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Armin Nolzen

"Menschenführung" im Bombenkrieg

Die Tätigkeiten der NSDAP nach Luftangriffen


Abb. 1: Gauleiter A. Hoffmann in seinem Befehlspanzer, 6.12. 1944, nach einem Luftangriff auf Soest; Stadtarchiv Lippstadt

Der Beitrag untersucht die Tätigkeiten der NSDAP nach Luftangriffen, wie sie sich seit 1939/40 im Deutschen Reich entwickelten. Der Parteiapparat war für alle nur erdenklichen Arten der Soforthilfe für die Bevölkerung zuständig: Die NSDAP, ihre Gliederungen und angeschlossenen Verbände sorgten für Verpflegung nach Luftangriffen, beschaffte Unterkünfte für Obdachlose und Ausgebombte, setzten Einsatzstäbe zur Brandbekämpfung und Bergung von Hausrat und Möbeln ein und evakuierte Frauen und Kinder aus luftkriegsgefährdeten Städten. Zu diesem Zweck arbeiteten die NSDAP-Organe auf regionaler und lokaler Ebene eng mit der Luftschutzpolizei und der inneren Verwaltung zusammen. Durch die Eskalation des alliierten Bombenkrieges wurde die NSDAP immer mehr zum dominanten politischen Faktor an der "Heimatfront" des NS-Staates. Freilich gelang es ihr nicht, den Zusammenbruch des "Dritten Reiches" 1944/45 zu verhindern.

Der alliierte Luftkrieg gegen das Deutsche Reich, wie er sich im Laufe des Zweiten Weltkrieges entwickelte, veränderte das Alltagsleben im NS-Staat grundlegend. Dies galt in erster Linie für die deutsche Bevölkerung, die den Krieg zunehmend am eigenen Leibe zu spüren bekam. Immer mehr Frauen, Männer und Kinder verloren Hab und Gut und, im schlimmsten Fall, ihr eigenes Leben. Aber auch im politischen System des NS-Staates ergaben sich einige signifikante Veränderungen. Durch den alliierten Luftkrieg wurde die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP), die zu Kriegsbeginn mehr als fünf Millionen Mitglieder hatte, immer wichtiger. In historischen Darstellungen, aber auch in der öffentlichen Debatte um den NS-Staat, wird oftmals vergessen, daß die NSDAP mit Hitlers "Machtergreifung" am 30. Januar 1933 eben noch nicht im Besitz der politischen Macht im Staate war. Zur "Regierung der nationalen Konzentration" gehörten nur drei Parteimitglieder, die NSDAP war nur an den wenigsten Landesregierungen beteiligt, und in den Landkreisen, Kommunen und Gemeinden waren Nationalsozialisten in der Minderzahl. Die innere Verwaltung des Deutschen Reiches war in der Hand von sozialdemokratischen, deutschnationalen und dem Zentrum nahestehenden Beamten. Das vertrug sich nicht mit dem radikalen politischen Gestaltungswillen der NSDAP. In den nächsten Jahren versuchte sie daher, durch außernormative Maßnahmen und durch ständige Übergriffe in die Bereiche von innerer Verwaltung, Wehrmacht und Wirtschaft, ihre Machtbastionen weiter auszubauen. [1] Martin Broszat hat diesen Prozeß als "Parteirevolution von unten" bezeichnet.[2] Diese "Parteirevolution von unten" bestand in erster Linie darin, gestützt auf die Macht der Bajonette der Sturmabteilung (SA), öffentliche Ämter zu usurpieren, deren Inhaber zu vertreiben und sich der freigewordenen Ämter selbst zu bemächtigen. Was durch Wahlen nicht zu erreichen war, wurde jetzt auf gewaltsamem Wege nachgeholt.[3]

