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Emblem

 

Im Jahre 1531 wurde mit dem Emblematum liber des Mailänder Juristen Andrea Alciato in Augsburg das erste Emblembuch gedruckt. Binnen kurzer Zeit fand die Text und Bild verbindende Gattung des Emblems in ganz Europa eine weite Verbreitung und erreichte ihre Blütezeit etwa zwischen 1580 und 1750.

Das Wort "Emblem" stammt von dem griechischen und später ins Lateinische übernommenen Substantiv "emblema", das alles Ein- oder Angesetzte bezeichnet, wie Mosaik- und Intarsienwerk oder eine anderswoher entlehnte und in eine Rede eingefügte Stelle.

Als Grundtypus des Emblems gilt seit der erstmaligen Verwendung durch Alciato eine dreiteilige Gliederung in Motto (auch als Lemma oder Inscriptio bezeichnet), Pictura (auch Icon oder Imago genannt) und Subscriptio (Epigramm). Während das Motto in Form eines knappen Ausdrucks oder einer Sentenz das Thema angibt, bildet die Pictura einen Gegenstand oder Sachverhalt ab, dessen Erklärung und Ausdeutung die meist in Verse gefasste Subscriptio übernimmt.

In dem von Joseph Cajetan Khuen entworfenen Emblem, das anlässlich der Trauerfeierlichkeiten nach dem Tod des bayerischen Kurfürsten Maximilian II. Emanuel am 26. Februar 1726 geschaffen wurde, bestrahlt die aufgehende Sonne die Münchner Theatinerkirche. Damit erinnert das Emblem an die Entstehung und Funktion dieser Kirche. Denn die Eltern Max Emanuels, Ferdinand Maria und Adelheid Henriette, hatten gelobt, dem Hl. Kajetan eine Kirche zu errichten, falls ihnen ein Sohn geboren würde. Am 11. Juli 1675, dem 13. Geburtstag des Kurprinzen, wurde die Theatinerkirche geweiht. Bedenkt man, dass diese Kirche seitdem als Grablege der Wittelsbacher diente, wird der Memento-mori-Appell des Emblems deutlich.


Abb. 1

Die zeitgenössische Theorie stellte hinsichtlich der Gestaltung von Emblemen bestimmte Regeln auf. So soll beispielsweise das Motto in einer Fremdsprache abgefasst sein und nur wenige Worte enthalten, die Pictura darf keine menschliche Gestalt abbilden. Aber gegen derartige Forderungen wurde in der Praxis ebenso verstoßen wie gegen die Dreiteiligkeit der Standardform, die durch hinzugefügte Übersetzungen der Textteile oder durch Kommentare Erweiterung fand.

Da Emblembücher auch als Quelle für die Ausschmückung von Gebäuden und Gegenständen, wie von Trinkgefäßen, Glocken, Kanonen oder Schießscheiben, dienten, mussten medienbedingt Textteile wegfallen, so dass in der außerliterarischen Emblematik das zweiteilige Emblem aus Motto und Pictura vorherrscht.

Die thematische Bandbreite umfasst ethisch-moralische, religiöse, erotische, alchimistische und politische Emblembücher, ohne dass die Grenzen immer klar zu ziehen sind.

Der 1739 erschienene Fürstenspiegel Coelum aspectabile christiano-politica astronomia in instructione principis observatum des Ignaz Franz Xaver von Wilhelm enthält zwölf politische Diskurse, deren ganzseitige Eingangsbilder ein Tierkreiszeichen und einen emblematischen Sachverhalt zeigen. Der dem Skorpion zugeordnete achte Diskurs behandelt das Problem der gerechten ökonomischen Verteilung im Staat. Die Skorpion-Abbildung wurde mit dem Motto MIXTA QUALITATE NOCIVUS verbunden. Zu der Darstellung einer halb grünenden, halb vertrockneten Eiche gehört das Motto VIRET, ET ARET. Das Epigramm vergleicht das aus verschiedenen Gestirnen zusammengesetzte, aber schädliche Licht des Skorpions mit schlecht verwaltetem Reichtum, der mehr schadet als nützt, und mahnt mit Blick auf den Zustand der Eiche zu einer angemessenen Verteilung der Mittel.

Vor dem Hintergrund einer wachsenden Zahl von Emblembüchern wurden Embleme ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Enzyklopädien gesammelt. Herausragende Beispiele dafür sind der etwa 1000 Seiten umfassende Mundus Symbolicus des Filippo Picinelli, der 1653 zunächst in italienischer Sprache und 1681 in einer lateinischen Ausgabe publiziert wurde, sowie die Symbolographia sive De Arte Symbolica sermones septem von Jacobus Boschius aus dem Jahre 1701, die 3347 Embleme beschreibt. Daneben gab es auch kleinere Sammelwerke wie die Emblematische Gemüths-Vergnügung bey betrachtung 715 der curieusten und ergötzlichsten Sinnbildern mit ihren zuständigen deutsch-lat.-franz. und ital. Beyschrifften, die 1693 in Augsburg erschien und als Musterbuch für bildende Künstler und Kunsthandwerker diente.


Abb. 2


Abb. 3

Das Gedankengut der Aufklärung bereitete der emblematischen Tradition ein baldiges Ende. Allerdings wurde Johann Arndts protestantisches Erbauungsbuch Vom wahren Christentum, das zuerst 1678/79 emblematisch illustriert erschien, noch 1930 aufgelegt!

[Thorsten Löffler] 

Literatur

Henkel, A. / Schöne, A.: Emblemata. Handbuch zur Sinnbildkunst des XVI. und XVII. Jahrhunderts, Taschenausgabe, Stuttgart / Weimar 1996

Peil, Dietmar: Emblematik, in: Fischer Lexikon Literatur, hg. v. U. Ricklefs, Bd. 1, Frankfurt/M. 1996, S. 488-514

SinnBilderWelten. Emblematische Medien in der Frühen Neuzeit. Hg. von W. Harms, G. Heß und D. Peil in Verbindung mit J. Donien. Katalog der Ausstellung in der Bayerischen Staatsbibliothek München. 11.8.-1.10.1999

 

Empfohlene Zitierweise

Löffler, Thorsten: Emblem. Aus: Medien und Kommunikation in der Frühen Neuzeit, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/6pzgs/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 10.03.2006

Zuletzt geändert: 10.03.2006


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