persistent

Sie haben den folgenden Artikel über eine stabile URL aufgerufen:

Männer in Hexenprozessen - ein Überblick aus mitteleuropäischer Perspektive

Rolf Schulte

Heft 1, 2009, Sp. 1-22

<1>
Männer liegen im Trend – zumindest in der Hexenforschung. Konnte noch vor weniger als zwei Jahrzehnten geklagt werden, dass Männer in Hexenprozessen lediglich als Obrigkeiten, Gerichtsherren, Scharfrichter, Inquisitoren, Fiskale, theologische und akademische Befürworter, vielleicht auch als betreuende Geistliche oder Rechtsanwälte, im geringen Maße auch als Hexenprozessgegner auftreten [1], so hat sich die Perspektive seit einigen Jahren geändert: Männer werden inzwischen nicht nur in den genannten Rollen, sondern auch als Verfolgte wahrgenommen. Sie gelten nicht mehr als statistisches Randphänomen oder als Ausnahmeerscheinung, die die Regel bestätigt, nicht mehr nur als „Täter“, sondern erkennbar als Teil der „Opfer“ – auch wenn diese Begriffe problematisch sind. Der Perspektivwechsel hinterließ schließlich auch in der internationalen Forschung Spuren, so dass in einem jüngst erschienenen internationalen Forschungsüberblick Männer in Hexenprozessen zu einem neuen Trend der Hexenforschung erklärt wurden. [2]

Deswegen folgt jetzt eine Übersicht zu diesem Thema aus mitteleuropäischer Perspektive in einer Gliederung nach den bekannten W–Fragen:

- Wie viel Männer wurden in der frühen Neuzeit in Mitteleuropa verfolgt?
- „Wo?“: räumliche Differenzen.
- „Wann?“: zeitliche Differenzen.
- „Wer?“: soziale und persönliche Profile der Verfolgten.
- Die Frage nach dem „Warum“ ist ein Kernteil des Vortrages und stellt Erklärungsansätze vor.

1. Wie viel Männer wurden in der frühen Neuzeit in Mitteleuropa verfolgt?

<2>
Hexenmänner sind Personen männlichen Geschlechts, die explizit in einem Hexenprozess angeklagt wurden. Ein Kupferstich aus dem Jahr 1676 zeigt einen solchen Hexenmeister, Hexenmann, maleficus, sorcier, strigone, toverer, trollmand oder Zauberer, wie er in den verschiedenen Sprachen Mitteleuropas genannt wurde.


Abb. 1: Folterung eines Hexenmannes, Kupferstich aus Hermann Löher „Wehmütige Klage der frommen Unschuldigen“, Amsterdam 1676, Bibliothek des St. Michael-Gymnasiums Bad Münstereifel

 

 

Der Kupferstich stammt aus dem Werk von Hermann Löher „Dringende untertänige wehmütige Klage der frommen Unschuldigen“ und soll den 60 Jahre alten Bauern und Stadtrat Holger Lirtz aus Rheinbach im Rheinland zeigen. Lirtz wurde 1631 nach heftiger Folter und Geständnisses des Teufelpakts zum Tode verurteilt. Der Stich ist zwar kein authentisches Bild, dennoch steht es hier stellvertretend als visuelles Zeugnis für einen der zahlreichen Männer, die in Hexenprozessen angeklagt, verurteilt, aber auch freigelassen wurden. [3]

Nach Auswertung von über 80 Studien mit breiter Materialnutzung und organisierten Fragestellungen zu verschiedenen oder gleichen Territorien des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation in den Grenzen von 1648, ist davon auszugehen, dass in diesem flächenmäßig größten Staat Europas bisher nachweislich ca. 7000 Männer vor Gerichten wegen des Hexereideliktes angeklagt wurden.

<3>
Dieser Zahl kann eine statistische Signifikanz nicht abgesprochen werden, der Männeranteil in der Hexenverfolgung ist keine „quantité négligeable“ denn jeder ungefähr vierte Angeklagte in Hexenprozessen in Mitteleuropa war ein Mann. Dennoch bestätigt diese Zahl das quantitative Übergewicht von angeklagten Frauen, dessen Ausmaß hier überhaupt nicht zur Diskussion steht.

Studien aus anderen Teilen Europas bestätigen diese Bilanz: In Frankreich, wo die Forschung lange Zeit an der Dominanz der Muchembled-These litt, lassen die Ergebnisse aus vier Regionen, nämlich Burgund, Normandie, Toul, Provence, auf einen sogar höheren Männeranteil von ca. 40 % schließen [4], ebenso für die Schweiz von Basel bis Genf von ca. 30 %. [5]

Die Aussage, dass fast ein Viertel aller Verfolgten männlichen Geschlechts waren, zeigt das bekannte arithmetische Mittel an und gibt einen repräsentativen Wert wieder. Die Angabe sagt aber nichts über die durchschnittliche Streuung aus, weil Extremwerte die Verteilung beeinträchtigen und erheblich beeinflussen können. Fruchtbarer für Erkenntnisse sind daher Fragen nach Varianzen in diesem Gesamtgefüge.

2. „WO“?: Räumliche Differenzen

<4>
Männer wurden nicht flächendeckend mit ähnlicher Intensität verfolgt, sondern mit erheblichen Unterschieden in den verschiedenen Territorien, die geografisch wie politisch scheinbar nicht miteinander verbunden sind:

Grafschaft Schaumburg

5%

Hochstift Verden

6%

Grafschaft Flandern

27%

Hochstift Münster

33%

Herzogtum Kärnten [6]

68 % [7]

Tab. 1: Männeranteile in Hexenverfolgungen ausgewählter Territorien

In absoluter Minderheit standen männliche Angeklagte in Schaumburg und Verden, in relativer Minderheit in Flandern und Münster und in Mehrheit in einem Habsburger Territorium wie Kärnten vor Gerichten.

Auch die These, dass Männer zwar in erheblichem Maße angeklagt, aber in ebenso erheblichem Maße im Vergleich zu Frauen wieder aus den Prozessen straffrei entlassen wurden, muss differenziert werden. Bisher ist mit einem Verfolgungsbegriff gearbeitet worden, der sich auf gerichtlich angeklagte Personen bezog. Ein engeres Verständnis von Opfern umfasst nur die zum Tode Verurteilten, das heißt diejenigen, die in den Prozessen keine Chance des Entrinnens erhielten und die auf dem Scheiterhaufen endeten. Um das Ausmaß von geschlechtsspezifischer Verfolgung zu ermitteln, kann es wichtig sein, zwischen der Anzahl von Anklagen und der Zahl von Hinrichtungen genauer zu unterscheiden. Als Indikator dient hier die Angabe der so genannten Hinrichtungsrate, die die Wahrscheinlichkeit der Umwandlung von Klagen in Todesurteile anzeigt bzw. – umgekehrt gesehen – den Grad von Freilassungen oder Verbannungen angibt. Hinrichtungsraten als Gradmesser für Verfolgung sind nur bedingt aussagefähig und müssen allerdings durch die Angeklagtenraten, wie sie bereits umfangreich hier vorgestellt wurden, ergänzt werden.

<5>
Die in den Studien vorliegenden Angaben erlauben für nicht wenige Territorien genauere Rückschlüsse. In zehn dieser Gebiete lag die Hinrichtungsrate – so zynisch dieser Begriff leider auch ist – für Frauen höher als bei Männern. Die gegenläufige Tendenz ließ sich in sechs anderen Herrschaften feststellen. [8] Wenn Männer in diesen Gebieten als Hexenmeister vor Gericht standen, war die Wahrscheinlichkeit, mit dem Tode bestraft zu werden, höher als bei Angehörigen des weiblichen Geschlechts. In diesen Territorien, die allerdings nicht die Mehrheit darstellte, behauptete sich unverkennbar eine Tendenz, Männer als vermeintlich überführte Hexenmeister strenger zu bestrafen als angebliche Hexen. Ihr angebliches Superdelikt konnte nach Ansicht dieser Gerichte nur mit dem Tod, meistens durch Verbrennung, gesühnt werden.

Die Unterschiede im Geschlechterverhältnis werden noch deutlicher, wenn nicht nur räumliche, sondern auch die zeitliche Dimension einbezogen wird.