Bis 1935/36 wurde diese "Parteirevolution von unten" mehr und mehr abgebremst. Die NSDAP entwickelte sich zu einem gigantischen Organ der sozialen Kontrolle, denn sie verlegte sich darauf, die deutsche Bevölkerung "gleichzuschalten" und ihren Nebenorganisationen einzuverleiben. Zur NSDAP gehörten die Politische Organisation (P. O.), also die Kernpartei, die die Parteimitglieder umfaßte, und die Gliederungen und angeschlossenen Verbände, deren Angehörige nicht unbedingt in der Partei sein mußten.[4] Seit 1937/38 kamen schließlich noch die betreuten Verbände hinzu, deren Rechtsverhältnis zur NSDAP jedoch unklar war.[5] Wie umfangreich diese NS-Organisationen waren, zeigen die folgenden Zahlen: Bei Kriegsbeginn waren die Hitler-Jugend (HJ) mit fast neun Millionen Mädchen und Jungen sowie die Nationalsozialistische Frauenschaft (NSF) mit mehr als 1,4 Millionen Frauen die mitgliederstärksten Gliederungen. Zum gleichen Zeitpunkt bildeten die Deutsche Arbeitsfront (DAF) mit 22 Millionen Zwangsmitgliedern und die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV), zu der mehr als 14 Millionen Menschen gehörten, die beiden größten angeschlossenen Verbände der NSDAP. Das Deutsche Frauenwerk (DFW), das direkt der NSF unterstand, war wiederum der quantitativ bedeutendste betreute Verband der NSDAP.

Nimmt man die P. O., die Gliederungen sowie die angeschlossenen und betreuten Verbände einmal zusammen, dann wurden am 1. September 1939 knapp 69 Millionen Deutsche als Mitglied in einer der zur NSDAP gehörigen Organisationen geführt. Diese Zahl bezieht sich jedoch auf das Gebiet des "Großdeutschen Reiches", zu dem auch das Saarland, Österreich, das Sudetenland sowie das Memelgebiet gehörten. Sie sagt jedoch nur wenig darüber aus, welcher Prozentsatz der deutschen Bevölkerung tatsächlich in der NSDAP organisiert war, denn in den verschiedenen Organisationen bestanden unzählige Doppel- und Mehrfachmitgliedschaften. Man kann diesen prozentualen Anteil nur schätzen. Den Mindestwert, den man dabei zugrunde legen sollte, bildet die DAF mit mehr als 22 Millionen Mitgliedern, den Höchstwert die Gesamtzahl von 69 Millionen Personen. Bildet man den Mittelwert beider Zahlen, so dürften am 1. September 1939 mehr als 45 Millionen Personen in der NSDAP und ihren Verbänden organisiert gewesen sein, und damit weit mehr als die Hälfte der Gesamtbevölkerung im "Großdeutschen Reich".[6] Dabei ist zu berücksichtigen, daß die im Reich lebenden, knapp 350.000 Juden gar nicht der NSDAP angehören durften.[7] In den NS-Verbänden galten unterschiedliche Mitgliedschaftsbestimmungen in bezug auf "jüdische Mischlinge ersten und zweiten Grades", wie sie in den beiden "Nürnberger Gesetzen" vom 15. September 1935 definiert worden waren.[8] Es war eine der wichtigsten Aufgaben der NSDAP, Juden und "Mischlinge" aus allen "gleichgeschalteten" Vereinen und Verbänden zu entfernen. Sie war also ein Instrument des NS-Rassenstaates zur Exklusion der Juden aus der deutschen Gesellschaft.

