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Zeitung

 

Zusammenfassung: Die ersten (handschriftlichen) Zeitungen, sog. Avisi oder Neue Zeitungen, entstanden im 16. Jahrhundert. In gedruckter Form erschien dieses Medium seit Anfang des 17. Jahrhunderts, so dass sich nun allmählich die Kriterien der modernen Presse (Aktualität, Universalität, Publizität, Periodizität) herausbildeten. Während die Zeitung zunächst ein rein informierendes Medium war, wurde sie im 18. Jahrhundert zu einem politisch meinungsbildenden Instrument. [1]

Der moderne Begriff "Zeitung" steht für ein ungebundenes Druckwerk von mäßigem Seitenumfang, das sich durch Aktualität, Universalität, Publizität und Periodizität auszeichnet. Diese Charakteristika waren jedoch den Vor- und Frühformen dieses Mediums nicht oder nur in eingeschränktem Maße zu eigen, sie bildeten sich erst im Lauf der Frühen Neuzeit heraus.

Die ersten Zeitungen, die sogenannten avisi oder Neue Zeitungen, entstanden im 16. Jahrhundert. Berufsmäßige Zeitungsschreiber (sog. Novellanten) sammelten die bei den Postmeistern in den Handelszentren Rom, Venedig oder Antwerpen eintreffenden Informationen und verfassten Meldungen, die in Form von Nachrichtenbriefen den Poststundenzetteln als Begleitschreiben angehängt wurden. Diese Briefe wurden anschließend handschriftlich kopiert, so dass ein Zeitungsschreiber wöchentlich fünfzehn bis zwanzig Zeitungsexemplare gegen Bezahlung weitergeben konnte. Der Bezug war aufgrund der geringen Anzahl sehr teuer und somit nur einem exklusiven Abnehmerkreis wie dem Kaiser, den Herzögen von Urbino, Sachsen, Bayern, aber auch oberdeutschen Kaufleuten wie z. B. den Fuggern, Gelehrten und Magistraten möglich.


Abb. 1-7







Eine allgemeine Publizität dieses Mediums, das heißt eine Auflage von mehreren hundert Stück und ein wesentlich geringerer Preis pro Zeitung, konnte erst durch den Druck erreicht werden. Im Jahre 1605 erschien in der Buchdruckerei des Johann Carolus in Straßburg die erste gedruckte Wochenzeitung. [2] Es folgten weitere Zeitungsdrucker in den wichtigsten Kommunikations- und Handelszentren Amsterdam, Frankfurt (1615), Hamburg (1618), Danzig (1619) und Köln (1620). Im wöchentlichen Postrhythmus wurden die Nachrichtenbriefe (in der Reihenfolge ihres Eintreffens) ohne jegliche Kommentierung und redaktionelle Bearbeitung zusammengesetzt und gedruckt. Den einzelnen Nachrichtenblöcken wurden lediglich der Korrespondenzort und das -datum vorangestellt, Titel sowie Angaben zu Autoren und Druckern fehlten. Es entstand eine seriöse Berichterstattung mit politischen, diplomatischen und militärischen Lageberichten der gesamten bekannten Welt. Die lokale und regionale Berichterstattung wurde dagegen weitgehend ausgespart.

Das Gros der Leser stammte in dieser Zeit aus der wohlhabenden stadtbürgerlichen Schicht, die sich häufig in Lesegesellschaften traf. Man bezog gemeinschaftlich Zeitungen und diskutierte über deren Inhalt. Aber auch Personen niedrigeren Standes hatten nun die Möglichkeit der Zeitungslektüre. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts betrug der Preis für ein Jahresabonnement einer wöchentlichen Zeitung durchschnittlich zwei Gulden. Dies war etwa der Betrag, den ein besserverdienender Handwerksgeselle in der Woche bekam.