3. „WANN“?: Zeitliche Differenzen

<6>
Die Hexenforschung beschreibt die Hexenverfolgung häufig in Wellen, also zeitlichen Konzentrationen und hat als ein Verlaufsmuster meistens drei Schübe ausgemacht. Die Verlaufsmuster im Herzogtum Westfalen können hier als Modell dienen. An der grafischen Umwandlung der Verfolgungszahlen lassen sich auch die drei Schübe voneinander abgrenzen, obwohl die Amplituden sich doch deutlich voneinander unterscheiden [9]:


2Abb. 2: Herzogtümer Westfalen: Anzahl der Angeklagten in Hexenprozessen 1560-1700

 

Verfolgungsverläufe in anderen Territorien lassen allerdings eine derartige Struktur vermissen [10]. In den Herzogtümern Schleswig und Holstein mit ihren insgesamt fast 1.000 Anklagen bilden sich derartige klar umrissene Schübe nicht aus den Daten ab. Werden sie zusätzlich in die für Liniendiagramme statistisch korrekten „gleitenden Mittelwerte“ umgerechnet, dann ergeben sich kaum abgrenzbare Wellen, also Hoch- und Ruhephasen, sondern eher Fragen: Gab es acht oder nur drei Wellen – oder eine sich langsam aufschiebender große Welle? Die grafische Abbildung der chronologischen Abfolge von Hexenprozessen im Land zwischen den Meeren zeichnet keine länger andauernden Bewegungen voneinander ab.


Abb. 3: Herzogtümer Schleswig und Holstein. Anzahl der Angeklagten in Hexenprozessen 1530-1735 (gleitende Mittelwerte 5)

 

<7>
Mit quantitativen Methoden können, trotz aller Probleme bezüglich der Quellenlage und möglicher Dunkelziffern, Verlaufsmuster von Hexenverfolgungen aufgezeigt werden. Auch hier ist mit einer solchen Herangehensweise nicht der Anspruch verbunden, alle Prozesse einer Region zu erfassen, sondern den angegebenen Datenrelationen kommt lediglich als Orientierungswerte Bedeutung zu. Die Hexenforschung muss die Wellen-Auffassung differenzieren und deswegen lassen sich Männeranteile schwerlich in einer statistischen Dateneinheit – „Welle“ genannt – darstellen. Deswegen wird lediglich die Chronologie bemüht, zeitliche Unterschiede zu erfassen:

Territorium

Zeit

Männer-anteil

Zeit

Männeranteil

Herzogtum Westfalen

1570-89

16%

1650-1699

46%

Kurfürstentum Mainz

16. Jh. (bis 1604)

8%

17. Jh.

28%

Erzstift Salzburg

16. Jh.

32%

17. Jh.

ca. 70%

Herzogtümer

Mecklenburg

16. Jh.

13%

17. Jh.

16%

(ab 1683 : 24%)

Herzogtum Lothringen

bis 1590

14,5%

17. Jh.

ca. 30%

Thüringer Raum

1500-1580

21%

17. Jh.

12%

Tab. 2: Zeitliche Unterschiede des Geschlechterverhältnisses in der Hexenverfolgung [11]


Das Verhältnis der Geschlechter unterlag Veränderungen: Während Hexerei im Spätmittelalter noch als geschlechtsneutrales Delikt galt, führte die Entwicklung von einem geringen Männeranteil zu Beginn der Frühen Neuzeit zu einem gehobenen Anteil im 17. Jahrhundert. Diese Tendenz lässt sich am Beispiel mehrerer ausgewählter Territorien, für die auswertbare Gesamtdaten über das 16. und 17. Jahrhundert vorliegen, festmachen.

<8>
Der geschlechtsspezifische Rahmen der Hexenverfolgung verändert sich mit zunehmendem Verlauf, denn die Konzentration auf Frauen sank im 17. Jahrhundert bzw. die Geschlechterverteilung kehrt sich in einigen Fällen sogar um. Doch auch hier gibt es Gegenbeispiele: Der Männeranteil in Thüringen fällt sogar im 17. Jahrhundert ab, in Trier ist ebenfalls zu Ende des 16. Jahrhundert die Zuspitzung auf das weibliche Geschlecht signifikant durchbrochen. [12]

4. „Wer“?: Welche Männer klagten Gerichte an?

Nach diesen vielen Daten nun zu der Frage, ob unter den angeklagten Männern ein bestimmter „Hexenstereotyp“ eingrenzbar ist.

Aus fast 20 Studien, aus denen Rückschlüsse zu dieser Frage gezogen werden können, bilden sich zwei allgemeine Muster in Bezug auf den Beruf bzw. die soziale Schichtgehörigkeit ab.

Im ersten Muster dominieren Randgruppen überproportional zu ihrem Anteil in der Bevölkerungsstruktur [13] Randgruppen: In einer beträchtlichen Anzahl von Territorien des Heiligen Römischen Reiches, nämlich Holstein, Lothringen, Mainz, Nassau, Schlesien, Vorderösterreich, Württemberg, wie auch in Teilen Frankreichs finden sich überrepräsentativ Hirten und mobile „cunning-men“ – für die es im Deutschen leider keinen angemessenen und zutreffenden Bezeichnung gibt – aber auch nicht wenige Abdecker und Totengräber. [14]

Männer aus Berufsgruppen, die als unehrlich galten, sich nebenberuflich als Heiler präsentierten und in die Nähe von Krankheit und Tod gerückt wurden. Der Kreis des männlichen magischen Personals der Frühen Neuzeit galt bevorzugt als Zielgruppe von Hexereibeschuldungen

<9>
Der Haupttypus des „Hexenmannes/Hexenmeisters“ in österreichischen Territorien wie Kärnten, Salzburg und Steiermark stammte der Gruppe der Vaganten und Bettler. [15] Dieser Kreis überschnitt sich auch mit dem der Hirten, die wie sie ebenfalls aus der untersten Unterschicht stammten. Beide Gruppen standen als nicht-integrierte lebende Menschen im Konflikt mit der vollintegrierten Bevölkerung der Ständegesellschaft.

Diese Feststellung, dass das magische Personal der Frühen Neuzeit hier offenbar bevorzugt angeklagt wurde, gilt jedoch nur für Männer, nicht für Frauen! Es soll nicht hier das Klischee der Hexe als Kräuterfrau, Heilerin und Hebamme bestätigt werden im Sinne einer maskulinisierten Neuauflage der Heinsohn-Steiger- Thesen.

Exkurs: Hirten

<10>
Schon Burchard von Worms rückte im 11. Jahrhundert Hirten in die besondere Nähe der magischen Künste und schrieb ihnen die Ausübung von Heilzauber und Beschwörungen zugeschrieben hatte. Er verurteilte auch deren Klientel zu Kirchenstrafen, was beweist, dass ihre angeblichen Fähigkeiten von einer größeren Kundenschaft anerkannt und gesucht wurden.

Seit dem 14. Jahrhundert standen Hirten unter dem Stigma der Unehrlichkeit und wurden aus dem ständischen Modell von Gesellschaft durch Ausschluss von Bürgerrecht und Zünftigkeit ausgegrenzt. Die gegen diese Desintegration erlassenen kaiserlichen Reichsabschiede von 1548 und 1577 zeigten durch ihre Wiederholungen, dass schon die formale Wiedereingliederung dieser Gruppen nicht gelang und das Ausgrenzungsstigma tief im Bewusstsein der frühneuzeitlichen Bevölkerungsschichten verankert war. Noch in der Mitte des 18. Jahrhunderts schlossen Zünfte Kinder von Hirten aus, so dass es ihnen weiterhin unmöglich war, den väterlichen oder sogar großväterlichen Beruf zu verlassen. Doch nicht nur der Verlust der Ehrlichkeit, der den Verlust von Gemeinschaft nach sich zog, rückte Hirten in das gesellschaftliche Abseits, sondern auch ihre permanente materielle Existenzbedrohung infolge ihrer strukturellen Saisonarbeit [16]

Aus der objektiven Lage resultierende Faktoren wie die berufsbedingte Nicht-Sesshaftigkeit und eine bis an die Subsistenz grenzende materielle Armut bedingte zusammen mit subjektiven Faktoren, wie ihre Abwertung als Infame, eine Marginalstellung in der frühneuzeitlichen Gesellschaft [17].

<11>
Die ihnen zugeschriebene Fähigkeit zur Heilung von Mensch und Vieh hing mit ihrer Position und ihren Tätigkeiten zusammen. Durch ihren permanenten Umgang mit Vieh und ihrer dauernden Verbundenheit mit der Natur erwarben sie in Familientradition weitergegebene reiche Erfahrungen in Bezug auf das Wetter und auch medizinische Kenntnisse und Heilpraktiken, die zudem noch wegen ihrem Status als unterständische Gruppe billig entlohnt werden konnte. Der Hirte „soll sich auf Vieh-Artzney wohl verstehen“ schrieb noch 1735 ein Autor in Zedlers Universallexikon [18]. Diese Heiltätigkeit in Verbindung mit der relativen Mobilität, der geringen sozialen Kontrolle durch die Einsamkeit ihrer Tätigkeit sowie die geringe Einbindung in dörfliche oder städtische Kommunikationsnetze konnte nun Phantasien über das Leben und die Fähigkeit von Hirten freisetzen. Ihre Heilerfolge bei Krankheiten und ihre singuläre Existenzweise wurden magisch gedeutet und überhöht, sie konnten unheimlich werden. Die widersprüchliche Stellung zwischen moralischer und sozialer Ausgrenzung von Hirten auf der einen Seite und ihr Nutzen bzw. ihre Hochachtung als Heiler auf der anderen Seite verband sich zu einem ihnen gegenüber gebrachten Verhalten von Ablehnung und Wertschätzung. Sie nahmen nun eine Rolle ein: Im Sinne einer „self-fulfilling prophecy“ trugen sie dieser Rollenzuschreibung auch durch ihr eigenes Verhalten Rechnung.

