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Denkmal

Definition

Das Denkmal kann auf zwei verschiedene Arten definiert werden. Zum einen handelt es sich um ein Zeugnis historischer Entwicklung und vergangener Lebensformen, das ursprünglich nicht unbedingt mit dem Zweck der Erinnerung verbunden war. Charakteristika einer bestimmten Epoche konzentrieren sich in dieser Art von Denkmal und müssen als solche dekodiert werden. Beispiele dafür sind historische Stätten, Literatur, Baukunst, bildliche Kunst, Kunsthandwerk oder auch technische Gegenstände. Zum anderen sind Denkmäler bewusst zur Erinnerung an eine Person oder ein Ereignis errichtete Monumente, die eine bestimmte Botschaft enthalten. Diese stehen meist an sehr zentralen Orten und besitzen eine gesellschaftspolitische Funktion. In der Frühzeit waren diese Art von Denkmälern eng mit dem Totengedenken verbunden, das zum einen das Fortleben im Jenseits, zum anderen die Erinnerung an den Toten zur Aufgabe hatte.

Die Erinnerung an den Verstorbenen entwickelte sich von schlichten Grabplatten im Mittelalter über Porträtplastiken in der Renaissance bis hin zu prächtigen Statuen im Zeitalter des Barock. Immer stärker trat das Gedenken an den Toten in den Hintergrund und rückte die Präsenz des Herrschers - für den allein gewöhnlich Denkmäler errichtet wurden - in den Vordergrund. Hinzu kam das Phänomen, dass der Herrscher immer seltener in seinem Reich herumreiste und nur noch von einem Ort aus regierte; seine Präsenz musste daher im gesamten Reich auf andere Weise aufrechterhalten werden. Dies erreichte man mit Hilfe von Medien wie Münzen (link) mit seinem Porträt oder Büsten. Besonders im 17. Jahrhundert diente das Denkmal zunehmend der Verherrlichung des Herrschers und seiner Taten.

Im Zeitalter der Aufklärung stellte sich ein Wandel ein, da vermehrt auch berühmten Persönlichkeiten bürgerlicher Herkunft, so z.B. Musikern, Dichtern, Gelehrten oder Feldherren, ein Denkmal gesetzt wurde.

Im folgenden sollen vier Beispiele skizziert werden, die unterschiedliche Arten von Denkmälern repräsentieren: Ein Reiterstandbild Louis XIV., das seine Größe deutlich machen sollte, eine Wachsbüste desselben, die gänzlich aus den typischen Denkmälern und verherrlichenden Porträts herauszufallen scheint, der Grundriss der Stadt Karlsruhe als Denkmal an die Residenz- und Stadtgründungen im 18. Jahrhundert nach dem Vorbild von Versailles und das Panthéon in Paris als Beispiel für eine Ruhmeshalle.

Reiterstandbild Louis XIV.


Abb. 1

Dass Louis XIV. eine intensive Medienpropaganda zur Verherrlichung seiner selbst unternommen hat, ist bekannt: Zahlreiche Münzen, Medaillen, Porträts, Allegorien und Gemälde sind in verschiedenen Museen überliefert. Das von François Girardon (1628-1715) geschaffene riesige Reiterstandbild ist nicht mehr erhalten, sondern nur noch in den Gemälden von René Antoine Houasse (1644/5-1710), Hofmaler und Mitglied der Akademie, und einigen weiteren Stichen und Miniaturen existent. Das Standbild wurde 1699 fertiggestellt und am 13. August auf der Place Louis-le-Grand, heute Place Vendôme, feierlich enthüllt. Auf Befehl des Königs hielt René Antoine Houasse den Transport des Denkmals in zwei Gemälden fest. Ganz deutlich ist auf diesen Bildern die enorme Größe, ja fast schon Riesenhaftigkeit des Denkmals - im Vergleich mit den dargestellten Arbeitern und dem Gebäude - erkennbar. Diese Überlebensgröße ist allerdings typisch für damalige Herrscherporträts.

Das Standbild darf allerdings nicht alleine betrachtet werden: Es stand vielmehr in engem Zusammenhang mit dem gesamten Medienprogramm Louis XIV., in dem viele Bildnisse aufeinander bezogen waren. Entscheidend war auch die Positionierung der Statue auf zentralen Plätzen, damit sie möglichst jeder sehen konnte.

