Wissenschaftliches Publizieren

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Wissenschaftliches Publizieren im Internet & Zitierregeln

 

Die Veröffentlichung von Monographien, Aufsätzen, Rezensionen etc. ist das zentrale Instrument der wissenschaftlichen Kommunikation. Das Internet hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung als Publikationsmedium der Wissenschaft gewonnen: Über Hochschulschriftenserver, Fachportale und elektronische Zeitschriften (E-Journals) werden Texte und Bilder in digitaler Form zum wissenschaftlichen Austausch zur Verfügung gestellt.

1. Merkmale der elektronischen Publikation

Das Publikationsmedium Internet besitzt zentrale Charakteristika, die es vom Druck unterscheidet:

  • orts- und zeitunabhängige Zugänglichkeit

  • (technisch) einfachere, kostengünstigere Produktion, Wegfall von Vertriebskosten

  • Multimedialität, d.h. die einfache Darstellung und Verknüpfung verschiedener Medienformate wie Bilder, Film- und Audiodateien

  • Aktualisierbarkeit

  • Hypertextualität (mehr dazu im Kapitel Hypertext)

  • Möglichkeit des kooperativen Arbeitens, Interaktivität

  • Durchsuchbarkeit

2. E-Journals

Da lange Texte am Bildschirm ungern gelesen werden, macht ein Großteil der online verfügbaren wissenschaftlichen Publikationen momentan Aufsatzliteratur aus.

Neben Einzelveröffentlichungen finden sich diese in Form von E-Journals. Man kann hier unterscheiden zwischen Zeitschriften, die ausschließlich online existieren und Parallelpublikationen, die parallel zu ihrer Ausgabe auf Papier den gesamten Inhalt auch über das Internet anbieten.

Als Retro-Digitalisierung bezeichnet man die Digitalisierung bereits gedruckt vorliegender Zeitschriften oder anderer Publikationen.

Datenbank mit Online-Zeitschriften: Elektronische Zeitschriftenbibliothek:
http://rzblx1.uni-regensburg.de/ezeit/

Umfangreiche Sammlung retro-digitalisierter Zeitschriften:
http://www.digizeitschriften.de/

3. Probleme und Chancen elektronischer Publikationen

Die Diskussion um Vorteile und Probleme der elektronischen Publikation hat sich in den letzten Jahren vor allem an den Zeitschriften entzündet:

Für wissenschaftliche Zeitschriften ist eine im Gegensatz zu Publikumszeitschriften eher geringe Auflage typisch, so dass die Kosten für die einzelnen Ausgaben verhältnismäßig hoch sind. Im Zuge der so genannten Zeitschriftenkrise kam es dabei zu Preiserhöhungen im Bereich von 15-100%.

Als ein Ausweg bietet sich hier die Publikation wissenschaftlicher Zeitschriften als E-Journals an.

Online-Zeitschriften können durch den Verzicht auf Druck und Versand kostengünstiger produziert werden, sie sind schnell und auf der gesamten Welt dauerhaft verfügbar. Dadurch sind die publizierten Beiträge schneller im wissenschaftlichen Diskurs präsent.

Auf Seiten der Bibliotheken kann eine Umstellung auf E-Journals zu deutlichen Kostensenkungen führen, da die Notwendigkeit des Abonnements teurer gedruckter Fachzeitschriften entfällt.

Elektronische Publikationen sind jedoch nicht per se kostenfrei. Mittlerweile sind auch große wissenschaftliche Verlage dazu übergegangen – meist parallel zur Printversion – Fachzeitschriften im Internet kostenpflichtig anzubieten.

Dem gegenüber verficht die aus den USA kommende Open Access-Initiative die uneingeschränkte, kostenfreie Nutzung wissenschaftlicher Informationen im Netz.

Neben solchen finanziellen und rechtlichen Fragen, die das neue Publikationsmedium aufwirft, sind auch Probleme technischer Natur wie etwa die dauerhafte Verfügbarkeit (Langzeitarchivierung) bisher noch nicht abschließend gelöst.