Im zweiten Muster dominieren als Zielgruppe für Hexereibeschuldigungen überproportional Männer aus der Oberschicht, vorwiegend in den Städten der Frühen Neuzeit [19]: Studien zu Bamberg zeigen die Massivität der Verfolgung gegen einen Teil der Oberschicht: z. B. den Kanzler, den Sekretär und den Schatzmeister des Hochstifts sowie den Bürgermeister mitsamt 18 Stadträten, die zwischen 1620-1630 wegen Hexerei angeklagt und größtenteils hingerichtet wurden. [20] Das Muster entwickelte sich hier spiegelverkehrt zu anderen Regionen, da fast jede dritte beschuldigte Angeklagte aus der Oberschicht stammte, jedoch nur ca. jeder zehnte der Prozessopfer zur Unterschicht zählte. Typischerweise findet sich hier kein einziger „cunning-man“ und nur ein Totengräber unter den Angeklagten, dafür aber fünf Musikanten, denen die musikalische Untermalung der Hexensabbatszeremonien unterstellt wurde.

<12>
Im Gegensatz zu klareren Konturen von „Hexenmeistern“ in Bezug auf die soziale Verortung lassen sich kaum einheitliche Muster zum zivilen Status und Alter erkennen, soweit die Stichprobenvolumen überhaupt methodisch Feststellungen erlauben:

ziviler Status: heterogen

(Holstein, Kurtrier, Lothringen, Schwäbisch Österreich, „Saarraum“ ↔ Kärnten)

Alter: heterogen

(Holstein, Kurmainz, Lothringen, “Saarraum“↔ Kärnten / Steiermark [21]

 

Zahlreiche angeklagte Hexenmänner in Bamberg, Holstein, Kurtrier, Lothringen, Schwäbisch-Österreich wie im Saarraum lebten nicht allein stehend, sondern waren verheiratet bzw. familiengebunden. Sie stehen damit im Gegensatz zu den Vaganten aus Österreich, die häufig nicht in festen Beziehungen lebten. Auch für das Alter kann keine Einheitlichkeit festgestellt werden: Die Bettlergruppen in österreichischen Territorien bestanden aus alten wie sehr jungen Vaganten. In Holstein, Kurmainz, Lothringen und in der Region der Saar klagten Gerichte gehäuft Männer gehobenen Alters ab 40 Jahren an.

Gab es also einen männlichen „Hexenstereotyp“? Typische Merkmale eines Hexenmannes zeichnen sich allenthalben im Bereich der sozialen Schichtzugehörigkeit, nicht aber durch gemeinsame Kennzeichen in der Altersverteilung oder in den Lebens- bzw. Familienformen ab.

5. Die Frage nach dem „Warum?: Erklärungsansätze

<13>
In der Literatur finden sich einige, wenige Ansätze zur Erklärungen zur Präsenz von Männern in den Hexenprozessen. Sie werden hier als Ansätze thematisiert, weil sie mehrheitlich kaum oder nur teilweise ausgearbeitet sind und immer wieder nur in der Dekonstruktion von Darstellungen direkt oder indirekt zu identifizieren sind. Die einzelnen Ansätze werden vorgestellt und dann diskutiert.

5. 1. Verwandtschafts-Erklärung:

Hexenmänner haben enge (Verwandtschafts-)Beziehungen zu weiblichen Hexen und wurden über diese als Kollateralschaden oder als Beiprodukte in die Prozesse einbezogen. Sie sind daher keine „Primär-“, sondern „Sekundär- Hexen“, vor allem keine Verursacher von Schäden und stehen in der Kette der Verantwortlichkeiten an der Peripherie.

Dieser Erklärungsansatz – ich betone Ansatz, weil sich jeweils nur wenige Zeilen in der Literatur dazu finden – stammt hauptsächlich aus dem angelsächsischen Raum. [22]

Er hat den Vorzug, dass er sich auf einige frühneuzeitlichen Dämonologen wie z. B. Heinrich Institoris beziehen kann, die den Mann tatsächlich an sekundäre, wenn nicht gar an tertiäre Stelle in den Hexenverfolgungen rückten. Der Nachweis derartiger Verwandtschaftsbeziehungen in nicht wenigen Hexenprozessen, spricht im Weiteren für diese Erklärung.

Doch dieser Ansatz entspricht dem Forschungstand der 1970er Jahre und ist heute empirisch nicht haltbar: Nicht nur, dass er Männern die eigenständige Fähigkeit zum Abschluss eines Teufelspakts abspricht, sondern auch, weil er die Varianzen die hohen Männeranteile in den verschiedenen Territorien nicht erklären kann. Männer waren in weiten Teilen Mitteleuropas auch Primärhexen, so z. B. in einem Territorium mit intensivster Verfolgung wie in Teilen Kurkölns oder in prozessärmeren Gebieten wie Kärnten. [23]

5. 2. Massenprozess-Erklärung

Hexenmänner treten in zunehmendem Umfang während Kettenprozessen und Massenhinrichtungen auf, in denen der weibliche Verfolgten-Typus durchbrochen wird. [24]

<14>
Dieser am meisten ausgearbeitete Erklärungsansatz ist für die Hexenverfolgungen einer Reihe von Territorien nachgewiesen, in denen tatsächlich der Typus von Verfolgten in Bezug auf das Geschlecht proportional zur Größe des Prozesses numerisch abnahm. [25]

Diese Erklärung beinhaltet aber vorab methodische Schwierigkeiten, nämlich die der Definition eines Prozesses: Verfolgungswellen konnten sich über mehrere Jahre erstrecken, so dass die Entscheidung sie als einen großen Schub oder als voneinander unabhängige Einzelverfahren, einzuteilen, fragwürdig erscheint. Gerade in Territorien mit intensiver Verfolgung liegen die Prozesse zu eng beieinander, dass eine Abgrenzung voneinander schwierig ist.

Die Massenprozesserklärung kann aber an einer nicht unbeträchtlichen Anzahl von Territorien, bei denen eine gute Quellenlage die Erhebung quantifizierender Tendenzen erlaubt, nicht uneingeschränkt verifiziert werden, wie z. B. für die mecklenburgischen Herzogtümer [26]:


Abb. 4: Herzogtümer Mecklenburg: Frauen- und Männeranteile in Hexenprozessen 1540-1720

 

 

In den Hochphasen der Verfolgung von 1570-1625 sinkt hier der Anteil der Anklagen gegen Männer und erhöht sich dagegen in den Perioden unterdurchschnittlicher Intensität– ein Sachverhalt, der sich auch deutlich in zahlreichen anderen Regionen abzeichnet. [27]

Die Massenprozess- Theorie trifft somit nur teilweise und nur auf Hexenverfolgungen in bestimmten Territorien zu.

5. 3. Differenz-Erklärung

Hexenmänner werden wegen anderer Vergehen als weibliche Hexen angeklagt oder ihnen eine weniger schädliche Art von Hexerei ohne Diabolismus unterstellt.

