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Bocer, Heinrich

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1. Februar 2008

* 6. Januar 1561, aus Salzkotten (Fürstentum Paderborn), † 1630

Kurzbiografie

Professor in Tübingen. Wurde am 6. Januar 1561 in Salzkotten (Fürstentum Paderborn) geboren. Bocer studierte seit 1577 die Rechtswissenschaft unter Bigelius in Marburg, unter Borcholt in Helmstädt, aber auch in Heidelberg und Straßburg, promovierte jedoch 1585 (1586) in Tübingen und schloss direkt seine Dozententätigkeit an der Tübinger Universität an. Diese behielt er bis zu seinem Tode inne. 1595 wurde er Professor des Lehns- und Kriminalrechts und war seit 1587 Beisitzer des württembergischen Hofgerichts, widmete sich aber ab 1595 völlig der akademischen Laufbahn, da er eine ordentlich Professur erhielt. Eine Ernennung zum Vizekanzler der württembergischen Regierung ernannt zu werden, schlug er 1604 aus. Vier Jahre später wurde Bocer schließlich zum württembergischen Rat ernannt.

Neben Johann Harpprecht war Bocer eines der angesehensten Mitglieder der Tübinger Rechtsfakultät zu Beginn des 17. Jahrhunderts und galt als einer der besten juristischen Autoren seiner Zeit. Seine Schriften, neben einigen größeren Traktaten, überwiegend kürzere, oft nur thesenartig formulierte Disputationen, beschäftigen sich hauptsächlich mit dem Kriminal- und Lehnrecht sowie dem römischen Recht. Bocer ging auf viele Kriminaldelikte speziell ein und wurde sehr häufig in der Gutachterpraxis zitiert. Gleichzeitig entstanden unter seiner Federführung zahlreiche Dissertationen, wie etwa zur Nützlichkeit der Verteidigung.

Insgesamt wurde Bocer vorgeworfen, in seinen Disputationen eine zu große Nähe zum langobardischen Recht zu zeigen. Vor allem mit seinen Abhandlungen über das römische Recht versuchte Bocer aber, die humanistische Jurisprudenz des 16. Jahrhunderts zu bewahren.

Ausgaben vor 1800

Johann Georg Besold (Respondent), Disputatio XXIII. De Nullitate Sententiae, Appellatione, & rei iudicatae executione, Tübingen (Gruppenbachius) 1602

De Quaestionibus, Et Torturis Reorum, perpetuis quaestionibus arduis, usu frequentioribus, accurate expeditis, magno studio descriptus, & continue digestus, Tübingen (Typis & Impensis Cellianis) 1607, weitere Ausgaben: Tübingen (Cellius) 1612, Tübingen (Geyßlerus) 1630; Frankfurt/Main (Zetznerus) 1631. [Schlüsselseiten im VD17].

De Crimine Maiestatis, Tum Illustris Quaestionis de fructibus rei alienae, quam quis bona, vel mala fide possidet, Explicatio brevis, & dilucida, Tübingen (Typis & Impensis Cellianis) 1608, [Schlüsselseiten im VD17] Tübingen (Geysslerus) 1629 [Schlüsselseiten im VD17], Frankfurt/Main (Zetznerus) 1631 [Schlüsselseiten im VD17].

Ludwig Kalhardt (Respondent), Disputatio XXVI. De Extraordinario iudicio, Tübingen (Gruppenbachius) 1602 [Schlüsselseiten im VD17].

Johann Jakob Plebst (Respondent), Disputatio X.|| DE CRIMINE MAIESTATIS DIVINAE,|| quod sacrilegium iura appellant, Tübingen (Gruppenbach)1598/1599.

Johann Michael Sattler (Respondent), Disputatio Iuridica, De Crimine Laesae Maiestatis Humanae, Tübingen (Gruppenbach) 1607 [Schlüsselseiten im VD17].

Johann Georg Sigwart (Respondent), Exercitatio Iuridica, Continens Quaestiones de Crimine Maiestatis humanae difficiliores, Tübingen 1598/1599; Tübingen (Cellius) 1607 [Schlüsselseiten im VD17].

Georg Thumas (Respondent), Disputatio XI.|| DE CRIMINE MAIESTATIS || HVMANAE, Tübingen (Gruppenbach) 1598/99.

Literatur

Johann Gottlob Wilhelm Dunkel, Historisch-kritische Nachrichten von verstorbenen Gelehrten und deren Schriften, 3. Bde., Köthen 1753-1760.

Historische Commission bei der Königlichen Akademie der Wissenschaften (Hg.), Allgemeine Deutsche Biographie, 56 Bde., München 1912.

Christian Gottlieb Jöcher, Allgemeines Gelehrten-Lexicon, Bd. 1, 1750.

Johann Friedrich Jugler, Beyträge zur juristischen Biographie. Genauere literarische und critische Nachrichten von dem Leben und den Schriften verstorbener Rechtsgelehrten auch Staatsmänner, welche sich in Europa berühmt gemacht haben, 6 Bde., Leipzig 1773-1780.

Johann Heinrich Stepf, Gallerie aller juridischen Autoren von der ältesten bis auf die jetzige Zeit, 4. Bde., Leipzig 1820-1825.

Carl Eberhard Wächter, Würtemb. Privatr. Bd. I, S.333, 337, 344, 356.

Constant von Wurzbach (Hg.), Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich: enthaltend die Lebensskizzen der denkwürdigen Personen, welche 1750 bis 1850 im Kaiserstaate und in seinen Kronländern gelebt haben, 60 Bde., Wien 1856-1891.

Empfohlene Zitierweise

Gawron, Thomas: Bocer, Heinrich. In: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller und Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/b7znz/

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Erstellt: 22.04.2008

Zuletzt geändert: 22.04.2008


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