Nachdem die "Parteirevolution von unten" gebremst und die NSDAP zur "Gleichschaltung" der deutschen Gesellschaft übergegangen war, gelang es dem Parteiapparat erst seit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges, neue Machtpositionen zu gewinnen. Die meisten Herrschaftsträger, so die Ministerialbürokratie, die Wehrmachtführung, aber auch die Wirtschaftsadministration, arbeiteten jetzt immer enger mit der NSDAP zusammen und übertrugen ihr immer mehr Aufgaben, die sie selbst nicht erledigen konnten oder wollten. Dieter Rebentisch hat diesen Prozeß fälschlicherweise als "zeitlich gestreckte Fortsetzung der Gleichschaltungsaktionen in der Machtergreifungsphase" bezeichnet.[9] Dabei ging es hier um eine intensivere Arbeitsteilung, nicht aber um eine gewaltsame Übernahme der politischen Macht durch die NSDAP. Der Grund für diese Arbeitsteilung waren die immensen personellen Ressourcen der NSDAP, die durch die Einberufungen zur Wehrmacht 1939/40 nur um durchschnittlich 20 Prozent gesunken waren, wohingegen andere Behördenträger einen größeren personellen Aderlaß zu verkraften hatten. In der NSDAP waren also immer noch genügend männliche und weibliche Arbeitskräfte vorhanden, die an der "Heimatfront" zu allen nur erdenklichen Arbeiten herangezogen wurden, und zwar stets unter der Aufsicht der zuständigen Parteiorgane. Für innere Verwaltung, Polizei, Wehrmacht und Wirtschaft lag es also nahe, mit der NSDAP zu kooperieren, um dem Problem des Arbeitskräftemangels im Kriege Herr zu werden.

Dieser Prozeß der arbeitsteiligen Zusammenarbeit läßt sich insbesondere in den Kommunen und Gemeinden beobachten, die vom Bombenkrieg direkt betroffen waren. Zunehmend tendierten die Kommunalverwaltungen dazu, von ihnen nicht mehr zu bewältigende Arbeiten und Tätigkeiten an die NSDAP-Kreisleitungen abzutreten, also die wichtigste regionale Instanz des Parteiapparates.[10] Die NSDAP beanspruchte ja für sich, eine Instanz der "Menschenführung" zu sein. Unter diesem Begriff, der aus dem militärischen Kontext stammte, verstand man im NS-Staat alle Maßnahmen, die mit der propagandistischen Mobilisierung der Bevölkerung zusammenhingen.[11] Die NSDAP sah sich selbst als diejenige Organisation, die dem NS-Regime durch ihre "Menschenführung" plebiszitäre Zustimmung zu verschaffen versuchte. In einer Aufgabenbeschreibung für die Rolle der Kreisleiter im Krieg liest sich dies folgendermaßen:

"Die Aufgabe des Kreisleiters ist im Kriege wie im Frieden die politische Führung und Betreuung der Bevölkerung seines Hoheitsgebietes [...] Im Kriegsfalle soll die Dienststelle des Hoheitsträgers die Zentrale sein, in der alle Volksgenossen Rat und Hilfe finden [...]. Der Kreisleiter hat bei Fliegeralarm sofort die Befehlsstelle des örtlichen Luftschutzleiters aufzusuchen oder einen Vertreter dorthin zu entsenden. Aufgabe des Kreisleiters während des Zustandes &Mac226;Fliegeralarm‘ ist die politischen Führung und Betreuung der Bevölkerung seines Kreises".[12]

Aus diesen Sätzen wird deutlich, daß den Kreisleitern im Krieg im Fall feindlicher Luftangriffe eine besondere Aufgabe zukam, die mit "politischer Betreuung" umschrieben wurde.[13] Die allermeisten Kreisleitungen bereiteten sich intensiv darauf vor, nachdem es schon im September 1939 erste Luftangriffe auf strategisch wichtige Verkehrsknotenpunkte und Großstädte gegeben hatte.[14] Im Frühjahr 1940 hatte beispielsweise die Kreisleitung Köln einen "Sonder-Einsatzplan" aufgestellt, bei dem der Kreisleiter im Mittelpunkt aller von der NSDAP nach Luftangriffen durchzuführenden Hilfsmaßnahmen stand. Er sollte die Bereitstellung von Verpflegung und Notquartieren sowie die Sicherstellung des Hausrates der Bombenopfer koordinieren und sich zu diesem Zweck der NSV und der Ortsgruppenleiter bedienen.[15] Während des "1000-Bomber-Angriffs" auf Köln in der Nacht auf den 31. Mai 1942 mußte die Kreisleitung dann 59.100 Obdachlose "betreuen", wobei sich das Problem ergab, daß die zur Verpflegung der Bombenopfer vorgesehenen mobilen Küchen während des Angriffs zerstört worden waren. Die Kreisleitung und die Ortsgruppenleitungen mußten improvisieren und bei Gaststätten, Lebensmittelhandlungen, Bäckereien und Metzgereien vor Ort 26.000 Essensportionen organisieren.[16] In anderen Städten, etwa in Lübeck und Rostock, agierten die Kreisleiter im Frühjahr 1942 ähnlich.[17]