Der Erfolg des elektronischen Publizierens ist darüber hinaus wesentlich von der Akzeptanz der Nutzer, also der einzelnen Wissenschaftler, abhängig. Offen ist, wann und wie sich die bisherigen Lesegewohnheiten der Zielgruppe ändern werden.

4. Zitierbarkeit und Zitierregeln

4.1. Diskussion um die Zitierbarkeit

Die korrekte Angabe eines Nachweises aus der Fachliteratur soll es dem Leser einer wissenschaftlichen Arbeit ermöglichen, Informationsquellen und Argumentationen des Autors nachzuvollziehen oder zu überprüfen.

Durch die Schnelllebigkeit des Mediums Internet ist dies nicht in allen Fällen möglich, wenn sich etwa Internetadressen ändern, Dokumente korrigiert, ergänzt oder völlig aus dem Netz genommen werden. Nicht immer sind Autor oder Herausgeber sowie die wissenschaftliche Seriosität einer Website erkennbar.

Diese Probleme mit online verfügbaren Texten haben besonders zu Beginn des Internetbooms zu einer Diskussion über die grundsätzliche Zitierbarkeit von Quellen und Literatur aus dem WWW geführt.

Durch die Professionalisierung der Internetangebote, das Bemühen um Standards und die Entwicklung von Zitierregeln konnten diese Mängel zumindest auf der formalen Ebene weitgehend behoben werden.

Inhaltliche Angemessenheit beachten

Neben den formalen Regeln für die Zitation gelten natürlich auch für online verfügbare Texte die gleichen Regeln wie für gedruckte Publikationen: Seriosität der Literatur wird vorausgesetzt und muss durch den Verfasser beurteilt werden. So wie man für eine Hausarbeit in Mittelalterliche Geschichte kaum "Was ist was: Burgen und Schlösser" zitieren wird, muss man auch bei online verfügbaren Dokumenten beachten, dass sie inhaltlich angemessen und Teil des wissenschaftlichen Diskurses sind. Das Gesagte gilt für die Verwendung als Sekundärliteratur, selbstverständlich können alle Texte – je nach Fragestellung - als Quellen dienen.

4.2. Zitierregeln

Wie für gedruckte Publikationen gibt es auch für Internetdokumente eine Vielzahl konkurrierender Zitationssysteme und Vorschläge.

Zitieren Sie einheitlich!

Als erste Regel gilt hierbei: Zitieren Sie einheitlich! Wenn sie bei Büchern und Artikeln mit dem Nachnamen des Verfassers beginnen, gehen Sie bei Internettexten ebenso vor. Meist bleibt es Ihnen überlassen, welches System Sie wählen, nur konsequent muss es sein. Wenn jedoch ein bestimmtes Zitationssystem gefordert wird, sollten Sie dieses auch benutzen.

Beachten Sie Parallelen zu gedruckter Literatur!

Mittlerweile gibt es eine durchaus beachtliche Anzahl von ausschließlich online verfügbaren Zeitschriften oder Magazinen oder Informationssammlungen. Artikel aus Onlinezeitschriften zitieren Sie nach den selben Regeln wie einen gedruckten Artikel. Inhaltlich zitierfähige Beiträge aus einer Informationssammlung können Sie etwa wie einen Artikel aus einem Sammelband oder einem Katalog zitieren.

Solange sowohl auf Seiten der Inhaltsanbieter als auch in der wissenschaftlichen Gemeinschaft noch keine komplette Einheitlichkeit der Publikationsarten und der entsprechenden Zitierregeln besteht, bleibt dieses Feld eine gewisse Grauzone, die Ihnen einen gewissen Spielraum in der Art und Weise der Zitation lässt.

Unerlässliche Besonderheiten: Datum und Adresse

Bei der Zitation von Onlinedokumenten sind zwei Angaben unerlässlich: das Datum des Zugriffs und die vollständige Internetadresse (URL).