Die Ausstattung Louis XIV. ist ebenfalls kennzeichnend: Meist wurde er auf seinen Gemälden in antiker oder mittelalterlicher Rüstung mit lilienbesticktem oder hermelinbeseztem Mantel dargestellt.. Dazu trug er eine zeitgenössische Perücke und hielt in der Hand Symbole der Herrschaft - Zepter, Stab, Weltkugel.

Interessant ist, dass Louis XIV. eigentlich sehr klein war und auf den Porträts versucht wurde, seine Größe zu retuschieren. In der Regel wurden auch Krankheiten oder das Alter Louis' nicht verdeutlicht, denn Herrscherporträts dienten der Verherrlichung.

Karlsruhe

Als Louis XIV. regierte und sein Schloss in Versailles bauen ließ, hatte dies eine enorme Bauwut vieler anderer europäischer Fürsten zur Folge, die ebenso ein solch enormes, riesenhaftes Schloss haben. Zahlreiche Schlösser, wie Schönbrunn oder Sanssouci wurden nach dem Vorbild von Versailles errichtet. So auch das Schloss in Karlsruhe. Dass dabei gleichzeitig eine Stadt entstand war ebenfalls eine sehr kennzeichnende Entwicklung für die damalige Zeit.

Das ältere Schloss des Markgrafen Carl Wilhelm (1679-1738) in Durlach war im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört worden und der Wiederaufbau scheiterte aus Kostengründen, da die Stadt Durlach sich weigerte, einen teuren Bau zu unterstützen. Carl Wilhelm suchte ursprünglich einen Ruhesitz und einen Platz zum Jagen, wozu sich das Gebiet des heutigen Karlsruhes sehr gut eignete, da es mitten in einem Waldgelände lag. Der Ingenieur Friedrich von Bazendorff wurde mit der Planung des Schlosses beauftragt und am 17. Juni 1715 wurde der Grundstein gelegt.


Abb. 2

Vor dem Baubeginn ließ Carl Wilhelm (1679-1738) einen kreisrunden Platz mit 32 strahlenförmig verlaufenden Schneisen anlegen, die auf dem Kupferstich von Thran sichtbar sind. Dabei bilden Schloss und Turm den Ausgangspunkt der Straßen und Wege, die zu den Dörfern oder ihren Fluren führen, von wo aus das Material zur herrschaftlichen Baustelle transportiert werden musste. Diese Orte stellten auch die Arbeiter für den Forstbetrieb und die Jagd. Der Turm erhält durch seine vom Schlossgebäude abgetrennte Lage eine besondere Bedeutung. Die Flügel des Schlosses markieren die äußeren Grenzen des Stadtgebietes, das eine festgelegte Hierarchie der Straßen und Wohnbezirke aufweist. Vor dem Schloss - das ist neu - befindet sich der höfische Garten mit einer Abgrenzung zu den bürgerlichen Wohnungen.

Das Strahlensystem der Karlsruher Anlage beinhaltet eine wichtige Symbolik: Die Radialalleen wurden nach den Rittern des zur gleichen Zeit von Carl Wilhelm gegründeten Ordens benannt. Die zentrale Achse von Nord nach Süd trug den Namen Carl Wilhems. Der Turm im Mittelpunkt des Systems symbolisiert den Staat, der auf der Treue der Ordensritter ruht. Von ihm aus strahlen die Alleen, die für die Ordnungskräfte stehen.

Das Schloss und die Stadt Karlsruhe stellen ein wichtiges Baudenkmal des 18. Jahrhunderts dar, das voller Symbolik steckt und den Charakter der Epoche wiedergibt. Das Strahlensystem ist zwar auch in Rastatt und Versailles vorhanden, doch liegt in Karlsruhe der Garten vor dem Schloss, so dass die Zufahrt auf einer östlichen Allee erfolgt. Bemerkenswert ist, dass die strahlenförmige Anlage auch im 18. und 19. Jahrhundert beim Neubau weiterer Häuser in der Nähe des Schlosses beachtet wurde.