<15>
Dieser Erklärungsansatz kann sich darauf stützen, dass tatsächlich in zahlreichen Regionen Männer wegen anderer zeitgenössisch als auch aktuell definierter krimineller Vergehen als Hexerei in die Verfahren gerieten: Die Gerichte wandelten die Erstanklage z. B. wegen Mord, Diebstahl, Vergewaltigung oder Brandstiftung nachträglich in eine Anklage wegen Hexerei um. [28] Oder sie verurteilten Männer wegen Zaubereidelikten wie Schatzgräberei, Beschwörungen und allen Varianten so genannter „weißer“ Magie. Die Abgrenzung zu klassischen Hexenprozessen ist wegen des ambivalenten Hexereibegriffs schwierig und deswegen werden diese Deliktverfahren in zahlreichen Territorien von der Forschung oft der Hexenverfolgung zugeschlagen [29]

Allerdings: Zahlreiche Studien widerlegen die Auffassung einer klaren Trennung eines Bezugssystems von "weiblicher ist gleich schädlicher" und" männlicher ist gleich weißer" Magie. Zwar lassen sich eindeutige Unterschiede in der Ausübung volksmagischer Praktiken zwischen den Geschlechtern ermitteln, doch keine der Zauberhandlungen wurde exklusiv von einem Geschlecht praktiziert: Selbst so spezielle Schadenszauber, welche die Geburt oder die Entfachung von Liebe betrafen, konnten in Einzelfällen Männern unterstellt werden, die geschlechtsspezifischen Domänen überschnitten sich und die Grenzen waren fließend [30]. Auch die als typisch männlich eingestufte Schatzgräberei stellte kein Monopol maskuliner Aktivität dar. [31]

Auf der Ebene der Hexenprozesse löst sich eine Zuordnung geschlechtstypischer Schadenszaubervarianten offenbar weiter auf: Während z. B. in den österreichischen Territorien der Wetterzauber als typisch männlich galt, wurde er im Westen des Reichs mehrheitlich Frauen zugeschrieben. [32]

5. 4. Faktionalismus-Erklärung

Eine Bürgerfraktion geht in politischer Konkurrenz gegen eine andere über Hexereianklagen vor

<16>
Die Forschung hat die Austragung von Machtkämpfen lokaler und politisch rivalisierender Fraktionen über den Hexereivorwurf eindeutig nachgewiesen, wie z. B. für das Hochstift Bamberg oder für die Grafschaft Sponheim. [33] In Bamberg bekämpfte die einer fundamentalistischen Gegenreformation verschriebene Fraktion unter Johann Friedrich von Aschhausen, Georg Fuchs von Dornheim und Weihbischof Förner und verdrängte schließlich über Hexenprozesse die alte administrative Elite unter der Familie Haan, Junius und Neudecker. [34]

Doch auch dieser Ansatz hat eine begrenzte Reichweite, denn derartige Konflikte konnte auch ausgetragen werden ohne dass sich der Männeranteil in den Hexenprozessen erheblich erhöhte. In Osnabrück beispielsweise kämpfte eine Bürgerfraktion unter dem Bürgermeister Wilhelm Peltzer nach 1636 gegen andere politische Gruppierungen, doch der Männeranteil blieb gering, er betrug weniger als 1%. [35]

5.5 Ketzertradition-Erklärung

Hexenmänner treten als Angeklagte besonders in Gegenden auf, in denen Hexerei mit Ketzerei und weniger mit Schadensaggressionen verbunden wird.

<17>
Die Forschung hat immer wieder die Fusion des Häresie- mit dem Hexereikonzept herausgearbeitet. [36] Katholische , aber auch reformierte Autoren, stellten die Hexerei nicht nur in die Tradition der Ketzerei [37], sie sahen sie auch als eine neue Variante häretischer Aktivitäten an und vermengten beide zu einem nie da gewesenen Superverbrechen, das sich von allen anderen Arten von Häretikertum durch seine destruktiven Möglichkeiten abhob. Ein Beispiel für entsprechende Konsequenzen: Der Männeranteil in der Hexenverfolgung lag in den Landesteilen der Schweiz, in der eine etablierte Inquisition existierte, erheblich höher als in den Gebieten der Eidgenossenschaft, in denen keine Häresieverfolgungen stattgefunden hatte. [38]

Dennoch setzten bekannte Dämonologen wie z. B. Binsfeld und Del Rio beide Konzepte nicht undifferenziert gleich, sondern versuchten häretische und „magische“ Elemente in Anschluss an eine lange katholische Diskussion nicht durchgängig zu vermengen. [39] Der Einfluss theoretischer Ketzerbilder auf einen Teil der Hexenverfolgung und ihre Wirkung auf das Geschlechtsprofil von Angeklagten darf aber auch nicht überschätzt werden, denn die Brüche zwischen den so genannten Ketzern und Hexen / Hexenmeister sind unübersehbar: Sie zeigen nicht nur im Bruch der Kontinuität des Geschlechtsprofils, sondern auch in der Praxis der Hexenverfolgung: Im Gebiet der so genannten „Luziferianer“, die der Inquisitor Peter Zwicker im 14.Jahrhundert in Pommern und Brandenburg zu orten vermeinte, blieb der Männeranteil in der Hexenverfolgung in der Frühen Neuzeit gering.

5. 6. Schamanismus-Erklärung:

Hexenmänner handelten in einem schamanistischen Kontext als Entzauberungsspezialisten: Ihre Tätigkeit wurde als Hexerei um-interpretiert und verfolgt.

<18>
Schamanen sind kultische Personen zumeist männlichen Geschlechts, die mit Geistern und Seelen Verstorbener Verbindung aufnehmen. Sie nehmen eine Vermittlerrolle zwischen dem Diesseits und dem Jenseits ein, denn sie sind in der Lage die Grenze zwischen der natürlichen Welt und der Unterwelt oder des Kosmos zu durchbrechen. Sie gehen daher auf eine vielfach, aber nicht immer zwingend auf eine außerkörperliche Reise, gewöhnlich in Begleitung von Geisthelfer, um die Seele eines Kranken den bösen Geisträubern abzuringen und sie zurückzuführen. [40] Gehörten die Hexenmänner vielleicht zu einer Gruppe von Personen an, die tradierte Rituale schamanistischer Art und Weise konserviert hatten?

Tatsächlich lassen sich auch schamanenähnliche Männer in Hexenprozessen finden. Bekanntestes Beispiel ist der Fall des Conrad Stoeckhlin aus Oberstdorf im heutigen Bayern. [41] Aber auch weitere Heiler standen wie er am Beginn großer Prozesse und könnten schamamismus-ähnliche Funktionen ausgeübt haben: Diel Breull in Nordhessen, Peter Schoder aus dem Montafon, Caspar Back aus Echternach, Hans Schleierbach in Hohenlohe [42].

Der Typus des magischen Experten bzw. Heilers stellte jedoch eindeutig nur eine kleine Teilgruppe innerhalb der männlichen Opfer der Hexenverfolgung dar. Die Gleichsetzung von Magiespezialist und Schamane erklärt damit höchstens einen Teilgrund für die Präsenz von Männern innerhalb der Angeklagtengruppen. Hexenmänner praktizierten zwar in Mitteleuropa auch rituelle Magie wie Schamanen, aber von andere Bewusstseinszustände und Seelenreisen ist in den Quellen fast nichts zu finden – und wenn dann noch fragmentarisch wie in den Fällen von Heilern wie eines Christoph Gostner aus Südtirol sowie möglicherweise einiger Angeklagter in den Bergen der Jura von Frankreich [43]. Analogien lassen sich bei einem äußerst kleinen Teil der als Hexenmänner bezeichneten Personen nur vermuten. [44]

<19>
Ähnlichkeiten bestehen höchstens dann, wenn man den Schamanismus von seinen Kernelementen, wie der Seelenreise, der Trance und der Ekstase trennt – wie es in der ethnologischen Forschung diskutiert wird. Eine derartig reduzierte Art dieser Weltdeutung kann mit allen Formen von Magie in Verbindung gebracht werden, denn sie verliert ihr besonderes Profil.

Der Hexenglaube – und damit auch die Anklage gegen Männer – kann möglicherweise schamanistischen Ursprungs sein, aber der Schamanismus tritt mit seinen Eigenheiten nicht oder äußerst selten in Männerprozessen in Mitteleuropa auf. In Lappland, Nordschweden und vielleicht auch Teilen Südosteuropas scheinen dagegen einzelne Quellen zu Männerprozessen schamanistische Praktiken zu belegen [45] und dort auch nur in Minderheiten. Doch auch hier beweisen die in der Forschung genannten Paradebeispiele nur eine geringe Verbreitung: In Ungarn enthielten 20 der ca. 1500 Prozessen schamanistische Züge, d. h. 1,3 % [46] Von diesen „taltós“-Verfahren entfällt wiederum ein beträchtlicher Teil auf Frauen.

Der schamanistische Erklärungsansatz ist schon allein quantitativ von geringer Reichweite. [47]

Fazit: Bisherige Erklärungsansätze zur Männerverfolgung in der Hexenverfolgung bieten lediglich Teildeutungen: Sie systematisieren zu sehr und erklären zu eingeschränkt die Realität Mitteleuropas. Sie stehen auch nicht gegeneinander in Konkurrenz, sondern eher in Kongruenz oder in Hierarchie und stellen untereinander Schnittflächen dar.