Die weitere Eskalation des alliierten Luftkrieges gegen das Deutsche Reich brachte es mit sich, daß die Kreisleiter in den großstädtischen Kommunen immer mehr zur zentralen Schaltstelle bei der Bekämpfung von Luftkriegsfolgen wurden. Sie waren auch Mobilmachungs-Beauftragte der NSDAP für die Ebene der Kreise und Ortsgruppen und hatten in dieser Funktion Zugriff auf die personellen Ressourcen der Gliederungen und angeschlossenen Verbände ihres "Hoheitsbereichs". So stellten die Kreiseiter Einsatzstäbe der NSDAP auf, die nach Luftangriffen beim Löschen von Bränden mitwirkten und organisierten Melde- und Kurierdienste von HJ-Mitgliedern.[18] Zugleich sorgten sie im Rahmen der Ersatzgestellung für die Luftwaffe dafür, daß die Heimatflak-Batterien mit dem notwendigen Zivilpersonal bestückt wurden. Außerdem organisierten die Kreisleiter die "Gefallenenehrungsfeiern" der NSDAP, bei der die Luftkriegstoten in einer kirchenähnlichen Zeremonie bestattet wurden.[19] Gemeinsam mit den NSV-Kreisamtsleitern evakuierten sie Frauen und Kinder aus den luftkriegsgefährdeten Gebieten. Diese Aktionen reichten von der Erweiterten Kinderlandverschickung über "vorsorgliche Umquartierungen" bis zur totalen "Räumung" des Reichsgebiets 1944/45.[20] Während des alliierten Luftkrieges verfolgten die Kreisleiter das Ziel, die Bevölkerung durch Hilfsmaßnahmen zum Durchhalten zu bewegen. Ihre "Menschenführung" entwickelte sich mehr und mehr zu einer Art improvisiertem Sozialpopulismus.[21]

Auch während der verheerenden "Operation Gomorrha", bei der zwischen dem 24./25. Juli und dem 3. August 1943 knapp 40.000 Bewohner Hamburgs, und damit der zweitgrößten deutschen Stadt, den Tod fanden, traten die Kreisleiter und die NSDAP auf den Plan.[22] Allenthalben wurden die Ausgebombten, also knapp 900.000 Obdachlose, auf besonderen Sammelplätzen konzentriert und entweder aus der Stadt hinausgebracht oder in Behelfsunterkünfte eingewiesen. Zugleich gab die NSV mehrere Millionen Portionen Warm- und Kaltverpflegung aus. Einsatzstäbe der NSDAP, bestehend aus Mitgliedern der Gliederungen und angeschlossenen Verbände, bargen unter eigener Lebensgefahr Verschüttete, Verletzte und Tote. Insgesamt starben während dieser Einsätze auch 2.000 Parteiangehörige. Zwar hatte sich die NSDAP seit 1941/42 intensiv auf einen Luftangriff auf Hamburg vorbereitet. Einer solchen Katastrophe war man jedoch beileibe nicht gewachsen. Die "Operation Gomorrha" markierte in vielerlei Hinsicht den Zerfall der NS-"Volksgemeinschaft" , die mehr und mehr zu einer Trümmergesellschaft wurde.[23] Die sozialpopulistischen Maßnahmen der NSDAP im Luftkrieg mögen zwar dazu beigetragen haben, die erste Not der Bevölkerung zu lindern. Je weiter der alliierte Luftkrieg allerdings voranschritt, umso hilfloser wurden sowohl das NS-Regime als auch die NSDAP. Erst jetzt löste sich die "volksgemeinschaftliche" Verankerung der NSDAP in der NS-Gesellschaft. Der alliierte Bombenkrieg gegen das Deutsche Reich war geradezu eine notwendige Bedingung, damit das NS-Regime zusammenbrach. Anders formuliert: Ohne den alliierten Luftkrieg hätten Hitler und seine Helfershelfer noch Jahre überdauert. Daß sie nicht gezögert hätten, selbst noch den allerletzten Deutschen ihrer Utopie vom "rassereinen" Staat zu opfern, kann angesichts der Ereignisse in den letzten Kriegstagen 1945 als gesichert gelten.