Das Karlsruher Schloss kann daher als ein Denkmal für Carl Wilhelm selbst als Schlossbauer und Stadtgründer stehen, aber ebenso als Zeugnis einer bestimmten kulturellen Epoche, in der es Mode war, neue Residenzen mit aufwendigen Gartenanlagen nach dem Vorbild von Versailles zu bauen.

Panthéon


Abb. 3

Das Panthéon in Paris ist ein weiteres Denkmal. Ursprünglich war ein Pantheon ein Ort religiöser Feiern in der Antike. Das Pariser Panthéon ist allerdings ein Ort zum Gedenken an besondere Männer der Nation. Es befindet sich heute im 5. Arrondissement von Paris auf dem Hügel der Heiligen Genofeva, Stadtpatronin von Paris, zu deren Grab bereits ab dem 6. Jahrhundert zahlreiche Menschen pilgerten. Louis XV. gab den Bau des heutigen Panthéon in Auftrag, nachdem er von einer schweren Krankheit genesen war und geschworen hatte, die alte Kirche durch eine neue zu ersetzen. Der Architekt, der die Aufgabe übernahm und 1754 mit dem Bau begann, war Jacques Germain Soufflot. Beim Ausbruch der Revolution war die Kirche noch nicht völlig fertiggestellt. Die Assemblée Constituante beschloss 1791, aus dem Bau eine Ruhmeshalle zu Ehren der großen Männer der Nation zu machen und beauftragte Antoine Quatremède de Quincy damit, das Gebäude umzubauen und alle religiösen Elemente zu beseitigen. Er ließ die Glocken aus dem Turm entfernen und fast alle Fenster verschließen. Das Licht fällt daher nur noch von oben herein und lässt das Innere des Gebäudes starr und geheimnisvoll erscheinen. Für das Innere wurden zur Belebung und zur Versinnbildlichung der Tugenden neue Skulpturen geschaffen. Über dem Eingang wurde die Inschrift "Aux grands hommes la Patrie reconnaissante" angebracht, die den Sinn des Panthéon demonstriert.

Die Gräber der "grands hommes" befinden sich im Untergeschoss des Gebäudes, in mehreren Galerien, so zum Beispiel von Rousseau und Voltaire, dessen Überreste gleich zu Beginn überführt wurden. Im Laufe der Revolution sah man sich gezwungen, Ehrungen wieder rückgängig zu machen und die betreffenden Personen, wie zum Beispiel Mirabeau an einem anderen Ort zu begraben.

Im 19. Jahrhundert sollte das Gebäude mehrfach seiner ursprünglichen Bestimmung als Kirche zugeführt werden, doch setzte es sich mit der feierlichen Beisetzung Victor Hugos durch, das Panthéon als Gedächtnisort für bedeutende Männer auf allen Gebieten zu nutzen.

[Beatrice Hermanns] 

Literatur

Art. Denkmal, in: Lexikon der Kunst, Bd. II, Leipzig 1989, S. 121-124

Marie-Louise Biver, Le Panthéon à l'époque révolutionnaire, Paris 1982

Peter Burke, Ludwig XIV. Die Inszenierung des Sonnenkönigs, Berlin 1993

Thomas von der Dunk, Das Deutsche Denkmal, Köln 1999

Gottfried Leiber, Vom Jagdsitz zur Stadtanlage. Die städtebauliche Entwicklung Karlsruhes bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, in: "Klar und lichtvoll wie eine Regel". Planstädte der Neuzeit vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, Ausstellungskatalog, 1990, S. 297-312

Mona Ozouf, Le Panthéon. L'Ecole normale des morts, in: Pierre Nora (Hrsg.), Les lieux de mémoire, Bd. 1, Paris 1984, S. 139-166

Le Panthéon. Symbole des révolutions. De l'Eglise de la Nation au Temple des grands hommes, Ausstellungskatalog, Paris 1989

Rosemarie Stratmann-Döhler, Zur Baugeschichte des Karlsruher Schlosses, in: "Klar und lichtvoll wie eine Regel". Planstädte der Neuzeit vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, Ausstellungskatalog, 1990, S. 279-296

 

Empfohlene Zitierweise

Hermanns, Beatrice: Denkmal. Aus: Medien und Kommunikation in der Frühen Neuzeit, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/6pzgu/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 10.03.2006

Zuletzt geändert: 10.03.2006


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