Begünstigt durch den Dreißigjährigen Krieg, der das Bedürfnis nach aktuellen politischen Informationen stark erhöhte, entstand in den nächsten Jahrzehnten ein dichtes Zeitungsnetz - zwischen 1605 und 1700 können etwa 200 Zeitungsunternehmen in rund achtzig Druckorten im Reich nachgewiesen werden. Zudem erschienen immer mehr Zeitungen zwei- oder dreimal pro Woche an festgelegten Tagen. Zu einem der bedeutendsten Blätter entwickelte sich der "Hamburgische Unpartheyische Correspondent", der seit 1731 viermal in der Woche in Hamburg erschien. Die Bedeutung dieser Zeitung ist vor allem auf die geschickte Verbindung von zuverlässigen Nachrichten mit ausgiebigen Inseraten zurückzuführen. Im Mittelpunkt standen politische, nicht gelehrte Nachrichten, denn das vorrangige Ziel war es, über das Neueste aus aller Welt zu berichten. Die erste Tageszeitung erschien bereits 1650 in Leipzig.


Abb. 8

Während die Zeitungen des 16. und 17. Jahrhunderts lediglich politisch informierende Funktion hatten, wurden sie im 18. Jahrhundert allmählich auch zu einem politisch meinungsbildenden Instrument. In zahlreichen Zeitungen entstanden "gelehrte" Artikel, welche die politischen Meldungen kommentierten und somit zu einer Politisierung des Mediums führten.

Im 18. Jahrhundert entstand zusätzlich zum Zeitungswesen eine hochdifferenzierte und vielfältige Zeitschriftenlandschaft, in der die Meinungsbildung sowie die gelehrte Kommentierung der unterschiedlichsten politischen, wissenschaftlichen, gesellschaftlichen oder theologischen Meldungen und Fragen vollends den Vorrang vor der Informationsvermittlung gewann. Auch literarische Formen wie die Fabel, die Erzählung, das Lied oder der Dialog fanden ihren Niederschlag. Seit den 1760er Jahren spielten vor allem sittlich-moralische Probleme eine große Rolle: Neben theologischen Debatten beschäftigte man sich besonders mit Fragen des gesellschaftlichen Fortschritts. Bedingt durch diese Themen wird nun mehr und mehr auch der "gemeine Mann", der "ungelehrte Leser" angesprochen bzw. belehrt.

Die Zeitungen und Zeitschriften des 18. Jahrhunderts übernehmen somit neben der Aufgabe der Übermittlung von Informationen nun auch unterhaltende und belehrende Funktionen.

[Christina Seidl] 

 

Literatur

Beyer, Klaus / Dallmeier, Martin (Hg.): Als die Post noch Zeitung machte. Eine Pressegeschichte. Eine Publikation des Deutschen Postmuseums, Frankfurt am Main / Gießen 1994

Böning, Holger: Das Intelligenzblatt. Dokumentation zu einer literarisch-publizistischen Gattung der deutschen Aufklärung, Bremen 1991

Morineau, M.: Die holländischen Zeitungen des 17. und 18. Jahrhunderts, in: M. North (Hrsg.), Kommunikationsrevolutionen. Die neuen Medien des 16. und 19. Jahrhunderts, Köln / Weimar / Wien 1995, S. 33-43

North, Michael: Medien und Kommunikation in der Frühen Neuzeit, in: R. S. Elkar / C. Neutsch / K. J. Roth / J. H. Schawacht (Hg.), Vom rechten Maß der Dinge (Festschrift Witthöft), St. Katharinen 1996, S. 679-689

Weber, Johannes: Straßburg 1605: Die Geburt der Zeitung, S. 1-33, URL: http://www.uni-leipzig.de/~hsk/pgs/jahrbuch/2005/Weber_Strassburg1605.pdf [05.06.2007].

Anmerkungen

Empfohlene Zitierweise

Seidl, Christina: Zeitung. Aus: Medien und Kommunikation, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/6pzh7/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 13.03.2006

Zuletzt geändert: 06.06.2007


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