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Regner Badenhausen

 

(*Kassel 30.9.1610 – †Kassel 7.9.1686)

1644 Regierungsrat, 1656 geheimer Rat, 1685 Kanzler.

Unterzeichnete für Hessen-Kassel die Rheinbundverträge vom 14. und 15. August 1658.

 

Regner Badenhausen stammt aus einer protestantischen Kasseler Familie, deren Mitglieder häufiger öffentliche Ämter bekleideten. Er war der Sohn des Juristen Philipp Badenhausen und dessen Frau Elisabeth, Tochter des aus Leeuwarden in den Niederlanden stammenden Regnerus Sixtinus. In Kassel aufgewachsen, studierte Regner Badenhausen zwischen 1625 und 1627 an der Marburger Universität und wechselte im Anschluss nach Kassel, um seine Studien abzuschließen. 1631 begleitete er seinen Onkel Nikolaus Sixtinus auf einer Delegation nach Den Haag. Bis zu seiner Rückkehr nach Kassel 1633 blieb er dann in den Niederlanden und war dort an der Universität von Groningen immatrikuliert. 1638 begab er sich auf eine längere Reise (Kavalierstour?) mit Aufenthalten in Paris und in der protestantischen Stadt Saumur, von der er 1639 zurückkehrte. Weitere größere Reisen unter anderem nach Frankreich und Wien folgten.

Seit dem Jahre 1643 stand Badenhausen im Dienst der Landgräfin Amalie Elisabeth von Hessen-Kassel, die für ihren minderjährigen Sohn Wilhelm VI. die Regentschaft ausübte und die dem Juristen verschiedene diplomatische Missionen übertrug. Ebenfalls im Jahre 1643 wurde er nach Frankfurt zur Reichsdeputiertenversammlung entsandt und im Jahr darauf zum Regierungsrat ernannt. Gemeinsam mit dem Hofmeister Jakob von Hoff wurde er im Februar 1646 nach Schweden delegiert, wo er als Resident bis 1650 blieb. Im gleichen Jahr starb seine erste Frau, Tochter des Kasseler Rats Hermann Wolff, und er ging mit Elisabeth, Tochter des Advokaten Reinhard Klein, eine neue Ehe ein, aus der zwei Töchter hervorgingen. 1652 folgte Badenhausens Entsendung auf den Regensburger Reichstag, und seit 1655 war er für elf Jahre der offizielle Vertreter Hessen-Kassels auf der Reichsdeputation in Frankfurt.

Bereits seit August 1655 arbeitete die Mainzer Seite auf einen möglichen Zusammenschluss zwischen der Kölner und der Hildesheimer Allianz hin. Der Landgraf von Hessen-Kassel, der großes Interesse an einem starken Bündnis hatte, beauftragte Badenhausen nähere Erkundigungen über eine rheinische Liga einzuholen. Verschiedene Varianten standen in der Folgezeit zur Diskussion, an welcher Badenhausen neben Johann Caspar von Dörnberg (1616-1680) und Sebastianus Friedrich Zobell maßgeblich beteiligt war.

Parallel zu den Vorbereitungen zur Kaiserwahl wurden die Bemühungen um ein solches Bündnis intensiviert, das knapp einen Monat später am 14.8.1658 zustande kam. Tags darauf vollzogen sieben der zehn aufgelisteten Vertragspartner in der Frankfurter Wohnung von Polycarp Heiland den Vertrag. Die Kasseler Unterhändler Badenhausen und Zobell gehörten allerdings zu denjenigen, die Ihre Unterschrift verweigerten, weil sie angeblich noch auf die Ermächtigung ihres Dienstherrn warteten. Als sich am nächsten Tag die Unterhändler nach Mainz begaben, den französischen Beitrittsvertrag zu unterzeichnen, offenbarten die hessischen Delegierten den Grund für ihr Verhalten am Vortag: Hessen-Kassel verlangte für den Vollzug des Vertrages, dass Frankreich die noch ausstehenden Subsidienzahlungen aus früheren Bündnissen zuzüglich der daraus erwachsenen Zinsen beglich. Alles in allem handelte es sich um die stattliche Summe von 1.169.434 Livres (lt. Joachim, S. 494 ca. 400.000 Reichstaler). Infolge dieser Forderung kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen den Kontrahenten, der erst am 21. August nach der Anerkennung der Schulden durch Gramont und Lionne beigelegt werden konnte. In der Zeit vom 21. bis 25. August unterzeichneten die Unterhändler Hessen-Kassels im Nachhinein die verschiedenen Ausfertigungen in Mainz, Wiesbaden (?) und Frankfurt.

Regner Badenhausen war es auch, der für Hessen-Kassel die Verlängerungen des Rheinbundes von 1660 und 1663 unterzeichnete und der auch in der Folgezeit mit zahlreichen diplomatischen Aufträgen betraut wurde. So tragen beispielsweise die in Braunschweig geschlossenen Defensivallianzen vom 22.8.1667 und 22.9.1672 seine Unterschrift. Noch als Fünfundsiebzigjährigem wurde ihm das Kanzleramt anvertraut bevor er am 7. September 1686 starb.

Verfasser: Peter Seelmann 

 

Literatur:

Leti, Gregorio: Ab rege de l’histoire de la Maison Serenissime et Electorale De Brandenbourg …, Amstetdam 1687, S. 511.

Strieder, Friedrich Wilhelm: Grundlage zu einer hessischen Gelehrten- und Schriftstellergeschichte: seit der Reformation bis auf gegenwärtige Zeiten, Bd. 5, Kassel 1785, S.6-7 u. Bd. 13 Kassel 1802, S. 344-345.

Faulhaber, Bernhard: "Die Geschichte des Postwesens in Frankfurt am Main: nach archivalischen Quellen, Frankfurt 1883 [Reprint Leipzig 1973].

Joachim, Erich: Die Entwickelung des Rheinbundes vom Jahre 1658. Acht Jahre reichsständischer Politik. 1651-1658, Leipzig 1886.

Philippi, Hans: Landgraf Karl von Hessen-Kassel: ein deutscher Fürst der Barockzeit (=Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 34), Marburg 1976.

Sippel, Wilhelm / Kollmann, Karl, Daten zur Nordhessischen Führunsschicht Abel bis Bernhardt (= Forschungsberichte der Stiftung Sippel, Veröffentlichungen aus der Geschichte des althessischen „Landschaft an der Werra“ Bd. 16), Göttingen 1986, S. 98.

Wannagat, Georg (Hg.), Kassel als Stadt der Juristen (Juristinnen) und der Gerichte in ihrer tausenjährigen Geschichte, Köln, Berlin 1990.

Philippi, Hans: Die Landgrafschaft Hessen-Kassel 1648-1806 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen; Bd. 46,8), Marburg 2007.

Deutsches Biographisches Archiv (DBA) Bd. 1, 1423, 152-153.

 

Empfohlene Zitierweise

Peter Seelmann: Regner Badenhausen. Aus: Der Erste Rheinbund (1658), in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/b7z7r/

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Erstellt: 06.08.2008

Zuletzt geändert: 14.08.2008


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