Anmerkungen

[1] Zur Geschichte der NSDAP sind Dietrich Orlow, The History of the Nazi Party; 2 Bde., Pittsburgh 1969-1973; Johnpeter Horst Grill, The Nazi Movement in Baden 1920-1945, Ph. D. Thesis, Chapel Hill 1983, sowie Kurt Pätzold / Manfred Weißbecker, Geschichte der NSDAP 1920 bis 1945, Köln 1998, grundlegend.

[2] Martin Broszat, Der Staat Hitlers. Grundlegung und Entwicklung seiner inneren Verfassung, 13. Aufl., München 1992, S. 108-117 u. 258-267. Dazu auch Armin Nolzen, Martin Broszat, der "Staat Hitlers" und die NSDAP. Einige Bemerkungen zur "funktionalistischen" Interpretation des "Dritten Reiches", in: Revue d‘Allemagne et des Pays de langue allemande 32 (2000), S. 433-450, hier: S. 441 ff.

[3] Karl Dietrich Bracher, Wolfgang Sauer und Gerhard Schulz, Die nationalsozialistische Machtergreifung. Studien zur Errichtung des totalitären Herrschaftssystems in Deutschland 1933/1934, 2., durchges. Aufl., Köln / Opladen 1962, S. 427-515. Zur Ebene der Länder Jochen Klenner, Verhältnis von Partei und Staat 1933-1945. Dargestellt am Beispiel Bayerns, München 1974, S. 95-128; Ortwin Domröse, Der NS-Staat in Bayern von der Machtergreifung bis zum Röhm-Putsch, München 1974, S. 80-107, sowie Paul Sauer, Württemberg in der Zeit des Nationalsozialismus, Ulm 1975, S. 58-67.

[4] Laut des "Gesetzes zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat" (1.12.1933), in: Reichsgesetzblatt (RGBl.) I (1933), S. 1016, war die NSDAP eine Körperschaft öffentlichen Rechts, unterstand also der Aufsicht des Staates. Als Gliederungen der NSDAP wurden diejenigen NS-Organisationen bezeichnet, die keine eigene Rechtspersönlichkeit und kein eigenes Vermögen besaßen. Die angeschlossenen Verbände hingegen hatten eine eigene Rechtspersönlichkeit und finanzierten sich selbst; siehe "Verordnung zur Durchführung des Gesetzes zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat. Vom 29. März 1935", in: RGBl. I (1935), S. 502 f., in der Fassung vom 5.12.1935, in: Ebd., S. 1935.

[5] Unter betreuten Verbänden wurden seit 1937/38 diejenigen NS-Organisationen subsumiert, die wie die NSDAP "weltanschauliche Erziehungsarbeit" leisten sollten, ohne daß sie "zu einer Gliederung der NSDAP oder zu einem angeschlossenen Verband erklärt" wurden; siehe Oskar Redelsberger, Von der NSDAP betreute Organisation - ein neues Rechtsgebilde, in: Deutsche Verwaltung 16 (1939), S. 132 ff., hier S. 132 (Zitat). In der Praxis war nicht immer klar, welche Organisationen von dieser schwammigen Formulierung betroffen waren. Der Reichsluftschutzbund mit seinen über 25 Millionen Mitgliedern wurde erst nach dem 20. Juli 1944 zu einem betreuten Verband der NSDAP erklärt und unterstand vorher einzig und allein der Aufsicht des Reichsluftfahrtministers; siehe Erich Hampe, Der Zivile Luftschutz im Zweiten Weltkrieg, Frankfurt am Main 1963, S. 439-451, der freilich nicht frei von apologetischen Tendenzen ist.

