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Bauer, Max

(von Robert Zagolla)

 

(+ 18.07.1932; Journalist und Schriftsteller; Bearbeiter und Herausgeber der „Geschichte der Hexenprozesse“ von Wilhelm Gottlieb Soldan und Heinrich Heppe)

Max Bauer war Journalist und (Jugend-)Schriftsteller. Er veröffentlichte auch unter den Pseudonymen M. Dammann und M. B. von Teplitz. Über seine Ausbildung ist nichts bekannt. Zählen seine Werke „Um 20 Millionen Dollar“ (1899) und „Auf unwegsamen Pfaden“ (1900) eigentlich zur Jugendliteratur, gilt dies für seine übrigen Veröffentlichungen offenbar weniger. “Gekrönte Vestalinnen“ (1902), „Geschlechtsleben in der deutschen Vergangenheit“ (1902; 10. Auflage 1929), „Der deutsche Durst“ (1903), „Die deutsche Frau in der Vergangenheit“ (1907), „Die Dirne und ihr Anhang“ (1912), „Liebesleben in deutscher Vergangenheit“ (1923), „Die Dirne“ (1924), „Sittengeschichte des deutschen Studententums“ (1926), „Weib und Sittlichkeit“ (1927) folgten seinen beiden Erstlingswerken.

Wichtig für die Hexenforschung wurde sein Engagement als Herausgeber: Unter anderem gab er im Jahr 1911 eine überarbeitete Ausgabe von Wilhelm Gottlieb Soldans und Heinrich Heppes „Geschichte der Hexenprozesse“ heraus, der er nach eigenen Angaben „eine zeitgemäße Gestalt“ geben wollte. Er integrierte die Forschungsergebnisse von Joseph Hansen, Sigmund Riezler, Janssen-Pastor und Nikolaus Paulus, milderte die antikatholischen Tendenzen Soldans und ergänzte Angaben zu norddeutschen Hexenprozessen und zum Hexenglauben des frühen 20. Jahrhunderts. „Ferner“ - so Bauer in seiner Vorrede - „schien es geboten, den Stil zu glätten, Wiederholungen auszumerzen, den Ballast der Fußnoten zu verringern und sehr weitschweifige Fehden Heppes mit längst vergessenen Gegnern zu streichen.“ Dass Bauers Ergänzungen dem wissenschaftlichen Standard seiner Zeit entsprachen, kann bezweifelt werden. Das von ihm überarbeitete und 1926 neu herausgegebene Werk von Franz Helbing [Pseudonym für David Haek] „Die Tortur. Geschichte der Folter im Kriminalverfahren aller Zeiten und Völker“ (Originalausgabe Berlin 1910) enthält jedenfalls eindeutig falsche Ergänzungen, die von der Tendenz zur reißerischen Sexualisierung des Themas zeugen.

Die Seriosität Bauers wird auch durch die Titel weiterer von ihm herausgegebener Werke in Frage gestellt: „Die Briefe der Lady Wortley Montague“ (1907), Gerstäckers „Reise um die Erde“ (1910), Flögels „Geschichte des Grotesk-Komischen“ (1913), „1000 Bauernwitze“ (1918), Avé-Lallements „Geschichte des Gaunertums (1920), Friedrichs „Der deutsche Casanova“ (1925), Scherrs „Kulturgeschichte der deutschen Frau“ (1928) und zu guter Letzt ein Werk mit dem Titel „Titanen der Erotik“ (ohne Jahr). Bauer kam es bei seiner Form der ‚Kulturgeschichtsschreibung’ weniger auf historische Faktizität als vielmehr auf Anbiederung an den Publikumsgeschmack an. Ein kritischer Vergleich von Bauers Version der „Geschichte der Hexenprozesse“ mit der Originalfassung Soldans (1843) und der von Heppe besorgten zweiten Ausgabe (1879) steht noch aus.

Literatur

Kürschners Deutscher Literatur=Kalender, hg. von Gerhard Lüdtke, 46. Jahrgang, Berlin-Leipzig 1932, S. 62; 47. Jahrgang, Berlin-Leipzig 1934, S. 1006.

Helbing, Franz: Die Tortur. Geschichte der Folter im Kriminalverfahren aller Zeiten und Völker, völlig neu bearbeitet und ergänzt von Max Bauer, Berlin 1926.

Soldan, Wilhelm Gottlieb / Heppe, Heinrich: Geschichte der Hexenprozesse, neu bearbeitet und herausgegeben von Max Bauer, München 1911.

 

Empfohlene Zitierweise

Zagolla, Robert: Bauer, Max. Aus: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller u. Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/b7zng/

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Erstellt: 27.06.2006

Zuletzt geändert: 27.06.2006


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