Deswegen wird noch eine Interpretation vorgestellt, die allerdings nicht mit umfassendem Anspruch auftritt, sondern nur die festgestellten hohen Unterschieden in der jeweiligen regionalen Hexenverfolgung zu erklären versucht:

5.7 „Konfessions-Erklärung“

Es existiert ein innerer Zusammenhang zwischen der Konfessionssetzung in den Territorien Mitteleuropas und der Intensität der Verfolgung von Männern.

<20>
In einer Reihe von strukturell unterschiedlichen und weit entfernten katholischen Territorien und geistlichen Stiften lag die Anzahl von verfolgten und als Hexenmänner verdächtigten Personen überdurchschnittlich hoch. Dagegen lagen die Werte in zahlreichen protestantisch bestimmten Herrschaften mit ebenso unterschiedlichen politischen und ökonomischen Strukturen bzw. divergierender geographischer Lage unter dem Durchschnitt. Hier wird deutlich, dass zwar über konfessionelle Grenzen hinweg verfolgt wurde, aber mit unterschiedlicher Intensität und unterschiedlicher Geschlechtsproportion. Diese – meine! - These stützt sich auf die Ergebnisse von Regionalstudien, die hier aufgeführt werden: [48]

Katholische Territorien

 

 

Protestantische Territorien

 

Fgft Burgund

33%

 

Gft. Ansbach

7%

Gft. Baden-Baden

31%

 

Hzt. Braunschweig-Wolfenbüttel

10%

Hstf. Bamberg

26 %

 

Gft. Büdingen

10 %

Gft.Blankenheim

20 %

 

Gft. Hessen-Kassel

13 %

Fpt. Ellwangen

20 %

 

Hzt. Holstein

12 %

Gft. Flandern

27 %

 

Hzt. Mecklenburg

15 %

Hzt. Kärnten

68 %

 

Fst. Montbéliard

18 %

Kfst. Mainz

24 %

 

Hsft. Osnabrück

12%

Hstft. Münster

33 %

 

Gft. Ostfriesland

5% (ca.)

Hzt. Lothringen

28 %

 

Gft. Nassau

12 %

Hzt. Luxemburg

25 % (ca.)

 

Hzt. Sachsen-Lauenburg

12 %

Oberösterreich

69%

 

Hzt. Schleswig

11%

Hstft. Paderborn

30 %

 

Sft./Hzt. Ratzeburg

10 %

Estft. Salzburg

59 %

 

Gft. Schaumburg

5%

Hzt. Steiermark

34 %

 

Thüringer Raum

13 %

Gft. Tirol

48%

 

Stf. Verden

6%

Fst. Vaduz

40 % (ca.)

 

Vorpommern

11%(ca.)

Vorarlberg

20%

 

Hzt. Württemberg

15 %

Hzt. Westfalen

37%

 

Gft. Ansbach

7%

Tab.3: Männeranteil in katholischen und protestantischen Territorien

<21>
Die Männeranteile in den benachbarten Territorien der katholischen Franche-Comté und des protestantischen Fürstentums Montbéliard unterschieden sich drastisch, ebenso in den verschiedenen konfessionellen Herrschaften des Saarraums, wo in den protestantischen Gebieten Männer 20%, in den katholischen aber 29% der Verfolgten stellten. Die Signifikanz eines konfessionellen Unterschieds steigt sogar im Vergleich zwischen katholisch-geistlichen auf der einen Seite und protestantischen Territorien auf der anderen Seite.

Doch es gibt auch einige Gegenbeispiele, wie zum Beispiel die Hochstifte Eichstätt bzw. Augsburg oder Territorien wie Vorderösterreich bzw. Schwäbisch-Österreich im Süden des Reichs auf katholischer Seite. Auch das Kurfürstentum Sachsen oder das Fürstentum Hohenlohe passen auf der lutherischen Seite nicht in dieses Muster. Innerhalb des protestantischen Lagers muss differenziert werden, denn die Obrigkeiten in manchen reformierten Territorien, wie Beispiele aus der Schweiz zeigen, suchten die Teufelsbündner ebenfalls zu einem erheblichen Teil im männlichen Geschlecht. Überhaupt schien das reformierte Lager in Bezug auf die Hexenverfolgung keinen monolithischen Block zu bilden, denn in den verfolgungsintensiven calvinistischen Grafschaften wie Lippe und Nassau ging man eindeutig von einer großen Nähe des weiblichen Geschlechts zur Hexerei aus, unterdrückte aber in der Kurpfalz fast sämtlichen Hexereiverdächtigungen durch die Bevölkerung.

Die Unterschiede der Hexenverfolgungen hängen wahrscheinlich mit einem konfessionseigenen Hexenbild und einer besonderen Deliktbeschreibung zusammenhing, denn der Männeranteil ist wahrscheinlich Resultat eines konsequent zweigeschlechtlich gedachten Hexensabbats, der auf die Tradition der klassischen Ketzerei mit ihrer zweigeschlechtlichen Organisation zurückweist. Die Konfessionsthese stellt damit im Wesen streng genommen keine Konfessionsthese dar, sondern könnte ebenso als „Hexensabbats-These“ oder „Hexenparadigma-These“ bezeichnet und mit einer „Häretiker-Tradition-These“ verknüpft werden.

6. Abschließende Forschungsbilanz:

<22>
1. Es bleibt unbedingt trotz aller Differenzierungen festzuhalten: Das Übergewicht von Frauen innerhalb der Gruppe der Verfolgten ist und bleibt unstrittig.

2. Die teilweise zahlenmäßig erhebliche Verfolgung von Männern durch Obrigkeiten und durch die Anzeigen aus der Bevölkerung war integraler Teil der gesamten Hexenverfolgung. Die disparaten Bilder vom männlichen und weiblichen Geschlecht schliffen sich in der Inkarnation des Bösen, der Hexe und des Hexenmanns, zusammengefasst als in den zeitgenössischen Quellen als „Hexen-Leute“, als Willensträger des Bösen auch aufgrund ihrer gemeinsamen Mitgliedschaft in der bedrohlichen Teufelssekte, ab. Neben den Nachfolgerinnen der biblischen Eva wurde ein neuer männlicher Partner gesichtet, der der als glaubenschwach und labil angesehenen Frau in der frühen Neuzeit wesensmäßig glich

Oder wie es Petrus Binsfeld 1590 in seinem Traktat ausdrückte, indem er Teilen beider Geschlechter gemeinsam die Fähigkeit zur Destruktion auf der Welt zuwies:

„Die Zauberer (in der lateinischen Fassung: „malefici, d. h. Frauen und Männer) können durch die Hilfe des Teufels die gebärende Kraft zwischen den Eheleuten verhindern, Krankheiten erwecken, Menschen und Vieh durch Zauberei verderben und töten, Wetter, Regen, Donner, Hagel verursachen und Unfruchtbarkeit und Mangel aller Dinge zur Erhaltung des menschlichen Lebens.“ [49]

3. Die zeitgenössische Debatte wie die Praxis der Hexenverfolgung zeigen, dass das dominante Gender-Konzept der Frühen Neuzeit zwischen den Geschlechtern keinesfalls rigide und dichotomisch gespalten war, sondern vielmehr auch aus Hierarchien innerhalb der beiden Geschlechter bestand.

Anmerkungen

  • [1]

    Eva Labouvie, Männer im Hexenprozeß. Zur Sozialanthropologie eines „männlichen“ Verständnisses von Magie und Hexerei, in: Geschichte und Gesellschaft 16,1990, S. 56.

  • [2]

    Brian Levack, Themes of Recent Witchcraft Research, in: ARV. Nordic Yearbook of Folklore 62, 2006, S. 16.

  • [3]

    Fundstelle: Hermann Löher, Dringende untertänige wehmütige Klage der frommen Unschuldigen, Amsterdam 1676 aus der alten Bibliothek des St. Michael-Gymnasiums Bad Münstereifel mit freundlicher Abdruckerlaubnis der Stadt Münstereifel und des St. Michael-Gymnasiums.

  • [4]

    William Monter, Toads and eucharists: the male witches of Normandy, 1564-1660, French Historical Studies 20, 1997, S. 564, 584; Elisabeth Biesel, Hexenjustiz, Volksmagie und soziale Konflikte im lothringischen Raum, Trier 1997, S. 267- 269.

