657 König Ludwig XIV. persönlich in Sedan, eine Begegnung, die offenbar einen nachhaltigen Eindruck auf den jungen Diplomaten machte.

1657/58 war Wilhelm Egon von Fürstenberg maßgeblich an den Verhandlungen im Hinblick auf Kaiserwahl und Rheinbund beteiligt. Sein Vorgehen war dabei in nicht geringem Maße von Eigennutz bestimmt. Denn mit zahlreichen anderen Reichsfürsten teilte der Kölner Erzbischof die Befürchtung, dass ein habsburgischer Kaiser eine zu mächtige Stellung im Reich haben würde und aufgrund des französisch-spanischen Konflikts den fragilen Frieden im Reich gefährden könnte. Dennoch trat Wilhelm Egon zeitweise für die Wahl des österreichischen Erzherzogs Leopold Wilhelm ein, in der Hoffnung, dass der so frei werdende Straßburger Bischofsstuhl als Belohnung an seinen Bruder fallen würde. Wenngleich der junge Leopold alles andere als ein Wunschkandidat war, stimmte Maximilian Heinrich schließlich dennoch für den jungen Habsburger. Die Macht des Gewählten wurde jedoch durch die Wahlkapitulation massiv beschränkt. Darüber hinaus unterzeichnete Fürstenberg am 15.8.1658 zusammen mit Aldenhoven in Frankfurt das auf den 14.8. datierte Vertragsinstrument des Rheinbundes und tags darauf den französischen Beitritt. Damit wurde es Leopold unmöglich gemacht seine spanischen Verwandten durch Truppenverlegungen in die spanischen Niederlande zu unterstützen.

Nach Abschluss des Rheinbundes betätigte sich Wilhelm Egon von Fürstenberg als überzeugter Agent französischer Interessen, so dass sogar Maximilian Heinrich gelegentlich Zweifel hegte, ob sein Diplomat für ihn oder für den französischen König arbeitete. (Braubach, 1946, S. 145). Ludwig XIV. entlohnte Wilhelm Egon von Fürstenberg für seine Dienste mit zahlreichen Pfründen. Darüber hinaus wurde er 1660 Kapitular in Lüttich und im September 1663 als Nachfolger seines Bruders zum Bischof von Metz gewählt. Allerdings wurde ihm für letzteres die päpstliche Anerkennung versagt. 1664 versuchte Kaiser Leopold erfolglos die Brüder Fürstenberg für sich zu gewinnen, indem er sie in den Reichsfürstenstand erhob. Doch eine kaiserfreundlichere Politik blieb aus. Stattdessen bemühte sich Wilhelm Egon während des Holländischen Kriegs 1672-1679 um eine stärkere Bindung der rheinischen Reichsfürsten an Frankreich, was Vergeltungsmaßnahmen des Kaisers nach sich zog. Aufgrund der Belagerung Bonns musste der Kurkölner Diplomat die Stadt verlassen. Während des Kölner Friedenskongresses 1674 wurde er dann wegen seiner pro-französischen Politik am 14. Februar von einem kaiserlichen Kommando verhaftet und auf Befehl Kaiser Leopolds I. zunächst nach Bonn, dann nach Wien gebracht, wo er bis 1679 inhaftiert blieb. Erst seit dem Frieden von Nijmegen 1679 durfte er sich wieder politisch betätigen.

1682 wurde Wilhelm Egon als Nachfolger seines verstorbenen Bruders Franz Egon zum Abt von Stablo und Malmedy gewählt und mit Unterstützung Ludwigs XIV. auch zum Fürstbischof von Straßburg (1683 bestätigt). Am 24.12.1683 kam es unter Vermittlung Fürstenbergs erneut zu einem Bündnisvertrag zwischen Kurköln und Frankreich. 1684 vollzog Wilhelm Egon im Auftrag Maximilian Heinrichs die Unterwerfung Lüttichs, weshalb wohl seine Kandidatur für das dortige Bischofsamt scheiterte. Wenngleich er kaum Interesse am Kardinalat hatte, wurde ihm 1686 auf Betreiben des französischen Königs diese Würde verliehen.

Erneut mit der Hilfe Ludwigs XIV., dem Fürstenberg 1687 sogar einen Lehnseid geleistet hatte, wurde er am 18.1.1688 zum Nachfolger Maximilian Heinrichs gewählt, allerdings nicht vom Papst bestätigt. Fürstenberg riss die Verwaltung des Erzbistums dennoch an sich und versuchte mit französischer Waffenhilfe seinen Anspruch durchzusetzen, wodurch Kurköln in den Pfälzischen Erbfolgekrieg verwickelt wurde. Als im Zuge der Auseinandersetzungen Bonn erneut von kaiserlichen Truppen belagert und schließlich vollständig zerstört wurde, verließ Wilhelm Johann von Fürstenberg das Erzbistum und wurde von Ludwig mit weiteren Pfründen entschädigt, darunter die Abteien Fécamp und St. Germain-des-Prés. Wenngleich er 1697 mit dem Frieden von Rijswijk wieder in alle Würden und Rechte, die er in der Reichskirche besaß, eingesetzt wurde (vgl. Kap. 44 des Vertragsdokuments vom 30.10.1697), kehrte er nicht mehr nach Deutschland zurück und verlebte seine letzten Jahre in dem von Ihm erbauten Abtpalais zu Paris.

Verfasser: Peter Seelmann

 

Literatur:

Böhmer, Hans: Forschungen zur französischen Bündnispolitik im 17. Jahrhundert. Wilhelm Egon von Fürstenberg und die französische Diplomatie in Deutschland, in: Rheinische Vierteljahresblätter (1934) 4, S.225-259.

Braubach, Max: Minister und Kanzler, Konferenz und Kabinett in Kurköln im 17. und 18. Jahrhundert, in: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 154 (1946), S. 141-156.

Ders : Wilhelm von Fürstenberg (1629-1704) und die Französische Politik im Zeitalter Ludwigs XIV, (=Bonner Historische Forschungen 36), Bonn 1972.

Schmidt, Hans: Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg (1615-1690) als Gestalt der deutschen und europäischen Politik des 17. Jahrhunderts, Bd. 1: (1615-1658), Düsseldorf 1973.

Christ, Günter: Maximilian Heinrich, in: Neue deutsche Biographie (NDB), Bd. 16, Berlin 1990, S. 496-500.

Gatz, Erwin: Die Bischöfe des Heiligen Römischen Reiches: ein biographisches Lexikon, Berlin 1990.

 

Empfohlene Zitierweise

Peter Seelmann: Wilhelm Egon von Fürstenberg. Aus: Der Erste Rheinbund (1658), in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/1eg/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 12.08.2008

Zuletzt geändert: 20.03.2013


Lesezeichen / Weitersagen

FacebookTwitterGoogle+XingLinkedInDeliciousDiggPinterestE-Mail