[6] Dessen Einwohnerzahl betrug 1939 insgesamt 76.502.900 Personen; siehe Parteistatistik der NSDAP. Stand: 1. Januar 1935 (ohne Saarland), hg. v. Reichsorganisationsleiter der NSDAP; 4 Bde., München 1935-1939, hier: Bd. 4 (1939), S. 4.

[7] Holger Berschel, Bürokratie und Terror. Das Judenreferat der Gestapo Düsseldorf 1935-1945, Essen 2001, S. 31 (= Tabelle 3).

[8] Beate Meyer, "Jüdische Mischlinge". Rassenpolitik und Verfolgungserfahrung 1933-1945, Hamburg 1999, S. 252-259.

[9] Dieter Rebentisch, Führerstaat und Verwaltung im Zweiten Weltkrieg. Verfassungsentwicklung und Verwaltungspolitik 1939-1945, Stuttgart 1989, S. 535.

[10] Die bislang besten Studien zu den KL der NSDAP sind Claudia Roth, Parteikreis und Kreisleiter der NSDAP unter besonderer Berücksichtigung Bayerns, München 1997; Christine Arbogast, Herrschaftsinstanzen der württembergischen NSDAP. Funktion, Sozialprofil und Lebenswege einer regionalen NS-Elite, 1920-1960, München 1998, sowie Andreas Ruppert / Hansjörg Riechert, Herrschaft und Akzeptanz. Der Nationalsozialismus in Lippe während der Kriegsjahre. Analyse und Dokumentation, Opladen 1998. Wichtig jetzt auch Wolfgang Stelbrink, Die Kreisleiter der NSDAP in Westfalen und Lippe - Versuch einer Kollektivbiographie mit biographischem Anhang, Münster 2003.

[11] Zur Begriffsbestimmung siehe die Einleitung der Herausgeber in Dieter Rebentisch / Karl Teppe (Hg.), Verwaltung contra Menschenführung im Staat Hitlers. Studien zum politisch-administrativen System, Göttingen 1986, S. 7-32.

[12] Stellvertreter des Führers, Amt II M: "Anordnungen und Richtlinien für den Einsatz des Kreisleiters im Kriege" (undatiert, ca. 6/1939), in: Bundesarchiv Berlin (BAB) NS 6/146, Bl. 13-14; interpretiert bei: Roth, Parteikreis (wie Anm. 10), S. 307. Zum Stellvertreter des Führers Rudolf Heß und seiner Dienststelle Peter Longerich, Hitlers Stellvertreter. Führung der Partei und Kontrolle des Staatsapparates durch den Stab Heß und die Partei-Kanzlei Bormann, München / London / New York / Paris 1992.

[13] Zu diesem Begriff kritisch Carl-Wilhelm Reibel, Das Fundament der Diktatur. Die NSDAP-Ortsgruppen 1932-1945, Paderborn / München / Wien / Zürich 2002, S. 271-274, die bislang beste Studie zur Rolle der lokalen NSDAP.

[14] Zur Entwicklung des alliierten Luftkrieges gegen das Deutsche Reich ist grundlegend Olaf Groehler, Bombenkrieg gegen Deutschland, Berlin 1991, hier: S. 16-35.

[15] "Sonder-Einsatz der NSDAP" (5.4.1940), in: Hauptstaatsarchiv Düsseldorf RW 23/25. Zur Rolle der KL nach alliierten Luftangriffen am besten ist Wilfried Beer, Kriegsalltag an der Heimatfront: Alliierter Luftkrieg und deutsche Gegenmaßnahmen zur Abwehr und Schadensbegrenzung, dargestellt für den Raum Münster, Bremen 1990, S. 47-60.