  • [5]

    William Monter, Witchcraft in France and Switzerland. The Borderlands during the Reformation, Ithaca/London 1976, S. 119; Peter Kamber, Croyances et peurs: La sorcellerie dans le Pays de Vaud (XVIe-XVIIe siècles) in François Flouck / Patrick-R. Monbaron / Marianne Stubenvoll / Danièle Tosato-Rigo (Hg.), De l’Ours à la Cocarde : Régime bernois et révolution en pays de Vaud, Lausanne 1998, S. 249; Georg Modestin / Kathrin Utz Tremp (Hg.), Hexen, Herren und Richter. Die Verfolgung von Hexern und Hexen auf dem Gebiet der heutigen Schweiz am Ende des Mittelalters. Die Verfolgung von Hexern und Hexen auf dem Gebiet der heutigen Schweiz am Ende des Mittelalters. Les sorcières, les seigneurs et les juges. La persécution des sorciers et des sorcières dans le territoire de la Suisse actuelle à la fin du Moyen Age, in: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte 52, 2002, Nr. 2, S. 103-162; Manfred Tschaikner, Graubünden (Grison), in: Richard M. Golden (Hg.), Encyclopedia of Witchcraft. The Western Tradition, Vol. II, Santa Barbara 2006, S. 455-456. Studien zu kleineren Räumen sind in diesen Angaben nicht enthalten.

  • [6]

    Gudrun Gersmann, Münster, bishopric of, in: Golden (wie Anm. 5), Vol. III, Santa Barbara 2006, S. 794; Rip Opsommer / Jos Montballyu, Flandern-Hexenverfolgung, in: Gudrun Gersmann / Katrin Moeller / Jürgen-Michael Schmidt (Hg), Lexikon der Geschichte der Hexenverfolgung, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/1617/ (15.03.2009). Die Zahlen unterscheiden sich leicht von denen in Jos Montballyu, Die Hexenprozesse in der Grafschaft Flandern (1495-1692), in: Herbert Eiden / Rita Voltmer (Hg), Hexenprozesse und Gerichtspraxis, Trier 2002, S. 287; Gerhard Schormann, Hexenverfolgung in Schaumburg, in: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte 45, 1973, S. 163; Rolf Schulte, Man as Witch: Male witches in Central Europe, Basingstoke 2009, S. 222; Joachim Wook, „Ick Beke Piepers von limbergen, Bekhenne …“ Hexenverfolgung im Bistum Verden, in: Praxis Geschichte 4, 1991, S. 38-43.

  • [7]

    Gudrun Gersmann, Münster, bishopric of, in: Golden (wie Anm. 5), Vol. III, Santa Barbara 2006, S. 794; Rip Opsommer / Jos Montballyu, Flandern-Hexenverfolgung, in: Gudrun Gersmann / Katrin Moeller / Jürgen-Michael Schmidt (Hg), Lexikon der Geschichte der Hexenverfolgung, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/1617/ (15.03.2009). Die Zahlen unterscheiden sich leicht von denen in Jos Montballyu, Die Hexenprozesse in der Grafschaft Flandern (1495-1692), in: Herbert Eiden / Rita Voltmer (Hg), Hexenprozesse und Gerichtspraxis, Trier 2002, S. 287; Gerhard Schormann, Hexenverfolgung in Schaumburg, in: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte 45, 1973, S. 163; Rolf Schulte, Man as Witch: Male witches in Central Europe, Basingstoke 2009, S. 222; Joachim Wook, „Ick Beke Piepers von limbergen, Bekhenne …“ Hexenverfolgung im Bistum Verden, in: Praxis Geschichte 4, 1991, S. 38-43.

  • [8]

    Es handelt sich um nämlich die Territorien Montbéliard, Cambrai, Mainz, Salzburg, den Saarraum und wahrscheinlich auch Luxemburg, siehe Schulte (wie Anm. 6), S. 66-67.

  • [9]

    Rainer Decker, Die Hexenverfolgung im Herzogtum Westfalen, in: Westfälische Zeitschrift 131-132, 1981-82, S. 381-386. Rainer Decker, Die Hexenverfolgung im Herzogtum Westfalen in: Alfred Bruns (Hg.), Hexen. Gerichtsbarkeit im kurkölnischen Sauerland, Schmallenberg-Holthausen 1984, S. 213-218; Peter A. Heuser, Die kurkölnischen Hexenprozesse des 16.und 17.Jahrhunderts in geschlechtergeschichtlicher Perspektive, in: Ingrid Ahrendt-Schulte Dieter R. Bauer / Sönke Lorenz / Jürgen Michael Schmidt (Hg.), Geschlecht, Magie und Hexenverfolgung, Bielefeld 2002, S.137-139, 144-149.

  • [10]

    Daten: Rolf Schulte, Hexenverfolgung in Schleswig-Holstein vom 16. bis 18. Jahrhundert, Heide 2001, S. 69; Rolf Schulte, Landes- und Regionalgeschichte. Das Beispiel Hexenverfolgung in der Frühen Neuzeit, in Olaf Hartung / Katja Köhr (Hg.), Geschichte und Geschichtsvermittlung. Festschrift für Karl Heinrich Pohl, Bielefeld 2008, S. 122.

  • [11]

    Die Daten sind errechnet nach Decker 1984 (wie Anm. 8), S. 213-218. Horst Gebhard, Hexenprozesse im Kurfürstentum Mainz des 17. Jahrhunderts, Mainz 1989, S. 233-237; Ulrike Schönleitner, Zauberei- und Hexenprozesse in Österreich. Geisteswissenschaftliche Diplomarbeit, Wien 1986/87; S. 210-222. Rolf Schulte, Hexenmeister. Die Verfolgung von Männern im Rahmen der Hexenverfolgung von 15301730 im Alten Reich, Frankfurt 2000, S. 246- 247; Katrin Moeller, Dass Willkür über Recht ginge. Hexenprozesse in Mecklenburg im 16. und 17. Jahrhundert, Bielefeld 2007, S. 227; Robin Briggs, The Witches of Lorraine, Oxford 2007, S. 332; Ronald Füssel, Hexenverfolgungen in Thüringer Raum, Hamburg 2003, S. 283.

  • [12]

    Norbert Schindler, Die Entstehung der Unbarmherzigkeit. Zur Kultur und Lebensweise der Salzburger Bettler am Ende des 17. Jahrhunderts, in: Jahrbuch für Bayrische Volksunde 1988, S. 61. 133 Verurteilte waren männlichen Geschlechts und die soziale Herkunft aller Delinquenten mit Ausnahme von zwei Familien ist in der untersten Unterschicht zu verorten. Zwei Drittel der Delinquenten hatte das 21. Lebensjahr noch nicht erreicht, mehr als ein Drittel das 15. nicht überschritten.

  • [13]

    Mitte des 18. Jahrhundert stellten Hirten in der Region um Braunschweig, in der Weidewirtschaft mit Schafen und Vieh eine wichtige Grundlage der Landwirtschaft bildete, ca. 5 % aller Haushalte, errechnet nach den Angaben von Richard von Dülmen, Kultur und Alltag in der Frühen Neuzeit, Band 2, Dorf und Stadt, 16.-18. Jahrhundert, München 1995, S. 18. Der Anteil von Hirten unter den angeblichen Hexenmeistern liegt aber in vielen Regionen höher. Für genauere Vergleiche fehlen leider die demografischen Daten für die Frühe Neuzeit.

  • [14]

    Biesel 1997, (wie Anm. 4), S. 123, 270-272; Briggs 2007, (wie Anm. 10) S. 331, 365-366, ferner 124,144,164,194, 207, 253, 281, 30-342, 357, 365-366; Karen Lambrecht, Tabu und Tod. Männer als Opfer frühneuzeitlicher Verfolgungswellen, in: Ahrendt-Schulte 2002, (wie Anm. 8). S. 201; Elmar M. Lorey, Henrich, der Werwolf. Eine Geschichte aus der Zeit der Hexenprozesse mit Dokumenten und Analysen, Frankfurt 1998, S. 194-198, 235; Robert Mandrou, La France au 17e et 18e siècles, Paris 1970, S. 315; Clark Garrett, Witches and cunning folk in the old régime, in: Natalie Z. Davis / Edward T. Gargan / Jacques Beauroy (Hg.), The Wolf and the Lamb. Popular culture in France from the Old Regime to the 20th century, Stanford 1976, S. 60; Monter 1997, (wie Anm. 4), S. 580; William Monter, Male Witches in Golden 2006 (wie Anm. 6), Vol. III, S. 711-713; Herbert Pohl, Hexenglaube und Hexenverfolgung im Kurfürstentum Mainz, Stuttgart 1988, S. 224-225; Anita Raith, Herzogtum Württemberg, in: Sönke Lorenz /Jürgen M. Schmidt (Hg.), Wider alle Hexerei und Teufelswerk. Die europäische Hexenverfolgung und ihre Auswirkung auf Südwestdeutschland, Ostfildern 2004, S. 227; Sabine Schleichert, Vorderösterreich: Elsaß, Breisgau, Hagenau und Ortenau, in: Sönke Lorenz (Hg.), Hexen und Hexenverfolgung im deutschen Südwesten, Ostfildern 1994, S. 224; Schulte 2000, (wie Anm. 10), S. 228-234; Alfred Soman, Le procès de la sorcellerie au Parlement de Paris (1565-1640), in: Annales ESC 32, 1977, S. 798; Helfried Valentinitsch, Die Verfolgung von Hexen und Zauberern im Herzogtum Steiermark – eine Zwischenbilanz, in: Ders. (Hg.), Hexen und Zauberer. Die große Verfolgung – ein europäisches Phänomen in der Steiermark, Graz/Wien 1987, S. 312.

