Themen

Kupferstich

 

Verfahren

Der Kupferstich gehört zu den ältesten graphischen Tiefdruckverfahren, bei dem der Entwurf eines Bildes auf eine polierte Kupfer- oder Messingplatte seitenverkehrt übertragen wird. Mit Hilfe eines Grabstichels werden entlang der Zeichnung Furchen ausgehoben, deren beidseitige Grate mit einem Schabeisen entfernt werden. Anschließend wird die Platte eingefärbt, leicht erwärmt und erneut poliert. Das Bild wird dann auf Papier, Seide oder Pergament gedruckt, indem man die Platte stark presst, damit sich die Farbe aus den Rillen auf dem Blatt verteilen kann. Unter Verwendung mehrerer Platten sind auch Farbdrucke möglich. Von einer Platte lassen sich etwa 1000 Abzüge machen.

Entwicklung

Eines der wichtigsten und präzisesten Vervielfältigungsmittel der Frühen Neuzeit ist der Kupferstich, dessen erstes Exemplar auf 1445 datiert wird. Goldschmiede entdeckten diese Technik, indem sie Verzierungen auf Tellern, Bechern oder Klingen mittels Farben in den Vertiefungen hervorhoben. Der Kupferstich entwickelte sich im Laufe der Frühen Neuzeit neben dem Papier zu einem sehr wichtigen Textträger, der v.a. besser und präziser abbildete als der bis dahin gängige Holzschnitt und sich daher sehr gut für Buchillustrationen eignete.

Die starke Verbreitung des Kupferstiches stand in engem Zusammenhang mit dem Humanismus und der Reformation. Da bekanntlich in dieser Zeit der Buchdruck im Allgemeinen einen Aufschwung erlebte und parallel dazu zahlreiche Flugschriften und -blätter verbreitet wurden, konnte der Kupferstich hervorragend für die Illustration von Polemiken und Nachrichten verwendet werden. Somit entwickelte sich der Kupferstich zunächst im deutschsprachigen Kulturbereich. Hierbei spielte Albrecht Dürer eine zentrale Rolle.


Abb. 1

Zunächst setzte man den Kupferstich in erster Linie zur Buchillustration ein, da dies offenbar verkaufsfördernd wirkte. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts verlagerte sich der Schwerpunkt auf Flugschriften oder andere Medien, die in hoher Auflagenzahl gedruckt wurden. Dabei sei besonders auf die Nachrichtenblätter aus dem Dreißigjährigen Krieg hingewiesen.

Große Bedeutung erlangte das Medium im 17. Jahrhundert im Zusammenhang mit dem wachsenden Repräsentationsbedürfnis zahlreicher Herrscher, die den Kupferstich als Wandschmuck, Buchillustration oder Sammelobjekt benutzten.

Um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden, betätigten sich immer mehr Menschen auf diesem Gebiet, was die allmähliche Entwicklung des Berufs des Kupferstechers zur Folge hatte. Dieser arbeitete zunehmend unabhängig vom Drucker und vom Entwerfenden und führte in erster Linie Auftragsarbeiten aus. Neben der Ausarbeitung neuer Techniken, differenzierte sich auch die Funktion des Kupferstiches aus: So entwickelte man speziell Kupferstiche für den wissenschaftlichen, topographischen und kartographischen oder für den künstlerischen Bereich. Bis zum 17. Jahrhundert war der Kupferstich so erfolgreich, dass er zusammen mit der Radierung den Holzschnitt, der nun als minderwertig galt, verdrängt hatte.

Dennoch wurde der Kupferstich weiterhin als Buchillustration eingesetzt. Nun stand weniger die künstlerische Fertigkeit, als vielmehr die Vermittlung des Inhaltes im Mittelpunkt, wobei gerade der Titelillustration eine besondere Bedeutung zukam. Man benutzte die Illustrationen in religiösen und Geschichtswerken, in Städtebüchern und Reiseberichten, für kartographische Werke (Matthäus Merian) aber auch in den aufkommenden naturwissenschaftlichen Büchern. Im 18. Jahrhundert kam noch die schöngeistige Literatur hinzu, die ebenfalls mit zahlreichen Illustrationen ausgestattet wurde.

Thematik

Die thematischen Sujets, die auf den Kupferstichen auftauchten, waren unterschiedlicher Art. Zu Beginn der Frühen Neuzeit produzierte man v. a. religiöse Andachtsblätter, Porträt- und Genrebilder. Aber auch politische Ereignisse, die besonders während des Dreißigjährigen Krieges interessierten, wurden bildlich umgesetzt.


Abb. 2

Beliebt und äußerst angesehen waren Kupferstiche, die Festlichkeiten und Festzüge zeigten. Außerdem stießen auch Kupferstiche im Bereich des "fait divers", die aufsehenerregende und sensationelle Ereignisse veranschaulichten, auf großes Interesse. Diese Stücke stellten z. B. Himmelserscheinungen, technische Neuerungen, die Anfänge der Luftschifffahrt, Monster, Untiere, Wunderzeichen oder grausame Bluttaten dar.

In der Regel wurden Flugblätter und Kupferstiche meist mit dem Ziel hergestellt, in möglichst hoher Auflage verkauft zu werden und den Gemeinen Mann zu erreichen. Daher kamen Schauwert und Propagandafunktion sehr große Bedeutung zu.

Verkauft wurden die meisten Kupferstiche, die nicht der Buchillustration dienten, im Straßengeschäft, in der Werkstatt oder durch den wandernden Kolportage- und Hausierhandel. Die Händler befanden sich meist in den städtischen Zentren, auf Marktplätzen oder Boulevards, an Rathaus- und Kirchplätzen. Zu besonderen Anlässen, wie Reichstagen, Märkten oder Kirchfesten ließen sich die Illustrationen und Blätter ebenfalls sehr gut absetzen.

Zentren

Bedeutende Zentren der Kupferstichproduktion waren im deutschen Raum v. a. Augsburg, Nürnberg, Basel und Köln als wichtigste Orte der Buchkunst. Auf europäischer Ebene nahm Frankreich bis zum Ende des 18. Jahrhunderts eine herausragende Stellung ein. In Paris waren seit dem 17. Jahrhundert die Drucker und Kupferstecher in der Rue Saint-Jacques ansässig. Die bekanntesten Umschlagplätze bildeten das Palais-Royal, die Kirche Saint-Sulpice und das Ufer der Seine. In Frankreich produzierte man die Kupferstiche v. a. für eine reiche Klientel zur Reproduktion von Gemälden. Schließlich erlangte das Medium in der Französischen Revolution sehr hohe Bedeutung. In dieser Zeit publizierte man zahlreiche Polemiken und Flugblätter, die sehr weite Verbreitung fanden. Es war nun eine neue Generation an Stechern und Händlern in Paris ansässig, die mit einem wenig aufwendigen Verfahren billige Massenware herstellten, um rasch über das politische Tagesgeschehen informieren zu können.

[Beatrice Hermanns] 

 

Literatur

Lüsebrink, Hans-Jürgen: "Kauft schöne Bilder, Kupferstiche..." Illustrierte Flugblätter und französisch-deutscher Kulturtransfer 1600-1830, Mainz 1996

Wolf, Hans-Jürgen: Geschichte der graphischen Verfahren, Darmstadt 1990

Art. Buchillustration, in: Lexikon des gesamten Buchwesens, Bd. 1, 2. Auflage Stuttgart 1987

 

Empfohlene Zitierweise

Hermanns, Beatrice: Kupferstich. Aus: Medien und Kommunikation, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/6pzh0/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 13.03.2006

Zuletzt geändert: 13.03.2006


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