Köln

Maximilian Heinrich von Bayern,

1650-1688 Erzbischof von Köln

(*München 8.12.1621 – †Bonn 5.6.1688)

Bischof von Hildesheim, Lüttich und Münster sowie Abt des Klosters Stablo-Malmedy.

 


Maximilian Heinrich (Ebf. v. Köln),
Kupferstich aus C. Merians
Krönungsdiarium von 1658.
HAB Wolfenbüttel

Als dritter Sohn der insgesamt fünf Kinder Herzog Albrechts VI. von Bayern und seiner Frau Mathilde von Leuchtenberg war Maximilian Heinrich für den geistlichen Stand bestimmt und erhielt bereits als Kind eine stattliche Zahl von Pfründen im west- und nordwestdeutschen Raum. 1636 kam er an den Hof seines Onkels Ferdinand von Bayern, dem Erzbischof und Kurfürsten von Köln, wo er auch das Jesuitengymnasium besuchte. Begleitet wurde er unter anderem von dem knapp fünf Jahre jüngeren Franz Egon von Fürstenberg, dessen drei jüngere Geschwister – darunter auch Wilhelm Egon – 1638 ihm gleichfalls nach Köln folgten. 1638 wurde Maximilian Heinrich Probst des Stifts St. Gereon und 1642 Koadjutor des Kölner Erzbischofs. Nach einem Studienaufenthalt in Löwen in den Jahren 1643 bis1649, trat Maximilian Heinrich 1650 die Nachfolge seines Onkels in den Diözesen Lüttich und Hildesheim sowie der Erzdiözese Köln an. Offenbar fühlte sich Maximilian Heinrich im Gegensatz zu seinen Vorgängern wirklich zum Priestertum berufen. 1651 wurde er im September zum Priester und im Oktober zum Bischof geweiht – die erste Konsekration eines Kölner Erzbischofs seit über 100 Jahren. Das Pallium nahm er am 6.1.1652 in Empfang. Im Zentrum seines Wirkens stand dann auch neben dem Ausbau der Landesherrschaft sowie der Reorganisation der Verwaltung und des Gerichtswesens die innerkirchliche Reformarbeit im Sinne des Tridentinums.

 

Nach dem Tod Kaiser Ferdinands III. versuchte Maximilian Heinrich bei Vorverhandlungen zur Kaiserwahl zunächst – ganz im Sinne Frankreichs – die Wahl des Habsburgerkandidaten zu verhindern. Wie so manch anderer Reichsfürst fürchtete er, dass ein habsburgischer Kaiser eine zu mächtige Stellung im Reich haben und aufgrund des französisch-spanischen Konflikts den fragilen Frieden im Reich gefährden könnte. Als Gegenkandidaten wurden sein Vetter, der bayerische Herzog und Kurfürst Ferdinand Maria genannt, ebenso wie der Herzog Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg. Selbst eine Kandidatur des französischen Königs wurde offenbar in Erwägung gezogen. Bei einem Treffen Anfang Juli 1657 auf der Kärlicher Residenz des Trierer Erzbischofs verabredeten die drei geistlichen Kurfürsten jedoch dann die Wahl Leopolds von Habsburg zu unterstützen, und dafür bei den anderen Kurfürsten zu werben. Dementsprechend wurde Leopold am 18. Juli 1658 zum Kaiser gewählt. Nachdem durch einen von Johann Christian von Boineburg im Juni 1657 ausgearbeiteten Vergleich der Krönungsstreit zwischen Mainz und Köln beigelegt werden konnte, salbte und krönte Maximilian Heinrich den Gekürten in dem in der Mainzer Diözese gelegenen Frankfurter Bartholomäusstift. Die Macht Leopolds wurde mittels einer rigiden Wahlkapitulation und des Rheinbunds vom 14.8.1658, wodurch Truppenverlegungen der österreichischen Habsburger in die Spanischen Niederlanden verhindert wurden, massiv beschränkt. Maximilian war einer der Befürworter des auf den 15.8. datierten französischen Beitritts.

Nachdem sich der Rheinbund nach dem Tod Mazarins aufgrund der französischen Expansionspolitik aufgelöst hatte und sich viele Reichsfürsten vom westlichen Nachbarn bedroht sahen, hielt Maximilian Heinrich dennoch an seiner pro-französischen Politik fest, in der Hoffnung, das von den Holländern besetzte Rheinberg zurückgewinnen zu können. 1671 ging er ein Offensivbündnis mit Ludwig XIV. ein. Kriegerische Auseinandersetzung mit Holland und kaiserlichen Truppen folgten. Nachdem er 1673 seine Bonner Residenz an letztere verloren hatte, zog er sich in die Kölner Benediktinerabtei St. Pantaleon zurück, wo er fortan die meiste Zeit das Leben eines Mönchs führte und sich der Alchemie widmete. 1683 wurde er zum Bischof von Münster gewählt, aber nicht vom Papst bestätigt. Der menschenscheue, zur Melancholie neigende Maximilian Heinrich überließ in weiten Teilen die Regierungsgeschäfte seinen Vertrauten Franz Egon von Fürstenberg und dessen Bruder Wilhelm Egon, die aus persönlichen Vorteilsnahmen das Erzstift zusehends in französisches Fahrwasser lenkten. Dem von Ludwig XIV. faszinierten Maximilian Heinrich fehlte der politische Weitblick, um den Widerspruch zwischen Reichstreue und seiner Politik im Dienste Frankreichs zu durchschauen. In Bonn verstorben, wurde Maximilian Heinrich nach Köln überführt und dort im Dom beigesetzt.

Verfasser: Peter Seelmann 

 

Literatur:

Braubach. Max: Minister und Kanzler, Konferenz und Kabinett in Kurköln im 17. und 18. Jahrhundert, in: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 154 (1946), S. 141-156.

Ders.: Wilhelm von Fürstenberg (1629-1704) und die Französische Politik im Zeitalter Ludwigs XIV, (=Bonner Historische Forschungen 36), Bonn 1972.

Schmidt, Hans: Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg (1615-1690) als Gestalt der deutschen und europäischen Politik des 17. Jahrhunderts, Bd. 1: (1615-1658), Düsseldorf 1973.

Erkens, Franz-Reiner: Der Erzbischof von Köln und die deutsche Königswahl. Studien zur Kölner Kirchengeschichte, zum Krönungsrecht und zur Verfassung des Reiches (Mitte 12. Jahrhundert bis 1806), (=Studien zur Kölner Kirchengeschichte 21), Siegburg 1987.

Christ Günter: Maximilian Heinrich, in: Neue Deutsche Biographie (NDB), Bd. 16, Berlin 1990, S. 496-500.

Empfohlene Zitierweise

Peter Seelmann: Maximilian Heinrich von Bayern. Aus: Der Erste Rheinbund (1658), in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/1e6/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 12.08.2008

Zuletzt geändert: 20.03.2013


Lesezeichen / Weitersagen

FacebookTwitterGoogle+XingLinkedInDeliciousDiggPinterestE-Mail