  • [15]

    Heide Dienst, Hexenprozesse auf dem Gebiet der heutigen Bundesländer Vorarlberg, Tirol (mit Südtirol), Salzburg, Nieder- und Oberösterreich sowie des Burgenlandes, in Valentinitsch 1987, (wie Anm. 13), S. 279-281; Gerald Mülleder, Salzburg, Arch-bishopric of, in Golden 2006 (wie Anm. 6), Vol. IV, S. 1000. Norbert Schindler, Widerspenstige Leute. Studien zur Volkskultur in der Frühen Neuzeit, Frankfurt 1992, 269-271 (english translation: Rebellion, Community and Custom in Early Modern Germany, Cambridge 2002); Valentinitsch 1987, (wie Anm. 13), S. 308-313; Schulte 2000, (wie Anm. 10), S. 228-230.

  • [16]

    Zu diesem gesamten Komplex: Wolfgang Jacobeit, Schafhaltung und Schäfer in Zentraleuropa bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, Berlin 1987, S. 26, Lorey 1998, (wie Anm. 13), S. 194-198;Karl S. Kramer, Ehrliche/Unehrliche Gewerbe, in: Adalbert Erler / Ekkehard Kaufmann (Hg.), Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte, Band 1, Berlin 1971, S. 855-858; Dülmen 1992, (wie Anm. 12), Band 2 (1992), S. 194-214; Bernd Roeck, Außenseiter, Randgruppen, Minderheiten. Fremde in Deutschland in der Frühen Neuzeit, Göttingen 1993, S. 106-114. Unehrlichkeit führte erst im Zusammenhang mit Nicht-Seßhaftigkeit zur Desintegration, Jutta Nowosadtko, Scharfrichter und Abdecker. Der Alltag zweier „unehrlicher Berufe“ in der Frühen Neuzeit, Paderborn 1994.

  • [17]

    Angabe eintragen!

  • [18]

    Zedlers Universallexikon, Band 13, 1735, S. 3259.

  • [19]

    Johannes Dillinger, Schwäbisch-Österreich, in Lorenz/Schmidt 2004, (wie Anm. 13), S. 289-291; Britta Gehm, Die Hexenverfolgung im Hochstift Bamberg und das Eingreifen des Reichshofsrat zur ihrer Beendigung, Hildesheim 2000, S. 268; Wilhem O. Keller (Hg.), Hexer und Hexen in Miltenberg und der Cent Bürgstadt – Beiträge zur Geschichte der Hexenprozesse am südlichen Untermain, Miltenberg 1989, S. 340; Manfred Tschaikner,“ Der Teufel und die Hexen müssen aus dem Land…“. Frühneuzeitliche Hexenverfolgungen in Liechtenstein, Liechtenstein 1998. S. 106. Daten zu Sozialstruktur der Angeklagten errechnet nach: Robert Walinski-Kiehl, Prosecuting witches in early modern Germany, with the special reference to the Bishopric of Bamberg, 1595-1680, unpublished PD thesis, Portsmouth 1981, S. 106-110. Eva Labouvie, Zauberei und Hexenwerk. Ländlicher Hexenglaube in der frühen Neuzeit, Frankfurt/M.. 1991, S. 177 und Moeller 2007, (wie Anm. 10), S. 60 heben die Mittelschicht als mehrheitliche soziale Verortung der Hexenmänner hervor.

  • [20]

    Walinski-Kiehl 1981, (wie Anm. 17), S. 108.

  • [21]

    Zu zivilem Status und Alter: Briggs 2007, (wie Anm. 10), S. 366-368; Johannes Dillinger, "Böse Leute". Hexenverfolgungen in Schwäbisch-Österreich und Kurtrier im Vergleich, Trier 1999; S. 103; Gebhard 1989 (wie Anm. 10 ), S. 241-242; Schulte 2000, (wie Anm. 10), S. 252-254; Labouvie 1991, (wie Anm. 17), S. 172-174, Valentinitsch 1987, (wie Anm. 13), S. 312-313.

  • [22]

    Merry Wiesner-Hanks, Women and gender in Europe, Cambridge 1995, S. 218-238; Ann Barstow, Witchcraze. A new History of the European Witch-Hunts, San Francisco 1995, S. 24; Geoffrey R. Quaife, Godly zeal and Furious Rage: The Witch in Early Modern Europe, New York 1987, S. 79-96, Moeller 2007 (wie Anm. 10), S. 213-218.

  • [23]

    Schulte 2009, (wie Anm. 6), S. 222-229; Heuser 2002, (wie Anm. 8), S. 148.

  • [24]

    H.C. Eric Midelfort, Witch hunting in Southwestern Germany 1562-1684: The social and intellectual Foundations, Stanford 1972, S. 179.

  • [25]

    Wie zum Beispiel für Teile Südwestdeutschlands: Wolfgang Mährle, Fürstprobstei Ellwangen in: Johannes Dillinger u. a., Zum Feuer verdammt. Die Hexenverfolgungen in der Grafschaft Hohenberg, der Reichstadt Reutlingen und der Fürstpropstei Ellwangen, Stuttgart 1998, S. 401-442. Kurfürstentum Mainz: Gebhard 1989, (wie Anm. 10), S. 238; Pohl 1988, ( wie Anm. 13), S.212-214. Kurköln: Heuser 2002, (wie Anm. 8), S.147; Schlesien: Karen Lambrecht, Hexenverfolgung und Zaubereiprozessen den schlesischen Territorien, Köln 1995, S. 165.

  • [26]

    Datengrundlage: Moeller 2007, (wie Anm. 10), S. 227-228.

  • [27]

    Beispiele: Freigrafschaft Burgund sowie Büdingen siehe Schulte, 2000, (wie Anm. 10), S. 96-97, 99, Schulte 2009, (wie Anm. 6), S. 83- 86. Datengrundlagen: Brigitte Rochelandet, La répression de la sorcellerie aux XVIe et XVIIe siècles, thèse de doctorat, 2 vols, Besançon 1992, Annexe; Walter Nieß, Hexenprozesse in der Grafschaft Büdingen, Büdingen 1982, S. 44-45, 126-128, 142, 169-170, 177-178, 183, 233-234, 265, 271, 277, 301.

  • [28]

    Schulte, 2009, (wie Anm. 6), S. 216-217; Moeller 2007 (wie Anm. 10), S. 60; Mario Zeck, Reichsstadt Rottweil, in: Lorenz / Schmidt 2004, (wie Anm. 13), S.429. Das Territorium von Rottweil umfasste die Stadt Rottweil und 27 Dörfer; Mährle, in Lorenz/ Schmidt 2004 (wie Anm. 13); S. 383; Schleichert in: Lorenz / Schmidt 2004, (wie Anm. 13), S. 259; Rita Voltmer, Jagd auf „böse Leute”. Hexenverfolgungen in der Region um den Laacher See (16. bis 17. Jahrhundert), in: Plaidter Blätter. Jahrbuch des Plaidter Geschichtsvereins 1, 2003, S. 11-24, [http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/936/]; Schulte 2000, (wie Anm. 10), S. 231-233; Schleichert, in: Lorenz 1994, (wie Anm. 13), S. 224, Schraut, in: Lorenz 1994 ( wie Anm. 13), S. 279, Thomas Fritz, Reichstadt Reutlingen in Lorenz 1994, (wie Anm. 13), S. 372; Zeck, in: Lorenz 1994, (wie Anm. 13), S. 381, 382; Rainer Decker, Die Hexenverfolgung im Hochstift Paderborn, in: Westfälische Zeitschrift 128, 1978, S. 324- 325; William Monter, Witchcraft in France and Switzerland. The Borderlands during the Reformation, Ithaca / London 1976, S. 135; Emile Brouette, La sorcellerie dans le comté de Namur au début de l’époque moderne (1509-1546), in: Annales de la société archéologique de Namur 42/1953-54, S. 364-367.

  • [29]

    Die Trennung von Hexen- zu Zaubereiprozessen bleibt beispielsweise in Tirol und Sachsen unscharf, siehe Hansjörg Rabanser, Hexenwahn. Schicksale und Hintergrund. Die Tiroler Hexenprozesse, Innsbruck 2006, S.96,184,194; Manfred Wilde, Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln 2003, S. 164-166, 457-658 (Übersicht über die Prozesse).