Da Internetbeiträge ohne entsprechenden Hinweis geändert und ergänzt werden können, ist für die korrekte Zitierung das Datum des Zugriffs unbedingt anzugeben. Bei Artikeln, die mit Erscheinungsdatum versehen sind, reicht die Angabe dieses Datums. Einige Autoren versehen ihre Beiträge nach dem Vorbild aus der Informatik mit Versionsnummern. Ist eine solche angegeben, gehört sie zum vollständigen Literaturnachweis hinzu.

Ebenfalls unerlässlich ist die vollständige Angabe der Internetadresse. Beachten Sie dabei, dass die exakte Adresse des entsprechenden Textes und nicht nur die der Hauptseite angegeben wird. Durch die Eingabe der Adresse muss man zu genau dem Dokument gelangen, das Sie zitieren!

Die Angabe erfolgt in einer neuen Zeile unter den normalen bibliographischen Angaben und sollte möglichst nicht getrennt und auf zwei Zeilen verteilt werden. Falls dies auch nach Verkleinerung der Schriftgröße an dieser Stelle nicht möglich ist, trennen Sie die Adresse - jedoch ohne jeden Zusatz von Trennungszeichen, da diese sonst als Bestandteil der Adresse missverstanden werden könnten.

Vorschläge

Zum Abschluss dieses Kapitel sollen Ihnen zwei Möglichkeiten vorgestellt werden, wie ein Internetdokument zitiert werden kann.

Dabei wird einmal die teilweise übliche Umschließung der Internetadresse mit spitzer Klammer genutzt, die zweite Variante verzichtet in Anlehnung an den amerikanischen APA-Standard darauf.

WILLIAMOWSKI, Marcus, Zitierfähigkeit von Internetseiten, in: JurPC Web-Dok. 78/2000, Abs. 1 - 14 (Stand 15. 12. 2005), online unter: <http://www.jurpc.de/aufsatz/20000078.htm>

Marcus Willamowski, Zitierfähigkeit von Internetseiten, in: JurPC Web-Dok. 78/2000, Abs. 1 - 14 (15. 12. 2005), http://www.jurpc.de/aufsatz/20000078.htm

Hinweis: Der Artikel von Williamowski arbeitet zum Ausgleich der online fehlenden Seitenzahlen mit Absätzen. Wo solche Orientierungshilfen vorhanden sind, sollten Sie angegeben werden.

SCHEIBWENZ, Werner / LUCKHARDT, Heinz-Dirk, Elektronisches Zitieren bzw. Zitieren elektronischer Quellen im Internet, in: Virtuelles Handbuch Informationswissenschaft  (Universität des Saarlandes), (Zugriff am 6. 1. 2006), online unter: <http://is.uni-sb.de/studium/handbuch/zitieren>

Werner Schweibenz / Heinz-Dirk Luckhardt, Elektronisches Zitieren bzw. Zitieren elektronischer Quellen im Internet, in: Virtuelles Handbuch Informationswissenschaft (Zugriff am 6. 1. 2006), http://is.uni-sb.de/studium/handbuch/zitieren

 

Literaturhinweise und Links

Elektronisches Publizieren

Historical Social Research 29/1 (Sonderheft): Neue Medien in den Sozial-, Geistes- und Kulturwissenschaften. Elektronisches Publizieren und Open Access: Stand und Perspektiven.

Keller, Alice: Elektronische Zeitschriften: Entwicklungen in den verschiedenen Wissenschaftszweigen. In: zeitenblicke 2/2, URL: http://www.zeitenblicke.de/2003/02/keller.html (11.01.2006)

Meidenbauer, Jörg: Clio-online Guide: Wissenschaftliches Publizieren, URL: http://www.clio-online.de/site/lang__de/mid... (11.01.06)

Zitieren

http://www.ulb.hhu.de/informationskompetenz/wissenschaftliches-arbeiten/zitiervorschriften.html (Zusammenstellung der UB Düsseldorf)

 

Übung

Zitieren Sie diesen Beitrag (= Kapitel dieses Tutorials) nach allen Regeln der Kunst.

 



Erstellt: 22.05.2006

Zuletzt geändert: 18.04.2013


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