[16] Abschlußbericht des Gauleiters Köln-Aachen, Josef Grohé (15.6.1942); gedruckt in: Martin Rüther (Bearb.), Köln, 31. Mai 1942. Der 1000-Bomber-Angriff, Köln 1992, S. 189-214, hier: S. 203 f. u. 209 f.

[17] Bericht des Lübecker Polizeipräsidenten (30.4.1942), in: Ursachen und Folgen. Vom deutschen Zusammenbruch 1918 und 1945 bis zur staatlichen Neuordnung Deutschlands in der Gegenwart. Eine Urkunden- und Dokumentensammlung zur Zeitgeschichte, hg. u. bearb. v. Herbert Michaelis und Ernst Schraepler; 26 Bde. Registerband, Berlin 1958-1980, hier: Bd. XX, S. 66-70, sowie Groehler, Bombenkrieg (wie Anm. 14), S. 46-59.

[18] Beer, Kriegsalltag (wie Anm. 15), S. 137-161.

[19] Siehe die Vorgänge in: Stadtarchiv Dortmund 424/92, sowie Sabine Behrenbeck, Der Kult um die toten Helden. Nationalsozialistische Mythen, Riten und Symbole, Vierow 1996, S. 492-533. Eine Musterablauf findet sich in: Die neue Gemeinschaft. Das Parteiarchiv für nationalsozialistische Feier- und Freizeitgestaltung 10 (1944), S. 241-249.

[20] Gerhard Kock, "Der Führer sorgt für unsere Kinder ...". Die Kinderlandverschickung im Zweiten Weltkrieg, Paderborn / München / Wien / Zürich 1997, S. 107-119; Michael Krause, Flucht vor dem Bombenkrieg. "Umquartierungen" im Zweiten Weltkrieg und die Wiedereingliederung der Evakuierten in Deutschland 1943-1963, Düsseldorf 1997, S. 102-111; Katja Klee, Im "Luftschutzkeller des Reiches". Evakuierte in Bayern 1939-1953. Politik, soziale Lage, Erfahrungen, München 1999, S. 117-136, sowie Joachim Rogall (Bearb.), Die Räumung des "Reichsgaus Wartheland" vom 16. bis 26. Januar 1945 im Spiegel amtlicher Berichte, Sigmaringen 1993, hier: S. 26-36.

[21] Für die Ebene der Ortsgruppen Reibel, Fundament (wie Anm. 13), S. 364-371.

[22] Zum folgenden den undatierten und ungezeichneten Bericht: "NSV.-Einsatz in den Hamburger Großkatastrophentagen", in: BAB NS 26/260; die Berichte in: Dokumente deutscher Kriegsschäden. Evakuierte, Kriegssachgeschädigte. Währungsgeschädigte. Die geschichtliche und rechtliche Entwicklung, hg. v. Bundesminister für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte; 6 Bde. 2 Beihefte, Bonn 1958-1964, hier. Beiheft 1, S. 51-99, sowie Groehler, Bombenkrieg (wie Anm. 14), S. 106-121.

[23] Frank Bajohr, Hamburg - Der Zerfall der "Volksgemeinschaft", in: Ulrich Herbert / Axel Schildt (Hg.), Kriegsende in Europa. Vom Beginn des deutschen Machtzerfalls bis zur Stabilisierung der Nachkriegsordnung 1944-1948, Essen 1998, S. 318-336.

 

Kontakt: armin.nolzen(at)ruhr-uni-bochum.de

 

Empfohlene Zitierweise

Nolzen, Armin: "Menschenführung" im Bombenkrieg. Die Tätigkeiten der NSDAP nach Luftangriffen, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/ioz12k/

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Erstellt: 28.03.2006

Zuletzt geändert: 28.03.2006


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