  • [30]

    Schulte 2000, (wie Anm. 10), S. 191-192; S. 223-225, Moeller 2007 (wie Anm. 10), S. 228-229.

  • [31]

    Johannes Dillinger, „Das Ewige Leben und fünfzehntausend Gulden“. Schätzgräberei in Württemberg, in: Ders. (Hg.), Zauberer-Selbstmörder-Schatzsucher, Trier 2003, S. 254-255.

  • [32]

    Schulte 2009, (wie Anm. 6), S. 206, 214-215, 222-225, Briggs 2007, (wie Anm.10), S. 335-358, 365; Dillinger1999, (wie Anm. 19), S. 120.

  • [33]

    Wolfgang Behringer, Witches and Witch-hunts. A Global History, Cambridge 2004, S. 110-112; Sehr detaillierte Studie: Walter Rummel, Bauern, Herren und Hexen. Studien zur Sozialgeschichte sponheimischer und kurtrierischer Hexenprozesse (1574-1664), Göttingen 1991.

  • [34]

    Gehm 2000, (wie Anm. 17), S. 149-161.

  • [35]

    Hans-Jürgen Stebel, Die Osnabrücker Hexenprozesse, Osnabrück 1969, S. 23-55.

  • [36]

    Zuletzt umfassend: Kathrin Utz Tremp, Von der Häresie zur Hexerei. „Wirkliche“ und imaginäre Sekten im Spätmittelalter, Hannover 2008 (MGH Schriften), S. 5-47, 383-440.

  • [37]

    Schulte 2009, (wie Anm. 6), S. 223, 229-231.

  • [38]

    Auch wenn die Hexenverfolgung in diesen Territorien noch nicht ausgiebig erforscht ist, zeichnen sich zum gendering bereits eindeutige Tendenzen ab: Pommern: Katrin Moeller: „Es ist ein überaus gerechtes Gesetz, dass die Zauberinnen getötet werden“. Hexenverfolgung im protestantischen Norddeutschland, 99-100, in: Rosemarie Beier-de-Haan/ Rita Voltmer / Franz Irsigler (Hg.), Hexenwahn Ängste der Neuzeit, Berlin 2002, S. 99-100. Brandenburg: Gerhard Schormann, Der Krieg gegen die Hexen. Das Ausrottungsprogramm des Kurfürsten von Köln, Göttingen 1991, S. 142.

  • [39]

    Binsfeld bezieht sich ausdrücklich auf das kanonische Decretalium liber sextus von 1299, in dem es die Einteilung von ketzerischen und magischen Elementen geht, nämlich nach dem „haeresim sapere“, d. h. nach „Häresie schmecken“. Petrus Binsfeld, Tractatus de confessionibus Maleficorum et Sagarum, Trier 1596, S. 292: „Malefici aut sind haeretici aut eorum facta sapiunt haeresiae.“ Petrus Binsfeld, Tractat von Bekanntnuß der Zauberer und Hexen, Trier 1590, S. 76: Hexen und Hexenmeister sind Ketzer, oder ihre Taten sind schmecken nach Ketzerei“ Martín Del Rio, Disquisitionum magicarum libri sex quibus continentur accurata curiosarum artium, et vanarum superstitionum confutatio, Louvain 1608 Übersetzung von Peter Maxwell-Stuart, M. Del Rio, Investigations into magic, Manchester 2000, Kapitel 5.5. S. 210: „…witches are always suspect of heresy an rarely is this suspicion wrong, for the things they do smack of manifest heresy.“ Zur gesamten Diskussion siehe: Joseph Hansen, Zauberwahn. Inquisition und Hexenprozeß im Mittelalter und die Entstehung der großen Hexenverfolgung, München / Leipzig 1900; S. 270-279.

  • [40]

    Die Diskussion des Schamanismus-Begriffs hat sich in der letzten Zeit intensiviert: siehe: Ronald Hutton, Shamans. Siberian Spirituality and the Western Inspiration, London 2001/2007, bes. S. VII-VIII, 43-110. Roberte N. Hamayon, Are ‚Trance’, ‚Ecstasy’ and Similar Concepts Appropriate in the Study of Shamanism, Shaman: An International Journal for Shamanistic Research 2, 1993, bes. S. 7; Klaus E. Müller, Schamanismus. Heiler, Geister, Rituale, München 1997, S. 19-21, 40-45, 80-82, 88-91; Joan Halifax, Shamanistic voices, New York 1979, S. 22-24; Mircea Eliade, Schamanismus und archaische Ekstasetechnik, Zürich 1956, bes. S. 180-208.

  • [41]

    Wolfgang Behringer, Chonrad Stoeckhlin und die Nachtschar. Eine Geschichte aus der frühen Neuzeit, München/Zürich 1994 (engl. translation: The Shaman of Oberstdorf. Chonrad Stoeckhlin and the Phantoms of the Night, Charlotteville 1998).

  • [42]

    Nieß 1982, (wie Anm. 25), S. 153-182; Manfred Tschaikner, Magie und Hexerei im südlichen Vorarlberg zu Beginn der Neuzeit, Konstanz 1997, S, 42-43, 102-103,182-183; Rita Voltmer, Der Fall des Echternacher Scharfrichters und Wasenmeisters Caspar Back (1679): Henker, Heiler, Hexenbanner – Hexenmeister?, in: Porträt einer europäischen Kernregion: der Rhein-Maas-Raum in historischen Bildern, Trier 2005, S.156-177; Elisabeth Schraut, Fürstentum Hohenlohe, in: Lorenz 1994, (wie Anm. 13), S. 279.

  • [43]

    Schulte 2000, (wie Anm. 10), S. 29-30; Hartmann Ammann, Die Hexenprozesse im Fürstenthum Brixen, in Forschungen zur Geschichte Tirols und Vorarlbergs 34, 1890, S. 145-166.

  • [44]

    Ausführlichere Diskussion in Schulte 2009, ( wie Anm. 6), S. 253-256. Siehe auch die kritischen Bemerkungen von Gustav Henningsen, The white sabbat and Other Archaic Patterns of Witchcraft, in Acta Ethnographica Hungarica 37, 1991-92, S. 302

  • [45]

    Rune Hagen, „Traces of Shamanism in the Witch Trials of Norway, in Hans de Waardt, Jürgen M. Schmidt, H.C.Eric Midelfort (Hg.), Dämonische Besessenheit: Zur Interpretation eines kulturhistorischen Phänomens, Bielefeld 2005, S. 307-325; Kristina Tegler, Till Blåkulla med kropp och själ. Schamanistika föreställningar i svenska trolldomsprocesser, in Linda Oja (Hg.), Vägen til Blåkulla, Uppsala 1997, bes.. S. 48-58. Eva Pócs, Between the Living and the Dead: A Perspective on Witches an Seers in the Early Modern Age, Budapest 1999, S. 47, 125-134.

  • [46]

    Gabor Klaniscay, Hungary: The Accusations and the Universe of Popular Magic, in: Bengt Ankarloo / Gustav Henningsen (Hg.), Early Modern Witchcraft. Centres and Peripheries, Oxford 1990, S. 249.

  • [47]

    Behringer glaubt bei waldensischen Predigern schamanistische Praktiken auszumachen und versucht über diese Tradition Verfolgungen von Männer als Hexen in den Alpen zu erklären. Doch dieser Erklärungsansatz bleibt schon quantitativ begrenzt, da es nur einige wenige Schamamen gegeben haben kann, siehe: Wolfgang Behringer, How Waldensians Became Witches: Heretics and Their Journey to the other World, in: Eva Pócs / Gabor Klaniczay (Hg.), Communicating with the spirits, Budapest 2005, S.180.

  • [48]

    Die Aufzählung sämtlicher Literaturangaben würde hier sehr viel Raum einnehmen. Sie sind zu finden bei Schulte 2009, (wie Anm. 6), S. 268-275. Doppelzählungen ergeben sich partiell in der Tabelle zu Sachsen /Thüringen und Ratzeburg / Mecklenburg, da sich die Forschungsräume überschnitten hatten.

  • [49]

    Petrus Binsfeld, Tractat von Bekanntnuß der Zauberer und Hexen, München 1590, S. 52.

Empfohlene Zitierweise

Schulte, Rolf: Männer in Hexenprozessen - ein Überblick aus mitteleuropäischer Perspektive. In: @KIH-eSkript. Interdisziplinäre Hexenforschung online 1, 2009, Sp. 1-22, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/b7zlu/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 06.08.2009

Zuletzt geändert: 14.08.2009


Lesezeichen / Weitersagen

FacebookTwitterGoogle+XingLinkedInDeliciousDiggPinterestE-Mail